_ J__ �............ Frauenstimme i jtr.i i* 4a.3o�r9owfl i Beilage zum Vorwärts I 4. Iuui Die junge Kunktioncinn. Seit den Septemberwahlen in Deutschland kommt die Dis- tuffion über die Frag« der politischen Einstellung der Jugend nicht Kur Ruhe. Nicht bloß die deutschen Blätter und die hinter ihnen stehenden Parteien ringen mit diesem Problem: auch in anderen Ländern— mit anderen Voraussetzungen— fürchtet man, eines schönen Wahltagsabend» ruhig einzuschlafen und am anderen Morgen mit einem nationalsozialistisch-kommunistisch überfluteten Parlament unsanft überrascht zu erwachen. Leidet auch der Familienvater, die gesamte ältere Generation, materiell viel stärker durch die Krise, so steht ihr doch der Jugend- liche moralisch auswegloser— ja hoffnungslos gegenüber: «r wird mitten aus der Arbeit gerissen, bevor er sie vollkommen be- herrscht, er ist in der besten Kraft und darf keine Leistungen zeigen. Mehr noch! Er muß fürchten, nie sein Berufsziel zu er- reichen, vielleicht gar sein Leben verpfusdjt, ohne Leistung zu beschließen. Was wäre selbstverständlicher, als daß der junge Mensch nun Halt und Stütze an der Partei sucht. Und sie kommen auch. Wäh- rend in Deutschland die Jugend(Achtzehn- bis Fünfundzwanzig- jährige) a ch t Prozent der Parteimitgliedschaft ausmacht, sind in Wien von je hundert Parteimitgliedern 28, IS Zwanzig- bis Dreißigjährige organisiert und so, wie die Statistik zeigt, die stärkste Altersgruppe! Altersaufbau der Wiener Parteimitgliedschaft: Alter Ueber 70 Jahre... von CO bis 70 Jahren. . 50, 60, , 40„ 50„ . so. 40. . 20, 80 unter 20 Jahren.. Aber wir sehen in dieser Statistik etwas anderes Merkwürdiges. Der Anteil der Frauen an der Parteimitgliedschaft steigt im großen und ganzen, je niedriger die Altersstufe ist: er ist am höchsten zwischen dreißig und vierzig, wo die Frauen die Männer bereits um mehr als zweieinhalb Prozent überflügeln! Bei den Zwanzig- bis Dreißigjährigen aber sinkt dieser Anteil bedenklich, die Frauen sind wieder der kleinere Teil geworden. Und gerade in dieser Altersstufe sollten die meisten organisierten Frauen zu sinden sein! Bei ihnen vermutet man am wenigsten noch Bindung an Tradition, dagegen am meisten politische Anteilnahme von Jugend auf: ihr geistiges Erwachen begann in einer Zeit, in der Selb- ständigteit und Gleichberechtigung der Frau schon natürliche Tat- fache war. Auch die Bildung einer Familie, die man früher un- bedingt in diese Zeit rechnete, schiebt sich heute hinaus an die Grenze der dreißig Jahr«, die Anzahl der betreuten Familienmitglieder ist s e h r klein geworden, so daß es kein glaubhaftes Hindernis mehr fein kann, sein« politische Pflicht nicht erfüllen zu können. Bei den Frauenabenden und Sektionsabenden sind die jungen Mädchen noch rarer. Ja, die jungen Leute überhaupt, wo stecken sie bei unserer Tätigkeit? Und da wird das Fehlen der jungen Mädchen der Schlüsiel zum Verstehen. Als wir noch in der Iugendorgamsation waren, hatten wir für den Stand unserer Gruppe bald einen Gradmesser entdeckt: war die Arbelt gut, gab es Schwung undLetstung, da hatten wir Mädels genug? bevor aber noch alle anderen Leistungen zurückgingen, vor jeder Krise in der Arbeit, begannen sie zu verschwinden. Sie sind die ersten, die mutlos werden, sie nörgeln nicht, sie rebellieren nicht, aber versinken in völlige Gleichgültigkeit. Ihnen fehlt noch der Halt einer tieferen politischen Bildung und auch der Ehrgeiz, der so manchen Genossen noch Hütt, wenn er auch schon nicht mehr glaubt. Daher ist diese Erscheinung auch der Schlüssel zum Verstehen der Situation in der Jugend überhaupt, denn die Mädchen reagieren am empfind- l i ch st e n auf alle die Tatsachen, welche die Jugend enttäuschen. Diese Jugend, die in einer Zeit zur Partei gekommen ist, in der man wie in einem Auiomatenapparat das Beitragsfechssrl hineingeworfen hat und dafür Lohnerhöhungen, sozialpolitische Ge- setze, politischen und kulturellen Fortschritt in bunter Fülle heraus- erhielt, kann sich nicht ohne weiteres auf den heutigen Zustand um- stellen. Was für jeden Sechziger etwas aus alter Erinnerung her Selbstverständliches ist— nämlich, daß man jahrzehntelang kämpft, ohne einen nach außen hin sichtbaren Erfolg zu verzeichnen—, ist für diese Generation, die die Revolution erlebt hat, u n e r t r ä g- l i ch. Diese Generation hat aber auch nicht das Gefühl, daß die Partei nur das leisten kann, was ihre Mitglieder selbst imstande sind zu erkämpfen. Denn durch das Wachstum der Partei hat