Eigentum des Vorstandes der SPD" Für unsere Kinder Nr. 1 ooooooo Beilage zur Gleichheit ooooooo 1908 Inhaltsverzeichnis: Herbst. Bon Theodor Storm.( Gedicht.) Vor dem Messerladen. Von H. Scharrelmann. Spruch. Von Friedrich Schiller. Erlkönigs Tochter. Dänische Ballade. Aus Herders„ Stimmen der Völker in Liedern". ( Gedicht.) Die Feuersbrunst auf dem Meere. Aus dem Russischen des Iwan Turgenjew. Der Ochse auf der Löwenhochzeit. Von Theodor Ezzel.( Gedicht.) Die sieben Schwaben. Von Grimm. Schneckenlied. Von Viktor Blüthgen. ( Gedicht.) Serbst. Don Theodor Storm. 0 0 Schon ins Land der Pyramiden Flohn die Störche übers Meer; Schwalbenflug ist längst geschieden, Auch die Lerche singt nicht mehr. Seufzend in geheimer Klage Streift der Wind das letzte Grün; Und die süßen Sommertage Ach, sie sind dahin, dahin! Nebel hat den Wald verschlungen, Der dein stilles Glück gesehn; Ganz in Duft und Dämmerungen Will die schöne Welt vergehn. Nur noch einmal bricht die Sonne Unaufhaltsam durch den Duft, Und ein Strahl der alten Wonne Rieselt über Tal und Kluft. Und es leuchten Wald und Heide, Daß man sicher glauben mag, Hinter allem Winterleide Lieg ein ferner Frühlingstag. 000 Vor dem Messerladen. Dicht gedrängt standen die Leute vor dem Schaufenster des Messerladens, und alle Augen waren auf das neu ausgestellte Riesentaschenmesser gerichtet. In der Zeitung hatte auch davon gestanden, und fürwahr, es war auch ein Prachtstück ganz ohne Frage. Nein, ein Taschenmesser war es ja eigentlich nicht. Dazu war es viel, viel zu groß. Aber es hatte doch das Aussehen wie ein Taschenmesser. Die Schalen waren aus zwei großen Perlmutterstücken gearbeitet, und hundert, dent' einmal: hundert Teile saßen da ran! Hundert verschiedene Messer und Feilen und Sägen und Scheren! Und jeder Teil konnte eingeklappt werden, und alle hundert waren verschieden, und alle hundert waren vernickelt und glänzten und blitten. Die Jungens standen wohl stundenlang davor und sahen und fanden immer neue Teile, und hätten gar zu gern das Messer mit nach Hause genommen. Ja, es war ein Prunt- und Schaustück, das Riesentaschenmesser mit seinen vielen Teilen. Was für ein geschickter Mann mußte es gewesen sein, der es zusammengesetzt hatte. Wie viel Nachdenken gehört sicher dazu, alle diese hundert Teile so gut passend zu machen und sie dann alle zwischen dieselben zwei Schalen anzuordnen! Hundert an einem Messer! Da war eine Riesentlinge, ein langer Dolch, ein Brieföffner, ein Federmesser, ein Fingernageltraßer, ein Okuliermesser, eine Hippe, ein Radiermesser, eine Hühneraugentlinge, ein Linoleummesser, ein Ledermesser, eine Lanzette usw. Da waren große und kleine und breite und schmale und rundliche und spitzige Messer und auch solch merkwürdig geformte Klingen, daß wohl mancher Beschauer nicht erriet, wozu fie gebraucht werden sollten. Und jebe dieser Klingen war nicht etwa nur zum Spaß so oder so gebogen, o nein! jede sollte ihren besonderen Zweck haben, und das auszudenken war eigentlich das Kunstvollste an dem ganzen Messer. Aus Heute und vor Zeiten", Bilder und Geschichten von H. Scharrelmann. Verlag von Alfred Janssen, Hamburg 1906. Bibliothek der Friedrich- Ebert- Stiftung 2 Für unsere Kinder Nicht wahr, zum Butterbrotstreichen hat seiner Hand so bequem und praktisch herman kleine und zum Schneiden des Bratens gestellt werden konnte. große Tischmesser. Laß dir einmal ein Obstmesser zeigen, womit man gut Apfelsinen abschälen kann, und vergleiche das Obstmesser mit einem Rasiermesser. Oder denk' an die Klinge, die der Schuhmacher gebraucht zum Beschneiden der Sohlen, und lege fie in Gedanken neben das Gärtnermesser, womit die Zweige beschnitten werden sollen. Oder vergleiche das Kittmesser des Glasers mit der Sense, die der Bauer zum Grasmähen gebraucht. Welche Unterschiede in der Größe und der Form! Alle diese vielen verschiedenen Sorten aber sind Messer, und sie alle dienen zum Schneiden. Und doch sind sie untereinander so sehr verschieben! Woher aber hat man alle diese vielen, vielen verschiedenen Messerformen? Ausgesonnen, mühsam ausgesonnen haben sie die Menschen. Und wieviel Tausende Stunden mögen die Messerschmiede wohl daran