Für unsere Kinder Nr. l9 o o o c> o o o Beilage zur Gleichheit o o o o o o o 1909 Inhaltsverzeichnis: Spruch. Von Friedrich Rücken.— Aus vem Reiche der Technik. III. Im Hüttenwerk. Von Richard Woldt.— Lied vom Drohnenkönig. Von Ludwig Pfau.(Gedicht.)— Eine Floßsahrt auf dem Main. II. Da» Floß. Von Heinrich Wandt.— Frau Sonne. Von Emma Döly.(Gedicht.)— Die Wichlelmänner. Von Grimm.— Bei Goldhähnchens. Von Heinrich Seidel.(Gedicht.) Spruch. Bon Friedrich Riickert. Arbeitsam willst du sein, doch nicht Erholung missen, And beides möchtest du recht auszugleichen wissen. Laß dir empfehlen, was Erfahrung mir empfohlen: Von einer Arbeit dient die andre zum Er holen. Die Ausruh' bester Art ist Wechseltätigkeit, Wo gleich im Wechsel bleibt des Strcbens Stetigkeit. o O o Aus dem Reiche der Technik. NI. Im Hüttenwerk. Vater:„Hans und Lotte, kommt einmal her! Da schreibt mir Onkel Max, daß wir ihn be suchen sollen, um unS das Eisenhüttenwerk an zusehen, in dem er arbeitet. Macht euch also für morgen abend bereit. Geht hinüber zur Tante Else und bittet darum, daß auch Kurt und Grete mitkommen dürfen. Es wird für euch viel zu schauen und zu lernen geben." »» Vater:„So, Kinder, da wären wir am Ziele. Ihr seht vor euch jene gewaltigen Anlagen, die wir uns heute einmal ansehen wollen. Hier wird das Eisen gemacht." Kurt:„Wie, Onkel? Das Eisen gemacht? Du hast dich gewiß versprochen. Eisen ist doch ein Naturschatz, den die Menschen finden." Vater:„Gewiß ist Eisen ein Schatz, den die Natur den Menschen schenkt, aber trotz dem muß es gemacht werden. So, wie es gefunden wird, kann es nämlich noch nicht dem Gebrauch dienen, läßt es sich noch nicht verarbeiten. Es muß erst für die Verarbeitung geeignet gemacht werden." Lotte:„Ich weiß es, Vater, was Eisen ist: es ist ein Metall, das haben wir in der Schule gelernt." Vater:„Das ist richtig und auch falsch. Als Metalle bezeichnen wir alle festen Körper, die bestimmte Eigenschaften in ihrerZusammen- setzung haben müssen. Das Eisen ist eine be sondere Art der Metalle und bildet eine Le gierung von verschiedenen Stoffen. Wer von euch weiß, was eine Legierung ist?" Hans:„Das habe ich neulich gehört, als der Klempner die Wasserleitung in der Küche ausbesserte. Eine Legierung ist eine Zusammen setzung, eine Verbindung von verschiedenen Stoffen, die sich zu einem zusammen tun." Vater:„Recht so, immer hübsch aufgepaßt, wenn ihr Handwerkslcule oder Arbeiter han tieren seht! Also das Eisen ist aus verschie denen Stoffen zusammengesetzt. Darunter sind solche, die ohne Wert für die Menschen sind, und andere noch, welche die Verarbeitung des ungereinigten Eisens hindern würden. Die Natur liefert das Eisen nicht in gebrauchs fähigem Zustand. In mühevoller Arbeit muß der Mensch dieses wertvolle Material, das er nachher für seine verschiedenen Werkzeuge und Maschinen braucht, aus der Verbindung mit anderen Stoffen ablösen. Glücklicherweise ist das Eisen in ungeheuren Mengen über den ganzen Erdball verbreitet. In der rohen Form, in der es gefunden wird, bezeichnen wir es als Eisenerz. Wißt ihr, wo sich die Eisenerze vorfinden?" Alle Kinder:„In der Erde!" Vater:„Und wer schafft sie an das Tages licht?" Alle Kinder:„Der Bergmann!" Vater:„Richtig. Tief unten in der Erde haben die eisenhaltigen Steine ihren langen tausendjährigen Schlaf gehalten. Sie sind so unansehnlich, daß ihr sie nicht ausheben würdet, wenn sie auf der Wiese zu euren Füßen lägen. Der Bergmann aber bohrt Löcher oft viele hundert Meter tief in die Erde, sogenannte Schächte, um das Eisenerz heraufzuholen." Grete:„Wenn die Löcher so tief lind, Onkel, 146 Für unsere Kinder wie kommt denn da der Bergmann hinunter und wieder herauf?" Kurt: Ohe! Das weiß die Grete nicht! Leitern führen in die Schächte, und mit Winden werden Körbe herunter- und heraufgeleiert, in denen die Bergleute sitzen. Diese Fahrstühle bringen sie zur Arbeit und holen sie wieder herauf. Ich habe das auf Bildern in Vaters Buch gesehen." Bater: Jawohl, Kinder, so ist es. Und die Bergleute haben unten kreuz und quer tiefe Gänge gebaut, die sich oft meilenweit hinziehen. Und Tag und Nacht arbeiten in den Gängen Tausende von Bergleuten. Sie liegen auf dem Boden, um mit Schlägel und Eisen, mit Spitzhacke und Hammer von den Wänden der Gänge die Eisenerze abzuschlagen." Lotte: