WMMH �>>111»!> � �>..>"..'.!! l>.>.'l.I�.>K..>�!l">i«�!!'!U!'! �' IKÜMaH»««!!;.'.=;.....!!�!'lV�!!Il!:llMM-«MUM«»«>»««»'!l� Frauenstimme jtr.io�4s.3o»rgfli� Beilage zum Varwärks I Mai 193� Vielkindehe und Verbrechertum. Vor kurzem ist durch di« Initiative des Schulreformerz Paul Oeftreich(in d«r„Neuen Erziehung", Heftvird". freizugeben, als auch die Tötung der anderen,„die das furchtbare Gcgenbild echter Menschen bilden und soft in jedem Entsetzen erwecken, der ihnen begegnet". Die Freigabe der Tötung im ersten Falle»vöre einfach eine „Pflicht gesetzlichen Mitleide»", in, anderen Fall« reißt der Tod„nicht die geringste Lücke, außer vielleicht im Gefühl der Mutter oder der treuen Pflegerin". Und ta Blödsinnig» großer Pflege bedürfen, gebe» s>« Anlaß, daß „ein Menfchenberiis entsteht, der darin ausgeht, absolut lebens- nnivertes Leben für Jahre und Jahrzehnte zu fristen". Natürlich wäre die Vornahm» der Tötung nicht jedernuinn freizugeben: doch hätten Anspruch aus Freigab« in erster Linie die Angehörigen, die den Kranken zu Pjlegen haben und deren Leben durch da» Dasein des Armen dauernd so schwer belastet wird. Binding schlägt«Inen Freigabeausschuß aus Aerztei» und Juristen vor. die darüber zu bestimmen hätten, ob die Frei. gäbe zur Vernichtung des lebensunwerten Leben» stattfinden soll und sieht selbstverständlich auch Sicherungen vor, damit kein Mißbrauch getrieben werden könne. Prosessor Hoch« schließt sich als Psychiater vom medizinischen Standpunkt diesen Vorschlägen an. Al» die unglückselige Kontoristin Ihr Kind tötet«, hatte sie selbstverständlich keine Ahnung von diesen suristischen und»nedi- zinifchen Schlußfolgerungen über die Vernichtung ledensunwerten Lebens. J,n Kampfe ihres gefunden Mutterinstinktes mit ihrer verkrampften Verzweiflung fand sie unbewußt den vielleicht später einmal durch«in Gesetz erlaubten Ausweg;, st« befreit« das Kind von den Leiden, die seiner harrten und stch selbst von einer untrog- baren Last. Sie leistete ihrem Kind« den Liebesdienst, den in den Jbsenschen„Gespenstern" die Mutter dem unmittelbar vor dem Ausbruch der Geisteskranthest stehenden Oswald verweigert. Oswald:„Ja, nun mußt du mir also den Liebesdienst leisten, Mutter..." Frau Alving:„Ich, dein« Mutterl" Oswald: „Gerade desholbl" Frau Alving:„Ich. die dir da» Leben gegeben hat?" Oswald:«Ich Hab« dich nicht um da» Leben gebeten. Und was für ein Leben Host du mir dem» gegeben? Ich will es nicht länger, du sollst«» zurücknehmen.. Die klein, Kontoristin B. hat da» Leben, das sie ihrem Kinde gegeben, zurückgenommen. Geschworene hätten st» ohne weiter«» freigesprochen. Da» sogenarnitc Emmingersche Schwurgericht durste diese unglücklich« Mutter nur freisprechen unter Zuhilfenahme des§ 31. Sie braucht« stch durchaus nicht in einem Zustande krankhafter geistiger Störung befunden zu haben, um das zu tun, was sie vollbracht. Das Problem der Vernichtung lebensumverten Leben» steht in engem Zusammen» hang mit dem Z 218. Das Gesetz verlangt von der Mutter selbst dann das Kind zur Welt zu bringen, lven» alle» dafür spricht, daß es ein lebensunwertcs Leben werdcn würde. Hier fällt medizinische Indikation in weitestem Sinne mit sozialer zusammen Die Belastung gerade der proletarischen Mütter durch ein idlottfche» Kind kann zuweilen unerträglich werdei, und das Geld, das die geistig Toten dem Staat« kosten, könnt« den