herumstudiert haben, ehe sie die richtige Form für jedes Messer gefunden hatten, die Form, die für jeden besonderen Gebrauch die beste war! Freilich, die meisten Menschen denken an solche Sachen nicht. Wer der Mutter zusieht, wenn sie in der Küche Bohnen schnippelt, dem mag wohl schon mal der Gedanke gekommen sein, warum denn über der ganzen Messer länge ein dünner Eisendraht entlang läuft. Aber wieviel Bohnenmahlzeiten erst nötig waren, damit ein Mensch auf den Gedanken tam, ein Messer extra nur fürs bequeme und gleichmäßige Bohnenschneiden zu machen, ahnen wir nicht. Und wieviel verkehrte Versuche erst voraufgegangen sind, ehe der rechte Mann für das Bohnenmesser die rechte Form aussinnen konnte, wissen wir heute auch nicht mehr. Und wieviel Rosenstämme mögen schon okuliert worden sein, ehe ein Gärtner ausgesonnen hatte und dem Messerschmied genau angeben konnte, wie der Rücken an einem Otuliermesser ausgebuchtet und geschliffen werden müsse, damit der Gärtner, ohne dem feinen zarten Bast unter der Rinde zu schaden, diese glatt vom Stamme zu lösen vermochte. Und der Barbier, der so gewandt und flink seinen Kunden die Bartstoppeln wegrasiert, der denkt bei seiner Arbeit auch nicht daran, wieviel Menschen in ernstem Nachdenken wohl mitgeholfen haben, damit das Rasiermesser in Oder glaubst du etwa, beim Rasiermesser komme es zum Beispiel nicht darauf an, welche Form es habe? Glaubst du etwa, es habe feinen Zweck, daß der Rücken so rund, die Schneide so gerade, das Heft aus zwei Teilen und das Gelent so weit sei? Geh' nur hin zum Barbier, er wird dir ganz genau sagen, warum jeder Teil an seinem Messer gerade so und nicht anders eingerichtet ist, warum das Heft aus zwei Hornplatten besteht, warum das Messer so weit geöffnet werden kann, warum ein Stücklein der Klinge nach hintenzu übersteht und nicht mit in das Heft einklappt, warum der Rücken so dick ist, warum die Klinge so ausgehöhlt und die Spitze des Messers so stumpf ist. Ich wollte, ich könnte dir einmal eine ganze Sammlung von Rasiermessern aus allen Zeiten und aus allen Ländern zeigen, dann würdest du von einem Stück zum anderen die Verbesserung sehen können und wie in einem Buche an solcher Messersammlung alle die zahllosen fleinen Erfindungen ablesen und bewundern, die im Laufe der Zeit an einem Werkzeug allein, an einer einzigen Messersorte gemacht worden sind. In der Naturgeschichte haben wir gelernt, daß im Laufe der Jahrtausende sich langsam die auf der Erde lebenden Tierformen verändert und vervollkommnet haben. Gerade so ist es auch mit unseren Werkzeugen. Und wenn man in den großen Städten überall Museen baut mit ausgestopften Tieren und gepreßten Pflanzen, so wünschte ich, es möchten in jeder Stadt reiche Leute sein, die auch ebensolche Museen bauten für all die Erfindungen und Verbesserungen, die an unseren alltäg= lichen Gebrauchsdingen gemacht worden sind. Ja nun, daß an dem Messer vielerlei verbessert und erfunden worden, ist ja leicht einzusehen, aber woher kam nun das erste Messer überhaupt? Nicht wahr, das weiß kein Mensch. Kein Denkmal hat man dem gesetzt, der das Messer, das erste Messer erfunden hat. Seinen Namen weiß niemand, die Zeit, in der der Erfinder gelebt hat, auch nicht. Und doch wäre der Mann es wert gewesen, daß man ihn ehrte. Dentt einmal, was wir heute ohne Messer anfangen sollten. Und doch hat es sicher eine Beit gegeben, in der die Menschen keine Messer fannten und auch keine hatten und auch gar Für unsere Kinder 3 nicht verstanden haben würden, sie zu ge brauchen. Woher kam das erste Messer?