Jahrg. 3 19 2 1 = heft 12= 15. Dezember Die Frau und ihr Haus Zeitschrift für kleidung Gefundheit Körperpflege und Wohnungsfragen Die Heimat auf dem Lande Beilage Gei heit Von Weihnachtsbäumen und-Krippen Unsere nüchterne praktische Zeit erklärt so manchen schönen alten Brauch für überwunden. Gottlob, daß wir den Weihnachtszauber noch haben, daß der falte Zeitgeist nicht auch den Weihnachtsbaum und das Christkind für veraltet erklärt. Wohl wirken Aufklärung und praktischer Erfindergeist auch hier schon, nicht immer zum Besten... dem Kerzenduft zieht mancher die elektrische Batentbeleuchtung vor, statt der Liedchen und Verse aus Kindermund ertönt das Spielwert, im Baumhalter angebracht; Apfel und goldene Nüsse und bunte Kugeln sind altmodisch geworden und die Weihnachtskrippen find fast ver. schwunden. Wo keine Kinder sind, ist der Weihnachtsbaum eine Attrappe geworden, unter der sich der Austausch der Geschente vollzieht; aber den Kindern ist der Christbaum die Hauptsache und die schönsten Geschenke wären ohne Glans, wenn der Weihnachtsmann den Baum vergessen hätte. oben drauf der goldene Ein Kinderbaum muß bunt sein, Stern und im Dunkel der Zweige geheimnisvoll glänzende Stugeln, rotbadige äpfel und viele duftende Lichter. Da wird alle Jahre wieder das gelbe Wachsvögelchen begrüßt, die buntbemalten Holzfigürchen und manches, was die Weihnachts. schachtel des Jahr über verborgen hält. Schokoladeringel und aber bunten Bapiergoldgelbe Butterbregeln hängen daran, fram vermeiden wir; der Baum darf auch nicht überladen sein. Und unterm Weihnachtsbaum muß die Krippe stehen, aller Aufklärung und Nüchternheit zum Trop. Ein Holzhäuschen, born offen, mit Stroh bedeckt. Maria und Joseph und das Jesustind in der Krippe von verdecktem Lichtschein sanft be. ftrahit... außen weiden friedlich ein paar Wollschäfchen. So war es zuerst, wenn ich zurüd an meine Kindheit denke. Jm nächsten Jahre war ein Ochse und ein Esel dazugekommen, Hirten standen an der Stalltür, auf dem Dach saß ein Täub. chen. Später zog sich die Gruppe in das Innere des Stalles Burüd, außen waren die drei Könige aufmarschiert- beiseite hielten Diener die aufgezäumten Pferde, ein einer Mohr führte das Kamel. Auf einem kleinen Weiher( aus einer Spiegel scherbe) schwammen Enten und Gänse, am Brunnentrog wurden Stübe getränkt, und ein Engel schwebte über dem Ganzen. Wer schon die Freude gehabt hat, die Münchener Krippen. jammlung im Nationalmuseum zu bewundern, der staunt über bie Reichhaltigkeit und Phantasie, mit der frühere Künstler dieses Motiv gestaltet haben. Aber auch mit einfachen Mitteln läßt sich hier den Kindern eine große Freude machen, nur Liebe gehört dazu und ein findlich empfindendes Herz, das sich immer wieder hinein. denten tann in den Zauber der fröhlichen, feligen Weihnachtszeit! Heimfultur Fortsetzung von Nr. 11. Von Maria Kröhne, Berlin. G. N.-N. Die schönen Abbildungen von einfachen und geschmackvollen Wohnungsausstattungen, mit denen uns heute Lust gemacht wird, unsere häusliche Umgebung zu reformieren, enthalten einen anspornenden Meis für alle, die bereits Augen haben zu sehen, und die gerade in der Lage sind, ihre Wohnung nach jolchen Beispielen einzurichten. Wie ist es aber mit denen, benen die Augen erst aufgeben sollen, die zu müde und hoffnungslos find, um sich zur Anderung ihrer Verhältnisse aufzu schwingen, und deren Wohnungen baulich nicht darnach angetan find, jene Traulichkeit herzustellen, die auch eine Stadtwohnung zur Heimat" werden lassen kann? Ihnen müssen wir zum Troste sagen, daß auch der schöne" Hausrat tot und leer ist, und daß keine schöpferischen und ersieserischen Kräfte von ihm ausgeben, wenn nicht ein Geist des Hauses" von ihm in Besta ausstrahlt, der das Wunder der Menschenbildung" loggis Sinne vollziehen hilft, wenn nicht eine Atmosphäre ihin Lebendigkeit verleiht, die Licht und Frische in die herzen. ber Hausgenossen ergießt. 1 " Was sollen wir unseren Kindern schenken? Geht nicht in die großen Spielwarenaus ftellungen um Ant wort auf die Frage zu finden! Mütter, Väter, Onkeln und Xanten, geht zu allererst zu den Kindern, die ihr beglücken wollt( ich meine es buchstäblich!) und dann denkt an eure rigene. Kindheit, wie manchesmal die Freude fich in Tränen auflöste, weil das„ undankbare", unartige Kind mit dem originellen Spielzeug nichts anzufangen wußte, weil es die Mechanit zerbrach, die damenhaft gekleidete Buppe mit wenig Damenhaften Schmutzfingern allzu neugierig betastete, oder weil mit dem Lärminstrument nun mit kindlicher Ausdauer ge arbeitet wurde. Die Kinder find weder dumm noch unartig, wenn sie mit den Dingen, die uns freuen, nichts anzufangen wissen! In einer Ausstellung guten Spielzeugs in Berlin war es. Eine Schlange aus Holz mit wunderbarer