Für unsere Kinder Nr. 2ooooooo Beilage zur Gleichheit ooooooo 1908 Inhaltsverzeichnis: Herbstnacht. Von Gott-| auch, was ihr da besingt? Vielleicht fann ich fried Keller.( Gedicht.) Modernes Heldentum. euch bei der Antwort auf diese Frage etwas Von Brand. An meinen Sohn. Von Percy behilflich sein. Bysshe Shelley.( Gedicht.) Meister Lampes Reitpferd. Zwei Treibhauspflanzen. Von Hebe. Herbst. Von Robert Reinic.( Gedicht.) Die sieben Schwaben. Von Grimm. ( Schluß.) Herbstnacht. Uon Gottfried Keller. Herbstnächtliche Wolken, sie wanken und ziehn Gleich fieberisch träumenden Kranken dabin; Auf Bergwald und Seele die Düsternis rubt, Ob kalt sie auch Wind und Gedanken durchfliehn. Wenn es schon wahr ist, daß man die Menschen am besten an ihren Taten erkennen fann, so wollen wir uns die Taten jener " Helden" doch einmal etwas genauer ansehen. Damit euch die Prüfung nicht allzu schwer falle, wollen wir nicht gar zu weit rückwärts schauen. Da ist zum Beispiel„ Das Lied vom Schill"( Arndt). Warum ist Schill ein ,, tapferer Held"? Das Lied gibt uns selbst ausgiebige Antwort. .. Er führte sechshundert Reiter ins Feld; Sechshundert Reiter mit redlichem Mut, Sie dürfteten nach Franzosenblut. Und sie haben ihr Handwerk gut verstanden; Klar strahlend jedoch tritt hervor nun der Mond, sie haben das fette Land mit französischem Und weithin die nebel entschwanken um ihn; Geh' auf auch im Herzen mir, lieblicher Stern, Dem immer die Schatten noch sanken dahin! Modernes Heldentum. " Modernes Heldentum! Sind das nicht zwei Dinge, die nicht zusammengehören? Gibt es denn jetzt noch„ Helden"? überhaupt: Was sind das für Wesen, die man mit diesem Ehrennamen bedenkt? War Alexander, den sie den Großen" nennen, ein Held? War Gäsar ein Held? Und Hermann, der Cherusfer? Und Blücher? Und Moltke, Bismard, Wilhelm I.? Aus dem Geschichtsunterricht der Schule wirst du wahrscheinlich die Meinung nach Hause gebracht haben, daß jene Männer selbstverständlich große Helden" gewesen seien, und daß meine Fragen also eigentlich recht unpassend sind. In guten und schlechten Gedichten und Geschichten werden die ,, Helden" taten dieser Männer gefeiert und in Liedern werden sie besungen. Wer ist der greise Siegesheld...?" Antwort:„ Dein Wilhelm, dein Wilhelm, dein Kaiser Wilhelm ist's!" Dder:„ Es ritt aus Berlin ein tapferer Held?" Kennt ihr diese Lieder? O ja, thr fennt noch viele andere, die nicht eimal so gut sind wie diese beiben. Und immer singt ihr darin von Belben und Beldentaten! Wist ihr denn Blut gefärbt. Franzosen zu töten, das deucht ihnen gut." Ein anderes Lied:„ Das Lied vom Feld. marschall"( Arndt). Was hat der Feldmarschall Blücher getan, das ihn zum Helden gemacht hat? Das Lied antwortet:„ Whit eisernem Besen das Land rein gemacht. ... " .. Zehntausend entschliefen, die nie wachen auf... Bei Leipzig auf dem Plane, o herrliche Schlacht! Da brach er den Franzosen das Glück und die Macht..." Ein anderes Lied: Kaiser Wilhelm" ( Hoffmann v. Fallersleben). Warum ist Raiser Wilhelm ein„ greiser Siegesheld"? Antwort: Er hat für dich in blutiger Schlacht besiegt den ärgsten Feind". Soll ich noch mehr, Helden" taten aufzählen? Eure Geschichtsbücher wissen sicher noch viel, viel mehr. Ich denke aber, die Taten, die ich erwähnt habe, genügen vollauf, um euch erfennen zu lassen, daß die Helden" taten jener Männer von Blut triefen. ... zu töten, das deucht ihnen gut." Soweit deutsche Helden verherrlicht werden, sind es natürlich fast immer die vermaledeiten Franzosen, denen der Garaus gemacht werden foll; denn sie sind ja„ der Erbfeind". Es gibt in unserem lieben Vaterland bald fein Fleckchen Erde mehr, das nicht durch die Zaten seiner großen Helden" mit Blut ge tränkt ist. 10 Für unsere Kinder Nun frage ich dich, du deutsches Arbeiter kind: Sind diese Heldentaten wirklich des Ruhmes wert? Erfüllt dich nicht Trauer und Entsetzen, wenn du liest von dem grauenvollen Morden und Schlachten der Völkerkriege? Und diese schrecklichen Dinge willst du in Liedern besingen? Besinne dich! Vielleicht entgegnest du mir:„Freilich sind die Kriege schlimm und verabscheuungswürdig; aber wenn doch nun die Franzosen immer anfangen.. Wen meinst du damit: die Franzosen? Das französische Volk? Liebes Kind, das