millllllllllllillliliill!!llillllllllllllllllllllllllllllllllilillllll»IIIIIIIIIWIII]»!liiaililillBI!aK!!Biiaii:i.::!V;::ili;:'1l[:ia«lli!llig!liill!llllllll!illlllllMllllli;!llllllllllllllllll!MIMIIINIIIIM��� Frauenstimme iNr.�5.48.Lahrgangi Beilage zum Vorwärks i 30. Zu« 4934"-! Die Irau des Etiva vier Millionen Arbeitslose nennt die amtliche Statistik als deutsche Arbeitslosenzifser der Gegenwart, aber in Wirklichkeit ist die Zahl derer, die von der Arbeitslosigkeit betroffen sind, viel größer, denn wir müssen diese Zahl vervielfachen, wenn wir auch die Familienmitglieder der Arbeitslosen, die durch die Erwerbslosigkeit des Mannes mit hineingerissen werden in Unsicherheit und Armut, erfassen wollen. Aber in diese Ziffer sind diejenigen noch nicht ein- geschlossen, die von keiner Statistik erfaßt werden, da ihr Einkommen nicht tarifmäßig abgestuft war, und die keine Arbeitslosenunter- stüßung erhalten. Mit den Arbeitslosen aller Berufe aber leiden die Familienangehörigen und unter ihnen am schwersten die Frauen und Mütter. Auf ihren Schultern liegt eine Last, die nur derjenige einigermaßen ermessen kann, der einmal hineingesehen hat in einen solchen Haushalt und die Sorgen der Frau, die ihn führt, mit- erlebt hat. Es ist schon eine Aufgabe für eine Haussrau, mit einer winzigen Geldsumme auszukommen, vor allem, wenn sie den heißen Wunsch hat, ihr« Familie und den Haushalt nicht verkommen zu lassen. Sie ist gezwungen, so billig wie möglich einzukaufen. Aber oft sind die billigsten Nahrangsmittel die teuersten, denn meist ist nur Minderwertiges so billig zu kaufen. Genau so ist es mit billiger Kleidung, billigem Schuhwerk. In kurzer Zeit ist das Gekaufte schadhast geworden und muß durch Neues ersetzt werden. Oder ein anderer Einzelfall aus der Praxis eines solchen Haushalts, der die Schwierigkeiten der Bewirtschastung deutlich macht. Der Zucker ist um 12 bzw. 10 Pfennig für das Kilo teurer geworden. Wer nun etwas erspartes Geld befaß, kaufte sich einige Kilo Vorrat, bevor die Teuerung eintrat, in besonders günstigen Verhältnissen konnte vielleicht sogar ein ganzer Zentner Zucker gekauft werden, und dadurch sparte man mehrere Mark. Die Kaufleute machten ihre Kundinnen auch rechtzeitig auf die Preis- steigerung aufmerksam, bevor sie in Kraft trat. Aber die Frau des Arbeitslosen konnte von dieser Möglichkeit des Einkaufs keinen Ge- brauch machen, denn sie hatte das Geld nicht, lind so tritt immer wieder das Niederdrückende ein, daß eine Teuerung gerade die Aermsten, die sie am wenigsten ertragen können, am härtesten trifft. Ein Viertelpfund Zucker, ein Achtel Schmalz, ein Viertel billigste Margarine, ein Achtel billigste Wurst— so kauft die Frau des Arbeitslosen ein. Vor den Verkaufsstellen der Freibank steht sie an, um ein wenig billiges Fleisch zu bekommen. Wir alle haben es im Krieg und in der Inflation gespürt, was es heißt, mit einem Mi- nimum an Lebensmitteln und Geld auszukommen, aber für diese Frauen ist der Krieg auch heute noch nicht zu Ende, es ist immer K r ie g u m si e, und niemals können sie frei atmen. Diese Frauen werden auch immer mehr dazu gezwungen, von den hochwertigen Nahrungsmitteln, Eier, Fleisch, Milch, Butter, Obst zu den weniger wertigen, Kartoffeln und Brot, überzugehen, und man braucht nicht soviel von Ernährungslehre zu wissen, um sich klar darüber zu sein, wie das auf die Dauer auf die Gesundheit der Familie wirken muh. Dieses dauernde Sparenmüssen wirkt sich natürlich auch seelisch aus, denn es ist ja ein ungeheurer Unterschied, ob man freiwillig und I gern spart, weil man geringe Bedürfnisse hat, oder ab man ge- zwungenermaßen auch da sparen muß, wo es der Familie Schaden bringt. Nicht um ihrer selbst willen leiden so viele dieser Mütter unter der Arbeitslosigkeit, sondern um ihrer Kinder willen, denen sie das Beste geben möchten, denen sie aber nur Minderwertiges geben können. Ganz selbstverständlich ist es, daß Arbeitslosen. eine solche Frau, die so hart mit dem Leben zu ringen hat, auch das Anwachsen der Kinderzahl mit anderen Augen betrachtet, als wenn sie in auskömmlichen Verhältnissen lebt«, daß sie die heutige Fassung des Paragraphen 218 als ungerecht und unsozial empfinden muß. Aber nicht nur die Sorge um die vorhandenen Kinder und die noch Ungeborenen lastet auf der Frau des Arbeits- losen, sie muß auch mittragen, mitleiden mit dem