zw. 271. Abamument--KedingungtU: Abonnements-Pret» pränumerando! vlerteljährb 330 SWt, monatt. 1,10 Sit., wöchentlich 28 Pfg. frei WS Hau«. Einzelne Nummer 5 PIg. TonntagS- Slummer mlt llluftrtrter Sonntag«- Beilage„Tie Neu« Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 330 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post-Zeltung«- Prct«liste für 1397 unter Er. 7487. Unter Kreuzband für Teutschland und Lcslerreich- Ungarn 2 Mark, für da» übrige Ausland S Marl pro Monat. Erscheint täglich außer Wontag». Devltner Volksbl�tt. 14. Jahrg. Die Insertlons-Vcbllhr beträgt für die sechSgelpaltene«olonel- »eile oder deren Manm«0 Pfg., für verein«- und VerfammlungS-Anzeigen, sowie ArbeilSmarlt 20 Pfg. Znserate sür die nächste Nummer müssen dl» i Uhr nachmittag« in der Erpcditio» abgegeben werde». Tie Erpedition ist an Wochentage» bt« 7 Uhr abend«, an Sonn- und Festtage» bi« o Uhr vormittags geöfsnet. Aernsprecher: Ninl I, Hr. 1508. Telegramm-Adresse: „Soiialdrmokrat verlin". Dentrawrgan der sozialdemokratischen Partei Deutschtands. Medaktiott: 8V. 19. Wenly-Strnße 2. Sonnabend, den 20. November 181)7. KLpcdltiott: SW. 19, Menty-Straße 3. Kein KeiNzsnntk füu KvodukkiottsstntistiN. Es liegt Methode in der vom Reichsamt des Inner» ge- leiteten Vorbereitungskampagne für den Abschluß neuer Handelsverträge. Unter den weitgehendsten ►Jnsicheningen für eine unparteiische Besetzung des wirthschaftlichen Ausschusses und der Ankündigung einer amtlichen Produktionsstatistik hat man Stimmung für die vom Zentral- Verband deutscher Industrieller und dem deutschen Landivirthschaftsrath angeregte Organisation einer amtlichen Vorbereitnugsstelle gemacht und hat glücklich die industriellen und Handelskreise in ihren Bedenken zum größten Theil einzuschläfern vermocht. Heute wissen wir, daß aus dem unparteiisch geplanten wirth- schastlichen Ausschuß eine Vereinigung von Hochschutzzöllnern geworden ist, die von einer gewissenhast aufgemachten Produktionsstatistik für ihre reaktionäre Politik zu fürchten hätte. Darum mußte auch der Plan eines Reichs- amtes für Produktionsstatistik fallen. Interessanter als die Thatsache, daß die amtliehen Vorbereitnngen zu den neuen Handelsverträgen unter hochschutzzölluerischer Flagge segeln, ist aber jedenfalls das skrupellose Vorgehen des Reichs- amtes des Innern in der ganzen Angelegenheit. Recht belehrend ist sein Verhalten in der Frage einer Produktionsstatistik. Der Plan war nicht der Initiative des Reichsamtes des Inner» entsprungen. Das Verdienst der Priorität gebührt vielmehr jener nichtamtlichen Zentralstelle zur Norbereitnug der Handelsverträge, die noch früher als der offizielle Ans schuh seitens eines Theiles unserer Industriellen geschaffen wurde. Diese private Zentralstelle war es, die zuerst den Plan einer Produktionsstatistik entwickelte. Das Arbeits Programm des wirthschaftlichen Bureaus, das in jüngster Zeit im Reichsamt des Innern eingerichtet wurde, ist nichts weiter als eine schlechte Kopie jener privaten fentralstelle. Freilich, um die Zentralstelle aus dem elde zu schlagen, da fand mau es für gut, das Leistungs- vermögen einer privaten Stelle herabzusetzen, große Pläne an die Deffentlichkeit zu werfen, mit denen das Reichsamt des Innern sich trage. Die Zentralstelle war lange, bevor das Reich die Sache in die Hand nahm, mit einem Arbeitsprogramm vor die Oeffentlichkeit getreten, in dem in fünf Punkten die nöthigen Vorarbeiten zur Herbeischaffung des sür den Neuabschluß der Handelsverträge nöthigen Materials der Reihe nach aufgezählt waren. Unter ihnen befand sich auch die Ankündigung einer Ausmachung eines vollständigen Prodnktionskatafters, eine Erforschung und Feststellungen der Produktion und der Prodnltionsbedingungen. Mit diesem Programm ausgerüstet lud die Zentralstelle sämmtliche wirthschaftlichen Verbände zur Theilnahme an ihrer Organisation ein. Aber entgegen der Erwartung, daß die so ins Leben gerufene Organisation amtlich anerkannt und als offizielle Zentralstelle sür die Vorbereitung der Handels- vertrüge vom Staate unterstützt werden würde, erfuhr man plötzlich, daß das Reichsamt des Innern selbst die Bildung eines wirthschaftlichen Ausschusses in die Wege leiten wolle und großartige Vorbereitungen für die Neuschaffung von Handelsverträge» plane. Zum ersten Male hörte man von der Errichtung eines Reichsamtes für Produktionsstatistik. Nun verfolge man das Verhalten des Reichsamts des Innern, seitdem die private Zentralstelle mit ihrem Programm auf der Bildfläche erschienen war. Ter hochschutzzöllnerische Zentralverband der deutschen Industriellen hat mit dem dent- scheu Landivirthschaftsrath zusammen die Regierung zu bestimmen gewußt, die von privater Seite, oder richtiger die seitens des Vereins zur Wahrung der Jntrressen der chemischen Industrie Deutschlands ins Leben gerufene Zentralstelle nicht als vorbereitendes Organ anzuerkennen, sonder» einen eigenen wirthschaftlichen Ausschuß zu konstituiren. Diese Thatsache allein hätte einen großen Theil der deutschen Jnduftriellen und uament- lich alle Kanslente stutzig machen müssen, wenn nicht seitens der offiziösen Presse recht überzeugend nachgewiesen worden wäre, daß das Reich als solches mit ganz anderen Mitteln und zwingender Macht die nöthigen Unterlagen für den Ab- schlnß neuer Verträge herbeischaffen könne wie eine noch so gut geleitete Privatorganisation. Man wies ganz besonders auf den Plan der Errichtung eines Reichsamtes für Pro- dnktionsstatistik hin. Da lag es doch ganz klar zu tage, daß nur das Reich mit seiner Organisation des statistischen Dienstes eine wirkliche Produktionsstatistik herzustellen in der Lage sei. Dieser Grund war durchschlagend, daß man sich an der Ver- drängniig der Zentralstelle nicht weiter stieß. Nicht nur die Interessenten an der Neugestaltung der Handelsverträge, sondern ganz besonders auch alle� Freunde einer modernen Wirthschaftspolitik sahen im Geiste schon den immense» Nutzen einer regelmäßigen Produktionsstatistik vor Augen. Ihr zu lieb wurde die Zentralstelle kaltlächelnd preis- gegeben. Sobald jedoch das geschehen war, schlug der Wind um. Plötzlich las man in der offiziösen Preffe: Mit der Schaffung einer Prodnktionsstatistik wird es nichts, vielmehr hat das Reichsamt des Innern ein wirthschastliches Bureau eingerichtet, in dem ein Assessor die Zolltariffragen, ein zweiter die Ausstellung der Prodnktions- und Waareustatistik bearbeiten soll. Das ist also das Resultat der hochfliegenden Plane des Reichsamts de? Innern. Von einem Neichsamt der Produktions- statistik bis zu einem Bureau mit zwei Assessoren, die nun das Programm der Zentralstelle ausführen sollen? Da war denn doch die geplante Organisation der Zentralstelle weit leistungs- fähiger wie das vom Reichsamt des Innern eingerichtete Bureau. Man fragt sich angesichts dieser Entscheidung der Frage einer amtlichen Produktionsstatistik unwillkürlich, wie es wohl gekommen sein mag, daß die Regierung erst so hohe Hoff- nungen erweckte und nachher wieder so große Enttäuschung bei allen Interessenten hervorrief? Und die Presse läßt auch durchblicken, warum angeblich von der Schaffung einer Produktionsstatistik abgesehen werden soll. Der Grund ist, weil die Regierung den Unternehmern Unbequem- lichkeiten ersparen will. Das ist der Grund, der öffentlich angegeben wird. Schon er allein ist zu schwach, um bestehen zu könne». Denn es ist wirklich die Rücksicht- nähme ans die Unternehmer zu weit getrieben, wenn sie nicht einmal zu statistischen Zwecken nach dem Umfang ihrer Ge- schäflsthätigkeit gefragt werden sollen. Welchem Geschäfts- manu kann die Beantwortung einer solchen Frage schaden? Keinem, aber sie könnte unbequem sein und Rücksichten der Bequemlichkeit müssen amtlich bei Unternehmern geschont werden. Doch der wahre Grund ist ein ganz anderer. Daß eine Prodnktionsstatistik den Unternehmern unbequem werden könnte, mußte man denn doch schon damals wissen, als man im Reichsamt des Innern beschloß, den Plan zu verwirklichen. Warum hat man nicht damals einfach gesagt: Mit einer Prodnkcionsstatistik ist es aus diesen oder jenen Gründen nichts? Im Gegentheil, gerade die Schaffung einer amtlichen Produktionsstatistik spielte eine Hanptwaffe in den öffentlichen Erörterungen gegen die Zentralstelle, die mit ihrem Programm soviel Anklang gefunden hatte. Es galt, dieses Programm zu übertrumpfen und übertrumpft war es alsbald, als das Reichsamt sich für die amt- liehe Schaffung einer Produktionsstatistik erklärte. Damit war die Zentralstelle in den Hintergrund gedrängt und die Schutzzöttner trinmphirten. Die Schutzzöllner, an deren Spitze der Zentralverband deutscher Industrieller steht, können aber keine Freunde einer amtlichen Prodnktionsstatistik sein. Sie können nur so lange Geschäfte machen, als sie im Trüben fischen. Denn die Aufmachung einer amtlichen Pro- dnktionsstatistik bedeutet eine Niederlage jeder hochschntz- zöllnerischen Politik. Eine Produktionsstatistik zeigt Deutsch- land als einen Staat, dessen Wohlstand von Periode z» Periode immer mehr von dem weiteren Ansschwnng der Exporlindustrie abhängt; den hochschutzzöllnerische» Unternehmern ist also die Beantwortung produktionsstatistischer Fragen unbequem. Und darum fiel das Neichsamt für Produktionsstatistik nicht schon, ehe die Regierung sich vorher für den Plan festgelegt hatte, sondern das geplante Amt war nur der Köder, mit dem man der Zentralstelle zur Vorbereitung der Handels vertrüge die Sympathie der deutschen Industriellen wegsangen wollte. Und der echt schlaue Kniff ist gelungen. Das ist die Geschichte von dem Plane eines Neichsamtes für Produktionsstatistik. Wer durfte auch annehmen, daß das Reichsamt des Innern das wirthschastliche Leben Deutschlands so hoch bewerthete, daß es dafür ein eigenes Reichs- amt schaffen wollte? Ja, wenn es sich um ein neues Reichsamt für das Heerwesen oder die Marine ge- handelt hätte, dann wäre das Verständniß dafür sicher vorhanden gewesen und Beqnemlichkeitsrücksichten hätten keine Rolle gespielt. Tie Geschichte von dem Plane eines Reichsamtes für Produktionsstatistik zeigt aber auch, daß die deutsche ReichSregiernng in voreingenommener Weise in hochschutzzöllnerischen Bahnen wandelt und daß die ganzen unparteiischen Vorbereitungen für den Abschluß neuer Handelsverträge nichts darstellen als eine nur leicht verdeckte Agitation sür Hochschntzzoll-Politik. Km? Frankreich. Paris, 17, November. Die Erregung der politische» Kreise, wo nicht des großen Publikums, über die D r e y f u s- A f s ä r e hat infolge der»euesle» Enthüllungen einen geradezu krankhaften Charakter angenommen. Nur einer kleinen Minderheit, zu der die Sozialisten gehören, ist es dabei um die Ermittelung der objektive» Wahrheit z» thun. Sonst hat die Denunziation des Infanterie- Kommandanten Grase» Walsin-Esterhazy durch Drciifns' Bruder einen verstärkten Ausbruch antisemitisch- chauvinistifcher Leidenschaften hervorgerufen. Und man geht so weit, dem Kriegs- minister ei» Verbrechen daraus zu machen, daß er in seiner Er- klärnng vor der Kammer dem Dennnzirten nicht gleich ein Ehren- zengniß ausgestellt hat.... Was die Zeitungen bisher a» Noch- richten und Interviews gebrackst, ist eher geeignet, über die Affäre noch mehr Dunkel z» verbreite». Bei Durchsicht der langen Zeitungs- spalte» hat man das Gefühl, einen toll-phantaslischen Schundroman zu lesen. Es wimmelt da von Jntriguen und Konlre-Jntriguen. von guten und bösen Maske», von gestohlenen»nd gefälschten Dokumenten— selbst an einer gebeimnißvolle» Dame mit verschleiertem Gesicht iehlt eZ nicht. Diese Dame soll im nächtlichen Dunkel in einem stillen Winkel von Paris dem Grasen Efterhazy ein Dokument übermittelt haben, das de» nnnmstößlichen Beweis für Dreyfns' Schuld enthalte. So versichert der Graf selber, der zugleich erklärt, seit einiger Zeil bereits von der bevorstehenden Denunziation gegen ihn unterrichtet gewesen zu sein. Ferner Halle der Graf einen Tag vor der Denunziation als Antwort ans die Enthüllungen des „Figaro" in der antisemitischen„Libre Parole" einen anonymen Artikel inspirirt, worin die Aehnlichkeit seiner Handschrift mit derjenigen des dem Dreyfns zugeschrie- denen Dokuments dadurch erklärt wird, daß Dreyfns mittels durchsichtigen Papiers die gräfliche Handschrift nachgemacht bälle. Eine zweischneidige Erklär»»«, die ebenso gut gegen den Grafen gerichtet werde» kann.— Fest steht jedenfalls das eine: dec Graf führte ein ebenso ausschweisendes. wie Dreyfns ein bürgerlich- bescheidenes Leben führte. Jener ivar ein Karlen- und Börsen- spieler zugleich. Dabei verlor er wiederholt enorme Summen, die in keinem Verhältnis z» feinem Gehalt und Einkommen standen, die aber trotzdem pünktlich bezahlt wurden. Auch gesteht der Graf, mit dem soeben verabschiedete» deutschen Mililäraitachä von Schwarz- koppen,„einem Freunde seiner Familie", Beziehungen unterhalten zu habe». Das wäre der Grund, wenn Dreysns' Freunde gerade aus ihn den Verraih abzuwälzen suchen. Die Antwort des Kriegsministers in der Kammer auf die ge- fällige Anfrage des minifteriellen Abgeordneten Grafen d'Alsace hat aus verschiedenen Gründen niemand befriedigt. Es dürfte daher z» einer Interpellation komme», sei es in der Kammer, sei es im Senat.< Die B e r a t h n n g des U n t e r r i ch t s- B n d g e t s hat mit einer interessanlen Generaldebatte begonnen. Es kam dabei zur Sprache der Kampf zwischen den klerikalen und staatlichen Schulen. Die bezüglichen statistische» Angaben hab� ich bereits auf grund des Berichts der Budgetkommission milgeiheiit. Ter klerikale Abgeordnete Deuys Cochin machte die „Moral ohne Gott", wie sie in den welllichen Schulen gelehrt wird, für die Vermehrung der jugendlichen Verbrecher verantwort- lich und erklärte damit auch das Anwachsen der Schülerzahl in de» klerikalen Miltelschnle». Das rief— nach einer schwächlichen, weil von Rücksichte» a»f den klerikalen Flügel der Regierung?- mchrheil geleiteten Aulivort des Unterrichtsmiuisters— den ehemaligen radikalen Ministerpräsidenten L6011 Bourgeois, der auch tluterrichtsminister ivar, auf die Tribüne. Die kriminal-statisti- scheu Argumente der Klerikalen wies er in ihr Nichts zurück. Daß die übrigens in den letzten Jahren wieder abiiehmende jugendliche Kriminalität lediglich eine Folge der Venvahrlosnng der Schuljugend außerhalb der Schule ist, einer Verwahrlosung, die ihrerseits wieder in der Zerstörung des Familienlebens der ärmere» Klassen durch die Ernverbsarbeit der Hansfrau wurzelt,— das erbelle bis zur Evidenz daraus, daß in Paris die Errichtung von Asylen sür„moralisch verwahrloste Kinder" die Zahl der jugend- liehen Verbrecher sofort vermindert hat. Obendrein könnten jene Argnniente erst dann ernst genommen werden, wenn die Klerikalen de» Prozentsatz der jugendlicben Verbrecher, die religiöse Er« ziehung genossen haben, anführen würden. Denn es ist eine bekannte Thatsache, daß die Schüler der weit- lichen Volksschnlen in der„überwiegenden Mehrheit" außerhalb der Schule den gleiche» Religionsnnterricht empfangen, wie die Zöglinge der Ordensschnlen. Und was den Erfolg der klerikale» Mittelschulen betrifft, so erklärte ihn der Redner auf grnud einer vielseitigen Er- fahrung vornehmlich aus der veränderten Gesinnung der hohen Bourgeoisie und der hohen Beamten. Es gehöre seit einiger Zeit „zum gute» Ton", seine Kinder in den klerikalen Anstallen erziehen zu lassen. Und das nicht nur aus Frömmigkeit, sondern aus grob-materieUe» Rücksichten:„Mein Kind", bekam Rednervietsach von ungläubigen Freunden klerikaler Mittelschule» zuhören,„bereitet sich für diese oder jene Karribre vor, und man hat uns von klerikaler Seite eine Protektion versprochen, die auf der andern Seite nicht zu erlangen sein dürfte...." Ja, die klerikale Protektion! Sitzen doch in de» höechste» Aemlern der weltliche» Republik, namentlich in der" Militär- und Mariueverwaltung, die waschechtesten Klerikalen. Der Kriegstniuister des KabinetS Rietine geht mit gutem Beispiel voran: seine Tochter läßt er in einer klerikalen Pension erziehen. Tie Rede dcs radikalen Führers, eine glänzende und inhalts- volle Vertbeidignng der religtonslosen Schule, bekam die Bedeutung einer politischen Kundgebung gegen das klerikal-frenndlicheMinisterium, indem die Kammer mit 305 gegen 83 Stimme» den öffentlichen Anschlag derselben in ganz Frankreich volirle. Die Regierung halte sich zwar vorsichtig dagegen nicht erklärt, aber ihre Kerntruppen und die Minister enthielten sich der Abstimmung. In der Debatte sprach»och Genosse Carnaud, ein ehe« maliger Echullehrer, gegen die fortgesetzte Verminderung der Siipendien für die Mittelschulen— ei» Ausfluß der Furcht der herrschenden Klasse vor dem anwachsenden geistigen Proletariat. Die Sozialisten werden die Erhöhung der Slipendienkredile verlangen.— politische Keberflcht. Berlin, 19. November. — Eine B e t h e i l i g n n g am ReichstagS-Präsi- dium wollen die Konservativen, wie die„K. K." inittheilt, für die bevorstehende Session nicht in Anspruch nehmen. Da auch die Nationalliberalen bei ihrem Verzicht verharren wollen, so wird die Zusammensetzung des Präsidiums jedenfalls dieselbe bleibe» wie in den letzten Jahren.— — Gegen die Reform des Militär-Straf- Prozesses macht man auf kouservativer Seile jetzt mit Lebhastig« keit mobil. Dem Vorgange des Generalmajors v. Eslorff folge» „ReichsboU"»nd„Kreuz-Zeitung". Letzteres Blatt Iheilt eine Red« des Grafen K anitz mit. welcher Herr natürlich garnicht einsebcn kann, baß eine O e f s en l l i ch k e i t des Prozeßverfahrens nöthig wäre, und der das gerichtsherrliche Besläligiingsrecht ebenfalls für durchaus beivährt und dessen Beibeh>ll»ng als nolhwendig eruchlet. Und die„Krenz-Zeilnng" selbst bläst dieselbe Melodie: „Das Verlangen, die Oeffeiulichkeit bei Verhandlungen über Snbordinalious- Vergehen auszuschließen, scheint nnS ein selbstverständliches zu sei», und müssen auch wir der bestimmten Erwartung Raum geben, daß die verbündele» Regierungen in diesem Punkte fest bleiben werden.— Sollte die Vorlage aber an dieseni Punkte scheitern, dann allerdings ist die ganze Aktion nur ein Schlag ins Wasser gewesen, sie wäre dann besser unterblieben. Mit einem bloßen„Äta denn nicht" wird die Regierung sich dies- mal nicht aus der Affäre ziehen können, sondern sie wird auch mit der Erregung rechne» müssen, welche durch die bevorstehenden Dcbalteu ins Land getragen und bis zur nächsten SieichStagkivahl »achzittern wird." Man wird nbiunrlcn iinlssen, od die versprochene Oeffenllichkeit dcS Aersohreiis in der VorInge so illusorisch gemacht werden wird. wie die„Kreiiz-Zutmig" wünscht. Geschieht dies, so würde aller. ding? hoffentlich der Reichstag eine solche Vorlage mit Entrüsluiig zurückweisen.— — D i e Maszregelnng von drei Pastoren wel fisch er Gesinnung wegen Widersählichkeit gegen die Zentenarfeier ist, ivie aus Hannover gemeldet wird, vom Landes' konsistorium bestätigt ivorden. Gegen zwei der Pastoren. S ch l ö in e r- Grasdors und Hermann Wendcbonrg. Groß-Elbe wurde ans Abweisung der Bernfnngund damit Bestätigung des ans ?l in t s e n t s e tz n n g lautenden Erkennlnisses der ersten Instanz er- kannt. Der Berufung des Pastors Wilhelm Wende- b o n r g- Groß- Mahner wurde insoiveit stattgegeben, daß das rbcnfasts ans Slinlscnlsetznng lanlcnde Erkenntnist der ersten Instanz in„Ertheilung eines scharfen Verweises" nmgeivandelt wurde. So zeigt stch in unzweideutiger Klarheit, wie die Kirche völlig unter der Obmacht des Staates steht, wie den Geistlichen die Freiheit ihrer Neberzeugungen durch staatliche Satzungen ver- wehrt wird. Solche Vorkommnisse müssen natürlich dazu führe», daß die Geistlichen, gegen welche der Staat nichts cinzuivenden hat, das Vertrauen des Volkes immer mehr verlieren. Tenn das Volk erblickt in ihnen nur gefügige Diener der Siaalsmncht, aber nicht rückstchts- los freie Bekenner ihrer religiösen Ueberzeugungeu und Grundsätze.— Dem Herrscher von Saarabien, Freiherrn von Stumm, wird wiederum, anscheinend von sehr gut orienlirler Seile, eine Slufzeichnung seiner Thaten gewidmet, welche aufs neue zeigt, welchen unheilvollen Eiuflnü dieser Mann infolge seiner politischen Beziehungen und seines Geldsacks ausüben kann. Niemand darf sich seinem Willen widersetzen,; wie er es versteht, seinem Terrorismus Geltung zu verschaffen, mag folgende Schildernng, die wir dem„Volk" entnehmen und der wir nichts hinzufügen wollen, illustriren: „Wer das Saargebict nicht aus eigener Anschauung kennt, hat trotz allein, was im Laufe der letzten Jahre schon geschrieben ist, keine Vorstellung davon, wie Freiherr v. Stumm das ganze Gebiet nuter den Bann seiner persönlichen Herrschaft zu beugen wühle. Nicht nur stehen ihm im Eaargebiet zur Bearbeitung der öffeul- lichcn Meinung drei Blätter zur Verfügung, nicht nur beherrscht er durch seine» persönlichen Einfluß, durch de» Vorsitz in der Saar- brücker Handelskaunner und in den großindustriellcn Unlernehmer- vereinen die Großindustrie und einen großen Theil der übrigen Gewerbetreibenden, auch kommunale Körperschaften beugen sich ihm. Vertreter der am Fuße des Halbergs gelegenen Geinciude Brebach zum Beispiel unterschreibe» eine» Petition für die Anlegung einer Straßenbahn und dann, als sie erfahren, daß man aus dem Halbcrg anders denkt, eine dagegen. Aber auch die Behörden gelten nicht als selbständig. Es ist im Saargebiet allgemeine Neberzeugung, daß kein Beamter im Amt bleibt, der Stumm nicht paßt, und daß jeder geht, der ihumiiß- liebig geworden ist. Zln Gründen für solche Auffassuugen fehlt es leider nicht. Ein, übrigens sehr begabter Landrath v. Boß z. B. trägt bei einer Kreistagswahl einen Sieg über Slumm's Partei davon— und verschwindet. Zwei Gymnasiallehrer pflegen ihre politische Ansicht nicht zu verschweigen, ohne jedoch öffentlich hervorzutreten,— sie verschwinden. Einer ihrer Kollegen tritt politisch, mündlich und schriftlich hervor, aber im Sinne Slumm's— und bleibt. Der Bahnhof?« Buchhändler in Saar- brücken verkauft die„Zukunft"; Stumm sieht es. macht ihm öffent- lich im Wartesaal Vorwürfe und Harden'S„Zukunft" muß ver- schwinden, wenigstens ans den Augen. Wer vermöchte endlich des jüngsten Urtheils im Prozeß Slöcker-Stninin zu gedenken, ohne zu allerlei Gedanken über unsere Rechtspflege veranlaßt zu werden? Wir haben schon mitgetheilt, daß einer der Schöffen vor Stöcker's Anwalt erschien mit der Bitte. ihn abzulehnen, da er alles wage, wenn er Slninm vcrurtheile. Als ihm erwidert wurde, wenn er sich befangen fühle, möge er es dem Vorsitzenden erklären, dann brauche er nicht zu fnngiren, wagte der Unglückliche auch das nicht. Endlich aber— und das ist für uns das wichtigste— mich auf kirchlichem Gebiet zeigt sich die Wirkung dieses Personnlsystems. Pfarrer Haustein in Brebach hält eine Neformatiouspredigt. Dem Schwager des Frei- Herrn ist sie zu scharf und auf seinen Antrag ertheilt das Presbyterium dem Pfarrer ein Tadclsvotmn. Die Presbyter sind eben von der Halberger Hütte abhängig, illls die Broschüre der Geistlichen zur Abwehr der Stuinm'schen itliigriffo erschien und die Krcissynode sich fast einstimmig auf feiten der Geistlichen gestellt hatte, wurde in den um den Halberg liegenden Gemeinden eine Agitation ins Werk gesetzt, um Unterschristen zu einer Erklärung gegen die Kreissynode zu sammeln. Slnfangs be- sorgten Beamte der Halberger Hütte die Sache, als die Zeitungen darauf hinwiesen, thaten es andere Leute. Wie die, übrigens recht geringe Zahl von Unterschriften zusannuenkam, lehrt das folgende: Ein Pfarrer fragt ein Gemeindeglied:„Sie haben auch die Er- klärnng gegen uns unterschrieben?"—„War die gegen Sie, Herr Pfarrer? Aber das haben wir ja gar nicht gewußt!"— Oder der Pfarrer zu einem anderen:„Ihr Name steht auch unter der Erklärung?"—„Ja."—„Haben Sie denn unsere Broschüre gelesen?"—„Nein."—„Und haben doch unterschrieben?" —„Herr Pfarrer, wir mußten ja."— Ein Bäcker erklärt seinem Pfarrer:„Wenn man zu mir kommt, um meine Unterschrift z» holen, so werde ich mich verborgen halten, findet man mich aber doch, so muß ich unterschreiben, sonst kann ich mein Brot allein effen."— Doch genug! Mag Stumm auch nicht direkt alles das veranlaßt haben, so sind derartige Vorgänge die Früchte eines rück- sichtslosen Machtsystems, für welches Stumm's gewallthälige Natur die moralische Verantwortung zu tragen hat." — Chronik der Eisenbahn Unfälle. Eine Privat- depesche meldet uns: I» Leopoldshöhe, der erste» badischeu Station der Strecke Basel— Mannheim, entgleiste ein Schnellzug um 6>/s Uhr abends bei voller Fahrt.— — Aus dem Reiche d e s H e r r n T h i e l e n. In einer Gerichtsverhandlung vor der Hanauer Straskammer, die wegen fahr- lässiger Gefährdung eines Eisenbahntransportes anberaumt war, wurde koustatirt, daß der angeklagte und nachher fr-igesprochc»e Lokomotivführer Häger zur Zeit des Unfalles schon zwölf Stunden ununterbrochen bei heißer Witterung im Dienste gewesen w a r.— — Den alte st en und erbärmlichsten Trödel müssen die Gegner der Sozialdemokratie inimer wieder hervorsuchen, um ihr eins anzuhängen. Wohl alle vier Wochen mindesteus einmal tauscht die Geschichte auf von den Angestellten der„sozialdemokratischen Konsumvereine", welche scheußlich ausgebeutet werden. Die„Konser- vative Korrespondenz" tischt diese Historie von neuem auf und der ganze Reigen der Sozialisteuvernichter druckt es nach. Ailligerweise ist auch die„Vosstsche Zeitung" bei diesem sauberen Beginnen; sie leitet einige Zahlenangaben über Arbeitszeit.und Ar- beitslöhne mit den Worten ein:„Das Eintreten der Sozialdemo- kratie für den Achtstundentag findet eine interessante Beleuchtung. wenn man die Arbeitervcrhältnisse in den sozialdemokratischen Konsumvereinen einer Betrachtung unlerzieht." So thnn diese kapitalistischen Organe gerade so, als ob sie Miß- stände, unter denen Arbeiter leiden, aufzudecken für ihre Aufgabe hielten. Und dabei haben sie ihre Angaben aus dem„Korrespondenz- blatt der Generalkommission der deutschen Gewerkschaften", einem Blatt, das sicherlich keiner politischen Partei näher steht als der sozialdemokratischen Partei. Dies zeigt, daß die sozial- demokratisch- und die gewerkschaftliche Arbeiterpresse selbst es ist, welche die Mißstände aufdeckt auch in den Konsumvereinen! Natürlich wird die Lüge stets wiederholt, daß die Konsum- vereine„sozialdemokratisch" ieien. Natürlich werden alle Konkurrenz- Verhältnisse, die sonst stets von der kapitalistischen Presse in vollstem Maße herbeigezogen werden, wenn es ihr gilt, gegen eine Verbesserung der Arbeiterlage aufzutrete», hier außer acht gelassen. Ja, die „Vossin" besitzt die lächerliche Dreistigkeit, die Verhältnisse der englischen Maschinenbauer mit denen deutscher Kaufmanns- angestellter in kleinen Orten zu vergleichen. Wollte das Blatt, wie es das Mindestmaß des Anstandes erfordern würde, die Lage der Angestellten in Privatgeschäften, welche mit den Konfumvereinett in Konkurrenz stehe», vergleichen, so würde es finden, daß vielfach die Konsumvereine in der Behandlung ihrer Angestellten voranstchen. Wo dieses aber nicht der Fall ist, da hat die sozialdemokratische Presse stets die Uebelstände scharf aufgewiesen und auf Abhilfe ge- drungcn. Sie hat den Konsumvereinen der Arbeiter dieselbe Behandlung zu theil werden lassen, wie den Betrieben der Kapitalisten. Können die Bourgeoisblätter, kann die„Voss. Ztg." von sich das gleiche sagen?— — Herr Naumann bespricht in der„Hilfe" die Lorenz'sche Schrift gegen die Sozialdemokratie. Naumann, und mit ihm wohl die große Zahl der National-Sozialen, ist nicht e i n v e r st a n d e n mit der Lorenz'sche» Wahlparole, die sich in erster Linie gegen die Sozialdemokratie richtet. Naumann hält vielmehr die Bekämpfung der konservativen Reaktion für die dringendste Aufgabe seiner Partei.