Jahrg. 2 19 20 Die Frau und ihr Haus heft. 18 9. Oktober Zeitschrift für kleidung Gesundheit Körperpflege und Wohnungsfragen Die Heimat auf dem Lande Beilage 3# t Gleichheit In einer Welt, in welcher alles schwankt, bedarf es eines festen Bunftes, auf den man sich stüßen kann. Dieser Punkt ist der häusliche Herd; der Herd aber ist kein fester Stein, wie die Leute sagen, sondern ein Herz, und zwar das Herz einer Frau. Deutsches Familienleben Michelet. a Häuslichkeit, Gemütlichkeit und Heimdas sind. die Begriffe, die sich mit der Vorstellung deutschen Familienlebens verbinden. Aus dem Kreis der Familie hat das deutsche Gemüt vor allem seine Nahrung gesogen. Hier fand es die Wärme, das Behagen, das für den Lebenskampf immer neue Kraft gab. Hier lebte aber auch das Verantwortungsgefühl für das, was dem einzelnen an körperlichen, geistigen und sittlichen Kräften fürs Leben mitzugeben sei.* So konnte das Elternhaus das ganze Leben hindurch für die einzelnen Familienglieder„ Heimat" bleiben. Ein Beugnis dieses Zusammengehörigkeitsgefühls bildet unser deutsches Weihnachtsfest, dessen Wärme und Innigkeit mit nichts ähnlichem verglichen werden kann. Trifft eine solche Vorstellung deutschen Familienlebens in der Wirklichkeit heute noch zu? Schon bor dem Kriege war das deutsche Familienleben schwer erschüttert worden. Die Frauen der unbemittelten Kreise mußten Haushalt und Kinder vielfach im Stich lassen, um dem eigenen Verdienst nachzugehen. In den bemittelten Kreisen aber richtete sich das Hauptlebensinteresse immer mehr auf Eleganz und Schein in der äußeren Lebensführung. Die Freuden des * Vergl. Wychgram, Deutsche Dichtung und deutsches Voltsium, Seite 42 u. f. GK- R Lebens suchte man vor allem außerhalb des Hauses und die Wertschäßung häuslicher Gemütlichkeit im Kreis der Familie sant immer tiefer. Und das galt schließlich für alle Volksfreise. Der Krieg hat an diesen Verhältnissen zunächst nichts gebessert. Vielmehr brachte er neue schwere Erschütterungen für den Bestand des Familienlebens; vielfache Entfremdung der Eheleute, übergroße, nervenzermürbende Inanspruchnahme der Hausfrau und Mutter im Kampf mit den wirtschaftlichen Verhältnissen, untergrabene Gesundheit bei den Kindern und als Endergebnis verwahrloste Kinder ohne Pflicht- und Autoritätsgefühl; dafür aber mit dem Anspruch aller sogenannten Freuden der Erwachsenen mindestens im gleichen Maße wie jene teilhaftig zu werden. 251. sind im Ställchen. Siehe den Auffak„ Das kleine Kind". Die Kleidung des Kindes besteht aus Hemb, Leibchen mit angeknöpften Windelhöschen, siehe Abb. 256-257, einer furzen Unterziehbluse aus weißem Flanell und dem Kleidchen aus blauem, weiß gepunktetem Flanell. Bluse und Kleid sind an den Rändern mit Ausbogstichen verziert. Normalschnittmuster zu Bluse und Kleid für 1-2 und 2-4 Jahre erhältlich. Preis 1.20 M. Erforderlich 50 cm iveißen 120 cm blauen Flanell 80 cm breit. Schnittmuster F.H.251. Welches sind nun die Forderungen einer schönen, gemütlichen Häuslichkeit, dieser Grundlage allen Familienlebens? Vergessen wir nicht: durch die veränderte wirtschaft liche Lage sind wir alle genötigt, viel mehr noch als bisher uns von fremder Hilfe unabhängig zu machen. Aber abgesehen hiervon: die Tätigfeit der Hausfrau bedeutet eine recht weitgehende Kenntnis einer ganzen Reihe von Handwertszweigen. Wir nennen die wichtigsten: Reinemachen, Rochen, Waschen, Bügeln, Nähen, Rechnen und Buchführung; dazu Säuglings- und Kinderpflege und Krankenpflege, vielleicht auch nochGartenbestellung und Viehbesorgung. Schließlich muß die Hausfrau- und nicht zuletzt! die Kinder erziehen und muß sehr viel Organisationstalent besitzen, um alle diese verschiedenen Arbeiten in richti ger Weise und zur rechten Zeit verrichten zu können. 122 253 254 255 GK- R 252 252. Sofenfieldchen. Dieser für fleine Kinder, Knaben wie Mädchen, äußerst praktische Anzug ist aus waschbarem Stoff zu arbeiten und mit waschechter Borte oder kleiner Stickerei zu verzieren. Normalschnittmuster zum Hosenkleidchen für 1-3 Jahre erhältlich. Preis 1.20 M. Erforderlich 1,50 m Stoff 80 cm breit. Schnittmuster F. H. 251. 253-260. Wäsche für kleine Kinder. 253. Einfaches Hemdchen für Knaben und Mäd chen mit etwas längerem, angeschnittenen Ärmel. Er forderlich 80 cm Stoff 80 cm breit. 254. Machthemd ist mit angeschnittenen Armeln gearbeitet. Am Ausschnitt und Ärmelrand ist mit rotem D. M. C.- Garn ein Börtchen eingestickt mit Retten und Schlingenstich. Anstatt des Namens ist eine Schnecke eingestickt, was den kleinen Kindern immer viel Freude macht. Erforderlich 1,60 m Stoff. 