Für unsere Müder Nr. 16 o o o o o o o Beilage zur Gleichheit o o o o o o o 1969 Inhaltsverzeichnis: Prinzeß Frühling, von Smma Dvly.(Gedicht.)— Da» Wappen der Urbarier, von Robert Grötzsch.— AuS dem Reiche der Technik. II. Eine Eisenbahnfahrt. Von Richard Woldt.— Der Clown. Von Hein rich Vierordt.(Gedicht.)— Die Geschichte de» RegentrSpschcns. Bon Toni Sußmann.— Der Esel und der Stier. Von Just Friedrich Wilhelm Zachariil.(Gedickt.)— Das Märchen vom Schlaraffenland. Bon L. Beckstein.— Häuschen aus der Jagd. Bon Heinrich Seidel.(Gedicht.) Prinzeß Frühling. «»»«»ma»«». Hört nur, wie der Wind an den Scheiben pocht, Der singt unS gar fröhliche Weise: Prinzessin Frühling ist aufgewacht Und rüstet zur großen Reise. Schon kämmt sie sich sorgsam ihr schönes Haar, Das leuchtet wie Sonnenstrahlen. Und herrlich ließ sie ihr grünes Gewand Mit blauen Veilchen bemalen. Von Butterblumen den gold'nen Schmuck Hat sie um den Nacken gehangen; Es strahlt ihr Auge im lichten Blau, Wie Mairöslein blühen die Wangen. Sie rüstet und schmückt sich zum Maienfest, Da ist sie die Schönste im Kreise. Es zwitschert die Schwalbe, es klappert der Storch, Die Lerche jauchzt ihr zum Preise. o o o Das Wappen der Llrbarier. In grauer, grauer Vorzeit lebte in einem Lande, das Urbarien hieß, ein starker Volks- stamm. Viele Jahrhunderte hindurch ver leidigte er die fruchtbaren urbarischen Gefilde gegen wilde, feindliche Völker, bis eines Tages eine Horde auf flinken, struppigen Pferden anstürmte und die Urbarier nach heißem Kampfe mit List und Kühnheit besiegte. Da blieb den Urbariern nichts übrig, als den Schwur zu halten, den sie vor der Schlacht getan: lieber in der Wüste zu sterben, als die Sklaven eines anderen Volkes zu werden. Die Männer rafften wild grollend die Habe zusammen, und die Frauen banden sich die Kinder mit groben Tüchern auf den Rücken. So zogen die besiegten Urbarier hinaus in die Einöde, um eine neue fruchtbare Heimat zu suchen. Jahrelang wanderten sie durch Schnee- und Eisgefilde, durch Wüsteneien, die nicht viel ander« Nahrung boten als die Fische, die in trüben Sümpfen träge spielten. Unverdrossen wanderten die Vertriebenen. Aber die Ein öd« schien' grau und unaufhörlich wie die Ewigkeit selbst. Der flüchtende Stamm wurde müde und entkräftet, und Hunderte starben am Wege. Die Frauen keuchten unter der Last der Kinder, die sie auf deui Rücken trugen. Sie glaubten oft zusammenbrechen zu müssen vor Müdigkeit und Schwäche, da sie deu Hunger ihrer Kinder stillten und aus den Mutterbrüsten die Kraft des Mutterleibes saugen ließen. Als darum ob der entkräfteten Frauen der Marsch langsamer und langsamer wurde, murrten einige Verdroffene, so daß eine ernste Beratung abgehalten werden mußte. Viele rieten, man solle in die ehemalige Heimat zurückkehren. Als Sklave des Feindes zu sterben sei nicht so schrecklich, als langsam in Schnee und Eis und Sump stand zu vor- hungern. Aber die Frauen erhoben ein lautes Klagen und erklärten, lieber Hungers sterben, als die Kinder des Stammes in die Knechtschaft des Feindes liefern zu wollen. Da traten einige Männer vor, die ebenfalls der vielen Entbehrungen müde waren, und murrten verbittert:»Laßt uns die Kinder töten, damit unser Leidenswez nicht noch ver» längert werde." Aber die Frauen scharten sich zusammen. um den Nachwuchs des Stammes gegen deu Hungerwahn der Verzagten zu schützen. Und Makuline, die älteste Frau des Stammes, sprach:»Wie? Ihr Kleinmütigen wollt unse» Blut vergießen?" 122 Für unsere Kinder Im Haufen der Memmen wendeten sich viele Köpfe und murmelten:„Lächerlich! Die Frauen geberden sich, als sollte es ihnen ans Leben gehen." Unerschrocken und mit erhobener Stimme aber rief Makuline:„Freilich, ihr Schwäch linge, das Leben unserer Kinder ist unser aller Leben! Oder wißt ihr nicht, daß ein heiliges, unzerreißbares Band Mutter und Kind umschlingt? Wißt ihr nicht, daß der Leib der Mutter des Kindes Urheimat ist? Vergeht nie, ihr Kleinmütigen, daß der winzige Menschenkeim erst im Mutterleibe und vom Blut des Mutterleibes genährt zum Kinde reift. Im Mutlerleibe seid ihr alle geworden, seid ans Tageslicht gestiegen und habt auch dann noch aus der Mutterbrust die Kraft des Mutterleibes in euch hineingesogen zu weite rem Wachstum. Darum, wenn ihr eure Kinder tötet, vergießt ihr das Blut des Stammes!" Da Makuline so gesprochen hatte, verstummte das Murren der Verzagten, und die ältesten Greise des Stammes, hingerissen von den stürmischen Worten, traten vor die Versamm lung ihres Volkes und erhoben beschwörend ihre Arme.