Vater, ich weiß, wie die Erze heraufgeschafft werden. Wie die Kohlen, die auch Bergleute unter der Erde graben. Die Erze werden in kleine Wagen geladen und auf Schienen von Pferden zu den Schächten hingezogen." Grete: Pferde in den Schächten? Wie tommen die denn hinunter?" Kurt: Kleine Grete, das ist nicht schwer zu denken! Wie die Bergleute auch." Lotte:" Ja, und wenn die Pferde die Wägelchen bis zu den Schächten geführt haben, so stehen Fahrlörbe bereit, in welche die Erze geschüttet werden. Die Fahrkörbe hängen an Ketten, und da sind oben, am Eingang der Schächte, Winden und Maschinen, welche sie heraufziehen." Water: Ei sieh da, mein kluges Mädel! Aber was geschieht nun mit dem Eisenerz weiter?" Alle Kinder: Das wissen wir nicht." Bater:„ Die Eisenerze werden dorthin gebracht, wo wir jetzt sind, in ein Hüttenwerk. Denn die schmutzigen und häßlichen Wlineralien müssen nun von den Beimischungen befreit werden, die sie in der Erde erhalten haben und die ihre Verwendbarkeit als Eisen verhindern. Sie müssen gereinigt, geläutert werden. Das kann aber nur geschehen, wenn man die Erze flüssig macht, wenn man sie schmilzt." Hans:„ Die sehen ja aus wie Schornsteine?" Grete:„ Aber sie haben einen dicken Bauch und sind viel plumper als die." " Kurt:„ Da laufen auch Gerüste und Gänge ringsum." Bater: Und im Innern sind die Hochöfen hohl, und dieser Hohlraum heißt ein Schacht. Dort werden die Eisenerze gereinigt. Seht ihr dort an dem einen Hochofen die Arbeiter auf den Gerüsten? Sie wollen den Schacht beschicken'." Lotte:„ Sie schütten von oben etwas in den Schacht hinein." Vater:" Recht gesehen. Was sie von oben her aufschütten, das ist abwechselnd immer eine Lage Eisenerze und eine Lage Kots. Das nennt man den Schacht, beschicken'. Unten in diesem wird ein gewaltiges Feuer angezündet, als ob dort die Hölle wäre. Die ganze Ladung von Kots und Eisenerz verbrennt, und bei der Verbrennung tritt eine Scheidung der verschiedenen Bestandteile ein, die sich in den Eisenerzen vorfinden. Nach oben entweichen die Gase, grobtörnige Schlacken sondern sich ab, und in dem unteren Teile des Ofens sammelt sich das reine Eisen." Hans:„ Weil es am schwersten ist und heruntersintt. Ist es nicht so, Vater?" Vater:„ Du hast es getroffen. Aber damit das reine Eisen sich von den Beimengungen der Eisenerze trennte, mußte es in flüssigen Zustand versetzt werden. Das hat die ungeheure Hize im Hochofen bewirtt, die steigt und steigt, bis sie auch das Eisen zum Schmelzen bringt. Wir kommen gerade zurecht zum 10genannten, Abstich, da könnt ihr flüssiges Eisen sehen. Laßt uns in das Hochosengebäude dort gehen." Grete:„ Oh, wie stickig und rauchig ist hier die Luft." Kurt:„ Und wie heiß! Ich kann kaum atmen." Vater:„ In dieser Luft müssen viele Wiänner atmen und arbeiten, schwer arbeiten. Nicht ein Stündchen am Tage, viele Stunden lang. Denkt daran!" Lotte: Was will der Arbeiter dort mit der Eisenstange in der Hand?" Water:„ Das werdet ihr gleich sehen. Der Kurt: Onkel, muß nicht das Feuer das Werkführer hat ihm soeben einen Wink geSchmelzen der Erze besorgen?" Bater: So ist es. Und ungeheure Feuer find nötig, um die Eisenerze zum Schmelzen zu bringen. Das Schmelzen geschieht in den Hochöfen. Schaut, da haben wir eine ganze Reihe solcher Hochöfen vor uns." geben, und jetzt..." Hans:" Ha, jetzt stößt der Arbeiter mit seiner Stange eine fleine Türe an der Wand des Schachtes auf, ich habe es deutlich gesehen." Alle Kinder:„ Oh, der blinkende weiße Feuerstrom, der sich aus der Öffnung ergießt!" Für unsere Kinder 147 Vater:„Das ist Eisen, flüssiges Eisen, das von der Hihe geschmolzen worden ist und das sich nun seinen Weg sucht. Aber die Arbeiter haben diesen Feuerslrom bereits erwartet. Seht ihr auf dem sandigen Boden die lange Rinne, einem schmalen Graben gleich? Er führt nach der Gießhalle. In die wollen wir hinüber gehen, dort werdet ihr noch mancherlei lernen." Grete:„Hier könnten wir fein im Sande spielen. Seht den Fußboden an!" Kurt:„Und die flachen Gräben darin. Was ist's mit denen?" Hans:„In die soll gewiß das flüssige Eisen hineinfließen, das in der großen Rinne aus der anderen Halle kommt." Vater:„So ist es, und darum sind sie mit einander verbunden. In diesen kurzen Gräben kommt das flüssige Eisen zum Erstarren, es wird wieder fest. In kaltem Zustand