Ur. 272. KboimrmtMs-Zedingungen: Bbonnementä- Preis pränumerando: Vicrtcljährd Z.Zo Ml., monatl. 1,10 aJU., wächenllich 28 Pfg. frei in« Hau«. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntag«- Nummer mit illuftrirter Sonntag«- Beilage„Tie Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zeitung«- Preisliste für 1897 unter Nr. 7487. Unter streuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da« übrige Ausland 3 Marl pro Monat, 14. Jührg. Die Instrtions- Gediihr beträgt für dte fechsgefpallene Kolonel- zetle oder deren Raum 40 Psg., für verein«- und Versanimlungz-Anzeigen, sowie Arbettsmarlt 20 Pfg. Inserate für dl« nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittag« in der Expedition abgegeben werden. Tie Expedition ist an Wocheutagen bi« 7 Uhr abends, a» Sonn- und Festtagen bis o Uhr vormittag« geöffnet. Erschrml täglich außer»onisg«. Derlinev Volksblntt. Fernsprecher: Ami I, Nr. ISOS, Telegramm-Adresse: „Soiialbcmpstrai Verlin". Zentralorgan der soziatdeinokratij'chen Partei Deutschtands. Weduklion: SW. 19, Wettiy-Straße 2. Sonntag, den 2i. November<81)7. ß-pedlNou; SW. 19, Weuly-Straße 3; Eine Verfügung des UNinistees. Gegen das T u e l l hat der I u st i z m i n i st e r eine Verfügung au die Staatsanwaltschaften erlassen, die als ein Erfolg der Univilleilsknudgebungen der Ocffeiltlichkeit und des Reichstags anzusehen ist. Der Justizniinister ist der Meinung, daß die nngenügendc Ahndung der Duelle weniger dem geltenden Gesetz als der Haildhabung desselben verschuldet sei. Es würde» meistens nur die vom Gesetze vorgeschriebenen Mindest- strafen verhängt. Diese milde Praxis habe zur V e r m e h r n n g der Duelle beigetragen. Diese Praxis sei so- lange eutschnldbar gewesen, als sie durch das öffentliche Rechts bewußtsein getragen worden sei. Das sei aber jetzt nicht mehr der Fall. Der Minister verweist auf den ein- stimmigen Beschluß des Reichstags vom 21. April 1896, durch welchen die Regierungen ersucht wurden, mit allen zu Gebote stehenden Muteln dem Dnellwesen entgegenzutreten, sowie a» die entsprechende Zusage des Reichskanzlers. Ter Minister verfügt daher folgendes zur Nachachtnng: „Für die Beamte» der Staatsanwaltschaft erwächst hieraus die Pflicht, bei noch vorkonluieiiden Ueberlrelungeu der TueN- gesetze auf eine nachdrückliche A» iv e n d u n g der lctzlcre» hinzuwirken. Mehr als bisher wird hierbei ans die Ver- anlassnng des Duells, ans die größere oder geeingcre Frivolität bei der Herbeisübrnng desselben, auf das Verhallen der Betheiliglen gegenüber dem Versuch eines friedlichen Ausgleichs, auf die Schwere der Kampsbedingungen und auf den Ausgang des Zwei- tampfes Rücksicht zu nehmen sein. Dabei ist»ich! außer Acht zu lasse», daß die gewohnlich für die Anwendung niedriger©Unsen angeführten Gründe, welche einem verfeinerten Ehrgefühl und den in gewissen Ständen und Gesellschafisklassen herrschenden?ln- schaumigen entnommen z» iverdeu pflegen, in der dem Ziveikamps im Strafgesetzbuch eingeräumten Soudersicllung schon eine weitgehende Berücksichtigung gefunden haben. Ihne» auch bei der Slrafabmcssnng im Rahmen des Gesetzes ein ent- scheidendes Gewicht mit der Wirkung beizulegen, daß die lieber» schreitnng der Mindeslstrascn einer besonderen ötechtferligung dedürfe, würde der Absicht des Gesetzes nicht ent- spreche»." Des weiteren erörtert die ministerielle Verfügung die Frage, ob anderseits die bestehenden Einrichtungen genügen,„gegen Ehrverletznngen einen wirksamen Schutz im Wege des gericht- lichcn Verfahrens zu gewähren." Sie führt hierzu aus:„Es kann nicht befremden, daß jemand, der sich oder seine nächsten Angehörigen in ihrer Ehre schwer gekränkt sieht, in der rcgel- mäßig erst nach Monaten erfolgenden Vernrlheilting des Be- leidigers zu einer geringen Geldstrafe eine a n g e m e s jene Sühne nicht erblickt." Dazu komme für den Beleidigten die Befürchtung, daß der Beleidiger, wenn er angeklagt ist, dann zu seiner Entlastung oft die ganze Vergangenheit des Prozcßgeguers einer gründlichen Untersuchung zu nnterwersen sucht. Zur Beseitigung dieser angeblichen Mißstände sagt die Verfügung: „Dem Beruf der Slaatsaawallschasi entspricht es, innerhalb ihres Wirkungskreises solchen Mißbräuche» nachdrücklich entgegen- zutrete» und dahin z» wirken, daß Beleidigungen nach Maßgabe ihrer Schwere eine rasche und ein- p s i n d l i ch e Sühne finden. Wen» erst die lleberzeugung ein« allgemeine wird, daß auch das Rechlsgut der persönlichen Ehre im Falle seiner Verletzung eines kräftigen Schutzes bei den ge< ordnelen Behörde» sicher ist, so darf erwariet werde», daß der Anreiz zu gesetzwidriger Selbsthilfe sich minder» werde, lim so mehr wird es alsdann berechligt erscheinen, auch gegen die Heber, lreter der Dncllgesetze mit voller Strenge einzuschreiten. In wie weil die vorstehend entwickelten Gesichtspunkte Anlaß geben töuuen, auch bei Privalbeleidigungen die Erhebung der öffentlichen Klage als im öffenllichen Interesse liegend anzusehen, darf der Erwägung im Einzelfalle überlassen werden." Wir scheu in. dieser Verfügung einen Versuch der Regie- rung, der Zusage des Kanzlers in der Richtung der Ver- Minderung der Duelle nachznkommen, einen Versuch, der gewiß auch bis zu einem gewissen Gerade und in gewisser Hin- ficht gute F�lZirn erzielen dürfte. Zu beinerken ist aber, daß der Justizniinister zngicbt, daßnicht alle Schuld an der bisherigen Handhabung des Gesetzes gelegen hat, daß vielmehr das Gesetz selbst nicht genügend ist. Ebenso wie die laxe Handhabung der Duellbesliminungeu eine Folge der besondere» Ehrbegriffe ist, die sich gewisse„bevorzugte" Gcscllschaftsschichleu zuschreiben und die ihren Einfluß gerade auch auf die Kreise der Staatsanwälte und der Richter ans- geübt haben, so sind auch die gesetzliche» Bestimmungen selbst aus diesen falschen und veralteten Ehrbegriffen hervorgegangen. Was an gewöhnlichen Sterblichen als Todlschlag und Mord geahndet und mit den allerhärtcsten Strafe» bedroht ist, das gilt, nach dem Gesetz, bei dem dnellmäßigen Todtschlag und dem dnellmäßigen Mord als ein ver- hältnißmäßig unbedeutendes Vorgehen und ist deshalb nur mit geringerer Strafe bedroht. Indem also der Justizniinister eine Acnderung des öffent- lichen Rechtsbewußtseins in der Auffassung des Duells an- erkennt, müßte er logischerweise auch eine Aenderung der Gesetzesbestimmungen selbst vorschlagen. Eine derartige Absicht scheint jedoch in Regierungskreisen nicht zu bestehen und doch würde gerade hierin ein sehr wirksanics Mittel zur Erreichung des Zweckes liegen, den auch die Re- gierung, wie sie sagt, anzustreben beflissen ist. Vor allem aber muß im Anschluß an die Versügnng des Justizministers eine Aenderung der B e g n a d i g u n g s- praxis gefordert werden. Gerade die häufigen, fast regelmäßig erfolgenden amtlichen Empfehlungen der Duellfexe durch denselben I n st i z m i n i st e r, der die vorliegende Ver- fügung erlassen hat, haben das öffentliche Rechtsbewnßtsein am meisten in Erregung versetzt; in der sicheren Hoffnung auf Begnadigung haben die Rauflustigen sich mit leichtem Spott über das Gesetz hinivegsetzeu zu dürfen vermeint. Hier müßte unbedingt Wandel geschaffen werden. Und da der Justizniinister bei der Auswahl der zu Begnadigenden die ausschlaggebende Stelle sein soll, so wird es seine Aufgabe sein, hier ernstlich einzugreifen. Das würde von ganz anderer Bedeutung sein als die auffallende Empfehlung, bei Beleidigungen strengere Strafen zu verhängen. Ja diese Empfehlung dünkt uns nicht nur nicht nöthig für den beabsichtigten Zweck, sondern höchst bedenklich; sie verunstaltet die sonst annehmbare Verfügung des Justiz Ministers vollständig. Denn im allgemeinen kann davon gar keine Rede sein, daß die Gerichte bei Beleidigungsklagen zu milde strafen. Insbesondere pflegen die Straf maße gegen die Redakteure oppositioneller Blätter oder oppositionelle Redner außerordentlich hohe zu sein. Tic Ehre der Beamten und Fabrikanten, die einmal von einem sozialdemokratischen Blatte in der Hitze des poli- tischen Gefechts ein wenig angetastet' worden sein soll, ist oft mit geradezu horrenden Strafen weiß gewaschen worden. Wir wollen gewiß keine Lanze brechen für leichtfertige Beleidigungen, aber bei der Härle des Strafgesetzbuches gegenüber Beleidi- gunge», bei der strengen Ahndung auch jeder nur formellen Beleidigung, die man in England beispielsweise überhaupt nicht kennt, erscheint eine Aufforderung in so allgemeiner Form, wie sie der Justizministcr giebt, sehr bedenklich. Sie könnte leicht zu ivcitercn Erschivernngeu in der Erörterung öffentlicher Angelegenheiten, von der sich die Charakterisirnng von Persönlichkeiten oft nicht trennen läßt, führen. Dieses wird um so mehr der Fall sein, wenn die Staatsanwälle zur Erhebung der öffent- lichen Klage bei Beleidigungen gar in noch reichlicherem Maße als bisher schon schreiten, wozu sie der Justizminister unzweideutig auffordert. So wird die geringe Dosis des Erfreulichen, was die Verfügung bezüglich der Dncllbestrafnng bringt, durch doppelt bedenkliche Anweisungen hinsichtlich der Beleidigungsklagen im stärksten Maße beeinträchtigt. Zusagen zu halten ist nicht die starke Seite der Regie- rung. Und wenn sie endlich einmal daran geht, das Ver- sprochene durchzuführen, so geschieht es mit allerlei Wenn und Aber, mit Einschränkttngen und Zugaben, wie es den reaktionären Strömungen paßt. So auch hier wieder. Ein kleiner Fortschritt in der Bekämpfung des Duellunwcsens und dafür die Aussicht ans einen um so größeren Rückschritt in dein großen Gebiete der Beleidigungsklagen! So sehen Reformen in Preußen aus! Grnf Golurszmvslu über die auswärtige» Zlugelegeuheitc». Eine beachtcnswcrthe Rede hielt der österreichisch-nngarische Minister der auswärtigen Angelegenheiten, Graf Golnchowski im Bndgetansschnffe der nugarifchcn Delegation. Er bc- lonle die Festigkeit des Dreibundes, die guten Beziehungen zu Rußland, die Thatsache, daß Ocsterrcich-Ungarn und Frankreich keine widersprechenden Julercssen hatten, daß trotz kleiner Differenzen mit England die Beziehungen zwischen beiden Staaten herzliche seien, mit besonderer Wärme behandelte er das Vcrhällniß zu Rumänien, kühler das zu den anderen kleinen Staaten auf der Balkanbalbinsel. In seinem Rückblick über die kretcnsische Frage und das Verhalten der Mächte zu dem griechisch-lürktschen Konflikt betonte er besonders die euro- päischc Aktion zur Verhütung dcs Weitcrgreifens der kriegerischen Ereignisse ans die übrigen Balkanlänver und koustatirte hierbei, daß alle Mächte in höchst loyaler Weise das ihrige zur Hintauhaltung größerer Komplikationen beigetragen habeu. Ferner erwähnte er rühmend die Einigkeit zwischen der österreichisch- ungarischen und der russischen Regierung. Zu der Frage der Neuordnung der Verhältnisse ans Kreta theilte der Minister mit, daß die Mächte die Regelung nnninchr in Angriff genommen haben, daß aber die Verhandlungen noch in einem Stadium seien, das ihm Reserve auferlege. Das Ziel sei: weitgehende Autonomie unter Wahrung der Souveränetätsrechte des Sultans und Garantien für den Schutz der mohamedanischen Minorität. Diese schwierige Ausgabe dürfte Zeit erfordern, schließlich aber dürften die Mächte die Hindernisse überwinden, wie auf anderen Gebieten. Zu den türkischen Reformen übergehend, sagte Graf Golnchowski: Wenngleich die sogenannten Reformen, welche das lebhafte Interesse der europäischen Mächte weckten, bisher aus ver- verschiedenen Gründen noch nicht praktische Anssührung finden koniuen. so habe doch der blohe Umstand, daß die Kabinette dieser Frage ernste Aufmerksainleit zuivendeten, dazu beigetragen, die öffentliche Meinung z» beruhigen und auch die Türkei einigermaßen zur Besinnung zu bringen. Es wäre im eigensten Interesse der Türkei zu wünschen, daß der Sultan, der während der Friedensverhandlungen manche Beweise von Mäßigung und politischer Einfielt gegeben, nunmehr selbst die Initiative zu radikalen Verbesserungen ergreife. Europa müsse darauf b e st e h e n. von der släu- digen, ihm durch Mißbräuche im otto- manischen Reiche bereiteten Sorge befreit zu werden, dabei sei nicht von Reformen im weslenropäischen Sinpe die Rede, die mangels entsprechender Kräfte undurchführbar wären, sonder» eS handele sich um die Schaffung erträglicher, in e n s ch l i ch e r Z ii st ä» d e, welche die Sicherheit der Person und des Eigenthums verbürgen, und das liege in der Macht des Sultans. Seine Stellung und sei» Ansehen könnten dadurch nur gewinnen; nur gewiffenlose Ralhgeber wäre» im stand«, ihn von einem solche» Enlschlnffe abzubringen. Der Minister schloß seine Expose mit der Ausführung, daß Europa a l l e ni Zl n s ch e i n e nach in seinem Entwickclungsprozesse an einen Wendepilnkt gelaugt sei, der nachhaltige Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen müsse. „Die großen, immer gebieterischer sich aufdrängenden Pro- blcme der materielle» Wohlfahrt liegen nicht mehr in utopischer Ferne, sie sind thatsächlich vorhanden und dürfen nicht übersehen iverde». Der vernichtende Konkurrenzkampf, den wir auf Schritt und Tritt auf allen Gebieten mit überseeischen Ländern theils schon habe», theils nächstens gewärtigen müssen, erheischt ra sclie, durchgreifende Gegenwehr, sollen nickt die Völker Europa's in ihren vitalste» Interessen die empfindlichste Schädigung erfahren und dem all- in ä l i g e» S i e ch t h u m e eulgegeugehen. Schulter a n Schulter müssen sie kämpfen gegen die gemeinschaslliche Gefahr, und zu diesem Kampfe müssen sie sich rüsten mit dem Aufgebote aller verfügbare» Hilfsquellen. Groß und schwer ist die Aufgabe, die ihr charntteristisches Merkmal. wenn nicht alle Anzeichen trügen, der nächsten Zeitepoche aufdrücken dürfte. Das 20. Jahrhundert sagt sich für Europa als ein Jahrhundert des Ringens ums Dasein auf handelspolitischem Gebiete an, vereint sollten sich dessen Völker zusammenfinden,»m in der Verlheidignng ihrer Existenzbedingungen erfolgreich wirken zu können. Möge die Erkeniitniß davon allgemein durchdringen und uns vergönnt sein, die Zeiten friedlicher E n t w i ck e l u n g, denen wir nunmehr vertrauensvoll entgegen« blicken, zu benützcn, um unsere besten Kräfte zu sammelu und vornehmlich diesem Ziele zuzuwenden." Was der Minister über die Beziehnntzen zu den europäischen Staaten sagte, ist die bekannte optimistische Darlegung, die sich rn fast alle» Thronreden und Expose's der Minister der auswärtigen Aiigclcgenheitcn findet; blos die Abstufultgen, wie die einzelne» Staaten im Grade der Intimität zu Oesterreich-Ungarn grnppirt werden, kann als charakteristisch anerkannt werden. Die Ausführungen über die Vorgänge im Orient bieten absolut uichts Neues. Blos die energische Betonung der Nolhiveudigkeit von Reformen in der Türkei köuute beachteuswerth erscheinen, wenn man nicht seit 75 Jahren immer wieder in allen Tonarten das gleiche gehört hätte. Ter Ton klang diesmal wohl nur deshalb etwas schärfer als sonst, iveil die Türkei es eben z» eiucnz kleiucu Konflikte mit Oesterrcich-Nugaru hatte kommen lasse», Weit bcdcutuugsvollcr als die allgemein politischen An?- sührnugen des Grafen Golnchowski sind seine Schlußbemerkungen, die nichts weniger bedeuten, als eine handelspolitische Kriegs- crklärnng der zollpolitisch zu vereinigenden Staaten Europas gegen die bestehende laudivirthschaftliche Konkurrenz Amerikas und die drohende iudustrielle Konkurrenz nicht blos Amerikas, sondern auch Ostasieus sind. Der Gedanke, vielfach von Nalioitalökouomen und Politikern bisher erörtert, wird hier zum ersten Mal offen als Regiernugs- Programm proklamirt. Graf Golnchowski kann eine so scharfe Und weittragende Erklärung nicht abgegeben haben, ohne daß mit den Kabinetten der europäischen Handelsmächte über die Stellung zu der uordamerikauifchen Union weitgehende Vorverhandlinige» gcpflogc» wurden. Der Leiter der auswärtigen Politik Oesterreich- Ungarns hat als Mandatar der europäischen Regierungen gesprochen. Seine Rede wird in der nächsten Zeit den Mittelpunkt der politischen Dis- kussion in Europa und in Amerika, in der Presse und in den Parlamenten bilden müssen. Die Thronreden, mit denen am 3V. d. Mts. der deutsche Reichstag und das italienische Parlament eröffnet werden, müssen zu der Frage des europäischen Zollkrieges gegen Amerika Stellung nehmen. Wir begnügen uns heute, die große Bedeutung dieser uugeivöhnliche»'Ankündigung festzustellen. Im einzelnen muß die Würdigung derselben vorbehallen bleiben.— VolMfchv Berlin, 20. November. „Grober Unfug" und keine Ende! Wegen eines am 9. September in der B r e s l a u e r„Volksmacht" er- schiencncn Artikels, der die Sedaufeier betraf und mit dcx Wendung begann:„Der Mordspntriotismus will nicht mehr ziehen," war der verautworlliche Redakteur N e u k i r ch angeklagt ivorden, groben Unfug begangen zn haben. Das Schösse u gericht erkannte am 9. Oktober auf Frei-. sprechung mit der Begründung, daß die an sich geschmack- lose und ungebührliche Bezeichnung des SedaufesteS als„Mords- Patriotismus" gleichwohl eine Belästigung des Pitblikuins nicht darstelle. Die Staatsanwaltschaft legte hiergegen Berufung ein und die dritte Strafkammer verurtheilte am Freitag den Angeklagten, gemäß dem Autrage des Staatsanwalts, zn vier Wochen Haft. Das Erkeuntniß lautet: Daß in Deutschland unter den verschiedensten Parteien über die Frage, ob regelmäßig wiederkehrende Sedaufeieru noch zweck- mäßig feie», die Ansichten auseiiiaiidergehcu. sei allgeiucin bekannt und bedürfe keiner weiteren Ausführung. Eine Kritik, welche sich rnrt) dieser Richtung fnchtich bewegt Hütte, würde nicht unter Strafe genoimnc» iverden könnein Wen« aber die Feier des Ecdantnges als Mordspatriatisinus bezeichnet und somit als eine Aerherrlichiliig des Mordes gebrandniarkl iverde, so sei das keine sachliche Kritik mehr. Wenn der glorreichste Tag jenes Krieges, de» die größte und einnuilhigfte Erhebung des deutschen Volkes auszeichne, die die vaterländis.ie Geschichte kenne, dergestalt in den Koth gezerrt und als Verherrlichung des Mordes bezeichnet werde, während thatsächlich doch der gewaltige Krieg lediglich zur Slbinehr von äußerst frivolen, freilich schon Jahrhunderte langen Ausreizungen der deutschen Nation durch das benachbarte Frankreich gedient habe, so werde dadurch das Gefühl aller deutschen Patrioten auf das bitterste verletzt. Und zwar werde nicht blas das Gefühl der Angehörigen anderer Parteien verletzt, sondern auch das einer großen Anzahl derer, die aller- dings die„Volksmacht" und ähnliche Blätter lesen, die aber damals als Krieger ihr Blrit auch hingegeben haben, um die heiligsten Güter zu wahre»; auch diese müsse es verletzen, wenn das Andenken an den Tag von Sedan als Mordspntriotismus hingestellt wird. Das Gericht erblicke aus allen diesen Gründen in den fragliche» Aeußernngen eine Ungebühr und habe unter Aushebung des schöffengcrichtlicbcn Erkenntnisses de» Zlngeklagten wegen groben Unfugs zn vier Woche» Haft vernrtheilt. Es ist nicht das erste Mal, daß der Grobe Unfugs- Paragraph so ausgelegt und angewendet wird, wie es das Breslauer Laudgcricht gcthau. Doch zeigt dieses Urtheil wiederum die ganze Bcdenklichkeit einer derartigen Recht- sprcchuug. Wir wollen die durchaus einseitigen Ansichten der Land- rlchtcr über die Jahrhunderte lange Feindschaft der beide» Nachbarstaaten hier nicht nachprüfen, denn das ist für die 'nristische Seite der Sache weniger erheblich. Wichtiger ist zu ragen, woher weiß das Landgericht, daß durch den von der „Bolkswacht" gebrauchten Ausdruck„das Gefühl aller deutschen Patrioten auf das bitterste verletzt werde"? Woher weiß es gar, sdaß von den Lesern der„Volksmacht" selbst eine große Anzahl verletzt sei? Hierüber hat keinerlei Beweiserhebung stattgefunden. Diese Behauptungen der Landrichter sind daher völlig unbewiesen. Von den Lesern der„Volkswacht" hat sich kein einziger beschwert und daß auch die übrigen „Patrioten" nicht belästigt worden sind, habe» die Schöffen selbst, die doch gewiß zum patriotischen.Publikum zählen, bestätigt. Wenn aber auch wirklich sich Angehörige der Parteien, welche die Kricgsvcrhmlichnng sei es aus guter Uebcrzeugung, sei es als Mittel, dem Volk etwas glänzendes vor die Augen zn stellen, sei es als eine Art Sport betreiben, sich geärgert und belästigt gefühlt habe», so ist damit vielleicht eine Parteirichtung, aber noch lange nicht die Oeffcnllichkcit, das Publikum betroffen. Daß aber die Kritik einer Partei an einer anderen diese verletzt, das liegt im Wesen jeder Kritik, besonders der scharf zutreffenden. Und ohne über die ästhetische Seite des frag- lichen Ausdrucks rechten zu wolle», die Uebcrzeugung, die hinter demselben steckt, ist eine jedenfalls viel respektabelere als die der kritisirlen St. Sedans-Schwärmer. Eine„sachliche Kritik" will das Gericht nicht als„groben Unfug" ansehen. Aber was ist „sachliche Kritik"? Eine Kritik, die vom Standpunkt der friedlichen Ausgestaltung der Völkerbeziehungen den dentsch-frauzösischen Bruderkrieg als ein Unglück für die europäische Menschheit be- trachtet, ist den„Patrioteil" unverständlich und nicht„sachlich". Erscheint eS dem Gericht„sachlich", wenn konservative Blätter die Oppositionsparteien als„Reichsfeinde", die Sozialdemo- kratie als„vaterlandslose Rotte" oder dergleichen bezeichnen? Ohne Zweifel. Denn wir haben noch niazt vernommen, daß irgend ein Gericht im ganzen Deutschen Reiche einen konservativen Schmähredner wegen solcher übrigens auch ästhetisch mindestens ebenso wenig geschmackvoller Aus- drücke vor seine Schranken zitirt und wegen Vcrübnng „groben Unfugs" vernrtheilt hätte. Und doch ist in diesen Fällen eine Belästigung und Verletzung zahlreicher Personen ebenso anzunehnien als in jenen Fällen. Durch solche Urthcile, wie das Breslancr Landgericht ge- fällt hat, dürfte weder das, was man„Patriotismus" zu nennen beliebt, noch das Ansehen der Rechtsprechung gefördert werde». Es wäre an der Zeit, daß derartigen, den Absichten des Gesetz- gebers völlig wiedersprechenden Auslegungen des§ 360, 11 endlich Einhalt geboten würde.— Zu dem Erlaß des JnstizmiuisttrS über das Duellmefen werden nnS noch von juristischer Seite folgende Ausführungen übermittelt: In der Versügung findet fich folgende geradezu auffallende Auslassung: Vie dvv dontfchen Vvieig-sntKrino. Bis jetzt haben Erörterungen über die Kriegsflotte noch wenig die öffentliche Meinung länger als nur vorübergehend beschäftigt. Zum ersten Male iverdeu Marincsragen zu den ivichtigsten Fragen der innere» deutsche» Politik und daher wird auch in himderle» von Versammlungen das Für und Wider zu gunsten oder ungimstrn der neuen großen Schiffsforderunge» erwogen werden. Da wird nun freilich die Voraussetzung zur Beurlheiluiig der Frage, nämlich die Kenntniß des Ziveckes der Marine, der verschiedenen Schiffsnrtcn, der Marine-Organisatio» u. f. w. als selbstverständlich bei feite ge- lassen. Und doch bedarf es keines weiteren Beweises: die Land- rattcn verstehe» recht wenig vom Schiffswesen und habeil oft ganz unklare Vorstellungen über die Kriegsmarine. Und doch war's auch für den Gegner der Marinevorlage von Nöthen, daß er einigermaßen über diese Dinge Bescheid wüßte. Da soll das deutsche Volk entscheiden, ob mehr Panzerschiffe. Kreuzer. Torpedos». s. iv. gebaut werden sollen, und manche wissen»och nicht, was eigentlich ein Panzerschiff ist. was es für eine Aufgabe hat, ivie sein Bau und seine Ausrüstung beschaffen ist. Eigentlich sollte man alles das doch wisse», bevor man über eine Marincvorlage entscheidet, und die Marin«-Osfiziösen wären die nächsten dazu. daS deutsche Volk über solche Dinge zn iuformircn. Aber wie so oft, sind wir ihnen auch hier über und werden sie erst durch unsere Darstellung nölhige» müssen, ihr Fachwissen zum besten des Volkes preiszugeben. Es ist ja wahr, eine Erklärung nur der wichtigsten Schiffstypen der Kriegsmarine ist mit ziemlichen Schivierigkeile» verknüpft, und es giebt ivohl kam» zwei Fachleute, die sich über die verschiedenen Auffassungen zu einigen im stände sind. Es ist zwar von oben herab eine Eintheilung der Schiffe der Kriegsflotte erfolgt, aber man fügt sich ihr nur, nicht weil man sie für voUkommen hielte, sondern>veil man sich fügen muß. Wir wollen aber der Einfachheit, der leichteren Uebersicht und des besseren Verständnisses halber nur die aller- wichtigste» Schlfsslypen Renn« passiren lassen und auf komplijirte Einzelheiten vielleicht ein andermal eingehen. Die Bauart eines Kriegsschiffes richtet sich nach dem Zweck, den das Schiff zu erfülle» hat. Der deutschen Marine werde», wie jeder Kriegsmarine, dreierlei Aufgaben zugewiesen, die auch in den Erörterungen über die Marinevorlage immer wieder zum Vor- scheinkommen. Der Flotte soll einmal im stände sein, unsere Küsten vor irgend welchem feindlichen Angriff zn vertheidigcn, sodann soll sie den deutschen Handel auf dem offenen Meere „Noch ein weiterer Umstand ist geeignet, von der Beschreitung des Rechtsweges in Beleidigungssachen abzuhalten. Während andere Gesetzgebungen den Beweis der Wahrheit überhaupt nicht oder nur in sehr beschränktem Maße zulassen, ist derselbe im Deutsche» Sirnsgesetzbuch unbeschränkt eröffnet, insoweit nicht bei dem Vorwurf strafbarer Handlungen die Voraussetzung des§ 132 Satz 2 vorliegt. Auch hier aber geht die Praxis über die Absicht des Gesetzes vielfach weil hinaus, indem sie den W a h r h e i l s- beweis nicht nur für die behauptete konkrete Thatsnche, fondern auch für andere damit nicht zusantmenhängende Tkat- umstände aus dem Vorleben des Beleidigten zuläßt, welche etwa zur Entschuldigung des Beleidigerz dienen konnten. So kommt es, daß nicht selten in Beleidigungssache» der Beleidigte in die Lage versetzt wird, feine ganze Bergangenheit einer peinlichen Untersuchung nach irgend welchen ihm zum Vor- wurf gereichenden Haudluugen unterzogen zu sehen. Während ferner von dem Beleidiger billigerweise verlangt werden kann, daß er für die von ihm behaupieten oder verbreiteten Thalsachen den sofort bereiten Beiveis zur Hand habe, sind die Fälle keineswegs vereinzelt, in denen mit Erfolg der Versuch untern ommen wird, erst das Slrafverfahre» zur Herbeischasinng der dem Beleidiger gar nicht bekannt gewesenen oder nicht zu seiner Verfügung stehende» Beincismiltel z» benutzen." Es verstößt gegen die Grundlagen jeder Rechtsordnung, de» Beivcis der Wahrheit auszuschließen. Strafbar kann slcls»ur eine r e ch t s iv i d r i g e Handlung sein. Niemals aber darf in einem Knllnrstaat das Ausspreche» der Wahrheit als rechtswidrig erachtet werden. Auch wenn der angezogene g 132 im Strafgesetzbuch sich nicht vorfände, würde kein Stichler einen Wahrheitsbeweis abschneiden, denn es kann ihm nicht entgehen, daß ein Strafverfahren nie den Zweck haben darf, den frivole Beleidigungsklagen häufig anstreben: die Wahrheit zn verhüllen, denjenigen, der die Wahrheit sagt, des- halb, weil er die Wahrheit sagt, z» bestrafen. In Z 192 des Slrafgefetzbnches hat der selbstverständliche Satz, daß das Ans- sprechen einer Wahrheit nur dann als Beleidigung aufgefaßt werden darf, wenn die Form der Kundgebung, die Umstände oder dieArt der Verbrcitnng die Belcidnngsabsicht klarstelle», deshalb Aufnahme gefunden, weil berechtigtes Mißtrauen dafür bestand, es könnten reaktionäre Juristen auf diese Weise das Aussprechen der Wahrheit verhindern wolle». In Majcftätsbeleidiguiigs-Prozcsscn ist die Praxis der Gerichte ja wirklich dahin gekommen, den Beweis der Wahrheit für niiznlässig zn erachten. Die Versügung des Justiz- Ministers rückt diese durchaus abstruse, nicht durch das Gesetz, sondern nur durch falsche Gesetzesnuskegmig gerechtfertigte Praxis in gar be- dcnkliche Nähe auch für Beleidigungsklagen. Der Jnstizimnisler behauptet ferner, daß ein Angeklagter zur Sache nichtgehörige Dinge zur Verhandlung zieht. Das läßt das Gesetz ja garnicht zn Daß entgegen dem Gesetz solche Fälle vorgekommen sind, ist uns nicht bekannt. Recht häufiger aber ereignet es sieb, daß der Angeklagte und der Richter hilflos der Allgewalt des Staats- anwalts gegenüberstehen, wenn dieser das Intimste ans dem gcfammlen Leben des Angeklagten bloßzustellen für gut befindet. Wir erinner» beispielsweise an den Prozeß Graf. Kein Wort der Mißbilligung einhält die ministericlls Versügung über diejen auch im Reichstag hervorgehobenen Mißstand. »» * Deutsches Reich. — R e i ch s e i n n a h in«». Die Jsteiniiahme an Zöllen und VerbrauckSstenern hat für die ersten 7 Atonale des laufenden Etats- jahres 399,3 Millionen Mark oder»in rnnd 44 000 M. weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres belrageii. Die Zölle habe» zwar ö,1 Millionen, die Brannlweinmaterialstener 1 Million und die Brauste»« 0,7 Millionen medr eingebracht, die Znckersteuer allein aber hat ein Weniger von 6.5 Millionen, die Branntwein- verbrauchsnbgabe ein solches von 0,7 Millionen zu verzeichnen ge- habt.— Bon anderen Eiunahmezweigen hat die Börsenstener ein Plus von 0,6 Millionen, die Post- und TelegraplienverwaUniig 13 Millionen, die ReichS-Eisenbahuverwaltniig 2 Millionen Mark mehr erbracht. Demnach ist daS bisherige Ergebniß des Etaisjahres ein sehr günstiges zu nennen.— — Reichszuschilß zur AlterS- und I u v a l i d i t ä t s- Versicherung. Die„Berk. Pol. Nachr." schreiben: Die starke Zunahme der Zahl der bewilligten Jiivalidenrenle», wie sie kürzlich noch in der letzten Nenleiinachweisniig des Reichs-Versicheriingsamles zur Erscheinung kam, hat natürlich auch nicht ohne Siiickivirkniig auf die Berechnung des Stcichsziisckinffes bleiben löiiiien. Bei der Steigerung des letzteren im Reicks-Hanshaltselal für 1898 hat man mit dieser Thalsacbe rechnen müsseu. Es ist anziiiiehmeii, daß der Reichszuschnß für 1893 auf etwa 25 Millionen Mark normirt sein wird.