Für unsere Kinder Nr. 20 o c> o O o O O Beilage zur Gleichheit o o O o o o o 1S09 Inhaltsverzeichnis: Vorwarf BonMaxRemy. (Gedicht.)— Die Erdbeere. Von Emma Döly. — Wilhelm Tell. Von Joseph Christian».Zedlitz. (Gedicht.)— Eine Flogsahrt aus den, Main. III. In der FloMchc. Von Heinrich Wandt.— Kinderszene. Von Eduard Mörike.(Gedicht.)— Bixen, eine Mutter. Bon Erncst Selon Thompson. — Rciterlied. Von Fran; MSding.(Gedicht.) Vorwärts. Von Mar Remy. Kämpfen und ringen Stählt dir die Kraft. Willst du dich gegen den Feind nicht wehren, Bringt dich auch nimmer ein Sieg zu Ehren, Fliehst du den Kampf, wird der Preis dir entrafft. Wer des Gebirges Gipfel besteigt, Darf der Beschwerden des Weges nicht achten! Mag er im Brande der Sonne schmachten, Vorwärts, vorwärts, Bald ist's erreicht! Sei nur geduldig, Fest und getreu! Geistesarbeit weckt einen Bronnen Llngeahnter, seliger Wonnen: Strebe nur vorwärts, Fröhlich und frei! cz o o Die Erdbeere. Dicht am Waldrand, wo die Kiefern schon weiter auseinanderstehen und mit jungen Birken untermischt sind, wuchs in einer kleinen Boden vertiefung eine Erdbeere. Sie war noch klein und grün, und der Wind schaukelte sie wie in einer Wiege hin und her, so daß sie manch mal Angst hatte zu fallen. Der Stengel und die Kelchblätter aber hielten sie so fest, wie nur immer eine Mutter ihr liebes Kindlein im Arme hallen kann. Rings um die Erd beere herum wuchsen Grashalme, aber die gaben sich nicht mit dem kleinen grünen Ding ab, sondern zankten sich immerfort mit den höherstehenden Halmen und dem Farnkraut. Das Farnkraut beb.auvtete, die ganze Welt sehen zu können, und wenn es vom Winde hin und her geworsen wurde, so tat es, als ob es sich nur aus Berwunderung über die Größe der Welt schüttelte. Die Grashalme in der Mulde machten aus der Not eine Tugend und sagten, Neugierde und Hochmut wären die häßlichsten Laster. Dabei reckten sie sich aber, so sehr sie nur konnten, um womöglich auch einen Blick in die Welt tun zu können wie das Farnkraut. Da sich nun niemand mit der kleinen Erd beere abgab, hatte sie genügend Zeit, aus die Stimmen des Waldes zu lauschen. Eines Tages hörte sie, wie eine Lerche hoch über ihr in der blauen Luft ihr Lied trillerte: „Trillililiet, die Welt ist wiet"(weit). Die Erdbeere hätte die Lerche gern gefragt, wie es denn in der weilen Welt aussehe, aber als sich der Vogel herniederließ, flog er in ein Kornfeld und hatte sicher die kleine Erd beere gar nicht gesehen. Doch sieh, da kam ein Häslein durch den Wald gesprungen, setzte sich dicht neben die Erdbeere hin, machte Männchen, spitzte die Ohren und strich sich seinen Bart.„Das ist eine günstige Gelegenheit," dachte die Erd beere,„etwas von der Welt zu erfahren." Sie faßte sich ein Herz und sprach:„Lieber Herr Hase, Sie können doch so schnell lausen und springen, Sie sind sicher schon weit herum gekommen. Können Sie mir nicht sagen, wie groß die Welt ist?" Nun gehörte aber der Hase zu den Neunmalklugen, die da glauben, es sei eine Schande, auf irgend eine Frage zu antworten:„Das weiß ich nicht." Da sie keine richtige Antwort wissen, so werden diese Klugen einfach grob. So sah denn das Häs chen recht von oben herab auf die Erdbeere und antwortete:„Du Nichtsnutz, denkst du, unsereiner habe nichts anderes zu tun, als deine dummen Fragen zu beantworten? Ich bin gerade auf dem Wege, eine Abendgesell schaft einzuladen, und komme soeben von Familie Springhoch und muß noch die Herren Kohlbiß und Dauerlauf, Fräulein Salatblatt und Frau v. Rübenstiel herbitten! Da denkst du, ich hätte Zeit, dir Geschichten über die Welt zu erzählen? Deine Einbildung kommt daher, daß du noch so grün bist. Zu nichts bist du gut, nicht einmal zum Fressen 154 Für unsere Kinder taugst du unnützes Ding." Damit sprang der Hase sort, und die Erdbeere schämte sich so. daß ihr die Tränen aus den Auglein rannen. Die Tropfen fielen aber nicht zu Boden, son dern blieben rings an der Erdbeere selbst hängen wie kleine, winzige Perlchen. Jeder Grashalm, und sogar das steife Farnkraut lachte sie aus, und überall höhnte und zischelte es:„Unnützes Ding! Du unnützes Ding!" So verging der Tag, und als der nächste Morgen kam, beugte die Beere ihr Köpfchen noch tiefer als sonst zur Erde. Sie dachte jetzt nicht mehr an die Größe der Welt, son dern nur, weshalb sie wohl so unnütz wäre, und ob es gar kein