Lebendigkeit in der Bes wegung wurde von allen erwachsenen Besuchern mit Freude bestaunt. Ein kleines Mädchen aber, das an anderen Tieren großes Bergnügen hatte, zeigte eine fast unüberwindliche Furcht vor dem allzu natürlichen Tier. Gedankenlos wird solches Spielzeug für Sinder gekauft, was doch eigentlich nur Spielerei für Erwachsene sein kann. Das gilt auch von den technischen Kompliziertheiten, die das spielende Kind gar nicht behandeln und verstehen kann. Wir Großen bestaunen fie und schenken mit ihnen den Kindern eine Welt, die fertig ist, ihnen nichts zu schaffen übrig läßt. Und das Ende vom Lied: zerbrochenes In der vorigen Betrachtung hatten wir gefordert, daß HeimTultur durch Anpassung der äußeren Umgebung an unsere Les bensziele und Gewohnheiten entstehen solle. Dies sett voraus, daß wir Heimfultur, Kultur im Rahmen der Familie, für not. wendig halten, und daß wir Lebensziele und bereits Erfah rungen damit haben, die uns im Heim eine Stütze des Lebens, eine Quelle der Kraft und natürlicher Freuden, eine Pflanz stätte und ein Versuchsfeld des Fortschritts und der Erhebung vetennen lehrten. Zu diesen Erfahrungen fönnen aivel Menschen, die ein eigenes Haus begründen, im allgemeinen nur gelangt Jein, wenn sie als Kinder jene Atmosphäre" eingeatmet und in jenem„ Wohnstubengeist"( Bestalozzi-) gelebt haben, der eben Kräfte wachsen ließ, statt fie einguengen und zu verküm mern, der freudvoll war und Kummer und Sorge au bannen verstand, und der in dem alten elterlichen Spruch: Die Kinder sollen es besser haben als wir" ein geistiges Biel, kein materielles, verfolgte. 1 Unsere heutige Jugend wächst nicht mehr allgemein in jenem Geist auf, denn ihre Eltern schon standen unter schonungslosen Bedingungen der Arbeit und des Erwerbs, so daß Arbeit und Erwerb zum Selbstzweck wurden, standen unter so harten Wohnbedingungen, daß jede Berbindung zwischen der die Fas milie ernährenden Arbeit und der Wohnung zerschnitten wurde. Die Entwurzelung des Menschen durch räumliche Trennung von Produktion und Stonfumtion ist die Hauptursache des äußeren wirtschaftlichen Fortschritts und der inneren Verödung. Diese Arbeitsteilung wurde besonders für die Frau verhängnisvoll, fie blieb allein mit ihren Sorgen. Der Siegeszug der Masse" in der Produktion, in den häuslichen Quartieren und in der Menschenzahl berflüchtigte den Geist und die Seele der Menschen, besonders der Männer; fie löfte die Gemeinde auf in einzelne Bersonen und zerstörte die volle, runde Persönlichkeit; der Schiverpunkt von Massen kann nicht in engen Behausungen liegen; das„ Draußen" wurde" Daheim"; der Geist rettete fich in den Begriff" der Freiheit. " 29 Nun, nach schweren Kampfesjahren, fommt sie zur Besinnung, die schweifende, irrende Seele, in Sehnsucht nach Heimat, nach Natur, nach der Wiederherstellung der Zusammenhänge von Geist und Materie, von Arbeit und Freude, von Schaffen und Verbrauchen, von Draußen und Daheim, furz nach Ge. meinschaft alles Zusammengehörigen. Und hier erfährt die alte Familiengemeinschaft eine harte Kritit. Der äußere Nah. men ist morfch: die Wohnungsnot ist unabsehbar; das, was jeder Gemeinschaft Blut und Leben zuführt, Arbeit, Beruf, Umschaffen der Erde zu konsumtionsfähigen Gütern, das ist berivorren, ungeordnet, als Gelderwerb nahezu finnlos geworden. Die Bedürfnisse der Masse und der Gemeinschaft werden mit einander verwechselt; die Größe der Massenprobleme hat den Sinn für das Kleine erstickt. Man fühlt nicht mehr, welcher Gliederung in fleine Gruppen zueinandergehöriger Menschen die Masse bedorf, um zur Gemeinschaft zu werden. Die Menschen von heute haben den Glauben an die Straft ber Familie und des Hauses verloren, an die gemeinschaftbildende Kraft, die aus dem Organischen des Wesens des Menschen fchöpft und alles notwendig Mechanische überwindet. " Die notwendige Neuschöpfung, von den einen Wiederaufbau ber Familie und Volkskraft", von den andern Auflösung der Familie"( in ihrer jezigen Gestalt) genannt, erfordert nichts Geringeres, als daß die Frau ihre Bestimmung als Geschlechts 90 Spielzeug oder altfluge Kinder und Klage der Spielzeughändler, daß es für Mädchen zwischen 12 und 15 Jahren gat fein modernes Spielzeug mehr gäbe. Und ebenso gedankenlos freuen wir Großen uns der Nach ahmungen. Leder, Seide, Sammet, Spizen, Gold und Silber alles wird nachgemacht, freilich auf Kosten der Haltbarkeit und Materialechtheit, aber wir find verblüfft über die Nach ahmungskunst und auch darüber, daß der Umgang mit diesen Dingen zur Oberflächlichkeit und Unachtsamkeit erzieht. Aber was sollen wir denn schenken? Es ist, wie so oft, leichter gesagt, was man unterlassen als was man tun folll Am einfachsten wird die Aufgabe noch zu erfüllen sein, wenn ich berichte von Dingen, die