— Wenn du nun glaubst, daß es etwa so ausgesehen hat wie dein Taschenmesser oder wie das Käse messer, das dein Krämer auf dem Ladentisch liegen hat, dann irrst du dich sehr. Das ein fache Käsemesser des Krämers ist ja nicht eine Erfindung, sondern wieder ein ganzes Museum von Erfindungen für sich. Gerade wie der Mann, der die Lokomotive erfand, nicht»ine solch« Lokomotive erfunden hat, mit der wir heute oder morgen von Berlin nach Paris reisen können. Von der ersten Lokomo tive an, die zuerst über die Schienen kroch, ist jeder einzelne Teil immer und immer wie der verbessert worden. So auch an dem scheinbar so einfachen KSse- messer. Wir müssen in Gedanken schon den ganzen Weg, den die Erfinder vorwärts gingen, wieder rückwärts zu gehen versuchen, wenn wir wissen wollen, wie das erst« Messer ausge sehen hat. Also denk' dir erst den Stempel fort, der in die Klinge gepreßt ist. Der Mann, der das erste Messer geschmiedet, hat sicher nicht daran gedacht, seinen Namen in die Klinge zu pressen. Er hat vielleicht überhaupt noch keine Buch staben gekannt. Denk' dir ferner den Messing ring fort, der die Kling« von dem Heft« ab schließt und den Griff festpreßt. Einen solchen Ring hat das erste Messer nicht gehabt und ist doch ein Messer gewesen. Erst als man tausend Messer verbraucht und gar oftmals erlebt hatte, daß sich durch festen Druck der Griff von der Klinge nach und nach ablöste, erst da ist ein kluger Mann gekommen und hat gesagt: Halt! Ich hab's! Ich leg' einen Eisenring herum, der hält Griff und Messer untrennbar zusammen. Denk' dir auch den Griff ohne die beiden blanken Messingnieten, durch welche Klinge und Heft außerdem ver bunden sind. Bei dem ersten Messer hat man noch nicht ans Nieten gedacht, da hat man wohl einfach die Klinge zwischen ein paar Holzstücke ge klemmt und alle Teile recht fest mit einem Faden oder einer Tiersehne umwickelt, wie die Indianer das noch heute machen. Erst als die Menschen sich manche Quese an den Fingern geholt hatten vom festen Zupacken, erst da ist wohl ein Kluger auf den Gedanken gekommen, ein paar feste Nieten zu verwenden. Denk' dir aber auch vor allem die scharfe Spitze fort, und das Verhältnis der Länge zur Breite der Klinge mag früher auch ein anderes ge wesen sein. Denn es ist sicher nicht gleich zum Käseschueiden eingerichtet worden, und nicht etwa ein Krämer ist es gewesen, der es gebrauchte. Viel stumpfer und plumper mag es ausgesehen haben. Und glaub' auch nicht, daß die Klinge so fein glatt poltert und die Schneide so scharf gewesen ist. Und nun denk' dir vor allem den Griff fort. Das erste Messer war grifflos und wurde einfach an der klinge angepackt, und zwar so lange ist das Ge brauch gewesen, bis man in der eigenen Hand die Unbequemlichkeit deutlich merkte. Und dann denk' dir zum Schluß die nackte Klinge nicht aus Eisen, sondern aus Stein, aus Feuer stein. Und denk' dir dies Feuersteinmeffer recht rauh mit vielen unebenen Stellen, und du hast das erste Messer vor dir, das Messer, welches der wilde Mann vor mehr als zweitausend Jahren in den Urwäldern unserer Heimat ge brauchte, um dasFleisch derTiere, die er erbeutet, damit zu zerschneiden. Nein, zerschneiden darf ich nicht sagen, es muß heißen: dai Fleisch in rauhe Lappen auSewanderzuzerren. Aber woher weiß man denn, daß das erste Messer wirklich nur ein spitzer rauher Feuer stein gewesen ist, der mit einem anderen Steine kunstlos(oder muß ich sagen kunst voll?) zurecht geklopft wurde? Das sagt uns erstmal unser Verstand, und dann sagen es uns auch die Feuersteinmesser selbst, die man noch in unseren Tagen als Überbleibsel aus uralten Zeiten in den Mooren und Heiden und Hünengräbern findet. Sie sehen all« ein ander ähnlich: spitzige Steine, denen man noch deutlich ansieht, daß sie behauen sind. Und wer war nun der. Erfinder des Messers? Jener Wilde, der zuerst auf den Gedanken kam,«inen Feuerstein mit Hilfe eines anderen zuzuhauen. Und nun zum Schluß bitte ich dich: Ver gleiche in Gedanken ein solches Feuerstein messer mit diesem Kunstwerk hier im Schau fenster des Messerladens. Dann wirst du erst eine kleine Ahnung bekommen von der„Kunst", die es an diesem Prunkstück zu bewundern gilt. H. Scharrelmaun. Spruch. Immer strebe zum Ganzen, und kannst du selber kein Ganzes werden, Als ein dienendes Glied schließ' an ein Ganzes dich an. Schiller. 