anderes Geschöpf gäbe, das so wie sie nichts könne, als sich im Tau baden und am Sonnenschein erfreuen. Daß das Eichhörnchen, die Maus und sogar die Schmetterlinge es immer sehr eilig hatten, das wußte sie. Aber horch, was war das? Mit leisem Flügelschlag kam ein Fink, setzte sich auf einen schwanken Birkenast, glättete sein Gefieder und schaute mit seinen klugen, schwarzen Perlenaugen lustig umher. Oho, dachte die Erdbeere, der scheint sich auch nur seines Lebens zu freuen, der wird mich nicht verachten, weil ich so unnütz bin. Während sie aber noch überlegte, ob sie es wagen sollte, den Finken anzusprechen, wetzte der sein Schnäbelein und rief nach seiner Frau, und als die aus einem entfernten Busch antwortete, mahnte er sie einmal über das andere:„Bring es flink, bring es flink." Sein Weibchen aber kam nicht. Was es bringen sollte, mußte ihm wohl zu schwer werden, und so flog der Fink zu seiner Frau nach dem Busch. Er wollte gewiß Helsen. „Ach," seufzte die Erdbeere,„der hat also auch zu tun, und nur ich bin unnütz." Sie wollte eigentlich traurig sei», aber die Sonne schien so lustig, daß sie es nicht recht fertig bekam.„Zirp, zirp," tönte es da dicht neben ihr. Eine Grasmücke hüpfte durch die Zweige des benachbarten Brombeerstrauches. Nun blieb das Vöglein im vollen Sonnenschein sitzen, putzte sein Gefieder, hob abwechselnd ein Bein ums andere hoch und sah aus, als wüßte es nicht recht, was es anfangen sollte. Lange wagte die Erdbeere nichts zu sagen und beobachtete die kleine Grasmücke nur verstohlen. Aber als sie nichts tat, als höchstens ein wenig nach rechts oder nach links hüpfen, nahm die Erdbeere all ihren Mut zusammen und sprach:„Höre, lieber Vogel, freust du dich auch so an diesem schöne» Tag? Wenn dir's recht ist, so komm doch ein wenig näher zu mir her: Hier ist solch schönes sonniges Plätzchen, da können wir plaudern. Du hast doch gewiß nichts Wichtiges zu tun." Die Grasmücke erschrak nicht wenig, als sie das hörte, denn sie hatte wirklich im lieben Sonnenschein ihre Arbeit vergessen. Nun nahm sie sich kaum noch Zeit, der Erdbeere zuzu rufen:„Muß unse Mutterns Jacke flicken, Jacke flicken, habe kein Zwirn, Zwirn, Zwirrrn!" Dann flog sie fort, jedenfalls um sich Zwirn zu holen. Die Grashalme aber riefen:„Nun halte endlich deinen Mund, du unnützes Ding du, und slöre nicht immer unsere Unterhal tung." Und dann zischelten sie untereinander und zankten sich weiter. Die Erdbeere aber schämte sich so, daß sie ganz rot wurde, und senkte ihr Köpfchen noch tiefer als sonst.„Ach, wenn ich doch nur nicht so unnütz wäre!" Das war ihr einziger Ge danke. Aber da wurde es laut im Walde. Lustiges Kinderlachen ertönte, und plaudernd kamen ein Mädchen und ein etwas größerer Junge dahergesprungen. Beide waren bar füßig und ärmlich gelleidet. Aus ihren Augen lachte ein unverwüstlicher Frohsinn. Zwei Körbe mit Beeren zeugten von ihrem Fleiße. Jetzt mußten sie wohl müde sein, denn sie setzten sich dicht neben der Erdbeere ins Gras. „Du," sagte das Mädel zu ihrem Bruder, „heute bekommen wir sicher jedes Ll) Pfennig für unsere Beeren. Sieh nur, wie viel ich habe, und wie schön sie aussehen." „Ja, gewiß." antwortete der Junge,„wir haben ja auch lange genug gesucht, und ich glaube, der Händler bekommt viermal so viel dafür, als er uns gibt. Aber nun komm; je eher wir zu ihm kommen, desto schneller könne» wir der Mutter das Geld bringen." Da rief plötzlich das kleine Mädel:„Warte mal! Hier hängt noch eine Beere. Sieh nur, wie groß und rot sie ist! Solch schöne Erd beere habe ich noch nicht gesunden. Weißt du, ich glaube, es wäre gut, wenn ich die obenauf legte." „Meinst du wirklich?" sagte der Junge; „dein Korb ist ganz voll, und mehr betommsr du wegen der einen Beere doch nicht. Ich weiß aber, wo diese Erdbeere am besten ist." Dabei schob er die Beere dem kleinen Mäd chen zwischen die roten Lippen. Das ließ es sich lachend gefallen. „Also bin ich doch zu etwas nütze," dachte die Erdbeere und zerging vor Freude auf der Zunge des lleuien Mädchens. ijmma Tot«. Wilhelm Tell. Von Joseph Christian v. Zedlig. Für unsere Kinder ,, Sprich, Vater, warum wir die dunkle Nacht Im Walde, tief in den Tannen durchwacht?" Mein Kind, wer sich rüstet zu guter Jagd, Muß zu Holze ziehn, bevor es tagt." Dort, Vater, ein Reh aus dem Busche bricht! Du siehst es, und du erlegst es nicht?" „ Ein Reh ist eine geringe Beut'; Wohl edler Wild erjag' ich heut!" ,, Dort stürzt aus dem Dickicht der Hirsch in Saft; Nun, Vater, frisch deinen Pfeil gefaßt!" ,, Laß ziehen den Hirsch, ihm geschieht kein Leid; Wohl edler Wild erjag' ich heut!" ,, Mein Vater, ob unserm Haupte schwer Zieht drohend ein Gewitter her! Mir wird so bang- laß heim uns gehn!" Mein Sohn, lern' im Gewitter stehn!" " Sieh dort, herjagend auf stolzem Roß, Den Landvogt reiten, noch fern sein Troß!" „ Still, Knab'! so Gott dir helfen mag! Landvogt, dies war dein letzter Tag!" „ Um Gott, mein Vater! was hast du getan? Du hast erschlagen den vornehmen Mann!" „ Wer ein Mann ist, verteidigt sein gutes Recht, Der Feige nur ist der Tyrannen Knecht!" 000 " 155 ausgesehen haben, von dem es im Liede heißt: Drei Männer umspannten den Schmerbauch ihm nicht." Unser Koch hat einen echten Frankendickschädel, und seine blauen Augen blicken treuherzig, aber auch vergnügt und schalthaft in die Welt hinein. Wenn der Koch lacht und das tut er fast den ganzen Tag-, so zieht sich sein breiter Mund mit den blinkenden Zahnreihen bis zu den Ohren, die eine gute Größe haben und vom Kopfe weit abstehen. Die Geschichten und Schwänke, die der Koch ebenso reichlich wie seine Suppen auftischt, könnten einen Walfisch lachen machen. Freilich: so luftig wie der Koch ist, so wenig versteht er in ernsten Dingen Spaß. Wehe dem Flößer, der das vergißt! Er macht Bekanntschaft mit den Fäusten des„ Dicken", und die Püffe, die sie austeilen, kauft niemand dem Geprügelten ab. Das wissen die Kameraden wohl, und wenn sie auch manchen derben Wig über den Koch machen, so hüten sie sich doch, ihn ernstlich zu erzürnen. Der Respekt vor ihm kommt ihnen nicht bloß von Herzen, sondern auch vom Magen. Der Koch kennt den Appetit hungriger Flößer und sucht ihn zu befriedigen. Und er versteht sein Handwerk trotz der besten Köchin. Nachdem er eben muntere Reden mit dem jungen „ Nachhalter" gewechselt hat, zieht er sich nun in sein Reich zurück. Folgen wir ihm dorthin. Die Küche befindet sich neben der Bretterhütte, die den Flößern als Schlafraum dient. Sie sieht freilich nicht so hell und gut eingerichtet aus wie die Küche eurer lieben Mutter. Sie ist etwas waldursprünglich, aber das tut Eine Floßfahrt auf dem Main. nichts, weiß doch der Koch darinnen schmack III. In der Floßküche. hafte Gerichte zu bereiten. Jetzt geht er daran, Proben seiner Kunst zu liefern. Er wühlt in Ehe ich euch einen Blick in die Küche des der großen, grün gestrichenen Provianttiste, Floßes tun lasse, muß ich euch mit dem Männ- die an der inneren Küchenwand steht. Alles lein bekannt machen, das darinnen als Herr mögliche erblickt ihr in Freund Kochs„ Speiseund Meister schaltet und waltet. Das ist der fammer": einen großen Zuckerhut, Honig, rote Koch der Flößer, ein gar gutmütiger, wißiger Bichorienpäckchen, Blechbüchsen mit duftendem und lustiger Gesell. Schon sein Anblick stimmt Kaffee, Büchschen mit Salz und Pfeffer, Häfen heiter. Geht ihn euch an, wie er mit gefpreizten voll Schmalz und Butter, frisches Suppengrün Beinen im Gefühl seiner Würde und Wichtig und andere Küchenschätze. Neben der inhaltskeit auf dem Floße steht und schwitzend in die reichen Riste steht ein großes rundes Faß, brennenden Strahlen der Sonne blinzelt. Ist das viele Pfund ein gesalzenen Fleisches entdas nicht ein echter und rechter Koch, zwar hält. Eben hebt der Koch den Deckel davon nicht sehr groß, aber dafür nicht mager, wie und entnimmt ihm gewichtige Portionen, die die hageren Flößer. Ein feistes Bäuchlein er in gleiche Teile schneidet und in der wackelt vor ihm hin und her, und sein rundes, gebräuntes Gesicht glänzt wie der Vollmond. So ungefähr muß der Abt von St. Gallen dampfenden Suppe auf dem niederen Herde gar focht. Er muß sich sputen. Bald ist die Stunde der Abendmahlzeit da. 156 Für unsere Kinder Langsam steigen auf dem breiten Strome dichte Nebelschwaden auf. Immer weniger werden von den Törfern am Ufer die blinken den Lichter sichtbar, die ihren leuchtenden Ab glanz in die rauschende Flut warfen. Der Nebel wird zusehends dichter, ein undurch dringlicher Schleier legt sich rings um das ruhig mit dem Strome gleitende Floß. Da wird es höchste Zeit, daß dies am schützenden User vor Anker geht. Das Hütlenfloß, daS den übrigen voranschwimmt, wird hinüber nach dem Lande