werden dann die Eisenbarren herausgehoben und in den Höfen aufgeschichtet. Das Roheisen ist fertig und kann nun für die verschiedensten Zwecke weiter verarbeitet werden." Lotte:„Können wir das hier sehen, Vater?" Vater:„Nein. Das geschieht in anderen Anlagen. Im Walzwerk werden aus den Noh- eisenblöcken Eisenbahnschienen hergestellt. Dort erhitzt man im Riesenosen das Roheisen bis zur Rotglut und preßt es dann zwischen zwei Walzenrollen zu langen Schienen aus. Will man aus Roheisen Lokomotivräder, Schwung räder und sonstige Maschinenteile herstellen, so werden in der Gießerei kunstvolle Hohl- sormen der Gegenstände in Sand angefertigt. Das flüssige Eisen wird dann in diese Formen hineingegossen. Das Eisen erkaltet im Sand, und der feste, fertige Gußkörper aus Eisen wird aus der Sandform herausgeholt." Kurt:„Und der Slahl, Onkel, wird er nicht aus Eisen gemacht?" Vater:„Gewiß! Der Stahl ist eine beson ders hergestellte Art von Ersen, das im Stahl werk fabriziert wird. Im Hammerwerk wird das Eis»« geschmiedet, gestreckt und geformt. Ein großes Hüttenwerk ist meist mit allen diesen Anlagen versehen. Oft gehören auch Werkstätten dazu, in denen alle die Erzeug nisse aus Eisen und Slahl entstehen, die der arbeitende Mensch benötigt. Für uns ist das Eisen so notwendig wie das Brot. Unsere wichtigsten Arbeilswerlzeuge sind ganz oder zum Teil aus Eisen und Stahl angefertigt. Aus Eisen ist der Pflug, sind die Ackergeräte, mit denen wir den Boden bearbeite», um seine Früchte zu ernten; aus Eisen und Stahl ist das Räderwerk der Maschinen, mittels deren wir erzeugen, was uns nährt, kleidet, beschuht, die Möbel unserer Zimmer, das Geschirr in unseren Küchen, die Ofen, die uns im Winter wärmen, der Herd, an dem die Mutter kocht." Grete:„Und die Eisenbahnen, Onkel!" Vater:„Freilich, kleine Grete. Wir fahren in eisernen Wagen auf eisernen Schienen durch das Land, und auf eisernen Brücken über schreiten wir den Fluß. Aber nicht nur Werke des Friedens, der ausbauenden Arbeit, ver danken ihre Entstehung dem Bergmann und dem Hüttenarbeiter. Leider auch Werkzeuge des Kriegs, der Zerstörung werden aus Eisen hergestellt. Die Völler wetteifern miteinander in der Größe und Zerstörungsfähigkeit ihrer Kanonen und Flinten, ihrer Kriegsschiffe und Torpedos.— Doch wir müssen nach Hause. Ich werde euch auf dem Heimweg erzählen, wie das große Hüttenwert entstanden ist, daS wir durcheilt haben."»« <- Als sich das Tor hinter den Besuchern ge schlossen hatte, Hub der Vater an: „Elwa 4» Jahre mögen es her sein, da waren Onlel Max und ich noch Kinder, so alt etwa, wie ihr jetzt seid. Wo wir gehen, war alles noch Wald und Wiese. Dort drüben, wo der gewaltige Schornstein seinen Kopf hochmütig in die Höhe reckt, um die Luft mit seinem schwarzen Rauche zu verderben, stand ein kleiner, unscheinbarer Gasthof. Die Fuhr leute hielten dort Rast, wenn sie mit ihren Frachtwagen nach der Stadt fahren mußten. Der Wald reichte bis zu jenen Häuserreihen, die man dort drüben im letzten Jahre erbaut hat. Bis nach der Bahnstrecke hin dehnte sich ein fruchtbares Gelände von Wiesen und Feldern. Ich erinnere mich noch heute des Eindrucks der Ruhe, den das damalige Land schaftsbild machte. In diese Stille ist dann die neue Zeil mit ihren neuen Einrichtungen eingebrochen. Aus unserem Orte war Peter Waidlinger, der Sohn armer Leute, ausgewandert. Er hatte als Schlosser gelernt und war in die Fremde gegangen. Kein Mensch wußte wohin. Eines Tages kam er zurück. Er war ein anderer geworden. Es hieß, er sei in Eng land und in Amerika gewesen und habe dort viel gesehen und gelernt. Das war so, und Peter brachte auch etwas Geld mit heim. Er gründete am Orte eine kleine Fabrik. Kaum mehr als eine Werlstatt, in der für die Land leute der Umgebung Maschinen und Werk- 148 Für unsere Kinder zeuge gebaut wurden, neuartige Pflüge. Dresch maschinen, Eggen, Mähmaschine». Peter Waid» linger hatte Glück. Seine Werkstatt vergröberte sich, seine Waren wurden mit der Zeit in ganz Deutschland bekannt. Später verkaufte er so gar in das Ausland. Immer mehr Arbeiter konnte er beschäftigen. Auch Onkel Max trat damals in seinen Betrieb ein und lernte als Schlosser. Denn die neue Zeit bedurfte weniger Menschen, die den Pflug zu handhaben ver standen und die Saat pflegen konnten. Sie verlangte