Jahrg. 3 19 2 1 = heft 11= 15. November Die Frau und ihr Haus Zeitschrift für kleidung Gesundheit Körperpflege und Wohnungsfragen Die Heimat auf dem Lande Beilage zur Heimkultur Von Marie Kröhne, Berlin. Wer Pestalozzis Leben und Wirken kennt, wird wissen, daß er sein ganzes Leben in den Dienst des Volkes und namentlich der Kinder des Volkes stelte. Er schuf den Heimatlosen Bu flucht, Heimat, Bildungs- und Arbeitsstätte in seinen vers schiedenen Anstalten. Dabei gewann er die Erfahrung, daß die Güter des Lebens und der Kultur vou der Wohnstube ausgehen, dort gepflegt und von dort weiter verpflanzt werden. Damit legt er einen großen Teil der Lebens- und Kulturaufgaben in das Bereich der Frau. An uns Frauen ist es in der Tat noch heute, aus dem Zuhause eine Quelle der Kraft zu schaffen. Lebenskraft, Arbeitskraft, Liebestraft sollen hier ihren Ursprung, ihr Vorbild, ihre ständige Erneuerung haben. Während des Krieges Haben wir gesehen, wie start die Mängel der Umwelt, d. h. besonders des häuslichen Lebens, zur Verwahrlosung führten; keine Massenspeisung, kein Kindergarten und hort, feine Fürsorge erziehungsanstalt er sezte den Benachteiligten der Kriegszeit den Wert des Hauses und des Familienlebens. Die am längsten dauernden und am meisten fühlbaren Kriegsfolgen bestehen in der Woh nungsnot. Ihre Behe bung ist aber nicht aus. schließlich eine Raumund Kostenfrage. Was rum wehren wir uns ge gen billige Behelfsbau. ten, Baraden, Zwangseinquartierung? Weil wir solide Verhältnisse schaffen wollen, weil uns fere Jungverheirateten ihr eigenes Reich haben wollen, das sie sich nach ihren ganz besonderen Arbeits- und Lebensums ständen einrichten, weil die Familien für sich" sein wollen. Gegenüber der Unruhe und Un慰 版 ( 98 Gleich he i sicherheit der heutigen Zeit bedürfen wir des festen und frucht baren Bodens, wo in der Stille Leben wird und wächst, wo die Jugend, die ins Weite schweift und einem grenzenlosen Meer von Erscheinungen sich öffnet, immer wieder ihren alt findet, und wo jeder von den Anforderungen der Arbeit und der Außenwelt start beanspruchte Sammlung, Erholung und Förderung findet. Diese Bedürfnisse hauptsächlich muß die Wohnung erfüllen. Sie ist nicht nur Obdach und Aufenthalt zum Essen und Schlafen und darf nicht notdürftig hergerichtet sein für nebensächliche oder unwichtig erscheinende Dinge. Sie muß zum Heim und Heimatboden für alles innerliche, eigene, persönliche Leben werden, ohne das nachhaltige Wir tungen nach außen und für die Gemeinschaft des Volkes nicht erwartet werden können. Wir Frauen fassen die Pflege des Heimes, selbst bei außer11: 205. Novemberabend.( Siehe Seite 86.) G- R häuslicher Erwerbss tätigkeit, am besten als Lebensaufgabean, und in dem Maße, wie uns dabei das Walten im Hause zur Lust und Kraft wird, hat solches Walten zugleich für die Erziehung der Kinder die Wirkung, die das Beispiel froher Tätigkeit für geliebte Menschen immer haben muß: solcher ,, Geist" des Hauses strömt über in die jungen Seelen. Pestalozzi erzog seine Heimkinder durch Anschauung und Arbeit, b. h. die uns umgebenden Dinge müssen zur Lehre und Erziehung ge eignet, nämlich vorbild. lich, brauchbar und zweck entsprechend sein, und wir müssen die Dinge des täglichen Gebrauchs möglichst erarbeiten, we nigstens mit ihrer Her stellung und ihrem Stoffu. Formenwert vertraut fein u. in ihrem Gebrauch die Grundsätze der Wirts schaftlichkeit, Schönheit, Echtheit und Dauerhaftigkeit üben, um zu gleich Tugenden und Lebenskräfte zu stärken. 82 Leider wird auf die Ausstattung unserer bier Wände und ihre Pflege noch ebensowenig Wert gelegt wie auf die Auswahl der Wohnung und Einteilung der Räume. Hier haben wir den größten Irrtum begangen: wir haben uns den Mietkasernenbau und die Massenanhäufung in den Städten gefallen lassen und uns von Mensch und Natur durch Mauern geschieden. Rabindranath Tagore sagt im Anfang von Sadhana:„ Und so erwächst in uns ein starkes Mißtrauen gegen alles, was jen seits dieser von uns errichteten Schranken ist, und es foftet allemal einen harten Stampf, bis wir ihm Aufnahme und An erkennung gewähren". Wohl braucht jede Familie die schüßende Hülle des Hauses wie die Blume den Kelch zur Entfaltung der Blüte. Aber wohnen wir dauernd ge trennt von der Natur, so entsteht im Leben des Einzelnen sowie der verschiedenen Gruppen des Volfes untereinander jene Unnatur, die sich im sozialen Leben bitter racht. Solange wir unsere Wohnstätten nicht wieder in engere Verbindung mit der Natur bringen können, müssen wir uns wenigstens wieder einer natürlicheren Lebensweise befleißigen. 