Für unsere Kinder Nr. 9 ooooooo Beilage zur Gleichheit ooooooo 1909 Kauft war? Inhaltsverzeichnis: Mut. Von Wolfg. Goethe.. Ihr ahnt, wer unser unsichtbarer Begleiter ( Gedicht.) Darwin. Von Brand. Quirle! Von Anna Mosegaard. Karl. Von Wilh. Lobfien.( Gedicht.) Von wilden Völkern. Die beiden fugelrunden Müller.- Ausfahrt. Bon Gustav Falke.( Gedicht.) 。。 mut.°° Von Wolfgang Goethe. Sorglos über die Fläche weg, Wo vom kühnsten Wager die Bahn Dir nicht vorgegraben du siehst, mache dir selber Bahn! 000 Darwin. 3ur Erinnerung an den 12. Februar 1809. Liebe Freunde! Dst bin ich in diesen Blättern im Geiste mit Euch hinausgewandert in den schweigenden Wald, in die einsame Heide, in Feld und Wiese, am Morgen und Abend, in der Nacht, zu jeder Zeit des Tages und des Jahres. Und immer fanden wir etwas Großes oder Kleines, das uns merkwürdig wurde, an dessen Schicksal wir lebendigen Anteil nahmen: ein Vogel, ein Käfer, eine Blume. Es gab nichts in der großen, weiten Natur, das uns nicht der Beobachtung, des Studiums, der Liebe wert gewesen wäre. Wann je wäre uns das stille Moor oder die fandige Heide oder irgend sonst ein Fleck Erde leer und tot erschienen? - Haben wir auf unseren gemeinsamen Wanderungen nicht manches verstehen gelernt, was uns vorher rätselhaft und fremd erschien? Und ist uns aus diesem Verstehen nicht manche tiefe Freude erstanden? Auf allen unseren Wegen wohin immer ich Euch geführt habe, ist ein unsichtbarer Gefährte in unserer Witte gewejen, der mit sicherer Hand uns den Weg zeigte durch das Labyrinth der zahllosen Wesen, der uns aufmerksam machte auf das pracht volle Gefieder gewiffer Bögel, auf die leuch tende Farbenglut vieler Blüten, auf das Leben der Infekten, auf den gewaltigen Rampf aller gegen alle, und auf vieles andere. Charles Darwin wurde am 12. Februar 1809 au Shrewsbury in England geboren. Sein Vater war Arzt. Unter Darwins Vorfahren sind mehrere tüchtige Naturforscher zu verdientem Ansehen gelangt; am bekanntesten von ihnen ist Erasmus Darwin geworden, der Großvater des berühmten Enkels. Schon als Knabe hegte Charles Darwin große Liebe zum Beobachten von Tieren und Pflanzen, und vieles, was er auf seinen Streifzügen in Wald und Feld erbeutete, hat er in Sammlungen zusammengetragen. Dem Wunsche seines Vaters folgend, studierte er Medizin; aber dieses Studium sagte ihm wenig zu; er wandte sich deshalb mit einigen Freunden wieder der Naturwissenschaft zu und vernachlässigte das durch seine medizinischen Arbeiten. Damit war sein strenger Vater nicht einverstanden; er meinte, sein Sohn habe nicht das Zeug zu einem Arzt, und riet ihm, Theologie zu stu dieren. Obschon Darwin nun drei Jahre lang in Cambridge Theologie studierte, zog es ihn doch immer wieder zur Naturwissenschaft, und sein Vater war schließlich vernünftig genug, der Lieblingsneigung seines Sohnes nachzugeben. Gegen Ende des Jahres 1831 fonnte Darwin sogar mit Zustimmung seines Vaters einen lange gehegten Plan ausführen und an einer Weltumseglung teilnehmen. Auf der englischen Brigg" Beagle"( Spürhund) unter Kapitän Fit- Roy hat Darwin in den Jahren 1832 bis 1836 seine berühmte Forschungsreise unternommen, die ihn um die gesamte Küste Südamerikas herumführte. Von vielen Punkten der Küste aus wurden Reisen in das Innere unternommen, und von allen diesen Reisen ein reicher Schatz an Beobachtungen heimgebracht. Fast überall entdeckte der Forscherblick Darwins Neues, bisher Unbekanntes; aber das Bedeutungsvollste dieser fünfjährigen Reise war, daß seine Beobachtungen und Erfahrungen den Grund legten zu einer ganz neuen Anschauung über die Entwicklung und Veränderung der Lebewesen. Die Heimreise führte über Neuseeland, Australien um Afrika herum, nach St. Helena und endlich nach England zurück. Diese große Weltreise ist die einzige geblieben, die Darwin 66 Für unsere Kinder Die Maus frißt die Hummel, der Rabe die Maus, der Fuchs den Raben. Und wer befiegt sie alle? Der Allesverderber, der Mensch. Dadurch, daß unerbittlich alle minder gut ausgerüsteten Wesen zugrunde gehen, und nur die am zweckmäßigsten eingerichteten am Leben bleiben und sich fortpflanzen, entstehen neue Arten, das heißt Wesen, die von ihrer Stammform deutlich verschieden sind, zum Beispiel Hund, Fuchs, Wolf; oder: Rabe, Elster, Heher. Künstliche Züchtung ergibt, wenn sie tonsequent durchgeführt wird, schon im Laufe die Natur gebraucht, um neue Arten zu züchten, ungeheure Zeiträume. unternommen