geistig Ge» s u n d e n zugute kommen. Da» Problem der Freigabe der Ber» nichtung lebcnsmnwertcn Lebens ist in erster Linie unter sozialen Gesichtspunkten zu lösen. Di« gesunden Muttertnstlnkt« solle» und dürfen an der Lösung unter keinen Umständen auch nur den geringsten Schaden erleiden. I.cc> Kosentlul. Das Kind und die Phantasie. Di« neuere psychologische Forschung hat die interestante Eni- deckung gemacht, daß stch zwar da» Tierleben und der Intellekt beim Kind« in allmählich ineinander übergehenden Stufen«nt- wickeln, die Phantast? jedoch beim Kinde bereits in gleicher Art und Stärke vorhanden ist wie beim Erwachsenen. Infolge der noch geringen Kräfte de» Intellekts erscheint sogar den» Aug« des Be» schauer» die kindliche Phantasie besonder» ausfallend und stark. Au» den verschiedensten Gründen neigt der Erzieher bisweilen dazu, diese ihm„gefährlich" erscheinende Phantasie de« Kinde» einzu» schränken. Soweit Ihm das wirklich gelingt,, stellen sich solch« Er- ziehungsmaßnahmen als schwere Schädigungen des Kinde» für sein spätere» Leben dar. Der moderne Kunst- und Handsertigungsunterricht unserer Schulen beschreitet den entgegengesetzten Weg: man will die Phan- taste des Kindes möglichst von allen Festeln befreien und zu schöpferischer Arbeit fruchtbar machen. Deshalb läßt man auch im modernen Zeichenunterricht die Kinder nicht mehr noch Dorlagen arbeiten, sondern regt ihre Phantasie an. damtt sie das, wa» da« tägliche Leben ihnen zu sehen gibt, den eigenen Kräften gemäß zu gestalten versuchen. Dadurch wird gkeichermaßen die Beobachtung»- gab« der Kinder geschärft und die Inner» Kraft ihrer Phantast« entwickelt. Zahlreiche Schülerausstellungen der letzten Jahre, an denen stch in erster Linie auch proletarische Schulen beteiligten, legen vom Erfolg dieser Bemühungen beredtes Zeugnis ad. Etwas schwieriger gestaltet sich sür die Erziehung die BeHand- lung der kindlichen Phantast« in der Richtung der Dichtung und Schauspielkunst. Kinder erzählen sehr gern Geschichten, wie st« sagen:„frei aus dem Kopfe", und dem Erwachsenen ist es binoeilen nicht leicht, diese Kunstprodutte kindlich«! Phantasietättgleit von de- «übten Lügen zu unterscheiden. Jen« müssen beachtet und geschant werden, diese verdienen ernsthaste Untersuchung und geeignete Gegenmabnahmen. Aehnlich ergeht es uns mit den Leistungen lind» licher Darstellungskraft in Körperausdruck und Bewegung. Auch dies« frühen künstlerischen Regungen lassen sich bisweilen nur schwer von den recht bedenklichen, unschöpserischen Nachahmungsspielen unterscheiden, die leider nur allzu hiiusig dazu dienen sollen, das Kind vor den Erwachsenen„Interessant" zu machen und ihre Auf- merksamkeit aus das Kind zu lenken. Man hat deshalb in jüngster Zeit auch hier die gleichen Wege beschritten wie In der darstellenden Kunsterziehung, d. h. man labt die Kinder nach ihrem eigenen Er« messen und mit möglichst wenig Anleitung unter sich Bewegung?