Volk sängt überhaupt keinen Krieg an, weder das französische noch das deutsche. DaS Volk haßt den Krieg, der seine Söhne mordet und seine Töchter zu Witwen macht. Frage deinen Vater und deine Mutter; sie werden dir sagen, daß das deutsche und französische Volk sich längst die Bruderhand gereicht haben. Die Kriege werden von anderen Leuten gemacht, welche die Völker gegeneinander Hetzen, um den selbstsüchtigen Interessen der Reichen und Mächtigen zu dienen. Das sind ihre„Helden"- taten! Nun könntest du mir noch eins entgegnen: „Aber es gehört doch Mut und Taserkeit dazu, sein Leben in die Schanze zu schlagen." Das klingt nicht übel. Sein Leben in die Schanze schlagen; aber das allein tut's nicht. Jeder Räuber und Rausbold tut dasselbe und erntet mit Recht unseren Abscheu. Nein, es muß noch etwas hinzukommen: Eine große und gute Sache muß der Preis sein. Wer dafür sein Leben wagt, der ist ein Held; der ver dient unser Lob. Nun will ich zwar nicht in Abrede stellen, daß auch unter den Kriegs helden manche gewesen sind, die für eine gute und gerechte Sache gefochten haben. An ihrem Ruhme soll nichts geschmälert werden; aber dann sollte man auch nicht vergessen, daß derselbe Ruhm jedem ihrer„gemeinen" Sol daten gebührt, der ebensogut sein Leben in die Schanze geschlagen hat.„Zehntausend entschliefen, die nie wachen auf..." Aber weg von den Stätten des Blutver gießens; ich weiß euch bessere„Helden". Und ganz„moderne" dazu. Kennt ihr Fridtjof Nansen, den Nordpolfahrer? Er hat alles, was er hatte, Weib und Kind und Gut und Leben an die Erreichung eines hohen Zieles gesetzt: Er wollte den Nordpol entdecken und hat unter ungeheuren Mühen und Entbehrungen eine Fahrt durch Nacht und Eis unternommen. Was dünkt euch, war er ein Held? Oder ein anderer: Der Graf Zeppelin. Er hat alles, was er hatte, an die Erreichung seiner Lebensaufgabe gesetzt; er setzte sein Leben ein für eine große Sache. Was dünkt euch, ist er ein Held? Aber ich weiß noch andere Helden und Heldinnen. Ihre Zahl ist Legion, und wenn es euch auch erst wunderlich vorkommt, daß ich in diesem Zusammenhang von ihnen spreche, so will ich's doch tun. Ich kenne eine Frau, die bringt den Leuten Grünwaren ins Haus. Ihr Mann ist seit zwanzig Jahren tot; sie hat drei Kinder, zwei Söhne und eine Tochter, alle wohlerzogen und jetzt in guten Stellungen. Die Frau hat keine Hilfe gehabt und keine begehrt. Nach mittags geht sie seit vielen Jahren zum Waschen und Reinmachen aus. Was dünkt euch, ist diese Frau eine Heldin? Ich kenne«inen Mann; er ist Tischler; seine Frau ist seit langen Jahren krank, schwer krank, so daß sie nichts verdienen kann. Die Kinder gehen noch alle zur Schule. Der Ver dienst des Mannes ist gering; aber er hält den Kopf aufrecht; er opfert sogar mit Freuden seine wenigen Groschen für die Brüder der Arbeit, seine Kameraden, die dafür kämpfen, daß der schmale Lohn erhöht wird. Was dünkt euch, ist dieser Mann ein Held?. Ich kenne noch eine Frau. Sie geht in die Fabrik. Ihr Mann verdient nicht viel, und sie muß helfen, daß genug Brot für die Kinder ins Haus kommt. Mittags hastet sie heim, um für die Ihrigen das ärmliche Mahl zu bereiten. Der Feierabend bringt ihr kein Ausruhen. Sie sorgt für Kinder und Mann, kocht, wäscht, flickt und stopft. Und ist sie mit allem ferrig, so liest sie. Sie liest eine Zeitung, sie liest Schriftchen und spricht darüber mit dem Vater. Und manchmal geht sie in Versammlungen, aus denen sie mit glänzenden Augen heim kehrt. Sie erzählt den Kindern von dem, was sie dort gehört hat und was ihr Herz bewegt. Mit der Zeit, die sie ihrem Schlafe abbricht, um zu lernen; mit den Pfennigen, die sie sich abdarbt, uni den Kampf der Ar beiter für ihr Recht zu unterstützen, will sie dazu helfen, daß alle Menschen Wohlgefallen und Freude auf Erden haben sollen. Was dünkt euch, ist diese Frau eine Heldin? Ach, meine Lieben, ich kenne noch sehr viele solcher tapferen Männer und Frauen, die in der Stille ihren schweren Kampf kämpfen gegen Not und Unglück, gegen Armut und Un wissenheit, gegen Unterdrückung und Unrecht. Für unsere Kinder Von ihren Namen meldet ,, kein Lied, kein Helden-| Das lacht dich an so süß und lieb, buch". Ist auch nicht nötig; aber wir wollen nicht vergessen, daß zu ihrem Kampfe sehr oft ein größeres Heldentum gehört, als zu den Taten jener„ Helden", von denen eure Geschichtsbücher erzählen. Der schwerste Kampf, der je gekämpft wurde, das ist der Kampf der zeitgenössischen ArbeiterKlasse für ihre Befreiung aus Unterdrückung und Glend. Sie alle, die ihr Leben in diesem Rampfe einsetzen, sind Helden, denen nachzueifern unser höchstes Ziel ist. Auf, ihr Söhne und Töchter der Arbeiter! Es gilt ein hohes Ziel! Werdet Helden im Kampfe für Freiheit und Recht! An meinen Sohn.