4 Für unsere Kinder Erlkönigs Tochter. «we dänische Ballade. Au« Serder«.Stimmen der Böller in Liedern». Herr Oluf reitet spät und weit, Zu bieten aus seine Hochzeitleut'; Da tanzen die Elfen auf grünem Strand, Erlkönigs Tochter reicht ihm die Hand. „Willkommen, Herr Oluf, was eilst von hier? Tritt her in den Reihen und tanz' mit mir." „Ich darf nicht tanzen, nicht tanzen ich mag, Frühmorgen ist mein Hochzeittag." „Hör' an, Herr Oluf, tritt tanzen mit mir, Zwei güldne Sporen schenk' ich dir. „Ein Hemd von Seide, so weiß und fein, Meine Mutter bleicht's mit Mondenschein." „Ich darf nicht tanzen, nicht tanzen ich mag, Frühmorgen ist mein Hochzeittag." „Hör' an, Herr Oluf, tritt tanzen mit mir, Einen Hausen Goldes schenk' ich dir." „Einen Haufen Goldes nähm' ich wohl; Doch tanzen ich nicht darf noch soll." „Und willt, Herr Oluf, nicht tanzen �nit mir, Soll Seuch' und Krankheit folgen dir." Sie tät einen Schlag ihm auf sein Herz, Noch nimmer fühlt' er solchen Schmerz. Sie hob ihn bleichend auf sein Pferd, „Reit' heim nun zu dein'm Fräulein wert." Und als er kam vor Hauses Tür, Seine Mutter zitternd stand dafür. „Hör' an, mein Sohn, sag' an mir gleich, Wie ist dein' Farbe blaß und bleich?" „Und sollt' sie nicht sein blaß und bleich, Ich kam in Erlenkönigs Reich." „Hör' an, mein Sohn, so lieb und traut, Was soll ich nun sagen deiner Braut?" „Sagt ihr, ich sei im Wald zur Stund', Zu proben da mein Pferd und Hund." Frühmorgen, und als es Tag kaum war, Da kam die Braut mit der Hochzeitschar. Sie schenkten Met, sie schenkten Wein, „Wo ist Herr Oluf, der Bräul'gam mein?" „Herr Oluf, er ritt in Wald zur Stund', Er probt allda sein Pferd und Hund." Die Braut hob auf den Scharlach rot, Da lag Herr Oluf, und er war tot. Die Feuersbrunst auf dem Meere. Au« dein Russischen de« Iwan Turgenjew. Es war im Mai IMS. Ich befand mich mit einer Menge anderer Passagiere auf dem Dampfschiff„Nikolaus I.", das die Reis« zwischen Petersburg und Lübeck machte. Weil damals die Eisenbahnen noch wenig entwickelt waren, wählten alle Reisen den den Seeweg. Aus demselben Grunde führten auch viele derselben eigene Equipagen zu ihrer Weiterreise über Deutschland, Frank reich usw. mit sich. An Passagieren waren wir gegen 280, dabei 20 Kinder eingerechner. Ich war damals sehr jung, und da ich nicht an Seekrankheit litt, von all diesen neue» Ein drücken sehr gefesselt. Mein Mütterchen ließ mich zum erstenmal allein reisen, und ich hatte ihr versprechen müssen, mich vernünftig zu betragen und vor allen Dingen keine Karten anzurühren.... Und es war gerade dies letztere Versprechen, welches zuerst gebrochen wurde. An dem Abend, um welchen es sich hier handelt, war eine große Gesellschaft in der allgemeinen Kajüte, unter anderem befanden sich dort einige in Petersburg sehr bekannte Spieler. Sie legten jeden Abend Bank auf, und das Gold klang ohrenbetäubend. Einer dieser Herren, welcher sah, daß ich mich abseits hielt, und den Grund davon nicht kannte, schlug mir unerwartet vor, mich an seinem Spiele zu beteiligen; als ich mit der Unbefangenheit meiner neunzehn Jahre ihni die Ursache meiner Zurückhaltung erklärte. lachte er laut auf und rief, sich an seine Ge fährten wendend aus, daß er ein« Seltenheit gefunden habe: einen jungen Mann, der nie Karten angerührt habe und infolgedessen be sonders ausersehen sei, gewaltiges, unerhörtes Glück zu haben, das echte Glück der Un eingeweihten!... Ich weiß nicht, wie es zuging, aber binnen zehn Minuten saß ich schon am Spieltisch, die Hände voll Karten, mit gesichertem Anteil am Spiel— und spielte, spielt« verzweifelt. Und es muß zugegeben werden, daß das alte Sprichwort nicht log. Das Geld strömte mir zu; zwei Haufen Goldes erhoben sich auf dem Tische zu beiden Seilen meiner zitternden und mit Schweißtropfen bedeckten Hände. Plötzlich wurde die Türe der Kajüte weit aufgerissen, eine Dame stürzte ganz außer sich herein, rief mit brechender Stimme„Feuer!" Für unsere Kinder 5 Die Matrosen, größtenteils Dänen, flößten mit ihren energischen, falten Gesichtern und dem beinahe blutigen Glanze der Flammen auf den Messerklingen, eine unwillkürliche Furcht ein. Es wehte ein ziemlich heftiger Wind; er verstärkte sich noch durch das Feuer, welches in reichlich einem Drittel des Schiffes faufte. Ich muß gestehen was auch die männliche Hälfte des Menschengeschlechts davon denken möge, daß die Frauen bei dieser Gelegenheit mehr Herzhaftigkeit bewiesen, als die Männer. Indes waren auch Männer da, welche Furchtlosigkeit zeigten. Ich erinnere mich besonders eines Herrn: er warf Stiefel, Halstuch und überrock ab, welch letteren er sich mit den Armeln