?!v. 274. Adomtments■ Kedwgunge«: «bonniment«-Preti pränumerando: «ierleljährl. SM> Mk.. monatl. l.IVMt.. wöchentltch LS Pfg, frei tn« Hau«. Einzelne Nummer e Pfg. TonnIagZ- Nummer mit illustrtrter Sonntag«- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zeitung«- Preisliste für 1897 unter Nr. 7437. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrige Aubland z Marl pro Monat. 14. Jahrg. Die Insertion«-Gebühr beträgt für die fech«g-spalrene Kolonel- »eile oder deren Raum so Pfg., für Perein«- und BersammlungZ-Anzeigen, sowie ArbettSmarlt 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bt« 4 Uhr nachmittag« in der Expedilio» abgegeben werden. Die Expedition tst an Wochentagen bi« 7 Uhr abend«, m Sonn- und Festtags» bi« o Uhr vormtllag« geosfnet. Crscheink täglich ausjer«oniag». Vevlinev Volksblakt. Fernsprecher:»ml I, Nr. 1508. Delegramm-Adress«: „Soiialdrniokrat Berlin". Zentrawrgan der sozialdemokratischen Partei Deutschtands. Atedaklion: 8V. Ig. Ueuly-Straße 2. Mittwoch, den 24. Uovember Klipedition: 8V. 19. Uenly-Slmße 3. Vie Drvtzfus-AMre. Paris, 22. November. Zum zweileii Mal binnen wenigen Jadre» haben die Herrschenden Frankreichs die Schuld zu büßen, in der Republik, unter dem Regime der vollen Oeffentlichkeit und Preßfreiheit die geheimthuerischen Verluscknngskniffe vormärzlicher Regierungen beibehalten zu wollen. Der Widerfprltch ist zu schroff, um nicht die iveisen Staatsmänner, wie in einer Zwickmühle, zu zerreiben. Was die Panama- Affäre in eine chronische Eilerbeule, in eine bis heute unversiegbare Quelle moralischer Verpestung ver- rvandelt hat, das hat die an sich weit itnerheblichcre Dreysus-Afsäre zu einem jahrelang auf dem öffentlichen Gewisse» bezw. ans dem Nationalgefühl lastenden Alp ansgebanscht oder mindestens, wenn man die Bemühllilgen der Dreyfus-Freunde ailf zweifelhafte Motive zurückführe» will, aufbauschen helfen. Bei aller sonstigen Unähnlichkeit der beiden Affären findet man hier wie dort dieselbe ängstliche Sucht der Machthaber, alles im stillen Kämmerlei», hinter verschlossenen Thür«», wo»öthig. mit— sage» wir, fragwürdigen Mittelche», abzumachen, so lange als möglich die Evidenz zn leugnen, die Oeffentlichkeit mit volltönenden Redensarten zu be- schwichtige», um ja nur den Skandal zn vermeiden. Der künstlich zurückgehaltene Skandal bricht aber desto gewaltiger aus, die Hohe- Priester der Staatsraison— in der Panama-Affäre war die Staat?- raison das Interesse des herrschenden politischen Klüngels, in der Drcyfus- Affäre heißt sie bis ans weiteres das Juteresse der Armee und der„äußeren Sicherheit des Staates"— in den ausgeivirbeltc» Schmutz mit hincinzerrcud, nebst den ursprünglichen Verbrechen die Vittnscher der Verbrechen entlarvend. Man mag über die Schuld des Dreysus und über die Rcttnngs versuche zn seinen Gunsten denken wie man will— und der un» befangene Beobachter muß sich vorläufig jedes Ilrthcils enthalten—, eins ist sicher: wäre der Prozeß Dreyfns nicht vor einem geheime» Militärgericht verhandelt worden oder hätte auch nur die gegen- wärtige Regierung seit Beginn der Reltnngskampague, gemäß ihrem Versprechen in der Kammer(Drcrifus- Interpellation vom 18. November 1896) die eventuelle»„weiteren Verantwortlich- ketten" in der Affaire zn ermitteln gesucht— der gegenwärtige Skandal, der alle Welt in namenloser Spannung hält und bereits die ärgste» Verdächtigungen zeitigt, wäre vermieden worden. Es bandelt sich nämlich»ach den allerl'tzten�Enthüllnngcn, deren Richtigkeit freilich dahingestellt bleiben muß, nicht mehr so sehr um die Frage, wer den Verralh begangen hat, ob TreysuS oder Graf Esterhazy, sondern nm die weil wichtigere Frage, welchen Händen eigentlich die geheimen Archive des Kriegsministeriums anver- traut sind. Man spricht bereits in den Zeitungen, uachdei» man davon in den Wandelgängen der Kammer und in den Redaktionssälen getuschelt, offen von einem „militärischen Panama". Die geheimniß- und wider sprnchsvolle Haltung der Regierung wird damit erklärt, daß sie um jede» Preis die Ansdeckung der„Dessous", des Unter- grundei der Drcyfns-Affäre verhüten wolle— gerade so, wie das niit so kläglichem Mißerfolg im Panama-Skandal versucht worden ivar. Es gelte, die wahren Schuldigen oder die Mitschuldige» des Dreysus zu retten... Die zuverlässig erscheinenden Thatsachen, welche diesen Verdacht haben auskommen lassen, sind folgende: Tie Freund» des Dreysus»msse» offenbar in den Besitz einiger ans dem KriegSminiiteriniii herstammenden geheimen Dokumente ge- kommen sein. Sonst wäre ja die Denunziation gegen Esteihazy einfach ei» Akt des Wahnsinns. Ferner beschuldigt Esterhazy sormell einen ehemaligen Beamten des K r i c g s in i n i st c r i» m s, de» Oberst Picqnart, unter anderem de» Drcysns-Retlerii Dokumente aus dem DreysnS-Prozeb übermittelt zu haben. Das Dokument, welches Esterhazy in p h o t o g r a p h i s cb e m Abzug dem RiiegSmiuister znrnckgesiellt hat. innre eben de»„Dreifns- Berschivörcri," angeblich durch eine geheimnißvvlle Dame wieder enl- rveudet worden. Und ivohlgemerkt, Esterhazy's Behauptungen, so sehr sie im allgemeinen ans Melodramatische streife», erweisen sich in einem Punkt inizweifelhast. Daß der Oberst Picqnart so oder anders an der Treysns-Kampagne bethciligt ist, erhellt daranS, daß er im Januar 1897— was damals ganz unbeachtet blieb— hart gcmaßrcgclt worden ist: aus dem Kriegs- ininisterinm wurde er schnurstracks»ach Sonsse, an der Grenze von Tunis, versetzt— man darf sagen: verbannt. Warum man diese stille vertuschende Disziplinarstrafe a» stelle einer militärgerichlliche» Untersuchung und eventuelle» Bestrafung? Warum sind andererseits die Nutznießer des Vertraueusbnichs des Obersten Picqnart»»behelligt geblieben? Ebenso räthsrlhaft ist das Benehme» der Regierung gegenüber Esterhazy. Es ist nunmehr bekannt, daß der Kriegsniinister seit fünszeh» Monate» eine offiziöse Untersuchung gegen de» Grafen hatte einleite» lassen. Wie kommt es nun, daß die Untersuchung bisher keine Ergebnisse geliefert hat? Wie kommt es serner, daß die von Schenrer-Kestner am 3t). Oktober dem Kricgsunuistcr vorgelegten Schuldbeweise gegen Esterhazy unter dem Borwande, daß die Sache an das Justizininisterium gehöre, zurückgewiesen wurden, zugleich aber Schenrer- Neslner um einen zwcitvöchigen diskreten Aufschub ersucht wurde, mit dem Versprechen, bis dahin die ülngelcgenheil endgiltig zn erledigen? Warum ist ans diesem Versprechen nichts geworden? Warum hat die Regierung in einer offiziellen Preßmittheilnug die Zusammenkunft Scheurer- Kestner's mit dem Kriegsniinister abgeleugnet, was dieser in der Kammerfitzung vom 16. November, angesichts der öffentlichen Er- klärung des Vizepräsidenten des Senats, als eine Lüge eingestehen »»ißte'{ Zum Uebeifluß des Dunkels kommen noch zwei seltsame Dlsziplinarmaßrigelunge». Der Kommandant des Pariser Militär- gesängnisses, F a r z i» e t t i, wird Knall und Fall des Amtes enthoben, trotzdem die ihm zur Last gelegte Schuld, ein angeblicher Versuch, Henri Rochefort für die Dreysns-Kampagne zu gewinnen, bereits drei Wochen alt ist und seine öffentlichen Aenßerungen über die Unschuld des Dreysus seit Monaten bekannt sind. Zweitens wurde der Kabinetsches des Generals de Boisdefsre, des Ckess des Gcneralstabes, der Kommandant Panffin de Saint-Morel zu 30 Tagen strengen Arrests vcrurtheilt, weil er stiochesort, der mit an der Spitze der Änti-Dreysus-Kampagne steht, über die angeblich nnlauleren Machenschaften des„jüdischen Konsortiums" aus aml- lichen Quellen unterrichtet hatte. Man nimmt im allgemeinen an, daß der Kommandant im Auftrage seines Chefs gehandelt habe, und seine Bestrafung wird als das Anzeichen eines Konflikts zwischen General de Boisdeffre und dem Kriegemiuisler über die Dreysus- Affäre aufgefaßt. Endlich wird auch das Entlassungsgesuch des Ge- neralsekretärs des Kriegs n> i ni st eri ums, Prion l, dalirt: Montreux(Schweiz), 15. November, und genehmigt am 18. November, in Zusammenhang mit der Dreyfns-Affäre gebracht Ans dem amtlich veröffentlichten Entlassungsgesuch und dem Ge nehmigungsschreiben geht in der Thnt hervor, daß der Generab sekretär keinen sichtbaren Grund hatte, aus seine„sofortige" End lassung zn dringen. Habe» ihn doch die angerufenen„Gcsundheits' rücksiciilcn" bisher nicht gehindert, seit Monaten ruhig regelmäßigem Urlaub am Genfer See seine Gesundheit zu pflegen. Die Demission des Generalsekretärs, der rechten Hand des KriegsministcrS, hat sogar aus der Börse eine Schwankung der Kurse hervorgcrnsen. Dies im ivesenllichen die thalsächliche Unterlage des sich steigernden Verdachts, daß hinter der Dreysus-Affäre ein„militärisches P a n a in a" stecke. Setzt man auch, wie billig, ein gerüttelt Maß der umher schwirrenden Gerüchte und Beliauplungen aus Rechnung der journa listischen Sensalionsinncherei, so bleibt immer noch ein erheblicher Tkatsnchen-illest zurück, der den Eindruck anfziningt, daß die iltsfäre Drcyfus- Esierhazy-Picqnart nm mehrere weitere militärische Namen verlängert werden möchte. Im heutigen„Figaro" stellt das Pseudonym„Vidi", jedcnsalts cin Veriranens mann Scheurer- Kestner's, der die fuihercii zuverlässigen Vci öffent lichungeu aus Scheurer- Kestner's Aktenbiiiidel gcmacbt hat, Gut hüllnugkii über weitere Pcrsönlichlcitcn in Aussicht. Nur inolle er damit abwarte» bis zum Abschluß der säiinebende» Nntersnchung Tie neueste Wendung in der DrcysiiS.-Affäre hat die öffentliche Erregung zu einer Art Ncrrcnlrise gesteigert. Die ruhige Miei e, die sich die Regicrnng zu geben st cht, steht in grellem Kontrast zu ihren bezw. zn des KricgLmiuisters kopflosen Thatcn seit Eriielicrung der Affäre. Genosse Ronanet kennzeichnet die Halinng der Regie rung in den treffende» Woiten:„All' das ist länimerlich. Frank reich bietet das Schauspiel einer Katzcnnuisik-Nalio», eines von e»b lanfenen Tolldänslern bewohnten Landcs...." Was die Schnldfrage tes Treysns oder des Estcrhäzy betrifft so kann, wie oben betont, erst die weitere Entivickclnng der Dinge die nöthige» Element« für cin objektives llrthcil liefern. Vorläufig scheint so viel sicher z n sein, daß die Ver- n r l h e i I n n g des Dreysus mit ungesetzlichen Mitteln erlangt wurde. Von der schwebenden»tili iärischc» Ilntersnchung ist es aber schwer, mehr Licht zu erivarten. als von den bisherigen geineiinechtliche» Uiilcrsnchuiigen in zivilen Korruptionsaffairen. Es liegt auf der Hand, daß die Mililnrwcll alles Interesse hat, die Revision des Dreyfns-Prozesses zn vermeiden Ncbst viclci» anderen zeugt dafür namentlich dcr Versuch des Kabineis chcss, des Generals de Boisdeffre, die öffentliche Meiiuu.g sür Este hazy und gegen Dreysus zu stimmen.— politische Melu-hchcht. Berlin. 28. November. „Genen den AbsolutiSmiiö" lcitartikclt die„Nordd. Allg. Ztg." in gesperrter Schrift nnd in geivichtigen Rede- ivcnduiigen, welche darthun, wie bedeutsam dieser Artikel den Auftraggebern des offiziösen Blattes gilt. Gegen den Abso- llltismiis die„Norddeutsche Allgcnieinc"! Die Absoliitisten gegen den Absoliitisiiiiis,— es ist kein Spaß.' „Abgeschmackte Verlciiiudniigen' seien es, wenn jciiiaud zu sagen wage, es herrsche in Deitlschland eine Neigung zum Absoln- tisnills. Wo sei denn ein Zeichen dafür, daß die Regierung verzichten wollte, ihre Vorlagen im Reichstage auf vcrfassuugs- mäßigem Wege durchzusetzen, daß sie auch nur von ferne daran gedacht habe, über die Rechte des Volkes und der Volks Vertreter hinwegzugehen, daß irgend ein Minister, eine im Staate maßgcbcudc Persönlichkeit den Absolutismus an die Stelle des Vcrsassungslebcns setzen möchte? Und so erhebt sich das offizielle Organ zu der feierlichen Erklärung: „Damit aber ein- für allemal jede Spur solcher radikalen Verdächtigungen getilgt und damit jedem ehrlich Denkenden auch der leiseste Ziveifel benommeii werde, sei mit allen. Nach- diuck betont, daß alle der Regierung unterschobene» absolutistischen Hintergedanke» lediglich Trnggebilde des iliadikalismus und alle maßgebenden Faktoren im preußischen Staate und im Reich nach wie vor einig darin sind, die Rechte dcr Volksvertretnng und die Verfassung hachzuhalleu." Würdevoll gesprochen. Nun sieht alles Volk, wie thöricht seine Besorgnisse waren. Heißen Dank, ruft es, dem Kanzler des Reiches, der so beruhigende Worte durch sein Lciborgan verkündigt. Oder wird das Volk sich nicht so leicht beruhigen lassen? Wäre die Beunruhigung wirklich nur durch Erfindungen des Radikalisinns in die Leute hineingetragen worden, wie die „Nordd. Allg. Ztg." es darstellt? Die Tinge stehen aber doch wesentlich anders. Bekannt ist dcr Haß dcr niächtigsteu Kliquen im Staate, der Junker- und In- dustriefeudalcn, gegen das allgemeine gleiche Wahlrecht. Bekannt ist das nuablässige Geschmäh der konservativen Blätter gegen den jetzigen Reichstag. Bekannt ist das sächsische Beispiel einer Beseitigung des Wahlrechts. Bekannt sind die Versuche der ReichSregierung, eine reaktionäre Ausgestaltung von Reichsangclegcnhciten, die sie im Reiche selbst nicht durchführen konnte, in den Bniidesstaaten zn vollbringen. Bc- kannt ist die Absicht, das Budgctrecht des Reichstags bei den Marincforderuiigen zu fesseln. Ist das alles nichts? Freilich, einen Absolutismns derart, wie ihn die„Nord- deutsche Allgemeine" unterstellt, ein zaristisches Regiment, eine Alleinherrschaft sonder Einschränlnng, so etwas will gewiß niemand in Deutschland. Aber auch niemand hat je behauptet, daß derartiges geplant werde. Die junkerlich- kapitalistische Reaktion wird sich wohl hüten, einem Zarismus, der auch sie seiner Willkür unterwürfe, das Wort zu reden. Der Absolutismus, nm den der Kampf geht, ist vielmehrderAbsolutismus dieser jnnkerlich-kapitalislischen Reaktion selbst. Die Herrschenden wiUhen, da das Volk immer mehr er- wacht nnd sich von ihnen wendet. Und darum wünschen sie nichts sehnlicher, als die Rechte des Volkes zu schmälern und zu beseitigen, die ihm seine Selbstbestimmung wahren und den Weg zur politischen Freiheit ebnen. An diesen Thatsachen können die Bernhignngsversuche des Fürsten Hohenlohe nichts ändern. Man sieht an diesen Beinühnngen der offiziösen Presse nur, wie unangenehm es dcr Regierung ist, daß die Pläne der Reaktion schon zn offen ansgedeckt wurden nnd daß der„Radikalismus" eifrig am Werk ist, dieselben zn durchkrenzeu!— feindliche Brüder. Die antisemitische Reformpartei fährt gegen die Konservativen immer schärferes Geschütz ans. Wir hätten, so sagt die„Staatsbürger-Zeitnng". so gern mit den übrigen„staatserhaltenden Parteien" zusammen ge- wirkt. Aber die Konservativen wollen uns nicht als selbst- ständige Macht gellen lassen und treiben uns von der Schwelle der Ordunngsparteien. Was hilft es da, daß Herr Miqnel die Sammelpolilik verkündigt, wenn die Konser- vativen uns brave Antisemiten von der Saminlnng ausschließen; ja sogar die Kreise, die in aiitisemitischein Besitze befindlich sind, mit den schlechtesten Mitteln angreifen wollen. So habe man in Dresden dem Grafen Herbert Bis- inarck dicKandidatnr angetragen; dassci„nackte Gehässigkeit" und „Wahlmache gewöhnlichster Art", dadurch verhelfe man aber »nr der Sozialdemokratie zum Sieg. TaS sei nicht eine Politik der Sammlung, sondern der Zerstörung. Wenn die Konservativen so fortfahren, will die Staatsbürgerin sie„als eine Partei der Zersetzung" ansehen»nd„in der Bekämpfung dcr konservativen Partei das Mittel zur Gesniidnng des Parteilebcns in Deutschland erblicken". Tann aber werde die Reformpartei„in allen gecigiiet scheinenden Wahlkreisen den Konservativen Gegen- kandidatcu gegenüberstellen." So spitzt sich der Kampf zwischen den feindlichen Brüdern immer mehr zn. Die Mißstimmung der Bevölkerung gegen das konservative Bevormundnngsregimcnt ist im stetigen Steigen und solche Schichlen, die sich noch zn keiner klaren demokratischen und sozialen Politik durchgearbeitet haben� fallen dcr„Rcfvrmparlci" in die Hände, die bei aller Rück! sländigkeit nnd bei allen Häßlichkeiten ihrer Agitation sich doch durch etwas größere Selbständigkeit gegenüber den Herr- schciidcn Mächten nnd durch die Vertretung der Interessen der kleinen Ansbenler gegenüber den großen Ansbcutcrii einige Sympathien bei den Wählern erwirbt. Es ist ergöhlicki, den Streit dieser Leute mitanznsehen. Herrn Miqnel wird's aber weniger freuen! Das„Sammeln" ist nicht so leicht!— Die Besrtznng dcr chinesischen Kiantscha»- Bucht durch deutsche Mariiictiiippeit wird von den Schwärmern für das„größere Tentschland" mit Jubel begrüßt. Und man fordert die dciusche Regierung ans, ans dcr Besetzung eine dauernde Okkupation zu machen und so einen festen Stützpunkt m den chinesischen Gewässern zn gewinnen. Gegen solche Anffordcrungen, die allem Völkerrecht ins Gesicht schlagen wollen, muß denn doch anss schärfste protcstirt werden. Wir nehmen an, daß dcr chinesische Gesandte am Berliner Hofe recht hat, wenn er die Ansicht aussprach, Deutschland könne nicht eine derartige Absicht haben und sei daher ein diplomatischer Bruch nicht zu erwarten, da der Hof i» Peking durch Bestrafung der Schuldigen nnd Zahlung einer Eiilschndignng Genngthnnng zn geben bereit sei. Es wird ferner mitgclheilt, daß die maritimen Streit- kräfte Teulschlands in Ostasien demnächst wieder verstärkt werden sollen; eln Kreiizer ist bereits abgedampft, cin zweiter wird bald folgen; es soll eine zweite ostasiatische Division, dem Vernehmen nach»nter dem Kommando des Prinzen Heinrich, gebildet werden. Es scheint also, als habe man„Großes" vor. Jedenfalls aber führen— und das ist uns recht amüsant zn sehen— diese Vorkommnisse die Flottenvermehrungspläue sä absurdum. An allen Ecken dcr Welt können wir uns Konflikte erlauben, nnd Schiffe sind in Hülle nnd Fülle da, um des„deutschen Namen Ehre" zu schützen. Was will t»an also mehr?