* Bon Percy Bysshe Shelley. Brand. Die Wogen schäumen und tosen am Strand, Schwach ist und klein der Kahn, Schwarz grollt das Meer, und am Himmelsrand Schon dunkelt des Sturmes Nahn. O fomm mit mir, geliebter Sohn, Komm mit mir! ob die Wellen drohn Und die Winde heulen, wir müssen an Bord, Sonst reißen die Schergen der Macht dich fort! Sie raubten dir Bruder und Schwesterlein, Und ihr Herz entfremden sie dir; Ihres Lächelns Reiz, ihrer Tränen Schein, Der heil'gen, verlöschten sie mir. Ein toter Glaube, ein Schmachgeseh Warf um ihr jugendlich Haupt sein Netz, Und fluchen werden sie mir und dir, Weil freie Menschen und furchtlos wir. So tomm mit mir, geliebtes Kind! An deiner Mutter Brust Schläft noch, gewiegt im Schlummer lind, Ein zweites unbewußt. * Der Engländer Shelley, der von 1792 bis 1822 lebte, war einer der größten Dichter aller Völker und Zeiten. Sein Herz schlug in Begeisterung für die Freiheit aller Menschen. Seiner freiheitlichen Gesinnung halber wurde er in seinem Vaterland gehaßt und verfolgt. Er siedelte daher nach Italien über. Shelley schrieb das obenstehende Gedicht im Jahre 1819, als ihm der Lordkanzler von England seine beiden Kinder aus erster Ehe unter dem Vorwand vorenthielt, daß er als„ Atheist", das heißt als jemand, der nicht an Gott glaubt, nicht imftande sei, dieselben moralisch zu erziehen. Er fürchtete damals, daß man ihm auch seinen jüngsten Sohn, William, entreißen werde, der übrigens bald darauf in Rom starb. 11 und freut sich dessen, was uns blieb, und wird auf ferner Lande Rain Dein liebster Spielgenosse sein. Nicht ewig herrscht der Tyrannen Wort Und der Priester schmählich Gebot. Sie stehn an des wütenden Stromes Bord, Und besudeln sein Wasser mit Tod. Aus tausend Tälern ihm Zufluß quilt, Rings um sie schäumt er und tobt und schwillt, und Schwert und Zepter entfluten weit, Berknickt, auf den Wogen der Ewigkeit. Still! weine nicht, du teures Kind! Du fürchtest den schaukelnden Kahn Und den kalten Schaum und den pfeifenden Wind? Wir wollen dich schützend umfahn. Deine Mutter und ich, wir kennen die Macht Des Sturmes wohl, der dich zittern macht, Mit all seiner schaurigen Gräber Hut, Die so schaurig nicht wie der Schergen Wut, Die dich forthezt über die schirmende Flut. Gedenken wirst du an diesen Tag Wie an Träume von altem Weh; Bald wird uns umrauschen der Wellenschlag Der blauen italischen See; Oder Hellas umfängt uns, die Mutter der Frein, Und ich will Lehrer und Freund dir sein, Daß du rufen lernst ihre Helden all In ihrer eigenen Sprache Schall, Und, ganz von hellenischem Geist durchloht, Dort fordern mögest in Not und Tod Dein Heimatsrecht als Patriot. Meister Lampes Reitpferd.* Es war Reineke hinterbracht worden, daß Lampe der Frau Gärtnerin prahlend erzählt hätte, sein Vater wäre immer auf Reinetes Rücken ausgeritten. Die Frechheit sollte ihm teuer zu stehen kommen! Reinete machte sich sogleich auf und ging geradeswegs zu Lampes Haus, fand aber die Tür fest verrammelt. Reineke klopfte an, niemand öffnete. Er klopfte nochmals und stärker ans Tor, da hörte er von drinnen eine * Aus„ Meister Lampes luftige Streiche und Abenteuer". Für die Jugend bearbeitet von Martin Boelig. Mit Bildern von Maximilian Liebenwein. Verlag von E. Nister, Nürnberg. Der heitere Text und die prächtigen Juustrationen mit ihrer lebendigen Komik werden das Buch zu einem Liebling der Kleinen machen. 