wir in der Ausstellung beisammen hatten. Der Hafe: nur ein Stück Holz, aber in Form und Saltung fo lebendig. Ja, nur ein Stud Holz und darum anch billig, d. h. erschwinglich. Oder drei gelbe Entlein auf Rädern. Wie natürlich", aber nicht weil man ihnen Federn angeklebt oder eine Stimm- Mechanit gegeben, sondern weil das tote Holz die dem Leben abgelauschte Würde in der Haltung trefflich wiedergibt. Und den Klappervogel, dem man den Kopf bevegen tann, indem man am Schwanze zicht. Dies Getier für die Kleinen. Für die anderen Farben- Legefpiele, Baukästen, Ankleidepuppen, Blastilin und alles das, was vom Spiel zum sinnvollen Tun führt. Die Auswahl ist schwer, weil Kitsch, Nachahmung, Schund namentlich beim billigen" Spielzeug allzu häufig find. Das darf aber für uns kein Grund sein, den Schund zu kaufent DO wefen, als Mensch und als Teilhaberin einer Boltsgemeinschaft bollkommen erfüllt. Dazu müssen ihr Erleichterungen in wirt. schaftlicher Hinsicht, für die äußere Form, für die Haushalt führung insbesondere, gewährt werden; ein Weg dazu liegt in der Forderung des Genossenschaftswesen. Im übrigen müssen wir den größten Wert legen auf die Kenntnis und fbung der psychologischen( seelengesetzmäßigen) Grundlagen des Menschen und ihrer Auswirkungen im Leben, beför dert und gehemmt durch Erbanlagen und Einflüsse der Erzie hung, Umwelt und Gesellschaft. 29 Wilh. v. Humboldt, der große Staatsmann und Lebenstünstler, fagt einmal:„ ller politischen Kultur muß moralische Charakter bildung zugrunde liegen, und zu jeder Bollkommenheit des Charakters fann der Keim" nur im Echoße des Familienlebens aufblühen. Das weitere geschieht gewiß im„ Strom der Welt", wie Schiller sagt, derselbe, der das Lied von der Glocke und das Lied an die Freude dichtete, der also zugleich der Empfin bung für das Glück des Hauses und des über die Bölker hin weg reichenden Brüderlichkeitsgedankens fäbig war. Wir brauchen Stätten, wo die Reime alles Lebens gepflegt, wo Schwan fungen und Schwingungen des Lebens ungestört durch das Bugreifen Unberufener ausgeglichen werden, wo ein die Offent lichkeit und ihre Forderung nach gleichmäßigem, harmonischen Gang ihrer großen Bewegungen nicht beunruhigendes Austragen bon Gegenjazen verschiedener, aber verwandter Menschen mög lich ist und ein Verfuchsgarten aufs engste aufeinander ange Wic wiesener, werdender Menschen bebaut werden kann. brauchen Stätten, wo der Mensch sich selbst und seiner persön lichsten Bervollkommnung leben kann, um fähig zu sein, mit seinem edelsten Persönlichkeitsgut der menschlichen Gemeinschaft zu dienen. Unsere Seelen brauchen die Möglichkeit zur Selbst. besinnung, das Alleinsein, die Stille, um aus innerer Selbständigkeit und Sammlung heraus die Einordnung in die Gemeinschaft und ihr nicht ruhendes Borivärts ertragen und meistern zu können und die Führung unserer selbst und anderer, besonders der uns Anvertrauten, zu lernen. Welche Seelenkraft aber muß der Frau innetoohnen, um aus dem leblosen Hausrat und den vier Wänden in städtischer Enge und Naturform und in der überarbeitung in der länd lichen Wirtschaft, welche den Menschen ganz außer Ansah bringt, ein Heim und Heimkultur zu schaffen! Wo soll sie sie her. nehmen? Eben aus der Not ihres in seinen Festen erschüt terien Hauswefens! Und der Tiefe ihrer mütterlichen Bedürf nisse! Für Kinder ist sie da und für den, der kalt und bloß und müde und hungrig aus der Welt kommt, die ihn und sie und die Kinder nährt, ohne ibre Seelen zu fennen. Da sei du, Frau, der feste, ruhige Mittelpunkt, um den herum Leben und Bewegung freist. verbinde die Menschen deines kreises mit dem Heim und der Welt! Reichtum an Kräften verschiedener Art zeichnet ein Haus aus, das Heim bedeutet. Sein Borzug ist ferner, daß es im Alltäglichen fich gerade durch die Einfachheit, Gleichmäßigkeit und verhältnismäßige Dauer seiner Einrichtungen bewährt, daß es für Feierstunden aber zugleich die höchste Erhebung und religiöse Vertiefung in abgeschloffener Stille und frohefte Geselligkeit für die größere Familiengemeinschaft, für Freundschaft und Nachbarschaft zuläßt. Süten wir uns, romantischer Sehnsucht zu verfallen: wir tönnen nicht die Zustände wieder herbeiführen, die Dichter und Spielfachen aus Holz Siege Seite 95 91 GHER a b Biographen uns in Jugend- und Lebenserinnerungen verklärend schildern, aber lernen wir aus diesen, aus innigen Betrachtungen, wie sie Karl Hesselbacher z. B. in dem Heftchen:" Die Frau das Herz des Hauses" gibt, den Wert der Innerlichkeit schätzen, die den Geist des Hauses auch in Notzeiten bewahrt, wenn die Forderungen von Staat, Gesellschaft und Wirtschaft seinen umfriedeten Bezirk bedrohen. Jm allgemeinen sind unsere Hausfrauen und Mütter eher zu nüchtern, als daß sie der Gefahr