— Ter GoliicholvSki'sche Vorschlag der Zoll- Vereinigung der europäischen Staaten wurde im Budgelansschnsse dcr österreichischen Delegation vor allem seitens der deutschen Abgeordneten, von denen seit.langem eine Zolleinignng des Dcntschen Reiches mit Oesterreich erstrebt wird, günstig anfgcnonimc». Die Diskussion Über die Golnchowski'schcn Anregnngcn gewinnt jetzt erst in d.er Presse breiteren Raum. Nirgends ist volle Ziistimmnng vor- handcnj mehr oder minder kühl-höflickie Ablehnung charaklcristische Auffässnng dcr bürgerlichen Presse. Schon wegen dcr Beziehungen der„Köln. Ztg." zum Auswärtigen Amte verdienen folgende Sätze dieses Blattes Beachtung: „... Der Gedanke ist öfters aiisgesprochen lind— allerdings bisher ausschließlich rein iheorelisch— bcsttrworlet worden. Es ist jetzt wohl das erste Mal, daß auch ein leitender Staats- niaini ihn sich zu eigen macht, und um» wird deninach daraus gc»� faßt sein müssen, daß von dieser Seite praltische Vorschläge an di Mächte herantreten werde». Nun kann es keinem Zweifel nnterliegen, daß jede Verständigimg ans diesem Gebiete nur mit Freude begrüßt werden kann. Eine andere Frage ist aber, ob eine solche Verständigung bei den mannigfachen Sonderinlcressen in dem Sinne möglich und zu erzielen sein wird, daß einerseits Europa, andererseits die überseeischen Länder ge- schlössen und kampfbereit einander entgegentreten. Wir möchten vielmehr nach wie vor an unserer Ueberzengung festhalte», daß eine wirthschaftliche Verständigung ohne vorherigen, vieles zerstören- den Zollkampf zivischen hüben und drüben weit leichter zu erzielen und deshalb mit klarein Ziclbewußtscin anzustreben ist. Auch die Amerikaner wissen wirthschaftlich zu rechnen, und wenn sie wieder- holt am eigenen Leibe erfahren haben werden, wie sehr ihre eigenen Interessen durch die Uebertreibungen der Mc jtinley'schen und Dingley'schen Zolltarife geschädigt werden, so wird eine gegen- seilige Berständignng rascher zu verivirllichcn sein, als die Errich- tung eines großen europäischen Zollbündnisses. Doch das schließt nicht aus, daß zunächst in einzelnen wichtigen Fragen innerhalb der europäischen Regierungen eine Verständigung zu gemeinsamer Ab- wehr gemeinschaftlicher Gefahren angestrebt und versucht wird. Will in dieser Hinsicht Graf Goluchowski mit festen Zielen und klaren Vorschlägen der Führer sei», so kann er sich damit ein großes Verdienst erwerben, das allseitig gern anerkannt werden dürste. Dagegen wollen die„Hamburger Nachrichten" von den aus Wien konunenden Anregungen nichts wissen. Das Leib- blatt des Herzogs von Lauenbnrg tränt eben den Fähigkeiten der deutschen Diplomaten nichts mehr zu, seitdem Fürst Bis- mnrck ans dem Reichskanzleramte geschieden ist. Deshalb schreibt das Blatt: Wie weit der Minister dabei z. V. die Eventualität eines Zollbundes mit Deutschland im Auge gehabt hat, wollen wir nnnntersucht lassen; jedenfalls haben wir mit der wirlh- schaftlichcn„Stärkung unserer Verbündeten" auf unsere Kosten zu Caprivi's Zeiten Erfahrungen gemacht, die zur Vorsicht stimmen und schwerlich Neigung bei uns erzeugen tverden, als opserfreiidigcr Theil in eine wirthschaftliche societas Isonina(ein Vertrag, welcher dem einen allen Geivin», dem anderen allen Verlust von der Gesellschaft zuweist) zu guiistcn von Oestmeich-Ungarn oder anderen europäischen Staaten einzutreten. Was die Presse sonst sagt, ist nicht der Erwähnung werth. Eine Reihe der wichtigsten Blätter hält noch mit dem Urcheile zurück, das Organ der Bündler beschränkt sich auf die Wieder- gäbe der billigen Weisheit der„Hamburger Nachrichten".— «* « Deutsches Reich. — Die Ernennung des Staatssekretärs des Auswärtigen v. Bülow zum Bevollmächtigten zum Bnndesralh wird heute vom„Reichs-Anzeiger" pnblizirt.— — Die allgemeine F l« i s ch s ch a n soll nicht durch Reichsgesetz, sondern auf dem Wege gleichartiger Polizeiverordnnugen in alle» Bundrsstaalen eingeführt werden. In Preußen ist seiieus der Ministerien, in bereu Bereich die Regelung der Frag« gehört, der Entwurf einer Polizeiverordnnng ausgearbeitet worden; nach derselben soll alles nicht zum eigene» Gebrauch im Hanf« ge- schlachtete Bieh der allgemeinen Fleischschau unterworfen sein. Wie weit bei der beabsichtigten Einführung der Fleischschau agrarische Wünsche oder Rücksichien auf die Volksgesundhcit maßgebend sind, wird erst Inhalt und Handhabung der geplanten Polizeiverordnunge» lehren.— — Der Börsenkrieg wird von der Regierung fortgesetzt, sie appellirt in der Feenpalast-Frage gegen die Enlschcidnng des Berliner BezirkSanSschnsseS au das Ober Verwaltnugsgericht.— — Agrarier gegen Agrarier. Erfrischend offenherzig waren die Agrarier in der letzten Sitzung deZ T e l t o w e r L a n d- wirthschaftliche» Vereins. Bekanntlich sind von der Rc- gierung ans heißes Drängen der Agrarier die Grenzen des Deutschen Reiches fast vollständig gegen jede Art von Vieheinfnhr gesperrt,— selbstverständlich nicht etwa deswegen, um den deutschen Groß- §rttndbesitzem und Fleischproduzenten eine Monopolstellung und hohe ileischpreise zu verschaffen— wer würde den Agrariern solchen Egoismus zutraue»?— sondern lediglich der vom Ausland drohende» „Senchengefahr" wegen. Die Sache scheint nun aber für einen Theil der deutschen Agrarier auch ihre unangenehmen Seiten zu haben. Während die inländischen Fleischproduzeuten die ans der Absperrung der Grenzen resnllirenden höheren Gewinne schnunuelnd einsäckeln, beginnt den Milchproduzentcn das zur Auffrischnna der Rasse nöthige ausländische Znchtniaterial zu fehlen, und eS scheint sich bei ihnen das Sprichwort zu bestätigen:„Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein." In dem genannten Verein sprach der Amlsrath Schmidt aus Löhme über die Frage: „Ist die in Deuischland vorhandene Rtndviehzncht so leistnngs- sähig, daß st» den Bedarf an s r i s ch m i l ch e n d e n Kühen zu decken vermag und können die Rindviehrassen der� norddeutschen Tiefebene behnfs ihrer Veredelung das Holländer Zuchtvieh enlbehrcn?" Seit den zwei Jahren, wo die Einfuhr holländischen Milchviehes durch die Grenzsperre abgeschnitten ist, gingen die Milcherträge in den Elällen des Redners von durch- schnttllich 11,3 ans 10,3 Liier täglich für das Stück zurück, also um IVj Liter, was bei eimm Milchprcise von II'/« Pf. 6l,vg M. im Der samose Herr R o r m a n n- S ch n m an» soll bekanntlich wenige Tage vor dem Leckert-Lützow- Prozesse auf die Frage. ob er befürchte, in diesem Prozeß als Zeuge anftrele» zu müssen, die charakteristische Antwort gegeben haben:„Meine Koffer sind gepackt. In dem Augenblicke, wo ich alS Zeuge vorgeladen werde, bin ich außerhalb Deutschlands: Was ich weiß, will ich nicht als Zeuge v e r p n s f e n. sondern ich kann damit anderSwo mehr Geld verdienen". Und man bedauerte es schon während de» Prozesse? allgemein, daß der vielwissende Herr nicht alS Zeuge geladen wurde; heute ist dies Bedauern umso gerechtfertigter, zumal ja das Auswärtige Amt schon vor dem Prozeß eine ganze Reihe Thalsachen von ihm kannte, die seine Vorladung mehr als erklärlich hätten erscheinen lassen. Aber Herr Normaim-Tchumann war zwar 2 oder 8 Tage vor dem Liitzow-Pcozesse noch im Kriminalgertcht Moabit, am Tage des Prozesses aber war er bereits„als Korrespondent ans den griechisch- türkischen Kriegsschauplatz" abgegangen. Heute kommt nun da« erste Anzeichen dafür, wie Herr Normaun-Schumann mit seine» Er- fahrnngen bei der Polizei Geld verdienen könnte. Viel enthält zwar dieser erste Lallcm d'essay nicht; aber vielleicht soll er blos als Orientirungsball anfgesnßt werden— für den Adressanten wie für den Adressaten. Bekanntlich hat dieser Muster-Spion bei der Berliner Staats- anwallschast drei Meineids- Denunziationen eingereicht gegen v. Marschall»nd H a in a» n, gegen Bebel und gegen den Redakteur de?„Berliner Lokal-Anzeigers" Brentano, der in feiner Eigenschaft als Redakteur der„Saale-Zeitung" in Halle seinerzeit an das Auswärtige Amt verrathen Halle, daß Normann-Schumann der Berliner s�- Korrespondent dieses Blattes sei und die aufsehenerregenden Notizen gegen den„neuen Kurs", den Kaiser u. s. w. versasse. Heute ist nun ans L u z e r n einer An- Jahre für die Kuh ausmacht. Dabei hat Redner stets das beste deutsche Vieh gekauft, das er bekommen konnte, und ö00 M. für ostsriesische Kühe bezahlt, die er früher für 830—400 M. erstehen konnte. Der Zentner Dünger, den er sich sonst mit 14,8 Pfennige berechnete, steht ihm jetzt mehr als doppelt so hoch, nämlich mit 29,9 Pfennige ein, und beim Verkaufe der abgemolkenen Kühe hat er jetzt gegen den Ein- kanfspreis einen Verlust von 49 Mark für den Stand im Jahre gegen 47 Mark in den früheren Jahren. Wenn wir nicht wieder billigeres und besseres Vieh bekommen, so gehen nach Redners Ansicht unsere Milchwirthschasicn zu gründe. Das Uebel gewinnt noch an Schärfe dadurch, daß die Milchkühe innner knapper werden. Unsere heimische Zucht sei ganz außer st a n d e, der stetig wachsenden Nachfrage zu genügen, und diese Nachfrage steige namentlich»im deswillen so reißend, weil die Kühe jetzt öfter als früher durch frische ersetzt werden müssen; denn von vornherein schlechter, langen sie auch rascher an der Grenze der noch lohnenden Ergiebigkeit, etwa sieben Liter täglich, an. Man müsse ja anerkennen, daß die Landwirlh- schaflskanunern große Anstrengungen mache», um die deutsche Rindviehzncht zu heben; aber alle diese Anstrengungen reichen»ichi ans, die Einfuhr von holländische» Znchi- und Milchthieren entbehrlich zu machen. Im eigenen Juteresse der Züchter also müsse, da unsere Zuchten bringend der Ausbesserung bedürfen, die Wiedereinfuhr h o l l ä n d i s ch e n V i c h e s gefordert werden. Die Milchwirthschasien erlangen dabei gar nichls unmittelbar für sich; sie wollen nur die Züchter in den Sland setzen, besser als bicher ihrer Aufgabe zu ge- nügen. Redner beanlragte, den L a n d w i r t h s ch a f t s m i n i st e r zn bitten, dafür Sorge zu tragen, daß Kälber, junge Lullen und junge Kühe bis zum vierten Lebensjahre aus So l l a n d« i n g e f n h r t werden dürfen. Als Schutz gegen encheneinschleppniig könne mau ja Quarantäne und Tuberluli»- Impfung anordnen. Daß, wenn diese Mittel genügen, sie ja auch von vornherein hätlen angewandt und die Greuzabsperrnng— die dem denlschen Publikum und namentlich den denlschen ZIrbeiiern so sehr theuer gekommen ist — Halle vermieden werden kömien, das hervorzuheben unterließ der Redner nniürlich. Der Antrag rief eine lebhafte Diskussion her- vor. Von den Freunden desselben wurde unter Bestätigung der vom Antragsteller belonlen Thatsachen geltend gemnchi, daß auch die deutsche Pferde-, Schaf- und Schweinezucht ihre Fort- schritte hauptsächlich der fortdauernden Einfuhr englischen Blutes verdanke. Am Rhein habe sich derselbe Nolbsiand der Milchwirih- schasleu und derselbe Kampf gegen die Grenzsperre enlwickell; übrigens sei aus Holland noch niemals Maul- und Klauenseuche zn uns gekommen. Die Gegner des Antrages, die wohl besonders unter denjenigen Herren zn suchen sind, deren Wirthschasien mehr ans die F I e i s ch p r o d u k t i o n zngeschnitlen sind, bcziveifelie», daß Holland scnchenfrei sei; Gesundheitszeugnisse des Slns- landeS seien werthlos, und die Tuberkulin-Jmpsung lasse sich durch eine Vorimpfnnp mit demselben Milte! ebenfalls werlhlos machen, weil dasselbe Thier, wenn auch perlsüchlig. nicht zweimal hintereinander ans Tuberkulin reagire. Uebrigens sei die Einfuhr aus Holland von jeher garnicht beirächtlich gewesen und in Deutsch- land genug gnles Vieh zn bekommen. Man möge nicht dem Züchter den so mühsam errungenen V o r t h e i l der höheren Verkaufspreise entreißen und mit dem Grundsatze nicht brechen, daß der deutsche Markt dem deutschen Erzeugnisse erhalten bleiben müsse. Der Antrag Schmidt wurde schließlich mit 8! gegen 27 Stimme» a n g e n o m IN e II. Man wird also um Wiederaiishcbnng der Grenzsperre für holländisckes Rindvieh billen. Das ivahrhaft Erfrischende bei diesen Erörterungen war die Dcullichkeit, mit der die Herren Agrarier ihre Jnleressen vertreten. Die einen— auch die„Deutsche Tageszeiinug" stellt sich in einem Leitaitilel ans diese Seite— erklären, den denlschen Landwirthe» müssen die theureii Fleisch- preise erhalte» bleiben, und darum sind die Grenzen„wegen Seuchen- gefahr" abzusperren. Die anderen aber, denen diese Absperrung unbequem zu werden beginnt, verlangen von der Regierung, daß die Grenzen wieder geöffnet werden, trotz der auch von ihnen behaupteten Senchengefahr.— — Z n m Prozeß S t u m in- S t ö ck e r soll nach Bläiter- meldniig die„Saar- und Blieszeitniig" eine Miltheilnng" e»i> hallen, daß die belheiligten Schöffen sich ans grniid der auch von uns iviedergegebtiieu Noliz res„Volk" über den Besuch deS einen bei Siöcker's Ainvall in ihrer Ehe- gekränkt fühlte» und gegen das„Volk" wegen Verlennidniig klagen wollten. Das„Volk" schreibt, daß es dieser Klage mit großer Gelassenheil entgegensieht.— — Der 10. Katholikentag der Kalholiken Berlins und der Vororte tagte linier ungewöhnlich zahlreicher Belheiligniig am Montag in den Konkordia-Sälen. Den Hauptpunkt des AbendS bildcie ein Vortrag des Kapnjinerpalers Benno A n r a ch e r ans Bayern, der seine» Ausführungen das Schristinort:„Des Menschen Leben ist ein Kriegsdieim" zn gründe legte. Der Vortragende hielt sich inögllchst frei' von Aernnglinipsniige» und Verdächligiingen der evangelischen Kirche, erging sich aber mit sichtlichem Behagen wieder- holt in ironischen Anzapsungeii der preußischen„Schneidig- keil" und der höheren Offiziersehre und stellte hanpt- sächlich die Forderung ans, daß die Katholiken Berlins und der Umgegend sich zn organisiren hätten. Nmueiillich sei die Pflege der G e s e l l i g k e i l S v e r e> n e mehr in den Aardergriind zu 'tellen, da die Gegner die ineisien Truppen beim Vergnügen an- würben. Der gegenwärtige Kamps sei für beide christliche Kirchen vielleicht gefährlicher, als die Türkenkriege des Mittelalters, da man in der breiten Volksmasse es jetzt nicht mehr uüt der Vekämpfnng zahl hiesiger Adressen diese Denunziation im Manuskript— 8 ge- druckte Qnartseiten von S. 23—30— zugegangen. Diese Denunziation ist datirt: Paris, Hotel National ll. X. 97, und strotzt von haßerfülllen Beschimpf, mgen gegen den Herrn Brentano. Wenn nur die Hälfte von dem wahr wäre. was Herr Norniann-Echuniann da über Herrn Brentano sagt, so wäre dieser Haß zu begreifen. Der Spitzel v. Lützow sagte über den Spitzel Normann- Schninann: Der Herr Koniinissar v. Tausch hätte den Schiniiaiiii wegen Bigamie, Erpressung, Urkiindettfälschnng je. ins Zuchthaus bringen können; und Herr v. Marschall sagt« ans, wo dieser Mann überhaupt war, habt er Spuren von Verbrechen hinterlassen. Trotzdem war dieser Mann beim Polizeipräsi- deuten v. R l ch t h o f« n so allmächlig lind einflußreich, daß dieser ihn trotz deS Verlangens deS Reichskanzlers nicht entlasse» konnte! Zum Dank für dieses Leiimiiiidszeuguiß beschuldigt nun seinerseits Normann- Schumann den Herrn Brentano, den Vertrauens- mann des Auswärtigen Amtes, einmal, daß auch er, der Herr Brentano, bereils von 1387 an als Angeber heimlich zu Herrn v. Tausch in einem notorischen Ver- hältnissse stand", und ferner, daß er, Normann, gar keine» Grund habe, vor diesem seinem Belastiingszeiigen sich zu verstecken, der ja wegen Diebstahls und Einbruchs mlt Znchtbaiis bestraft sei und den er nebenbei»och wegen Betrugs und Wechselfälschniig bei der Staatsanwaltschaft venunzlrt. Was Herr Normann-Schumann über Brentano schreibt, ist, die Richtigkeit dieser Beschuidigungen selbstverständlich vorausgesetzt, ein neuer Beweis dafür, einmal, welche Subjekte die Polizei für das ehrlose Gewerbe des„Vertrauensuiaiins" werben kann und dann, warum ihr diese dienstbar sind. Hier»in« schmachvolle oder doch makelhafte Bergaiigenheit. dort die Furcht vor der Entlarvung dieser Bergaiigenheit, dazu Geldverlegenheit und oft Existcnznoth. einzelner Dogmen, sondern der ganzen christlichen Weltanschauung zu thilii habe. Der mit großem Beifall aiifgeiionimeiie Vortrag schloß mit eineni ZIppell an die hiesigen Katholiken, bei allen politischen und koiiiniiinaleii Wahle» persönliche Rücksichten zunick zn stelle» und unbedingt das Wahlrecht a n s z u ü b e n, s e l b st wenn von vornherein auch nur Minoritäten zu erwarten seien. Zum Schluß der Bersammliiiig wurde noch kurz der Zwischenfall niii Bolle gestreift, von einer Ecörteruiig der friedlich beigelegten Angelegenheit aber abgesehen.— — Chronik der Eisenbahn Unfälle. Ans Stendal wird berichtet l Auf dem hiesigen Bahnhofe sind nachtS Zug Nr. 1201 und ein Raiigierzug zusamniengestoßeii. 3 Güterwagen wurden gänzlich zerliümmert. Ein Beamter wurde leicht verletzt. In S a l z w e d e l wurde der Stationsassistent Krüger von einem Eilgüterzuge überfahren und auf der Stelle getödlet. Ans Weimar wird gemeldet: Auf der hiesigen Eisenbahnstation wurde gestern ein Buchhalter überfahren niid sofort ge- lödlet. Ebenfalls wurde der Hilfsbremser Udhardl ans Erfurt abends von dem einlaufenden Schnellzug Stnttgart-Berlin ersaßt, unter die Räder geschlendert und buchstäblich in Slücke zerissen. Der„Heidelberger Zeitung" znsolge stieß heule Vormittag 10 Uhr ans der Stalion Kirchheim der Schnellzug Nr. 4 ans einen Güterzug. Durch den Anprall wurden die Lokomotive und ein Wagen des Schnellzuges, sowie mehrere Wagen des Gülerznges zer- trümniert. Ein Reisender erlitt eine erhebliche Oiictschuiig, der Führer des Schnellzuges eine leichte Verwundung. — Die heute zusammen getretene General- Synode wird auch zahlreiche Anträge von Provinzial-Synoden zn beraihen haben, von denen mehrere ein politisches Interesse erwecken. Unter de» Anträgen dürste derAntrag derLraiidenburgischenProviiizial- Synode betreffend die Berufung von Proiefsoreii der evangelischen Theologie wieder zn größeren Debatlen Veranlassung geben. Von der pvmnierschen und inestsälischen Provinzialsynode liegen Anträge ans Erlaß eines Kirchenznchigesetzes vor, süns Provinzialsynode» niilerbreile» Anträge ans Befeitiguiig des Duells und Be- erdigling der im Duell Geiallenen. Ferner wird sich die Generalsynode mit den von fünf Provinzial-Synoden gcstelllen Anträgen betreffend die Sounlagsheiligiiiig, Beschränkung des Ansschanks an Sonn- und Festlagen und der Sonnabends- vergnügiingen in Vereinen beschäftigen, lerner mit der Beschränkiiiig der Konzessionen zur Errichlniig von Schanksläiten, mit der Be- käiiipfniig der Prostiinlion, der lüevisioii der Eidesgesetzgebniig, der Verlegung des Fortbildiingsschnl-Unlerrichis ans die Wochentage jc. ec.— Karlsruhe, 23. November. Der b a d i f ch e Landtag winde beute eröffnet. Nach der vom Präsidenlen des Slaalcniiuistcriums Dr. N o k k verlesenen Thronrede hat sich die Finanzlage in den letzte» Jahre» merklich gebessert. Das Budget schließt im ordent- lichen Elat mit einem nicht sehr erheblichen Uederschiiß. unter der Voraiihsetzuiig, daß in den beiden nächsten Jahren die Mairikularbeiiräge und die Ueberweisiingeii sich decken werden. Die Anforderungen des anßerordenUichen Etats erreichen die nngeivöh»- liche Höhe von 13 320 444 M., sodaß nach Abzug der Einnahmen des nnßcrordenllichen Etats niii 2 410 758 M noch ininier 10 909 833 M. zn decken bleiben. Die Thronrede stellt für Land- wirthschaft und Gewerbe die Beihilfe der Regierung in Aussicht. Außerdem werde» anläßlich des bevorstehenden Jiikrailtretcus des Lürgerlicheii Gesetzbuches eine Reihe laiideSgesetzlicher AnssührnngS- besliinmungen dem Landtage vorgelegt werden.— Strasiburg t. E., 22. November.(Eig. Ber.) Nach Mit- lheilnng der„Amtlichen Korrespondenz" hat das am 3l. März d. I. abgeschlossene Etalsjahr 1898/97 für die elsaß-lothringischen Finanzen einen Ueberfchuß von 1 917 727 M. ergeben. In dem LanveShails- Hatls-Elat für 98/97 war zur ErgSiiznng der Einnahmen eine An- leihe von 1 288 809 M. eingestellt. Die Aufnahme derselben ist jedoch nicht erfvrderlichgeworde», vielmehr hat sich infolge der Mehrein- nahmen gegenüber den Ansätzen des Etats der erwähnte Ueberfchuß er- gebe». Zu dleseni Ergebniß hat vor allem der Umstand beigetragen, daß dle Abrechnung des Landes mit dem Reiche Uber die MatrikularbeiUäge einerseits und die Ueberweisungen anderseits sich uni 305 590 M. für das Land vorlheilhafter gestaltet hat, als im Elat veranschlagt war. Bon den einzelnen Laiideseiiilinhnien haben lerner gegenüber den Etatausätzen wesenlliche Mehrerträge ergeben: die Forstverwallung mehr(813 200 M.), Bierstener(258 000 M.), Weinstener(181 500 M.), ErbschastSstener(188 900 M.), die Register« abgaben, in der Berwallung der Verkehrssteuern(1 229 000 M.). Der oben erwähnte Gesanimlüberschuß koinml dem inderiiächstenTagungdes Landesaucschusses vorzulegenden Lnndes-Hansballsetal von 1893/99 zu gute, der erhebliche Ausgaben für E r w e i t e r n n g des Eisenbahnnetzes aufweisen wird.