12 Für unsere Kinder jämmerlich« Stimme:.Seid Jhr's, Bruder? Ach, tut mir den einzigen Gefallen und laust zum Arzt, ich Hab' mir heute an der Peter silie den Magen verdorben und fühle mich schrecklich elend." „Ach waS," antwortete Reineke,„bei der Gärtnerin ist heute Gesellschaft, und ich habe versprochen. Euch zu holen. Kommt nur mit." „Ich kann nicht, Bruder." „Ihr müßt, Meister." „Ich kann nicht laufen, Bruder." „Ich will Euch tragen, Meister." „Wie wollt Ihr das anfangen, Bruder?" „In meinen Armen, Meister." „Ihr werdet mich fallen lassen, Bruder." „Nein nein, ich laß Euch nicht fallen, ganz gewiß nicht." Aber Lampe traute dem Frieden nicht und sagte nein. Endlich kamen sie überein, daß er auf Reinekes Nucken reiten sollte. „Habt Ihr denn einen Sattel?" fragte Lampe, „ohne den geht's nicht." „Den werde ich schon holen," antwortete Reineke.„Und wie ist's mit den Zügeln, Bruder?" „Die sollt Ihr auch haben." „Vergeht auch die Scheuklappen nicht, Bruder, sonst erschreck: Ihr über die Baumstümpfe am Wege und werft mich in den Graben." „Es soll an nichts fehlen," sagte Reineke, „die Scheuklappen sollt Ihr ebenfalls be kommen." Nun waren sie einig. Reineke wollte Lampe bis dicht vor das Haus der Gärtnerin bringen, den Rest des Weges sollte er dann zu Fuß zurücklegen. Lampe wußte wohl, daß Reineke ihm etwas antun möchte, aber er wollte schon der Klügere sein. Während er noch Haar und Schnurr bart bürstete, kam Reineke zurück, gesattelt und angeschirrt wie das schönste Zirkuspferd. Er galoppierte bis vor die Haustür und stampsle den Boden, als wäre er sein Leben lang ein Gaul gewesen. Lampe stieg auf, und fort ging es durch die Felder. Reineke konnte, weil er die Scheuklappen an hatte, weder rückwärts noch zur Seite sehen, aber er fühlte doch, wie Lanrpe vorsichtig einen Fuß hochzog. „Was macht Ihr da, Meister?" fragte er. „Ich schnalle nur den Steigbügel etwas kürzer, Bruder." Langsam zog Lampe auch den anderen Fuß empor, in Wahrheit, um Sporen daran zu be festigen. Als sie nun in die Nähe des Hauses kamen, wo Lampe eigentlich absteigen sollte. blieb Reineke stehen. Aber Lampe stieß ihm die Sporen in die Seiten und ließ nicht nach, bis er mit Reineke wirklich vor dem Tor war. Auch jetzt sprang er noch nicht ab, sondern ritt stolz am Balkon vorbei, wo die Gärtnerin mit allen ihren Freundinnen saß, dann trabte er vergnügt in den Stall und band Reineke an einem Pfosten fest. Lampe ging nun ins Haus, machte eine höfliche Verbeugung und reichte jeder Dame die Pfote.„Hatte ich nicht recht," sagte er lachend,„als ich behauptete, Reineke wäre unser Familienpferd? Er ist jetzt ein wenig aus der Übung, aber in vier bis fünf Wochen hoffe ich ihn wieder eingeritten zu haben." Und währenddessen stand Reineke im Stall und konnte durchaus nicht von dem Pfosten loskommen. Endlich wurde es Zeit zum Aufbruch. Des halb verabschiedete sich Lampe von den Damen und saß bald wieder im Sattel. Reineke knurrte, und Lampe ahnte, daß etwas geschehen würde. Solange man das Haus noch sehen konnte, ging alles gut, aber dann war es mit ber Gemütlichkeit vorbei. Reineke bäumte sich, schnaufte und lästerte und tat alles, um den verhaßten Reiter abzuwerfen. Doch das war verlorene Liebesmüh, ebensogut hätte er sich mit seinem eigenen Schatten herumbalgen können. Jedesmal, wenn Reineke störrnch wurde, fühlte er die Sporen in den Flanken, und angenehm war das nicht. Der ganze Boden war schon aufgewühlt, da kam Reineke endlich aus einen guten Einfall: er warf sich platt in den Sand, rollte ein paarmal hin und her, und das hob Lampe natürlich aus dem Sattel. Aber als Reineke wieder aus den Beinen stand, raste Lampe schon in wilder Hast durchs Gebüsch, und eine Hetzjagd ging an, bei der unser Meister sich nur mit knapper Not in einen hohlen Baumstamm retten konnte. Da war er vorläufig in Sicherheit, denn das Loch war zu klein, um Reineke durchzulassen, der sich nun völlig erschöpft davor hinstreckte. Als er so dalag, kam Freund Bussard einher- spazicrt.„Ach," rief er erstaunt und schlug mit den Flügeln,„wie leid mir das tut, daß unser guter Reineke tot ist! Wie jammerschade!" „So weit wären wir noch nicht," brummte Reineke,„aber hier in dem Loch steckt Meister Lampe, und wenn ich bis Weihnachten warben soll, er kommt mir nicht lebendig heraus. Freund, Ihr könntet mir eigentlich einen Ge fallen erweisen: haltet doch statt meiner hier Für unsere Kinder Wacht, ich tomme bald zurück, will nur flink nach Hause gehen und eine Art holen." Freund Bussard war mit diesem Vorschlag einverstanden, und Reineke rannte heimwärts. Als nun eine Zeitlang alles ruhig geblieben war, troch Lampe vorsichtig an die Öffnung und sprach vor sich hin:" Zu dumm, daß Freund Bussard nicht hier ist." Der stand draußen und hörte es wohl, verstellte aber seine Stimme, als ob er Reineke wäre, und fragte:„ Was kann Euch wohl Freund Bussard helfen?!" 