23 Abb. 206 Nicht aber dürfen wir unsere Vorbilder in Haus- und Hausratformen fuchen, die zu unseren Lebensgewohnheiten und unseren Lebenszielen nicht passen. Nicht dürfen wir äußerlich eine Kultur des Reichtums nachahmen, die unsern inneren Anschauungen nicht entspricht. Wer sein Leben auf Arbeit gründet statt auf nuglofen Genuß bon leerem Rammon, der sollte nur in einer Umgebung leben fönnen, die schlicht und echt die Existenzbedürfnisse und die wesentlichen Kulturbedürfnisse erfüllt. Fabrit und Werkstatt müssen gesundheitlichen Mindest auforderungen genügen; im Wirtshaus wird auf ein gewiffes Behagen gesehen. Müssen nicht viel mehr für unser Heint Licht und Luft, Sauberkeit, Ordnung und Gemütlichkeit Selbstverständlichkeiten sein? Sich heimisch fühlen, heißt sich dahingehörig fühlen, sich wohl fühlen; Mensch und Umgebung stimmen dann zu einander. Worauf fommt es denn besonders an? Bligblank muß das ganze Hausgerät sein. Dazu ist nötig, daß es einfache Formen hat. Nichts häßlicher als berstaubte Muschelmöbel und Plüschgarnituren, verfledte Deckchen und vergrauter, ein nial bunt gewesener Jahrmarkt- und Bazarhauszauber. Statt der geschraubten Bettinäufe, der vielfach geferbten und gewundenen Tisch- und Stuhlbeine, der unzähligen Leisten und gef hnitten Dekorationsfüllungen an Schränken und Sofaubauten brauchen wir glatte Flächen, die durch echtes Waterial, schöne Maßverhältnisse und wohltuende, entsprechende Farben wirken. Der Hausrat in Küche und Schlafzimmer, der ununterbrochen gebraucht wird, muß rein praftischen Zwecken dienen und kann nicht folide genug sein. Gin Waschtisch mit empfindlicher Blatte und geschliffenent Spiegel, der aus Furcht, ihn zu sehr abzunuben, täglich mit einer kleinen Emailleschüssel bei der Wasserleitung vertauscht wird, ist zwecklos. Im Wohnzimmer oder dem Hauptraum für den Tagesaufenthalt( Wohnküche) haben wir gern Schmuck, farbenfreudige Belebtheit, Dinge für Mußestunden. Je sparsamer fie vorhanden sind, desto schöner und feiner fönnen wir uns das einzelne Stück leisten ein Hauptbild( Rünstlersteindruc), ein Gefäß für einen Feldblumenstrauß, für Herbstlaub oder Bintergrün, das Sohn oder Tochter von einem Wandervogelausflug mitbringen, ein hübscher Arbeitsforb zur Aufnahme der zu stopfenden Strümpfe und sonstiger Flickwäsche, ein mit abnehmbaren Kissen und waschbaren Bezügen versehener bequemer Stuhl für den ruhebedürftigen Vater und vielleicht ein Wandbrett für Bücher, nicht geschnitzt oder gebrandmalt, aber mit einem verschließbaren fach für die Kostbarkeiten der Familie, worunter auch Urkunden, Zeugnisse, Invalidenkarten und Briefe zu rechnen sind. Für die Ausschmüdung unserer Wohnung an Nippsachen, Basen und besonders an Beleuchtungsförpern ist uns entsetzlich viel Echund aufgedrängt worden. Das Kunsthandwerk und-gewerbe muß aber durch den geübten Geschmack der Verbraucher wieder zn reinen Formen und zur Berwendung guter Stoffe erzogen werden. Uhren, Nähmaschinengestelle, Krüge und Schüffeln, Bilderrahmen, Broschen und vieles andere läßt vermissen, daß wir im Hausrat den Ausdrud zwvedbetoußten Wesens und Handelns sehen müssen. Heute erzieht unser Milieu" zur Oberflächlichkeit, zu unechtem Gebaren, zu Schein- und Eintag3freuden. Frauentand spielt eine zu große Rolle im Haushalt. GKR Die Befferung unseres Wohnungswesens muß nicht nur durch öffentliche Maß nahmen, durch Beseitigung der überfüllung und Aufloderung der Maffenquartiere, son dern, noch während wir in beschränkten Raumverhältnissen zu leben gezwungen find, durch die Verinnerlichung unferer Auffassung vom Wohnen erreicht werden. Das Wohnen muß ein Wurzeln, das Haushalten ein Heimgestalten werden. Diese, Kulturarbeit" wird uns leicht werden, wenn wir täglich die wichtigsten Fragen unseres Lebens tätig zu beantworten suchen, nämlich wozu wir eine Ehe führen, wozu wir Kinder aufziehen, wozu wir leben. Auf diese hinter der rechten Wohnungspflege stehenden Dinge wollen wir das nächste Mal eingehen. Unsere Lampen Zimmers Bei der Behaglichkeit eines spielt die Beleuchtung eine große Rolle, Man hebt oder dämpft das Tageslicht durch passend abgestimmte Vorhänge, man tann mit dem künstlichen Licht noch viel größere Wirkungen erzielen. Nüchtern sind die einfachen Zugpendel, die Lampenteller und Rosetten der elektrischen Beleuchtung, unschön meist die alten Gasarme mit allerlei Verzierung Wie talt wirkt so ein Lichtquell, der unverhüllt von der Decke fließt, ungefund für die Augen