Für unsere Kinder Nr. 12 ooooooo Beilage zur Gleichheit ooooooo 1909 Inhaltsverzeichnis: Strenge Barmherzigkeit. Bon Abraham Emanuel Fröhlich.( Gedicht.) Einer, der start werden wollte. Von Rob. Größsch. Am Fuchsbau. Von einem westfälischen Arbeiter. Schwere Pflicht. Von G. W.( Gedicht.) Die Korallen. Von Karl Ewald.( Fortsetzung.) Die Prinzessin, die immer das letzte Wort haben wollte. Hör zu!( Gedicht.) Strenge Barmherzigkeit. Bon Abraham Emanuel Fröhlich.* Das Tal schreit auf zum Föhn: Was wirft dein wild Gestöhn Lawinen ab den Höhn, Die Bäche zu empören, Die Matten zu zerstören? Kannst du denn nicht gelind Den Winterschnee zertauen?" " Nein," ruft der Frühlingswind, Tief liegen noch die grauen Schneewolten in dem Land; Groß ist der Widerstand, Mit dem die Norde kämpfen. Wollt' ich sie gütlich dämpfen, Und sollte nur gemach, Tropfweise nach und nach Der Schnee geschmolzen werden, Würd's maien nicht auf Erden. Des Kampfgetümmels Spuren Dec' ich mit grünen Fluren!" 000 Einer, der stark werden wollte. Alois Steinbeiß hatte wirklich kein angenehmes Los. Vom Morgengrauen bis zur Abenddämmerung mußte er an einer hohen Steinwand sitzen und mit Fäustel und Meißel Steine losbrechen. Und wenn die Sonne sich wieder nach Westen hinuntersenfte, wurde Alois Steinbeiß meist so müde und schwach, daß ihm sein eisernes Werkzeug aus der entTräfteten Hand fant. Niedergeschlagen machte er sich allabendlich auf den Heimweg und fürchtete sich vor den Anstrengungen des nächsten Tages. Manch mal auch flagte er leise seines Wegs dahin: „ Wenn ich nur wüßte, wie ich stark werden " tönnte!" Und als er eines Abends so jammernd mit matten, frummen Gliedern nach seiner Woh nung wanfte, sah er am Waldesrand unter Erlengebüsch einen Menschen liegen, der war groß, rund und besaß volle, breite Schultern. Wenn ich werden könnte wie der, dachte Alois, und stieß den Schlummernden leicht mit dem Fuße. " Dooaaääb," gähnte der Dice unheimlich, verzog den breiten Mund und lallte: Laẞt mich schlafen, Kreuzteufel noch einmal!"- Alois jedoch gab teine Ruhe, sondern schrie dem Dicken ins Ohr:" Sag' mir, wie ich so start werden kann, wie du bist!"- ,, Dooaaääh! Schlafen, schlafen," meinte der faul, drehte sich auf die andere Seite und schnarchte, daß die Erlen zitterten. Alois ging erleichtert nach Hause und schlief seit diesem Begebnis, wann immer er fonnte. Er dehnte sich oft daheim noch auf dem Stroh sack, wenn andere Leute sich bereits das Whittag essen erarbeitet hatten. Oder während der Arbeit legte er plötzlich das Werkzeug bei seite, streckte sich auf die Steine und schlief. Er wurde dicker, runder und konnte die Ars beitshose bald nicht mehr über dem Bauche zuknöpfen, aber träftiger wurde er trok allem nicht. Der Steinhaufen, den er täglich von der Wand zu brechen hatte, wurde immer fleiner, die Steinstücke wurden immer winziger. Herr Steinbruch, bei dem Alois in Lohn stand, sagte deshalb einmal vorwurfsvoll:„ Aber Steinbeiß! Jezt hauen Sie ja täglich gar nur eine Viertelwagenladung von der Wand!" Als Alois einige Stunden später mit betrübt hängendem Kopfe nach Hause ging, gewahrte er einen Mann, der mit vorgestrecktem Leib einen schweren Wagen die Landstraße entlang zog." Hör mal," sprach Alois den an, sag' mir, wie ich so start werden kann, wie du bist." Da hielt der Mann im Ziehen inne, setzte * Der Schweizer Dichter Fröhlich lebte von 1796 sich auf die Wagendeichsel, hob seine rote Nase bis 1865. schmunzelnd in die Luft, zog ein gefülltes so Für unsere Kinder FlSschchen au? der Jackentasche, rieb den Kork am Flaschenbauch, daß e? zwitschert», tat einen tiefen Schluck und krähte:„Aaaah! So'n Tröpp- chen Branntwein macht Courage." Ja natürlich, n' bißchen flüssiges Feuer hat mir schon immer gefehlt, dachte Alois, ging mit tröstlichen Gedanken nach Hause und schleppte von nun an immer eine mit Brannt wein gefüllte, breitbauchige Flasche im Jackett herum. Wenn ihm das Arbeiten sauer wurde, ließ er den Kork an der Flasche zwitschern, trank einen tiefen Schluck, tat einige Dutzend Hammerschläge, trank noch einen Schluck— bis eS ihm in den Armen leicht und kribblig wurde. Und jeder Schluck trieb Alois ein paar