13 Ihr jetzt die Beche bezahlen. Ich hab' mich schon zu sehr geärgert, um mich nun noch von einem Lumpen, wie Ihr seid, schlecht behandeln zu lassen. Wartet, Freundchen, in einen brennenden Reisighausen werfe ich Euch miserablen Kerl, daß Ihr knusprig werdet!" „ Immer langsam," entgegnete Freund Busfard, dazu gehören zwei. Ihr vergeßt wohl, daß ich fliegen fann?" ,, Nun, dann soll es gleich geschehen," brüllte Reineke außer sich vor Wut, packte Freund Bussard am Schwanz und wollte ihn ins Gestrüpp schleudern. Aber als er nachschaute, hielt er nur ein paar lumpige Federn im Maul, und Freund Bussard strich steil durch die Luft wie einer von den schönen Papier" Ach, nichts von Bedeutung," antwortete Lampe, hier im Baum ist nur solch ein prachtvoll fettes Eichhörnchen, wie ich mein Lebtag noch keines gesehen habe. Wäre nun Freund Bussard da, dann würde ich ihn drachen, die unsere Kinder im Herbst steigen bitten, an dem Loch auf der entgegengesetzten lassen. Seite aufzupassen, wo ich das Eichhörnchen schon hinaustreiben wollte." ,, Gut, treibt es hinaus, ich will dafür sorgen, daß Freund Bussard es bekommt," lautete die Antwort. Nun fing Lampe ganz fürchterlich zu lärmen an, als ob er hinter dem Eichhörnchen her wäre, und während Freund Bussard auf der anderen Seite lauerte, entsprang er selbst aus seinem Gefängnis und lief, als hätte er Siebenmeilenstiefel an. Freund Bussard langweilte sich schon gewaltig, als endlich Bruder Reinete mit der Art auf dem Rücken anfam. Reineke machte sich nun tapfer an die Arbeit und schlug zu, daß die Späne flogen. Da vernahm er höhnisches Lachen. Das reizte Reinete, der Lunte roch, und ohne lange Reden packte er den Freund Bussard zwischen Kopf und Kragen. „ Laßt mich los," schrie der, laßt mich los, wenn Euch Lampe nicht entwischen soll, Ihr seid ihm schon ganz nahe auf den Leib gerückt!" „ Euch bin ich näher," brüllte Reinete in grenzenloser Wut, als ich Lampe heute wohl je kommen werde. Wer hat Euch geheißen, mich zum Narren zu halten?" Da erzählte Freund Bussard die ganze Geschichte und meinte zum Schluß, daß Lampe der niederträchtigste Betrüger wäre, der auf Erden herumliefe. Aber damit war Reineke nicht geholfen. " Das ist mir alles einerlei," rief er zornig, „ Euch habe ich hier als Wächter zurückgelassen. In diesem Baum war Meister Lampe. Nun komme ich zurück, finde Euch vor dem Loch, und der Gauner selbst ist fort. Dafür solt Zwei Treibhauspflanzen. Von Hebe. Es war nur ein schlichtes, fleines Gänseblümchen, das draußen auf freiem Felde hätte wachsen sollen, zwischen Butterblumen und rotem Klee, von der hellen Sonne bestrahlt und vom warmen Frühlingsregen befeuchtet. Von der Natur war es dazu bestimmt, im Mai zu erblühen und im September zu verwelfen. Bwischen langen, schlanten Grashalmen sollte es emporwachsen, und die Schmetterlinge sollten es umspielen. Aber dieses arme, feltfame, fleine Gänseblümchen war kein Naturfind. Niemals hatte es die grünen Fluren gesehen, niemals mit den lauen Lüften gespielt und im frischen Morgentau gebadet; niemals war es von der Sonne gefüßt, niemals von einem Schmetterling besucht worden. Anstatt zwischen grünen Gräsern hervorzulugen, war es ganz allein in einen irdenen Topf gepflanzt, und dort wuchs es und fing schon im Februar an zu blühen, während es draußen noch stürmte und schneite. Anstatt Butterblumen und roten Klee zu seinen Nachbarn zu haben, war mein schlichtes Gänseblümchen von einer tropischen Blumenpracht umgeben. Köstliche Rosen und prächtige Nelken, süß duftende Hyazinthen und stattliche Chrysanthemen, vielfarbige Tulpen und blühende Azaleen das waren die Blumen, in deren Mitte das Gänseblümchen stand. Auch Palmen waren dort und Gummibäume und rankende Weinreben. Wie stolz sahen sie alle auf das einsame kleine Gänseblümchen herab! Arme kleine Treibhauspflanze! Aber das Gänseblümchen selber 14 Für unser« Kinder war mit seinem Los ganz