— — Eine schwere Niederlage der Agrarier und der Regierung, die den Wünschen der Bündler nicht zu wiederstchen wagt, ist die Entscheidung des Berliner Bezirks- ansschusscs in Sachen des Verbots der Feeiipalasl-Versamiiilunge» der Getreidchäiidl«. Die Versügung des Polizeipräsideiitcn wurde aufgehoben und die Kosten der Stanlskasse auferlegt. Wir stehen der Frage der bestrillenen Auslegniig deS Börsen- gesetzes in der Feenpalast-Frage durchaus neutral gegenüber, trotzdem erscheint uns daS Urlheil in hohem Maße bedeutniigsvoll: zeigt es und die Deutschen im Auslände schützen, endlich soll sie im Falle eines Krieges de» Feind auf offener See angreife» und schlagen löiine». Zur Ersüllung jeder dieser drei Aufgaben bedarf es ganz besonderer Schiffe, die nur sehr bedingter Weise einmal durch einander ersetzt werden können. Die ursprüngliche Aufgabe der Flotte in Deutschland ist der Küstenschutz. Schon Karl der Große legte gegen die Einfälle der Wikinger an der Küste der Nordsee eine Art Küstenwohr und Küsten- ivache an, die zur Anfrechterhaltung des Dienstes auch schon Schiffe der einfachsten Bauart beuölhigten. Bis herein in dieses Jahr- hundert hat die Küstenverihcidigung wenig Forlschritte z» verzeichnen gehabt. Erst in neuerer Zeit haben die Fortschritte der Geschütz- und Panzertechnik, sowie der Schiffsbaukniist auch für die Kiistenverlheidiguiig Umwälzungen der größten Tragweite gebracht. Hier, wo es sich nur um die bei der Küsten-Ver- lheidigiing»ölhigen Schiffe handelt, müssen in erster Linie die Unterwasserboote besprochen werden, die wir gewöhnlich unter dem Name» Torpedoboote kennen. Gleich bier sei vorweg bemerkt, daß die Torpedoboote durchaus nicht ausschließlich nur zum Küstenschutz benutzt werden, sondern auch bei einer Schlachlflotte zn Angriffs- zwecken und zum Kundschaflsdienst mitgesührl werden. Nichtsdcsto- weniger ist das Torpedoboot heute das charakteristische Schiff für die Küstenvertheidiguiig. Die deutschen Torpedoboote weiden am vorzüglichsten aus der Schichan'schen Werft in Elbing gebaut, andere Länder habe» die Ucberlegenheit dieser Bauart dadurch anerkannt, daß sie den Genrnm type beim Bau ihrer Torpedoboolezum Borbild»ahmen. Das Torpedoboot ist kein vollständiges U»ter>vasserboot, vielmehr geht daS Bestrebe» vorläufig»ur dahin, die Höhe über Wasser so gering wie niöglich zn machen. Die Länge eines solchen Booles beträgt zwischen 30 und 35 Meter, die Breite 3 Meter, der Tief- gang 2 Meter, das Deplazement ctiva 90 Tonnen. Ans einem solche» Schiffsind Vorralhsräume für die Torpedos, für Kohle, Lebensmittel und Munition, den mittleren Raum nehmen Kessel und Maschine in Anspruch, außerdem ist Platz für 12—15 Mann Besatzung. Rebe» Revolver- oder Schnellseilerkanonen in beschränktester Zahl ist der Torpedo die Hauptivaffe des Schiffes. An beiden Seiten des Vorder- stcvens befindet sich ein Lanzirrohr, durch daS der Torpedo gegen das feindliche Objekt niiter Wasser losgelassen wird. Der Torpedo ist ein mit Schießbaumwolle gefällter Explosionskörper, der durch eigene Kraft angelrieben wird«nd beim Antreffen ans einen feste» Körper in Sprengung übergeht. Er hat fast die Form einer Zigarre,»ur daß er am Hinteren Theil wieder in eine Spitze verläuft, die Propeller- schrauben und Ruder führt. Der Torpedo ist 4 bis 7 Meter lang und hat eine» Durchmesser von 40 Zentiineter». Durch das Lanzir- rohr ausgestoßen, jagt er mit äußerster Schnelligkeit vorwärts, doch, daß Herr Brefeld, der ursprünglich auf dem Staiidpnnkte des Berliner Bezirks-Ansschnffes stand, trotz besseren Wissens de», Drucke der Agrarier und ihrer vor Uebcrtreibuiigcn nie zurück- schreckenden Presse nachgeben mußte und mit ihm die osstziöse Presse und die Organe der Venvallung, und in erster Linie der Polizeipräsident von Berlin. Im Si»»e dieser Niederlage ist das heute gesällte Urlheil auch für uns nicht nninteressant.— — Gegen A h l iv a r d t wollen die Konservallve» in Friede- berg-?lrnswalde den bekannten Oberagrarier Ri»g- Düppel als Reichstags-Kandidalcn aufstellen.— — Viehzählung. Auf Beschluß de? Bundesraths findet am 1. Dezember im Deuischen Reich eine allgemeine Viehzähliing be- schränkteren Umfangs statt. Es werde» Pferde, Rindvieh, Schafe, Schweine. Ziegen, Gänse, Enten und Hühner gezählt. Die Aus- lheilnng der Zählkarien erfolgt am 29. und 30. November, die Ab- holung derselben am 2. Dezeniber. — Chronik der Eisenbahn Unfälle. Nach weiteren Mittheilnvgcn sollen bei der Zugentgleisung bei Leopoldshöhe drei Personen leicht verletzt sein.— Amtlich wird aus Weimar gemeldet: Am 19. d. M.,»acki- mittags, wurde ans dem Ueberwege in Dorf-Snlza(Km.-Siat. 61,7 der Strecke Niederl, cba—Sladt-Sulza) ein Fuhrwerk durch einen belade»«» Bahnnieisterwage» übersahre». Durch Umstürzen des Fuhrwerks sind zwei etwa zehnjährige Knaben verletzt und einer ge- tödtet.— — Zum Zwist zwischen Konservativen und Antisemiten. Eine Versanimliing der aiitiscmilischei, Ver- traueiisiiiänner des Kreises W e stpr i g» i tz hat solgende Siesoliilio» angenoiinnen: „Gegenüber den wahrheitswidrigen Behauplniige» verschiedener Zeüniigen(„Kons. Korresp.",„Kreuz- Ztg.",„Reichsbole u. s. w), als sei das Ergebniß der Stichwahl in Weslprignitz durch eine Koalition oder gar ein Kartell der deutsch-sozialeii Reformparlei mit den Freisinnige» nnd Sozialdeiiiokralen herbeigeführt, erklären die Verlranensmäniier, daß iveder mit dem Freist»»»och gar mit den Sozialdemokraten überhaupt Verhau diu»ge» gepflogen sind, daß sich sogar die Vertrauensinänner in Willen bei ge und Lenze» öffentlich für Herrn v. Saldern erklärt haben. Die Mitglieder der deutsch- sozialen Reformpartei in Westprignitz hegen auch keinesivegs irgendwelche Sympathie» für Herr» Schulz oder die freisinnige Vollsparlei; ei» Theil von ihnen hat auch„ach- iveislich den konservativen Kandidaten als das kleinere Uebel an- gesehen. Das Ergebniß der Wahl ist, abgesehen davon, daß es die Koiiscrvaiive» garnicht der Mühe für werlh gehalie» habe», die UnUrstützimg der dentsch-soziale» Reformpartei zu erbiue», die Folge der von konservativer Seile ausgehenden, geivallsanien Uiilerdrückniig der Anlisemileii. Tie Behtuiplmig. die Mitglieder der dentsch- sozialen Reforinparlei hätten durch die Stichwahl«i»e veränderte Stellung zur Jiidenfrage eiiigenomuie», indem sie eine» JndeiifreUiid gewählt, weisen sie als eine thönchte Unterstellung zurück. Herr v. Satdcr» hat sich in öffentlichen Versoiinnlungcn stets als Jnoen- freund, als grundsätzlichen Gegner des Antifeinitisnius erklärt, so daß in dieser Hinsicht ein Unterschied zwischen beiden Kandidaten nicht vorhanden ivar." Dicse Resolution zeigt mir, daß die Wähler, die im ersten Wahlgong a»tise»iitisch und in der Siichwahl trotz des Emtreleiis ihrer Führer für den konservativen Herrn v. Saldcrn freisinnig wählte». von der konservativen Reaktion durchaus nichts mehr wisse» wollen. Der koiiservaliv-anliseiiiitische Streit wird durch die obige Reso» lution nicht gemindert werde».— — Die Disziplinaruntersuchung wider den K r i in i» a l k o»,»> i s s a r v. Tausch gilt im ganzei, alS ab« geschlossen. Sie hat sich hauptsächlich ans die Berilehinung von Beamten erstreckt. Ei» Termin für die Verhandlung ist»och nicht festgesetzt.— WeiftenfclS. Wie daS„Kreisblatt" meldet, hat die Eisenbahn« dircklion von i»orge» ab die Sliifhebuiig jeglicher Sonntagsruhe für die Bahiibeamlen verfügt, da die Gnterzüge auch Sonntnos gehen. Aehiiliche Maßregeln stehen in Bayern und Sachsen in Aussicht. Dicse Nachricht bedarf erst iveilerer Bestätigung, ehe sie für richtig gehalten werde» kann. Das ginge denn doch gewiß über die Hnlschnnr!— Oppeln, 17. November.(„Volksmacht".) Bezirksausschuß. Wir haben schon wiederholt darauf nusmerksam gemacht, daß die meiste» vor dein hiesigen Bezirksausschuß verhandelte» Sachen die seudalen Herren Oberschlesiens, die Grafen, Herzöge, Fürsten und freien Standcsherren betreffen, die sich zn irgend welchen kommu« nalen, insbesondere die Schulen belieffenden Abgaben nicht ver« stehen wollen. Auch in der letzten Bezirksansschußsitznng vom 15. d. M. wurden fünf derartige Angelegenheiten erörtert. Theils Kläger, theils Verklagte ivaren der Graf Hugo Henckel von Doniiers- marck, Fieiherr von Thiel». an» auf Jatobsdorf und die Grafen Hugo, Lazy und Arthur Henckel von Doniiersinarck, diese drei gleich in drei Fällen. In fast allen Fällen iinißte der Bezirksausschuß gegen die Genannte» entscheiden. Bezeichnend für die über die Volksbildung herrschenden Ansichten des oberschlesischen Fendaladels war ein Fall, i» dem der Kläg« die von der Regierung erkannte freilich ist ein sicherer Schuß»ur bei einer E»lferiii»ig des Schuß- Objekts von 300 Metern zn erzielen. Ein solcbcr Torpedo kostet 6000 bis 9000 Mark. Außerdem ist ans viele» Torpedobooten auf dem Achterdeck noch eine drehbare Torpedokanone, von der ans Torpedo über Wasser gegen das ieindliche Schiff abgesandt werden können. Torpedoboote dienen bei der Küslenvertheidiguiig dazu, die feindliche» Schiffe nicht an die Küste hera»ko»»»en zn lassen. Sie sind dazu weit geeigneter als die iinben«glichen See», ine», die vom Feinde leicht unschädlich gemacht werden körn en. Sieben de» Torpedos dienen noch Panzerfatirjenge und Kanonen- boote, sowie ältere Schiffe zur Küstenverlheidignng. Zum Schutze des Handels dagegen dienen in erster Linie die Kreuzer. Ihre Aufgabe ist, in Friedensziitc» den Handel zu schützen, in Kriegszeiten aber namentlich hinter den Handelsschiffen feindlicher Nationen dreinzujagen und diese anzugreifen. Zu diesem Zwecke sind Schiffe»öthig, die einmal eine hohe Schnelligleit be- sitzen, außcrdei» aber einen große» Vorralh von Kohlen und Lebens« mittel» fasse» können, da sie sehr viel allein und lange Zeit hindurch auf hoher See zubringe» müssen. Da beide Zwecke»ur zu erreichen sind, wenn die sonstige Belastung des Schiffes möglichst gering ist, so sieht man davon ab, die Kreuzer mit schweren Geschütze» aiismrüsten, versieht sie vielmehr mit möglichst viele» Schnellfeuergeschntzen und Maschinenkanone». Auch werden in»enester Zeit Torpedorohre eingebaut, worauf der Rain« Torpedokreuz« hindeutet. Bei der verheerende» Wirkung der modernen Geschütze war es»öthig, auch die Kreuzer zu panzern, obgleich dadurch die Schnelligkeit der Schiffe große Gefahr lies. Je nach der Ausdehnnng des Panzerschntzes unterscheidet man geschützte und Panzerkreuzer. Bei den ecsleren sind iinr die empfindlichsten Theile gepanzert, nicht aber der Rumpf des Schiffes. Bei den letzteren ist gerade der Gürtelpanzer, der freilich im Vergleich zn den Panzern der Schlachtschiffe sehr klein ausfällt, das charakteristische Merkmal, wonach das Schiff seine» Namen erhält. Die Größe der Kreuzer hat mit der Zeit ganz erheblich z»ge»omi»en. Während die kleinen Kreuzer ein Deplacement von»ur 1000 Tonne» haben, werden gegenwärtig Panzerkreuzer bis zu 14 000 Tonnen und mehr vom Stapel gelassen. Die moderiien Panznkreiizer unterscheiden sich kaum mehr von einem eigentliche» Schlachtschiff und der deutsche Paiizcrlrenzer„Finst Bismarck", der im Sepleniber fertig geworden ist, hat ja auch ebensowenig Kosten verursacht wie ein eigentliches Schlachtschiff. Jeden» falls ist ein moderner Paiizerkrenzer vollständig einem modernen Schlachtschiff gleichiverthig. Ein Bild von den Dimensionen eines solche» eistllassige» Kreuzers giebt uns eben„Fürst Bismarck". Er ist 120 Meter lang, 20 Meter breit nnd hat einen Tiefgang von 7,9 Metern. Das Deplacement beträgt 10 6S0 Tonnen. Die Thürme, Nothwendigkeit eine? SchulumbaneZ deshalb bestritt, weil die Re- gierung die beir Schnlräiniie im Jahre 1S70(!!)„noch für aus» reichend" erklärt hatte. Bei derartige» Anstchten über die noth- uiendige Fortbildung des Schulwesens in Oberschlesien darf man sich nicht wundern, wenn der Regierungsbezirk, in dem die schlechtesten Schulen sind, der Oppelner mit seinen feudalen, sehr feudalen Agrar- und Jndnstriemagnalen ist. Detmold, 20. November. Der Lippe'sche Landtag nahm beute Mitlag mit großer Mehrheit einen Beschluß an, dahin lautend, es seien keine Bedenken gegen die Erbsolgefähigkeit der gräslichen Södne vorhanden. Die Herstellung dauernder Zustände sei dringend noth- wendig. Fürst Georg von Schaumbnrg-Lippe werde aufgefordert, bis zum 1. Februar 1898 den Weg der gerichtlichen Entscheidung zu betreten; falls die Klage bis dahin nicht erfolgt sei, werde sein Pro- tesl weiter nicht berücksichtigt und die Tbronfolge durch Landesgesetz geregelt werde». Bis dahin bleibe die Beralhung über den Thron- solge-Gesctzentivurf zurückgestellt.— N«S Sachsen wird der„Frankfurter Ztg." geschrieben: Dein sächsischen Landlage ist eine Vorlage über die Errichtung eines neuen Ständehauses zugegangen. Es ist ein Neubau beabsichtigt auf dem Areal des früheren Finanzhanses und des Brühl'schen Palais mit Hinznnahme mehrerer anstoßender Grundstücke. Tie Gesammt- kosten sind auf rund S 633 000 M. veranschlagt, wovon 1 Million tnreils vom vorigen Landtag als erste Baurale bewilligt war und 200 000 M. die Stadl Dresden beilragen soll. Für das neue Etats- jähr wird zmmcbst eine zweite Baurale von V/t Millionen Mark gefordert.— Eine zweite Vorlage an den Landtag beziveckl die Uebernahme der St l t e r s z u l a g e n für die Volks- s ch u l l e h r e r auf die Staatskasse. Gleichzeitig soll das Mindestgehalt für diese Lehrer von 1000 auf 1200 M. erhöht werden, aber ohne Erhöhung der Schullasten. Bisher waren von 3285 einfache» Schulstellen 2269 mit 1000 bis )049 M.. 590 mit 1050—1100 M. und 426 mit über 1 100 SN. dotirt. Mit der Erhöhung auf 1200 M. würden die sächsischen Lehrer de» niensiischen weit voraus sein; sie würden das erhalten, was in Preußen als Mindestgehalt von den Lehrern vergeblich erstrebt norden ist.— M Ii n che», 18. November. Haberer- Begnadigung. Die iiii Haberergcbicte gewählten Zentrnmsabgeordneten Sieininger und Pauli haben einen Antrag in der Kainmer eingebracht, es sei an die Staatsregiernng das Ersuchen zu stellen, die Begnadigungs- rcfitchc der wegen Hnberfeldtreiben rechtskräftig verurlheilte» Per- so,»» je nach Beschaffenheit der einschlägigen Verhältnisse in möglichst weitgehendem Maße wohlwollend zu prüfen. Dieser Antrag wird, wie die„Germania" meint, auf einem Einvernehmen der genannten Abgeordneten mit dem Justizininister beruhen und zweifellos Erfolg haben. Es sei dazu bemerkt, daß schon vorher ein gleichartiger sozial- demokratischer Antrag, nur in schärferer Fassung, eingebracht worden ist.— Miincheu, 20. November. Die Kammer der Reichs- r ä t h« nahm in ihrer Heuligen Sitzung den Militär-Etal an. Der Kriegsniinister Freiherr v. Asch dankte für die Anerkennung der M a n ö v e r l e i st u n g e n der Armee seitens einiger Redner, die er angesichts der Besprechung, welche die Manöver in der Ab- gcordnetenkammer fanden, um so freudiger empfinde. Die Resolution der Kammer auf H e r a b m i u d e r u n g der Offiziers- Pensionirungen wurde von der Kauimer einstimmig ab- gelehnt.— — Bon der Bäckerei-Verordnung. Bei den vom bayerischen Ministerium angeordneten Erhebungen über die Wir- klingen der Bäckerei-Verordnung deS BundeSrathS ist der Nürnberger Polizeisenat, ein Magistrats-Ausschnß, zu dem Votum gelangt, daß nur die mittleren, nicht aber die großen und kleinen Betriebe dadurch geschädigt werden. Die Organe der Nürnberger Bäckermeister haben allerdings auch für die kleineren Betriebe eine Schädigung darthun zu können geglaubt. Der Vorstand des Bäckergehilsen-Vereins hat die Erklärung abgegeben, daß das gute Einveruehmen zwischen Arbeilgebern und Arbeitnehmern durch die Verordnung nicht gestört worden sei.— AuS Baden, 19. November.(Gig. Ber.) Man hat vor einiger Zeit in Baden begonnen, die erste Wagenklaffe auf den Eisen- bahnen abzuschaffen. Dieser Anlauf zu einer erfreulichen Neuerung verliert an seinem Werth zweifellos durch die Nachricht, daß es sich wahrscheinlich nicht um eine demokratisircnde Tendenz bei der Abschaffung der ersten Wagenklasse, sondern um eine Verlegung der Wagenklassen nach unten handelt. So werden jetzt schon auf der Albthalbahn Wagen vierter Klasse mit entsprechend billigeren Fahr- preisen geführl. Doch beträgt der Preis für Billete vierter Klasse nicht etwa, wie in Preußen, die Hälfte der Billets dritter Klasse, sondern etwas mehr. Die Tagesordnung für die auf Dienstag, den 23. d. M., angesetzte erst« Sitzung des Landtages verzeichnet 1. Millheilungen der großherzoglichen Regierung, 2. Anzeige von Eingaben, 3. Wahl der Sekretäre, 4. Wahl der Kommissionen. Der„Badische Beobachter", das Wacker'sche Zentrumsorgan, daS am besten über die badische» Eisenbahnverhältniffe informirt ist, schreibt zu einem Artikel der„Fraiikflirter Zeitung" über die Ver- hältuisse der Main-Neckar-Bahn:„Wenn es nach den Intentionen PreußenS, soweit sich dieselben jetzt erkennen lassen, geht, so darf Kasematten, der Gürtel wie das Deck sind beinahe so stark gepanzert wie die im Bau befindlichen Panzerschiff« erster Klasse, „Ersatz Friedrich der Große" und„Ersatz König Wilhelm". Die Zahl der Panzerthürme beträgt wie dort gleichfalls acht. Auch die Zahl der schweren Geschütze entspricht den Proportionen eines erstklassigen Schlachtschiffes. Es trägt vier 24 Zenliineier-Geschütze und 60 Schnell- feuerkanone» und Maschinengewehre, endlich sechs Torpedorohre. Gegen solche Panzerkreuzer können die kleinen Nainensgenossen nicht a»fkomuien. Der Kreuzer vierter Klasse„Sperber" ist nur 72 Meter lang und 9 Meter breit und hat ein Deplacement von kaum mehr als 1000 Tonnen. Seine Geschwindigkeit ist 17 Seemeile» in der Stunde, während die des Panzerkreuzers„Bismarck" 19 beträgt. Bei „Sperber" ist nur das Deck mit einem Außenpanzer von 5 Zentimetern gedeckt, während bei„Bismarck" die Panzerung eine allgemeine ist und in de» meisten Theilen 20—10 Zentimeter stark ist. Gerade an dieser Thalsache, daß die Schnelligkeit deS Schiffe? gesteigert werden kann, trotzdem daß durch die Panzerung und die Ansrüstnng mit schweren Geschützen das Gewicht des Schiffes ohne allen Zweifel erheblich zunimmt, kann man lernen, welch' immenfen Forlschritt seil nur wenigen Jahren die Schiffsbankiinst gemacht hat. Es lassen sich jetzt beide Zwecke, ebensowohl schwere Panzerniig und Ansrüstnng, wie größte Schnelligkeit und lange Fnhrldaner, also starke Verproviantirung bei einem und demselben Schiffe vereinigen. Mit diesem Fortschritte verwischen aber die eigentlichen Nnlerschiede zwischen dem Typus Kreuzer und eigentlichem Panzerschiff, dem eigentlichen Schlachtschiff der Flotte. Während der große Panzerkreuzer ans dem kleinen, leichten, schnellfahrenden Kreuzer sich enlwickelt hat, leitet das moderne Panzerschiff seine Abstammung von dem großen «ngesügen Linienschiff der vordampflichen Zeit her. Als die eigentlichen Handelsschiffe nicht mehr in der Lage waren, zu gleicher Zeit Krieg zu führen, Handel zu treiben unv sich selbst zu schützen, da kamen z» Anfang des 17. Jahrhunderts besondere Kriegsschiffe aiif, die den Namen Linienschiffe erhielten. Sie zeich- nele» sich durch ihre Grübe und außerordentliche Armirnng ans. Ihre Besatzung betrug 600— 1000 Mann, die Zahl der Kanonen 60—100. Als der Dampf seine Herrschaft auch ans dem Gebiete des Schiffsverkehrs geltend machie, da traten an die Stelle der früheren Segelschiffe die Schrauben-Linienschiffe, deren Bau und Wesen durch die Enlwickliing des modernen Geschützwesens jedoch alsbald total revolntionirl wurde. DaZ erste Panzerschiff wurde 1859 in Frankreich gebaut. Die Wirkung der modernen Geschütze verdrängte immer mehr die Verwendung des Holzes, so daß heute die Schiffe vollständig aus Metall hergestellt werden. sich Baden betreffs der Main-Neckar-Bahn auf einen Ausfall gefaßt machen, der jährlich weit mehr als eine halbe Million macht. Kein Wunder, wenn sich Baden gegen die preußischen Liebenswürdigkeiten wehrt, so weit seine Kräfte reichen.— Straßburg» 19. November.(„Voss. Ztg.") Das Schöffen- gericht in Barr verurlheilte den Rcichstags-Abgeordneten Snperior Simonis wegen Beleidigung des Ober-Regierungsralhs und frühere» Kreisdirektors Poehlmann, seines Gegenkandidaten bei der Reichsiags-Ersatzwahl, zu 600 M. Geldstrafe. Die von Simonis erhobene Widerklage wurde abgewiesen.— — Chronik der Majestät s b«leidig ungZ-Prozesse. Wegen Majestätsbeleidigung, Beleidigung, Bedrohung und Sach- beschädigiing, sowie wegen VerÜbung groben Unfugs erhielt der Tagelöhner I. Th. von Köln a. Rh. eine Gefängnißstrafe von acht Monaten und eine Haftstrafe von vier Wochen.— Eine fatale Erinnerung an die Hundertjahrfeier wird der Schneider Wilhelm Viertel aus Nixdorf bewahren, der sich gestern vor der ersten Strafkammer am Landgericht II gegen die Beschul- diguiig der Majestätsbeleidigung zu verantworten hatte. Der An- geklagte war am Vormitlag des 22. März cr. Unter den Linden gewesen, Kalle dort das Kaiseipaar gesehen, wie dasselbe vom Besuche des Mausoleums zurückkehrte und halte darauf in der Werkstatt von dieser Begegnung und davon erzählt, wie das Publikum und wie das Kaiserpaar gegrüßt habe u. s. w., in dieser ganzen Erzählung legte er aber der Person des Kaisers eine Bezeichniing bei, die eine Majestätsbeleidigung iiilhalteii haben soll und später zur Anzeige gebracht wurde. Die heutige Verhandlung fand unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt, doch ergab sich der Thatbestand ans der Be- gründung des Urlheils, welches aus zwei Monate Ge- f ä n g n i ß lautete._ — Der Kolonialrath beschäftigte sich in seiner heutigen Sitzung mit der Frage der Epirituosen-Einfuhr nach der Westküste von Afrika und des Braiintweinkonsiinis nnler den Eingeborenen An der Debatte belheiligten sich die anwesenden Landeshauptleute von Südwest-Afrika und' Togo. Es wurden bei derselben die dem Kolonialrath von der Kommission zur Bekäuipfiiiig des asriknnischen Branlweinhandels eingereichten Anträge einer eiiigeheiiden Erörle- rimg unterzogen.— Oesterreich. Wien, 20. November. Die außerordentliche Session des niederösterreichischen Landtages ist heute eröffnet worden. Die Abgeordneten Philippowtisch(soz.-pol.) und Noske slib.) protestirten dagegen, daß der Landtag nur zur Beralhung der aiü der Tagesordnung bezeichneten Gegenstände einbernfen sei, weil da- durch die Erörterung der Erweilerung des Wahlrechts sowie die Erörterung der politischen Lage und der durch die Sprachen- Verordnungen hervorgerufenen Verwirrungen des Staatswesens uu- möglich würden.— Wien, 20. November. Wie die Heuligen Morgenblälter über- einslimmend melden, hat der Abgeordnete Dr. v. Fuchs(katholische Volkspartei) mit Zlistimmnng seines Klubs die ihm von der par- lainenlarischen Koinmissioil der Nechieii angebotene Kandidatur für die zweite Bizepräsideiitenstelle des Abgeordnetenhauses an- genouimen.— Ungarn. Budapest, 19. November. Das ungarische Amtsblatt veröffent- licht eine Beiordnung des Ministerpiäsidenten. nach welcher eine Reihe ungarischer Gesetze, darunter diejenigen über die VerwaltiingS- gerichte, über den Volksnnlerricht und über das Verhällniß zwischen Arbeiter nud Arbeitgeber, von morgen ab in der Stadt Fiume in Kraft treten. Die Allfzwlngltng der ungarischen Gesetze wird die Slimmung der Fiumaner nur noch mehr erbittern.— ffrantrelch, — D i« DretfuS- Angelegenheit. Dem„Echo de Paris" zufolge übergaben Schenrer-Kestner und Mathieu Dreysus dem General Pellieux sämmiliche Akleustücke betreffend die Affäre Esterhazy. Pellieux werde bereits am Dienstag dem Kriegs- minister Bericht erstatten. General Leckere, der Kommanbaiit von Tunis, werde den Oberst Picqnard auffordern, das Verschwinden des in die Hände Esteihazy's gefallenen Photogiammes des Dokuinenis zu rechtfertigen, sowie die in dem aufgefangenen Briefe von ihm gegebene» Jnstriitlionen aufzutlären. Wie der„Figaro" hört, wurde Schenrer-Kestner zu seinem Vor- gehen dadurch veranlaßt, daß ein höherer, a» der Untersuchung gegen Dreysus betbeiligter Offizier ihm versicherte, Dreysus habe für das durch den Veirath erhaltene Geld sich«in Haus gekauft, daß die angestellten Nachsorschuiigen aber diese Behauptung als unrichtig erwiesen. Dem„Gaulois" zufolge ist die Lösung der Angelegenheit Ester- hazy nahe bevorstehend. Dem Grase» soll volle Genugthiiuiig gegeben werden. Im Kriegsministerium sind strenge Maßregeln getroffen worden, dannl den Redakteure» keine Mitiheiliingen über den Gang der Unter- siichnng gegen den Grafen Esterhazy gemacht weiden.— lieber den Fall des Gefängniß- Konimaiidanlen Forzinetti schreibt der„Jour", daß derselbe seine Direktorsteile im Cherche- Midi-Gefäligiiib nicht verlassen werde, ohnedortdieF nster einzuwerfen, mit anderen Worten, er werde reden. Bisher habe die Regierung Die Panzerung selbst hat sich, da die Stärke der Panzerplatte» immer dicker und schwerer werden, allmälig auf die einvfindlichen Theile des Schiffes beschränkt. Die inodernen Panzerschiffe habe» einen vollen Panzergürtel, ein geivölbtes Panzerdeck und schwere Ge- schütze, die in geschützten, drehbaren Thürmen stehen. In aller- jüngster Zeit jedoch wird weniger Werth aus eine möglichst schwere Armirung gelegt, vielmehr erhalten die Schlachtschiffe erster Klasse jetzt auch möglichst viel mittlere und leichtere Geschütze. Auch hier macht sich die Annäherung an die Kreuzerkolosse bemerkbar. Die größten Panzerschiffe sind in England gebaut worden. Sie haben 14 150 Tonnen Deplacement, sind 116 Meter lang und 23 Meter breit; ihr Gürletpanzer ist 45,7 Zentimeter dick und 2,6 Meter hoch; zwei Drittel des Gürtels liegen ilnter der Wasser- linie. In zwei drehbaren Thürmen stehen je vier 34 Zentimeter- Geschütze, außerdem sind 32 Schuelllade- Kanonen vorhanden. Das Panzerschiff macht über 17 Seemeilen in der Stunde. Hochseeschlacht- schiff« und Panzerkreuzer erster Klasse nähern sich also in ihrer Bauart und Ausrüstung so nahe, daß sie nach ihrem Zweck nicht mehr unterschieden zu werden brauchen. Die früheren Hochsee- Panzerschiffe, die geringere Seefähigkeit und Geschlviudigkeit auf- weisen, sowie weniger Kohlen zu sich nehnien können als die moderne», werben in jüngster Zeit als Küstenpanzerschiffe aus der eigentlichen Schlachtflotte zur Reserve verwiesen. Die Eintheilung der Kriegsinarin« in Panzerschiffe und Kreuzer ist also zum mindesten irreführend. Denn es wird kaum bestritten werden können, daß die Panzerkreuzer erster Klasse ebenso, ja noch vielmehr zu den Panzerschiffen erster Klasse zugezählt werden können, wie zn den Kreuzern. Was sonst noch an Schiffstypen in der deutschen Kriegsflotte vorhanden ist, kommt für die in Aussicht stehende Marinevorlage weniger in belracht. Die Hauptlypen, denen sich das meiste Jutercsse zur Zeit zuwendet, sind mit der Schilderung der eigentlichen Schlacht- schiffe, der Kreuzer und Torpedos, für den Laien erschöpft, obwohl nicht unerwähnt bleiben soll, daß die offizielle Eintheilung außerdem noch Panzerkanoneuboote. Kanonenboote, Avisos, Schulschiffe und Schiffe zu besonderen Zwecken unterscheidet. Doch können wir füglich eine Besprechung dieser Typen um so mehr unter- lassen, als ein großer Theil dieser Schiffe ans älteren Bauten be- steht, die, zu ganz anderen Zwecken ursprünglich bestimint, ini Laufe der Jahre in ihre jetzige Reserve- und Ruhestellung gelaugt sind. Bei der rasenden Schnelligkeit, mit der die Technik im Kriegsschiff- bau arbeitet, ist ja da? modernste Schiff in Gefahr, schon nach aller- kürzester Zeit als ungeeignet für die eigentliche Schlachtflotte aus- rangirt und zur Reserve gestellt zu werden, die anS einer bunten Sammlung aller möglichen veraltete» Typen besteht. seine Indiskretionen gefürchtet und ihn deswegen in feiner Stellung belassen, ihn jedoch derselben überhoben, damit er die Ereignisse nicht überstürze. Das genannte Blatt theilt mit, daß Forzinetti binnen kurzem eine Broschüre veröffentlichen werde, die von Enthüllungen wimmelt. Der„Temps" hat heute festgestellt, daß Herr Mathieu Dreysus, der Bruder des ExHauptmanns, die deutsch-französische Grenze nicht zwischen sich und die französische Hauptstadt gebracht hat, sondern sich noch in Paris befindet und es auch nicht vor Beendigung der Untersuchung zu verlassen gedeutt.— — Die Spionen-Affäre, von der gestern aus Paris berichtet wurde, stellt sich wieder einmal als Schwindel heraus. Der „Temps" erklärt, daß Evrard infolge eines Auslieserungsgesuches der deutschen Gerichtsbehörde verhaftet worden sei, weil er sich eines Diebstahls schuldig gemacht habe.— Belgien. — Unsere belgischen Parteigenossen bereiten sich auf die nächsten Kammerwahlen vor. Es sind die Vertreter der Kreise Lüttich, Henuegau, Oslflandern und Limburg, welche sich diesmal zur Wahl zu stellen haben. Es scheiden aus 39 Klerikale und 36 Liberale und Sozialisten. Die Aussichten unserer Genossen sind gute; sie glauben nicht nur ihre Sitze in Lüttich. Charleroi, Möns und Verviers zu behaupten, sondern hoffen auch neue Wahlkreise zn erobern. Die liberale Partei wird auch i» diesem Wahlkampfe noch weitere Einbußen erleiden, währenddem bei den Klerikalen der Rückgang sich weit langsamer vollziehen wird. Diese werden, sollten sie auch einige Sitze verlieren, für die nächsten zwei Jahre wenigstens die Majorität in den Parlamenten be- halten.— — Die K a in m e r sehte in ihrer Sitzung vom 17. die DiS- kussion über die vom Genossen H. Denis eingebrachte Jnter- pellation fort. Va n dervelde führte seine in der vorhergehenden Sitzung begonnene Rede weiter. Von ihm sowohl als von den nnchfolgendeu Rednern, dem christlich-demokratischen Renk in und dem Radikalen L o r a n d wird die Regierung wegen ihrer Partei- nähme für den Sultan, der die Ausweisung Achmed Rizas, beziehentlich die Unterdrückung des jungtürkischen Orgaus „Mechweret" gefordert hatte, auf das heftigste angegriffen. Der Minister des Aeußern, de Favereau, macht einen Versuch, die Regieiung z» rechtserligen, der gänzlich mißglückt. Es sei„un- patriotisch", ineiut er, die fremden Souveräue anzngreisen, welche die Neutralität Belgiens garantiren; er werde jedesmal, ivciin eine l eraitige Sprache wieder geführt werde, sich entfernen. Bon dem Genossen B a st i e u wurde ihm zugeriifen, daß er Komödie spiele, daß die kapitalistische Mehrheit der Kammer nicht eher ein Recht habe, von ihrem„Patriotismus" zu sprechen, als bis ihre Söhne mit denen der Arbeiter in die Kaserne» gehen. Geschickter, aber in wenig ehrlicher Weise brachte am 13. d. M. der Präsident B e e r II a e r t die Diskussion zn einem schnellen Ende. „La Reforme" giebl darüber folgende Darstellung: Der Präsident eröffnet die Sitzung pünktlich; noch sind wenige Deputirle anwesend. Die Diskussion wird eröffnet, das Wort erhält der Gen. Dem blau. Dieser ist noch nicht anwesend; C o l a e r t, ein Mitglied der Rechten, gut instrnirt, verzichtet aufs Wort. Damit ist die Redner- liste erschöpft und die Dlskussion geschlossen. Großmüthig vertagt nun der Präsident die Abstimmung über die von H. Denis ein- gebrachte Tagesoiduuug. Als nach Eiledigung einiger kleinerer Vorlagen auf die Sache zurückgegriffen wurde, halten sich die Bänke der Rechte» dermabeii gefüllt, daß die Resolution des Genossen Denis, die das Ver- hallen der Regierung tadelt, mit 71 gegen 34 Stimmen abgelehnt werden konnte. Dänemark. Kopenhagen, 20. November. Der KonseilSpräsident irnd Finanzminister Hörrliig brachte heule im Foikething einen Gesetzentwurf ein betreffend die Anfiiahme einer neuen 3 projenligen Staatsanleihe und die»üiidigimg der 3>/e prozentigen Staatsschuld von 1886. Zur tlebernahine der nenen 3 Prozent. Anleihe in Höhe von 72 Millionen Kronen zu in Kurie von 97�/4 hat sich ein Konsortium nnter Leitung der„Banque de Paris et de Pays-Bas" bereit erklärt. Die Ver« zinsnng der neue» Anleihe soll mit dem l. Januar 1393, ihre Amortisation im jährliche» Betrage von!>/, Millionen»lit dem Jahre 1901 beginnen. Die neue Anleihe soll außer zur Einlösung der 3>/s prozentigen 1836er'Anleihe auch zur Deckung anderer Staats- ausgaben, insbejondere sür Eyenbahiianlagen, dienen.— Spanien. Madrid, 20. November. ES bestätigt sich wieder einmal, daß die Ordnung auf de» Phltippinen vollständig wieder hergestellt ist.— Barzcloua, 20. November. Vertreter katalonischer Industriellen begeben jich nach Madrid, um gegen die Zollantonomie von Kuba zu' protestireii; Kaujleute von Biecaya und Asturien schließen sich diesem Vorgehen a».— Rußland. Petersburg, 20. November. Jnsolge des Mangels an Vieh- sutter in vielen Gouvernements Rußlands, namentlich in den Schwarzerde-Gouvernemeiits, Hai die Regierung eine Erniäßi- gnng der Eisenbahnlarise sür Heu, Stroh und Futter- gräser gestaltet. Griechenland. Athen, 19 November. Die Kammer hat daß Ausgabebudget genehmigt. Heber den Voi schlag betieffead die Bildung einer Kom- Mission zur Uniersuchung der Kriegsvorgänge wird die Kaminer noch Beschluß fassen.— Sllnerika. Montevideo, 19. November. Hier herrscht große Erregung in- folge des Gerüchis, der Piäsident Cuefias beabsichuge die Diklatur zu proliamireii und die Legislatur auszuheben. Cuestas soll jedoch diese Absicht bestritten haben.