„Ehret eure Frauen, Urbarier," sagten die Alten mit müder Kraft.„Wachet über dem Wohlergehen der Mütter, damit eure Kinder gedeihen, stark werden und der einst das Land, nach dem wir suchen, be bauen und verteidigen können. Wir werden von euch gehen, damit die Nahrung der Greise den Kindern bleibe." Darauf schritten die müden Alten abseits und stürzten sich schweigend in ihre Schwerter. Die anderen aber ordneten sich unter ernstem Schweigen zum Zuge und wanderten weiter. Jahre mühseligen Wanderlebens vergingen wieder in Eis und Schnee, Sumpf und Ein öde. Kärglich waren die Mahlzeiten der Ur barier, aber eine Zahl neuer Menschen war herangewachsen in Gefahren und Mühsah ab gehärtet von der Rauheit der Wildnis. Ge storben waren viele der Frauen, die diesen Nachwuchs genährt hatten mit dem Blut und der Kraft des Mutterleibes und getragen mit der Ausdauer der Mutterliebe. Und wie die Pflanzenlörner, die von der Mutterpflanze zur Erde fallen, emporschießen und neue Pflanzentörner zur Frucht reisen, waren neue Frauen ausgewachsen, die gleich ihren Müttern dem Stamme neue kleine Menschen gebaren. Und gleich den verstorbenen Müttern schlepp ten auch die nachgewachsenen jungen Frauen des Stammes ausdauernd und zäh die Neu geborenen weiter durch die Unfruchtbarkeit der Wüsteneien, bis eines Tages die Vordersten des Zuges auf einer Höhe anlangten, von der aus ihre Blicke hinabschweiften in ein Land mit Wiesen und Matten und klaren Flüssen. Wie im Rausch zogen die Urbarier ein in die neue, wohnliche Heimat, von der sie wäh rend der jahrzehntelangen, mühseligen Wander märsche geträumt halten. Die Urbarier sind im Laufe der Jahr hunderte ein großes Volk geworden, das übe: fruchtbare Gefilde herrscht. Ihr Wappen trägt ein sonderbares Bild: das Bild einer Mutler, die ein Kind auf dem Rücken durch unwin- liches Land schleppt. Und fragt ihr die Ur barier, wer ihnen ihre so schöne Heimat gab, so weisen sie stolz auf dieses Wappenbild und sagen schlicht:„Die Mutter!" Robert Trötzsch. OVO Aus dem Reiche der Technik. ll. Eine Eisenbahnfahrt. Wir stehen auf dem Bahnhof. Auf der ein samen Station sind wir die einzigen Passa giere, die mit dem nächsten Zuge mitfahren wollen. Niemand sonst ist zu sehen. Selbst die Bahnbeamten haben sich in das Dienst gebäude zurückgezogen. In schnurgerader Linie liegen nach beiden Seiten die Eisenbahngeleise vor uns, die in unregelmäßigen Abständen von Laternen mit weißem, rotem oder auch grünem Lichte beleuchtet werden. Plötzlich wird die Still» durch drei Glocken» schlüge unterbrochen, die von dem Dache einer runden eisernen Säule neben dem Bahnüber gang herkommen. In dem Stationsgebäude wird es lebhaft. Der Stationsvorsteher kommt mit einer Laterne in der Hand heraus, ein Eisenbahnbeamter macht sich an dem Schilder gestell zu schaffen, um das Schild hochzuziehen, das die Richtung des nächsten Zugs bekannt gibt. Zwei Postbeamte rollen einen Hand wagen heran: einige Pakete und Briefe sollen mit dem nächsten Zuge mitgehen. Von fern ertönt«in dumpfei Rollen, die Lokomotive des nahenden Zuges wird sicht bar. Wie ein lebendiges Wesen erscheint sie uns, die beiden Laternen sind feurigen Augen vergleichbar, der langgestreckt« Leib scheint von kurzen eilenden Füßen getragen zu werden. Das Rollen wird immer stärker, brausend und zischend läuft der Zug in den Bahnhof ein. !2Z Türen werden aufgerissen, Leute steigen aus, die Bahnbeamten eilen geschäftig hin und her. Wir steigen ein. Ein lauter Ruf des Stations vorstehers, ein Schwenken der Laterne, die Lokomotive antwortet mit zwei kurzen Pfiffen, der Zug setzt sich in Bewegung. Wie eine wilde Jagd geht es durch Dörfer und Städte, über Brücken und durch Tunnel. Und während der Fahrt gibt es mancherlei Dinge des Eisenbahnbetriebs zu beobachten, über die ihr wohl noch nicht