unterlägen, sentimental zu werden, also nur gefühls. bestimmt, nicht auch willensbestimmt zu handeln. Sehen wir zu Weihnachten zu, warum ein Tannenbaum mit Lichtern in jedem Hause steht, warum die Weihnachtsstube ges buzt wird, das zuhause gebadene Gebäck am besten schmeckt und die Kinder nichts Lieberes fennen als dieses Fest der Eltern mit ihnen. Sind nicht viele von uns ihren Fragen die Antwort schuldig geblieben, was die ihnen angezündeten Lichter bedeuten? Wie ihr Glanz ein ganzes Jahr leuchten und das Wachsen und Werden ihrer Seelen bis zur eigenen inneren Wiedergeburt begleiten soll, aus ihrem Heim heraus leuch tend in das Duntel der Welt! Laßt eure Kinder mit ungetrübter Freude zurückblicken auf thre sonnige Kindheit, für manche Menschen die einzig wahrs haft glückliche Beit ihres Lebens. Laßt sie hervorleuchten wie ein heller Stern in späteren dunklen Tagen. Sophie Berena Die Frau daheim Bei aller Erschwerung der äußeren Lebensumstände, bet allem Materialismus unserer Tage, sehen wir, daß dennoch unser Leben fich wieder in geruhsamere Bahnen lenkt. Wir sind uns bewußt, daß die Arbeit aller zum Aufrichten der Heimat nötig ist und wir alle wollen helfen; aber darüber dürfen wir nicht der Freude vergessen, denn erst sie belebt und befruchtet unser Tun. Hier haben wir Frauen uns einzusehen, denn wir sind Trägerin der Kultur. Stultur und Ästhetik sind untrennbare Begriffe. Aber nicht nur in den großen Dingen des Lebens sollen wir Asthetik be fizzen auch in den fleinen, und gerade bei kleinsten und einfachsten Dingen sollten wir anfangen, ästhetisch zu empfinden. Eine Frau braucht nicht hübsch zu sein im landläufigen Sinne wenn sie das richtige ästhetische Empfinden hat und diesem Empfinden auch in ihrer Kleidung Rechnung trägt, wird sie immer anziehend wirken. Ich will gewiß dem Lurus und der Eleganz nicht das Wort reden, beides ist unangebracht in unserer heutigen Zeit. Aber es gibt leider sehr viele, gerade jüngere Frauen, die sich, wie man zu sagen pflegt, gehen Tassen", weniger vielleicht auf der Straße, bei Besuchen und Festlichkeiten, als gerade dem eigenen Manne gegenüber. Gibt denn die Ehe einen Freibrief auf dieses Sich- gehen lassen? Womit ist es zu erklären, daß eine junge Frau, die vielleicht als junges Mädchen jedes Löckchen sorgfältig ordnete, ehe sie dem Verlobten gegenübertrat, ihrem Manne morgens mit un frisiertem Stopf am Staffeetisch gegenübersißt und ihn möglicherweise mittags noch in dem gleichen Aufzuge empfängt? Die Behaglichkeit des Heimes lefdet darunter in den Augen des Mannes, wenn auch alles noch so blitzsauber ist. Aber hier Sezt die Bequemlichkeit der Frau, oder sagen wir lieber, der C d e fühlbare Mangel an ästhetischem Empfinden ein. Da haben wir z. B. ein Kleid im Schrank hängen, haben es lange ge tragen, vielleicht ändern und wenden lassen, und was so die schwierige Bekleidungsfrage der Kriegszeit mit sich brachte. Nun hat es aber wirklich ausgedient, ist zerschlissen, flectig unansehnlich und wird eben zu Hause aufgetragen. Ga ist ja nur der Mann, der es sieht", entschuldigt man sich boe sich selbst. Wie leicht und schnell ist aber doch aus ein pape Metern Stoff, den die Industrie schon wieder in hübschen Wustern liefert, ein leichtes, einfaches Hauskleid geschmeident, unter Zuhilfenahme der praktischen Schnittmuster. Eine Auss gabe, die man sparen kann, höre ich sagen? O nein, das wäre verkehrt angebrachte Sparsamfeit. Gewiß, der Mann findet es ficher immer sehr lobenswert und er ist äußerst zufrieden, daß seine sparsame Frau so geringe Ansprüche für sich selbst stellty bielleicht jahrelang mit ein und demselben Kleide auslomm einen hut immer wieder auf die gleiche Art trägt und dem Kleiderwechsel auch nicht den geringsten Tribut zollt. Führ ihn der Beruf oder die Geselligkeit aber mit anderen Frauen zusammen, die über nicht mehr Mittel verfügen, als die eigene, aber durch ein sicheres Gefühl, ein bißchen Nachdenken, Sorg samkeit und offene Augen sich immer nett anzuziehen wissen, dann wird er bewußt oder unbewußt Vergleiche anstellen, die wohl oder übel zu Ungunsten der eigenen Frau ausfallen müssen. Und er wird als Nachteil empfinden, was vorher in seinen Augen ein Vorzug war. Das ist infonsequent, aber diefe Intonsequenz wurzelt( nicht in allen Fällen) oftmals in der Nachlässigkeit und vor allem in der Gedankenlosigkeit der Frau, die nicht weiß, daß darunter vielleicht das Glück iúree The leiden und daß das seinen Ursprung auch in diesen scheine baren Kleinigkeiten haben tann, die gar keine sind. Wir wollen doch dem Manne, uns und den Kindern zug Freude und Behaglichkeit leben und so doppelte Arbeit leistent einen Haushalt führen und durch uns selbst, durch unsere Persönlichkeit so auf den. Mann zu wirken versuchen, daß er feine Arbeits- und Lebenslust behält, die nie nötiger war, als in heutigen Zeiten. Und es wird doch wieder Beit, daß wir uns auf den Jungborn Lebens- und Daseinsfreude besinnen. W. H. Das helle Sehen Wir können nicht leben, wenn wir die Sonne nicht fucheng und zum Leben so nötig wie Luft und Brot ist noch ein Gangbofer. Drittes für uns: das helle Sehen! Bücherbesprechungen Spiel und Spaß nnd noch etwas. Ein Unterhaltungs- und Ve schäftigungsbuch für fleinere und größere Kinder. Von K. Doren. wellt. 