- spiel« und Reigentänze aufführen, wobei immer abwechselnd eins von ihnen dl« Führung übernimmt. Besonders beachtlich sind dies« Methoden für die Kindergartenpraxis. Man kann über» Haupt sehr skeptisch darin sein, ob die Methode der vom Erwachsenen an das Kind künstlich herangebrachten Spiele im Kindergarten empfehlenswert ist. Sämtliche Beschästtgungsspiele, wie sie F r ö b e l ausgestaltet und gelehrt hat, und auch die in einer besonderen Methode ausgedachten Spielgerät« des M o n t» s s o r i-Systems sollen in den Händen einer verständnisvollen Erzieherin In erster Linie dazu dienen, im Kinde die selbständige Beschäftigung mit diesem Spielzeug anzuregen. Wenn also ein Kind von sich aus den Drang besitzt, sich nach Möglichkeit mit selbjterfundenen Spielen zu beschäftigen, so soll man es nicht nur darin gewähren lassen, sondern«ine geschickte Kindergärtnerin könnt« die relativ großen Oer Kult mit Di« iibergrotze Mehrzahl der Bevölkerung Deutschlands besteht aus arbeitenden Frauen. Aus Benifsfrauen, Hausfrauen, Studentinnen, Lehrmädchen und Schülerinnen. Blättert man aber die illustriert« Zeitschriften- und Magazinliteratur durch, betrachtet man das Milieu der meisten Kino- und Theaterstück«, so erhält man unweigerlich den Eindruck, als ob eigentlich nur die glanzvoll«, von Sorgen und Mühen unbeschwert« Welt der Dame rristicrt» neben der das Milltonenheer der«rwerbstätigen und minderbegüterten Frauen in ein nichtssagendes Grau versinkt. Die Requisiten und das Zeremoniell damenhaften Lebens sind so reich- haitig, daß von ihrer Beschreibung und Darstellung ganze titerakur- und Ailmsabriken leben. Ihicrmüdlich sorgen sie dafür, daß auch wir gewöhnlich« Sterbliche von dem beneidenswerten Dasein dieser mondänen Göttinnen er- fahren. Von Ihren geräumigen, kostbar möblierten Luxus- Wohnungen, ihvem stilvollen Lebenszuschnitt, ihren morgendlichen Tiergartcnritten und Autofahrten, ihren Tennis-, Golf-, Cocktail- und Bridgcpartien, Ihren teuren Hunderassen, chrcr Schönheits- pfteg» und ihren sie ewig in Anspruch nehmenden vielfachen Toilette- sragen. Der Typ, der uns da entgegentritt, ist nicht eigentlich die Dame als geistig kultivierte Erscheinung, also als hochgebildete, wissenschaftlich oder künstlerisch tätige Frau, deren ernsthafter Per- sönlichkcit ein solches Uebermah von Aeuherlichkeiten zutiefst zuwider sein würde, sondern die Dame als pretensiöses Luxus- w« s e n. die kein« anderen Interessen hat, als sich durch kostspieligen Kleideraufwand, durch sportliches Getue und leere gesellschaftliche Formeln in Szene zu setzen und zu repräsentieren. Als«in Ge- schöpf, das im Grunde nichts ist und nichts kann, als mit Arroganz und hochmütiger cebenspassiviiäl aus die unscheinbareren, werteschajsenden Geschlechtsgenossinnen herabzublickeu. Gibt es diesen drohnenhaften Frauentyp in unserer Zeit, wo doch jedes Bürgermäschen einen Beruf lernt, eigentlich überhaupt noch in großer Anzahl? Nun, rein zahlenmäßig ist er gegenüber dem Gros der grauen in Wirklichkeit nur sehr gering, nicht aber als im Bewußtsein großer Massen lebende Fiktion. Und was das Eigenartige Ist, dieses unnütze, egozentrische Luxusgeschöpf und schmarotze»»« Mitglied der menschlichen Gesellschaft wird von sehr, sehr vielen Frauen nicht etwa abgelehnt und verachtet, sondern gilt ihnen im Gegenteil al» bewunderte», nachahmenswertes Idealbild. Da sitzen die kleinen Angestellten und jungen Arbeitermädchen vor der flimmernden Leinwand des Filnis und blicken mit heißen und begehrlichen Augen auf die Klei der pro cht und die luxuriö- s«n Allüren der Diva, mit der sie sich in ihren Träumen heim- sich indentiftzleren und deren Haltung und Haartracht ihnen Modell ist, dem sie mit mehr oder weniger unzulänglichen Mitteln nach- elfem. Sie können sich vielleicht nur billigste