nachgedacht habt, und von denen ich euch heute erzählen will. Als wir aus dem Bahnhof standen, haben wir gesehen, wie das Eintreffen des Zuges schon vorher angekündigt wurde. Die drei Glocken der Eisensäule am Bahnübergang wurden angeschlagen und gaben dem Bahn wärter das Zeichen, die Schlagbäume nieder zulassen, damit die Schienen vom Wagen- und Fußgängerverkehr freibleiben, und der Zug ohne Hindernisse durchfahren kann. Hätten wir Zutritt zu den Diensträumen des Stations gebäudes gehabt, dann würde uns ein Bahn beamter aufgefallen sein, der vor einem Tische sitzt und aufmerksam einen Apparat betrachtet, der einem großen Uhrwerk ähnlich ist. Aus dem Innern des Werkes schiebt sich ein langer schmaler Papierstreifen heraus, den ein Tinten stift emsig mit lauter Punkten und Strichen beschrieben hat. Das ist ein Fernschreiber oder Telegraphenapparat, wie der Fachaus druck dafür lautet. Auf unsere neugierige Frage an den Beamten nach dem Zwecke des Telegraphenapparates würde er uns auf die langen Holzmasten aufmerksam machen, die auf der Strecke in regelmäßigen Abständen überall aufgestellt sind. Diese Holzmasten sind oben mit kleinen weißen Porzellanglocken ver sehen und dienen dazu, die Telegraphendrähte aufzunehmen. Alle Stationen einer Strecke sind durch diese dünnen Drähte miteinander verbunden. Unserem Zuge voraus durcheilt ein elektri scher Feuerfunke mit rasender Geschwindigkeit einen dieser Drähte. Er ist auf geheimnisvolle Weise erzeugt worden, die ich euch einmal später erklären will. Dieser Funke kommt auf der Station an, fährt in das Uhrwerk des Telegraphenapparates hinein und rumort hier die einzelnen Räder so durcheinander, daß der Neine Farbstift unaufhörlich Striche und Punkte auf den langen schmalen Papier streisen schreiben muß. Für den Bahnbeamlen bedeuten diese Punkte und Striche eine Schrift. Er weiß, daß, wenn der Farbstift---- auf den Papierstrcifen schreibt, diese Zeichen ein z bedeuten sollen, ein--- bedeutet ein u, ein--- ein g und so fort. Wenn also auf dem Papierstreisen sich folgende Zeichen auf drucken: Zug l» m m t so heißt das„Zug kommt". Damit ist der Station das Signal gegeben, daß der Zug zu erwarten ist. Der geheimnisvolle Feuer funke ist auch blitzschnell in dem Glockenspiel der Läutebude neben dem Bahnübergang an gekommen, hat darin herumrumort und damit die Glocken in Bewegung gesetzt, llberhaupt spielt dieser Feuerfunle für das Eisenbahn signalwesen eine sehr wichtige Rolle. Ihr werdet gewiß auf der Bahnstrecke jene großen eisernen Masten beobachtet haben, die einen Arm entweder seitwärts oder schräg ausstrecken. Bei Nacht ist die Stellung der Hebelarme durch grüne oder rote Laternen beleuchtet. Für den Lokomotivführer hat die Stellung des Armes an jedem Signalmast eine bestimmte Bedeutung. Wenn auf seinem Geleise der Hebelarm wagrecht steht, so be deutet das für ihn das Signal„Halt!" Auf der Strecke ist irgend etwas nicht in Ordnung. Wenn dagegen der Hebel schräg oben steht, so bedeutet das„Freie Fahrt!" Der Zug kann also durchfahren. Diese Signalmaften werden von den Bahnwärterhäusern aus eingestellt, die auf einsamer Strecke verstreut liegen. Jeder Bahnbeamte hat ein bestimmtes Revier der Strecke zu beaufsichtigen, er muß zu regel mäßigen Stunden am Tage die Geleise ent lang gehen, um zu untersuchen, ob die Strecke in Ordnung ist. Jede Störung wird von ihm signalisiert, der Beamte schickt den elektrischen Funken durch eine Drahtleitung nach dem nächsten Bahnhof und macht mit Hilfe des Telegraphenapparats dem Stationsvorsteher seine Mitteilungen, oder er schickt den elektri schen Funken in den nächsten großen Signal mast, der warnend seinen Hebelarm wagrecht legt, zum Zeichen für den Lokomotivführer, daß er mit seinem Zuge halten und auf ein anderes Signal warten muß. Besondere Aufmerksamkeil muß natürlich den Schienenkreuzungen, den sogenannten Weichen gewidmet werden. Eine Weiche bildet den llbergang von einem Gleisepaar zum anderen. Der Zugführer muß wissen, ob auf dem Neben gleise, das er befahren will, sich etwa ein anderer Zug befindet, mit dem er zusammen stoßen könnte. An den Weichen sind eS bei Für unsere Kinder Tage Signalscheiben, bei Nacht