— AlS Reichstags- Kandidat für Che in n i tz wurde in einer Parteiversammlviig daselbii wieder der bisherige Abgeordnete, Genosse S ch i p p e l in Berti», aufgestellt. Bei de» Ttadtverordncten Wahlen in Forst brachten es unsere Parteigenossen in der 3. Klasse ans 244—254 Stimmen, die Gegner auf 306—473. Einer unserer Kandidaten, Kontrolleur D e l e r. der 254 Stimmen erhielt, kommt mit einem Gegner, sür den 306 Slimmen abgegeben wurden, in die Stichwahl. Von 2800 Wählern stiiiimten nur 724. Unsere Partei betheiligte sich zum ersten Mal an der Wahl. I» Guben beschlossen die Parteigenossen, bei den Stadt» verordneten-Wahlen diesmal nur Zählkandidaten aus- zustellen, da es zu einer umfassenden Agitation zu spät sei. An der nächsten Wahl will man sich um so energischer detheiligen. In Oncdlinbnrg wurden bei der Stadlverordnetenwahl diesmal ziemlich doppelt so viel Stimmen für unseren Kandidaten T r a u t e w e i n abgegeben als bei der letzten Wahl. Damals be- trug die Zahl der sozialdemokratischen Slimmen 70. jetzt 121. Ei» Mandat wurde nicht errungen, unsere Parteigenossen hofften auch nicht darauf. Bei der Stadtverordnetenwahl in Wernigerode am Harz erhielt unser Genosse Malermeister Alberl Bartels 110 giltige Slimmen, die gegnerischen Kandidaten 33—136. Bartels kommt m die Stichwahl und hat Aussicht zu siegen. Bei der Gemeinderathswahl in Gera siegten von den 13 Kandidaten unserer Partei die Genossen Fiedler, Her- furth, Stroh. Böltger und V e t t e r t e i n mit 1973 bis 2185 Stimmen, die gewählten 3 gegnerischen Kandidaten 1963 bis 2095. Geschlossene Listen wurden für uns 1810, für das bürgerliche Kartell 1794 abgegeben. Die Wahlbetbeiligung betrug über 80 pCl., rie war stärker als bei allen früheren Wahlen. Die„Renß. Tribüne" chreibt in einer Besprechung des Wahlergebnisses:„Es ist ein hohes Verdienst der Sozialdemokratie, dem öffenllichen Leben fortgesetzt neue Impulse zu geben und die breiten Massen des Volkes für das öffent» »die Leben zu interessiren. denn ohne die sozialdemokratische Agi- katio» würden die Gemcinderathswahlen auch heute»och sozusagen unter Slusschluß der Oeffentlichkeit vor sich gehen und zu einem häuslichen Streit der verschiedene» Jnteressentenkoterien um den größten Happen herabsinken. Die Konkurrenz mit der immer stärker anwachsenden Sozialdemokratie zwingt die bürgerlichen Parteien auch Stellung zu nehme» zu sozialpolitischen Fragen und wenigstens— Bersprechungen zu niachen. So hatte denn auch diesmal der Ge- meindewahlverein ein Weltrennen um die Gunst des armen Mannes veranstaltet, bei dessen Fortsetzung ihm aber bald genug der Alhem ausgehen wird." Polizeiliches, Gerichtliches rc. — Reichstags- Abgeordneter Bueb, der bekanntlich wegen Beamteubeleidigung ec. von der Slraskammer zn Mülhausen i Elsaß zu zehn Monaten Gefängniß verurtheilt worden ist, wozu noch wegen Beleidigung des Pfarrers Cetly zwei Monate Ge- fängniß komme», hat nunmehr, nachdem das Reichsgericht seine Revision gegen das erstere Urlheil verworfen hat, von der Staats- anwaltschaft die Aufforderung erhalten, bis zum LS. November die Strafe im Bezirksgesängniß zu Mülhausen anzutreten. Sein Gesuch um Strafaufschub wurde abgeschlagen. — Der Redakteur des„Bolksblalt für Halle", Genosse Thiele, wurde gestern in der Berufungsinstanz wegen Beleidigung des Direktors der„Bölbergee-Mühle" ebenfalls zu drei Monaten Ge- fängniß verurtheilt. Die Beleidigung ist in einem Artikel gefunden worden, worin dem Direktor indirekt der Vorwurf gemacht fein soll, er habe einen Meineid geleistet. — Die Haussuchungen i» Lübeck find, wie unser dortiges Parteiorgan mittheill, aus Requisition einer mecklenburgischen Staatsanwaltschaft erfolgt. Es handelt sich vermnthlich um den Prozeß, de» die Themis des Obotrilenlaudes wegen der Beschickung des Mecklenburg-Lubecker Parteitages plant. In Verbindung damit stehe» wohl auch die Haussuchungen, die, wie gestern in der„Poli- tischen Uebersicht" des„Vorwärts" gemeldet, bei den Vorständen der mecklenburgischen Arbeiler-Bitdungsvereine vorgenommen worden sind. — Die Buchhandlung der„V o l k s st i m m e" in Magde- bürg hat in ihrem neuen Lokal, Breiteweg 127, mehrere Schaufenster zur Verfügung, wo sie dem Publikum Druckschriften und Bilder zur Ansicht ausstellt. Am Donnerstag Vormittag erschien ein Kriminal- komniissar mit zwei anderen Kriminalbeamten und erklärte, er habe den Auftrag, alle in den Schaufenstern ausgestellte» Druckwerke und Bilder zu beschlagnahmen, die den Bestimmungen des Preßgesetzes nicht genügten. Und was wurde beschlagnahmt? Bilder, die folgende Vermerke trugen: L a s s a l l e. Gez. von F. Geetner. Verlag von Ad. Hoffmann. Berlin 0. 27. Mar x. Gez. von F. Geetner. Verlag von Ad. Hoffmann. Berlin 0. 27. Engels. Verlag von Ad. Hoffmann. Berlin 0. 27. M a r x— L a s s a l l c.(Oeldruck.) Verlag von A. Degele, München. Volkmar. Chr. Steinicken. Kl.-Münche». M a i b i l d. Verlag des Vorwärts, Berlin 8>V., Beuthstr. 3. Die„Volksstimmc" theilt hierzu mit, eine sofortige Revision der Schaufenster anderer Buchhandlungen Magdeburgs habe ergeben. daß dort sogar Bildwerke ausgestellt waren, die weder den Name» des Verlegers, noch den des Zeichners und des Herausgebers trugen. — Die gestern in der„Politischen Uebersicht" des„Vorwärts" erwähnte Verfügung des Amtsvorstehers Rusch in Sude, worin einem Musiker Strafe angedroht ist, wenn er noch einmal öffentlich die Marseillaise spiele, scheint auf eine lllnregimg des i» Itzehoe domizilirenden Landralhsamls für den Kreis Steinburg zurückzuführen zu fein. Als am 10. Oktober in dem Lokal des Gast. ivirlhs M. Saß in Itzehoe, dem Sammelpunkt unserer Parteigenossen, die Musikkapelle die Marseillaise gespielt hatte, machte sich bald nachher unter den Ainlsvorstehern des Kreises eine lebhafte Thätig- keit bemerkbar. Die Musiker wurde» vorgeladen und„verwarnt", das frevelhafte Lied zu spiele», und in Itzehoe selbst erhielt der Gastwirth Saß von der Polizei die Mittheilung, wenn er in seinem Lokal die Marseillaise noch einmal spielen lasse, werde ihm die Erlaubniß entzogen werden, öffentliche Tanzmusik abzuhalten. Auch sonst giebt man sich im Kreise Steinburg große Mühe, der Sozial- demokratie das Wasser abzugraben, aber es nutzt alles nichts, ivas die nächste Wahl ausiveisen wird. — Bei dem Begräbniß des Webers Ernst Klopfer in Apolda erklärte im letzten Augenblick der Geistliche, die Grabrede nicht halte» zn wolle», weil von einem Kranze die rothe Schleife nicht entfernt worden war. Landtags-Abgeorducter B a u d e r l, der sich unter den Leidtragenden befand, richtete darauf ein paar tröstende Worte an die Hinterbliebenen des Tobten. Er soll sich dadurch gegen die Begräbnißordnung vergangen haben. Vor dem Schöffen- gericht beantragte der Amtsanwnlt 30 M. Geldstrafe. Das Gericht erkannte an, daß Bandert im Nolhfalle und ans Menschlichkeit ge- handelt hat, als er an stelle des Geistlichen einige Worte sagte; da aber auch für solche Fälle Straffreiheit nicht vorgesehen ist, lautete das Urtheil auf 3 M. und Bezahlung der Kosten. GemevkM.ctftlirszezs. Berlin»ud Umgebung. Tie lokalorganisirten HandclShilfSarbeitcr werden auf die Montag, den 22. d. Mts., abends SV, Uhr, in den Arminhallen stattfindende öffentliche Protestversammlung aufmerksam gemacht. Tagesordnung: Feuerwehrleute als Hausdiener und die Stellung des Polizeipräsidenten v. Windheim dazu. Der Vertrauens- m a n n Herinann Kamp. Herr Schiitkc, Platzmeister bei der„Allgemeinen Elektrizitäts- Gesellschaft", wohnhasi SivineinAnderstr. 23, ersucht uns inilzutheilen, daß er mit der Person, die unter dem Vorgeben, Max Sckiüttke zn heißen und von den Arbeitern der Allgemeinen Elektrizitäts- Ge- sellschaft geschickt zu sein, im Gewerkschaftsbureau Sammellisten er- schwindelte, nicht identisch sei. Eine öffentliche GcwcikschaftSversainmliing i» Spandau beschloß, die englische» Maschinenbauer in ihrem Kampfe nm den Achtstundentag moralisch und finanziell zu unterstützen.— Dieselbe Bersamniluug wählte eine fünfgliedrige Kommission, welche bei den bevorstehenden Kraiikenkaffen-Wahlen für die Wahl organisirter Kassenniitglieder zu sorgen hat. In Spauda» ist nach einem Referat des Genoffen Timm- Berlin nach zweijähriger Ruhepause wieder eine Zahlstelle der Schneider ins Leben gerufen worden; als Delcgirte zum Ge- werkschaftskartell wurden Behrendt und Singer gewühlt. Eine ganze Anzahl neuer Mitglieder erklärten sofort ihren Beitritt. TcntscheS Reich. An die Glasarbeiter Teutschlands! Kollegen! Nach- dem uns anfangs eine Lohnrcduktioa von IS Pf. pro 100 Stück auf einige Exlrasorten angekündigt worden, hat nunmehr die Direktion die Reduktion in 4 pCt. des gesammten Lohntarifs umgewandelt. Die Reduktion ist von uns strikte zurückgewiesen, was zur Folge gehabt, daß gestern in der Fabrik folgender Anschlag gemacht wurde: „Vom 1. Dezember ab tritt für die Glasmacherlöhne ein Abzug von 4 pCt ein." Dieser Anschlag zwingt uns, da wir uns unsere Löhne nicht kürzen lassen können, unser Arbeitsverhältniß zu lösen; wir haben denn auch am 19. d. M. in der Zahl von zirka 2ö0 unsere Kündigung eingereicht. � Pflicht eines jeden Kollegen ist es nun, kein Arbeitsangebot nach hier zu machen, oder einem solchen Folge zu leisten. 'Auf die angekündigte Lohnreduktion einzugehe», war unmöglich. da die Lebenshaltung hier eine sehr theuere ist. und wir bei unserer sehr schweren Arbeil für kürzere Löhne nicht arbeiten können und wollen.—,... Nochmals bitten wir die Kollegen, dafür zu sorgen, daß kein Zuzug nach hier stattfindet, dann dürste der Sieg in kurzer Zeit, wenn nicht sofort, unser sein. �,,..» Die Stralau er Glasarbeiter. Alle Anfragen sind zu richten an Ernst Kaufholt, S t r a l a u, D o r f st r. 46 B. l. S ä m m t l i ch e Arbeiterblätter werden um Ab- druck gebeten. Ter Scdcrarbctterftreik bei Grosse in Halberstadt dauert fort. Mit Ausnahme einer Person, die sich zur Wiederaufnahme der Arbeit bewegen ließ, sind die Streikenden standhaft. Leider haben sich von anderer Seite einige Arbeitswillige gefunden. Tie Auöstäiidigcn der Nähmaschinen- und Fahrrad-Fabrik von S t ö w e r in Stettin hatten sich, wie bereits gemeldet, an die Direktion gewendet, um eine Eiuignug zu erzielen. Die Ver- Handlungen sind von der Direktion abgelehnt und ebenso ein Er- scheinen vor dem Einigungsamt des Gewerbegerichls. Die Streikenden haben in ihrer letzten Versammlung beschlossen, in dem Streik aus- zuHarren. Zum Biichbiudei streik in Hannover wird berichtet, daß die Firma durch einen vielfach geübten Kniff die Streikenden einzu- schüchtern versucht. Die Firma ließ nämlich am Fabrikthor die Be- kauntmachuug anheften, daß die Streikenden innerhalb drei Tagen ihre Entlassung abholen mögen. Die Ausständigen glauben jedoch, daß bei dem guten Geschäftsgang und dem' sehr dürftigen Personal, das der Firma zur Versügung steht, ein Nachgeben derselben bald zu erwarten ist. Tie Mctalliiidnstricllen in Torgelow setzen den Kampf gegen die Arbeiterorganisation fort. Tie Firma Mcntzel u. Eo. verlaugt aufs neue, entgegen der Vereinbarung vor dem Gewerbegericht, daß die Arbeiter aus dem Melallarbeiter-Verband austreten und droht die Zuwiderhandelnden mit der Kündigung. Da die Arbeiter der Aufforderung nicht nachkamen, ist die Kündigung erfolgt und haben sich einige Mitglieder des Gemerkvereins ihren gemaßregelten Kollegen angeschlossen. Die Firma König u. Ko. hat ihren Arbeiter» ein Formular vorgelegt, in dem die Arbeiter ihren'Anstrilt ans dem Metallarbeilerverband anmelden sollen. Von dem Personal unter- schrieben nur sieben und wurden darauf 30 Mann entlassen. Damit nicht zufrieden, wurde den in Beschäftigung gebliebenen Arbeitern ein zweiles Formular unterbreitet, in dem sie sich verpflichten sollten, nie mehr dem Metallarbeiter-Verband beizutreten. DieNichtiunehallung dieser Verpflichtung soll mit 10 M. Strafe belegt werden. Am 13. d M. fand in vier Fabriken die Auszahlung des rückständigen Lohnes ii»ler Aufsicht von sechs Gendarmen statt und erfolgten Abzüge von 2-6 M. wegen Kontraktbruch. Nun wurde versucht, die Krieger- vereine gegen die Ausständigen mobil zu machen; aber der Liebe Müh war vergebens, da die Streikenden in der Majorität waren und schließlich ein Ausschluß der Antragsteller erfolgen konnte. Am vorigen Sonntage fand in Ileckermüude eine gut besuchte Versammlung statt, die insofern recht interessant verlief, als der Landralh v. Hagedorn in die Debatte eingriff. Redner bedauerte, daß dem Gewerbegericht fnicht die Befugniß zustehe, seinem Schiedsspruch auch die Wirkung ordentlicher Gerichtsentscheide z» geben, dann wäre das Verhalten der Firma Mentzel unmöglich gewesen. Im übrige» verlrat er den Standpunkt, daß den Arbeitgeber» und den Arbeitern gleiches Recht zu theil werden müsse und wünsche er, daß die Arbeiter zu ihrem Rechte kämen. Die Unternehmer haben es ver- standen, die Gewerkvereinsmitgliedcr für sich zu gewinnen und ist der größte Tbeil derselben in Arbeil geblieben. Den Arbeits- willigen ist eine Gralifikalion von 3 M. in der letzten Woche über- geben und die Herren Fabrikanten sind sogar Mitglieder des Gewcrk- Vereins geworden, nm ihre Schäfchen gilt zu überwachen. Die Gewerkvereine haben also auch in diesem Kampfe das Koalilions- recht ihrer Berufskollegen leichtfertig geopfert. Wie berichtet wird, soll nun abermals ein Einignngsverfahre» vor dem Gewerbegericht geplant sein und haben sich die Unternehmer zur Verhandlung bereit erklärt. Znm Ausstand in der Schriftgiestrrei von Ludwig n. Master in Frankfurt a. M. Das Personal steht auch heule noch vollständig geschlossen da, und vergeblich sind die Vemühungen der Prinzipale, branchbaren Ersatz für die Ausstehenden zn beschaffen. Von den 36 in den Anssland eingetretenen Gießern sind 3 anderwärts in Stellung getreten, wahrend die übrigen 33 sich vorläufig zur Ver- sügnng der Firma halten. Falls jedoch letztere ihre Bedenkzeit gar zn lange ausdehnt, werden die meisten Ausstehenden in andere Gießereien eintreten. Fachleute waren als Ersatz bisher nicht auf- zutreiben; wie wir hören, sind für die 36 gelernten Arbeiter bisher 4 Schlosser und ein ehemaliger Mechaniker zum Ersatz der für ihr Recht käinpfeiiden Schristgießer eingesprungen. Ter Zeutralverbmid der Stcinsctzcr ntid Beriifögriiossc» beruft zum 14. und IS. Februar n. I. nach Magdeburg einen Verbandstag ein. RnSlaud. Ter Vorsitzende des dänische» Schiniede- und Maschinen- bnner-Vcrbandcö hat an den Vorstand des Deutschen Metall- arbeitcr-Verbandes folgendes Schreiben gelangen lassen: „Nachdem wir jetzt hier in Dänemark nach den langen Kämpsen des Frühjahrs und des Sommers einigermaßen zur Ruhe gekoininen sind, beeile ich mich, nach dem Wmische unseres Haupivorstandes, Ihnen und unseren lieben deutschen Genossen und Klasscubrüdern den Herzlichsten Dank für die Sympathie, die sie uns durch die geleisteten Unterstützungen zeigten, darzubringen. Durch Sie, lieber Kollege, haben wir 18 300 M. empfangen, und gleichzeitig empfingen wir durch Otto Näther(Berlin) 3S00 M. und durch Ihre Abtheilnngen in Deutschland 2270 M. Wir bringen Ihne» unseren herzlichsten Dank und wir ersuchen Sic, denselben den Gebern zu übermitteln. Wenn Gelegenheit kommt, wollen wir Vergeltung üben. Wir haben schon angefangen, niüere Schuld zu bezahle». Von Stellin sind nämlich 12 von den ansständigcn Arbeitern der Nähinaschincnsabrik Slöiver hier an- gekoinmen und 6 von diesen haben durch unseren Beistand schon Arbeit erhalten, die übrigen 6 unterstützen wir. Da wir Söhne jener Deutschen und jener Danen, die sich im Jahre 1864 in blutigem Kampfe fchlngen, jetzt einander in jeder Weise unterstützen, so»rinnern wir uns auch mit Dank der Männer, die voran im Kampfe gegen das Kapital gegangen sind, und wir bestärken daran unseren Glauben an die Zukunft. Die Solidarität und die Brüderschaft, die sich durch die fachlichen Arbeiterkämpfe entwickeln, sowohl national wie international, sollen bald den 5iriege» zwischen den Völkern ein Ende machen. Wenn erst der Krieg unmöglich ist, sind die Arbeit und die Männer der Arbeit die Herren der Welt. Darum: Es lebe die Organisation und die Früchte derselben." Harte Kämpfe«in die gänzliche Abschaffung der Nacht- arbeit dürften den holländischen Bäckergesellen bevorstehen. In Zl m st er da in hatten, wie wir kürzlich initlheilten, die Bäcker- gesellen einer großen Brotfabrik diese Forderung gestellt und waren sämmtlich entlassen worden. Ein Theil der Gesellen kehrte unter Verzicht- leistung auf ihre Forderungen in dieFabrik zurück, die anderen errichteten eine Genossenschaftsbäckerei. Zur Unterstützung dieser erließ nun, wie der„Voss. Ztg." mitgelheilt wird, ein Dainenkomitee. dem Damen aus den höchsten Kreisen angehören, einen Aufruf an die Bewohner der Residenz, die es auffordert, ihr Brot nur bei der kooperativen Bäckerei, der„Zukunft", zn kaufen, woraus sich von selbst ergiebt, daß die Fabrik, die ihre Arbeiter entlassen hatte, geboykoltel werden sollte. Der Aufruf scheint auf fruchtbaren Boden gefallen zu sein. In Amsterdam wurde in einer Versammlung der Bäckergesellen öffentlich erklärt, daß auch für Amsterdam die Nachtarbeit vom I. Januar 1838 an aufhören werde. I» Zl l m e l o schicken sich die Gesellen an, dem Beispiele der Residenz zu folgen und cbenfallL eine kooperative Bäckerei zu gründen, wobei sie auf die Unterstützung der Frauen zu rechnen haben werden. In Nizza haben sämintliche Bäckergesellen die Arbeit eingestellt, weil die Meister die früheren Löhne nicht mehr zahlen wolle». Dies ist besonders Uttangenehi». da für Sonntag eine große Musikerversainniluiig bevorsteht, die 10 000 Musiker nach Nizza führt. Diese werden wohl auf das Brot verzichten müssen. Der Kampf der englischen Maschinenbauer niinint, wie leicht erklärlich, in dem offiziellen Monatsbericht der Maschinenbauer- Gewerkschaft einen sehr breiten Ranin ein. Der Bericht rühmt das stete Vertrauen und den Opferniuth der Mitglieder. Viele von ihnen hätten auf ihre ihnen zustehende Streikunterstützung verzichlei, voii anderen, die weiter arbeiten konnten, sind Darlehen und srei- willige Beiträge eingegangen. Der Bericht hebt serner hervor d e allgemeine Anlheilnahme, welche die Käinpfeiiden bei der übrigen Arbeiterschaft des In- und Auslandes gefunden. 25 362 Mitglieder erhielten während des Monats Streikiiulerstützuug und 1655 erhielten Krankenunterstützuiig._• Für die ausgesperrte» englischen Maschiiienbaner gingen bei der B c r l i Ii c r G c w c r k s ch a f t s t o in in i s s io n folgende Beträge ein: Giftbrüdcr A. B. C. 3,90. Möbelpolircr von Zclder und Plothen, nnler Ansschlns! von 7 Kollegen von 4 Treppen 14,—. Verband der Möbelpolircr Berlins, 2. Nate 800,—(darunter Möbelfabrik Barth, Fruchtslr. 8 12,—, und Witte, Königsbergersiraße 6,80). Leseklub„Südost" 20,—. Ar- beiter-Raucherbund Berlins und Umgegend 300,—. Gemüthliche Geburls- tagsfcier und Preßlohlenepport durch Nofentreter 7,—. Tischlerei Thier- lciu's Söhne, 2 Tr., außer einem Rixdorfer 3,50. Tischlerei Lorenz, Wrangclstr. 28, 4. Rate 3,50. Tischlerei Lübnitz n. Reese, Bellealliancestr. 82 12,—. Tischlerei Babelow, Köpnickcrstr. 175 3,65. Berlobnng bei Seiler» Liegmtzcfftraße 2,70. Tischlerei Bail, Oraiiienstr. 9 3,40. Bon den Stellmachern Berlins(a. Listen) d. Fischer 50,40(darunter Wagcnsabrik Gebr. Ditwiaim 20,85 und Feldbahn und Waggonfabrik Orciistein u. Koppel 38,55). Holz- bcarbeiluiigsniaschinen- Arbeiter Berlins durch Pichl(auf Listen) 70,35- Tischlerei von Brandt, Diesfenbachstr. 36, 8,60. Maler Berlins(auf Listen) 0,75. W. H. 1,—. Brauer Berlins d. Preuß, 1. Rate 82.80(darunter Brauerei Kintz u. Co. 8,20, Böhmisches Brauhaus 14,85, Bürgerliches Brau- haus 4,70, Schultheiß-Brauerei 16,00, Brauerei Hohenschönhausen, I. 15,65, Brauerei Hoheiifchöiihausen, IL 22,50). Paiikower BrumuwchZ 1.50. H„lz- bearbeiiungsniaschinen- Arbeiter von Roth(auf Listen) 8,40. Freie Bei- einigung der Bauarbeiter(Listenvorschuß) 20,—. Bauarbeiter Berlins(ans Listen) 30,—. Rauchklnb„Bahia" 10,—. Aus der Höhle des Löwen durch Fr. Th. 4,80. Organisirie Schuhmacher bei Thrninbach, Nene Fricdricir- straße, Ecke Nosenslraße 2,—.' Miisikiiistrninenten- Arbeiter Berlins durch Arendt(auf Listen) 190,30(darunter Neugebauer 8,80, Fürsteuberg 0,70. Jaiiowölv 0,50, Hoof u. Ko. 0,40, Kanzinat, 3. Rate 16,20, Pfaffe 3,05. Sicbert 8,55. Köhler 5,55. Köhler 8,00. Köhler 13,40. Seidel 3,50. Pfeiffer 12,00. Grob 3,-. Heindorf 0,25. ttzottivald 13,-. Willig 15,50. Seidel 13,75. Nieder 13,05. Koch u. Co. 8,—.) Bilder- rahmemiiacher Berlins d. Brd.(ans Listen) 30,—.(Darunter Spiegelfabiik von Mcster 16,70. Spiegelfabrik Köuigsberger 3,50. Goldlcisteiisabrik Spiesicke 4,85. Handels-Hilfsarbeiter Berlins(lokal., auf Listen) 16,85. Fuß- Partie, 4. Wahlkreis, Südost, d. Voigt 20,15. Berband der Fabrik-, Land- und Hilfsarbeiter Deutschlands, Zahlstelle Berlin 30,—. Von der Wäsche- und Kravattenbranche Berlins, d. zdp. 12,70. Neberschuß von einer Herren- Partie des Pflanzervereins Nelke 4,55. Anierikan. Auktion bei Lange 2,81. Arbcitergcsangvcreiii Hoffnung, Friedrichsberg, Partie nach Schömvalde 5,05. Klaviaturfabrik Buchholz 16,05. Staiger, Goldarbeiter 0,50. Holz- und Bretterträger durch Karnal(auf Listen) 17,35. Arbeiter-Bildungsvereln iil Bukarest 50,—. Bureau-Angestellte Berlins 5,55. Textilarbeiter-Berband, Filiale Nieder-Schöneweide 15,—. Zentralverband der Maurer, Zahlstelle Steglitz. Uebcrschuß vom Vergnügen 16,70. Tischlerei Reinhard, Schivedter- strane durch Eichlcr 9,20. Aus Stettin durch Albert Damm 6,80.„Rotbe Hlltte" im Saarrevier 31,20. Verein der Arbeiter und Arbeiterinnen in der Wäsche- und Kravattenbranche 50,—. Tintenkuli, Annenstraßc 3,—. Weitere Beträge nini mt das Gewerkschaftsbureau(R. Millarg Annenstr. 16, I) entgegen._ Tis Zulkerkaitell ist nach der„Magdeb. Ztg." vorlänsig ge- scheitert. Die Verhandlungen sind vertagt worden und sollen dem- nächst wieder anfgenominen werde». Es ist bis jetzt nicht gelungen. zwischen de» Forderungen der Raffinerien»nd denen der durch das denlsche Ziickersyndikat nertretenen Rohznckerfabriken einen beide Theiie befriedigenden Ausgleich zu finden. Ob es möglich sein dürfte, auf grund dcs vo» dem deiilschen Ziickersyndikat vorgeleglen Knrlellenlivnrfs zu einer Einigung zu gelangen, oder ob sich die Nothwcndigkeit herausstellen wird, für die Verständigung eine neue Grundlage zu suche«, läßt sich zur Zeit noch nicht übersehen. Tie Vereinigung sächsischer Spinnereibcsitzer hat in der am 10. November staltgefniidenen Monatsversammliiiig den Antrag ans einheitliche Betriebseinschräntnng abgelehnt, weil sich die Lage der Spinnerei in der letzten Zeit etwas gebessert habe und die anderen deutschen Spinnerverbände zur vorliegenden Frage eine ab- wartende Stellung einnehmen. Formcisen-Vcrband. In der am 19. d. M. abgehaltenen Sitzung wurde festgestellt, daß trotz der vorgerückten JahreSzeit die Versendungen von Formeisen die Erzeugung noch übertroffen und daß der Bestand an Aufträge» für das In- und Ausland erheblich ziigenomme» hat. Unter diesen Verhältniffen wurde von verschiedenen Seilen ein Antrag ans Preiserhühiing eingebracht, über den Ende dieses Monats Beschluß gefaßt werden soll. Vepefrszen und lvtzke Nnchvichken. Magdeburg, 20. November.(W. T. B) Di«„Magd. Ztg." meldet, daß heute Nachmittag 6 Uhr aiif der Strecke Berlin» Magdeburg bei Burg ein Güierzng entgleist ist und infolge dieses Unfalles beide Gleise n»f 10 Stunden gesperrt sein werden. Vo r beiden Seiten werden Züge abgelassen, doch muß an der Unfallstelle umgestiegen werden. Ueber die Ursache der Entgleisung verlautet nichts Nähere?. Wien, 20. November.(W. T. B.) Graf Goluchowski ergriff nochmals das Wort und erklärte in Beaiitwortnng einiger an ihn geslellien Fragen, er sei gern bereit, eine interparlamentarische Konferenz zu nnlerstützeii. Der Ausschuß gab hierauf einstimmig seine Znstimmnng zn der Politik des Grafen Goluchowski zu er- kennen und versicherte den Minister seines Vertrauens. Das Bndgel des Ministeriums des Älenßeren wurde sodann angenommen. Bndapcst, 20. November.(B. H.) Wegen Mißhandlung eines Soldaten wurde der stültineistcr des I. Honvsd-Hnsareii-Iiegimeirs Perchy vom Garnisongericht z» zwei Monaten Arrest verurtheilt. Pola, 20. November.(53. H.) Die Polizei verhaftete die seit langer Zeit gesuchte» italienischen Anarchisten Baltinelli, Farlino und Rosetli..1 Paris, 20. November.(W. T. V.) Dep»lirtenka»i»ier. Di- Beralhung der Interpellation über die laiidwirihschaftliche KeisiS wurde forlgesetzt. Der Zlckerbaiiniinister Meline fuhr in seiner am letzten Sonnabend begonnenen Rede fort und hob hervor, die Nr- fache der Krisis liege in dem seit 20 Jahre sortschreileiidcn Sinken der Preise aller lnndivirthschafllichen Produkte und in dein Ver- dnlie und in dem Verhältnisse zwischen Gold»nd Silber. Jnurt-, hob hervor, daß die sozialistische Partei die Initiative in der land- wirthschaftticheii Frage ergriffen habe.(Widerspruch im Zeiilrniii.) Nach Schluß der Debatte wurde mit 420 gegen 43 Stimmen folgende von Deschanel eingebrachte, von der Regierung gedilligie Tagesordnung angenoinmen: I» Erwägung, daß eine Nmbildiing des iiidividuelle» Eigenthiiiiis in ein jiolietiiveigenlhum der Ruin der Landwirthschast sein würde, und ciilschlossen, durch legre- lative Reforuie» iiud durch die Eniwiekeliing der Grundsätze des Genosseiischasisir'esens und der Gesellschaften ans Gegen- seitigkeit die Verlheidigung des nationalen Marktes und die Herab- Minderung der Prodilklionstosten zu sichern, geht die Kammer zur Tagesordiiiing über. Janrvs beantragte die Anstellnng einer Untersuchung über die laiidivirlhschaflliche Lage; dieser'Antrag wurde von dem Minister Meline a!s unnütz bekämpft und darauf mit 348 gegen 152 Slininien abgelehnt. Die Sitznng wurde ans- gehoben. Madrid, 20. November.(W. T 53.) Nach einer Meldung dcs „Heraldo" ans Havana habe» die Ansständische» wieder angefangen» in den Provinzen Matanzas»nd Havana die Pstaiiznngen, in Brand zn stecken und zn zerstören. Warschan, 20. November.(B. H.) Die große Wollspinnerei von Lonril in Lodz ist niedergebrannt. Man vermuthet Brand« stistuiig.„ Tatar Vazardschik, 10. November.(W.T.B.) Prozeß gegen die Mörder des Diclileis Constaiitiuoiv. Der Bürgeruieister von Hradilouw Minkoiv sowie die Aiigeklagte» Topaloiv und Salepow wurden zum Tode, Stojanow zu eine»» Jahre Zwangsarbeit verurtheili. Da Salepow minderjährig ist, wird das Urlheil gegen ihn in 15 jährig« Ziichlhausstrase»mgewandelt. Bukarest, 20. November.(V. H.) Die Fabrik in Dndcscht. in welcher ranchloses Pulver hergestellt wird, ist von eincin großen Brande heimgesucht worden. Einzelheiten fehlen noch. � Verantwortlicher Redakteur- Zlugust Jacoben in Berlin. Für den Jnseratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Vertag von Mar Babing in Berlin. Hierzu 4 Beilagen«. NiiterhaUiingsblatt. Hr. 272. 14. Inljrpiig. j. —«g— r— i—— a— Am 26. November finden in der 3. Abtheilung des 32., 34., 38. und 40. Kommunal-Wahlbezirks die Stichwahlen zwischen den Kandidaten des antiseinitisch-konscrvativ-liberalen Kartells und den Vertretern der Sozialdemokratie statt. Gegenüber der Koalition der gegen uns ver- einigten Gegner nuiß alles aufgeboten werden, um den Sieg an unsere Fahne zu heften, damit im Rothen Haus der Wille der arbeitenden Be- völkerung mit Nachdruck zur Geltung gebracht werden kann. Die Sozialdemokratie fordert gleiches Recht für Alle. Der im Rathhans Herr- scheude Freisinn dagegen führt die Kommunal- wirthschaft wesentlich zum Bortheil der besitzenden Klasse und macht die städtische Verwaltung seinen Politischen Interessen dienstbar. Parteigenossen! Es ist eine Ehrenpflicht des 6. Reichstags- Wahlkreises, in dessen Herzen die vier Kommunal- Wahlbezirke liegen, dafiir zu sorgen, daß in dieser Hochburg der Sozialdemo- kratie auch fiir das Rathhaus nur Sozialdemo- traten gewählt werden. Wenn die Massen, wenn die 3. Abtheilung an die Wahlurne gerufen wer- den, dann hat im 6. Wahlkreise Berlins das ar- beitende Volk den Sieg in der Hand, wenn es seine Schuldigkeit thnt. Genossen! Die Partei erwartet, daß niemand seine Pflicht versäumt, daß jeder Wahlberechtigte seine Stimme abgiebt und daß bis zum Wahl- tage unablässig für die sozialdemokratischen Kandi- daten agitirt wird. Laßt Euch uicht von den Gegnern einschüchtern; fürchtet Euch nicht vor der öffentlichen Stimmabgabe. Bekennt Euch alle- sammt kühn und stolz als/Sozialdemokraten, dann sind die Gegner bei so imposanter Kundgebung des Volkswillens machtlos und der Sieg ist uns sicher. Vovnmvks J Unsere Kandidaten find: 33. Wahlbezirk: Schneider Johannes Timm. 34. Wahlbezirk: Hutmacher Serm. Korgmann. 38. Wahlbezirk: Gastwirth Christ. Hilgenfeld. 40. Wahlbezirk: Rechtsanwalt Wolfg. Seine. Mnhlbeveifzkigk ist nach§ 6 der Städte-Ordnung jeder selbständige Einwohner, der Preuße und 24 Jahre alt ist, seit einem Jahre in Berlin wohnt und seit einem Jahre keine?lriiieiiunterfliitz»»g aus öffentlichen Mitteln erhalten hat, sowie mindestens zur zweiten Stenerstnfe(660 bis 900 M. Einkommen) eingeschätzt ist, und sofern er in die Wählerlist»«ingetragen ist. Chambregarnisten find selbständig und daher wahlberechtigt. Wer seit dem So.Juli(seit der Slnslegung der List:») ver- zogen i st,»vählt indeni Bezirk, in welchein error diesem Termin gewohnt hat. Wahlberechtigt sind auch diejenigen Wähler, die am Tage der Wahl znr Kontrollversammlung kommandirt sind. Die Stichwahlen finden am Freitag, den 26. No- bember, von9Uhr morgens bis7Uhr abends statt. und zwar zu jeder beliebigen Stunde während dieser Zeit. Die Abgabe der Stimme nimmt nnr wenige Minuten in An- sprnch. Diejenige» Wähler, die«S irgend möglich machen können, wollen bis Mittag 1 Uhr ihr Wahlrecht ausüben, damit der An- drang gegen Abend uicht zu stark ist. Va-rkeigenosten» rntfzuv Skichmahl! Blvbeikewevplcherung und Armenpflege. Als die Arbeiterversichernngs-Gesetze— das Kranke»., das Un- fall- und endlich das Jnvaliditäts« und Altersversichernngs Gesetz— »ach und nach geschaffen wurden, da haben unsere Vertreter im Parlament oft genug darauf hingewiesen, daß»nter den Motiven, die viele Angehörige der bürgerliche» Parteien zur Gntheißung und Annahme dieser Gesehe veranlaßten. nicht zuletzt die i» Aussicht stehende Entlastung der Arinenpslegekosten und die Ueber- ivälznng derselben zum lheil auf die Schultern der Arbeiter zn suchen sei. Wir machten darauf aufmerksani, daß die von den Arbeitgebern und vom Staat zn den Lasten der Versicherung zn leistende» Zu- schüsse keineswegs ein Geschenk an die Arbeiter bedentete», sondern zu einem großen Theil eine alte Sache in neuen Formen sei; daß das, Ivas früher.AmeiiunterstützllNg* geheißen hatte, von„NN an „Arbeitgeber-Beilrag" oder„Slaalszuschuß" zn den Kosten der Versicherung heißen sollte.