255 ist ein Unterziehhöschen für Knaben, es wird in der Rückenmitte geschlossen, die Höschen erhalten Seitenschlite. Erforderlich 100 cm Stoff 80 cm breit. Die Windelhose Abb. 256 gilt für die kleinen Kinder, die noch etwas" Packung" gebrauchen. Das Leibchen 257 ist aus fester Baumwolle gehäfelt; es erhält am unteren Rand Knöpfe aufgenäht, auf die man Windelhose, Hose oder Unterrock aufknöpfen kann. Das Unterrödchen besteht aus einem graden Stoffteil, der oben in ein Bündchen gefaßt ist und am unteren Rand Säumchenfchmud bekommt. Das Höschen 258 ist in einfachster Art mit Seitenschliten gearbeitet. Erforderlich 80 cm Stoff 80 cm breit. 281-283. Allerlei Praktisches für den Winter oder den Weihnachtstisch. Resteverwendung. 261. Kindertasche aus jedem beliebigen festem Stoff zu ar beiten. Stickerei im Stiel und Flachstich. Stidereimusterpause 1.25 M. f. 262. Beutel aus Seide mit buntem Bortenbesat, hübsche Ergänzung zu Kleidern, Röden oder Blusen, wenn das gleiche Material verwendet wird und bie Farben der Borte zum Besatz oder Schmuck passen. Der obere Rand ist behäkelt, die Schnur ist mit Perlen abgeschlossen. Schnittmuster 80 Die Kinderschuhe Abb. 283 find aus weißem Leinen oder Bitee mit leichtem Futter gearbeitet. Das Vorderblatt ist mit Bogennäherei abgeschlossen und mit leichter Stickerei berziert. Ein Schnürloch an jeder Seite zum Durchziehen. Schnitt- u.Stickereimuster 80ẞf. Das Mädchenmühchen 264 ist aus dunklem Stoff mit bunter Wollstickerei oder aus weißem Leinen mit weißer Berlgarn261 262 263 256 259 257 Wäsche für Kleine Kinder 258 260 Der Unterrod 259 besteht aus kurzem Leibchen und angefektem Röckchen. Rüdenschluß. Erforderlic) 1,10 m Stoff. Die Hemdhofe 260 ist im Rüden mit aufzuknöpfender Klappe gearbeitet. Erforderlich 1 m Stoff 80 cm breit. Bu Abb. 256, 258 und 260 ist das Schnittmuster auf dem Schnittmusterbogen 3 a gegeben. Schnittmuster für 1-3 und 8-5 Jahre zu jeder Abbildung erhältlich. Preis 80 Pf. 264 265 Das Knabenmühchen 285 ist in Maschinenstriderei gra. beitet. Es läßt sich aber leicht nacharbeiten in feiner Wolle oder Baumwolle. Es besteht aus einem geraden Stück von 38 cm Weite und 21 cm Höbe. Stridanleitung Preis 1.20 W. Die Handtasche 266 ist aus einem graden etiva 23 × 45 cm großen Stoffteil gearbeitet ( Seide Samt, Luch), der auf biegsamer Pappe aufzuheften und mit Seide oder Satin zu füttern ist. Genähte Seidenösen und Snöpfe zum VerschlußDas Band ist durch ein gehä feltes Leiterbörtchen geführt, es dient zum Schmuck und zur Befestigung der eingesetzten Seitenteile. Schnittmuster und Häkelprobe 1.20. Die Kinderschuhe Abb. 267 arbeitet man in tunesischent Häkelstich, genau nach der Größe des Musters. Schnitt und Beschreibung der Häkelei 1.20 M. 268 Der Beutel 268 ist aus schwarzen Tuchresten, mit bunter Flachstickerei. Die 3 Teile für den Beutel sind mit festen Maschen zusammengehäkelt, der obere Rand ist mit einer Stäbchentur angehäkelt, durch die eine Seidenschnur zu führen ift. Schnitt- und Stidereimuster 1.20 m. 266 267 ftiderei zu arbeiten. Der Nand wird mit Ausbogstichen umfchürzt; die Schleifenbänder werden durch Knopflöcher gezogen. Schnitt- und Stickereimufter 1.20 M. GKR 123 270 und 271. Mäntel und Mühen für Mädchen von 2-10 Jahren. Für 270 ist weinrotes Tuch mit grauer und grüner Stickerci angewendet.. Der Raglanärmel ist oben in eine Quetschfalte gelegt und dem Mantel aufgesteppt. Kragen und Müßenrand sind mit Ausbogstichen abgeschlossen. Schnittmuster für 4-6, 6-8 und 8-10 Jahre erhältlich. Breis 1.20 M. Stickereimuster 2 M. Erforderlich 2 m Stoff 120 cm breit für 6-8 Jahre. Schnittmuster F.H. 270.271 ist aus lila Tuch mit schwarzer und leuchiend blauer Stickereiberzierung. Dem kurzen Leibchen sind die Rockteile untergesteppt, bie Stulpen erhalten Leineneinlage. Schnittmust. für 2-4, 4-6 und 6-8 Jahre er hältlich. 1.20 M. Preis Stide reimuster 2 M. Erforderlich für 4-6 Jahre 1,80m Stoff 120 cm breit. Schnitt muster F.H. 271. 269. Das Bücherbrett. A Gin Bücherschrank ist was Schönes, er bewahrt und beschützt vor Staub unsre lieben Freunde. Aber Bücherschränke find heute sehr teuer. Gin Regal oder ein Brett tuen es auch. Es ist aber immer besser, wenn Bücher von oben geschützt sind. Unser Bord zeigt oben ein Brett, das eine Base, einen Steintopf oder eine Dose freundlich aufnimmt. Früher sah ich mal ein madliges Etwas aus Brettern und Garnrollen, an Schnüren aufgehängt, mit einer Quastenborte verziert in einer guten Stube" hängen. Drauf standen Bücher, die auf Bildung und Geschmack des Besizers die gleichen Schlüsse ziehen ließen, wie der Behälter. So dürfen Bücher nicht unterMacht sich der Ehemann, machen sich kinderlose Ehepaare oder macht sich gar die Allgemeinheit wohl einen entfernten Begriff von diesen ungeheuren und vielseitigen Ansprüchen, die an die Kräfte und das Können der unbemittelten Hausfrau und Mutter gestellt werden? Ihr bischen Hausarbeit!" heißt es in dem Aufsatz, Hausfrauenferien"( Nr. 3-5 d. 3tschr.), welcher einige Hausfrauennöte behandelt. Macht man sich im allgemeinen wohl flar, welches Maß von Pflichtgefühl und Selbstzucht notwendig ist, um von diesen