verdrießliche Gedanken aus dem Kopfe. Wenn jedoch die Flasche geleert war, schaukelte der gedankenarme Kopf willenlos hin und her, als gehöre er ihm gar nicht mehr. Stärker wurde Alois nicht. Im Gegenteil! Schon wenn er morgens mit der Flasche in der Tasche zur Steinwand emporstieg, zitterten seine Knie, noch ehe die Arbeit begonnen hatte. Ebenso zitterten die Hände, fuhren zitternd in den Rock, holten die Flasche zutage, ließen den Kork zwitschern, immer wieder zwitschern und vergaßen die Arbeit. Und einmal, als nach manchem Schluck der Kopf auf dem Halse rollte und der rechte Arm wacklig mit dem Hammer auf und nieder ging, fuhr Alois empor, als habe ihn eine Wespe gestochen. Fuchsteufelswild schrie er seinen Hammer an:„Auf den Meißel sollst du sausen, nicht auf meine Finger." Er klemmte die eine Hand zwischen die Beine, drehte sich im Kreist und jammerte:»Autsch! Meine Finger! Meine Finger!" Weil aber die gehämmerten Finger trotz des Gejammers weiter schmerzten, wurde Alois von einer solch rasenden Wut erfaßt, daß er den Hammer weit fortschleuderte, die Flasche grimmig wie einen Revolver aus der Tasche zog, den Branntwein in den Hals laufen ließ und dann fortwankte, immer fort, bis er in einen Straßengraben rutschte, in dem er wie ein Sack umfiel.... Die Sonne, die bereit? am Horizont nieder ging, guckte noch einmal hinter einer Wolke hervor, sah den betrunkenen Tropf und sank derb lachend im Westen unter. Als Alois die Augen wieder aufschlug, war's taghell. Der Kopf hing ihm schwer im Nacken, und der Körper würde sicher nicht so hurtig in die Höhe geschossen sein, wen» nicht»iu heißer Schreck durch alle Glieder gezuckt wäre. Halb aufgerichtet starrte der ernüchtert« Stein beiß umher und wollt» sich die Augen aus dem Kopfe wundern: er befand sich in einem kahlen, viereckigen Raum mit kleinen ver gitterten Fenstern. Und inmitten des Raumes stand ein Mann, aber nicht auf den Beinen, wie andere Menschen, sondern auf den Händen! � den Kopf nach unten! Dann machte der komische Kauz ganz unvermutet in der Luft einen Wuppdich und kam straff, hoch ausge richtet auf beide Beine zu stehen! „O jemine, wo bin ich denn hingeraten?" fragte Alois klagend und verwundert. »Ins Gefängnis," sagte der andere und schickte sich wieder an,»inen verwegenen Sprung zu machen. „Ja, aber warum bin ich hier, und warum bist du hier?" srug Alois ängstlich und setzt« sich in ein« Ecke, weil der ander« so toll« Sprünge machte, als wolle er die Wände emporlausen.„Du bist hier, weil du jedenfalls in der Nacht betrunken herumgelungert bist. Riechst ja nach Schnaps, wie'ne ungestöpselte Kognak flasche," antwortete der ander« verächtlich, stellte sich auf den Kopf, umkugelt« sich blitz schnell, richtete sich dicht vor Alois hoch auf und erklärte weiter:„Ich aber bin hier, weil vier Betrunkene eine Katze mißhandelten, und weil ich einen hernahm und die anderen damit verprügelte, daß sie Hilfe schrien!" Alois drückte sich noch schüchterner in sein« Ecke und bat:„Sage mir, was ich tun soll, um so stark zu werden, wie du bist." Der andere streckte die Fäuste vor, machte Kniebeuge und antwortete zwischen jedem Auf und Nieder:„Sprünge in die Luft— Wald luft in die Nase— Wurst in den Magen!" Alois hätte die Ratschläge gern noch länger angehört, denn namentlich daS Wurstessen stellte er sich nicht so schwer vor. Aber plötz lich quietschte die Türe, und ein Mann m blauem Polizeikittel schnarrt«:„Ausgeschlafen, Alois Steinbeiß? Na, dann trolle dich wieder!" Die Sonne jagte gerade den Morgennebel von bannen, als Alois zu seiner Steinwand emporstieg. Herr Steinbruch spazierte oben bereits um einen sehr kleinen Steinhaufen herum und wollte Alois gleich mit einem Tadel Gutenmorgen sagen. Aber Plois ging auf den Besitzer der Steinwand zu und sagte entrüstet:„Wenn ich Ihnen größere Hausen breche» soll,»urß ich«ehr Sprünge in die " Für unsere Kinder „ Nee, bloß mehr freie Zeit und mehr Lohn," fagte Alois unerschütterlich, zog aus der Rocktasche eine Flasche und warf sie gegen die Steine, daß die gläserne Gifthülle in tausend Scherben zersprang. Heute fällt Alois Steinbeiß nicht mehr bei der Arbeit um. Wie ein riesiger Specht sitzt