Männer, die den Hammer zu schwingen und das Eisen zu schmieden wußten, die Maschinen zusammenzufügen verstanden, mit denen man jetzt arbeiten wollte. Peter Waidlinger war inzwischen ein reicher Unternehmer geworden. Es genügte ihm nicht mehr, daß in seinem Betrieb Pflüge, Dresch maschinen, Eggen und andere Werkzeuge her gestellt wurden. In England und Amerika hatte er gesehen, wie man das Eisen behan delt, schmiedet, walzt, in große Formen gießt und daraus schwere Maschinenteile herstellt. Als auch in Deutschland große Maschinen gebaut werden sollten mit schweren eisernen Schwungrädern, Kolben, Hebeln und Trägern aus Eisen, unternahm Waidlinger ihre Her stellung. Seine Fabrikate erhielten einen Welt ruf, seine Eisenhüttenwerke mußten wieder und wieder vergrößert werden. Heute ist eine ganze Fabrikstadt daraus geworden, wie ihr sie hier vor euch liegen seht. Mit dem Betrieb war Waidlingers Reich tum gewachsen. Seine Arbeiter bezahlte er schlecht. Er gab ihnen für ihre Arbeit weniger, wie sie wert war. Ein Arbeiter erhielt zum Beispiel für den Tag drei Mark Taglohn, die geleistete Arbeit aber rechnete der Fabrikant dem Kunden mit süns Mark an, die zwei Marl mehr steckte er als Gewinn in seine Tasche. Man nennt das Profitmachen. Ein Unter nehmer, der von jedem Arbeiter täglich zwei Mark profitiert und etwa tausend Arbeiter beschäftigt, hat am Jahresschluß ein recht hübsches Sümmchen zusammen. Rechnet das einmal zu Haus« heraus. Der einfache Schlosser Peter Waidlinger war dank seiner eigenen Arbeit und Geschicklichkeit ein kleiner Fabri kant geworden, mit der Zeit aber machte die Arbeu anderer ihn zum Hütteniverksbesitzer und vielfachen Millionär. Aber Waidlinger bezahlte nicht nur seine Arbeiter gering, sondern behandelte sie auch hart. Für ihn waren sie seine Sklaven, die ihm ebenso gehorchen sollten, wie die Ma- schinen seinem Willen, seiner Habgier dienst bar waren. Die Arbeiter haßten ihn, sie nannten ihn wegen seiner Ruhelosigkeit und seiner finsteren, fühllosen Sinnesart„den alten Tiger". Wie eine Krankheit war die Gier nach Reichtum und immer größerem Reichtum über ihn gekommen, den die Arbeiter erschaffen sollten. Eines Tages kam es zum Streit mit den Arbeitern. Diese weigerten sich, für die nied rigen Löhne weiterzuschaffen. Waidlinger aber wollte ihnen nicht mehr zahlen. Und nun ge schah etwas Unerwartetes. Eines Morgens blieben die Arbeiter alle in ihren Wohnungen. Zum erstenmal seit vielen Jahren war es wieder ruhig im Tale, man hörte nicht mehr das Stampfen der Maschinen, das Surreu der Räder, der Schornstein entsandte keinen Rauch in die Luft, denn das Feuer im Kessel war erloschen. Kein Mensch war in dem Hütten werk, um wie gewöhnlich die Maschinen in Gang zu setzen.„Der alter Tiger" schäumte vor Wut. Als Abgesandte der Arbeiter bei ihm erschienen und ihm deren Lohnforderungen mitteilten, lächle er höhnisch.„Es gibt billige Arbeiter in Kroatien," rief er aus. Von dort ließ er auch ein paar hundert Männer kommen. Die Eisenbahn brachte sie schnell zur Stelle. Aber die Fremdlinge waren der Arbeit in dem Hüttemverk unkundig, sie wußten nicht mit den Maschinen umzugehen, und Waid lingers Kunden verlangte» die Maschinen und Werkzeuge, die sie bestellt hatten.„Der alte Tiger" mußte mit seinen Arbeitern unter handeln und mußte sich ingrimmig den Be dingungen fügen, die sie ihm gestellt hatten. Vor einigen Jahren ist der Manu gestorben. Seine Söhne haben die Werke geerbt. Auch sie sind große Herren, die längst vergessen haben, daß ihr Vater früher einmal ein armer Handwerksbursche gewesen ist. Der alte Waid linger hatte sich um die Vorgänge seines Be triebs noch selbst gekümmert, seine beiden Söhne aber waren aus einem anderen Holz. Sie kamen das ganze Jahr nicht in die Halle» und Werkstätten. Sie führen ein untätiges Dasein in ihren Palästen und Villen, fern von den Ställen der Arbeit. Sie verprassen das Geld, das Tausende fleißige Hände hier unten im Tale für sie erarbeiten müssen. So hat die neue Zeit mit ihren Maschinen, Hüttenwerken und Fabriken nur wenige Men schen mit großen Reichtümern beschenkt, für die große Zahl der Arbeiter hat sie keinen Segen gebracht. Einst aber wird die Zeit kommen, wo Für unsere Kinder 149 die Fabriken und Maschinen nicht mehr einigen| erfahren. Vor euren Augen soll das Floß