hat. Den übrigen Teil seines Schwächeren. Alle wollen leben; aber nur Lebens hat er, in stiller Zurückgezogenheit auf wenigen gelingt es, vermöge ihrer vorzüglichen seinem Kleinen Landgute bei London lebend, Eigenschaften, den Kampfplatz zu behaupten. der Ausarbeitung seiner naturwissenschaftlichen Werke gewidmet; er starb am 19. April 1882. Darwins Hauptwert ist:„ über die Entstehung der Arten durch natürliche Zuchtwahl oder die Erhaltung der begünstigten Rassen im Kampf ums Dasein." Der Titel weist uns schon auf den leitenden Gedanken des Buches hin: natürliche Zuchtwahl, das heißt Erhaltung der begünftigten Rassen im Kampf ums Dasein. Was Darwin unter natürlicher Zuchtwahl versteht, werdet Ihr leichter begreifen, wenn Ihr Euch den Zweck der künstlichen Züchtung vergegen-| eines Menschenalters brauchbare Resultate; wärtigt. Angenommen, ein Schafzüchter wollte bei seinen Schafen besonders lange Wolle er zielen. Was wird er tun? Er wird die Schafe seiner Herde zur Zucht, zur Fortpflanzung auswählen, die besonders lange Wolle haben, alle anderen wird er rücksichtslos ausmerzen. Die Zuchttiere werden ihre hervorragende Eigenschaft auf ihre Nachkommen übertragen; bei vielen unter ihnen wird sich durch die Vereinigung der hervorstechenden Eigenschaft ihrer Eltern sogar eine Steigerung ergeben, sie werden längere Wolle haben als diese. Die Schafe mit kurzer Wolle werden wiederum ausgeschieden; wieder wählt der Züchter diejenigen Schafe aus, die lange Wolle tragen. Im nächsten Jahr verfährt er ebenso usf., bis er nach langer Zeit und vieler Mühe endlich nur noch Lämmer erhält, die die gewünschte Eigenschaft besitzen. Oder jemand will eine besonders fette Schweinerasse züchten. Er wird zur Zucht nur immer die Tiere verwenden, die sich besonders gut zur Mast eignen; alle anderen wird er aus scheiden. Bewundernswert sind die Erfolge der künstlichen Züchtung, welche die Menschen erzielen und gerade in der Heimat Darwins, in England, hat man seit jeher mit großer Sorgfalt und sehr gutem Geschick ausgezeichnete Zuchterfolge erreicht. Das ist in allgemeinsten Umrissen der Inhalt der Darwinschen Lehre. Es ist notwendig, hierbei zu beachten, daß die Entwicklungsoder Abstammungslehre, wonach das Vollfommenere vom Unvollkommenen, das Zufammengesetzte vom Einfachen abstammt, schon vor Darwin wissenschaftlich verfochten worden war. Darwins unsterbliches Verdienst ist es aber, uns einen Weg gezeigt zu haben, auf dem diese Entwicklung sich vollzogen haben kann. Ich sage„ kann"; denn es ist nicht undenkbar, daß es der Naturwissenschaft gelingt, noch einen anderen Weg zu entdecken, der einleuchtend zu dem gleichen Ziele führt. Vorderhand halten wir uns jedoch an Darwins Lehre, weil sie bis heute die beste, einleuch tendste ist. Die Darwinsche Lehre hat einen gewaltigen Umschwung auf dem Gebiet der Naturwissenschaften erzeugt; und nicht nur auf ihrem eigensten Gebiet, auf allen Gebieten geistiger Tätigkeit hat sie befruchtend und aufklärend gewirkt. Freilich die Dunkelmänner jeder Art wollen das nicht anerkennen, und sie wissen wohl, warum. Mit dem Glauben von einem außernatürlichen Schöpfer, der über den SterDie Grundsäge, die die Menschen bei der nen thront, und der die Geschicke aller Wesen fünstlichen Züchtung befolgen, sind im ganzen leitet, wie man Marionetten an der Strippe dieselben, die auch in der Natur sich durch bewegt, mit diesem Glauben ist's nun vorsetzen. Wie der menschliche Züchter die bei. Zwar werden Euch in der Schule trotzminderwertigen Tiere ausscheidet, so merzt dem immer noch die alten Geschichten von auch die Natur unerbittlich alle Wesen aus, der Weltschöpfung aufgetischt, wie sie in den die nicht so ausgerüstet sind, daß sie im Kampf Büchern Mosis erzählt werden, aber wer glaubt ums Dasein bestehen können. Der Kampf noch daran? Sie werden verschwinden, weil ums Dasein ist also das Züchtungsmittel der ihnen der Boden entzogen ist. Immer mehr Natur. Dieser Kampf ist rücksichtslos auf häufen sich die wissenschaftlichen Beweise, daß der ganzen Linie: der Stärkere würgt den es in der Natur keine Schöpfung gibt, sondern Für unsere Kinder 67 nur ein Werden, ein Entwickeln; daß alles natürliche Dasein, von dem Niedrigsten bis zum Höchsten, in einer fortlaufenden Kette der Verwandtschaft miteinander verknüpft ist; daß nicht Liebe oder Zorn außernatürlicher Mächte die ganze Welt bewegt, sondern die Gesetzmäßigkeit der Natur