er vom Morgen bis zum späten Nachmittag an der Steinwand und hämmert, daß jeder Schlag wie ein derber Arbeitsgruß schallend zur Straße hinunter dringt. Und fragt man ihn: Sage mir, warum du jetzt so start bist," so gibt er pfiffig zur Antwort:„ Weil mir Herr Steinbruch jetzt mehr Lohn zahlen und mehr freie Zeit lassen muß. Sprünge in die Luft- Wurst in den Magen- Waldluft in die Nase!" 91 Luft machen, mehr Waldluft in die Nase ziehen ,, Seht ihr etwas an dieser dicken Eiche da?" und mehr Wurst in den Magen bekommen." fragte der Vater nach einiger Zeit. Weder Waaas?" frug Herr Steinbruch ärgerlich Heinrich noch die kleine Else konnten an dem und hielt erschrocken seine Hand auf die Tasche, Baum etwas Besonderes entdecken. Der Vater in der das Portemonnaie steckte, fehlt viel aber wies auf eine Anzahl runder Löcher im leicht noch etwas?" Stamm der Eiche hin. Wißt ihr nicht, was für Löcher das sind? Nein? Ich will es euch ertlären. Aufgepaßt! Vom Meister Hämmerlein habt ihr gewiß schon in der Schule gehört oder gelesen. Meister Hämmerlein, der Specht, ist von verschiedener Größe und trägt verschiedenfarbige Röcke. Es gibt Schwarzspechte, Grauspechte, Grünspechte und andere. Die Spechte haben einen sehr träftigen Schnabel. Das ist der Hammer, mit dem sie an die Bäume klopfen, die Art, mit der sie Löcher in diese hauen. Denkt ihr etwa, die Vögel täten das nur zu ihrem Zeitvertreib? Ganz und gar nicht! Verschiedene Insekten legen ihre Eier in die Risse der Baumrinde; diese Eier entwickeln sich zu Larven, die sich tief in die Rinde bohren und dadurch diese wie das Holz mürbe machen. Von diesen Larven nähren sich die Spechte hauptsächlich. Wenn ein Specht durch sein Hämmern und Klopfen eine mürbe Stelle im Stamm entdeckt hat, so hackt er mit seinem Schnabel so lange darauf ein, bis er die unter der Rinde hausenden Larven findet. Die läßt er sich schmecken. Um zu dem Tischlein zu kommen, das für ihn gedeckt ist, muß er oft tiefe Löcher in die Bäume hauen. Und damit zimmert er manchmal schon an seinem Hause. Tiefgebohrte Löcher werden nämlich von den Spechten ausgebaut und als Nists pläge benutzt. Auch andere Vögel, wie zum Beispiel Stare, machen es sich zur Nistzeit in solchen Höhlen bequem, welche die Spechte gehauen haben. Doch genug vom Meister Hämmerlein! Wir nähern uns dem Fuchsbau, da laßt uns hübsch achtgeben!" Die in der Nähe der Steinwand wohnenden Leute aber schlagen oft erstaunt die Hände über dem Kopfe zusammen, denn Alois bricht immer größere, riesigere Steinstücke von der Wand, und auf dem Bruchhaufen, den ein Fuhrmann gewöhnlich nachmittags von dannen fahren muß, türmen sich die Riesenblöcke ungeheuerlich wie Zyklopentrümmer. 000 Robert Größsch. Am Fuchsbau. ,, Seht, wie der Schnee dort oben auf den Tannen schimmert," sagte der elfjährige Heinrich, der mit seinem Vater und seiner kleinen Schwester Else einen Ausflug ins nahe Ges birge machte, um einen Fuchsbau aufzusuchen. " Ja," versetzte der Vater, wenn sich die Tannen unter der Last des Schnees beugen, so ist das ein wunderschöner Anblick. Aber der Schnee, der gestern gefallen ist, wird bald verschwunden sein, dort auf jener Seite hat er bereits der Sonne weichen müssen. Doch vorwärts, Kinder, zu den Fuchshöhlen, die es hell durch den Wald: ich euch zeigen wollte." Die drei schritten so rüstig aus, als KleinElschen vorwärts fonnte. Ihr Weg führte sie zunächst durch einen Bestand von Eichen, die ihre knorrigen Aste kahl und trotzig in die Luft reckten. Die Kinder guckten begierig nach rechts und links, fonnten aber nichts erspähen.„ Wir wollen den Fuchs rufen," sagte Else und begann zu singen: Fuchs, du hast die Gans gestohlen!" Heinrich wollte das Lied an stimmen: Winter ade! Scheiden tut weh." Aber als die Schwester erklärte, sie könne das noch nicht singen, gab er nach. Bald klang Fuchs, du hast die Gans gestohlen, Gib sie wieder her, Sonst wird dich der Jäger holen Mit dem Schießgewehr. „ Das gefällt mir, daß ihr so hübsch fingen tönnt," meinte der Water, als das Lieb zu S2 Für unsere Kinder End» war.»Wir sind nun an Ort und Etell«.-»Wo ist der Fuchsbau?" riefen die Kinder wie aus einem Munde. »Sachte," antwortete der Vater.