und ungemütlich. Um ihn abzublenden, hat man die verschiedensten Formen von Lampens schirmen erdacht, groß genug um Häßliches zu berdecken und bei richtiger Farbenwahl dem ganzen Raum eine besondere Note geben zu können. So faßt man im Wohnzimmer das Licht gern zufammen, daß es nur start auf den Tisch fällt, um den sich die Familie schart, während der übrige Raum im Halb dunkel bleibt( s. Abb. 205). Jm Schlafzimmer liebt man etwas berhülltes Licht, hoch an der Dede, nach unten abgeblendet. Wer wünschte sich nicht eine Stehlampe auf den Arbeits tisch, wie Abb. 206 fie zeigt. Der Leitungsdraht geht hier durch die hölzerne Säule, ein mit leichtem bunten Stoff bespanntes Drahtgestell frönt das Ganze. Und billig, jeder Drechsler tann so etwas maden. Nichts einfacher, als eine alte Gaslampe hübsch zu verdeden, Abb. 207 a u. b. Nur ein Ring ist dazu nötig, an starter Nordel aufgehängt, die durch dicke Holzperlen oder Knoten unterbrochen wird. Der Behang wird mit Köpfchen anfgefeht und mit einer Rüsche abgefchloffen. Eine Anordnung nach Abb. 207e bermag fogar feierlich- feftlich zu wirken: ein grünes Kränzel aus Buchs oder Tannenreis an farbigen Bändern aufgehängt, als Behang ein leichtes weißes Volant. Dies erinnert an den festlichen Brauch aus alter Zeit, too man Tannenkränze mit Wachsferzen beftedte und an roten Bändern aufhing. Eine solche Krone zur Weihnachtszeit ver leiht dem einfachsten Raume Duft und märchenhaften Glanz und erhöht die trauliche Stimmung. G. K.-R. Die Umwelt wird ben der Frau geschaffen. Ihr Geist be lebt die Wohnräume, die Möbel, jeden Gebrauchsgegenstand, ihr Fleiß erzeugt Sauberkeit und Ordnung, ihre Heiterfeit bringt Wärme und Behagen, ihr Geschmack und ihr Lalt schaffen die Formen des täglichen Lebens, des Umganges, der Liebe und der Höflichkeit. Staub, Schmutz und Unordnung die Folgen ihrer Faulheit; Kälte und Ungemütlichkeit, die Wirkung ihrer Berdrossenheit; Roheit und Unfrieden, die Früchte ihrer Ungeschicklichkeit und Lieblosigkeit verdüstern die Imwelt und machen sie zur Hölle auf Erden. Jeder Gedante, jede Stimmung, jede Bewegung, jedes Wort, jede noch so Heine Handlung der Frau teilt sich ihrer lebenden und foten Umgebung mit, zieht enge und immer weitere Streife, über das Haus hinaus in die Stadt oder Landschaft und endlich über das ganze Bolk. Denn das Volk ift die erweiterte Familie und die Gesamtheit seiner Frauen schafft die Lebens und Umgangsformen für das ganze Bolt, wie die einzelne Frau fie für die Familie schafft. Etfe Otto. Was Kinder erfinden Von Martha Stahl. Freude ist die reine, erste Triebfeber fir das Kind zur Auffaffung und Ausführung alles Lebenstüchtigen und Guten. Fröbel. Den gleichen Fortschritt, den wir im Handarbeitsunterricht gesehen haben, begrüßen wir auch in der Aufnahme des Werk unterrichts in den Lehrplan unserer Schulen. Freie Entfaltung 83 A A A 207a 207b 207 c des schöpferischen Willens unserer Jugend ist auch hier das nächste Ziel unserer Reform. Ein überaus sinnreiches Mittel zu seiner Erreichung bietet uns der wundervolle MatadorBaukasten. Sein Erjinder ist der vor zwei Jahren verstorbene Ingenieur Johann Storbulh aus Wien. Er schuf den Baufasten ursprünglich nur für seine eigenen Kinder und baute ihn fpäter pädagogisch ans für die verschiedenen Altersstufen der Kinderstube, des Amdergartens und des Wertunterrichts in der neuzeitlichen Arbeitsschule. Der Baukasten gründet sich sowohl in seiner Einfachheit als auch in seiner mannigfaltigen Berwendungsmöglichkeit auf der Idee der Fröbelspiele. Gr be steht aus hölzernen gelochten Klößen, Brettchen, Rollen und Rädern, welche mittels Stäbchen verbunden werden. Das Wiener Matador- Haus veranschaulicht den Wert von Korbulys Baukasten in einer Wanderausstellung, die auf ihrem Wege durch österreichische und deutsche Städte auch in Köln war und dann in Essen gezeigt wird. Die schönsten Bauten, Spielsachen und Maschinenmodelle haben unsere findlichen Genien in österreichischen und deutschen Schulen selbständig erfunden, gezeichnet und mit dem Baukasten dargestellt. Es schlummern augenscheinlich noch ungeahnte schöpferische Sträfte in Kopf und Hand unserer Jugend, deren Entwicklung zu fördern heute unsere vornehmste Lebensaufgabe sein muß. Schon unsere Jüngsten bringen beim Bauen getreulich zum Ausdrud, was ihre fleine Seele erlebt hat. Es ist für mein mütterliches Empfinden etwas ungemein liebliches, zu sehen, wie finnig hier die fleinen Hausmütterchen für ihre Burpen Tische, Bänke, Schüsselchen, Schaukeln und Wippen