selbst. Ist Euch nicht selbst schon der schreiende Widerspruch ausgefallen, wenn Ihr in der Naturgeschichts stunde lernt, alle Wesen seien durch Entwick lung das geworden, was sie sind, und wenn Ihr daraus in der Religionsstunde hört, Gott habe alles durch sein allmächtiges Wort.ge schaffen"? Bis zum Wahnwitz steigerte sich die Wut der Finsterlinge, als Darwin in seinem zweiten Hauptwerk:„Die Abstammung des Men schen" auch den Menschen in die natürliche Entwicklung einreihte. Daß auch die Menschen nicht von Gott erschassen, sondern das Er gebnis einer sehr langen Entwicklung seien, daß die Affen sehr nahe Verwandte des Men schen seien: das war eine Gotteslästerung, das war ungeheuerlich! Mancher eifrige Priester hat den Bannfluch gegen den Urheber des„Un glaubens" gerichtet; aber das fromme Zeter geschrei hat trotzdem nicht hindern können, daß der Kreis der Anhänger Darwins immer größer geworden ist, weil die wissenschaftliche Forschung seine Lehre mehr und mehr bestätigt. Der billige Spott über die„Affentheorie" und die anstößigen„Ahnen" zieht heute schon nicht mehr, und es wird nicht lange dauern, so werden die Gegner der„Affcntheorie" ver spottet werden. Vorwärts und aufwärts geht der Weg! Für uns ist es Pflicht, uns mit der Lehre Darwins vertraut zu machen, weil sie uns in dem unermeßlichen Reiche der Natur Führer und Berater sein kann, und weil sie in unseren Händen zu einer Schutz- und Trutzwaffe werden kann gegen Aberglauben und Aberwitz. Ihr, meine Freunde, müßt Euch Kopf und Herz freihalten von dem verderblichen Einfluß alter überkommener Ansichten, die vor der Wissenschaft nicht standhalten. Ihr sollt nicht glauben, sondern wissen; Ihr sollt nicht ge dankenlosnachreden, sondern suchen und denken. Und wie arm die meisten von Euch sind, und wie dürstig und falsch das ist, was Euch in der Schule gelehrt wird: die Natur bietet Euch reiche Anregung, das zu tun. Bei Eurem Suchen und Denken schließt Euch mit mir dem Führer an, von dem ich am Anfang meines Schreibens sprach; er ist ein Wegweiser in das Reich geistiger Freiheit.«ran». Kauft Quirle! Das liebe Weihnachtsfest ist vorüber. Die Kinder sitzen in der Stube hinter dem warmen Ofen und banen Häuser, ziehen den Brumm kreisel auf und lassen die Eisenbahn fahren. Hier und da liegt ein Rad, ein Puppenbein, das zu bald die Zerbrechlichkeit des Spiel zeugs bekundete. Viele Tränen sind darob geflossen! Der Tannenbaum, der glänzende Mittelpunkt des Festes, liegt unbeachtet ein sam draußen in einem Winkel des Hofes. Nichts als ein hängen gebliebenes Watte- flöckchen oder ein glitzerndes Fädlein erinnert an seine Pracht. Nun wird ihm Vater bald mit Axt und Säge zu Leibe gehen. Den schlanken Stamm befreit er von den Ästen, nimmt ihm die rauhe Hülle ab und präsen tiert ihn der Mutter als neuen„Waschknüppel". Die Aste und Zweige wandern in den Ofen. Hei, wie das knistert und knattert, als feuere eine ganze Kompagnie Infanterie los. Die Kinder sitzen mit geröteten Wangen ums Feuer herum und träumen von großen Frei- heitskämplen.— Findige Väter wissen die Weihnachtstanne noch auf andere Weise zu verwerten. Aus einem besonders astretchen Baum lassen sich vorzügliche Quirle herstellen. Ihr habt gewiß schon alle einen Quirl gesehen. Aber nur die wenigsten von euch wissen, wie ein echter rechter Harzerquirl aussieht. Die Quirle in Mutters Küche sind meist Fabrikware, Por zellanquirle oder Quirle aus Tannenholz, deren Kopf aus einem Stück angefertigt und durch Maschinerie in sechs Zacken geteilt ist. Die Fabrikquirle verdrängen den mit der Hand gemachten Harzerquirl immer mehr. Im Südharz mit seinen großen Tannen wäldern gibt es noch viele Dörfer, deren Ein wohner fast ausschließlich vom Quirlmachen leben. Das Ortchen Benekenstein ist gleichsam die Heimat des Quirls. Dort sitzt in den trüben, häßlichen Wintertagen die ganze Fa milie, die kleinen Jungen und Mädchen dar unter, von früh bis spät und schnitzt Koch löffel und Quirle aus Tannenholz. Ist eine gute Anzahl davon fertig, so nehmen Mutter und Mädchen ihre Harzkiepe aus den Rücken und waten durch den oft meterhohen Schnee der Stadt zu, um ihre Waren feilzubieten. „Kaust Quirle! Kaust Quirle!" tönt es von Haus zu Haus. Wie schneidend kalt ist es oft, wenn die kleinen Harzer Mädchen auf der Landstraße entlang 68 Für unsere Kinder Wir sahen, wie der Rebel stieg und stieg und wie die fernen Dörfer mählich schwanden, die hohen Pappeln, die