Signallaternen, die dem Lolomotivsühre: die bestimmten Zeichen geben. Unser Zug muß natürlich seine Fahrt in einer genau berechneten Zeit zurücklegen. Des halb wird dem Lokomotivführer eine bestimmte Geschwindigkeit vorgeschrieben, mit der er fahren muß. über Brücken, bei Biegungen, sogenannten Kurven, hat der Zug langsamer zu fahren, wie auf freier, gerader Strecke. Schilder und Laternen geben wieder dem Loko motivführer Anweisungen, in welchem Tempo die Strecke zu befahren ist. Die roten Tafeln und Laternen bedeuten immer Warnungs signale, daß entweder der Zug zu halten hat oder mit Vorsicht weitergeführt werden muß. Die grünen Schilder und Laternen zeigen an, daß die Strecke in Ordnung ist. So ergibt sich also, daß das scheinbare Durcheinander von Tafeln, Laternen, Masten und Apparaten eine planmäßige Anordnung von Ginrichtungen ist, die für die Sicherheit des Bahnbetriebs notwendig sind. Unser Zug hält, wir sind am Ziel und steigen aus. Während wir dem Ausgang zustreben, werfen wir im Vorübergehen noch einen Blick auf die Lokomotive. Stöhnend und dampfend scheint sie sich zu verschnaufen von der Arbeit, die sie geleistet hat. Erst jetzt gewahren wir, wie kunstvoll auch diese Maschine gestaltet und ausgebildet ist. Der langgestreckte Kessel ist mit Wasser gefüllt und angeheizt worden. Dem Dampf, der sich durch die erzeugte Hitze im Kessel gebildet hat, wird es nun zu eng in seinem Raum, er strebt irgend einem Aus gang zu. Der Ausgang steht ihm nur in den Dampszylinder offen, und hier treibt der Dampf den Dampskolben rastlos hin und her. Der Dampskolben wiederum steht durch ein schweres Eisengestäng« mit den Rädern der Lokomotive in Verbindung, diese werden in Umdrehung versetzt, bewegen die Lokomotive und damit den ganzen Zug. Die Erfindung der Dampf maschine, die Ausbildung der Lokomotive bis zu ihrer heutigen Vollendung ist eine gewaltige Leistung, die der menschliche Geist erreicht hat. Aber über der loten Maschine dürfen wir nicht die beiden Mensche» vergeffen, die dort von ihrem Führerstand aus das Menschen gewühl herabsehen: den Heizer und den Loko motivführer. Der Heizer mußte während der Fahrt die Maschine immer wieder mit neuen Kohlen speisen und dafür sorgen, daß die Z�euersglut nicht zum Erlöschen kam. Der Lokomotivführer hatte Hebel und Ventile zu gebrauchen, um die Lokomotive zu lenken und zu leiten. Mit aufmerksamem Blick mußte er während der ganzen Fahrt alle die mannig fachen Signalzeichen beobachten, von denen wir gesprochen haben. Wehe, wenn durch irgend einen unglücklichen Zufall die beiden Männer die Herrschaft über die Maschine verlieren, dann gleicht die Loko motive einem ungezähmtem Pferd, das sich losgerissen hat und nun mit tiefgesenktem. störrischem Kops dahinsaust, überall Tod und Verderben mit sich bringend. So ist die Sicher heit der Eisenbahnfahrt vor allen Dingen von den fleißigen und wachsamen Menschen ab hängig, die darauf achten müssen, daß all» die kunstvoll ausgedachten Signale und Ein richtungen richtig gehen und richtig beobachtet werden.»tch-rd Wowl. o o o Der Clown. Don»etartth Vtervrdt. Gefüllt ist der ZirkuS, das wandernde Sau». Trompeten m»d Trommeln erschallen daraus. Sylphide' mit flatternder Schleife sich wiegt, Durch feurige Reife der Pony fliegt. DaS Staunen wächst, o berückendes Schau«! Doch wo bleibt der Bajazzo,' was feiert der Clown? In klirrender Schellentracht er sich schmiegt Ans Bett eines Weibs, das im Sterben liegt. Zu Füßen deS Lager«, am schmalen Rand Lehnt weinend ein Kind im Amorgewand. „Verlaß mich nicht, Harry, ach bleibe, bleib! War dir ja stets ein treues Weib.� „Ich muß; man begehrt'S; hörst die Menge du nicht? Gott, gehe nicht also mit uns ins Gericht!