auf der Brust zusammenband, und während er auf einem dicken ausgespannten Seile saß, baumelte er mit den Beinen, rauchte ruhig seine Zigarre und be. trachtete jeden von uns der Reihe nach mit der Miene spöttischen Mitleids. und fiel ohnmächtig auf den Diwan. Dies| möglich war, zur Maschine zu gelangen, die brachte eine gewaltige Aufregung hervor; nie- Richtung unseres Schiffes änderte, welches mand blieb an seinem Plaze; Gold, Silber, anstatt senkrecht auf das Ufer zu, auf Lübeck Bankbilletts polterten durcheinander und ver- zufuhr und unfehlbar eher verbrannt wäre, streuten sich nach allen Seiten, und wir stürzten als es den Hafen erreichte; und zweitens alle davon. Daß wir den Rauch nicht eher dadurch, daß er den Matrosen befahl, ihre bemerkt hatten, der schon in die Kajüte ge- Faschinenmesser zu ziehen und ohne Gnade drungen war? Ich kann es durchaus nicht jeden niederzustechen, der es versuchen würde, begreifen! Die Treppe war voll davon. Eine die Hand an eine der beiden übriggebliebenen dunkelrote Glut, wie von brennenden Stein- Schaluppen zu legen, alle anderen waren, fohlen, lohte hier und da auf. In einem dank der Unerfahrenheit der Passagiere, die Augenblick waren alle auf dem Verdeck. Zwei sie ins Wasser lassen wollten, umgeschlagen breite, durch das Feuer geteilte Rauchsäulen erhoben sich auf beiden Seiten des Schornsteins und längs des Mastes; es begann ein schreckliches Getümmel, das auch nicht mehr aufhörte. Die Unordnung war unbeschreiblich: man fühlte, daß der verzweifelte Trieb der Selbsterhaltung alle diese menschlichen Wesen ergriffen hatte, und unter ihnen mich nicht zulegt. Ich erinnere mich, daß ich einen Matrosen bei der Hand faßte und ihm von meiner Mutter zehntausend Rubel versprach, wenn es ihm gelänge, mich zu retten. Der Matrose, welcher natürlich meine Worte nicht ernsthaft nehmen fonnte, machte sich von mir los; und ich selbst bestand auch nicht darauf, da ich einsah, daß in meinen Worten kein rechter Sinn war. Übrigens war in dem, was ich um mich her sah, nicht mehr Sinn. Irgend ein General mit verstörtem Blick hörte nicht auf zu rufen: Man muß einen Boten zum Zaren schicken.". Ein anderer Herr, mit einem Regenschirm in Händen, begann plöglich ein schlechtes, in Ol Was mich anbetrifft, so hatte ich Zuflucht gemaltes Brustbild, welches an seiner Staffelei auf einer äußeren Treppe gefunden, wo ich befestigt war und unter dem Gepäck stand, mit mich auf einer der letzten Stufen niedergesetzt Erbitterung zu durchlöchern. Mit der Spize hatte. Ich sah starr nach dem roten Schaum, feines Schirmes stieß er fünf Löcher: durch der unter mir brodelte und dessen Sprizflocken beide Augen, Nase, Mund und Ohren. Diese mir ins Gesicht flogen und sagte zu mir:„ So Zerstörung begleitete er mit dem Ausruf: muß man hier mit neunzehn Jahren um,, Wozu jetzt das alles?". Und dabei gehörte tommen!" ich hatte mich dorthin begeben, ihm dies Gemälde nicht einmal! Gin dicker weil ich fest entschlossen war, lieber zu erHerr, ganz in Tränen, der einem deutschen trinken, als zu verbrennen. Die Flamme Bierbrauer ähnlich sah, hörte nicht auf, mit züngelte im Bogen über mich hin und ich weinerlicher Stimme zu wimmern:„ Kapitän! unterschied ihr Geheul sehr wohl von dem Kapitän!..." Und als der Kapitän, dem Brausen der Wogen. die Geduld riß, ihn am Kragen packte und ihm zurief:„ Nun? Ich bin der Kapitän, was wollen Sie?" sah ihn der Dicke niedergeschmettert an und begann von neuem zu stöhnen: ,, Rapitän!" " Nicht weit von mir, auf eben jener Treppe, faß eine kleine alte Frau, wohl die Köchin irgend einer der nach Europa reisenden Familien. Indem sie das Gesicht in den Händen barg, flüsterte sie, wie es schien, Gebete. Aber Übrigens war es eben dieser Kapitän, der da erklang auf einmal wie dröhnendes Erz uns allen das Leben rettete. Erstens dadurch, über uns eine Stimme( es war die unseres daß er in der letzten Minute, als es noch| Retters): Was tut ihr Unglücklichen dort? 6 Für unsere Kinder Ihr werdet umkommen—, her zu mir!' Und sofort, ohne ein Bewußtsein, ob uns jemand gerufen habe, noch wohin wir uns begeben mußten, sprangen die Alte und ich, wie von Federn emporgeschnellt, auf und