gezimmert haben. Selbst die lieben Haustiere bis zu den Hühnern müssen ihr Puppenstübchen beleben. Die größeren Kinder haben landwirtschaftliche Geräte, Wagen und Dreschmaschinen, Sägewerfe, Schiffsmaschinen und SchnellBe pressen gebaut. Ein kleiner Spielmotor freibt fie an. wundernswert sind die Webstühle, an denen unsere Töchter bei ihrem Besuch der Ausstellung buntgemusterte Teppiche für das Puppenhaus weben dürfen. Zu dem Bau einer Hafenstadt, einem Meisterwerk der Lebens- und Heimatkunde hat sich eine ganze Gemeinschaft von Kindern bereinigt. Eine Schar von zweihundert Kölner Schulkindern betrachtet die Stadt mit lautem Staunen. Über ben Strom führen fühne Brücken, und im Hafen liegen zahl reiche Schiffe jeder Gattung. Eine elektrische Bahnanlage mit Bogenlampen zieht sich durch die breiten Straßen. Ein Zug läuft in den Bahnhof ein. Der Leuchtturm zeigt bei Nacht den Schiffen den Weg in den schüßenden Hafen. Der mächtige Bortaltran lädt die Stohle aus dem Zug auf das Handelsschiff. Die große Kirche ist von ihrem fleinen Baumeister so fest gefügt worden, daß man fie an einem ihrer hohen Türme packen und hoch in die Luft heben kann. Die Kinder sehen es und jubeln vor Freude. All die großen Eindrücke aus dem Leben der Arbeit und des Verkehrs haben unsere schaffenden Kinder in sich aufgenommen und geben sie uns mit bollen Händen wieder. Welch herrliche Hoffnung erwacht aus dem Geschauten in unseren Herzen. Aus allen Streifen wollen wir unsere Kinder fammeln zu ge meinfamem Tun. Möge in unserer Jugend burch solch sinnbildliches Spiel die Schaffens freude mächtig erstehen und mit ihr noch etwas weit Größeres, die ethische Arbeitstameradschaft im Hinblick auf bas uns allen gemeinsame große Ziel: das Wohl des Ganzen, das Wohl unseres deutschen Bolles! Dann mag fich einst das prophetische Wort Friedrich Fröbels erfüllen:" Ich will Menschen bilden, die mit ihren 207 d 207e Füßen in Gottes Erde, in die Natur eingewurzelt stehen, deren Haupt bis in den Himmel ragt, und in demselben schauend liest, deren Herz beides: Erde und Himmel, das gestaltenreiche Leben der Erde und Natur und die Klarheit und den Frieden des Himmels." Buchbesprechung. Elternhaus und Schule als Erziehungsgemeinschaft von H. Gaudig. Das erste Schuljahr von N. Eckhardt. Beide Bücher find in der deutschen Elternbücherei als Heft 64 und 55 erschienen im Verlag von B. G. Teubner, Leipzig- Berlin. Preis je 1 M., zue züglich Teuerungszuschlag. □ Im erstgenannten Büchlein be fürwortet der bekannte Schulreformer, daß nicht wie früher die Schule ausschließlich als Lernanstalt für Lehrer und Schüler eine in sich abgeschlossene Sache bleiben solle, sondern er nimmt an, daß in Zukunft den Eltern ein näherer Einblick in das Schulleben ermöglicht werden könne, damit Eltern und Lehrer in gemeinsamer, ersprießlicher Erziehungsarbeit den Kindern ein glückliches und lebendiges Schulleben schaffen fönnen. Die gleiche Liebe zu den Kleinen, dasselbe warme Herz für die Zukunft des deutschen Baterlandes spricht aus dem Büchlein von Edhardt. Er betont die Wichtigkeit des ersten Schuljahres, das die Grundlage legen muß für das ganze Schulleben. Auch er fordert die unbedingt notwendige Zusammenarbeit von Schule und Haus, durch die allein ein findesgemäßer Unterricht für die Schulrekruten ermöglicht werden kann. Möchten viele Eltern im Sinne der Verfasser und zum Glüd ihrer Kinder für die Schule mitarbeiten. Praktische Winke Flicken und Stopfen. Wird die Hausfrau heut und später burch Deutschlands Notlage mehr mit Arbeiten aller Art belastet als früher, so dürfte sie vom Flicken und Stopfen ganz befreit werden fönnen. Tatsächlich liegt nur in Deutschland der Hausfrau das Wäscheflicken und das Stopfen der Strümpfe und Unterwäsche ob. Es gibt zum Ausbessern aller Trikots wäsche ausgezeichnete Maschinen, die das Flicken und Anstriden besser machen, als die sorgfältigste Hausfrau es fann.. In anderen Ländern ist es üblich, daß Frauen bei sich zu Hause Wäsche zum Ausbessern annehmen oder mit einer Stopfmaschine arbeiten, um ihr Einkommen zu erhöhen. Es ist gar nicht so schwer, mit Sachfenntnis ausgeführte, forg fältige Arbeit zu liefern, so daß insbesondere Strümpfe und Trifotwäsche gang inie neu erscheinen. Diese Etopfen find faum zu bemerken. Mene Teile werden eingewirkt. Daß der actige Maschinen bei uns noch nicht eingebürgert sind, ist eine ganz unnötige Mehrbelastung der Hausfrau. In Nom und Baris findet man sie überall, auch ist dort jedes fleine Ge schäft für Nähutensilien eine Annahmestelle