zahllosen Arbeiten die gerade im Augenblick dringlichste zu tun? Denn schließlich pflegt doch auch die einzelne Frau ihre besonderen Begabungen und Liebhabereien zu haben. Ja, es ist ganz undenkbar, daß allzuviele Frauen jene Arbeiten alle in gleich guter Weise beherrschen sollten. Um so schwieriger, ja um so entfagungsvoller für sie, alle richtig gegeneinander abzuwägen. Diese greifbaren Leistungen, welche den vollkommen geordneten Ablauf des Haushalts und der Kinderpflege bedingen, sind aber erst die Voraussetzung glücklichen Familienlebens. Was die Frau und Mutter sonst leisten muß an liebevoller Einfühlung, was sie an Menschens fenntnis, an Taftgefühl, an Fähigkeit zu schlichten und zu vermitteln besigen muß, das läßt sich als„ Aufgabe" gar nicht bestimmen. Und doch beruht in diesen Eigenschaften das Glück jedes einzelnen und das Glück im Zusammenleben der Familie. Jedes Kind will nach seinem Alter, nach seinen besonderen Eigenschaften be271 a 270 GK- R 271 gebracht sein. Das Wandbrett braucht ohne Zierart, nur schlicht gebeizt zu sein; aber es muß fest gefügt und auch fest an die Wand gebracht werden. Feste, mit Schrauben versehene Ösen am Brett, in der Wand eingegipsie Haken vermögen schwere Bücher zu tragen. rücksichtigt werden, will auch manchmal der Mutter ganz allein gehören. Und dann soll jede Mahlzeit ein Fest" sein, wo im fröhlichen Beisammensein eins den andern anregt, und glückliche Feierstunden, sei es zu Hause oder draußen, sollen den Kindern zu teil werden! Auch heute noch ist die Mutter die„ Seele" des Hauses. Von ihr hängt es ab, auf welchen Ton das Familienleben gestimmt ist. Aber das ist sicher: ohne das volle Mitfühlen des Mannes und ohne seine tatkräftige Hilfe fann die in beschränkten Verhältnissen lebende Hausfrau und Mutter ihre schwere Aufgabe nicht erfüllen. Schon die eigentliche Arbeitsleistung erledigt fein Achtstundentag sie beansprucht nur zu oft zwölf und vierzehn Stunden. Ja, es soll manchmal auch sechszehn Stunden Arbeitszeit geben! Ist es da nicht recht und billig, daß der Ehemann nach seinen Arbeitsstunden sich zu Hause an der Hausfrauenarbeit beteiligt, daß er die Vielgeplagte von der Arbeit entlastet, die ihr weniger gut von der Hand geht? Aber nicht nur dem Ehemann muß der Gedanke der Hilfsbereitschaft stets gegenwärtig sein. Im weitesten Umfange muß die Allgemeinheit den deutschen Hausfrauen und Müttern zu Hilfe kommen, nicht nur durch geldliche Unterstützungen, sondern auch durch Schaffung gemeinnütiger Einrichtungen, welche einen Teil der hauswirtschaftlichen Arbeiten von ihren Schultern abwälzen. Nicht zuletzt aber durch Ferien, die unseren Hausfrauen und Müttern so gut zustehen, wie jedem sonstigen Arbeiter. 124 6 272. Zeekleid aus goldbraunem Samt. Die Stickerei ist aus gleichfarbiger Wolle und Seide im Flach und Stopfftich ausgeführt. Der zweiteilige Rod ist einem anliegenden Futter leibchen aufgeknöpft. Das Überkleid mit den eingesetzten r meln bleibt futterlos. Rüdenschluß. Gr. forderlich 6,50 m Samt 60 cm breit. Normalschnittmuster in den 4 Größen 90-116 cm Ober weite erhältlich. Preis 2 M. Stickerei. muster 6 M. Schnitt muster F.H. 272. Aufsämtlich.Schnitt musterpreise wird ein Teuerungszuschlag bon 50% erhoben. Erleichterung muß aber auch die volkswirtschaftliche Erzeugung für die Hausfrau und Mutter schaffen. Hauseinrichtung und Hausgerät muß für alle Volkskreise immer zweckdienlicher gestaltet werden. Durchaus verwerflich ist unter den heutigen Verhältnissen eine Modeproduktion nach bisheriger Art. Es mutet ja geradezu lächerlich an, wenn in diesen ununterbrochenen Zirkel täglicher Pflichten nun noch die Forderung tritt, daß Mutter und Kinder nach der neuesten Mode" gekleidet sein müßten! Dieser vielfach törichte Lurus mochte vor bem Kriege allenfalls angängig sein. Heute ist er ein Frevel an der Frau und am Familienleben. Sollte die Bekleidungsindustrie es nicht über sich gewinnen, ihre Erzeugung den veränderten volkswirtschaftlichen Verhältnissen anzupassen, dann werden hoffentlich unsere burch den Krieg aufgeklärten Frauen und Mütter die Innere Selbständigkeit aufbringen, um eine zu rasch wechselnde Mode strikte abzulehnen. Daß ein Einfluß nach dieser Richtung möglich ist, zeigt u. a. das Vorgehen amerikanischer Verbraucher, die geschlossen jede Neuanschaffung ablehnten, zu dem Zweck, die Preise herabzudrücken. Die Unruhe und Zerfahrenheit, die die Modesucht mit ihren fortgesetzten Neuanschaffungen und Umänderungen ins Haus gebracht hat, entspricht nicht der Art deutschen Familienlebens. Mehr denn je brauchen wir heute Ruhe und Sammlung und Frieden. Und wir wollen heute nicht besorgt sein, daß der Deutsche dabei philiströs und spießig werden könnte: Das Gute hat der Krieg ja mit sich gebracht, daß hunderttausende deutscher Männer, die früher kaum über ihr Dorf oder ihr Städtchen hinausgeschaut, Welt