Manne, der ohne Tätigkeit herumsitzt, oft verbittert, oft schwer zu be- handeln ist. Ost muß sie ihm gegenüber mehr Mutter als Frau sein, ihm stützen, ihn aufheitern, versuchen, ihm die enge Stube oder Küche, die tagtäglich seinen Aufenthaltsort bildet, erträglich zu machen. Es wird heute viel über das Problem der Freizeit dis- kutiert— die Frau des Arbeitslosen muh es täglich mit ihrem Manne neu lösen. Denn nur seelische und geistige Werte, gute Bücher, gute Musik, Kurse. Vorträge, Beschäftigung mit der Natur, Uebernahme nützlicher kleiner Arbeiten oder Selbststudium können die entsetzliche Leere der unfreiwilligen Muße ausfüllen. Die Frau des Arbeitslosen muß auch dafür Verständnis aufbringen, wenn sich irgendeine Gelegenheit bietet, sich kostenlos solche geistigen und seelischen Werte nahezubringen oder wenn der Mann liest oder bastelt oder sonst etwas tut, um sich geistig und seelisch über Wasser zu halten. Wir hören heute viel über die moderne Form der Ehe. Der Frau des Arbeitslosen hat das Leben das schwerste vorbehalten, nämlich eine Lösung des Eheproblems unter härtesten Lebensbedingungen zu finden. Vielleicht war für sie früher der Mann ganz selbswer- ständlich der Verdiener, der ihr die Mittel zum Leben in die Hände legte. Aber nun heißt es mit einem Schlag« sich umstellen, eine Verdienstmöglichkeit zu suchen. Vielleicht war sie vor ihrer Ver- heiratung berufstätig gewesen, aber damals war sie junges Mädchen, heute ist sie verheiratete Frau, die in einer Zeit größter Wirtschafts- not überall als Eindringling angesehen wird. Umgekehrt ist der Mann oft daran gewöhnt, seine Frau einfach als Hausfrau zu sehen, und er denkt nicht daran, die von ilzm als„unmännlich" empfundene Hausarbest zu besorgen, während die Frau im außer- häuslichen Beruf beschäftigt ist. Bei ihrer Heimkehr findet die Frau alles in Unordnung, und sie muß erst noch den Mann bedienen, bevor sie mit der eigentlichen Hausarbeit beginnen kann. Gewiß wird ein vernünftiger Mann Hand anlegen, aber manchmal sind die Hemmungen beiderseits zu groß, und man muß erst lernen, sich von einer anderen Seite zu sehen als bisher. Die alte Form der patriarchalischen Ehe in eine wirkliche Kameradschaftsehe umzu- wandeln, die den härtesten Lebensbedingungen standhält— das ist eine Ausgabe, die oft nur unter schweren inneren kämpfen gelöst werden kann. Gewiß ist der Arbeiterfrau und der Frau des kleinen Angestellten die Ehe nicht in dem Maße der st i l l e Hasen gewesen, wie der Frau des Mittelstandes. Aber die Unsicherheit der Stellung war noch nie so groß wie heute, die Pause der Arbeitslosigkeit noch nie so lang, und es gehörte zu den Ausnahmefällen, wenn eine Familie der Wohlfahrt anheimfiel. Heut« aber führt der Weg der Arbeitslosigkeit Ungezählte dahin, und die Gelder der Wohlfahrt I und nach der Notoerordnung auch der Krisenfürsorge müssen zurück- gezahlt werden, sobald es„besser geht". Aber oft ist nirgends ein« begründete Aussicht auf Besserung, und so lebt die Frau des Ar- beitslosen von einem Tag zum anderen, von Woche zu Woche, in einem zähen Kampf»ms Dasein. Nur ein Mittel gibt es, diesen Millionen von Frauen und Müttern zu helfen. Es ist die Lösung des großen Problems der Gegenwart, Arbeit und Brot für alle zu schassen, die arbeiten können und arbeiten wollen. Lille. Mussolinis Amazonen. Das faschistische Weiblichkeitsideal. Die Staatsvergottung des Faschismus, sein schrankenloses Macht- streben und sein Versuch, ein totales, die Gesamtpersönlichkeit um» fassendes Weltanschauungssystem aufzurichten, haben auch ein typisch faschistisches Wciblichkeitsideal geschaffen. Dieses ist in allen Zügen bestimmt von den Bedriifnissen eines nach chauvinistischer Macht- «ntfaltung strebenden Staatswesens. Jedoch mit dem alten Lege- hennenideal der höchstmöglichen Kinderproduktion allein ist selbst in Mussolinien nicht mehr auszukommen. Der Aktivität der jungen weiblichen Generation müssen Ziele gesetzt, ihrem nicht mehr zu unterdrückenden Drang nach Sclbstentfaltung muh das Bild eines faschistischen Frauentums entgegengehalten werden, das von dem zurückgezogenen, unselbständigen Leben ihrer Mütter, dem nur die Flucht in die Religion als einziges Ventil ofsenstand, grund- fätzlich verschieden ist. To entstand jenes eigentümliche Weiblichkeits- Ideal, das eine noch nicht erlebte Mischung von Amazonenlum und hausbackenheit