— — Die staatsgefährliche Marseillaise. Aus Kiel wird uns geschrieben: Recht interessant ist eine„Ver- warnung", die der iilmtsvorsteher W. Rusch in Sude bei Itzehoe ? legen einen Musiker erlassen hat. Sie lautet:„Verwarnung. Zu- olge hier eiugegaugeuer Mitlheiluug haben Sie am 10. Oktober d. I. in dem Lokals des Gastwirths M. Saß in öffentlicher Tanzmusik die Marseillaise gespielt. Hierzu wird bemerkt, daß im Wiederholungsfälle die Festsetzung der Ihnen angedrohten Exekutiv- strafe erfolge» wird. Sude, 12. November 1897. Ter Amtsvorsleher. W. Rusch." Der gute Herr scheint in der Gesetzessammlung von Sude kürz- lich ein Exemplar des Sozialistengesetzes entdeckt zu haben. — Zu unserer Notiz über den berüchtigten N o r m a n n- S ch u m a n n in der gestrigen Nummer unseres Blattes schreibt man uns von anderer Seite: Wie weit die Staats- auwaltschaft der Denunziation Norinauii-Schumann's gegen Frei- Herrn von Marschall wegen„Meineid" Folge leistete, ivtssen wir nicht. Aber bekanntlich hat Schumann auch gegen Bebel die gleiche Denunziation gerichtet. In dieser Dennnzialionssache hat die Slaatsanwallschast, wie wir seinerzeit berichlcteu, ein Ermiltelnngsverfahren eingeleitet. Die von Bebel in dieser An- gelcgenheit vorgeschlagenen Zeugen sind mittlerweile vernommen ivorden, zuletzt und zwar im Laufe voriger Woche unser Parteigenosse Julius Motleler in London, der von einem Beamten des deutscheu Kon- sulats vernommen wurde. Der Staatsauwallschast scheint es um denBe- iveis zu thun zu sein, daß der von Bebel erwähnte Mac Hunns und Schu- mann ein und dieselbe Person ist. Schumann hat unter dem Namen Mac Hnuns in dem„Memorial diplomatique" Artikel veröffentlicht, welche die schwersten Beleidigungen gegen den Kaiser, v. Caprivi und v. Marschall enthielten. Das Material, das miltlerweile die Staats- anwaltschast darüber bekounnen hat. dürfte ihr jeden Zweifel be- nominen haben. Im weiteren dürste aber Bebel in Kürze in der Lage fein, nach dieser Richtung hin ein erdrückendes Beweismaterial beizubringen. Dieses Material dürfte alsdann auch in dem wider Schumann eingeleiteten Prozeß seine Schuldigkeit thun. Weiter wird der gegen Normann- Schumann einzuleitende Prozeß wieder die Frage hervorrufen, wie es kam, daß die Hilfsorgane der Staatsanwaltschaft, die Orgaue der politischen Polizei, so gar keine Möglichkeit besaßen, ihren Kollegen Normaun-Schmliann rechtzeitig in die Hände der Staatsanwaltschaft zu liesern, wodurch es ihm möglich wurde, sich auf Schweizer Boden zu salviren. Was Privat- leute schon seil Jahren wußten, konnte die politische Polizei doch auch wissen, siulemalen die Artikel des„Memorial diplomatique" in den Kreisen der Regierung das peinlichste Aufsehen erregten. Daß auch Herr v. Marschall wußte, daß Normann-Schumaun der Verfasser jeuer Augriffe sei, bestätigt seine Aussage im Prozeß Tausch. Schumann's Behauptung, er werde zum Prozeß sich stellen, falls die Slaalsanivaltschaft ihm freies Geleit gewähre, ist eitel Flunkerei. Er weiß zu gut, welchen Dreck er am Stecke» hat und hütet sich, das Berliner Pflaster oder deutschen Boden z» betreten. Schließlich wollen wir dem Leser ei» kleines Rälhsel aufgebe». Er vergleiche die Buchstaben und dazu gestellten Ziffer» der nach- solgenden Worte: �lao Hunns »02»4781 Schumann 11846878 Anö Obcrschlcsicn. Es wird nnS über da? Kapitel„Ver- s a M i» l» n g s r e ch t" geschrieben: Seit dem I. Mai d. I. haben die Parteigenossen des oberschlesischen Judustriebezirkes zwar ein Lokal zu ihrer Verfügung, bisher ist ihnen aber die Abhallmig von Versammlungen— in c a. 15 Fälle»— verboten worden. Als Verbotsgründe mußten zunächst die baulichen Verhältnisse, ferner einige Scharlach- und Typhtheriefälle der Umgegend, dann die Typhusepidemie in Beulheu, zuletzt die„vorschriftswidrige" (Petroleum-) Beleuchtung des Lokales herhalten. Die bei den Versammlungen in Masse(bis 12 und darüber!) aufgebotenen Gendarme und Polizeibeamten benahmen sich in einigen Fällen so schroff, daß, iväre» die Versammlungsbesucher uubesonnene Leute gewesen, leicht ein Krawall hätte entstehen können. Alle Beschwerden wurde» vom Zabrzer Landrath und vom Oppelner Regierung?- präsidenlen abschlägig beschieden, nur eine gute Wirkung hatten die Beschwerden: die Polizeibeamten traten vorsichtiger auf. Am 10. d. M. hat auch endlich der Minister des Juner», Herr von der Siecke, die an ihn gerichtete Beschiverde„erledigt", abschlägig natür- lich. Auf die in der Beschwerde behauptete und erwiesene Nichtig- keil der Verbolsgründe, auf die bewiesene Sonderbehandluiig der Sozialdemokraten des oberschlesischen Jndustriebezirks geht er in seinem Bescheide mit keinem Worte ein, er billigt also einfach die von uns als ungesetzlich bezeichnete und dargethane Verbolspraxis der Polizei. Trotz alledem geht es vorwärts und immer neue Ver- suche werden gemacht werden, das Versammlungsrecht zu er- kämpfen.— — V o m P o l i z e i k a ni p f gegen den Anarchismus. Umfassende Haussuchungen haben nach der„Nat.-Ztg." in den letzten Tage» bei Anarchisten in Frankfurt a. M., Magdeburg und Görlitz stattgefunden. Es sollen diese Haussuchungen im Zusammen- hang mit den letzten Gedächtuißfeierii der Anarchisten zu Ehren der in Chicago Hingerichteten gestanden haben. Beschlagnahmt wurden u. a. Exemplare der anarchistischen Zeitung„NeueS Leben".— — V o in s ä ch s i s ch e n„I u w e l". ES wird unS auS Dresden geschrieben: Daß die eigenthümliche Ansleaung und Handhabung des Vereinsgesetzes seitens der sächsischen Behörden auch zu komischen Situationen führen kann, beweist folgender Fall, der allerdings schon etwas zurückliegt, in seinen charakteristischen Einzelheiten aber jetzt erst bekannt wurde. In dem wellfernen Städtchen Wilsdruff, in welchem ein früherer Dresdener Rathsassessor da? biirger- meisterliche Szepter schwingt, wollte man an stelle deS früheren Tischler- Fachvereins einen Holzar beiter-Verein gründe», um dadurch weitereu Kreisen dieser Berussgenossen eine lokale Organi- sation zu schaffen. Man gründete den Verein und benutzte das Statut des früheren Tischler-FachvereinS mit entsprechenden formellen Abänderungen. Nach der Einreichung des Statuts bei der AinlZ» hauptinannschaft zu Mdfjei, verbot diese den Berein mit der Be- gründung, daß die Holzarbeiter alleZ daS, was sie im Verein durch das fragliche Statut bezwecken wollten, auch ohne einen Verein erreichen könnten. Daranfbin verstcleu die Holz- arbeiler auf die Idee, de» früheren Tischler fachverein wieder in Funktion treten zu lassen. Man nahm dasselbe Statut. Und siehe da— diesmal fand daS omiuöse Ding wieder Gnade vor den Augen der Behörde; der Tischler fachverein durfte genau dasselbe thu», was man den Holzarbeitern verweigert hatte. Ist das nicht luftig? Es könnte übrigens hübsch werden, wenn in Zu- kuiift die Nolhwendigkeit eineS Arbeitervereins von der Ansicht der Behörden abhängig gemacht würde. In Mecklenburg ist eine Haupt- und Staatsaktion gegen die Arbeiter-Bildungsvereiiie im Gange. Am Mittwoch nämlich habe» die Staatsanwaltschaften in einer ganzen Reihe von Städten bei bekannten Parteigenossen, deren Zugehörigkeit zu einem Arbeiter-Bildungsverei» wohl angeuommen wurde, Haussuchungen vor« nehmen lasse» zwecks Beschlagnahme vonBüchern.Pnpiereu undÄriefe», die mit der Thätigkeit jeuer Vereine irgendwie in Beziehung stehen könnten. Die Staatsanwaltschaft am Schweriner Landgericht hat nämlich eine Untersuchung eingeleitet, ob die Arbeiter-Bilduugsvereine einen politischen Zweck verfolgen. Nach der mecklenburgischen Ver- ordnung vom 27. Januar 1851 darf die Bildung von Vereinen zu politischen Zwecken nur mit Genehmigung des Ministeriums des Innern geschehen. Da die Arbeiter-Bildungsvereine ohne diese ministerielle Genehmigung gebildet sind, so würden deren Mitglieder, falls in diese» Vereinen politische Zweck« verfolgt worden sei» sollten, gegen jene Verordnung sich vergangen haben; diese bestimmt in ß 3:„Wer an Vereine», die solche Genehmigung nicht erhalle» haben, theilnimmt, verfällt in eine nachdrückliche, der Beschaffenheit des Falles entsprechende Geld- oder Gefänguißstrase." Die„Mecklenburgische Volkszeituug" schreibt über diese An- gelegenheil: Unseres Wissens sind die mecklenburgischen'Arbeiter- Bildungsvereine niemals zu politischen Zwecken benutzt worden, ist in denselben, wie der populäre Slnsdruck lautet, niemals Politik getrieben worden. Zwar gehören überall zu ihren Mit- gliedern Sozialdemokraten; aber diese habe» eine agitatorisch« Thätigkeit für die Sozialdemokratie nicht innerhalb des Vereins aus- geübt; was sie etwa i» agitatorischer'Richtung hin gethan, thaten sie nicht als Mitglieder des Arbeiter-Bildungsvereins, sondern als Staatsbürger. Soyach kann unseres Erachtens von einer Verletzung der Ver- ordnung vom 27. Januar 1851 durch die Arbeiter-BildungSverciue keine Rede sein. Wir erwarten in voller Ruhe den weiteren Ver- laus der staatsanwaltlichen Aktion, welche mit Ausiveiidung großer Mittel erfolgte.— München, 19. November. Die bauernbiindlerischen Abgeordncten brachten im Verein mit zwei Zeutrumsabgeordncte» in der Ab- geordiietenkammer den Antrag ei», in aubetracht der Nothlage der Landwirlhschaft die Grundsteuer aus zwei Jahr« zu erlassen.— Ans Baden, 17. November.(Eig. Ver.)„Alles schon einmal dagewesen" kann man bei der Haltung des Zeiitrmns nach den Wahlen sagen, und es wäre verwunderlich, wenn die Klerikalen des Mnsteriandes in bezug auf Zuverlässigkeit eine Ausnahme vo» ihre» Brüdern im llleich machen würde». Das Hauvtorgan des Zentrums, der„Bad. Beobachter", bläst jetzt in seiner Nummer zum Siiickzug, und das Signal echot in der gesaimuten klerikalen Presse: Die Nllramontaiien wolle» nicht mitlhun, wenn es sich um einen Kampf bis aufs Messer gegen„Wahlminister" Eisenlohr Haudell. Die Gründe für dies« Schwenkung liegen sehr nahe; man hofft mit etwas Manier- lichkeit imdjMachgiebigkeit für sich selbst etwas herauszuschlagen; die Eingabe an die stiegieruug um Zulassung einer Ablheiiuug des Kapuziiierordcns und dessen Domizilirung in Kalsruhe deulen schon hierauf hin; auch hat mau neuerdings wieder mehr Hoffnung auf eine eutgegeukommeiidere Haltung der Ncgicruug in der Frage der Besetzung des bischöflichen Stuhles von Freiburg. Beim Zentrum„alles schon einmal dagewesen"! Der in diesen Dingen sehr wohl unterrichtete„Freib. Bote" er- klärt die Nachricht von der bevorstehenden Ernennung dc? Benedikliuerpaters Schober durch den Papst und den Verzicht deZ Domkapitels Freiburg auf das ihm zustehende Wahlrecht als„ei» altes, schon vor Monaten kolportirtes— Märchen ohne jegliche Unterlage". Ebenso dementirt das genannte Blatt die Nachricht, daß daS Domkapitel von der großherzoglichen Regierung darüber unterrichlet sei, welche Gründe der Erledigung der Kandidateulifte für den erz- bischöflichen Eluhl entgegenstehen. Der Mittelpunkt der Arbeit der kommenden LandtagZ-Sesstoi« wird neben der Frage der Einführung des direkten Wahlrechts die Einfühnnig des Bürgerlichen Gesetzbuches, sowie die Aushebung der widersprechenden Landesgesetze sein. Wieweit die Kreise der Gesetzes- arbeil gezogen werde», ersieht man daraus, daß fast sämmlliche Gesetze privatrechllicher Natur einer Revision unterzogen und auch Gesetze berührt werden, welche nur auf dem Grenzgebiet zwischen Justiz und Verwaltung stehen. So wird u. a. daS Wassergesetz vmi 1875 durch ein neues ersetzt, eine Forderung, die allerdings schon lange gerade von den Bauern erhoben wurde. Das Beamte»- und Jagdgesetz soll verbeffert werden, ebenso das äußerst primitive Gesetz Über die Zivangserziehimg verwahrloster Kinder. Die Vorschriften Über Liegenschafls-, Schcnkiings- und Erbschaftsakzise, über Verkauf« und Tanschbriese, wie Uiiterpfnud-Verschreibungeii müsse» abgeändert werden. Ucber die übrigen Aufgaben des Landtags habe ich schon früher berichtet.— Bohlsbach bei Offeuburg i. Bad., 17. November. Der Militär- fiskus ist gegenwärtig bemüht, unseren Gemeindeivald als Schieß- platz anzuiverben. Die gebotene Eutschädigmig wird zwar im vor- iheilhastesteu Licht dargestellt. Hier ist aber die allgemeine und feste Stimmung, nur der Gewalt zu weichen und nur im Wege deS Ex- propriationsverfahrens, wenn man hierzu ein Recht hat, unsire» Wald abzugeben.— Strasiburg, 17. November.(Eig. Ber.) Berechtigtes Aus- sehen erregt hier das Vorgehen der reichsläudischen Re- gierung gegen die bischöfliche Behörde in Sachen des Ver- bots der Ausgabe des Diözesanblattes„ E c c l e s i a st i c u in A r g e n t o r e n s e". Dasselbe ist nicht etwa ein offizielles Organ des Bischofs, sondern eine Zeitschrift, für welche, wie bei politischen Zeitungen, der jeweilige Redakteur die Veraiitwortiing übernimmt. Als nun am 11. November die Nummer 10 dieses Blattes aus- gegeben weiden sollte, erhielt der Redakteur ein Schreiben des bischöflichen Ordinarials, in welchem ihm eröffnet wurde, daß daS kaiscrl. Ministerium den Versand verbiete, weil für die Veröffeut- lichnug der im lateinischen Text abgedruckten päpstlichen C a n i s i n s- E n c y k l i k a, die sich gegen Luther wendet, das l a n d e S> herrliche Placet nicht nachgesucht worden sei. Auf die Be- merkung deS Redakteurs, die bischöfliche Behörde sei mit dieser An« gelegeuheit in keiner Weise zu befassen, da er allein die Verant- wortung für die Veröffenilichung trage und die Encyklika im nicht- amtlichen Theile des Blattes, undzwar ohne jede Anregung desBischofS, erscheine, wurde ihm bedculct, die Regierung mache dessen� ichi geachtet den Bischof dafür verantwortlich. Wäre nicht die Rücksicht auf letzteren gewesen, so hätte der Sledakienr nicht nachgegeben, sondern die Nummer ruhig versenden lassen und eine gerichtliche Entscheidung abgewartet. Die letztere hätte unseres Er- achtens nicht zweiselhast sein können, da das landesherrlich« Plarel sich keineswegs aus B e r ö f f e n l lich n n g e n in Zeitschriften erstreckt. Dasselbe wird von der Ziirche als ein gewaltsamer Uebergriff in ihre Siechte betrachtet, ist von ihr niemals anerkannt worden und lhalsächlich auch in Frankreich seil den över Jahren nicht mehr i» Anwendung gekommen. Aber auch dann, wenn die Regierung im vorliegeiideuFalliuitihrerBernsiing aus jene angebliche landesherrliche Befugniß im Recht geivese» wäre, hätte für dieselbe kein Grund vorgelegen, der bischöflichen Behörde gegenüber von der- selben Gebrauch zu mache», da, wie bereits erwähnt, der„in- kriminirte" lateinische Text der Canisius- Encyklika ohne jede An- reguug seitens des Bischofs in das„Ecclesiasticuiu" aufgenomuie» wurde. für welches allein der zeichueudr Redakteur die Ver- antwortuug trägt. Mag die Angelegenheit ausgehen, wie sie will, so viel steht jetzt schon fest, daß sie von neuem Waffer auf die Mühle des reichsläudischen Klerikalismus lenkt, der nicht versäumen wird, dem System Pnllkamer im stille» zu danke» für den neuen Beweis, den eS für seine„staatsmännische" Befähigung er- bracht hat.— — Der Kolonialrath berieth nach Witdemössming dc: gestrigen Sitzung, um 2Ve Uhr nachimtlags, den Etat von St a ni e tun. Es kamen hierbei insbesondere die Verhältnisse de? Votanischen Gartens in Viktoria, sowie des in Boea zu errichtenden Sanatoriums zu eingehender Besprechung. Auch wurde die Frage erörtert, auf welche Weise man den Bedürfnissen der Eingeborenen bei der Schaffung von Krouland am besten gerecht werden und auch dem Neger den Betrieb von kleineren Plantagen und von Handels- gewerben ermöglichen könne. Demnächst wurde zu der Berathung des Etats von Togo übergegangen. Hierbei beschlob der Kolonial- rath auf Antrag des Herzogs Johann Albrecht zn Mecklenburg, die kaiserliche Negierung zu ersuchen, mit thunlichster Beschleunigung für Besserung der Landuugsverhältuisse in Lome durch Anlegung einer Landungsbrücke dortselbst sowie für Herstellung einer Lokalbahn von Lome nach Klein-Popo Sorge zu tragen Im Anschluß an den Togo-Etat wurde sodann das deulsch-französtsche Abkommen über die Abgrenzung des Schutzgebiets von Togo besprochen. In der heutigen Sitzung des Kolonialraths bildete den Gegen» stand der Tagesordnung die Berathung über den Entwurf des Etats für das südwest afrikanische Schutzgebiet. Vor Eintritt in die Tagesordnung gab Herr Konsul Vohsen an der Hand der von dem Geologen Bornhardt aufgenommenen Karte seiner Expedilionsroule in Deutsch-Ostafrika einen Ueberblick über die kartographischen Arbeiten in dem genannten Schutzgebiet. Es kam sodann anläßlich der Verhandlungen über den Etaiseutwurf die Frage der Besiedeluug des südwestafrikanischen Schutzgebiets zur Sprache. Landeshauptmann Major Leulwein, welcher der Sitzung beiwohnte, nahm Gelegenheit, sich zu dieser Frage zu äußern und seine praktischen Erfahrungen in der Besiedelung des ihm unter- stellten Schutzgebiets darzulegen. Weiterhin wurden die einzelnen Positionen des Etats einer Besprechung unterzogen. Am Schlüsse der Sitzung machle der Vorsitzende nähere Mittheilungen über die jetzt von dem Feldbahn-Baukommando in Angriff genommene Eisenbahn.— Oesterreich. Wie», 19. November. Den Abendblättern zufolge beantragt der Abgeordnete Dr. Dyk, welchem der L e g i t i m a t i 0 n s- a n s s ch u ß des Abgeordnetenhauses das Referat über die Wahl des Abgeordneten Wolf zugewiesen hatte, die U n g i l t i g k e i t s- e rk l ä r u u g der Wahl Wolf's und die Einberufung des Gegenkaudidaieu Hallwich.— Wolf, der bekannte deutsch-uationale österreichische Radanmacher ist blos mit einer Mehrheit von zirka 3 Stiunuen gegen den Liberalen Hallwich gewählt worden.— Wie», 19. November. Zwischen den Jungezechen und den Deutsch- Liberalen ist es in der heutigen Sitzung des Abgeordneten- Hauses zu heftigen Szenen gekommen, weil sich erstere durch die von dem radikal-polnischen Abgeordneten Dr. Winkowitz aufgestellte und von den Deutsch-Liberalen bestätigte Behauptung, die Jungezechen hätten mit der Sprachenverordnung einen politischen Schacher ge- trieben, beleidigt fühlten.— Ungarn. Fiume, 19. November. Gestern Nacht fanden hier mit den Nilfeu„Nieder Batthyany!"(Abgeordneter von Fiume) und„Hoch Mayländer!"(ehemaliger Bürgermeister) Kundgebungen statt.— Schweiz. Zürich, 17. November.(Eig. Ber.) In vier Sitzungen. welche vorige und diese Woche abgehalten wurde», erledigte der K a n t 0 n s r a t h die Vorlage betreffend die obligatorische staatliche Mobiliarversicherung mit ihren 35 Para- graphen. In der Sitzung vom 8. November gelaugte eine Eingabe der„Zürcherischen Seidenindustrie-Gesellschaft* zur Verlesung, welche ein in anmaßendem Tone gehaltener weiterer Versuch war. zu gnnsten des ausbeuterischen Privalkapitals das ganze Versichernngs- Projekt zu hintertreiben. Wle anmaßend der Ton der Manchester- lichen Ceidenindustriellen in der Eingabe war, zeigt der dem Gesetz- enlwurs und damit der Regierung wie der Volksvertretung gemachte Vorwurf, daß man die Industrie„brandschatzen" wolle. Wie würden sich die Herren entrüsten, wenn die Arbeiter in diesem Tone mit ihre» Ausbeutern oder, wie im vorliegenden Falle, mit den Gesetzgebern des Landes reden würden. Genutzt hat den Seidenbaronen ihre Frechheit freilich nichts. Auf die einzelneu Be- stinimungeu des Gesetzes, das noch der Revision durch die Redaktionskommission unterliegt, will ich heute nicht näher eintreten, da dies zweckmäßiger i» einigen Monaten geschieht, bevor die Volks- abstimmung darüber stattfindet. Wird es angenommen, so soll es am 1. Januar 1339 in kraft treten. Dagegen ist eine interessante Diskussion zu erwähnen, die am Montag der sozialdemo- kratische Negier nngsrath Ernst mit dem Antrage Hervorries, daß die Leistung der Beiträge s ü r Versicherungssummen unter 2000 Franks von der Staatskasse übernommen werden solle. Der Geld- sackspsaffe 20 iß mann höhnte. daß der Antrag nur die Zusicherung eines Almosens au die kleinen Leute bezwecke und ein solches die Gesinnungsgenossen Ernst's ja selbst nicht wollen. Das ganze System, dem Staat immer mehr aufzuladen, hat die Folge, daß bei einer gewissen Klaffe von Leuten das Pflichtgefühl gegen- über dem Staate erschüttert werde, weshalb er den Antrag venverse. Ernst erwiderte, nachdem man die Große» nach verschiedenen Seiten hin berücksichtigt hat, denke man einmal auch an die Kleinen. AuS der Rede Wißmann'S habe man nicht das Gefühl für die Armen, sondern nur die Härte herausgemerkt.— Beschlossen wurde sodann, die Gemeiuderäthe zu ermächtigen, von der Schuldbeitreibung bei Versicherungsbeträgen, auch bei höheren Abstand zu nehmen, wenn die bedrängte ökonomische Lage des Versicherte» dies begründet. Der Beschluß ist freilich ein sehr schlechtes Surrogat für den Antrag Ernst. Während Wißmann den Autrag Ernst auf da? Niveau der Alnwseiiaewähriing herabwürdigte und der Kantonsralh ihn ablehnte, ist am anderen Tage mit großer Mehrheit ein'Antrag an- genommen worden, welcher bezweckt, die Hälfte des Neingewinns der kantonale» Slaatsbank, etwa 200000 bis 300000 Fr. per Jahr, den Bauern zu überweisen, und zwar theils zur Hebung unverschuldeter Nolhstände der landwirthfchaftlicheu Bevölkerung, theils zur Amorlisatiou der Hypothekenschulden. Die Bauern erhalten aber bereits heute schon alljährlich von de» Is— 16 Mill. Einnahmen des Kanlons Zürich unter allen möglichen Titeln, wie Beiträge an Spezialkurse und Wanderlehrer, au de» Nebfonds, an die Förderung von Bodenverbefferuugeu, an die Viehversichernng, an die Hagelversicherung, au die Slraßen- und Wasserbauten le. etwa eine Million und die Arbeiter nichts! Daß aber hier- durch das Pflichtgefühl der Bauern gegenüber dem Staate erschüttert werde, hat noch nicht einmal Herr Wißmaun behauptet, ebensowenig daß diese bedeutenden Subventionen„Almosen" wären.— Bern, 13. November. Nachdem das Schweizervolk die Ein- führuug des Zündhölzcheu-Mouopols abgelehnt hat. unterbreitet der Bundesrath der Buudesversaininlnng einen Gesetzentwurf, nach welchem Fabrikation, Einfuhr, Ausfuhr und Verkauf von Zünd- Hölzchen mit gelbem Phosphor verbalen werde» sollen.— — Eine h i st 0 r i s ch e Reminiszenz. Im Hinblick auf die laugen Sitzungen des österreichischen Neichsralhes und der famosen Szene» darin, erinnert die„Appenz. Ztg." daran, daß der st. gallische Große Rath vor 50 Jahren auch eine 19stündige Sitzung hielt! den Hauptgegenstand der Tagesordnung bildete die der Tagsatzuugs-itlbordnung mitzugebende Instruktion auf Auflösung des Sonderbundes mit Waffengewalt. Am 13. Oktober 1847, morgens 3 Uhr, begann die Sitzung und dauerte mit kurzen Unterbrechungen (Miltagesseii, Vesper und'Abendimbiß) bis zum folgenden Morgen »»» 3 Uhr, ivo die Schlußabstimmung erfolgte. Hitzig wurde auch geredet, aber kein Skandal neuester österreichischer Sorte wurde erlebt. Die Liberalen siegle» mit 76 gegen 72 Stimmen, wie zu er- warten war, und die Geschicke mußten sich erfüllen.— Frankreich. — Zur Dreyfus- Angelegenheit wird weiter be- richtet: Die Negierung hat den Major Foretuetti, den Kommandanten des Militärgefäugnisses Cherche-niidi, wegen seiner Haltung in der DreysuS-Angelegenheit seiner Stellung enthoben. Foreinetti beabsichtigte Rochefort zum Duell zu fordern, da aber General Sanssier seine Genehmigung zu dem Duell versagte, wird Major Foreinetti Rochefort gerichtlich belangen. Eine Note der„Agence Havas" erklärt die Zeitungsmeldung für unbegründet, nach welcher der Präsident Faure den Senator Scheurer-Kestner zu sich gebeten habe, um ihn aufzufordern, die Campagne sür den Hauptmann Dreyfus einzustellen. Eine weitere Note der„Agence Havas" meldet, der Chef des Generalstabes General Boisdcffre habe seinem Adjutanten Pauffin- Saint-Morel 30 Tage strengen Arrest zuertheilt wegen einer durch die Vorschriften untersagten Mittheilung an«inen Journalisten. Es handelt sich um eine Rocheforl gemachte Mittheilung.— PariS, 19. November. In Pont k Monffon soll ein Maurer namens Evrard als Spion verhastet worden sein. Man will des öfteren bemerkt haben, daß derselbe dem Lokomotivführer des nach Metz fahrenden Zuges Briefschaften zusteckte. Bei einer in der Wohnung des Evrard vorgenommenen Haussuchung sollen stark be- lastende Schriftstücke vorgefunden sein, welche zur Verhaftung des Verdächtigen führten. Holland. Haag, 18. November.(Eig. Ber.) In der heutigen Sitzmig der Zweiten Kammer wurde der Antrag unseres Genoffen van Kol, eine unparteiische Kommission zu ernennen, welche nntersuchen soll, wie am f ch n e l l st e n der Atjeh-Krieg beendet werden könne, mit 72 gegen 3 Stimmen verworfen. Nur Troclstra, van der Zwang und van Kol stimmten sür denselben, alle anderen Parteien dagegen.— England. London, 19. November. Die„Times" schreiben, das britische Kriegsamt habe das Vertrauen des Landes ver- l 0 r e n. Die Lage des Heeres sei b e k l a g e n s w e r t h, die Kosten ungeheuer groß. Die Nation erwarte mit recht die Lösung der Frage von de» Leuten, denen die höchste Macht anvertraut sei.— — Eine P 0 st r e f 0 r m wirklich großen Stils plant der englische Generalpostmeister. Er will alle Kolonien Englands zu einer Postnuion vereinigen, in der der einfache Brief von 23 Gramm um 6>/2 Pf. befördert werden soll. Es würde dann ein 23 Gramm schwerer Brief, für den von Berlin nach Potsdam selbst nach der Durchführung der Podbielski'schen Postreformeu 20 Pf. zu zahlen sein wird, von London nach Sidury, also 23 000 Kilometer, blos S'/e Pf. kosten!- Dänemark. Kopenhagen, 19. November. Landslh iii g. Bei der heutige» ersten Berathung der Regierungsvorlage betr. die Einkommen- und V e r»1 ö g e Ii s st e ii e r erklärte der ehemalige Minister- Präsident Estrup nach einer eingehende» Besprechung der Vorlage, es sei kein Grund sür die Rechte des Landsihings, diese Vorlage anzunehmen, weil die letzte Negierung und das Follething zufällig über dieselbe einig geworden seien.— Italien. Noin, 18. November. Den Abendblättern zufolge gilt es nach der heutigen Zusammeukuufl Martini's mit den Ministern Rudiui, Brin und PeUoux als sicher, daß Martini als ansierordenllicher Zivilkommissar der erythräischen Kolonie sich nach Maffauah begeben wird.— Spanien. Madrid, 18. November. Im Ministerrathe kam heute eine sehr zufriedenstellende Note des amerikanischen Gesandten Woodford zur Verlesung, i» welcher die Washingtoner Regierung sich sehr be- friedigt und erkenntlich über die Begnadigung der Mitglieder der „Con>petitor"-Augelegenheit durch die Königin-Regentin zeigt. Der Ministerralh beschloß ferner, Maßregeln zu ergreifen, um jede Unordnung bei der Ankunft des Generals Weyler zu unter- drücken. General W e y l e r ist bereit? in Corniina gelandet. Der General- Kapitän v. Galizien meldet: General Weyler habe in einer Unterredung alle Acußeruugen, welche er bei Gelegenheit der ihm zu Ehre» veranstalteten Knudgebuugeu in Havana gelhan haben sollte, richtig gestellt und behauptet, daß er der Regierung treu und ergeben sei.— — DaS Elend der Volks schnllehrer. Der spanische Unterrichlsminister hatte die Proviuzialverwaltungen zu einer schleunigen Berichterstattung über die bis Anfang des Jahres l897 den VolksschuUehrern schuldig gebliebenen Gehälter auigeiordert. 'Aus den hierauf eingegangeneu Antworten stellte das Ministerium fest, daß die Gehalisrückstände bis Anfang dieses Jahres nicht weniger als neun Millionen Peseten betrugen; doch kann mit Sicherheit angenommen werden, daß diese Summe höchstens zwei Drittel des thatsächlichen Nückstandes beträgt, und daß dieselbe im Laufe dieses Jahres wohl gar aus fünfzehn Millionen gestiegen ist. Da nun die amtliche Gesainiuizahl der Volksschul- lehrer in Spanien etwa 10 000 beträgt und sich deren durchschnitt- liches Jahresgehalt noch nicht auf 500 Peseten(400 Mark) beziffert. so mag man hiernach beurlheilen, in welcher Lage sich diese Volks- erziehcr befinden. Die liberalen Zeitungen geben demgegenüber einige Zahle» über das durchschnittliche Einkommen der jüngsten Geistlichen bekannt, die, trotzdem sie keine Familie zu ernähren haben, doch das drei- und vierfache Einkommen der Volksschullehrer genießen. Begreiflicherweise muß unter solchen Umständen die Leistungsfähigkeit der Volksschule in Spanien aus eine immer niedrigere Slufe herabsinken, was selbtiverständlich auf das gesammle Volksleben einen sehr ungünstigen Einfluß ausübt.— Türkei. Koiistantiiiopel, 19. November. Die Note der Pforte an den Botschafter Frbrii. v. Calice betreffend die vollständige Genug, lhuuug in der Mersina-Affäre ist in sehr entgegenkommendem Tone gehalten; sie spricht die Hoffnung ans, daß die zwischen den beiden Herrschern und Regierungen bestehenden freundschaftlichen Be- ziehungen durch diese Erledigung noch weiter gefestigt werden mögen.— Laut amtlicher Bekanntmachiing ist Tewfik-Pascha zum Botschafter in Berlin ernannt worden. Die Kandidatur des Obersten Sch äffer für den Gou- verueurposten in Kreta soll wieder sehr in Frage gestellt sein, weil Rußland nicht mit derselben einverstanden ist.— Koiistantiiiopel, 19. Nov. Das österreichische Stationsschiff „Hum", a» dessen Bord sich Legalionsrath Koloffa befindet, ist»ach Merflna abgedampft, um die Entschuldigung der dortigen Lokal- behörde» und de» Flaggensalut entgegenzunehmen. Infolge der Intervention der österreichisch-ungarische» Botschaft ist der Orientbahn ein Arrangement angeboten worden, wonach die Gesellschaft auf ihre Forderungen, die mit 10 Millionen Franks be- ziffert wurde», als Ausgleich die Summe von 8 Mill. Franks ausgezahlt eryält. Serbien. — W i e kleinlich die jetzigen Machthaber arbeiten, geht daraus hervor, daß der Führer der radikalen Partei, der frühere Ministerpräsident und Gesandte in Petersburg, Pasiez, wegen augeblich unbefugter Verbreitung seiner eigenen Zeitung angeklagt wurde.— Afrika. — Kämpfe in Marokko. AuS Madrid wird der„Intern. Korresp." unterm l8. November gemeldet: Nack Drahtmeldungen aus Tanger habe» während der letzte» Woche im Gebiet der Kabylen- ftämme von Ulada- Kibensalo schwere Kämpfe zivischeu den Truppen des Sultans und de» aufständische» Kabyle» stattgefunden. Der Sultan hat zwar infolge der zahlenmäßige» Ueberlegenheit eines Heeres die Kabylen geschlagen und zur Flucht in die Gebirge gezwungen; jedoch sind j» dem ganzen Bezirk keine Lebensmittel vorhanden, so daß die Trnppen des Sultans den äußersten Mangel leiden und von Seuchen aller Art helmgesucht werden. Ein Weiter« marsch des Heeres bis in das Gebiet der Niffkabyle» ist daher ausgeschloffen.— — Einladung zum G 0 l d m i n e n- A n b a n in Rhode s i a. Der Oberkommandirende der britischen Truppe» in Rhodcsia, Sir Richard Martin, sandte von Bulaivays aus an die Londoner Regierung folgenden Drahlbericht: Die Polizei- Organi- satio» i» den Bezirke» M»schona und Matabele ist jetzt vollendet; es bestehen 28 gut befestigte Polizeiposten mit je 25 Mann europäischer Besatzung, welche sämmtlich mit dem Hauptquartier in Bulaivays telegraphisch und telephouisch verbunden sind. In ganz Rhodesia herrscht unbedingte Ruhe, und ich verbürge jedem hier ein- treffende» Unternehmer oder Arbeiter sür den Minenbau vollständige Sicherheit seines Lebens und seines Besitzes.