erwenigen gehören, sondern allen, wo es keinen stehen. Darum tommt nur mit nach der Heimat Unterschied mehr gibt zwischen arm und reich, der riesigen Tannenstämme, aus denen das zwischen Müßiggängern, die prassen, und Floß zusammengefügt ist. Ihr könnt doch bergfleißigen Arbeitern, die darben. Das Reich steigen? Also vorwärts, wenn es auch heiß des Sozialismus wird anbrechen, in dem es ist und eure Füße manchmal etwas brennen. nur freie, arbeitende Menschen gibt. Eure Wer emporkommen will, der darf nicht wehVäter kämpfen dafür, daß dieses Reich der leidig sein, der darf nicht jeder Anstrengung, Erfüllung entgegengeht. Wenn ihr größer und jedem Schmerz aus dem Wege gehen. verständiger geworden seid und die Dinge um euch herum besser begreifen könnt, sollt ihr nach diesem Ziel weiterstreben. Es ist des Kampfes wert." Richard Woldt. 000 Lied vom Drohnenkönig. Bon Ludwig Pfau. Es war in einem Bienenstaat Ein edler Drohnenkönig, Der leckte Sonig früh und spat, Satt Helfer gar nicht wenig. Er nippt herum, er tippt' herum, Er machte nichts als Sum und BrumDer König, der war gar nicht dumm, Der feiste Drohnenkönig. Da wurden auch die Bienen flug, Und sprachen:„ Drohnenkönig! Du frißt zwar Honig grad genug, Doch schaffst du viel zu wenig. Wir ſummen dir auf dein Gebrumm, Wir pfeifen auf dein Gaudium Wir Völker sind nicht mehr so dumm, Du fauler Drohnenkönig!" Die Bienen spießten kurz und gut Den edlen Drohnenkönig, Verzehrten ihren Zuckerhut, And hatten nicht zu wenig. Sie brachten all die Sippschaft um, Da half tein Sum, da half kein Brum Die hatten halt tein Christentum, Du armer Drohnenkönig. Eine 000 Da sind wir auch schon den steilen Berg hinangestiegen und stehen nun auf einer Höhe des Fichtelgebirges. Seht euch nur tüchtig um! Welch' herrlichen Bäume! Höher, viel höher sind die als euer Haus, und wie viele strecken ihre dunkelgrünen Wipfel hoch hinauf nach dem leuchtenden Himmel. Stamm steht neben Stamm, so daß ihr bald vor lauter Bäumen den Wald nicht seht. Lauschige Stille umfängt uns auf der einsamen Berghöhe. Da plöglich ein hohlflingender Ton, und noch einer. Aus dem Hintergrund des Bergwaldes tommt das regelmäßige Getöse. Wir gehen ihm nach und sehen: die Art ist den stolzen Bäumen an die Wurzel gelegt. Stämmige Holzhauer, denen der Schweiß von der Stirne auf die offene Brust tropft, führen Schlag auf Schlag gegen die hohe Tanne da. Aufgepaßt! Krach! Der mächtige Baum stürzt, und wie wird er nun von den Menschen behandelt! Im Nu sind ihm die Aste und Zweige abgehauen und nicht einmal die Rinde wird ihm gelassen. Ein stattlicher Haufen glatter, heller Stämme erzählt von Kameraden, denen es ebenso gegangen ist. Nicht lange ist's her, da ragten die schlanken Bäume noch voll Freiheitslust und Lebenskraft in den sonnigen Üther, und nun liegen sie jäh gefällt, aller Schönheit beraubt, splitternackt auf dem weichen Moosboden. Sind sie nicht zu bedauern? Aber tröstet euch, die Stämme selbst sind über ihren Fall" nicht betrübt. Sie wissen, daß sie nun eine große Reise in die weite Welt antreten, und daß sie viel, sehr viel zu sehen und zu hören bekommen. Für heute haben die sonnengebräunten Holzhauer genug Tannen gefällt. Jegt gilt es noch, Floßfahrt auf dem Main. die Stämme ins Tal zu schaffen. Das ist so II. Das Floß. In der letzten Nummer habe ich euch erzählt, wie ich zu Würzburg plötzlich auf ein Floß gelangt war, nachdem ich vorher tüchtig Wasser hatte schlucken müssen. Nun werdet ihr gewiß wissen wollen, wie ein solches Fahrzeug aussieht. Nur Geduld, das sollt ihr gleich ziemlich die leichteste Arbeit. Die Holzfäller schieben die mächtigen Stämme nach dem abgeholzten Abhang, aus dessen Tiefe das Rauschen des eingezwängten Flusses heraustönt, und lassen sie dann ins Tal hinunterrollen. Hopp, hopp! Ein paar gewaltige Rutscher und die Stämme sind unten. Kommt euch beim Zuschauen nicht die lockende Versuchung 150 Für unsere Kinder reihe noch eine zweite geschichtet. Nun sieht Das Floß soweit fertig aus. Es fehlt aber noch die Hauptsache: das Steuer. Wie könnten die Flößer ohne Steuer auf die Reise gehen? Wohl tragen die Wellen das Floß flußabwärts, es fließt mit ihnen. Aber ohne Steuer wäre es darum auch ihr willenloses Spielzeug. Wie sie würde es bald hier, bald da am Ufer auflaufen, an Felsblöcken im Strombett