darstellt. Am liebsten sähe es der Faschismus freilich, und hat dies auch mehr als einmal verkünden lassen, dah ihm diejenige Frau, die fleißig Kinder bekommt und sie im faschistischen Geiste erzieht, viel lieber ist als die eifrige Parteigenossin, die iin schwarzen Hemd von einer Versammlung in die andere, von einer Demonstration zur anderen stürmt. Aber da nun einmal die junge Italienerin trotz aller männlichen Ermahnungen zur„Weiblichkeit" nicht hinter Türke st an und Afghanistan zurückbleiben will, muhte man sich mehr übel als wohl dem unbequemen Zug der Zeit an- passen. Eine faschistische Frauen- und Mädchenorganisation ist auf- gezogen worden, deren Praxis eigentlich mit d-r faschistischen Theorie in Widerspruch steht. Dem Wirken der faschistischen Frauen- und Mädchen„bewegung" hat A. Turati allerlei schöne Grundsätze mitgegeben. Die junge Fa- schistin soll ihre Pflichten als Tochter, Schwester, Schülerin und Freundin mit Güte und Heiterkeit erfüllen, sie soll dem Vater- lande dienen, den Duce lieben, freudig den Vorgesetzten gehorchen, ste soll sich den Verführern zum„Bösen" widersetzen, körperliche Anstrengungen und Schmerzen ertragen lernen, die„dumme Eitel- keit" fliehen, die Arbeit lieben und in Glauben und Religion leben. Die Leitung der..b'sscio Femminili", der weiblichen faschistischen Organisation, untersteht Augusto Turati, dem Generalsekretär der Faschistischen Partei, dem für die„Fascio Femminili" als Gene- ralsekretärin Angiola Moretti beigegeben ist, deren Arbeits- räume sich ebenfalls im Palazzo Littorio in Rom, dem Sitz der fa- schiftifchen Parteileitung, befinden. Der„Fascio Femminili" wurde 1921 gegründet und umfaßt zur Zeit etwa 4009 Zweigverbände mit rund 100 000 Mitgliedern. Dazu treten die Jugendorganisationen, und zwar:„Die kleine Italienerin" für Mädchen bis zum 14. Lebensjahre mit etwa K40 000 Mitgliedern,„Die junge Italienerin" für Mädchen vom 14. bis 18. Levensjahre mit etwa 90 000 Mitgliedern und„D i e junge F o f ch i st i n" für Mädchen vom 18. bis 22. Jahre mit einer erheblich niedrigeren Mitgliederzahl. Die hohe Mitgliederzahl bei der„Kleinen Italienerin" ist darauf zurückzuführen, dah die Mäd- chen von den Schulen aus für die faschistische Organisation erfaßt werden. Je älter sie aber werden, desto schwerer wird es ihnen, wie übrigens auch den männlichen jungen Faschisten, sich als Kinder eines Voltes, das schon alle Werte einer liberalen Regierungssorm und freien Persönlichkeitskultur kennengelernt hat, von dem Moloch des faschistischen Kollektivismus auffressen zu lassen. Angesichts der ungeheuren äußeren Machtentfaltung des Faschismus und der Bor- teile, die er seinen Anhängern gewährt, sind 100 000 erwachsene weib- liche Mitglieder wirklich nicht gerade überwältigend. Trotz Verdammung der„dummen Eitelkeit" hat der Faschismus in— leider— richtiger psychologischer Berechnung es sich nicht nehmen lassen, besonders kleidsame Trachten für seine Mädchen- organisationen zu erfinden. Das schwarze Hemd ist für die Fa- schistin abgeschafft worden, nur der politisch aktive Mann ist würdig, es zu tragen. Dafür tragen die„Kleinen" und die„Jungen Italienerinnen" schwarze Foltenröckchen. weiße Blusen und schwarze Scidenkäppchen. während die„Jungen Faschistinnen" ihr Abzeichen stets, ihre Uniform, bestehend aus hellbraunem Sportkostüm, braunen Strümpfen und Schuhen und dunkelblauer Mütze, nur auf Befehl bei besonderen Anlähen anlegen dürfen. Während die Organisationen der„Kleinen" und der„Junoen Italienerin" mit den entsprechenden Knabenorganisationen zur„Ra- ticnalen Ballila" zusammengeschlossen sind, gehört die„Junge Fa- schistin" völlig zur Bewegung und hat dieselbe Pflicht wie der männ- liche Faschist zur unbedingten Disziplin und blindem Gehorsam gegenüber den Befehlen der Führer. Da das Vereins- und Organisationsleben in Italien außerhalb der faschistischen Organisationen so gut wie ausgerottet ist, müssen die faschistischen Mädchenorganisationen mancherlei Funktionen mit übernehmen, die in anderen Ländern von anderen Organisationen ausgeführt werden, deren Ausübung sich aber der Faschismus natür- lich als großes Verdienst anrechnet. Im„Fascio Femminili" wird Wohlfahrts- und Krankenpflege betrieben, in den Mädchenbünden Sport, Wanderung, Reisen, künstlerische, wissen- schastliche und berufliche Fortbildung,— aber im Vordergrund steht die Erziehung tüchtiger Hausfrauen, Mütter und„Patriotinnen". Auch die Verschickung von Großstadtkindern aufs Land wird von den Frauen- und Mädchenorganisationen in ziemlich großzügiger Weise betrieben— natürlich alles zur höheren Ehre des Duce und seines Systems. Den Unwillen der Kirche hat es erregt, daß sich faschistische weibliche Jugend auf den großen Sportsesten am Zielschießen beteiligte. Selbst dieses nicht aus eigener, frauenrechtlichcr Wurzel erwachsene, sondern nur vom militaristischen Männerstaat abgeleitete und übertragene Amazonentum ging der Kirche aus ihre, in diesem Punkte sehr empfindlichen Nerven.