— Asien. — Der dentsch-chinesische Konflikt wird von einigen Blättern als eine Angelegenheit von sehr großer Tragweite dargestellt. Die„Post" meint, daß die deutsche» Schiffe in dem Hafenbecken von Kiao- tschau st a t i 0 n i r t bleiben werden, mögen die Eulscheidnngen der chinesischen Regierung über die zu erwartende Genugthuung sür den Üeberfall des Klosters in Uentschu ausfallen wie sie wollen. Für die an Land gesetzten Marinemannschafte» sei ans das beste gesorgt, da die Schiffe in ihren Ansrüstungen für derartige Maßnahmen jeder Zeit vorbereitet sind. Da das Landimgskorps sür längere Zeit ausgeschifft bleiben soll, so wird man zum Bau von Baracken schreiten und diese belegen, was besonders in vorgerückterer Jahreszeit»oth- wendig werden dürfte. Diese Auffassung der„Post" dürfte sicherlich nicht zutreffend sein. Wenn die chinesische Regierung die billigerweise zu fordernde Genug- thunng gewährt, so entfällt für die deutschen Truppen das Recht, chinesisches Gebiet besetzt zu halten. lieber die Vorgänge bei Besetzung der Bucht von Kiao-tschau bringt das„Bureau Dalziel" aus Shanghai folgende Darstellung: Die Operationen begannen am Montag Morgen unter Leitung des Kontrcadinirals D i e d e r i ch s, der sich an Bord des„Kaiser" befand. Die drei Forts waren von 1500 chinesischen Truppen besetzt und beherrschten die Flotte. Der Admiral stellte seine Schiffe „Kaiser",„Irene",„Prinzeß Wilh.lm"»nd„Arcona" gegenüber den Forts schußbereit auf und sandie dem chinesischen Kommandanten das Nllimaliim, Kiao-tschau binnen drei Stunden zu räumen. Nach Verlauf dieser Frist landete» in Schisfsbooten 600 Mau» mit sechs Kanone» nnd traten vom Gestade de» Marsch gegen die Forts an. Die Chinese» zögerten einige Augen- blicke; als sie sahen, daß die Deutschen stetig vorrückten, nahineu alle Truppen r e i ß a u s über die Hügel hinter den Forts. Dann rückten die Deutschen ein, nahmen Besitz vo» den Forts, zogen die chimsische Flagge nieder und hißte» die deutsche Flagge unter Salutschüssen der deutschen Kriegsschiffe. Der chinesiiche Kouliuan- dant, der nicht gefluchtet war, beanspruchte deutschen Schutz für sich und seine Familie, der ihm sofort gewährt wurde. Der„Franks. Ztg." wird aus London telegraphirt: Aus Shanghai wird gemeldet, daß vor der Einnahme der Kiao-tschau-Bai der deutsche Ko»tie>chiniral Diederichs dem russische» und französischen Admiral seine Billigung aussprach, obwohl die russische Diplomatie schon lange beabsichtigte, in der Kiao-tschau-Bai festen Fuß zu fassen. Der Vizeadmiral Sir Alexander Baller soll niit seinem Geschwader von Formoia nach Shanghai unterwegs sei». Da? russische Geschwader kreuzt zum größte» Theile vor Korea. Die Deutschei» scheinen sich für eine dauernde Okkupation einzurichten. Die Engländer in China sollen für die englische Annektio» des N"Ugtoekiang-Thales agitiren. Einige behaupten, das Vorgehen der Deutschen werde eine all- gemeine Ausschließung China's zur Folge haben. Die Chinesen selbst scheine» keineswegs verstimmt zu sein. Sie meine», Ruß- laud, Deutschland und Frankreich wollen Japan angreife» und brauchte» dazu die Niao-tschau-Bal als Angriffsbasis.— — Japan und Hawaii. Neuere» Nachrichte» ans Honolulu zufolge hat Japan seine ablehnende Haltung gegen die dortige Re« giernng aufgegeben und will sich eineui Schiedsgericht über seine Privilegien auf den Sandivichs-Jnsel» unterwerfe». Die Negierung von Hnvaii will darauf eingehen und das Schiedsrichteramt drei hervorragenden Juristen übertragen, von denen je einer von jeder der beiden Parteien ausgesucht wird, während der dritte durch über- einstimmende Wahl beider zu berufen ist.— Nttvlttnrenksvlfrhese Ter Reichstag wird am 30. November mittags 12 Uhr im Weiße» Saal des königlichen Schlosses durch den Kaiser per« söulich erössnet iverde». Ter Biindcsrath hat i» seiner gestrigen Sitzung dem Gesetzeutwurs über die Entschädigung der im Wiederaufnahme- Verfahre» freigesprochene» Personen die Zustinnmmg erlheilt und eine Reihe vo» Elatsentwürfen zum Zleichs-Haushaltsetat für 1398/99, und zivar die Entwürfe über Einnahme au Zöllen, Ver- brauchesteuern ic.,»ber Einnahmen au Slempelabgaben, die Etats- entwürfe für die Verwaltung der Neichs-Eisenbahue», der Reichs- Justizverwaltung, den Reichskanzler und die Reichskanzlei, und den Rechnnugshof genetnnigt. Ferner wurde die Bor- läge, belieffend Ergänzung der Eingangsbestimmung unter Nr. XXXV 0 der Anlage B zur Berkehrsorduung sür die Eisenbahnen Deutschlands i» bezug aus die Beförderung von Sicherheilssprengstoff der Güttler'jche» Pulversabrike». und dem Entwurf eines Nachtrages zum Besoldungs- und Pensiousetat der Neichsbank.Veamlen mit Ausnahme der Mitglieder des Neichsbank- Direktoriums für 1897 die Zustimmung ertheilt. Die Uebersichten der Einnahmen und Ausgaben der Schutzgebiete für die Etatsjahre 1834/95, 1895/36»nd 1836/97 und der Gesetzentwurf für Elsaß» Lolhriuge» über die andeiweue Bemessung der Willwen« und Waisen- Pensionen wurden den zustäudigen Ausschüssen überwiesen. Schließlich wurde übcr die dem Kaiser für die Besetzung von zwei Senats- präsidenleustellen, zwei Mitgliedsstellen und eine ReichSauwaltstelle beim Reichsgericht zu machenden Vorschläge, sowie über eine Reihe von Eingaben Beschluß gesaßt.— Ter AnSschiisi des BundeSrathS für Justizwesen hielt heute eine Sitzung.— Tie elsast-lothriiigischen LandeSbeamten haben in einer mit 1038 Nnterschristen bedeckte» Petition beim Reichstag beantragt: Das hohe Haus wolle auf grund des ß 2 des Gesetzes vom 2. Mai 1877, betreffend die Landesgeseygebnng von Elsaß-Lothringen, die Gleich- ftellung der elsaß-lothringische» Landesbeamte» mit de» Beamten im Reiche und in Preußen beschließen.— Prensiische LandtagSwahle». Zu dem bekannten Vorschlage Bebe l's, wonach die Reichslags-Fraktio» sich über eine Korrektur des Hamburger Beschlusses einigen»nd diese der Gesammtpartei zur Eulscheidung vorlege» soll, bemerkt die„Brandenburger Zeitung":„Wir müssen»ns mit aller Entschiedenheit dagegen erkläre». Es wäre höchst mißlich und könnte zu bedeuktichen Konsequenzen führen, wenn der Fraktion die Korrektur von Parteitagsbeschluffen überlassen würde— ganz abgesehen davon, daß ein solches Recht der Fraktion doch auch erst von eine»! Parteitag zugebilligt werden müßte. Wir sind der Meinung, daß der Kostenpunkt sür einen außerordentliche» Parteitag, dessen Mitglieder eine» Zeitaufwand vo» nur zwei bis drei Tagen(inkl. Reisezeit) zu mache» hätte», bei einer so wichtige» Sache gar nicht ins Gewicht fallen könnte."„Allenfalls akzeptabel" wäre der „Brandenburger Zeitung" der„Ausweg", wenn die Theilnehmer am Hamburger Parteitage über die ganze Bebel'sche Resolution unter Leitung des Parteitagsbureaus nochmals(schriftlich) abstimmen würden. Den einzelnen Wahlkreise» könne man eine derartige Ab- stiuimung unter keine» Umständen überlaffen, weil die Art der Regelung der Parleigeschnfte in den einzelnen Kreisen zu ver- schieden sei. Die„R h o i n i s ch e Zeitung" in Köln sngt zu dem Bebel- scheu Vorschlüge:„Wir nieineu. erst müßten die einzelnen Wahlkreise gehört werden, ob sie es für richtig hallen, daß der Beschluß des Parteitages überhaupt geändert und daß er auf dem von Bebel vor- geschlagene» Wege geändert wird. Erst wenn die Gesammtpartei sich in der Mehrheit der Wahlkreise zustimmend zu einer Korrektur des Beschlusses geäußert hätte, wäre irgend eine Instanz mit der Ausarbeitung eines konkreten Vorschlags zu betraue», der dann der endgiltige» Abstimmung durch die Wahlkreise unterworfen werden müßte. Diese nachträgliche Korrektur eines Parteitagsbeschlusfes ist ei» außergewöhnliches und bedenkliches Mittel, über das die Fraktion nicht allein bestimmen darf." Alö RcichStagSkandidat für den IV. badischcn Wahlkreis Müllheii» wurde der Parteigenosse Hau g ausFreiburg. derzeitiger Vorsitzender der badischen Laudesorganisation, von einer Versamm- lung in Lörrach aufgestellt. Der„Märkische Landbotc", Volkökalcudcr für 1898, ist erschiene». Ein ivohlgeluugcnes Agiialionsbüchlci», namentlich für das Land, ist dieser von dem Brandenburger Zentral> Wahlkomilee Herausgegebeue Kalender. Eine Reihe kurzer, ansprechend geschriebener Artikel führt insbesondere dem Kleinbauer und dem läud- lichen Arbeiter den Interessengegensatz vor, der zwischen den beiden Klassen der Gesellschast herrscht. Die Nothwendigkeit des Zusammenschlusses aller erwerbslhätigen Kreise der Bevölkerung gegen die wirthschastliche und politische Ausbeutung durch Junker von Beruf, vom Schlot und vom Geldsack zeigt dem auch vom politische» Leben»och sernsteheudeil Kleinbauern und ländlichen Arbeiter fast jede Seile des 32 Seilen umfassenden Kalenders. Ge- schichtliche Rückblicke wechseln in geschickter Weise mit Gegenwarls- bildern und mit Ausblicken in die Zukunft. Den Schluß bildet ein kerniger Aufruf zu den kommenden Reichstagswahlen. Der Märkische Kalender wurde i» der Provinz Brandenburg an den letzte» Sonn- tage» in weit über 100 000 Exemplaren ans dem Laude verbreitet. Seine Aufnahme war durchiveg so günstig, daß mehr als die gleiche Zahl bereits zur weitere» Verbreitung hat nachgefordert werden müssen. Wir können de» Genosse» in alle» ostelbischen Provinzen Preußens den kkalender zur Agitation auf dein Laude empfehlen. Ter Wahlverei» für den sechste» Berliner Reichstags- Wahlkreis zählt gegenwärtig 2382 Mitglieder, die sich auf die einzelnen Berufe wie folgt vertheilen: 430 Arbeiter, 4 Agenten, l Artist, 3 Aerzte, 3 Brauer, 1 Buch- Händler, 01 Buchdrucker und Schriftgießer, IS Buchbinder und Liniirer, 39 Barbiere, 5 Bohner, 22 Böttcher, 13 Bäcker, 1 Brunnenbauer, 4 Bürstenmacher, 5 Bildhauer, 3 Bügler, 64 Cigarrenarbeiter, 13Cigarren- fabrikanten, 3 Cigarrenhändler, 8 Konditoren, I Ciseleur, I Kolporteur, 1 Drogist, 114 Dreher, 9 Droschkenkutscher, 9 Droschken-Fuhrherren, 3 Drucker, 9 Dach- und Schieferdecker, 20 Drechsler, 4 Fabrikanten, 0 Feilenhauer. 9 Färber, 101 Former und Kernmacher, 12 Glas- arbeiter, 87 Gerber(Loh- und Weißgerber), 10 Gürtler, I Gummi- Arbeiter, 10 Gelb- und Kunstgießer, 3 Goldarbeiter und Graveure, b7 Geschäftsleute. 10 Hansdiener»nd Packer, 8 Handschuhmacher, 11 Heizer und Maschinisleu, 17 Hutmacher. 3 Hobler, 1 Juwelier, 3 Jnstrumentenmacher, 21 Kutscher, 7 Kürschner, 23 Klempner, 9 Kellner und Tafeldecker, 0 Korbmacher, 1 Knopfmacher, 3 Kamm- macher, 1 Korkenschneider, 27 Kaufleute und lsteisende, 0 Lackirer, 21 Lithographen, Licht- und Steindrucker, 6 Lederarbeiter, 72 Maler, 234 Maurer und Putzer, 9 Musiker, 14 Möbelpolircr, 2 Monteure, 12 Mechaniker und Optiker, 2 Möbelhändler, 2 Metall- und Silber- drücker, 1 Müller, 3 Nadler und Drahtweber, 1 Präger, 2 Posainen- lirer, 4 Porzellanmaler und-Dreher, 1 Photograph, 1 Portier, 1 Plättanstaltsbesitzer, 9 Rohrleger, 25 Sattler und Tapezirer, 1 Seiler. 4 Spediteure, 184 Schank- und Gaslwirlhe, 2 Schlächter, 2S4 Schlosser, 57 Schmiede(Nagel-, Kupfer- und Kesselschmiede), 1 Sprachenübersetzer, 1 Schabloneumacher, 3 Schreiber, 37 Schneider, 13 Schleifer, 2 Schirmsabrikante», 70 Schuhmacher, 1 Schivertfeger, 7 Stuckateure, 18 Stellmacher, 22 Steinmetzen und Sleinsetzer, 2 Tapetendrucker, 15 Töpfer, 271 Tischler und Kistcnmacher, 0 Uhr- macher. 20 Vergolder. 5 Weber, 2 Znhnkünstler, 79 Zimmerer, 3 Zuschneider. In Stettin sehte am Dienstag eine kombiuirte Parteiversannn- lung der Wahlkreise Stettin und Randow- Greifenhagen eine Kom- Mission ein, die, gemäß dem Beschlüsse des letzten pommersche» Parteitages, die llcbernahme des„ V o l k s b o t c n" in Partei- e i g e n t h u m in die Wege zu leite» hat. Der Kommission gehören aus dem Kreise Stettin die Genossen Kuntze, Knappe und Matz, aus dem Kreise Randow-Greisenhage» die Genossen Löse- witz, Schmidt und Büttner an. In Gera wurden, wie uns eine Privaldepesche meldet, am Donnerstag f ü n f Sozialdenwkraten in de» G e m e i n d e r a t h ge- wählt. Außerdem hat unsere Partei großen Stimmenzuwachs zu verzeichnen. Der Sieg ist um so bedeutungsvoller, als sich die Gegner zu einem Kartell zusammengelhan halten. Bei der Gcmcindcrathswahl in Grosibreitcnbacki in Thü< ringen wurden die sozialdemokratischen Kandidate» Wilhelm H o f f in a n n und Friedrich Wagner mit 90 und 129 Stimmen gewählt, während die Gegner nur 3 und 75 Stimme» aufzubringen vermochten. Ju Ilmenau beschlossen die Parteigenossen B e t h e i'l i g u n g an den Gem ei u derathS wählen unter Ausschluß von Kompromissen. In die Redaktion der„Fränkische» Tagespost" tritt am 1. Januar der Parteigenosse Dr. Südekum ein. Todtculiste der Partei. In Brünn ist am 16. November der Parleigenoise Karl Dundela gestorben. Er gehörte der Sozialdemokratie von dem Augenblick an, wo sie in Oesterreich Fuß faßte, und war länger als ein Jahrzehnt Herausgeber und Redakteur des„Volksfrenuds". In ihm verliert unsere öfter- reichische Brnderparlei einen ihrer Überzeugungstreuesten Mitkämpfer. Ehre seinem Andenken! Polizeiliches, Gerichtliches ,c. — Aus Lübeck wird gemeldet, daß am Mittwoch bei den Vorstandsmitgliedern des Sozialdemokratischen Vereins eine Haus- suchung nach dem Protokoll des letzten Mecklenbnrg-Lübecker Partei- tages vorgenommen wurde._ Gemevkfitzaf ttich-es. Berlin und Ililigebiittg. Achtung, Schnhmachcr k Wegen Maßregelung eines Kollegen sind die P r i e st a p' scheu Arbeiter in den Ausstand getrete». Die Werkstelle ist gesperrt. Die A g i t a t i o n s k o m m i s s i o n. I. A.: Burghagen, Charlotlenstr. 8. Holzarbeitcr-Vcrband. Im Bezirk Schönhauser und Rosen- -thaler Borstadt wurden Kunze, Tesch, Tews, Bartels, Schröder und Hube in die Werkstatl-Kontrollkommission gewählt. Eine Krankengeld-Ziischnstkaffe soll für die Arbeiter der fünften i städtischen Gasanstalt, die in Schmargendorf liegt, errichtet werden. In den Reihen der Arbeiter blickt man auf diese von der Direktion befürwortete Gründung mit sehr gemischte» Gefühlen; es ist die Annahme vorherrschend, daß damit der Organisation der Gas- anstalts-Arbeiter, die ihren Mitgliedern ebenfalls Krankengeld-Zuschuß zahlt, Abbruch gethan werden soll. An die Maurer Berlins und der Umgegend! Am 5. d. M. wurde ein großer Theil der S t e t t i n e r Maurer von den dortigen Unternehmern ausgesperrt. Grund hierzu glaubten die Unternehmer zu haben, weil sich die Maurer mit den streikenden Bauarbeitern solidarisch erklärten. Weiter gaben sie vor, die Arbeiter des Bau- gewerbes hätten die Absicht, die Organisation der Arbeitgeber zu sprengen. In Wahrheit jedoch drehten sich die vorangegangenen Bausperren der Maurer um Lohnrednzirungen und in zwei Fällen um die Wiedereiiistellung gemaßregelter Kollegen. Um nun zu verhüten. Berantwornicher Redakteur: Angnst Jarvbcy in Berlin. Für> daß die Unternehmer mit den nicht ausgesperrten Kollegen die nolhivendigstcn Arbeiten fertigstellen, beschlossen die Stettiner Maurer am Freilag, den 5. d. M., die Arbeit überall da niederzulegen, wo sich die Unternehmer an den Aussperrungen belheiligen. Gleichzeitig wurde folgende Forderuiig gestellt: 1. Anerkennung der Organisation, d. h. die Uuteruchmerorganisation hat sich zu veipflichlen, alljährlich mit der Gesellenorgauisalion die Lohn- und Arbeitsbedingungen zu vereinbaren. 2. Abschaffung des Entlassungsscheines.— Augen- blicklich sind 316 Kollegen zu unterstühen. Die Ausdauer der Slreikenden ist musterhaft und hoffen die dortigen Kollege» mit ihren Forderungen siegreich durchzudringen, vorausgesetzt, daß der Zuzug nach Stettin ferngehalten wird. Nu» wird uns von dort geschrieben, daß am Montag 1 Polier mit 10 Berliner Kollegen nach Stettin gekommen sei. Wir geben dies bekannt und fordern alle Berliner Maurer auf, daraus acht zu geben, daß derartiges in Zukunft unterbleibt und Abreisende Stettin meiden. So werden auch wir dazu beitragen, daß den Anmaßungen den dortigen Meister ein Paroli geboten werde. Die Lohnkommissio» der Maurer Berlins und der Umgegend. I. A.: Karl Pauser. Deutsches Reich. Ter Streik in der Spiest'sche» Schuhfabrik i» S t u t t g a r> ist beendet. Herr Spieß hat die Lohnreduktion zurückgenommen und die ausständigen Arbeiter bis auf zwei, die auf ihre Wieder- einstellung verzichteten, wieder eingestellt. Bei der Gcwcrbegerichtö-Bcisitzerwahl in Bautzen, die am Montag stattfand, erzielten unsere Kandidaten 167 bis 173 Etimmeii, die Gewerkvercinler 110 bis 121 Stimmen. Die Zlppretiirarbriter in Mcerane sind in den Ausstand eingetreten und beträgt die Zahl der Ausständigen 300—350. Die Verhandlungen mit den Unternehmern, die vorher eingeleitet waren, sind resullatlos verlaufen. Tic Waldarbeiter hatten sich am 14. d. M. recht zahlreich zu einer Versammlung eingefunden, die von dem LaiiMags-?lbgeord>icte>i Schauder im Schwarzwald(Gotha)«inberufen war. Auch aus den Orlen in der Umgebung ivnr ein reger Zuspruch zu ver- zeichnen und fand das Referat des Genossen Schauder eine sehr sympathische Aufnahme. Zum Schluß wurde die Gründung einer Organisation angeregt und ließen sich sämmlliche Theilnehmer als Mitglieder einzeichnen. Ju Eileuburg sind in der Brauerei von Landsperger die Arbeiter in den Ausstand getreten. Die Streikenden forderten eine bessere Behandlung seitens des Braumeisters. Am 16. d- M. wurde in einer stark besuchten Versainnilung der Boykott über die Brauerei verhängt. AnSlaud. Zum Kampfe der englischen Maschineubaner. Die Vor- konsereuz zwischen je zwei Vertretern der Unternehmer und der Arbeiter hat, wie bereits kurz mitgetheilt, nunmehr stattgefunden. Auf dieser wurde bestimmt: Di« Konsereuz wird am nächsten Mitt- ivoch abgehallen. Jede Partei wird durch 14 Delegirte vertreten sein. Jede Partei ernennt ihren eigenen Vorsitzenden. Von jetzt ab bis nach der Konferenz sollen neue Aussperrungen seitens der Fabrikanten nicht vorgenommen werden; die Arbeiter ihrerseits ver- pflichten sich, bis nach Schluß der Konferenz nichts gegen Weiter- arbeitende zu unternehmen.— Man hofft allgemein, daß es zu einer Verständigung kommen werde. Soziales. Kraukeiikassculvcscu. Ter Zentral-Kranken- und Sterbe-Nnter- stützuugskasse der deutschen Schiffbauer(E. H) in Hamburg ist von neuem die Bescheinigung ertheitt worden, daß sie, vorbehältlich der Höhe des Krankengeldes, den Anforderungen des Z 75 des Kranken- versicherungs Gesetzes genügt. Arbeiterrisiko, lieber die Ursache des Einsturzes im Maxi- milianskeller in München ist, wie die„Münchener Post" miltheilt, bis jetzt folgendes festgestellt: Das Gebäude, wo sich das Unglück ereignete, wurde im Jahre 1376/77 aufgeführt und bestand aus vier Abtheiluugc». Durch den Umbau sollte das Tounengewölbe über dem Eiskeller in ein Beiongewölbe umgewandelt»ud aus den vier Ablheilungen sollten durch Entfernung von Zwischenmanern nur zwei Ablheilungen hergestellt werden. An stelle der Mauern sollten Pfeiler aus Mauerwerk die Last des ersten Stockwerks,>vo sich die Böttcherei befand, tragen. Die Pfeiler waren nun fest genug an- gelegt, um diese Last auf sich nehmen zu können. Der Polier Hencke ließ jedoch die Pfosten, die das Gewölbe noch stützten, zu früh entfernen. Der Mittelpfeiler war noch nicht hinreichend ge- trocknet, konnte die ihm zugemuthete Last nicht bewältigen und so trat sofort nach Beseitigung der Bolzen die Katastrophe ein. Ter südliche Pfeiler barst und das Deckengewölbe mit den darauf lasten- den schweren Fässern stürzte in die Tiefe, schlug das Kellergewölbe durch und verschüttete 19 Personen. Sieben sind todt, zwei schwer verletzt. Angezeigt oder genehmigt war der Bau, wie schon mitgetheilt, in keiner Weis«. Der Besitzer des Maximiliankellers, Herr Höcherl, dem schon die Genehmigung eines früher» Baugesnclis von der Baupolizei verweigert worden war, glaubte wohl, auch in diesem Falle die Genehmigung nicht zu erhalten und baute so ganz im Stillen. Der Baumeister Kling er und der Polier Hencke sind ver- hastet. Da? G e ni e i n d ek o ll e g i n m beschloß einstimmig, den Magistrat zu e> suche», er möge zur Linderung der ersten Roth der Hinterbliebeuen der bei dem Einsturz Verunglückten sofort ent- prechende Geldmittel bewilligen. Eine Fahrradstcncr ist in Rudolstadt i. Th. eiugesührt worden. In derselben Sitzung des Gemeiuderaths, der diesen Be- Schluß mit allen gegen 3 Stimmen faßte, wurde die Einführung einer Luslbarkeitsstener abgelehnt. Die Fahrradstener trifft viele Arbeiter, die in den Dörfern ivohne»»ud in Rudolstadt arbeile». Auch in anderen Städten Deutschlands gehen die allzeit geld- bedürftigen Gemeindeverwaltuiigeu mit dem Projekt der Fahrrad- 'teuer schwanger. Mit demselben Recht und Unrecht könnte man in den Gemeiuden jedes Verkehrsmittel besteuern. Zur Lage der Landarbeiter. Der Landrath zu Koschmiu in der Provinz Posen macht folgendes bekannt:„ES ist eine im hiesigen Kreise nicht selten beobachtete Erscheinung, daß in den 'iir Menschen bestimmten Wohnräumen Hühner. Ziegen, Schweine und sonstiges Vieh untergebracht werden. Diese in anderen Pro- viuzen längst beseitigte Geivohnheit findet sich besonders auf dem platten Lande, vornehmlich zur Winterszeit. Im Interesse der Reinlichkeit»nd Ordnung, besonders aber im gesundheitlichen Jnter- esse muß auf die Beseitigung dieser als ein Mißstand z» bezeichneuden Einrichtung hingewirkt werden. Die Ortspolizeibehörden sind daher von mir augewiesen, hierauf ihr Augenmerk zu richten, etwaige zu ihrer Kenntniß gelangende Fälle mir mitzulheilen und ans deren Ab- 'tellung im Zwangswege hinzuwirken." Oestemichische Gewerbe- Inspektion. Der österreichische Etaatsvoranschlag für das Jahr 1898 beziffert den Gesammt- aufwand für die Geiverbe-Juspeklion mit insgesammt 131 360 fl., wovon 15 900 fl., und zwar 15 400 fl. durch Beiträge der Unfall- Versicheruugs- Anstalten und 500 fl. durch den Berkansserlös des amtlichen Berichtes mittels Einnahmen gedeckt sind. Das Institut der Gewerbe- Inspektion umfaßt gegenwärtig zusammen 50 Jnspeklionsbeamte(1 Zentral- Gewerbe- Inspektor, 6 Ober- Inspektoren, 19 Gewerbe-Jnspektoren und 24 Juspeklionsassistenten). Für das Jahr 1898 ist die Errichtung eines neuen Anfsichlsbezirkes im nordwestlichen Böhmen durch Abtrennung eines Theiles der Bezirke Pilsen und Telschen geplant, eine Maßregel, die zur Ver- mchrung des Personals um einen Gewerbe-Jnspektor und drei Jnspeklionsassistenten veranlassen wird. Jnseratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berliu. Druck und Soziale Nechkspflege. Die Rechte der BerufSgenosseuschaften wurden in einem Rechtsstreit erörtert, den der Brauer Lantz gegen die Brauerei-»- a Mälzerei-Berufsgenossenschast führte. Letztere hatte den Kläger mit seinem Rentenansprüche abgewiesen, weil sich die Folgen seiner Ver- letzungeu nicht in Prozenten abschätzen ließen. Der 5lläger halte die Spitzen des linken Zeigesingers und des linken Miltelsiugers ver- loreu. Lantz legte gegen de» Bescheid Berufung ein. Noch bevor diese verhandelt wurde, erließ die Berufe» geuossenschaft einen neuen Bescheid, worin sie dem Kläger die Vollrenle für einen Monat„zur Schonung" bewilligte und erklärte, eine weitere Entschädigung würde nicht gezahlt werden. Gegen diesen neuen Bescheid ergriff L. nicht das Rechtsmittel der Berufung. Das Schiedsgericht'wies uun die Berufung gegen den ersten Bescheid lediglich deshalb zurück, weil Kläger den a n- deren Bescheid hatte rechtskräftig werden lassen. Die Be- rufuug sei dadurch hinfällig geworden. Auf den Rekurs des Klägers hob jedoch das l>t e i ch s- V e r s i ch e r u n g s a m t die Entscheidung wieder auf und verurthcilte die Berufsgeiiössenschast, dem L. 15 pC�. der Vollrenle zu gewähren. Das lliekursgerichl führte aus: Allerdings seien die Zlusichten des Klägers nicht ganz richtig, soweit er behauptet, außer in den Fällen des Z65 des llnfallversicherungs-Gesetzes dürften die Berufsgenossenschaflen während des Berusungsverfahrens keine neuen Bescheide über denselben Anspruch erlassen. Der Gesetzgeber habe nicht beabsichtigt, die Stellung der Berussgenosseu- schaften derart zu beschränken, daß sie nach Erlheilung eines Bei scheides lediglich ihre Stechte als Partei wahrnehmen dürsten. Vielmehr liege es in ihrer Stellung, daß sie in jeder Lage des Verfahrens»ach pflichlmäßigem Ermessen nicht nur ihre eigenen Jnter- essen, sondern auch die Interessen der Versicherten wahrnähmen. Komme die Berufsgenossenschaft im Lause des Streilverfahrens zu der Er- kenutniß, der Anspruch des Klägers sei berechtigt, so habe sie ihn anzuerkennen, cnlweder dem Schiedsgericht gegenüber oder in einem andere» formellen Bescheide an den Kläger. Tiefer neue Bescheid sei aber, soweit er den Verletzten nicht befriedige, nicht geeignet, die schwebende Bernsuug und jeden»'eiteren An- spruch des Klägers aus der Welt zu schaffen, wie das Schiedsgericht im vorliegenden Falle angenommen habe. Ter Pantcchuikcr T. klagte vor der Kammer III des G c- werbegerichlS gegen den Unteruehmer Vogt mit dem Antrage, den Beklagte» zu verurtheilen, ihm 2l0M. zu zahlen, nämlich einen Lohnrest von 90 M. für die Zeit vom 25. August biS zum 15. Eep- teiuber und 120 M. Lohncntschädignng für die folgenden vier Wochen, in denen er nicht beschäftigt wurde. Der Unternehmer machte da- gegen geltend, der Kläger sei bereits am 25.'August entlassen worden; er vermochte aber nicht zu beweisen, daß D. wirklich entlasse» sei. Dann betoute er noch, daß der Bau auch schon während der drei Wochen geruht habe, für die Kläger einen Lohnrest verlange. Wenn D. sich trotzdem aus dem Bau zu schaffen machte, dann sei das lediglich seine Sache gewesen. Der Polir bestätigte als Zeuge, daß D. thal- sächlich noch bis Mille September ans dem Bau tliätig gewesen sei. Vor dem letzten Termine hat Beklagter dem Techniker eine An- wiisung ans seine Bank in Höhe von 250 Mark gegeben. Sie ivar aber nicht einlösbar, da Bogt bei der Bank— kein Guthaben mehr hatte.— Der Beklagte wurde im vollen Umfange des Klage- Antrages verurtheilt. Assessor Schmieder führte zur Begründung au?, es wäre Sache des Beklagten gewesen, die Entlassung des Klägers nachzuweisen. Die einfache Behauptung, daß diese ge- fchehen, genüge nicht. Kein PetriebSunfall? Ter Steinbrecher Otto wurde während der regelmäßigen Arbeitszeit von seinem Arbeitgeber angewiesen, dessen Obstbäume zu überwachen und zu verhindern, daß sie von Kindern beschädigt oder der Früchte beraubt würden. Die Bäume befinden sich am Rande einer Felswand, so daß Otto an der Fels- wand eutlang klettern mußt«. Hierbei verunglückte der Arbeiter. Er beanspruchte von der Steinbruchs- Berufsgenossenschast eine Unfallrente, wurde aber abgeiviesen. Das Schiedsgericht und das Reichs-Versichcruugsamt erkannte» gleichfalls zu seinen im- gunsten. Die Thäligkcit, bei der der Unfall passirte, sei deshalb; weil der Arbeilgeber dazu den Auftrag ertheilt habe, noch keine ver- sicherte Betricbsarbeit. Auch sei nicht entscheidend, daß sich der Ar- beilcr dem Auftrage nicht wohl entziehen konnte, weil er sonst be- fürchten mußte, entlaffen zu werden. Vielmehr sei für die Be- willigung der Rente nur maßgebend, ob sich die fragliche Thätigkeit im Rahmen des Steinbruchsbelriebes gehalten habe. Diese Frage sei hier zu verneinen. Einer Spielerei mit einem Teschi» fiel der Kutscher Nord- man» zum Opfer, als er am 18. August 1896 im Auftrage seincS Arbeitgebers, dcs Fnhrherrn Veit, verschiedene Gänge besorgte. Er hatte zunächst im Jutcrcsse des Fnhrbetriebes einen Schipper zur Arbeit bcstcllt und sollte dann eine Rechnung einkassiren. Terzweit« Auftrag führte ihn ans dem Grundstück Alt-Moabit 91/92 an einem Schuppe» vorbei, wo sich ein Arbeiter mit der genannten Schußwaffe zu lhnn machte. Ein unvorsichtiger Ruck und die Ladung fuhr Nord« mann in den lluterleib. Er verstarb an den Folgen der Verwundung. Sein« Wittwe verlangte von der Fuhrwerks- Berufs- gcnosseuschaft eine Nnfallrente, sie wurde aber mit ihrem Anspruch« abgewiesen. Die Berufsgenossenschast begründete ihr Verhalten da- mit, daß ei» Betriebsunfall hier nicht vorliege. Das Schiedsgericht erkannte später im selben Sinne, indem.es ausführte. Nordmann sei nicht im technische», sondeni im kaufmännische» Theil des Fuhr» betriebcs verunglückt, da er im fraglichen Moment aus dem Wege gewesen sei. eine Rechnung einznkassiren. Frau Nordmaun wandte sich nnn noch an das Reichs- V e r s i ch e r u n g s a m t. Sie machte geltend, ihr Man» habe sich im Banne des Betriebes befunden, als er verunglückte. Das Rekursgericht unter dem Vorsitz des Geh. RegieruugsralheS Besserer wies sie indessen gleichfalls ab und erklärte, R. sei nicht im veisicheruugspflichtige» Fuhrbelriebe verunglückt. Das Gericht scheint uns hier die Grenzen des versicherten Be- lriebes zu eng gezogen zu haben, ganz abgesehen von de« Unterscheidung znische» einem technischen und einem kauf« mäunischen Betriebstheile. Ter Gang, bei dem R. ver» unglückle, ist doch mindestens zum theil im technischen Bctriebsinteicsse ausgeführt worden. Der erste Senat des Reichs» Versicherungsamles hat sich aber erst vor kurzem unter dem Vorsitj des Geheimralhs Dr. Sarrazin in einem solche» Falle zu gnnste» des Verletzten ausgesprochen Ein Maurer, der für einen Neuban Steine bestellt halte und dann auf sogleich angetretenem Weg« nach seiner Wohnung verletzt worden war, erhielt die Unfallreme. Depeschen und lehte Ltocheichten. Basel, 19. November.(W. T. B) Wie hier verlautet, ist der Schnellzug Nr. 3, Frankfurt n. M.— Basel, heule Nachmittag nach 4l/z Uhr hinter der Station Lcopoldshöhe entgleist; der Zug Mied aus dem Bahndamm stehen, welcher auf der Unfallstelle sehr hoch ist. Ein Hilfszug wurde abgelassen, um die Verwundete», per«» Zahl dem Gerücht nach eine hohe sei» soll, abzuholen. Man hofft die Bahn bis heule Abend dem Verkehr wieder übergeben z» können. Der Materialschaden soll bedeutend sein. Cornnna, 19. November.