� Sie umschlingt ihn krampfhaft, zum andernmal Ruft's„Harry" von draußen— ihm bleibt keine Wahl. Er küßt sie, er reißt sich hinweg mit Macht And eitt verzweifelt hinaus in die Nacht; ' Sylphide ist ein weiblicher Lustgeist. ' Der Bajazzo ist der Lustiamacher im Zirkus, also der Clown. Der Ausdruck Bajazzo stammt von dem Wort Pagliass» ab, mit dem man in Italien die Lustigmacher herumziehender Komödiandentruppeu bezeichnet. Für unsere Kinder 125 Durch die Zähne knirscht er murmelnd wild:[ dran zu sehen," meint Frizz. O doch, Frizz„ Die Trän aus dem Aug, wo zu lachen es gilt!" Nie schien der Clown so lustig wie heut, In der Rennbahn Sprung er und Wis ver. ftreut; Zum Gelächter, zum Klatschen das Volk er zwingt, Ob ihm selber drüber das Herz auch zerspringt. Beifall donnert... Staub wirbelt auf.. Er entflieht der Arena' mit haftigem Lauf. Ans Bett der Sterbenden stürzt er hin Erkaltet starrt die Dulderin. Seine Wange, mit Farben der Luft geschminkt, Auf das bleiche Antlig der Toten sinkt. Beim Weibe weint er sich schluchzend aus... Vom Zirkus herüber rauscht dumpf der Applaus. 000 Die Geschichte des Regentröpfchens. Es regnet. Die Kinder laufen ungeduldig hin und her. Die Mutter fist in ihrem Zimmer und näht. Frizz rennt ans Fenster:" Hört es denn noch immer nicht auf zu regnen?"" Ach, es ist doch zu langweilig," meint Trude. Eine ganze Weile starren die Kinder in den Regen hinaus. Plötzlich dreht sich Trude um: Mutterchen, willst du uns denn nicht eine Geschichte erzählen? Fritchens Jacke wird bis zum Sonntag doch noch fertig." „ Ach ja, eine Geschichte, eine Geschichte," stimmen die anderen ein. Ich will euch gerne etwas erzählen, Kinder," sagt die Mutter. Wenn Frißens Jacke nicht fertig wird, muß er eben am Sonntag die alte anziehen. Wer zuhören will, der hole seinen Stuhl zu dem meinen. Ich lege nur meine Arbeit fort und bin gleich wieder hier." Flint werden die Stühlchen an Mutters Stuhl gerückt, die Puppen an die Fensterwand gelehnt und das Schaukelpferd mit dem Kopfe nach Mutters Stuhl gedreht. Als Mutter hereinkommt, fiht jedes Kind an seinem Play. DE „ Nun, Kinder, habt ihr euch den Regen recht genau angesehen?"" Da ist doch garnir Arena wurde bei den Römern der Kampfplatz genannt, auf dem die Tierkämpfe und Fechterspiele tattfanden. Daher die Bezeichnung für den Spiel platz im Zirkus. Applaus bedeutet Beifallflatschen. chen, da ist gar viel zu sehen. Schau dir nur einmal all die kleinen Regentröpfchen genau an. Ich will euch heute die Geschichte vom Regentröpfchen erzählen. Paßt auf, was alles das Regentröpfchen erlebt. Es war einmal ein Wassertröpfchen, das wohnte mit vielen anderen Wassertröpfchen in einem großen, großen Meere. Es spielte und ließ sich vom Winde treiben und schaukelte lustig hin und her. Schien aber die Sonne, so sprang es froh in die Höhe, es hatte die Sonne doch gar zu gern. Eines Tages war unser Wassertröpfchen übermütiger wie alle seine Geschwister. Es war ein sehr warmer Sommertag. Die Sonne sandte ihre Strahlen weit hinaus auf das Meer. Wassertröpfchen sprang höher und immer höher, aber schließ lich ärgerte es sich, daß es doch immer wieder hinunter ins Meer mußte. Da bat es die Sonne:„ Liebe Sonne, schicke doch einen Sonnenstrahl ganz tief herunter bis ins Meer, damit ich daran heraufflettern fann, höher und immer höher, bis zu dir." Und die Sonne schickte einen Strahl hinunter. Wassertröpfchen sprang luftig hinauf und kletterte hoch, ganz, ganz hoch, bis gur Sonne. Aber oben gefiel es ihm gar nicht. Es war dort so heiß, daß das Wassertröpfchen schwitzte und es kaum aushalten fonnte. Da bat es die Sonne: Liebe Sonne, laß mich wieder hinunter zur Erde, es ist mir hier viel zu heiß. Wenn ich lange hier bleibe, werde ich frank und muß sterben." Kaum hatte das Wassertröpfchen das gesagt, da merkte es, daß es leicht wurde. Und es flog, als wenn es Flügel hätte, langsam, ganz langsam von der Sonne herab der Erde zu. Es fiel noch nicht auf die Erde selbst hinunter, aber es tam ihr so nahe, daß es alles sehen konnte, was dort unten vorging. Da hörte es, daß die Menschen, die zu ihm heraufguckten, fagten:" Wir wollen rasch nach Hause gehen, eine Wolfe zieht auf, es wird bald regnen." Das Wassertröpfchen sah sich um und wußte gar nicht, was die Leute meinten. Als es jedoch an sich selbst herabfah, merite es, daß es mit vielen Schwesterchen und Brüderchen zusammen eine Regenwolfe geworden war. Und als es Abend geworden war, fiel unser Wassertröpfchen mit seinen kleinen Geschwistern als Regentröpfchen auf die Erde hinab. Es fiel gerade in ein eines, schönes Beilchen hinein. Das Veilchen stand mitten im Walde, nicht weit von