die Wege säumten, die Kirchturmspitzen und zuletzt die Mühle, die müd verschlafen auf dem Hügel stand. Ein Rauschen zog hoch über uns hinweg, und dann und wann durchflog ein müder Schrei die stille Luft, die Möwen zogen heim, dem Deiche zu auf müden, müden Schwingen. Und feierlich tlang aus dem Städtchen her mit dumpfem Ton die neunte Abendstunde. Der Vater flopfte seine Pfeife aus und sprach: " Die Möwen gehn zu Bett.' s ist Zeit, ihr Buben! Fix in die Federn!" Ach, noch nicht!" „ Ach bitte, nein!" " " „ Sofort!" " Zuerst der Karl." ,, Nein Wilm." wandern oder durch die Straßen traben, um| als zog ein weißes Meer darüber hin. ihre Quirle abzusetzen. Wie grimmig bläst der Wind um die steifen Ohren, wie blaurot werden die erstarrten Finger! Und nicht immer finden die Kinder willige Käufer. Oft feilschen unvernünftige Männer und Frauen um den fargen Preis. Spottlieder klingen hinter den tapferen Kleinen her. Welche Harzer Quirlverkäuferin hätte nicht schon in ihrem Rücken singen hören: ,, Einst ging ich in Sammet und Seide Und trant nur den edelsten Wein, Jetzt handle ich mit Kochlöffel und Quirl, Meine Heimat ist Benekenstein." Edlen Wein haben die Quirlverkäuferinnen gewiß noch nie über die Lippen gebracht, und in Sammet und Seide sind sie ebensowenig einherstolziert. Die Harzer sind nicht nur im höchsten Grade genügsam, sondern auch meist sehr arm. Rauhe Kleider decken ihren Leib, ein Kart, er ist der Jüngste" targ und schwer ist ihre Mahlzeit. Die Not zwingt die Harzer, von früh bis spät zu arbeiten. Männer und Frauen müssen ihr ges horchen, und auch Greise und Kinder. Alle rühren die Hände, um zu verdienen, und den. noch erwerben sie kaum das zum Leben Notwendigste. Allein trotz allem haben die Harzer Quirlmacher und verkäufer den Mut nicht verloren. Durch Trübsal und Not ist auch zu ihnen die Kunde gekommen, daß den Arbeitenden ein neues Leben, eine schöne Zufunft winkt. Und sie beginnen für diese Zufunft zu arbeiten und zu kämpfen. Wenn ihr Mutters Quirle seht, so denkt an die Arbeit und Not der Harzer, denkt aber auch an ihre Hoffnung! Anna Mosegaard. 000 Karl. Bon Wilhelm Lobsten. Du bist schon lange tot. und der Streit brach los. Und wurde immer wilder, Wort um Wort durchbrach die Feierruh, und eh der Vater noch dazwischen trat, entfuhr es mir:„ Du Dieb! Ich hab' gesehn, wie gestern abend Karl aus Mutters Kasse einen Groschen stahl!" Da war's heraus! Und plötzlich war es ſtill, ganz still. Du wurdest totenbleich. Und dann: Konim!" Hast du's getan?"" Ja, Bater." Du folgtest stumm dem Vater in das Haus. So ernst war er noch nimmer uns erschienen, so furchtbar ernst. Wir zitterte das Herz, und war zu feige doch, euch nachzugehn, bis scheu die andern in die Stube gingen, voll Scheu und Neugier. Bitternd trat ich ein. Ich war mir selber fremd. Ich hatte dich so lieb, viel lieber noch als alle andern Brüder, und doch verriet ich treulos dich, du Treuer. O dieser Stunde Weh, da Schlag auf Schlag im Baterzorn auf deinen Rüden fiel! Nur einmal tam ein Schrei aus deinem Mund, dann bliebst du stumm und preßtest deine Zähne in tapferm Eigensinn fest, fest zusammen. Und als der letzte Schlag gefallen war, sahst du mich an mit einem langen Blick voll unfagbaren Schmerzes und bliebst stumm. Es dunkelte. Wir schlichen scheu ins Bett. Ein letztes spätes Dämmern tam herein und wand sich zitternd an den Wänden hin Wir hatten wild getollt und sank und sant, und rings war dunkle Nacht. Die Brüder schliefen. In ihr tiefes Atmen zitterten stoßweis deine Atemzüge, Doch heute wieder, als weich der Abend durch die Bäume zog, gedacht ich deiner, und ein glühes Rot freffender Scham stieg in die Stirne mir. Es war daheim vor unserm Elternhaus. Ein Sommertag schlich träge aus der Welt, und durch die hohen Kronen vor der Tür strich leis der Abendwind. in frohem Spiel und saßen nun ermüdet auf dem Geländer an dem Gartenrand und schauten in die Abendluft hinein. Der Heuduft tam von allen Wiesen her, die fern im weißen Dämmerhauch versanten, und dann und wann ein Zuden tief herauf, und halberbrüdte bange Seufzerlaute. Leis hob ich mich in meinem Bette auf Für unsere Kinder und flüsterte mit leiser Stimme:„ Karl!" und wieder Karl!" Dein Seufzen wurde still, du hieltst den Atem an ba sprang ich auf, lief an dein Bett, umflammerte dich wild mit beiden Armen, prešte deine Stirn an meine Brust, und weinte, weinte, weinte. Du aber, du, du goldig Treuer, Guter, aus