„Ich hoffe, daß die italienischen Frauen in ihrer freien Zeit nicht turnen, sondern beten werden", sagte Pius XI. Seit den Lateranvcrträgcn nimmt der Faschismus darauf Rücksicht und vermeidet stärker alles, was nach weiblicher Emanzipation aussehen könnte. Die Auswirkungen der neuen kirchcnfeindlichen Politik bleiben abzuwarten. Das Ideal des Faschismus aber sind die Mütter, die,„staU Wiegenlieder zu singen, an den Wiegen ihrer Säuglinge ftriegshymncn anstimmen". Trotz grauenhafter Uebervölkerung Italiens, für die jetzt das Vor- kriegsventil der Auswanderung so gut wie verschlossen ist, möchte Mussolini am liebsten einen Fünsjahresplan für die Kinderproduktion ausstellen. Da das leider doch nicht möglich ist, wird alles bekämpft, was die„natürliche Fruchtbarkeit der Ralfe" irgendwie beeinträch« tigen könnte, vor allem natürlich die Abtreibung. Jeder italienische Arzt ist verpflichtet, jeden in seiner Praxis festgestellten Abort innerhalb 24 Stunden schriftlich der örtlichen Behörde zu melden. Die Folgen— hilslos verblutende Frauen, die nicht wagen, sich an den Arzt zu wenden— kann man sich leicht aus- malen. Die untere Grenze für das heiratsaltcr wurde, auch zum Zwecke reichlicherer Kindcrproduktion, für„Männer" aus 16 und für„Frauen" aus 14 Jahre fest- geseht: damit ist Mussolinien glücklich noch hinter die indische Gesetzgebung zurückgegangen! Für positiven Mutterschutz durch Unterstützung aber wird weit weniger geleistet als z. B. durch die deutsche Sozialgesetzgebung. Ehe und Sexualmoral werden durch drakonische Strafbcstim- mungcn„geschützt". Eine Konzession an den Vatikan war die Wiederherstellung der Gültigkeit der kirchlichen Trauung und der Erklärung der Zivilehe als nicht obligatorisch. Junggesellen- und Ledigensteuer sollen die Ehesreudigkeit beleben. Auf Ehebruch stehen drei, auf Abtreibung fünf Jahre Zuchthaus. Ehescheidung gibt es nicht mehr, nur.E h e t r e n n u n g, die kein Recht auf Wiederverheiratung gibt. Der„ehegetrenntc" Partner kann als» auch die unerhört schwere Bestrafung für„Ehebruch" gewärtigen. Um nicht in die gefährliche Ehesalle zu gehen, ist in den unteren Schichten des Voltes dos jahrelange Zusammenleben der verlobten immer mehr Brauch geworden. Greift eine verlassene„Braut" einmal zum Messer, um ihre„Ehre" zu rächen, so darf sie milde richterliche Beurteilung erwarten. Die andere Kehrseite der mittelalterlichen Ehegesetzgebung bildet die weitverbreitete Prostitution, die in Italien in balkanischen Formen auftritt mit der Besonderheit des sogenannte»„Staggione- Systems" in den Bordellen, d. h., dah die Prostituierten alle 14 Tage ihren Aufenthalt wechseln. Nach den Erfahrungen im Vaterlande des Faschismus haben wir Frauen in Deutschland keinen Anlaß, uns nach dessen„Segnungen" zu sehnen. Seine liefen Schattenseiten verdunkeln das wenige Gute, das er gebracht hat, und das für Menschen europäischer Zivilisation auch auf anderem Wege erreichbar ist als auf dem der Diktatur, das durch Schuld, Verknechtung und Zerstörung führt. II. 8. Kleine 3 Die Zrauenpariei in Oesterreich— und ihr Erfolg. Die Benrrung der birrgerlichcn Frauen, mit einer besonderen „Frauenpolitik"(die wir in der letzten Nummer der„Frauenstimme- ausführlicher beleuchtet haben) die„unfruchtbare Parteipolitik der Männer" eines Besseren zu belehren, ist zum ersten Male in der Praxis glänzend od absurdum geführt worden. Bei den Ergän- zungswahlen für den Gemeinderatvon Innsbruck hat sich— wie die„Frau- mitteilt— erstmalig für Oesterreich eine Frauenpartei am Wahlkampf beteiligt. Eine Gruppe von Frauen hatte eine Frauenliste ausgestellt, die in der Hauptsache „gegen die politische Parteiwirtschast bei den Kommunalwahlen" ausrief. Bon den abgegebenen 30 122 gültigen Stimmen entfielen aus die Frauenliste ganze 472 Stimmen, so daß sie keinen Sitz erlangen konnte. Die entartete Marxistin und die Kriegerfrau. In der„Deutschen Frauenbewegung", der Frauenbeilage des „Bölkischen Beobachters", lesen wir unter anderen in den vcrschie- denften Beziehungen„blutigen" Auslassungen eine kleine Aus- einandersegung mit einer Agitationsbroschürc von K. Kern„aus dem sozialdemokratischen Verlag I. H. W. Dietz(!) in Berlin W."