gesteuert. Das ist eine schwere Arbeit, aber für kräftige Flößerhände etwas Alltägliches. Ist das Floß dem Ufer nahe, so springt einer der Gesellen hinüber, treibt einen starken hölzernen Pfahl in den Boden und schlingt das große Drahtseil, das am Floße festgemacht ist, mehrmals darum. Die eine Sicherung gegen das treibende Wasser ist damit fertig. Vom Floße rasselt noch der große eiserne Anker ins Wasser, der einige Zentner wiegt. Nun mag der böse Sturm kommen und noch so gewaltig am Floße rütteln; das bleibt liegen und rührt sich nicht von der Stelle. Es wäre aber auch eine böse Be scherung, wenn während des Schlafes der ahnungslosen Flößer das Floß ohne Steuer wild mit der Strömung treiben würde, um an einem Felsen jäh zu zerschellen. Die Ver ankerung schützt gegen diese Gefahr. Jetzt sind auch die anderen Flöße des Zuges nachein ander angekommen und vor Anker gegangen. Unser Koch muß eilen, denn jedes Fahrzeug hat zwei hungrige Gesellen mitgebracht. Fünf zehn solcher Burschen mit knurrenden Mägen umringen den Küchenmeister, der von Amts wegen schwitzend und prustend noch am Herde hantiert. Manch grobkörnigen Spaß bekommt er zu hören, und wenn einer der Flößer dem „Dicken" zu nah« kommt, so kann es wohl sein, daß dieser ihm, hast-du-nicht-gesehen, einen klatschenden Schlag mit dem großen Rührlössel verabreicht, daß es dem Empfänger in den Ohren brummt, als ob die Saiten einer Baß geige gestrichen würden. Sobald das Essen sertig und verteilt ist, zieht sich die Bemannung eines jeden Floßes mit ihren Rationen in ihre Hütte zurück. Das ist ein sehr notdürftig eingerichtetes Häuschen, kaum so groß wie die Hälfte eurer Stube, und hat dazu noch ein schiefes Dach. Es enthält nur«in einziges Gemach, das den Flößern als Wohn«, Eß- und Schlafzimmer dient. In der Mitte befindet sich ein ganz einfacher Tisch, eine Platte, die auf einem Holzpflock ange nagelt ist. An zwei Wänden entlang zieht sich ein Verschlag, der mit Stroh ausgestattet die Daunenbetten der Flößer darstellt. Es ist aufgetragen worden. Die braunen Gesellen hocken am Tische und schlürfen gierig die dampfende Suppe hinunter. Fleisch und Zu kost lassen sie sich nicht minder schmecken, und das mitgeführte Bier findet guten Zu spruch. Ist die„Tafel" vorbei, so geht's an ein Unterhalten. Das hört sich oft wie der größte Höllenspektakel a». Am ersten Abend, den ich auf dem Floß verlebte, habe ich dabei fast etwas wie Furcht gespürt. Die Flößer mit ihren sonngebräunten Gesichtern, struppigem Haar und Bart und ihren abgewetzten Kleidern brachten mir im Dämmerlicht des engen Hülten- raums die gruseligsten Räubergeschichten in Er innerung. Aber ehe ich mit mir eins darüber geworden war, ob ich mich als Opfer fühlen sollte, das statt ins Wasser in eine Mörder grube gefallen war, oder als Held, der sich kühn in die abenteuerlichsten Gefahren stürzt, gewann ich wieder kühles Blut. Und nun sah ich die Flößer, wie sie waren: als ehrliche, treuherzig« Menschen, mit denen man gute Kameradschaft schließen kann. Warum ihre Unterhaltung gar so lärmend ausfällt, wurde mir bald klar. Sie sind an das gellende Rufen gewöhnt, mit dem sie sich wegen der großen Entfernung von einigen hundert Schritten tagsüber verständigen müssen. Sitzen sie dann abends in dem kleinen Hüttenraum eng ge drängt nebeneinander, so schreien sie gerade so laut, und wenn einer dem anderen nur etwas ins Ohr wispern möchte. Nicht allzu lange halten vergnügte Geschichten die Flößer wach, einer nach dem anderen von ihnen be zieht sein„Bett" im Verschlag, denn in der Frühe, sobald der Nebel weicht, schwimmen die Flöße weiter den Strom hinunter. Draußen in der Küche bei rötlichem Feuer schein hat noch lauge der muntere Koch herum- gewirtschaftet. Er hat das Geschirr gewaschen und mahlt jetzt im voraus die braunen Bohnen zum Frühstückskaffee. Der schmeckt etwas rauh. Wohl sind die Bohnen gut, aber der Kaffee muß mit Slromwasser angebrüht werden. Denn bis hinunter nach Aschaffenburg, wo die zahlreichen Jndustrieorte beginnen und mit ihren übeldustenden Abwässern die Strom flut verunreinigen, wird das Kochwasser aus den blaugrünen Wellen geschöpft. Brrr! Da schaudert's euch! Ihr denkt an all das Getier, das im Flusse lebt, an all den Unrat, den dieser mit sich führt. Aber beruhigt euch. Die Für unfere Kinder Sache ist nicht gar so schlimm, wie sie aussieht. Das