einer Quelle. Dem Blümchen war das Regen IZ6 Für unsere Kinder tröpfchen aber zu schwer, und es schüttelte sein Köpfchen. Das Tröpfchen fiel herunter und rollte nun bis zur Quelle hin. Hier fand es viele Brüderchen und Schwesterchen und lief mit ihnen das Waldbächlein hinab, an der großen Wassermühle vorbei, biS es zu einem großen Fluß kam. Hier half es mit seinen Geschwistern die großen Schiffe tragen und floß immer weiter, immer weiter bis ins Meer. Da war unser Regentröpfchen nun wieder zu Hause. Aber bald wurde es ihm hier wieder zu langweilig, und es bat wieder die Sonne um einen Strahl, damit es zu ihr hinausklettern könnte. Die Sonne schickte einen Strahl, und unser Tröpfchen kletterte lustig hinauf zu ihr. Oben war es aber wieder sehr heiß, und das übermütige Waffertröpfchen wollte bald wieder hinunter. Die Sonne schickte es hinab zur Erde, wieder wurde es ganz leicht, und eS fiel und fiel immer weiter. Da merkte es, daß es kalt geworden war, und fing an zu frieren. Und es kroch ganz in sich zusammen und war gar kein lustiges Tröpf chen mehr. Es wurde kälter und immer kälter und ganz schneeweiß. Es fiel und sank auf ein großes, weites Feld. Da standen aber keine Ähren und leine Blumen mehr, das Feld war weih. Unser Regentröpfchen war ein Schneesternchen geworden und lag da mit seinen Geschwistern und bedeckte die Wurzeln der Feldblumen. Aus dem Kornfeld war ein Schneefeld geworden. Dort lag unser Regen tröpfchen als Schneesternchen, bis der Frühling kam. Da schien die Sonne so warm, daß unser Schneesternchen gar nicht mehr fror. Es ver wandelte sich wieder in ein kleines Wasser tröpfchen. Das Tröpfchen sank tief in die Erde hinein, und die Wurzeln der Feldblumen tranken alle Waffertröpfchen auf. Der Schnee ver schwand, und die Blumen streckten bald wieder ihre Köpfchen heraus. Sie hatten ihren Durst gelöscht und standen kerzengerade in der Sonne. Die Sonne schien immer wärmer und wärmer, und es wurde so warm, daß selbst die Sonne begann, durstig zu werden. Da fing sie an, aus den Blumen zu trinken, und trank auch unser Waffertröpfchen aus einer Feldblume. Nun war es wieder bei der Sonne. Bald wurde es aber von dieser wieder hinunter zur Erde geschickt, und es fiel in einen großen, großen Teich. Hier konnte es sich tummeln, daß es eine Lust war. Aber nach einiger Zeit wurde es kälter und immer kälter, und unser Tröpfchen konnte gar nicht mehr lustig springen und tanzen. Es bekam ganz steife Ärmchen und Beinchen und klammerte sich in seiner Angst ganz fest an seine Geschwister an. Da hörte es, wie ein kleiner Bube zum anderen sagte:»Du, ich glaube, unser Teich wird morgen zugefroren sein, dann können wir Schlittschuh laufen.� Waffertröpfchen hörte das und war sehr er staunt. Es wurde müde, sehr müde und schlief fest ein. Es schlief den langen, langen Winter hindurch, bis es im Frühjahr von der Sonne wieder aufgeweckt wurde. Waffertröpfchen har noch viele, vieleReisengemacht, und ein anderes Mal erzähle ich euch von einer anderen Reise." »Weißt du, Mutterchen," sagte Fritz,»jetzt habe ich keine Langeweile mehr. Wir wollen uns ans Fenster setzen und all die Regen tröpfchen ansehen. Vielleicht sehen wir da, woher sie kommen."»Das ist recht, Fritzchen, das tut nur, und wenn einer von euch steht, woher ein Regentröpfchen kommt, dann erzähl: er es, nicht wahr, Kinderchen?" z-m Tußmann. O o o Der Esel und der Stier.* Bon Just Friedrich Wilhelm Zacharia. Der Esel ging einst auf der Weide Mit einem Stier. Da hörten beide Viel Lärm, als wie von einem Heer. Und in den Dörfern rund umher Zu Sturm mit allen Glocken läuten. .Was," sprach Herr Heinz-,»mag das be deuten?" „Ach, Freund," erwidert ihm der Stier, »Ich zittre schon, der Feind ist hier! Laß uns sogleich von bannen fliehn, Bis daß die Plündrer weilerziehn; Bekämen sie uns hier zu fassen, Wir müßten beide Haare lassen." Der Esel sprach hierauf:»Ei nun, Willst du entfliehn, das kannst du tun. Dir grauet, daß du wirst erstochen Und sie dich schlachten, schinden, kochen? Vor diesem allem bin ich frei. Mein Schicksal bleibt stets einerlei, Und ich muß unter gleichen Plagen Die Säcke doch zur Mühle tragen." " Aus dem Buche»Fabeln und