Konsetiion kaufen, aber es ist ihnen ein Herzensbedürfnis, sich ab und zu in die mon- bänen Journal» vom Schlage der«Eleganten Welt" zu vertiejen, in Phantasieträste eines solchen Kindes sogar dazu benutzen, sie den Dienst der gesamten Kindergemeinschast zu stellen. So könnt« ein derartig produktives Kind geradezu zum Segen der Kinder-, gemeinschaft werden. Das Verhalten«Ine» etwa fünsjährigen Kindes gegenüber der Gemeinschaft seiner Kameraden ist ganz anders zu beurteilen ab» das eines Hortkindes von zehn bis zwölf Jahren. In diesem späteren Alter sollen sich gewisse soziale Gefühle und Charaktereigenschaft««» schon so weit ausgebildet haben, daß das Kind freiwillig Pflichten gegen die Gesamtheit anerkennt. Diese sozial« Einstellung des Kinde» entsteht aber(abgesehen von dem möglichst unsichtbar und unaus- dringlich gehaltenen Einfluß der Erzieher) in erster Linie aerad« durch das gemeinsame selbstschöpserische Spiel des kleinen Kinde». Was bei dem älteren Kinde schon vorhanden sein so», wird hier erst herausgebildet. Die Nichteinordnung des Kindes in die Ge» meinschaft ist also im Falle des Hortkindes schon eine Art Charakter» fehler, der einer behutsamen Korrektur bedarf, kann aber beim kleinen Kinde noch nicht als Fehler angesehen- werden. Hier gilt es lediglich, die Möglichkeit einer besonders starken Eigenart de» Einzelkindes für die Gesamtheit der Gespielen und damit indirekt für den sozialen Sinn dieses Kindes selbst wieder nutzbar zu machen. So kommt die modern« Pädagogik hinsichtlich der kindlichen PH an- taste zu den gleichen Ergebnissen wie bezüglich aller anderen Aeußerungen des menschlichen Körpers und der Seele: Licht, Lush Bewegungs- und Betätigungsfreiheit, nicht nur für die kindlichen Gliedmaßen, sondern auch für Zunge, Auge und Ohr. der„Oame". denen nur von großen Mode- und Sportsdamen und ihren, vi«l<»t kapriziösen Drum und Dran die Rede ist, nicht aber von de» Frauen� die all dieses schöne Zubehör herstellen. Letzten Sonnabend war der klein« Borstadtsriseurlaoen, de« durch sein« niedrigen, groß angeschlagenen Einheitspreise viel« Kun- binnen herantockt, wieder voll von Wartenden. Die braungebund«, nen Journale gingen von Hano zu Hand. Ueber eines waren drei junge Mädchenlöpfe gebeugt und ich hörte, wie sie haiblaut ihr» Meinungen austauschten. Sie waren sich offenbar gar nicht de» Diskrepanz zwischen ihren eigenen bescheidenen, wenn auch modisch betonten Erscheinungen und der in dem Heft geschilderten seuvalen Rioiera-Eleganz bewußt, sonst hätten sie sich über die ultra» schicken Photos und die einen phantastischen Geldbeutel verlangenden Modrnzepte zum mindesten ein bißchen mokieren oder nachdenklich stimmen lassen müssen.„Sieh doch mal hier, Lotti!" rief die ein« begeistert.„Dies weiße Espel Das würde dich sabelhast kleiden." Aber Lotti lehnt« da» Cape ab.„Rein, das Complet mit dem Polarfuchs wäre«her mein Fall." Die Dritte verschlang jede kleine Notiz.