„Ihr seht da den Erdhüqet? Und da den anderen und dort einen drillen? Sie stammen von einem alten Bau her." »Wie tannst du das wissen, Vater?" fragte Heinrich.»Denkt einmal nach," versetzte der Vater. »Ich hab's!" rief da? kleine Mädchen rasch aus. Es liegt so viel Laub und Streu darauf, da ist gewiß lange kein FuchS in den Bau gegangen."»Richtig gesehen und richtig gedacht," sagte der Vater lobend.»Geht einmal etwas seit wärts." Bald meldete nun Heinrich, bald Else durch lauten Ruf, daß sie zwischen den Tannen, die hier den Wald bildeten, noch mehr Eingänge zum Fuchsbau entdeckt hatten, und dies« waren nicht so alt, denn sie waren weniger mit dürren Blättern und Gras bedeckt. Der Vater zeigte den Kindern einen größeren Erdhausen. »Dort ist gewiß«in Fuchs aufgestöbert worden," sagte er dabei,»doch muß es schon lang» her sein, daß der Förster hier den schlauen Reineke aus seiner Festung aus gegraben hat." Und der Vater führt« Heinrich und Else weiter, bis sie Löcher fanden, die schräg in die Erde gingen. »Sind diese Löcher wohl auch von einem verlassenen Bau?" sragte er die Kinder. »O nein," meinte Heinrich, nachdem er die Höhlen aufmerksam betrachtet hatte.»Der Boden ist so locker." »So ist es," bestätigte der Vater.»Beim Graben der Gänge hat der FuchS die Erde mit den Füßen herausgebracht." »Und da, da sind frische Spuren im Schnee," ries Else erregt,»nun werden wir den Fuchs sehen!"»Vielleicht," sagte der Vater.»Wenn er daheim in seinem Schlosse ist, und wenn es unS gelingt, ihn herauszulocken. Sucht einmal einen ordentlichen Haufen Reisig zusammen." Di« Kinder bückten sich fleißig und kamen bald mit Reisigbündeln beladen angestürmt. Der Vater hatte unterdessen die Eingangs höhlen zum Bau bis aus zwei mit Erde und Moos bedeckt. »Warum stopfst du die Löcher so sorgfältig zu. Vater?" fragten die Kinder. „Das sollt ihr gleich erfahren," gab der Vater zur Antwort.»Die Gänge dieses Baues laufen ineinander. Vergeßt das nicht und paßt gut auf." Damit steckte er den einen freien Gang mit Reisig voll und zündete dieses an. Vor den Eingang stellte er einen Stein, der gut deckte. Keine Flamme züngelte empor, wohl aber kam ein wenig feiner Rauch aus den Ritzen. »Der Rauch soll keinen Ausweg finden, er soll durch alle Gänge ziehen," sagte Heinrich. »Richtig," antwortete der Vater,„und aus dem letzten freien Gang, vor dem ihr die Spuren seht, wird der Fuchs herausfahren." »Kommt er bald?" fragte Else. „So schnell geht das nicht," erwiderte der Vater.„Meister Reineke verläßt nur dann seine Wohnung, wenn ihm der Rauch gar zu unangenehm wird. Das dauert eine nette Weil«. Wir können unterdessen das Butler brot essen, das uns die Mutter eingepackt hat. Wenn ihr hübsch aufmerksam zuhören wollt, erzähle ich euch dabei etwas vom Fuchs." Di« Kinder packten ihren Proviant aus und ließen sich munden, was die Mutter ihnen mitgegeben hatte. Erivartungsvoll sahen sie den Vater an. „Der schlimme Vetter deS Fuchses, Isegrim, der Wols," begann der Vater,»hat früher auch unsere Wälder unsicher gemacht. Er ist schon längs» ausgerottet. Der listige Reineke betrelbt aber trotz aller Feinde noch immer sein Räuber- Handwerk. Die Jäger stellen ihm seines Petzes wegen nach, und weil er sich gelegentlich junge Hasen usw. wohl schmecken läßt, die Bauern, weil er ihnen gelegentlich das beste Geflügel,«in fettes Huhn, eine Gans oder Ente aus dem Stalle stiehlt. Aber er gehl bei seinen Raubzügen so vorsichtig zu Werke, daß es nicht leicht ist, ihn zu sangen. Freilich nimmt der Fuchs auch mit Eidechsen, Mäusen und Würmern vorlieb, und als Mäusevertilger stiftet er ganz beträcht lichen Nutzen. Das sollten die Bauern nicht vergessen.