zufrieden und hielt sich gar nicht für arm. Wenn es durch die großen Glasscheiben des Treibhauses hinaus blickte in die kalte, starre, wintergraue Welt, so freute es sich, daß es an einem warmen, geschützten Orte wachsen und gedeihen durfte; ja, eS ahnte nicht einmal, daß da draußen überhaupt jemals Blumen wuchsen. Ein Mann, der einen langen, schweren Mantel und eine Pelzkappe trug, kam eines Tages mit raschen Schritten in das Treibhaus, schüttelte den Schnee von seinen Stiefeln, zog seine großen wollenen Handschuhe aus und erklärte, indem er sich die Hände rieb, daß es draußen mächtig kalt sei. Dann fing er an die Blumen zu besichtigen. Das Gänseblümchen kannte diesen Mann ebenso gut, wie es den Gärtner kannte, der es groß gezogen hatte. Jede Woche kam er ein- bis zweimal, und jedesmal nahm er einige der Blumen und Pflanzen mit sich fort. Das Gänseblümchen konnte immer sehen, wie sie eingewickelt wurden, wie man sie dann hinaustrug und in einen großen geschlossenen Wagen setzte. Es konnte sehen, wie dann der Mann im langen Mantel vorn auf den Kutschersitz sprang, die Zügel der Pferde ergriff und davonfuhr. Wo fuhr er die Blumen hin? Was wurde aus ihnen, wenn sie das Treibhaus verlassen hatten? Das hätte das Gänseblümchen gar zu gern gewußt. Oft dachte es:„Ob auch einmal die Reihe an mich kommt? Ob ich wohl auch einmal hinausziehen werde in die weite unbekannte Welt? Aber nein, meine Blüten sind nicht groß und schön wie die Chrysanthemen, und sie duften nicht süß wie die Nelken und Rosen. Ich bin nur ein armes, kleines Gänseblümchen, und der Mann im langen Mantel wird mich gewiß nicht wollen." Eigentlich sehnte es sich gar nicht danach, fortzukommen, denn es war ein zufriedenes, anspruchsloses Blümlein, und es gefiel ihm in seiner Heimat. Und doch: jedesmal wenn der Mann im langen Mantel hereinkam, bebte es in allen seinen kleinen Blättern vor er wartungsvoller Erregung. Heute morgen kaufte er wieder Pflanzen. Er hatte schon einen Gummibaum und verschiedene Palmen ausgewählt, der Gärtner war gerade dabei, Rosen und Nelken für ihn abzuschneiden, und jetzt kam er quer durch den Raum geschritten, um eine knospende Azalea zu betrachten. Dabei stolperte er über das Gänseblümchen, das am Fußboden stand. Erst brummte er etwas ärgerlich in seinen Bart, denn beim Stolpern hatte er sein Knie an einer Holzkiste gestoßen, in der Samen aufbewahrt wurde. Dann aber bückte er sich, um die Pflanze, die er umgeworfen hatte, aufzurichten, und dabei bemerkte er: „Ei, sieh da, die hat ja schon Knospen! Das ist aber ungewöhnlich zeitig." „Meinen Sie das Gänseblümchen?" fragte der Gärtner, ohne sich umzusehen.„Ja, das ist eine außergewöhnlich prächtige Pflanze. Ich habe sie selbst gezogen, und es ist die einzige, die ich augenblicklich zur Hand habe." Der Mann mit dem langen Mantel strich seinen Bart; dann sagte er:„Ich werde sie kaufen." Das Gänseblümchen begriff kaum, was mit ihm geschah, so schnell ging alles. In wenigen Minuten defand es sich zusammen mit den anderen Pflanzen, die der Mann soeben ge kauft hatte, in dem großen geschlossenen Wagen und wurde schnell von bannen ge fahren. Es war stockfinster in dem Wagen, und der Weg war weit. So hatte das Gänse blümchen Zeit genug, sich in seine eigenen kleinen Gedanken zu vertiefen. Wäre es eine Feldblume gewesen, so hätte es gewiß von Vögeln und Schmetterlingen und dem warmen Sonnenschein geträumt; es Hütte etwas ge habt, an das es denken, wonach es sich sehnen konnte. Aber es war eine Treibhauspflanze und kannte nichts als die Wände aus Glas, die es beschirmt hatten. Das war seine Ver gangenheit. Was würde seine Zukunft sein? Es konnte sich keine Vorstellung machen von der Welt, die ihm so fremd war. Es konnte nur träumen, träumen. Dabei dachte es aber auch daran, daß es am Ende gar nicht so ein armes, häßliches, kleines Blümlein sei, denn eS war ja gekauft worden, ebenso wie die großen, stolzen, duftenden Blumen, und der Gärtner hatte es„eine prächtige Pflanze" genannt. Dieser Gedanle machte es beinahe stolz. Plötzlich hielt der Wagen mit einem Ruck, die Tür wurde aufgerissen, und ebenso schnell, wie es in den Wagen hineinbefördert worden war, wurde nun das Gänseblümchen wieder hinausgetragen; gleich darauf