Kochen macht das Wasser ungefährlich, und die Flößerkost hat mir jederzeit trefflich gemundet, und auch ihr würdet sie nicht verschmähen. Denkt an die großen Portionen Fleisch, die die Flößer während der langen Fahrt erhalten. Jeder Mann ein reichliches Pfund täglich. Nicht viel mehr bringt eure liebe Mutter für euch alle zusammen auf den Tisch, und das lange nicht alle Tage! An Brot haben die Flößer überfluß und schenken gerne davon den armen, hungrigen Kindern der notleidenden Spessartbewohner. Auch Kartoffeln haben sie reichlich geladen und andere Butost. Was fehlt, um Abwechslung im Speise zettel zu schaffen, das schafft der kluge Koch noch herbei. Es ist nämlich sein Stolz, seinen Kameraden immer wieder etwas Neues auf den Tisch zu bringen. Kinderszene. Won Eduard Mörike. 157 ( Ein Mädchen spielt den Arzt, während ein anderes vor dem Bette einer Puppe sigt, deren Puls gefühlt wird.) Wie finden Sie das liebe Kind? " Sie hat eben immer noch stark Fieber, das ist der böse Nordostwind; doch scheint die größte Gefahr vorüber. Wie war der Appetit indessen?" Seit gestern hat sie nichts gegessen. Mein Bruder bracht ihr heute früh dies Törtchen mit, das möchte sie; allein ich wollt' es doch nicht wagen, ohne Herrn Hofrat erst zu fragen. " „ Es ist nur immer bei dem Zeug zu viel Gewürz und Butterteig. mit Erlaubnis- ich will es doch versuchen. Sm! eine Art von Mandelkuchen." Herr Hofrat! Sie vergessen sich, Sie effen ja ganz fürchterlich! Alle Achtung vor Ihrem großen Hut, aber Sie haben besondre Manieren! " Pardon! Das Törtchen war zu gut. ( Nachdem er sich geräufpert und der Patientin nochmals den Puls gefühlt.) Laffen Sie nun eben das Mirtürchen repe tieren! mir sehen ein paar Tage zu. Gute Nacht! Der Dice" ist nämlich nebenher noch ein geschickter Geschäftsmann, der einen lebhaften Tauschhandel mit den Dörflern am Ufer unterhält. Gegen Kaffee, Zichorie, Zucker und vor allem Brot und Bier erhandelt er Obst und frisches Gemüse, wie es die Jahreszeit bietet, manchmal wohl auch ein fettes altes Huhn. Seinen Kameraden und seiner Kunst zuliebe ist der Koch aber auch ein wenig- Seeräuber. Fürchtet euch nicht, er hat es nicht auf euch abgesehen, und die paar Nickel, die ihr bei euch führt, find in guter Sicherheit, er fordert sie nicht als Löfegeld. Mit List und Tücke aber stellt er den Fischen nach, und wenn am Ufer etwas Eßbares wächst, so unternimmt er im Ihr Diener!" Nachen gern einen nächtlichen Raubzug hinüber. Besonders im Herbst, wenn saftige Früchte verführerisch über das Wasser winken, tann Freund Koch der Versuchung nicht widers stehen. Da besteigt er den Nachen, den das Floß mit sich führt, fährt mit leisen Ruderschlägen von dem verankerten Floße ab und erleichtert den armen Bäumen etwas die drückende Last. Am anderen Tage aber gibt es Apfeltüchlein für die Flößer oder sonst eine Delitatesse. Schmunzelnd verzehren die hung rigen Gesellen die ungewohnten Leckerbissen, und der eine oder andere fragt wohl den lächelnden Koch, ob er wieder nachts auf Raub ausgegangen sei. Da kommt er aber schön an! Der„ Dicke" gibt ihm sofort mit dem großen Rührlöffel die Antwort. Denn er hält auf Ehre. Heinrich Wandt. 000 „ Recht angenehme Ruh!" 000 Viren, eine Mutter.* Von Ernest Seton Thompson. I. Trauer und Verzweiflung lag auf unserem Hühnervolt. Schon seit länger als einem Monat verschwanden die Bewohner unseres Hühner hauses auf eine unerklärliche, geheimnisvolle * Aus Bingo und andere Tiergeschichten, mit vielen Jlluſtrationen von Ernest Seton Thomp fon. Stuttgart, Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde. Wir können dies Buch nicht warm genug empfehlen. Weit der unmittelbaren Lebendigkeit des Geschehens führt es in das Leben der Tiere ein, regt zur Beobachtung ihrer Gewohnheiten an, erwedt Mitgefühl mit ihren Leiden und Freuden und 158 Für unsere Kinder zu lassen, und verschwand im Walde. Weise, und als ich in den Sommerferien nach| Infolgedessen war er gezwungen, die Henne, Springfield fam, hielt ich es für meine Pflicht aus der kaum das Leben entflohen war, fallen und Schuldigkeit, die Ursache ausfindig zu machen. Die Hühner wurden eines nach dem anderen frech davongeschleppt, ehe sie sich auf ihrer Stange zur Ruhe niederließen, oder nach dem sie sie verlassen hatten. Diese Tatsache entlaftete Landstreicher und allzu anhängliche Nachbarn, und