— Könntet ihr doch tinmal jung« Füchschen beim Spielen sehen! Es gibt keinen lustigeren und hübscheren Anblick. Im April bringt die Füchsin die Jungen zur Welt. Dies« verlassen schon nach anderthalb bis zwei Mo naten den elterlichen Bau, um sich Nahrung zu suchen. Wenn der Jäger erfahren will» ob sich Füchse im Bau aufhallen, schickt er seinen Dachshund in die Höhle. Zeigt der durch lautes Bellen den Fuchs an. so gräbt der Jäger mit Hacke und Spaten die Höhle auf, um im Frühjahr womöglich auch die Für unsere Kinder Jungen zu bekommen. Nicht immer tut der| Jäger einen Fang. Besonders schwer ist es, Meister Reinetes habhaft zu werden, wenn mehrere Baue nebeneinander liegen. Vor vielen Jahren habe ich einen Fuchs an der Kette gesehen. Man hatte ihn jung eingefangen. Er war sehr zahm und fraß mit Vorliebe Zucker. Doch seht, da dringt dicker Rauch aus dem Loche. Jetzt heißt es still sein!" Plöglich riefen Heinrich und Else:" Vater, der Fuchs, der Fuchs!" Dabt ihr auch ordentlich gesehen?" fragte der Vater. " Freilich, er hatte einen langen dicken Schwanz, ein rötliches Fell und spize Ohren und sah ganz so aus, wie er im Lesebuch beschrieben steht." " " Nun wird sich der schlaue Bursch so lange im Walde aufhalten, bis wir fort sind," sagte der Vater. Machen wir uns daher auf den Heimweg. Gewiß habt ihr schon falte Füße. Die werden bald warm, wenn wir gut aus: schreiten. Wir müssen tüchtig marschieren, damit die Suppe nicht falt wird, die uns die Mutter gekocht hat. Vorher wollen wir aber das Feuerloch am Bau wieder aufmachen, damit der Rauch abzieht und der arme Fuchs nicht eine gar zu unbehagliche Behausung findet, wenn er sich wieder heim wagt." Unter fröhlichem Gesang und Geplauder trat die kleine Gesellschaft den Heimweg an. Die Kinder baten, der Vater möchte noch oft solche Ausflüge mit ihnen machen, und als dieser das versprach, war ihr Jubel groß. Ein westfälischer Arbeiter. 000 Schwere Pflicht. Frau Agnes näht; flink und gewandt Spielt Nadel und Faden in ihrer Hand. Durchs offene Fenster lacht Sonnenschein Und Fliederdü te dringen herein Zu tünden von Lenz und von Leben. Da pocht's an die Tür mit fräftiger Hand Und herein tritt in rußigem Arbeitsgewand Ein fremder Mann mit ernſtem Gesicht: " Guten Tag, Frau Agnes! Erschreckt Euch nicht. Der Gang zu Euch ward mir sauer und schwer, Vom Krankenhaus führte mein Weg hierher. Dort liegt, von Fieber und Schmerzen gequält, Der Gatte, dem Jhr erst jüngst Euch vermählt." Der Fremde sprach es; nun schweigt er gerührt. Die Kehle ist ihm wie zugeschnürt. Entsetzt steht Frau Agnes und starrt ihn an: 93 O redet doch, sprecht doch! Wo ist mein Mann? Was ist ihm begegnet? Was ist ihm geschehn? laßt mich nicht länger verzweifelt stehn." Da seufzt der Fremde und stöhnt und spricht: „ Euch dies zu künden ist schwere Pflicht. Am Dampfhammer war er mein Kamerad, Jm besten Schaffen standen wir grad, Fest hielten wir unsere Zangen gepackt; Der Hammer schlug seinen fräftigsten Taft, Da barst im Getriebe frachend ein Rohr, Heißzischende Wolken fuhren hervor. Der brühende Dampf traf ihn im Gesicht. Der Arzt ist besorgt um sein Augenlicht." Frau Agnes hört es; es bebt ihr das Herz. Ihre Lippen zucken in stummem Schmerz. Der Schrecken hat sie übermannt, Nie hat sie im Leben solch Leid gekannt. Der Fremde spricht noch ein tröstendes Wort, Dann ruft ihn die Pflicht an den Arbeitsort.... Mit ihrem Schmerz ist Frau Agnes allein, An dem Tischchen, umflutet von Sonnenschein. Da sinkt sie nieder, bleich wie der Tod, Und weint und schluchzt in quälender Not, Und ringt in zitterndem Beben. Längst ist der Flieder im Hain verblüht; Bald wird auch die Sonne des Lachens müd, Ihre Strahlen zeichnen schon bleich und matt Des Herbstes Farben auf 3weig und Blatt. Frau Agnes schreitet den Pfad entlang; Sie führt auf dem ersten Erholungsgang Den jungen Gatten in sorgender Pflicht, Nie schaut er wieder der Sonne Licht. Von Schmerz und Kummer sein Antlig zeugt, Seine hohe Gestalt hat der Gram gebeugt. Doch aus dem Weh, das sein Herz erfüllt, Hebt sich wie ein Stern seines Weibes Bild. In der Liebe des Weibes spürt er die Macht, Die ihn leitet, ihm hilft durch der Zukunft Nacht. Frau Agnes führt ihn den ersten Gang, Sie wird ihn führen sein Leben lang. Die Liebe lehrt' sie der Pflicht Gebot, Für zwei heißt es ringen im Kampf ums Brot, Für zwei heißt es schaffen und streben. G. w. 000 Die Korallen. Bon Karl Ewald. ( Fortsetzung ftatt Schluß.) Eines Tages trabbelte der Seestern vorüber und machte ganz verwundert Halt. " Ist das doch ein merkwürdiger, blühender Baum!" sagte er. „ Ich bin kein Baum," rief die Koralle.„ Ich bin eine Sternforalle." 