befand es sich in einem Raum, dessen Wärme und Duft an die Lust im Treibhaus erinnerte. Vorsichtig wurde das Seidenpapier entfernt, das seine kleinen Blätter und Knospen umgab, und nun konnte es sich umschauen. Wenn seine frühere Umgebung einem tro pischen Garten geglichen hatte, so war seine jetzige Umgebung das Paradies selber. Pflanzen aller Arten und aus allen Weltgegenden um- Für unsere Kinder 1Z gaben es. Dunkle Tannen standen neben schlanken Palmen. Ein berauschender Duft von Rosen, Nelken, Hyazinthen und Helio tropen erfüllte den Raum. Azaleen und Or chideen bluten um die Wette mit großen, vielfarbigen Chrysanthemen, die aus hohen japanischen Vasen liebevoll herniederschauten auf blaue Veilchen und schneeweiße Mai glöckchen. Diese waren in glänzenden Kristall gefäßen geordnet und durch lange veilchenblaue und weiße Seidsnbänder miteinander verknüpft wie Kinder, die einen Ringelreihen tanzen. Von der mit Gold verzierten Decke hingen Glaskugeln herab, die waren ganz mit Licht erfüllt, und die Wände bestanden ganz aus Spiegeln, so daß es aussah, als ob sich die Licht- und Blumenpracht ins Unendliche er strecke. Durch das hohe, breite Schaufenster konnte man hinaus auf die belebten Straßen sehen. Am Schaufenster standen die herrlichsten Blumen, und mitten unter diese, dicht an die Scheibe, wurde das von all dem Glanz und der Pracht fast betäubte Gänseblümchen gestellt. Anfangs wagte es kaum aufzusehen, aber dann richtete es doch seinen schüchternen Blick hinaus auf die Straße. Was für ein Leben! Welche Bewegung! Was für endlose Reihen von Straßenbahnen und Wagen und Fuß gängern! Die meisten Leute eilten hurtig vorbei, von den Sorgen ihres Alltagslebens erfüllt. Aber viele blieben vor dem Schau fenster des Blumenladens stehen und bewun derten die Hochsommerpracht, die dahinter zu locken schien; und vieler Augen ruhten mit Wohlgefallen auf unserem Gänseblümchen. Durch das Fensterglas hindurch konnte es hören, was die Leute sagten. Da waren zwei reich gekleidete Frauen, die unterhielten sich über die hohen Preise der Blumen. „Sie sind um diese Jahreszeit furchtbar teuer," sprach die eine zur anderen,„aber man muß sie doch bei festlichen Gelegenheiten haben. Für ein Ding wie das Gänseblümchen würde ich keinen Pfennig ausgeben. Ich kaufe nur Blumen, die nach etwas aussehen und duften."— Die Frauen gingen weiter, und drei kleine Mädchen kamen herbei.„Was für herrliche Blumen," riefen sie und blieben in unver hüllter Bewunderung vor dem Schaufenster üehen.„Mir gefallen die zarten Teerosen am besten," sprach die eine.„Und mir die roten Melken," rief die andere. Die dritte drückte 'hr von der Kälte rotei Näschen dicht gegen die Fensterscheibe, um besser hineinschauen zu können; dann sagte sie:„Meine Lieblings blume ist das Gänseblümchen."„Aber das riecht ja nicht." entgegneten ihre Gefährtinnen. „Ich weiß es, aber es ist so herrlich, wenn es draußen auf den Wiesen blüht. Ich mag es so gern, weil es mich immer an den Sommer und das Land erinnert."— Nun waren die kleinen Mädchen fort, und ein alter Mann, der einen alten schübigen Überzieher trug und einen furchtbar traurigen Ausdruck im Gesicht hatte, stand an ihrer Stelle.„Ein Gänseblümchen mitten im Winter!" sprach er laut zu sich selbst. Er schien die anderen Blumen überhaupt nicht zu sehen. Alle seine Gedanken schienen sich um das kleine, bescheidene Pflänzchen zu drehen. Armer alter Mann, dessen Leben so reich an Unglück, und dessen Seele so reich an Schmerzen war! An all das Glück, das er je gekannt, erinnerte ihn das Gänseblüm chen.„O wie sehne ich mich nach dem Sonnen schein der weiten Gefilde und nach der freien Luft der Berge!" flüsterte er vor sich hin; dann ging er müden Schrittes weiter. __ Forts, solgt. Äerbst. Von Robert Reinlck. Da steigt der Herbst frisch von den Bergen nieder. Und wie er wandert durch den grünen Wald, gefällt's ihm nicht, daß überall das Laub dieselbe Farbe hat; er sagt:„Viel hübscher ist's rot und gelb; das sieht sich lustig an." So spricht er, und gleich färbt der Wald sich bunt. Und wie der Herbst drauf durch den Garten geht und durch den Weinberg, spricht er:„Was ist das? Der Sommer tat so groß mit seiner Hitze, und Wein und Obst hat er nicht reif gemacht? Schon gut, so zeig' ich, daß ich's auch versteh!" Und kaum gesagt, so haucht er Wein und Obst mit seinem Atem an, und, siehe da!