(mit Berlin W. soll der Eindruck erweckt werden, als ob die Lindenstraße am Kurfürstendamm läge!), die wir unseren Leserinnen zur nach- denklichen Erheiterung nicht gern vorenthalten mögen. In der Bro- schüre war daran erinnert worden, unter welchen Umständen die Frauen in der Zeit der Hungerblockade den zermürbenden täglichen Kamps um das bißchen Brot für ihre Familien durchfechten mußten— Tatsachenfchilderungcn, die jede Frau von ihrer Kriegssront noch in unseligem'Andenken hat. Dieses Zitat versah die„Deutsche Frauenbewegung" nnt folgendem Kommentar:„Das ist der Geist aus den gleichen seelischen Niederungen, aus denen die Rcmarqucsche Kriegsliteratur ihren Antrieb empfing. Die Ehre des Frontsoldaten muß in den Schmutz gezogen werden(??), damit die junge männliche Generation im Glauben an das Heldentum ihrer Väter es sich nicht etwa einsallen lasse, anders als in Feigheit und Unwürde aufzuwachsen.(!!) In den jungen Mädchen soll das Ver- antwortungsgefühl gegenüber ihrer Nation erstickt werden, indem man ihnen sagt, daß ihre Mütter pfliditvergessene Wci- b c r(!!) waren, die mit ihren Klagen über das„stundenlang« Schlangeftehen" und die„gefährlichen Hamsterfahrten" dem Ver- räteraujstand von 1918 Vorschub geleistet haben. Es soll ver- hindert werden, daß sich das heranwachsende Niädchen an dem durch die eiserne Forderung der Pflicht aus aller Problematik gelösten Typus der Kriegcrsrau bilde, weil einer solchen Generation gegenüber die entartete Marxistin verspielt haben würde." Man weih wirklich nicht, ist das zum Lachen oder zum Weinen? „Der aus aller Problematik gelöste Typus der Kriegerfrau"-- Wer den Krieg als Kriegersrau wirklich miterlebt hat, wird ironisch- wehmütig läckzeln: der Kontrast zwischen Wirklichkeit und Wort ist zu grotesk! Wie sagte doch auf einer Diskussion im letzten Winter ein völkisches Heldenmädchen?„Eine deutsche Mutter weint nicht, wenn ihrSohn fällt!" Eine entartete Marxistin ist imstande und weint— eine entartete Marxistin ist sogar imstande und kämpft dasür, daß Söhne von Müttern nicht mehr im Kriege fallen! Hausfrauen, kaust Gasmasken! Ein„Allgemeiner Haussraucn-Rabatt-Sparoerein", nach eigener Erklärung„ein Spitzcnverband, dem alle Haussrauenvercinc und Verbände angeschlossen werden"(sollen), hat sich, nach einem Bericht des„Berliner Tageblatts", an.40 große Berliner Geschäfte gewandt mit der Bitte, seinen Mitgliedern beim Einkauf Rabatte zu ge- währen, die zu ihrer Versorgung mit— Gasmasken verwendet werden sollen. Die Klagen vieler Hausfrauen, so behauptet dieser mysteriöse, sonst nirgends verzeichnete Verband, warum die Zivil- bevölkerung nicht mit Gasmasken ausgerüstet werde, hätten ihn zu folgendem Plan veranlaßt: Die Rabatte der 400 Geschäfte(die bis auf ganz wenige alle zugesagt haben!) sollen einbehalten werden, um damit den Großeinkauf von Masken zu sinanzieren. Der Ver- band stände bereits mit Fabriken in Verhandlung, um die Gas- masken für den halbe» Preis, statt 33 M. für 16 M., zu bekommen und werde demnächst die ersten 2000, später aber 4 bis 5 Millionen Familien mit Masken ausrüsten! Die Gasmaske als Haushaltungsgegenstand! Dafür haben also große Geschäfte Geld übrig! Die weibliche Polizei. Die tragische Affäre in der Hamburger weiblichen Kriminal- Polizei hat die Aufmerksamkeit aus die weibliche Polizei gelenkt. Wie vV 9 Wf V groß oder eigentlich wie klein noch der Anteil der Frauen in Preußen auf diesem Gebiet ist, darüber gibt ein Bericht der Kri- minalkommissarin beim Berliner Polizeipräsidium Marianne Pfahl (in der„Berliner Wohlsahrlsarbeit") Aufschluß:„In Berlin arbeiten 33 Beamtinnen, in Altona 6, in Breslau 8, in Essen 8, in Frank- surl a. M. 7, in Halle 4, in Magdeburg 3, in Kiel 4, in Köln 9, in Königsberg 3, in Recklinghausen 4, in Stettin 3 und in Wupper» tal 3 Beamtinnen. Unter diesen 106 Beamtinnen sinden sich eine Kriminalpolizcirätin, 12 Kommissarinnen und 93 Sekretärinnen und