(W. T. B.) General Weyler«iiipsing gestern an Bord mehrere Abordnuitge». Weyler äußerte, er fürchte, die gegenwärtige Politik werde für Spanien de» Verlust des knva- Nischen Handels nach sich ziehe». Er empfahl, die Regieruna Gehorsam zu leiste», und erklärte, er werde sich nickt mit Politik beschäftige»; er habe zu keiner Partei Beziehungen. Weylcr besliilt auch, irgend ein Dokument oder eine Karle ans Kuba mitgenommen zu haben. Algier, 19. November.(W. T. B.) Als die Torpcbobooi4 „133" und„Dondarl de Lag» sc" gestern Abend im Busen von Algi«� Nachtmanöver atisführten, stieß das Boot„133", welches seine Lnbl« gelöscht hatte, gegen den„Tondart" und erlitt so schwere Bescb.'b� gnngen, daß es nach vier Minuten sank. Die Mannschaft wnrdjl an Bord des„Dondart de Lagiee" übernommen, weichrr sofort»ach Algier znriickkehrte. Zwei Oifiziere wurde» bei dem Zusamincnfioß« leicht verletzt und ein Malrose schwer verwundet. Verlag von Max Babing in Aerli». Hierz» S Beilagen. st. im. 14. 1. Stilllge des Jotiirte" Stllilttt NölksdlM.SMslO.zo.WtOttW?. Die Literarische Rnndschan erscheint in der Sonntags-NttMlner. ErfkevdcttkfrhcvSrrmAttttSstongve� Hamburg, 18. November 1897. Zum dritten Punkt der TageZordnung: Slellungnabme zur deutschen Seemamisordnung, erhall Reichstags-Zlbgeordneier Metzger das Wort: Die Seeleute mußten sich, um eine Vertretung ihrer Interessen zu erreichen, au die sozialdemokratisckie Fraktion ivcnden, denn keine andere Partei war für sie zu haben. Die Vertreter der freisinnige» Partei haben des öftere» erklärt, daß im Schifffahrts- gcwerbe keine Mißstände wäre», obgleich die Seeleute stets das Gegenlheil behaupteten. Die Nothwendigkeit der Revision der See- mannsordnung wird jetzt auch von den Vertreter» der Rheder, von dem nautischen Verein n. s. w. anerkannt, weil die S.-O. den heutigen Schifffahrlsverhältnisseu nicht mehr entspricht. Silierdings wolle» jene Herren die Seemannsordnung in anderer Richtung revidirt wisse», als die Seeleute. Freilich lassen sich nicht alle Mißstände im Schifffahrtsgewerbe durch Abänderung der Seemanttsordnung ans der Welt schaffe», es muß eine ganze Reihe von Gesetze» noch geschaffen werden, um die Seeleute wirksam zn schützen. Wir sind seit 1391� im Reichslage alle Jahre dafür eingetreten, daß endlich etwas für die Seeleute geschaffen werde. Die Folge davon war, daß sich die Technische Kommissio» endlich unter Zuziehung von acht an der Schiffsahrt interessirter Personen mit der Materie be schäfligte. Aber wie war die Bcrathnng dieser Leute l Die preußischen Geheimräthe haben eine eigenthüniliche Art der Fragestellung. Sie fragen das stets ans den Slnskunftspersonen heraus,>vas sie heraus- haben»vollen. Selten gelingt es einem Mann, sich diesen Herren gegenüber tapfer zu halten,»vie das z. B. das Mitglied des Bremer- havener Heizer- und Trimmervereins, Scherf, gcthan hat. Was ich aris dem sozialdemokratischen Antrag behandeln»vill, ist folgendes: Da ist zuerst das Secmannsamt, das heute nicht nur entscheidet in Lohnstreitigkeiten zivischen Seelente» und Rheder», fonder» auch zugleich die Strafjustiz über die Seeleute ausübt. Das muß anders werde». Die Seemannsämter, die vorerst bezüglich ihrer Zusammen- setznng einmal einer eingehenden reichsgesetzlichen Regelung bedürfen, müssen einmal Geiverbegerichte sein und außerdem müssen See- Schöffengerichte eingerichtet»Verden. Ein arger Mißstand ist es, daß man bisher keine Berufung gegen die Entscheidung des Seemanns- amtes kennt. Als Vertreter des See»na»nsa»ites im Auslände darf in Zukunft kein Agent oder Vertreter einer Nhederci mehr sein, denn die Leute urtheilen nicht vorurtheilsfrei. Das Heuerbaas-Systen» muß völlig durch Gesetz beseitigt»verde». Bon dem Heuer- burcau der Hamburger Rheder verspreche ich mir nicht viel. Der Zivang, den Dienst antretcn zu müssen, muß fallen. Längere Betrachtungen knüpft Redner an§ 80 des Enlivurfs, »velcher von de» Pflichten des Seemanns handelt. Während nach der Seeinanusordnung der Schiffslnann verpflichtet ist, Llolharbeiten unentgeltlich zu verrichten, verlangt der Entivurf. daß der Schiffs- mann verpflichtet ist, alle ihm seitens des Schiffers oder seiner sonstigen Vorgesetzten übertragenen Arbeiten zu verrichte», für»velche er sich durch den Heuervertrag verpflichtet hat. Zu Arbeiten anderer Art ist er nur in Fällen der Roth verpflichtet. Nolharbeit»vird als Ueberstundenarbeit berechnet. Die Ueberbürdnng der Schiffsleute niüsse aushöre». Es komme vielfach vor, daß Leute infolge der Ueberniüdung verunglückten oder einschliescn,»vas für die Sicherheit des Schiffes und soinit der Besatzung die schiversten Folgen nach sich ziehen könne. Redner erinnert sodan» an den von Dr. Rocht(Hafenarzt in Hamburg) in Kiel gehaltene» Vortrag,.in den» er die sanilären Zustände auf Schiffen schildert. Der Vortrag hat Aufsehen erregt, denn die angeführten Thatsachen spreche» Bände. Wie es mit der Sicherheit auf verschiedenen Schiffen aussehe, davon liefere das„Sargschiff Bertha Aßnimin" den besten Beiveis. Die Besatzung des Schiffes hat, als es sich in England befand, beiin deutschen Konsul den Antrag gestellt, das Schiff betreffs seiner Seetüchtigkeit untersuchen zn lasse». Das Schiff leckte»vie ein Sieb. Drei Kapitäne»vurden»>it der Unter- suchung beaustragt und— das Schiff»vnrde für see- tüchtig befunden. Kaum befand sich der Kasten auf hoher See, als er auch schon derartig leckte, daß er von einen, andere» Fahrzeug in's Schlepptau genommen werden mußte. Wir müssen verlangen, daß bei Untersuchung see- »»tüchtiger Schiffe Leute der Besatzung herangezogen»verde». Der Entivurf verlangt dies. Auch der Knpilänlienlenant a.D. Wislicenns redet dieser Forderung das Wort. Ei» Kapitän, der zn»venig Trinkivasser mitgenonime», sei»»»r»nit 200 M. Geldstrafe belegt »vorden. Redner bespricht hierauf den Bericht des Hafenarztes Dr. Rocht- Hamburg, den dieser über seine Thäligkeit im Jahre 1896 verfaßt hat. Es wurden revidirt: 6355 »euangekomniene Schiffe mit IZ8 273 Personen, 5998 in, Hafen liegende Schiffe mit 101 821 Personen und 3822 Oberländer Kähne. JnSgesanunt 16375 Fahrzeuge mit 254 176 Personen. Bei der Untersuchung der neuaufgekoinmene» Schiffe wurden bei während der Reise abbernsene» bezw. im Auslände in Krankenhäusern in Behandlnnge», verbliebene» itranlheilssällen von Schiffsnia»»- schaften 3323 Fälle festgestellt. Hiervon endeten 144 tödtlich ein- schließlich der 23 Unglücksfälle nnd 17 Selbstmorde. Die Strasbefugniß des Schiffers bedarf einer weitgehende» Abänderung. Der§ 79 der bestehenden Seemannsordniing sei nicht mehr hallbar. Wenn Geheimralh Jouqniore meint, daß das Schlagen verboten sei. so ist das»vohl richtig, aber der Schiffer und andere Vorgesetzte pfeifen auf solches Verbot. Ein Heizer, der briital behandelt wurde ilnd sich daher geivebrt hat, ist ichiver bestraft worden. Die Strafe», die gegen die Seelente auf gruud der Seemaiinsordnung verhängt weide», stehe» in gar keine»» Vcr- hällniß zu den Slrafthaten/ Der Vorgesetzte kommt stets billig davon oder»vird sreigesprochen. Pflicht der Seelente ist es, alle Fälle von schlechter Behandlung, Beköstigung zc. den» Zentralvorstand zn übenvcise». Das Beschwerdcrccht muß den Seeleulen in der Weise eingerKumt»verde»», daß Beschiverden ins Journal eingetragen »verde». Ferner muß das Gesetz, betr. die See-Uufälle geändert werden, ebenso die Znsammensetzling der Gerichte, sonst wird das Räthsel nie gelöst»Verden,»veshalb Heizer und Trimmer über Bord gehe». Seeleute müssen in den Gerichten sitzen. Die Strafgelder müssen in eine Seemannskasse fließen und die Rettung Schiff- brüchiger darf nicht in Händen einer Privatgesellschaft liege». Redner erörtert noch einige andere Punkte,»velche in die Seemanns- Ordnung aufgenonimen»verde» sollen. Der einstündige Vortrag wurde niit großem Beifall ausgenomnien. Störnier stellt folgenden Antrag: „Ter Kongreß beschließt, den von der Komniission der Seeleute zivccks Abänderung der Seemnnnsordnung ausgearbeiteten Entivurf behufs Redaktion nnd Vervollständigung den, Verbandsvorftnnd zu überweisen." Schulz-Stettin schildert die Ueberbefrachtung der Schiffe durch Deckbefrachlung. Mitunter könne der Schiffsführer nicht von der Komuiandobrücke nach dein Vordertheil des Schiffes sehe». Ferner bespricht Redner i» anschaulicher Weise die Leidensgeschichte derauf den Ostsecschiffeu fahrenden Lente. Die Besatzung sei in allen Fällen viel zn schivach. Wenn ei» Manu am Ausguck Wache gehabt hat und völlig abgespannt ist, muß er sofort ans Ruder. Das mindeste müsse sein, daß ein Mann der Wache stets von» Dienste befreit sei, dainit er sofort einspringe» könne, ivenn die Rothivendigkeit es erfordere. Mehrere Redner erwähnen Fälle, daß sich die Vor- gesetzten nicht entblöde», die Leichen verstorbener Schiffsleute einige Stunden vor Einlansen in den Hase»,»ach„Seemannsbranch" zu beerdigen, d. h. die Leichen kurzerhand über Bord zu werfe», u», da- durch die Beerdigungskosten zu sparen. Eine Leiche ist drei Stunde» vor Santos„beerdigt" worden. Der dortige Hafenarzt hat dies scharf gerügt, den» er konnte ja nicht mehr feftsteNen, an welcher Krankheit der Mann verstorben war. Falls der Mann einer ge> fährlichen Krankheit erlegen-war, ist der Kapitän der lästigen Quarantäne entgangen. Auch die Bestimmung, daß bei Schmugge- leie» alle für eine» haste» sollen, verlangt man aus der Seemanns- ordnung beseitigt.. Störnier bemerkt in seine», Schlußivort, die Seemanns- ämter müsseil verpflichtet werden, sänuntliche vakanten Schiffsstellen bekannt zu geben. Bezüglich der Deckslasten giebt es in der Scemannsordnung keine Vorschrislen. Rur im Unfallversicherungs- Gesetz sind einige unzulängliche Besliniinungen. Die Küudigungs- frist innsse für den Schiffsmann in der Weise festgesetzt»verde,,, daß, ivenn das Schiff in den Hafen einläuft, der Schiffsmann nach 24 Stunden das Schiff verlassen lau». Zur Hafenarbeit dürfe kein Seemann herangezogen werde». Auch hinsichtlich der Beerdigung Verstorbener seien Vorschriften zn erlassen. Nach einem beifällig aufgenonuneiie» Schlußivort des Abgeordneten Metzger wird die Resolution Störmer einstimmig an- g e n o m in e n. Zn Punkt 4 der Tagesordnung:„Die Arbeiterschutz- Gesetze und die Seeleute", ergreist H o f fm a n n-Hanl- bürg das Wort: Der Seeniann hat nur wenige Kenntnisse von der sozialen Gesetzgebung. Selten findet sich der rechte Mann, der für die Interessen der Seeleute eintritt. Die Reichsregierung muß auf- gefoidert werde», die Seelente der Krankeuversicherungspflicht zu unterstellen.§ 48 der Seemaiinsordnung schreibt vor, in wiciveit der Rheder für den Seemann zu sorge» hat. Redner führt einige lehrreiche Fälle an, welche beweisen, welche Auffassung die in be- tracht kommendeu Rheder über das Wort„Fürsorge" habe». Hieraus geht Redner auf das Unfallversicherungs- Gesetz für Seeleute ei». Slls Jahres- Arbeitsverdienst gilt»ach tz 6 dieses Gesetzes der neunfache Betrag der Monatsheuer. Dieser Betrag wird der Berechnung der Rente zu gründe gelegt. Die Be- rechnnng ist folgende: 9 mal 50 M.— 450 M.; hierzu komineu zwei Fünftel der Verpflegung als Vergütung gleich 2,10 M., sodaß nur insgesainmt 660 M. pro Jahr als Grundrente angenommen werden. Von dieser Summe kommen im Höchstfälle— Vollrente— zivei Drittel gleich 440 M. zur Auszahlung? Diese Berechnung ist eine himmelschreiende Ungerechtigkeit. Weshalb kommen bei dem See- »»au»» nur neun Monate zur Rurcchi'iing. Das muß beseitigt»verde». Ich fordere, daß der zivölsfache Monalsbetrag als Grundrente festgesetzt»vird.(Beifall.) M o I k e» b u h r hält zu diese», Punkt«ine äußerst instruktive Rede, in der er ausführt, der Seemann werde sehr stiefmütterlich behandelt. Die See- Berussgenofsenschast gehöre z» denjenigen Be- »ufsgenossenschaften, die am wenigsten zu zahle» haben. Das doppelte hat die Arauerei-Bernfsgenossenschaft zu leiste». Dies kommt daher, daß bei den Seeleuten die Grundrente zu niedrig bemessen ist. Er müsse die AnSsührungen Hoffmanu's vollinhaltlich unterstützen. Die Rheder treten für eine Wittiveu- und Waiseukasse ein, und zwar aus den» Grunde, weil sie hoffen, nur eine geringe Belastung zu erziele». Der Schiffsinann, für dessen Hinterbliebene gesorgt werden soll, muß aber inindesteus 40 Monate auf deutschen Schiffen gefahren haben. Mau hofft durch diese Fesselung die Heuer herunterdrücke» zu können. (Sehr richtig!) Redner giebt sodann eine eingehende Darstellung der für den Seemannsberuf in betracht kommenden Arbeiterschutz. Gesetze, die mit reichen» stalistischei, Material versehen ist. Sodann stellt er die Forderung auf, daß die Seeleute gegen klimatische und Berufskrankheiten zu schützen seien. So lange der todle Seemann den, Rheder keine Kosten verursache, sondern»ur die Familie ihre» Ernährer verliere, kommt es dem Rheder nicht daraus a», in sanitärer Hinsicht für den Seemann zu sorgen. Ferner wird man sich nicht darauf beschränke», nur die Ladung». f. w. zn kontrollire», sondern man wird die Kontrolle auch auf Logis». s. w. ausdehnen. Als ich in der Kommission für Arbeiterstalistik für diese Versicherung einlrat, erividcrte ei» Großrheder mir: Wir Großrhcdcr können das schon leiste», aber die Kleinrheder gehen dabei zu Grunde. Dabei lhat er aber � noch die weitere charakteristische Aenßerung: Warte», Sie»ur»och eine zehn Jahre, dann sind die kleineu alle verschivunden. Man»vird vielleicht den Einwand machen, die deutsche Rhcderci würde gegebenenfalls mit den» Aus- lande nicht konkurrircn können. Dagegen läßt sich aber erwidern, daß die Engländer weit mehr Heuer zahlen, als die Deutsche», und trotzdem prächtig existire».(Lebhaftes Bravo.) Störnier führt sodann auS, der Wahlmodus zun» Schieds- gericht für Unfallsachen müsse geändert werden. Aber selbst jetzt »visse mau die Arbeitervertreter ans dem Schiedsgericht fernzuhalten. Er sei i» diesem Jahre geivählt, aber man habe seine Wahl nicht bestätigt, indem man sagte, er sei kein schifffahrtskundiger, bcfahrener Man». Dabei habe er sei» Steuermanns- Examen gut und sein Schifferexame» für große Fahrt niit Auszeichnung bestanden. Alle Beschiverden hätten bisher keinen Erfolg gehabt. Reichstags-Abgcordueter G e r i s ch tritt ebenfalls für Aenderung des Wahlmodus ei». Kellerina»» führt a» einen, recht drastische» Beispiele ans, »vie die Seelente bezüglich der Arbeilerschutz-Gesetze recht stiefmütler- lich behandelt werden. Zu diesen, Punkt der Tagesordnung werden folgende beide» Resolnlioncn einstimmig angcnoinmen: In anbetracht der in letzter Zeit zu tage getretenen Erscheinung, daß seitens einer Anzahl Dihedereie» die ihnen durch§ 48 der Seemannsordnnng auferlegte Verpflichtung, für i» ihrem Dienste sich befindliche erkrankte Seeleute zu sorgen, bezw. die Kosten der Heilung zu tragen, dadurch umgehen, daß dieselben durch eine i» die Musterrolle aufgenoininene Bedingung, wonach der eintretende Schiffsnia»», einer Krankenkasse angehören muß, sich dieser Ver- pflichtung entziehe» nnd dadurch die vom Gesetzgeber geivünschte Tragung der Heilungskosten auf die Schultern der Seeleute ab- wälze», die Fürsorge für kranke Seelente also lediglich in dem Belieben der Rheder steht: in weiterer Erivägung, daß. »vill der Seen, a, u, nicht de» beschiverliche» Weg der privaten Klage beschreite», indem es an einer Instanz, welche in derartig streitenden Fällen entscheidet, mangelt, beschließt der erste Koiigreß der Seeleute Deulschlands, die Reichsregierung zu ersuchen, die Seeleute unter Heranziehung der Rheder zur Beitragsleistung dem Kranken- versicherungs-Gesetz zu unterstelle». Und ziveitens: Der Kongreß der Seeleute Deutschlands richtet an die Reichsregierung das Ersuche», baldigst eine Aenderung des Unfallversicherungs-Gesetzes für Seeleule von, 16. Juli 1837 dahingehend vorzunehmen, daß der Z 6 benannten Gesetzes in der Weise geändert wird, daß a) bei der Berechnung des Jahresverdienstes nicht das neunfache, sondern das zivölsfache der pro Monat gezahlten Heuer gerechnet»vird. b) Als Monatshener derjenige Betrag gerechnet wird, für»velche», der Seen, an,, geheuert, und c) die von, Seemann gemachte» Ueberstundcn zc. mit zur Anrechnung gelangen. Der Kongreß betrachtet es als eine Ungerechtigkeit, wenn dem Seemann nur ei» Bruchtheil seines so wie so geringen Ver- dienstes zur Anrechnung gelangt und hofft, daß � es nur der An- regnng bedarf, damit den Wünschen der Seeleute in dieser Hinsicht Rechnung getragen wird. Ein Antrag von Störmer, der Verband möge sich der deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger anschließe», wird auf Antrag Wustrack- Flensburg dem Zentralvorstand zur Berück- sichtigung überwiesen. Ebenfalls ein Antrag von Hamburg, für Versicherung der Seemanns- Effekte» einzutreten. Dann wird ein Antrag angenommen, daß jedes Mitglied des Ver- bandes auch Mitglied des internationalen Bundes für Schiffs--. Hafen« und Flnßarbeiter werden solle. Einige weitere Anträge und Resolutionen werden ohne Debatte einstimmig angenommen. Damit ist das Ende der Verhandlungen erreicht. W u st r a ck- Flensburg stattet im Namen der auswärtigen De- legirten den Hamburgern seinen Dank ab. Mit einem kernige», Schlußivort und einem dreimalige», stürmisch aufgenommenen Hoch ans de» Verband der Seeleute in Deutschland und die inter- nationale Arbeiterbeivegung schließt Störmer sodain, de» ersten deutschen Secmainiskongreß. STuS der Magistratssttzung am Freitag. Die vom Stadt« banrath Hoffmann entivorfenen Pläne für die drei Bade» Anstalten in der Denneivitzstraße, in der Bärivaldstraße und in der Oderbergerstraße hat das Magistratskolleginm geiiehmigt. Die Anstalt i n der Oderbergerstraße, deren Baukosten aus 739 000 M. veranschlagt sind, wird ein Schwimmbassin von einem Flächeninhalt vo» 209,95 Quadratmeter», 24,70 Meter laug und 8,50 Meter breit, erhallen und außerdem für 63 Wannen- und 67 Brausebäder eingerichtet werden. Die Anstalt in der Bärwaldstraße wird ein Schwimmbad mit einer Grundstäche vo» 176,50 Quadratmetern und 69 Wannen- und 60 Brausebäder- zellen erhalten. Die Baukoste» sind aus 709 000 M. veranschlagt. Die Anstalt in der Dennewitzstraße endlich, deren Baukosten auf 743 000 M. veranschlagt sind, erhält eine Schwimmhalle von 27,20 Meter Länge und 15.80 Meter Breite, 61 Wannenbäder» Zelle», 27 für Frauen und 34 für Männer, soivie 8 Brausebäder.— Wie bereits berichtet worden ist, hat sich der Vorstand des deutschen Thierschutzvereius an die Stadtverordneten- Versammlung mit der Bitte gerichtet, zur Unterstützung einer in Berlin einzurichtenden Fahr- und Fachschule eine Summe i» de» nächstjährigen Etat ei». zustellen. Mit de», gleichen Gesuche hat sich der betreffende Vorstand auch an de» Magistrat gcivendet, indem er darauf hinweist, wie das Publikum gefährdet werde durch daS schlechte Fahren auf den� Straßen, welches dnrch»»praktische Anspannung, durch schlechte. Pferde und»och schlechtere Behandlungen derselben seite-is der Kutscher hervorgerufen wird. Da nun der Verein'» genügende Mittel nicht besitze, um eine solche Institution ins Leben zu rufen, so ersucht der Vorstand desselben den Magistrat, er möge selbst die Einrichtung einer Fach- und Fahrschule recht bald in die Wege leiten. Das Magistratskolleginm hat beschlossen, die Att« gelegenheit der Geiverbedeputation zur Begutachtung zu überweisen und von derselben eine» Bericht einzufordern. TaS Dezernat der RathhanSverwaltniig ist dem Stadtrnth Sclberg übertiagen worden, welcher auch als Mitglied des Vieh- Hofs-Kuratorium ernannt worden ist. Ter Stadtverordnete Baurath KyNman», in Gemeinschaft mit 34 anderen Stadtverordneten, haben folgenden Antrag in der Stadtverordneten-Versammlung eingebracht:„Die Stadtverordneten- Versannnlung wolle beschlicßen, den Magistrat aufzufordern, in ge- »nischter Deputation mit ihr über die Aufnahme einer Anleihe zivecks schnellerer Durchführung von S t r a ß e„ e r w e i t e r„ n g e n zu berathe»."_ Uokttles. N», Sonntag findet die Verbreitung eines Flugblattes zur Stadtverordneten« Stich»vahl in, sechsten Wahl- kreise statt. Genossen, welche hierbei mitivirken wolle»,»verde» ersucht, sich morgens>/e8 Uhr in folgenden Lokalen zu melden: Joh. Pfarr, Pullitzstr. 9, für den 40. Bezirk; E.Ernst, Schwartzkopff- slraße II, für den 33. Bezirk; Fr. Lietzke. Schivedterstr. 33, für den 32. Bezirk; Dieke, Ackerslr. 123, für de» 34. Bezirk. Stadtschnlrath Bertrain'S Verdienste nm die Berliner Gcnieindcschnlc werden seil einiger Zeit von einem Theile des Berliner„Freisinn s" in der Presse wie i» Versammlunge» in eine»» abfälligeren Tone besprochen, als man ihn sonst bei Erörterungen über Frage» der städtische» Verwaltung von dieser Seite her gewöhnt ist. Man lobt,»vas er für die Entivickelung des Gcmcindeschuliveseus geleistet habe, tadelt aber, daß er sich be- stimmten Forderungen gegenüber hartnäckig verschließe, und vcr« langt, daß er bei der demnächst bevorstehende» SladtschnlrathS« Neuivahl vom Schauplätze abtrete oder abgeschoben werde, um einen, jüngeren, frischeren, thatkräftigeren N a ch f o l g e r Platz zu machen. Nu» ist i» der Thal nicht zn hoffe», daß die Bvrlincr Gemeindeschule einen besonderen Vorthcil davon habe» würde, wen» man Herr» Bertram noch einmal das Amt des Stadtschulraths übertrüge. Aber das Gerede und Gethue, als treffe die Schuld an dem Stillstand in der Entivickelung des Berliner Gemeiudeschul« Wesens in, gründe nur Herrn Bertram, und als sei schon von seiner Ersetzung durch einen Nachfolger Besserung zu erwarten, — das ist doch einfach Humbug. Herr Berlram hat sich mit den von wahrhaft rückschrittlichem Geiste getragenen Ausführungen, die er in Schulfragen de» Vorschlägen und Forderungen der Arbeiter- Vertreter i» der Stadtverordneten-Versauimkung entgegen zu stelle» pflegte, stets des Beifalls der„freisinnigen" Mehr- h e i t d i e s e r V e r s a m m l u» g zu erfreuen gehabt, und er ist sich auch sichtlich allezeit dessen bewußt gewesen, daß er hier Unter- stützuiig und Rückhalt finden würde. Man lhue doch nicht so, als ob überhaupt der Leiter irgend eines Zweiges der städtischen Ver- waltung auf die Dauer gegen den offen ausgesprochenen Willen oder in, geheimen gehegten Wunsch der Majorität der Stadtverordnete» handeln könnte. Stein, Herr Bertram war weiter nichts alS ei» Werkzeug des„K o m m u n a l f r e i s i u n s". von dem er sich je länger je lieber dazu gebrauchen ließ, de» aus ciue, in des Wortes bestem Sinne fortschrittliche Schulreform gerichteten Förderin, gen der Arbeitervertreter einen Riegel vorzu- schieben. Ursprünglich dachte er i» einzelnen Fragen viel ver« nünstiger nnd zeigte sich viel weitherziger als die Mehrheit der Stadtverordneten-Versammlnng. Wir erinnern nur an die Streit« frage, wie viele Klassen eine Gemeindeschule höchstens habe» dürfe, in der Herr Bertram 1886 mit seinem Vorschlage, einein Rektor ans »nlerrichilichen und erzichlichcn Gründen nicht mehr als 16!tlasscn zu übergeben, der Schuldeputativ» wie der Stadtverordneten- Versammlung gegenüber unterlag. Die Schuld a» der V�r« r o t t u n g des Berliner G e m e i n d e s ch u l w e s c» s trifft wirklich nur de»„ K o n, m u» a l f r« i f i n n", der sich allemal dann, wenn es sich um Arbeitcrinteressen handelt, uns jrine Pflicht mit den Steuergrosche» sparsam zn ivirlhschaften, bc« simit und auch in Frage» der Volksschule� und Volksbildung das Geldsacksinteresse zu wahren bemüht ist. Die Vorwürfe, die jetzt von de», sich für radikaler haltenden Flügel des „Freisinus" gegen den Stadtschulrath erhoben»verde», sollen vielleicht bezwecke», die Aufmerksamkeit von de», wahren Schuldigen abzulenken. Demgegenüber muß immer und innner wieder darauf hingewiesen werden, daß es mit dem Berliner Schul- wesen nicht eher anders werden kann und wird, als bis die Herrschast des„Freisinns" in der K o m m n n a l v e r w a l t u n g gebrochen i st. Nicht ein Wechsel der Person, sondern ein Wechsel de? S y st c m S ist nothwendig, nicht blos eine Beseitigung des Werkzeugs, sondern die Uiischädlichinachuiig derjenigen, die sich dieses Werkzeug erkoren und lange genug in der unverantwortlichsten Weise damit gewirlhschaftct haben. Die Berliner Arbeiterschaft hat weder von Herrn Bertram »och von seinem eventuelle» Nachfolger etwas zu erwarten, so lang« eine sich„liberal" nennende Stadtverordneten- Majorität alle jene Neuerungen, die eine sortgeschriltcne Pädagogik für nothwendig erachtet, als„sozialdemokratische Gelüste" ablehnen darf. Wenn es sich darum handelt, Herrn Bertram's Verdienste um die Berliner Gemeindeschule abzuwägen, so darf Nim, getrost behaupte»: Was er Gutes geleistet hat, das ist fein eigenes Verdienst; was er zu thu» versäunit nnd venveigert hat, das ist weniger auf sein Konto als auf das seines Mitschuldige» vdcr richtiger brS Hauptschuldigen, bc§ Berliner„Frcisluus" zu fetzcu, der ihn jetzt als Sünden bock vorschiebe» mochte, um sich selber zu reinige». Strcifziige ciiieS Arbeitölosc». Die vorgeschrittene Jahres- zeit hat allen, die„vom Glücke bcgnnsligt" worden sind. Feste und itunstgennsse in Hülle und Fülle gebracht. Wer aber sagen wollte, daß unsere besseren Kreise hartherzig� und vcrgniigiiiigssüchtig seien, der wurde sie böse vcrlcuinde». Noch haben wir eine geraume Zeil bis Weihnachleu und schon sind eine ganze Reihe von Wohlthälig- keits-Baznrc eröffnet worden. Ich weiß gewiß, daß böse Leute der Ansicht sind, die vielerlei Schnnrrpseisereien und Tändelarbeiten, die auf den Bazaren veräußert werden, sind nur Erzeugnisse der fürchterlichsten Langeweile. O nein! Nur Mildlhätigkcil bat sie angefertigt. Ilnd wie schwer ist es den feine» Fingern der Berferligerin geworden, die Nadel und die Scheere zic sühren! Und nur, um für die Kinder der Ariiie» arbeilen zu können, hat sie eine Erzieherin für ihre eigenen Kinder angenommen. Ja, ja, die Kinder der Arme» liegen ihr mehr am Herzen, ivie ihre eigenen. Es ist fchiver. wohlthätig zu sein! Nicht nur, daß man viel Arbeit hat; auch der Verkehr mit hohen und hochgeborenen Herrschaste» muß in den Vereinen und Gesellschaften gepflegt werden. Und das geschieht keineswegs derhohen Herrschafte» oder der Renommage wegen; das alles geschieht nur ans mildlhäligem Herzen, ans dem Drange, die Wunden zu heilen, die leider das Leben mit sich bringt. Und was für Scherereien macht so ein Bazar oder ein Wohlthäligkeitsfcst. Wochenlang vorher müssen sich die mildthätigen Damen schon den Kopf um ein passendes.Kostüm zerbrechen. Und dann die Laufereien zun» Schneider und zur Modistin. Und nun gar das Fest selber! Da müssen die Damen schön lhun mit den Herren und die fetten, schweren, doppelt theneren Speisen essen und dazu Champagner und sonstige Weine zu fabelhaft hohen Preisen trinke». Welche Opfer die Wohllhätigkeil fordert, wissen wirklich die Beschenkten gar nicht zn schätzen und zu würdigen. Da stand ich z. B. neulich vor einer Villa int Thiergartenviertel. In den oberen Räumen flnthcle hinter den hohen Fenstern üppiges Licht. Ein süßer Walzer scholl gedämpft heraus. An den Einfahrtspfeilern des Vorgartens waren zierliche Zettel angeheftet:„Ball, zum besten der Armen der X-Kirche u. f. w." Am Gitter des Vorgartens standen einige dürftig gekleidete Kinder; sie starrten in die große . Küche im Erdgeschoß, in der viele Köche und Mädchen thätig waren. Sie sogen den kräftigen Bratengcrnch ein— auch das war ihnen nnr durch das Fest möglich. Ich verstand eine Arbeiterfratl nicht, die meinte, die da oben sollten den Kindern lieber gleich helfen; tveim der Winter vorbei wäre, brauchten sie nichts mehr. Ja, wenn sich die Mildthätigen tmide gegessen, getrunken und getanzt haben, dauert's sÄion noch ein paar Wochen, bis sie dazu kommen, das so gewonnene Geld an die Armen zu bringen.— Es ist eben wirklich schwer, wohlthätig zu sein!— Proletariat nnd Volköuuterhaltiing. Die moderne Pro« dnktionswcise duldet nicht jene idyllische Pflege der Dickt- und Sangeskunst, wie wir sie von den Spinnstuben nnd den Meister- gesäugen der Handwerker-Werkstntl des Mittelalters kennen. Im geräuschvollen Fabriksaal ist jede bildende und erfrenettde Unter- Haltung ausgeschlossen. Doch auch die arbeitende Klasse will an den Genüssen, die die schönen Künste der Menschheir bieten, theilnehmen. Ans diesem Wollen heraus entstanden die Volksbühnen, die schon so manches erreicht haben. Ihre Mitgliederzahl von 8—10 000 ist aber verschwindend klein bei dem riesigen Proletariat Berlins und seiner Vororte. Man hat also zu fragen, ivas ivird sonst noch an werlhvoller Volksnntcrhallung geboten. Da sind nun vor allem die Sonntag-Nachniittags-Vorftcllnngcn unserer Theater, deren Repertoir jedoch kein höheres Bedürsniß de- friedigen kann. Denn außer blöden Possen gicbt es einige patriotische Stücke nnd nnr wenige klassische Werke, die noch dazu mit den letzten Kräften besetzt sind; auch sind die Eintrittspreise trotz der Ermäßigung für den mageren Geldbeutel eines Proletariers immer noch zu hoch, nnd so sieht man in den Sonntag-Nachmittags- Vorstellungen fast ausschließlich ein Publikum. daS sich aus kleinbürgerlichen Kreisen zusammensetzt. Dasselbe Pnblikm» findet man in den Dichter- Abenden des Schiller- Theaters und in den Veranstaltungen des Vereins für Volksnnterhaltung. Das liegt daran, weil der Arbeiter nicht in Lokale geht, von denen er weiß, daß sie sonst nnr von Leuten besucht werden, die es dazu haben. Mancher will aber auch, wenn er die ganze Woche über schwer gearbeitet hat, die Stunden des Sonntags möglichst mit fröhlicher Unterhaltung ausfüllen. Da er für das Geld, das er z. B. im Theater ausgeben muß, um wenige Stunden lang genießen zu können, im Tingel-Tangel oder in Bierlokalen den ganze» Abend zubringen kann, so zieht er deren leichte Kost vor. Die Volksuuterhaltnng muß, wenn sie für das arbeitende Volk in betracht kommen soll, gründlich reformirt werden. Man muß die arbeitende Klasse nach ihren Bedürfnissen ansehen, sowie ihrem Empfinden nach zu ihr kommen, aber sie nicht auf kleinbürgerliche Weise in kleinbürgerliche Kreise ziehen tvolleu. Vor allein aber muß das Eintrittsgeld für Volksnnterhaltungen wesentlich erniedrigt werden, wenn sie den vielen Taufenden, die oft genug nicht einmal das Nothwendigste haben, überhaupt zugänglich sein sollen. Und auch dann noch werden sie nur ein Pflästerchen im Flickwcrk des Soziallsmns der heutigen Gesellschaft sein.