— Das alles wurde damals vielfach be- stritten und die Arbeiterversicherungs-Gesetze als der Ausfluß der reinsten, uneigennützigsten Humanität hingestellt. Daß wir jedoch Recht gehabt haben, das zeigt sich jetzt, nach- dem die Arbeiterversichernngs-Geietze eine ansehnliche Reihe von Jahren in kraft sind. Der sich über ganz Deutschland erstreckende Verein für Armenpflege und Wohlthätigkeit hat bereits vor zwei Jahren eine Erhebung veranstaltet über die Frage, in welchem Maße die Versicheri.ngs-Gesetze auf die Armenpflege eingewirkt haben, und die Reichsregierung hat nicht viel später über das gleiche Thema eine Rundfrage an die Bundesregierungen erlassen, deren Ergebnisse aber erst im laufenden Jahrgang der Vierteljahrs- hefte zur Statistik des Tentschen Reiches veröffentlicht werden. Beide Erhebungen, die amtliche und die private, haben überein- stimmend zu dem Resultat geführt, daß die Arbeiterversicherungs» Ks jotiitte" Knlim U 5— BB———— I I I BJC Gesetze in sehr erheblichem Maße entlastend ans die Orts- und Land-Armenverbände eingewirkt habe»,— wenn diese Entlastung sich allerdings auch nicht in einer Verkleinerung der Zahl der Unter- stützten und der aufgewendeten Summen gezeigt hat, sondern darin, daß zugegebenermaßen beim Nichtvorhandensein der Versicherungen die für Armenpflege aufzuwendenden Summe» in bedeutend stärkerem Maße hätten wachsen müssen. Um uns die Millheilnugen der amtlichen Erhebung etwas näher anzusehen. so wird der Krankenversicherung fast allgemein ein entlastender Einfluß auf die Armenpflege zn- geschrieben. Wen» eine Reihe ländlicher Orts-Armenverbände einen solchen Einfluß nicht verspürt, so findet das seine natürliche Er- klärnng darin, daß die land- und sorstwirthschasllichen Arbeiter— gegen den Wille» der sozialdemokratische» Abgeordnelen— nicht in das Krankenversichernngs-Geietz eingezogen worden sind, sondern dies von dem Erlaß eines Landesgesctzcs, oder eines Provinzial-, Kreis- oder Orlsstatuis abhängig gemacht worden ist. Wo ein solches Statut nicht erlassen ist, können die ländlichen Armen- venvallungen natürlich auch keine Entlastung ans der Kranken- Versicherung verspüren. Anderwärts verspürt man sie sehr deutlich. So berichtet Berlin, daß die Zahl der von der Arminverwaltnna dem Krankenhaus am Fricdrichshain überwiesenen Kranken im Laase von 10 Jahren von 2185 ans 1389 gefallen sei, während sich die Zahlen für das Krankenhaus in Moabil ans 2307 und 1780 stellen. Dabei müssen doch ganz anständige Ersparnisse Heranskommen!— Die Elberselder Armenverivaltung, die sich in den Fachkreisen eines besonders guten Rufes erfreut, berichtet das folgende:„Viele der gegen Krankheit Versicherlen sind Familien- väler mit erwerbsunfähigen Angehörige», viele alleinstehende Personen ohne Familicnrückhalt. Von allen diesen ist anzunehmen, daß sie in Erkrankungssällen mehr oder weniger der Armenpflege anheimfallen würden» wenn nicht die Leistungen der Kranken- Versicherung bestünde». Ein Theil derselben bedarf gleichwohl noch der Unterstützung; aber die Unterstützung ist in solchen Fällen um so viel geringer, als die Kassenbezüge ausmachen." I» Hamburg stiegen die von der Arnieuverwaltnng gewährte» Kranken- nnterstütznngen in Verhältnißzahle» von 100 im Jahre 1883 ans 120 im Jahre 1891; die Bevölkerung stieg dagegen ans 132, und der Bericht hebt hervor, daß die Arbciterbevölkermig noch in weit stärkerem Maße gewachsen ist. Von der Unfallversicherung haben die Verwaltungen erklärt, die geringste Erleichterung empfunden zn haben,— wenn auch mehrere Städte ihre ans der Unfallversicherung entspringenden Verdienste ziffernmäßig iiachgcwicicii haben. So hätte Herten in Westfalen ohne das Gcsctz jährlich 6000 M, Karlsruhe 12 000 M. mehr aufwenden müssen. Daß freilich die Armenpflege für die Empfänger von Halb- und Viertelsrentcn nach wie vor einlrelen muß, ist erklärlich, weil solche Leute, denen nur ein Theil der Erwerbsfähigkeit abgesprochen worden ist, in der heutigen, mit Anspannung aller Kräfte arbeitenden Industrie nnr sehr schiver wieder Arbeit sinden, und halbe Krüppel niigrnds gerne, wenn auch zn mäßigem Lohn, mit durchgeschleppt werden. Der Stadtralh H. von Frankenberg macht zn diesem Punkt im„Archiv für sozial» Gesetzgebung und Slatistil" zutreffend darauf aufmerksam, daß sich hier den Berufsgenosseuschasten i» ihrer Eigenschaft als Unter- nehmerverbände eine schöne und dankbare Ausgabe zur Vermittlung von Arbeitsstelle» leichterer Art an ihre Rentenempfänger böte. Eine andere Frage ist es allerdings, ob dies für die verunglückte» Arbeiter nicht auch seine zwei Seiten hätte, indem bei jeder Lohnerhöhung sofort die Rente gekürzt würde, später aber, wenn die verhältnismäßig cul- bezahlte Stelle verloren geht, nnr inil größter Mühe wieder ans den alte» Stand gebracht werde» kann. Ten merkbarsten Einfluß aus die Kosten der Armenpflege hat das Jnvaliditäts- und Altersversichernngs- Gesetz ausgeübt. Allerdings muß infolge der kläglichen Kleinheit der„Renten", die während der Uebergangszcit bis zum noch sehr fernliegende»„Beharriingszusland" doppelt klein sind, noch vielfach ergänzend ans Armenmitteln eingegriffen werden. Da aber auch die Arinenverwaltuuge» recht wenig freigebig sind, und, wo nicht die dringendste und unmittelbarste Nolh vorliegt, nichts zahlen, so werden eben auch jetzt schon infolge des Jnvaliditäts- und Altersversichernngs Gesetzes bedeutende Ersparnisse gemacht. In den großen Städten gehen diese Ersparnisse in die Taufende. Eine Diittelstadt wie Karlsruhe hatte schon vor einer ilicihe von Jahren infolge des Gesetzes jährlich 7060 M. Erspar» iß, und selbst kleinere Städte empfanden eine solä e deutlich. So erzielte Memmingen 1600, Weißenbnrg a. S. 1500, Boitzenburg 1500, Lnbz 500 M. Erspar» iß. Ferner wird eine Entlastung der Armenpflege insofern konstalirt, als alte Leute, die Invaliden- oder Altersrente bezichen, jetzt leichter bei Verwandte» anfgenomme» werde», während vordem die Armenverwaltung für ihr Unterkomme» sorge» mußte. Das alles sind ja gewiß der Ersparnisse genug, die es recht erklärlich mael en, warum von manchen sonst gar nicht übertriebe» arbciterfrenndlichen Seiten doch mit Nachdruck für die„soffale Versicherungs-Geschgebnng" eingetreten wird.— Nu» wird allerdings eingewendet, daß trotz dieser Ersparnisse keine Verrninderung, sondern bei den meisten Verwaltungen sogar eine Erhöhung der Armen- ausgaben stattgefunden hat. So kamen, um einige typische Bei- spiele zn nennen, aus je 100 Einwohner an Arinenunterstütznng in 1884 1893 Westpreußen,,, 109 M. 114 M. Berlin..... 554„ 663„ Hamburg.... 620„ 845„ Für dieses Steigen werden die»lanuigfaltigstcn Gründe an- geführt. So wird beispielsweise gemeldet, durch die Leistungen, welche den versicherten Personen seitens der Kasten zufließe», fühlte» sich die Nichiversicherten versucht, bei den Armenvcrwallnnge» um eine reichlichere Unterstützung einzukommen. Manche Armen- Verwaltungen wollen eine„gewisse Begehrlichkeit" solcher Personen bemerkt habe», die mit einem Rentenanspruch abgewiesen worden sind. In, übrigen werden für die Erhöhung der Armenlasten fast nnr Gründe angeführt, die ans alle Fälle wirksam gc- worden wäre», ob die Versicherungsgefetzgebn.ng bestand oder nicht; so der Bevölkerungszuwachs, namentlich relatives Wachslhn», der Arbeiterbevolkerung. gedrückte wirthschaftliche Konjunktur und Ar- beitslosigkeit, Erhöhung der Lebensmittelpreise, Steigerung der Lebenshaltung der unteren Klassen(!), ferner der Umstand, daß die Unternehmer mehr»Nd mehr nur die jungen, gesunden Individuen in Arbeit nehmen, die alten»nd schwachen der Armenpflege über- lassend. Hätten also nicht die Versicherungsanstalten einen Theil der ans diesen Ursache» fließenden größere» Kosten übernommen, so würden die Armenverwaltungen diese Kosten eben allein habe» tragen müssen. UebrigenS verwahren sich die Armenverwallungen selbst sehr energisch gegen tdie Zumuthnng, als ob sie geneigt gewesen wären, nach Entlastung durch die Versicherung die Armenfnrsorge weiter auszudehnen oder die Unterstützungen reichlicher zn bemessen. Sie erkläre» fast sammt und sonders, daß sie nnr durch die oben an- gedeuteten veränderten Verhältnisse zu größeren Ausgaben gezwungen ivorde» seien,— also auch dainit bestätigend, daß ohne das Vor- handensein der� Versicherung ihre Ausgabe» noch weit stärker ge- wachsen sein würden, als es nun geschehen ist. In der vorigen Reichstagssession ist ja weder daS Unfall-, noch das Jnvaliditäts- und Altersversicherungs-Gesetz zur Ver� abschiedung oder auch nur zur zweiten Lesung gelangt. Sollte eines oder das andere der Gesetze in der neue» Session wieder vor- gelegt werde», so wurde die amtliche Veröffentlichung Über den Einfluß der Arbeiterversichernng ans das Armenwesen gerade noch rechtzeitig gekommen sein, um von unsere» Vertretern zu gunslen ihrer Forderungen auf Erhöhung der Versicherungsleistungen ausgenutzt, verde» zu können. � Zoinilag. 21. simmbtt 1897, ............ IT..............■ Wtommunnles. Umgestaltung der Straße Unter de» Linden. Disstädtische Parkdepntalio» beschäftigte sich gestern unter Vorsitz des©tadtralhs Kochhann wiederum mit den» Projekte der Umgestaltung der Straße Unter den Linden. Es wurde beschlossen, zu diesem BeHufe in den nächstjährigen Etat die Summe von 5000 M. zur Ausschreibung-mes Prctsbeivcrbes für Ausgestaltung des genannten Straßenznges ein« zustellen. Ter Ncchiinngsansschilß der Stadtverordneten-Versammlunz hat sich in seiner letzten Sitzung mit 52 Rechnnngssachen beschnstigr. Darunter befanden sich die Jahresabschlüsse der Stadt- Hauptkasse, der städtischen Gas- und Wasserwerke, der Markthallen, des Vceh« Marktes, des Schlachthofes, der Fleischschau und der städtlschen Abladeplätze für 1. April 1896/97, bezüglich deren die Revlsions« Protokolle festgestellt wurden. Für 23 Rechnungen beantragte der Aus- schnß die Entlastung bei der Sladlverordneten- Versammlung, zwer Rechnnngssachen machten noch Ansklärnngen durch den Magistrat erforderlich, während die übrigen Rechnnngssachen, da die Entlastung� bereits früher erlheiliist und die gezogene» Erinnernngen inznsrieden- stellender Weise durch den Magistrat beantwortet sind, zn den Akten geschrieben werden koiliilen. UokÄlesu Die Parteigeiiossinuc» in Berlin werden auf zwei Volks- versaminlunge» ansiuerksam gemacht, weiche am Dienstag, den 23. d. stausinden werden...' Nur eine Woche bleibt uns noch Zeit zur Agitation für die Stadtverordnete n- Stich wählen, und reger noch als bei der Hauptivahl»lüsse» auch die Frauen für die Stichwahl agi- liren. Gerade den Frauen kann und darf es nicht gleichgiltig sein, ob die Vertreter der Wähler 3. Klasse Männer sind mit landläufigen Bourgcoisieanschanungen, Männer, die es nicht weiter rührt, daß in Berlin über 12 000 Kinder ohne Frühstück zur Schule gehen müssen, und die gegenüber solcher Roth keine andere iübhilse kennen, als auf die bestehenden Wohlthäligkeitsvercine zn verweisen! Das arbeilende Volk braucht Vertreter, welche klar erkennen, welch- Abhilfe verlangt werden muß; es ist der weitaus größte Be- vvlkirnngstheil. welcher leidet unter Zuständen, deren Abstellung den liberalen Herren im Nöthen Hanse nicht eilig erscheint. Gegenüber" dem eifrigen Bemühen der Liberalen, ihre Kandidaten, dnrchznbringen. ailt es jetzt, alle säumigen Wähler der 3.jKlasse auf- znmunter»; in welcher Weise das durch die Frauen geschehen soll, wird am Dienstag, den 23, d. M., in der Volksversammlung in der Badstraßc besprochen werde». Genossin Emma Ihrer wird zur Einleitung referircn über:„Die Kinderansbentiing und die Schnlsrage in der Berliner Stadluerord- »eleii-Versammlnng." Frauen des sechsten Wahlkreises, kommt alle znr Versammlung! In den Sladltheilen aber, wo wir im Kampf mit unseren Gegner» die Unterliegenden wäre» und wo keine Stichwahlen in Aussicht stehen, die uns z» energischer Agitation antreiben müssen» dürfen wir nun nicht etwa die Hände in den Schooß legen. Es gilt gerade hier mit verdoppeltem Eifer Propaganda zn mache» für die Ziele der Arbeiterpartei, v- gilt die Masse der noch gleichgiltigen, mit stumpfem Kleinmuth ihr Elend ertragenden Frauen aufzuklären, damit sie die Reihen unsere»»kämpfer verstärken, es gilt aber auch die schon für uns Gewonnenen anzufeuern und zn ermnlhigen. Denn schon im nächsten Jahr stehen uns die R e i ch s t a g s w a K I o n bevor, die an unsere Kräste die größten Anforderungen stellen werden. Angesichts alles dessen scheint es uns nothwendig. Versammlungen speziell für Frauen abzuhalten, damit sie über ihre Lage nachdenken >n>d die Wege zn ihrer Vefreinng daraus erkennen lernen. Wir habe» daher, zunächst für d e n 2. W a h l k r e i s, in M a r t e n's F e si s ä l e». F r i e d r i ch st r a ß e 236 am 23. November -ine Volksversammlung einberufen, in der Genossin L i l y Brau u das Referat über„die Noth der Kinder und d i e P f l i ch t der M ii t t e r" übernommen hat. Die Gegner der Sozialdemokratie behaupten, daß diese die Familie auflöse», die Frauen ihren heiligsten Pflichten untren machen will. Wir aber erklären, daß es die kapitalistische Wirthschastsordnnng mit ihrem Gefolge von Nolh und Unterdrückung ist, die der arbeitenden Frau das Glück und den Segen des Familienlebens entreißt. Wir werden den Stachweis führen, daß sie gerade ans grnnd ihrer Mntterpflichten ans der geistigen Enge heraustreten und an dem BesreinngSkainpf des Proletariats theilnehmen muß. Denn der Siegespuis wird nicht nur ihre Befreiung, er wird die Freiheit und das Glück ihrer jkinder sein. Darum bleibe von Euch, Ihr Frauen Berlin?, keine zurück. Strömt in Schaaren zu unseren Versaniinlunae», zieht die Zögernden und Fnrchlsamen mit Euch, beweist, daß Ihr Eure Mntlcrpfltchten nicht nnr darin erblickt. Eure Kinder zu nähren und zu kleiden, sondern vielmehr darin, den Riesenbau der Zukunft, in den sie einst als freie, frohe Menschen einziehen sollen, mit aufrichten zn helfe»! Znr Lokalliste. Die Mitglieder der Lokalkommisston von Berlin und Unigegend werden ersuch», die Lokallisten ihrer Kreise resp. Orte bis spätestens Dienstag, den 23. d. M. an Unterzeichneten einzusenden. Den Parleigcnoffen znr Nachricht, daß da? Lokal„Müller'S Kronprinzen. Garten", Frankfurter Chaussee 66 i» Friedrichsberg, der Arbeiterschaft nicht mehr znr Versägung steht. Die Vereine am Orte werde» besonders darauf aufmerksam gemacht und an ihre Pflichten erinnert. Die Lokalkommisston. I. A.: Oskar Mahle, Berlin 8., Prinzenstr. 8 Slfl. I. Tie Parteigenossen dcS fünfte» Wahlkreises werden auf den Liederabend hiiigewiese», der heute im Schweizergarten vom Gesangverein Freie Liedertafel veranstaltet wird. Der V e r t r a n e n s m a n n. Fiir die Oraiilciibilrger Vorstadt findet m o r g e n, Montag, den 22. November, abends Uhr, im Saale des Herrn Taeger, Garten st raße 13/14, eine' große öffentliche V e r s a m m- l n n g statt. Stadtverordneter Fritz Z n b e i l wird iiber;„Die Parteien im Rothen Haus" reseriren. Zahlreiche Betheiligung, namentlich der W ä h l e r des 33. K o m m u n a l- W a h l b e z> r k L erwartet der Einberufer. Tie„Freie Volksbühne" beginnt am Sonntag, 12. Dezember, die vierte Serie ihrer Vorstellungen im Lessing-Theater. Max Halbr's„Jugend", ein Licbes-Drama in 3 Auszüge», ge- langt im Dezember znr Aiifsührung. Die Hauptrollen befinden sich i» Händen der Herren Adolph Klein als Kaplan Gregor v. Schigorsli, Pfarrer Hoppe: Karl Wnldow, Annchen: Frl. Milli Krause. Wegen des Todtcnfestcs findet die Vorstellung der III. Ablheilnng nicht am 21., sondern am 28. November im Friedrich« Wilhelm städtlschen Theater statt, die Vorstellung der IV. Abtheilnng am 5. Dezember desgleichen. Gespielt wird„Sein Jubiläum" und„ D i e F a h n e u w e i h e". Da mir»och Mit- glieder zur IV. A b t h e i l u u g aufgenommen werden können»nd von der Bildung einer V. Abtheilnng vorläufig Abstand genommen wird, liegt eS im Interesse aller derjenigen, die noch dem Verein beitreten wollen, dies unverzüglich zu thun, da auch die IV. Abtheilnng ziemlich gefüllt ist. Es ist den Mitgliedern nur gestatter. die Vorstellung ihrer Abtheilnng zu besuchen. Nachzügler können nur einen Stehplatz erhalten, soweit Raum vorhanden ist. Das Programm des Winterfestes am 27. November in der Brauerei Friedrichshnin weist außer dem von dem Neue>, Berliner S y m p h o n i e- O r ch e st r r»nler Leitung des Dirigenten v. Blon ausaesnhrten S y m p h o n i e- K o n z e r t folgende hervorragende Nummern aus: I-vs proluäos (sinfonische Dichtung) von Li>?zt. Konzert« molt(Violin-Solo) von Mendelssohn. Jnterinezzo ans Oavnllöris. rusti- o o. n«. niit Orgelbegleilnng von Herrn P. Kurz. Prolog und lltecitntionen von einer beioährten Kraft. Zum Schluß Tanz. Während des Konzerts ist das Rauchen nicht gestattet. Billeis ä 30 Pf. sind nur in de» Zahlsteden des Vereins zu habe», da offene Kasse nicht stattfindet und nur eine beschränkte Anzahl Bidets ausgegeben werden. D e r V o r st a n d. I. A.: G. W i n k l e r. Der heutige Todtettsonntag hat sich schon eine ganze Woche vorher angekündigt. I» de» Kranzbindereie» wurde» ganze Wagen- ladungen grünen Laubes und Blumen verarbeitet und seit mehrere» Tagen hingen die Känze an den Eingängen der Blumenläden. Das Fest, das anf einen heidnischen Brauch zurückzuführen ist. der sich fledenweise noch im südlichen Mitteldeutschland und bei den an« grenzenden slavischen Völkerschaften erhallen hat. dürfte auch früher schon den Zweck gehabt haben, die Ruhestätte der Todte», die von der rauhen Hand des Herbstes ihres grünen Schmuckes beraubt waren, wieder zu schmucken, und zwar des kommende» Winters wegen mit immergrünem, dauerhaftem Blattwerk. Nebenbei verbrannte man eine Strohpuppe, die den Tod vor- stellte, wohl als Zeichen, daß der Tod nicht zu fürchten sei. Unsere Zeit begnügt sich mit dieser Volkslhümlichkeit nicht mehr; die Blumenläde» redeten eine bunte Sprache in diesen Tagen. Da hingen wieder große Lorbeerkränze, üppig mit Blumen ausgeschmückt, die besonders aus südlichen Ländern geholt waren, neben reichen Palnizweigen. Wenn die Gräber nicht schon vorher geschmückt worden sind, so wird es heute geschehen. Sei er gerecht oder un- gerecht gewesen, auch dem dunkelsten Ehrenmann wird eine Palme aufs Grab gelegt werde»— als Hohn auf das Sprichwort: Dem Verdienste die Krone. Abseits steht die Proletarierfran, die ihres Mannes und ihrer Kinder Grabhügel nur mit Tannenzweigen und Papicrblnmeu bekränzen kann— Papierblumen, ein Symbol seines Daseins, das den ander» die Blumen und die Genüsse brachte und ihm die Arbeit und den papierne» Schein vom Lebensgenuß.... Die Freundschaft ztvischc» dem Berliner„Freisinn">»id de» Berliner Bolköschntlehrern hat durch die letzten Verband- lungen der Sladtverordnctcn-Versammlnng über die N e n r c g e l u» g der Lehrergehälter wieder eine interessante Belcnchlnng er- fahren. Im Abgeordnctenhause, wo es nichts schadet, von Lehrer- sreundlichkeit triefen, und dann in der Stadtverordnelen-Versammlung, wo man beim Worte genomme» werden kann, kühl die Taschen zuhalten,— das ist in der That echt„freisinnige" Art! Man möchte die Sache spaßhast nennen, wenn sie nur nicht für die davon betroffene» Lehrer so ernst wäre. Diese Haltung der„freisinnigen" Mehrheit der Versammlung kann aber� gerade in Lehrerkreise» niemanden mehr überraschen. Die Berliner Bolksschnllehrer sind von dieser Seite her nie etwas anderes gewöhnt gewesen und werden von hier aus auch niemals etwas anderes erwarten 'dürfen. In der Berliner Gemeindeverwaltung belhntigt sich der „Freisinn" durchaus als F e i n d der Volksschule, so sehr er sich andersivo für ihre» Freund ansgiebt. Diese volksschnlseindlichc Haltung, unter der dann natürlich auch die Lehrer zu leiden haben, ergicbl sich ganz folgerichtig ans der maßlosen Feindschaft gegen die Arbeiterklasse, die der„Freisinn" auf ade» Gebieten der städtischen Verwaltung an den Tag legt. Alles das vermag aber de» sonstige» Beziehungen, die zwischen dem Berliner „Freisinn" und der Volkeschullehrerschast Berlins besiehe». keine» Abbruch zu thnn. Auch der kleine Zwischenfall vom letzten Donnerstag dürfte daran ehenso wenig ändern, wie ad' die anderen „freisinnigen" Liebenswürdigkeiten, deren sich die Lehrer bisher zu erfreuen gehabt haben. Die Herren vom Schlage der Cassel. und Genossen werden nach wie vor das warme Herz, das ihnen für die Volksschule im adgcmeinen und für die Lehrer im besonderen i» der Mannesbrust schlägt, kühn mit dem Munde bethätigeiu Die Lehrer aber werden ebenso unentwegt bei den Stadtverordnelen- Wahle» für de» so schul- und lehrersrenndlichcn „Freisinn" eintreten, damit seine Herrschast im Rothen Hanse nicht zu schned gebrochen werde. Daß in Berlin die Aolksschul- l e h r e r eine w e r t h v o I l e S ch u tz t r u p p e für den Freisinn bilden, ist za bekannt. Auch diejenigen unter ihnen, die lieber etwas anderes möchten, thu» gut daran, sich zu den Freunden des„Freisinns" zu halten und für ihn, wenn nicht zu agi- tiren, so doch zu stimmen. Die Freisinnsgrößen wache» eifrig darüber, daß ihnen womöglich keine der Lehrerstinimen entgeht. Der Stadtverordnete Dinse beklagte sich einmal in einer Versammlung darüber, daß, als er zur Wahl stand, eine ganze Reihe Lehrer aus- geblieben seien, wobei er augenscheinlich als selbstverständlich voraus- setzte, daß ein Berliner Volksschullehrer nur freisinnig wählt. Am Ende bleibt den Lehrern auch nichts anderes übrig,— ob sie woden oder nicht. Schnlluft. Ade Eltern schulpflichtiger Kinder machen die Erfahrung, daß mit dem Beginn der Schulpflicht und des Schulbesnchs das körperliche Befinden und der Gefundheits- zustand der Kinder, auch solcher, die bis dahin stets frisch und munter waren, sich sehr bald nierklich verschlechtert. Ohne daß eine bestimmt« greisbare Erkrankung vorliegt, zeigen die Kinder doch eine anffadende Schlaffheit und Mattigkeit und klage» häufig über Kopfweh. Es ist zweifellos, daß hierbei der schädliche Einfluß schlechter S ch n l st n b e n l» f t eine wesentliche Rode spielt. Die Untersuchungen über Schullust, die an verschiedenen Orte» gemacht worden sind, haben häufig eine» so hohen Stöhlen- sänregehalt ergeben, daß er bei manchen, dieser Lust un- gewohnten Personen nicht blos Kopsweh, sondern selbst Uebelkeit und Erbrechen erzeugen würde. Wer wissen wid, wie lästig und geradezu unerträglich die Schnlluft werden kann, der frage, wenn ihm die Wirkung auf die Kinder nicht maßgebend und beweiskräftig erscheint, die Lehrer und Lehrerinnen oder rieche einmal selber in ein Schul- zimmer hinein, das eben von de» Kindern verlassen worden ist. Auch in Berliner G e m e i n d e s ch n l e n sind vor mehreren Jahren Lnsluutersuchungen angestcdt worden, worüber seinerzeit in der„Zeitschrift für Schulgesnndheitspflege" berichtet worden ist. Es ergab sich, daß in einer alten, mitten in der Stadt gelegenen Schule, die keine Lustablcitnngskanäle hatte und mit Kachelöfen geheizt wurde, von 23 Lustproben nur 1 als gut, dagegen 3 als schlecht, 8 als sehr schlecht, 11 als äußerst schlecht zu bezeichnen waren. I» einer neueren, an der Peripherie gelegenen und freistehenden Schule mit Lnftabzugskanälen und Zentralheizung wurden von 84 Proben 26 als gut, 7 als schlecht, 1 als sehr schlecht befunden. In zwei andere», gleichfalls»eueren, aber im Innern der Stadt gelegenen Schulen mit derselben Einrichtung waren von 31 Probe» 18 gut, 8 schlecht, 1 sehr schlecht, 4 äußerst schlecht.(Als gut wurde die Luft noch bei 1,0, als schlecht erst bei 1,1—2.0, als sehr schlecht bei 2,1-4,0, als äußerst schlecht bei über 4.0 pro Mille Kohlensäuregehalt bezeichnet. 4.0 pro Mille bedeutet 4,0 Liter Kohlensäure in 1000 Liter Lust. Im Freien geht bei uns der Kohlensäuregehalt in der Regel nicht über 0,4 pro Mille hinaus.) Nun weiß zeder Laie, daß die Be- schaffenheit und namentlich der Kohlensänregehalt der Luft eines ge» lschlossenen Raumes hauptsächlich von der Zahl der längere Zeit darin weilenden Personen und dem auf die Person lomnienven Luftquantum abhängt. Von diesem Gesichtspunkte ans gewinnt die starke Besetzung der Berliner Gemeindeschul- k l a s s e n eine hohe Bedeutung. Sladtschnlrath Bertram hat einmal unter dem Beifall der Freistnnshelden in der Stadtverordneten- Versanimlung gesagt, der Ausenthalt in den Gemeindeschulen wirke nicht gesundheitsschädlich, sondern eher gesundheitsfördernd. Weder er, noch die, die ihm Beifall spendete», würden diese Behauptung ausrecht erhalte», wenn sie Tag für Tag einen ganzen Vormittag in einem iliaume zubringen sollte», der mit 60—70 eng- sitzenden Kinder» besetzt ist. Die Ventilation, auf die man hier ver- weisen könnte, ist in den Gemeindeschulen durchaus nicht überall musterhaft, und das immer noch beste und wirksamste Ventilations- mittel, das Oeffnen der Fenster nämlich, läßt sich ja mit Rücksicht auf den Straßen- und Fabriklärm und im Winter auch mit Rück» ficht auf die Temperatur kaum anwenden. Solche Erwägungen sind freilich in unserett Berliner Gemeindeschulen, die der„Freisinn" gern als Musteranstalten hinstellt, nicht ausschlaggebend. Sanitäre Gesichtspunkte gelten hier ebenso wenig wie pädagogische, wenn es sich unc die Klassenfrequenz handelt. Hier wird, genau so wie in der erbärmlichsten Dorfschule, einfach berechnet, daß kleinere Kinder»veniger breite Plätze brauchen, daß also um so mehr davon in eine Klasse hineingestopft werde» können. Die Benntznng der Gemeinde- Schulhöfe als Spielplätze besteht jetzt seit beinahe IVs Jahrzehnten in Berlin. Die Höfe werden in de» Sommermonaten den Kindern der betreffenden Schulen an den schulfreie» Nachmittagen für mehrere Stunden zu Bewegungs- spiele» überlassen, die von technischen Lehrerinnen gegen das nach Ansicht der Schnlbehörde„angemessene" Honorar von 1 M. pro Nachmittag beaufsichtigt werden. Den meisten Berlinern dürfte es allerdings vollständig unbekannt sein, daß diese Einrichtung hier überhaupt existirt. Sie ist aber auch nur in aller- bescheidenstem Umfange, nur bei drei Doppelschnlen, ein- geführt(gegenwärtig bei�Schule Nr. 12 und 64 in der Krautstraße, Schule Nr. 87 und 98 in der Neanderstraße, Schule Nr. 138 und 138 in der Mühlenstraße). Die e r st e n Versuche damit wurden 1883 gemacht. Damals wurden probeweise drei Schulhöse zu diesem Zwecke bestimmt, mit der Begründung, daß man den Kindern Gelegenheit zum Aufenthalt in freier und gesunder Luft und zu geregelten Jngendspielen geben wolle. Im Schnldepntations- Bericht pro 1884/83 wurde dann be- richtet, die Erfahrungen, die man bisher damit gemacht habe, seien „recht günstig". Es werde jedoch„zunächst nur eine Fortsetzung" dieser Versuche beabsichtigt, und„von dem weiteren Ausfall der- selben werde es abhängen, ob noch an mehreren dazu geeigneten Schulen die in Rede stehende Einrichtung getroffen werden solle." Leider ist man über das Stadium des Versuches niemals hinausgekommen. Es ist bis hente bei drei Schulen geblieben, obwohl einige Jahre später in einem Schul- depntations-Bcricht die verheißungsvolle Ankündigung anflanchte(und dann in den folgende» Berichten mehrere Jahre hindurch regelmäßig wiederkehrte), daß„eine Verallgemeinerung der Einrichtung" be- nbsichligt sei»nd„allmälig durchgeführt" werde» solle. Seit 1894/93 fehlt in den Berichten diese Ankündigung, so daß man die Absicht wohl als aufgegeben zu betrachten hat. Warum sie ausgegeben sein könnte, dan'iber ist ans den Berichten nichts zn entnehmen. Daß man in neuerer Zeit schlechtere Ersahrungen mit der Hergabe der Höfe gemacht habe, wird nicht gesagt und ist übrigens auch nicht anznnehme», da ja die erwähnte» drei Höfe nach wie vor hergegeben werden. Vielleicht ist man von der Er- wägnng ausgegangen, daß die meisten G e in e i n d e s ch n l- h ö f e so klein sind, daß sie den Kindern in den Unterrichts- pausen kein freies Spiel, sondern nur einen Spaziergang in Reih' und Glied gestalten. Es darf aber nicht vergessen werden. daß immer nur ein Theil der Kinder an den Nachmittagen kommen könnte; viele sind ja durch gewerbliche Nebenbeschäftigung oder durch die Nolhwendigkeit, in der Wirthschaft zn Helsen, am Mitspielen verhindert. In der Krantstraße soll die Zahl der spielenden Kinder bisher niemals 400 überschritten, aber freilich auch fast nie unter 100 betrage» haben.— Es ist wahr, daß die Spielplatzsrage für große Städte besonders schwierig ist, aber hier fordert sie auch am dringendsten ihre Lösung. In Berlin wird sie bereits seit mehreren Jahrzehnten disknlirt,— der Vorschlag z. B.. die Schnlhöfe als Spielplätze zn benutzen, kam schon 1367 in -der Stadtverorduetcn-Versammlnng zur Sprache— aber es ist, von der Einrichtung der paar in Parkanlagen oder auf Baustellen be- legenen städtischen Spielplätze abgesehen, bisher herzlich wenig geschehe n. Natürlich ist auch hier wieder der Kosten- p n n k t ins Feld geführt worden, wie immer, wenn es sich»m Vor- schlüge handelt, die die Förderung des geistigen oder leiblichen Wohles der Volksschiiljugend bezwecken. Dem Magistrat und der freisinnigen Stadtverordneten- Mehrheit inS Stammbuch. Die„NalionaUiberale Korrespondenz" bringt folgende recht zutreffende Charakteristik unseres Kommunal- Liberalismus:„Tie sreisinnige Volkspartci hat in der letzten Zeil wenig Glück; es vergeht kaum eine Woche, wo nicht zwischen ihren Worten»nd Thaten klaffende Widersprüche zu tage trete». Bemüht sich der Klerikalisinns um klerikale Stadtverordneleusitze in Berlin, dann heißt es: Das Berliner Stadtverordneten-Kolleginm sei kein Konzil. Im Reichstag ninimt man aber dankbar das erste Vizepräsidium von Zeiilrnnisgnaden an, ist herzlich froh, im Schaticn des Zentrums die Zelte aufschlagen zu dürfen, und entrüstet sich über jeden, der auch den Reichstag für kein„kirchliches Konzil" und die freisinuig-klerikale Ver- bindung für einen Widersinn ansehen will. Da? Dreiklasscu- Wahlrecht in Preußen ist das größte aller Ucbel; es bedrückt jeden echten Freisinusmann bis in den Traum seiner Nächte. So- bald aber die Sozialdemokratie konsequeuterweise verlangt, daß auch in Berlin bei den Konnnnnalivahleu dieses„elendeste aller Wahlsysteme" durch das ideale Reichstags-Wahlrecht ersetzt wird, dann hört der freisinnige Idealismus auf und feine Ohren verhärten, denn das könnte ihm fast alle Sitze ini Rothen Hause kosten. Für den Volksschullehrcr hat der Frei- sinn ein besonders„ivarmeS Herz"; nun kam das Lchrerbesoldunfls-Gesetz; es setzte als Anfangs-Minimalgehalt 900 Mark fest; die Nalionnlliberalen beantragten 1000 M.; die Freisinnigen aber brachten den Autrag auf 1200 M. ein; da kam die Kommission und der berühmte Ilufall des Herrn Knörcke; er hatte sich überzeugt, daß dadurch das Gesetz in die„allergrößte Gefahr" käme, selbst wenn auf 1000 M. das Grundgehalt normirt würde, hielt aber„auch heute noch grundsätzlich daran fest, daß ei» Grundgehalt von 1200 M. für die Lehrer das Wnnschenswerthe wäre und das Entsprechende". Mit der diplomatischen Mission des Herrn Knöicke war aber die Frallio» picht einverstanden; sie ließ doch den Abgeordnelen Dr. Hermes erklären, seine Freunde seien prinzipiell der Meinung, daß ein„Anfangsgehalt von 1200 M. angemessen sei, und daß wir an diesem Prinzip so lange fest- halten, als die Möglichkeit vorliegt, damit diirchzndringcu!" Die Möglichkeit lag vor— soeben in der Berliner Stadtverordneten- Versammlung, deren Ausschuß für die Lehrer ein Anfangsgehalt von 1200 M. verlangte. Wo sind aber die Prinzipien vom Abgeordneten- Hanse geblieben? Sie gingen des Weges, de» so manches freisinnige Prinzip gegangen ist, wenn man banr bezahlen sollte, was man verzehrt; und man erklärte 1000 M. für genug. In Berlin hat man„es eben nicht nöthig"; die Lehrer wählen ja doch meistens in der dritten Klaffe. So steht es beim Freisinn um Theorie und Praxis! Beschämend genug für dies hauptstädtische Regiment, daß es sich auch von dieser Seile ebenso bitlere wie unwiderlegbare Wahr- Heiken sagen lasse» ninß. Die„Deutsche Gesellschaft zur Versorgung verschänitcr Armer mit freiem Vrcnnmatcrial" hat im Winter 1896/97, nach ihrem soeben erschienenen Jahresbericht, ihre Thätigkeit wegen Mangel an Mitteln weiter einschränken m ü s s e n, Sie hat 3 090 000 Stück Briketts an 2373 Familien (pro Familie 1200 Stück) und 2296 Zentner Steinkohle an 287 Familien(pro Familie 8 Zentner) vertheilt, also im ganzen 2862 Berliner Familien mit freiem Brennmaterial unterstützt. Dagegen konnten in den Vorjahren 1393/96: 3042, 1394/93: 3139, 1893,94: 3716 Familien unterstützt werden. Der Rückgang der Zahl der unterstützten Familien ist nicht auf eine Verringerung des Bedürfnisses, sondern auf die seit einer Reihe von Jahren an- dauernde Verringerung der Einnahmen des Vereins zurückzuführen. Schon feit langer Zeit muß deshalb eine große Zahl— in einer früheren, vom Vcreinsvorstande an die Zeitiingen versandten Millheilung über das Ergebniß von 1394/93 wurde gesagt„Tausende"— von erwiesenermaßen durchaus bedürftigen Armen abgewiesen werden. Dabei ist zu beachten, daß seit 1891/92 das bis dahin seit vielen Jahren üblich gewesene Quantum von 1300 Briketts der Er« sparniß wegen auf 1200 herabgesetzt worden ist. Trotz dieser Maß- regel hat sich die weitere Einschränkung der Zahl der zn Unter- stützenden nicht vermeiden lassen. Früher hat es die Gesellschaft einnial bis aus 4414 Familie» gebpacht,— das war aber 1329/30. (Die Gesellschaft besteht seit 1779) Im Winter 1896/97 wurden weniger unterstützt als selbst zn Anfang dieses Jahrhunderts(2992 Familien im Winter 1302/03). Man steht an diesem Beispiel, wie es gemacht werden muß, wenn die Privalivohllhätigkeit immer noch „ausreichen" soll, den Nothstand zu bekämpfen.