— Die Vorbereiinngen zur Organisation des Handwerks nehmen im Lande ihren Fortgang. So ist nun auch in Metz in voriger Woche von etwa 150 Handivcrtsuieistern ein Allgemeiner Handwerkervcrein gegründet worden. Ebenso fand in Mülhausen eine vertrauliche Be- sprechnug von Handwerksmeistern statt, in welchen Reichstags- Abgeordneter Pfarrer W i n t e r e r, der in derselben Angelegenheit kürzlich auch hier gesprochen hat, über das Handiverlergesttz referirte.— Oesterreich. Mien, 22. November. Nach langer Debatte, welche 3 Sitzungen in Anspruch geiioinmeii hat, nahm das Abgeordneteiihans heute die N o t h st a ii d s v o r l a g e nach den Ansschußanträgen in allen Lesuiigeii an. Ferner gelangten mehrere Resoliilionen zur Annahme. Lei der AdstiMiiiung über die Tages ordnung für die nächste Sitzung kam es zu einer heftigen Debatte, da die Linke dagegen prolestirte, Brentano war nach den delaillirtcn und mit BriefaiiSzügeii reich belegten Darlegungen Normalin-Schllmaiin's in dieser Lage; schreibt doch Brentano an Petermann zur Erklärung, warum er ihn als Korrespondenten der„Saale-Zettiing" an das Answärlige Amt ver- ralhen habe: er sei schon so und so oft danach gefragt worden, man habe ihm sogar von Berlin aus gedroht, seine Ver- gangen heit zu enthüllen; auch der Kriminalkoiiimissar v. Mauderode habe den Verfasser genannt wissen wollen; tininer habe er sich geweigert, schließlich habe er die Errettung aus höchster Noth davon erhofft; man habe ihm eine große Summe geboten und ihm versprochen, alle sein« Schulden zu de- zahlen. Im Prozesse sagt» Brentano unter Eid ans, er habe es nicht für Geld gelhan, er habe nicht eiiimal die Reisekosten ersetzt erhalten; in seiner Schrift sagt Schinnann aber u. a., daß er selber Anweisung erhalten habe,„auf Ansuchen des Auswärtigen Amtes an Brentano nicht selbst, sonder» an den Kaufinaiin CalmnS, Oraiiitiibnrgersiraße, hundert Mark zur Reise nach Paris als Nolhpfeiinig auszuzahleii. was auch gegen Wechsel geschah, den der frühere Polizeipräsident mit anit- (Ich cm Gelbe einlöste". Nach der Darstellung Schn- niann'S kann man aber Zweifel hegen, ob Bcenlano, der mit Herrn Normann Schumann in jahrelangen finanziellen Wechsel- und Piimp-Beziehniigen gestanden haben soll, dieses Geld auch in die Finger gekriegt hat oder ob es nicht vielmehr zur Deckung von Schulden an Normann-Schiiniann gedient hat. DaS wäre noch das Schönste an diesen schnintzigen skandalösen Geschichten, daß auf diese Weise Gelder„locker geumchl" ivurde» zur Deckung der Privalverbiiidlichkeiten der Agenien, und bei den Be- ziehnngen, die Norniann-Echuniann, der täglich dem Polizei. prästdeuten politischen Vortrag hielt, zu Herrn v. Nicht- hosen und Herr» v. Mauderode hatte, dünkt uns das gar nicht so umnöglich. Herr v. Tausch hat doch auch in seinem Prozeß über bnjj der Präsident daS NuZgleichSprovisorium mit Ungnrn alz ersten Gegenstand auf die Tagesordiinng der nächflen Sitzung setzte. Schließlich wurde die von dem Präsideuten vorgeschlagene Tages- ordimng mit 132 gegen 79 Stimmen angenommen.— Wie», 23. November. Der Bndget-Ausschnß der Reich sraths-Delegatio» berietb de» Etat des Ministeriums des Auswärtigen. Der erste Redner Dr. S Irans ky zollte dem Exposs des Grafen Goluchowski große Zlnerkenuung und hob hervor, seine Partei sei von dem frenndschastlichen Verhältnisse zu Rußland sehr befriedigt; daffelbe habe bei den Wirren im Orient die erste Nraftprode bestanden. Er und seine Partei würden für den Etat des Ministerium? des Aus- wärtigen stimmen. Der Delegirte Groß(lib.) hält Beschlüsse der Delegation über die Äluftheilung der gemeinsamen Lasten vor der verfassungsmäßige» Festsetzung der Quote» für unzulässig. Redner wendet sich sodann zu den Vorgängen in Kreta und giebt seinem Bedauern Ausdruck, daß die Metzeleien aus der Insel unter den Augen der österreichisch-ungarischen Truppen fortdauern konnte». Redner fragt, wozu denn die öslerreichisch-nngarische» Kriegsschiffe und Truppen dort verblieben, wenn sie den Greuelthalen nicht wehrten. Zur Besprechung des Dreibundes übergehend betont der öieduer, daß derselbe für die Deutschen und Italiener Oesterreichs eine Herzenssache sei und daß er durch die neuerliche Annäherung Oesterreich-Ungar»? an Rußland nichts an seiner Wirksamkeit ver- liere. Indessen sei eine Rückwirkung der innere» Politik Oesterreichs auf den Dreibund zu besorgen. I» dieser Hinsicht richtet Redner an die Regierung die Anfrage, ob seitens der Regierung eine Intervention in Berlin erfolgt sei. um das Sprechen ö st e r r r e i ch i s ch e r Sl b g e o r d n e t e r im 91 l l d e u t s ch e n Verbände zu verhindern. Des weitere» äußert er sich über den zwar sehr wünschenswerthen, aber wegen der Interessengegensätze der europäischen Staaten schwer zu ver>v irkliche»den kontinentalen Zu- s a in in e n s ch l u ß z u r Sl b w e h r der ti b« r s e e i s ch e n K o n- k u r r e n z. Der Delegirte S ch e i ch e r bemängelt, daß sich das diplomatische Korps ans dem Adel rekrutirt; die Konsnlar- Ber- tretnngen seien jüdisch angehaucht. Er bestreite, daß sich das enro- päische Konzert bewährt habe. Der Delegirte Kaiser protestirt gegen die Anflheilung der gemeinsamen Beitragsleistnng nach dem bisherigen Schlüssel; er legt das größte Gewicht auf den Dreibund und das innige Verhältniß z» dem Deutschen Reiche und sieht in der An- Näherung an Rußland eine ersprießlicheiSicherung des Friedens. Kaiser richtete sodann eine Anfrage an die Regierung wegen der Zurück- Ziehung der österreichischen Truppen von Kreta. Die Sicherung der auswärtigen Politik erachtet der Redner als durch die innere Poliiik Oesterreichs gefährdet. Er bedauert den Um- stand, daß Ungarn sich den billigen Ansprüchen bezüglich der Ordnung der gemeinsamen Angelegenheiten hartnäckig verschließe und sich in innere österreichische Verhältnisse einzumengen suche. Seine Partei erachte eine zoll- und handelspolitische Einigung mit dem Deutschen Reiche und sodann eine , vettere ZluSgestaltung zu einem mittel- oder g e s a m m t- e u r o p ä i s ch e n W i r t h s ch a s t s b u n d e für w ü n s ch e» s w e r t h, wobei insbesondere die landwirthschaftlichen Interessen zu berücksichtigen seien. Mit den Darlegungen de? Grasen GolnchowSki erklärte Redner sich voll einverstanden. Spanien. Madrid, 22. November. Im Ministerrathe erstattete der Kriegsminister Correa Bericht über die Aeuherungen des Generals Weyler, der nicht nur in seiner in der„Gaceta de Havana' ver. öffentlichten Rede, sondern auch sonst den Rath gegeben habe, die Beschlüsse der Regierung ,u respektiren. Der Ministerrath gab der Autonomievorlage für Kuba und Porto Rico seine Zu- stimmung, vertagte aber die Verhandlung über die Zollsrage an> niargen, um den katalanischen Delegirte» zu gestatten, dein Minister- Präsidenten Sagasta ihre Gründe gegen den Zollentwurf vorzulegen. — Die Königin wird am Mittwoch die Aufhebung des über Barcelona verhängte« Belagerungszustandes unterzeichnen. Ruhland. Petersburg. 23. November. Der katholische Bischof Simon, welcher letzthin vom Papste zitnt Bischof von Plock in Aussicht ge- nommen war, dessen Ernennung jedoch noch nicht veröffentlicht wurde, ist nach Odessa deportirt worden. Den Anlaß hierzu soll sein Zirkularschreiben in der Angelegenheit der Nichlzulnssnng der russischen Sprache beim Gottesdienst in den katholischen Kirche» ge- geben haben, wodurch im Gouvernement Minsk arge Ausschreitungen hervorgerufen wurden.— Petersburg, 23. November. Der Generalgonverneur von Pole», Fürst Jmeritinski, reichte sein« Demission ein und wurde nach Petersburg berufen.— Di» Gesammtschuld Rußlands beträgt, in Papier- rubel» oder neuen Goldrubeln ausgedrückt, zum 1. Januar 1393 3191339 992 Rubel(13t/« Milliarden Mark) mjz«(nein thatsächlichen Iahresersorderniß von 271973 923 Rubel(zirka 699 Millionen Mark).— Warschätt, 22. November.(«Köln. Ztg.") Wegen der jüngsten Demonstratio» von Studenten gegen die Professoren— es handelte sich nm die bekannte Murawiew-Denkmal-Angelegenheit— wurden 96 Studenten relegirt.— die Art und Weise, wieQnittungen manchmalausgestellt werden müßten, sehr bedenkliche Auffassungen zum besten gegeben. Herr Normann- Schumann thut sich sehr viel darauf zu gute, daß er kein solcher.Acht- groschenjunge" gewesen sei, wie.Lützow, Brentano, Sebald, der bei Brentano im Hause als solcher ausgebildete Gingold- Stärk Moses Aron Wagner.- Er brüstet sich, daß er täglich zu bestimmten Stunden am Alexanderplatz auf dem Bureau habe sein müssen; neben seinen täglichen politischen Vorträgen beim Polizeipräsidenten habe er quartaliter die Ministerialberichte über das politische Vereinswesen(bestimmte Logen, antisemitische Bewegung, AnswanderimgSagenten, auswärtige snicht deulschej Presse) anfertigen müssen, ferner sei ihm von Herrn v. Richlhofe» die Bericht- erstatlung übertragen worden»ber die katholischen Pfarrer-Personalien. Zweifelsohne werden nun die katholische» Priester dem Herr» v. Richthofen sehr zu Danke verpflichtet sein, daß sie sozusagen unter der Sittenkontrolle eines solchen Subjektes standen! Wenn das am Berliner Polizeipräsidium möglich war in der Gegen- wart, welche Schlußsolgeningen liegen da nahe für die Nulkurkampf- zeit und welchem Lninpengesindel hat Herr v. Richthofen vielleicht erst die Ehre der Sozialdemokraten anvertraut! Da wird man an berufener Stelle anfragen müssen, wie die Dinge heute stehe»> Entsprechend diesem Vertrauen war auch die Bezahlung» Wie Hohn klingt es, wenn Schnniann in seiner Denunziation an den OberstaalSanivalt darauf pocht, daß er jährlich mit der WeihnachlS« gratifitation 4 9 9 9 Mark festes Gehalt bezogen habe,»ohne die erheblichen Reisediäten-. Wie mancher preußische Richter und ehrenhafte Beamte muß mit Neid auf dieses Lumpen- Gehalt blicken! Kein Wunder dann aber auch, daß er, der durch seine Korrespondenzen diese Polizei-Erfahrungen gleich wieder jour- nalistisch ausnützte und gewisse Artikel vielleicht sogar von den Interessenten schon im vorhinein bezahlt erhalten hatte, solche armen Tröpfe wie Brentano finanziell in die Hände nehmen konnte, Griechenland. Athen, 22. November. Deputirten kämme r. Trotz der Anssührnngen des Justizministers, des einjigen Ministers, der in der heutigen Sitzung anwesend war, wurde der Antrag von zehn thessalische» Deputirten, die Berathung der Einsetzung einer Untersuchungs- kommiffion für die Vorgänge in dem Kriege zu vertage», mit 77 gegen 53 Stimmen bei 5 Sliinmenenthallungen abgelehnt. Als die Kammer darauf zur Abnimnmng über den Antrag selbst übergehen wollte, stellte sich Beschlnßunfähigkeit des Hauses heraus. Die Sitzung wurde aufgehoben. Die Arbeiten der Kammer werden wahrscheinlich vertagt werden. In den Wandelgängen herrschte Er- regnng. Die Abstimmung in der Kammer wird lebhaft besprochen. Man erwartet die Entscheidung des KönigS für morgen. Mau versichert, das Ministerium werde alle Mittel erschöpfe», ehe eS zur Auflösung der Kammer schreite. Mehrere Parteiführer erklärten ans Besrage», sie besürchleien, die jetzige Kanuner könnte nichts leisten.— Afrika. — AuS dem Nigergebiet. Die von Major Arnold be- fehligte Trnppenablheilnng der Royal Niger Company nahm am 17. d. M. nach lebhaftem Kampfe im Sturmangriff die Festung Kisfii, in welcher nch Prinz Arku. der aufständische Sohn des Königs von Jagara festgesetzt hatte. Die Niederlage war eine vollkommene; Prinz Arku ist entflohen. Ans englischer Seite wurden 2 Mann ge- tödtet und 12 verwundet.— Amerika. Mcxiko, 23. November. Wegen Theilnahine an der am 17. September d. I. im hiesige» Polizeigefängniß erfolgten Er- mordung des Joaquin Arroyo, welcher tags zuvor ein Attentat gegen den Präsidenten Diaz verübt halte, waren 13 Polizeibeanit« verhaftet worden; zehn derselben sind nunmehr zum Tode, einer zu 11 Monaten Gesängniß verurtheilt worden; zwei wurden frei- gesprochen. Australien. — Die Achtstundentag-Vorlage, die dem neusee- ländischeu Parlamente vorlag, ist zum Gesetz erhoben worden.— Preußische LandtagSwahleu. Wie die„Leipziger V olkszeitung- mittheilt, stammt ihr Artikel, der sich gegen den Bebel'schen Vorschlag wandte, aus der Feder Liebln echt' s. Denselben Standpunkt, den Liebknecht in der„Lcipz. Volksztg." ver- trat, vertritt er jetzt auch in ganz ähnlicher Weise i» einem Artikel der„Neuen Zeit". Im ersten Theil seiner Darlegungen wendet sich Liebknecht gegen die Auffassung Bebel's, als sei die Partei durch den Hamburger Beschluß in eine„unmögliche Lage" gerathe». Liebknecht hält den Beschluß für ebenso logisch wie den in der Partei herrschenden Meinungen und Stimmungen entsprechend. Sodann wendet sich Liebknecht gegen den Vorschlag, die Fraktion mit einer nochmaligen Beratbung der Frage zu befassen. Las sei eine Weginlerpretirung des Parteitagsbeschtusses, das hieße die Fraktion über den Parteitag setzen, das sei gegen den Buch- stabeu und den Geist der Parteiverfnssung.„Nein, der V o r s ch l a g Bebel's i st unmöglich. Und die Genossen, denen der Hain- bnrger Beschluß wider den Strich geht, werden sich sagen: Besser, daß wir unsere Mißstimmung bis zum nächsten Parteitag verbeißen, als daß die Partei Schaden leidet und die festgefügte Grundlage verliert, auf der sie bisher allen Stürmen getrotzt und aller Feinde sich siegreich erwehrt hat. Tie alte gute Taktik, die der Hamburger Parteitag von neuein bestätigt hat, wird sich auch künftig bewähren. Um eingebildete Gefahren zu ver- meiden, wollen wir unS und die Partei nicht in wirtliche Gefahren stürzen— Gefahren, welche die Partei in ihrem Lebensmark bedrohen.- Die Parteikouserenz für den Wahlkreis Darmstadt-Groß- g e r a u erklärte sich mit de» Beschlüsse» des Hamburger Parteitags einverstanden, hielt jedoch den Beschluß über die Belheiliglmg a» den preußischen Landtagswahlcn sür keine» glücklichen, da er nicht nur zu verschiedenen Mißverständnissen Anlaß gegeben habe, sonder» auch von viele» Seile» als»nznlänglich hingestellt würde. Die Ko»ferenz hoffte, daß bis zu dcn nächste» preußische» Landtagswahlen, wenn dazwischen kein Parteitag fällt, in irgend einer dein deino- kratischen Prinzip entsprechenden Meise«ine Korrektur des Hain- burger Beschlusses vorgenommen wird. Zn Bebel's Vorschlage schreibt ferner die in Erfurt er- scheinende„Tribüne":„Wir haben das Mittag'sche Amendement noch nie in dem extremen Sinne anfgefaßt, daß keldn in den Kreise», wo wir keine selnstKudige» Wahlmänner anistellen, eine Stimmabgabe für bürgerliche Kandidaten verboten sein sollte. Nur Kom- promisse und Bündnisse dürfen nicht abgeschlossen werden, was aber nicht hindern kann, ohne Kompromisse und Bündnisse, also obne Schacherpolitik dem kleinereu von zivei Uebeln zum Sieg zn verhelfe». Sollte hierüber aber«in« Enlscheidung sich noch nolhwendig mache», so bekennen ivir uns zu der jlnffassinig, daß anf keine» Fall die Fraktion über den Parteitag gestellt werde» darf. Lieber die Unkosten eines anßerordenllichen Parteitages, oder ein« frühere Anberaumung dos ordentlichen, als in den breiten Schichten der Partei eine» Zweifel a» der Unverletzlich- keit der Paiteitngsbeschlüss« auskommen lasse». Der Parteilag ist die elementarste Aenßerung der Meinung unserer Parteigenossen und nachdem ihre Vergangenheit sie Ihm gegenüber schon wehrlos gemacht hatte. So legte denn auch Brentano nach feiner bekannten Zusammen- kunft mit dem Major Ebmeyer anf dem Anhalter Bahnhof seinem Finanzmann Schumann ein reuevolles Gesländniß ab. Und doch wußte Schumann ja schon vorher die Sache! Den» Frau v. Tausch soll ihm mitgetheilt haben: ihr Mann und Herr V.Mauderode hätten im Nebenzimmer den Brief vorgelesen, den Brentano ans Auswärtige Amt gerichtet, worin er sich bereit erklärte, den Verfasser der„Saale- ZeitungS"- Artikel zu nennen. Eine sehr ge- ällige Frau, aber woher wußte denn die. daß der Polizeispitzel Schumann dadnrch> Gefahr lauf«? Und so waren denn neben Brentano nnd dem Adjutanten Eaprlvi'S, dem Major Ebmeyer, auch zwei Polizisten, Koch grün dler und N ö m l e r, am Bahnhof, und im Wartesaal 2. Klasse vergewisserl« sich Herr v. Tausch, nachdem er vorher die Beamten genau instrnirt halte, wie sie dem Adjutanten des Reichskanzlers zu folgen haben, über diese Zusammenkunft. Nach der Darstellung Echumann's mußte sich Herr Ebmeyer nicht besonders geschickt benomi»»» haben; nach dem schrist- lichen Bericht deS Beamten, den Schumann zitirt, soll die Unter- Haltung sehr laut geführt worden sein: Brentano schlug sich wiederholt auf die Brust und rief dabei:Jch habe daS Manu- cript; nur will es den Schutzleuten geschienen haben, als feilsche Brentano um die Siimme, mit der der Verrath bezahlt werden sollte! Eidesstattlich, in Gegenwart feine» Verlegers Hendel, oll Brentano schriftlich an Schumann da? Geständniß abgelegt »abe», daß er„wissentlich falsche Denunztationen mehrerer hoch- gestellter Persönlichkeiten"«ingereicht habe; auch da? Verhör. dem ihn Herr Major Ebmeyer unterzogen, giebt er in dem Geständniß wieder: Ebmeyer soll ihn gefragt haben, ob Bismarck, General Verdy oder General Walderfee der Verfasser der bekannten Artikel fei, oder ob«» nicht ein Agent im Auswärtigen Amt« selber sei. Von all' diefen„Geständnissen- erhielt Herr von Tausch Ab- bei der hier und da auftretenden Antipathie gegen die Akademiker, Parteibeamten und Führer sollte man vorsichtig alles vermeiden, was diesem an sich allerdings durchaus falschen Gefühl neue Nahrung geben könnte." Die„Sächsische Arbeiter- Zeitung" bemerkt gegen- über Auer und Bebel:„Wird den» i» die Masse» nichl ein ganz anderes Interesse hineingetragen, wenn wir eigene Wahl- männer aufstellen, als wen» wir sie einladen, sür die Freisinnigen zu stimme»? Das ist doch elivas ganz anderes, wenn Leute aus der Partei, Namen, welche der Arbeiter kennt, ans der Kandidaten- liste erscheinen, wenn der Arbeiter genau sieht ,_ daß es sich »m seine eigene Parteisache handelt. Wir sind aber der Meinung, daß ivir überhaupt mir dann, wen»»vir eigene Wahl- männer anfstellen— ohne diese können wir ja auch keine Ab- geordnetenkandidaturen ernennen— im stände sei» werden, eine Wahlagitation zu entwickeln. Wir können doch beim besten Willen nicht unseren ganzen Apparat von Presse, Versammlungen, Flugbläliern jc. einfach der freisinnigen Wahlagitation zur Ver- fügling stellen. Wo also keine eigenen Kandidaturen aiisgesteUt werden, da wird man sich»aturgemäß die Sache möglichst billig vom Halse zu hallen suchen. Aber gerade auf die Agitation kommt es tins an. Nur durch die Aufstellnug eigener Kandidaten bringen wir Begeisterung in die Massen, und das ist uns mehr werth als all- diplomatischen Er- wägungen, das allein ist im stände, uns über alle Schwierigkeiten hinwegzuhelfen. Für tins unterliegt eS keinem Zweifel: wo die Partei zn schwach ist, um eigene Wahlmänner aufzustellen, da wird sie auch nicht viel Urwähler auf die Beine bringen, und dort ver- lieren wir deshalb auch nicht viel, wenn wir uns gänzlich der Wahl enthalten. Wir sehen also in dem Hamburger Beschluß nicht nur kein Hiuderiiiß der Aktion gegen die Junker, sondern wir glauben im Gegeulheil, daß erst durch das Amendement Mittag der Boden zu einem energischen Vorgehen geschaffen worden ist." Die„ V o I k s st i m m e" in Mannheim erklärt es in einem Artikel über den Hamburger Beschluß für„ausgemacht, daß der Singer'sche Kommentar, mag er auch materiell unbegründet sein, die Zustimmung des Parteitages gefiinde» hat", wendet sich aber da- gegen, daß„von de» Gegnern der Wnhlbetheiligung der Singer'sche Konnnentar materiell als eine prinzipielle,»»allsweichliche Konsequenz des Klassenstandpunkles der Partei zu begründen versucht" werde, wie es von Singer geschehen sei, als er schrieb, der Standpunkt des Klassen- kampfes werde verwischt oder verlassen, wenn die Parteigenossen sofort für bürgerliche oppositionelle Wahlmänner stimme». Hier sei, schreibt die„Bolksstimine", der Punkt, wo die bisherige Taktik der badischen Genossen in Mitleidenschaft gezogen, beziehungsweise indirekt verurtheilt werde. Wenn Singer's Ansicht zuträfe, hätten die badische» Parteigenosse», speziell die von Karlsruhe, durch ihre Takiik bei den diesjährigen LandlngSivahle» den Standpunkt des Klassenkampfes verwischt oder gar verlassen.