meinen Armen machtest du dich los, und strichst mit deiner Hand mir durch die Haare. ,, Was weinst du, Wilm? Ich hab' es doch getan. Ich wollte zum Geburtstag unsrer Mutter so gern die goldumsäumte Tasse laufen, die kürzlich ich im Laden stehen sah, und just ein Groschen fehlte mir dazu. Oglaube mir, gestohlen hab ich nicht. Ich hätt das Geld, wenn ich vom Nachbar wieder zehn Pfennig mir verdient, zurückgelegt, und hätt's gesagt, dem Vater und der Mutter." Du batteft dich im Stiffen aufgerichtet, ich saß am Bettrand vor dir. Meine Hand hielt deine fest umspannt und drückte fie, als sollte sie dir alles, alles sagen, was mir im Herzen saß und was der Mund nicht sprechen konnte, weil die Lippen zudten in Schmerz und Scham. " ,, Nun geh zu Bett!" Du sprachst es leise.„ Karl, nicht böse sein." ,, Nein nein! Geh nun. Wir müssen zeitig' raus, Mutters Geburtstag ist." Da schlich ich mich ins Bett. Am andern Morgen, als wir Knaben fröhlich zur Mutter sprangen, um ihr Glück zu wünschen, strich sie dir freundlich übers Haar. Mich ließ sie stehn, Sah mich mit keinem Blide an und sprach kein Wort den ganzen Tag zu mir. Dich aber herzte sie! Und daß sie's tat, das machte mich so froh, weil ich nun wußte, daß sie dir nicht zürnte. Du bist schon lange tot. Doch heute wieder, Als weich der Abend durch die Bäume zog, gedacht ich deiner, und ein glühes Rot fressender Scham stieg in die Stirne mir... 000 Von wilden Völkern. Ich wette tausend gegen eins, daß ihr meint, ich werde euch etwas aus dem Leben jener Hothäute" erzählen, deren Todesverachtung und Mut euch aus zahllosen Indianergeschichten bekannt ist. Fehlgeschossen! Viele Stämme der Indianer, auf welche die Europäer bei der Entdeckung Ameritas stießen, und die sie später 69 in der Neuen Welt kennen lernten, kann man trotz ihrer barbarischen Sitten und Gebräuche taum noch 28ilde nennen. . Wieviel tiefer als sie stehen nicht zum Beispiel die kleinen abschreckend mageren und häßlichen Buschmänner in Afrika. Sie haben nicht einmal Wohnungen, sondern schlafen in Löchern, die sie in die Erde graben. Es gibt eben verschiedene Abstufungen der Wildheit. Auf welcher Stufe eine Horde, ein Stamm steht, das verrät die Art der Nahrung, und wie sie gewonnen und vorbereitet wird, das zeigen die Waffen, Werkzeuge, Wohnstätten, Schmuck- und Kultgegenstände. Wie niedrig aber auch die Entwicklungsstufe sein mag, auf der Wilde stehen, nie trifft man diese vereinzelt, sondern stets nur in Gruppen zusammenlebend. Ja, selbst als die Menschen sich noch wenig von den Tieren unterschieden und in Höhlen lebten, wußten sie bereits, daß es für sie vorteilhafter sei, den Kampf gegen ihre zahllosen Feinde gemeinsam aufzunehmen als vereinzelt. Ausgrabungen, die viele neben einanderliegende, ganz einfache Geräte zutage gefördert haben, beweisen das. Auch Höhlen, die entdeckt und durchforscht wurden, lassen es erkennen.„ Manchmal sind die Höhlenwohnungen wie Stockwerle übereinanderge lagert, und jedenfalls erinnern sie viel mehr an Nestkolonien der Schwalben als an die Höhlen der Raubtiere." Was die Steinwerk zeuge anbelangt, die man in diesen Höhlen gefunden hat, so kann man ohne übertreibung sagen, daß sie zahllos sind". Dasselbe gilt für andere Fundstätten aus der Steinzeit, das heißt die Zeiträume, in denen die Menschen noch nicht Metalle bearbeiten konnten und ihre Werkzeuge und Waffen vornehmlich aus Feuersteinen anfertigten. Auch die riesigen Muschelhaufen an der Küste von Dänemark, die als„ Küchenabfallhaufen" bekannt sind, erzählen davon, daß die Menschen in grauer Vorzeit in fleinen Gesellschaften zusammengelebt haben. Diese Muschelhaufen sind nämlich dadurch entstanden, daß die kleinen Stämme, welche Dänemark lange, lange vor unserer Zeitrechnung bewohnt haben, ihre Mahlzeiten gemeinschaftlich abhielten. Muscheln bildeten jedenfalls einen Hauptbestandteil ihrer Nahrung, und die Schalen davon warfen sie in der Nähe ihrer gemeinsamen Speisepläge auf einen Haufen. Das durch haben sich Hügel gebildet, die 300 und noch mehr Meter lang und 30 bis 60 Meter breit sind. Man findet nicht bloß Massen von Steinwerk zeugen in ihnen, sondern auch Scherben von 70 Für unsere Kinder Töpfereien. Die Menschen, von deren Speise zettel wir durch die Muschelhaufen etwas er fahren haben, standen schon auf einer höheren Stufe der Kultur. Um Töpfereien anfertigen zu können, mutzten sie den Gebrauch des Feuers kennen und schon mancherlei