stürzten durch den Rauch hinter einem Malrosen in einer blauen Jacke her, welcher vor uns eine Strick leiter hinaufstieg; ohne zu wissen warum, er stieg auch ich hinter ihm diese Leiter; ich glaube, daß wenn er sich in diesem Augen blick ins Wasser geworfen oder irgend etwas ganz Ungewöhnliches getan hätte, was es auch hätte sein mögen, ich ihm blind gefolgt wäre- Nachdem er ein paar Stufen erklommen hatte, sprang der Matrose schwerfällig von da aus eine der Equipagen, unter der es schon an gefangen hatte zu brennen. Ich sprang hinter ihm drein und hörte, wie auch die Alte hinter mir her kam; dann sprang der Matrose von dieser ersten Equipage auf eine zweite und eine dritte und ich immer hinter ihm her— und so gelangten wir bis zum Schnabel des Dampfschiffs. Hier waren beinahe alle Passagiere ver sammelt. Die Matrosen ließen unter Leitung des Kapitäns eine unserer beiden Schaluppen ins Meer hinab— zum Glück die allergrößte. Uber den anderen Bord erblickte ich die hell vom Feuer beleuchteten Uferselsen, welche sich bis nach Lübeck hinziehen. Es waren gute zwei Werst(Kilometer) bis zu diesen Felsen. Ich konnte nicht schwimmen— an der Stelle, wo wir auf eine Sandbank geraten waren, war es aller Wahrscheinlichkeit nach nicht tief, aber die Wogen gingen sehr hoch. Und den noch, als ich erst die Felsen erblickte, bemäch tigte sich meiner die Zuversicht, daß ich ge rettet sei, und zum Erstaunen der mich um gebenden Personen sprang ich ein paarmal in die Höhe und schrie„Hurra!" Mich ver langte nicht, näher an den Platz hinzugehen. wo sich die Menge drängte, um zu der Treppe zu gelangen, welche zur großen Schaluppe führte— dort waren zu viele Frauen, Greise und Kinder; und ich beeilte mich auch von da an, wo ich die Felsen gesehen hatte, nicht mehr: ich war überzeugt, gerettet zu sein. Ich bemerkte mit Erstaunen, daß fast keines der Kinder Furcht zeigte, daß einige derselben sogar auf dem Arme der Mutter eingeschlafen waren. Kein einziges Kind kam um. Ich sah in der Milte der Gruppe von Passagieren den großen General; von seinen Kleidern floß Wasser; er stand unbeweglich, gestützt auf eine in die Höhe gerichtete Bank, die er sich eben losgerissen hatte. Man sagte mir, daß er im ersten Augenblick sinnlosen Schreckens eine Frau brutal zurückgestoßen habe, die ihm zuvorkommen und eher als er in eins der ersten Boote springen wollte, die dann durch Schuld der Passagiere umstürzlen. Einer von den Beamten auf dem Dampfer hatte ihn in den Rock gepackt und mit aller Kraft ins Schiff zurückgeworfen. Der alte Soldat, der sich seiner augenblicklichen Feigheit schämte, hatte geschworen, nur als Letzter, nach dem Kapitän, das Schiff zu ver lassen. Er war von hoher Gestalt, blaß, hatte eine blutige Schmarre auf der Stirn und sah mit zerknirschtem, demütigem Blicke um sich, als wolle er um Verzeihung bitten. Nunmehr näherte ich mich dem linken Schiffs borde und sah unsere kleine Schaluppe wie ein Spielzeug auf den Wellen tanzen; zwei in der selben befindliche Matrosen luden die Passa giere durch Zeichen ein, den gefährlichen Sprung in dieselbe hinein zu machen— aber das war nicht leicht:„Nikolaus I." war ein Linienschiff, und man mußte sehr geschickt hinabfallen, um die Schaluppe nicht umzuwerfen. Endlich ent schloß ich mich; ich begann damit, daß ich mich auf die Ankerkette stellte, welche außen längs des Schiffes ausgespannt war, und war schon im Begriff, den Sprung zu machen, als eine dicke, schwere, weiche Masse auf mich stürzte. Eine Frau umklammerte meinen Hals und hängte sich regungslos an mich. Ich ge stehe, mein erster Impuls war, ihre Hände mit Gewalt über meinen Kopf zu werfen und mich auf diese Weise von der schweren Masse zu befreien: zum Glück folgte ich diesem Im puls nicht. Der Anprall hätte uns beide fast ins Meer geworfen; glücklicherweise baumelte aber gerade da vor meiner Nase ein Tauende, welches weiß Gott von wo herabhing und an das ich mich mit der einen Hand an klammerte, voll Unwillen, daß ich mir dabei die Hand bis aufs Blut wund scheuerte.... Als ich dann nach unten blickte, sah ich, daß ich und meine Last sich auf einmal über der Schaluppe befanden und... nun mit Gott! Ich glitt