3. Heft für die Größeren. Vierte Auflage mit 53 Figuren im Tert. Berlag von B. G. Teubner, Leipzig und Berlin. Preis 2.60 M. Das Büchlein enthält die verschiedensten Rätsel, 28 ex Rechenaufgaben, Kunststüde und Gesellschaftsspiele. für seine heranwachsenden Kinder fröhliche Unterhaltung fucht, bie gleichzeitig den Verstand und die geistige Gewandtheit übt, wird durch das Heftchen für viele Winterabende versorgt sein. Ginige kleine Deudfehler tun dem Werte keinen bruch. Tanzstundenkleider Thur LE 92 228 227 Schnittmuster für 14-16 und 16-18 Jahre erhältlich. Preis 3 M. 60000 226 226. Aleid aus lichtblauem Schleierstoff. In Kittelform geschnitten, die Weite ist durch kleine Steh falten in Gürtelhöhe eingeschränkt. Der Ausschnittrand wird mit Paspelvor stoß abgeschlossen. Sturze Buffärmel in Bündchen gefaßt, die oben und unten mit Bafpeleinlage gearbeitet find. Erforderlich 3 m Stoff 100 cm breit. Schnittmuster WK 906. 227. Kleid aus weißem Mull mit Fileteinsätzen. Am Ausschnitt und Ärmelrand eingefraufte Filetspipe. Das Leibchen ist auf ein leicht anliegendes Tüll- oder Batistleibchen gearbeitet, an das der Rock angenäht wird. Das Oberstoffleibchen wird am unteren Rand dem Rock hohl aufgenäht. Rückenschluß mit Stoffösen und Stoffknöpfen. Grforderlich 3 m Mull 120 cm breit, 4 m gileteinfah 4 cm breit, 2 m Filetspitze 2 cm breit. Muster zur Filetspitze und zum Einsatz erhältlich. Preis 2.50 M. Schnittmuster WK 1117. 228. Kleid aus Waschseide mit Züll. fichu. Loses langes Leibchen mit angeschnits tenen Ärmeln und angefeßtem Rod. Verschluß mittels Stofffnöpfen und Seidenstoff- Ofen. Das Tüllfichu besteht aus 0000 0000 ગી 이 229 einem 130 cm langem, gerurbet gefynittenem Streifen, der n der Mitte etwa 20 cm breit nach den Enden su auf 8 cm abgeschrägt ist. Schnittmuster WK 1118. 229. Kleid aus weißem Schleier ftoff. Das Leiks, a ist mit Waschfüll unterlegt. er Schlißverschluß mit Stofffnöe und Seidenösen. Der Ausschnitund sowie der Ärmelrand beim Ansatz der Falbel sind gepaspelt. Der Rod ist etwa 170 cm weit und mit Falbeln besett, Rod und Leibchen sind durch Fileteinfab verbunden. Schnittmuster WK 907. 230. Mantel aus Flauschftoff. Das Oberteil des Mantels ist mit Stellernähten gearbeitet, die unter dem Gürtel als Falten ausfallen. Den Falten sind die Taschen eingearbeitet. Stofftnöpfe und Baspelfnopflöcher zum Verschluß für Kra gen und Gürtel, der Mantel wird mit verbecktem Knopfschluß gearbeitet. Schnittmuster WK 908. 230 c. Muff aus weißem Krimmer stoff. In Tonnenform gearbeitet mit weißer Seide gefüttert. Schnittmufter WK 909. Preis 1.50 M. 230 a 230 230b - 93 231 Für den Wintersport Rapple 232 233 Mantel mit Marabubefag. Der Mantel ist aus jadegrünem Flauschstoff gearbeitet. Seitliche eingeschnittene Taschen. Marabubesatz an Armeln, Kragen, Saum und Taschen. Der Gürtel wird durch Spangen gehalten. Verdeckter Knopfverschluß, dazu passende Müße mit Marabubällchen. Mantel bis zum Taillenschluß mit silbergrauer Seide gefüttert. Erforderlich etwa 3,25 m Stoff 130 cm breit, 5,60 m Marabu. Normalschnittmuster in 86, 90 und 98 cm Oberweite erhältlich. Schnittmuster zu Mantel und Müze WK 1626. Preis 3 M. Mühe allein 1.50 M. Eislauftostüm. Das Mantelkleid ist aus fornblauem Woll stoff gearbeitet. Die weiten Ärmel sind mit angeschnittenen Borderteilen gearbeitet, die in der vorderen Mitte zusammens geknöpft werden. Das lose darüberliegende Borderteil wird an den Seiten auf das Rüdenteil geknöpft, an den Schultern mit Druckknöpfen befestigt. Die Rockteile werden zu beiden Seiten mit tiefer gegenseitiger Falte gearbeitet, am oberen Rand fest an Borderteil und Rüden angenäht. Um den Hals. ausschnitt ist ein 46 cm langer Schal genäht, an der linken Schulter des Rückenteiles beginnend, und mit kleinen Knöpfen an der rechten Schulter schließend, so daß er über dem RückenHalsteil doppelt liegt. Müze aus gleichem Stoff, sechsteiliger Kopf mit weißem Krimmerrand zum beißem Krimmermuff passend. Erforderlich etwa 3,25 m Stoff 130 cm breit. Normal 234 234. Rappe aus gold. braunem Flauschstoff. Die futterlos gearbeitete Rappe ist mit schmalem Bündchen abgeschlossen. Lederrosette in dunklerem Farbenton. Schnittmuster WK 910. 