für das Flicken und Ausbessern von Wäsche und Kleidungsstücken, das in furzer Zeit in eigener Nähstube oder in Heimarbeit zuberlässig und gut besorgt wird. Auf diesen Gebieten kann nur die Intelligenz und der Unternehmungsgeist der Frauen die Last der Zeit erleichtern oder in Segen verwandeln. Marlife Beust. Wafferstofffuperoryd im Haushalt. Wasserstoffsuperoxyd sellte in feinem Haushalt fehlen. Es ist nicht nur ein vorzüg liches und geruchloses Desinfektionsmittel für Mund und Hals ( wie essigsaure Tonerde ja auch, und genau so angewendet), bei Mundspülung auf ein Glas warmes Wasser 1 Eplöffel voll Wasserstoffiuperoxyd nehmen, sondern es wirkt auch blut stillend. Also bei blutenden Wunden, Nasenbluten usw. an. zuwenden. Aber auch in der Küche zum Sterilisieren benüße man Wasserstofffuperocyd, indem alle Einmachegefäße durch Ausspülen mit Wasserstoffsuperoxyd steril werden. Wo man Schimmelbildung berhüten will, sind Holzfässer, Flaschen, Töpfe und Gläser vor Gebrauch mit Wasserstoffsuperoryo auszuspülen. Auch Tinten- und Obstflecke lassen sich durch eine kleine Wasser. stoff superoxydlösung wieder aus Wäsche usw. entfernen. z. s. 84 E Unsere Abbil dung zeigt einige fehr leicht herzustel lende Weihnachtsarbeiten. Buchs hülle oder Deckel aus Leinen, graugrün mit schwarzer Stickerei. Bügelmuster WK 874, 2 M. Beutel aus breiTeilen, schwarz, Tuch oder Samt, Strichstickerei in blau, rot und bronze. Bügel muster WK 875, 2 M. Decke aus Leinen mit Lochund Flachstichstickerei 40 cm im Durchmesser groß, Bügelmuster WK 876,3 M. Dede aus Gitterstoff mit Kreuzstichstickerei und Hohlfaumrand. Stickereimuster WK 877, 3 M. -134 209 GK- R 208. Leichte Weihnachtsarbeiten. 33 210 -135 211 Schillerkragen und Taschentücher aus Stoffresten Kiffenrolle. Beliebig aus weißem Leinen oder farbigem Stoff zu arbeiten. Die einzelnen Streifen sind mit Zierstichen oder Hohlsaumnaht zu verbinden. Schnitt und Bügelmuster nebst Beschreibung WK 878, 3.50 M. Kindertasche. Aus Tuch oder Samt mit bunter Wolle zu beftiden, Schnur aus gedrehter Wolle. Auch als Nadelkissen ver wendbar., Bügelm. WK 879, 2. Nadelkissen. Blatte mit leichter Buntstiderei, Seitenrand mit Holzperlen ber ziert, die über Seidenbändchen gezogen sind. Rüsche aus gleichem Seidenband um den oberen und unteren Rand. Bügelmuft. WK 880. Preis 2 M. 209. Schürze. Oberteil mit Blenden von fariertem Stoff, Röckchen fraus angesett. Rüdenschluß. Schnittmuster WK 881. 210. Schillertragen, aus fleinen Stoffresten in doppelter Stofflage zu arbeiten. Die Zahlen geben die Größe für einen 12 jährigen Knaben. Die Vorderteile erhalten an den Seiten kleine Spangen aufgesezt zum Durchziehen der Hosen träger. Schnittmuster WK 882, für 10-12, 12--14 und 14-16 Jahre, 1.80 M. 211. Taschentücher. Etwa 25 qcm große Wäschestoffreste lassen sich durch Anjezen von gemusterten Stoffblenden gut zu Taschentüchern verwenden. Die Blenden sind doppelt genommen etwa 4 cm breit mittels Hohlsaum angefeßt. 212. Schürze. Vorderteile und Rüden find freihängend gearbeitet, sie werden nur an den Seiten mit Stoffbändern zusam mengebunden. Schnittmuster WK 883. 212 peer 213 214 215 216 217 85. 213. Kleidchen mit Smofverzierung. In Gürtelhöhe ist das Kleidchen mit einer in bunter solle gearbeiteten Smofnäherei verziert. Ausschnitt und Ärmelrand mit Leiterbörtchen umstickt. Schnittmuster und Stickereiproben WK 884. Stidereiproben nebst Arbeitsonleitung 6 M. 214. Blaurot gestreiftes Alteld. Die verschiedenartig angewandte Streifenmusterung des Stoffes läßt das Kleid besonders gut geeignet sein für größere Mädchen. Zum schmalen Streifen in der Farbe passend sind Kragen und Knöpfe aus Seidenstoff gearbeitet. Schnitt muster WK 885. 215. Zuchflcid. Samtblenden und gestickte Kreise zum Schmuck. Rücken. schluß, Schnittmuster und Stickereiprobe WK 886, Stickereiprobe 1.50 M. 216. Kleidchen aus glattem und fariertem Stoff. Das Röckchen ist an ein Futterleibchen gesezt. Die Bluse in Schlupfform ist am unteren Rand mit breitem Umschlag gearbeitet. Schnittmuster WK 887. 217-220. leider für Damen in mittleren Jahren. 217. Kleid mit Tressenbesaß. Dunkelgrüner Gabardin ist zu dem tittelartig geschnittenen Kleide verarbeitet. Der Schalkragen wird als breite Tollfalte an den Seitenbahnen bis zum Rockrand herabgeführt, die Vorderbahn ist reich mit Tressen besetzt. Kleines Tüllhemdchen am Ausschnitt, Verschluß links an der Vorderbahn. Schnitt muster WK 888. 