hinab... das Boot erbebte in allen Fugen.... Hurra! schrien die Matrosen. Ich legte meine Last, welche ohnmächtig war, auf den Boden des Bootes nieder und wandte so gleich mein Gesicht dem Schiffe zu, auf dem ich eine Menge Köpfe sah, namentlich von Frauen, die sich fieberhaft längs des Bordes drängten. Für unsere Kinder 7 .Springt!" rief ich, die Hände ausstreckend. In diesem Augenblick verlieh nur der Erfolg meines kecken Wagnisses und die Zuversicht, daß ich mich außer Gefahr vor dem Feuer defand, eine unaussprechliche Kraft und Kühn heit, und ich fing die einzigen drei Frauen, welche sich entschlossen, in meine Schaluppe zu springen, so leicht auf, wie man zur Zeit der Obstlese Apfel sängt. Wir ruderten nun sofort mit allen Kräften dem Ufer zu, be gleitet von den Zurufen:„Kehrt so schnell wie möglich zurück! Schickt uns die Schaluppe wieder!" Aus diesem Grunde mußten wir, als es sich auswies, daß wir nicht mehr als eine Arschine(71 Zentimeter) Tiefe hatten, aussteigen. Schon seit einer Stunde war ein seiner, kalter Sprühregen gefallen, der zwar auf daS Feuer durchaus keinen Einfluß ge habt hatte, uns aber schließlich bis auf die Knochen durchnäßte. Endlich erreichlen wir jenes ersehnte Ufer, welches sich als nichts anderes auswies als ein ausgedehnter Sumpf flüssigen und klebrigen Schlammes, in dem die Beine bis an die Knie festgehalten wurden. Unser Boot entfernte sich und fuhr gleich der großen Schaluppe zwischen dem Schiffe und dem Ufer hin und her. Passagiere ver unglückten wenige, im ganzen acht; einer siel in den Kohlenraum, ein anderer ertrank, weil er all sein Geld mit sich nahm. Was das Gepäck anlangt, so ging es beinahe vollständig zugrunde, ebenso auch die Equi pagen. Unter den Damen, die sich aus dem Schiff bruch retteten, befand sich eine Frau, welche sehr hübsch und liebenswürdig war; da sie durch ihre vier kleinen Töchter und deren Wärterinnen gebunden war, blieb sie einsam mit bloßen Füßen und kaum bedeckten Schul tern am User zurück. Ich hielt es für geboten, den Ritter zu spielen, was mich meinen Über rock, den ich bis dahin bewahrt hatte, mein Halstuch und meine Stiefel kostete; außerdem hielt ein Bauer mit seinem Wagen und beiden Pferden, welchen zu holen ich die steile Küste erstiegen und den ich von dort vorausgeschickt hatte, es nicht für nötig, auf mich zu warten, fondern fuhr mit allen meinen Reisegenossen nach Lübeck davon, so daß ich halb entkleidet, bis auf die Knochen durchnäßt, angesichts des Meeres, auf dem unser Dampfer langsam .niederbrannte, allein blieb. Ich sage absicht- !lich„niederbrannte", well ich nie geglaubt hätte, daß ein solches Ungetüm von Maschine so bald vernichtet werden könnte. Da war jetzt nichts weiter als ein breiter Flammen fleck, der unbeweglich auf dem Meere stand, von den dunleln Umrissen des Schornsteins und des Mastes durchfurcht war und um den sich in schwerfälligem, gleichgültigem Fluge Seemöwen umhertrieben— dann eine große Garbe von Asche, besät mit kleinen Funken, die sich weit über die schon weniger unruhigen Wogen ausstreute.— Und das ist alles? dachte ich: und ist denn unser ganzes Leben nicht nur ein Häufchen Asche, welches in alle Winde zerstreut wird? Zum Glück für den Philosophen, dem schon die Zähne zu klappern anfingen, nahm mich ein anderer Fuhrmann mit. Er ließ sich da für zwei Dukaten zahlen, dagegen hüllte er mich aber auch in seinen dicken Mantel und sang mir zwei oder drei mecklenburgische Lieder vor, die mir sehr gefielen. So langte ich mit Tagesanbruch in Lübeck an: dort traf ich meine Schiffbruchsgenossen, und wir be gaben uns nach Hamburg. Der Matrose, dem ich für meine Rettung im Namen meiner Muller eine unverhältnis mäßige Summe versprochen hatte, erschien bei mir, um die Erfüllung meines Versprechens zu verlangen. Aber da ich nicht völlig über zeugt war, ob er es auch wirklich war und er auch durchaus nichts getan hatte, um mich zu retten, so bot ich ihm einen Taler an, den er auch dankbar annahm. Der Ochse auf der Löwenhochzeit. Don Theodor Etzel. Der Löwe hielt Hochzeit. Da bat er zum Feste Die Großen des Reiches als Zeugen und Gäste. Er sandte die Boten zum Tiger, zum Luchse, Zum Panther, zum