auch Raubvögel fonnten die übeltäter nicht sein, denn die Hühner waren nicht von ihren Nistkästen heruntergeholt worden. Ebenso fand man keine halbausgezehrten Leichname, so daß Wiesel, Stunt oder Sumpfotter unschuldig sein mußten. Der freche Diebstahl blieb infolgedessen einzig und allein auf Meister Reineke sitzen. Das weite Nadelholz von Erindale lag auf dem anderen Ufer des Flusses, und bei genauerer Untersuchung der unteren Furt fand ich einige Fuchsspuren und eine gestreifte Feder von einem unserer Plymouth- Hühner. Als ich auf der Suche nach mehr Beweismaterial das Ufer erklomm, hörte ich mit einem Male das ohrenverlegende Geschrei eines Volkes Krähen, und mich umschauend, sah ich einige dieses Gesindels auf irgend etwas in der Furt herabschießen. Bei näherem Hinschauen war es die alte Geschichte ein Dieb verrät den anderen dort mitten durch die Furt lief ein Fuchs mit einem Gegenstand zwischen den Zähnen; er kam von unserem Hühnerhof mit einem neuen Opfer. Die Krähen, obwohl selbst freche Räuber, sind immer die ersten, um zu rufen Haltet den Dieb", dabei aber stets bereit, ihren Hehlerlohn in Gestalt eines Teiles der Beute zu nehmen. Darauf waren sie auch jetzt aus. Der Fuchs mußte, um heim zu gelangen, den Fluß durch kreuzen und war dem vollen Angriff der pöbelhaften Krähen ausgesetzt. Er machte einige verzweifelte Säße nach dem Ufer und würde zweifellos mit seiner Beute entkommen sein, hätte ich mich nicht dem Angriff angeschlossen. lehrt ihre Eigenart verstehen und achten. So erweitert es nicht bloß Wissen und Gesichtskreis, es wirkt auch im besten Sinne erzieherisch auf die Entwicklung des Verhältnisses zur Natur, zum Weltganzen. Das Buch wird von Kindern wie von Erwachsenen von der ersten bis zur letzten Seite mit gespanntem Interesse gelesen werden. Es gibt denen, die sich belehren, wie solchen, die sich unterhalten wollen. Die prächtigen charakteristischen Illustrationen erhöhen den Wert des sehr gut ausgestatteten Wertes. Seine Anschaffung sei insbesondere auch Arbeiterbibliotheken empfohlen, die Lektüre für die Jugend bieten wollen. Diese regelmäßige und hohe Tributeinziehung von Nahrungsmitteln und die Tatsache, daß der Fuchs die Hühner unzerstückelt davontrug, wies darauf hin, daß er eine Familie von fleinen Füchschen zu Hause hatte; und diese aufzufinden, machte ich mir nun zur Pflicht. Am selben Abend begab ich mich mit Ranger, meinem Hunde, über den Fluß hinüber und mitten in die Erindaler Forsten hinein. Sobald der Hund zu suchen begann, hörte ich das turze, scharfe Bellen eines Fuchses aus einem dichtverwachsenen Einschnitt dicht neben mir. Ranger setzte sofort hinein, fand eine frische Fährte und raste im lebhaftesten Tempo davon, bis seine Stimme sich in der Ferne hinter den Hügeln verlor. Nach fast einer Stunde fam er unverrichteter Sache zurück, feuchend und erhitzt, denn es war heißes Augustwetter, und legte sich zu meinen Füßen nieder. Im selben Augenblick ertönte direkt neben uns dasselbe fuchsische" Jap- jurr", und davon fauste der Hund auf eine neue Jagd. " Fort ging es, in die Dunkelheit hinein, der Hund bellend wie ein Nebelhorn, mit der Richtung direkt nach Norden. Das laute Boo- boo" wurde zum leisen„, 00-00", dieses zum schwachen„ o- o", und dann war es still. Sie mußten etliche Meilen weit gelaufen sein, denn selbst mit dem Ohr auf dem Erdboden konnte ich nichts hören, obwohl eine Meile feine Entfernung für Rangers messingne Stimme war. Wie ich so im dunklen Forst stand und wartete, vernahm ich den melodischen Klang von tropfendem Wasser:" Tint tant tent tint, ta tint tant tent tont." Ich wußte nichts von dem Dasein einer Quelle in dieser Gegend und war in dieser heißen Nacht glücklich über den Fund. Der Ton führte mich zu einer Eiche, wo ich die Urheberin fand. Es war ein weicher, süßer Gesang, wie der Zaubergesang der Verführung: Tont tant tent tint Ta tint a tont a tant a tint a Ta ta tint tank ta ta tont tint Trint a tant a trint a trunk. Es war der Tropfgefang der Sägewezeule. Plötzlich weckte mich ein tiefes, heiseres Stöhnen und das Rascheln der Blätter Ranger war zurück. Er war vollkommen erschöpft. Seine Zunge hing fast bis zum Erd Für unsere Kinder 150 boden, der Schaum stand ihm vorm Maule, licher Entfernung direkt hinter mir, auf den feine Lungen arbeiteten schwer, und der Schweiß Hinterläufen