235. Rappe aus Rebertuch. Sechsteiliger Kopf, den Seitenteilen ist der Rand angeschnitten. Geflochtene Borte schnittmuster in 86, 90 und 98 cm Obertveite erhältlich, Schnittmuster WK 1627 zum Mantelkleid, zur Müze WK 1628. Preis 1.50 m. Sportkostüm. Der Nod ist aus blaugrün- braun- weiß fariertem Wollstoff und leicht glockig geschnitten, am oberen Rand auf ein Miederband genäht und mit braunem Ledergürtel abgeschlossen. Jädchen aus blaugrünem Wolltrikott mit brauner Bederkrawatte. Zu den Rockfarben passende Wollstickerei als Berzierung am Kragenrand, Vorderteil und an den Aufschlägen. Die Stickerei kann auch durch schmale Blenden vom Rodstoff ersetzt werden. Müze aus braunem und blaugrünem Leder mit weißbraunem Wollbällchen. Erforderlich 2 m Rodstoff 120 cm breit, 1,50 m Wolltrikot 1,30 cm breit. Normalschnittmuster in 86, 90 und 98 cm Oberwelte erhältlich. Preis 3 M. Rod oder Jädchen einzeln 2.50 M. WK 1629. Schnittmuster zur Müze 1.50 m. WK 1630. Einfache Sporthose zu den Kostümen aus Wolltrikot oder Waschsamt zu arbeiten. Nahtränder und Klappenverschluß mit Satinstreifen einfassen. Schnittmuster EK 138. Breis 2.50 m. aus 235 schmalem Lederstreifen an den Seiten auf Lederfnöpfe aufgeknöpft. Schnittmuster WK 911. 236. Hut aus Leder tuch. Der Kopf ist leicht abzufüttern, die Krempe mit einer Ginlage von Sutlinon zu arbeiten. Ein Kranz von bunten Ledertücken deckt den Ansatz des Kopfes an die Krempe. Schnittmuster WK 912. 236 04 WK 868 Schnittmuster zu den Buben anzügen mit Mühe und Hut für 35 oder 45 cm große Puppe, Preis 2.50. WK 869 Glefant in 25, 36 und 50 cm Höhe, WK 870 Mohr in 24 cm Höhe, WK 871 Dackel in 12 cm Höhe, Preis je 1.50 M. Bewegungsspiel, Kinderlied und Kinderreim von E.Fromm. Deutsche Elternbücherei, Heft 32. Verlag von B. G. Teubner, Leipzig und Berlin, 1919. Preis 1 M. und Teuerungszuschlag. Das Büchlein ist ein wertvolles Grziehungsmittel in der Kinderstube unserer Allerkleinsten, da es nicht nur allerliebste unterhaltende Spielchen und Lieder bringt. In der Hand verständiger Mütter fann es die Kinder schon im allerfrühsten Alter zum richtigen Gebrauch der Stimme anleiten und ihnen manche schlechte Angewohnheiten, wie falsche Betonung und unrichtiges Atmen ersparen. Auch die Turnspiele werden zur kräftigen Entwickelung des findlichen Körpers sehr nützlich sein. „ Heisa Hopsa"!, Volkstänze, gesammelt und beschrieben bon Ane Iversen und Anna Sievers, herausgegeben vom Dürerbunde, verlegt bei Georg D. W. Callwey, München. ▷ Wer seinen Jungens und Mädels, soweit sie lustig sind, wandern, fingen und tanzen, eine rechte Weihnachtsfreude machen will, der schenke ihnen dieses Büchlein. Es ist eine Sammlung deuts scher Boltstänze, auch einige Tänze der wesensverwandten Nordländer( Schweden- Norwegen) find enthalten. Das Buch ift für die tanzluftige Stadtjugend bestimmt, das sagt und begründet Anna Sievers im Vorwort sehr schön. Die Ver By GK- R WK 872 Schnittmuster zu den Puppen fleidern mit Jädchen und Müße, Unterrod, Hemdhose und Nachthemd für 35 oder 45 cm große Puppe, Preis 2.50 M. fasserinnen gehen mit Recht davon aus, daß sich nichts gleich tun läßt und die oberflächliche Verpflanzung ländlicher Tänze in die Städte sich nicht durchführen läßt. Schönes, altes Volks gut ist und wird mit den dreißig Tänzen und dazugehörigen Noten weiten Kreisen zugänglich gemacht. Mögen viele lustigen fröhlichen Gebrauch davon machen. Für die Küche Weihnachtsstollen. Aus 25 g Hefe bereitet man ein Hefenstück ( Hefe mit etwas lauwarmer Wilch, 1 Löffel guder und Mehl in einem Töpfchen anrühren und zum Aufgehen an einem warmen Ort hinstellen). In einer Badichüssel rührt man 150 g Buder und 160 g Margarine miteinander schaumig, gibt nach und nach 1 kg Mehl, Rosinen, genoßenen Zimt und Kardomom, einige gehackte Mandeln und so viel lauwarme Milch( es kann auch Milch und Wasser sein), daß ein fester Teig entsteht. Ist alles gut durchgearbeitet, gibt man das Sefeftüd hinzu, läßt den Teig, den man nach dem Durch fneten zu einem Broté oder Stollen formte, an warmem Orte aufgehen und bäckt ihn im Backojen dunkel- goldgelb. „ Spätherbst- Winterheft" bringt die ausführliche Beschreibung der Handarbeiten Abb. 208 und 221, auße Handarbeitsbogen dem Stidereivorlagen zu Buchhülle, Decke aus Leinen, Nadelkissen, Buppenschneiderei. Ferner enthält der Bogen noch weitere Vorlagen zu Weihnachtsarbeiten. Preis 1 M. 15 Porto. Schnittmusterpreise Kleine Schnittmuster: Kinderwäsche, Kinderschürzen, Mügen usw. Blusen, Röcke, Jacken, Wäschegegenstände für Erwachsene, Knaben- und Mäd chenkleidung bis zu 14 Jahren Kleider, Mäntel für Erwachsene, Knaben und Mädchenkleidung über 14 Jahre Der Verlag gibt Normalschnitte oder Schnitte nach Maß gezeichnet zu den am Schluß der Beschreibungen ange Schnittmusterversand und Schnittmusterbogen Maße der Normalschnitte für Mädchenfleibung: Normalschnitt Nach Mas . 