heute der einzelne, ganz besonders aber der einzelne junge Genosse, nur einen geringen Anteil an der Mitbestimmung und ver- antworwngsvollen Mitarbeit m der Partei. Sie halten die Führer für diejenigen, die alles für sie tun müssen, das Unmöglich« für sie durchsetzen sollen. Geschieht das alles nicht, jo ist die Zukunft in ihren Augen hoffnungslos, die einen verfallen in Gleichgültigkeit, die anderen in Rebellion. Sie hoffen nur noch auf ein Wunder: das Dritte Reich oder eine kleine Sowjetdiktatur. Dies nun wäre die Funktion für uns junge Mitarbeiter in der Partei. Unsere Aufgabe in unserer Stellung als Vertrauens- Personen der Partei wäre es, unsere eigene Genration m i t z u- reißen und zu erziehe m Wieviel Arbeit bedeutet« es, diese jungen Leute, die zum größten Teil außerhalb der Partei stehen, aber auch soweit sie organisiert sind, sich von den Jndifse- renten wenig unterscheiden, zum Verständnis der Zeit und ihrer Aufgabe in dieser Zeit zu bringen. I.i?so Zcrner, Wien Die Frau als Vorgesetzte. Erst wenig« Jahrzehnt« find vergangen, seitdem sich der Zu- gang zu den Gebieten des öffentlichen Ledens für die Frau geöffnet hat, und erst 1018 ist die Frau in Deutschland für politisch mündig erklärt worden. Diese wenigen Jahre und Jahrzehnte bedeuten fast nichts im Verhältnis zu einer uralten, festgefügten Tradition durch viele Geschlechter hindurch, in denen der Mann unbedingter Vorgesetzter auf allen Gebieten des öffentlichen und privaten Lebens war. nicht zuletzt Vorgesetzter der Frau als Bater, Bruder. Gatte. oft sogar als Sohn. In ungezählten Frauen wirkt sich diese Tradi- tion auch heute noch aus. ungezählte treten dem Manne, wo er ihnen auch begegnet, im Gefühl der Unterordnung, und zwar einer willigen, selbstverständlichen Unterordnung entgegen. Solche Frauen arbeiten im allgemeinen sehr gut unter männlichen vorgesetzten. aber die Frage wird für sie zum Problem, sobald an Stelle de» Mannes eine Frau als Vorgesetzte tritt. Die Untergebene, die eben noch dem Manne ganz instinktiv Achtung und Respekt entgegen- brachte und willig seinen Anordnungen folgte, fühlt sich der Frau als Vorgesetzten innerlich völlig gleichberechtigt und emp- findet es als Bevormundung, wenn Leistungen, die sie zuvor gern auf sich genommen Hatte, von ihr verlangt werden. Dazu kommt sofort ein zweites. Mit scharfem Auge erkennt die einstige be- i eidene Untergebene kleine Mängel und Schwächen an der Ge- lechtsgenossin, die sie In ihrer Opposition noch bestärken. Ist nun die betreffende Vorgesetzte wirklich ein Mensch mit Führerbegabung, der mit gleichbleibender Ruhe und Sachlichkeit zu arbeiten oersteht, dann ist immerhin mit der Zeit ein harmonischer Ausgleich möglich. Aber wenn die Vorgesetzte sich in ihrer neuen Rolle selbst noch fremd und unbehaglich fühlt, wenn ihr Sachkenntnisse mangeln, oder wenn es sich gar um eine reizbare, ängstlich auf ihr Ansehen dedachte Frau handelt, die nur auf ihre Macht pocht und ihre Stellung als Vorgesetzte immer und überall betont, sich Unterord- nung durch chärte und Kleinlichkeit erzwingen will, dann allerdings tritt an Stelle sachlicher Arbeit der erbitterte, heimliche Kampf der Nebenbuhlerinnen. Beide Frauentypen, Untergebene sowohl als Vorgesetzte, sind in diesem Fall nicht reif für eine gemeinsame Arbeit. Das bunte Leben liefert täglich eine unendliche Fülle von Stoff zu dem Problem„Untergebene und Vorgesetzte". Da war ein interessanter Fall an einer Schule. Das Kollegium hatte die Mög- lichkeit, sich die Leitung selbst zu wählen. Es war eine Mädchen» schule, und das Kollegium bestand fast ausschließlich aus Lehre- rinnen. Eine Frau und»in Mann kamen für die Stellung in Frage. Was geschah? In einer Zeit, in der Frauenvereine und Organisationen unablässig sich bemühen, das Selbstbewußtsein der Frau zu heben, ihr führende Stellungen zugänglich zu machen, lehnte man einstimmig die Zrau ab und wählte den Mann zum Vorgesetzten. Am nächsten Morgen wurde er von seinen Wählerinnen mit einem herrlichen Rosenstrauß begrüßt— es kam ihnen also gar nicht zum Bewußtsein, was sie getan hatten. Gewiß ist dieser Fall nicht zu verallgemeinern. Auch genügt es nicht, einfach die Tatsache als solche zur Kenntnis zu nehmen und voll Entrüstung den Stab über die Betreffenden zu brechen, ohne die tieferen Ursachen der Ab- lehnung zu kennen. Denn man kann natürlich nicht den Satz auf- stellen, daß Frauen nur eine Frau wählen dürfen, gleichgültig, ob sie fähig od�r nicht. Das Problem ist also nicht