Bezirkssekretärinnen. Die Beamtinnen sind in Kommissariaten zusammengefaßt, d. h. sie arbeiten in selbständigen Dienststellen unter weiblid'er Leitung(der Kommissarin)". Die weibliche Polizei in Preußen steht demnach noch auf nicht sehr starken, aber doch nicht so schwachen Füßen, daß eine Prioalangelegenheit. wie der Freitod der beiden Hamburger Kriminalpolizistinncn, nun, wie viele Sen» sationsberichle feststellen wollten, eine Krise der gesamten weiblichen Polizei mit sich bringen müßte. Nachtarbeit der Krauverboten— inRußland erlaubt. Die im Juni in Genf tagend« Internationale Arbeitskonferenz konnte dank dem geschlossenen Vorgehen der Arbeitnehmervertreter verhindern, daß das nach dem interiKilionalen Uebcreinkommen von Washington festgesetzte Verbot der Nachtarbeit für Frauen zwischen 22 und 3 Uhr abgeändert wurde. Es war eine Verschiebung dieser Begrenzung der„Nacht" von 23 bis 6 Uhr vorgeschlagen. Aber diese Verschiebung hätte für die Mehrzahl der arbeitenden Frauen bedeutet, daß sie zwar eine Stunde später nach Haus kämen, aber nidck eine Stunde länger schlafen könnten, denn die Besorgung des Haushalls, diese Nebenheimarbeit der meisten, hätte doch vor Beginn der Arbeit frühzeitig erledigt werden müssen.— Uebrigens ist unter den wenigen Ländern, die das Verbot der Nachtarbeit für Frauen noch nicht oder nicht mehr haben, auch die Sowjetunion. Gowjetrußland braucht die Krauenarbeit. Der große Mangel an Arbcilskröften, unter dem Rußland leidet, hat die Heranziehung von Frauen in stärkstem Maße nötig gemacht und damit die Frauenarbeit vor besondere Bedingungen gestellt. So ist das Verbot der Nachtarbeit für Frauen aufgehoben worden, und es mußte im vergangenen Jahr, wie das Internationale Jahrbuch für Sozialpolitik mitteilt, wiederholt darauf hingewiesen werden, daß Frauen nicht bei besonders mühsamen Arbeiten be- schästigt wurden. So dürfen Frauen bei Arbeiten unter Tage, beim Gießen von Metallen, bei Heizarbeilen, bei der Mehrzahl der Ar- beiten auf Schienen oder Wasserwegen und bei einer Reihe giftiger chemischer Vorgänge seit 1930 nicht mehr beschäftigt werden. Die Maßnahmen der Sowjctregierung zur Heranziehung der Frauen begegnen übrigens noch starkem Widerstand der'Arbeiter selbst, die hier eine Konkurrenz befürchten. Die„Wetschernaja Moskwa''(28. Mai 1931) erwähnt z. B., daß die Bauleitung des großen chemischen Kombinats in Bobriki bei Moskau die Einstellung von weiblichen Maurern, die soeben entsprechende Lehrkurse absol» viert hatten, abgelehnt habe. Die Bauleitung erklärte,„die Fräu- leins" seien für diese Arbeit nicht geeignet und bot den Arbeite« rinnen Beschäftigung als Aufwartesrauen an. Auch andere Bau- Organisationen lehnen nach wie vor die Einstellung von Frauen ab. Infolge der schlechten Behandlung der Bauarbeiterinnen wandern viele von ihnen wieder in die Dörfer ab. Lehrlinge sind billige Angestellte. Die soeben wieder neu erschienenen Jahresberichte der Gewerbe- auffichlsbeamten, die wenigstens in Ausschnitten ein Spiegelbild der wirklichen Arbeitsverhältnisse geben, berichten, wie stark di« Unternehmer besonders im Handel versuchen, statt mit vollbezahlten weiblichen Arbeitskräften mit billigeren Lehrlingskrästen auszu- kommen. So entfiel im Handelsgewerbe der Stadt Münster 1930 fast auf jede weibliche Angestellte ein Lehrling, in den Kleinhandels- gefchästen waren zwei Drittel aller weiblichen Angestellten Lehr- linge. Nach Beendigung dieser„Lehrzeit" werden dann, wie der „Reichsarbeitsmarktanzeiger" mitteilt, diese jungen Arbeitskräste wieder entlassen, um durch neue Lehrlinge ersetzt zu werden, deren „Arbeits-Los" nach der Lehrzeit wiederum„arbeitslos" heißt. RationaUsierung verdrängt die Heimaibeit. Die Heimarbeit ist noch immer eine Hauptdomäne der Frauen- arbeil— ja die Hetze, die heute unter der Parole:„Verheiratete Frauen heraus aus den Betrieben" geführt wird, drängt jetzt aufs neue Frauen der Heimarbeit zu. Wie weit die Heimarbeit in den letzten Jahren durch die Rationalisierung verändert worden ist— diese Untersuchung hat aus Veranlassung des Reichsarbcitsministe- rwms der Gewerkver«m der Heimarbeiterinnen unternommen. Die bruchstückweise veröfsenttichten Ergebnisse dieser Untersuchungen zeigen, wie die Heimarbeiterschaft zwar langsam aber ständig von der Rationalisierung brotlos gemacht wird, wenn auch die Wirtschaftsdepresfion diese Entwicklung