„Na weißte, dein« T ii r k i-s k« t t« ist auch nlch mehr modern, Ilse. Diesen Sonnncr wird Koralle getragen. Ach, was man nicht alles haben müßte! Lange, schwarze Hand» schuh« und ein Spitzenjäckchen zum Abendkleid, das wäre natürlich pikscin." Nur einmal war das Kleeblatt ein bißchen veiblüsst. Als nämlich die gründliche Leserin unter den Ratschlägen jür die elegante Dam« dos Rezept eines„harmlosen Schönheitsmittels" fand, da» in einer „halbstündigen Morgensahrt im offenen Auto vor der Masioge- behandiung" bestan». Mit Rücksicht auf eine Gefahr zu großer Rötung der Haut waren dafür aber nur staub- und regcnsreie Tage empfohlen. Wenn die Frauen der arbeitenden Klasse mit ihren geringen Mitteln und ihrem ganz anderen Lebenszuschnitt die große Eleganz kopieren wollen, kommen meist nur mißverstandene und fatale Lösungen heraus, über die der Kenner mitleidig lächelt. Das Sprich- wort lzeißt zwar:„Der Schein trügt", in Wirtlichkeit ist aber nichts trügerischer als der Schein. Und zwar siegt die Eleganz nicht nur im Material und in der sorgfältigen Berorbcitung von Kleidungs- stücken, sondern die Dinge verlangen auch einen bestimmten Rahmen und müssen den besonderen Gegebenheiten angepaßt sein. So kann z. B. ein Seidenkleid mit langem, weiten Rock vom modischen Standplintt aus für Theater- und Gefells chasts» abend« ganz reizvoll wirken, seine Trägerin wird aber zur Kart- katur, wenn sie es unter einem hellen sportsmäßigen Mantel am Sonntagnachmittag auf der Straße anzieht. Oder wenn sie mit hochstäckltgen Luxusschuhen. die für glattes Parkett und Fahrten Im Auto taugen, mühsam über holpriges Kopssteinpslaster sichziert. Und tatsächlich sieht inan ja solches peinliche Wollen und Richttönnen nicht am Kursürjtendomm, sonbern am Wcdding, wo man anspruchsvolle Eleganz, die sich nun einmal nicht mit Spar- maßnahmen verträgt, krampfhaft nachzuahmen versucht. Daß alle graue» schön und gut gekleidet sein möchten, sind an sich durchaus berechtigt« Wünsche� Unser Sireben al- Sozialisten geht sa auch danach, daß.Körperpflege uns Kleiderkultur ein selbst- verständliches Lcbensrechl aller Uleuschen und viar allem der arbeitenden, werleschassenden, werde, tind wcht da- Privileg einer kleinen, mllßiggehenden Kaste sein koll. Es sollt« nur nicht dieses ehrfürchtige Schielen nach oben va sein, dieses unwürdig«, widerspruchslose Sichuntenverfen unter jede, dumme Gebot einer Mode, die für freiwillig arbeitÄose Damen kreiert und bestimmt ist. Die arbeitenden Frauen sollten mehr Selbstachtung, mehr Stolz besitzen, Ihren eigenen, Ihnen ge- »nähen Stil zu leben. Sie werden dann auch nicht auf jenes idiotische i.Man trägt"' hereinfallen, mit dem jeder geschäftstüchtige Verkäufer die meist schr unpraktischen„Neuheiten" einem gedankenlosen Publikum anzudrehen versucht, das, anstatt sich schöne, dauerhafte Sachen zu kaufen, sein sauer verdientes Geld an nutzlose modische Mätzchen hängt. Der arbeitende Mensch mit seinen ihm gemäßen Lebensansorde- rrmgen steht heute schon weit mehr im Mittelpunkt als früher. Zu den lebensgestaltenden Aufgaben, vor allem der Frauen, sollte es gehören, nicht mehr den snobistischen Kult mit der. Dame mitzumachen, sondern eigenwillig und selbstbewußt den Stempel des auf seine Arbeitsleistung stolzen Menschen der Umwelt aufzudrücken. Sie sind als Konsumentinnen eine mächtiger« Kraft als sie ahnen, und ihre inner« Haltung wird es bestimmen. in welcher Richtung sich eine neue und bessere Kultur formt. �largarete Hartigf. Lysistrata au Lysistrata, die Gattin eines Athener Feldherrn, war eine eigen- Willige und halsstarrige Person. Pazifistisch gestimmt, überredete sie die Athenerinnen zum Streit, um auf diese Weis« den Krieg init Sparta zu beenden. Das ist schon lange her. In der vorigen Saison. Im Künstler- theater. Die Schauspieler