so zu stellen, daß die Frau Anspruch darauf hat, gewählt zu werden, weil sie Frau ist, sondern nur die wirklich b e s ä h i g t e Frau kann führend sein „ Geheimarchiv Immer mehr kommt man heute zu der Ueberzcugung, daß der> Haussrauenberuf im Sinne eines wirklichen Berufes auszusossen ist, der jeder außerhäuslichen Tätigkeit an die Seite gestellt werden muß. Aber nicht nur vom volkswirtschaftlichen Standpunkt aus gesehen ist die Wirksamkeit'einer geschulten chaussrau. durch deren Hände Tag um Tag Einkommen und Volksvermögen fließen, von größter Bedeutung Der Haussrauenberuf erfordert auch eine Fülle von Kenntnissen, von Wissen und Erfahrung, die die Volksgesund- heit, die Hygiene, das Wohnproblem, die Erziehung, kurz, alle großen Gebiete unseres kulturellen Lebens stark becinslussen können. Immer mehr setzt sich deshalb in allen Kreisen die Erkenntnis durch, daß diese Fähigkeiten bereits vor der Eheschließung erworben werden müssen, daß die künftige Hausfrau und Mutter i» allen Zweigen des Haushalts und der Kinderpflege gründlich geschult sein muß. In Schulen und Berufsschulen wird bereits auf dieses Ziel hingearbeitet: Kurse aller Art vcroollstäiedigcn die Ausbildung der Hausfrau b's zur Meisterin des Haushalts. Aber nur ein verhältnismäßig kleiner Teil von jungen Mädchen besitzt heute die Mittel, um vor der Eh«, geschweige denn in der Ehe, Kochkurse oder eine Haushaltsschule, Kurse für Säuglings- oder Kleinkinderpflege zu besuchen. Weitaus die meisten gehen direkt aus dem Berus, aus der Fabrik, der Werk- statt, dem Büro in die Ehe, falls sie nicht versuchen, den außerhäus- liehen Beruf, so lange es nur möglich ist, noch eine Zeitlang auf- rechtzuhalten, bis sie sich eine kleine Aussteuer an Wäsche und Möbeln oerdient haben. Doch im Zeitalter der allgemeinen Volksbildung lassen sich Lücken dieser Art bei Fleiß und gutem Willen von der betrejsenden Hausfrau selbst ausfüllen. Wie" viele praktische Winke, wie viel« Mitteilungen über Fragen technischer, wirtschaftlicher, kultureller Art im Haushalt bringt die Zeitung, ganz abgesehen von be- sonderen Frauenbeilagen und Frauenzeitschristen! Wie viele un- entgeltlich« Vorträge gibt es vor allem in den Großstädten: wie viele Prospekte werden kostenlos verteilt, bei Frauenzusammenkünsien, in Ausstellungen, in Warenhäusern: wie viele Ankündigungen über neue Erfindungen im Haushalt, wie viele kostenlose Beratungsstellen bieten der Hausfrau ihre Hilfe an! Ein Fülle von Wissen, von Be- l«hrung liegt vor d«r Frau ausgebreitet. Aber meistens ist es so, daß die Hausfrau zwar da und dort einen Vortrag hört, hier und da in Zeitung und Zeitschriften Praktisches und Brauchbares liest, aber— es ebenso schnell wieder vergißt, infolge der tausend Kleinig- keiten, die täglich ihre Aufmerksamkeit beanspruchen. Es gibt jedoch ein Mittel, s«in Wissen wirklich zu bereichern, alles Wissenswerte ! wollen Nicht das Geschlecht, sondern die Qualitäten müssen ent- scheidend sein. Man hört manchmal die Behauptung, die Frau sei ränkesüch- tiger, kleinlicher, launischer als der Mann und deshalb weniger für eine führende Stellung geeignet. Aber wir haben heute ja noch gar keine Möglichkeit, ein abschließendes Urteil über die Frau als Vorgesetzte zu fällen, denn die winzige Spanne Zeit, in der sie bis heute gewirkt hat, steht in gar keinem Verhältnis zu den Jahrhunderten, denen männliche Leistungen ihr Gepräge gaben. Aber abgesehen davon— wie viele Männer gibt es denn, die wirklich Führer sind im modernen Sinn des Wortes, die nicht ihren Machtstandpunkt betonen, sondern geistige Ueberlegen- heit walten lassen, die sachliche Leistungen ausweisen und gleich- zeitig die Fähigkeit besitzen, sich selbst zurückzustellen, wenn die Sache es erfordert? Das Vorgesetztenproblem ist eben kein aus- schließliches Frauenproblem— es ist ein Problem des Menschen. Der Sozialismus kennt den Begriff des Vorgesetzten im üblichen Sinn nicht, wohl aber kennt er den Begriff des Führers, des männ- lichen und weiblichen Führers, der den Massen große Ziele zeigt und ihnen durch seine eigene Tätigkeit, sein Beispiel hilft, ihnen näherzukommen. Karl Marx und Engels, Bebel und Rosa Luxem- bürg urd viele andere sind Führer in diesem Sinn gewesen. Für die sozialistische Frau, die irgendwo im öffentlichen Leben an ver- antwortlicher Stelle steht, Vorgesetzte im bürgerlichen Sinn ist, mit allen Machtbefugnissen dieser Stellung, kann es deshalb nur einen Weg geben: Immer wieder, auf allen Gebieten, sachliche Leistun» gen