„Den Beweis dafür." schreibt die„VolkSst'Nime" weiter,„daß die Pnrteidisziplin durch Kompromisse erschüttert werden könnte, sind bisher die Gegner der Wahlbelheilignng schuldig geblieben. Wir in Baden erlaube» uns noch den Anspruch zu erheben, daß die Wahlkomproinisse, die wir eingegangen sind, bisher ohne wahrnehmbaren Einfluß anf Misere Parieidisziplin gewesen sind. Vielmehr glauben wir durch die That den Beweis für das Gegentheil erbracht zn haben. Unser Schlachlruf war bei den diesjährigen Landtagsivahlen: Die Beseitigung der»ationalliberalen Majorität in der Kammer. Wir habe» sie beseitigt,— allerdings in Karlsruhe, wo die Entscheidung lag, im Bunde mit den Freisinnigen und Demokrate». Ob wir dabei ein Mandat mehr oder weniger für ui,S herausschlugen, diese Frage ka», sür»nS erst in ziveiter Linie. Achnlich liegt die Silua'io» jetzt in Preuße». Dort lautet die Parole: Niederwerfung des I iiikerlhnmS! Ter Weg. der zu diesem Zweck beschritten werde» soll, scheint uns durch den Hanibiirger Parteitagsbefchluß in Berbindiliig mit dem Singer'sche» Kommentar nicht zum Ziele zu i«ihren. I» dieser Annahm« sehen wir nus mit vielen Genossen in Preuße» im Einverstäiidniß. Was soll also geschehe»? Werden die- jenige» Wahlkreise, welche mit der Singer'sche» Auslegung des Parteitagsdeschliisscs uichi einverstanden sind, dieselbe ignorire», d. h. ven Hanibiirger Beschluß praktisch korrigiren? Wir inöchten davor warne», und zirmr gerade im Interesse der Parteidisziplin. Es bleibt also»nr der Ausweg, de» H mibiirger Parteitagsbefchluß einer Revision zu unterziehe». Bebel hat zn diesem Zweck verschiedene Wege angegeben. Vielleicht dürste es angezeigt sei», bei dieser Ge- legenhcit ans eine» früheren Vorschlag zurückzukouimen und die Ei»- bernsung eines Parteitags sür Preußeii anzuregen. Es wird Sache der Fraktion sein, i» dieser Bezichnng die Ainegung zu geben und die Partei wird dann die Entscheidung treffen." Auch die Ei> beruiiing eines besonderen preußischen Parteitags scheint»iis nach de» Beschlüssen des Hamburger Parteitages völllg ausgeschlossen. Sll-> RcichStagskandidat für den westfälischen Wahlkreis Bielefeld-Wiede u brück wurde von einer Versanimlung in Bielefelv, wo Reichstags- Abgeordneter Auer reserirt hatte, ein- stiininig der Parteigenosse Ulrich ans Stuttgart aufgestellt. Als Kandidat iür den Wahlkieis Darmstadl-Großgerau ivurde von der Kreiskonserenz der Parteigenosse Cramer aus Darmstadt akzeplirl. Eine Parteikonferenz für Nordwest-Tcntschland. die am Soniilag in Bremen abgehalle» ivurde nnd von Delegirte» aus dem bremischen Gebiete sonne aus den benachbarten oldenburgischen und hannöversche» Wahlkreise» besucht war, einigte sich über gegen- schrifte»; und um ganz sicher zu sein, will Herr Normann- Schumann die Originale bei einem Politiker deponirt haben. Und wie eine Verhöhnung liest sich die Bemerkung Schnmann'S: Brentano sei bei seiner Jiückkchr von Paris allerdings polizeilich überwacht worden, weil man befürchtet habe, er könne Caprivi auf der Straße wegen seines „Wortbruches" zur Rede stellen.(Major Ebmeyer soll Brentano das Wort gegeben haben, daß alles„unter uns" bleibe, trotzdem sei der Brief Brentano's an die Polizei gegangen, wodurch Schumann davon Kenntniß erhalten und Brentano seine Stelle verloren habe.) Auf Schumann'? Ver« Wendling habe v. Mauderode die Ueberwachmig eingestellt. Wen« Brentano später wieder observirt worden sei, so wegen seiner intimen Beziehungen zu H a>» a n, Holstein und Mar- schall, in welcher v. Tausch mit recht seine Todfeinde witterte.— DaS ist nn» freilich sehr nett, wenn eS wahr ist: und nach den Ergebnissen deS Tanschprozesses wird man nur schwer an der Wahrheit zweifeln können. Der simple Konunissar überwacht den Brentano, weil er mit den höchsten Beamten des Reiches in Verbsnduitg tritt! Damit aber ja diese Thatsache dem Herrn Oberstaatsanwalt nicht entgehe, wiederholt er sie an anderer Stelle unter ausdrücklicher Nennung der Bemnlen, welchen diese Ueber- wachung übertrage» wurde: 1393 wurden von Herrn v. Tausch die Schntzlente Hochgründler, Krüger und Renk beauftragt, Brentano zu überwache» und es sei diesen auch gelunge», zahlreiche Besuch« bei Legationsrath Dr. H a m a n(dem damaligen Vorsteher des PreßbureauS in der Reichskanzlei) in der Artilleriestraße fest« zilstellen. Für heut« wollen wir unS mit diese» Einzelheiten, die unS in letzter Stunde zu Gesichte, komme» begniigeii; die Schrift deS Herrn Norinaim-Schuinann bietet noch eine Fülle Momente, die das System Richthofen-Mauderode mit neuem Glanz« überstrahlen. fettige Untetstützung bei der Agitation imd beschloß, im nächsten Iahte mit der HeranSgabe eines Kalenders für Nordivest-Teutschland zn beginnen. Reichstags-Ülbgeordneier Geyer aus Leipzig, der sich gegenwärtig ans einer Agitahonstoiu befindet, hielt einen Vortrag über die bevorstehenden Reichstagswahlen, In Coswig in Anhalt wurde der Parteigenofle Karl Richter ans 6 Jahre ins Stadtverordnelenkollegium gewählt. Ein zweiter Kandidat unserer Partei nnterlag. N»S Schlesien berichtet die„Germania": Am 14. d. wurde in der Rahe von Toinsdorf bei Freiwalda» der Arbeiter Engelbert Schubert ans Friedeberg, ein sozialdemokratischer Agitaior, mit Wunden bedeckt aufgefnnde», Schubert verschied bald daraus. Wer ihn verivundet hat, ist»och' nicht aufgeklärt. Ueber die Persönlichkeit des Genannten ist hier nichts bekannt. Vielleicht sind unsere Freunde i» Schlesien in der Lage, näheres mii- zntheile». Polizeiliches, Gerichtliches er. — Endlich haben die Parteigenossen des oberschlesischen Jndustriebezirks im Kampfe um das V e r s a in in l n n g s> r e ch t gesiegt: am Sonnlag konnten sie in Poreniba bei Zabrze die erste öffentliche Aerfammlung abhalten. Ueberivacht war sie von 8 Polizeibeainten und Gendarmen, darunter von 2 Polizeibeamle» in Zivil. Leiter und Redner der Versannnlung ivar Genosse Winter. Hoffentlich folgen dieser ersten recht viele weitere Ver- sammlungen. — Ter Parteigenosse Fröhlich, Redakteur der Burg- st ä d t e r„V o t k s sl i m ni e", der seit Ansang Oktober eine 3>/,> nionatige Strafe verbüßt, hat jetzt die Genehmigung zur Selbst- beschäsligung ilud znin Lesen der„Frankfurter Zeitung" erhalten. Früher war ihm ei» dahin gehendes Gesuch regelmäßig abgeschlagen ivorden. — In R e s ch w i tz in Schivarzbnrg-Rndolstadt sollte der Partei- genösse H o s in a n n aus Saalfeld über das Thema sprechen:„Falscher und wahrer Patriotismus." Dieses Thema schien dem Landraths- anit in Rudolstadt aber so bedenklich, daß es die Versammlung ver- bot. Es wurde sofort eine ziveite Versammlung angemeldet, der mau das Thema stellte:„Die bevorstehende» ReichstagSwahlen." Jetzt ging der Schultheiß ins Geschirr. Er verbot die Versannnlung, weil er„über diese Dinge noch nicht genügend informirt" sei. GewevKftszAfklMzes. Pciliit iiiib Umgebung. Zeuii alisatio» der hiesige» Orts- Krankenkassen. Die Delegirten der Orts Krankenkasse der Maler lehnten in ihrer General-Versaunulung vom 22. d. Mts. die Zentralisation im Prinzip ab. Tic in der Glasfabrik zn Stralau wegen der angekündigten Lohnnerabfetzung schivebendeu Differenzen sind auf grund einer zwischen der Direktion und de» Arbeiter» stattgehabte» Verhandlung beigelegt worden. Die Direktion erklärte, wenn sie den Betrieb in vollem llmfange aufrecht erhallen wolle, dann sei sie mit Rücksicht ans die Lage des Geschäfts gezwungen, de» angekündigten Lohn- abzng von 4 pCt. eintreten zulassen. Solle aber der bisherige Lohn- tarij weiter gezahlt werden, dann müsse die Direktion einstweile» die Produktion einschränken und eine Wanne außer Betrieb setze». Die Folge davon würde sein, daß entweder 80 Arbeiter entlasse» werden, oder für die Gesainmtheit der bisher beschäftigten Arbeiter kürzere Schichte» eingeführt werden, wodurch allerdings der Verdienst des Einzelnen— da in Akkord gearbeitet wird— sich vermindert. Die Arbeiter entschieden sich dafür, daß Entlassnugen nicht eintreten sollen, sonder» statt der bisherigen zwei Schichten pro Tag drei verkürzte Schichten eingeführt werden, daß aber, sobald die geschäftliche Konjunktur es zuläßt, der Betrieb wieder in vollem Umfange in Thätigleit gesetzt wird. Deutsches Reich. Lohndiffereuze» haben in dem Bürgerlichen Branhause in Wandsbek zu einem Streik der Flaschenspüler geführt. Die Arbeiter, die sich fortgesetzt durch Ueberstiindennrbeit benachlheiligt glaubten, beschwerten sich vorige Woche und erlangten eine zufrieden- stellende Zusage. Arn Sonnabend ivnrden jedoch von den 17 Flaschen- spiiler» 7 enilnssen, darunter mehrere von den Beschwerdeführer». Infolgedessen stelllcn die übrigen Arbeiter gleichfalls die Beschäsligung ein und forderten einen Tagelohn vo» drei Mark. Ter Zcutralverbaud der Brauer iveist in seiner Abrechnung vom ziveite» Onarial dieses Jahres eine Eiunahme von 12 755,93 M. und eine AuSgabe vo» 10 284,75 M. auf. Mit einem vorhandenen Bestand beträgt das Vermögen des Vereins 11 070,15 M. Unter de» Ausgabe» siguriren u. a. Reise- Nnterstühnng 552,16 M., Ar- bcilsioseii- Uiiterstühung 575,50 M., Gemaßregelten- Unterstützung 977,32 M. und Agitation 991,80 M. Mit behördlicher llnterstiitiuiig wird gegenwärtig eine Or- ganisation der oberschlesischen Bergarbeiter versucht, zuiiäckst in Zabrze, wo ein„Gewerkverein der Bergarbeiter" mit Unter- stützung durch den dortigen Aintsvorsieher Meister gegründet worden ist. Die eigentliche Tendenz dieses neue»„Gewerkvercius", der übrigens bisher sehr schwach gebliebni ist, tritt nicht klar hervor, ivahrscheinlich handelt es sich hier um einen Versuch,„reichst» eue" K»appc»verei»e einzuführen. Gegen de» Gewerkverein ngitire» mit gutem Erfolge die zahlreiche» poiiiischcn Arbeitervereine. Wegen Vedrvhntig eines Arbeitswilligen vcrurlheille die Rostocker Slrafkainmer zwei Tischler, den einen zu zwei Monaten. den anderen zu drei. Wochen Gefängniß. Die Angetlazte» hatten sich dazu hinreiße» lassen, gegen einen Streikbrecher, der in der»»- nnständigslcii Weise die Streitkasse geschröpft Halle, aber nachträglich in Arbeit trat, schwere Beleidigniigen ansznstoßen. Ohne die leicht er- klniliche Erregung der Zlngettagten zu berücksichtigen, fällte das Gericht dieses harte Urtheil. Ausland. Tic englischen Maschiiicubanev befinden sich jetzt im Waffen- stillstand. Heule, Mittwoch, werde» i» London im Westminster-Hotcl die Aerhaiidlmigen ihren Anfang nehmen. Das Herannahen der Konferenz hat aus den Zufluß der Unterstützungsgekder eine» un- günstige» Einfluß nicht auSgeiibt. Im Laufe der vorige» Wocke wurde» a» jedem Tage über 20 000 M., an einet» sogar 60 000 M. eingenommen. Die englische» Arbeitgeber- Verbände gehen jetzt allgemein mit der Gründung von selbständigen Kranken- und AltcrSkassen vor. Dadurch glaube» sie ihre Arbeiter de» Gewerkvereine» abtrünnig »lachen zu köiinen. Gegemvärtig befindet sich der Dockarb�iter-Aerei» im Kampfe gegen dieses Vorhaben der London and Jndia Docks. Die letziereu verlangen, daß jeder Arbeiter, welcher dauernd de- schäftigt iverden will, nicht nur i» ihre Verstchelung eintreten muß, sonder» keiner anderen Kranken- und Unterstützungstasse an- gehöreil darf. Fiir die euglischcu Maschinenbauer ginge» bei der General- kommission der Geweitschasle» Denlschlands vom 12—18 November ein 10 335,96 M.; insgesammt sind bei der General-Kommissio» nunmehr 49 653,51 M, eingelanfe»; eine Reihe Gewerkschaften haben außerdem Gelder direll nach London gesandt. Ter englische Eisenbahnarbeiter- Verband hatte auf einer Konferenz Milte Oktober eine Reihe Fordeniligeu aufgestellt, die der Sekretär den Bahngesellschafie» zn unterbreite» hatte; Anlivort war bis zum 16. November erbeten. Die vo» den Arbeitern gestellten Forderungen sind folgende: 1. Elnsührung des Achtstnndeiltages für Lokomotivführer, Weichensteller, Signalleuie, Heizer und Schmierer. 2. Zehn- stündige Arbeitszeit als Maximum für die übrigen Bedienfteie». 3. 25 prozentiger Lohnzuschlag für Ueberzeiiarbeit. 4. Spezielle Lohnsätze für Somitagsarbeit bei Lokomotivführern, Heizern und beim Frachtverkehr Bediensteten. 5. Festsetzung von Miiiiinat-Woche»- löhnen für alle Kategorien von Eisenbahnarbeitern. 6. Abschaffung des„Neisesystems"(trip System), wo es existirt(das„trip system". das namentlich bei der London and North Wester» üblich ist, ist eine Art Stücklohn im Bahndienffe; die Arbeiter auf Lastzügen werden„pro Reise" gezahlt je nach der Entfernung— geht die Reise rasch, ist es der Voltheil der Arbeiter, ist häufig oder langer Aufenthalt nöthig, sodaß die Reise lange dauert, ist es der Schaden der Arbeiter, ohne daß sie an der Verzögerung Schuld trüge»). 7. Revision der Löhne der Arbeiter aller Kategorien. Das sind Ansprüche, die, wenn sie von denlschen Bahnarbeitern an den Staat der sozialen Resori» gestellt würden, als helle Revolution aufgefaßt werden würde»; hier werden sie an Privat« gesellschaflen gestellt. Die Antworte» der Direktione» sind jetzt bei- nahe alle eingelanse»; die meisten haben ansivelchend geantwortet; sie verlangen, daß die Arbeiter sich direkt a» sie wenden. Das dürfte indeß kaum erreicht werden. denn aus der oben erwähnten Konferenz habe» die Slrbeiter beschlossen, nie mehr sekliönsweise vorzugehen, sondern zeden Streilsall ge- meinsani zn behandeln.— Die Gewerkschaft der Eisenbahn- Bediensteten ist in dem tetzlen Jahre lim 37 000 Mitglieder ge- wachsen und zählt zetzt Übe: 80 000. Jetzt geht der Verband daran, auch die Burean-Arbeiler mit heranzuziehen. Sollte es hier zum Kampse kommen, so dürfte es ei» hartnäckiger werden, umsomehr, als die Arbeiter neben der stramme» Organisation anch über gut- gesüllte Kassen versügen._ Tic GutS- n»d Sammclmolkcrcien, sowie die Vorstände der G e» o s s e n s ch a s t s m o l k e r e i e n in Pommern werden durch ein Zirkular für Anfang Dezember nach Stettin zu einer Konferenz eingeladen, welche die Gründling einer Vereinigimg zur Ausgabe haben soll. Ueber de» Zweck dieser Vereinigung sagt das Zirkular folgendes: „Unserem lmidwirthschaftliche» Gewerbe steht in einem Zweige, der bisher noch zu den einträglichsteil zu rechnen war, das ist die Bulterbereitiliig, ei»»eiler Schlag bevor. Australien und Amerika gehen daran, in großem Maßstäbe Buller ganz eiuheillicher Produktion herzustelle» nnd i» vorzüglich gekühlten Räumen nach dem Kontinent zu schaffe»; solche Butter wird bereits stark in England gehandelt»nd erscheint in letzter Zeit anch auf dem Hamburger»nd Berliner Markt. Wolle» wir uns nicht überflügeln lassen, so müsse» ivir uns zu entschlossener Gegemvehr rüste», um die bestehende» Ver- biiidmige» mit unseren Kanslenle» aufrecht zu erhalten uiid ihnen mindestens die gleichen Voriheile wie die Ausländer bieten zu töime». Wie dies in bezug ans die Produktion der Bulter an- znfniigeii sei, wird am besten»lüiidlicher Verhandlung überlassen. Heute möchte ich nur auf die»mterielleii Vortheile hinweisen, welche inis ein Znsammenschlnß möglichst aller Produzenten eines großen Distrikts ohne weiteres dringt. Dies sind: 1. Ersparung an Transportkosten, wenn wir die Butter im eigene», gut gekühlte» Wagen nach Berlin und darüber hinaus in unsere bewährten Absatzgebiete gehen lassen. In Pommern allein lassen sich 4000 Zentner die Woche znsa»n»e»bri»ge». Nach genaue» Erkundigungeii können wir bei richtiger Organisation am Zentner durchschnittlich 1 M. Fracht ersparen, das wären 4000 M. pro Woche oder 210 000 M. im Jahre. 2. Ferner geht unfein Delaillisten im Sommer infolge der ganz mangelhast gekühlten Butter beim Kieinverkauf auf de» Zentner I Pfund verloren, außerdem würde» sie für gut gekühlte, feste Maare im Sommer gern 1 M. mehr für den Zentner gebe», das wären 2 M. für de» Zentner oder 6000 M. pro Woche für die Soiiimernionate, in denen ungefähr 100 000 Zentner gehandelt iverden. Wir würden also durch gute Kühlung weitere 200 000 M. erlangen löiiiieii, das sind mit der Frachtersparniß zufainmen im Jahre also 410 000 M. Erwägen wir außerdem, daß wir bei geeigneter Orgaiiisatio» durch ein großes Onanluni Butler einen Einfluß auf die Preise ausübe» können, so ist ersichtlich, daß wir jährlich leicht 1 Million Mark und mehr für die gleiche Menge Butter erringen können." Soziales. Ucbcr die Zahl der jugendlichen Arbeiter im prenstischcn Gewerbe iverden von der„Etat. Korr." recht interessante Zahle» veröffentlicht. Es gab in den verschiedeneu gewerblichen Gruppen. wie Industrie und Gewerbe. Handel und Verkehr, Gärtnerei(also die ganze Landivirthschaft nicht eingerechnet) 3 766 369 Gehilfen und Arbeiter. Davon waren 1ß cv„fc,..„t» männlich 2 866 006 »bei 16 Jahre alt lUciblirf)'.->84 331 znsaiiime» 3 450 387— 91,61 pCt. W"°" SS" � zuiammen 315 982— 8,39 pCt. Es kommt also im prenbischen Gewerbe auf je II Erwachseue ei» unter 16 jähriges Kind, was als ein recht ungünstiges Verhältniß bezeichnet werden muß, wenn man mit uns der Ansicht ist, daß i» einer vernnnstigcn Gesellschaft die jungen Leute»lindestens bis zum 16 Jahre i» die Schulen oder sonstige» AuSbildungsanstalten gehören würden. Recht interessant ist ferner, daß»nter den beschäftigten Erwachsenen der Prozeniantheit der weibliche» Personen kleiner ist, als bei den teschästigte» Kindel», llnter den Erwachsene» waren 16,94 pCt. weibliche Arbeiler, unter den Kindern dagegen 19.51 pCt. Wichtig sind anch die Miilheililiigen über die unter den gewerb- liche» Arbeitern vorhandeiieii v e r h e i r a t h e t e n Frauen. Es wurden solcher 59 254 ermittett, das wacht von den erwachsenen weiblichen Arbeiter» 10,14 pEt. Es ist einer der schlimmste» sozialen Mißstände, wenn verheiralhete Frauen gezwungen sind, die Kinder ohne Pflege und die Wirlhschast in Nnordniiiig zn lassen, um in den Fabriken das tägliche Brot für die Familie ver- dienen zu helfen. In der Landivirthschaft, für die die Zahle» hier nicht beigebracht sind, liegen i» dieser Beziehung die Verhältnisse»och trauriger. In wie weitein Umfange dieser Unfug aber anch im Gewerbe angetroffen wird, das lehre» die obige» Zahlen. 