(Die Gesellschaft er- bittet übrigens Beiträge an F. W. Weiß, Jndenstr. 27.) Tie bekannte Methode, uivferc Schnljngcnd bei Unaufmerksamkeit durch sogenannte„Kopfnüsse" nufznmnnterii, scheint auch ter Lehrer W. den Schülerinnen der II. Klasse der 19. Gemeindcschnle gegenüber mit Vorliebe anzuwenden. Wenigstens sahen sich die be- treffenden Mütter der in Frage stehenden Mädchen veranlaßt, gegen diese Art„Pädagogik" den Beschwerdeweg zu beschreiten, da ihre Schützlinge oftmals über heftige Kopfschmerzen klagten, die wahr- scheinlich von der in Rede stehenden„Aufniunlerungsnicthode" her- rührten. Vilma Parlaghy, die bekannte Malerin mit der goldenen Medaille, ist zu einer ihatenlnstigen Thierfreiindin geworden. Sie hat eine Abhandlung gegen die Vivisektion verfaßt und dem Kultus- minister Dr. Bosse persönlich überreicht. In der mit flammender Leidenschast geschriebenen Abhandlmig wird die Vivisektion als Unnienschlichkeil und Rohheit verdammt, gewissermaßen als ein Verbrechen hingestellt und der Minister beschworen, den„Schantfleck" durch ein Gesetz oder durch ein entschiedenes Eingreifen anf dem Wege der Verwaltung zu tilgen. Ein unerklärlicher Vorfall hat sich in der Freitag Nacht in der Reinickendorferstraße ereignet. Dortselbst hat ein Bäckermeister B. eine Bäckerei käuflich erworben und dieselbe am Dienstag der ver- flvssene» Woche übernommen. B. hatte eine Wirthschafterin engagirt, in deren Schlafstube, nahe dem Kopfende des Bettes, ein Koffer mit Wäsche und baarem Gelde als Inhalt stand. Dieser Koffer ist nun zu gedachter Zeit verschwunden, was um so ausfälliger erscheint, als sowohl der Bäckermeister, als auch die Wirlhschasterin sich erst gegen Mitternacht zur Ruhe begeben und bereits um 4 Uhr morgens sich wieder erhoben haben, zudem unter dem Zimmer der Wirth- schaflerin die Bäckergesellen die ganze Nacht hindurch thätig waren. Der augenscheinlich vorliegende Diebstahl kann demnach nur in der Zeit von 12—4 Uhr ausgeführt worden sei», ohne daß jemand etwas davon gehört oder gesehen hätte. In der AuSübnug ihres Berufes tödtlich veruugliickt ist die 39 Jahre alle Frau des Zeitungsspediteurs Marschall ans der Sebastianstr. 9. Die Frau trug vor einigen Tagen in einem Nachbar- Hause um 7>/2 Uhr morgens Zeitiingen ans. Im hohen Erdgeschoß, von dem 7 Treppenstnfen in den Hausflur hinabführen, muß sie wohl/von einem Unwohlsein befallen sei». Sie brach plötzlich zu- sainniti! und stürzte die Treppe hinab. Trotz der Schwere des Sturzes erhob sich die betagte Frau alsbald wieder und setzte ihren Bestellgang fort. An der Ecke der Sebastian- und Luckauerstraße aber brach sie auf der Straße zusammen und wurde nun von einem Schutzmann in das Krankenhans Bethanien gebracht. Hier stellt« sich.heraus, daß sie schwere Schädelverletznngen und einen Bruch des rechten Armes erlitten hatte. Die Verunglückte ist jetzt ihren Verletzungen erlegen. Verschwunden ist seit dem 2. November der 27 Jahr« alte Hausdiener Franz Brüske. Der junge Mann, der bei Mey u. Edlich beschäftigt war, wurde eines Lnngenleidens wegen, nachden, er sechs Monate zn Hanse behandelt worden war, von seiner Krankenkasse in die Volkestätte am Grabowsce geschickt. Am 2. d. M. entwich er aus der Anstalt unter dem Vorwande, daß er seinen Bater zum Geburtstage besuchen wolle. Man hat ihn seitdem nicht»lehr gesehen. Mit großer Dreistigkeit ist in der Nacht vom Donnerstag auf Freitag ein Diebstahl in der Wohnung des Prof. Israel, Lützow- Ufer 3a, verübt worden. Als der That dringend verdächtig wurde am Freitag im Laufe des Tages der Diener des bekaiinten Arztes verhaftet. Der Verhaftete giedt vor. in der erwähnten Nacht eine Bierreise gemacht und schwer betrunken von einem unbekannten Manne nach Hause und in sein Zimmer begleitet zu sei». Bei seinem Erwachen am Morgen soll sich der Fremde bereits entfernt gehabt haben, außerdem behauptet der Diener, von dem Unbekannten 'ebenfalls um 50 M. bestohlen zu sein. Der Sachverhalt selbst ist kurz der folgende: Ans dem Schreiblisch des Profeffors lag ein noch, ineröffneter Geldbrief mit einem Inhalt von 300 M. Außer- dem stand auf dem Tische eine Büchse, IN welcher sich etwa 300 M. in Gold befanden. Am Freitag Morgen fand man den Geldbricf erbrochen und seines Inhalts beraubt, ebenso die erwähnte Büchse geöffnet und entleert vor. Auf dem Treppenflur sollen serner Stücke eines Lichtes gesunden worden sein, welches vordem anf dem Schreib. tisch gestanden hatte. Jnsgesainmt dürften dem Dieb etwa 750 M. in die Hände gefallen sein. Der Verhaftete leugnet jede Schuld. Kollision. In der Jnvalidenstraße wurden die Pferde eineS mit Getreide beladenen Geschäftswagens scheu und gingen durch. 91» der Ecke der Invaliden- und Ackerstraße stieß der Geschäfts» wagen zuerst mit einem Pferdebahnwagen der Linie Schönhauser 9lllee— Nollendorfplatz und darauf mit einem Wagen der Linie Haisenhaide— Mnllerstraße zusammen, wobei die sämmtlichen Fenster auf der rechten Seite bei ersterem zertrümmert und bei letzterem der Hinterperron beschädigt wurden. Zn dein Tode der 17jährigen Margarethe Elsing, über den wir kürzlich berichteten, wird uns mitgelheilt, daß das Mädchen nicht aus Liebesgram, sondern wegen Streitigkeiten innerhalb der Familie den Selbstmord vollführt habe. Neber daS Verhalten eines Geistlichen beim Uederfahrcn eines Mannes in der Seestraße am vergangenen Sonntag Nachmiltag halte» wir in Nr. 263 nach einer Lokalkorrespondenz berichtet. 9lnf Wunsch des betreffenden Geistlichen Pfarrer Granzin an Nazarclh stellen wir gern sesl, daß alle in dem Bericht mitgetheilten. Thal- fachen, die den Geistlichen belasten, der Wahrheit nicht entsprechen. Der Geistliche befand sich, wie er uns inittheilt, nicht auf dem „Heiniwcg", sondern hatte noch eine zweite Beerdigung vor, zn der er ohnehin schon ca. 3/i Stunden zn spät eintraf— infolge allerlei von ihm nicht verschuldeter Stärlingen beim ersten Begräbniß. Der Geistliche hatte auch kein Recht, über den Wagen, den die Leid- tragenden gemielhct halten, z» verfügen. 9lnßerdeni war der lieber- sahrene laut polizeilicher und ärztlicher Feststellung angetrunken und der Führer der Leichenkutsche nicht verpflichtet, einen solchen Mann aüfzilliehnien. Die Verletzung war übrigens nur eine sehr gering- sügige, also daß der Beschädigte von der Unfallstation aus sich zn Fuß nach seiner Wohnung begeben konnte. Der Geistliche hat dem Manne seine Theilnahme damit bewiesen, daß er sofort nach dem Unfall den Wagen verließ und sich nach ihm umsah, wobei er wahr- nahm, daß Polizei und Publikum in ausreichender Weise für ihn sorgten; außerdem hat er ihn am 9lbend, sobald er seinen Namen erfahren, in seiner Wohnung besucht, um sich nach seinem Befinde» zu erkundigen. Ter Kaviargrosihändler Max Zrllcrinaycr, Neue Friedrich- straße 79a, ist dem„Kl. Journ." zufolge wegen versuchten Betruges in Verbindung mit Urkundenfälschung'verhaftet worden. Herr Bolle schreibt uns zu dem gestern der„Denlschen Tages- zeitnng" entnoniiiienen Artikel über Kindermilch:„Es ist nicht wahr. daß anf mein Betreiben bei einem Banerngntsbefitzer, der Kinder- milch an mich liefert, 40 Kühe millelst Tuberkulin geimpst sind, von denen sich 20 als tuberkulös erwiesen und daß die Milch von diesen Kühen nach wie vor in meine Meierei geliefert und von mir als Kindermilch bezahlt wird." Wir müssen es dem betreffenden Blatt Überkassen, sich mit Herrn Bolle auscinauderzuletzen. Ter Gcsaugvcrcill Nordwacht(M. d. A.-S.-B.) veranstaltet am kommenden Sonntag in giaabe's Festsäle», Kolbergerstr. 23 eine mittags 12 Uhr beginnende Matinee zum besten der ausgesperrten Maschinenbauer in England. Wir machen auf das Konzert und feinen guten Zivcck aufmerksam und wnuschen dem Unternehmen eine» zahlreichen Besuch. Fencrbericht. Freitag Abend gegen 8 Uhr wurde Mittel- straße 3 ein Fußboden»nd die Balkeiilajje vom Feuer zerstört. Kurz darauf erfolgten gleichzeitig drei Alarmirnngen, die sänimllich Gardinenbrände betrafen, und zwar B l a n! e n f e I d e st r a ß e S, Lichte nbergerftr. S und L e f f i n g st r. S4. Sonnabend früh K Uhr war G e o r g e n k i r ch st r. 37 ein Küchenbrand abzulöschen, der den Fnßboden und die Küchenmöbel vernichtete. Gegen 8 Uhr brach Ackerstr. 133, auf dem sogenannten„Meyer'schen Hose", ein Schadenfeuer aus, das leicht einen gefährlichen Charakter hätte annehmen können. Auf dem fünften Hofe dieses riesigen, von über 10(10 Personen bewohnten Gebändekomplexes halte sich in einer Celluloid- Fabrik ein Brand entwickelt, der an den leicht brennbaren Celluloidstoffen reiche Nahrung fand. Glück- licherweise war die Feuerwehr rasch zur Stelle, die die auf- geregten Hausbeivohner beruhigte und dann die Flammen mittels zweier Schlauchleitungen löschte. Der Fabriksaal ist vollständig ausgebrannt. Nachmittags 2 Uhr war S ch l e s i s ch e st r. 3S ein Gardinenbrand zu beseitigen. Kurz vor 3 Uhr erfolgte Alarm nach W e i ß e n s e e, wo Königschaussee, Ecke Streustrasie, ein Petroleum- Inger dadurch in große Gefahr gerieth, daß ein Faß Feuer fing. Bei Ankunft der Berliner Wehr war jedoch durch die Orls-Feuer- wehr die Gefahr bereits beseitigt. Um dieselbe Zeit war Wiener- straße bll ein Gardinenbrand zu löschen, der auch verschiedene Möbel beschädigte. Endlich wurde die Wehr kurz vor 8 Uhr noch alarmirt nach Alte S ch ö n h a n s e r st r. 35. Dort war in einem Weingeschäft ein Arbeiter beim Rollen eines Fasses unter dasselbe geralhcn und hatte einen Arm gebrochen. Die Samariter leisteten die erste Hilfe. Tie Tircktio» der Projektions- Borträge über Kunst und Kultur (Tr. Koppen und Dr. Stoedner), altes Urania-Thcater am Lehrter Siadt- Bahnhof, thcilt uns mit, daß heute Abend 8 Uhr der angekündigte Vortrag:„Eine Wanderung durch das alte Pompeji" von Herrn Dr. Alfred Koppen, erläutert durch zum theil farbige Glasbilder, tmcdcrholt wird. Ciiicu Theodor Storni- Slbeud veranstaltet die Neue Freie Volksbühne heut« am Todtensonntag in Cohn's Fest- sälen, Benlhstr. 20, abends 7 Uhr. Den einleitenden Vortrag hält Dr. Paul Reiner, den deklamatorischen Theil haben Dr. Gast. Manz, Dr. Otto Krack und Frl. Jenny Kramer übernommen. Zum Schluß singt Frau Else Moest- Schoch eine llieihe Storm'scher Lieder nach Kompositionen von Joh. Brahms, Wilh. Berger, Hans Hermann und anderen mehr. Der Eintrittspreis betragt 30 Pf. Durch die ueucstc» Erwerbimgru dcS Vcrlincr Aqnarinin ist sowohl die Süßwasser- als auch die Seewasser-Fauna bedacht worden. Die in der Weise der Zimmer-Aquarien eingerichteten und tieu besetzten Süßwasser- Behälter am oberen Saume der Treppen- grotte haben in ihrer Bevölkerung auch einige hier noch nicht ge- zeigte Spezies erhalten. Ter erste hat den punktirten Panzerwels aus Südamerika, einen an Körper und Kopf mit Knochenschilden bedeckten Zwerg aus der großen Familie der Welse aufgenommen, der sich in Gefangenschaft bereits vermehrt hat; der zweite Behälter bekam als Besatzung den den Hechten verwandten und nur zerstreut in einigen Sümpfen und Moorlöchern Ungarns lebenden Hundssisch, während die übrigen drei einige Arten uordamerikanischer Barsch. fische, sogenannte Sonnenfische beherbergen, und zwar außer dem in einem anderen Becken in sehr großen Exemplaren vorhandenen Stein- barsch den mit glänzende» Tüpfelchen gezeichneten Diamantbarsch und den ihm nahestehenden Erdbcerbarsch. Aus de« Nrtchbrtmtci«. An die Parteigenosse» von Maricndorf, Tempclhof und Umgegend. Parteigenossen! Die Reichstagswahlen stehen vor der Thür. Um eine erfolgreiche Agitation entfalten zu können, wird es zur Nothwendigkeit, daß alle, welche sich Sozialdemokraten nennen, der in unserer Ortschaft bestehenden politischen Organisation beitreten. Unser Verein läßt sich die Verbreitung unserer Ideen angelegen sein und sucht seinen Angehörigen Belehrung und Förde- rung ihrer Interessen zu bieten. Der Arbeiter-Bildungsverei» zählt jetzt 100 Mitglieder; jedoch steht diese Zahl in keinem Ver- hältniß zu den in Tempelhos und Mariendorf bei der letzten Reichstagswahl abgegebenen Stimme». Es kann nicht genügen, daß der Proletarier von 5 zu 5 Jahren mit dem Stimmzettel in der Hand gegen die heutigen Zustände protestirt; er muß seine Kraft auch der Organisation zur Verfügung stellen. Parteigenossen, bei der Gemeinsanikeit unserer Interessen hoffen wir, daß unser Mahn- ruf nicht unbeachtet bleibt. Tretet ein in den Arbeiter-Bildungs- verein für Marieudorf und Umgegend. Die nächste Versammlung findet Dienstag, den 23. d. M., abends Li/e Uhr, in Tempelhof bei Gerlh statt. Vortrag des Genossen Lamme. Gäste willkommen. Mit- gliedcr werden aufgenommen. Der Vorstand. Weiffcnsce. Aus die am Montag, abends 3 Uhr, stattfindende Volksversammlung werden die Parteigenossen ausmerksam gemacht. Der wichtigen Tagesordnung halber ist zahlreiche Beiheiligung noth- wendig.(Siehe Annonce.) Der Vertrauensmann. Die Charlottenburger Stadtvcrordnctenwahle» fanden gestern mit den Wahlen von elf Kandidaten für die erste Abtheilung ihren Abschluß. Die„Unpolitischen" siegten über die Liberalen, so daß hier Stichwahlen nicht stattfinden. Tic Polizei in der zukünftigen Stadt Schöneberg soll dem Veiliuer Polizeisysteuie als besondere Hauptmannschaft angegliedert werden. Ferner soll dann Schöneberg in vier Reviere eingclheilt werden. Jedes Revier soll einen Polizeilieutenant und zwei bis drei Wachtmeister erhalten, während die Zahl der Schutzleute auf 110 festgesetzt ist. Dabei sollen die baupolizeilichen Angelegenheiteu nicht in Schöneberg, sondern sämmtlich in Berlin erledigt werden. Zum L-iter d-r Schöneberger Polizeiverivaltung bezw. Hanptmann- ichast, welche mit dem 1. April 1898 ins Leben treten wird, soll der Polizeihauptmann Klein von der 11. Berliner Hauptmanuschasl bereits eenanut sein. AuS Spaudan wird uns berichtet: Im königlichen Feuer- w e r k s l a b o r a l o r i» m sieht es ans, als ob die Arbeit wieder zu stocke» beginne. Seit etwa Jahresfrist hatte man etwa 1000 Arbeiter eingestellt und es wurde zuweilen Tag und Nacht gearbeitet. In andere» Betrieben waren Ueberstunden fast die Regel, fodaß die Arbeitszeit sich oft bis ans 12 und 13 Stunden erstreckte. Jetzt tritt atlmälig Arbeitsmangel ein. Es finden zwar keine Entlassungeu statt, doch verlheilt man die überschüssig gewordenen Arbeilskräste auf andere Betriebe, so auf die Pulverfabrik und die Artillerie- fi-erkstalt. Ter Dampsbelrieb im Feuerwerkslaboratorium wird zur Zeit in einen elektrische» Betrieb umgewandelt. Die Arbeiten werden von der Allgemeinen Elektrizilälsgesellschaft ausgeführt. In der Klempnerei des Fenenverkslaboratoriums herrschen Zu- stände, die ähnlicher Abhilfe bedürfen, wie sie in betreff der von uns gerügte» Znslände in der Schmiederei vor kurzem prompt erfolgt ist. Das Verzinnen kann wegen der in Anwendung kommenden Säuren nicht in der Werkstatt selber vorgenommen werden. Nun fehlt aber in Spandau der in jeder Fabrik vor- bnndene besondere Arbeitsraum für diese Vorrichtung, und die Per- souen, welche mit der genannten Arbeit betraut sind, müssen dieselbe auf dem Hofe vollführen. Dort wandern sie nun mit ihrem Ofen von einem Platz zum andern, weil es auch hier an einem bestimmten Räume fehlt. Da die Arbeit des Verzinnens namentlich zur Winterszeit wegen des Luftzuges im Freien ihre großen Unannehm- lichkeilen hat, erwarten die Arbeiter, daß auch in diesem Falle von der Direktion Einrichtungen getroffen werden, wie sie in privaten Fabriken schon seit je bestehen. Köpenick. Die Lehrergehaltsfrage beschäftigte am Freitag nochmals unsere Stadtverordneten- Versammlung. Der Magistrat hatte dem Antrage der freisinnigen Herren Horn, Hinze u. Gen., der das Gehalt auf 1200 M. und die Alterszulage auf 180 M. festgelegt hatte, nicht zugestimmt, sondern seinen Antrag: Grund- gchalt 1300 M. und Zulage 200 M. ausrecht erhalten. Auch am Freitag stimmte die freisinnige Mehrheit der Stadtverordneten gegen die Anträge unserer Genossen und des Magistrats, und wiederum wurde der Antrag Horn und Gen. angenommen. Vielleicht werden die Köpenicker Wähler der 3. Klasse bei der Stadtverordneten-Ersatz- wähl am Montag und Dienstag(22. und 23. November) der frei- finnigen Mehrheit die Quittung auf ihr Verhalten ertheilen. Die Gegner arbeilen mit außerordentlichem Hochdruck; das aber wird gerade die Köpenicker Arbeiter veranlassen, ihnen bei der Wahl einen dicken Strich durch ihre reaktionäre Rechnung zu machen. Thettkev. Wochcn-Spielplau der hiesigen Theater. Opernhaus. Sonntag, 21.;„Der Evaugclimann". Montag, 22.:„Lohengrin". Anfang 7 Uhr. Dienstag, 23.:„Die lustigen Weiber von Windsor". Mittwoch, 24.: „Mignon". Donnerstag, 25.:„Tannhänser". Anfang 7 Uhr. Freitag, 26.: ,. Häusel und Grctel".„Die Puppcnsee". Sonnabend, 27.:„Die Asrikanerin". Nelusco: Herr Franz Schwarz, Großh. sächs. Kammersänger, a. G. Anfang 7 Uhr. Sonntag, 28.:„Undine". Montag, 29.:„Carmen". Dienstag, 30.: „Die Meistersinger bon Nürnberg". Walter Stolzing: Herr Kammersänger Emil Götze, a. G. Anfang 6� Uhr.— Schauspielhaus. Sonntag, 21.: Zum 1. Male:„Der G'wistcnswunn". Montag, 22.:„Das neue Weib". Dienstag, 23.:„Wilhelm Tell". Mittwoch, 24.:„Doktor Klaus". Donnerstag, 25.:„Das neue Weib". Freitag, 26.: Neu ein- studirt:„Maria. Magdalena". Sonnabend, 27.:„Der Gtzvissenswurm". Sonntag, 28.:„Das neue Weib". Montag, 29.:„Helgcks Hochzeit".— Neues königliches Operntheater, Sonntag, de» 21. November: Neu einstudirt:„Philippine Weiser". Sonntag, den 28.: „Rosenkranz und Güldenstern".— Der Spielplan des Deutschen Theaters weist für diese Woche folgende Vorstellungen auf: am Sonntag Abend wird„Die versunkene Glocke" gegeben; Wiederholungen von Ludwig Fulda's„Jngcndfreundc" finden statt: Montag, Donnerstag und nächst- folgenden Somilag Abend; Dienstag geht„Das Käthchen von Heilbronn" neu einstudirt mit ttzeilweise neuer AnSstnttniig zum ersten Male in Szene nnd wird am Freitag wiederholt; am Mittwoch gelangt„AgncS Jordan" zur Aufführung, am Sonnabend„Morituri", am nächstfolgenden Montag „Die versunkene Glocke". Als Vorstellung für den uächstfolgeudcn Sonntag ist „Einsame Menschen" angesetzt.— Im Berliner Theater veranlaßt der Erfolg von„In Behandlung" die Direktion, mit der Tradition des Hauses, ein wechselndes Repertoir zn geben, zu brechen, und gelangt das genannte Lustspiel von Drei, er mit Ausnahme des Dienstags allabendlich zur Ans- führung. Am Todtensonntag wird Faust I. Theil, am Dienstag Faust II. Theil gegeben.— Nächsten Sonntag Nachmittag gelangt„Mein Leopold" zur Aufführung.— Im L c s s i n g- T h e a t e r hat sich der Schwank„Hans Huckebein" auch in der lausenden Woche die Alleinhcrrschast im Spielplan erzwungen. Nur am Sonntage, au welchem die Rücksicht aus das Todteufest eine ernste Darbietung erfordert, wird Max Halbc's Liebes- drama„Jugend" mit Adolf Klein in der Nolle des Kaplans Gregor von Schigorski zn einer einmaligen Abendauffühnmg kommen. Eine Nachmittags- Vorstestung findet am Sonntage nicht statt.— Im G o c t h c- T h e a t e r wird diesen Sonntag„Ter Pfarrer von Kirch- selb" zur Aussllhrung gelangen. Der übrige Wochcnipielplan lautet folgender- maßen: Montag, Mittwoch, Donnerstag nnd Freitag geht die Novität „Gebrüder Währenpfennig" in Szene. Dienstag wird„Hascmaiins Töchter" gegeben. Sonnabend ist die Erstansführung von„Zirknslcute", Lustipicl von Franz von Schönthan, angesetzt, und wird dieses Stück am Sonntag daraus wiederholt.— Das Repertoir des Neuen Theaters wird in der nächsten Woche ausschließlich von„Aschermittwoch" von Hans Fischer nnd Joses Janw und beut einaktigen Schwank„Im Hörselberg", von Hans von Wcntzel beherrscht. Am Todtensonntag findet eine einmalige Abend- aufführung von„Trilby" mit Marie Reisenhofer als Trilby und Josef Jarno als Svcngali statt. Der Beginn der Vorstcllniig ist auf T'/j Uhr festgesetzt.— In der am Todtensonntag im R c s i d en z- Th cä t c r stattfindenden ciiinialigen Anfführnng von V. Sardous effektvollem Sittenbild„Odette" werden die Hauptrollen durch Frl. Fraucndorfer nnd Direktor Brandt dargestellt. Die Novität des Residcnz-Theatcrs„Dorina", deren Aufführung am Todtensonntag polizeilich verboten wurde, wird am Montag und an allen folgenden Togen wieder gegeben.— Im Theater Unter den Linden findet Sonntag die einmalige Aufführung der Anbcrffchcu Oper„Der Maskenball" statt. Die Hauptpartien singen die Damen Sigl und Janner, die Herren Steiner und Tarno, Dirigent Herr Kapellmeister Kvrolanyi. In der„Blaubart"-VorsteNmlg am Mittwoch, dem 6. Abende des Offenbach-Zyklus, werden die Hauptrolle» von Ottilie Collin nnd Sig- mund Steiner gegeben.— Im Friedrich-Wilhelmstädtisch e n Theater wird heute und morgen„Ter Hüttcnbcsitzer" gegeben. Dienstag geht„DieKölügStvchter als Bettlerin", Mittwoch„Der Veilchenfrcffer" in Szene. — Im Schiller-Theater kommt Sonntag Abend„Wattciistciips Tod" zur Aufführung, die Nnchinittags-Vorstellung muß des Todtenfonntags wegen nussalle». Montag geht„Wallensteiws Lager" und„Die Piccolomiin", Dienstag „Wallenstein's Tod" in Szene, für Mittwoch ist eine Wiederholung von „Kyritz-Pyritz" angesetzt.„Barnim Vaniiii", Trauerspiel in 4 Alten von Paul Hebsc, kommt Donnerstag zum ersten Male zur Aufsührimg nnd wird Freitag und Sonnabend wiederholt.— Das Belle- Alliance-Theater hat seinen Spielplan für die Woche wie folgt festgestellt:„Die Grille" mitEorry Dröschcr in der Titelrolle, Montag: Abomicments-Vorstclluiig:„Das Lied von der Glocke",„Wallciistcilps Lager", Dienstag: Die..Brautfahrt oder Kunz von der Rosen", Mittwoch:„Die Grille", Donnerstag:„Die Braut- fahrt oder Kunz von der Rosen", Freitag: Aboniieniciits-Vorstettmig:„Die Grille", Sonnabend zum 1. Male:„Feudalherren", Sittcnspiel in 3 Akten von Victor von Reißncr. Sonntag, abends>/z8 Uhr, zum 1. Male wiederholt: „Feudalherren", nachimttagss Uhr:„Lied von der Glocke",„WaNensteiips Lager". — In der am Todten-Sountag im C e n t r a I- T h e a t e r stattfittdcnden ein- maligen Aufführuiig von„Der Müller und sein Kind" liegen die Haupl- rollcn in den Händen der Damen Göhrs, Lenz, Nanmaiui und Wünsch und der Herren Emil Thomas, Toni Grünfcld, Franz Haid, Vnino Bollmann, Fritz Broda, Conrad Kost.— Im Ostend-Theater findet Sonntag die erste Aufführung von„Gebannt und erlöst" statt. Das Schauspiel ist nach Werneckö Erzählung ans der„Gartenlaube" von Bnöla bearbeitet und liegen die Hauptrollen in den Händen der Damen Weick und Berginaiiii, der Herren Leitner, Jürgas, Wach, Dill, Altschüler nnd Völlner. Josef Dill hat dasselbe in Szene gefetzt. Das Repertoire für die folgende Woche ist folgender- maßen: Montag bis Mittwoch:„Gehamit und erlöst". Donnerstag zum ersten Male:„Leben und Lieben". Freitag und Soimabend: „Leben und Lieben".— Der Wochen- Spielplan des Luisen» Theaters ist folgendermaßen festgesetzt: Montag:„Das alte Lied" Dienstag:„Gin verbotenes Schauspiel"; Mittwoch:„Der grobe Wohl- thälcr": Donnerstag:„DaS alte Lied"; Freitag:„Othello"; Sornrnheiid: „Hopfciirath's Erben"; Sonntag Nachmittag:„Das alte Lied"; abends: „Auf eigenen Füßen".— Im Alexanderplatz-Theater findet heute die letzte Aufsührung des Berliner Sittenbildes„Im Snnips" statt. Morgen Montag geht„Ohne sittlichen Halt" von Wilhelm Friedhold in Szene.— In der Sonntag Abend im Thalia-Theater stattfindenden einmaligen Anfführimg des„Pfarrer von Kirchfcld" sind neben Herrn Eggeling, der den Pfarrer Hell spielt, die Damen Dora, Thercn, Fredi- Franken und Möller-Schoedel, die Herren Rücker, Ewald, Hansen, Sachs und Grentzer in Hauptrollen beschäftigt. Soziale Mvtszkspftege. Niitcebrechuug eines Arbeitsverhältnisses durch eine Jnhaftirung. Der Arbeiter P., der unter Ausschluß der Kttndiguugs- srist bei dem Uiiteruehmer Scheide gearbeitet hatte, ivurde eines Tages in Untersuchungshast genouimen. Nach ihrer Beendigung arbeitete P. bei Scheide ivieder weiter. Als er dann«ntlasseii wurde, beanspruchte er eine Lohiicnlschädiguug wegen nuberechligler Enllassuiig. Seine frühere Unterschrift erkannle er nicht mehr als bindend a». Die Kaiinner III des Gewerbcgerichts wies ihn aber mit der Begründung ab, daß durch die Untersuchungshaft das alte ArbeitSverhältniß nicht aufgehoben, sondern imr unterbrochen worden sei. Seine Aufhebung hätte nur durch eine ausdrückliche Entlassung, nicht aber durch die Juhastirung begründet werden können. Einen neue» RcchtSgrnndsoh, die Lohnvereinbarung be- treffend, stellte die Kammer III des Gewerbegerichts in eiuein Rechtsstreit gegen den Malermeister Radlke auf. Der Maler B., mit dem bei Beginn der Arbeil ein bestimmter Lohnbetrag nicht vereinbart worden war. wollte nicht mit dem Stundenlohn von 331/» Pf. zufrieden fein, den ihm der Meister bei der Lohnzahlung anbot. Das Gericht entschied aber dahin, daß sich der Arbeiter stillschweigend mit dem ihm zugedachten Lohn einverstanden erkläre, wenn er sich beim Beginn des Arbeitsverhällnisses einen bestimmten Lohn nicht ausbedinge, vorausgesetzt, daß der angebotene Loh» nicht geringer sei, wie der, den der Meister gewöhnlich zahlte. Entschädigung wegen Vorspiegelung falscher Thatsachc». Der Tischlermeister Heibeck redete dem Tischler W. zn, die Stellung aufzugeben, die er augenblicklich inne halle, und zn ihm in Arbeit zu kommen. Um seinem Antrage mehr Nachdruck zn verleihen, versprach er W. de» verhällnißmäßig hohen Wochenloh» von 30 Mark. W. gab seinem Drängen»ach und fing bei ihm zu arbeiten an. Nach drei Tagen aber schon machte der Exekutor die Bude zu, so daß W. nun arbeitslos war. Der Dupirle verklagte darauf Heibeck beim Gcwerbegericht, dessen Kammer IV. denn auch den Beklagten verurtheilte, W. wenigstens einen vollen Wocheniohn zu zahlen. 13 M. hatte ver Kläger erhalten, es wurden ihm also noch 17 Mark zugebilligt. Zur Begründung führte der Vorsitzende Gerth aal, der Gerichtshof sei überzeugt, daß Beklagter von dem zivilgericht- lichen Verfahren gegen ihn schon beim Engagement 3)es Klägers gewußt habe. Aus diesem Grunde sei in seine», dem Kläger gegen- über abgegebenen Versprechungen eine Vorspiegelung falscher That- fachen zu sehen, die W. berechtigte, den fraglichen Entschävigungs- anspruch zu stellen. Ter Vcrjähinngöeinwaud in ttnfallsachc». Di« unver» ehelichte Marie Wunschle in Januschkowitz im Kreise Cosel in Schlesien gerieth am 10. Febrimr 1893 bei Bedienung der Dresch- Maschine mit ihren Kleidern in das Getriebe derselben und wurde derartig erheblich verletzt, daß sie zwei Jahre im Bette zubringen mußte nnd nunmehr vollständig erwerbsunfähig ist. Um sich ihre» Rentenanspruch zu sicher», schickte sie ihren Bruder Franz zu dem Amts- Vorsteher Schiller; dieser erklärte aber dein Anzeigenden, daß es iin Kreise Cosel eine Unfallversicherung nicht gebe, und sügle auf die Gegenbemerkung des Franz Wnnschke, daß sie doch Unfallversichernngs- gelber zahlten, Hinz», das bezöge sich nur ans diejenige», welche Marke» kleblcn. JnKonseqnenz dieser dem Gesetze widersprechenden Aus- fassnna unterließ der Amtsvorsieher Schiller es auch, de» Unfall in das belr. Register einzutragen und die vorgeschriebenen Untersuchnngs- Handlungen vorzunehme». Trotzdem wurde dieser Unfall bekannt nnd das Kreisblalt enthielt über denselben einen längeren Bericht. Infolge dessen wurde gegen die Mutter des Verletzten, welche in Januschkowitz eine kleine Landwirthschast betreibt, ein Slrafverfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung eingeleitet. Die Fahrlässigkeit ivurde in der nicht genügenden Anbringung von Schutzvorrichtungen an der Dreschmaschine gesunden. In der Hauplvcrhaudlmig wurde die damalige Angeklagte außer Verfolgung gesetzt, weil von ihrer Tochter die Slellnng eines Strafantrages nicht zu erlangen war. Als bezüglich einer Rentengewährung die so schwer Verunglückte gar nichts erfuhr, entschloß sie sich endlich am 9. Mai 1895, also zwei Jahre nnd drei Monate nach dem staltgehablcn Unfälle, bei der Sellion Cosel der landwirthschasllichen Bernfsgenosscnschast Schlesien den Antrag auf Gewährung der ihr zustehenden Rente zu stellen. Der Vorstand der Sektion lehnte den 31 n- s p c ii ch wegen Verjährung ab, da nach dem Gesetze Renten- nnsprüche innerhalb zweier Jahre beim Vorstände der Genosseiischnst erhoben werden müssen. Die gegen den Bescheid der Genossenschast eingelegte Berufung blieb erfolglos, woraus die Vei letzte von dem Rechtsmitlel des Rekurses an das Reichs-Ver- s i ch e r i> n g s a m t Gebranch machte. In dem gestrigen Termine vor diesem höchsten Gerichtshose für Uiifalssacheu machle der Vertreter der Klägerin, Schrislsleller I. Fränkel in Berlin, geltend, daß hier von einer Verjährung um deswillen nicht die Rede sein könne, weil der Vorsitzende der Seklion Cosel, der zugleich Landrath des Kreises ist, durch sein eigenes Organ Kenutniß von diesem Unfall erhalten habe und es daher seine Pflicht gewesen sei, den ihm unter- stelllen'Amtsvorsieher zur Vornahme der gesetzlich vor- geschriebenen Unlcrsuchnngshniidlungen anzuiveisen; es sei aus diesem Grunde wenig angebracht, wenn dieser- selbe Vorstand die Rentengewährung wegen Verjährung ablehne. Das Ileichs-Versichcrungs- ?l»>l iniißie jedoch zn seinem Bedauern dem Rekurs« den Erfolg v e r- sagen, da nach der klare» Gesetzesvorschrist der ZInspruch ans Renten- gcwährung innerhalb zweier Jahre bei dem Vorflande der Genossen- schast erhoben werden müsse nnd es hiernach nicht genüge, wenn die Verletzte den Unfall an der znständigeii Stelle zur rechten Zeit an- gezeigt habe.