218. Einfaches Seidenkleid. Römisch gestreifter Seidentrikot zum Schalkragen. Lazz mit Hohlsaumschmud. Rock seitlich in Plisseefalten gelegt, am Futterleibchen befestigt. Schnittmuster WK 889. 219 a 218 219. Plaues Tuchkleid. Rostrotes Tuch zum Besatz. Gürtel, Knopflöcher und Spange roftrot gepaſpelt, Knöpfe aus rotem Tuch. Der Kragen fann auch geschlossen getragen werden, fiehe 219a. Die vorderen Ränder des Leibchens werden oben etwa 14, nach unten 10 cm breit mit dem rost roten Tuch abgefüttert, die Weste wird am rechten Rand dem Leibchen eingenäht, am linfen Rand mittels Druc tnöpfen befestigt. Der Gürtel wird durch gepaspelte Schliße nach innen geführt. Schnittmuster WK 890. 220. Tuchkleid mit ges sticktem Latz und Chiffon ärmeln. Zu dem Kleide ist feines weinrotes Tuch berarbeitet. Lazz und Ärmel aus gleichfarbigem Chiffon. Stickerei in silbergrau und weinrot. Ärmel mit filbergrauem Chiffon unterlegt. überkleid in Schlupfform. Armel- und Seitenränder mittels Stoffipangen, die den Borderteilen angeschnitten sind, verbunden. Lay, Armel und Rock sind dem Futterleibchen anzusezen. Dieses wird in der Rückenmitte geschlossen. Die Ränder des überkleides werden mit 3 cm breiten Seiden- oder Stoffblenden auf der Innenseite beseẞt, die Blenden sind hohl anzufäumen. Schnitt- u. Stickereimuster WK 891. Bügelmuster 5 M. Normalschnittmuster zu den Schürzen und Kinder fleidern für 10-12 und 12-14 Jahre erhältlich. Preis 1.80 M. 14-16 Jahre Preis 3 M. 220 219 Normalschnittmuster zu den Damenkleidern in 90-116 cm Oberweite er hältlich. Preis je 3 M. 86 GK- R wwwwww 00.00 www Zu Abb. 205. Das lintefißende Kind trägt ein Kittelchen in Stridarbeit. Rumpf und Armel: blaue Wolle in einfacher Rechtsstrickerei, Ärmelausschnitt- und unterer Nand: blaue und grüne Wolle. Schnitt- und Strickmuster WK 901, Preis 4.50 M. Die Kittelblufe des zweiten Kindes ist am Ausschnitt leicht eingefcaust mit Blende abgeschlossen mit Schnur zusammens gehalten. Blumenmotiv auf den Schultern mit bunter Wolle geftict. Schnitt- und Stickereimuster WK 902, Preis 4.50 M. Das Kleidchen ist in einfachem Kittelschnitt gearbeitet, mit Berlstepperei an den Rändern verziert, Ledergürtel durch Stoffspangen gehalten. Schnittmuster WK 903, Preis 1.80 m. Schnittmuster der drei Kindersachen für 8-10, 10-12 und 12-14 Jahre erhältlich. Die Tischdecke ist aus grauem Leinen mit einer Stielstichstickerei in buntem Handarbeitsgarn. Stickereimuster WK 904, Breis 3 M. Zu den Lampenschirmen Abb. 207 a, b, c, d, e ver wendet man am besten leichten Seidenbatist oder Schleierstoff. Vogel- und Blumenmotiv bei Abb. 207 c und 207d find in Handmalerei mittels Heliosfarben hergestellt. Un unsere Leserinnen! Für den Weihnachtstisch. 221. Rissen aus dunklem Tuch mit bunter Wolle bestickt. Bügelmuster WK 892, 4 M. Rissen aus grobfädigem Rochelleinen mit Flach-, Stiel- und Punktstiderei. Bügelmuster WK 893, 4 M. Kiffen aus dunkellila gefärbtem Nessel mit leichter Buntstiderei. Bügelmuster WK 894, 4 M. Tischdecke aus grauem Leinen. Quadrateinteilung in schwarzem Kettenstich, Blumenmotive in Buntstiderei, dazu Büffet- und Anrichte decke. Bügelmufter WK 895, 4. Tischdecke mit Flachstichstiderei. Bügelmuster WK 896. Pähkiffen. Streuzstichstiderei auf Stramin. Stidereimuster WK 897, 2 M. Zur Beachtung für die Berliner Leserinnen. Die Auskunftstelle des Arbeits- und Feierkleid" ist ab 19. November in Berlin- Friedenau, Ganovaftr. 1 bei Hüttig. ( Siehe Heft 8, 1921, Seite 62.) Deutsches Garn. Die Vereinigung deutscher Fabrikanten von Baumwoll, Strick- und Handarbeitsgarnen( E. B.) hat ein D. H. G.( Deutsches Handarbeitsgarn) in den Handel gebracht, das dem französischen D.M.C.Garn vollkommen gleichwertig ist. Der genannten Vereinigung gehören folgende Firmen ar Wagner& Jacoby, Berlin SO 16, Schmidtstr. 24/25; Färberei Glauchau A.-G., Glauchau i. S.; Wilhelm Hebebrand, GmbH., Elberfeld; Gebr. Wolf, Naundorf i. S.; Carl Anselm jr., Stolzen berg b. Salmünster; Fischer& Co., GmbH., Neutlingen; Carl Mez& Söhne, Freiburg; Adolf Maas& Co., Berlin S 14, Inselstr. 