zerschellen. Das Steuer erft macht das Floß zum Werkzeug der Flößer, es legt in ihre Hand die Macht, es zu lenken und zu regieren. Ein fürzerer, starter, aber doch geschmeidiger Stamm wird zum Steuer bestimmt. Man steckt ihn in der Mitte des Flosses durch die Stämme hindurch, so daß er auch unter die erste Stammreihe durchgreift, die auf dem Wasser schwimmt. In dieser Lage wird der Stamm gut befestigt, und das Steuer ist fertig. Hurra! Nun wird das Floß von den Flößern ins Wasser geschoben. Es ist ein gar stattliches Fahrzeug, acht Häuser könnten darauf gestellt werden, so groß ist es. Aber ein Floß tritt die Fahrt nicht allein an. Es braucht Gesellschaft. Sieben solcher Fahrzeuge liegen am User, um die Fahrt nach Mainz gemeinsam zu unternehmen. Ein ganzes Wäldchen von gefällten Bäumen tritt da seine große, weite Reise nach dem fernen Meere an. an, hinter den Stämmen breinzurutschen? Laßt| tönnt, wenn ihr so gemütlich dem Bau des das aber lieber bleiben, denn eure Hosenboden einfachen Fahrzeugs zuschaut. Damit sich die sind nicht so unempfindlich wie Tannenstämme. Fahrt auch lohnt, wird auf die erste StammFragt mal eure Mutter danach. Es hilft nichts, wir müssen den Berg wieder hinuntersteigen. Unten im Tale stehen wir am Oberlauf des Main und sehen emfigen, schwielenreichen Hänben zu, wie sie bemüht sind, die von der Berghöhe herabgesausten Stämme nach dem Wasser zu leiten. Drei, vier, fünf von ihnen werden durch Wurzeln zusammengebunden und den schmalen Fluß hinabgeflößt. Meist sind es Kinder, die diese Arbeit besorgen, denn bei den armen Flößerknechten im Fichtelgebirge ist Schmalhans Küchenmeister und die bleiche Not ein bleibender Gast. Daher müssen die Flößerfinder schon bald lernen, zum Unterhalt der Familie beizutragen. Ihnen ist der frische Wald mit seiner Pracht teine Stätte der Erholung und des müssigen Spiels wie den Kindern der Reichen, sondern ein Feld angestrengter, oft schwerer Arbeit. Wie schmerzen manchmal Glieder und Rücken beim Sammeln ber Waldbeeren, von denen die wenigsten ,, ins Kröpfchen" tommen, weil die„ Töpfchen" gefüllt werden müssen; wie müde werden die Kleinen beim Suchen von Pilzen und Auflesen von Fichtenzapfen und dürren Reisern. Aber die Arbeit stählt auch die Körper und läßt sie sehnig und gewandt werden; aus der würzigen Waldesluft saugen sie frische, gefunde Säfte, und Sonnenschein und Himmelsblau geben heiteren Sinn. So wachsen die Mädel zu fleißigen, rüstigen Frauen heran, und die Buben werden wetterharte, arbeitsgewohnte Flößergesellen. Bis hinunter nach Kizingen, wo der Main schon viel breiter ist, werden die einzelnen Stämme geflößt, um dort zu großen, richtigen Flößen zusammengefügt zu werden. Hunderte von ehemaligen stolzen Tannenriesen liegen hier am Ufer umher. Eben sind fleißige Hände an der Arbeit, um im rastlosen Eiser wieder ein solches Fahrzeug zu bauen. Auf ihren breiten Schultern schleppen die wackeren Flößer die Stämme herbei und reihen sie auf dem Boden aneinander. Schon liegen 25 bis 30 stattliche Tannenstämme eng aneinander gepreßt, durch Wurzeln, Eisendrähte und gut geschmiedeteKlammern miteinander verbunden, als ein fleines, fertiges Floß am Ufer. Aber ein richtiges Stromfloß ist fünfmal größer, und fünf fleinere Flöße werden daher zu einem einzigen großen zusammengesetzt. Das ist eine gar saure Arbeit, die ihr gar nicht ermessen Von Kitzingen aus schwimmen die Flöße den Main hinunter, an dem schönen Würzburg vorbei, durch den geheimnisvollen Spessartwald, an malerischen Burgen vorüber, hinaus ins ebene Land nach Frankfurt und Mainz. Von dort ziehen sie weiter den herrlichen Rhein hinunter nach Holland. Dort werden die Flöße auseinandergenommen, und die Stämme, die noch vor kurzem als stolze Tannen die Zierde des Fichtelgebirges waren und saftige Gründe wie finstere Schluchten überschatteten, dienen zum Bau großer Schiffe. Weite Fahrten, Weltfahrten machen nun die Tannen mit und können dem vieles erzählen, der ihre Sprache zu deuten versteht. Natürlich werden nicht alle Stämme, die von Kitzingen aus auf die Wanderschaft gehen, Weltreisende, die alle Meere und Länder kennen lernen, die das eine Jahr vielleicht den Walfischfang sehen, das nächste Jahr aus Afrika Elefanten und Ga zellen nach Europa bringen. Manche Flöße bleiben im Lande, ihre Fahrt endet bei einer der großen deutschen Städte. Für unsere Kinder 000 Die Wichtelmänner. Erstes Märchen. 