94 Für unsere Kinder „Herrgott— du bist'S? fragt« der Seestern. „Du hast dich aber sehr verändert, das muß ich sagen. Ich hätte dich wirklich nicht wieder erkannt."„Ich dich auch nicht," antwortete die Koralle. „Wir haben uns ja aber auch seit unserer Kinderzeit nicht wieder gesehen. Nun bin ich dabei, meine Insel zu bauen." „Denkst du immer noch an solche Dumm heiten�" fragte der Seestern lachend.„Ich meinte, du wärst mit den Jahren vernünftiger geworden, übrigens siehst du ja, scheint mir, aus, als wärst du eine ganze Kompagnie." „Das bin ich auch," sagte die Koralle.„Ich habe Triebe und Zweige angesetzt... alle die Blüten, die du siehst, sind Korallen, die mit mir zusammen die Insel bauen" „Nein, so etwas!" sagte der Seestern.„Da hast du also ein Aktienunternehmen gebildet. Das ist gewiß sehr vernünftig von dir; denn allein wärest du doch niemals recht weit ge kommen.— Vertragt ihr euch übrigens gut?" „Ausgezeichnet!" antwortete die Koralle. „Ein schöneres Familienleben kann man sich gar nicht vorstellen. Wir gehen miteinander durch dick und dünn. Denk dir nur das eine: wenn eines von uns gut ißt, dann profitieren auch alle anderen davon!" „Na, das heißt aber denn doch die Kompanie wirtschaft zu weit treiben," meinte der See stern.„Hätte ich einen Leckerbissen gefunden, dann würde mir es gar nicht gefallen, wenn er in den Magen eines anderen wanderte." „Du verstehst mich nicht," sagte die Koralle. „Leb wohl!" rief der Seestern.„Und viel Glück zum Jnselbau!" Die alte Koralle aber, die an der Wurzel des Baumes saß, flüsterte dem Triebe, der ihr am nächsten war, zu:„Du bist mein und ich bin dein, und wir lassen uns niemals trennen. Wir gehören zusammen und wollen ein und dasselbe... wir wollen die Insel bauen." Die Worte der alten Koralle gingen von Mund zu Mund, und bald gab es auf dem Baum kein einziges Tier, das sie nicht ver nommen hätte. Und während der Baum immer mehr Zweige ansetzte, bekamen die Triebe auch Junge, die ins Wasser hinausschwammen, ganz kleine, durchsichtige, runde Dinger mit feinen Härchen. Die genosfen ihre Freiheit, solange sie Kinder waren; sie alle trugen aber den Gedanken an die Insel im Herzen, und sobald sie erwachsen waren, setzten sie sich neben der alten Korall« fest, setzten Triebt an und wurden zu Bäumen wie diese. Da sagte die alte Koralle eines TagS:„Nun kann ich nicht mehr." Rund um sie herum wuchs ein ganzer Wald von Sternkorallen. Ihr« weißen Zweige kreuzten sich, und auf ihnen allen glänzten die niedlichsten Stern blumen. Sie setzten in einem fort neu« Triebe an und schickten Millionen von kleinen Korallen kindern in die Welt hinaus. Und während sie ohne Unterlaß bauten und bauten, dachten sie immer an die Insel. Die alte Koralle konnte mit berechtigtem Stolz auf ihr Werk blicken.„Vergeht die Insel nicht!" sagte sie. Dann starb sie. Das Wasser spülte ihre Leiche fort; dort aber, wo sie ge sessen hatte, blieb am Korallenstamm eine sternförmige Spur zurück. ------ Nun vergingen viele, viele Jahre. Das machte aber nichts. Das Meer rollte ohne Unterlaß seine Wogen, wie es sie immer gerollt hatte, und die Sonne schien, und der Sturm sang, und die Kronen des Tangwaldes bewegten sich im Wasser hin und her. Die Tangbäume, zwischen denen das Korallen- kind gespielt hatte, waren freilich schon seit langer Zeit entwurzelt und fortgespült worden; dafür waren aber an ihrer Stelle andere empor gewachsen. Die Schildkrölen, die dort gegrast hatten, waren vor vielen Jahren gestorben, für sie waren aber neue Schildkröten gekommen. Die Auster war weg, der Seestern war weg und die bunten Fische waren weg, die damals zwischen den Bäumen geschwommen. Auch der gewaltige Walfisch, der all die vielen Quallen auf einmal verschluckt hatte, war nicht mehr da. Er hatte eine Harpune m den Nacken bekommen, war gelötet und zu Tran verkocht worden. Waren sie aber auch alle weg, so waren doch ihre Urenkellinder da, und sie sahen genau so aus und betrugen sich genau so wie ihre Vorfahren, und es war daher eine Ver änderung im Tangwald gar nicht zu bemerken. Nur dort, wo das Korallenkind sich fest gesetzt hatte, um seine Insel zu bauen, da sah es ganz anders aus. Da waren eine