und Menschen kennen gelernt haben. Sie können jetzt vergleichen zwischen draußen und daheim und den Wert des einen wie des anderen abschäzen. Nein, wir werden nicht fleinlich werden, wenn wir uns selber wiederfinden, sondern erst recht unserer selbst sicher auch gegenüber den andern. So wollen wir die gute deutsche Art für unser Familienleben wiedergewinnen: Rechtlichkeit und inneren Anstand, Pflichtgefühl, Treue und Hilfsbereit. schaft und unseren warmen, gesunden, deutschen Humor. In solcher Gemeinschaft finden auch unsere Kinder die richtigen Lebensbedingungen: jene innere Sicherheit und Selbständigkeit, die körperliche und geistige Gesundheit im Gefolge haben. Nehmen wir an, daß es in erster Linie Aufgabe des Mannes sei, die Formen aufzurichten, welche unser Volks- und Staatsleben zur Höhe führen sollen. Aber bedenken wir, daß diese Formen letzten Endes nicht das wesentliche sind, sondern die Menschen selber, für welche sie geschaffen werden. Menschen zu bilden ist aber vor allem Aufgabe der Famille. Was hier im Reich der Frau versäumt worden ist, fann feine spätere Lebensschulung je wieder einbringen. Deshalb müssen unsere deutschen Frauen ihre große und heilige Aufgabe verstehen lernen und die Volksgemeinschaft muß sie bei der Erfüllung dieser Aufgabe unterstützen. „ Wer für feine Mußestunden gute und liebe Genossen sucht,- ich meine gute und liebe Bücher Ibert Roderich. der muß sie auch finden können". Das Kleine Kind Unsere Gertrud ist ein glückliches Kind, fie lacht über alles, die Freude strahlt ihr aus den Augen. Aber nicht, weil sie mit üppigen Spizenkleidern behängt ist, auf Gummirädern fährt und gedrehte Locken hat. Ich glaube, daß es Ihnen, liebe Mutter, fein Geheimnis ist, auf welchem Boden das tiefe Glück des Kindes gedeiht. Es ist die Liebe, die es von den Eltern, bon den Geschwistern, von den großen Menschen ausstrahlen fühlt. Und in dem Augenblick, wo das Kind die Liebe fühlt, weiß es sie selber zu verschenken. Das ist der Augenblid, w00 unser Kind zu einem entzückenden Menschlein wird. Wie selbstverständlich ist das Liebeschenken der Eltern, wie wunderbar das Glüd eines Kindes! Unser Kindchen wacht morgens lachend auf, wird gewascen und fommt mit glänzenden Augen und roten Baden zum Frühstück. Den Vormittag muß es dann im Stall zubringen; bas ist ein Gitter, von einem halben Meter Höhe, das man im Viered im Zimmer aufstellen kann. Da hinein wird das Kind mit seinen Spielsachen gesezt und muß sich nun selber beschäftigen. Ich finde diesen Stall als etwas so wichtiges, dar ich ihn besonders erwähnen muß, und auf dem Titelbild wid er unseren Leserinnen mit seinem kleinen Bewohner gezeig.. Während das Kind im Stalle spielt, kann die Mutter ungestörz und vor allem ohne Sorge arbeiten, das Kind wird durch diese Art zu spielen zur Selbständigkeit erzogen. Am Nachmittag kommt die kleine nach draußen und da freut fie fich am meisten über die warme Sonne. Die Sonne lieb: das Kind wie einen Menschen. In der Sonne redt es sich und streckt sich, es fühlt sich wohl wie ein Stäbchen, aber den Schatten und den falten Wind, den hait es. Mit welcher Aufmerksamkeit beobachtet das Kind die Tiere! Zu jedem Hunde läuft es hin und streichelt ihn, zu Hause streut es den Vögeln Futter auf das Fensterbrett und bring: weinend der Mutter eine tote Fliege, die es gefunden ha Am Abend kommt das Kind nach Hause, totmüde, aber immer noch plappernd von allem gesehenen, von dem es nicht das geringste vergessen hat. Der Brei wird gegessen und dann bor den Eltern der lieben Sonne gute Nacht gesagt. Dann liegt es im Bettchen und aus seinem Gesicht fann die Mutter lesen, daß es glücklich über den Tag war und sich wieder auf morgen freut. So ist jeder Tag ein unbeschreiblicher Festtag und ein fleiner Klapps auf die Hand, ein strenger Berweis tann die Festtagsstimmung nur für furze Zeit trüben. Die jebige Zeit ist bitter ernst und schwer. Aber zeigt es nicht euren Kindern, daß ihr Sorgen habt, daß ihr betrübt seid. Das Kind würde nicht mehr ben Herzen fröhlich sein fönnen, es würde bedrückt und traurig werden und die Eltern würden ihre größte Freude, ein glüdliches Kind, verlieren. Lernt von den Kindern, auch wenn sie noch so klein sind. Ihre instinktiven Gefühle find wunderbar ausgeprägt, ihr Urteil über Zuneigung und Abneigung ist immer richtig. Liebt die Kinder, sie verlangen danach! B.S.- München. 125 Mit Abb. 273 und 274 bringen wir unseren Leferinnen zwei praktische, wärmende Umhüllungen, die in der voraussichtlichen Kohlennot doppelt will tommen sein werden. Beide sind typische Beispiele dafür, daß das wirklich zweckmäßige mit wenigen Ausnahmen sowohl für die Städterin wie für die Landfrau geeignet ist und auch nicht veraltet. Die gehätelte Weste ist moderne städtische Arbeit, während der besonders gut fißende Kragen, der in jedem Material nachgearbeitet werden kann, bor etwa hundert Jahren für eine Bauersfrau aus Spigenstoff mit Franfenbesab angefertigt ist. Die Wefte ist bei unserm Modell schwarz und weiß gehalten, für junge Mädchen kann man dieselbe auch in frischeren Farben arbeiten. Man beginnt am unteren Rand des Rüdens mit 50 Maschen aufschlagen. 