151 Doch wir sind ihrer Reise vorausgeeilt. Es| Und haben sie alles recht gründlich getan, scheint, daß wir mit den Stämmen zusammen Dann ruf ich die Kinder zum Spiel auf den Plan. das Wanderfieber bekommen haben. Denn die Nun grüße mir alle und sag zu den Kleinen, sind ganz sicher davon ergriffen. Seht nur, Ich würde zuerst durch ihr Fensterchen scheinen. wie sich die Flöße bewegen, sie können vor Sie sollen am Abend brav schlafen nur geben, Ungeduld gar nicht die Abreise erwarten, und Dann tönnen recht frühe mein Leuchten sie sehen. doch fehlt noch so manches. Vorn auf dem Lebwohl, schon zu lange blieb ich auf dem Fleck." ersten Floß schlagen die Flößer eilig eine not- So sagte Frau Sonne, und-husch war sie weg. dürftige Bretterhütte auf, in der sie sich während der Wochen langen Fahrt nachts zum Schlafen niederlegen. Auch ein Herd, vielmehr Ofen wird auf das Floß geschafft, denn das hat ja auch eine Küche. Und nun kommt der Proviant. Alles, was sich ein Flößermagen wünschen tann, ist darunter, und für den Durst Kizinger Bier. Nun schnell noch die Anter her. Auf jedes Floß springen zwei Mann, und die lustige Fahrt den Wlain hinab hebt an. Auf dem Hüttensloß weht die Fahne, der Floßführer löst die Anker, und vorn der hagere Steuermann stemmt mit fräftiger Hand die lange Stange in den Grund des Stroms und lenkt das Floß in das breite Fahrwasser. Am hinteren Ende des Floßes steht der junge „ Nachhalter" mit seiner Stange und stößt vom Ufer ab. Das Floß schwimmt! Eines nach dem anderen der sieben Fahrzeuge verläßt das Ufer, und der stattliche Floßzug zieht unter dem Frohlocken und Rufen der nachschauenden Kinder und Freunde der Flößer den blaugrünen Strom hinunter. Gute Fahrt! 000 Frau Sonne. Von Emma Dölz. Heinrich Wandt. Nun horchet, ihr Kinder, was gestern geschehen: Ganz zufällig hab' ich Frau Sonne gesehen. Da hab' ich ihr gleich ihre Sünden verlesen, Weshalb sie so lange nicht bei uns gewesen, Ob stolz sie geworden, weil sie gar so dicht Mit Schleiern von Wolken verhüllt ihr Gesicht? Da sah sie mich an, mit so herzlichem Lachen, Ihr wißt schon, was einen so luftig fann machen, Lind sagte:„ Ich glaube, die Menschen, sie meinen, Ich hätte nichts andres zu tun als zu scheinen! Und gar, daß ich stolz sei, wie eben du flagst, Das hat doch gewiß nur dein Jüngstes gesagt. Ich käme zu euch lieber heute als morgen, Doch muß ich erst noch Regenwolten besorgen, Die die Bäume waschen, die Felder begießen, Daß Blumen und Gräser aufs neu tönnen sprießen. Es war ein Schuster ohne seine Schuld so arm geworden, daß ihm endlich nichts mehr übrig blieb als Leder zu einem einzigen Paar Schuhe. Nun schnitt er am Abend die Schuhe zu, die wollte er den nächsten Morgen in Arbeit nehmen; und weil er ein gutes Gewissen hatte, so legte er sich ruhig zu Bett und schlief sanft ein. Morgens, als er sich zur Arbeit niedersegen wollte, standen die beiden Schuhe ganz fertig auf seinem Tisch. Er verwunderte sich und wußte nicht, was er dazu sagen sollte. Er nahm die Schuhe in die Hand, um sie näher zu betrachten: sie waren so sauber gearbeitet, daß kein Stich daran falsch war, gerade als wenn es ein Meisterstück sein sollte. Bald darauf trat auch schon ein Käufer ein, und weil ihm die Schuhe so gut gefielen, so bezahlte er mehr als gewöhnlich dafür, und der Schuster konnte von dem Geld Leder zu zwei Paar Schuhen erhandeln. Er schnitt sie abends zu und wollte den nächsten Morgen mit frischem Mut an die Arbeit gehen, aber er brauchte es nicht, denn als er ausstand, waren sie schon fertig, und es blieben auch nicht die Käufer aus, die ihm so viel Geld gaben, daß er Leder zu vier Paar Schuhen einkaufen konnte. Er fand frühmorgens auch die vier Paar fertig; und so ging's immer fort: was er abends zuschnitt, das war am Worgen verarbeitet, also daß er bald wieder sein ehrliches Auskommen hatte und endlich ein wohlhabender Wann ward. Nun geschah es eines Abends nicht lange vor Weihnachten, als der Mann wieder zugeschnitten hatte, daß er vor Schlafengehen zu feiner Frau sprach:" Wie wär's, wenn wir diese Nacht ausblieben, um zu sehen, wer uns solche hilfreiche Hand leistet?" Die Frau war's zufrieden und steckte ein Licht an; darauf verbargen sie sich in den