1.50 gezeiamet +9 2.50 20. 7.50 3.15.führten Preisen ab. Unsere Normale schnitte werden nach mittelgroßen uns geschnürten Normalfiguren gezeichnet. Maße der Normalschnitte für Anabenkleidungs Alters stufe Dbers weite Ganze Innere bordere Arms Länge länge Alters stufe Ober Ganze Innere bordere Arm weite Länge länge Aeußere Länge Innere Altersstufe für furze, glatte Arms Altersstufe Beinkleider länge Aeußere Länge für turze, glatte Beinkleider Innere Arm länge 14-16 86 105 12-14 82 10-12 78 95 85 8-10 74 75 3333 43 6-8 40 4-6 37 214 34 1-2 60 26269 70 58885 65 60 50 2229 29 25 14-16 12-14 66 62 21 18 10-12 8-10 58 54 9998 49 6-8 45 4-6 40 2-4 35 1-2 29 4232 48 30 26 36 23 20 2222 Den Betrag für die gewünschten Echnitte und 60 Pf. Porto wolle man mit der Bestellung einsenden, andernfalls erfolgt gue fendung mit Nachnahme, die sich außer Porto noch um 75 Pf. erhöht. Einfachste Bestellung auf Bahlfarte 992 Karls. ruhe i. B., G. Braunsche Hosbuchdruckerei und Verlag, Karlsruhe i. B., Karlfriedrichstraße 14. Wir bitten bel Bestellungen von Normalschnittmustern die genaue Größe, sowie die Schnittmusternummer mit den Kennbuchstaben anzugeben. Gerausgeberin; Elifabeth Röst, Köln. Berantwortlich für den Schrifttell: G. Röhl, Köln- Klettenberg. Lohrbergstraße 28, fir den Bildertel: 2. Düben, Karls ruhe i. B., Karlfriedrichstraße 14. G. Braunsche Hofbuchdruckerei und Berlag, Karlsruhe L. B. me 95 R Die Heimat auf dem Lande Bäuerliche Mützenschachteln Bur vollständigen Ausstattung eines Bauernmädchens war bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts eine Schachtel uner läßlich, worin die mehr oder weniger kostbaren Mühen aufbewahrt wurden, die zu ihrer Tracht gehörten. Es hätte der bäuerlichen Dentungsart schlecht entsprochen, wenn eine solche Schachtel etwa eine plundrige Pappschachtel gewesen wäre, wie jene, in der beute unsere Damen ihre Hüte aufheben. Sie wurde solide, für ein Lebensalter ausdauernd hergestellt und filnstlerisch verziert. Die echte alte MüßenSchachtel, deren wir in unsern vaterländischen Museen noch viele bewahren, besteht aus Span und hat die Form eines etwa 45 cm langen Ovale von 28 cm Höhe. Wie bei .. allen bäuer lichen Kunsts gegenständen, bemerft man an der Ausfchmüdung den Einfluß ber zur Beit ber Herstel what berpies& goroffenWärger. lung oder einige Jahrzehnte vorher herrschenden Kunstrichtung; ba der Bauer langsam ist, hintte er meistens etwas nach. Ausschlaggebend und für die Bauernkunft ehrenvoll ist die Selbständigkeit, mit der eine solche Anregung verwendet wurde. Immer fam etwas zugleich fünstlerisch Wertbolles und für den bäuerlichen Geschmad Charakteristisches Heraus. Die hier abgebildeten Mütenschachteln, die bom Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts stammen, zeigen eine Anlehnung an das Rototo. Der Schmuck ist reich an Erfindung, gut auf der Fläche des Dedels und der Seitenwände verteilt, dabei drollig und Eine unterhaltend. Die Farben find sehr schön. gewisse übereinstimmung in den Mühenschachteln aus verschiedenen Landschaften scheint darauf hinzudeuten, Daß sie nicht von den Bewohnern selbst, sondern von einzelnen Künstlern hergestellt wurden, die dann das mit auf die ländlichen Jahrmärkte zogen. Hier erstand der junge Bauer die Schachtel als finniges Geschenk für seine Zufünftige, die in ihrem entlegenen Dorfe am nächsten Sonntag die bunte Gabe frendig begrüßte. Es ist zu wünschen, daß er den Zierspruch vorher aufmerksam durchgelefen hatte. Lieber Bräut gam, tomm doch bald, ich bin schon dreißig Jahre alt!" und derbere kommen bor. Der Maler wußte, daß die Landbevölkerung Spaß liebt. Auch der Zeitereignisse wurde gedacht. Den Bürger hat der Spieß getroffen,-nun tönnen wir den Frieden hoffen," heißt es im Jahre 1815.- Unsere bäuerlichen Müßenschachteln lehren uns, auch die weniger beachteten Stüde unfers Hausrats schön und solide herzustellen. Wir sollten uns nie und nirgends mit Schund umgeben. Diese Methode ist nicht nur die künstlerischste und dem gebildeten Menschen würdigste,- sie ist auch die spar Samfte, also in unsrer Armut die zweckmäßige. Mögen wir biefer Wahrheit, die einfache Landleute früherer Zeit erkannten und die wir in jüngster Vergangenheit nur zu sehr vergessen hatten, wieder mehr nachleben! D Fortbildung unserer Landmädchen A. BL Nach dem Lande him sind jezt aller Augen hoffend gerichtet; som Lande her erwartet man die Rettung aus tiefer Not. In der Tat: würden die auf dem Lande noch ruhenden Kräfte nicht nubbar gemacht für Erneuerung und Wiederaufbau un feres Baterlandes, so würde es schlecht darum bestellt sein. Es gilt nun, in umfassender Weise unser Augenmerk den altangesessenen Bewohnern des Landes zuzuwenden, und alles