1. Reihe 12 × 3 Stäbchen, 1 Luftmasche; 2. Neihe 12 × 3 Luftmaschen, 1 feste Masche; 3. Reis he in die ersten und die letzten Luftmaschen je 2x3 Stäbchen und so fort. 7. Steibe; 16 × 3 Stäbchen, dann in der gleichen Breite 18 Stäbchenreihen, wieder bei einer Reihe mehren, dann drei Reihen mit 18 × 3 Stäbchen. Für die Schultern an beiden Seiten je 4 Reihen mit 5 × 3 Stäbchen. Bei der 5., 10., 15. und 20. Reihe mehren und schließlich 4 Reihen mit 9x3 Stäbchen. Dann wird das ganze rund umhäkelt in gleichem Muster, angefangen mit einer Luftmaschenreihe. An den 6 unteren Eden reichlich mehren ( siehe Beichnung). Nach der 4. Luftmaschenreihe Bäckchen- Abschluß. Die 4 Randluftmaschenreihen, das Zäckchen und die Schnur sind in abstechender Farbe. Die Weste fann auch aus Waschsamt oder weichem, warmem Wollstoff nachgearbeitet werden. Normalschnittmuster in den 4 Größen für beide Abbildungen erhältlich. Breis 1.20 M. Schnittmuster F.H. 274. Wir 273. Rragen. ir fühlen uns alle viel zu sehr als die Ernährer, Erzieher, Ertüchtiger und Bändiger unserer Kinder. Was wir ihnen zu Danten haben, das vergessen wir zumeist; besonders aber daß fie in vielen Dingen unsere Schrittmacher find. Ich weiß manchen Vater, der in unserer Zeit der Rückkehr zu Sport und Natur seine in den Flegel- oder in noch höheren Jahren stehende Söhne, über die er die Autorität doch nicht so billigen Kaufes preisgeben wollte, untertags im Bureau und abends am Schreibtisch friedlich eingerostet wäre. Sie haben ihn das Wandern gelehrt, sie haben ihn immer wieder in Trab ge bracht und ihre jungen Interessen, und Pläne und Wünsche haben auch Vater und Mutter jung erhalten. Rus: Anton Fendrich, Mehr Sonne, bas Büchlein von der Liebe und der Che". Der Vater als Erzieher Dir als Mutter liegt die wichtigste Arbeit in der Erziehung ob; du gibst deinem Kinde unter tausend Schmerzen das Leben, nach dir verlangt es schon, wenn es noch nicht hören und schen kann. Aber auch Deinem Manne gehört das Kind, und auch er ist zur Erziehung berufen. Erziehe ihn dir rechtzeitig zum sorgenden Miterzieher. Es gibt keine Tätigkeit und Hilfeleistung in der Erziehung, von den ersten Lebenstagen an, die nicht auch der Vater machen oder bei denen er dir nicht liebeboll zur Hand gehen kann. Lasse es nicht zu, daß er solche Arbeiten ablehnt mit der billigen Ausrede, das sei nichts für Männer. Es gibt keine Arbeit, die einen Mann schänden könnte, nur weil er ein Mann ist. Am wenigsten in der Erziehung. Wohl aber schändet es den Vater, wenn er zu keiner anderen Tätigkeit bei der Erziehung seiner Kinder herangezogen wird als um Ruhe und Ordnung zu schaffen, nur weil er mehr förperliche Kräfte hat. Mann und Frau sollen die hundert Sorgen der Kindererziehung gemeinsam tragen. Dann werden sie beide nur die halbe Last spüren. Und beide zusammen werden die tausend Freuden der Kindererziehung doppelt schön empfinden. Mus„ Die Mutter als Erzieherin" von Heinrich Schulz, Stuttgart, H. W. Dich Nacht. Gute Bücher! Erwirb dir gute Freunde dieser Art, Sie pflegen dir die Freundschaft au bergelten; Als Kameraden einer Lebensfahrt Viel tausend dunkle Wege sie erhellten! Die Hausbücherei Rob. Ed. Strider. 8, Mutter, es schlägt 8, und Trude Wächter hat mir mein Lesebuch immer noch nicht zurückgebracht! Und wenn ich's nachher in der Stunde nicht habe, dann bekomme ich zu Michaelis teine 1 in Ordnung"-Was left ihr denn?" fragt die Mann!" 274. Wefte. " SK- R Mutter die fleine Aufgeregte" Bürgers Lied vom braven Nun, dann mal ruhig Blut! sagt Mutter fichst du, wie gut daß ich auch meine alten Schulbücher unserer Hausbücherei einverleibt habe," und geht zum Bücherbrett an der Wand.„ Da hast du deinen„ Braven!" Bei Tische: Bater, der Lehrer hat heute gesagt, Jfarus wäre der erste Luftschiffer gewesen; wer war denn das?" fragt der allzeit wißbegierige Hans. Ja, mein Junge, aus dem Kopf weiß ich das auch nicht!" Ich weiß, was wir tun, Vater!" und schon ist Grete aufgefprungen und zum Bücherbrett gerannt: " Da ist der kleine Stürschner!"( Kürschners Universal- Konser bationslegifon in einem Bande. Berlin und Leipzig. Verlag Hermann Hilger.) Rasch wird das Konservationslexikon aufgeschlagen: farus, Sohn des Dädalus, mit dem er mit wäch fernen Flügeln aus dem Labyrinth floh Am Samstag Nachmittag ist der Vater mit Hans im Wald gewesen. Einen ganzen Strauß Blumen haben sie der Mutter mitgebracht. Sieh mal, da find Margariten und Weiderich und Fingerhut, aber was ist das Gelbe hier mit den steifen Blättern? und dies? und das?" Vater, hilfft du mir mal eben mit dem Bestimmen? Gern, Hans!" Die Pflanzenkunde, ber kleine Schmeil( Otto Schmeil: Pflanzenkunde, Leipzig) wird bom Bücherbrett gelangt, und schon sind Vater und Sohn als gute Kameraden über das Buch und Pflanzen gebeugt. In der Weihnachtszeit ist große Geschäftigkeit im Wohnzimmer. Der Eßtisch ist abgeräumt, Hans flebt ein Kästchen für Mutters Knöpfe, Grete hätelt bunte Sterne, und Mutter macht etwas so Geheimnisvolles, daß keiner hinschauen darf. Da kommt der Vater heim vom Büro.