und Schauspielerinnen spielten gut und wir erlebten es mit, wie dieser eigenartig« Streik verlief. Dt« Weiber verweigerten den Männern alles, selbst das Essen. Alle Vermitt- Jungsversnche scheiterten und Streikbrechertum wurde auf da» strengste bestraft. Im vierten Akt ergaben sich die Männer. Bevor per Vorhang fiel, war der Krieg beendigt. Lysistrata hatte gesiegt. Aristophanes, der Autor dieses Dramas, starb nicht nur vor der Aufführung der„Lysistrata" im Künstlertheater, sondern etliche Jahrhunderte vor Ehristi Geburt. Wenn er heute gelebt hätte, so �ätte er sein Stück ändern müssen. Im Gouvernement Brjansk ist nämlich eine neu« Lysistrata jkrstanden, eine einheimische. Sie heißt Aksinja Karassewa. ' Aksinja fing an Versammlungen zu besuchen, gab ihre Stimme i»b, mischte sich in öffentliche Angelegenheiten. Das war aber dem Semson durchaus nicht recht. Immerhin ist er ihr angetrauter Mann. Und ihn gehen die Sowjets einen Schmarre» an. Aksinja ober— es ist nicht zu glauben— läuft in den Sowjet, steckt ihre Nase in die Sektionen. Und der Teufel hat da» Weibsbild geritten: Sie ist sogar eine Rednerin geworden. Lange hat Semjon Geduld gehabt, bis es ihn einmal in der Trunkenheit packte und er Aksinja zweimal gehörig verprügelte.„Daß du dich nicht«nterstehst, gegen Kleinen Willen zu handeln!"— schrie er sie an,—„sonst kannst du noch ganz was anderes erleben." Aksinja schluchzt« ein wenig, dann trocknete sie sich Augen und Nase mit der Schürze und begab sich zur Funktionärtn. Was sie dort geredet habe», das wisien wir nicht, und was Wir nicht wissen, davon reden wir nicht. ' Aber eine halbe Stunde später strömten die Bäuerinnen von 'allen Enden des Dorfes herbei, um sich tn der Schule zu versammeln. Die Frauenversammlung wurde eröffnet. Es dämmerte. Die Sonne neigte sich. Aber die Bauern konnten keine Ruhe finden. Die Kinder weinten. Die Kühe wollten ge- molken sein. Die Schweine gaben auf unhöflichste Weise zu ver- stehen, daß es höchste Zeit für sie ist, zu Abend zu essen. Welch «in Unglückl Wo sind nur die Weiber hin? Das Dorf ist voller Weiber, aber keine einzig« ist zur Stelle. Der Nachbar läuft zum Nachbarn: „Ist deine nicht da?" „Nicht da... Und deine?" „Verjchwundenl" „Was ist denn nur los?" „j)at jemand alle Weiber gestohlen?" „Hat man so etwas erlebt? Vierzig Jahre bin ich auf dieser Welt, aber so was ist noch nicht dageweselp" Es dunkelte bereits, als man erfuhr, daß die„zweite Hälfte d»r Menschheit" vollzählig in der Schule versammelt ist. Die Männer liefen nach der Schule, wie wenn Feuer ausgc- jbrochen wäre und es gälte zu löschen. Auch Semjon lies hin. Sie umringten die Schule und erhoben vor allen Dingen ein lautes Geschrei. Man vernahm Versprechungen, die den Rippen der Weiber galten. Di« Weiber schwiege» und das ist immer ein schlechtes Zeichen, deutet auf Sturm. Dann trat Aksinja mit einem Papier in der 5)and vor und sagte, daß mit Geschrei hier nichts zu machen wäre, es wäre besser, sie würden sich tn Rühe anhören, was auf diesem Pckpter geschrieben stände. Als es still wurde, begann Aksinja zu lesen: „Au alle Bürger des Dorfe» Weretejewta männlichen Ge- ' dem Dorfe. schlecht?, die wo verheiratet sind. Von allen Bürgerinnen de» Dorfes Weretejewka weiblichen Geschlechts, die wo gleichfalls ver- heiratet sind. Ein Ultimatum. In Anbetracht, daß wir, die ver- heirateten Bürgerinnen