jetzt wieder gehemmt und statt der Einführung teurer Maschinen wieder die billigeren Frauenhände beschäftigt hat. Wäh- rend in einzelnen Industrien, z. B in der Klöppelei und Filzschuh- industrie die Maschinen die Herstellung so verbilligt haben, daß die Heimarbeit als unrentabel überflüssig wurde, fülirte die Maschinen- arbeit z. B. in der Herrenkonfektion zu Mißerfolgen und damit zur Wiederaufnahme der Heimarbeit, so daß heute wieder nach alter Methode der größte Teil der Herrenkonfektion Heimarbeit ist. Dagegen sind für die Herstellung moderner Wäsche Spezialmaschinen unentbehrlich geworden, deren Anschas- fung aber für die Heimarbeiterin zu teuer und zu riskant ist. So wird Damenwäsche jetzt nur noch nach Maschinenvorarbeitung im Hause fertig gemacht. In der Krawatten- und Schirmindustrie ist dagegen allein durch Arbeitsteilung und damit durch Beschäfti- gung jugendlicher Arbeiterinnen eine solche Ver- b i l l i g u n g erzielt worden, daß ein großer Teil den Heiniarbeite- rinnen aus der Hand genommen ist. So sehr solche Methoden volkswirtschaftlich gerechtfertigt sind— für die Hei>narbeiterinnen sind sie ein bitteres Los. L. 8. Mit den Händen an der Hosennaht! Der Modenspiegel des„Berliner Tageblattes" bringt in der Rubrik„Fragen, die Ihnen am herzen liegen" Zu- schriften von„Herrschasten" und von Hausangestellten. Sie sprechen in einem solchen Grade gegen sich selbst, daß wir sie ohne Kommentar wiedergeben. In dem Schreiben eines„Hausherrn" heißt es:„Es ist nicht zu bestreiten, daß den Hausfrauen fetzt allmählich ein Licht aufgeht und daß sie erkennen, in wie leichtfertiger Weise sie in der ersten Zeit der Stabilisierung der Mark den Hausangestell- ten Konzessionen gemacht haben, die in keiner Weise am Platze waren und heute noch weniger am Platze sind. Alles, was die Hausangestellte von der Haussrau geliefert erhält, wie Logis, Heizung, Licht, Nahrung, ist heute noch immer bedeutend teurer als in der Vorkriegszeit: diejenigen Waren aber, die die Haus- angestellte selbst bezahlen muß, wie Fertigkleidung, Schuhe, Strümpfe, sind heut« bedeutend billiger, als sie 1öI3 waren. Wenn man nun bedenkt, daß die Barlöhne der Hausangestellten noch immer die Vorkriegslöhne um 75 Prozent übersteigen, dann wird man wohl zugeben, daß derartige Zustände wirklich nicht mehr geduldet werden können. Es kommt noch besser: die Soziallasten sind in der Inflationszeit von den Hausfrauen stillschweigend getragen worden, weil das angeblich„keine Rolle spielte", und dies« liebe Gewohnheit hat sich dann in die Folgezeit hinllbergerettet. Nach dem Gesetz trägt di« Haussrau nur«in Drittel der Krankenversicherung und die Hälfte der Jnvaliditätsversicherung, während den übrigen Teil die Angestellte zu tragen hat. Diese Kosten sind im Laufe der letzten Jahr« durch das Hinzutreten der Arbeitslosen- Versicherung lawinenartig angeschwollen und stellen sich bei einem Lohnsatze von 40 bis 50 Mark auf mehr als 16 Mark je Monat, wovon die Hausfrau nach dem Gesetz etwa 6 Mark und die Angestellte 10 Mark zu tragen hätte, den aber die Hausfrau in den weitaus überwiegenden Fällen von sich aus bezahlt. Ganz abgesehen davon, daß es sich schon aus erzieherischen Gründen nicht empfiehlt, einen Menschen seinen sozialen Verpflichtungen im Wege permanenter Gnadenakte zu entziehen: ganz abgesehen davon, daß man den Hausangestellten, die ihr„Wahlrecht" haben, auch das „Z a h l r e ch t" nicht verkümmern soll, liegt in dieser Uebernahme der Soziallasten eigentlich eine gesetzwidrig« Handlung, indem hier ein Mehreinkommen geschaffen wird, das in vielen Fällen gar eine Erhöhung dieser Soziallasten zur Folge haben müßte. Es hat eigentlich keine Hausfrau das Recht, die Soziallasten der An- gestellten zu übernehmen: in dieser Uebernahme liegt nichts anderes als ein« verschleierte und eventuell sogar strafbare Art der G e- Haltszuwendung. In der heutigen Zeit, in der ein Ueber- angebot von Hausangestellten herrscht, ist es Zeit, mit diesem Unfug aus der seligen Inflationszeit aufzuräumen. Die zweite Zuschrift lautet: „Ueber die Hausangestelllenfrage mächt« ich als Haus- angestellt« gern zu Wort kommen: Von meinem achtzehnten bis zu meinem zwanzigsten Lebensjahre war ich als Stenotypistin in einem Direktionsbüro tätig, wurde dann abgebaut und ergriff— ich gebe es heute zu— aus Not den Beruf der Hausangestellten. Vorausschicken