zu vollbringen, gleichzeitig aber an Stelle des kapitalistischen Machtstandpunkts die Waffetr geistiger Ueberlegenheit zu führen, menschlich befreiende, seelisch? Beziehungen zwischen sich und ihren Mitarbeiterinnen herzustellen. Denn erst dann ist die Vorgesetzte wirtlich zur Führer!» geworden, wenn sie es verstanden hat, ihre Untergebenen zu wirklichen Mitarbeitern am gemeinsamen Werk zu machen. So ist das Vorgesetztenproblem im sozialistischen Sinne, im sozialistischen Staat kein Machtproblem, wie es der Kapitalismus und die bürgerliche Gesellschaft kennen, sondern es ist ein Problem des M e n s ch e n. Es ist das Ringen der Einzelseele mit sich selbst— und gleichzeitig der Ausgleich zwischen dem Indi- vidiuum und der Gesamtheit Eis« Möbus. "der Hausfrau I sofort bei Bedarf an der Hand zu haben: Eine Zigarrenschachtel oder ein kleiner Karton sind rasch zu beschaffen, und steifes Papier ist ebenfalls in jedem Haushalt vorhanden: also den Bleistift zur Hand genommen und aufgeschrieben, was Zeitung, Vortrag. Rundfunk, Prospekte, und was es sonst sei, an Interessantem und Lehrreichem für die Hausfrau mitteilen! Damit aber ist der Grundstock zu einer wirklich gründlichen, wissenschaftlichen Haushaltsführung gelegt, der Grundstock zu einem„Archiv der Hausfrau". Unter bestimmte Rubriken— etwa: Blumenpslege, Kochen, Kleidung, Reinigunasmiitel, Wäsche usw.— werden die einzelne» Karten eingefügt.»Sie enthalten praktische Hinweise und Winke für die verschiedenen Gebiete, neue Entdeckungen, Versuche, die man selbst ausprobiert hat, kurz, alles, was irgendwie im Haushalt nütz- lich sein kann. Allmählich fügt man Unterabteilungen oder neue Rubriken ein. So enthielt die Abteilung„Wäsche" ursprünglich viel- leicht nur Ersahrungen mit dem und jenem Waschmittel, Hinweise auf praktische Arten, die Wäsche zu sondern oder sie mit möglichst geringem Seifenvcrbrauch zu reinigen. Allmählich aber wird das Gebiet vervollständigt Man hat da und dort von neuen Wasch- maschinentypen gelesen und gehört: vielleicht ist es in absehbarer Zeit noch unmöglich, sie zu kaufen, aber man hat doch großes Inter- esse daran, die' technische Entwicklung der Haushaltsmaschinen zu verfolgen, an der Zusammenarbeit von Ingenieur und Hausfrau teilzunehmen und dadurch mitzuhelfen an einer Verbilligung der Maschinen. Also sammelt man auch über diese Fragen Material und fügt sie ins Archiv ein. Oder ein anderer Fall auf ganz andH-em Gebiet: Hier steht in der Zeitung«ine Ankündigung von Rechtsschutzstellen für Frauen, von Eheberatung, von Schwangeren- lürsorge, von Säuglingspseg«. Unmöglich kann man die Adressen auswendig behalten. Also schreibt man eine Karte aus unter„Be- ratungsstellen" und fügt«in, was notwendig ist. Aber das Archiv braucht nicht nur positive Vorschläge zu ent- halten. So manche Hausfrau sitzt betrübt am Mittagstisch, weil sie zum xten Male irgend etwas bei einer Speise vergessen hat, oder sie ist mit der Wäsche nicht fertig geworden, weil sich irgendein Fehler einschlich, der sich jedesmal wiederholt. Als» schreibt sich die Hausfrau Versehen, Fehler und Unterlassungen aus und fügt sie ebenfalls der betreffenden Rubrik bei, um sich das nächste Mal sofort an das Wesentliche zu erinnern. Denn das Archiv der Haussrau ist ja durchaus persönlich, und sie hat das Recht, es so zu gestalte», daß es gerade sür sie wirklich nutzbringend wird, es als eine Art „Geheimarchiv" für sich selbst auszubauen. Ellce. \ Die Verkäuferin Und andere kl Die Perussbereitungsstatistiken der letzten Jahre zeigen in immer stärkerem Maße den steigenden Andrang der jungen benussuchenden Mädchen zum Angestekltenberus. Ader es ist iricht die Stenotypistin oder die Kontoristin oder gar die in Film und Roman so rosenrot idealisierte Privatsekretäri», die als Berussziel lockt, sondern die Berkäuserin. Die übergroße Mehrzahl der weiblichen Schulentlassenen, die den Angestelltenberus wählen, wollen V e r- käuferinnen werden. Trotzdem, was viele nicht wissen, gerade der Einzelhandel die niedrigsten Gehälter zahlt, und trotzdem, was doch alle wissen können, die Berkäuserin über viel weniger freie Zeit verfügt als ihre Kollegin in, Büro, die schon am Nachmittag „heraus" kann oder Sonnabends den freien Nachmittag genießt— während die Verkäuferin Abend für Abend im Geschäft stehen mutz. Welche psychologischen Zusammenhänge liegen diesen Massen- Neigungen zugrunde? Abgesehen von inr Vorstellung, hier vielleicht leichtere Lehrzeit oder schnellere