beobachtet haben. Die vorgeschichtlichen Seewohnungen in der Schweiz, die man entdeckt hat, die sogenannten Pfahlbauten, die einer noch fortgeschritteneren Stufe der Menschenentwicklung angehören, konnten ebenfalls nur errichtet werden, wenn viele Menschen einträchtig zusammenarbeiteten. Die Hütten, die ein Seedorf ausmachten, stan den auf einer Art Plattform, die durch viele in den Seeboden eingerammte Pfähle getragen wurde. Die vielerlei Gebrauchsgegenstände, die in den Pfahlbauten gefunden worden sind, geben uns des weiteren Kunde von dem Zu sammenleben und Zusammenarbeiten der Men schen in der Vorzeit. Die Macht des engen Zusammenlebens sehen wir bei den Wilden, die noch angetroffen wer den. An den Küsten und Inseln Nordamerikas, in den Polarländern(Grönland, Labrador und Alaska) wohnen die kleinen Eskimos. Von bräunlicher oder rötlicher Hautfarbe, mit schmalgeschlitzten, schiefen, schwarzen Augen, sind sie gerade kein Ausbund von Schön heit. Manche ihrer Stämme stehen noch auf einer so niedrigen Stufe, daß ihre Werkzeuge sich kaum von denen unterscheiden, die die Menschen vor vielen Tausenden von Jahren aus Steinen anfertigten. Sie kennen nicht einmal das eigentliche Fischen, sondern spießen den Fisch mit der Harpune aus. Und doch geben die armen Eskimos genau auf alles acht, was der Gesamtheit zum Nutzen oder Schaden gereicht, und doch ist ihr Respekt vor dem allgemeinen Lob oder Tadel so groß, daß die größte Strafe darin besteht, den Ver brecher vor den Augen des ganzen Volkes zu beschämen. Was die Eskimos durch Fischen oder Jagen erbeuten, das gehört dem Stamme oder dem Clan, der auch eme besondere Form des Zusammenhaltens einer Verwandtschaft ist. Der Gelehrte Krapotlin erzählt, daß die Eskimos die Anhäufung von Reichtümern nicht gern sehen.„Wenn ein Mann reich geworden ist, beruft er das Volk seines Clans zu einem großen Feste, und nach einem reichlichen Essen verteilt er sein ganzes Vermögen unter ße.� Mit den Eskimos nahe verwandt sind die Aleuten. Sie bewohnen die Halbinsel Alaska, die im Nordwesten Amerikas liegt und im Jahre 1741 von Bering entdeckt wurde. Die Aleuten zeichnen sich durch Ausdauer und Standhaftigkeit aus und sind so abgehärtet, daß ihr gewiß eine Gänsehaut bekommt, wenn ihr davon hört. Sie baden nicht allein jeden Morgen im eiskalten Wasser, sondern stehen nackt am Strande und atmen den kalten Wind ein. Stets Treue untereinander zu halten, ist eine der hervorstechendsten Tugenden der Aleuten. Feigheit jeder Art verachten sie aufs tiefste. Als eine Schande gilt, Gier beim Essen an den Tag zu legen. Die Aleuten versprechen so leicht nicht etwas, haben sie es aber getan, dann halten sie ihr Wort, mag kommen was will. Schimpfen und Schelten kennen sie nicht. Selbst ihre Kinder streiten niemals. Das Schlimmste, was sie sich sagen, ist:„Deine Mutter kann nicht nähen," oder„Dein Vater ist blind auf einem Auge." Gehen wir vom hohen eisigen Norden nach dem Süden Afrikas; dort leben die den Busch männern verwandten Hottentotten, die so schmutzig sind, daß sie ihr einziges Kleidungs stück, ein Fell, so lange um den Hals tragen, bis es in Stücke fällt. Diese Wilden erweisen sich als sehr hilfsbereit und gesellig. Wenn ein Hottentotte etwas erhält, teilt er es sofort unter alle Anwesenden. Wenn er noch so hungrig ist, mag er doch nicht allein essen und ruft Vorübergehende herbei, damit sie sein Mahl teilen. Es bereitet den Hottentotten große Freude, sich gegenseitig Geschenke zu machen. Noch geringere Kultur als bei den Hotten totten finden wir bei manchen Ureinwoh nern Australiens. Oft ist statt der Woh nung eine Art Schirm ihr einziger Schutz gegen rauhe Winde. Es gibt Stämme, welche verfaulte Leichen verspeisen, und wenn die Not groß wird, so verzehren sie auch Menschenfleisch. Sie kennen keinen Anbau von Nahrungs pflanzen, keine Kleidung, nur ihre Frauen tragen manchmal eine Art Schürze. Weiche mensch liche Empfindungen sind ihnen trotz allem nicht fremd. Die Liebe der Eltern zu den Kindern ist sehr groß. Die Greise werden gut behandelt. So hoch die Not auch manchmal bei ihnen steigt, so essen sie doch äußerst selten Ange hörige ihres Stammes, sondern fast immer nur Fremde. Von den ihnen verwandten Papuas wird berichtet:„Freundschaft ist verhältnis mäßig stark unter Personen, die zu verschie denen Stämmen gehören, und noch stärker innerhalb des Stammes. Sie pflegen die Kranken und Greise, alte Leute