„ Kinder, draußen schneit Bater, und stürmt es, aber bei euch ist's mal gemütlich. weißt du, was du jetzt tun solltest? uns mal wieder eins bon Andersens Märchen( H. Chr. Andersen: Sämtliche Märchen. Bolksausgabe. Verlag Abel und M., Leipzig) vorlesen. Das bom Tannenbaum, weil das so schön in die Weihnachtszeit past," bettelt Grete. Nein das vom standhaften Zinnsoldaten, ba fann man so schön bei lachen", meint Hans. Vater aber schlägt den geliebten roten Band an noch einer anderen Stelle auf, und das Märchen von der Schneekönigin läßt das warme Wohnzimmer doppelt gemütlich erscheinen. -www Mutter, weißt du, was Maria und Lotte und ich gern möchten? Schillers Räuber" mit verteilten Rollen lesen, wir haben näm lich in deinen Schiller reingekuckt, und die Räuber find so prachtvoll wild. Wenn wir bloß genug Exemplare hätten; benn ich glaube, Hans und seine Freunde machen auch mit, und du doch auch, Mutti?" ,, Aber gern so oft ich Zeit habe," antwortet die Mutter, und mit den Büchern läßt sich's schon machen. Lauf nur eben zu Schäfers und zu Kerrs, die haben doch natürlich einen Schiller in ihrer Hausbücherei und leihen ihn uns gern!" Nach 20 Minuten ist Grete zurüd mit 4 Räuberegemplaren.„ Da, das ist doch fein, daß die Bekannten den Schiller( Schillers Werke in 4 Bänden in Bergs goldenen Klassiker- Bibliothet) haben. Weißt du, Mutter, was ich mir mal von dir zur Hochzeit wünsche? eine feine Hausbücherei." 126 b 0 Mitte I g f GK- R d 275. Pelzgarnituren aus Kaninchenfellen. Außer dem guten Braten liefert die Kaninchenzucht auch reichlich viel Felle, die zu allerhand Nüzlichemt verarbeitet werden können. Bettvorleger, Kleine Teppiche, Fußsäcke, und vor allem Belzgarnituren für groß und flein. Unsere Abb. 275 zeigt eine Garnitur aus schwarzem Fell für Knaben und eine aus weißem, schwarz gemustertem Fell für Mädchen. Nicht immer werden die Farben der Felle den Wünschen der Züchterinnen entsprechen, die Felle können aber auch gefärbt werden, dunkelbraungrau in der Art wie Hamsterfell oder schwarz; ganz weiße Felle können mittelgrau toie Feehpelz gefärbt werden. Zunächst stelle man sich aus starkem Papier die ganz genauen Schnittmuster her, dann breite man die zu verwendenden Felle flach auf dem Tisch aus und stelle fest, wieviele Felle man zu der betr. Garnitur gebraucht. In der Regel lassen sich 1 Knabenkragen, 1 Mädchenkragen oder Kinder- Muffen aus je einem Fell arbeiten, für einen Herrenkragen müßte es schon ein sehr großes Fell sein, für Damenfragen ge braucht man 2 Felle. Das Fell wird zunächst flach auf den Tisch gelegt und links mit den flachen Händen glatt ausgestrichen, dann stellt man auf der rechten Seite die ge naue Rüdenmitte fest, durchsticht diese mit feiner Nadel und zeichnet sie auf der linken Seite mittels Bleistiftstrich auf. Abb. a. Dann untersucht man das Fell auf schadhafte Stellen, die sorgfältig ausgebessert werden müssen, Abb. a, d. h. man sett Stücke ein, die man ganz genau auszupassen hat, damit sich der Strich der Haare so legt, wie beim Hauptteil. Felle dürfen nicht mit der Scheere geschniten werden, weil dadurch die Haare zerschnitten würden, man zeichnet sich die Schneidelinie mit Bleistift auf und rigt dann das Fell mit einer sehr scharfen Messerspizze durch. Am besten ist dazu das eigenartige Belzmesser. Die Naht tanten beim Belz sind nur ganz schmal etwa 1/2 mm breit zu rechnen, man fügt die Ränder mittels überwendlicher Stiche zusammen mit feiner Nadel und dünnem, festem Zwirn, siehe Abb. b. Für Knaben- und Herrenkragen und Müßenränder schneidet man die Felle genau in der Mitte durch. Um die gerundete Form zu gewinnen, streicht man nun den geschnittenen Rand mit den slach aufgelegten Hän den kräftig aus, bei der Mitte beginnend in der Richtung der-> siehe Abb. c und d. Die Felle geben meist gut nach, man feuchte sie ein ganz wenig an, um sie besser aus. streichen zu können. Ergibt sich die Nundung nicht ganz, so schneide man kleine Zwickel heraus und nähe die Schnitt. ränder fest zusammen, siehe Abb. e. Der Halsrand des Felles wird zur hinteren Mitte des Kragens genommen, die Naht ist noch mit einem 3 cm breiten Tuchstreifen zu befeßen, damit sie nicht einreißen kann. Das Kopfteil der Müße sowie Muffen schneidet man aus dem ganzen Fell heraus, ebenso Kragen für eine Mädchen, siehe Abb. g, hier muß die Mitte des Fells ein Stück eingeschnitten werden, damit es sich