—'Ans den Rath des Verlheidigers Fränkel wird die Verletzte nnnmehr den?l m t s v o r st e h e r Schiller für den ihr durch die Nichlerfüllniig der gesetzlichen Vorschrislen entstandene» Schaden regreßpflichtig machen. Mit folgendem Falle halte sich gestern da? Reichs- V e r s i ch c r n n g s a in t zu beschäsligeu. Der in einem Dorfe bei Duderstadt wohnhasle Lmidivirlh K. erlitt im Jahre 1895 im Betriebe der Landwirthschast verschiedene kleinere Ver- letznngen, ivodurch seine Eriverbsfähigkeil»m 20 pCl. vermindert ivurde. Von der laiidivirthschafilichen Bernfsgenossenschnft wurde der Jahres-'Ardcitevcrdieiist ans 420 Mark scstgesetzt; die Genosseiischast zog aber hiervon 25 pCt. ab nnd zwar ans dem Grundes weil der Berletzle schon vorher mit einem doppelseitige» Leistenbruch behaftet war; es war iniolgo dessen der Reiileiidcrechniiiig nur ein Jahrcsarbeitsverdienst von 315 M. zu gründe gelegt worden. Die Bollrente belicf sich demnach nur ans 68 pCt. hiervon, d. h. auf 210 M. pro Jahr. Im März d. IS. wurde durch den Kreisphysilus eine Besserung in dem Befinden des Verlehien fest- gestellt, woraus die ffienle a»f 10 pCt. der Aollrente, d. h. also auf 21 Mark pro Jahr, herabgesetzt wurde. K. kegle Bernfung ein, welche sich nicht nur gegen die Herabsetzung der Rente, sondern auch gegen den 25 prozentigen Abzug vom Jahres-Arbeilsverdienst richtete. Die Bernfung winde jedoch vom Schiedsgericht verworfen. Ter Verletzte machle von dem Rechtsiiritiel des Rekurses Gebraiich und wies vor dem Reichsversicheriiiigsainte nach, daß der Leisten- brnch ihn an der Verrichlung landwirlhschaftlicher'Arbeiten nickt gehindert hätte; deshalb sei die Verringern»? des Jahresarbeits» Verdienstes nicht gerechtfertigt. Ferner behauptete er, sein Gesammt- ziislaiid habe sich eher verschlimmert als gebessert. Das Reichs- Versicherungsaiiit erkannte den Rekurs für theilweise begründet an; die Bernssgenossenschait habe ohne einen positiven Anhalt einen Abzug vom Jahres-'Arbeitsverdienst gemacht, wozu sie nicht be- rechligt geivefe» sei. Die 10proze»lige Rente wurde daher von 21 M. ans 28 M. erhöhl und die bellagle Genossenschaft aiißerdein zur Zahlung von 25 M. Reisekosten au den Kläger vernrlheilt. Gor i-chts � Ä eiku ng. Ein Sozialdemokrat in Fessel«. Zur Charakteristik unserer Rechtszustände möge folgende'Angclegenheil diene»: Wegen Be- leidignng durch die Presse stand am Sonnabend der Redakteur der „G az e l ta R o b o! n i cz a", Genosse K acz m ar ek, vor der vierten Slrnfkanimer des Landgerichts I. Das genannle polnische Partei-Organ halte über die Verhastung des Hütienarbeilers Tylon in Kattowitz berichtet und mitgelheilt, derselbe sei im Gesängniß in Fesseln gehalten worden, man habe ihn auch während seiner Hast in Sträslingskleidung und Fesseln pholographirl und daS Bild als ein Zeichen der Barbarei des 19. Jahrhunderts verbreitet. Diese Dar- stellniig trifft, wie durch die Vernehniniig Dylon's und des Kallowitzer GefängnißinspektorS festgestellt wurde, nicht zu. Die wirklichen That- fachen sind für die preußischen Rechtszustände immerhin charakteristisch genug. Dylon halte unser polnisches Parteiorgan verbreitet nno diese Handlung diente den Organen der Behörde in allein Ernste zum Anlaß, unscrn Parteigenossen wegen Verdachts des Vergehens der— G e iv e r b e k o n t r a v e n t i o u in Haft zn nehmen. Wie es selbst unter den Rechtsziiständeii in Oberschlesien nicht anders zu erwarten war, wurde Dylon freigesprochen, doch halle er immerhin acht Tage in Nnlersuchnngshaft sitzen müssen und er war aus grnnd einer angeblich bestehenden Vorschrift zweimal dem Richter gefesselt vorgeführt worden. Im Gesängniß selbst trug Dylon keine Fesseln nnd ebenfalls ist die fragliche Photographie nicbr im Gesängniß angefertigt, sondern später durch Bekannte Dylon's nach einem allen Bilde hergestellt worden. Der Slaatsanwakt beantragt« gegen Kaczmarek eine Gesängnißsirafe von acht Monaten. Der Gerichtshof hielt die den Kaltoiviher Gefängnißbcamteii durch den 'Artikel zugefügte Beleidigung für so schwer, daß eine strenge Strafe am Platze sei, berückstchligle aber— wie der Vorsitzende niillheilie— andererseits, daß die Verhaftung Dylon's, der nnr der Gewerbe- kontraveulioii beschuldigt, acht Tage in Untersuchung sitzen mußte, in den betreffenden Kreisen Erregung verursacht habe, daß der 31, geklagte an die Richtigkeit der unzutreffenden Darstellung geglaubt habe und erkannte ans die hohe Strafe von drei Monaten Gesängniß und Pnblikationsbefngiiiß für die beleidigten Beamten. Die Perzweiflnngöthat einer Mutter beschäftigte gestern das Schwurgericht am Landgericht II unter Vorsitz des Landgcrichis- direktors G a r tz. Unter der 3Inklage des versuchten Mordes und der Brandstistung wurde die Frau Reftaurateur Lilberline And ritzli geb. Markgraf aus der NntersuchungZhaft vorgeführt. Sie rvnrde beschuldigt, in ihrer in Charlotteubnrg. Uhlandstr. 1, belegenen Wohnung in der Nacht vom 18. zum 19. August den Ver- such gemacht zu habe». sich und ihre fünf Kinder zu tödlen. Die Augeklagte, deren Mann im Gesnngnih sitzt, betrieb in der Uhland- Straße 1 ein Posamentiergeschäft. In der genannten Nacht kam eine der fünf Tochter der Angeklagte» auf das Polizeibureau und meldete,' daß in dein Laden ihrer Mutter Feuer ausgebrochen sei, welches sie noch rechtzeitig entdeckt habe. Die Feuerwehr wurde alarinirt und machte sich sofort an die Löscharbeit. Als sie die Ladenthüre einschlug, drang den Mannschaften dichter Qualm entgegen, der das ganze Treppenhaus, den Laden und die daranstoßende Wohnung, namentlich auch das Schlafzimmer erfüllte. Aus dem Ladentische lagen viele brennbare Sachen in buntem Durcheinander, Lumpen und mit Petroleum ge- tränkte Posamentirwaaren. Die Feuerwehr löschte den Brand und säuberte den Laden von allem Brandschutt, nur ein vom Feuer noch nicht ergriffen gewesener Hausen Lumpen blieb liegen. Nachdem die Feuerwehr den Eingang zum Laden mit Brettern vernagelt hatte, ging sie ab. Etwa gegen 3 Uhr morgens bemerkte ein Polizist, der die Uhland- Straße entlang ging, abermals Feuerschein in dem Lade» der Angeklagten. Die von neuem alarmirtc Feuerwehr entfernte die noch fest vernagelte Ladenthür und fand den ganzen Laden, sowie das daran stoßende Zimmer in hellen Flammen. Vorn a» der Ladenthür lag brennend der Hansen Lumpen, der das erste Mal zurückgelassen worden war. Das Feuer wurde wiederum bald gelöscht. Die ö Kinder hatten sich durch Hinausspringe» aus dem Fenster gerettet; die Angeklagte selbst mußte ohnmächtig vom Schauplatze getragen werden. Die Angeklagte gab zu, das Feuer selbst angelegt zu haben, sie wollte aber nicht die Absicht gehabt haben, i» betrügerischer Weife zu einer zu hohen Fenerversicherungssumme zu gelangen, versicherte vielmehr glaubhaft, daß sie gehofft babe, sich und ihre fünf Töchter durch den Qualm zu tödten und so einem unerträgliche» Hungerdasein ein Ende zu machen. Die Mittheilunge», welche Rechtsauwalt Lcop. Le v in in seiner zu Herzen gehenden Verthcidigungsrede von den LebeuSschicksalen dieser Frau machte, waren lief ergreifend und ließen seine Behauptung, daß die An- geklagte sich bei der That in einem Zustande hellster Verziveiflung befunden und ohne Ueberlegung gehandelt habe, als durchaus zu- treffend erscheine». Danach halte die Angeklagte noch I8SL ein Vermögen von 30 990 Mark, welches sie durch die Manipulationen ihres EhemanncS eingebüßt hat. Ihr Mann war arbeitsscheu geworden, ergab sich dem Trünke und mißhandelte seine Frau, bis er schließlich sich überhaupt nicht »lehr um seine Familie bekümmerte. Zur Zeit verbüßt er eine längere Gefnngnißstrafe. Die Sorge für die Familie lag der Frau ob und sie suchte aus Liebe zu ihren Kinder» ihre Pflichten ohne Murren zu erfüllen; es gelang ihr jedoch nicht, durch das Posamenlicrgeschäst des Lebens Nothdurst und Nahrung zu be- schaffen. Die Noth klopfte immer vernehmlicher au ihre Thür, namentlich als die Frau fast ein ganzes Jahr hindurch am Gelenkrhennintismns dnrniedcrlag. Im August stieg die Noth auf de» Gipfelpunkt. Sänimlliche Waaren waren wegen einer Schuld von 209 M. gepfändet und die Angeklagte war mit ihren b Kinder» dem Hunger preisgegeben. Am 19. August halte der Hauswirth bereits die Exmissionsklage gegen sie eingeleitet, am 13. August war sie zur Exmission verurtheilt worden und mußte nun stündlich verimithe», auf die Straße gesetzt zu melden. In dieser verziveiselten Lage ist der furchtbare Plan in ihr gereift. sich und die Kinder zu tödten. Der Vertheidiger führte den Geschworeneu in eindringlichen Worten zu Herzen, daß ein solches gequältes Weib, welches allgemeines Mitleid verdiene, unmöglich mit Ueberlegung gehandelt haben könne. Was die Brandstiftung betreffe, so liege eine solche nicht vor, da noch nicht feste Gebäudelheile vom Feuer ergriffen worden seien.— Die Geschworenen verneinten denn auch die Ueberlegung und die Schuldfrage wegen der Brandstiftung Sie sprachen die Angeklagte nur des versuchten Todtschlags schuldig und billigten ihr mildernde Umstände zu. Der Staatsanwalt be- antragte 2 Jahre, der Gerichtshof erkannte auf ein Jahr Ge- fängniß unter Anrechnung von 2 Monaten Unlersuchungshast. Die Grschtvorenc» der gegenwärtigen Schwurgerichtsperiode am Landgericht II haben für die Kinder der Frau A u d r i tz k i, rvelche heule wegen fünffache» versuchten Todtschlags zu einem Jahr Gefängniß verurtheilt wurde, gleich nach Schluß der Sitzung eine Sammlung veranstaltet, welche 199 M. ergab und noch weiter fort- gesetzt werden soll. Einer der Geschivoreuen hat sich anheischig ge- macht, sich um die gegenwärtigen Verhältnisse der Kinder zu be- kümmern und den Ertrag der Sammlung so zu verwenden, ivie es im Jntereffe der Pflege und des Forlkonunens der Kinder wünschens- werlh erscheint. Daö Ober- VcrwaltungSgcricht als Sittenzenfor. Ueber Donnay's„Verliebte" und ihre sittlichen Qualitäten verhandelte gester» das O b e r- V e r iv a l t n n g s g e r i ch t. Direktor B l n m e n t h a l beabsichtigte das Stück im Lessing-Theater aufzuführen, das Polizeipräsidium als Zensurbchörde verweigerte aber dazu die Erlaubniß aus siltenpolizeilichcn Gründen. Gegen die be- treffende Verfügung beschwerte sich Direktor Blumenthal beim Oberprnsidente» ohne Erfolg. Auch das Ober« Venvaltnngs- gericht, vor welchem Juslizrath Albert Träger die Sache des Direktors Blumenthal führte, erkannte ans Abweisung der Klage. Möge das Stück auch seine Vorzüge haben, so sei es doch nicht zur öffentlichen Aufführung geeignet. Einzelne Szenen seien hauptsächlich bedenklich durch die Art und Weise, wie sie die Phantasie beschäflialen. Was aber die Hauptsache sei: das ganze Stück spiele in einer unsittliche» Zllmosphäre. Die wilden Ehen würden nebe» de» legitime» als vollständig unbedenklich behandelt. Und die poetische und gefällige Sprache des Schauspiels erhöhe bei einer öffentlichen Aufführung nur die sittliche Gefahr.— Ei» Glück für den armen Goethe, daß er tobt ist! Wegen widerrechtlicher Verweigernug einer Invaliden- karte wurde der Dienstherr Kühne angeklagt. Ein Mädchen hatte den Dienst bei ihm nach sechs Tagen bereits wieder aufgegeben und war dann am nächsten Tage mit einem fremde» Manne zu Kühne gekommen, um sich die ihr vorenthaltene Quiltnngskarte zu hole». Kühne jagte ihren Begleiter vom Hof und sagte zu ihr, wenn sie etwas ivolle. solle sie mit in die Stube kommen. Das Mädchen, ängstlich geivorde», lief aber fort und wandte sich an die Polizei. Diese forderte demnächst Kühne auf, die Karte dem Mädchen franko zuzusenden. Das that Kühne jedoch nicht, worauf die Anklage auf grund deS ß 148 Nr. 3 des Alters- und Jnvaliditätsverstcherungs-Gesehes erfolgte. Der An- geklagte wurde zu einer Geldstrafe verurtheilt. Er legte gegen die Entscheidung des Landgerichts, das i» zweiter Instanz entschieden hatte, die Revision ein. Das Kammergericht wies indessen die Revision mit der Begründung zurück, ß 148» des Gesetzes sei ganz richtig angewendet. Kühne hätte dem Verlangen der Polizei nach- kommen und dem Mädchen die Karte zusenden müssen, wenn er es auch nicht„franko" hätte thun brauche». Ein Formfehler, der vom Schöffengericht begangen worden war, gab gestern zu lebhafte» juristischen Erörterungen vor der neunten Straskammer des Landgerichts 1 Veranlassnng. Am S. Juni d. I. verhandelte das Schöffengericht gegen 6 Angeklagte, welch« wegen gemeinschaftlicher, theils schwerer, theils einfacher Körperverletzung bestraft wurden. Das Urtheil wurde der Be- rathung entsprechend mündlich richtig verkündet, aber in dem Tenor des Protokolls fehlte die Verurtheilung eines der Angeklagten, des Schlächtergesellen Fehse, zu einer Geldbuße an den Verlehlen, sowie ferner die Straffestsetzung gegen eine Mitangeklagte, die Kutschers- Ehefran Ducker. Sämmtliche Verurtheilte legten Berufung ein. Das Schöffengericht,— d. h. der Vorsitzende ohne Schössen— hatte nach- träglich einen ergänzenden Beschluß erlassen, der aber den Angeklagten nicht zugestellt worden war. Gestern sollte die Sache in zweiter Instanz verhandelt werde». Es waren 24 Zeugen erschienen. Zu- nächst wurde festgestellt, daß drei Angeklagte fehlten, einer ist ver- porbe» und zwei sind nicht zu ermitteln gewesen. Der Vertheidiger, Rechtsanwalt Dr. Schwindt, protestirte aber auch gegen den Eintritt in die Verhandlung mit bezug auf seine Mandantin, die Kutschers-Ehefrau Tuckert, weilderselben wegen des vomSchössengerichtbegaugenen Form- fehlers eine Instanz mit Beweisaufnahme verloren ginge und das gegen ein etwaiges Urtheil der Straskammer eingelegte Rechtsmittel der Revision sei, die die Sache ans Reichsgericht bringen wurde. Der Gerichtshof trat diese» Ausiührungen bei; in betreff die Angeklagten Frau Duckert und des Fehse wurde die Sache zur»och- maligen Verhandlung an das Schöffengericht zurückgewiesen, in betreff der übrigen Augeklagten wurde die Vertagung beschloffen. Sozinlrs« Der Genosse von Elm wendet sich mit einer Zuschrift an die Redaktion des von Professor Schmoller. dem jetzigen Rektor der Universität Berlin, herausgegebenen„Jahrbuchs sür Gesetzgebung, Verwaltung und Volkswirlhschnft". Es handelt sich um die Richtig- stellung einiger Gehässigkeiten, die der auch von uns besprochene, in Schmoller's Jahrbuch publizirte Aufsatz:„Die Wahrheit im Streik der Hafenarbeiter und Seeleute", über die Person des Genossen v. Elm enthalten halte. Elm fchreibt unter anderm, daß er sich keineswegs in die Hafenarbeiterbcwegung gedrängt habe, sondern gewissermaßen erst durch das an ihn gerichtete Schreiben des Senators Dr. Hachmann K. in die Bewegung hineingezogen worden ist. Ferner thcilt er mit, daß er, weit entfernt, den Streik zu schüren,„für jeden während des Streiks gemachten Vcrmittelungsvorschlag ein- getreten" ist. Der auouyine Verfasser des ursprünglichen Aufsatzes sucht sich in folgender Weise herauszureden. Elm habe, obwohl Angehöriger der Tabakbranche und dem Berufe der Hafenarbeiter ganz fern stehend, als Organifator und Agitator in dem Ausstand eine be- deutende Rolle gespielt,— und gerade dieser Umstand habe die „Unversöhnlichen" im Arbeitgeber-Verbnnd in ihrer Stellung sehr gestärkt. Das ist eine recht komische Geschichte, und an über- iriebener Konsequenz scheinen demnach die„Unversöhnlichen" im Hamburger Arbeitgeber-Verband nicht gelitten zu haben. Gerade diese„Unversöhnlichen" waren nämlich, wie der Sekretär des könig- liehen Kommerzkollegiums in Altona, Herr Ehreuberg, aufgedeckt hat, die nicht der Rhederei, sondern der Zigarrenfabri- k a t i o» und sonstigen Industrien angehörenden Arbeitgeber. Es ivirkt geradezu zwerchfellerschütternd, daß die im Arbeitgeber-Verband sitzenden Zigarrenfabrikante» ec., die mit der Rhederei absolut nichts zu thun haben, deshalb„unversöhnlich" waren, weil ein Zigarrenmacher sich auch n>n die Angelegenheiten seiner Klaffen- genossen von der Wasserkante kümmerte. Die Bürsten- und Pinselfabrikaiite» in Nürnberg haben in einer Versammlung am Freitag die vom ReichsgesnndheitSaint nnsgearbeileleu Desinfektionsvorschriften besprochen, die de» Zweck haben, der bekanntlich fast immer tödllichen Milz- brandvergifluug vorzubeugen. Eine getrennte Lagerung und Ver- arbeilung des desinfizirten und nichtdesinfizirten Materials sowie die ausschließliche Vornahme gewisser Arbeiten mit behandschuhten Händen ivnrden, wie die„Voss. Ztg." mittheilt, für undurchführbar, andere Bestimmungen für sehr schwer dnrchsührbnr erklärt. Wenn es nach den Herren Fabrikanten ginge, würden Des- infeklionsvorschriflen einschneidender Art überhaupt nicht erlassen, denn das Vorarbeiten des Materials überlassen diese Herren ja den Arbeitern, die dabei häufig genug die Opfer einer Milzbrandvergistung werden. Tie zwangsweisc Schaffung eineS GcwerbcgerichtS in Gliben, worum 1250 Arbeiter petitionirt hatte», istZvoi» Handelsministerium abgelehnt worden, weil für jetzt ein Bedürfniß zur Schaffung des Geiverbegerichls nicht in dem Maße vorhanden sei, um die zwangsweise Errichtung zu rechtfertigen. Guben ist eine Stadt von zirka 39 990 Einwohnern, hat bedeutende Industrie mit zahlreichen Fabriken, für die Bedürfnisse der Bourgeoisie ist von Slaatswegeu reichlich gesorgt, die Arbeiter aber könne» nicht einmal ei» Gcwerbegericht bekommen, obgleich sie, um mit Fritz Reuter's braver Pastorin zu sprechen, doch„die nächsten dazu" sind. Eine Gewerkschaftsversammlung beschloß nun, das in der Gewerbegerichts- nngelegenheit gesammelte Material der sozialdemokratischen Reichstags- fraktion zu überweisen und ein Flugblatt zu verbreiten, worin der Ministerialentscheid der lllrbeiterschast Gubens bekannt gegeben wird. Arbciter-Risiko. Durch die amtliche Untersuchungskommission ist nun festgestellt, daß der Einsturz im Maximilianskeller zu München dadurch verursacht rvurde, daß ein Pfeiler infolge ungenügenden Verbandes und wegen der Verwendung von schlechtem Mörtel nicht im stände war, die ihm auf- erlegte Last zu trage». Die bei dem Umbau beschäftigten Arbeiter haben, wie die„Münchner Post" mittheilt, längst gefürchtet, daß bei der überhasteten Älrt und Weise, wie der Bau betriebe» wurde, ein Unglück geschehen werde, und der Polier Henke, der jetzt sammt dem Baumeister Klinger verhaftet ist, soll wiederholt gegen die Bau- führung Einspruch erhoben haben; er hätte sich aber den Befehlen Klinger's fügen müssen. Jedenfalls zeigt das große Unglück, wie »öthrg es ist, bei der U» f a l l v e r h ü l u n g den Arbeitern selbst in irgend einer Weise eine maßgebende Rolle ge- s e tz l i ch zuzuerkennen. Anstellung von Fabrikiiispcktoriniic» für die ober- e l s ä s s i s ch e T e x l i I i n d u st r i e und Ermäßigung des Preises der Fabrikinspektoreu- Berichte beantragte beim Bezirkstage diefes Regierungsbezirkes unser Parteigenosse Bueb in Mülhausen. FiSknö und Gemeinde. Die Stadt Dresden ist genöthigt, dem sächsischen Fiskus ein Stück Haideland abzukaufen. Das be- treffende Terrain liegt in der Nähe des städtischen Wasserwerkes. Trotzdem beabsichtigte der Fiskus, dort eine» Friedhof zu errichten und die übrigen Strecken bebauen zu lassen, was nach dem Gutachten von Sachverständigen eine Verunreinigung des Leitungswassers zur Folge haben soll. Um dieser Gefahr vorzubeugen, ferner um den Wald zu erhalten, dessen Ausrodung die gesundheitlichen Verhältnisse Dresdens verschlechtern müßte, haben nun die Gcmeindekollegien sich dazu ver- stehe» müssen, das Stück Haide um 1699 999 M. anzukaufen, ferner dem Fiskus einen Bauplatz im Werth« von zirka 326 909 M. unent- geltlich zum Nenbau des Polytechnikums zu überlassen und ihm außerdem 209 999 M. Zuschuß zum Neubau des Stäudehauses zu bewilligen. Diese Handlungsweise des Fiskus hat die Dresdener Stadtverordneten, die sonst loyal bis auf die Knochen sind, gewaltig in Harnisch gebracht._ VeejÄmmIungett. Schöiieberg. Mit der Stellungnahme zur Stichwahl beschäftigte sich am 17. November die in der Schloßbrauerei tagende ö f f e n t- l i ch e Volksversammlung. Genosse Obst, der die Be- sprechung dieser Angelegenheit einleitete, führte der Versammlung die vergangene Wahl klar vor Augen und meinte, wenn das Re- sultat dieser Wahl auch nicht unser» Wünschen entspreche, so hätten wir ja eigentlich nicht viel mehr erwarten können. Denn in anbetracht der ungünstigen Wahlzeit und der sonstigen Verhältnisse wäre das Stimmenergebniß ein ganz annehmbares. Wenn nun von gegnerischer Seite gesagt werde, die Sozialdemokratie wäre von allen Seiten überschätzt worden, so können wir darauf hinweisen, daß wir bei der jetzigen Wahl zusammen 769 Stimmen erhalten haben, trotzdem wir uns nur in acht Bezirken, also der Hälfte Schönebergs, an der Wahl bethciligten, während wir bei der letzten Gemeindewahl es nur auf etwas über 609 Stimmen für den ganzen Ort gebracht haben. Wir haben zwar nur eine» Kandidaten bei der Hanptwahl dnrchgebracht, stehen aber in fünf Bezirken zur Stichwahl, in welcher wir bei tüchtiger Agitation»och zum Siege gelangen können. Redner weist darauf hin, daß wir bei der Lage der Sache guten Muthes sein können, und fordert nun auf, die Zeit bis zum Tage der Stichwahl tüchtig auszunutzen, indem wir Mann sür Mann, Schulter au Schulter kämpfen und den letzten Mann an die Urne bringen. Redner schließt mit der Versicherung, daß wen» wir alle in diesem Sinne arbeiten, wir am Tage der Stichwahl als Sieger hervorgehen werden. Nach längerer Dis- kussion, an welcher sich mehrere Genossen betheiligten, wurde der Antrag, in allen fünf Bezirken in die Stichwahl einzutreten, ein- stimmig angenomnieu. Hierauf wurden als Delegirte zur Kreis- konferenz, die am 5. Dezember tagen soll, Köster, Meiling und Ma su ch gewählt. Genosse Lauge ersucht uns, richtig zu stellen, daß er in der Versammlung des Wahlvereins für den II. Reichstags-Wahlkreis nicht, wie es in unserem Bericht heißt, gegen die Zlussührungen Zubeil's sich gewandt habe, sondern er stehe ganz auf dem Stand- punkt dieses Genossen._ EingesNndk. An die sozialistischen Akademiker! Genossen, Kommilitonen! Die mächtig anschwellende Flnth deS Sozialismus hat auch in den akademisch gebildeten Schichten der Bevölkerung Eingang gewonnen. Allenthalben zerstreut finden sich akademische Genossen, die meistens ohne Verbindung, ohne An- regung und praktische Aufgaben dahinleben, oft genug auch der Be- wegung wieder verloren gehen. Es ist nothwendig geworden, einen Mittelpunkt, einen geistigen Zusammenschluß dieser Elemente zu schaffen. Es handelt sich darum, die Vereinzelten kennen zu lernen, sie unter einander bekannt zn machen, ihnen vor allem die Mittel theoretischen Weiterarbciteus au die Hand zu geben. Dazu aber bedarf es eines Mittelpunktes, der eine Uebersicht und ein einheitliches Vorgehen ermöglicht. Der Unterfertigle hat es übernommen, so lange unsere politischen und akademischen Zustände eine Organisation unlhnnlich erscheinen lassen, diese Vcriuiuelungs- stelle zu bilden. Er richtet daher an alle Genossen, seien sie noch aktive Studenten der Universitäten, technischen und Kunst-Hochschnlen oder geistige Bernfsarbeiter aller Art, die Aufforderung, ihm ihre Adresse genau mitzntheilen. Auch diejenigen, die zu einer thätigen Wirksamkeit zur Zeit nicht im stände sind, werden um Mitiheiluug ihrer Adresse gebeten. Es ist dafür Sorge getragen, daß jede Gefahr des Mißbranchs ausgeschlossen ist. Ällle Zuschriften sind zu richten an die Redaktion der„Sozia- listischen Monatshefte", Marienstr. 13, Berlin NW. Der Redakteur des„Sozialistischen Studenten". Sämmtliche Parteiblätter werden um Abdruck dieses Aufrufs gebeten. Briefkasten der Redaktion. Wir bttün, bei leder Anlraiie eine«hlssre lzwel Buchflabi» oder ein« gahl) ani»aebe», u»Ier der die iilniworl eriheili werde» soll. Die juristische Sprechstunde findet in dieser Woche am Montag, Dienstag und Sonnabend von S bis 7 Uhr abends statt. Ehr. R. F. Ungarn ist ein durch Realunion mit Oesterreich ver- bnndcner, sonst durchaus selbständiger Staat. Es hat eigenes Ministerium. Parlament, Justiz, Steuerwesen, Post, Landwehr«. jc. Mit Oesterreich gemeinsam ist blos die Person des Monarchen, das stehende Heer, die aus- wärtigen Angelegenheiten, die Verwaltung Bosniens und der Herzegowina und ein Theil der Staatsschulden, sowie die Verwaltung der genieinsamen Finanzen und deS gemeinsamen Rechnungshofes. Da beide Länder ein gemeinsames Zollgebiet bilden, so ergiebt sich die Rothwendigleit einer gewissen Gleichartigkeit in der wcrthschastlichen Gesetzgebung und Venvaltung. R. 2. 1. Ja. 2. Rein. F. K. 1»S. Rein! P. H. 12. London. Zwei Streitende. 1. Die wahrschetnltche Lebensdauer der Geborenen ist aus grund der statistischen Beobachtungen In den Jahren 1881-1890 -W Jahre 6 Monate in Preußen und 38 Jahre 11 Monate in Bayern. 2. Unter Generation versieht man in der Regel einen Zeitraum von 39 Jahren. Militärnnwärter, Potsdam. Wir können Ihre Zuschrift leider nicht verwcrthen, da wir wiederholt diese Frage behandelt haben. Das Matertal wird aber an anderer Stelle benutzt werden. M. W. 18. Die Lohnzettel können wir nicht benutzen, da sie vom Jahre 189« mir wenig Werth haben. Dresden. Solche vorsündfluthlichen Ausweisungen haben leider bis 8 Tage vor Untergang der Welt Glltigkeit.— A. Dterke. 1. Die Adressen der verschiedenen Krankenkassen sind im Adreßkalender zusammengestellt. 2. Ja.— C. R. 125 Charlottenburg. Der junge Mann soll den Sach- verhalt, insbesondere die Schlasverhälwisse, vor dem Termin dem Gericht schriftlich genau schildern und auch Ihre Ladung als Zeugen beantragen.— Voyagem* la Hayc. Der in der letzten RetchStagssesston angenommene deutsch-niederländische Auslieserungsvertrag führt 21 Strafthaten auf, derent- wegen Auslieferung verlangt werden kann. Der Antrag auf Auslieferung ist unter Beifügung eines Hastbefehls oder eines Erkenntnisses im diplo- matischen Wege zu stellen. Ein Abdruck der 27 Strafthaten verbietet der Mangel an allgenieinerem Jntereffe sowie der Zweck und Raum der Zeitung. Wollen Sie Auskunft für einen bestimmten Fall, so müssen Sie angeben, welcher Handlung der betreffende sich schuldig gemacht haben soll. Schriftliche Antwort ertheilen wir nicht.— A. Z. 199. Jawohl. — A. B. 50. Wenden Sie der Klage gegenüber die von Ihnen ge- schilderte Sachlage unter Beweisantritt ein: dann ist die Klage abzuweisen. Sie können außerdem Widerklage auf Schadensersatz erheben.— Osp. 1. Rein. 2. Giebt es nicht. 3. Die Zinsen werden Ihrem steuerbaren Der- mögen zugerechnet, sodaß Sie nach einem Steuersätze von 1Sb9 Bis 1800 M. zu steuern haben.— P. B. Sprechen Sie in der juristischen Sprechstunde m i t dem Unfallbescheide und allen Jnvaliditätskarten vor.— Fr. S., Friseur. Wenden Sie sich direkt an eine Krankenhaus- Direktion.— O. C. 199. Leider steht de» Eltern ein Recht nicht zu.— J.H. 49. DerMann mag gegen Sie klagen, er muß kostenpflichtig abgewiesen werden.— A. 199. Ja. — it. H. Stellen Sie die Klage auf Lohnzahlung beim Gewerbegcricht, Breitestraße 20a, an.— P. B. 1999. Sie müssen einen besonderen Zivilprozeß(beim Amtsgericht) mit dem Antrage aus Bezahlung der Arzt- kosten anstrengen.— H. E. 15. Die zweijährige Verjährungszeit für zum eigene» Bedarf gekaufte Waaren beginnt mit Ablauf des Jahres, in dem die Waaren entnommen sind. Ist die Forderung inzwischen anerkannt, so wird die Verjähningssrtst unterbrochen, so daß wieder von dem Anerkenntniß ab eine neue Verjährungsfrist läuft. Beispiel: Sie sollen am 3. März 1893' ein GlaS Bier zu zahlen vergessen haben. Die Forderung des Bndilers würde mit Ablauf des Jahres 189» verjährt sein. Haben Sie aber in- zwischen, etwa am 20. November I89b, Ihre Schuld anerkannt, so ist die Forderung für das Glas Bier erst mit Ablauf des 31. Dezbr. 1897 verjährt. — E. H. 18. 1. Nein. 2. Der Ausgang eines solchen Prozesses ist zweifelhaft.— M. K. 29. Sie können bei der Polizei vorstellig werden. — R. 22. Ohne Einwilligung des Verkäufers können Sie von dem Wer- trag nicht zurücktreten. Der Gläubiger kann alle pfändbaren Gegenstände pfänden lassen.— R. V. 1999. In der Buchhandlung„Voiwärls" können Sie ein Formular(Nr. 19) für einen Antrag auf Rückzahlung der Jiivaliditätsmarlcn erhalten, der Antrag muß innerhalb 3 Monaten nach Ehcschluß gestellt werden. Zurückzuerlangen ist die Hälfte der vor der Heirath geklebten Marken. Es müssen mindestens 235 Marken geklebt sei».— R. S. 3006. Wenn noch nicht geklagt ist, so kann der Berkänfer noch auf Zahlung klagen.— Biichhaudlung Müuzstr. Sprechen Sie mit dem Vertrag in der juristischen Sprechstunde vor.— 999. Ja.— BZ. Ja. WltieriittgSIibersicht vom 20. November 1897. Wettcr-Prognose fite Sonntag. 21. November 1897. E»vas kühler, bei ziemlich frischen nordwestliche» Winden und veränderlicher Bewölkung; keine erheblich«» Niederschläge. Berliner W e t t e r b n r e n n. Verantwortlicher Redakteur: Anglist Jarobey in Berlin. Für den Jnseratentheil veranlivortlich: Tb. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Buding in Berlin. 0t. 272. h. z.w» 2. KilU des DmUs" Knlmr NcksW.-.>»»->«.»w VevfÄ,ttmlnttZen. �iuc Volksversau»»l»»g, in der Reichstags Zlbgeordneter vi v l u n c Stadthagen über:„Was verlangen wir vom Rath- d-'n» rcfeiivte, tagte am Freitag in der Norddeutsche» Brauerei, Chausseestraße. Der Redner, der in eingehender Weise die von de» sozialdemokratischen Vertretern i» der Stadlverordneten-Versammlung gestellten Anträge erörterte, deren nothivendige Durchführung de- leuchtete und das Verhalten der„freisinnigen" Majorität im„rothe» Hause" einer herbe» Kritik unterzog, appellirte am Schluß feines Vortrages an die Versammlung, die kurze Zeit bis zur Stichwahl anszimutze», um die Säumige» heranzuziehen und aufzuklären, damit sie für die Wahl des sozialdemokratischen Kandidaten eintreten. Eine Diskussio» über den mit stürmischem Beifall aufgenommenen Vor- trag wurde, da sich Gegner trotz wiederholter Aufforderung nicht zum Wort meldeten, nicht beliebt. Nachdem der Vorsitzende Genosse Ernst noch auf die am Sonntag stattfindende Flugblaltverbreilnug aufmerksam gemacht und an die Frauen das Ersuchen gerichtet hatte, ebenfalls thälig zu sei», um dem sozialdemokratischen Kandidaten zum Siege zu verhelfen, sowie zur recht regen Agitation im all- gemeinen aufgefordert hatte, erfolgte der Schluß der gut besuchten Versammlung. I» einer öffentlichen Ko»i»»»ialwähler-Vcrsa»inil»i»g für den 34. Koiumunaltvahlbezirr, die am 18. November in der Ackeistraße KZ tagte, referirte Genosse Bruns unter Beifall der Versammelte» über die bevorstehende Stichwahl. In der Diskussion rügte H elbig die Vertranensseligkeit der Genossen, die mit der Behauptung, daß wir in dem Bezirk doch siegen, am Wahltage ihre Pflicht vernachlässigte» und auf diese Weise einen nochmaligen Wahl- kämpf veranlaßte». Isaak führte Beschwerde über die Behandlung eines nervenkranken Mädchens seitens deren Lehrerin in der Schule in der Etisabelhkirchstraße und bedauerte lebhaft das Fehlen von Srtnläizte». Zum Schluß wird zur rege» Betheiligung an der Sonntag stattfindenden Flugblattverlheilung aufgefordert. Für drn 40. Kommnnal-Wahlbczirr fand am Freilag eine sehr stark besuchte Versammlung in der Kronenbrauerei statt. Der Referent Genosse Bebel verwies darauf, daß es sich bei der Stich. wähl nicht»m eine Personen«, sonder» um eine wichtige Prinzipien- frage handele. In dieser Hinsicht beständen zwischen Freisinn und Sozialdemokratie die schärfsten Gegensätze, denn der Freisinn, über- Haupt der Liberalismus, habe von jeher die Ansicht vertreten, daß sich Staat und Gemeiuivese» möglichst ivenig in die bürgerlichen Angelegenheiten hineinzumischen haben, während die Sozialdemokratie es als eine Aufgabe des Gemeinweseus betrachte, daß es gemein- nützige Einrichtungen nicht der geschäftlichen Ausnutzung von Private» überlaste, sonder» den Betrieb derselben in eigene Regie nehme, und überhaupt nach jeder Richtung solche Maßnahmen zu treffen habe, die das Allgemeinwohl zu fördern geeignet sind. Wenn die Vertreter des Liberalismus in letzter Zeit dem Ge- danken des Kommunismus— welcher i» früheren Zeiten in der Gemeinde herrschte— einige Konzessionen gemacht habe», so sei das nur denr Auftreten der Sozialdemokratie zuzu- schreiben. Der Redner erläuterte im einzelne» die Aufgaben, welche nach der Auffassung unserer Partei der städtische» Verwaltung zufallen und führte aus, daß die Gemeinde-Angelegenheiten für die Bürger dieselbe Wichtigkeit habe», wie Staats- und Reichs- angelegenheilen, wenn sie auch von diesen ihrer Natur nach ver- schiede» sind. Namentlich hätte» auch die Arbeiter ein hohes Interesse an der Verwaltung der Gemeinde. Die Wähler der dritten Abtheilung, die doch zumeist Arbeiter sind, müßte» dafür sorge», daß sie durch Verfechter ihrer Juteresten im Nathhause ver- trete» sind. Der Redner schloß mit der Aufforderung, daß jeder Parteigenosse seine Schuldigkeit thun möge, damit der sozialdemo- kralische Kandidat aus der Stichwahl als Sieger hervorgehe. In gleichem Sinne äußerte» sich mehrere Redner, darunter Knoll, Voglherr und T r u n s ch. Es wurde darauf bin- gewiesen, daß unsere Parteigenosse» bei der Hauptmahl sehr lässig gewesen seien. Jetzt müsse es jeder Arbeiter als seine Ehren- Pflicht betrachten, aus den Reihen der 17 000 Wähler, die der Urne fern gebliebe» sind, so viele wie irgend möglich zur Stichwahl heran- zuziehe», damit der 40. Bezirk für die Sozialdemokratie erobert werde.