Anstellungsmöglichkeiten zu finden, und abgesehen von Zeitströmungen, die irgendeinen Beruf zum Mode beruf stempeln: der Wunsch, als Verkäuferin hinterm Ladentisch zu stehen, ist der Wunsch, mit Menschen in Berührung zu kommen, ist der Wunsch nach Lebendigkeit, Abwechslung und Glanz. Hier ist im allgemeinen noch wenig mechanisiert, es lockt noch ein persönlicher Kontakt mit Menschen und Dingen. Nicht zufällig ist die Heiratshäusigkeit der Verkäuferin größer als in anderen Berufen— allerdings kann es sich der Handelsunternehmer gestatten, die jüngsten und hübschesten(und nebenbei billigsten!) auszusuchen. Und wer ahnt, was für Ent- behningen hinter den, wohlondulierten Bubikopf und dem schicken Kleidchen stecken? Es lockt in der Phantasie e>n buntes Leben! Was Krauen verdienen oder wie man Frauenarbeit zu bezahlen wagt: in der Schuh- Heimindustrie in, Bezirk Frankfurt a. M. wurde, nach einem Bericht des Gewerkvereins der Heimarbeiterinnen, versucht, den horrenden Lohn von 1,05 M. sür 50 Paar Struppschuhe noch herabzusetzen. Nach einer neuen Verarbeilungsmethode blieb der Heimarbeiterin für 50 Paar nur 35 Pfennig Arbeitslohn, wobei die Arbeit des Holens und Bringens der schweren Last Schuhe noch einbegrifsen ist. Da die Firma mit dieser neuen Methode nicht den„gewünschten Erfolg" hatte, gab sie die Schuhe wieder zu den alten„hohen" Löhnen in Heimarbeit. Strumpshalternäherinnen oerdienen für das Gros-Paar 90 Pfennige. Für Tapisserie liegen die Stundenlöhne zwischen 20 und 25 Pfennig!— Der„Auswärts" berichtet, daß ein oberschlesisches Gut einer 26jährigen Landarbeiterin einen Vertrag zur Unterschrist vorlegte, in dem sie sich bereit erklären sollte,„in- folge minderwertiger Arbeitskrast"— trotzdem sie durchaus gesund und seit Jahren in der Landwirtschast tätig war— sür einen Stundenlohn von 1 0(zehn!) Pfennigen zu aibeitenl Geburtenzahl und Säuglingssterblichkeit. Die Stadt Berlin hat den zweifelhoften Vorrang, die niedrigste Geburtenzahl von allen preußischen Großstädten zu haben: auf 1000 Berliner kamen im Jahre 1930 mir 10,2 Ge- burten. Dagegen können die Städte Hindenburg und Oberhausen, beide mit überwiegend katholischer Bevölkerung, den Rekord der größten Geburtenzahl ausweisen: auf 1000 Hindenburger kamen 23„neue" Kinder, auf 1000 Oberhauscner 22,3. Hohe Goburts- Ziffern weisen auch die meisten Universitätsstädte aus: das erklärt sich aber nicht etwa aus einer besonderen Fruchtbarkeit der Studenten, sondern ausMM, Einrichtungen von Kliniken und Ent- bindu ngsa nstatten der Universitäten, zu denen die Frauen der ganzen Umgegend zur Entbindung kommen.— Aber wieviele dieser Neugeborenen überstehen das erste Lebensjahr? Der geringsten Zahl von Säuglings st erbesällen kany sich die Stadt Frank- surt am Main mit ihrem sonnigen Klimck erfreuen(5,1 aus 100 Lcbendzeborcne). Dagegen sterben in den ausgesprochenen Jnduftriestädten, in Halle im mitteldeutschen Kohlengebiet und in Remscheid im Ruhrgebiet noch mehr als jedes zehnte Neugeboren«! Die Gebrechlichen. Die kürzlich neu durchgeführte Gebrechlichenzähiung im Deutsche» Reich zeigte einen ausfallenden Unterschied in der Gebrechens- Veranlagung zwischen den Geschlechtern. Bon Geburt an sin/d die Frauen etwas geringer mit geistigen Gebrechen, dafür aber über- wiegend stärker mit körperlichen Gebrechen belastet als die Männer. Nur 8 von 100 Männern, aber 21 vonlOOFrauensindvon Geburt an körperlich schwergebrechlich. Bei den Männern treten die meisten Gebrechen erst im Alter von 20 bis 30 Jahren auf. als Berufsideal. ine Tatsachen. Allerdings muß bei dieser Zählung die hohe Zahl der Kriegs« verletzten mit in Rechnung gestellt werden; aber auch die Berufs- gefährdung ist bei den Männern noch sehr viel stärker als bei den Frauen. Wichtig ist die Feststellung, daß als Ursache der Cr- blindungen außer den Kriegsbeschädigungen in der Hauptsache Vererbung ermittelt wurde; die Blennorrhöe(eine bei der Geburt übertragene Eiterinfektion) kam nur noch selten vor. Dagegen rve.r die Tuberkulose als Erblindungsurfache noch von Bedeutung. Wo wird am häufigsten geheiratet? Die meisten Eheschließungen unter den preußischen Großstädten im Jahre 1930 zählte die Stadt Harburg-Wilhelmsburg mit 10,7 auf das Tausend der mittleren Bevölkerung, ihr folgen die Städte Frankfurt(mit seiner guten Wohnungspolitik) und Berlin. Die heiratsunlustigsten Bewohner haben die Industriestädte Gleiwitz(7,9) und Münster(7,7). 