in der Richtung nach außen streichen läßt. Für Damenkragen gebraucht man zwei passende Felle, die nach Abb. f zuzuschneiden sind. Die Kragen werden mit feiner Gaze und Watte belegt, dann schlägt man die Ränder schmal um, näht sie an der Einlage fest und füttert sie mit Seide oder Satın ab. Die Mühenränder näht man auf Schneiderleinen, damit sie die Form behalten. Kopfteil und Rand werden im Pelz und Futter je für sich zusammengenäht und dann aneinander gebracht. Bei Damenfragen fügt man dem Halsausschnittrand noch eine Falbel aus Seidenstoff ein. Anleitung zur Arbeit der Muffen Seite 101 Seft 13, 1919. Sehr geschickte Hände können auch zweierlei Belzarten zusammenarbeiten in dem die dunklere Belzart als Randsaum genommen wird. Schnittmuster zu Kragen, Müzen und Muffen erhältlich. Preis 80 Pf. Urheberinnen: Abb. 252 Thea Wirminghaus, Köln; 203, 265, 267 Johanne Straderjan, Köln; 264 Maria Haaser, Köln; 266 Friedel Schneider, Wust bei Brandenburg a. H.; 270 und 271 Jda Schroer, Köln; 273 Besitzerin Fr. Tinger., Nideggen( Eifel); 274 Clementine Böhl, Köln; 275 Marg. Schmid, Berg- Gladbach. Schnittmusterbogen. Begen 1 enthält eine Anzahl Schnittmuster von Heft 3, 4, 5 u. 6. Bogen 2 enthält eine Anzahl Schnittmuster von Heft 8, 10, 11 und 12. Bogen 3 enthält eine Anzahl Schnittmuster von Heft 9, 11, 13 u. 14, u. Bogen 3a enthält Schnittmuster von Heft 14, 15 u. 16. Preis des Schnittmusterbogens 50 Pfg. u. 10 Pfg. Porto bei Einsendung untenstehenden Gutscheins. 50 Der Borlag gibt nommalschnitte der Schnitte Gutschein für Schnittmusterversandaljonite werden noch mittelgroßen nach Maß zu am Schluß jeder Beschreibung angeführten Preisen ab und Schnittmusterbogen Maße der Normalschnitte für Erwachsene ungeschnürten Normalfiguren gezeichnet. Maße der Normalschnitte für Jungmädchenkleider Borbere Rückens Hiods Länge Länge länge Größe in cm Dbers Gürtel weite Bordere Stildens Rod Obers Gürtels Hüftenwelte Alter Hüftenweite welte Länge länge länge weite weite I 90 70 901 II 98 75 103 III 106 80 114 IV 116 86 125 15 cm unter bem Gilrtels gemeffen 38 36 100 38 37 102 " 39 38 88 102 12-14 Jahre 82 64 14-16 16-18 H 8880 86 90 #BR 66 70 90 488 841 88 14 cm unter dem Gürtel 39 102 gemessen 333 34 35 35 36 36 36 5555 65 85 Adresse: Den Betrag für die gewünschten Schnitte und 40 Pf. Porto wolle man mit der Bestellung einsenden, andernfalls Zusendung mit Nachnahme die sich außer Porto noch um 50 Pf. erhöht. Ausführl. Anleitung zum Maßnehmen ist vom Verlag G. Braunfche Hofbudbrudere! u. Verlag Karlsruhe i. B., Karlfriedrichstr. 14. zu beziehen. Wir bitten bei Bestellungen von Nov malschnittmustern die genaue Größe anzugeben. 127 Die Heimat auf dem Lande B Etwas vom Spinnen Wenn im Dorfe früher die letzte Barbe eingebracht und Obst und Kartoffeln im Keller geborgen waren, wurden trotz der dunkler wer denden Tage die Gesichter der jungen Mädchen und der sorgenden Hausfrauen heller. Sie dachten an die beginnende Spinnstube, diese gemütliche Einrichtung des Dorflebens, die in den letzten 30 Jahren fast ganz daraus ent= schwunden ist. Die Hausfrauen dachten mit Erleichterung daran, daß die Lücken des Jahresberbrauchs in den Garnen und Stoffen aus gefüllt wurden, die jungen Mädchen freuten sich auf die Kurzweil, die das Zusammensein mit den Freundinnen und den Vertretern des anderen Geschlechtes ihnen bringen würde. Ehe der Flachs an diese Bestimmung gelangen tann, bedarf es vieler Arbeit während des ganzen Jahres. Hatte der Bauer eine ansehnliche Feldbreite auf die Bitte der Hausmutter mit Flachs bestellt, so dachte sie beim Anblick der schön im Winde wogenden hellblauen Blüten gewiß manchmal mit leichtem Schauer an die Mühsal, die ihrem Hauswesen durch die Pflänzchen bevorstand. Die Flachsfafer sitt im Stengel und muß erweicht und ven den umgebenden Holzteilen befreit werden, ehe man sie benüßen kann. Wenn der Flachs im Juli reif ist, wird er gerauft und getrocknet. Dann befreit man ihn von den Samenknoten, wozu die Pflanzen durch die Reepe, Abb. 1 gezogen werden. Die Kapseln werden zur fünftigen Saat ge braucht, oder man gewinnt Leinöl daraus. 1 Die vor allem wichtigen Stengel werden nun einer Gärung unterzogen. Sie müssen ,, rotten"( rösten). Die Bäuerin legt sie dazu tagelang auf den Rasen, wo Luft und Tau die Gärung bewirken( Tau- oder Rasenröste) oder sie stellt sie in ein stehen. des oder fließendes Gewässer( Teich- oder Wasserröste). Nach diefer Gärung werden die Stengel wieder getrocknet, am besten im sonnigen Frühjahr, denn wer es kann, verarbeitet den Flachs erst im folgenden Jahre. Er wird zunächst mit dem Dresch flegel oder der Tratsche, Abb. 2. einmal burchgedroschen. Nun muß die Brate heran, um die hartnäckige Flachspflanze weiter zu erweichen. Abb. 3. Immer ein Teil Flachs wird ,, übergelegt" und der obere Teil des Geräts wuchtig einigemal darauf niederfallen gelassen. Die Schleppbrake, ein ähnliches Gerät, in welches drei Messer eingesetzt sind, seht diese Behandlung noch nachdrücklicher fort, es sind jetzt die Fasern von den gröbsten Holzteilen befreit. Um die feineren loszumachen, wird die Schwinge genommen. Abb. 4. Man legt ein Teil Flachs durch die oben ersichtliche Öffnung, hält es mit der linken Hand fest und führt mit der rechten, die das Schwingholz hält( unten rechts) am Gestell vorbei scharf auf den Flachs nieder. Das Gestell verhütet das Verletzen der Finger durch das Schwingholz. 