Bären, zum Wolfe, zum Fuchse. Er sandte zu allen von Adel und Ehren, Den Glanz seines freudigen Festes zu mehren. Vom Armenvolk aber, vom Gros der Proleten, Natürlich ward niemand zu Gaste gebeten! — Doch plötzlich durchlief eine seltsame Kunde Die Reihen der Niedern von Munde zu Munde: Es habe der Löwe in huldvollsten Gnaden Zuletzt auch den Ochsen zur Hochzeit geladen. S Für unsere Kinder ,, Nicht möglich!" so rief man, und alle erschienen| nicht was für ein Geruch in die Nase kam, Beim glücklichen Ochsen mit zweifelnden Mienen. sprach:„ Etwas ist ohne Zweifel vorhanden, Ist's wahr denn?" Der brüllte:„ Nun ja! selbstverständlich! Der König erweist sich mir endlich erkenntlich!" Und labte sich, süßer als je auf der Weide, Am Staunen der Tiere und an ihrem Neide. Und schmückte sich festlich mit blumigem Kranze Und stolzte zu Hof mit erhobenem Schwanze. - Der Löwe sprach gnädig: Herr Ochse, willfommen!" Und hat ihn dann freundlich beiseite genommen. Vermutlich verleiht er ihm jetzt einen Orden? Erst spät ist der Ochs wieder sichtbar geworden. Das war bei dem Festmahl der Aristokraten, Da saß der Beglückte- fein tnusprig gebraten! Die sieben Schwaben. Einmal waren sieben Schwaben beisammen, der erste war der Herr Schulz, der zweite der Jockli, der dritte der Marli, der vierte der Jergli, der fünfte der Michel, der sechste der Hans, der siebente der Veitli; die hatten alle siebene sich vorgenommen, die Welt zu durchziehen, Abenteuer zu suchen und große Taten zu vollbringen. Damit sie aber auch mit bewaffneter Hand und sicher gingen, sahen sie's für gut an, daß sie sich zwar nur einen einzigen aber recht starten und langen Spieß machen ließen. Diesen Spieß faßten sie alle siebene zusammen an, vorn ging der fühnste und männ lichste, das mußte der Herr Schulz sein, und dann folgten die andern nach der Reihe und der Veitli war der letzte. Nun geschah es, als sie im Heumonat eines Tages einen weiten Weg gegangen waren, auch noch ein gut Stück bis in das Dorf hatten, wo sie über Nacht bleiben mußten, daß in der Dämmerung auf einer Wiese ein großer Roßfäfer oder eine Hornisse nicht weit von ihnen hinter einer Staude vorbeifiog und feindlich brummelte. Der Herr Schulz erschrak, daß er fast den Spieß hätte fallen lassen und ihm der Angstschweiß am ganzen Leibe aus brach. Horcht, horcht," rief er seinen Gesellen, ,, Gott, ich höre ein Trommel!" Der Jockli, der hinter ihm den Spieß hielt und dem ich weiß denn ich schmeckt' das Pulver und den Zündstrick." Bei diesen Worten hub der Herr Schulz an die Flucht zu ergreifen, und sprang im Hui über einen Zaun, weil er aber gerade auf die Zinken eines Rechens sprang, der vom Heumachen da liegen geblieben war, so fuhr ihm der Stiel ins Gesicht und gab ihm einen ungewaschenen Schlag.„ O wei, o wei," schrie der Herr Schulz, nimm mich gefangen, ich ergeb' mich, ich ergeb' mich!" Die andern sechs hüpften auch alle einer über den andern herzu und schrien:„ Gibst du dich, so geb' ich mich auch, gibst du dich, so geb' ich mich auch." Endlich, wie kein Feind da war, der sie binden und fortführen wollte, merkten sie, daß sie betrogen waren: und damit die Geschichte nicht und gespottet würden, verschwuren sie sich unter die Leute käme, und sie nicht genarrt untereinander, solang davon still zu schwei gen, bis einer unverhofft das Maul austäte. ( Schluß folgt.) Schneckenlied. Von Viktor Blüthgen. Schneck, Schneck, Mäuschen, Kriech' vor aus deinem Häuschen! Hier steht ein kleiner Käferherr Und fragt, wie teur die Miete wär'. Schneck, Schneck, Schlecker, Schmeckt dir der Klee noch lecker? Hier ist ein bißchen Krautsalat; So komm doch her und friß dich satt! Schneck, Schneck, Schneider, Du hast ja teine Kleider! Komm mit, wir fahren nach Berlin, Da tauf' ich dir was anzuziehn. Schneck, Schneck, Tröpfchen, Was hast du da für Knöpfchen, Was hast du da für Körnerchen Auf deinen vier fünf Hörnerchen? Schneck, Schneck, Liebchen, Kriech' wieder in dein Stübchen Und such' dir da dein Schlüsselein; Es kann ja jeder Dieb hinein! Berantwortlich für die Redaktion: Frau Klara Bettin( Bundel), Wilhelmshöhe, Post Degerloch bei Stuttgart. Druck und Berlag vou Paul Singer in Stuttgart.