59 254 zerrüttete Familien! Ist es hier anch die Sozial- c>cmokralie, von der die Familie» zerstört werden? Oder ist es die kapitalistische, staaiserhaliende Gesellschaft, die dafür sorgt, daß das „Heiligste, was der Deutsche keimt, die Frauen", zur läglichen Froh»- arbeit i» die Fabriken wandern müsse», während Familie und Häuslichkeit in Schmutz und Unordnung verkomme». Hamburgisches. Daß der H a fe u i» sp ekt o r. dessen An- flellnng sciiicrzcil versprochen wurde, der Deputation für Handel und Schifffahrt linterstellt wird, zu deren Mit- gliedern der bekannte Rheder L a e i s z zählt, ist ei» Herzenswunsch des vo» der Bürgerschaft zur Prüfung des Senatsvorschlages nieder- gesetzte» Ausschusses. Der Senat hatte den Hafeninspektor der Polizeibehörde liiiterstetten wolle».„Wen» dem Ausschuß- antrage Folge gegeben wird", schreibt des„Hamburger Echo",„dann wird der Hafeninspektor nichts weiter sein als ei» Strohmann i» den Händen der Rheder, die in der Deputation für Handel und Schiff- fahrt das Regiment führen." Auch in bürgerlichen Kreisen— so durch einen Dr. W. B. im „Hamblirgischen Korrespöndeni"— wird darauf hingewiesen, daß die aus Rhever» und Kaufleuten:c. bestehende Deputation für Handel»nd Schifsiahrt nicht die Instanz sei, der man den Hase»- iiispektor unterstelle» dürfe. Für die Nothweudigkeit, die Gewerbe-Jnspektion ans die kleinere» Betriebe anszudehne», spricht auch folgender Vorfall. Der Oekoiimn Julius Bück i» Reiitliiigen, der seit 30 Jahre» mit einer Wasserkraft ei» Triebwerk betreibt, das er nach Aufgebung seines Berufs als Lohgerber für eine kleine Lederwalkerei und außerdem für eine landwirlhfchastliche Futterschneidmaschine benützt, befahl, als eines Abends beim Fiitterschneiden das Werk plötzlich stehen blieb, seinem Dienstmädchen, nach der Ursache zu forsche». Das Mädchen that dies und wurde beim Zurechtlege» der Treibriemen von einer Walze erfaßt und in das Triebwerk ge- zogen, wobei ihr das linke Bein unter dem Knie ab- gerissen und der rechte Oberarm zweimal gebrochen wurde. Sie muß jetzt ein künstliches Bein trage», kann nur mit Unter» stützung einer anderen Person gehen und wi>d sich später höchstens durch Nähe» elivas veidieiien können. Ursache des Un- glucks war, daß es bei dem Triebwerk an jeder Schutz- Vorrichtung mangelte. Der Bailer, der sich vor dem Laiw- gericht tu Tübingen wegen fahrlässiger Körperverletzung zn vcraiit- ivorten hatte, berief sich darauf, daß seit 12 Jahre», wo er durch eine Maschinensabrik eine Berbessernng habe vornehmen lasse», nocki nie etwas passirt war. Wen» ihn eine„K o in ni i s s i o n" a» f die Nothweudigkeit der Schutzvorrichtung rechtzeitig aufmerksam gemacht hätte, so würde das Ua- glück, das ihm selbst a»i meisten leid thue, nicht vorgekommen sein. Er wurde vom Gericht zu 25 M. Geldstrafe und Tragung sänuiit- licher Kosten vcrurthcill. Der Mauiiheiiiicr Stadtrath beschloß in seiner letzten Sitzung die Aushebung des st ä d l i s ch e u Oktrois aus Mehl, Bröl und billige Fische. Ucbcr die AnSgabc» der deutschen Geschäftsreisenden ivird berichtet: Es sind an 300 Geschäflstagc» täglich 60 000 denlsche Geschäftsreisende unterwegs. Dicselben müsse» durchschnittlich im Gasthofe für Wohnung»nd Beköstigung mindestens die SuniNie von 10 M. täglich ausgeben. Diese Suiinne ist keinesivegs z» hoch vcrechnet nnd setzt sich zilsamnie» ans Wohnung für eine Nacht 2,60 M., morgens Kaffee 75 Ps., Miiiagbrod mii Wein 3 M, Jlbendbrod 1,50 M., dam, bleiben noch für Ileine Ausgabe», Frühstück, Bier ze. 2,25 M. Die Geschäftsreiseuden geben also pro Tag 600 000 M. aus, für 300 Geschäststage 180 Millionen Mark. Depeschen und letzte Mnchrichken. Plön, 23. Nov.(W. T. B) Reichstags-Ersahwahl Plön- Oldenburg. Bisher sind, nach dem„Plöner Wochenblalt" gezählt für v. Tniigel»(kons.». Bd d. Landiv.) 6345, Weinheber(Soz.) 1752, Damaschke(iialioiialsozial) 1522, Schmidt(frs. Sßp.) 1251 und für Hock(frs. S3g.) 947 Stimmeii. Bremen, 23. November.(B. H) In der hiesige» Umgegend, namentlich in Achim, herrscht die egypiische Augenkrankheit i» heftiger Weise. Eine Reihe vo» Schule»»»ißteu aus zwei Woche» geschlossen werde». Wien, 23. November.(W. T. B.) Bndgctailsschnß der Neichsralhs-Delegation.(Fortsetzung ans der politischen Uebersichi.) Lnpnl schloß sich dein angeregten Vertranensvot,»» für dc» Minister des Acußercii a». Ter Delegirte Kramarsch führte ans, die Czechen akzeptirte» den Dreibund als Eleineut des europäischen Gleich- geivichls, zumal die loyale Aussprache mit Rußland auch die wegen des Balkans gehegten Besorgnisse verscheucht habe. Einer der Gründe des frühere» Widerstandes der Czechen gegen den Dreibund sei auch die Besorgniß gewesen, der präponderirende Einfluß Deutsch- lands könnte auch auf die innere Gestaltmig der österreichisch-ungarische» Politik sich geltend mache». Redner müsse loyal konstatiren, daß gerade i» der jüngste» Vergangenheit die deutsche Negiermig einen vollständig korrekten loyale» Standpunkt einnahm und ein- hielt. Gras Goluchowski: Die Garantien für die Erhaltung des Friedens könnten durch die Anbahnung freimdschaftlicher Be> ziehuugeii zu anderen Mächten nur erhöht werde». In Be- antwortung einer Anfrage, wann die österreichischen Schiffe und Truppen vo» Kreta zunickgezogeii würden, bemerkt der Minister. daß dies geschehe» werde, sobald die Verhältnisse sich genügend be- ruhigl haben würden, um dies ohne Besorgniß thuu zn können. Im ?Ingenbl>cke seien die Mächte im Begriffe, für die Ordnniig der Ver- hällnisse auf Kreta eine feste Basis z» geivi»»en. Die Bot- schaster in Konftaulinopel hätten das Mandat erhalten, auf grund der vo» de» Mächten angenonnnene» Prinzipien ei» organisches Statut für Kreta auszuarbeiten. Bevor auf dieser Basis die Verhältnisse der Insel geregelt seien, könne von einer Zurnckziehung der Schiffe und Truppeiikoiitingente nicht die Rede sei». Der Bemerkung eines Delegirten gegenüber, daß eine Macht sie bereits zurückgezogen habe, wies der Minister darauf hin, daß das denlsche Kriegsschiff„Kaiserin Augnsta" mit den deutschen Truppe» allerdings die kretensischen Gewässer verlasse» habe, weil das Schiff auswärts benöthigt werde, daß aber die kaiserlich deutsche Regierung den andere» Mächten erklärt habe, sie werbe demnächst ein anderes Schiff schicken. Die Anfrage des Delegirten Groß betreffend das Verbot der Abhaltung einer Versammlung deS „Alldeutschen Verbandes" in Berlin, an der auch österreichische Ab- geordnete hätte» theilnehmen wollen, wies der Minister mit der Beinerknng zurück, daß die Nothweiidigkeit, in dieser Richtung bei der kaiserlich deutschen Regierung zn interveniren, nicht vorgelegen habe. Die deutsche Regierung sei in dieser Frage durchaus korrekt, und loyal vorgegangen; sie habe da? Prinzip gewahrt, a» dem auch Oesterreich-Ungarn festhalte, daß sich nämlich kein Staat in die Verhältnisse eines anderen Staates einmischen dürfe. Der Errichtiing fremder Konsillate in Prag könnten keinerlei Hinder- »isse in den Weg gelegt werden, doch müsse die Bedingung gestellt werden, daß die Betreffenden ivirkliche Beamte seien und der Ratio« nalität des sie entsendenden Staates angehören.— Reichs-Finanz- iiiiiiister v. Kallay bemerkt, daß die Feststellungen,»ach welchen die gemeiiisamen Ansgaben auf die beiden Reichshälften anfgelheilt werde», nicht Sache der Delegationen, sondern der Parlamente der beiden ReichShäfte» seien. Delegirier D i p a n l i führt a»S, sowohl Amerika wie England nähmen eine wirthschastliche Stellung ein, welche die Konzentrining der wirlhschaftlichen Kräfte Europas unbedingt nothivendig mache. Den inneren Frieden in Oesterreich hält Redner trotz der gegenwärtige» Kämpfe für nicht schwer erreichbar; gewiß Halle auch der Minister des Aeußern den inncren Frieden für die Vorbedinglnig einer glücklichen äußeren Politik. Der Delegirte Dziednszycki äußert sich ebenfalls in einem der äußeren Politik der Regiernng z»stt»»»e»deit Sinne und hebt namentlich die Stelle des Exposes betreffend den Zu« sammenschluß Europas gegen die überseeische Konkiirrenz hervor; dadurch werde einem der öffentlichen Meinung schon lauge vor- schwebende» Gedanken zum ersten Male von antorativer Stelle A»S- druck gegeben. Hierauf wird eine vom Berichterstatter Dumba be- antragteResolntion ei»stin»nigangenon»ne», welche besagt: DerBndgel- ansfchnbvegltickwünschtdenMinisterdesAeubernGrafenGoInchowskyzii einer erfolgreichen und stets auf die Erdaltung niid Befestigung des Friedens abzielende» Leitung der auswärtigen Angelegenheile» nud bringt demselben das vollste Vertrauen entgegen. Der gestimmt« Voranschlag des Ministeriums des Aeußer» wird ohne weitere Debatte nnverändert angeiionnnm, ebenso der Voranschlag des gemeinsamen Fi»a»zi»i»isteriilms, des Zollgefälles und des obersten Rechnnngshoses, und die Sitzung wird geschlossen. JuuSlirnck, 23. November.(B. H.) Bei einem Brande in St. Johann sind drei Kinder des Wirlhschnftsbesitzers unigekoiiimeil. Budapest, 23. November.(B. H.) Nach de» hier»euer- dings eingetroffenen Meldungen dürste voranssichllich abermals eine Absperrung der nngarische» Grenze für serbisches Vieh erfolgen, da gestern in Senilin 16 Waggons Rindvieh, das mit der Maul- n»d Klaiienseuche behaftet war,»ach Serbien zurückgeschickt ivil'de». Rom» 22. November.(W. T. B.) Depeschen ans Cu»eo in Piemont bringe» die Nachricht, daß zwei italienische Jagdaufseher insolge kürzlich bemerkter Wilddiebereien sich ans einen Spürgnng begaben und dabei ii» Thale von Ponte Beriiardo in der Nähe von Vinadio ans 4 französische Wildschützen stieße», ivelche im königl. Jagd- revier jagten. Wie die Jagdaufseher behaupten, seien sie ans ihren Anruf von de» Wilddieben mit den Gewehren bedroht worden. Thatsäche ist. daß i» dem entstandenen Geivehrkampse zwei der französische» Jäger erschossen wurde» nnd einer verivundet nnd sestgenoinmci, wurde, während sich der vierte über die Grenze flüchten konnte. Die beiden italienischen Jagdaufseher wurden später verhastet. Der Staatsanwalt und ein Carabiuieri- Hauptmann haben sich zur Ein- leitung der Untersnchnttg nach Cuneo begebe».— Barcelona, 23. November.(W. T. B.) General Wcyler ist heule hier eingetroffen; die zu feinen Ehre» veranstaltete Knut« gebltng verlief unter geringer Theilnabine. Christiania, 23. November.(W. T B.) Die Regierung halte beute eine Berathung über die Lage nach den Stoitlnngsioable». Wie„Norsk- Telegrambttreati" erfährt, wären sänimtliche Minister darüber einig, zur Zeit nicht zn detnissioniren. Verantwortlicher Redakteur: August Jacobcy in Berlin. Für den Jnserateniheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. Hierzu S Beilage» u. Unterhaltungsblatt. it. 274. ü mm. i. leilge Du den Stichwahlen! Am 26. November finden in der 3. Abtheilung des 32., 34., 38. und 40. Kommnnal-Wahlbezirks die Stichwahlen zwischen den Kandidaten des antisemitisch-konservativ-liberalen Kartells und den Vertretern der Sozialdemokratie statt. Gegenüber der Koalition der gegen uns ver- einigten Gegner muß alles aufgeboten werden, um den Sieg an misere Fahne zu heften, damit im Rothen Haus der Wille der arbeitenden Ve- völkerung mit Nachdrnck zur Geltung gebracht werden kann. Die Sozialdemokratie fordert gleiches Recht für Alle. Der im Rathhans Herr- fchende Freisinn dagegen führt die Kommunal- wirthschaft wesentlich zum Vortheil der besitzenden Klasse und macht die städtische Verwaltung seinen Politischen Interessen dienstbar. Parteigenossen! Es ist eine Ehrenpflicht des 6. Reichstags- Wahlkreises, in dessen Herzen die vier Kommunal- Wahlbezirke liegen, dafür zu sorgen, daß in dieser Hochburg der Sozialdemo- kratie auch für das Rathhaus nur Sozialdemo- traten gewählt werden. Wenn die Massen, wenn die 3. Abtheilung an die Wahlurne gerufen werden, dann hat im 6.. Wahlkreise Berlins das ar- beitende Volk den Sieg in der Hand, wenn es seine Schuldigkeit thut. Genossen! Die Partei erwartet, daß niemand seine Pflicht versäumt, daß jeder Wahlberechtigte seine Stimme abgiebt und daß bis zum Wahl- tage unablässig für die sozialdemokratischen Kandi- daten agitirt wird. Laßt Euch nicht von den Gegneril einschüchtern; fürchtet Euch nicht vor der öffentlichen Stimmabgabe. Bekennt Euch alle- sammt kühn und stolz als Sozialdemokraten, dann sind die Gegner bei so imposanter Kundgebung des Volkswillens machtlos und der Sieg ist uns sicher. VovivÄvks l Im Anschluß hieran geben wir die Eintheilnng der Wahl- bezirle und die Wahllokale, sowie unsere Kandidaten bekannt um diejenigen Wähler, die am 1. Oktober aus ihrem Wahlbezirk verzogen sind, zu informiren: 3S. Lvrkhlbezrvlr. Kandidat: Schneider Johannes Timm. Theil I umsassend: SIL. Stadtbezirk. Lothringerstr. 1—12, Prenzlauer Allee 2— IS und 211—249, Saarbrückerstr. 1—9 und 2S— 35. 219. Stadtbezirk. Metzerstrabe, Prenzlauer Allee 239—240, Straß- vurgerstr. 22—23 und 36—37, Wcißenburgerstr. 2—7. 229. Stadtbezirk. Fehrbellinerstrahe 1 und 2, Lothringerstr 13—22, Lotwinftr. 29, Saarbruckerftt. 10—28, Schönhauser Allee 1—11 n. 177—188, Straßburgersir. 1—21 und 39—60, Weißenburgerstr. 1. 221. Stadtbezirk. Angermiindersiraße, Chortnerstr. 2— Z, Christinen- straße 1—13 und 31—39, Fehrbellinerstr. 3-9 und 94—100, Lothringerstraße 23—27, Lottumstr. 1—28. Mit Ausschluß der Grundstücke Augermünderstr. 1, Christinenstraße 1, Lothringerstt. 23-27 von Stadtbczirl 221. Wahllokal:„Brauerei Nöiiigstadl", Schönhanser Allee 10111, Sani links. Theil II umfassend: 22ti. Stadtbezirk. Chorincrstr. 21a, Chrtstinenstr. 14 bis 30, Schönhauser Allee 173—176, Schwedterstr. 1—17 und 255—268, Senefelder Platz, Teiuplinerstr. 1-13 und 15-19, Teutoburgerplatz, Zionsiirchstr. 26-31. 223. Stadtbezirk. Chorinerstr. 15— 20a u. 65—71, Kastanien-Allee 37 bis 48 u. 61—69, Schwedterstr. 18—28 und 246a— 254a. 224. Stadtbezirk. Fehrbellinerstr. 17—24 it. 63—83, Kastanien- Allee 49—60, Weinbergsweg Ilä, Zionsttrchplatz 4, Zionskirchstr. 12—19 u. 33—45. 228. Stadtbezirk. Chorinerstr. 4-14 u. 7Ia-8S. Fehrbellinerstr. 10 bis 16 u. 84—93, Teiuplinerstr. 14, Zehdcnickerstr. 9, Zionskirchstr. 20—25 Ferner von Stadtbezirk 226: Fehrbellinerstr. 58—62: von Stadt- bezirk 233: Kastanien-Alle» 36 und 70, Schwedterstr. 29; mit Ausschluß der Grundstücke: Chorinerstr' st— 6 u. 78—86, Zehdenickerstr. 9 von Stadt- bezirk 225. Wahllokal: 55. Gemeindeschule, Chorinerstr. 74— Turnhalle. 34. ZVahlbezirlr. Kandidat: Hutmacher H. Korgmann. Theil I umfassend: 228. Stadtbezirk. Brunnenstr. 19-31 u. 161—173, Jnvalidenstr. 1 U. 1a, Vetcraneustr. 3—14 u. 16—28. 287. Stadtbezirk. Ackerstr. 27-36 u. 143, Anklamerstr. 1-9 und 49— 60, Bergstr. 30. Elisabethkirchstraße, Jnvalidenstr. 2—5, 148—15? und 159—163, Pappelplatz, Strelitzcrstr. 1—8 u. 68—74. 288. Stadtbezirk. Bernauerstr. 14—24 u. 84—93, RheinSbergerstr. 1, Strelitzerstr. 9—29 u. 48—67. Ferner von Stadtbezirl 236: RheinSbergerstr. 79; mit Ausschluß der Grundstücke: Ackerstr. 27—28 u. 143, Jnvalidenstr. 5, 148—163, Bergstr. 30 und 31, Pappelplatz vom Stadtbezirk 257, Bernauerstr. 15—24 u. 84—92 von Stadtbezirk 253. Wahllokal: 67. Gemeindeschule, Ackerstr. 280., Eingang: E l i s a b e t h k i r ch st r. 19. Turnhalle. Theil II umfassend: 289. Stadtbezirk. Bernauerstr. l-13a u. 94-109, Hussitenstr. 1-12 U. 64-79, Strelitzerstr. 30-36 u. 39-47. 265. Stadtbezirk. Bergstr. 34-43, Feldstr. 1-9, Gartenstr. 38-48 60-58 u. 06-144. 26«. Stadtbezirk. Ackerstr. 45-70 u. 117-141, Gartenstr. 49. 267. Stadtbezirk. Ackerstr. 37-44 it. 142 sowie Südwestsette von Jnvalidcnstraßc bis Bernauerslraße, Bergstr. 32, 33 u. 44—62, Bernauer- straße 110—121 und Südostscitc von Ackcrstrahe bis Bergstraße. Ferner von Stadtbezirk 268: Gartenstr. 26— 35».145—155, Invaliden- straße 18; mit Ausschluß der Grundstücke Strelitzerstr. 30—36 u. 39—46 von Stadtbezirk 259, Gartenstr. 96—112 von Stadtbezirk 265, Ackerstr. 69—70 von Stadtbezirk 266, Bergstr. 62 von Stadtbezirk 267. Wahllokal: 17. Gemeindeschul«, Ackerstr. 67, Turn hallt. ilks.AmÄls" 38. WAhlbezivk. Kandidat: Gastwirth Ehristion Hilgenfeld. ThetI l umsassend: 279. Stadtbezirk. Borngstr. 1-27, Schlegelstr. 16 und 17, Tieck- straße 14-27. 271. Stadtbezirk. Borngstr. 28—34, Chausseestr. 1—8 und 116—123, Eichcndorffstr. 1—6 und 16—22, Elsasserstr. 31—40, Hannoverschestr. 1—8, Novalisstraße, Schlegelstr. 1— 15 und 18—33, Tieckstr, 1—13 und 28—41. Ferner von Stadtbez. 289: Elsasserstr. 27—30. Wahllokal: Tieckstr. bei Gebauer, Saal geradezu. Theil II umfassend: 272. Stadtbezirk. Chausseestr. 9—27 und 94—115, Eichendorssstr. 7 bis 15. Jnvalidenstr. 24— 36 und 111—128. 27Z. Stadtbezirk. Sefssschestraße, Jnvalidenstr. 37—49 und 84—110, Kiclerstr Z4/24a. Play am Neuen Thor, Scharnhorststr. 1—10 und 32—41, Augnsia-Howital und Jnvalidcnhaus. Feinet von Stadtbezirk 268: Jnvalidenstr 19 bis 23 u. 129—132; und von Stadtbez 282: Jnvalidenstr 80—83. Wahllokal: Jiivalidcnstr. litt bei Böhme. Theil lH umsassend: 274. Stadtbezirk. Chansscenr 28-56 u 82-93, Kesselstraße, Pflug- straße, Schwarylopffstraßc, Wöhleitstraße. 278. Stadtbezirk. Bopeuftr. 1—45, Kiclerstr. 1—23, Scharnhorst- straße 11—31. Wahllokal: 14. Gemeindeschule Kcssclstr. 3— Turnhalle. 40. LVohlbrzivK. Kandidat: Rechtsanwalt Molfgnng Keine. Theil l umfassend: 284. Stadtbezirk. Altonaerstraßc. Bachstraße. Brücken-Allee, Claudius- straße. Curhavcnerstraße, Flensburgerstraße, Händelstraße. Hansaplatz, Hol- steiner Ufer, Klopstockstraße, Lessingstraße, Schleswiger User. Siegniundhos, der nördlich der Chaussee zwischen dem großen Stern und der neuen Weich- bildgrenze belegene Theil des Thiergartens einschließlich Schloß und Park Bellevue. Wegelystraßc. Stadtbahn-Bahnhof„Bellevue". Wahllokal: FlenSbnrgerstraste, Ecke Briickeuall.e, Stadtbahnbogen 444 bei Dahl. Theil II umsassend: 286. Stadtbezirk. Fleniiniiigstraße, Gerhardstrabe, Lüneburger- straße 12—30, Alt-Moabit 121-129, Melanchthonstr 1 u. 28, Paulstr. 1-20 u. 21—37, Spcncrstr. 19 u. 20, Werftstraße. 287. Stadtbezirk. Bandclstr. 46, Calvinstrabe, Helgoländer-Ufer, Kirchsiraßc, Melanchthonstr. 2— 27, Alt-Moabit 11—25 und 107—120, Rathe- »owerstraße 106—112, Spencrstr. 1—18 und 21—35, Thurmstr. 1—20 und 85a— 88, sowie von Wilsnack«- bis Rathenowerstraße, WilSmickerstr. 1—8 und 66. Mit Ausschluß der Grundstücke: Alt-Moabit 129, Werftstr. 21 von Stadtbezirk 286 Wahllokal: IIZ./ISS. Gemeindeschule, Thurmstr. 86, Turnhalle. Theil HI umfassend: 288. Stadtbezirk. Al,-Moabit 80-106, Straße 30 sAbth VII) von Alt-Moabit bis Levctzowstrahe, Stromstr. 1— 10a, der kleine Thiergarten, Thurmslraße zwischen Nr. 85 und 85a(längs des kleinen Thiergartens), ThuSnelda-Allee. 289. Stadtbezirk. Jagowstraße von Levetzowstraße Vis Straße 33a, Levetzowstraße, Straße 30 von Levetzowstraße bis Straße 33, Straßen 30a, 33, 33a u. 34a(Abth. VII). 29«. Stadtbezirk. Beusselstr. 1—14, Gotzkowökystraße, Jagowstraße von Alt-Moabit bis Levetzoivstraße, Alt-Moabit 35—79, Ottostrabe 4—19, Thurmstr. 61 u. 66, Zwinglistraße. Wahllokal:„Kroiieii-Brauerei", Alt-Moabit 47/48. Theil IV umfassend: L»l». Stadtbezirk. Huttenstraße ausschließlich Nr. 1, Nostocker- straße 1—20 und 39—56, Straße 31(Abth. VI) von Huttenstraße bis Wttt- stockerstraße. 2941,. Stadtbezirk. Rostockerstr. 21—38, Sickingenstraße, Straße 29 (Abth. VI.), Straße 31 von Wittstockerstrahe bis Sickingenstraße, Wittstocker- straße 2-26. Wahllokal: Moabiter Klubhaus, Beusselstr. 9. Theil V umfassend: 292». Stadtbezirk. Beiisselstr. 15—33 und 55a— 76, Huttenstr. 1, Thurmstr. 55-60 u. 62-65, Waldenserstr. 21-24, Waldstr. 1-15 u. 42-60. 2921». Stadtbezirk. Beusselstr. 34—55, Siemensstraße von Beussel- straße bis Waldstrabe(1—10). Waldstr. 16—41, Wiclesstraße von Beussel- straße bis Waldstraße, Wittstockerstr. 