2 Der schon ganz handlich gewordene Flachs wird völlig spinnfähig gemacht durch das Kämmen mit der Hechel. Abb. 5. Durch dies Kämmen scheidet man die gröberen Fasern, die immer noch ganz fleine Holzteilchen enthalten, die Hede, Werg oder Schewe von dem eigentlichen weichen Flachs. Die Hede ist zu gröberem Gespinnst ganz gut zu gebrauchen. Mit Stolz zeigte mir eine alte Frau ihre dauerhaften Handtücher, die halb aus Flachs, halb aus Hede gewebt waren. In größeren Haushaltungen gab es für die Hede ein besonderes Spinnrad. Wir wollen dem Flachs auf seinem weiteren Wege zum Webstuhle nicht nachgehen, sondern ihm nur folgen, bis er seidenweich und hellgelb um den Spinnroden gewunden wird, den man am Spinnrad befestigt. Ein Wocken. band aus startem Papier, mit einem bunten Band umschlungen, hält ihn. Das bunte Seidenband ist ein beliebtes Geschenk der jungen Männer an ihre Erkorene. In der Lüneburger Heide wurden früher regelmäßig Spinnstuben abgehalten, die in 6 einem Dorfe zusammenkommenden Haustöchter oder Mägde hießen ein„ Spinnklumpen" oder Spinntrupp". Wo in einem Hause Anfangs Winter die Spinnstube zuerst stattfinden soll, sagt eine Magd es vorher an, und die Hausfrau rüstet sich mit Kaffee, um die Fleißigen zu erquiden. Um 3 Uhr nachmittags stellt sich mit ihren Spinnrädern die fröhliche Schar ein, die kein Regen noch Schnee, noch schlechter Weg von den weit auseinander liegenden Gehöften zurückhält. In der warmen Stube beginnt nun das Schnurren der Räder, in das hin und wieder das Klappern des Haspels hineintönt, der zum Abwickeln der gefüllten Spule in jeder Spinnstube bereit steht, siehe unsere Abbildung 6. Um 8 Uhr stellen sich die jungen Männer ein, die Knechte oder Kerls. Nicht zu junge! Wenn ein Jüngling an der Spinnstube teilnehmen will, der nach Anficht der Mädchen noch nicht das richtige Alter hat, so kann er riskieren, von ihnen in einen Sad gestedt, und tüchtig gehänselt zu werden. Nun beginnt, ohne daß gerade mit dem Spinnen aufgehört wird, mehr das Vergnügen. Die jungen Männer postieren sich hinter ihre Angebetete. Reißt einem Mädchen der Faden, so nimmt ihr der junge Mann den Wocken weg, und sie kann ihn nur durch einen Auß wieder einlösen. Auch Pfänderspiele werden gemacht und ist kein Schandarm" in der Nähe. die Polizei hatte es in den letzten Zeiten der Spinnstube sehr auf sie abgesehen- so wird nach den Klängen der Ziehharmonika ein 3 Tänzchen gemacht. Um 10 Uhr winkt die Hausmutter zum Aufbruch, die Burschen beladen fich ritterlich mit dem Rade ihrer Mädchen und geleiten sie heim. Sonnabends ist feine Spinnstube, da sie das in allen Häusern übliche Reinmachen stören würde. Naht der Frühling, so findet in einem Bauernhause das„ Abtrinken" statt. Ein wohlhabender Hof, aus dem die Haustochter dem Spinntrupp angeT 5 6 hört, nimmt freundlich diese Pflicht auf sich, die in einer guten reichlichen Mahlzeit besteht. Damit ist für das Jahr die Spinn stube aus, die einen so festen Platz im Gemütsleben der Dorfbewohner einnahm, daß auswärtigen Mägden alljährlich ein 14 tägiger Spinnurlaub gewährt wurde, damit sie an der Spinnstube ihres Heimatdorfes teilnehmen konnten. Mit Unrecht ist viel über die Spinnstube moralisiert worden. Damit, daß fie gelegentlich ausartete, teilt sie nur das Schicksal aller Vergnügungen. Sie war für die ländliche Jugend eine natürliche Form der Geselligkeit, die Fleiß und Kurzweil auf eine glückliche Weise verband. Manche glückliche Ehe hat ihren Ursprung in der Spinnstube gefunden, es wurden dort schöne Lieder und alte Sagen, die sonst längst verklungen sein würden, von Geschlecht zu Geschlecht weitergegeben. Wir würden uns freuen, wenn aus dem Leserinnenkreise, in dem gewiß noch hie und da eine Spinnstuben- Überlieferung lebt, dergleichen mitgeteilt würde. über den Nußen des Spinnens für unsere heutige Zeit wird in einem nächsten Aufsatz über ländliche A. BL. Stoffe die Rede sein. Spinn, Mägblein, spinn So wachsen dir die Sinn', Wachsen dir die langen Haar, Kommen dir die klugen Jahr. Spinn, Mägdlein, spinn. Alter Spruch. 128 Schokolade Deutschmeister Hervorragende Qualität Alleinige Fabrikanten: Petzold& Aulhorn A.-G., Dresden Vorrätig in den meisten Spezial-, Delikatessen-, Kolonialwaren- Geschäften und Konditoreien. Mitesser Vicle! 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