5. L. Das Atemkorsett. Ueber das weitverbreitete Vorkomme» des sogenannten„Atem- korsetts" berichtet« Dr. Hans v. Hattingbcrg kürzlich ausiühr- lich auf der Aerztetagung in Dresden. Der seltsame Name„Atem- korseit" für eine bestimmte Störung der Atmung und eine beträcht- liche Berspannung und Bersteifung der unteren Brustkorb- und oberen Bauchmuskeln erscheint Hattingberg dadurch gerechtfertigt, daß von den Patienten selber diese Berspannung subjektiv wie ein„Kor- seit" empfunden und auch so bezeichnet wird. Andere wieder sprechen von einen,„Ring" oder einem„beengenden Reisen", der den, zun, Faß oder zum Kessel gewordenen Brustkorb fest aujliegt, oder Oer Potient hat ein Gefühl der Völle, bis zum Platzen„Ich bötte an, liebsten meinen Rumpf angebohrt oder den Reisen aufgeschni:- ten," erklärte ein Kranker. Manche empfinden das Bedürfnis nach einem Gegendruck. Die typische Atemstörung wird zumeist als„Atemsperre" emp- sunden oder in schwächeren Fällen als die Unmöglichkeit,„durchz.:- atmen". Es ist, als ob ein Brett oder sonst ein mechanisches Hinder- nis dem normalen tiefen Atemzuge mit dem daran knüpfenden B- frsiuungsgefiiht entgegenstünde. Da? Gefühl der Enge, der Be- drücktheit und Atemnot versucht der Patient dadurch zu beseitige», daß er von Zeit zu Zeit eine tief seufzende Ein- und Ausatmung aussührt; wenn die Atemsperre sich dann löst, tritt oft ein wieder- holtes Gähnen auf. Dieser überaus lästige und quälende Zustand, der sehr viel hänsiger vorkommt als man gemeinhin annimmt, t itt oftmals im Zusammenhange mit angstvoller Spannung, also etwa vor einem Examen, vor Anstelluneen und ähnlichen Zuständen angstvoller Gespanntheit auf. Ein leichter Grad von„Korsett- atmung" ist außerordentlich häusig: ja. die Tatsache, daß e� nur verschwindend wenige Großstadtmenlchen gibt, die völlig frei atmen, hält Hattingberg für die einzige Ursache, daß diese verbreitete Er- schcinung bisher nicht beschrieben worden ist Mit der Bezeichnung dieses Krankhcitobildes als„Atemkorsett" will Hattingberg die Störung der Zwerchsellsunktion besonders be- tonen, während von anderer Seite her die Herzschmerzm oder die Angstgefühle in den Vordergrund gerückt werden. Kritische Patienten aber beschreiben das Schmerzgefühl in der Magengrube als ein von allen anderen natürlichen Schmerzen verschiedenes, schon wegen seines unheimlichen Charakters, als ein Gcsühl, das sich übe, Haupt nicht definiere» lasse, ein Schwanken zwischen der Empfindung der Völle und Leere, zwischen Hunger und Nahningsübcrdrutz. mit einer Beimischung van Angst, ja von Schuldgesühl. Hattingberg knüpft an die von Urzeiten he- bekannte, jetzt wieder anerkannte zentrale Stellung der Atmung, die charakterisiert werde durch ihr enges Zusainmenspiel zwischen Willkür und Un- Willkür. Das Einatmen, das mehr der Willkür unterliege, bekommt gegenüber der vorwiegend unwillkürlichen Atmung ein ungesundes Uebergewicht. So entstehe ein langsam sich steigernde? Ring:n un, den Atem, ein Ringen gegen ein unbewußt selbst gesetztes Hinder- nis: der tyoische Vorgang der Neurose. Em weiteres unterstütztes Moment sieht Hattingberg in der von der Medizin noch kaum be» achteten Typik der Numpfhaltung, die zum Ausgangs- punkt eines eigenen Forschung?zweiges der Literaturwissenschaft geworden ist. Das„Atemkorsett" steht in engster Beziehung zu der„Er- wartungsneurosc" Kraepelins oder der Angstneuross im Sinne Freuds; ja, sie ist selber eine Art der Angstneurose, bei der aber, wie erwähnt, die Zwerchfellstörung im Vordergründe steht. Für den Seelenarzt kann die Kenntnis de?„Atemkarsttts" von therapeutischer Bedeutung werden, indem hier die Möglichkeit ge- geben ist. von unten her, vom Körperlichen aus, nervösen Störun- gen beizukommen, ein Verfahren, das sich besonders bei seelisch un- komplizierten Naturen oder bei psychisch Ichwer zugänn/ichen �npen empsichlt, zumal da den Patienten durch Atemübung Hasturme ü'ning und Gymnastik Ansatztzpunkte zu eigener Mitarbeit und Willensstäb lung gegeben sind, zur tätigen Mithilfe an ihrer Gesunduna Die amerikanische Sage Neulich traf in einer der größten Zündholzfabriten im Ural eine amerikanische automatische Säge ein. Man stellte sie auf, und die Säge begann zu arbeiten und erwies eine vorzügliche Qualität ihrer Konstruktion und ein« erstaunliche Leistungsfähigkeit. Am nächsten Tage versammelte sich in der Mittagspause eine noch größere Menge um den Automaten. Die Säg« arbeitete, aber die Wachtposten waren in die Baracken gegangen, während der Monteur in seiner Hütte Siesta hielt. Bei der Maschine blieben nur einige Zuleger und der Fabrikwächter Fomka zurück. Die Bauern, Mit ihren Aexten im Gürtel, standen Im Kreis« um die Säg« und glotzten. Sie sparten im allgemeinen nicht mit dem Lobe. Es gab aber auch Besserwisser, die manches auszusetzen hatten.