9. In der letzten Nummer von Fran und Haus" ist uns ein bedauerliches Versehen unterlaufen. Am Schlusse fand sich eine Mitteilung, wonach die Zeitschrift vom Oktober ab mit einer vierfeitigen weiteren Beilage heraus tommen sollte. Diese Rotiz ist irrtümlich in ,, Frau und Haus" hinein gekommen. Die Zeitschrift erscheint in bisheriger Form und bisherigem Umfange weiter, und bleibt daher auch im Bezugspreise wie bisher. Wir bitten das unangenehme Bersehen freundlichst entschuldigen zu wollen. Schriftleitung. Verlag. Spätherbst- Winterheft" bringt die ausführliche Beschreibung der Handarbeiten Abb. 208 und 221, außerHandarbeitsbogen dem Stickereivorlagen zu Buchhülle, Decke aus Leinen, Nadelkissen, Puppenschneiderei. Ferner enthält der Bogen noch weitere Vorlagen zu Weihnachtsarbeiten. Der Verlag gibt Normalschnitte oder Schmitte nach Maß gezeichnet zu den am Schluß der Beschreibungen ange Schnittmusterversandführten Breifen ab. Unſere Normal. und Schnittmusterbogen werden nach, mittelgroßen un geschnürten Normalfiguren gezeichnet. Maße der Normalschnitte für Mädchenkleidung: Maße der Normalschnitte für Knabenkleidung: Miters Dber Ganze Innere Ganze Innere borbere Arms Stufe weite Alters stufe Obers Iveite bordere Arms Altersstufe Länge Länge Länge Länge Aeußere Länge Junere Arm für furze, glatte länge Beinkleider Aeußere Länge Altersstufe für furze, glatte Beinkleider Innere Arm Länge 14-16 86 105 43 6-8 70 12-14 82 95 40 4-6 66 10-12 78 85 37 2-4 62 8-10 74 75 34 1-2 60 8388 6565 60 21 50 2228 29 14-16 66 49 6-8 25 12-14 62 45 4-6 18 10-12 8-10 58 40 2-4 54 35 1-2 29 8232 48 42 36 22222 30 26 23 20 Den Betrag für die gewünschten Schnitte und 60 Pf. Porto wolle man mit der Bestellung einsenden, andernfalls erfolgt zusendung mit Nachnahme, die sich außer Borto noch um 75 Pf. erhöht. Einfachste Bestellung auf Bahlfarte 992 Staris. ruhe i. B. G. Braunsche Hofbuchdruckerei und Verlag, Karlsruhe i. B., Karlfriedrichstraße 14. Wir bitten bei Bestellungen von Normalschnittmustern die genaue Größe, sowie die Schnittmusternummer mit den Kennbuchstaben anzugeben. Gerausgeberin: Elisabeth Röhl, Köln. Verantwortlich für den Schriftteil: E. Röhl, Köln- Klettenberg, Lohrbergstraße 28, für den Bilderteil: 2. Düben, Karls. rute i. B., Karlfriedrichstraße 14. G. Braunsche Hofbuchdruckerei und Berlag, Karlsruhe t. B. 87 Die Heimat auf dem Lande& Bierländer Flidentiffen In den an fünstlerischem Schmud so reichen Vierländer Kirchen( Bänke mit Intarsien und Schnikereien, mit Orna menten bemalte schmiedeeiserne Hutständer u. a.) fallen vor allen Dingen auch die in den Bänken liegenden Kissen auf, teils aus verschiedenen Tuchresten geftüdt, teils aus einem Stüd Tuch gefertigt und bestickt. Die ersteren find die fogenannten Flidenfiffen( Abb. 222 u. 223). Die Bierländer Frauen Abb. 222 haben sie wahrscheinlich aus Resten ihrer Kleiderftoffe u. a. gemacht. Jeder einzelne Flicken ist, um einmal auf die Herstellung einzugehen, etwas größer geschnitten, als auf dem Miffen zu sehen ist. Die überstehenden Ränder sind dann beim Zusammen nähen der einzelnen Fliden nach innen umgebogen. Zwischen je zwei farbigen Flicken ist dann noch ein zusammengefalteter weißer, schmaler Streifen Tuch geschoben, sodaß nachher weiße Linien die einzelnen Farben trennen.( Wie auf Abb. 224 innerhalb des Kreises zu sehen.) Die Farben sind jetzt natürlich an der Außenfeite verblichen. An der Innenseite aber sieht man, daß sie ganz kräftig und leuchtend gewesen sind. Das Rot war ein leuchtendes, feuriges Scharlach- Not, das Gelb kräftig schwefel- goldgelb, ebenso leuchtend grün und violett. Ga tommen Kiffen in sehr einfacher und in feinerer Farben zufammenstellung vor, wo dann auch braun und grau und dgl. hinzu kam. ( Auch geblümte Stoffreite, wenn es nicht anders ging.)- Auch die Muster find teils einfach, teils feiner. Da ist ein Stiffen nur aus roten und weißen Dreiecken zusammengesetzt; ein anderes auch nur aus Dreieden, aber es sind statt zwei drei Farben genommen. Feiner find schon Kissen, bei denen die Mitte durch einen kreisförmigen Fliden hervorgehoben ist. Es tommen auch Muster vor, bei denen Flicen mit edig oder rund gezadtem Rand verwendet sind, oder wo sie zu fleinen Sternen zusammengesetzt sind. Dies alles find schmuck noch heute eine Zierde der Stadt. patrizische Behausungen, also ausgeprägte Stadthäuser. Leider ist uns fein Denkmal erhalten aus jener ersten Generation bon Bürgerhäusern, die sich unmittelbar an das Bauernhaus anschlossen. Wir wissen, daß das bürgerliche Wohnhaus des späteren Mittelalters aus zwei verschiedenen Typen entstanden ift: eben aus dem Bauernhaus, das auf die ältesten Formen der Siedlung zurückgeht und dann aus den Kleinburgen, die die städtischen Adeligen auch hinter die Mauern der Stadt vers pflanzten.( Ber gleiche G. Dehio, Geschichte der deutschen Kunst, 2. Band.) Flachsanbau D.