— Das Knrpfnscherei-Verbot, das manche Aerzte mit heißer Inbrunst erstreben, wird in der„Pharm. Wochenschrift" an einem von unS kürzlich ntitgetheilten Fall recht interessant beleuchtet. Wir hatten vor einigen Tagen berichtet, daß dem in der Stacht ver- lluglückten Handelsmann Julius Schlei ans der Strelitzerstraße 52 trotz eifrigsten Bemühens seiner Frau keine ärztliche Hilfe zu theil geworden war und daß die Frau, nachdem alle Wege zn Aerzten und zur Polizei fehlgeschlagen, sich an einen Nachbar, den in Samariterdienste» bewanderten Herrn Jädicke wenden mußte, der sich denn auch opferwillig des halbverbluteten Herrn Schlei annahm. An diesen Bericht knüpft die genannte ärztliche Zeitschrift folgende Bemerkung:„Wir sind nicht in der Lage, zu kontrolliren, wie weit Obiges den Thatsachen entspricht, aber daß es in Berlin trotz des„Nothstandes" unler den Aerzten notorisch schwerhält, des Nachts oder des Sonntags einen Arzt zu bekommen, dafür sind auch uns Beispiele bekannt. Doch abgesehen davon möchten wir die Frage aufwerfen: Würde nicht der an stelle des die Hilfeleistung aus nicht gerade tindnrchsichtigen Gründen ver- sagenden Arztes eingesprungene Herr Jädicke noch nachträglich für fein Liebeswerk bestraft werden müssen, wenn erst das von den Aerzten so sehr erstrebte„Kurpfuscherei- Verbot" wieder eingeführt wäre? Und wenn das, was ja zweifellos der Fall ist, zutrifft, liegt es da nicht weiter klar auf der Hand, daß als Korrelativ für das Verbot der Ausübung der Heilkimde durch nicht approbirte Perfoneit die Wiedereinführung des Zwanges der ärztlichen Hilfeleistung im Jntereffe der Allgemein. heit nicht umgangen werden kann? Man wird diesen Fragen bei Regelung der betreffenden Materie nicht aus dem Wege gehen können, und sie werde», wenn nicht früher, sicher im Reichstag aufgeworsen werden.". �, Die erstrebte Wiedereinführung des ZunftzopfeS scheint den Aerzten denn doch einige Kopsschmerzen zu bereiten. Frauen au der Berliner Universität. Nach den amtlichen Listen haben sich bis jetzt als ordentliche Hörerinnen an der Berliner Universität 162 Damen einschreiben lassen. Von Interesse ist es, die Nationalität der studirenden Frauen festzustellen. Es ftudiren S3 Deutsche, 26 Amerikanerinnen, 23 Russinnen. Die übrigen Länder sind mit geringeren Zahlen vertreten. So kamen aus Oesterreich 4 Damen, aus England ebenfalls 4, ans Frankreich 2. Je eine studirende Frau sandten Finnland, die Schweiz, Holland, Ungarn, Bulgarien. Von Wichtigkeit ist es auch, daß alle 4 Fakultäten sich den Frauen geöffnet haben, es hören 3 Damen Theologie, 3 Jnra, und zwar sind die 3 Jnristinnen Deutsche, zwei von ihnen. Fräulein Marie Raschle und Fräulein Hager, studiren mit dem Endziel des Doktorexamens, eine, Fran Sera Proelß, hat nur einige juristische Vorlesungen belegt. Zwei Damen hören Medizin, alle übrigen sind in der philosophische» Fakultät eingeschrieben und studiren Natur- tvissenschaft, Geschichte. Sprachen jc. Tie Berliner Packctfahrt-Gesellschaft weiß sich in puneto Briesbestellnng so sehr Herr der konkurrenzlosen Situation, daß sie bereits anfängt, in manchen Punkten die dem Publikum schuldige Rücksicht außer acht zu lassen. Wir wollen hier nur einen Be- schwerdepunkt herausgreifen. Die Briefkästen geben auch die ver- schiedenen Tageszeiten an.zti ivelchen eine Entleerung vorgenommen wird. Eine dieser angegebenen Entlecrungszciten ist nachmittags zwischen 4 und 3 Uhr; die bis dahin eingelieferten Briefschaften sollen noch an demselben Tage bestellt werden. Nun ist es aber schon wieder- holt vorgekommen, daß bereits vor Uhr mit der Entleerung der Kästen begonnen worden ist, so daß bereits um diese Zeit an den Kästen zu lesen war: Nächste Abholung 10—11 Uhr. Die Jnter- essenteu, ivelche bei den zuständigen Bureaubeamten Nachfrage hielten, bekamen den Bescheid, daß die Beamten in der Angelegenheit nichts zu thnn vermöchten. Sie hätten Befehl von der Direktion, den Boten zum Entleeren der Briefkästen bereits vor �4 Uhr zu entsenden, da derselbe s 0 n st nicht fertig werde. Auf den weiterhin gemachten Vorschlag, in diesem Falle doch dann die An- gäbe der Abholungszeit dahin zu ändern, daß es heiße: 2/«4— 5Uhr, wurde entgegnet, dies sei nicht durchführbar, denn eine solche Slende- rung verursache U m st ä n d e u n d— Kosten! Die Gesell- schaft, welche ihren Aktionären 20 pCt. Dividende zu zahlen in der Lage ist, scheint demnach die geringen Kosten für eine derartige Aenderung oder für Einstellung einer Hilfskraft zu scheuen und setzt getrost das Publikum den größten Unannehmlichkeiten aus. Kiudermilch. Die„Deutschs Tagesztg." meldet: Eine Auf- sehen erregende Miltheilung über die Versorgung Berlins mit frischer Milch ist auf der letzten Generalversammlung des Landwirthschaft- lichen Vereins zu Friesack von einem dortigen Bnuerngutsbesitzer gemacht nnd von dem Vorstände dieses Vereins an den„Verein der Berliner Milchpächter" übermittelt worden. Der in Rede stehende Banerngulsbesitzer hat in seinen Ställen 40 kiiihe stehen und liefert die von diesen gewonnene Milch, die nach besiimmlen Vorschristen behandelt tverden muß, als �Kiudermilch a n den hiesigen Meiereibesitzer C. Bolle. Auf Be- treiben des letzteren ließ nun der Bnuerngutsbesitzer sein Vieh durch einen Thierarzt mit Tuberkulin impfen, und es reagirten auf diese Impfung von den 40 Kühen 20, die also„tuberkulös" waren. Trotzdem wurden, ivie der Besitzer auf Befragen des Vorsitzenden jenes Vereins erklärte, die zivauzig tnberkelkranken Kühe nicht von den g e s u n d e n g e t r e n n l. Nnd auch die Milch derselben wurde nicht separat gekühlt, sondern init der übrigen Milch gemischt und ait die Meierei von Bolle zur Versendung gekrackt, ivelche ihrerseits die Milch als„Kindermilch" bezahlt hat. Der Verein Berliner Milchpächter hat zn dieser An- gelegenhcit, die erst in den letzten Tagen zu seiner Kenntniß ge- kommen ist, noch keine Stellung nehmen können, beabsichtigt aber, den Fall eingebend zu untersuchen und dann die erforderlichen Schritte in die Wege zu leiten. Gegen die Polizeiverordnnug betreffend das Verhängen der Schaufenster an Sonn- und Feiertagen außerhalb der Kirchstnnden nehmen nunmehr auch die Grundbesitzer-Vereine Stellung. Die Thatsache. daß eine schwere Schädigung der Geschäftsleute in den Nahrungs- und Gcnußmitlelbranchen und dadurch eine Entivcrlhuug der Geschäftslokale herbeigesührt wird, veranlaßte de« Grundbesitzer- Verein des Wedding-Sladlthcils, eine Petition an das Polizei- Präsidium abzusenden, in welcher um Aufhebung der Verordnung vom I. Oktober 1896 gebeten wird. In einer vor einige» Tagen stattgehabten Poftkonferenz wurde auf eine gestellte Anfrage von Herrn Geh. Oder-Postrath Griesbach die Miltheilung gemacht, daß die postalischen Gebäude in der Spandauerstraße eine wesentliche Erweiterung erheischen. Er fügte, wie der„Konfektionär" meldet, Hinz», daß der Geschäfts- verkehr in Berlin und namentlich im Zentrum in den letzte» zehn Jahren eine nie geahnte, fast unmöglich gehaltene Ausdehnung erfahren habe. Die Pvstverwaltuug trage gegenwärtig allein für gemicthele Räume iu Berlin eine Spesculast von einer Million Mark. Durch das a» Jude» und Hunde gerichtete Verbot, seine Besitzung zu betreten, hat der Rittergutsbesitzer S p i e k e r m a n n seine mosaischen Brüder im Millionärklub von Berlin bekanntlich schwer beleidigt. Diese Affäre ruft die Erinnerung tvach an einen Vorfall, aus dem sich ergiebt, daß Herr Spiekermann unter Um- ständen nicht allein auf Juden und Hunde, sondern auch auf Hüter der Ordnung schleckt zu sprechen ist. Am 23. Juni 1395 hat er, wie nachdem gerichtlich erwiesen winde, von einer Bierreise kommend, einen Nachttvächter in Hirschgarten als Strolch beschimpft, ihn dann in Gemeinschaft mit einem Zechgenossen durchgeprügelt und eS schließlich fertig gebracht, daß der Beamte sich obendrein noch vor Gericht verantworten mußte. Nachdem Herr Spiekermann und dessen Gesellschaft in der am 9. Oktober 1895 abgehaltenen Gerichts- sitzuug vereidigt worden war, erkannte der Gerichtshof dahin, daß keiner Partei besonderer Glaube bcizuiucffen sei und sprach den Nachtwächter frei. Ei» neuer Fall, daß Soldaten von der Schußwaffe Gebrauch gemacht haben, wird erst nachträglich bekannt. Am letzlen Sonntag Abend gegen 10�4 Uhr ging der Grenadier Hesse von der V.Kom- pagnie des Kaiser Franz Garde-Grenadier-Reginieuts mit seiner Geliebten in der Hasenhaide spazieren. In der Nähe des Garnison- Kirchhofs begegnelen dem Paare drei Strolche im Alter von 20 bis 30 Jahren. Diese suchten dem Soldaten das Mädchen zu cutreißen, um es zn vergewaltigen. Der Soldat setzte sich nach Kräften zur Wehr, war aber den vereinigten Angriffen seiner drei Gegner nicht gewachsen, zumal ihm im Kampfe das Seiten- gewehr verloren ging. Ein Schutzmann des 47. Reviers. der wahrnahm, was vor sich ging, eilte dem Bedrängten mit einer Patrouille von drei Manu, die ihm die von der 6. Kom- pagnie des Franz- Regiments besetzte Schießstandwache von der Wachstube bei der neuen katholischen Garnisoukirche mitgab, zu Hilfe. Es gelang ihm auch, einen der Kerle festzunehmen, die beiden anderen dagegen ergriffen angesichts der Patrouille die Flucht und entkamen. Die Patrouille sandle drei Kugeln hiner ihnen her. die jedoch in der Dunkelheit ihr Ziel verfehlten. Der festgenommene Strolch wurde auf die Revierwache gebracht und von hier später der Kriminalpolizei zugeführt. Er weigert sich, die beiden anderen, die mau noch nicht ermittelt hat, zu nennen. Das Seitengewehr des Grenadiers, das die Fliehenden mitgenommen nnd später weggeworfen haben, ist auf einem Bauplatz zwischen deni Bau und aufgestapelten Steinen wieder gefunden worden. Stephanö-Denkuial. Betreffs der Errichtung eines Stand- bildes und eines Grabmals für Heinrich v. Stephan haben die Unterzeichner des Aufrufs vom 22. Mai beschlossen, dem Bildhauer Uphues die Herstellung eines Staudbildes für das Reichspostmuseum sowie eines Grabmals mit einer weibliche» Figur zu übertragen. Ucber daS geplante Denkmal für die Märzgefallenen hat sich gestern der antisemitische Deutsche Bürgervereiii der Hakle'schen Thorbezirke weidlich entrüstet. Ein Vergnügen, welches den iönigs- treuen Leuten schon zu gönnen ist. Warum ein Postbeamter dcurlanbt wurde. Die„Berliner Ztg." meldet folgende unglaubliche Geschichte: Daß ein Postunter- beamler dienstlich beurlaubt worden ist, um einem General, dem es bei Veranstaltung eines Abeitdeffeits an Dienerschaft fehlte, Diener- dienste zu leisten, erregt in hiesigen Postnnterbeamtenkreiscn nicht geringes Befremden. Es wird über diesen Fall folgendes gemeldet: „Am 3. d. Mts. hatte der Generalmajor v. Specht, welcher iu Wilmersdorf wohnt, ein Abendessen veranstaltet. Da es ihm an Dienerschaft fehlte, telephonirte er an das Postamt 35 und bat den Vorsteher, er mochte doch den Posthilfsboten Laudmann, welcher früher Bursche bei ihm gewesen sei, beurlauben, damit er dort serviren Helsen könne. Der Wunsch wurde dem General sofort er-> füllt und der Poslhilfsbote Laudmann, der eigenllich bis 8>/s Nbr Dienst halte, von 5 Uhr ab beurlaubt. An seine Stelle mußte ein anderer Poslhilfsbote treten, der infolge dessen nicht nur doppelte Arbeit hatte, fondern auch'/« Stunde Dienst zugeben mußte.— Der Fall erregt umfoniehr Befremden, als man sich in den Kreisen der Postunterbeamten noch sehr wohl solgenden Falles aus dem vorigen Sommer erinnert: Vom Postamt 9 war der Postunter- bcamle Eggert gestorben. Ein mit der Familie sehr befreundeter Kollege halte bei dem Postamt 35 eine Sammlung zu einer Kranz- spende übernommen. Die Beerdigung fand an einem Soiiulag Nach- mittag statt. Der Freund konnle seinem Kollegen nicht die letzte Ehre erweisen, da der Vorsteher des Postamts 35, obgleich Vertretnngs- kosten augeboten wurden, diesen Fall nicht für geeignet hielt, um Urlaub zu bewilligen." Was sagt Herr von Podbielski zu diesen Zuständen im Post- amt 33? Die Polizei gegen de» Strasienhaiidel. Im Einverständniß mit der Regierung zu Potsdam hat dem Vernehmen nach das Polizeipräsidium eine» Polizei-Gcsetzeutwurs ausgearbeitet, wodurch dem Kleinhandel vor den städtischen Markthallen entgegengetreten werden soll. In dieser Verordnung wird das Hallen von Fuhr- werken mit Gegenständen des Wochenmarkt-Verkehrs in den Straße»- zügeu, Ivo sich die Zugänge zu den Markthallen befinden, ganz untersagt oder nur auf eine Entfernung von mindestens 200 Metern von der Markthalle gestattet. Der Entwurf ist dem Magistrat von Berlin zur Begutachtung und Bestätigung übergeben worden. Raubaufall. Das Polizeipräsidium meldet: Am Morgen des 13. November ist in dem Hause Hanuoverscheslr. 3 von dem Schuh- macher H., einem bestraften nnd gefährlichen Menschen, gegen eine Prostituirte, die ihn anS einem Nacht-Cass nach ihrer Wohnung ge- nommcn hatte, ein Raubanfall verüht worden. Als auf den Hilfe- ruf des Mädchens Hausbcivohner herbeieilten, geberdete sich H. wie ein Raseuder, zerschlug Möbel und zerschnitt 5i>eidu»gsslücke, so daß das Polizeirevier sich veranlaßt sah, seinen Geisteszustand durch den herbeigeholten Bezirksphysikus untersuchen zu lassen. Da Letzterer begntachiete, daß H. geisteskrank sei, wurde er nach der städtischen Irrenanstalt zn Dalldorf überführt. Es ist indeß nicht ausgeschlossen, daß H. die Geisteskrankheit nur simulirt, um sich der ftrafrechtlicheu Verfolgung zu entziehe», denn seine Wirlhin hat nie Spuren einer geistigen Störung an ihm wahrgenommen. Auf den H. paßt ziemlich genau die Be- schreibung. ivelche eine Prostituirte von einem Manne gegeben hat, der sie am Morgen des 6. November in ihrer Wohnung überfallen, ihr ein Taschentuch iu den Mund gesteckt und versucht hat, sie zum Fenster hcrauszustürzen. Da die Hanuoverschestraße nicht weit von dem Hause entfernt ist, in welchem die Marie Thiele er- mordet wurde, fo wird auch zu prüfen sein, ob H. als Mörder der Thiele in betracht kommen kann. Eine Feststellung in dieser Be- ziehnng dürste freilich sehr schivierig sein, da der Mörder der Thiele nicht gesehen worden ist. Tie Nffäre Fritsch beginnt sich über immer weitere Kreise auszubreiten. So wird berichtet, daß Fr. in Magdeburg eine„be- kannte" Persönlichkeit mar. Aber auch in anderen Orten Deutsch- lands hat man ihn kennen gelernt. In Bielefeld logierte er im Hotel„Teutonia" mit einem jener unglücklichen Geschöpfe als„Manu und Frau". Am späten Abend wurden die Holelgäsle plötzlich durch weibliche Hilferufe aus beut Schlafe geweckt. Frilsch mißhandelte unler Aiisstoßung der gemeinsten Schimpfworte lein Opfer, weil es sich seinen„geschästlicheu" Anweisungen nicht fügen ivollte. Wirlh und Gäste suchten den Brutalen durch Klopsen an Thüre und Wand von seinem Vorhabe» abzubringen. Es nützte aber nichts, bis die Geprügelte Gelegenheit fand, zu entfliehen. Es laufen täglich ganze Stöße von Auzeigcn bei dem Untersuchungsrichter und der Kriminal- polizei ein. Die skaudalöscn Belästigungctt, denen anständige Mädchen und Frauen namentlich in der Dmolheeu- und Friedrickstadt ausgesetzt sind, mehren sich von Tag zu Tage. Älm Donnerstag Stack- nültag mar eine in Moabit wohnende Frau K. nach der Jägerslraße gegangen, um dort bei einem Hofschlächlcrmeister verschiedene Ein- käufe zu machen. Als diese erledigt waren, ging Frau K. die Friedrichstraße hinauf, Ivo sie plötzlich in der Siähe der Passage von einem Manne aufgefordert wurde, ihren Namen zu neniien. Frau !i. beachtete den Burscheu nicht weiter und ging ruhig ihres Weges. Nach wenigen Augenblicke» berührte der Mensch ihre Schulter und richtete noch einmal dieselbe Aufforderung an sie. Frau K. sah »iinmehr den Mann verwundert an und meinte ruhig. wie sie dazu käme. einer ihr fremden Person auf der Straße Rede und Antwort zu stehen. Der Fremde entgegnete, daß er— Kriminalbcamtcr sei und zog, um sich in dieser Rolle zu legitimircn, irgend eine Blechmarke hervor, deren Echtheit die Frau natürlich nicht zu kontrolliren vermochte; des weiteren richtete er die Aufforderung a» sie, ihm zur Wache zu folge». Die ge- ängstigte Frau bewahrte äußerlich ihre Stühe und erklärte, daß sie sich keiner llebellhat bewußt sei. sie wolle schon mit auf das Revier kommen, doch möge sie zuvor de» Grund ihrer Festnahme erfahren. Ties würde ihr schon aus dem Bureau klar werden, meinte der Fremde und ging mit der Frau die Jägerstraüe hinunter. Kurz vor der Kanonierstraße forderte der angebliche Polizeibeamte Frau K. auf, ihn in einen Hausflur zu folgen. Dort zwang er sie, den Korb zu öffnen; als der Bursche die Einkäufe besichtigt hatte, meinte er, daß er sich von der Anständigkeit seiner Begleilerni überzeugt habe, sie möge jetzt nur ruhig ihres Weges gehen, die Sache sei erledigt. Mau wird eS begreiflich finden, daß Frau K in ihrer 'Angst den Rath befolgte und es unterließ, den frechen Patron fest- stellen zu lassen. Wir sind der Meinung, daß es Ausgabe der Polizei ist. ihr Augenmerk darauf zu richten, daß anständige Damen vor Beläfti- guiigen der geschilderten Art geschützt werden; die Schutzleute in der Gegend sollten augeiviesen werden, auf die Verüber dccarliger Vexalioiien strenge acht zu geben. Selbstmord verübt hat gestern Nachmittag der Theaterageut und ehemalige Direktor verschiedener Spezialitälentheatcr Arthur Fränkel. Ter Lebensmüde schoß sich.in seiner Wohnung Friedrich- slraße 79a eine Kugel in den Kops und stürzte sich gleichzeitig aus dem dritten Stockwerk in den gepflasterten Hof hinab.' Der Tod trat auf der Stelle ein. Ein nach vielen Hunderten zählendes Publikum hielt die Gegend des betreffenden Hanfes in der Friedrich» slraße dicht besetzt; die Leiche blieb im Hausflur bis zum Eintreffen der zuständigen Beamten unter Bewachung durch Schutzlcute liegen. Als Veranlassung des verzweifelten Schrittes wird angegeben, daß die Gattin Fränkel's vorgestern, nachdem sie in einer Stervcn-Hell- Anstalt iu Steglitz Aufuahme gefunden halte, sich erschoß. Ii» Kraukeiihause ist gestern die Wirlhschaslcrin Marie Stremcl aus der Wollinerstr. 28a gestorben, die am Donnerstag ihr neun Monate altes Töchlerchen Elise im Fieberwahn tödtele und sich selbst in den Hals schnitt, die Pulsaderit an den Handgelenken zu öffnen versuchte und Gift nahm. Wüste Izeneu. die von Zuhällern und Dirnen aufgeführt werden, sind in der Nostizstraße nächtlicherweile an der Tag.- ordnung. Zu einem derartigen häßlichen Sluslrilt kam es wieder am Donnerstag Abend. Eine Anzahl von Schutzleuten war nothweudig. um dem wüsten Treiben ei» Ende zu mache». Tie Einbrecher, welche in der Nacht zum 10. ds. Mls. dem Rittergutsbesitzer Lessing in Meseberg einen Besuch abgestattet und Schmucksachen von hohem Werth entwendet haben, sind von der hiesigen Kriminalpolizei in der Person des Arbeiters Thiele und des Schornsteinfegers O»appe ermittelt und hier festgenonimei! worden. Beide waren erst am 6. November aus dem Gesäuguiß zn Neu- Rnppiu entlassen worden. Der größte Theil des gestohlenen Gutes ist herbeigeschafft worden. Arbeiterrifiko. Einen tödtlichen Ausgang hat ein Banimfall genounnett, der sich am 15. d. M. in der Juterliogkevslraße, einer neuen Straße de; den neuen Kasernen an der Hajelchaide, zutrug. Hicr hatte der 41 Jahre alte Steinträger Wilhelm Hein ans der lArnneivaldstraßc 45 zn Schönct'erg aus einein Neubau Steine in den dritten Stock hinaufgetragen. ZIls er sich seiner Last entledigt hatte und nun feinem Hintermann nnsiveichen wollte, trat er fehl und strauchelte über einen Stein so unglücklich, das! er rücklings noiu Bau auf die Strohe hinnntersiel. Der Unglückliche brach sich mehrere Rippen und die Wirbelsäule und ist im Krankenhause am Urban seinen Verletzungen erlege». Wege» zahlreicher Schwindeleien ist der Nnterosfizicr Falkeubcrg von der 7. Vatlcrie des 1. Garde-Feldartillerie-Regiments verhaftet worden. In einem Nnsalle von Tänfcrlvahusinu erhängt hat sich der 68 Jahre alte Arbeiter F. K. ans der Winlerseldtstr. 1t). Feucrbcricht. Donnerstag Abend lO'/e Uhr ging B a d st r. 18 ein mit Läuferstoffen angefülltes Schanseuster in Flammen auf. Freilag früh 5 Uhr wurde die Wehr längere Zeit durch einen grvsicren Brand beschäftigt, der R i t l e r st r. 87 ausgebrochen war und leicht unberechenbaren Schaden bälle herbeiführen könne». In zwei Etagen des einen Seitenflügels besiuden sich dort geivallige Galanleriewaarcn-Lager, die nach dem Treppenflur durch eiserne Schüren abgeschlossen sind. Dieser Treppe» flur halte nun ans noch nicht ermittelte Weise Feuer gefangen, das zwar an den Eisen lhüren erheblichen Widnstand fand, dafür aber auf eine» ziveislöckige» Anbau übersprang, der bei Ankunft der Wehr bereits in Flamuic» stand und vollständig nnsbrannte. Auch die Dachkonstruktion wurde cingeäschert. Dagegen gelaug es der Feuerwehr, die iverlhvolle» Waarenlager zu decken. Um LVz Uhr crsolgle Alarm nach K c i b e l- st raste 23, ivo Zivischengcbälk brannte. Mittags 12 Uhr war W a I d e in a r st r. 53 ein Fast Spiritus in Brand gerathen. Durch energisches Eingreifen der Feuerwehr konnte ein größerer Schaden noch rechtzeitig abgewendet werden. To» seltsamen Bau der Sternwarte in Treptoiv z» schauen, war einer Anzahl geladener Personen vorgestern Abend Gelegenheit gegeben worden. Der Weg ist weit nach den Stätten hinaus, die vor anderthalb Jahren sich im Glänze eines bunten Jahrmarkts- trubels präsentirtcn und die nun in weltverlorener Einsamkeit liegen, nur hin und wieder belebt von einem wissenschaftsbegeisterte» Wanderer. Es ist nicht der schlechteste Witz in der Berliner Lokal- gcschichle, daß an den ohrenbelänbenden Reklamelärm der vor- jährigen Geiverbc-Ausstcstung nichts anderes mehr erinnert, als das von selbstlosen Leuten errichtete und der selbst- losesten Wifscuschaft dienende Instrument, das unter dem berechtigten Namen des Treptower Niesen-Fernrohrs sich in der ganzen wissenschasllicheu Welt einen Ruf erworben hat. Herr Direktor Archenhold erklärte seinen Gästen die Einrichtung des Instruments und demonstrirte an einigen Experimenten die Leichtig- keit, mit der der in seiner originalen Größe von den Fachautoritäten bewunderte Apparat sich regieren läßt; desgleichen zeigte der Direktor eine Anzahl Hiuunelsphotographicn, die seine Fertigkeit auch ans diesem Gebiete bekundeten. Leider wurde der Hauptzweck, die Be- obachtung der Himmelskörper, an dem interessanten Abend nur in bescheidenem Maße erreicht, da allmälig aus der Erde ein Nebel heraufgestiegen war, der die Beobachtung der Sternennebel unmöglich machte. Bei alledem war der Abend kein verlorener; der Gennst, von Herrn Archenhold instruirt zu werden, läßt selbst die unliebsamen Täuschungen, die Muller Natur einem bereitet, verhällnistmästig leicht verschmerzen. Taö Rcichshallen- Theater hat gestern durch eine Anzahl neuer Spezialitäten gezeigt, daß man auch ohne große Prälensiou sein Publikum angenehm unterhalten kann. Aus dem Programm heben nur die Schöuheitsgallerie dcS Herrn Robert Paxto» hervor; lebende Bilder, die nach bekannten Gemälde» gruppirt waren. Die Darstellungen gelangen meist recht hübsch und litten nnr an dem einen slörendeip Fehler, daß der Tricot zum theil mit einer schwer zu rechtfertigenden Verschwendung in Anwendung kam. Sehr hübsche Dressurkünste ließ Herr Goleman» durch seine in friedlicher Eintracht wirkenden Hunde und Katzen vollführen, und originell in ihrer grotesken Komik waren auch die unter dem Name» Kticks spielenden Exzentriks. Unter den Künstlerinnen des Gesanges ist eine Französin Mlle. Neymond zu nennen; eine Ueberrafchnng war es, Frau Jlka Paulet. die nach mancherlei Stürmen im letzten Sommer im Apollo-Theater engagirt war, im Reichshnllen-Theater in der Rolle einer Schwiegermutter wiederzufinden. Ein« Künstlerin mit echtem Soubrcttenblut war Fräulein Roberli, die an einer An- zahl harmloser, aber mit ansprechender Lebhaftigkeit vorgetragener Konplets zeigte, daß man auch auf dem Brettl wirken kann, ohne in Frivolitäten oder platte Abgeschmacktheiten zu versallen. I» der Urania in der Jnvalideustraße wird heute der bekannte Ingenieur von Siemens n. Halske, Herr Regieruugs- Baumeister Brau», einen Vortrag über„elektrische Eisenbahnen" halten; die Ausführungen über dieses äußerst aktuelle Thema werden durch zahl- reiche Lichtbilder erläutert werden. Ans de«» Nachbarorten. Bei der am Tonncrstag tu Adlcrshof abgehaltenen Gemcinde- raths-Ersatzwahl der Wähler dritter Klasse ist tinser Parteigenosse Otto Wadepuhl mit 122 Stimmen gegen den freisinnigen Kandidaten, der nur 34 Stimmen erhielt, gewählt worden. Tc» Pat teigonosse» von Steglitz und Friedena» zur Nach- richt, daß der nächste Lese- und Diskutirabend des Arbeiter-Bildungs- Vereins am Dienstag, den 23. d. M., abends S'/j Uhr, in Friedenau bei Weinert, Rönnebergstraße 8, stattfindet. Um rege Betheiligung wird gebeten. Der Vorstand. Siralan-Rnmmclöbnrg. Der Kassircr des sozialdemokratischen Arbcilcrvercins für Stralau. Rninmelsburg und Umgegend, Genosse Max B i t t e r h o f, wohnt Mozartslraße 4, 3 Treppen. Der Vorstand. Köptniök. Den Parteigenossen zur Nachricht, daß am Sonn- abend'Abend, den 20. d. Mts., ein Wahl- Flugblatt verbreitet wird. Genossen, welche sich an der Verbreitung betheiligen wollen, werden ersucht, sich um 6>/2 Uhr abends bei Ad. Schulz, Cchönerlindcrstr. 3, einzufinden. Um zahlreiche Belheiligung ersucht Das W a h l k o m i t e e. Charlottcnbnrg. Die Stadtverordnetenwahlen der zweiten Abthcilnng haben das Resultat gehabt, daß im ersten Bezirk drei liberale Kandidaten gewählt wurden, desgleichen wurden im dritten Bezirk vier Unpolitische gewählt. Im zweiten Bezirk kommt es zur Stichwahl zwischen Liberalen und Unpolitischen. Ein gefährlicher Kcllcrbrand in dem Kohlenvorrath eines großen Fadrilgebäudes rief gestern früh 5 Uhr in Schöneberg die dortige Feuerwehr»ach der Belzigerstr. 61. Das gewaltige Grund- stück, dessen Gebäude sich um drei Höfe grnppiren, ist in allen seinen Th-llen, auch einschließlich der Höfe, unterkellert, und in den Kellern lagern ungeheure Mengen von Kohlen. In der vorigen Woche waren in die Keller unler dem dritten Hose Kohlen angefahren worden, die vcrmulhlich naß waren und sich nun durch die Lagerung selbst entzündeten. Der Brandherd war bei der großen Ausdehnung der Keller so schwer zu finden, daß die Feuerwehr nicht weniger als volle anderthalb Stunden(!) brauchte, um an den Herd des Feuers heranzukommen. Die Ablöschnng machte dann nicht sehr große Schwierigkeiten, da das Feuer noch keine große Ansdehnung erlangt halte. Ein blutiger Kampf zwischen Wächter» und Dieben, in welchem ein Wacht er getödtet wurde, spielte sich in der Nacht zum Donnerstag in N i« d e r- S ch ö n e w e i d e ab. Infolge mehr- sacher Diebstähle an Schienen, welche im Hof der chemischen Fabrik von Knhnheim vorgekommen waren, hatte man drei Wächter angestellt, denen die spezielle Aufgabe oblag, die Diebe bei ihrem zu erwartenden Wiederkommen festzunehmen. In der erwähnten Nacht stellte sich eine ganze Bande von Dieben ans dem Hose ein. und eS enispann sich ein heftiger Kampf zwischen ihnen und den drei Wächtern. Einer der Wächter erlitt dabei so schwere Verletzungen, daß er kurz darauf starb, ein zweiter wurde schwer verletzt. Es sind bereits mehrfach Ver- hastungeu vorgenommen worden, und man hofft zuversichtlich, der Misielhäter habhaft zu werden, von denen auch mehrere erhebliche Verwundungen davongetragen haben und dadurch voraussichtlich ans- fällig werden dürsten. Ans LandSbcrg a. W. wird uns geschrieben: Ein gräßlicher Unglücksfall ereignete sich vor einigen Tagen in der Holzbearbeilungs- sabrik von Ferd. Bendix Söhne. Es ist dies jene Fabrik, in welcher wegen eines Tagesverdienstes von einer Mark seinerzeit mehrere Holzbildhauer die Arbeit niederlegten, wozu, wie in einer Verhand- lnng vor Gericht der Staatsanwalt selbst ausführte, dieselben be- rcchtigten Grund gehabt haben. Lohnreduktioneu sind in dieser Mustersabrik, welche nach dem ersten Jahre ihres Bestehens als 'Ilktien- Unternehmen eine fette Dividende zahlen konnte, an der Tagesordnung. Der Arbeiter Troschle, ein junger Mann in den zwanziger Jahren und erst seit kurzem verheirathet, welcher an einer Kehlmaschine beschäftigt war, wollte ein paar Minute» vor 12 Uhr, als die Dampfmaschine langsamer zu gehen begann, den Treibrienien seiner Maschine, den er mit Riemenösen zniammenhakle, auf die Welle legen. Hierbei wurde er von der Welle ersaßt und so furchtbar zugerichtet, daß er in wenigen Augen- blicken starb. Erst im Frühjahr ist fast an derselben Stelle aus ähnliche Weise ein Arbeiter getödtet worden. Die Ursache der Un- fülle ist unstreitig darin zu suchen, daß die Arbeiter während der Bewegung der Maschine das Riemenanslegeii vornehmen wollen. Und das geschieht leider immer wieder, denn die Maschine hält nicht an, außer in de» vorgeschriebenen Pansen, und wenn die Ar- beiler eben bis dahin warten solle», dann schmälern sie sich den ohnehin sehr kargen Verdienst. KnnZk und Zvi�senMznfk. — Aufdeckung alter karthagischer Wasserlcitungs-Kanäle. Ans Paris wird geschrieben: Dem Zivilkonlrollcur Ollivier von Tunis ist eine wichtige Entdeckung gelungen. Bei einer seiner Rundfahrten hatte er Anzeichen für das Vorhandensein einer großen Menge Wassers sechs Kilometer von Tunis landeinwärts gefunden. Die Bantenverwaltnng stellte Nachgrabungen an, und man deckte zwei große unterirdische gewölbte Kanäle auf, die auf die Ruinen des allen Karthago zusührlen. Bedeutende Arbeiten werden ersorder- lich sein, um das ganze Werk freizulegen, aber der bereits ans Tages- licht geförderte Theil weist schon große unterirdische Kammern mit Nischen ans, in denen sich höchst wahrscheinlich Standbilder be- funden habe». Große Treppen aus rolhem Marmor sühren zu ihnen. Der augenblickliche Wassergehalt ist noch recht bedeutend, obgleich die Quellen versandet und verstopft sein müssen. Ihre genaue Lage konnte noch nicht scslgestclll werdrn. Diese Arbeilen scheinen vor der römischen Epoche ausgeführt worden zu sein und zur Wasserversorgung des phönizischen Karthagos gedient zu haben. — Ucbcr die von Nansen geplante Südpol-Expedition macht I o b a u n s e n, der Begleiter Nansen's ans seiner Wanderung zum Nordpol folgende Miltheilungen: Die Südpol- Expedition soll viel größer werden, als die nach dem Nordpol. Außer dem„Frani" wird noch ein großes Schiff, das„Starkoddcr" getauft wird, mit- fuhren. Viele Hunde sollen mUgenommen werde»; auch würde eine ganze Anzahl Gelehrter die Fahrt»lilmnche». Das eine Schiff soll ins Packeis hineingehen, so weit ivie irgend möglich, und sich ein- sriercn lassen. Von diesem Punkte aus werde» dann Schlitten- Expeditionen gemacht werden. Das andere Schiff soll längs des Eisrandes fahren, Tiesmeffungen, Bodenunlersuchungen und andere wissenschaftliche Unlersuchnngen vornehmen.