— die Apfel und die Pflaumen und die Trauben, zusehends reifen sie voll Duft und Saft.— Drauf kommt der Herbst zur Stadt und sieht die Kinder in ihrer Schule sitzen voller Fleiß. Da ruft er ihnen zu:„Grüß Gott, ihr Kinder! 16 Für unsere Kinder Heut ist Santt Michaelistag; da gibt es lange Ferien. Kommt zu mir aufs Land! Ich hab' dem Wald sein Laub schön bunt geblasen; ich hab' dem Apfel rot gefärbt die Backen; ich will euch klar und blank die Augen wehen, und eure Backen will ich tüchtig bräunen, wie sich's für Kinder schickt. Versteht ihr mich?" So spricht der Herbst, und jubelnd ziehn die Kinder auf seinen Ruf durch Berg und Wald und Feld und kehren heim mit neuer Luft zur Arbeit. Die sieben Schwaben. ( Schluß.) Hierauf zogen sie weiter. Die zweite Gefährlichkeit, die sie erlebten, kann aber mit der ersten nicht verglichen werden. Nach etlichen Tagen trug sie ihr Weg durch ein Brachfeld, da saß ein Hase in der Sonne und schlief, streckte die Ohren in die Höhe, und hatte die großen gläsernen Augen starr aufstehen. Da erschraken sie bei dem Anblick des grausamen und wilden Tieres insgesamt und hielten Rat, was zu tun das wenigst Gefährliche wäre. Denn so sie fliehen wollten, war zu besorgen, das Ungeheuer setzte ihnen nach und verschlänge sie alle mit Haut und Haar. Also sprachen sie:„ Wir müssen einen großen und gefährlichen Kampf bestehen, frisch gewagt ist halb gewonnen!" faßten alle siebene den Spieß an, der Herr Schulz vorn und der Veitli hinten. Der Herr Schulz wollte den Spieß noch immer anhalten, der Beitli aber war hinten ganz mutig geworden, wollte losbrechen und rief: ,, Gang, Beitli, gang, gang bu boran, I will dahinte vor di stahn." Der Veitli hörte aber nicht drauf, und der Jockli sagte: „ Der Schulz, der muß der erschte ſei, Denn ihm gebührt die Ehr' allei." Da nahm sich der Herr Schulz ein Herz und sprach gravitätisch: " So zieht denn herzhaft in den Streit, Hieran erkennt man tapfre Leut." Da gingen sie insgesamt auf den Drachen los. Wie der Herr Schulz dem Feind immer näher fam, schrie er in großer Angst: Hau! hurlehau! hau! hauhau!" Davon erwachte der Has, erschrat und sprang eilig davon. Als ihn der Herr Schulz so feldflüchtig sah, da rief er voll Freude: ,, Potz, Beitli, lueg, was isch das? Das Ungehüer ischt a Has." Der Schwabenbund suchte aber weiter Abenteuer und fam an die Mosel, ein moosiges, stilles und tiefes Wasser, darüber nicht viel Brücken sind, sondern man an mehreren Orten sich muß in Schiffen überfahren lassen. Weil die sieben Schwaben das nicht wußten, riefen sie einem Mann, der jenseits des Wassers seine Arbeit vollbrachte, zu, wie man doch hinüber kommen könnte? Der Mann verstand nicht, was sie wollten, und fragte auf sein wegen der Weite und wegen ihrer Sprache trierisch:" Wat? wat?" Da meinte der Herr Schulz, er spräche nicht anders als„ wate, wate durchs Wasser," und hub an, weil er der Vorderste war, sich auf den Weg zu machen und in die Mosel hineinzugehen. Nicht lang, so versant er in den Schlamm und in die antreibenden tiefen Wellen, seinen Hut aber jagte der Wind hinüber an das jenseitige Ufer, und ein Frosch setzte sich dabei und quafte:" Wat, wat, wat." Die sechs anderen hörten das drüben und sprachen:„ Unser Gesell, der Herr Schulz, ruft uns, fann er hinüber waten, warum wir nicht auch?" Sprangen darum eilig alle zusammen in das Wasser und ertranten, also daß ein Frosch ihre sechse der ums Leben brachte, und niemand von dem Schwabenbund wieder nach Hause lam. ,, Stoß zu in aller Schwabe Name, Sonst wünsch' i, daß ihr möcht' erlahme." Aber der Hans wußt' ihn zu treffen und sprach: Beim Element, du hascht gut schwätze, Bischt stets der letscht beim Drachehetze." Der Michel rief: ,, Es wird nit fehle um ei Haar, So ischt es wohl der Teufel gar." Drauf kam an den Jergli die Reihe, sprach: „ Ischt er es nit, so ischt's sei Mutter Oder des Teufels Stiefbruder." Der Marli hatte da einen guten Gedanken und sagte zum Beitli: Grimm. Berantwortlich für die Stebattion: Bran Mara Bettin( 8undel), Wilhelmshöhe, Boll Degerloch bei Stuttgart. Brud meb Berlag sex Pant Ginger in Stuttgart.