de» Dorfes Weretejewka, in schwierigen Verhältnissen leben, von unseren Männern geschlagen werden, kein gute» Wort von ihnen hören, da sie uns wie das lieb« Vieh be- handeln. Und aus diesem Grund« haben wir kein« Geduld mehr, solche Kränkung zu ertragen und stellen dieses selbige Ultimatum: Wir sind bereit, im Hause zu arbeiten und den Männern zu helfen, aber wir verlangen dafür, daß die Männer ihre Hände im Zaum halten und nicht nur nicht prügeln, sondern auch kein« solchen Worte gebrauchen wie: Aas, Balg, Schlumpe, Klaschbase u. a. m.... Und dazu erklären wir noch, daß wir nicht auseinandergehen und auch nicht zu unseren Männern zurückkehren, bis alle Bauern diese» Papier unterschrieben haben." Zuerst erhoben die Bauern ein großes Gelächter. Aber die Weiber blieben völlig ernst und schwiegen. Und das ist immer schlimm. Dann begannen die Bauern zu schimpfen. Aksinja bat sie, sich anständig zu benehmen und fügte hinzu, daß die Weiber die Schule solange nicht verlassen würden, bis auch der letzte Bauer de» Ver- trag unterschrieben hätte. Die Bauern traten von einem Fuß auf den anderen. Schrien durcheinander, warfen mit den saftigsten Schimpfworten um sich. fluchten, was Zeug und Leder hält. Dann kam einer nach dem andern und setzte mit zitteriger Handschrist feinen Namen unter den Garantiepakt. Und wer nicht schreiben tonnte, der malte ein Kreuz hin. Als man gegen Mitternacht auseinanderging, stolperte Semjon über die Straße seinem Hause zu und brummte vor sich hin: „Jeden Tag was Neues... Na, meinetwegen... Aber wie soll man denn die Weiber nicht prügeln? Wo man es doch schon aus Gewohnheit tun muß.. «u» dem RirsiHihen(®. Ricklinl. Kindergeist. Der ttnix vor dem Panther. Lillt ist zu Besuch mitgenommen worden. Während die ganz großen Leute sich unterhalten, hat Lilli sich mit einem Stück Schokolade in der Hand in ein Nebenzimmer geschlichen, in den, sich ein riesiges, von ihr stets nur mit scheuer Ehrfurcht betrachtete» Pantherfell befindet. Die Mutter, die das Kind vom anderen Zimmer aus durch die offene Tür beobachtet, wird nun Zeuge folgender Szene: Lilli nähert sich ängstlich Schritt für Schritt den: riesigen Tier, das mit ausgesperrtein Rachen vor ihr liegt, macht aus einiger Entfernung mehrere tiefe Knlx«: dann geht sie entschlossen auf da» Tier zu, schiebt die Schokolade zwischen die Zähne des Tieres und setzt sich mit einem erleichterten:„Jetzt wirst du inich aber auch nicht beißen", auf das Panchersell, Nur Bati war tot. Trubels liebster Spielkamerad ist ihre Katze„Kati", an der ihr kleines Herz mit großer Liebe hängt. Eines Tages wird das Tier krank und als Trudel morgens beim Frühstück sitzt, teilt ihr die Mutter schonend mit, daß Kati heute nacht gestorben ist. Zum Er- staunen der Mutter scheint diese Nachricht keinen besonderes tiefen Eindruck auf das Kind zu machen. Sie sagt:„So? Achl" und be- endet tn aller Seelenruhe das Frühstück. Nach dem Frühstück läuft Trudel zur Küche.„Wo willst du hin?" fragt die Mutter.„Mit Kati spielen," antwortet Trudel. Erstaunt folgt die Mutter dem Kind, das ihr auch schon laut jainmernd entgegeillänst:„Kati ist tot! Kati ist totl"„Aber, Liebling, sagt die Mutter und nimmt das tränenüberströmte Gesicht des Kindes in ihre Hände,„das Hab ich dir doch vorhin beim Frichstück schon erzählt."—„Ach.Mutti, sagt Trudel schluchzend, ich Hab geglaubt, Vati ist tot!"