1 u. 27. Wahllokal: Waldstr. 8 bei N a>v r o ck i. Theil VI umfassend: 293. Stadtbezirk. Birkenstr. 31—49, Bredowstr. 14—35, Bremerstraße 21—55, Emdenerstr. 15—37, Quitzowstraße von Putlitzstraße bis Unionplatz, Siemensstraße von Waldstraße bis Unionplatz, Straße 4a (Abth. VIH), Unionplatz, Wiclesstraße von Bremerstrabe bis Wilhelms- haoenerstraße, sowie Nr. 1—41, Wilhelmshavenerstr. 17—46. 294. Stadtbezirk. Emdenerstr. 1-14 u. 38-54, Ottostr. 4-3 u. 20, Thurmstr. 36—54 u 67—85, Waldenserstr. 2—20 u. 25—42. Wahllokal: ö2./S0. Gemeindeschule, Thurmstr. 75, Turnhalle. Theil VII umfassend; 298. Stadtbezirk. Arminius-Platz, Straße Am ArminIuS- Platz, Bredowstr. 1—13 und 36—50, Bremerstr. 1—20 und 56—76, Buggcnhagen- straße, Jonasstrahe, Thurmstr. 28—35, Waldenserstr. 1 und 43, Wiclefstr. 42, Wilhelmshavenerstr. 1—16 und 47—60. 296. Stadtbezirk. Birlcnstr. 60 und 61, Lübeckcrstr. 1—21 und 35 bis 52, Perlebergerstr. 26a, 2Gb, 26d, 26s, 26g, 26i und 26k, Stromstr. 11 bis 16 lind 49—62, Thunnstr. 21—27. 297. Stadtbezirk. Lübeckcrstr. 22—24 und 27—34, Perlebergerstr. 26e, 26k und 26b, Stromstr. 17—33 und 35—48. Wahllolal: Brauerei Moabit, Thurmstr. 36. Theil Vin umfassend: 298. Stadtbezirk. Birkenstr. 17—30 u. 50— 59, Havelbergerstr. 1—9 U. 30—40, Lllbeckerstr. 25 u. 26, Perlebergerstr. 20, Putlitzstraße, Salz- wedelerstraße, Stendalerstr. II, Stephanstr. 27—45, Stephanplatz, Strom- straße 33a u. 34. 299. Stadtbezirk. Havelbergerstr. 10—29, Perlebergerstr. 36a, Quitzow- straße von Rathcnower- bis Putlitzstraße, Rathenowerstr. 50—80, Stephan- straße 16-26 u. 46-55, Stendalerstr. 1-10 u 12-23. Wahllokal: Zum Landsknecht, Havelbergerstr. 45/44. Theil IX umfassend: 399. Stadtbezirk. Perlebergerstr. 18—25 und 28—36, Rathenower- straße 81—94, Stendalerstr. 24, Straße 22a(Verl. Kruppstraße) 10—13, Wilsnackerstr. 29—45. 394. Stadtbezirk. Bandelstr. 12-31, Birkenstr. 1-16 und 62-78, Perlebergerstr. 27, Rathenowerstr. 94a— 98, Wilsnackerstr. 18— 28 und 46— 56. 392. Stadtbezirk. Bandelstr. 1—11 und 32—45, Dreysestraße, Pritz- Walkerstraße, Rathenowerstr. 99—105, Wilsnackerstr. 9—1? und 57—65. Wahllokal: Wilsnackerstr. 65 bei L i e b i n g. Theil X umfassend: 393. Stadtbezirk. Feldzengmeisterstraßc, Jnvalidenstraße 55a— 56, Kruppstraße, Lehrterstr. 47—53, Alt-Moabit 10a, Perlebergerstr. 1— 17a und 37—48, Quitzowstraße von Lehrter- bis Rathenowerstraße, Rathenowerstr. 1 bis 49. Seudlitzstraße, Stephanstr. 1—15 u. 56—67. 394. Stadtbezirk. Haidestraße, Jnvalidenstr. 50—55, Lehrterstr. 1 Vis 46, Pertebergerstr. 49, Straße 30(Abth. VIII) Süd-User, Torfstr. 7—14 u. 32-35. Wahllokal: Rathenowerstr. S-ta bei Junker. KVahlbevechkigk ist nach§ 8 der VtSdle-Ordnung jeder selbständige Einwohner, der Preuße und 24 Jahre alt ist, seit einem Jahre in Berlin wohnt und seit einem Jahre keine Armenunterstiitzung aus öffentlichen Mitteln erhalten hat, sowie mindestens zur zweiten Eteuerstufe(669 bis 909 M. Einkommen) eingeschätzt ist, und sofern er in die Wählerliste eingetragen ist. Chambregarnisten sind selbständig und daher»vahlberechtigt. Mittwoch, 34. Nooeilibn W?. Wer seit dem SO.JuIi(seit der Auslegung der Liste») ver« zogenist, wählt in dem Bezirk, in welchem ervor diesem Termin gewohnt hat. Wahlberechtigt sind auch diejenigen Wähler, die am Tage der Wahl zur Kontrollversammlung kommandirl sind. Die Stichwahlen finden am Freitag, den 36. Ro- vember, v o n 9 U h r m o r g e n s bis 7 Uhr abends statt. und zwar zu jeder beliebigen Stunde während dieser Zeit. Die Abgabe der Stimme nimmt nur wenige Mhuiten in Anspruch. Diejenigen Wähler, die es irgend möglich machen können, wollen bis Mittag 1 Uhr ihr Wahlrecht ausüben, damit der An« drang gegen Abend nicht zu stark ist. Pflicht derjenigen Parteigenossen, die am Wahltage über freie Zeit verfügen, ist es, sich den einzelnen Wahlkomitee's von früh 8 Uhr an zur Verfügung zu stellen. Was am 8. November versäumt wurde, muß am 36. November nach- geholt werden. KUtf znv Stichwahl l Mommunales. Komninnalcs Greisenthnm. Der Ausschuß für die Stadtraths- wähl hat, wie berichtet wird, beschlossen, die Stadlschulralhsstelle nicht auszuschreiben, sondern der Stadtverordneten-Versammlung die Wiederwahl des Herrn Dr. Bertram zu empsehlen. Di» die Bcnntznllg des Treptower Parkes bis zur voll- ständigen Wiederherstelluiig Einschränkungen erfahren soll, so wird beabsichtigt, in den Plänierwaldanlageu in Treptow einige Pro- menadenwege anzulegen. Die städlische Parkdepnlattoii hat dir zu diesem Zwecke ersordcrliche Summe in de» Etat eingestellt. Lokales. Parteigenosse» n»d Gcuossiliiicn? Am Freitag, den 2 6. November, s i n d c n im«.Wahlkreis die Stadt« v e r o r d n e t e»- S t i ch w a h l e n st a l t. Wir ersuchen alle Partei- genossen, denen es irgend möglich ist, sich den einzelnen Wahlkomitee's den ganze» Tag zur Verfügung z u st e l l e». Ins« besondere ersuchen wir diejenigen, welche durch die heutigen Erwerbsverhältnisse gezwungen sind, unfreiwillig zu feiern, und um die sich Stadt und Staat nicht im geringsten kümmern, hier, wenn auch im kleineren Nahmen, den Kamps gegen die heutigen Zustände aufzunehmen. Genossen und Genossinnen! Es war bisher unser Stolz und trug wesentlich zu unseren Siege» bei. daß sich bei jeder Gelegenheit, wo die Partei rief, opferbereite Genossen in genügender Anzahl fanden, während die Gegner gezwungen sind, fast nur durch bezahlte Leute ihre Agitation zu betreibe». Wir er« warten, daß die Genossen und Geiiossinile» uns auch diesmal zur Seite stehe», damit wir die Agitation in energischer Weise be- treiben können. Von feiten der Gegner wird alles ausgeboten, um den Sieg zu erringen;— alle Jnteressen-Kliqiien, alle abhängigen Leute, all die Macht, welche die städtischen Aemter verleihe», werden aufgeboten, um die Gcldsackinteressen noch einmal zu wahren. Brüderlich vereint ist der Troß der Antisemiten mit den Liberalen und diese mit den Konservativen. Es ist eine„Klaffeiiwahr im wahren Sinne des Wortes. Hier Geldsack, dort nrbeilslhätige Be- völlernng: hier Ausbeuter, dort Ausgebeutete! Klar liegt das Schlachtfeld vor uns. Da ist es Ehrenpflicht der Genossen, mit- zuzvirken an dem Siege der Arbeilerklaffe. Wer seine Rechte nicht wahrt, hat keine Ursache sich zu beklage», denn er ist mit Schuld daran. daß seine Brüder unterliegen. Wenn aber die Arbeiter klar erkennen, daß es Pflicht ist, sein Recht aiisznnben und an der geistigen sslnsklärUng des Volkes Mit» zuivirkcn, so ist am 26. November der Sieg unser. Darum: Vorwärts in die Agitation, frisch ans zur Stichmahl! Diejenigen Genossen und Genossiunen, welche am Tage der Wahl mithelfen wollen, mögen sich in folgenden Lokalen früh >/sS Uhr einfinden: Brauerei Pfcfferberg. Schönhauser Allee, für den 32. Bezirk; E. Dieke, Älckerstr. 123, für den 34. Bezirks Paul Jakob. Schwartzkopffstr. 11, für den 33. Bezirk; Joh. Psarr, Pntlitzstr. 19. für den 49. Bezirk. ltebcr die„Parteien ini Rothen Hanse" wird Stadtverordneter Paul Singer am heutigen Mittwoch, abends 8>/s Uhr, in der Norddeutschen Brauerei, Chausseestraße 57, einen Vortrag halten, zu welchem vor allem die Kommunnlwähler des 38. Wahlbezirls ein- geladen werde»! Achtung, Parteigenossen deS ersten Wahlkreise«! Am Sonnabend, den 27. November er., findet in den„Arminhallen", Kommandantenstraße 29/21, ein Familienkräiizchen mit Gesangs- iinterhaltiing, veranstaltet von dem Wahlverein des ersten Berliner Reichslags- Wahlkreises, statt. Es ergeht an die Parteigenossen die freundliche Einladung, zahlreich ans diesem Fest erscheinen zu wollen. Enlree 29 Pf., Garderobe 15 Pf. Herren, welche am Tanz theilnehmen, zahlen 39 Pfennig nach. Eintritts- karten sind bei nachbenannten Mitgliedern zu haben: Moll, Klosterstr. 191; Prenß, Neue Fricdrichstr. 29; Neye», Neue Friedrichsiraße 1; Mörschel, Jiidenstraße 35/36; P i» d g e r, Friedrichsgracht 16; Sommer, Grüiistr. 21; Wold, Kanonier« straße 13; K u b a t, Kochstr. 11. D e r B o r st a n d. _ r Im ArbeitShanse der Stadt Bett- ist im letzten Etat?« jähre der Zugang von Korrigenden, nachdem er schon im vorletzten erheblich abgenommen hatte,»och geringer ge» worden. Im Lauf« des Jahres 1896/97(bezw. der Vorjahre 1895/96 und 1894/95) wurden 979(1457, 1985) Männer»nd 144 (195. 244) Weiber eingeliefert, doch wurden davon nur 867(1371, 1893) Männer und 142(131, 219) neu überwiesen. während die übrigen der Anstalt zur Weiterverbnßnng ihrer Haft anS Krankenhäuser». Gefängnissen n. s. w. wieder zugeführt wurden. Durchschnittlich befanden sich täglich 1229(1633, 1834) Männer und 112(133, 165) Weiber in Kor- rektionshaft. Der Verivaltiingßbericht pro 1896/97 weist darauf hin, daß dieser Stückgang der Zahl der Korrigenden, besonders der männlichen, sich gegenwärtig fast überall in Preußen vollzieht. In der Berliner Anstalt erstreckt er sich bei den männlichen Korrigenden anf alle Altersklassen. Der Bericht giebt den Rückgang von 1894/95 bis 1896/97 für die diS 40 Jahre alten Männer auf 59 pCt., für die 49—59 Jahre alten auf 49 pCt., für die über 50 Jahre alten anf 39 pCt. an. Die dort mitgelhcilte» Zahlen sind jedoch nicht vergleichbar, weil dabei für 1396/97 alle Eingelieferten, sür die Vorjahre nur die neuUeberwiesene» gezählt sind. Die richtigen Zahlen ergäben noch stärkere Rückgänge. Der Bericht bemerkt dazu:„Es erscheint hiernach die Annahme nicht ungerechlfertigt, daß bei dem allseitig anerkannten Auf» schwunge unserer heimischen Industrie und dem stärkeren Bedürfnisse»ach Arbeitskräften in Land wirthschaft und Gewerbe die wenig zuverlässigen, Willensschwächen und nicht ausdauernden Elemente, welche in ihren jugendlichen Maniiesjahren den Stamm der Korreltionsanstalten zu bilden pflegen, und in geringerem Maße auch die älteren Personen von dem regen Arbeitsmarkte aufgesogen und vor wiederholtem Betteln und Obdachlosigkeit, worauf die ArbeitshauSsirnfs folgt, bewahrt geblieben sind." Der Rückgang der ArbeitshauSfrequenz beweist also aufs neue, daß es durchaus falsch u u d ungerecht ist, die Bettler und Obdachlosen ein- fach durch die Bank für A r b e i t s s ch e u e zu erklären und dem- «ntsprechend zu beHandel». Wir erinnern hier an die rücksichtslose Strenge, mit der vor einigen Jahren— zu einer Zeit, wo die Industrie schwer darniederlag und das Bedürfuiß nach Arbeits- irüsten gering war.— die Verwaltung des st tt d t i s ch e n Obdachs plötzlich gegen die Berliner Arbeits- und Obdachlose» vorging. Gerade damals wäre äußerste Milde am Platze gewesen. Die Verhältnisse lagen allerdings so, daß man nicht mehr wußte, wo man all' die Obdachsuchendcn unter- -bringen sollte, die infolge der furchtbaren Roth und massenhafle» Verarmung jener Jahre dem Obdach immer zahlreicher zuströmte». iEa aber die städtischen Behörden. Magistrat und Stadtverordneten- Versammlung, trotz der lauten Mahnung der Arbeitervertreter im Notheu Hause sich zu einer energischen Bekämpfung des Nothstandes nicht aufraffen wollten, so blieb nur übrig, dieObdachfrequenz g e w a l t s a m herunterzudrücken. Die Obdachlose» wurden zahlreicher als sonst der Polizei und dem Gericht zur Bestrafung wegen Obdachlosigkeit überwiesen und wanderten als„Arbeits- scheue" ins Arbeitshaus.— Dieses damals geübte Verfahren entspricht freilich ganz den Grundsätzen, nach denen solche und ähnliche Angelegenheiten von unseren Gemeindebehörden erledigt zu werden pflegen. Wo irgend ein Mangel, ein Nothstand zu grell hervortritt, zu laut an Abhilfe mahnt, da versucht man es zunächst mit schroffer Z» r Ü ck iv e i s h» g der unbequemen Mahner und mit künstlicher S ch c i»- E i n d ä>» m n n g des Nothstandes. Ob es sich um Armen- und Krankenpflege oder um das Schulivesen oder um die Lage der städtischen Angestellte» und Arbeiter Händelt,— das Rezept, nach dem dabei verfahren wird, ist allemal dasselbe. Das Schnlbiicher-Monopol stand in der letzten Monatsfitznng des Berliner Lehrervereius zur Besprechung. Verschiedene Maß- nahmen und Verfügungen der Schulbehörden deuten darauf hin. daß die Einführung einheitlicher Lesebücher für größere oder kleinere Bezirks geplant ist. Wir stehen dem Schulbücher-Mouopol freundlich gegenüber, freilich nicht i» der hier zu tage tretenden Form. Für uns. hat das Schulbücher- Monopol dann Werth, wenn es von größereu städtischen Gemeinde», wie z. B. der Schweiz, eingerichtet wird, um der ärmeren Bevölkerung die Lehrmittel für ihre Kinder zu einem billigeren Preise zu beschaffen oder in Ver- biudung und als Folge der unentgeltlichen Abgabe der Lehr- uud Lernmittel überhaupt. Eine derartige Einrichtung hat sich in Zürich z. B. seit 40 Jahren vortrefflich bewährt. Nach dem letzten amtlichen Bericht der Zentral-Schnlpflege hat die Stadt Zürich für gedruckte Bücher, für Schreib- und Zeichenmaterial im Jahre 1S9ö eine Aufwendung von 2M. pro Kind zu machen gehabt. An eine derartige arbeiterfrcnndliche Maßnahme denkt die preußische Uuterrichtsverwaltung selbstverständlich ebensowenig wie die Vertreter des„Freisinns" und der Berliner Stadtverwaltung. Die preußische Schulburcaukratie sticht in der Lesebuchsrage einen ähnlichen Zustand zu schaffen wie er bezüglich des biblischen Geschichteubuches zum Leidwesen aller Betreffende» unter den Augen der Ber- liuer Schulbiireaukratcn seit Jahrzehuten besteht. Die Berliner Schtilen kennen kein anderes Buch für biblische Geschichte als das von Fürbringcr, besorgt von Bertram, dein stätischeu Schul- rath. Dieses Buch hat für Berlin, zwar nicht formell ausgesprochen, aber doch den Thalsachen nach, das unbestrittene Monopol. Für de» Verleger sicherlich ein erfreulicher Zustand, keineswegs aber für die Eltern; denn es giebt billigere und nicht für Schüler und Lehrer, denn es giebt tvcitaus bessere Lehrmittel auf diesem Gebiet. De» gleichen Zustand nun auch in der Lesebuchfrage herbei- geführt zu sehen, kann ernsthaft niemand wünschen. Die Verfasser der Lesebücher würden die Schulräthe sein und der jetzt schon mit- unter ärmliche und tendenziöse Inhalt des hauptsächlichsten Buches im Schulunterrichte dürfte einem noch geistloseren und heuchlerisch- frömmelnden Platz machen. Die im amtliche» Auftrage geschriebene Ergänzung zum Semittarlesebuch läßt uugesähr ahnen, was auf diesem Gebiet an tendenziöser Buchmacherei etwa geleistet werden könnte. Wir stimmen darum dem Berliner Lehrerverei» bei, wenn er sich gegen die amtliche Buchfabrikation wehrt, von der niemand— abgesehen von wenigen Autoren und einigen begünstigte» Firmen— Vortheil hätte; wir wünschen gleich ihm, so lange der jetzige Zustand der freien Konkurrenz ans dem Gebiet der Schul- bücher besteht, eine weitgehende, unbeeinflußte Kritik der neu er- schienenen Bücher. Dagegen halten wir von der Einrichtung von Iluitauschstellen für Schulbücher beim Verzug der Eltern nicht allzu viel. Die Frage der U n e n t g e l t l i ch k e i t der Lehr- -und Lernmittel für alle Schüler darf von der des Schul- bücher- Monopols nicht getrennt werden. Ist � erst einmal die Uuentgeltlichkeit beschlossene Sache, dann ist die Frage nach der Herstellung der Bücher und Lehrmittel nach rein praktischen Gesichtspunkten zu beantworten. Ein Monopol, zu privater Ausbeutung geschaffen, ist eben etwas ganz anderes als ein Monopol, das der Gesammtheit dienen soll. Das Pferdebahn- Monopol füllt nur eiuer nicht großen Zahl von Ztktionäre» die Taschen und ist darum zu bekämpfen, während es als städtisches Monopol für alle zum Vortheil gereichen würde. Beim Schulbücher- Monopol liegen die Verhältnisse ähnlich. Ein Blick auf die Lehr- mittel-Verhältnisse der Schivciz belehrt uns, daß in demokratisch verwalteten Gemeinwesen, in denen die Mitwirkung aller Fachleute auf ihrem Gebiet eine selbstverständliche Voraussetzung ist, das Schulbücher-Monopol das Schreckgespenst nicht zu sein braucht, zu dem es sich unter der liebevolle» Pflege preußischer Schulbureaukraten allerdings leicht auswachse» könnte. Von de» Abgeordnete» der„freisinnige»'' Volköpartci haben, nach dem stenographische» Bericht, gegen die vom Ausschuß beantragte Verbesserung der Gehälter der Elcineutarschullehrer ge- stimmt: Hermes. Lang er haus, Virchow. Dafür hat von den sreisiunigen Abgeordneten nur der in der Westpriguitz ge- wählte M a x S ch u l z gestimmt. Die Ursache» des schweren Eisenbahn-Unfalls auf dem Potsdamer Bahnhof, wo Lokomotivführer und Heizer ihr Leben verloren, dürfen, w-"-rs ein Techniker schreibt, eigentlich als all- gemein bekannt vorc„.setzt werden. Die Bremse, die hier ver- .sagte, war die Vakuum Dampfbreinse, welche auf unserer Stadtbahn noch immer ihr Unwesen treibt. Für die Borort-Bahuen ist längst die Weftinghoufe-Bremse in Anwendung; diese ist so konstruirt, daß wen» sie ihren Dienst versagt, der Zug stehe» bleibt. Die teuflische Vakuumbremse hingegen hat die alte Eigenschaft aller sicheren Bremsen: wenn sie versagt, dann läuft der Zug weiter und richtet das unsäg- liche Unheil an, für das immer nur einer der untersten Beamten, die Leben und Gesundheit aufs Spiel setzen müssen, verantwortlich gemacht wird. Obendrein haben sie zu gewärtigen mit Dienst- entlassung bedacht zu werden, das ist für sie oft schlimmer als der Tod. Nun hätte vielleicht die berüchtigt gewordene Vakilum-Bremse längst abgeschafft werden müssen, glaubt mancher, aber die Beseitigung und Neumontirung der Bremsen kostet Geld, rcnd die Eisenbahn- Ueberschüsse brauche» wir für die Marine. Jedenfalls wird aus Anlaß dieser beide» Todesfälle eine ganz ernst- liche— Durchsicht der Vorschriften für Lokomotivführer statt- finden; mit dieser Durchsicht allein ist aber nichts gelhau, weit wichtiger wäre die Beseitigung der menschenmörderischen Brems- konstruktionen. Was übrigens den in diesem Blatte vor kurzem erörterten Todesfall eines Rangirers betrifft, der in der Finsterniß durch Stolpern zcvischen den Wagenpuffern in der üblichen Weise zermalmt wurde, so ist jene bekannte Finsterniß ein im Eiscnbahnivesen vielfach vorkommender Ucbelstand. Muß man sich schon auf allen kleineren Bahnstationen mit der durstigsten Beleuchtung zufrieden gebe», die das Lesen von Wege weisenden Aufschriften völlig versagt, so bildet die vereinzelte Aufhellimg der Nangiergeleise durch die Nachtlicht- artigen Laternen der Weichenstellen sowohl auf mittleren wie auf kleinen Bahnhöfen eine weit verbreitete Gewohnheit und eine der hauptsächlichsten Ursachen der unzähligen Unglücksfälle. Jene ver- wegenen kleinen Lichter wirken für den Lokomotivführer unter Um- ständen wie Irrlichter und hieraus erklärt sich die Häufigkeit der Unfälle gerade auf Bahnhöfen oder kurz vor ihnen. Dazu kommt der Mangel an hinreichendem Rangierpersonal, der einzelne muß im Nennen geübt sein, um vor der heraueilenden Lokomotive die Weiche herumzuwerfen. Die vielgepriesene Eisenbahnreform, welche auf eine Erspar- n i ß an Personal berechnet war, hat sich schwer gerächt, das Fahren auf preußischen Eisenbahnen ist unsicherer als je zuvor und bei den allermeisten Unfällen stellt es sich klar heraus: die mit juristischem Uebergewicht unweise herrschende Mutter„Sparsamkeit" richtet im Eisenbahnwesen nur Unheil an!