sitzend und augenscheinlich ertropfte von Brust und Flanken. Einen Augen- heitert grinsend. blick schaute er mich an, leckte pflichtschuldigst meine Hand und warf sich dann auf den Boden, um alle anderen Geräusche mit seinem lauten Keuchen zu übertönen. Da auf einmal ertönte einige Schritte vor mir wieder das neckende Jap- jurr", und alles wurde mir klar. Wir standen dicht bei der Höhle, wo die fleinen Füchse hausten, und die Alten versuchten abwechselnd, uns hinweckzulocken. Es war inzwischen stichdunkle Nacht geworden, und wir wendeten uns heimwärts, mit der Gewißheit, daß das Rätsel nahezu gelöst sei. II. Es war allgemein bekannt, daß ein alter Fuchs mit seiner Familie in der Nachbarschaft lebte, doch niemand vermutete ihn so nahe. Dieser Fuchs war von allen anderen seines gleichen leicht zu unterscheiden durch eine Narbe, die vom Auge durch und bis hinter das Ohr reichte. Man vermutete, daß er sie auf der Hasenjagd von einem Stacheldrahtzaun erhalten habe, und da die Haare, nachdem die Wunde geheilt war, an dieser Stelle weiß wuchsen, behielt Meister Reineke immer ein untrügliches Abzeichen. Im Winter vorher hatte ich ihn zum erstenmal getroffen, und er hatte mir seine Schlauheit durch ein Beispiel bewiesen. Nach einem Schneefall war ich auf die Jagd gegangen und hatte die Felder gekreuzt, bis ich eine busch bewachsene Einsentung hinter einer alten Mühle erreichte. Als ich so weit herangekommen war, daß ich das flache Tal überblicken konnte, blieb mein Auge auf einem Fuchs haften, der außer Schußweite auf der anderen Seite herabtrottete und meinen Weg kreuzte. Augenblick= lich hemmte ich meine Schritte, blieb voll tommen regungslos stehen und vermied es, auch nur meinen Kopf zu neigen oder zu wenden, um seine Aufmerksamkeit nicht auf mich zu lenken, bis er im dichten Gebüsch auf der Talsohle verschwunden war. Dann duckte ich mich und lief nach der anderen Seite, wo er die Deckung verlassen mußte. Dort wartete ich eine gute Weile, aber kein Fuchs erschien. Bei näherer Untersuchung der frischen Fährte entdeckte ich, daß der Fuchs unter dem Schuße des Buschwertes seine Richtung geändert hatte. Den Fußspuren mit den Augen folgend erblickte ich den alten Schlaumeier in beträchtEine Untersuchung der Fährte erklärte alles. Er hatte mich in demselben Augenblick gesehen, als ich ihn entdeckte, aber schlau, wie es eben nur ein Fuchs sein kann, hatte er gar nicht dergleichen getan, bis er im Gebüsch war. Dort war er um mich herumgelaufen und amüsierte sich nun über meine Enttäuschung. Im Frühjahr hatte ich einen weiteren Beweis von seiner Verschmittheit. Mit einem Freund ging ich auf dem Wege über eine Schafweide spazieren und sah in einiger Entfernung verschiedene graubraune Steine. Als wir uns der Stelle näherten, meinte mein Freund: „ Stein Nummer drei sieht ganz so aus wie ein zusammengerollter Fuchs." Jedoch ich konnte nichts erkennen, und wir gingen weiter. Wir hatten nur einige Schritte zurückgelegt, als der Wind diesen Stein aufblies wie Fell. Mein Freund wiederholte:„ Ich bin sicher, es ist ein schlafender Fuchs." ,, Das wollen wir einmal gleich feststellen," erwiderte ich und wandte mich zur Seite, aber sobald ich einen Schritt vom Wege gemacht, sprang richtig der alte Schlauberger auf und rannte davon. Ein Präriefeuer hatte das Gras in der Mitte der Weide weggeschoren und einen breiten, schwarzen Gürtel zurückgelassen, darauf lief er entlang, bis er an frisches Grün kam, duckte sich und verschwand. Die ganze Beit hatte er uns beobachtet und würde sich nicht geregt haben, hätten wir uns auf dem Wege gehalten. Das Wunderbarste bei der Sache war nicht, daß er genau so aussah wie einer der runden Feldsteine und wie das trockene Gras, sondern daß er es wußte und es sich zunuze machte. Bald kam es zutage, daß es mein alter Bekannter, der Fuchs mit der weißen Narbe, und seine Gattin Vixen waren, die sich in unseren Wäldern heimisch niedergelassen hatten und unseren Hühnerhof als Verpflegungsstation betrachteten. Am nächsten Morgen nahmen wir eine sorgfältige Untersuchung der Stelle unter den Fichten vor und fanden einen großen Erdhügel, den die Füchse innerhalb weniger Monate aufgeworfen hatten. Bei dieser Arbeit mußten sie ein Loch nötig gehabt haben, jedoch war nichts davon zu entdecken. Es ist allgemein bekannt, daß ein wirklich geriebener Fuchs, sobald