baran zu sehen, damit sie treu bleiben den guten Sitten ber Bäter, treu dem Boden, in dem sie wurzeln und aus dem fie thre besten Kräfte ziehen. Eines der wirksamsten Mittel nun, die Landbevölkerung in alter Kraft dem Lande zu erhalten, ist ohne Zweifel bas: man biete ihr, insbesondere der Jugend, ausreichende Bildungs. gelegenheiten. Nicht bie gleichen, wie sie in der Stadt bestehen, aber solche wie das Land sie so dringend braucht Erlangung all jener Kenntnisse, die der landwirtschaftliche Beruf ( mit Einschluß der der ländlichen Hausfrau) heute so dringend forbert; zur Wedung der Liebe und Anhänglichkeit zur landlichen Heimat nicht zuleht, um in die Herzen sin tiefes Wer zur d b antwortlichkeitsgefühl einzupflanzen, eine Sinnesrichtung, die, nur Bestand haben kann auf dem feften Grunde des Glaubens. So ergibt sich daraus swingend die Notwendigkeit fittlich- religiöser Bertiefung. Die Fortbildungsschule ist es, die für den größten Teil unserer Jugend als allein geeignete Bildungsgelegenheit angesprochen werden muß. Reißt sie doch ihre Schüler nicht heraus aus Arbeit und Erwerb. Wieviele solcher Schulen gibt es aber schon auf dem Lande? Eine ganze Anzahl für die Knaben, nur wenige, fehr wenige für die Mädchen. Mit der allgemeinen Einführung werden wir in absehbarer Zeit auch taum rechnen fönnen aus Mangel an Mitteln. Es heißt daher, nach Ersatz Umschau zu halten. Das preußische Landwirtschaftsministeri um will folchen in den Wanderhause haltungs. fajulen ge funden haben. Diese bieten ben großen Borteil, in vies le Orte, auch die fleineren, C - menn auch nicht die allerkleinsten- gelangen zu können. So übermitteln sie einer verhältnismäßig großen Bahl von Schüle rinnen ein immerhin leibliches Maß praktischer Stenntnisse und 2, Fertigkeiten. Die furze Dauer der Lehrgänge höchstens 3 Monate, macht es ihnen aber anderseits unmöglich, die praktische Ausbildung zu einer genügend gründlichen zu gestalten. Roch viel weniger wird es ihnen in diefer furzen Zeit gelingen, die Gedankenwelt ber Mädchen nachhaltig zu beeinflussen. Im Hinblick, namentlich auf deren spätere Stellung als Gattinnen und Mütter, müßte folche wirksame Beeinflussung aber alle Weiterbildung richtunggebend bestimmen. Auch der Mangel an genügend vorgebildelen Lehrkräften, Behrerinnen der landwirtschaftlichen Haushaltunge funde", seht der schnellen Ausbreitung der Wander schulen ein Hemmnis. alles gelt bad Man schalte daher jene Kräfte nicht aus von ber so wichtigen Bildungsarbeit, die sich sozusagen - wo foldje naturgemäß darbieten: die Lehrer und borhanden bie Lehrerinnen der ländlichen Boltsschule. Diese haben die Jugend heranwachsen sehen, sie waren neben den Eltern burch Jahre ihre Erzieher, fie nehmen dauernd den größten Anteil an ihrer Entwicklung und sind in der Mehrzahl gern bereit, daran we ter mitzuarbeiten. Man wirft ben nur wissenschaftlich ausgebildeten Lehrerinnen vor, fie feien nicht in der Lage, die Unter weisung in ben praktischen Fächern( z. B. Kochen, Waschen u. a.) in geeigneter Weise zu erteilen. Aber ist dies nicht nur eine Seite der Ausbildung? Die allgemeine Weiterbildung im Sinne einer Höherführung wird niemand beffer wie diese, sowohl in der Erziehungskunst, wie wissenschaftlich gründlich durchgebildeten Kräfte zu fördern wissen. Ja, auch in die Theorie der Hausund Landwirtschaft werden sie einzuführen verstehen durch Nahrungsmittel- und Gesundheitslehre und ähnlichen Unterricht. etwa Die Wirtschaftslehrerin tönnte fich dann bei ihrem seltenen Kommen und in der kurzen Zeit, die ihr in der Wanderschule zur Verfügung steht, zur Hauptsache auf die praktische Unterweisung beschränken. Ihre Arbeit würde dadurch wefente lich erleichtert, der Erfolg aber um so gesicherter sein. Daß daneben im allgemeinen wie in jedem einzelnen Falle bei Einrichtungen für die Weiterbildung unserer Landmädchen nach der Schulzeit noch viele und große Hindernisse zu überwinden sind, Hindernisse, wie sie fich a. 2. ergeben aus großen Entfernungen und schlechten Wegen, aus dem am Althergebrachten hängenden Sinn des Landbewohners, der alles Neue zunächst ablehnt, und aus mannigfachen andern Gründen, finde zum Schluß nur noch Erwäanung: nicht um zu ent mutigen, sondern damit jeder zu seinem Teil zu ihrer Ausräumung beitrage. Zu den Spielfachen Seite 91. Erhältlich im„ Hausrat" G. m. b. H., Berlin W., Königin Augustastraße 21. a Hase auf Rädern, b Stater mit Rugel, c Holländischer Junge( Kopf bein Fahren beweglich), d Schreibogel( Stimme in der Neble angebracht), e Klappervogel. 96 Die brennende Frage des Weihnachtsgeschenkes wird am besten durch eine SINGER gelöft. Sie ist die zeitgemäße praktische Gabe für Lebenszeit SINGER CO. NÄHMASCHINEN ACT.GES. 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