— Die Berliner Innungen» deren Zahl nach[dem soeben erschienenen Bericht der Gecverbedepntion des Magistrats Ende März dieses Jahres 63 betrug, dürften sich demnächst um eine vermehren, falls nämlich dem Antrage der„Freie» Vereinigung selbständiger Fleischermeifler" auf Verleihung der Rechte einer Innung statt- gegeben cvird. Au Mitgliedern zählten die Berliner Innungen über 13 406, davon 1173 cveibliche. Die größte Milgliederzahl haben die Schuhmacher-(2311), die Schneider-(1403), die Tischler-(I3SS), die Barbier-(1227) nnd die Weber- beziv. Wirker- Innung(IVSö); die wenigsten Mitglieder zählen: die Schwertfeger-(8), die Zinngießer-(S) nnd die Rechtsbeirather-Jnunng(4). Die Gesammt-Einnahmen der Jmcnngskasseu betrugen im Berichtsjahr ca. 274 400 M.; die Ausgaben 276 780 M. Das Gcsannntvcrmöge» aller Innungen(ausschließlich des Jnnnobilienbesitzcs) bezifferte sich ans 2 563 383 M. Die reichste Innung ist die der Schlächter, welche über ein Kapitalvermögen von nahezu 424 000 M. verfügt, die nächst ihr am beste» sitnirten sind: die Schneider- und Tischler-Junung, welche je ca. 35 500 M. ihr eigen nennen, dann folgen die Innung der Maurer- ec. Meister(mit 31600 M.), die der Barbiere ec.(mit 28 500 M.), der Weber k. (mit 19 100 M.) u. s. w. Ein sehr bescheidener Vermögensstand, nämlich unter einer Doppclkrone, ist bei den Böttchern, Strumpfwirkern, Steinsetzern, Seidemvirkern und Kaucm- machern verzeichnet, doch werden diese scheinbar noch durch die Heilgehilfen, die Rechtsbeiralher, die Bürstenmacher, Dachdecker, Nagelschcniede, Töpfer und Zinngießer übertroffen, bei dcnc» überhaupt kein Vermögen angegeben ist. Lehrlinge, und zwar ins- gesammt 8961, wurden durch 63 Innungen(mit 18087 Mitgliedern) ausgebildet; die meiste» Lehrlinge(1135) cnlsallen auf die Schlosser- Innung. Die Zahl der Lehrlinge überwog diejenige der Jnnungs- Mitglieder bei den Maurer- und Zimmermcistern(433 Lehrlinge), bei de» Buchdruckern(573), Metallgießern(155), den Musikmeistern (285), den Feilenhauern(39), den Messerschmieden(41), den Slein- metzen(74), den Steinsetzern(36) nnd bei den Töpfern(227 Lehr- linge). Von den 45 Innungen, welche für das Lehrlingswesen be- sondere Ansivendnugen machten, wurden nur 21 durch die von den Lehrlingen vereinnahmten Beträge gedeckt. Die Gcsammtznhl der Hörer der Technischen Hochschule in Charlottenburg beträgt in diesem Winter-Halbjahr 3040. Darunter befinden sich eigentliche Stndirende 2210. Die Abtheilung für Archi- tektur zählt 381 Stndirende, die für Bau- Jngenienrivescn 394, Maschinen-Jngenienrivesen 1095, Schiff- und Schiffsmaschinen.Bau 160, Chemie nnd Hüttenkunde 179, allgemeine Wissenschaften 1. Hospitanten hat die ganze Hochschule 580, die Abtheilung für Architektur 211, für Bau-Jiigenienrivesen 23, Maschinen-Jngeiiieurwese» 282, Schiff- und Schiffsmaschinenbcm 29, Chemie und Hnttenknude 27, allgemeine Wissenschaften 3. Zur Annahme von Unterricht sind ferner 123 Per- sonen berechtigt; 127 Personen ist gestattet, dem Unterrichte bei- zuwohnen. Für das Winterhalbjahr wurden 579 neue nnfgenommen, und zwar in der Abtheilung für Architektur 86, für Bau-Jngenienr- wesen 319, Schiff- und Schiffsinaschinen-Bau 33, Chemie und Hüttenkunde 65. Gegen die Alfanzerei der„Jugcndwehren". Den Schülern ist in Br eslau die Betheiligung an den Uebungen der Jugend- wehr verboten worden. Die„Brcslaner Morgen-Zeitung" hatte darauf aufmerksam gemacht, daß die Lehrer an den Leistungen ihrer Schüler genau ersehen konnten, ob sie abends vorher„Soldatchen gespickt" hatten. Die Jungen waren schläfrig, träge nnd nicht vor- bereitet. Es wurde von den Lehrern auch festgestellt, daß die Schul- linder bei dieser Gelegenheit mit dem Kneipenleben bekannt ivnrden. Die Klarstellung dieser Thatsachen erregte mit recht Aufsehen; es wurden Erhebungen darüber angestellt, und das Resullat ist eine Verfügung des Breslaner Polizeipräsidiums an den Gründer der „Jngendivehr", daß für jeden Fall der Theiluahme eines Schülers an den Uebnngen ei» e Geld strafe von 50 Mark angesetzt , verde» wird. In Schöneberg hat man der Jngendwehr amiliche Räume zur Verfügung gestellt. Ter Andrang der Franc» zu den Vorträgen der H n m b o l d l-A k a d e mi e hat stetig zugenommen. DaS läßt auch die Uebersicht dieses Herbstquartals erkenne». Die 79 Cyklen der Akademie werden mit Ausnahme von viere« von mehr oder weniger viele» Damen besucht, und zivar beträgt die Zahl der Frauen in allen Cyklen zusammen 1205. In Berlin besuchen die Vorträge im ganze» 2455 Hörer, die Damen bilden also ungefähr die Halste der gesammten Zuhörerschaft der Hnmboldt-Akademie. Die Frauen verlheilen sich nach den verschiedenen Stadtgegeicdcn in besonderer Weise. Im Westen hören 547 Frauen gegen 906 Männer. im Nordwesten überwiegen die Männer bei weitem, cs hören 1243 gegen 540 Frauen. Im Nordosten giebt es 32 Hörerinnen gegen 161 Männer, im Norden 6 Frauen gegen 33 Männer, im Süden dagegen 77 gegen 117 Männer. Die Thatsache, daß der vor- nehme Westen die erdrückende Mehrheit zu dem Kontingent der törer nnd Hörerinnen stellt, läßt den Schluß zu, daß proletarische reise sich der Möglichkeit beraubt sehe», an den beachtenswerthen Vorträgen der Hnmboldt-Akademie theilzunehmen. Mit dem Nenba» der Charitee ist jetzt, wenn auch vorläufig nur in einzelnen kleinereu Thcile», begonnen worden. In der südwestlichen Verlängerung der Hannoverschen Straße, hinter dem Holz- zäune, wo sich der Eingang zur neuen Charilee befindet, ist das Ueberblcibsel der ehemaligen Berliner Stadimaner, das dort noch erhalte» war, zum theil niedergelegt worden, da aus der Stelle ein neues Pförtncrhaus, neue Stallungen und Wirthschaflsgcbände er- richtet werden sollen. Ferner ist nebe» dem jetzigen Psörtnerhanse der neuen Charilee der Bau einer neuen großen Küche in Angriff genommen, während iveitcrhin, am illlexandernfer, das neue patho- logische Institut der Charitee schon bis zum zweiten Stockwerk auf- geführt ist. Im nächsten Frühjahr werden dann das Dircklorial- gebände an der Luisenstraße und ein Flügel der neue» Charitee ab- gerissen werden, um Neubauten Plaß z» machen. Von« Elend der Postunterbcauitcn. AuZ Trier wird be- richtet: Große Befriedigung erregte in dem hiesigen Schwurgerichts- saale der Freisprnch der Geschworenen für einen im vollen Um- fange der Anklage g e st ä n d i g e n Angeklagte». Es war dies der Landbriefträger Johann Dackcndorf aus Olk, der der Unter- schlagung von amtlichen Geldern beschuldigt war. Der Angeklagte war anfangs in Pronsfeld mit 1,20 Tagegeldern nnd später in Merzig mit 700 M. Jahresgehalt angestellt. Da er nach Erhebung seines ersten Monatsgehalts von 64 M. ein Darlehn von 60 M. zurückgezahlt hatte, blieben ihm noch für den Monat 4 M. für sich und seine»»bemittelten Eltern übrig. In seiner Bedrängniß wandte er sich an die Kasse des Post-Spar- nnd Vorschußvereins, bei welcher er 167 Einlagen hatte. Nach dem Stalict mußte ihm die Summe über 50 M. auf sein Verlangen zurückgezahlt werden, allein durch Mißverständnisse seitens des zuständigen Post- dircktors konnte er nicht zu seinem Gelde kommen. Nun mich er vom rechte» Wege ab nnd unterschlug in seiner Roth arntlich ihm anvertraute Gelder, die jedoch später sämmtlich zurückerstattet wurden. Der als Zeiige verhörte Postdirektor Weidehase gab selbst z», daß eine Unterschlagung wohl kaum vorgekommen wäre, wenn man dem Angeklagten das ihm zustehende Geld ausgezahlt hätte. Der Ver- theidiger bezeichnete den Angeklagten als ei» Opfer der biirean- ktatischen" und reglementswidrigen Behandlung seilens des Post- direktors. Die Geschworenen schloffen sich dieser Ansicht an nnd sprachen den Angeklagten frei, Der Eiscnbahnminister hat den zwischen der königl. Eisen- bahndirektion und dein Magistrat abgeschlossenen Vertrag genehmigt, der die Anlage einer neuen Slation für den Riicgbahn- nnd Personen- verkehr ans dem Bahnhof Moabit, sowie die Anlage einer neuen Vororlstation für den UebergangSverkehr ziviichen der Berliner Ringbahn und der Vorortbahn Berlin— Spandau bezweckt. Mit dein Bau der an der verlängerten P n t l i tz st r a ß e anzulegenden Station soll sofort begonnen werden. In Verbindung damit soll gleichzeitig mit der Herstellnng einer hölzernen, vier Meter breiten Fußiuegüberführung über den mit Gleisanlagen bedeckten Bahnhofs- theil, die den Zugang zu den Stationen bilden soll, begonnen werden. Die Kosten trägt die Stadtgeineinde, die an die Eiseiibahn- direktion jetzt eine» Vorschuß von 30 000 M. zu zahlen hat. Einer scharfen polizeilichen Ucbcrwachnng unterstehen sei einiger Zeit die in Berlin ansässigen g a l i z i s ch e» und rufst' scheu Händler, die sich vorzugsweise mit der Einfuhr von Nnhrinigsmitleln, Eiern, Butler, Krebsen u. f. w. befassen. In den letzten Wochen haben mehrere Answeisungen solcher Handelsleute statlgeslinden, die während ihres Aufenthaltes in Deutschland in irgend einer Weise gegen das Strafgesetz sich vergangen haben. Die Strafsache gegen die Hebainme und Masseurin Schwarz ans der Passauerstraße, welche in Gemeinschnft mit ihrer Tochter verhaftet wurde; ist noch innner nicht zum Abschluß gelangt. Neben den unter ßZ 217/13 fallenden Straflhaten iverden de» beide» Frauen noch eine ganze Reihe anderer Delikte zur Last gelegt. Die Sch. unterhielt nämlich ein Heim für weibliche Personen, ivelche für einige Zeit zurückgezogen zu leben sich genöthigt sahen. Gegen eine Anzahl dieser Pensionärinnen hat sich mm die Sch. schwer vergangen, einzelne von ihnen sowohl eingesperrt, wie auch hungern lassen, ebenso Briese und Gelder unterschlage». Die Geschädigten haben aus Gründen erklärlicher Schani über die Dinge geschwiegen, die täglich in dem Pensionat vor sich gingen. Endlich brachte aber eine von ihnen die Sache doch zur Anzeige; hieraiif erst kam mau den übrigen Schandthaten der beiden Frauen auf die Spur. Eine Sammelliste zur Konnrnmalwahl des ersten Berliner Reichstags-Wahlkreises Nr. 19 ist verloren gegangen. Es ist 1,50 M. darauf gezeichnet. Parteigenosse», ivelche» die Liste zum Zeichnen angebolen wird, wolle» dieselbe anhalten lind an de» Unterzeichneten abliefern. Christian Bahn, Friedrichstr. 19. Hof III bei Reibe. Ein schtvcrcs Brandnnglncr, bei dem drei Personen ihren Tod fände», während noch drei. Personen sehr schwer und drei leichter verwiludet wurden, ereignete sich Dienstag Nachmittag gegen 4>/s Uhr Schönhauser Allee 78. Dort befindet sich im Seitenflügel auf dein dritten Hofe und zwar im Parterregeschoß die Fabrik der Firma Israel, die Kohlenznnder und bengalische Streichhölzer an» fertigt. Beim Ausschütten einer größeren Onantilät Streichhölzer entzündeten sich dieselben nnd explosionsartig verbreitete sich der Brand im Nu über den ganzen Fabrikraum. Von der zur Zeit in der Fabrik anivesenden Persone» gelang es nur einigen, ungefährdet ins Freie zu kommen. Die sofort in großer Stärke alarmirte Feuer- wehr holte mehrere Vernngluckle aus de», Feuermeer. Drei Per» s o n e» waren l o d t und zwar der'Arbeiter Karl K r i e h», Stargarderstr. 73 und die 18jährige Ida Wendisch, Pappel-Allee 121 wohnhast. Ein drittes, gleichaltriges Mädchen, das ebenfalls den Tod fand, konnte bis jetzt nicht rekoguoszirt iverden. Außerdem sind drei erwachsene Mädchen sehr schwer verbrannt. so daß an ihrem Aufkommen gezweifelt wird. Der Besitzer der abrik sowie ein Man» n»d eine Frau sind leichter verletzt. Die erlehten wurden nach der Unfallstation in der Schönhauser Allee gebracht. Die Feuerwehr ging mit einer Dampf- und zivei Druck- spritzen gegen das Feuer vor und beschränkte es auf den Parterre- rainn, ivährend die darüber liegende Orgelfabrik nur wenig in Mit- leidenschast gezogen wurde. Bon der Polizeiwache. Der Droschkenkutscher Luckow war in der Nacht zum Dienstag wegen eines geringfügigen Versehens von einein Schutzmann in der Lynarstraße sistirt und in völlig gesundem Zustande aus die in dieser Straße belegene Polizeiwache gebracht worden. Sein Zustand nach erfolgter Entlassung wird in folgendem ärztlichen Atlest dokumentirt:„Heule Nacht gegen 1'/, Uhr koilnut der Droschkenkutscher Hermann Luckow, Planlagenstr. 40 wohnhaft. zu mir behnss AnssteUung eines Attestes. Er behauptet, mehrere Fanstschläge und Fußtritte erhalten zu haben. Ich sehe ans der rechten Stirnseite eine handtellergroße blulnnterlaufeiie Hanlparlie, die rechte Ohrmuschel ist eingerissen und ge- röthet, der Nasenrücken stark geschwollen und blutunterlaufen, desgleichen das rechte Auge, welches mich Blutergüsse unter der Augen- bindehant zeigt. Die Oberlippe ist eingesprungen und zeigt starke Schwellung. Außerdem sind kleine Rißwunden an beiden Hand- rücke» zu bemerken; diese Verletzunge» können sehr ivohl von den angegebenen Faustschlägen nnd Fußtritten herrühren. An den Ober- schenkelii, welche durch Fußtritte ebenfalls mißhandelt sein sollen, ist noch nichts zu bemerken.(Folgt die Unterschrist die Arztes.) Zum Polizeikampf gegen die Anarchisten. Nicht die n e n e st e N u m>» e r des„Sozialist", sondern die Nnmiuer 46 vom 11. November wnrde am Montag früh 8 Uhr ans Antrag des Staatsanwalts in Frankfurt a. M. beschlagnahmt. Gehaussucht ivurde beim Redakteur nnd Expedienten, aber nichts gefunden. Ans der Expedition fiele» ca. 200 Exemplare in die Hände der Polizei. Ein Ehedrama. Das„Kleine Journal" meldet: Gegen eine Dame ans unseren ersten Gesellschaftskreisen ist eine gerichtliche Untersuchniifl eingeleitet worden. Das frühere Dienstmädchen der etwa fünfzigjährige» Frau, die Mutter mehrerer Kinder ist, hat die Anzeige erstaltet, daß seine Herrin versucht habe, ihren Gatte» zu vergiften. Das Anerbieten, gegen eine hohe Belohnung das Ver- brechen zu vollbringe», will das Mädchen entrüstet zurückgewiesen haben. Einige Tage darauf trug sie zur � gewohnten Nach- inittagsstnnde die Kaffeemaschine in das Zinuiier des Rentiers, der schon seit längerer Zeit getrennt von seiner Frau die Mahlzeiten einznnehmen pflegte. An der Thür zu dem immer soll nun die Dame die Karaffe mit Wasser vom adlet heruntergenonnncn, die Kaffeemaschine mit Wasser gefüllt und gleichzeitig aus einem Fläschehe» mit einer schwarzen Gist- etikeste eine Flüssigkeit hineingegossen haben. 2lls»iln das Mädchen sich weigerte, das Kaffeegeschirr dem Herrn zu bringen, will es von der Dame ohne weiteres in das Zinimer geschoben worden sein. An der Verwirrung des Mädchens»nd dem Unistande, daß die Karaffe mit Wasser fehlte, dagegen die Kaffeemaschine schon gefüllt war, merkte der Rentier, daß nicht alles>» Ordnung sei, er schöpfte Ver- dacht und bereitete sich diesmal nicht, wie dies stets zu geschehen pflegte, selbst den Vesperlrmik. Die Frau wie das Dienstmädchen befinden sich in U»lers»chimgshaft. Etue» Mordversuch wegen verschmähter Liebe hat am Montag Abend 7 Uhr der 23jährige Bäckergeselle Fritz Salmh ans das Dienstinävchen Luise Pfeffer gemacht, das in der Weinhandlnng von Ewest im Hause Geiithinerstr. 7 im Dienst steht. Es wnrde durch das Fenster der Küche, wo die Pfeffer mit dem kleine» Sohn ihres Dienstherr» Krause saß, ein Schuß in das Innere abgefeuert. Das Geschoß durchbohrte das Glas des Fenslers und die Gardine, verfehlte aber sei» Ziel und ist auch bisher nicht aiifziifiiide» gewesen. Der Schütze wurde beim Nachsuchen nicht mehr aiigetbosfe». Nach der Aussage von Augenzenge» hat Salulh eine» Schuß mit einem Revolver auf das Mädchen abgegeben und ist dann eiligst ge- flohen. Die Kriminalpolizei hat sofort Nachforschungen nach dem ivohiiungslose» Verbrecher vorgenoinmen und namentlich auch in den Bäckcrherbergen nachgefragt. Vis gestern Vormittag war Salulh noch nicht eingeliefert. Er mar erst im Herbst vom 26. Infanterie- Regiment in Posen zur Reserve entlassen worden. Durch Einsturz rlucS iinr schwach befestigten GcriistcS sind gestern Bormittag drei Maler verletzt worden. Sie waren mit dem Anstreichen eines neuen Schuppens ans der Giiterabsertigmig?- stelle des'Anhalter Bahnhofes beschäftigt, als daS Gerüst zur Seile »iederbrach und die drei mit hcrabriß. Die sofort benachrichtigte Unfallstation 1, Wilhelmstr. 10, entsandte zwei Aerzte mit zwei Wageisinach der Unfallstätte in der Möckernstraße. Der eine Maler konnte gleich wieder entlassen werden, da«r nur unbedeutenden Cchaden genommen hatte. Der zweite Verletzte, namens Gergelow, winde mit einen» Nothverlmnde in fast hoffnungslosen» Znstande nach der Charitee geschafft, und der Maler Bartz, der mehrere Knochenbrüche, darunter einen Obnschmlelbruch, sich zugezogen hat, »vird in der Unfallstation selbst behandelt. Ucbcr die Explosion eines Bierfasses macht die Polizei folgende Mitlheilnng: Btit lautem Knall und großer Flammen- und Ltauchentiviekelung explodirte am Montag Vormittag in die Slktien- brauerei Friedrichshain beim Pichen ein etwa 6S Hektoliter fassendes Lagerfaß. Der Böttcher Hermann Pärschke hatte heißes Pech in das Faß gieße» lassen und dann,»vie üblich, einen glühend gc- »lachte» Kolben zum Ausbrennen in das Pech hineingestoßen. Es eutivickelte sich nun eine außergewöhnlich große Flamme, und da die Gase nicht schnell genug entiveichcn konnten, erfolgte die Explosion, bei der beide Böden des Fasses herausgeschlendert»vurde». Dnrch de» Luftdruck»vurde Pärschke zu Boden geschlendert und erlitt eine Verletzung der rechten Gcsichtshälfte sonne einige Abschürsunge». Sfnf eilten» Apfelrest ist in der Großen Hainburgcrstraße am Montag Abend ein 43 jähriger Mann ausgeglitten und schtver ver- unglnckt. In einem Krankenhause,»vohin man ihn brachte,»vurde ein schwerer Bruch des linken Oberschenkels festgestellt. Das Messer. Gestern Nacht wurde der Schiffer Paul Dorn ans seinem an der Kleinen Stralanerslraße liegenden Kahn durch einen anderen noch nicht ermittelten Schiffer bei einem Streit durch einen Messerstich an der linken Hand verletzt. Dorn sprang aus Furcht vor»veiteren Gewaltlhätigkeilen seines Gegners in das Wasser,»vurde jedoch von dem Boolsinann eines benachbarte» Kahns gerettet. Das Elend in der Reichshauptstadt. Das neue Aspl für Obdachlose in der Wiesenstraße»vird jetzt trotz der verhnllnißmäßig milden Witterung doch täglich schon von über 700 Personen besucht, ist also stets überfüllt. Bereits Nachmittags um 3 Uhr,»veii» die Kroße Aufnahmehalle des Asyls geöffnet»vird, finden sich die Obdachlosen in großen Schaaren ein, um sich eine Lagerstätte in den Schlasräumen zu sichern. Derselbe Andrang findet bei dem F r a« e n- A s y l in der Füsilierstraße statt, das durch Anbauten bedeutend erweitert worden ist und eine neue Verivallung erhalten bat. Die 150 Betten, welche sich zur Zeit in dem Frauen-Asrsi de- finde», sind jede Nacht sämmtlich belegt. Auch ist das Elend bei de» hier Unlerknnft suchende» Frauen und Kindern, von denen manche buchstäblich kein Hemd auf dem Leibe haben, noch»veit größer, als bei den Männern. Zur Linderung dieser Roth sind leider»nilde Gaben in diesem Herbst nicht so zahlreich geflossen,»vie früher! AuS LiebeSgram den Tod gesucht hat das 20jährige Dienst- Mädchen Ida S., Zimmerstraße 69 bedienstet. Das als äußerst fchinnck und sittsam geschilderte Mädchen stammte aus Oeslerreich, »var nicht nnbemittelt, und stand seit mehrere» Jahren im Dienst ihrer jetzige» Herrschaft. Es hatte die Bekanntschaft eines Hantboisten gemacht, der ihr angeblich die Ehe versprach und auch Ansprüche an ihren Geldbeutel gestellt hatte. Bor kurzem suchte der Bräutigam das Verhältniß zu lösen,»vas sich das Mädchen so zu Herzen nahm, daß es sich mit Selbstmordgedanken trug. Dienstag gegen Abend führte die S. ihren Vorsatz ans, in dein sie von dem Bode» auf den Hos hinab sprang und todt liegen blieb. Wie verlautet, hat die Polizei zivei vorgefundene Briese des Bräutigams an seine Braut beschlag. nahmt.