„Wie ein Kamm! Direkt wie ein Kamm!" rief entzückt ein kurzbeiniger, breit. schultriger Bauer und schob seinen abgetragenen Schlapphut in den Nacken Er freute sich über die goldenen Späne, die unter den scharfen Zähnen hervorstoben, und bekräftigte:„Wenn man ein« Hacke auflegt, beißt sie sie auch durch. Das müssen Köpfe sein, die s« was erfinden" In denen ist nicht Heu und Stroh, wie bei dir," meint« ein zweiter...Die haben Grütze." „Grütze hat bald einer. Einer soviel wie der andere." „Sieht auch ein Ei aus wie das andere, ist aber manches faul darunter. Und die Hühner, die herauskommen, find auch das eine größer, das andere wieder kleiner. So ist es auch bei den Menschen. Die Amerikaner sind schlau, aber die Deutschen sind noch gerissener. Die haben es weit gebracht. Die können aus Brennesseln Brot machen und aus Luft— Zucker." „Was du sagst? Aus der Luft!" „Sicherlich. Da stellt so ein Mordskerl ein paar Röhren auf, pumpt auf der einen Seite Luft hinein, und auf der anderen koinmt der Zucker heraus, schon raffiniert." „Hast du das gesehen?" „Das nicht, ober die Kriegsgefangenen haben es uns erzahlt." „Daß unsere Schlafmützen sowas nicht zuwege bringen!" „Auch bei uns hat's einer versucht, hat auch in unserem Dorfe solche Röhren aufgestellt." „Und ist Zucker herausgekommen?" „Das nicht, aber Schnaps!.." Einige lachten. Dann gafften sie wieder die Maschine an. die unaufhörlich mit ihren scharfen Zähnen riesige Holzscheite zer- tleinerte. Schwere Klötze flogen mit unfaßbarer Geschwindigkeit von der Werkbank weg und wurden wie von unsichtbarer Hand zur Seite geschoben. „Mit dem Fichtenholz wird sie wohl fertig", sagte der erste Bauer.„Wie aber steht es mit Eichenholz? Ob sie das auch schafft?" „Sie schafft«s," sagte voll Autorität der Wächter Fomka. Seit- dem«r an der Säge stand, fühlte er sich als Held des Tages und schritt wie der Hahn auf dem Mist um die Maschine. Dabei murmelte er:..Sie muß es schaffen. Nicht umsonst ist sie aus Amerika." „5ch aber glaub', das frißt sie nicht." „Was du alle» glaubst," sagte Fomka beleidigt.„D«r Frosch dachte auch, er könnte so groß werden wie der Ochs, wenn er sich aufbliese— bis er platzte. Unsere Säge aber frißt auch Sieben- Mige!" „Ausgeschlossen, das kann sie nicht verdauen," sagte skeptisch ein Saisonarbeiter.„Wenn es noch eine deutsche Maschine wäre! Di« aber wird sich die Zähne daran ausbrechen." Die Bauern schwiegen erwartungsvoll. Fomka war sehr miß- vergnügt und fühlt« seine Gloriole schwinden, die von der wunder- baren Maschine ausstrahlte. Er zog sein Gesicht in Falten, dachte lange nach und krähte endlich ärgerlich:„Her damitl Holt einen Siebenzölligen vom Stapel!" Einige Leute stürzten augenblicklich, als ob sie dies längst er- wartet hätten, zum Stapel und wählten den allerdicksten und knorrig- sten Pfosten aus Eichenholz aus. Die Säge zerschnitt ihn beinahe mit derselben Leichtigkeit wie zuvor das Weichholz.„Sie hat's ver- speist," schrie entzückt der Bauer mit dem Schlapphut.„Sie hat ihn durchbissen wie einen Flederwisch. Wie steht's aber mit den Wurzeln? Ob sie das auch schasfi?" „Unsere ist auch kein Hund," tobte Fomka, der immer mehr außer sich kam.„Nasie Wurzel» sind ihre Lieblingsspeis«: sie ist speziell aus nasse Wurzeln eingerichtet." Bei diesen Worten schob er sich selbstbewußt den Hut in den Racken.„Her mit nasien Wurzeln!" Man brachte einen meterdicken Klotz, der vom Wasier ganz auf- gequollen war, aus härtestem Eichenholz. Die Zlufleger, die diese Experimente mit sichtlichem Interesse verfolgten, waren kaum im- stände, ihn herbeizuschleppen. Di« Sänge ging sofort langsamer und grub sich mit Mühe in das nasse Holz ein. Sie stöhnte und bebte, als wäre sie ein lebendes Wesen, das vom Fieber befallen war. Trotzdem besiegte sie auch das nasse Eichenholz. „So'n Racker," sagte einer.„Die gibt nicht nach. Aber ob du dos auch verschlingst?" Er ergriff ein« der Konservenbüchsen, die haufenweise umherlagen Die Maschine zischte ein wenig erstaunt und schnitt sie dann mit Eleganz entzwei. Hierauf traten alle näher und betrachteten mit weitgeöfsneten Mäulern das Inner« der Konstruktion. Dann versuchten sie es mit Draht und Ziegelsteinen. Die Säge stöhnte, jedoch zerschnitt und zerbrach sie unweigerlich olles, was ihr unterkam.