werden nie verlassen, wenn es nicht«in Sklave ist, der Für unsere Kinder 71 lange Zeit krank war. Sie haben keine Reli gion, keine Götzen, keine Regierung irgend einer Art. Der älteste Mann in der Familie ist der Richter. Der Boden ist Gemeinbesitz, aber die Ernte gehört denen, die sie gebaut haben." Die Papuas arbeiten gemeinsam und erziehen gemeinschaftlich ihre Kinder. Jedes Dorf hat ein Haus, das allen Einwohnern zusammen gehört, und in dem die gemein samen Angelegenheiten beraten werden. Die Geselligkeit und gegenseitige Fürsorge ist bei ihnen sehr stark entwickelt, obgleich ihre Kultur stufe eine so niedrige ist, daß sie nicht einmal Feuer zu machen verstehen. Zum Schlüsse macht mit mir noch einen Sprung von Australien nach Afrika zurück zu den Buschmännern, von denen ich euch im Anfang erzählte. Lietzenstein erzählt eine rührende Geschichte von einem Buschmann, der beinahe ertrunken wäre, wenn ihn seine Gefährten nicht gerettet hätten.«Sie zogen ihre Felle aus, um ihn zuzudecken, und zitterten selbst vor Kälte. Sie trockneten ihn ab, rieben ihn am Feuer und bestrichen ihn mit Fett, bis sie ihn zum Leben zurückgerufen hatten." Treue und Anhänglichkeit, Fürsorge und Hilfe kennt der Wilde meist nur für die An gehörigen seines Stammes. Fremd, gleich gültig oder auch feindlich bleibt er jedem, der nicht zu diesem gehört. Je höher aber der Mensch über das Tier emporsteigt, desto weiter wird der Kreis von Menschen, denen er seine Fürsorge zuwendet. Es sind nicht bloß die eigenen Kinder, nicht bloß die eigenen Eltern, die er schützt und verteidigt, hegt und pflegt. Die Notwendigkeit und der Wunsch, sich gegen seitig Hilf« zu leisten, werden immer stärker empfunden. Immer mehr fallen die Schranken, welche den Menschen vom Menschen trennen. Die gegenseitige Hilfe und Treue bleibt nicht mehr abhängig von der Abstammung, der gleichen Sprache, denselben Bräuchen, Sitten und Einrichtungen. Für die vorwärtsstrebende Menschheit gilt das Ziel: Alle für einen, einer für alle! o o o Die beiden kugelrunden Müller. Es war einmal ein Müller, der war schon an sich sehr stark und dick, wollte aber auch fest sein gegen Hieb und Stich, gegen Bolz unt�Pfeil, darum steckte er sich in eine wunderliche Klei dung. Er liest sich zuvörderst ein Wams machen, das sütterte er mit Kalk und Sand und liest, um das zu verbinden, geschmolzenes Pech hineinfließen, hinten machte er ein Futter von mehreren Körben, und vorn beblechte er es mit alten Reibeisen und eisernen Hafendeckeln, da wurde das Wams schwerer als der schwerste Brust- und Rückenharnisch, de» jemals ein streithafter Ritter trug. Darüber zog dieser Müller nun drei Hemden und unter das Wams legte er einen wirklichen Panzer an, über die Hemden aber einen Panzer, und darüber zog er neun lodene Röcke, wie sie die Wollenweber im Schwabenlande noch heute fertigen. Wenn nun der Müller sich mit diesem stattlichen Kleiderbollwerk angetan hatte, wobei er die Beine mit mehr als vier alten übereinandergezogenen Lederhosen verwahrte, war er ein so stattliches kugelrundes Kerlchen, daß er ebenso breit war als hoch, wie eine rechte Kugel sein muß, und konnte sich auch kaum rühren und regen, und mußte denn seine Freundschaft mit ihm gehen, ihn führen und geleiten. Da er nun alljährlich zu St. Oswalds Kirchtag ging und sich auch sehen lassen wollte vor den Leuten, so fuhr er einher auf einem Karren in seiner Rüstung und so gewappnet, wie jedermänniglich noch nie gesehen hatte. Den Wagen zogen vier starke Ochsen, und hinterdrein gingen alle Bauern seines Ortes mit ihren Weibern und Kindern, die steckten sich, wenn sich ein Feind zeigte, hinter ihres Müllers Karren, wie hinter eine Feste und Schirmhut. Er war gewafsnet mit zween Spießen und einer Armbrust, an seiner Seite hing ein Schwert eine Mauneslänge lang, ein Zweihander, und neben ihm lag noch ein Boge» nebst einem Pfeilköcher. Wenn nun der kugelrunde Müller mit seinem Karren und seinen vier Ochsen an einen ge wissen Berg kam, über den der Weg führte, so harreten seiner dort ein paar Neffen mit Weib und Kindern, die halfen den Wagen in die Höhe hinausschieben, während vorn noch sechs Ochsen als Borspann zogen, und so brachten sie ihn denn endlich hinauf mit Ach und Krach und Vergießung vieler Schweiß tropfen. Ging es nun auf der anderen Seite des Berges wieder abwärts, so mußte ein gehemmt werden soviel als nur möglich, daß es nicht mit dem Kugelrunden kopfüber kopf unter ging. Wenn seine Sippschaft ihn nun endlich am Ziele hatte, so wurde er mit Leitern und Hebebüumen vom Wagen herabgeschrotet wie ein großes Weinfaß, und dann scharten sie sich um ihn her, zumeist hinter ihm wie die Philister hinter ihrem Goliath. 