Stubenecken, hinter den Kleidern, die da aufgehängt waren, und gaben acht. Als es Mitternacht war, da tamen zwei fleine niedliche, nadte Männlein, setzten sich 152 Für unsere Kinder vor des Schusters Tisch, nahmen alle zuge-| und führten es in einen hohlen Berg, wo die schnittene Arbeit zu sich und fingen an, mit Kleinen lebten. Es war da alles flein, aber ihren Fingerlein so behend und schnell zu so zierlich und prächtig, daß es nicht zu sagen stechen, zu nähen, zu klopfen, daß der Schuster ist. Die Kindbetterin lag in einem Bett vor Verwunderung die Augen nicht abwenden von schwarzem Ebenholz mit Knöpfen von. konnte. Sie ließen nicht nach, bis alles zu Perlen, die Decken waren mit Gold gestickt, Ende gebracht war und fertig auf dem Tische die Wiege war von Elfenbein, die Badewanne stand, dann sprangen sie schnell fort. von Gold. Das Mädchen stand nun Gevatter Am anderen Morgen sprach die Frau:„ Die und wollte dann wieder nach Hause gehen, fleinen Männer haben uns reich gemacht, wir die Wichtelmännlein baten es aber inständig, müßten uns doch dankbar dafür bezeigen. Sie drei Tage bei ihnen zu bleiben. Es blieb also laufen so herum, haben nichts am Leib und und verlebte die Zeit in Lust und Freude, müssen frieren. Weißt du was? Ich will und die Kleinen taten ihm alles zuliebe. EndHemblein, Rock, Wams und Höslein für sie lich wollte das Mädchen sich auf den Rückweg nähen, auch jedem ein Paar Strümpfe stricken; machen, da steckten sie ihm die Taschen erst ganz mach du jedem ein Paar Schühlein dazu." voll Gold und führten es hernach wieder zum Der Mann sprach:" Das bin ich wohl zu Berge heraus. Als es nach Hause kam, wollte frieden," und abends, wie sie alles fertig es seine Arbeit beginnen, nahm den Besen in hatten, legten fie die Geschenke statt der zu die Hand, der noch in der Ecke stand, und geschnittenen Arbeit zusammen auf den Tisch fing an zu fehren. Da tamen fremde Leute und versteckten sich dann, um mit anzusehen, aus dem Hause, die fragten, wer es wäre wie sich die Männlein dazu anstellen würden. und was es da zu tun hätte. Da war es Um Mitternacht tamen sie herangesprungen nicht drei Tage, wie es gemeint hatte, sondern und wollten sich gleich an die Arbeit machen, sieben Jahre bei den kleinen Männern im als sie aber fein zugeschnittenes Leder, son- Verge gewesen, und seine vorige Herrschaft dern die niedlichen Kleidungsstücke fanden, war in der Zeit gestorben. verwunderten sie sich erst, dann aber bezeigten fie eine gewaltige Freude. Mit der größten Geschwindigkeit zogen sie sich an, strichen die schönen Kleider am Leib und sangen: Sind wir nicht Knaben glatt und fein? Was sollen wir länger Schuster sein!" Dann hüpften und tanzten sie und sprangen über Stühle und Bänte. Endlich tanzten sie zur Türe hinaus. Von nun an tamen sie nicht wieder, dem Schuster aber ging es wohl, solange er lebte, und es glückte ihm alles, was er unternahm. 000 Bei Goldhähnchens. Bon Beinrich Seibel. Grimm. Bei Goldhähnchens war ich jüngst zu Gast; Sie wohnen im grünen Fichtenpalast, In einem Nestchen klein, Sehr niedlich und sehr fein. Was hat es gegeben? Schmetterlingsei, Mückensalat und Gnizzenbrei Und Käferbraten famos, Bwei Millimeter groß. 8 weites Märchen. Es war einmal ein armes Dienstmädchen, das war fleißig und reinlich, tehrte alle Tage Dann sang uns Vater Goldhähnchen was. das Haus und schüttete das Kehricht auf einen So zierlich klang's wie gesponnenes Glas. großen Haufen vor die Tür. Eines Morgens, als es eben wieder an die Arbeit gehen wollte, Dann wurden die Kinder besehn; fand es einen Brief darauf, und weil es nicht Sehr niedlich alle zehn. lesen fonnte, so stellte es den Besen in die Ecke und brachte den Brief seiner Herrschaft. Es war eine Einladung von den Wichtel. männern, die baten das Mädchen, ihnen ein Kind aus der Taufe zu heben. Das Mädchen wußte nicht, was es tun sollte, endlich auf vieles Zureden, und weil ihm die Leute sagten, so etwas dürfte man nicht abschlagen, so milligte es ein. Da tamen drei Wichtelmänner Dann sagt ich:„ Adieu" und„ Danke sehr". Sie sprachen:„ Bitte, wir hatten die Ehr, und hat uns mächtig gefreut!" Es sind doch reizende Leut. Berantwortlich für die Redaktion: Frau Klara Betfin( Bundel), Wilhelmshöbe. Post Degerloch bet Stuttgart. Drud und Berlag von Baul Singer in Stuttgart