„Da kannst dst machen, was du willst," schrie mit dem Ausdrucke höchsten Eni» zückens der Wächter Fomka.„Heilige Mutter Gottes, und wenn man eine Schiene hineinsteckt, wird sie sie auch nicht ausspucken." „Wartet," sagte ein abgerissener Kerl,„da Hab' ich ein Gäbet» frühstück für sie." Er faßte noch einem mächtigen Eisenbarren, konnte ihn aber nicht heben allein. Mit Hilfe einiger Freiwilliger gelang es, den Barren auszulegen und ihn unter die Zähne der Säge zu bringen.„Gütiger Gott!.." seufzt« der Abgerissene. All« hielten den Atem an. Ein Schüttern ging durch die Maschine. Hilf« los pendelte der Kolben hin und her. Vergebens versuchten sich' die Zähne in das Eisen einzugraben. Dann gab es einen Krach, und ausgebrochene Zähne stogen in die Luft. Der Automat blieb stehen... Der verkrüppelten Säge fehlten sechs Zähne: die übrigen waren verbogen und unbrauchbar. „Das hat sie doch nicht gefressen," sagte der Skeptiker.„Eine deutsche Maschine hätte es, glaub' ich, geschafft. Die ober hat sich den Magen verdorben. Jetzt ist sie hin. Für so einen Schmarren gibt man teurcs Geld aus!... Schließlich ist es doch unser Geldl* Der Mechaniker kam schimpfend und fluchend aus seiner Hütte. „Was habt ihr angestellt, ihr Teufel?", brüllt« er und fuchtelte mit den Armen. „Ach, nichts. Wir probieren bloß die Maschine aus...* __ A. Soritsoh Brauiwerbung eines Königs. König Heinrich VIl. von England(1485— 1509) war ein gelb- und liebesgieriger Monarch. Nachdem im Jahre 1503 seine erste Gemahlin gestorben war, faßte er den Plan, um die Hand der ver- witweten jungen Königin von Neapel, die bedeutende Schätze von ihrem Gemahl ererbt hatte, anzuhalten. Zu diesem Zweck schickt« er drei Gesandte nach Neapel, deren höchst ergötzliche Instruktionen nebst ihren Antworten noch jetzt im geheimen Staatsarchiv auf- bewahrt werden. Von diesen Instruktionen sind besonders vier Artikel charakte- ristisch. Sie haben folgenden Wortlaut: Artikel 10: Die Gestatt der Rase, die Höhe und Breite der Stirn sind zu beobachten. Artitel 13": Wohl zu beachten sind ihr« bloßen Hände, ob sie dick oder dünn, fett oder mager, lang oder kurz sind. Ebenso soll ihr aufmerksam auf die Finger gesehen wenden, ob selbige lang oder kurz, groß oder klein, breit oder schmal sind. Artikel 17: Ob Haar« um dem Mund zu sehen sind»der nicht, muß sorglich bemerkt werden. Artikel 18: Besonders sollen sie sich bemühen, sich mit besagter Fürstin nüchtern zu unterhatten und sie dabei aichaltend sprechen zu lasien: dann sosien sie, so viel es die Höflichkeit erlaubt, sich ihrem Munde nähern, damit besagte Gesandt« den Atem der Fürstin verspüren, ob solcher rein oder nicht, ob sie Parfüm gebrauche oder nicht, Rosenwasser oder Moschus. Artikel 19: Nicht zu vergessen ist die Höhe ihres Wuchses, das Fußwerk und dessen Größe, und sich besonders vorzusehen, hierin nicht getäuscht zu werden. Wenn es gelingt, das Fußwerk zu betrachten, sollen sie zugleich einen richtigen Begriff von der Gestott des Fußes zu erhalten suchen usw. Auf diese Punkte lauten die Antworten der mit der delikate» Mission betrauten Gesandten folgendermaßen: Zu Artitel 10: Ihre Nase erhebt sich in der Mitte ein wenig wie ein töstliches Vorgebirge und nimmt dann wieder ab. Sonst hat sie dieselbe Rase wie ihre Mutter. Zu Artikel 13: Wir haben die Hände besagter Königin mehrere Ntale bloß gesehen: wir haben besagte Hände geküßt und gefunden, daß selbige sehr schön, sehr propartioniert, ziemlich voll, zart und ausnehmend weiß sind. Zu Artikel 17: So viel uns möglich war zu untersuchen, fanden wir, daß besagte Königin kein« Haare um den Mund hat und sich eines sehr schönen, zarten Teints erfreut. Zu Artitel 18: Wir sind n i e dazu gekommen, nüchtern mit besagter Königin zu sprechen, daher können wir auch diesen Artikel nicht beantworten. Jedoch näherten wir uns bei jeder Gelegenheit, so viel als die Höflichkeit gestattete, dem Munde besagter Königin und rochen weder Aroma noch Parfüms, und wir glauben daher, nach der Zierlichkeit und Reinlichkeit ihres Mundes zu schließen, daß besagte Königin einen ganz angemessenen Atem hat. Zu Artikel 19: Wir können nichts Genaues von ihrer Stotur sagen, weil ihre Hoheit die Fußbekleidung nach der Mode ihre» Landes trügt, d. h. 0 Zoll hohe und 8 Zoll breit« viereckige Schuhe. Jedoch glauben wir nach den übrigen Verhältnissen, daß sie einen sehr kleinen Fuß haben muß. Aber die Empfehlungen der Gesandten waren vergeblich— es wurde nichts aus der Heirat.