— Der Kandidat Geuoste Heine konnte der Versammlung nicht beiwohnen, weil er anderwärts einen wichtigen Vortrag über- »ommen hatte. Der Verband aller i» der Kür schuerbrauche thätigeu Arbeiter und Arbeiterinne» beschäftigte sich am lö. d. M. mit der Sperre über die Werkstälte des Hoskllrschuermeisters Saalbach. Unter den Linden. Peters stellt den Autrag, die Sperre bei der Firma so lange aufrecht zu erhalten, bis die Vertrauensleute davon in Kenutniß gesetzt sind, daß die S>,e stündige Arbeitszeit wieder ein« geführt ist. Beide Anträge und die Ausschließung des Mitgliedes Scholz aus dem Verband werden fast einstimmig angenomme». Unter Verschiedenem theilt der Vorsitzende noch mit, daß die nächste öffentliche Versammlung am Montag, den 29. d. M., im Schützen- Hause stattfindet. Ju der ordentliche» MouatSversammlung des sozialdemo- kratische» Arbeitervereins in S p a» d a n referirte Genosse S ch r ö e r über das Thema„indirekte Steuer» und die Arbeiter". Die Neu- wähl des Vorstandes soll in der nächsten Versammlung vor- genommen werden. Beim Punkt„Bibliothek" forderte Genosse Schröer diejenigen, welche noch Bücher der Vereinsbibliothek hinter sich habe», zur schleunigen Rückgabe auf, event. stellte er die Ver- öffentlichung der Namen der Säumigen in Aussicht. Die letzte Partei-Versammlnng für Strala», Boxhagen ee. nahm»ach einem Vortrage D u p o» t' s den Bericht des Ver- trauenSnmnnes entgegen. Derselbe hatte eine Einnahme von 2S7,l1 M., der eine Ausgabe von 1SS,7S M. gegenübersteht. 72 M. sind außerdem für Agitationszwecke im Kreise Niederbarnim auf« gebracht worden. Als Vertrauensmann wird F o r g b e r l wieder- gewählt; als Revisoren werden Voigt, Oehlking und H i» t e r t h a n gewählt. Im Laufe des Jahres haben drei Agitationstouren stattgefunden; in Rummelsburg sind drei Flstg- blätler und in den umliegenden Orten ebenfalls drei Flugblätter in großer Auflage verbreitet worden. AUsemeine Kraul,»»- und Kterbekass« der Metaltarbeiter(S. H. t», Hamburg.) Ftliat» Berlin e. Bonntag, den el November, vormittag» 10 Uhr, im„Märlischen Hos", Abmiralstr isc: Berfa, nmlung: ttasseubertcht Ftlialangelegenheite». Saxiaritrrknrsu» für Arbeiter und Zirbeiterinne». Montag, den 22 November, abend» H Uhr, in Tohn'S Fesisalen, Beuthftr. ao: Vortrag des Herr» Dr. Friedeborg über Queifchmige», Knochenbrnche und Berrentungen. Perei» dextfltier üchnhmacher. Montag, den 22. November, abends S!; Uhr: Aahtfielle I bei Feindi, Wetnsir n. Zahlstelle II bei Lange, Dragonerfir. IS. Zablslelle III bei Eoh», Beuchslrahe 20. ZahIU-lle IV bei Noll, AdalberlUr. 21. Zahlstelle Friedrichsberg bei Fuchs, Frankfurter Allee t». Zahlstelle Schöneberg bei Obst, Wrunemaidlirabe no. Arbritcr-Kild»»»«vr>«i» van Schiinebrrg und Ilmgegeud. Montag, 20. November, abends S Uhr, bei Obst, Gruneivaldstrabi no: Versammlung. den Tagesordnung:„Unsere SlaMverordnelen-WahI-n." Obst. Ncfcient: Stadlverordneler ftiit' bril Inhalt der Inserate überuinimt die Redaktion de», Piiblikiim gegenüber keinerlei _ Veraniwortniig._ Tlzentev. Sonntag, 21. November. Opernhaus. Der Evangelimann. Anfang 71/2 Uhr. Montag: Loheugrin. Schauspielhaus. Der G'wtssens- wunn. Anfang 71/1 Uhr. Montag: Das neue Weib. Deutsches. Die versunkene Glocke. Ansang 7l/z Uhr. Montag: Jugendfreunde. Berliner. Faust.(I. Theil.) Anfang 7 Uhr. Montag: In Behandlung. Goethe. Der Pfarrer von Kirchfeld. Anfang?,/, Uhr. Montag: Gebrüder Währeupfennig. Lesliiig. Jugend. Ansang?,/, Uhr. Montag: Hans Huckebem. Schiller. Wallenstems Tod. Anfang 8 Uhr. Montag; Wallenstein'S Lager. Die Pieeolomint. Belle- Atliance. Die Grille. An- fang 71/2 Uhr. Montag: Die Glocke. Wallenstein'S Lager. Luise». Die Räuber. Anfang 8 Uhr. Montag: Das alte Lied. Unter de» Linde». Der Masken- ball. Anfang 7>/z Uhr. Montag: Die Grobherzogin von Gerolstein. Dhalia. Der Pfarrer von Kirchfeld. Anfang 7,/, Uhr. Montag: Die Drillingsmutter. Vorher: Der Haustyrami. Central. Der Müller und sein Kind. Anfang 7,/, Uhr. Montag: Berliner Fahrten. Ostend. Gebainit und erlöst. Ausaug 7Vz Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Neues. Tnlby. Anfang?,/, Uhr. Montag: Aschermittwoch. Vorher: Im Hörselberg. Residenz. Odette. Anfang 71/, Uhr. Montag: Dormo. Vorher: Vice vors«.. Friedrich. WIlhel», städtisches. Der Hüttenbesitzcr. Ans. 8 Uhr Montag: Dieselbe Vorstellung. Stlexanderplah. Im Sumpf. Ans. 7-/2 Uhr. Montag: Ohne sittlichen Halt. Urania. Taubenftraste 48—49. Noturkundl. Ausstellung v. 10 Uhr vormittags ab. Abends 8 Uhr Wifsenschaftl. Theater. Judalideustraße 57/62. Täglich (außer SouutagS und Mittwochs) abends 8 Uhr: Wtsseuschastliche Vorträge. Reichshallen. Spezialitäten. Au- sang 8 Uhr. Ameriean. Berlin, wie's näht und trennt. Anfang 8 Uhr. Apollo. Spezialitäten. Auf. 7>/, Uhr. Fecn-Palast. Spezialitäten. Passage- Pauoptikni». Wiener Tanz- und Operetten-Gesellschaft. Sihill 0 T lz esif ci? (Aallner-Theater). Sonntag(Todtensoiuitag) Nachmittag geschlossen. Abends 8 Uhr: Wallensteln's Tod. Montag, abends 8 Uhr: Wallen- stcin's Lager. Die Piccolo- mini. Dienstag, abends 8 Uhr: Walleu- stein's Tod. Mittwoch, abends 3 Uhr: Kyrih- Phrih._ Gesellscliaftsliaus Sw>»cmünderstr.42(alte Nr. 35) jeden Sonntag: Lall i(. Thtater-MWilg. Empfehle meine Säle(280 u. 700 Personen fassend) sowie Bercinszimmer zu Festlich leiten und Versammlimgen. 2981 L* HUbncr. Luisen-Theater 34. Rcicheiibergerstrasje 34. Abends 8 Uhr: VI« Rsml»««. Ein Trauerspiel in fünf Aufzügen von Fr. von Sch iller. Montag:„Das alte Lied." Bon Felix Philipp i. Direkte Verbindung mit dem Theater: Elektr. Bahn: Dönhoffplatz— Neichen- bergcrstrnße in 16 Minuten. Oftettd-Theater. Gr. Fra»ks»rlerstr.l32. Dir.(.».Weist Gebannt und erlöst. Schauspiel in 5 Akten nach Werner's Erzählung in der Gartcnlaiibe. Auf. 71/2 Uhr. Im Tunnel v. 6 Uhr ab: — Frei-Konzert.— Montag bis Mittwoch: Gebannt und erlöst. Donnerstag, zum 1. Male: Leben und Lieben. Freitag und Sonnabend: Dieselbe Vorstellung. Centi'sI-ItiLatei' Zllt« Jakobstr. 30. Direktion Klchar«! SchnUz. Sonntag, den 21. November 1897: Kniil TlioniaM a. G. Der Möller uild sei» Kind. Voltsschauspiel in 5 Akten von Ernst R a u p a ch. Aufaug 1/28 Uhr. Morgen und die folgeudeu Tage: Berliner Fahrten. Vollts- Tlieatei* im Welt-Kestanrant 07. D r e s d e» e r- S t r a st e 07. Novität! Täglich: Novität! O diese Radler! Possen-Burleske von O. Roedeo. Das Damemegiment. Operette von Ell,.— Musik von E i n ö d s h 0 f e r. Anfang: SouutagS 8 Uhr, Wochen- tags 7,/z Uhr. Vielom-örauern. Lützowstr. 111/112 (nahe Potsdamer Platz). Morgen, sowie jeden Montag>1. Freitag: Stettiner Sänger tMetzscl, Piciro, Britto», Steidl, Krone, Röhl, Schneider und Schräder.) Anfang 8 Uhr. Entree 56 Pf. Borverkanf 40 Pf. Neues Programm. DM- Dienstag: inniig« HOnniiachea Branhana. Concerthaus IjelpEigeratr.97o.48. Sonntag, 21. November, sowie täglich: lioffmgnn'8 Quartett lind Humoristen. Heute Sonntag Ans. 7 Uhrfl_ Morgen Montag Ansang 8 Uhr. Vl'SNZK TTanbenatraaae 48— 4S>. Naturkundl. Ausstellung täglich geöffnet von 10 Uhr vormittags ab, Eintritt 50Pf.— Abends 8 Uhr Wissenschaft!. Theater. liivali(lcnatraaaclVo.57/Ol2: Täglich(ausser Sonntags und Mittwochs) abds. 8 Uhr: Wissenschaftliche Vorträge. Näheres die Tagesanschläge! Urania-Theater(Lehrter Bahnhof). Dir.: Er. Koppen u. Dr. Stoedtner. Somit®i"c Wanderung 8 u6 ®0"m- durch Pompeji. ö Bortrag mit farbigen Glasbildern. Passage-ftmoptienm. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 10 Uhr abends. Wiener Tanz- und Operetten- Gesellschaft. öVj-lO Uhr. Castan's Fanopticum. N •« Friedriohstr. 165. Indiach- hlndnata- nische Gaukler — und— Schlangen- Ueschwücer. Das BÄRENWEIB. Berliner Aquarium Unter den Uinden 08a, Eingang Schadowntr. 14. Heute Sonntag Eintrittspreis WM- 50 Pf. Eoiohhaltigste Sammlung der Welt an lebenden Seothieren, Eoptilien eto. Apollo-Theater. Friedrichstr. S18. Dir. J. Glück. Carmen Fanr. Robert Steidl. La Foy und 30 itunstkräfte I.Ranges. ftaffenetöfsimng 5 Uhr. Anfang?>/, Uhr. Amüsantester und schönster kamMeu- Aufenthalt vom Norden Berlins: JuliusVemau's Restaurant, Scbwe(lterstrasse2324. Bereinszimmeo u. Säle für Vereine u. Bcrsammllmgcn von 80, 100, 200 bis 500 Personen.— Fernsprecher. E eich shallen- Theater. Loipzigerstrasse 77. Hcnto Sonntag (Todtenfeier): Grosses Programm. Anfang des Konzerts O'/s Uhr, der Vorstellung 7l/t Uhr. Morgen Montag: Auftreten sämmtlicher Kunstkräfte. Im Keichshallen-Tunnel: Grosses j Milifär-Concert | Kapelle des 5. Garde-Eegimts in Uniform. Dir. Offeney. Anfang 6 Uhr. Montag: Alexander-Kapelle in Uniform(Jaenisch). üuarg's Vaudeville Theater Grand-Hotel Alexanderplah. feilte, Todtcnsouniag bei de» . Grlg.-Lndapestern (Uant�ky und Spitzer): Eilt edles Weib Schauspiel in 1 Alt v. Theobald. Freund Fritze Charaltergemäldc von Armin. Morgen Montag u. folgende Tage: Das Armband— Das Modell. IGebritllerUerrvsellt's I. Orlgliial- Rndape�ter Vossen- u. Operetten- Theater in Kaufmaini's Vari�td Heuto Todtensonntag: Der Lumpensamntler. Wiener Lebensbild in zwei Akten v. C. Hölzer. Hauptrollen: Anion und üonat Herrnfald. NU?- Keiner das hervorragende Künstler-Ensemble; Gust. Schmidt, Opernsänger. Dreher und Sehober, Salonjodler. Gebr. Forrö, Instrumental-Virtuosen. Frl. Herraine von Seidern, Wiener Sängerin. Gustav Eose, Charakteristiker. Dr. Guido Steinitz. Improvisator. Anfang 7 Uhr. Kasseneröffnung 5 Uhr. Morgen Montag: Ein Abend im Wintergarten Im und sämmtl. Spezialitäten. Alcazar Variötd-Theater I. Hanges. DreSdeiicrstraßc 52/53(Cittz-Pasfage) ilnuenstraße 42/43. DireMoil Richard Winkler. Vornehmster Familien- Ansenlhalt. Mit durchweg neuer Ausstattung: Tolle Ilei'Hnee Fahrten. Ausstattuugs- Burleske mit Gesang und Tanz.— Vorher: Junge Männer u. alte Weiber. Lustspiel in 1 Alt von Th. Apel. Anstrcteu sämmtl. Knust-Spezialitäten. Altkllllll' Wochentags 8 Uhr. ZlNslllllt« SouutagS lll/z Uhr. �«ntree 30 I'f."TSBffi Ncscrvirtcr Platz 60 Pf. fecn-Palast LL llnrgstr. SJÄ. | Dir.: Winklcr«& tT-Ubel. Nur ciuiualige Ausführung: �«siavenliebo. Liedcrspiel. Hauptrolle«: Hedwig Dähu. Eiuilie Frei. Fritz Walde. Wilhelm Fröbel. Dazu das neue sensationelle Nobeiuber-Prograuiin. 20 Nmnmer». Künstler I.Ranges. Lebende Photographien u. s. iv. u. s. w. Anfang 6 Uhr. Entree 30 Pf. V. Hosek'8 Theater IC r n n n e n- 8 t r a s s c 10. Heute(Todtensonntag): Die Klinde von Karis. Schauspiel in 5 Aufzügen. Nach dem Französischen von Herrmann. Montag: Tie Blinde von Paris. �han"4" Sanssouci Koitbusrr Straffe Rr. 4 a. Dir. H. Pierrv. Artistischer Leiter Jos. Zlschinger. Groste Extra-Borstellung! Das vierte Gebot. Dllztl das Wl'zitklilhe Prograitlttl. Anfang: Konzert 6 Uhr. Vorstellung 7 Uhr. Entree 50 Pf. H. Plcrry. Maehr'sTheater Oranlcnstrasse 84. Mk"(ümtUrft"WG Theater- n. �tnezialltüten- Vorstellnng. XovItUtoii-Progfaniiii. Ntll!Mr.Bobtj,ZS,Nt,l.' mit feinen Wunderhunde». Die W a l d r o s e, Volksstück. Neu! Der Klingeljunge von Bolle, Volköstück. Uttkuttft» Wochentags 8 Uhr. JiniHlig. Sonntags 6 Uhr. Preise wie gewöhnlich. dt'vu« Bnsch (Itahnhof ICOrse). Sonntag, 21. Novbr., abends 7� Uhr: BHtc-�hcnÄ. _ Besonders reichhaltiges und gewähltes Prograinm."UM U. a.: 4 FuchShengste als Thurm- springer, dressirt und vorgeführt vom Dir. Busch. Leopard, Mecklenburg. Bauernpferd, dressirt u. geritten von Herrn Foottit-Burghardt. Double Trick-Aet, ausgeführt von Geschw. Powell. üftF" Uns lebende Carousscl, vorgeführt von Sign. Corradini. Ein Meisterstück d. Dressur- lunst.-WG Ziethen aus dem Busch, ein Husarenstückdien. Der Elefant Baby, vorges. von Sign. Corradini. The Rhder-Trio. die besten Slaters der Welt. Die Elite-Alrobaten Gebr. Borghetti. Gebr. Batta, eine Veloei- pede-Fahrt an der Cireusdecke. Morgen: Raeh Sibirien. Saud. Schläfst, findet Herr od. Dam- b. Lehmann, Nauuyustr. 3, Stfl. 1 T» Schläfst, z. venu. Nvack, Mauteuffel« straffe 60, l. Ausg., v. 2 Tr. 1983b Mobl. Schläfst, z. verm. Mauteuffel- straffe 47, 1 Tr. l., Hof. 1986h Möbl. Schlasst. zu verm. Reichel» bergerstr. 37, v. 2 Tr. bei Ramm. Möbl. Schläfst, f. 2 H. b. Wittwe Bittermann, Oranienstr. 34, v. IV. Freundl. Schläfst, bei KoslowSli, Kl. Franlsurterstr. 10. 1940b Genosse findet Schlafstelle bei Drechsler, Reichenbergerstr. 37, v. pt, Frdl. Schläfst, s. H., sep., Wasserthor- straffe 45 b 1 Tr. bei Bien. 1943b Schön möbl. Schlafstelle zu veri», Prinzenstr. 18, H. 3 Tr. b. Keimling. Möbl. Schlafstelle zu verm., allein, Schlegelstr. 10, H. l. 3 Tr. b. Petersen. Möbl. Schläfst., sep., 1 oder 2 H., Sebastiaustr. 66, v. III r. 1932b Freundl. Schläfst, an l od. 2 Herren zu venii. Schulz, Liegnitzerstr. 41, H, Quergeb. 3 Tr. 19316 Möbl. Schläfst., sep., 1 oder 2.tv, Gartenauss., Alte Jalobstr. 56, H. IV> Separate Schläfst, für Herren verm, Babing, Wienerstr. 37, v. 4 Tr. Schlasz. f. 2 Herren od. Damen, nutz sep. Eing., ist sofort zu vermiethe» Waldemarstr. 28 bei Jönicke. 1548b'' Möbl. frdl. Vorderzimmer z. verm, Dresdnerstr. 136, IV. l. Ww. Jagielsli. Frdl. Schlasst. s. 1 od. 2 H. z. vm. Plan-User 39. H. 3 Tr. 1948» MSblirte Schlafstelle für Herrn Ritterstr. 126, 4 Tr. r.__ 1977b Schlafstelle f. H. od. D., sep. Eing. Chanüssovlatz 2, H. II, b.Grzeskowial, Möblirte Schlafstelle Fehrbelliner» straffe 30, H. I, b. M. Pohl. 1995S Möbl. Schlasst. f. 2 Herren z. vm. Anneiistr. 38, III, r. b. Schepp. 19598 Nannynstr.84,v.Ill.Schlsst.Ww.Meycr, 4 Für möbl. Zimmer Theilnehmer ge- sucht Reichenbergerstraffe 38, II r. Frdl. Schlasst. mit sep. Eing. bei Jgnee, Adalbertstr. 68, Hof 2 Tr. Möbl. Schlafstelle f. H. b. Gilt(che, Weberstr. 46, Quergeb. I r. 1969b Bill. möbl. Schläfst, an 2 H. b, Hofsmann, Schinlestr. 11, v. III r. Möbl. Zimm. an 1 od. 2 H. sof. bill. zu verm. b. Theresia v. Rhoeden, Schönleinstr. 16, v. IV. 1934d Möbl. Schläfst, f. H. Reichenbergerstraffe 50, II r. 19896 Schläfst., möbl., 7 M., an Herrn. Naunynstr. 21, v. 4 To. l. 1984b Schlasst. b. Jankowska, Rheins- bergerstr. 31, II. 1967b S. Schlasst. f. 6M. b. Ww. Oergel, Mantenffelstr. 78. 1960b Möbl. Schläfst, z. verm. Schwerin� straffe 7, v. 4 Tr. b. Wasd>lewsky._ Frdl. möbl. Schläfst., sep. Eing., zu verm. b. Küster, Louisen-User 7,. Quergeb. 1 Tr. 1994b Schläfst, f. 2 H. b. Friedrich, Kirch- bachstr. 7, Seitenfl. I._ 19656 Schläfst., sep., Brunuenstr. 145, 4 Tr. Eine Schläfst, zu verm. b. Schön- Wald, Zoffenerstr. 44, H. 1 Tr. r. Schläfst, f. H. b. Ww. Meinte, Drcsdcuerstr. 3, v._ 19041) Schlasst. f. 2 H. b. Ww. Linke, Mantcuffelstr. 40, v. 2 Tr. 1956b Schlafstelle für Herren zu verm. bei Glück, DreSdenerstr. 3, v. 3Tr. r. Schläfst, f. H. Feilnerstr. 5, 4 Tr., Eing. Jakobstrnffe. 1941b Gr. möbl. Zimmer 2 Hrn. ä 9 M. Koschuta, Gneisenaustr. 20,. Quergeb. Schlafftelle Nostizstr. 17, H. 1 Tr. r. Gut möbl. Schläfst., sep. Eing., für 2 anst. Herren, Fürstenwald erstr. 15, 2 Tr. r. 19470 Möbl. Schläfst, für 1 Herrn(9 M.) zu vernr. Train, Gr. Frankfurter- straffe 48, v. 4 Tr. r._ 19426 Möbl. Schläfst. Skalitzerstr. 144, v. 3 Tr. l. 1945b Fr. möbl. Schlasst. f. Herrn, Franz- straffe 7, H. 1 Tr. bei Adam. Möbl. Schläfst., sep. Eilig., Lausitzer- straffe 50, I, Richter. 1991» Sidifiutfl!"VE N�tknng! ParteigeiioWiltil«ich-Ceiioiseit htS l BahlKeiseS. Dlensttag,»hr. im Daale der Brauerei Königstadt. Schönhauser Allee 10/11: Gr. öffentl. KolfsvechmmlUg. TageS-Ordnung: I. Was verlangen wir vom Rathhaus? Nefcr. NeichstagS-Adgeordneter �.rtixir Gtadtbajren. 2. Diskussion. 221/18 DM- Die Kominiiiialwähler des 32. Wahlbezirks sind ganz besonders zu dieser Versammlung eingeladen. Um recht zahlreichen Besuch ersucht Ha« Wnlilkoniitce. Achtung! Achtung! Parteigellossiillleil inii)»Geiitfcn hcS 6. Wahlkrtists. Am Dienstag, den 23. November, abends 8 Uhr. im Lokale des Herrn Hranz(Viktoria-Garieii). Badstrasje 13 Grsße �olksoerMmIiiilg. TageS-Ordnung: 1. Vortrag der Genossin Ibrer über:„Die Schulfrage und die Kinderauöbeulung vor der Berliner Stadtverordneleu-Versammluna L. Diskussion. Um zahlreichen Besuch, besonders der Frauen, ersucht 1/12_ Hie Vcptraacn*por»on. Ooffentlirhv io)it]itnnitlniiiljl(i-=yrrriinnnlitn9 für ben 38. Kommiiiml-Wahlbezirk am Hontazx, den Ä». Xovenibcr 1807, abends S'A. Uhr, Im 8 aale des Hrn. Taegcr, Onrtcnstr. 13 1-1. T a g e s- O r d u u» g: 1. Vortrag dcS ReichStagS-Abgrordueten Frit- hflnbeil über: Tie Bedeutung der bevorstehende» Stichwahlen für die arbeitende Bevölkerung. 2. DtSknsston. Zu recht zahlreichem Besuch ladet ein 221/7 Ha« Komitee. Ach öffentl. BMersllWlW Niv ÄVoiLenfeo nnd Mmno«. am Montag, den 22. November, abends 8 Uhr. im Saale des Herrn«alke(Kaiser Wilhelm). Köiiig-Chanssee Nr. 40. TageS-Ordnung: 1. Bericht deS Gcmeindevertretcrs Genossen Karo«'. 2. Diskussion. Z. Wie stellen wir unS zu den nächsten Gcmeiiidcvertreter-Wahleii? 4. Bcr- schiedenes. 109 lb Sämmtliche Gcmeindevcrtreter sind schristlich eingeladen. Zahlrelchen Besuch erwartet ____ Die BertrauenSPerson für Weistcnsee. kcMmtf. STnckatenre! Montag, den U. Noveinber, llbtnds 8 Uhr, bei Bnske, Crenadierstr. 33: AKttKlIvÄvr- Tersammlimg. Tagcs-Ordnung: 1. Vortrag deS Genossen bValdeek Haan««« über Religion und Militarismus. 2. Regelung deS Arbeitsnachweises. 3. Verschiedene Anträge. Um pünktliches und zahlreiches Erscheinen ersucht 270/14 Hie HrtsverrvaltanK. Verband der Tapezirer. AlltKlAvÄvI.'-'VSA'KaittIRKiTUNAvIR kiliale Xorä: Zloutax, äeu 22. �ov., abeuils 8'/e �lir, lel H«I1ix, Ho«entl»a1er«tr. 12. TageS-Ord iiung: I.Vortrag deS Herrn Hansbaeber über „Mythologie". 2. Diskussion. 3. Abrechnung vom Stiftungsfest. 4. Vereins- Angelegenheiten._ Filiale Süd: Mittwocl, den 24. Nov, abends 8'/- Ulir, bei Znbell, Lindcnstr. 106. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen.laiin über:„Die Lebenshaltung dcS Proletariats". 2. Diskussion. 3. Abrechnung vom Stiftungsfest. 4. Vereills-Aligelegeilheiten. 177/20 Gäste willkoiniiien. Hie Ortsverwaltnnekcii. Kranken-Uittttstühnnsstund der SUeider. (Filiale HerNa.) Dienstag, den 23. November, abends 8V, Ahr, tu den„Armin• Hallen", Konunandnntcnstrasse 20/21 (unterer Saal) s Mitglieder- V ersammliiiig. Tages-Ordnung: 28 9/4 1. Abrechnung vom 3. Quartal 1897. 2. Wahl der gesammten Lokal- Verwaltung für das Jahr 1893. 3. Verschiedenes. UflT" Mitgliedsbuch l c g t t i m t r t."VS _ IHe Ortsver'waltnng. Zentral-Kranken- u. Sterbekasse d. Tischler und anderer gewerblicher Slrbeiter. 191/11 E. H. Nr. 3 in Hamburg. Oertl. Verwaltung Berlin<5. Infolge Krankheit desBevollmächtigten K.Xlosv, Pallifadellstr. 17, finden die Sprechstuiiden desselben vom 22. d. M. ab bis auf weiteres statt bei Karl Scholz, Posenerstr. 3, v. Kelter. Die Ortsverwaltnng, Mlbuiigsvereitt„Mehr Licht". Sonntag, 21. November, abends y27 tthr. Alexanderstraste 27c: MP Versamniluiig."WU T.-Q: Vortrag über:„Wesen und Werth des Spiritismus!" Referent Herr Hr.£«bert Hüllcr.- Diskussion.- Darauf: Geselliges Bei- samn, ensein und Tanz. Diskussion- Gäste herzlich willkommen.- Entree 10 Pf.— Garderobe 10 Pf.______ �7/16 Achtung!-Ä Achtung! Lithographen, Steiiidrucker u. Berufsg. Berlins und Umgegend. Mittwoch, 24. November, abends 8V, Uhr. in den„Armtnhallen-, Kommaudantenstr. 20: GeffenklichV Verfnmmlung. TageS-Ordnung: 1 Die neueste Untemehmcr-Organisation und die Zukunft der Arbeiter. Referenten: Kollege Schöpke und Kollege Tischendörfer. 2. Diskussion. L. Verschiedenes. W2/12 >'11 Kollegen' In Unternehmerkretsen plant man eine neue Entrechtimg der Arbeiter: es ist darum ein- Ehrenpflicht jedes«oflegen, in dieser B-r- sanimlung zu erscheinen.»er«inbernfer: R. S ch ö p k e. Deutscher Kolzarbeiter-Verband. (Zahlstelle Berlin.) Dienstag, den 23. November, abends 8 Uhr, bei Stechert(früher Jovl). Nndreasstr. 21: Dranchenoersammluug der Tischmtlcher. Tages-Ordnung: Die gegenwärtige Lage in unserer Branche. Referent: Kollege Tabert. Diskussion. Zu dieser Versammlung ist die Werkstatt von Baunigart u. Söhne, Gr. Frankfurterstr. 29, und Hinner, Stralsiiudcrstr. 7, eingeladen. s288/17 Um zahlreichen Besuch ersucht Hie Ortsverwaltnng. Zentrahrerein der Bildhaner. Vcrivaltnngsstellc Berlin. 39/14 Dienstag, den 23. Nov., abends S1� Uhr, Kopnickerstr. 62; VevsnttnnluntL. Tages-Ordnung: 1. Geschäftliches. 2. Modcllenr-Angelegeu- Helten. 3. Verschiedenes. Her Vorstand. Handels-, Transport-y.Verkelirs-Arlieiter! Hente, Sonntag, den 21. November, abends 6 Uhr: Cärosse Versammlung im„Englische» Garten", Alexandersirasje 27o. TageS-Ord n ung: 1.„Die soziale Bedeutung der Gcschlcchtskraiilheiten". Referent: Herr Or. L. Natkowski. 2. Bericht der Gewerbegerichts-Beiflhcr über ihre Thätigieit. 3. Die Arbeitsverhältnisse bei den Firmen Nikolai, Tabbcrt und Fedkenhauer im Lichte der Kritik. Referent: Kollege Schumann. 4. Verschiedenes.— Freie Diskussion zu allen Punkten. 07/15 Die Uiiterzeichiicten erwarten das bestimmte Erscheinen aller Kollegen, iiisbesondcrc sind aber die Kutscher der Firmelt Nikolai. Tabbert und Fedkenhauer eingeladen. Hie Finbernfcr. Achtung, Stockarveiter! Montag, den 22. Nov., abds. 8'/- Uhr, bei doei, Nndreasstr. 21 (oberer Saal): Oeüentliche Versammlung. Tages-Ordn it.ii g: 1. Der Fall N o a. 2. Diskussion. 3. Bericht der Agitationskommission »nd Neuwahl derselben. 4. Bericht und Neutvahl der Delegirten der Gc- werlschaftskommissioii. b. Verschiedenes. In dieser Versammlung zu erscheinen ist jedes Kollegen Pflicht. 170/14 Die Agitationskommissioil der Ttockarbeiter. Verband veutseber Gold- und Silber-Arbeiter u. verw. Ucrnfsgcnossen.(Zahlstelle Berlin). Dienstag, den 23. Nov.. ad. 8Vz Uhr. im Lokale DreSdenerstr. 4Z: Mitglieder- Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Th. MeOner. 2. Diskussion. 3. Bereiiisangelegeiiheiteii und Verschiedenes. Aufnahme neuer Mitglieder. Gäste stets willkommen. 89/12 Die Kollegen werde» ersucht, recht zahlreich imd pünktlich zu erscheinen. Hie Ortsverwaltnng. Marmor- und Gramtarbeitcr! Hionstag, den 23. d. 91., abends 8 Uhr, bei Hoffinnnn, Alcxandcrstrassc 27«: ©rfffiitlidie Versaminlung. TageS-Ordnung: 1. VierteljahrcSbericht. 2. Vortrag. 3. Diskussion. 4. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen ersucht 207/13 Her Vertranensmann. Großer Franen-Vortrag i»l Hei! verein Kulie in Herlin X.(Wcdding), Hilbrod's Festsüle, Müllersiraste 7. Dienstag, den November., abds. 8V- Uhr, sprilljt zmleill M. Kühe, Nllturhtilkllnblge über(19226 Acrztliche Untersuchungen und Scham- und Sittlichkeitsgefiihl des weibliche» Geschlechts. Ztnr rtlr Francn und ZI ti«leben reiferen Alters. Geschäftsstelle d. Heikv.„Kube", Charlotteuburg, Berliuerstr. 125, Hl. VMLdTOröj'Ansselmnk Rixdorf ilQr Grosso 8Ulc. Mittwochs und Sonntags vr.?rej-aoll2?rt. M Vorzügliche Küche, Wursipaviflou, Schieststaiid, Kegelbahnen u. fonsttge diverse Belustigungen. Fisbabn. v 344VL»s Pferdebahn vom Moritzplatz für 10 Pf. bis zur Brauerei. Kein Faden! Aufruf: Oolcfiene 61 Oranienstrasse 61, Ecke Moritzplatz I. Etage. Lager fertiger Herren- und Knaben-Garderobe ■' DD Eigene Werkstatt im Hanse. 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Wahlkreis. Acht»«! Sonntag. 21. November, abds. V'/lUhr. bei Enbeil, Lindenstr. 106; Uersammflung. TageS-Ordnung: Vortrag der Genossin Ida Altmann über: Einiges von unseren schwarzen Brüdern. Nach dem Vortrage: Gemüthliches Beisammensein und Tanz. 212/17 Die Bertraueiisperson. Freireligiöse Gemeinde zu Berlin. Zum Besten des Bansonds! Sonnabend, de» 27. November 1807, in Louis Keller's Festsülen» Koppenftraste 20: Scone! Vokal- u. Instrumental-Konzert unter Mitwirkung des Gemischte» Ehors der Freireligiösen Gemeinde, Dirigent: Herr Konzertsäuzcr Heinemaiiu. sowie der Mäiiner-Gefangvereine kornblume, Treue, Oft- u. Westpreusten u. Georginia(M. d. A.-S.B.), Dirigent: Herr Musiklehrer Richard Stih. Jnstrumental-Konzert: Vene« Herl. Konsertorebester, Dirigent: Herr Otud. Tieh. BilletS 25 Pf. Nach dem Konzert: Van?:, Herren, welche daran theil- nehmen, zahlen 50 Pf. nach.— Anfang pünktlich 8>/, Uhr. Billets sind zu haben bei C h r i st e n s, Miihlensir. 49, Ell: Günther, Gr. Franlsurterstt. 73, in; Eifert, Grüner Weg 58, IV; P e e g e, RüderSdorfentr. 43; in allen bekannten Billet-Verkauisstclleii, sowie in allen Versammlungen. Au der Kontrolle werden BilletS nicht ausgegeben. Ko 1836b Has Komitee. ]S»abe's Festsäle, Kolbergerstrasse 23. Sonntag, 28. November 1B97: Orosse Siatänee zum Besten der ausgesperrten engl. Maschinenbauer arrangirt vom[19621s Gesangverein„Nordwacht" (M. d. A.-S.-B.) Direktion E. Blobel. Anfang prüz. 12 Fhr mittags. Programm 39 Pf. Gesangverein Freie Liedertafel. Hente, Todten-Sonntag: Lieder�Abend im Lokale des Schweizer Gartens am Königsthor. Genossen und Freunde des Vereins sind eingeladen. Ausschneiden: 66/19 S IssäM G. Mlinsel Loh- Tannin-Badeknr Berlin, Wallstr. 70, Ansbacherstr. 19, hat sich in den wenigen Jahren ihres BestchenS geradezu einen Weltruf erworben."VV Dieselbe ist bis heule von tauseilden von Schwerkranken aufgesucht ! worden und fast alle haben dieselbe geheilt verlassen. 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M., nachmittags Uhr, vom Schvneberger Kirchhof in der Maxstraste aus statt. Um rege Be- theiligung bittet Die Ortsvcrwaltung. Treffpunkt der Mitglieder nachm. 1>/, Uhr bei Ohst, Grunewaldstr. 110. Gleichzeitig den Mitgliedern zur Nachricht, dab die regelmiibige Mit- glieder-Versammlnng am 21. d. M. ausfällt und am 28. d. M. stattfindet. 29/15_ Die Ortsverwaltung. Gtts-Kranltenltalse für das Goldschmiede-Gewerbt zu Berlin. Sonntag, den 88. November er.. vormittags iv Uhr. im„DreSd. Garten", Drcsdenerstr. 45: LrdentlHemMchMlWg sämiutlicher Herren Vertreter der Arbeitgeber und Kaffenmitglicder. Tages-Orduung: I. Bericht des Vorstandes. 2. Er- gänzungswahl zum Vorstand(2 Ar- Veitgeber, 4 Kaflenmitglieder). Z.Wahl des Rechnungsausschufses pro 1897 (1 Arbeitgeber, 2 Kasscnmitglieder). 4. Antrag Christoph, Abänderung deS §58 deS Statuts. 6. Antrag Fabcr, Erhöhung des Gehaltes.«. Anschreiben der Aufsichtsbehörde betr. die Zentrali- fation der OrtS-Krankenkassen Berltnö. 7. Verschiedenes. Di- Versammlung wird pllnttlich eröffnet. 89/1/ Der Vorstand. I. A.: Ernst Davidshäuser, Vors., Eiisabethstr. 4b d. Einladungslartc legitimirt. Verband der Korbmacher Berlins u. Umg. Montag, den 22. November 1897, abends 8� Uhr, Oranicnstrussc 58: MitMtt-BttsWinlW. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Disrusston. 3. Streit- bericht. 4. Verschiedenes. Um zahlreichen Besuch bittet 283/19_ Der Vorstand. Orts- Krankenkasse der Korbmacher. Montag, den 29. November, abends 8V, Uhr, Lranienstr. 61; Ordentliche General'Yersammlimg. TageS-Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Neu- resp. Ersatzwahl der ausscheidenden Vorstandsmitglieder. 3. Wahl der Jahres- Prüflings- Kommission. 4. Statutenänderung. 5. Verschiedenes. Um zahlreiches und pünktliches Er- scheinen bittet 283/20 Oer Vorntaied. I. A.: Carl S ch w e d l e r, Vors., Ruppinerstr. 6, v. 3 Tr. Kranken- U»terftut?»»gsverein der Tabakarbciter. Dienstag, den 30. November, abends 8'/, Uhr, bei F e i n d t, Weinstr. 11: ttenernl- Versammlung. Tages-Qrdnung: Rechnungslegung; Angelegenheit Miraß; Verschiedenes. 187/3 Der Vorstand. Carl Butry. Zkugeil gesucht. Die beiden Herren, welche am 25. September aus dem AnhalterBahn- Hof, abends nach VzIO Uhr den Streit zwischen mir und dem Bahnsteig- Billeteinknipser mit angesehen und mir ihre Adressen als Zeugen gegeben, bitte, da selbe abhanden gekommen, sich zu melden bei Freiwald. Linden- ftraffe 47.- Unkosten vergüte gerne. Etablissement Siid-Ost, 75. Jede» Sonntag:«rosser Ball.— Anfang 5 Uhr.— Ende 2 Uhr. Einige Sonnabende sind noch zu vergeben. 2989L* Hermann Brüder. Achtnng, Vereine! JJ. Weihnachtsfeiertag nrofzev Saal frei. Englischer Garten. Alexanderstr 27a. Für Vereine, Händler und Private. kkistbailinschmlilk lllls 6ine Postkiste, enthaltend Engel, Vögel, Glocken, Früchte, Reflex- und andere Kuaeln u s. w.. zusammen 27- Stück Briflant- Glassachen ver- sendet portofrei gegen 5 M. Nachnahme Eduard Wagner, Christbaumschmuck- und Glasaugen- machet, Lauscha in Thüringen. 