— t. Ein Krankheitserreger dcS BlascnsteincS gefunden? Der Missionsarzl Schenke in der großen chinesische» Hasenstadt Canton hat dort im Laufe seiner Thätigkeit schon über 600 Operationen an Blasenstein ausgeführt und festgestellt, daß diese Krankheit dort geradezu epidemisch herrscht. Die Steine bestehen in den meisten Fällen aus Harnsäurc-Verseftigiingen. Hauptsächlich werden solche Leute davon ergriffen, die ans dem Flusse leben oder durch ihre Berussthätigkcit in ständige Berührung mit dem Fluß- ivasser kommen. Schenbe hält es danach für ivahrscheinlich, die Ur- fache dieser Krankheit in einem Parasiten zu suchen, der im Fluß- ivasser lebt, mit diesem in den menschlichen Körper hineingelangt und dort zur Sleinbildung Veranlassung gwbt. Ter genannte'Arzt hat nach dieser Richtung eine» Saugwurm, vistomum Iraeinatodium, der das Blutharne» beim Menschen veranlaßt, im stärksten Verdacht und fordert die in Hinlerindien und China lhätige» Aerzte n»f, ihre Unlersuchungen anf diesen Gegenstand zu lenken. Außer in Canton ist die Steinkrankheil noch besonders in Bangkok und in anderen Theilen von Siam verbreilet.— Ein aktipev Schuhmann wegen qualifizirlen Hausfriedens- brnchs aus der Anklagebank— dieses Schauspiel bot gester» die 133. Abtheilung des Amtsgerichts I. Der Schutzmann Florian to m m e s hat in dem Hause Putbuserstr. 42 eine Wohnung inne. eine Söhne gaben insolge ihres unpassenden Benehmens den übrigen Miether», unter welche» sich auch ein Kollege des Angeklagten be- findet, vielen Grund zu Beschwerden, indem sie allerlei Allotria trieben und oft unter lautem Pfeifen und Johlen die Treppen her- unlerjaglen. Der Hansverwaller Heine, früher ebenfalls ein Kollege des'Angeklagten, sah sich infolge dessen einmal veranlaßt, einen der wilden Junge» ins Verhör zu nehmen. Er machte ihm Vorhaltungen darüber, daß er sich wie ein Strolch be- nehme, erhielt aber von dem Bengel die freche Antwort, nicht er sei ein Strolch, sondern höchstens der Verwalter selbst. Uebcr diese Frechheit im höchsten Grade empört, schrieb Heine an den Angeklagten einen Brief, in welchem er sich über das Benehmen des Jungen beschwert«, wobei er diesen wiederum«inen Strolch nannte. Als am 2. September d. Js., bald nach Empfang des Brieses, der Augeklagte mit der Waffe versehen vom Dienste kam, begab er sich schnurstracks in die Heine'sche Wohnung, nni über den Brief zu sprechen. Er war sehr erregt und redete sich schließ- lich in eine solche Wuth hinein, daß er wiederholt mit der Faust auf den Tisch schlug. Heine verbat sich das und forderte bei jedem Faustschlage den Angeklagten auf, feine Wohnung zu verlassen; dieser aber wich und wankt« nicht, sondern behauptete, er sei d i e n st I i ch und geschäftlich a n tv e s e» d. Erst nach der sünften, ziemlich energischen Aufforderung fand er es angemessen, sick aus der Wohnung deS Verwalters zu entfernen. Vergebens wartete Heine darauf, daß sich der Angeklagte entschul- digen sollte, und erstattete schließlich Anzeige bei der vorgesetzten Dienstbehörde des Angeklagten nut der Bitte um Beftrasnng des- selben im Disziplinarwege. Bei Heine's Bernehmung vor dem zu- ständigen Polizeilieulenant äußerte sich dieser dahin, der Angeklagte müsse wohl betrunken gewesen sein, deshalb möge er aus eine Be- strafung verzichten. Die Angelegenheit wurde aber schließlich der Staatsanwaltschaft übergeben. Der Staatsanwalt hielt den Auge- klagten im Sinne der Anklage für schuldig und beantragte einen Monat Gesängniß. Der Gerichtshof nahm dagegen nicht an, daß der Angeklagte sich mit der Waffe versehen hatte, um sich ein dienst- liches Ansehen zu geben; er erkannte deshalb nur wegen einfachen Hausfriedensbruchs auf die geringste zulässige Strafe von 3 M. oder einen Tag Gesängniß. Wegen Beleidigung des Polizeilieutenants Förster und des K r i m i n a l s ch n tz m a n n s Thiele war seinerzeit der Restaurateur Christian Lantenbach vom hiesigen Schöffengerichte zu 50 M. Geldstrafe verurtheilt worden. Der Staatsanwalt hatte da- mals sogar wegen Beleidigung ans ß 167 des Strafgesetzbuchs (wider besseres Wissen) 150 M. Geldstrafe beantragt. Gegen da» Urlheil war sowohl vonseiten des Angeklagten als auch des Staats- anwalls Berufung eingelegt worden. Vor der 6. Strafkammer des Landgerichts I als Berusungsinstanz kam die Angelegenheit nuninehr gestern zur nochmaligen Verhandlung. Bei Gelegenheit eines Streites mit einem Gaste hatte der Angeklagte die Hilfe des Kriminal- schutzmannS Thiele in Anspruch genommen, dieser aber dem Ersuchen nicht gewillfahrt. Ans den Bewegungen des Kriminalschutzinannes schloß der Angeklagte, daß dieser betrunken sei. Er ging deshalb ans das zuständige Polizeirevier und trug die Angelegenheit dem Polizeilicutenant Förster vor; außerdem beabsichtigte er über das Benehmen des Thiele eine Beschwerde beim Polizeipräsidium ein» zureichen; er hielt dann aber nach Rücksprache init dem Polizei- lientenant Förster das betreffende Schriftstück zurück. Der Polizei- lieutenant soll ihm erklärt habe», Thiele habe bereits ein Attest eingebracht, daß er nicht betrunken gewesen sei; ein von dem An- geklagten eingereichtes Konzessionsgesuch werde schon dnrchgebracht werden. Diese Aeußerung war von verschiedenen Personen, welchen der Angeklagte sie mitgelheilt hatte, entstellt weiter verbreitet worden. Als Polizeilieutenant Förster und Kriminal- Schutz- mann Thiele davon Kunde erhiellen, erstatteten sie Strafanzeige wegen Beleidigung. Rechtsanwalt Dr. Schöps, als Verlheidiger des Angeklagten, nahm für seinen Klienten den Schuh des § 193 des Strafgesetzbuches in Anspruch. Nach Vernehmung zweier Zeugen wurde gestern aus weitere Beiveisansnahme verzichtet, worauf der Staatsanwalt seine Berufung zurückzog und die Frei- sprechung anheimstellle. Der Vertheidiger schloß sich diesem An- trage an und der Gerichtshof erkannte demgemäß, indem er annahm, daß der Angeklagte über den Rahmen der Kritik nicht hinausgegankcn war und sehr gut der Meinung sein konnte, der Kriminal- s ch u tz in a n n sei bei dem fraglichen Vorfall b e» trunken gewesen. Ter Polizeistaat gegen die Polen. Am 2. Mai d. I. waren Mitglieder des katholischen(polnischen) Jndnslrievereins von Schneide- mühl in einem Lokal zufammengekoininen. Die Polizei sah das als eine Vereinsversamnilung an und ließ dem Vorsitzenden des Vereins, Ja n isla, ein Strafmandat über 15 M. zustellen. Sie machte zur Begründung geltend, der Verein sei ein politischer Verein und die Versammlung hätte darum nach Z I des Vereinsgesctzes 24 Stunden vorher angemeldet iverden müssen, was unterblieben sei. I. beantragte richterliche Entscheidung, indem er anssührte. die Zusammenkunft sei gar keine Vereinsversammlung gewesen. Nur mehrere Freunde wären zulaminen gewesen. Schöffengericht und Landgericht ver- urthcilte» aber I. ebenfalls; die Straflammcr that es mit folgender merkwürdige» Begründung: Es habe sich augenscheinlich doch um eine Vereinsversam»iluiig gehandelt. Und zwar sei anzunehmen, daß dort öffentliche Augelegenheiien erörtert werden sollten, da ja der Verein n a ch d e r Erklärung der Polizei ein p o l i t i s ch e r V e r e i n sei. Diese Methode der Rechtsprechung ging sogar dem Kammergericht zn weit. Es hob die landgerichttiche Enlscheibung aus die Revision des Angeklagten mit folgender Be- gründung anf: Zwei Rechtsirrthümer habe der Vorderrichter be- gangen. Zuerst nehme er nnznlässigerweise an, der Verein sei ein politischer Verein, weil ihn die Polizei dafür erkläithabe. Die Polizei könne das ja garnicht seststellen. Eulscheidend sei, was der Verein lhue, und das festzustiUen, sei Sache des S t r a s r i ch t e r s, nicht der Polizei. Zweitens sei es falsch, aus der Thalsache, daß ein Verein politisch sei, den Schluß zu ziehen, jede seiner Ver- sammlunge» bedürfe der polizeiliche» Anmeldung; denn es bezwecke doch nicht jede Versammlung eines derartigen Vereins, auf ösfent- liche Augelegenbeiten einzuwirken, worauf cs allein ankomine, Versammcllr» sich die Mitglieder eines politischen Vereins zu anderen Zwecken, so brauche eben die Versammlung nicht polizeilich a n g e m c l d e l zu werden. Die Sache wurde zu anderiveiter Entscheidung in die Vorinstanz zurückgewiesen. Ein patriotischer Trnckschriftenvcrlag. Unter der Anklage der betrügerischen Kolportage hatten sich gestern der Verlags- buchhändler Ernst Finking, dessen Geschäftsführer Karl Julius Stock und der Kolporteur Wilhelm K a s ch in i e d e r vor der I. Straskammer des Landgerichts l zu verantworte». Den Vorsitz führte Landgcrichtsrath Dietz, die Anklage vertrat Staats- auwalt H elbig, die Vertheidigung führten die Rechtsanwälte Bunge, Dr. S ch w i n d t und B o r ch e r t. Die Angeklagten sind des Betruges beschuldigt. Finking, welcher früher in anderen Städten als Kolporteur Ihätig war, und wegen Vertriebs von Licserungswerkeii unter salschen Vorspiegeluiigeii vorbestrast ist. ist im Jahre 1889 nach Berlin gekommen und übernahm zunächst von dem Bnchhäudlcr Kittel den Generalvertrieb dcS in dessen Verlage erschienenen patriotischen Snmmel- Werkes„ G e r»i a» i a' s Ruhm und Ehre". Später verlrieb er daneben noch eine ebenfalls im Kittel'schen Verlage erscheinende deutsche Uebersetzung eines in englischer Sprache erschienenen„Lebens Jesu" von Farrar. Später, im Jahre 1894, gründete er selbst in der Chansseestr. 3 ein« eigene Verlagsbuchhand- lung, deren Betrieb ebenfalls in dem Verlage und Vertriebe von Liefernngswerken religiöse» und patriotische» Inhalts bestand. Stock versah bei Finking die Stelle eines GeschästssührerS und halte mit Hilfe eines Buchhalters die Buchsührung, Kassensührnng und Korrespondenz zu besorgen. Die Agenten und Kolportcure der Firma gingen über ganz Deutschland, hauptsächlich aber über Nord- deulschland. Außer den beiden oben genannten Werken vertrieben sie eine angeblich ebenfalls ans dem Englische» übersetzte „Chronik von Palästina", welche von Finking selbst gedruckt und verlegt wurde und ein Sammelwerk„Unser Volk in Waffen", welches im Verlage von W. Pauly Nachfolger erschien und dessen Generalvcrtrieb Finking nbernonimen hatte. Agenten und Kolporteure sollen nun, wie die Anklage behauplel, bei dem Vertriebe dieser Licferungsivcrke eine betrügerische Geschäfts- Praxis angewandt haben. Sie sollen unler Vorlegung der besonders gut ausgesührten und umfangreichen beiden ersten Hefte des Werkes bei der Aufforderung zur Subskription über den Umsang des Werkes! ivahrheitsividrige Angaben gemacht haben. Dieselben bezogen sich auf die Anzahl der Lieferiiiigen, in denen das Werk erscheine. Manchmal sollen die Abonnenten in den Glauben versetzt worden sein, die Lieferungen beständen aus je einem Hefte, während sie nachher thalsächlich ans zwei oder mehr Heften bestanden. Eerner sollen de» Abonnenten falsche Angaben über die inbanddccken gemacht und sie vielfach in den Glaube» versetzt worden sein, daß diese gratis oder zum Selbstkostenpreise ab- gegeben würden, während es nicht der Fall war. Betrügerische Vor- spiegelnngen werden auch darin gesunden, daß den Abonnenten durch eine anf den Umschlägen befindliche Bemerkung oder in vielen Fällen auch außerdem noch ausdrücklich durch die Reisenden ver- sichert wurde, daß der Reinertrag ganz oder zum theil für patriotische oder wohlthätige Zwecke verwendet werden solle. Die Beträge. welche Finking thalsächlich an genieinnützige Institute, Armen» nnstallen ic. absührte, solle» aber in einem solchen Mißverhältnisse zu dem wirklich erzielten großen Reingewinn gestanden haben, daß die Anklage diese Erklärung nnr als ein Scheinmanöver betrachtet, darauf berechnet, linler dieser patriotischen bezw. Hitinaniläts- flagge recht viele Abonnenten einzufaiiaen. Die Anklagebehörde hat hernusgerechnet, daß Finking an den Werken„Das Leben Jesu" und „Germania's N»h»i und Ehre" 40—50 000 M., an dem Werke„Unser Volk in Waffen" aber etwa 96 000 M. verdient haben müsse, da- gegen im ganzen nur 507 M. für patriotische und wohlthätige Zwecke abgeführt habe. Was die Kolportage- Reisenden, zu denen der Angeklagte Kaschmieder gehörte, betrifft, so wurden sie durch Inserate zusammengesucht und zunächst durch sogenaiinie Ober»Reisende angelernt und- dann mit einem Milsterbuch, sowie mit einer Anzahl von Exemplaren der ersten beiden Hefte auf den Abonnentenfang ausgeschickt. Kaschmieder soll dabei ganz besonders dreist vorgegangen sein. In einigen Fällen hat er sich als„Missionar" eingeführt, der demnächst wieder nach Afrika abgehen werde; er hat dann auch die Gaben, die ihm in der Form des Abonnements auf die LieferungSwerke zu« floflen, stets mit eiiiem„Gott lohne es Ihnen" in die Tnsche flcftedt.— EKmnitliche drei Äugeklagte bestvittt» ihre Schuld. Die luufaugreiche Be,veisn»snahuie. bei welcher eine große Reihe kommissarischer Zeugenaussagen zu vmverihen war, erstreckte sich aus die Frage, aus u' essen Anordnung die Reiuertrags-Verinerlc aus die Lieseruugsuiuschläge gedruckt worden, welche etwaigen falschen Vorspiegelungen nachweisbar sind und worin in den'Einzelfällen die Schädigung der Abonnenten bestanden habe» kann. Das Ergebniß der Verhandlniigen war, daß der Staatsanwalt gegen F i n k i n g sechs Monate, gegen Stock drei Monate, gegen Kaschmieder ein Jahr Gefängniß beantragte. Der Gerichtshof sprach die beiden ersten Angeklagten frei und vcrurtheille Kaschmieder zu sechs Monaten Gefängniß, die als verbüßt erachtet wurden. Wegen„Bedrohung" cincS LehrerS stand gestern die Glasermeisters-Ehefran Anna Wiese vor dem Schöffengericht. Die Angeklagte hat einen elfjährigen Knaben. Eines Tages hatte der Schüler eine Züchtigung erhalten. Als die Erholungspause eintrat, lief er nach Hanse. Die Mutter brachte ihn zwar sofort zurück, aber sie bennhte dabei die Gelegenheil, dem Lehrer allerlei Vor- Haltungen zu machen. Sie fragte n. a., wie es komme, daß der Lehrer bei jeden» vorkommenden Falle Anzeige«»statte,»venn der Knabe die Schule versäume. Sie müsse dadurch ja viele Strafen bezahlen und»venu sie dies auch könne, da sie ja die Frau Glasermeister Wiese sei, so sei ihr dies doch nnaiigenehm und»venu sich dies »viederhole, so»vürde sie dem Lehrer ihren ältesten Sohn schicke», der einmal unter vier Auge» mit ihm sprechen solle. Der Lehrer verstand diese Drohung und»vies sie hinaus. Dem Schul- diencr gegenüber druckte die Angeklagte sich»och»nverblüinter ans: Ihr Sohn solle dein Lehrer die Knochen im Leibe zer- brechen. Als die Angeklagte, die sich als eine höchst erregte Frau zeigte, den auf 30 M. Geldstrafe lautenden Urtheilssprnch vernahm, ließ sie sich zi» einer»ngezogene» Aeußerung hinreiße». Der Staats- nnivalt»vollte eine Ordnungsstrafe beantrage», er kam aber nicht dazu, denn die Angeklagte fiel in Ohiiinacht und mußle zun» Saal binansgelragen»Verden. Es»vnrde von der Verhängnng einer Ordnungsstrafe Abstand geuommen. Wogen»»berechtigter Züchtigung einer Schülerin»var der Rektor Patzkc der 124. Gemc>ndesch»»»e in. der alten Jakobslraße verklagt»Vörden. Er Halle an» 3. Juni d. I. die sechs Jahre alte, schivächliche Tochter des Schneidermeisters Krakoiveli, die in einer andere» Schule eingeschult»var, vor seinem Schillhanse stehe» sehen. Er forderte sie zun» Weitergehen auf, und da sie seiner Ansforderung nicht so rasch,»vie er es»vünschte,»achkam, zog er sie vo»n Bürger- steig in die Schllle»nd züchtigte sie. Nach der Behauptung»»ehrerer Angenzeugen sollen die Züchtigungen das übliche Maß überschritten haben. Ein Arzt stellte an der Kleinen erhebliche blaue Flecke fest, auch soll ibr Schaum vor dem Munde gestanden haben. In der ersten Instanz »var Rektor P. freigesprochen worden, da er sich in einem„Jrrthuiu" befunden habe. I» der gestrigen Bernfnngs-Verhandlnng riclh der Richter zum Vergleich, indem er darauf hinivieS, daß n a m e» l- l i ch durch die letzten S ch n l m i ß h a n d l u n g e n in Schöneberg und Charlotten bürg schon böses Blut genug erregt»vorbei» sei,»nd daß,»venu auch die Aussagen der Kinder nicht viel bedeuten, doch die moralische Schuld des iltektors feststehe, da er sich zum mindeste» nicht irre» dürfe. Es nnirde festgestellt, daß Rektor P. den Vater des Kindes nicht zu einer Rücksprache vor- gelassen hatte,»vesbalb der Klagciveg beschritten»Verden mußte,»in» die Berechtigungslosigkeit der Züchtigung sestznstelten. Stach dem zu stände gekommenen Vergleich muß Sicktor P. sämmtliche Kosten, die sich ans mehrere hundert Mark belaitfen, bezahlen,»nährend Schneider- »neister K. die Klage zurückzieht. Tie Nngiliiakeit der Schöneberger Stcncrordnnng vom 22. November 1891 suchte ei» Grundbesitzer Richnviv daraus herzuleiten, daß dies kommunale Gesetz für die Besteuerung des Grund und Bodens keinen besliuunlen Satz feststellt, sondern die Feststellung des Steuersatzes für jedes Jahr einem Gemeindebeschlusse vorbehält. Der erste Senat des O b e r- V e r>v a I t n n g S g e r i ch t e s erklärte jedoch»vie die Vorinstanzen diese Auffassung für rechlsirrlhümlich. Das Kommunalabgaben-Gesetz entHalle keine Bestimmung, ivonach anzunehmen»väre, daß ein unabänderlicher Steuersatz ein»vesent- liches Erforderniß jeder direkte Sleitern einführenden Steuer- oidnnng sei. Ter Polizeistaat gegen die Sozialdemokratie. Ter Reichs- tags- Abgeordnete für Frankfurt n.M., unser Parteigenosse W. Schmidt, ist»vege» eines sonderbaren„Vergehens" in ziveiler und in letzter Instanz vcrurtheilt»vorden. Er hatte deklamatorische Vor- träge gehalten, ohne davon der Frankfurter Polizei 48 Stunden vor- her Anzeige gemacht zu haben. Dadurch soll Schmidt eine Regie- rnngs- Polizeivcrordnnng verletzt haben, die eine solche Anzeige für öffentlich dargebotene Gesangs- und deklamatorische Vorträge vor- schreibt. Der Fall liegt folgendermaßen: Am Todestage Lassalle's fanden sich in» Jahre 1S9!> i» einer öffentlichen Wirth- schaft Frankfurts eine Anzahl Genoffen und Genossinnen zivanglos znsamnien. Man unterhielt sich; Schmidt gab den» Drängen der Freunde nach und trug Gedichte von Hcrwegh und Berangör vor. Dafür bedachte ihn der Polizeipräsident mit einer Geldstrafe von IS M. Schmidt beantragte richterliche Entscheidung und hatte auch das Vergnügen, vom Schöffengericht freigesprochen zu werden. Die Staalsanivnllschafl ließ jedoch nicht locker, und so »vnrde er denn in ziveiter Instanz»nieder zu IS M. Strafe ver- »»rlheilt. Während das Schöffengericht die sragliche Verordnung vom 1. August 1893 überhaupt sür»»»giltig erklärt und ausgesprochen halte, Schmidt hätte auch in» entgegengesetzten Falle nicht bestrast »veiden können,»var die Strafkammer durchaus anderer Meinung. Sie führte ans, das Schöffengericht irre mit der Annahme, 8 ll3<». der Geiverbe- Ordnung entHalle bezüglich der deklamatorischen und ähnlicher Vorträge so generelle Bestimninngen, daß die Polizei- behörden daneben keine anderen Vorschriften, die dasselbe Gebiet betreffen, erlassen dürfe. Und zivar sei diese Annahnie irrig, »veil§ 33 a nur von der g e>v c r b s»» ä st i g e n Ver- anstallung von Singspieleu, deklamatorische» Vorträgen und dergleichen spreche. Die Verordnung bezivecke, die Ordnung und Gesetzlichkeit in Versammlungen z>» sichern, sie sei deshalb gesetzlich zulässig. Auch habe sich der Angeschuldigte ziveifel- los strafbar gemacht,»venn er auch nicht vorher geivnßt habe, daß er bei jener öffentlichen Znsannnenkunft Gedichte vortragen»vürde, ohne daß dabei ein höheres Interesse der Kunst oder Wissenschaft obivaltete. Schmidt legte Revision ein und machte geltend, die Ver- ordnnng von 1893 sei ungillig. Durch ihren Erlaß»verde nicht nur § 33a der Geiverbe-Ordnung, sonder» auch Artikel 27 der preußischen Verfassung und das Vereins- und Versammlungsrecht verletzt. Sie enthalte eine unzulässige Beschränkung des ketzeren. Uebrigens habe es sich nur»»» eine Improvisation gehandelt, von der man doch nicht 46 Stunden vorher Kennt,»iß habe. Das Kammer- gericht bestätigte aber gestern die Entscheidung des Landgerichts. Die Verordnung von» 1. August 1893 finde ihre Stütze im§ K et deS Polizei- Vermalt, lngsgesetzeS, wouach z» den Gegenständen polizeilicher Vorfchristen gehört: die Ordnnng und Gesetzlichkeit bei dem öffentlichen Zusammensein einer größeren Anzahl von Personen. Eine Verletzung der Verfassung liege nicht vor, ebensoivenig ei» Verstoß gegen das Vereinsgesetz. Allerdings sei»ach der Verordnung jede Improvisation bei öffentlichen Znsannnenknnfleii unzulässig, und gerade desivegen habe Schmidt bestraft »verde» müsse». Um- nnd Ansbantei, über die Fluchtlinie hinaus können nach Z 11 des Gesetzes vom 2. Juli 1875 behördlich untersagt»verde», �»vo die Baustuchtlinien festgesetzt sind. In Königsberg besitzt der Kaufmann Grigatis ans dem obere», Fischmarkt«ine sogenannte Bude,»voran der„Zahn der Zeit" schon tüchtig genagt hat. Er »vollte das Bauiverk mit neuen Brettern und Dachpappe ans- flicke», wurde aber von, Polizeipräsidium daran gehindert,»veil das «in Um- und Ausbau in» Sinne des genannten Gesetzes sei. Seine Besch>verde» blieben erfolglos. Der Oberprästdent von Bisuiarck vertrat denselben Standpunkt»vie der Polizei- Präsident und machte ferner gegen die eingereichte Klage des GrigaliS folgendes geltend: Die Bude verunziere den Platz und ihre Beseitigung sei ein dringendes Bediirfniß. Jede Erlaubniß, neue Bretter anzubringen,»väre eine Konzession, aus der G. das Recht herleiten könnte, die Bude ganz zu erneuern. Und da die Dachdeckring ursprünglich eine solche von Steinen sei,»vürde das Anbringen von Dachpappen eine» Umbau bedeute». Der eigentlich »othlvendige Abbruch der Bude könne zur Zeit lediglich deshalb noch nicht gefordert»verde»»,»veil bei ihrer leichte», Bauart äugen- blicklich eine direkte Gefahr für das Publikum noch nicht vorliege. Das Ober-Verivaltnngsgericht setzte die Verfügung der Polizei nnd den Bescheid des Herrn v. Bismarck außer kraft. Beide Instanzen hätten den Begriff des Um- und Ausbaues viel zu »v e i t gefaßt. Es»verde daraus»och kein Um- oder Ausbau,»venu bei Reparaturen einzelne Theile durch neue ersetzt würde»». Ei» Strafverfahren, das in JnnnngSkreisen Aufsehen erregt, hat jetzt das K a in in e r gericht erledigt. I» der Provinz Brandenburg rivalistren mit einander im Barbier- nnd Friseur- geiverbe zivei Jnunngsparteien. Zunächst besteht der Bund deutscher Barbiere. Friseure und Perrückenmacher, der in der Provinz etiva 49 selbständige Innungen umfaßt. Dazu gehört auch die Innung in Fürstenivalde. der der Regierungspräsident am 7. August 1886 ans grund des Z 100e Nr. 3 der Geiv.-Ordn. das Lehrlingsprivileg verlieh. Damit»vnrde alle» Arbeitgeber», die der Innung nicht angehören, obivohl sie ein in der Innung vertretenes Geiverbe betreiben und zur Ausnahme in die Innung fähig ivären. untersagt. Lehrlinge zu balte». Die andere Partei ist die ehemalige Berliner Frisellr- und Perrückeninacher-Jnnung, deren Bezirk unlängst von» Minister auf die ganze Provinz Brandenburg ausgedehnt»vnrde, d. h. alle selbst- ständigen Friseure und Perrückenmacher der Provinz dürfen in die Innung aufgenoinmen»verde». Dieser Innung»vnrde zur Zeit, als ihr Bezirk»» r Berlin umfaßte, ebenfalls jenes Privileg anS dem§ IVOo der Gewerbe-Ordnung ertheilt. Das sragliche Slrafverfahren»var gegen eins ihrer Mitglieder, den Herrn He»ine i» Fürstenivalde, eingeleitet»vorden,»veil er einen Lehrling beschäftigte. Die Staatsanivaltschaft machte geltend, in Fürstenivalde hätte» nur die Mitglieder der dortigen, den» Bunde angehörende» Innung das Recht. Lehrlinge anszubilde». Wen» auch Herr He»)»e Mitglied der Berliner Friseur- und Perrücken- niacher-Jnnung sei, so komme ihn» doch das ihr seinerzeit ertheilte Lehrlingsprivileg nicht zu gute. Denn der Minister habe »vohl den Bezirk dieser Innung ans die ganze Provinz ausgedehnt, nicht aber erklärt, daß damit auch das ihr früher ertheilte Vorrecht der Lehrlingsansbildung ans ihre»euen Mitglieder in der Provinz ausgedehnt»verde» solle. Eine solche Ausdehnung hätte aber ausdrücklich ausgesprochen»verde» uiüssen. Herzne»vnrde jedoch in der Bernsungsinstanz f r e i g e- s p r o ch e». Das Landgericht nahm a», mit der Ausdehnung der Innung sei auch das Privileg ausgedehnt»vorden. Hiergegen legte die Staatsamvaltschast Sievision ein, indem sie ausführte, daß das Privilegium der Lehrlingsansbildniig eine strenge Kontrolle über die einzelnen Jnnungsmitglieder voraussetze. Eine solche Kontrolle könne aber eine Innung, die ihren Sitz in Berlin habe, nicht über ihre Mitglieder in Freienivalde ausübe». Das Kannnergericht»vies indessen die Revision als n n b e g r n» d e t zurück. Es sei anzu- nehmen, daß die Ausdehnung der Innung sich auch auf das Lehr- lingsprivileg erstrecke. Schon deshalb habe Heyne den Lehrling be- schäftigen dürfen. Im übrigen sei aber die Verfügung,»vodnrch die Fürstenlvalder Innung privilegirt ivlirde, nicht genügend pnblizirt. Wegen fortgesetzter Zeiigniffvertveigernng vor der Polizei »var der Kaufmann Kriens in Strafe genommen»vorde». Auch drohte man ihn» die zivangsiveise Vorführung an. da er einfach gar nicht erschie». Er beschritt hiergegen das Verivallnngs- Streit- verfahren, indem er geltend machte, vor dein ordentlichen Gericht »volle er aussage», nicht aber im polizeiliche» Eriniltelungsverfahre». Der Bezirksausschuß»vies ihn mit der Begründung ab, die Klage in» Verivaltungsstreit sei i» seinen, Falle n» z u l ä s s i g. Auf seine Bernsung bestätigte das Ober- Verivallungsgericht diese Ent- scheidnng._ Vevfnnttnluttjgett. Tie Zahlstelle deS ZentealverbandcS der Zimmerer be- anftragte in der an» Sonntag, den 14. ds. Mts., abgehalteuen Mit- glicdcrvcrsainnilung R i ck e r t und B n t f cb k e iiiit den» Auszahlen der Wandernnlerstünng. Ten englische» Maschinenbauern»vurden 299 M. beivilligt. Der Bibliothekar F a u ß u» a»» verlas seine Einnahme,»velche 4,25 M. betrug. Sodann rcserirle Genosse Timm über:„Die Bedeutung des Mininiallobnes nnd der Maximalarbeits- zeit". An der Diskussion belhciligten sich Petereil, Kube»nd Webers. Nixdorf. In einer an» 16. November stattgefundene» ö f f e» t- l i ch e n Z i n, m e r e r v e r s a n»»n I n»l g referirte K n b e- Char- loltcnburg über die neuesten Slngriffe der Ba»ige>verksnieisler ans das Konlitionsrecht der Arbeiter. Ausgehend von der unter dem 13. Oktober ans Beschluß des Jnnungsverbaudes deutscher Bau- geiverksnieister a» den Buiidesrath gerichtete»» Eingabe betreffs strengerer Handhabung des§ 1S3 der Reichs-Gewerbe-Ordnung erörterte Redner eingehend das Verhältnift der Arbeiter zu den Arbeitgebern vor Ein- führnugderGeiverbesreiheit. Die richtige Antwort ausdas Ansinnen der Arbeitgeber sei der maffenhafle Beitritt zur Orgauisalion nnd die tochhaltung der von den Berliner Ziinnierern gefaßten Beschlüsse. » der regen Diskussion erklärten sich die Slnivesenden mit den Ansführuugcn des Referenten einverstanden nnd verpflichtete,» sich. im Sinne des Vortrages zu»virkcn. Im z>veiten Punkt besprach Fischer das Platz« Deputirteiuvesen. nnd»vies die Roth- »vendigkeit desselben nach; den Platz. Depulirten sei ei» gut Theil a» dem Gelingen der Lohnbcivegnng zuzuschreiben, denn ohne die Verbindung mit den einzelne» Arbeitsstellen sei die Lohnkommission machtlos. Jedoch befinden sich in Rixdorf imnier »och ei» Theil von Ziniinerplätzei»,»velche! überhaupt noch keine Platz-Depntirten gehabt und wo deshalb auch die niedrigsten Löhne gezahlt und auch in anderer Beziehung die schlechtesten Verhältnisse vorherrschend sind. Redner erivähnt hierauf den Streik der eng- tische» Maschinenbancr»nd ermahnt, mit den Sanimlniigen zun, Agitations- und Unterstütznngsfonds nicht nachzulassen»nd zur Unterstützung des Streiks»»indestens eine Marke extra z» kaufen. Die Anivesendc»» verpflichtete» sich dementsprechend und be- schlösse» ferner, den Nachiveis der Jnnnngsmeister in Berlin streng zu meiden. Hierauf erstattete der Delegirte des Geiverkschaftskartells Bericht über die Thntigkeit desselben und»vnrde als Delegirter N e u m a»„ wiedergewählt, als Stellvertreter wählte die Bersaininlung K o»v a l s k i. In, Anschluß hieran gab der Vertrauensmann Bericht über feine Tbäligkeit»nd wurde als solcher B e y e r, Rosenslr. S, wiedergeivählt. Derselbe kassirt jede» Sonntag Vormittag von 19—12 Uhr bei lilnders. Steinmetzstr. 