Parabeln der Weltliteratur". Gesammelt und mit literar-hislo- rischcn Einführungen herausgegeben von Theodor Etzel. Leipzig, Max HesseS Vertag. — Heinz ist bei unseren alten Fabeldichtern der Name des Es-tS, so wie Henning des Hahn», Murner der Katze, Isegrim des WolseS, Petz de» Bären, Reinhard oder Reinckc deS Fuchse«, Lampe des Hasen, Morien des Affen Name ist. Für unsere Kinder 127 Kalt sieht sehr oft der Untertan Den Feind sich seinen Grenzen nahn. Er weiß, ihm bleibet Sklaverei, Sein Sieger sei auch wer er sei. ovo Das Märchen vom Schlaraffen land. Hört zu, ich will euch von einem guten Lande sagen, dahin würde mancher aus wandern, wüßte er, wo selbes läge, und eine gute Schiffsgelegenheit dazu. Aber der Weg dahin ist weit für die Jungen und für die Alten, denen es im Winter zu heiß ist und zu kalt im Sommer. Diese schöne Gegend heißt Schlaraffenland, aus welsch Cucagna, da sind die Häuser gedeckt mit Eierfladen, und Türen und Wände sind von Lebzelten und die Balken von Schweinebraten. Was man bei uns für einen Dukaten kauft, kostet dort nur einen Pfennig, um jedes Haus steht ein Zaun, der ist von Bratwürsten geflochten und von bayerischen Würsteln, die sind teils auf dem Rost gebraten, teils frisch gesotten, je nachdem sie einer so oder so gern ißt. Alle Brunnen sind voll Malvasier und andere süße Weine, auch Champagner, die rinnen einem nur so in das Maul hinein, wenn er es an die Röhren hält. Wer also gern solche Weine trinkt, der eile sich, daß er in daS Schlaraffenland hinein komme. Auf den Birken und Weiden da wachsen die Semmeln frischgebacken, und unter den Bäumen fließen Milchbäche; in diese fallen die Semmeln hinein und weichen sich selbst ein für die, so sie gern einbrocken; das ist etwas für Weiber und für Kinder, für Knechte und Mägde! Holla Grete!, holla Steffel! Wollt ihr nicht auswandern? Macht euch herbei zum Semmelbach und vergeßt nicht, einen großen Milchlöffel mitzubringen. Die Fische schwimmen in dem Schlaraffen lands oben auf dem Waffer, sind auch schon gebacken oder gesotten und schwimmen ganz nahe am Gestade! Wenn aber einer gar zu faul ist und ein echter Schlaraff, der darf nur rufen bst! bst!— so kommen die Fische auch heraus aufs Land spaziert und hüpfen dem guten Schlaraffen in die Hand, daß er sich nicht zu bücken braucht. Das könnt ihr glauben, daß die Vögel dort gebraten in der Luft herumfliegen, Gänse und Truthähne, Tauben und Kapaune, Lerchen und Kramtsvögel, und wem es zu viel Mühe macht, die Hand danach auszustrecken, dem fliegen sie schnurstracks ins Maul hinein. Die Spanferkel geraten dort alle Jahre überaus trefflich; sie laufen gebraten umher, und jedes trägt ein Transchiermeffer im Rücken, damit, wer da will, sich ein frisches saftiges Stück abschnei den kann. Die Käse wachsen in dem Schlaraffenland wie Steine, groß und klein; die Steine selbst sind lauter Taubenkröpfe mit Gefülltem oder auch kleine Fleischpastetchen. Im Winter, wenn es regnet, so regnet es lauter Honig in süßen Tropfen, da kann einer lecken und schlecken, daß es eine Lust ist, und wenn es schneit, so schneit es klaren Zucker, und wenn es hagelt, so hagelt es Würfelzucker, untermischt mit Feigen, Rosinen und Mandeln. Im Schlaraffenland legen die Roffe keine Roßäpfel, sondern Eier, große, ganze Körbe voll und ganze Haufen, so daß man tausend um einen Pfennig kauft. Und das Geld kann man von den Bäumen schütteln, wie Kästen (gute Kastanien). Jeder mag sich das Beste herunterschütteln und das Minderwerte liegen lassen. In dem Lande hat es auch große Wälder, da wachsen im Buschwerk und auf Bäumen die schönsten Kleider: Röcke, Mäntel, Schauben, Hosen und Wämser von allen Farben, schwarz, grün, gelb, blau oder rot, und wer ein neues Gewand braucht, der geht in den Wald und wirft es mit einem Stein herunter oder schießt mit dem Bolzen hinauf. In der Heide wachsen schöne Damenkleider von Samt, Atlas, Gros de Naples, Baröge, Madras, Taffet, Nanking usw. Das Gras besteht aus Bändern von allen Farben, auch ombriert. Die Wacholderstöcke tragen Broschen und goldene Chemisett- und Manteletnadeln, und ihre Beeren sind nicht schwarz, sondern echte Perlen. An den Tannen hangen Damenuhren und