ungeheure MengeKorallenbäume entstanden, und es lainen immer mehr hinzu. Millionen kleiner Korallen kinder schwammen in die Welt hinaus und kamen wieder nach Hause und setzten sich neben ihren Eltern fest. Millionen von Tieren starben. An vielen der Korallenbäume war kein ein ziges lebendes Tier mehr, all die harten Kalk zweige aber waren da, wo sie gesessen hatten, voller sternförmiger Spuren. Und die Wogen Für unsere Kinder 95 das hatten die toten Bäume umgestürzt und sie in| bringen. Schließlich ließ der König ausrufen, taufend Stücke zerschlagen und sie durchein wer es von jetzt an versuche, ohne Erfolg zu ander und übereinander geworfen. Nach und haben, der werde mit einem heißen Brennnach entstand eine große, starte Raltflippe, eifen an beiden Ohren gebrandmarkt, und die wuchs in einem fort. Denn die neuen Gerenne nach dem Schlosse für nichts und Korallentinder segten sich immer auf den alten wieder nichts wolle er nicht mehr dulden. Bäumen fest und bauten fleißig weiter. Eines schönen Tages waren sie bis dicht an die Oberfläche hinaufgekommen. " ,, Nun haben wir die Insel!" riefen sie sich fröhlich zu. ,, Ach, wenn das unsere Ur- Ur- Ur- UrUrgroßmutter erlebt hätte!" Sie hatten sich aber etwas zu früh gefreut. Als sie nämlich über das Wasser hinauswachsen wollten, da konnten sie nicht. Die fleinen Tiere konnten es nicht vertragen, daß die Sonne sie beschien, und sie konnten anfangen, was sie wollten, sie kamen nicht weiter. Da wollen wir euch helfen," sagten die Wogen. " Und da hoben sie ein paar große Korallenblöcke vom Meeresgrund herauf und warfen sie auf die anderen. Nun lag die Insel da. Groß war sie ja nicht, aber schön weiß schimmerte sie in der Sonne, und rings um sie herum war nichts anderes zu sehen als Wasser, Wasser und nochmals Wasser. ( Schluß folgt.) 000 Die Prinzessin, die immer das letzte Wort haben wollte.* Es war einmal ein König, der hatte eine Tochter, die sehr böse und bissig war und immer das letzte Wort behalten wollte. Deshalb ließ der König ausrufen, wer immer der Prinzessin das letzte Wort abgewinne, der solle fie zur Frau bekommen und das halbe Königreich dazu. Natürlich gab es viele, die es versuchen wollten, das könnt ihr euch denken, denn es wird einem nicht jeden Tag eine Königstochter und ein halbes Königreich obendrein angeboten. Das Tor am Königsschloß stand denn auch feinen Augenblick still, von Osten und Westen, zu Pferde und zu Fuß kamen sie daher; aber teiner konnte die Prinzessin zum Schweigen * Aus„ Nordische Volks- und Hausmärchen". Gesammelt von P. Chr. Asbjörnsen und Jörgen Moe. Ausgewählt und herausgegeben von Björn Björnson. Deutsch von Pauline Klaiber. Erste Sammlung. Mit vielen Zeichnungen von Erit Werenstjold. Albert Langen, Verlag für Literatur und Kunst. München 1909. Nun gab es auch noch drei Brüder, die von der Prinzessin gehört hatten; und da es ihnen daheim nicht allzu gut erging, wollten sie ausziehen und ihr Heil versuchen, ob sie vielleicht die Königstochter und das halbe Königreich obendrein gewinnen könnten. Sie waren sehr gute Freunde und vertrugen sich ausgezeichnet miteinander, deshalb gingen alle drei zusammen. Als sie eine Strecke weit gegangen waren, fand der jüngste, der Nestkegel, eine tote junge Krähe. " Ich fand, ich fand..." rief er. " Was fandest du?" fragten die Brüder. ,, Eine tote junge Krähe," antwortete er. „ Pfui! Wirf sie weg! Was willst du denn damit?" riefen die beiden Brüder, die immer meinten, sie seien am flügsten. ,, Es ist eine Gabe, und weil ich sie habe, weiter sie trage!" sagte der Nestkegel. Als sie noch eine Strecke gegangen waren, fand der Nestkegel einen alten Weidenring. Er hob ihn auf und rief: " Ich fand, ich fand..." " Was fandest du jezt?" fragten die Brüder. " Ich fand einen Weidenring!" antwortete er. " Dummes Zeug! Was tust du damit? Wirf ihn weg!" riefen die beiden anderen. " Es ist eine Gabe, und weil ich sie habe, weiter fie trage!" sagte der Nestkegel. Nachdem er wieder eine Strecke gegangen war, fand er einen Scherben; den hob er auch auf. Brüder, Brüder, ich fand, ich fand..." rief er. „ Ei, was fandest du denn jetzt?" fragten die Brüder. „ Einen Scherben!" Wie