64. Nachdem die Tellersannnlung dem Geiverkschafts- kartell überiviesen, erfolgte Schluß der Berfamnilung. Vrvtttifcsjkes vom In Rothen trug bei Apenrade wurden drei Kinder. welche ans einem Holzplatz spielten, unter einem Stapel abrutschender Balken begraben. Das eine verstarb sofort, das zweite liegt hoffnungslos darnieder, das dritte Kind ist »veniger schiver verletzt.— — Beim Schlachten eines Stiers traf ei», Schlächter in Höhensdorf fehl. DaS Thier stürzte sich auf de» Mann, spießte ihn aus die Hörner nnd zerstampfte ihn dann, biS der Körper nur noch eine unsörmliche Masse bildete.— — In K i t t l i tz t r e b e„ bei Bunzlan tödtete ein Former seine 6 jährige Tochter, verletzte seine andere, 19 Jahre ältere Tochter lebensgefährlich und machte dann einen Selbstmord- versuch.— — Ein Grab an der Landstraße. Ei» Grab,»vie es kaum ein ziveites in Deutschland geben dürfte, befindet sich in» Großherzogthum Sachse», unweit des Dorfes Ulla, eine Stunde von Weimar entfernt. In einen, nahe der Landstraße und den, Staatsbahngeleise belegenen Birkeniväldchc» trifft man zivischc» Hagedornbüschen auf eine Stelle frisch gegrabener nnd wieder sest- getretener Erde von etwa 2 Metern Umfang. In der Mitte die'es Kreises ist ein Bündel Kleidungsstücke aufgeschichtet, Unterröcke, ein Kleid und ein Wolltuch; auf de» Sachen steht ein Paar fast»euer Stiefelette», über die ein»veißes Taschentuch derart gebreitet»st,. daß dem Herantretenden sofort die Initiale» Ick. H. ins'Auge sallen. Am Rande des Kreises liegt auf der einen Seite ein großer Feldstein, ain anderen ein Hänflei» Tannenzivcige. Das ganze stellt sich dar als die Grabstätte eines jungen Bauernmädchens ans Tiefen« gruben, das an, Sonntag vor vierzehn Tagen des Nachts von einem Schnellzuge überfahren nnd getödtet worden ist. Es ist bisher nicht festgestellt," ob die Unglückliche einen Selbstmord begange» hat, oder auf den, Wege zu ihrer in einem anderen Dorfe dienenden Schivester i» den, dichte» Nebel, der an jene» Tagen herrschte,» om Wege abgeirrt, auf das Gleis und unter den Schnellzug gerathen ist. Sie ivlirde als Leiche, in drei Stücke zerschnitten, mil einer durch Fall oder Schlag verursachten Wunde an, Kopf ans den, Gleise anfgefunden. Da die Elter» sich weigerten, die Kosten der Beerdigung zu trage», die Anatomie in Jena»vege» der Zerstücke- lung die Annahnie der Leiche ablehnte, nnd der Gemeindevorstand in Ulla, auf dessen Gebiet der verstümmelte Körper gesunden»vorden ist, ebeusalls die Kosten für Ueberführnng nach den, Friedhof« scheute, so hat man den Leichnam in dein Wäldchen verscharrt und die Stätte in der geschilderte» Weise hergerichtet.— — Ein Lachs von 22 Pfund wurde dieser Tage in, B o d e n s e e bei der Mainau gefangen. Im Uebcrlingersee sind Lachse sonst selten anzutreffen.— — In der Stadt San, bor(Galizien) wülhet seit heute früh 3 Uhr ein großes Schadenfeuer. Ueber hundert Wohnhäuser sind dem verheerenden Element bereits zum Opfer gefalle». Ein heftiger Sturmwind erschivert die Reltnngsarbcilen ungeinci». — In der Stadt Sa»»bor(Galizien) wülhet seil heute früh 3 Uhr ein großes Schadenfeuer. Ueber hundert Wohnhäuser sind dem vorheerenden Element bereits zum Opfer gefallen. Ein heftiger Sturmwind erschivert die Reltnngsarbeite» ungemein.— — Vor den, Kriminalgericht in Warschau stände», dieser Tage drei Männer, angeklagt des Raubmordes. Während der Ver» Handlung zog einer von ihnen ein E i s e n st ü ck aus der Tasche»nd hieb damit seinem Nebenmann, den er für einen Verräther hielt, über den Kopf. Der Getroffene stürzte t o d t zu Boden.— — In G e n t»vnrde einem S o l d a t e n, der sich nnvorfichtig dem dem Ranbthierwagen einer Menagerie genähert und die Decke hoch ge- hoben hatte, von eine», Tiger die rechteWan ge und das rechte Auge weggerissen.— — In Brüssel wurde am Mittwoch eine Thier» b ä n d i g e r i n, als sie den Löwcnkäfig betrat, von der Löivin an« gegriffen»nd zerfleischt. In, Zuschauerraum entstand«in« Panik, wobei mehrere Personen verwundet wurden.— — Ans dem K l o st e r I e b e n. Wegen unn, enschlicher Be- Handlung ist aus dein Benediktinerkloster Sälse», die Charfrau Florenline entflohen.— — Eine seltsame A„ g e n o p er ati o n hat man. wie man den,„Berl. Tagebl." schreibt, neulich i» D» b l i n vorgenoinmen. Einen, Mann, der beide Augenlider verloren, hat man zwei anS der Haut eines frisch geschlachtete» Schweines geschnittene Augen- lider angenäht.— c. e. Der englische Generalpostmeister hat bestimmt, daß künftighin kein junges Mädchen bei den Post- oder Telegraphen- ämtern eine Anslellung erhalten soll, wenn es nicht wenigsten? f ü n s Fuß und zwei Zoll mißt.— — Riesenbrand in derLondonerCity. I» AlderS« gate Street»nd Cripplcgate wülhet feit heute Nachinittag eine Feuers- briliist, die zu den größten während der letzten Jahre in der City erlebten gehört. Ein großer Häuserblock, der von Jewin Etree, biS zu», Nicholas Square reicht, steht in hellen Flammen. Mehrere Hänser sind bereits zusammengestürzt.— — In Tokio(Japan) hat sich eine Gesellschaft zur B e w i l l k o»,», n u» g der Fremden gebildet. Sie nimmt keine Bezahlung, da sie der Ansicht ist, daß das Institut schließlich den, Gemeinwesen z» gute kommen mag.— Briefkasten der Redaktion. Wir btlte», be, jeder Slujrage etue Thtffre tzwe, BuchNaben oder eine gabt) aiiznaeben,»nier der die Aniworl ertheill werde» soll. Tie snristische Sprechstunde findet in dieser Woche am Freitag »nd Tonnabend von 5 bis 7 Uhr abends statt. Abon. 1861. 1. Nein. 2. Wenn Sie gewerblicher Arbeiter sind, steht Ihnen 14!ägige Kündigung zu. 3. Ja.— A. K. 37. Nein.— Rölke. 1. Anmelden? nein. 2. Die Berechtigung zur Erhebung von Lustbarkcitssteuer richtet sich nach dem Inhalt der Koulmunal- beschlüsse. 3. Ja.— W. 10V. Leider nein.— Auerbach. Nein. III. Erstes und zweites Bataillon in Tilsit, drittes Bataillon in Meinet. E. L. 16. Sie müßten den Wirth auffordern, innerhalb einer be- stimmten Frist endlich die Reparatur vorzunehmen, widrigensaltS Sie dieselbe auf seine Kosten herstellen lauen würden. Verstreicht die Frist nutzlos, so sichren Sie dir Androhung aus und klagen die Kosten dann gegen den Wirth ein.— R. Solche Kasse ist uns nicht bekannt.— I. 86. Die Stempel- stcuer ist erforderlich: tasten Sie beim Stempcldisiributeur stempeln.— — B. W. Sie können mit Aussicht auf Ersolg die Klage auf Schadens- crsatz anstellen.— Fchrbelltncrstraste. Der Gerichtsvollzieher kann wegen einer Schuld des Mannes mich der Ehefrau gehörige Sache» siegeln ii»d zum Bertaus bringen. Die Ehefrau kann die Abholung und den Verkaiis der Sachen durch eine Jnterventioiisklage und einen Einstcllilllgsaiitrag hindern. Formulare sür solchen Antrag und solche Klage können sie in der Buchhandlung Vorwärts erhalten.— F. O. Das Gesetz führt nicht be- stimmte Gegenstände als unpfändbar ans. Es bezeichnet das n n entbehr. l i ch e Haiiögeräth, die unentbehrlichen Betten u. s. w. als unpfändbar. Demnach dürften nur Ihre nach nicht psändbar zu erachten sei».— Lstrndr. Sind Sie bereits volljährig, so ist — Gödecke. In 19 Jahren von der letzten gcrichttichcii Berhandlung ab gerechnet.— B. W., Tchulstraste. In Berlin und im Gebiete des all» gemeinen Landrcchts: ia.— A. T. IVO. Sprechen Sie gelegentlich in der Sprechstunde vor.— L. B.. Görliver Bahnhof. 1. und 2.: Nein.— .finnct. Sie könnteii lediglich Strafanzeige bei der Militärbehörde er- statten. Falls Sie nicht völlig einwandsfieie Zeugen haben, ist zu einer solchen Strafanzeige nicht zu rathen. Recht haben und recht bekommeii ist durchaus nicht dasselbe._ Wille,»ngSiibe, sich« vom 19. November 1897. gepfändete» Gegenstände als im- In 10 Jahren.— f>.®. 2.">. der geschlossene Vertrag giltig. Wctter-Prognose für Sonnabend, 29. November 1897. Theils heiter, lheils ivolkig bei ziemlich frische,, westlichen Winden, etwas kühlerer Nacht„nd wenig veränderter Tages- temperalur; keine erhebliche» Niederschläge. Berliner W e t t e r b>, r e a». Veranlivortlicher Redakteur: Angnst Iacobey in Berlin. Für den Jilseratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Pading in Berlin. 0.271. u. mm. 2. Ktilllge Ks Dmillts" Kerlmer VevsAunttlttttsett. Der sozinldcmokratischc Wahlvcrci» für den znieite» Rcichc'tag��Walilkrcis hielt aiu Dieiistng in Blckel's LokiU in der Hnienhaide 52 eine öffentliche Bersammlung ab, in der Genosse P i a ii n t ii ch au stelle des verhinderten Genossen Auer über „Nachklänge vom Hamburger Parteitag" referirle. Ter Redner beschäfligt sich im niese» IlichMi mit dem Beschluß des Hamburger Parleilages in der Frage der Wahlbelheilignng und der Diskussion, die über diesen Beschluß in den Parteikreisen geführt uioideii ist. Er hält die Resolulion des Parteitages für ganz klar und unzweideutig. Der Beschluß werde zwar dahin auszulegen versucht, als ob eine Betheiligniig a» den Wahle» nicht anders als durch Aiifstelluiig eigener Wahlmänner gestattet sei. Diese Anficht sei jedoch falsch. Der Beschluß lege de» Ginosse» keine besonderen Beschränkuiigen hinsichtlich der Wahl- betheiligniig aus; er verbiete lediglich den Zlbschlnß ausdrücklicher Bniidnisse und kkomproniisse mit gegnerischen Parteien. Di? Mehr- heil des Parteitages, die den Kölner Beschluß aushob, wollte damit die Bahn frei machen und den preußischen Genosse» dasselbe Recht geben, das die Genossen der andern Bundesstanteii von jeher haben. Sie wollte den preußischen Genossen die Betheiligniig a» den Landiagswahlen ermöglichen, und das Hmiptinotiv hierfür war, daß das überniächtige reaktionäre Jniikcrlhum gebeugt und die Oppofitions- Pa rteien gcsiärlt iverde» sollten. Wen»»ian dies als die Absicht der Mehr- b ii des Parteitages annehme, dann könne man nicht der Ansicht sein, baß dieselbe Mehrheit lediglich die Wahl eigener Wahlmänner habe griialten wollen. Bei einem solchen Modus könne ja das gewollte Ziel nicht erreicht werde», da die Partei infolge des Dreiklassen- Wahlsystems auf diese Weise keine besonderen Erfolge erziele» könne.— Es werde auf allen Seilen zugegeben, daß es den event. gewählte» sozialdemokratischen Wahlmännern gestattet sei, wenn sie ihren eigenen sozialdemokratischen Kandidaten nicht durchbringe» können, die Wahl tes Kandidaten einer bürgerliche» Oppositions- Partei zu unterstützen. Da sei es denn doch logisch, daß da, wo von vornherein feststeht, daß ei» eigener Kandidat nicht durch- gebracht werden kann, auch den einzelne» Genossen die Freiheit bleiben muß, gleich für den Wahlmann der bürgerlichen Oppositions- parte! zu stimmen. Der Redner ist also der Ansicht, daß da, wo keine eigenen sozialdemokratischen Wahlmänner aufgestellt werden solle» oder könne», die Parteigenossen das Recht haben, direkt für die bürgerliäie Opposition z» stimmen. Irgendwelcher außergewöhn- lichen Mittel, wie sie der Genosse Bebel vorschlägt, bedürfe es nicht. Der Hamburger Beschluß sei vollkommen klar. Er lasse den Genossen der einzelnen Kreise, ansgenomme» das Bündnißverbot, die Freiheit, das zu thun, was sie für richtig halten. Das solle man nur aus allen Seiten anerkennen und sich bei abweichendem Vorgehen in den einzelnen Kreisen nicht gegenseitig Bruch eines Parteitags-Beschlusses vorwerfen. Wenige Wochen der Diskussion würden die Partei zur Klärung in dieser Frage führen. In der Diskussion ergreift zunächst Genosse Z u b e i l das Wort Er führt aus, es falle den Gegnern der Wahlbetheiligung nicht ein an dem gefaßten Beschluß zu rütteln, und es müsse anerkannt werden, daß überall da, wo die Verhältnisse den Parteigenossen die Wahl- betheiligniig ermöglichen, diese nach dem Beschluß geboten sei. Was dagegen die Art der Wahlbetheiligung betreffe, so sei diese durch die Interpretation Singer's und Bebel's und die Zustimmung des Parteitages zu dieser Jnlerpretation in klarer Weise dahin fest' gelegt worden, daß eine Betheilignug nur durch Ausstellung soziale demokratischer Wahlmänner geschehen könne. Wen» es jetzt dar> gestellt werden solle, als wäre auch der vom Referenten geschilderte Wahlmodus gestattet, so werde damit von den Freunden der Wahl- betheilignng etwas in den Beschluß hinein gelegt, was nicht darin liege.— Bebel werde ja seinen Vorschlag, die Sache zur Entscheidung vor die Reichstags-Fraktlon zu bringen, auszuführen versuche». Es dürfe aber unter keinen Umständen geduldet werden, daß diese über die höchste Instanz der Partei, den Parteitag, gestellt werde. Auch Bebel geling« ja heute nicht mehr alles. Sollte aber die Fraktion dennoch berert sein, die ihr von Bebel zugewiesene Auf-, gäbe zu übernehmen, dann hoffe er, daß die Partei-, genossen aller Orts dieses Vorhaben energisch verhindern würde».— Ewald meint, wenn es gestattet sein solle, ohne weiteres für die bürgerlichen Oppositionsparteien zu stimmen, so müßten hierunter auch die Nalionalliberalen einbegriffen werde», da ja auch diese gegen das Vereinsgesetz gestimmt haben. Di« Nationalliberalen seien aber in, allgemeinen schlimmer als die Konservativen. Auch um deswillen dürfe man den sozialdemokratischen Urwählern nicht empfehlen, direkt für die Wahlmänner der bürgerlichen Oppositions Parteien zu stimmen, weil man dadurch die etwa unter uns vor- handenen unsicheren Elemente selbst in das gegnerische Fahrwasser hinein treiben würde.— Mücke erklärt sich mit den Ausführungen des Referenten einverstanden. Daß man nicht für die Rational- liberalen zu stimmen habe, das sei für jeden Sozialdemokraten selbst- verständlich.— Tildner protestirt ebenfalls gegen die Auffassung, als ob die Sozialdemokratie bei einer solchen aus taktischen Rück- sichten gebotenen Berührung mit bürgerlichen Parteien gleich ihre» Charaltcr verlieren würde.— Lange wendet sich gegen die Aus- führungen von Zubeil, während Abromeit die Freisinnige» als sehr unzuverlässig erklärt.— Auch W o Id e rs ki erklärt es für gänzlich ungefährlich, wenn die Genosse» einmal ans taktische» Gründen für Freisinnige stimmte». Desivegen würden sie doch überzeugte Sozialdemokraten bleiben.— Nachdem Werner noch im Sinne der von Zubeil vorgebrachten Argumente ge- sprochen hat. drückt P s a u n k u ch in seinem Schluß- wort seine Genuglhuung darüber aus, daß auch die Gegner der Wahlbclheiligung erklärt haben, den Hamburger Beschluß loyal durchführe» zu wollen. Das sei eine Grundlage für die Vcrständi- gnng. Nach Ansicht des Referenten ist die Jnlerpretation des Be- schlusscs durch die Genosse» Einger und Bebel keineswegs rechts- verbindlich. Der Wortlaut des Beschlusses allein sei maßgebend, und danach seien lediglich Bündnisse und Koinpromisse mit anderen Parteien verboten. Ueber die sonstige Art der Wahlbetheiligung mache der Beschluß keine Vorschriften. Man solle entsprechend dem Beschluß den Genossen der einzelnen Kreise Überlassen, de» unter den obwaltenden Umständen für die Partei gangbare» Weg zu wählen. Ter Wahlvcrein für de» dritte» Berliner Reichstags- Wahlkreis hielt am vergangenen Donnerstag seine ordentliche Geucralversammlung ab. Der Vorsitzende Genosse K r ä k e r erwähnt in seiuem Bericht über die Thätigkeit des Vorstandes, daß aus Anlaß des Parteitages»ud der Stadtverordneteuwahlen im 3. Quartal nur wenige Versammlungen stattfinden konnten. Der Bericht des Kassirers, Genossen H a r» d t. ergiebt mit dem Bestand vom vorige» Quartal eine G e s a m m t e i n u a h m e von 7IS,22 M., der eine G e s a m>» t a n s g a b e von 4S2,10 M. gegenübersteht, so daß ein Bestand von 263,12 M. verbleibt. Aus Antrag des Genosse» Schröder, der namens der Revisoren die Richtigkeit der Abrechnung bekundet, wird dem Kassirer die Entlastung erthcill. Ei» Aulrag Pohl: Ten Vorstand zu beauftragen, Ivo M. zur Agitation zu übenveisen, gelangt ebenfalls zur Annahme. Hierauf hielt Gen. Metzner einen interessanten Vortrag Über:„Das Bürgcrthum einst und jetzt", wobei er in trefflicher Weise die Heuchelei des immer für„Freiheit und Gleichheit" eintretenden Bürgerthums dem Prole- tariat gegennbcr keunzeichnete. Eine Diskussion fand nach den mit großem Beifall aufgenonuneiien Anssührnnge» uichtjtatt. Dagegen entspann sich eine lebhafte Erörterung Über das am lö. Januar 1893 in„Sanssouci" stattfindende Stiftungsfest bezüglich des Ein- triltspreises, die ihre Erledigung durch Annahme eines diesbezüg- lichen Antrages dadurch fand, daß für Eintritt und Tanz, wie bisher, besonders bezahlt wird. Kräker und Georgi ersuchen hierauf alle Genossen, nach Möglichkeit sich an den am 26. No- vember statlsiudende» Stadtverordneten-Stich wählen zu belheiligen durch Beihilfe und Vertheilung von Flugblättern. Ans Anregung Börner's sollen in Zukunft alle diejenigen, welche zwar für uns gestimmt, aber nicht Mitglieder des Wahlvereins sind, ersucht werde», demselben beizutreten. Dem Wunsch eines Genosse»: die Aufforderung zur Flugblalt-Vcrlheilung öffentlich ergehen zu lasse», wurde vom Vorsitzenden entgegnet, daß ein jeder bereit- willige Genosse sich sehr wohl an die Vorstandsmitglieder und sonstigen bekannten Genossin wenden könne, deren Adressen ihm be- kannt seien. Ter sozialdemokratische Wahlverein für den 4. Berliner Wahlkreis(Osten) hielt am 16. November im Lokal„Königs- dank" seine regelmäßige Versammlung ab. Genosse Millarg reserirte über die Unfallgesetzgebung. Seinen lehrreichen Ausführungen folgte eine kurze Debatte, in der die Bestrebungen der in den Berufs- genossenschasten organisirten Unternehmer, die Arbeiter möglichst um die gesetzliche Unfallrenle zu bringe», treffend gekennzeichnet wurden.— Sodann theilte dcr Vorsitzende mit, daß der gemüths- kranke Genosse Jnsinger den Wunsch ausgesprochen habe, es möge ihn doch mal der eine oder andere der ihm bekannten Genosse» in der Heilanstalt in Dalldorf besuchen. Der Zustand des um die Partei verdienten Genossen Jnsinger sei derart, daß er seine alten Freunde aus der Bewegung noch ganz gut kenne und noch an Ge- sprächen mit ihnen Freude habe. Der Pförtner der Anstalt weist die Besucher zurecht. Im Wahlvercl» für de» vierten Wahlkreis(Südost), der am Dienstag im Graumann'schen Lokal tagte, hielt Genosse Rod. Schmidt einen beifällig aufgenommcuen Vortrag über: „Reaktionäre Strömungen", dem eine kurze Aussprache folgte. So- dann debatlirte die Versammlung über eine» Antrag des Mit- gliedes Runge. Dcr Antrag verlangt, daß der Vorstand, wenn ihm der Tod eines Mitgliedes angezeigt wird, sich erkundigen soll, ob an dem Leichenbegängniß ein Geistlicher theilnimmt. Wenn dies der Fall ist, soll dem Verstorbenen kein Kranz gewidmet werden. Robert Schmidt sprach gegen diesen Antrag, indem er ausführte: Nicht der Verstorbene, sondern die Hinterbliebene» bestimme», ob dem Sarge ein Geistlicher folge» solle. Mit der Widinnng des Kranzes wolle doch der Verein seinem verstorbenen Mitglied« und Genosse» die letzte Ehre eriveisen; es dürfe also diese Ehreubezeugiiug nicht abhängig mache» von dcr Gesinnung der Angehörigen des Dahingeschiebene». Die Grabstätte sei nicht dcr Ort, Ivo man für die Partei demonstriren oder politische Propaganda zil treiben habe. Hier müsse man Toleranz übe» und auf die Gesinnung dcr Hiiiterbliebeucn Rücksicht nehmen,»m so mehr, da es nicht Aufgabe der Partei sei, religiöse Streilsragen in ihren Reihe» zum Anstrag zn bringen. Außer dein Antragsteller besürivortele» verschiedene Redner den An- trag, darunter T h ä d e r/ Vogt, P c t e r e i t und andere. Zur Begründung des Antrages wurde hervorgehoben, daß derselbe keine Demonstratio» gegen kirchliche Gesinnungen sei» solle, sonder» daß er voriviegend aus praktische» Gesichtspunkten gestellt sei. Es sei nämlich vorgekommen, daß sowohl der bcglcileudo Geistliche, wie auch gegnerisch gesinnte Leidtragende de» Kranzträgern des Wahl Vereins gegenüber ein verletzendes Benehme» zur Schau getragen hätten. Um der Wiederholling derartiger Nnzulräglichkeiten vorzubeugen, empfehle es sich, daß der Wahlverein jedem Begräbniß, an dem ein Geistlicher theiluehme, mit der Kranzspende fernbleibe. Vogt wies daraus hin, daß durch de» Antrag die Theilnahinc am Begräbniß nicht gehindert werden soll, nur wolle man in solchen Fällen eine Demonstration, wie sie der Kranz mit der rolhen Schleife bedeute, verineitcn. Der Antrag wurde»ach längerer Debatte mit sehr geringer Mehrheit anpenomme». Hieraus unterzog Bohrman» die Haltung des Gaslwirthes Graumann zu den Forderungen der Arbeiterschaft einer Kritik. Die Regelung dieser Angelegenheit wurde dcr Lokalkommission überwiesen. Der Wahlvcrein für de» sechste» Berliner Reichstags Wahlkreis hielt am Dienstag im Lokal von Schirm, Babstraße. eine Versammlung ab, in der der Genosse Reichslags-Abgeorduete R. Fischer über die politische Lage reserirte. Der Redner, der in seinem Vortrage in treffender Weise die politische Situation im Reiche beleuchtete und die Stellung der einzelnen Parteien zum all genieinen, gleichen und direkten Wahlrecht skizzirtc, loivie die Staats streichgelüste der Vertreter der„staalserhalteudeii" Parteien behandelte, vcrwics am Schluß seines Referats ans die nächsten Reichstags wählen, denen er eine besonders wichtige Bedculnng beilegte und deshalb auch die Bethäligung aller Parteigenossen für uothiveiidig erachtele. Eine Diskussion über den mit lebbaftem Beifall anfgenommenen Vortrag wurde nicht beliebt. Unter Vereins- angelegenheiten wurde angeregt, zu dem Vorgehen des Genossen Bebel in Sachen des Hamburger Parteitagsbeschlusses bezüglich der Landtagswahle» Stellung zu nehmen. Der Vorstand wird sich mit dieser Angelegenheit befassen und soll eveniuell zu gelegener Zeit eine Versammlung sich mit diesem Tbenia beschästigc». Eine längere Debatte entspann sich im Anschluß hieran über die Art der Agitation und Über die staltgesundcuen Fliigblatlverbreitiinge», wobei die»ngenügende Bctheiligung der Parteigenossen bemängell, andererseits aber auch gerügt wurde, daß die hierzu beauflrngie» Genosse» nicht pünktlich zur Stelle wäre», um die uothiveudigen Maßnahme» zu treffen»nd auch in bezug auf die Eiulheilung Mängel zu verzeichnen waren. Nachdem noch wiederholt zu reger Bctheiligung an den Kominunalwahlen aufgefordert rvorde» war, erfolgte der Schluß der Versammlung. Eine Koniniuiunalwählcr-Versammlnna für den 32. Bezirk wurde am Donnerstag in Wernau's Saal abgehalten. Genosse Singer leitete sein Referat mit der Bemerkung ein. es sei zu bedauern, daß diese Versanimlung sich überhaupt»och nölhig mache Hätten unsere Parteigenosse» bei der Hauptwahl ihre Schuldigkeit gethan, dann wäre dieser Bezirk im ersten Wahlgange schon für uns erobert worden. Möge es nun die Ueberzeugung. daß der sozialdemokratische Kandidat auch ohne besondere Anstrengung durchkommt, oder möge es Lässigkeit oder Pflichlversäumniß geivcse» sein, was einen großen Thcil der Arbeiter von der Wahlurne fern hielt— jetzt gelle es, die Zeit agitatorisch auszunutzen, damit dcr 32. Bezirk bei der Stichwahl der Sozialdemokratie zufalle. Der Redner besprach dann in längere» Ausführungen die Wirksamkeit der sozialdemokratischen Stadt- verordnete» und schloß mit der Aufforderung an die Amvesendeii: Jeder möge nach Kräften dafür agilire», daß dieser Bezirk der- jenigen Partei erobert werde, die den berechtigt«» Ansvruch auf die Sitze der dritten Abtheiluug hat: der Sozialdemokratie. Als einziger Diskussionsredner nahm ein Anhänger des Freisinns das Wort, der ciiie»— allerdings gänzlich mißlungenen— Versuch machte, die augeblichen Verdienste seiner Partei ins rechte Licht zu setzen»nd die Sozialdemokratie herunter zu reißen, worauf ihm Genosse Singer unter dem Beifall der Versammlung eine ebenso gründliche wie treffende Antwort zu theil werden ließ. Dcr Vor- sitzende ersuchte zum Schluß darum, daß sich jeder, dcr bei den Wahl- arbeiten helfen wolle, beim Wahlkomitee melden möge. Tic Musikinstrumente»-Arbeiter hörten am Dienstag in öffentlicher Versannnlung einen Vortrag des Genossen Litsin über den Streik der englische» Maschinenbauer. Hierauf wurde ein Sl»- trag angenoinmen, dcr für die einzelnen Werkstätten ein bestimmtes Sammelivesen empfiehlt und zwar: da, wo die Berbandsmitglieder in der Majorität sind, haben nur Listen zu zirkuliren vom Bureau des Verbandes, Annenstr. 39. Wo die Lokalorganisirten in der Majorität sind, sind Listen von Arndt, Ekalitzerstr. 103, z» entnehiiie». Der Vorsitzende macht alsdann noch aufmerksam, bei Arbeitslosigkeit de» Arbeitsnachweis des Verbandes zu benutze», da Adressen äugen- blicklich vorliegen. Die Steinsetzer nud BerufSgeuoffen wählten in ihrer Filial- Versammlung D i e r b e r g zum Schriftsührer. Nach einem Bortrage Schlegel' s berichtete Scholz, daß das Sliflnngsfest«inen Ueberschuß von 6S,60 M. gebracht habe; davon überweist die Ber- sammlung SV M. den englischen Maschinenbauern. Als zweiter Filial-Vorsitzender wurde Copras, als Beisitzer O t t o B e ck e r gewählt. In den Zentralvorstand wurden K o p r a s als zweiter Vorsitzender, D i e r b e r g als Beisitzer und O. H a ch c l b u r g als Revisor gewählt. Dem Delegirte» zur Gewerlschastslommission, A. Knoll, wurden 80 M. zur Agitation bewilligt. Di« Freie Bereinig»»« selbständiger Barbiere, Friseure ec. hielt am IS. d. M. ihre Monatsversaminlung ab. In derselben hielt Sassenbach einen beifällig aufgenommene» Vortrag über die neue Handwerkcr-Vorlage. Sodann wurde beschlossen, am 30. Januar ». I. ein Wintervergnügen abzuhalten. Zu Kontrolleure» des Zenlral-Stellennachweises wurden Friedrichs, Hennig und Putzkc gewählt. Endlich wurden die Kollegen von Schrolle noch auf- gefordert, ihre Gehilfen resp. Aushilfen nur vom Zentral-Stelle»- Nachweis für Barbiere und Friseure, Rosenthalerstr. 57, bei Schiller, zu entnehmen und nicht wie bisher von den Kommissionären. Tie Möbclpolirer der Filiale Osten hielten am IV. d. M. ihre regelmäßige Versammlung ab. Zum ersten Punkt der Tages- ordnung hielt Stramm einen Vortrag über die Kritik des Spirilis- m»s. An der außergewöhnlich ausgedehnten Diskussion belheiligte» sich auch verschiedene Anhänger des Spiritismus, so Dr. Müller, P r i n tz n. s. w. Unter Verschiedenem theilte der Vorsitzende mit, daß die Bibliothek an den Versammlungsabenden von 3—9 Uhr ge- öffnet ist; weiter machle derselbe bekannt, daß die Differenzen bei E b e r h a r d t und bei W e u k el N a ch f l. noch nicht beigelegt sind und ermahnte die Kollegen, nach Kräften für die Fernhaltnng des Zuzugs Sorge zu tragen. Der Fachverein der Tischler hatte am 16. November seine Generalversammlung einberufen. Zur Erledigung standen nur ge- schäslliche lllngelegenheiten. Der Bericht des Kassirers giebt ein Kassenvermögen von 4616 M. an. außerdem weist der Unterstütznngs- sonds die Summe von 9,2SM. ans. Die Ersatzwahl des Vorstandes gab folgendes Resultat: Hoppe,!. Vorsitzender; Rose, Schrift- führcr; Maaß, Bibliothekar; Marquardt, Beisitzer und H. Schmidt, Revisor. Im Berein der Wäsche-»nd Kravattenbranche sprach am Dienstag, den 16. v. M., Genosse Koopmann Über den Ausstand der englischen Maschiueubaner. Ter Rcscrent schilderte den Kampf derselben um den Achtstundentag in seiner ganzen Bedeutung und empfahl, der in der Gewcrkschasls-Kommission angenommenen Re- svlnlio» durch finanzielle Unlerstützuiig Geltung zu verschaffen. Sammellisten zu diesem Zweck sind bei Koopmann, Wollinerslr. 69, zu haben. Aiischließend hieran beschloß die Versammlung, als erste R'atc 50 M. den englischen Maschinenbanern zn überweisen. Die ausgegebenen Listen müsse» umgehend abgeliefert werden, um neue in Einpsang nehmcn zu können. Die Kollegen Hergt, Sta« n o s s l y und K o o p m a n n sind zur Empfangnahme bereit. Tie Freie Vcrcinignng dcr Kaufleute hielt am Mittwoch eine, namentlich von Franc» gut bcsuchle Versammlung, in der Herr lliechlsänwalt Dr. Biber über„die soziale Stellung der Frau" sprach. Hierbei wies der Redner zunächst darauf hin, daß vom allgemein rechtlichen Standpunkt, erst seit der französische» Revolution die Frau, allerdings nur in theoretischer Beziehung, für„srci" erklärt wurde. Ein gewisser Fortschritt zeigte sich aber erst vor 30 Jahren. Was die Feststellung der Rechte der Frau im„Bürgerlichen Gesetz- buch" anbelangt, muß leider gesagt werden, daß das„Allgemeiiio preußische Landrecht" der Frau in vieler Hinsicht eine größere Sicher- hcit bot. Denn im allgemeiiien findet man. daß der Frau gegenüber fast nur von Pflichten, aber selten von Niechten die Rede ist. Was nun die Theilnahme dcr Frauen an dcr allgemeinen sozialen Thätigkeit an- belangt, seien für die sozialdemokratischen Frauen zwei Gründe maßgebend: in wirthschastlichcr Beziehung als Konkurrentin des Mannes, und die Befähigung zur höheren Lebensstellung. Da aber auch viele Sozialdemokraten noch nicht geneigt seien, die volle Gleichberechtigung der Frau durchzusetzen. müsse für jeden der Grundsatz laute»: Gerechligkeil sür alle!