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Seitdem in den letzten Jahren die öffentliche Aufmerksamkeit sich der Aufgabe der Organisation und Zentralisation des Arbeits- marklivesens in erhöhtem Grade zuwandte, machte sich auch für alle diejenigen Kreise. die aus beruflichem oder wissen- schaftlichem Interesse sich mit der Frage zu beschäftigen hatte». das Bedürfuiß»ach einem eingehenden Werke geltend, das die Geschickte und die gegenwärtigen Ei»rick?tn»ge» des Arbeilsmarltes in instruktiver Weise darstellte. Die Literatur auf diese», Gebiete war bis jetzt überhaupt nur spärlich, und wer sich nicht die Mühe nahm, das in einzelnen Zeitschriften, wie Haupt- sächlich in der„Sozialen Praxis", zerstreute Material zu sammeln, zu sondern und zu sichten, dem war es nicht möglich, in die Einzel- heilen eines bisher noch arg vernachlässigten Wissensstoffes der praktischen Sozialpolitik einzudringen. Aber diese Arbeil nmrbe immer mühseliger und zeilraubender, da die Masse des Materials fast von Monat zu Monat mehr amvuchS. Aus diesem Gesichts, punkt heraus war ein Werk, das sich die Mühe nahm, das gesammle Material in übersichtliche Form gekleidet in knappem Nahmen der Oeffentlichkeit zu bieten, von vornherein zu begrüßen. Und wenn in irgend einem Falle, so galt hier das geflügelte Wort des Rezensenten: Das Buch kam einem längst gesühllen Bedürsniß entgegen. Es kommt aber hinzu, daß der verstorbene Verfasser der vor- liegenden Schrift ganz besonders zu der Herausgabe geeignet und befähigt war. Seitdem Reitzenstein im Jahre 1380 von seiner amt- liehen Stellung als kaiserlicher Bczirkspräsidcut vo» Lothringen zurückgetreten war, widmete er seine Zeit zu eitlen» großen Theile gerade dem Sludium des Arbeitsnachweises im Inland wie im Ausland. Eine ganze Reihe von Schriften ans seiner Feder be- faßten sich mit diese»» Thema, das i» der Literatur damals noch gänzlich neu»var»nd für dessen praktisch- politische Behandlung das nölhig« Material mühsain gesnimnelt»verde» mnsite. Neitzenslei» »var einer der ersten»»nd besten Kenner all der Formen und Ein- richtungen, die i» Deutschland»»ter den» Namen Arbeitsnachivcis zusammen zu fassen sind, und darum schon ist sei» Werk nach der rein ivisseuschaftlichen Seite hin an Vollkonniieuhett und Reichhaltig- keit nicht zu übertreffen. Und gerade in der Darstellung der Zustände der vorhandene» Arbeiisvachivcise liegt auch der Hanplwerlh des Buches. So »verlhvoll die geschichtliche Einleitung sein mag, so»vollte der Verfasser lsier doch nur eine kompilatorische Ueber- stcht über die in der volksivirthschastliche» Literatur zcr- streuten Angaben machen, die keinen Anspruch auf eine»visscn- schaflliche Darstellung der Geschichte der Arbeilsnachivcise erhebt. Auch der Schlußthcil des Buches, der a» den vorhandenen Ein- richtungen Kritik übt»nd die eigenen Resormpläne des Verfassers enlivickrlt, kann gegen den mittleren Theil an Bedeutung nicht auf- kommen, schon»vcil llteitzenslei» ihn»vege» Krankheit nicht mehr fertig stellen konnte. Er starb über der Herausgabe des vorliegenden Büches. Dr. Rich. Freund in Berlin hat da»»» auf Wmisch der Zentralstelle für Arbeiter» Wohlsnhrts- Einrichtungen, die die Herstellung des ganzen Werkes angeregt hat, »nit schonender Hand auch de» Rest des Manuskripts für die Drucklegung vorbereitet. Vom Echlnßtheil»vurden ohne »veiteres dem Werke die»venigen Kapitel einverleibt, die sich nach dem Tode des Verfassers gerade noch vorfanden. Bei dieser Zusanliuensetzung ist es klar, daß der Werth des Budes,»vie schon gesagt, sich vornehmlich ans den mittleren und reichhaltigsten Theil konzcntrirt, der die gegenivärtigen Einrichtungen und Zustände des Arbeilsnachiveises enthält. Ihm ist als Anhaug eine reiche Zahl vo» instruktive!» Anlagen beigegeben, die er- schöpfende Auskunft auf die innere Ausgestaltung der einzelnen Nachiveise geben, mögen diese nun öffentlicher, korporativer oder privater Natur sei». Wenn wir schon gesagt haben, daß es für den Verfasser nicht leicht»var, über alle Formen der bestehenden Arbeilsnachiveise sich nicht nur genaue Kennlniß zu verschaffe», sonder» auch die be- stehenden Einrichtungen jeder einzelnen Form in hinlänglicher Voll- ständigkeit zu ermitteln, so»var es noch schn'ieriger, das gesaninielle Material i» übersichtlicher und straffer Weise dein Leser zu bieten. Bei einer verivirrenden Vielseitigkeit der verschiedensten Arle» von Arbeilsnachiveise»», bei de» häufigen Berührungen der einen Form mit der anderen, bei den oft gegensätzlichen Beslrebnnge», die siel» in der Auslassung der an einem Slrbeilsnachiveis Belheiliglei» über diesen selbst bilden, ivar es keine leichte Aufgabe, eine allgemein be- friedigende Einlheilung zu Irrffen und diese gewissenhast und ein- »vandsfrei dnrchznsühreii. Soivcit der Versuch überhaupt ge- linge», kann, darf man Reihcustcin das Zeugniß nicht ver< sagen, daß er Erfolg gehabt hat In vier Abschnitten schildert er die verschiedeuen Hanplsormen des gegenivärtigen Arbeilsnachiveises, jedesmal»nit Berücksichtigung des Auslandes. Er geht vo» der ein- sachstcn»nd natürlichsten Form des Arbeitsnachiveises ans, der sich in» direkte» Verkehr der Betheiligten oder ihrer Bevollmächtigleu vollzieht. Sodann geht er zur Darstellung der Einrichtungen»nd Formen über,»Nittels deren das gegenseitige Aussuche» von Arbeits- kräflen und'Arbeitsgelegenheiten unter Beuntzling einer Ber» »nittelung erfolgt, und schildert hier das Slellenvermiltclungs- Gewerbe, die bcrufsgenossenschaflliche Arbeitsverinittclung»ind cnd- lich die Arbeitsverinittelung der gemeinnützige» Vereine, der Gemeinden und anderer öffentlicher Verbände, soivie der ivohllhäligen und sürsorglichen Anstalten, Vereine und Berivallungen. Besonders eingehend sind die Arbeilsnachiveise der bernssgeuossenschafllichen Vereine und der Gemeinden behandelt. Und diese beanspruchen ja auch im praktischen Leben die meiste Aufmerksamkeit. Auf grnnd eingehender Kenntnis, der Geiverkschaftsbeivegnng entivirst Reißen- stein in diesen» Abschnitt ein Bild über die bestehende» Arbeits- nachiveise unserer Gewerkschaften,»vie es so vollständig bis jetzt »vohl nirgends zu ftuden»var. Dabei»veist er eingehend auf die Bestrebungen sowohl der Unternehmer als auch der organisirlen SIrbeiter hin, das Arbeilsnachiveisivesen in die eigene Geivalt zu bekommen. Diesen Bcstrebnnge» stellt er die koinninnalen Arbeilsnachiveise gegenüber, an deren Berivaltung beide Jnteressenlengruppe» lheilzunehine» haben. Er eröffnet für die Oiganisalion und Zentralisation des Arbeitsmarktes»veilgehende Perspeliiven, ohne aber die Schivicrigkcilcn zu verkennen, die der Verwirklichung dieser Aussichten durch die verschiedenen sozial- politischen Strömungen im Wege stehen. Jminerbin zeigt die »linutiöse Darstellung all der Formen, in denen sich der Arbeits- Nachweis vollzieht, die Zersplitterung»nd die vollständige Un- ordnung des Arbeilsniarkles, er zeigt,»vie»vichtig auch für die Arbeiterbeivcgung und den Arbeiter selbst«ine Organisation der Arbeitsnach>veise ist. Aber sollen alle diese Bestrebungen auf Vereinfachung und Verbilligung der 'Arbeilsnachiveise Erfolg babe», sollen die Versuche einer einheitliche» Organisation Nutzen stiften, so müsse» namentlich die Geiverkschnflen und Geiverkschaflskartelle in viel höherem Maße, als dies bisher der Fall»var, diesem Tbeile praktischer Sozialpolitik ihre Nufnierksamkeit widmen. Wenn man nämlich eines ans den» Reihenstein'schen Buche zur genüge lervea kann, so ist es dies: die Thatsache, daß der Arbeits- marll weder organisirt noch zentralisirl ist, hat die deutsche Arbeiter-. klaffe jedeS Jahr mit ganz erkleckliche» Verlusten zu büße», die um so höher ansteigen, je höher in»nanchen Jahren der. Grad der jeweiligen Arbeitslosigkeit steigt. Wer sich für diese Lehre näher interessirt,»ver in Gewerkschaften oder Gelverkschaflsrartellen thälig, darum verpflichtet ist, den» Thema der Regelung des Abeitsnachmeis- Wesens eingehendere Ausmelksamkeit z» schenken, dem einpfchlei» »vir eindringlich das Reitzenslein'sche Werk z» näheren» Studium der einschlägigen Verhältnisse. Kuczynöki, Dr. R. Der Zug nach der Stadt. Statistische Studien über Vorgänge der Bevölkerungsbewegung im Deutschen Reiche.(Münchener Volksivirthsch. Studien, herausgegeben von Breulauo und Lötz, Li Stück). Sluttgarl 1337. Brentano»vurde seinerzeit vo» den Agrariern aus den» sächsi- schen Landesknlturralh»nd aus der Leipziger Professur hinans- geärgert. In München übt er seitdem edle Vergeltung, indem er seine Schüler mit Vorliebe agrarische Streilsragcn vom Standpunkte liberaler großindnstricller Anschanunge» aus kritisch beHandel» läßt. Was in England infolge der fortgeschritlenercii ökonomischen Eni- Wickelung bereits zur herrschenden,»venu auch nicht zur linnin- schränkt herrschenden öffentlichen Meinung geivorden ist, dafür entfaltet Brentano in Deutschland als Lehrer und Schrislsteller eine rege Propaganda. Die engere Fühlung mit dem englischen literarischen und politischen Leben, die er von jeher gepflegt hat, kommt ihm bei dieser Thätigkeit»vesentlich zu stalten. Das Buch von Kuczyuski»vendel sich gegen die H a n s e n' sche» Beiveise, daß die st ä d t i s ch e Bevölkerung in ihrer Lebenskraft überaus»> i n d e r>v e r I h i g sei und nur durch die ständige Zufuhr der besseren Landrasse sich erhalle und vermehre. Die agrarische iilgitation hat das vo» jeher gelehrt, auch ohne besondere Beweis- führung. Durch Hansen haben dann vor ein paar Jahre»(Die drei Bevölkerungsslufen. 1883) die inleressirtei» Behauptungen der louservativeir Landwirlhschasts- Vertreter de» Heiligen- schein unwiderleglicher,»viffenschaftlich festgestellter Wahr- heilen erhalte». Dr. Kiiezynski geht nuttmehr diesen statistischen AnSsührungii» Schritt für Schritt»ach und«nlhüllt aller- diugs gerade an den grundlegenden Zifferrcihc» Hansen's und seiner Nachbeter(besonders?li»i»o»'s und Sohnrerj's) ein ganz außergelvöhnliches Maß von Einseitigkeit und geringer Nnisicht, sogar von Lüdcrlichkeit. Ilnseres Erachlens ist ihn» der Nachmeis vollständig gelungen,„daß die B c»v e i s e Hansen's»nd Ammon's für das veriueintliche sorlrvährende Absterben der städtischen Be- völkerung n»d ihre Ersitzung durch die ländliche eine»vissenschast- liche Prüfung nicht vertragen. Es ist ihnen auch nicht gelungen, zu zeige», daß die Ursache», dl« sie dafür anführe», als solche»virkcn". Eine» positive» Gegenbeweis zu gunflen der Städte und zu un- gmistcn des Landes zu führen, lag natürlich nicht in Kuczynski's Absicht. Er»vürde ivohl auch nicht zn erbringe» sein. Einmal, weil unsere statistischen'Aufnahuie» die nöthige» Nnterscheidnuge» hierfür nicht hinreichend bieten. Darauf»veist auch 5k. hin. Wir »reinen, daß überhaupt nnr ei» geivisser gelehrter Crelinisinus daran denken kann, besondere Bevölkerungsgesetze für Aulsbczirkc und Land- flecken, für kleine, initllere»nd größere Städte suchen und siildcn zu ivollen. Die Bevölkerungsbeivegung und-Gesnildheit ist in den Landbezirken eine grundverschiedene, je nach den Produktions- zweigen, die vorherrschen, je»ach dem Aufblühen oder Bersallcn dieser Prodnktionsjlveige. je nach der Mobili- sirnilg und Zerstückelung des Bodens, den Erbgeivohn- Heitel», vor allein auch je nach der Beiinischnng der Hans- industriellen Thätigkeit, der Beschäftigung in Gruben und Fabriken, beim Transport. Wenn man ei» crzg.birgischcs Etickerdorf, eine holsteinische Banerngeincinde, eine» posen'icheii Gntobeziik. eine» Berliner Vorort und einen lothringischen Winzer flecke» zusanrmeu- wirft,»vas soll da als das„eine" Bevölkerungsgesetz des platten Landes herauskr, Minen? Ei» Landort mit starker. vielleicht ver- fallender Haueindustrie.»nag in»venige» Jahrzehnten seine gesaninite Bevölkerung verziverge»; eine Großstadt mit»virllich blühender Großindustrie, mit einen» entsprechend hochenlivickelten kouimunalei» Leben, mag die eingewanderten Zwerge vom Lande in ihren Ltachkoinmeir»vieder zu lebenSkrästige» Mensche» emporhebcn. Hier verschiedene, ivomöglich„eherne" Lebensgesetze entwickeln z»»vollen, je nachden» eine Menschen- nnhäilsnng der Stadt- oder Landgemeinde- Ordnung u»le»stclll ist, über die Grenze vo» LOOO, 5000, 10 000 oder 100 000 Köpfen hinaus- ragt— das zeigt nur,»velcheu Verirrunge» man als Statistiker aus- gesetzt sei» kann.-ras. Rothe». Erich, Ter Industriestaat und die arbeitenden Klassen. Berlin 1837. Vertag von I o h. Sassen dach. 21 Seilen Oktav. Preis 15 Pf. Ein mit großer Prätension anslretendes Schrislchen, dessen Ver- fasser sich der'Aufgabe glaubt unlerziche» zn sollen, der sozial- demokratischen Partei für ihr ferneres taktisches Vorgehe» neite Wege vorzuschreiben, falls sie nicht aus ein lodtes Geleise oder gar ans ei» Geleise kommen»vill, ans dem sie den gefahrvollsten Zngznsammenstößei» ausgesetzt ist. Der leitende Gedanke der Broschüre ist, daß die Politik der Sozial- demokralie bisher in»„Schlepptai» der Exporlkapitaliste»»" gelegen hat i»»d daraus berechnet ist, die, heimische Landivirlhschasl zn zerstören". Der Verfasser sürchtet das Eintreten eines Zustaiides, in de»» die Länder, für die unsere Industrie heute exporlirt, sich selbständig gernacht baben»verde» und ans uns iiicht mehr angeiviesen sind. Ob ein solcher Z»»sland einmal ein- trete», oder ob sich das Sl)fte>n des Ineinander- und Fiir- einanderarbeilens der verschiedenen Länder auch in znkänftige» Gesellschastssormalioiien als prakiisch erweisen wird, mag dahin ge- stellt bleiben. Der Verfasser vergißt jedenfalls»»itznthcile», inivie- fern heule die deutsche Landlvirihschast sozusagen planmäßig ruinirt »vird. WaS sie lieferl,»vird ihr glatt abgenonn»«»».'Ja, iveil e»t- fernt von dem Zustand der Degeneration, beflndel sich die deutsche Landivirthschast,»venigsteiiS die Mehrzahl der Großbetriebe, i» technischer Beziehung auf relativ bedeutender Höhe. In»virlhschastlicher Beziehung habe» viele Landivirlhe Schivierig- teilen und sozial liegt noch mehr»»» arge». Aber»vürde daran etivas gebessert werden,»venn die Sozialdcmokralie ihre Politik ans die Zerstörung der Export- Industrie richtete? Das»väre eine kindische Politik! Der Industrie- Arbeiter- schast und der Landwirthschasl»vürde» dadurch die Quellen der Existenz abgegraben»verde». Außerdem sind»vir auch nicht so stark, um sä libitum die Struktur der kapitalistischen Gesellschaft ändern zn können. Wenn der Verfasser der Sozialdemokratie vor- »virft, sie treibe„unfruchtbare Obstruklionspolitil", so klingt das im Munde jemandes, der sich für einen Sozialdemokraten hält, venvunderlich. Wenigstens haben»vir bisher nicht geglaubt, mit nnserein»mablässige», ans die Hebung der socialen Lage des Prolelariats gerichlelen Drängen die Weiterentivickelung der Gesell- schafl zn böhere» Forme» zn>-rsch»vere».— In» zweiten Theil kommt Rot her auf die zu erstrebende Gestaltung der landivirthschaftliche» Ver- Hältnisse z» sprechen; er sieht das Heil in taiidivirthschaftlichei» Genossen- schaften und stellt»niler anderem den kühnen Satz ans, daß die Landarbeiter„als Klasse für»ins nicht vo» dergleichen Bedeutung sind,»vie der Baneriistand". Daß die entivickcllcn Ideen nicht»ilir falsch, sonder» mich keineswegs Originale sind. nur nebenbei. Die Jiidustriesiaats-Befiirchtnngcn hat Professor Oide» berg auf dem letzten Evangelisch-Sozialen Kongreß— aller dings bei ivcitem plausibler und geistreicher— vorgebracht, und über das Panplre» des initllere» Banernthuins ist die Partei schon 1835 in Breslau zur Tagesordnung übergegangen. M. Pf. Jastroiv, Hermann» Amisgerichtsrath z» Beili»:„Das Recht der Frau nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch, dargestellt für die Frone»»." Berlin 1837. Verlag vo» Ollo Liebmnnn. Schon henk«, ivenige Monate nach der Ferligstellnng des Bürgerlichen Gesetzbuches ist die über das neue große Eesetzeswerk erschienene Literatur eine fast unübersehbare. Leider aber steht der Umfang dieser Literatur in keinem Berhällniß zu ihrem Werth. Die nieisteii der veröffentlichten Bücher zeichnen sich durch anßerordent- liche Oberflächlichkeil und Seichiheil ans. Un» so freudiger ist es zu begrüßen, daß der Verfasser des oben genannten Werkes an seine Ausgabe von größeren sozialpolitischen Gestchlspnnklen ans heran- tritt. Die Arbeit Jastrow's kau» daher ivohl als die iverthvollste unter de» Über das Bürgerliche Gesetzbuch seit seiner Fertigstelllnig »elöffentlichlen Schriflen angesehen iverden.— Das Bürgerliche Gesetzbuch hat das Franenrechl ans dem Gebiet« des Privat- rechlS bekanntlich nicht vollständig geregelt. Das Gesinde- recht ist Nllberährt geblieben. Mal» hat es, sagt Jastroiv, leider»»cht über sich vermocht, die vielfach veraltete» ilnd ilihnnianen Vorschrislc» der einzelnen Gesinde-Ordnungen durch ei» Gesinderecht ans modeiner Grundlage zu ersetzen, obwohl die Zeit gebieterisch »ach einein solchen verlangt. Es bleibe» vielmehr mit Ausnahme einzelner Punkte die Gesinde-Ordnungen der verschiedenen Staaten einstweilen»och»veiter bestehe». Soiveit aber das Franenrechl im' Bürgerlichen Gesetzbuch seine Regelung gesunden hat, liegt nnziveifel-. hast ein großer Fortschritt gegenüber dem geltelide» Recht vor. Jaslrow hat mit seiner Ansicht recht, daß, so wenig sonst, uanientlich auf dem Gebiete des Arbeiterrechis, die Hoffonnge», ivelche sich in sozial gesinnten Kreise» an das Bürgerliche Gesetzbuch geknüpft halten, erfüllt worden sind und so wenig der Gesetzgeber das Sehnen seiner Zeit nach.einer moderne», gesundere» RechlSentivickelnng zu stillen ver- standen hat, eine soziale Gruppe in de», nenen Gesetzbuch große >i»d mesenlliche Borlheike errnuge» hat: dos sind die Frauen. Zwar hat auch hier in mnuchen Pnnkle» der Geist des Hergebrachten sich stärker erwiesen, als der der Gerechtigkeit. Aber die Summe deS Forlschritis ans dem Gebiete des Frauenrechts ist doch eine außer- ordentlich große. Und nun das Gesetzbuch fertig ist, fährt Jastroiv fort, begegnet»»an einer befremdlichen Erscheinung. Während alle anderen Sirönninge», ohne ihre Ideale zu vergessen, sieh mit der vollendeten Thalsache zunächst abzustuden suche», ist es gerade ein Theil der Franeii, welcher in heftigen'Angriffen ans das Gesetzbuch sich iiichi genug lhun kann»nd sogar die abenteuerliche Petition ins Werk setzt, man solle das eben beschlossene Gesetzbuch ans das schlennigsle wieder abändern. Bon de» Frauen, welche diesem Vorgehe» folgen, läßt sich ein erhebiicher Theil angenscheinlich durch»»angelhafle Kenntniß Über de» Inhalt des Gesetzbuchs be- stimme». Wie berechtigt diese Bermulhung Jastrow's ist, dafür legen die Versaminlungen der bürgerlichen Frouenvereine in den letzten Monaten beredtes Zeugniß ab. Man sollte es nicht für möglich halten, mit welcher Untennlniß, welcher Ueberhebung und ivelcher Versländnißlosigleit hier über die fortan in, Denlscheu Reich die Reckisstellung der Frau regelnden Vurschrifleu gesprochen wird, obwohl doch die Schrisl Jastroiv's die Gelegenheit giebt, sich über alle einschlägige» Fragen ans das leichteste zn orieiitireii. Diese bürgerliche» Franeilvereine dürften daher besser lhun, bevor sie ihre» Berns als Gesetzgeber in legislative» Borschlägen erproben, zunächst ans Jastrow's Buch zn lernen, welche Slellung die Frau i» den» flengeschaffenen Dtecbt lhatsächiich hat. Die Schrist zerfällt in folgende neun Abschnitte: Die RechtL- slellung der Mädchen, der Ehefrau, der M» t t e r mid der W i t t>v e. die E h e t r e n n u» g, die W i e d e r v e r h e i r a t h» n g, die Rechlsstellffug der unverheirathelen'Mutter, der Adoptivmutter und endlich die Grundsätze fiir die Ueber- gangszeit. Das Hmiptkapilel, die lliechcsstellnng der Ehefrau, enihält fvieder die folgeiiden Unterabtheilunge»: Der Kampf inu die Stellung der Ehefra», die Rcchie der Frau betreffs ihrer Person, das Vermögen der Frau(eheliches Güterrecht) und zwar a) Vo» behaltsgiit. b) eingebrachtes Gnl, o) die Ehesran als Geiverbelreibende, 6) Ehevertrag, serner die Grundsätze für die l e tz l iv i l l i g e» A e r f ü g n n g e n. endlich besondere Ver- hättnisse, die minderjährige Fem», die entmündigte Frau, der elltiilliildigte Mann»nd der eriverbsnusäliige Mann. Bei der Darstellung dieser Lehre» beschränkt sich Jäslro>v im lvesenilicbe» ans eine rein objektive Darstellung, die K r i t i k der gesetzlichen Vorschrislen lriit daneben zurück. Wo aber der Ver- fasser eine solche Kritik übt, kommt er nirgends zn der Forderung großer, prinzipieller Aeadernngen der geltenden lliechlsprinzipien. ivie dies beispielslveis« Anton M enger i» seinei» ungleich be- degtenderen, im«Archiv siir soziale Gesetzgebung und Slalislil" fe>i>erze>t veröfsenllichien'Abhandlungen über den Elitlvnrf drs Bürgerlichen Gesetzbuches und die besitzlosen Volksklassen thul; er beschränkt sich vielmehr durchweg nur ans die Geilendulachnng ver- einzclter Abänderungsvorschläge. Während beispieislveise Meagcr bei der Besprechnng der gesetzlichen Btftinimung«» über die»»ehe- lichen Kinder mit fast leidenschastlichei» Palhos zeigt, welch' nnend-- liches Quant»»» phl)sijche» und moralische» Jammers fiir die Mutter und das Kind vo» frühester Jugend an»iisere einseitige lUassengesetzgedung ans diesen» Gebieie zur nothivendigen Folge hat»nd»vie die bürgerliche Geseilschast i» ihrem eigenen»vohlverstandenen Interesse Beslinnnunge» be- seitigen sollte, ivelche die Interessen der herrschenden Minderheit ans fkoslcu der besitzlose» große» Mehrheit in einer den sozialen Friede» arg gefährdende» Weise begünstigen, begnügt sich Jastroiv mit der Hervorhebung einzelner besonders gröblicher Mißstände. Hierher gehört z. B. das Anshöre» der Unte>h.>llspflicht deö Vaters mit dem fechszehnte» Lebensjahre des»»eheliche» Kindes, ob- »vohl»nit sechszeh» Jahren die Vorbildung des Mensche» zn einen» Berufe noch nicht abgeschlossen ist. Die Konsequenz hiervon ist, daß, »venn ei» Kind nach sechszehn Jahren arbellsnnsähig»vird, die schivächere Mutter alles» mit ihm sich quäle» muß. Mil Recht »vendel sich Jastroiv ferner gegen den Harle» und»»»»Vahren Satz deck Bürgerlichen Gesetzbuchs:„Ein»»»eheliches Kind und dessen Balor gelle» nicht als verivanbl". Das Gesetz selbst hat diesen Satz nicht überall aufrecht erhalle» können. Ten» bei ber Eheschließung hat es bestimuie» müsse», daß der nncheliche Valer»nd sei» Kind dennoch als verivandt gelten sollen, damit ein Vater»»cht seine eigene Tochter heirathe. Im übrige» aber gilt der erwähnte Grundsatz allerdings. Der außereheliche Vater hat deshalb gegen- über den» Kinde nicht die allgeineinen Vaterpflichlen, sondern nnr diejenigen einzelne» Verpflichtungen, ivelche,»vie z.B. die UnlerhaliS- pstichl, das Gesetz ihm desonders auslegt.— Wir gehen ivciler hier ans die einzelne» kritischen AnsflcUnngen Jastrow's nicht näher ei», da,»vie schon hervorgehoben ist, nicht hierin der Werth des Buches liegt, sonder» in der klaren, übersichtlichen, fehlerlosen und trotz der gedrängte» Kürze in den Hauptlehren vollständigen Dar- legnng des Materials.— Zum Schluß»u»»»och ein Wort über das eheliche Güterrecht. Das Bürgerliche Gesetzbuch hat das bisher in Prenßei» geltende Prinzip, wonach der Mann Verivallnng n»d Nießbrauch am Frauenveunögm hat, zwar beibehalten, allei» tu crhcblich gtößertM Maße die Interessen der Frau hierbei 9eschntzt. Vor allem aber— und dies ist für die arbcileiiden Klasse» das cigeiilljch Wesetilliche— ist die das Liecht auf den vi r b e i t s e r tv e r b reqeludc Norm von grnnd ans geändert. Das Allgenteine Landrccht besliinmt:„Was die Frau in stehender Ehe erivirbt, erwirbt sie, der Regel nach, dem Manne." Das Bürgerliche Gesetzbuch dagegen stellt den vom sozialpolitischen Standpunkt ans weit verständigeren entgegengesetzten Satz auf:„Vorbehaltsgut(d.h. der Herrschaft des Mannes entzogenes Vermögen) ist, was die Frau durch ihre Arbeit oder durch den selbständigen Betrieb eines Eriverbs- geschästes erivirbt." In dieser Vorschrift liegt ein so anßerordent- ticher fundamentaler Fortschritt gegenüber dem bestehenden Recht, daß Jastrow an die Landesgesetzgebungen der einzelnen Bundesstaaten mit Stecht die Aufforderung richtet, den Grundsatz vom 1. Januar 1900 an auch schon auf die bestehenden Ehen anzuwenden, wozu die Reichsgesetzgebnng die Möglichkeit offen läßt.„Petitionen, welche dierzit anregen, können greifbaren, realen Nutze» für die Franenivelt schaffen, während die Ihatsächlich in Umlauf gesetzte» Bittschriften um Abäuderiliig des eben beschlossenen Bürger- lichen Gesetzbuches nur dem Schicksal verfalle» können, überhaupt nicht ernst genominen zu werden." da Fuld, Liidwig. Das Recht der HandltingSgehilfen. Hannover, Helwing'sche Verlagsbuchhandlung. 1697. Horrivitz, Hugo. Das Recht der Handlungs' g e h i l f e n u n d H a» d l u n g S l e h r l i n g e. Berlin. I. I. Heine's Verlag. 1897. Mit dem Bürgerlichen Gesetzbuch, also am 1. Januar 1900, tritt bekanntlich auch das neue Handelsgesetzblich in kraft. Der sechste, die Rechtsverhältnisse der Haiidlnngsgchilfen regelnde Abschnitt des Handelsgesetzbuches tritt dagegen schon inil dem 1. Januar 1693 in Wirksninkeit. da inan die sozialpolitisch bedent- samen Vortheile des neuen Gesetzes dem Stande der Handlungs- gehilfen und Handlnngslehrlinge möglichst zeitig zu theil werden lassen wollte. Den damit sich ergebenden neue» Rechts- zustand zur Darstellung zu bringe», ist die Aufgabe der vorerwähnten Schrislen, deren Verfasser beide Rechlsauwalte sind. Eine Förderung des Gegenstandes bringen beide Arbeite» nicht. Junnerhi» ist der Schrift Fnld's nicht nur wegen ihrer weit ansprechenderen Form der Darstellung, sondern auch wegen der größeren sozialpolitischen Gestchlspnnkte, von denen ans der Per- fasser den Gegenstand behandelt, der Vorzug z» gebe». Wer sich mit dein kommenden Rechtszustaud eingehender vertraut mache» will, thut jedoch besser, sich, abgesehen von dem meisterhaft klare» Gesetzes- text selbst, an die Denkschrift zum Entwurf deS Handelsgesetzbuches, aufgestellt im Reichs- Jnslizamt und an die Verhandlungen im Reichstag zn hallen, unter denen die Rede Stadthagen's in der Sitzung vom 10. Februar 1897 den ersten Platz einnimmt. du. Türk, Karl: Der Kampf um daS D e u t s ch t h u m. Böhmen, Mähren und Schlesien. Mit einer Sprachciikarle. München, 1698. I. F. Lehman». Die vorliegende Broschüre bildet ein Heft des vom Alldenischen Verband herausgegebenen Sanimclwerkes:„Der Kampf um das Deutschlhni»", in dem„in übersichtlicher und erschöpfender Weise die Lage des Dciitschlhums auf der ganzen Erde" geschildert werden soll. Für die Darstellung des Natioitalitäteiistreiles in Böhmen, Mähren und Schlesien hat mau sich den österreichische» Abgeordneten Türk ausgesucht. Wer ist Karl Türk? Ein schlesischer Thierarzt, der ins Parlament kam, weil er zn den älteste» Auhängern Schönerer's zählt. Andere Qualitäten besitzt er nicht. Das scheint aber den„Zllldcntschen" Befähigungsnachweis geuiig. Und so wurde Herr Türkder Verfasser einer nalionale» Kampsbroschüre. Viel Anwerlh wird diese nicht finden, nicht cininal bei den„Urteutschen", die doch sonst schriststelierischcn Leistungen gegenüber so genügsam sind. Die Ge- schichte sängt schon ans dem Titelblatt mit einer Schiefheit a». Der Verfasser wird da als Reichsrath bezeichnet. In Oesterreich bilde» Abgeordiielenhaus und Herrenhaus znsamnie» den Reichsraih; der Titel Reichsrath existirt nicht. In Bayern nennt man ei» Mitglied der erste» Kaminer einen Reichsraih. Das Heft selbst beginnt niit einem geschichtlichen Rückblick, der bei den Bojern einsetzt und mit der Taafie'schc» Wahtreform-Vorlage endet. Das Ganze ist nichts iveiter als ein leeres, ivortreuhes Gerede, das jeder nicht ganz dninme österreichische Gymnasiast auch z» stände brächte. Tann folgt eine Cbarakterisirnng der Badcuischeu Spracbenverordnnng und eine Statistik des deutschen Sprachgebietes i» Böhme», Mähre» >i»d Schlesien. Der letztere Tbeil enthält manches Interessante, aus das Konto des Herrn Türk ist es freilich nicht zu schreiben. Zum Schlüsse gebt der Verfasser die Reichsdeutschei, um Beistand a» und empstehlt als Allheilmittel die Sonderstellniig Galiziens, die Ausfnhrnng des„Linzer Programms" und den Boykott gegen die Czcchen, besonders gegen die czechischcn Arbeiter. Von der Wirthschastsgeschichte der Sudetenländer und von de» heule in diesen Gegenden bestehenden tvirthschafiliche» Verhältnisse» hat der Verfasser keinen blaue» Dunst Nur das eine weiß er nnd spricht es auch ganz traurig ans: daß a» der Verczecknnig Nordböhmens die deutschen Fabrikanten, die den„dinlschnationalen Schntzvereineu" alljährlich erhebliche Spenden opfern, die Haupt- schuld tragen. Von dem Hilss-Aemtcr-Direktor-Stil, in dem die Broschüre geschrieben ist, mag der nachfolgende Satz, der gleich auf der erste» Seile anhebt, eine Probe bieten: „Die Czcchen sind es, welche mit immer gesteigertem Hochdrücke, unterstützt durch die Zeit nnd politischen Verhältnisse und gefördert durch den feudalen Adel und die katholische hohe und niedere meist czechische Geistlichkeil mit allen Mitteln dahinarbeiten, sich der Allein- Herrschaft in einem czechischcn Großkönigreich mit Mähren und Schlesien zu versichern, die Deutschen in diesem Staate dann rücksichtslos zn slmvisire» oder doch zu bloßen Heloten herabzndrücken, und so- dann von diesem slawischen Bollwerke aus dem Südslawenthume in Krain, Jstrie» und Kärulhe» mit Südsteiermark die Hand zn reichen zur Unterdrückung und Berczechnng des DeulschthumS auch in den Alpenläiiderii, um solcherart den slawischen Nationalstaat vom Fichtelgebirge bis an die Adria wieder herzustellen(Womit aber die Pläne der Czechen noch nicht erschöpft sind, da sie vielmehr darauf denken, auch den Polen in Prenßisch-Schlesieu. Posen nnd Preuße» die Hand zu reiche», um solchergestalt das Gernianenthnm von Süden»»d Osten zn niiiklauunerii) wie er einst unter König Oltokar II. eine Zeit lang bestände» hat, allerdings nicht ohne Ein- schränknug durch ein Lehens- und Abhängigkeitsverhältniß zum Deutschen Reiche, das sich auch der stolze und herrschsüchtige Przemyslide gefallen lassen mußte." Es ist komisch: Von all' diesen ur- und alldeutschen Schreiern in Oesterreich kann kaum einer deutsch schreiben; und die meiiien ihrer„Vorkämpscr" zeigen jeden andern,»ur nicht den deutschen Typus.—— s. Eiiigelanfene Truckschriftcn. gn Frei»,, K«,>»d»», ZIlustrtrte Momanbibllolbel für da» ardettende Voll lBeilin, Verlag der Vuchdandluva Vo wärtS) Preis pro Heft>?Pf., enthält in Nr. es und«7 den lauf.,. de» großen No»>a»: Ter Kampf um die Scholle»vn Eilfe Orzeglo lyortsehungi.— Ferner i St» undelilnier Siufche.—!» h- auflen(NoveltiNe von Sg Persisch).— Tie? und Jene»(geuilletontftische und tulturhistorijche Sttz>en).— Wig und Scherz. Vo» der ,31»»«» Zeit"(Stuitfiort, I. ß. W. T I« tz' Verlag) ist lsoedi» das s. Heft tu« i«. Iahrgana« erschiene». An« dem Zuhält Heden wir hervor: Tainit Mouarchisie».— Die Menge und das Verbrechen. Vou Eduard lö, rüstet». — Tic ölonomtichen girundlagc» der Mutlerherrlchast Von Heinrich Tunoiv. (Schlich)— Tie bisherige» Mgebnifs« der Boitsjählung in N»bland.— U»Ier- suchungcn über die Kindheit Von Busigv Schönseidi.— Noiizen: Aitohol- biitmng in der Pfianze oh, e lSährungssaeger.— Feuilleton: Ter gelbe Tomino. Montan von Maicel Prevost. lForlsehnng.) m bekannte Central-Haiis D. Kirschner «tfird wslistlniiig aufgeiSst. Nachdem meine Lokalitäten behufs Aufnahme der Waareu Bestäude mehrere Tage gefchlossen wareu, findet nunmehr B"#" ein wirklich reeller TW[BLB.VSVUaSAVE statt, welcher alles bisher Dagewesene in den Schatten stellt. Meine bis in die c»tfcr»testcit Provinze» bekannten billigen Preise habe, nm da? Lager schnell zn verkanfei», wesentlich herabgesetzt nnd dadurch dem gcsauluiten Publikni» Gelegenheit gegeben, die diesjährigen WsikriaOkts-Lirik.Aiit's Spottpreisen.. Es versäume lreiner» sich mindestens, bevor zu den geschritten wird, fich von mir ttltb geben zn lasten» nm dann mit den Maaren der gesammten Konkurrenz Vergleiche anstellen z« können. KM" Im übrigen schützt das Gesetz"MZ gegen den nnlnnteeen?Vetflrezneel> das Unklikum vor nnnrnlzeen Tlz�tfnlsxezt. DaS gefammte Lager besteht nur ans Seidenwaaren, wöllenen Kleiderstoffen, Sa in nieten, Morgenrockstoffen, schwarzen Stoffen, Ball Stoffen, fertigen Unterröck:en und Futters toffen._ Fyoiier nnd Crefelder Seidenwaaren In schwarz, couleui't Damass�e, Changeant in entzückender Auswahl Meter 50 Pf., 76 Pf., 95 Pf., 1,20, 1,50, 1,80, 2,20, 2,85. Englische, französische und deutsche Kleiderstoffe in schwarz, conleurt und gemustert, in nnahsehbarcr Auswahl Meter 20 Pf., 25 Pf., 35 Pf., 45 Pf., 60 Pf., 75 Pf., 90 Pf., 1,15. Fertige Unterröcke nur gute, gediegene Arbeit in Melton und Inch, extra weit und lang Stück 85 Pf., 1,25, 1,75, 2,00, 2,35, 3,20. Gämmtliche Genres sind im Verhältttisf zu obige» Preise» bernbgesetzt nnd ist es daher fiir das kaafettde Pttblik»»» von strömten» Interesse, die Waare» in A«ge»scheitt zn nehme» nnd den Bedarf schnellstens zn decken, da die besten Genres stets znerst vergriffen werden. Verkauf nur gegen Baarzahlnng ohne jeden Älbzng. CsnlraZ-Hia [1859b El. 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Leute, die auf derartige schwindelhafte Anpreisungen hineinfallen, machen nach sehr kurzer Zeit die trübe Erfahrung, daß sie die aus verlegener und Ramschwaare bestehenden Gegenstände mit dem so„fabelhaft billig" erscheinenden Kaufpreis weit über ihren wirtlichen Werth bezahlt haben. Wer sich daher vor Schaden bewahren will und auf wirklich reelle Bedtenung Anspruch macht, meide solche Geschäfte und besorge seine Einkäufe nur bei soliden Firmen, denn die Preise sind angesichts des heutigen, oft fast schmutzig zu nennenden Konkurrenz- kampfes im e l�g e n e n Interesse aufs billigste gestellt. Gestützt auf den langjährigen guten Ruf meines Hauses,— eine Folge der gewissenhaften Bedienung meiner weitverbreiteten Kundschaft— darf auch ich "'>len. Die Besichtigung meines reichsortirten Lagers in fertigen Anzügen, die Wintersaison sehr zu empfehle». Einige der recht geschmackvollen Muster sind in v.- c,.....--..-........... 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