möchte ich, daß ich nach dem Vorbild der Amerikanerin sagen kann:„I love rny work"—„Ich liebe meinen Beruf". Ich bin glücklich und zufrieden, sehe meiner Arbeit Lohn im ideellen und materiellen Sinne. Da jeder Mensch aus eigenen Erfahrungen schließt, möchte ich bemerken, daß das Problem Dienstbotenfrage wohl noch zum großen Teil inderHausangestelltenfelbst basiert. Ich persönlich wurde, als ich mich auf meiner Stellung meldete, vor der Arbeitgeberin gewarnt. Glücklicherweise ließ ich mich nicht abhalten, stellte mich vor, erhielt den Posten und bekleide ihn seit vier Jahren zur Zufriedenheit meiner Arbeitgeber. Meine Vorgängerinnen hatten von ihrem Beruf keine Ahnung, und wenn auch ich technisch nicht geschult war, so ersetzten Intelligenz und Arbeitswille fehlende Kenntnisse. Die Wohnung, also die Arbeitsstätte, sah äußerlich gut aus, war jedoch, wenn man dahinterblickte, v e r w a h r l o st. Zuerst machte ich mich einmal daran, Ordnung und Sauberkeit in meine Arbeitsstätte zu bringen. Als Beweis der Unvollkommenheit im Beruf meiner Vorgängerinnen möchte ich nur erwähnen, daß der Hausherr gewöhnt war, ohne Frühstück morgens in seinen Betrieb zu gehen, weil er das Haus bereits um 614 Uhr verläßt und weil keine Hausangestellte fähig war, das Speisezimmer auszuräumen und das Frühstück zu bereiten, also wohl die Grundstufe des Arbeitsplanes zu erledigen. Das dankbare und erfreute Gesicht meiner gnädigen Frau werde ich nie vergessen, und es war mir erneut Ansporn. Von den Einzelheiten möchte ich nichts berichten, jedenfalls hatte mein« Herr- schaft schon nach kurzer Zeit erkannt, daß sie in mir eine zuver- lässige und treue Arbeitskraft gewonnen hat, und ihr« Einstellung entsprach ihrer Auffasiung. Ich rechnete mich vom ersten Tag« als Familienmitglied, habe aber niemals die Schranke überschrillen, die den Anlergebenen vom Vorgesehlen lrennl. Das Angebot, mit der Herrschaft am Tisch zu essen, habe ich al« Ausdruck ihrer Anerkennung empfunden, aber, meiner Stellung entsprechend, abgelehnt. MeinegnädigeFrau(I) schenkte mir freie Zeit, interessierte sich sehr bald für meine Weiter- b i l d u n g und griff selbst meine Bildungslücken auf. um sie zu vervollkommnen. Wenn ich als Resultat sagen kann, daß ich in der Lage war, meine Mutter zu unterstützen, mir eine verhältnismäßig große Summe Geldes zu sparen, Sprachen gelernt habe und mich in Kunstgeschichte vervollkommnen durfte, daß ich während der vier Jahre meiner Tätigkeit im Haushalt keine Sorgen um Kleidung, Nahrung, Wohnung, Licht, Heizung und Wäsche habe, so wiederhole ich noch einmal: Das Problem der Hausangestellten ist von der Hausangestellten selbst zu lösen. Zeder Arbeilgeber ist zufrieden, wenn er einen willigen und sähigen Arbeiter hat. Würde die Hausangestellte wie ich sagen:„I love my work"— und ich bin stolz darauf, zum Wohlergehen einer Familie beizutragen —, dann gäbe es kein Hausangestelltenproblem mehr. G. A." Hier ist noch die Erziehungsarbeit zu leisten, die die Brief- schreiberin zu einem innerlich unabhängigen Menschen macht. Kindergeist. „Du armes Schwein''. Der Großvater feiert heute seinen achtzigsten Geburtstag. Vater und Mutter in ihrem Sonntagsstaat und Onkel Karl und Tante Friede! und die Cousinen Emmi und Lissy— alle sind vollzähl ich erschienen, um dem alten Großvater zu gratulieren. Klein- Lieselott hat sogar ein Gedicht gelernt, und jetzt ist der große Augenblick da und Mutti pufft sie sanft:„Jetzt sag? doch!" Klein-Lieselott steht vor dem Großvater mit hochrotem Kopf: Vorhin hat sie's noch gewußt, und jetzt hat sie alles wieder ver- gessen. Die Tränen sind schon nahe. Aber die Tante Friede! weiß Rat:„Wenn du es nicht mehr weist, dann sag halt irgendeins aus deinem Lesebuch!" Lieselott blickt hilfesuchend um sich, dann hebt sie die kleine Stupsnase zum Großvater hoch und ihm treuherzig in die Augen blickend, rezitiert sie fließend: „Du armes Schwein, du tust mir leid, Du lebst jetzt nur noch kurze Zeit..." Die Mutter stirbt nicht. Mutti sagt:„Hör zu. Bübchen! Wenn du hier an dem Gas- hahn herumdrehst, dann mußt du sterben!" Darauf der also Belehrte:„Aber Mutti, du drehst doch immer an dem Gashahn herum: wann stirbst du denn nun?" Tante Ente. Manfred:„Wann kommt denn Tante Ente wieder?" „Aber, Bubi, das heißt doch Tante Aennchen!" „Nein, sie ist kein Entchen mehr; sie ist doch schon so groß!"