— Wie zu erwarten, schloß sich an den mit lebhaslem Beifall aufgenoiiniienen Vortrag eine lebhafte Diskussion, an der sich Warschowsky, Liep« man», Hinze, Cohn und Frl. Adler in theilS zustimmendem» theils abweichendem Sinne belheiligte» und besonders auf die Ausbeulung der weiblichen Arbeitskraft in dcr Industrie im allgeineineii. wie im kaufmännischen Beruf im be- sonderen hinwiesen. Wenn nun von seilen der bürgerlichen Franenrechllerinnen die vermeintliche„Befreiung" der Frau von Ausbeutung und Kuechtschaft und ihr Eintritt in die höheren Lebens- stellungeii erstrebt werde, so sei es doch jedenfalls bezeichnend, daß dcr unter der Leitung von Frau Dr. Schwerin und Frau Schnlralh Caiier stehende kaufniännische„Hilssvcrein für weibliche Angestellte" der Nusbenlung insosern einen gewissen Vorschub leiste, als er im Bewußtsein dieser Thatsache fortwährend Stellungen vermillele bei eiuem Monatsgehalt von 10 bis 15 M. an, während der„Lelleverein" dies glücklicherweise nicht thnt. Mithin sei erwiesen, daß die Fraileurechtlertniien eigentlich nur eine Befreiung und Gleichstellung der„Damen", nicht aber der Arbeiterinnen im allgemeinen erstreben. Uebrigens gehören die Fabrik- arbeiterinnen. Dienstmädchen und Landarbeiteriiine». wie ein Redner hervorhob, doch wohl auch zu de» Frauen, deren Gleichstellung er- strebt werden müsse. Herr Dr. Biber suchte das Verhalten der bürgerlichen Frauen insofern zu rechlseitigen, als ans grund deren Bestrebungen bereits in einzelnen Ländern Frauen als Fabrik- Juspeklorinnen angestellt seien. Nachdem noch zum Beitritt in die„Freie Vereinigung der Kanfleute" ansgesordert worden, erfolgt» Schluß der Versanimlung. In Fricdrichsfclde tagte am 11. d. M.«ine öffentliche Volks- Versammlung, die von über 300 Personen besucht war. Als Ber« lrauensmann wird Genosse H e n s ch e l wiedergewählt. Nach einem Vortrag des Neichstags-Abgeordneten Stadt Hägen berichtete die Lolallviiiniissioii über ihr« Thätigkeit. Gerügt ward, daß viel- fach die Lokalliste nicht genügend beachtet werde. TaS Spandaucr Gcwcrkschaftskartcll hielt am 12. d. Mls. seine ordentliche Monalssitzung ab. Ans Antrag der Revisoren wnrde der Kassirer entlastet, nachdem«in Kasseubcstand von 93,94 M. festgestellt worden war. Der Punkt„Annahme einer Geschäfts« ordnung" soll auf die nächste Tagesordnung gesetzt werden. Als- dann wurde Rieger als Vorsitzender. Rahke als Kassirer wieder- und Kunkel als Schriftführer neugewählt. Zu Revisoren wnrde für das nächste Halbjahr Scholz und Kirsch ernannt. Einem gcmaßregcllen Bureau-Augestellten wnrde eine wöchentliche Unter- stützniig von 15 M. bewilligt und sofort 80 M. bereit gestellt. Ferner wurde beschlossen, sämmtliche ausstehenden Saminellisleii sofort einzuziehen und die Namen der Eäuinigen zu veröffeullichen. Den arbeitslosen Kartell-Delegirle» soll in Ziikuiist pro Sitzung 50 Ps. Eiilschadigniig gezahlt werden. Ohne Enlfchnldigung fehlten die Bauarbeiter, Brauer, Kutscher, Maler und Porzellanarbeiter. In Köpenick tagte am Sonntag eine öffentliche Koni« m u n a l w ä h l e r- V e rs a m m l u n g. Nach einem Vortrage des Genossen M e tz n e r- Berlin wurde als sozialdcmokralisch-r Kandidat der Genosse Alfred T i e tz ausgestellt. Derselbe versprach, im Falle der Wahl seine Pflicht in vollem Umfange erfüllen zu ivollen. Es wurde sodann daraus hingewiesen, daß am Abend vorher eine Versanimlung, in welcher sich zivei Vereine zu gleicher Zeit mit öffentlichen Angelegenheiten beschästigten, ohne daß die Auflösung erfolgt iväre oder ohne daß auch nur die Polizeistunde zur An» Wendung gekommen wäre. Als damit das Verhalte» der Beamte» den Sozialdemokraten gegenüber verglichen wurde, löste dcr über- wachende Beamte die Versammlung, wie hier jetzt üblich, ans. Chinsottcubmg. In der an» 17. Novewber stattgefundenen ö f f e u l l i ch e n V e r s a in ni I» n g der Maler«nd verwandten BernfSgcnvsscn erstatlele der Delegirte der GeiverkschaflSkoinniission Fleniiniiig über die bisher stattgefundenen Sitzungen, BesÄiIüsse und Thätigleit der Koinintsston eingehend Bericht,»vorauf sich die Versanimlmig mit der Thätigleit desselben einverstanden erklärte. F l e i» in i n g wird hierauf»viedcr- und neu hinzu Meißner ge» »vahll. Eanuncllisten für die streikenden englischen Maschinenbauer sind bei Flein Illing, Schlnterslr. 71. zn haben. A»i>rItrr.Kii,>«er>>,l»l> Kerltn» nnd der Nms»s«nd. Sorgtienber«d. Meuinnnn, vnuiiienflrab« is».»llle Hciibevutiani im SJeteNieratenbet find zu rlchtcn an Friedrich tiorluin, ManIeustelsNadc eo, v. e Tr. Honnai'Oid, abend?!>— u lltiv; NebunaKfimide nnb SNisnahme neuer Mtlaliedcr.— Lnrania, Landsberger Slllee ic« bei Wocbel.— Sange«-Echo, Siaununstrabe«, N-siaurani Scholz.— Im in ergrün, Tegel, Spandciuer- slrafte s bei S Reniner.— S l ü et zu, Badsir. i» bei Mltz.— Hand in Hand II. Friedrich Karlstr.»l bei Heinecke.— vorwürlS?, MummelS- b»rg, Eck« Sölhe- und Kanistraße bei BrewcS.— F r i ich a u f I, FriedrichSberg, Martenbergstr. er bei Lange. � Weibe Rose II, Wechensce, Straßburgerstr. d« bei Sorrer.— EInlrachts, Teliow. Zehlcndorfersir.» beiDertz— Slingerlust, Luckenwalde, lbeelitzersirabe o« bei Ono Schulze.— Echo III, Langendamm, Sil! MarkgrafenpieSte bei SraSuick.— Frohsinn I, RuminelSburg, Soelhe- «nd Ilanlsiraben-Eckc bei BreweZ.— Elleich heil i, Kremmen, Berlinersirab«, Oafitio? zur Sladi Berit».— Einigte lt 2, Wcbersiralie«2 bei Lange. Nr belle r- Gesa ngvereinLuckenw aide(gemischler Thor), Luckenwaide, Bussestrabe 20 bei Bäcker. Arl'eiier-Ztiincherbnnd Kerlin»«nd der Zlmoegend. sllenberungen im BereinSkalenber sind zn richten an Hermann Bra unsch we ig, DreSdenerstr. 80, 2. Hof. Sonnabend: Un verzag! II. Manlenssel- Ecke MuSlauerstr. bei Homnih. — A n g!- r I, Almmerftralie 66 bei Rnpperr.— H a v a Ii a II., Nowawe«-Neuen- dors, Ltndenslr.»l.— Glück Aus, vluberSdorf-KaNberge, Hcinwslr. 27 bei Grcve. — Kuba, Branbenburgsir. 6« bei Pönitz.— Bolldamps, Werder a. H., Kugelweg 6» bei Marlln.— Bürgerhelm, Frsedrlchbberg, Frantfurter Etzaufsce 60 bei Kupfer.— Unverzagt, Lebuserslr. IS bei Haupt.- Pappel, «uchbolzersir. 6 bei ll ahmte.- Frisch gewagt, Memelerfir. si bei Hausler. S»»d der geselligen Krbriterverei«» Periin»„nd»er Zimgeg,»». Porsitzenber: P. E e n i, TreSbenei slr. 107/S. tlenbei ungen den BereinStakenber bcircfsend sind zn richten an H. Vcndsx, AlexandiNienstr. wv. Sonnabend. Phcmcr- und Bergnügunaiverein Hand in Hand, Georgenkirchstr. 66 bei Tpüih.— Theater» und BergnügungSverein Renaissance, TchlestschiNr. 36 bei Paus«.— BcignügungSverein Bergthmeinntcht, Rügenerstr. 2Z bei Hossmann. Arbeiter» TiirnerdiMd. Sonnabend! Tnrnveresn Fichte, B-rlln abend« von e biß 10 Uhr! 1. Plänncr.hIblheNung Frledenslr. 67.—». Männer» Slblhl. Boeckhsir. 21.— 2. LehrlingS-Abih. Skalltzernr. 66—66.— i. LehrlingS- Abthl. Slephaistraße».— Fiele Turnerschäst J o h an n t t l h a i abenbS von s— 10 Uhr bei Herrn Senslleben. SZelang-, dm»-»nd gesellige ZI»rein». Sonnabend. Zhcakerverein B oh e m ia, veicranenstrabe IS bei Schulz.— Bülinenverbanb N o r man la, jeden letzten Sonnabend Im Monat Gr. Frankfuitcistrabc lis bei Höhne.— BergnügungSvereln Helgoland It., jeden Sonnabend nach dem l. im Monal Lübbenerstr. 9 bei Lehmann.— Eiaillnb Foriuna, HnUensir. l bei Kratzai.— Rauchslub Dornröschen, FennftiaHe 3 bei Krüger.— Theaierverein Nordstern, Tnnckeistr.«o vet Säulz.— Prlvat-Zheaiergescllschask Alpen» rose, Badstr. es- so. vieslauranl Marlcnbad.— Vereinigung der Turn» sreu nde, von sX biS iv!» Uhr abends, Tcmmlnerslr. 66-67— Turnverein Ollen, Turnhalle Blmnenstr.«»», von 10 Uhr abend« Männer-Ablheilnng.— Allherklub«rtka, LessUche- und Lannoverschesiratze- Eck- Im Resiaurant Müller.— Zbealervereln Othello I, Manleusselslr. 9 bei Mowack.— Gtaitlnb I Hnrrah, Lübbenerstr. 23 bei Schneider.— Theulervercw Thalia, Külirincr- Platz 9 bei Pause.— Kegeltlub Kalle Neune, Holzm-rttstr. 72(Köntgstadl- Kaflnoi. Kildnngovrrriii..vlchr Licht",«lbliolhctstunde von 9 bl» lo Uhr abend«, Mollenstr. 12 bet Gärtner. Oansl! Lorsnlng Oreja, bar btöckeastsn bver l-drä-x KI. S, Komman- darlen-trassc 72(Neues Klubhaus). Bohmisch-slamlscher BildungSverein Hawlischet, Beuihstr. 21, Restaurant „Zur neuen Post", heule Abend 9 Uhr Miigttederveisammlung. Penilchcr so»i»idcn:olir»ilsch«r lrselilnb i» Piarlo. Rue El. Houore 314, Ease du Llon de Bclsorl. Jeden Sonnabeud össculllch« Versammlung: reiche Bibliolhek, Teilungen, sranzosischer Unterricht. London. Ter einzig« HIestge sozialdemokrallsche verein Londons, der alt«, von Karl Marx und Friedrich Engel« IS4S niltdearü»d-te Kommunistisch« Arbeiter-AildungSveretn bestndet sich nach wle vor«9 Soltcnbam Street. Toltenbam Eoutt Rd.. W. London. Zierein Uorwnrto, Joyanniobnrg(Transvaal). Bereinslolal Progrest- Bierhalle, Corner of Marshall and Small Street. LreireligiSs« venieinde. Sonntag, den 2l. November, vorm. 9 Uhr, im groben Fcstsaal der Berliner Ressource, Kommandantenpr. 67: Versammlung. Fretrrligiöfe Vorlesung. Um n Uhr vorm. ebendaselbst Vortrag de» Herrn Waldeck Manasse!„Wledersehen und Unsteidlichteil". Gäste wtlltommen. Svlinldeinosl»»iischcr Agitotionoverei» für de» Nlnlillirel» Siralsnnd. Lininbnrg- Kiig«n. Sonntag, den it. November, vorm. 10 Uhr, bei Mörschel, Jüdcnstrabe 88: VereinSsttzung. Mefelligcr verein..�inidtggrSn". Sonnlag, nachm. 6 Uhr, Sitzung lm Restaurant von Möwes, Boeckhstr. 3. Zilonblter Aatnrst-ilvrreln. Sonntag, 2l. November, abends 7 Uhr, im vereintlolal All-Moabit, Ecke Lüneburgerstrabe, Stadibahnbogen Nr 329 332, Vortrag:„Die verschiedenen Arte» vo» Kopfschmerz und die Echlaslostgleii". Allgeincine Krnnlie»-»nd Stcrbebalse der Nletallarbeiter(E. H. 29. Hamburg.) Filiale Berlin l. Sonntag, den 21- November, vormittags iv� Uhr, bei Zubeil, Lindenslr loe: Versammlung— Filiale Berlin s Sonnabend, den 20. November, abend« S)j Uhr, Manleuffelstr«7, Mitglieder, Versammlung: Vortrag nid Kassenbericht.(Siehe Inserat i» voriger Nummer) — Filiale Berlin«. Sonnabend, den 20 Novdr., abends sjj Uhr, bei F Itz Wüte, Andreas str, 2«, PlUgiiederversanimlung: Kassenbericht und Verschiedene«. — Filiale Berli» S. Sonnabend, den 20. November, abends 9 Uhr. bei Koplin, Lothringerstr.«s: Miigliederversammlung.— Filiale Ripdors. Sonnabend, den ro. November, abends si, Uhr, bei Fillcke, Kirchhofstr. 41, Bsr- sammlung: Kasscnberichi.— F i l l a l e E h arlo tten b ura Sonnabend, den 20. November, abend««jj Uhr, im Restaurant Leder, BiSmarckstr. 74: Mitglieder- versauunlung. Piidlingoverel»„Mehr Licht". Sonntag, den 21. November, abnrds «Z Uhr, Aiexanderstr. 270, Versammlung: Vortrag über:„Wesen und Werth des SpirUiSmuS". Nestrent! Herr Dr. Egbert Müller. DlSlusston Gäste herzlich willlommen. Zhiir dcu Inhalt der Jiisernte «hrrniinint die Redaktion dcni Publikum grgcnnbcr keinerlei _ Pcianlwoilnnz._ Theokev. Sonnabend, 20. NovemSer. Opernhans. Götterdämmerung. Ansang VV- Uhr. Tchanspielhauö. Hamlet, Prinz noii Däucmark. Anfang l1/, Uhr. Deutsches. Jugendfreunde. Anfang 7V- Uhr. Berliner. In Behandlung. An- fang 7V, Uhr. Goethe. Gebrüder Währenpfennig. Anfang 7Vz Uhr. Lcssing. Hanö Huckebein. Anfang 7>/z Uhr. Schiller. Wallensteiws Lager. Die Piecolmniiu. Anfang 8 Uhr. Belle> Zllliance. Die Grille. An- sang 7>/z Uhr. Luise». Ein verbotenes Schauspiel. Anfang 8 Uhr. Unter den Linden. Die Groß- Herzogin von Gerolstein. Anfang 7»/, Uhr. Thalia. Die DrillingSmutter. Bor- her: Der Haustyrann. Anfang 7v, Uhr. Nachmittags 4 Uhr! Hänsel und Grctcl. Vorher: Das Wetter- Häuschen. Central. Berliner Fahrten. Anfang 7>/- Uhr. Ostend. Am Altar. Anfang 8 Uhr. Renes. Aschermittivoch. Vorher: Im Hörselberg. Ansang 7»/, Uhr. Residenz. Doriua. Vorher: Vioe versa. Anfang 7>/, Uhr. Friedrich< WithelmstadsischeS. Der Hütteiibcsttzer. Ans. 8 Uhr. Nachmittags 4 Uhr: Schneewittchen und die sieben Zwerge. Sllexandcrplah. Im Sumpf. Ans. 7-/2 Uhr. Urania. Tanbenstraste 48—49. Naturkundl. Ausstellung v. 10 Uhr vormittags ab. Abends 8 Uhr Wissenschafll. Theater. Jnvalidenstraste S7,SS. Täglich (außer Sonntags und Mittwochs) abends 8 Uhr: Wissenschaftliche Vorträge. Reichshallen. Spezialitäten. An- sang 8 Uhr. Zlmertcau. Berlin, wlc's näht und trennt. Anfang 8 Uhr. Apollo. Spezialitäten. Ans. 7»/zUhr. Feen-Palast. Spezialitäten. Passage- Panoptikum. Wiener Tanz- und Operetten-Gesellschast. Schillev�Glzvttkvv (Wallner-Theatcr). Sonnabend, abends 8 Uhr: Wallen- stein'S Lager. Die Piccolo- mini. Sonntag(Todtensonntag) Nachmittag geschlossen. Abends 8 Uhr: Wallenstein'ö Tod. Montag, abends 8 Uhr: Wallen» stcin's Lager. Die Piccolo- mini. Luisen-Tbeater 34. Rcichettvergerstraste 34. Abends 8 Uhr: ßin verbottues Schllchitl. Lustspiel in Z Alten von Jacob Lippmann. Morgen Sonntag: IMe Räuber. Bon Fr. von Schiller. Direkte Verbindiing mit dem Theater: Elektr. Bahn: Dönhoffplatz-Neichen- bergcrstraße in 19 Minuten. Central-Tlieatßp Alte Jakob str. 30. Direktion Klchard Hclmlt*. Sonnabend, den 20. November 1807; Emil Tlionias a. G. Zum 77. Male: Benlinei* kalinten. Burleske Attöstattnngspossemit Gesang „nd Tanz in 0 Bilden» von Julius Freund und Wilhelm Manustädt. Musik von Jnl. Einödshofer. Anfang V-« Uhr. Morgen und die folgenden Tag«: Berliner Fahrtein_ V. Soack's Thealer II rnnnen-lätra««© 10. ü�en 2 eu 2 DMeheimlWMlWrö oder: Hehdemann u. Sohn. Bolksstück mit Gesang in 3 Allen von Hugo.Müller und Emil Pohl. OrsnZs Taiibcnstrasao 48—49. Naturkundl. Ausstellung täglich geöffnet von 10 Uhr vormittags ab, Eintritt 50?/.— Abends 8 Uhr Wissenschaft!. Theater. Tnvnlldcnstrnstsc Ko. 57/02: Täglich(ausser Sonntags und Mittwochs) abds. 8 Uhr: Wissenschaftliche Vorträge. rm Castan's Fanopticnm. •« Eriedrichstr. 105. Indi.ch- Uindnata- nische Gankler — und— Schlange n- Bcachn'Wrcr. Das BÄRENWEIB. N m Passage-Panopticum. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 10 Uhr abends. Wiener Tanz- und Operetten- Gesellschaft BVj-IO Uhr. Ostend-Theater. Gr. Fraiilsiirlcrftr.IZL. Dir.<5. Weist. Zum letzten Male: Am Altar. Anfang 8 Uhr. Im Tunnel von 0 Uhr ab: Großes — Fret-Konzert.— Sonntag Abend 7-/z Uhr: Gebannt und erlöst. Schauspiel in ö Alten nach Werner s Erzählung in der Gartenlaube, bearb. v. Hugo Busle. In Vorbereitung: Leben und Lieben. Ki,ane8Pt" Sanssouci Kottbnscr Strasse Nr. 4 a. Dir. H. Pierrn. Artistischer Leiter Jos. Aschinger. Neu! Die Bcitchenfee. Neu! Volksstück mit Gesang von W. Gericke. Hotel-Abenteuer. Kam. Panto- mime. 7 Personen. Ansang deS Konzerts: Wochent. 7 Uhr, Sonntags 5 Uhr. Anfang der Vorstellung: Wochent. 8 Uhr, Sonntags»Uhr. yffr~ OroMNcr Ball."VB lvilippg» Wochentags 30 Pf. Uli IUI.©ountafls 50 Pf. Wochent. Passe-partouts giltig. Diese VorsteNungen stnden jeden Sonntag, Dienstag und Donnerstag statt._ II Pierry. Maehr'sTheater OrnnicnstraNsc 24. Ver»»tetl»ng. STovltHtcn-Programin. Nenl Mr. Gilfon Neu! und Miss Margaritta, Jongleur und Equilibrist. Alis««: NS'-m? Preise wie gewöhnlich. dnoUa-'klieater. Friedrlchstr. 218. Dlr.4.«Ittoh. Eanillle Issel»». He. Bapell. Ea Voy, Phantasie- Tänzerin. HUe. Ductaamp. The Rixförde. Carmen Faur. Familie Kanfmann. The Morae. Robert Steldl. I.ck Kamonenrs. Ilcely n. JHarba u. f. w. u. s. w. u. s. w. Kasseiierössnung: 0>/, Uhr. A»kang 7V, Uhr. �KUbii-LrÄUkrki krisärieksliam (An, Kvnigsther). Sonntag, den 21. November(Todten- Sonntag): Kr. Gesangs-Äufführnng des Männer- Gesangvereins„.Schildhorn" nnd Ilergter- Koneert unter Leitung der Musikdirektoren Franz Bergter und Paul Kurz mit Benutzung der grossen Konzert-Orgel. ErUffhiing 5 Uhr.-WkZ ÜSF" Anfang O Uhr. Billets im Vorverkauf 30 Pf., an der Kasse 40 Pf. Vol k s- Tb eater im IVclt-Kc»tanrant 37. D r e S d e n e r> S t r a st e S7. Novität! Täglich: Novität! O diese Radler! Possen- Burleske von O R 0 e d e r. Das Damenregiment. Operette von E l y.— Mnstk von Einödshofer. Anfang: Sonntags 0 Uhr, Wochen- tags 7-/, Uhr._ eilchshallen- Theater. Leipzigerstrasse 77. Grosser Erfolg des neuen Programms. Melanie Hobertl. Albert! und Albertlna. 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Wochentags 3 Uhr. ..» SoiiutagS 6l/j Uhr. Entree 30 I i Nescrvirter Platz 50 Pf. Rusob kBahnbof Bbr»e). Sonnabend, 20. Novbr., abds. 7V,UHr: Parade-Gala-Abend. Die vorzüglichsten FretheitSdressnren des Dir. Bnsch. Pferd und Elefant, Ortginaldrcssur d. Sign. Corradtni. The greatest equestrian Act of the present time, ausgeführt von Geschw. Cottrrll. Mr. Airic Ma- riano, Kopsequilibrist auf fliegendem Trapez. Bar und Schildwache, Höchst kom. Episode. Gebr. Batta: Eine Belocipcdefabrt an der Zirllisdeck«. Nach Zibtrie«. DaS grostartigste aller Mandge- Schnnstnckc. Morgen: Nur ein« Vorstellung. Abends 7»/, Uhr: Gr. Gala-Bor- stellung I?e??dde?»e?�� I. RR'lLxKi»«!- und ohne Konkurrenz dastehendes RK»Ä»K»S8t«I' I'o»«en- n. Operetten- Theater in Kaufmann's Varldtd erzielt durch die an Komik und Situationswitz unübertrefflichen Stücke täglich ein ausverkauftes Haus. Ganz Berlin spricht von jEln Abend im Wintergarten und Im Atelier. Ferner das überraschende Spezialitäten-Ensemble. 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BolkSztg.", .Wiener Arbeiter-Ztg.", 2 dün. Zettgn. Kassee, Bier 10 Pf. Aldcrt Lu-e,"SSlTei'" empfiehlt fein Weift» und Bairlfch» Bierlokal. 2 große Bereinszimmer. Jeden Sonnabend Gänfc» Ausspielen b. Boeiz. BreSlauerstr.g. Fi. Köslinerftr. 2. Varl Sehrnlckt empfiehlt seine Restau�tion nebst großem Bereinszimmn, passend für Zahlstellen-c. 3500L« „Alte-Berlin", Saal frei fllr verein,».Festlich reiten 321ZL»?terg»tra»»e 12. Uli hloltcsowsrdll!, .-öllolttönsvrssss 12. Empfehle mein Weist- und Bairisch-Bier-iZokal nebst BereinSzimmer. Grober Frühstücks-, Mittags- und Abendtisch'. Jeden Montag: Schlachtfest. Vormittags: Wellfleisch, nachmittags: ftisttze Wurst, wozu ergebenst einladet «ermaon Lärlner. Lrts-Krlliikenkiljse her Drechsler unh vermandter Gemerbe. Sonntag, den 28. November 1397, vonnittags SV- Uhr, in den Armin- hallen. Koniniaiidaiitenstt. 20, Drelentllehe Löllerai- Versammlung. Neuwahl für 5 Vorstandsmitglieder, 2 Arbeitgeber, 3 Arbeitnehmer(siehe Einladung. Ilm 10 Uhr Beneral- Versammlung sämmilicher Vertreter. Tagesordnung: 1. Kassenbericht 1897. 2. Wahl des Rechnungsausschusses für 1897 laut § 50 des Statuts. 3. Statutenänderung der§§ 2 Al. 4. 13 Al. 3 und 4,§ 20. 4. Wahl der Be- schwerdekommisston. 5. Bestätigung der neu angestellten Kassirer. ö. Manko- geider für den Rendanten. 7. Ge- iiehmiguiig des Aerztevertrages für das Jahr 1898. 8. Zentralisation der Orts-Kranlenlasse. 9. Verschiedenes. Berlin, 18. November 1897. Der Vorstand. 1914b I. A.: G. Liebeuow, stellv. Bors. Ortskraukenkasse der Klempner. Sonntag, de» 28. d. Mts.. vormittags 10 Uhr, bei Gtahernack, Inselstr.lO, oröcntl. tzeneralliechmAlullg der[1918b Vertreter der Kassenmitglieder und der Arbeitgeber. TageS-Ordnung: 1. Verlesung der Protokolle. 2. Wahl von 3 Vorstands- mitgliedem(1 Atbeitgeber, 2 Arbeitnehmer). 3. Wahl des RechnungS- auSschusses. 4. Beschlußfassung über Erhöhung des Gehalts des Rendanten und der beiden Kasstrer. 5. Ver- schiedeneS. Der Borstand. Allg. Kranken- n. Sterbekaße her Mailarheiter iE.H.Zg. Filiale Berlin I. V ersammlnng Sonntag den 21. November, vormittags lOVa Uhr, bei Zubell. Lindenstraße 106. Tages-Ordnung: Kassen-Bericht und Verschiedenes. 119/3 Die Ortsverwaltung. Arbeittr-Rahsahrer-Veretn. „Berlin", Sonntag den 21, November Besuch der Intern. Fahrrad-Ansstellung. Ein- tritt 25 Pf. Treffpunkt s-/, Uhr im „Dresdener-Garten", Dresdenerstr. 45. Aohtnng! Musikinstrumenten- Arbeiter! Gesangverein„SängerkretL" sucht stimmbegabte Mitglieder. Uebungs- stunde Donnerstag. abendS 8>/i Uhr, b. R a a b e, Fichtestr. 29.[1929b ' Frstsnai plötzlich frei gewordm im 191kb �ölligsladi-easino, Holzmarltstr. 72, Ecke Aleranderstr. Saal zu Versammlungen, Festlich- ketten und für Bereine noch mehrere Tage in der Woche frei.[3564L* Kord. Ewald, Schönleinstr. 9. _ Carl Becker NM" Clgarrcr., Cigarrotten n. Tabake'Vffi Lindowcrftr. 25 an der Müllerstr. Fnr 36 Mark fertige seinen Minterpaletot Ii. Maaß, für 36 M. ss. 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November, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle deS Neuen Thomaskirchbofs, Rixdorf, Hermann- straße, aus, statt, Um zahlreiche Betheiligung ersucht 92/10 Die Ortsverwaltnng. Allen Kollegen zur Nachricht, daß der Klempner 1915b Lar! Pfeiffer nach kurzem Krankenlager im Alter vom 44 Jahren am 18. November verstorben ist. Ehre seinem Andenken. Die Beerdigung findet am Sonn- tag, den 21. Nov., nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle deS neuen Thomas- Kirchhofs, Rixdorf, aus statt. Die Kollegen der Metallwaaren- Fabrik von E. F. Schnitze u. Ko., Oranienstr. 189._ Banksagnng. 19105 Allen Freunden und Bekannten für die herzliche Theilnahuie und Kranz- spenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes unseren herzlichsten Dank. Ww. Russak mio Sohn. Danksagung. Für die zahlreiche Betheiligung bei der Beerdigung meiner lieben Frau Ipes Canzius allen Freunden und Bekannten meinen herzlichsten Dank. W. Canxina. üldieitoiiiiult Zeh» Karton-Arbeiterinnen,, geübte, v. Wolfs, Nene Fricdrichstr 48. Hoher Verdienst[18295 ohne jedes Risiko wird fleißigen Leuten kostenfrei nachgewiesen. Schriftl. Ansr. erb. M. Cohn, Reichenbergersir. 102. Wir stellen am L Dezember d. I. elntn Dilfsarbetter in unsere Kasse ein. Bewerber, welche die Befähigung hierzu haben, im. Schreiben und Rechnen tüchtig de- wandert sind, wollen sich bet dem Unterzeichneten schriftlich bis 25. Novbr. melden. Benissgenossen bevorzugt. Ortskaffe des Ntaurergewerbes. A. Dachne, Vors., Demniiiicrstr. 36. Schlassl.Neumann,Dresdenerstt.°7,IV. Gesucht werden sofort mehrere tüchtige Gummt-Arbeiter, geübt aus technische und Velo-Artikcln. Offerten und Lohnansprüche ab- zugeben an Haasenstein u. Vogler, A.-B., Berlin, Leipzigerstr. 48, unter Marke„Gummt-Arbeiter«.[101/4« Siitiiit RchmiitWcr finden dauerndc Arbeit. (Lohn 33 M.) Alvelkslebenstrcche 22. TWiger RchneWacker bei hohem Lohn auf Stückarbeit findet dauernde Beschäftigung in der Gold- leistenfabrik 11928 Albert Spleslcke. Persönliche Vorstellung abendS von 7 Uhr ab, Alexandrinenstr. 40. Einem Dheil der heutigen Auf- läge liegt ein Prospekt deS WaarenhanseS A.IIatthle«»en. WlUnackerstrasse 41 und Thnrnistrasse 47a bei. Gejfentlrthe ipiKnuiiiül�filjler-Jeirßtniitlniti) fiir de» 38. Ltommuttal-Wahlbezirk »n» üen SÄ. Soveniber 1807, abends 8Vt Chr, im 8attlc des Hrn. Tnegrer, Gartenstr. 13/14. Tag«S»Ordn«ng: 1. Bortrag deS NrichStagS-Abgeordueten l'rit« �nbeii über: Tie Bedeutung der betiorstehcudrn Stichwahlen für die arbeitende Bevölkerung. 2. Diskussion. 221/7 Zu recht zahlreichem Äcinch ladet ein_ Das Komitee. Herl, renossenschafts- Bäckerei (Sirgctt. Geuosseuschaft mit beschränkter Haftpflicht.) Sonnabend, den 4. Tezember. ab-ndS 8'/- Uhr. bei Wltael, Swinemünderstr. 88: Ordentliche Generalversammlung. TageS-Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes und AusflchtSraths. und Entlastung derselbe». S. Verwendung deS NeingcwinnS, 3. Neuwahl des Vorstandes und Auf- sichtsralhes. 4. Statutenänderung, ö. Ver-chiedencS. Die Bilanz pro ILSö/S? liegt zur Einsicht der Mitglieder im Comtvir aus. Der Vorstand. Richard K.lm..klassirer. Karl Pctcrsohn. Geschäftsführer. lelltr�'Ili'klllceii'v.Zterbeleszzeöer sedier ele.(Ißiiftrf tntli DolHettüaatfn Franz Tatzauer (Verwaltmi csstcllc Berlin D I sVfWV* Tischlermeister. Berlin 8W., Bliicherstr. 14. Deutsch. Metallarbeiter-Verband (Vcrnultung/sstelle Berlin). Sonntag, den 21. November, vormittags OVa Uhr. im Feen-Palast. Burg- und St. Wolfgangftrasten-Erke: Ordentliche General-Verfammlnng. Tages-Ordnuilg: 1. Kassenbericht und Bericht der Revisoren. 2. Anträge der Ortö- venvaltung. 3. Ergänzungswahlen zu der Ortsverwaltung. 4. An die OrtSverwaltung gelangte Anträge. 192/0 _ Mitgliedsbuch legitimirt k MM" Tic Bcrsamiulnng wird pünktlich eröffnet."WB Die Ortsverwaltiaui;. Verein der Mascliinlsten, Heizer u. Berufsg. Berlins und Vmgescnd. Sonntag, den 21. November, uachmittags 5 Uhr: N e r s a m m! n n g in den Oranien< Hallen. Oranicnstraste öl. TageS-Ordnung: 1. Bortrag des Herrn Rechtsanwalts Dr. Hersfeld über: Vereins- gefeh und Bürgerliches Gesehbuch. 2. Verschiedenes. 3. Aufnahme neuer Mitglieder. �30/8 Der Torstand Facbverein der Musikinstrumenten• Arbeiter. Sonnabend, den 20. November, abend« 8V, Uhr: VeNSSDUHMluiHg"Nß in den Oranien' Hasten, Oranienstrafte öl. TageS-Ordnung: I. Vortrag deS Genossen Frit» Hansen. 2. Diskussion. 3. VereinS- angelegenhetten. Um zahlreiche? und pünktliches Erscheinen ersucht _ Der Torstand. Di« Kollegen, welche noch nicht mit den Stiftungsfest- Billets ab- gerechnet haben, werden ersucht, so bald wie möglich abzurechnen. Verband der Miibelpolirer. Montag, de» 22. November, abends 8l/2 Uhr. Adrniralstr. 18c: VepsammBunga Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Dr. Möllmann über Poliren und Beizen. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Hierzu find die Gebr. Kluge von Schrep u. Ritter eingeladen. Die Ausgabe der Urania-Billets lmd Bibliothekbücher von 8 Uhr an. Mitglieder, welche dem Verband Bücher überweisen wollen, werden gebeten, dieselben mitzubringen. Der unentgeltliche Arbeitsnachweis befindet sich bei Scheere, Blumenftr. 38, Mohn, Oranienftr. 197, Gcicke, Swinemünderstr. 2g.— Um Anfragen> Mayer, Gr. Illing, Ariel.■ Ariedenstr. 77, welche bei Eberhard, Michaclbrücke 1, und Wagner, welcher bei Wcnkel Nachs Besselstr. 14, zur Zeit die Polierarbeit verrichten, Nicht- Mitglieder des Verbandes sind.— Mitglieder, welche dagegen sind, dasi die Streikenden pro Arbeitstag 3 M. erhalten, werden gebeten, dieses schriftlich an Herrn Scheere bis heute Abend 7 Uhr abzugeben.— Daselbst auster- ordentliche Vorftandssihung. Es wird gebeten, pünktlich zu erscheinen. 124/7__ Ter Vorstand. Zkiltriil-Vttbaiiii öfiilirc iiwr Zweigverein der Provinz Brandenburg. Sonntag, de» 21. November, nachmittags IV, Uhr, bei Stabcrnack, Jnsrlstrafte 10: g�JT" Monats- Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen Frist Krieg. 2. Bericht der Kassenrevisorcn. 3. Verschiedenes. i92iib NB. Di« Kollegen werden dringend ersucht, die Ganimelltsten der streikenden englischen Maschwenbauer bei Frist Prenst. Neue Friedrichsir. 20, abzugeben. Dort sind auch neue Listen vorräthig. Ter Vorstand. Verband der m Buchbindeme«, der Papier« und Leder-Galailteriewaaren-Jndustrie beschiift. Arbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands. (Zahlstelle Berlin.) Montag, den 22. November, abends 8V,»Hr. in Feuerstein s � Feststtlcn, 3IItc Jakobstraste 75; fjf Witglieder-Nersammlnng 5g TageS-Ordnung: 1. Welche Vedcutnna hat die nene Organisation deS Hand. Werks für die Arbeiter? Reserent Herr Rctchstags-Abgcordneter Bob. Seliinldt. 2. Unsere Stellung znm graphische« Kartell. 3. VcrbandSangelegenheiicn. 2S/14 Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht Der BevoilmdcktiUte. Die Bibliothek ist geöffnet: Mittwochs von 7-8 Uhr abends; Sonnabends von V,7— 9 Uhr.- Morgen Sonntag um 1 Uhr mittag»: Bestich des Museums für Naturkunde sJnvalidenstr. 43)._ 29/14 Schöneberg. (16/6 Arbeiter- Bildungsverein. Wir erinnern die Mitglieder daran, daß am Montag, den 22. d. M., eine Tersammlanif stattfindet mit der veränderten Tagesordnung: Unsere Stadtoerordneten-Wahlen. Referent: Stadtv. Obst. In anbetracht der seht in dem Vordergrund stehenden Stadtverordncten-Wahlen wird ein zahlreicher Besuch erwartet. Gäste haben Zutritt und werden Neu-An- Meldungen entgegengenommen. Der Vorstand. D. J. Engelke, Reue Jakobstraste 20. echten alten Nordhäuser Liter M.l,-,'/«L.M.OchO. extra alte Wanre ,.., 1.40,„., 0,70. Klciuverkaur von 10 Pf®, an. Achtung!- (Verwaltungsstelle Berlin D.) Sonntag, den 21. November, vormittags 10 Uhr, in der Hronenbrauerei, ZI I t- M o a b t 1 47-48(oberer Saal)! Extra-Mitgl ieder- Versammlung. Tagesordnung: I. Bericht über stattgesundene Revision und sonstige Borkommnisse. 2. Neuwahl der Ortsverwalttina. 182/20 . �. zu erscheinen. Vorsitzeuder. 1. Bericht über stattgesundene Revision und sonstige Z Neuwahl der Ortsverwaltnng. Dle Mitglieder sind im eigenen Interesse gebeten, vollzählig Ter Zentralvorstand. I. A.: G. Blume, Vorsitz 8 lüge zur Probe senden wir dem Einsender dieser Annonce ein feines Taschenmesser Xo. 841, wie Zeichnung, mit 2 aus prima Stahl geschmiedeten Klingen und Korkzieher, mit Schildpatthest, unter Garantie, zum Preise von nur Die. 1— Zahlung oder Relvursendung innerhalb 3 Tagen, also kein Risiko. Gebrüder Rauh, Slahlwaarenfabrik, Oräfrath bei Solingen. Umsonst und portofrei versenden an Jedermann unseren neuesten Prachtkatalog mit über 550 Abbildungen von Messern und Gabeln, Tascheninesiern, Rasirincsier», Brot- und Schlachtmessern, Gemüse- messern, Scheeren, Waffen, Haushaltungsgegensländen, sowie von sonstigen vielen Neuheiten. Briesmarlen nehmen in Zahlung. Name und Sland(deutlich). Wohnort und Poststation. Konknrs-Ausverkauf!!! Elegante Pelerinenmäntel, Paletots, Joppen, RoGl(-u.Jaqiiet-AnzOge! einzelne Hosen u. 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