72 Für unsere Kinder Dabei war der runde Mehlsack von großer| runden Burgen, waren nicht auszuhungern Stärke und Unerschrockenheit, und es ging von durch eine Belagerung, denn sie hatten auch ihm die Rede, daß er einst in einem Schimpf- in ihren Wämfern manche Mezze gefaßt, von spiel, wo ein Kämpfer einen Apfel, der andere der sie zehren konnten lange Zeit. Da aber eine Birne an der Spize seiner Klinge geführt, nun die beiden unüberwindlichen Helden also und sich ein großer Lärm erhob, dermaßen in mannhaft waren, daß selbst der Kaiser große den Haufen mitten hineingeschlagen, wie ein Mühe gehabt haben würde, sie zu überwältigen, Hagelschauer in das Getreide, so daß er vielen so mußte man nur froh sein, daß sie ihre große Bauern viel Leids gebracht. Aber da war Macht gegen die Feinde des Reiches kehrten ihm ein Gegner entgegengetreten, start und und begehrten gar keinen Sold und Lohn, fräftig, der führte einen Hauptstreich nach dem sondern nur die Ehre, fechten und streiten zu Müller, daß seine Blechhaube gleich zu Boden dürfen. Und das nur war ihre einzige Klage, fiel, und meinten alle, die das sahen, der Kopf daß so mancher Tag verging, an dem sie keines wäre mit dem Rumpfe geflogen; der fugel Gegners ansichtig wurden, weil ihr Ruf so runde Kämpe hatte aber, wie sein Gegner weit und breit genannt war, daß sich alles ausholte, seinen Kopf aus der Haube schnell vor ihnen fürchtete. heraus unter die hohe Halsberge gezogen, und jetzt tat er einen Streich nach dem Gegner, ber ihm so tief in den Hals schnitt, wie die Sense des Mähers in das Gras. Da fürchteten sich alle vor dem gewaltigen Mann, dem die Taten, die man von Recken las, nur ein Spaß schienen. Nun aber war ein anderer Müller in der Nachbarschaft, der war ebenso start und groß, ebenso fugelrund und trug auch so ein wohl ausgefüttertes und geblechtes Wams, und teiner mochte den andern leiden, weil keiner dem andern nachstand. Und haßten und befriegten einander schon zehn Jahre. Auf jedem Kirchweihtage, wo sie hintamen, gerieten fie aneinander und fochten gegeneinander mit Worten und Waffen; es fonnte aber ihrer feiner dem andern was anhaben, und waren awei gar gefürchtete Kampfhelden. Der eine Müller hatte einen Sohn, der andere eine Tochter, welche beide einander so sehr liebten, als die Väter einander haßten, darüber wurde der Zwiespalt noch größer, bis endlich gute und einſichtsvolle Freunde sich ins Mittel schlugen und beiden Müllern rieten, gute Freunde zu werden und ihre Kinder mitein ander zu verheiraten. Wie das Gerücht von dem Bündnis der beiden Müller ins Land erscholl, und daß sie sogar ihre Kinder miteinander verheiraten wollten, da erhob sich große Unruhe und Besorgnis, denn jedermänniglich fonnte sich nun an den Fingern abzählen, daß die beiden Kugelrunden sein würden wie zwei Mühlsteine, zwischen denen alles, was ihnen zu nahe käme, würde aufgerieben werden. Und wer jetzt dem einen Müller zu nahe trat, der hatte es gleich mit beiden zu tun, und konnte fein Fürst beide Wämser überwinden, denn die Müller glichen Biele tapfere Taten vollführten die beiden fugelrunden Müller, seit sie miteinander verbunden waren, und wenn man diese Taten und die Abenteuer, die durch sie bestanden wurden, niedergeschrieben hätte, so wäre das ein Buch geworden, zweimal so stark wie die Weltchronit. Auch taten sie mehr Wundertaten als alle die Recken, von denen die alten Lieder und Geschichten sagen. Endlich schlugen sie ihre Wohnung in einer Wüste hinten an der Welt Ende auf, und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie heute noch. 000 Ausfahrt. Von Gustav Falke. Schlitten vorm Haus, steig ein, fleine Maus, zwei Räßchen davor, so geht's durchs Tor, zwei Kätzchen dahinter, so. geht's durch den Winter. Hinein ins Feld, wie weiß ist die Welt, auf einmal, o weh, fleine Maus liegt im Schnee, fleine Maus liegt im Graben, wer will sie haben? Schlitten vorm Haus, wo blieb fleine Maus? Die Käßchen, miau, die wissen's genau: Hat nicht still gesessen, da haben wir sie gefressen. Berantwortlich für die Redaktion: Frau Klara Bettin( Sundel), Wilhelmshöhe, Bost Degerloch bet Stuttgart. Druck und Verlag von Bau! Singer in Stuttgart.