[ Allüberall in deutschen Lan den fah man früher im Früh ling die lieblich blauen Blüten des Flachses. War es doch selbstverständliche Pflicht jeder deutschen Abb. 223 Hausfrau, den Wäschebedarf für Haus und Familie durch Spinnen und Weben selbst zu beschaffen. Es kam das Zeit alter der Maschinen, so viel bequemer, so viel gefälliger in der äußeren Aufmachung boten sich die Baumwollstoffe dar. Wie in so vielent brachte der Krieg aber auch hierin eine böllige Umwälzung der Verhältnisse: es tam nichts mehr ins Land, wir waren auf unsere eigene Erzeugung angewiesen. Da belebte sich denn der Flachsbau wieder, man machte alle Anstrengungen, wenigstens den Heeres bedarf zu decken. Auch zur eigenen Bearbeitung fiel schon manche„ Hande boll" ab trotz Beschlagnahme. Der Krieg ist nun zu Ende, doch der Gründe, den Anbau von Flachs nicht aufzugeben, sondern im Gegenteil zu ber mehren, gibt es noch übergenug. Hier nur die hauptsächlichsten: immer ist die Einfuhr von Baumwolle knapp und teuer, das Geld dafür fließt ins Aus land( und wie nötig haben wir es doch selbst); wie in früheren Zeiten fo ist auch heute noch Leinen ein viel geeigneterer Stoff für die Unterkleidung des schwer arbeitenden Landmannes als die wenig haltbaren Baumwollgewebe. Hinweisen möchte ich dann noch auf die gestiegenen Preise für den geernteten Flachs, die einen Anbau auch zum Verkauf lohnend machen. Jeder Landmann mache daher einen Versuch, wenn auch zunächst nur auf einem fleinen Stück. Und die Landfrauen mögen aufs lebhafteste dafür eintreten, sich alle Arbeit, die die Aufbereitung mit sich bringt, nicht berdrießen laffen. Werden sie doch für ihre Mühe reich belohnt durch die Freude am schimmernden Lein", das ihnen Schränte und Truhen füllen foll. Flachs tann überall gebaut werden, außer auf ganz dürrem Sand-, shiverem Ton- oder Moorboden. Ein Gerät aus der Kinderstube, das unseren heutigen Abb. 224 Abb. 224 ist ein Nadeltissen, das folgendermaßen zusammengefekt ist: die von weißen Linien umgebenen Stoffteile find zusammengestüdt nach Art der Flidenkissen; die Stoffteile aber, die einen schwarzen Schattenrand zeigen, find aufgeklebt. Das Muster auf diesem Nadelfissen ist ganz besonders eigenartig und nicht häufig zu finden.- Diefe Flickentiffen sind sehr haltbar, leicht zu machen und auch insofern praktisch, als man ja alte Stoffreste auf diese Weise aufbrauchen kann.-Farben: Striche jentrecht= rot; Striche wagerecht= blau; Striche von links oben nach rechts= violett; Striche grün; fariert= braun; zittrige bon rechts oben nach links Else Schwindragheim. Striche grau; Punkte= gelb. = Bom alten deutschen Hause Jm Örtchen Winkel im Rheingau liegt ein romantisches Gebäude, das man als das älteste deutsche Hans bezeichnet hat. Der verhältnismäßig gut erhaltene Bau, der im Grundriz ein Rechteck bildet, stammt wahrscheinlich aus der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts. Eine breite Rundbogenpforte führt in das niedrige, schwach beleuchtete Erdgeschoß; im Obergeschoß lag ein Saal, an den fich einige fleine Wohngemächer anschlossen. Die Treppe muß außen angefügt gewesen fein. Ein zweites Haus, das zur Zeit Friedrich Barbarossas entstanden sein mag, liegt in Bosheim im Elsaß. Weit befannt ist das Haus der Overstolzen zu Köln, zurzeit Sitz der Handelskammer; es stammt aus dem 12. Jahrhundert und ist mit feinen stolzen Treppengiebeln, seinem romanischen Säulen2 Anschauungen über Gesundheitspflege feineswegs mehr entspricht, ist der „ Gänger", der im alten rheinischen Bauernhause üblich war. In ihm lernten die kleinen Kinder gehen. Er bestand aus einer Holzstange, die in der Stube lotrecht zwischen Diele und Dede drehbar aufgestellt war. In einem Fuß Höhe hatte der Bauer einen Holzreifen befestigt, in welchem das Jüngste stehend angebunden wurde. Infolge der Drehung des Gängers fonnte sich das würmchen nur im Kreise herum bewegen, wie ein Gaul im Göpelwert. ( Aus Pelfer- Behrendsberg: Alt- Rhemisches.) 88 Der Name Baiset's KaffeeGeschäft verburgt beste Quantat OR 8 Stoffe für Damen- Kostüme:: Herren- Anzüge Tuchlager Koch& Seeland G.m.b.H. Berlin C., Gertraudtenstraße 20/21. Strumpfwaren kauft man jetzt noch fehr preiswert und billig im Strumpfhaus ,, Werba" Berlin, Kottbufer Damm 72 Eke Lenauftraße Billige böhmische Bettfedern! 1 kg: graue geschlissene 60 Mk., halbweiße 70 Mk., weiße 80 Mk., bess. 100 Mk., daunenweich. 120 MK und 140 Mk., beste Sorte 160 Mk., 180 Mk. Vers. fr., zollfr., geg. Nachn. Muster frei. Umt. u. Rückn. gestattet. Benedikt Sachsel, Lobes Nr. 11 bei Pilsen, Böhmen. Frauenleiden und deren Verhütung! Preis 2,- Mk., Porto 20 Pf. Mit einem Anhang: Die Verhütung der Schwangerschaft. 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