Chatelaines sehr künstlich. Auf den Stauden wachsen Stiefeln und Schuh«, auch Herren- und Damenhüte, Reisstrohhüte und Marabus und allerlei Kopf putz mir Paradiesvögeln, Kolibris, Brillant käfern, Perlen, Schmelz und Goldborden ver ziert. Dieses edle Land hat auch zwei große Messen und Märkte mit schönen Freiheiten. Wer eine alte Frau hat und mag sie nicht mehr, weil sie ihm nicht mehr jung genug und hübsch ist, der kann sie dort gegen eine junge und schöne vertauschen und bekommt noch ein Draufgeld. Die alten und garstigen(denn ein Sprichwort sagt: wenn mau alt wird, wird man garstig) 128 Ffür unsere Kinder Um das ganze Land herum ist aber eine berghohe Mauer von Reisbrei. Wer hinein will oder heraus, muß sich da erst überzwerch durchfressen. Ludwig Bechstein. 000 Hänschen auf der Jagd. Von Heinrich Seidel. tommen in ein Jungbad, damit das Land be| nicht weiß, der frage einen Blinden; aber auch gnadigt ist; das ist von großen Kräften; darin ein Stummer ist gut dazu, denn der sagt ihm baden die alten Beiber etwa drei Tage oder gewiß teinen falschen Weg. höchstens vier, da werden schmude Dirnlein daraus von siebzehn oder achtzehn Jahren. Auch viel und mancherlei Kurzweil gibt es in dem Schlaraffenland. Wer hierzulande gar fein Glück hat, der hat es dort im Spiel und Luftschießen, wie im Gesellenstechen. Mancher schießt hier all sein Lebtag nebenaus und weit vom Ziel, dort aber trifft er, und wenn er ber Allerweifeste davon wäre, doch das beste. Auch für die Schlafsäcke und Schlafpelze, die hier von ihrer Faulheit arm werden, daß sie bankrott machen und betteln gehen müssen, ist jenes Land vortrefflich. Jede Stunde Schlafens bringt bort einen Gulden ein und jedesmal Gähnen einen Doppeltaler. Wer im Spiel verliert, dem fällt sein Geld wieder in die Tasche. Die Trinker haben den besten Wein umsonst, und von jedem Trunk und Schluck drei Bazzen Lohn, sowohl Frauen als Männer. Wer die Leute am besten necken und aufziehen kann, bekommt jeweil einen Gulden. Keiner darf etwas umsonst tun, und wer die größte Lüge macht, der hat allemal eine Krone dafür. Hierzulande lügt so manches drauf und drein und hat nichts für diese seine Mühe; dort aber hält man Lügen für die beste Kunst, daher lügen fich wohl in das Land allerlei Prokura-, Dok und andere toren, Roßtäuscher und die *** Handwerksleute, die ihren Kunden stets aufceben und nimmer Wort halten. Wer dort ein gelehrter Mann sein will, muß auf einen Grobian studiert haben. Solcher Studenten gibt's auch bei uns zulande, haben aber feinen Dank davon und keine Ehren. Auch muß er dabei faul und gefräßig sein, das sind brei schöne Künste. Ich kenne einen, der fann alle Tage Professor werden. Wer gern arbeitet, Gutes tut und Böses läßt, dem ist jedermann dort abhold, und er wird Schlaraffenlandes verwiesen. Aber wer tolpisch ist, gar nichts tann und doch voll dummen Dünkels, der ist dort als ein Edelmann angesehen. Wer nichts kann als schlafen, essen, trinken, tangen und spielen, der wird zum Grafen ernannt. Der aber, den das allgemeine Stimmrecht als den Faulsten und zu allem Guten Untauglichsten erkannt, der wird Rönig über das ganze Land und hat ein großes Einkommen. Nun wißt ihr des Schlaraffenlandes Art und Eigenschaft. Wer sich also auftun und dorthin eine Reise machen will, aber den Weg Hänschen wollte jagen gehn, hatte kein Gewehr, sah er einen Besen stehn: Herz, was willst du mehr? Hänschen ging voll Jagdbegier mit dem Besen aus: Mutter, einen Braten dir bring ich bald nach Haus!" Nun mit Jägerleidenschaft lief er in das Feld, und er schoß mit voller Kraft auf die ganze Welt! Saß ein Häschen auf der Flur, Hänschen machte:„ Bumm!" Häschen machte Männchen nur, aber fiel nicht um. Saß ein Rabe auf dem Baum, Hänschen machte:„ Puh!" Doch der Rabe wie im Traum saß in guter Ruh. Hüpft ein Sperling an dem Weg, Hänschen machte:„ Paff!" Doch der Sperling piepte frech: " Hänschen, bist ein Aff!" Hänschen nun verlor den Mart, 30g ein schief Gesicht: " Schießen tut die Flinte gut, doch sie trifft ja nicht!" Berantwortlich für die Rebaftton: Frau Klara Bettin( Sunded), Wilhelmshöhe, Boft Degerloch bet Stuttgart. Druf und Berlag von Baul Singer ta Stuttgart.