er eine neue Höhle gräbt, die 160 Für unsere Kinder Erde aus dem ersten Loche herauswirft, aber| Erdhügel, in dem die Füchse hausten. Infolgedabei einen Tunnel nach irgend einem ent- dessen konnte ich kommen und gehen, ohne die fernten Dickicht führt. Dann schließt er das Füchse aufzustören. erste wieder, da es zu leicht entdeckt werden könnte, und benutzt nur den verborgenen zweiten Eingang unter dem Buschwerk. So fand ich denn auch auf der anderen Seite unter einer Baumwurzel den wirklichen Eingang und sichere Beweise, daß drinnen ein Bolf von jungen Füchsen hauste. über die Büsche auf der abfallenden Hügelseite erhob sich ein hohler Lindenbaum. Er lehnte etwas über und hatte ein großes Loch dicht am Erdboden, ein kleineres etwas höher. Dieser Baum war in meinen Knabenjahren oft der Mittelpunkt unserer Robinsonspiele gewesen. In die weichen, morschen Wände hatten wir Stufen geschnitten und so ein Aufund Absteigen in der Höhlung ermöglicht. Dies fam mir jetzt zustatten, denn am nächsten Tage, als die Sonne höher stieg, begab ich mich dorthin und konnte von dem erhöhten Aussichtspunkt die interessante Familie unter mir gemütlich beobachten. Vier junge Füchschen fonnte ich zählen, sie saben aus wie etwas mißratene kleine Schafe, mit ihren wolligen Belzen, ihren langen, dicken Beinchen und ihrem unschuldigen Gesichtsausdruck. Jedoch bei näherer Betrachtung konnten die breiten, scharfnasigen, scharfäugigen Gesichter ihre Abstammung von einem schlauen Fuchs nicht verleugnen. Die Füchschen spielten umher, wärmten sich in der Sonne oder balgten sich miteinander, bis ein leises Geräusch sie entsegt in der Höhle verschwinden ließ. Jedoch die Aufregung war unnötig gewesen, denn die Urheberin war die Mutter; sie tam langsam aus den Büschen hervorgeschlichen und trug in ihrem Maule ein Huhn Nummer siebzehn, wie ich mich entsinne. Ein leiser Ruf, und die Kleinen famen hervorgepurzelt, und nun begann eine Szene, die ich reizend fand, über die jedoch mein Onkel in helle Wut geraten wäre. Die Jungen stürzten sich auf die Henne, rissen und balgten sich darum und knurrten vor Behagen, während die Alte Wache hielt. Der Ausdruck auf ihrem Gesicht war bezeichnend. Es war ein vergnügtes Grinsen, aber weder der gewöhnliche wilde und schlaue Blick fehlte, noch Grausamkeit und Nervosität, doch mehr als alles andere war es der Mutter Stolz und Liebe, die sich in ihrem Gesicht aussprachen. Der Fuß meines Baumes war in den Büschen verborgen und lag bedeutend tiefer als der Immer und immer wieder fehrte ich nach dem Baume zurück, um die Erziehung der jungen Füchse zu beobachten. Schon zeitig lernten sie, bei irgend einem Geräusch mäuschenstill zu sitzen, und wenn sie es dann zum zweitenmal vernahmen, nach einer sicheren Deckung zu suchen. Einige Tiere besitzen so viel Mutterliebe, daß sie, davon überwältigt, sie auch auf Fernerstehende ausdehnen. Mutter Vixen schien nicht so geartet. Ihre Liebe zu den Jungen verleitete sie zur übertriebensten Grausamkeit. Oft brachte sie Mäuse oder Vögel lebend nach Hause und vermied mit teuflischer Vorsicht, sie ernstlich zu verlegen, damit die Füchschen sich länger daran belustigen könnten, die armen Opfer zu Tode zu quälen. Oben auf dem Hügel in einer Obstpflanzung lebte ein Murmeltier. Es war weder hübsch von Aussehen noch interessant, aber es wußte ein bequemes Dasein zu führen. Zwischen den zähen Wurzeln eines alten Fichtenstumpfes hatte es sich eine Höhle gewühlt, damit die Füchse ihm nicht durch Graben folgen könnten, denn anstrengende Arbeit ist nicht nach Reinekes Geschmack, und er erreicht seine Ziele lieber durch Witz und Schlauheit. Dieses Murmeltier nun pflegte sich jeden Morgen auf dem Stumpfe zu sonnen, und sobald es einen Fuchs erblickte, schlüpfte es hinunter in die Türe seiner Höhle, oder wenn der Feind in zu gefährlicher Nähe schien, troch es tiefer hinein und wartete so lange, bis die Gefahr vorüber war. ( Fortsetzung folgt.) 000 Reiterlied. Bon Franz Mäding. Lirum, larum, Löffelstiel, Kleine Kinder essen viel. Wenn sie größer werden, Reiten sie auf Pferden. Reiten sie auf bunten Stecken, Füttern sie mit Bäckerwecken, Reiten über Stock und Stein Bums pardauz ins Bett hinein. Berantwortlich für die Redaktion: Frau Klara Bettin( Bundel), Wilhelmshöhe, Boft Degerloch bet Stuttgart. Druck und Berlag von Baul Singer in Stuttgart