dumm! Das ist auch etwas zum Mitnehmen! Wirf ihn weg!" ,, Nein, es ist eine Gabe, und weil ich sie habe, weiter sie trage!" antwortete der Nesttegel wieder. Als sie noch ein Stück weiter gekommen waren, fand er ein gewundenes Bockshorn, und furz nachher fand er auch das zweite dazu. „ Brüder, Brüder! Ich fand, ich fand..." rief er. „ Und was hast du denn jetzt gefunden?" fragten fie. 96 Für unsere Kinder " Zwei Bockshörner!" rief der Nestkegel. Pfut! Wirf sie weg! Was willst du damit?" ,, D nein, es ist eine Gabe, und weil ich sie habe, weiter fie trage!" sang der Nestkegel. Wieder nach einer Weile fand er einen Keil. „ Hört, Brüder, ich fand, ich fand..." rief er.| „ Ei, du findest ja heute schrecklich viel! Was hast du denn jetzt wieder gefunden?" fragten die beiden ältesten. " Ich fand einen Reil," antwortete er. " Ach, wirf ihn weg, was willst du damit?" fragten die Brüder. " Es ist eine Gabe, und weil ich sie habe, weiter fie trage," sagte der Nestkegel. Als er dann über die Felder vor dem Königsschloß ging es war erst vor kurzem gedüngt worden, bückte er sich und hob einen alten zerrissenen Schuh auf. ,, Brüder, Brüder, ich fand, ich fand..." rief er wieder. ,, Wollte Gott, du hättest ein wenig Verstand gefunden, bis wir am Ziele sind!" sagten die anderen. Was hast du denn jegt wieder gefunden?" „ Eine abgerissene Schuhfohle," antwortete er. Pfui! Ist das auch etwas zum Aufheben? Gleich wirf es weg, was willst du denn damit?" ,, Ach, es ist eine Gabe, und weil ich sie habe, weiter fie trage, dann gewinne ich die Prinzessin und das halbe Königreich," sagte der Nejttegel. „ Ja, du siehst danach aus," sagten die beiden anderen. Nun gingen sie ins Königschloß hinein, und zwar der Alteste zuerst. Guten Tag," sagte er. Guten Tag," sagte auch sie und drehte und wendete sich. Wie angenehm warm ist es hier!" sagte der Nestkegel " Die glühenden Rohlen sind noch wärmer," antwortete sie; die Ankunft des dritten hatte sie nicht freundlicher gestimmt. ,, Dann könnte ich vielleicht hier meine Krähe braten?" fragte er. " Ich habe Angst, ste tönnte zerplatzen," sagte die Königstochter. ,,, das hat keine Not! Ich lege den Weidenring herum," antwortete der Nestkegel. „ Er ist zu weit," sagte sie. „ Ich stecke einen Keil hinein," versetzte der Bursche und zog den Reil heraus. ,, Das Fett läuft davon," sagte die Königs tochter. " Ich halte dies drunter," rief der Bursche und wies ihr den Scherben. „ Bist du aber verdreht!" sagte die Prinzessin. ,, Nein, ich bin nicht verdreht, aber dieses hier ist verdreht," antwortete der Bursche und zog eines von den gewundenen Bockshörnern heraus. ,, Nein, so etwas ist mir doch noch nie vorgekommen!" sagte sie. " Da ist gleich noch so etwas!" rief er und zog das zweite Horn heraus. " Ich glaubte, bu seiest ausgezogen, mir das letzte Wort abzugewinnen," sagte die Prinzessin. ,, Nein, ich bin nicht ausgezogen, aber der hier ist ausgezogen," antwortete der Bursche und zog den alten Schuh heraus. Da blieb der Prinzessin das Wort im Munde stecken. Jetzt bist du mein," sagte der Nestkegel. ,, Guten Tag," sagte auch die Prinzessin und Und da befam er sie und das halbe Königfah ihn zornig an. „ Es ist sehr heiß hier," sagte er. „ D, die glühenden Kohlen sind noch heißer," erwiderte die Prinzessin, denn da lag das Brenneisen bereit und wartete auf ihn. Als er es sah, wußte er nicht, was sagen, und da war er fertig. Dem zweiten Bruder ging es nicht besser. Guten Tag," sagte er. W " Guten Tag," sagte auch fie und machte eine Grimasse. " Es ist schrecklich heiß hier," sagte er. " Die glühenden Kohlen sind noch heißer," erwiderte sie. Darauf verstummte auch er, und dann fam auch gleich das Eisen zum Vorschein. Jest tam der Nefttegel an die Reihe. Guten Tag," sagte er. reich obendrein. 000 Hör zu! Ich will dir was erzählen Von der alten Mählen: Wenn sie teine Kartoffeln hat, Kann sie teine schälen. Ich will dir was erzählen Von der alten Frölen, Von der alten Frölen von Rutsch, Die wollt' fahren und hat tein' Kutsch'! Berantwortlich für die Redaktion: Frau Klara Betfin( Bundel), Wilhelmshöhe, Bofi Degerloch bet Stuttgart. Druckt und Berlag von Baul Singer in Stuttgart.