— EbenfaNs ans Liebesgran» erschoß sich gester»'Abend gegen 8 Uhr ei» junges Mädchen in der Wohnung ihres Bräiltigams Usedoinslr. Ib. Theater. Im Schiller-Theater kommt»norge» zum ersten Male „Vonina ffiamni", Trauerspiel in 4 Aufzügen von Paul Heysc. zur Auf- führung. Die Besetzung der Hauptrollen ist folgende: Asdrubale Vanini Julius Eyben, Vanina Hcdlvig Pauly, Ccsare Savclli Max Laurence, Livio Savelli Willy Froböse, Ginlia Colonna Grete Meyer, Marco Vadoni Elvald Bach, Beppina Paula Lcvcrinanu. Heute findet noch eine Wieder- holung der Posse„Kyritz-Pyritz" statt.— Die an» Donnerstag im Ostend- Theater zum ersten Male in Szene gehende Novität von Oskar Klein „Leben und Lieben" beginnt um 8 Uhr.— Neues O l n m p i a- R i e s c n- t h e a t e r. Der iimere Ausbau der Bühne und des Zuschauerraumes ist nunmehr fast beendet, so daß die Eröffnung des Theaters bestimmt für den 1. Dezember festgesetzt ist. Atts de» Nachbarorten. CharlottenbnrA. Heute, abends 8 Uhr, findet die General- versaimnlung des Sozialdemokratischen Wahlvereins für Teltoiv- BeeSkoiv-Storkoiv-Charlottenburg in Bisniarckshöhe, Wilmersdorfer- straße 39, statt: Wir»nachen die Mitglieder auf diese Versammlung besonders aufmerksam. Die polizeilichen Einrichtungen für die neue Stadt Schöne- berg betreffend, ist jetzt die amtliche Mitlheilnng des Reglerungs- Präsidenten zu Polsdan» eingetroffen, nach ivelcher die vor kurzem gebrachte Nachricht in der Hauptsache sich bestätigt und nur in einigen Pnnkle» von de» getroffenen Bestimmungen des Ministers des Innern abiveicht. Es sollen»äinlich die bau-, geiverbe-, feuer- und schulpolizeilichen Angelegenheile» der städtische» Verwaltung »iberiviesen»verde»». Dagegen sollen die Sicherheits-, Kriminal-, Sitten- und Sanitätspolizei vollständig unmittelbar dem Berliner Polizeipräsidium unterstehe», weshalb die zu bildende» vier Polizei- reviere als.Polizeihaiiptmannschaft Schönebirg" ganz dem Berliner Polizeisyslem angeschlossen»verde»» soll. Aus Rixdorf. In» Verlaufe eines ehelichen Streites versuchte der Ringbahustraße 16»vohnhafte Kansmann Max Dübel am Montag Abend seine Ehefrau zu erschießen, doch gingen die Schüsse fehl. Hausbeivohner eilte» herbei n»d»vollten dem D. die Waffe entreißen,»vobei dieser auch auf die herbeigeeilten Personen schoß, glücklicheriveise aber niemand traf. Nunmehr wurde ein Gendarm benachrichtigt, ivelcher den Revolverhelden in Untersuchungshaft nahm. Der gefundeue Daninen. Eine eigenartige Wilddiebsgeschichte bat sich,»vie der„9l»z. f. d. Havelland" berichtet, unlängst in der Nachbarschaft von Spandau zugetragen. Bor einige» Tagen ließ sich ein bäuerlicher Besitzer aus Wansdorf in» dortigen Krankenhause wegen einer Handverletznng airsnehmc»; er gab a», daß er sich de» Damnen der rechten Hand, ivelcher fehlte, in feiner Wohnung aus Versehen abgeschossen habe. Dies erfnhr der zuständige Reviersörster, der um dieselbe Zeit in den Besitz eines herrenlosen Daumens ge- »athe»»var, den er im Walde bei einem erlegten Hirsch gesunde» hatte. Von diesem Stück Wild hatte er den Wildschütze», der das Thier eben ausweide»»vollle, durch seine Annäherung verscheucht. Eine gleich darauf i» den» Hause des Bauern vorgenommene Diirch- snchnng bestätigte den Verdacht, daß dieser geivildert hatte. Ein äußerst frecher Diebstahl ist am Montag Abend in der Pistoriusslraße 9 zu Weißensee bei dem dort im Parterre»voh», enden Schuhmacher Böse verübt»vorde». Frau Böse hatte sich am Abend ans einige Augenblicke ans der Wohnung entfernt. Bei ihrer Rück- kehr kam ihr ein Mann mit schivarzem Vollbart entgegen, der ihr eilig ein Kleidungsstück über den Kopf»varf lind dann ans dem Hause stürmte.'Als die Frau sich von ihrem Schreck erholt hatte. wurde sie geivahr, daß ihr 62,76 M., die nicht ihr Eigen lhnm waren, fehlten. Man glaubt, dem Diebe auf der Sp»r zu sein. Die Be- stohlene ist durch den Diebstahl i» eine bedauernswerthe Lage geralhen. AlS mnthmaßlicher Mörder de? Barbiers Liepack ,» Marieniverder bei Zcrpenschleuse ist der 29 Jahre alte Schiffer- Aug n st H n p i a n s von dem Marienwerder Gendarmerie-Wacht- nieisler festgenommen und nach Liebenwalde i» Untersuchungshaft abgeführt»vorden. Der Mörder hat seinem Opfer»nit einem stumpfen Gegenstande zivei Schläge auf de» Hinterkopf und dann einige Hiebe in die linke Schläfe versetzt und ihm eine ganze Reihe Zähne ausgeschlagen. Nach der gerichtsärzlliche» Oeffnung durch den Kreisphysikus ist die Leiche am Todlen- Sonnlag beerdigt »vorden. I» der erste» Kemeindeschule»»« Charlotteuburst wurde am 16. September der 9jährige Schüler E. Polsin von seinem Lehrer »veaen Uiiansmesksomkeit in ganz ungehöriger Weise gezüchtigt. Der Schüler sagte ein Rechenexeinpel nicht richtig her. Darüber gerieth der Lehrer dermaßen in Entrüstung, daß er den Knaben rückivärts über die Schillbank drückte und mit der Faust gegen den Kinnbacken desselben schlug. Die Folgen dieser Behandlung mögen durch nach- stehendes Attest illustrirt»verde»: „Erich Polsin, 9 Jahre alt, sah ich ain 13. d. M. in meiner Sprechstunde. Er hatte eine gleichmäßige Schivellnng in der Gegend beider Kieferivinkel, besonders des linken. Verfärbung der Haut konnte ich nicht finden. Etwas unterhalb der Schivellnng waren auch unbedeutende Drnsenschivellunge» zu konstatire». In- dessen standen dieselben in keinem Verhältnisse zu der Stärke der allgemeinen Schivellnng. Die Art der letzteren und die Klagen des Knaben über Schmerzen spreche» dafür, daß eine Mißhandlung voran- gegangen ist, und halle ich die Angaben des Knaben, daß die Verletzung mit einem Taschenmesser geschehe» ist, für richtig"(folgt die Unterschrist des Arztes). Der Lehrer erschien,»achdem er von dem Befinden des Knaben gehört hatte, in der Wohnung der Eltern und versicherte unter aller- ha»d Entschuldigungen, daß er gar nicht geglaubt habe, daß die Züchtigung derartige böse Folgen zurücklassen»vürde. Eine sellsame Auffassung. Der Kopf eines Kindes ist doch kein Ambos. Oder doch?— Fluchtiger Kanfmann. Die Tuchhandlimg Johannes Dähne, C. F. tltödiger Nachf. in Polsdam, hat die Zahlungen eingestellt. Der Konkurs ist bereits eröffnet. Der Gcmeinschnldner ist nnter Mitnahme nicht»nbedeuleuder Summe» stüchtig. Wie der„Konfekt." miltheilt, sollen Waaren von 18t) ovo Mark lombardirt sei». Die Bücher geben keine Uebersicht, so daß die Höhe der Verbindlichkeiten noch nicht angegeben»verde» kam». Soziale Vedzkspflejge. Znr Kennzeichnung der ostelbischen Zustände. Eine» interessanten Rechtsstreit gegen die posensche landivirthschaflliche Verufsgenossenschnst hat jetzt das Reichs-Versichernngsamt beendet. Zivei'Arbeiter eines Gutes in» Kreise Obernigk geriethen während der Arbeitszeit ans dem Felde in Streit. Der Gutsinspektor schlug darauf auf die Streitenden ein, der ländliche'Arbeiter Piolerek, der sich in der Nähe befand, suchte ihn jedoch daran zu hindern,»vas zur Folge hatte, daß der Inspektor sich jetzt gegen ihn»vandle. Die Arbeit»vurde dann fortgesetzt. In der Mittagspause, ans den» Wege nach der Wohnung, trat der Inspektor an Pioterek heran und n ahte ihm Vorivürse darüber, daß er sich vormittags in den Streit hnieingemischt habe. Es kam zu einen» nicht ganz ruhigen Wortivechscl, in dessen Verlauf der schlagfertige Inspektor seinen Stock erhob, in»,»viedcr zuzuschlagen. Pioterek wollte sich mit seiner Sense znr Wehr setzen, im selben Augenblick zog der Inspektor einen'Revolver»nd feuerte ans seine» Gegner. Sch»ver verletzt stürzte P. z» Boden. In der Folge blieb er i» hohen» Grade eriverbsnnfähig. Er beanspruchte demnächst eine Unfallrente,»vurde aber von der Äerussgenoffenschaft mit der Begründung abgeiviese», daß ein Unfall beim Betriebe nicht vorliege. Kläger legte Berns»,»g ein und machte gellend, derartige Streitigkeiten käme» in der fragliche» Gegend häufig vor. Die Arbeiter müßteii auch gegen solche Ge- fahren geschützt»verde». Das Schiedsgericht erkannte jedoch eben- falls zu seinen Ungunsten. Das Reichs- Äersichernngsamt hat »»»» die Vorentscheidungen aufgehoben und Pioterek die Unfall- rente zugesprochen. Zur Begründung führte Präsident Gäbet ans, daß in dem Uniall ein landivirthschaftiicher Belriebsnnfall zu sehen sei. Der ursächliche Zusammenhang mit dem Betriebe sei insofern vorhanden, als der'Anlaß zu dem Unfälle in dem Streit auf den» Felde liege, der»viedernm mit der Arbeit der Leute eng zusammenhänge. Auch sei anznnehnien, daß sich der Kläger»och im laiidivirthschasllichen Betriebe befunden habe, als er vom Jnspeklor zur Rede gestellt»vorden sei, zumal er nur eine Eßpause habe machen »volle». Es hätte sich nur»in eine kurze Unterbrechung der Arbeit gehandelt, nicht um ihre Beendigung. Gvviilzks""ÄeikunA. Ter Schutz»» in»»» Paul Zachotv stand gester» unter der An- klage der Mißhandlung in» Amte vor der nennten Straf- kainmer des Landgerichts I. An» 2. Inn» d. I. nachmittags halte sich der Arbeiter Oskar Schulze in der Thnrnische eines Hauses in der Kurstraße niedergesetzt; er soll angeblich den Ha»sci»ga»g versperrt habe». Er»vurde von dem Angeklagten aufgefordert, den Eingaiig frei zu geben, thnt dies auch, soll sich dann aber auf die Granitplatten gestellt»lud— schrecklich— dem Angellagle» de» Zigarrcndampf ins Gesicht geblasen haben. Der Angellagte forderte den Schulze hierauf ans. ihn» zur Wache zu folge» und faßie ihn beim Arm. Schulze riß sich los und nun hat der Angeklagte ihn mit gezogenem Säbel verfolgt und ihm eine» scharfen Säbelhieb über den Kopf versetzt, so daß der Hut glatt durchschlage» und dem Schulze eine 6 Zeiitimder lange Kopfverletzung beigebracht»vurde. Die Wunde war nicht lebensgefährlich, der Verletzte mußte jedoch nach der Unfallstation gebracht»verde» und ist vierzehn Tage nrbeits- unfähig gewesen. Der Angeklagte bestritt zuerst, den Säbel gc- zöge»»nd den Schulze damit geschlagen zu habe»; er behauptete, daß bei der Verfolgung ihin der Säbel ans der Scheide gerutscht sei(!) und er da»» ans de» znr Erde gestürzten Schulze hinauf- gefallen sei. Schließlich aber»var der Angeklagte so liebensivürdig, die Möglichkeit, mit dem Säbel geschlagen zu habe», zuzugeben; cr führte z» seiner Eutschuldignng an, daß er sehr erregt gewesen sei. — Der Slaalsainvalt meinte, daß,»venn auch der'Angeklagte glauben konnte, durch Schulze fchiver gereizt»vorden zu sein, er doch nicht das Recht habe, in einem solchen Falle ohne zivingende Gründe mit der scharfe» Waffe zu schlage». Jminerhin seien ihm nach der ganzen Sachlage mildernde Umstände zuzubilligen und des- halb beantrage er nur 60 M. Geldstrafe. Der Rechtsamvalt W r o n k e r führte für den Angeklagte» eine ganze Reihe mildern- der Umstände ins Feld und»var geschmacklos genug, zu sagen, daß dein Schulze für sein den Schutzina»» in begreisliche Erregung ver- setzendes Benehme»» innuerhii» eine Tracht Prügel zu gönne n ge> »vesen sei— freilich nicht mit dem Säbel.— Der Gerichtshof ver- urtheilte den Angeklagten unter Zubilligung mildernder Umstände wirklich nur zu 60 M. Geldstrafe eventuell zehn Tagen Ge- fängniß! Eine blutige Schlägerei beschäftigte gestern die zweite Straf- kammer des Landgerichts I. Der Schneider Zlugnst B r i e f e war der fchivere» Körperverletzung in 2 Fällen, sowie der Bedrohung »nd der Beleidigung beschuldigt. Durch die Beweisaufnahme ergab sich folgender Sachverhalt: Der Angeklagte ist Eigenlhümer eines Hauses in der Augnststraße. Als er am Abende des 6. September init seiner Ehefrau nach Hause kam, erregte es sein Mißfallen, daß die Gasflamme auf dem Flur»och nicht ausgelöscht ivar, obgleich es nach 10 Uhr»var. Er begab sich in die Wohnung feines Portiers Wiedoiv, traf dort aber nur dessen Ehefrau an, der er heftige Vorivürse»nachte. Die Frau entgegnete, daß es soeben erst 10 Uhr sei,»vurde aber unter Schimpfivortei» von dem Angeklagten znr Ruhe vcriviesen. Frau Wiedoiv holte ihre» in der Nachbarschaft befindliche» Ehemann,»velcher von dem Angeklagten ebenfalls be- schimpft»vurde. Beide Männer rangen miteinander. Plötzlich lief der Angeklagte davon, er eilte»ach den» Hofe, nahm einen Hammer und kehrte, mit diesem Instrument beivaffnet,»ach den» Flur zurück. Er versetzte jetzt den» Wiedoiv eine» Schlag mit d e m H a n» m e r gegen de» Kopf. Stark blutend sank der Getroffene z» Boden. Der Angeklagte»varf sich über ihn und»vollle seine Mißhandlunge» fortsetzen; in diesen» Augenblick eilte aber der im Hause»vohnende Arbeiter Henke hinzu und suchie de» Angeklagte» von Wiedoiv herunterzureißen. Briese hatte dc» Hammer noch in der Hand, er wandte sich rückwärts und versetzte dem Henke ebenfalls einen Schlag vor die Stirn. Dieser flüchtete nach seiner Wohnung, verfolgt von den, Angeklagten, ivelcher»viederholt rief:.Hund, ich schlage Dich todt!" Henke hatte ebenfalls eine schwere Verletzung«litten, er wie Medow haben große Narben an der Stirn. Sie sind längere eit arbeitsnnsähig gewesen. Der Vertheidiger, Rechtsanivalt r. Schwindt, halt« viele Zeugen laden lassen,»»Iii zu beweisen.: daß auch der Pförtner Wiedow ein zu Gewallthätigkeilel» neigender Mensch sei. Der Staatsanwalt erachtete dies als umvesentlich, im vorliegenden Falle sei der Angeklagte der Angreiser gewesen, der sehr leicht einen Todlschlag hätte begehen könne». Er beantragte gegen denselben f ü» f Monate Gefängniß und 30 M. Geldstrafe. Der Vertreter des verletzten Henke, der als Nebenkläger zugelassen »var, R.-A. Dialosezinsky, schloß sich dem Antrage des Staats- amvalts an. Der Gerichtshof folgte insofern den Ausführungen des Ver- theidigers, als von der Verhängnng einer Freiheitsstrafe Abstand ge- nomiiien»vnrde. Die Gcldstrase müsse aber eine hohe sein, sie sei aus 600 M. bemessen»vorde». Tie Frage, ob ein Polizist das Recht hat, ein ö f f e» t- I ich es Lokal, in»velchem eine Privatgesellschaft ein Vergnügen abhält, zu betrete»,»st gestern vom Reichsgericht im ver- »einenden Sinne entschiede»»vorden. Der Polizeikoiinnissar Pflanz in Aachen»var dort in Uniform auf einem von der Gesellschaft „Erholung" veranstalteten Ball erschienen und halte das Lokal trotz mehrmaliger Aufforderung nicht verlasse». An dem Vergnügen hatte»»nr Mitglieder des Vereins und solche eingeführte» Gäste theilnehnien dürfen,»velche eine Eintrittskarte zu 3 M. gelöst hatten. Der Polizeikoiinnissar»vnrde»vege» Hausfriedensbruchs zu 40 M. Geldstrafe verurlheilt, und das Reichsgericht,»velchcs gestern über die Revision des Angeklagten zu entscheiden hatte, er- kannte auf V e r>v e r f» n g des Rechtsinitlels. Der Reichs- amvalt betonte, auch öffentliche Bälle dürfte» ohne Eintrittskarte nicht betrete»»verde». Wenn die Revision behaupte, es sei gar nicht festgestellt, daß der Angeklagte beim Eindringen in den Saal ein Hinderniß Aberivnnden habe, so sei darauf hinziiiveise», daß nach der Rechtsprechung des Reichsgerichts die Uebenvindnng eines Hindernisses für de» Thalbestand des Hausfriedensbruches nicht er- forderlich sei. Tcv� angeklagte Pnttkamcr, Landraih des pommerschei» Kreises Stolp(stehe gestrige Nummer)»vnrde vom Amtsgericht Slolp trotz der offensichtlich beleidigenden Form der von ihm ergangenen Verfügung freigesprochen, indem ihm, gleich dem Freiherr» v. Stmnm, das Gericht Wahrung berechtigter Interesse» znnkannte. Für andere Staatsbürger pflegt es oslmals nicht so angenehm abzugehen. Z» fünf Jahre»« Gefängnist ist der Anstreicher Karl Will gestern vom Schivnrgericht II verurlheilt»vorde». Er»var am 18. Juli d. I. in einem Tanzlokale in Schöneberg»vegen eines Mädchens in Streit geralhen»nd halte i» der Wuth den Kutscher Grnh» derart mit einem Messer zugerichtet, daß dieser»ach»veiiigen Augenblicke» starb._ Versa mmltmsem In einer össcutlichen Kommunaltvähler Versammlung, die für die Wähler des 38. Bezirkes am 22. November bei Täger in der Gartcnstr. 13/14 tagte, referirte Genosse Fritz Z n b e i l unter Beifall der Versannneltcn über die Bedentmig der Stichwahl für die arbeitende Bevölkerung. Gegner meldeten sich ans?Iuf- sordernng des Vorsitzende» nicht zum Worte. Nach kurzer Kritik eines liberalen Flugblattes seitens des Referenten erfolgte die Ans- sordernng zur angestrengteste»» Agitation unter den sänniige» Ge- nossen für Betheiligung an der am Freitag stattfindenden Stichwahl. Die Stockarbeitrr hielten am Montag eine öffentliche Ver- sammlung bei Stecherl, AndrcaSstr. 21, ab, in der zunächst die Agi« tationskomniisflo» über ibre Thätigkeit berichtete. Nach diesem Be- licht haben im lctzien Geschäftsjahre 6 Arbcilscinstellunge», tkcils »vege» Lvhnreduzirnngen und Maßregelungen, theils zwecks Ver- kürziiiig der Arbeitszeit in de» verschiedene» Werkstätten staltgefnnden, die säinmilich z» gmisten der Arbeiter endeten. Die Einnahme der Korn- inisslon betrug inkl. Bestand 62,73 M. von» vorigen Jahre,»nsgesaninit 124,13 M., die Alisgabe 69,30; verbleibt ein Bestand von 54,33 M. Nachdem die Versaiumlnng der Koniinifsion Dccharge ertheill hatte, wnrdcn in dieselbe L a in b e ck, Graul, Winter, Klinge»; und H e r»n e l gewählr. Hierauf»vurde der Ilnglückssall in der Schirmfabrik der G e b r. N o a verhandelt, der eine längere Diskufsion zeitigt«. Stach den Anssührnngen deS Referenten find die Sicherheils- vorrichtiingen in dieser Fabrik sehr mangelhaft und oft nicht vorschrifts- mäßig. Obwohl seitens des Herrn Noa vor längerer Zeil das Versprechen abgegeben»vurde, einsprechende Zlbäiidcrnngen vornehmen z» lassen. sei in dieser Beziehung nur sehr wenig geschehen und wesentliche Verbesserungen der Einrichtungen znin Schutze der Arbeiter nicht eingetreten. Der letzte Unglücksfall, bei dem ei» Arbeiter entsetzlich verstümmelt»vurde und das Leben verlor, sei zweifellos zun» ilicil ans diesen Umstand ziirückznsühre», und ans diesen» Grunde die Inhaber der Fabrik hierfür mit verantwortlich. Von der Berussgeiiossenschafl soll über die Herren Noa. wie behauptet wird, eine Strafe von 600 M. verfügt und dieser Betrieb in eine höhere Gefahrenklasse veranlagt»vorde» sei». Der Redner, der in» weitere» daraus venvies, daß fast allgemeii» in dc» Fabriken mit Dampfbcliieb derartige Zustände vorhanden sind und es als ein Wunder bezeichnete, daß nicht mehr Unglücks- fälle, vorkominen,»»igte noch eine Reihe von Mißständen in der Noa'schcn Fabrik, unter andere» die ungenügende Ventilation der Arbcitsräuine. In der hierauf solgendei» Diskussion wurden die Anssührnngen des Referenlen bestätigt, sowie eine Reihe anvercr Uebelslände einer herbe» Kritik nutcrzogcn. Ferner»vnrde ans die Gefahre» ansnierksam gemacht, die darurch entstehen können, daß die Riemen, die oftmals de» Anfordernnge» nicht entsprechen und deshalb häusig herabfallen und reparirt »verde» müsse», sehr niedrig hängen und die Zlrbeitcr znnsche» und unter denselben hindnrchschlnpfen müssen, ohne, daß irgendwelche Schntznorrichtnngc,» angebracht sind. Ein großer Theil der Schuld an den Mißständen»vird seitens der Arbeiter de», Werk- führer der Fabrik beigemessen, der es.»vas seine Aufgabe wäre, bis- her nnlerlasseii hat, dc» Chef auf dieselbe» aufmerksam zu machen. n»» ihn zu veranlasse», geeignete Maßnahmen zu treffen. Nach Schluß der Debatte gelangte eine Resolution zur einstinnnigei» An- nähme, i» der die Versammlung»lil Bedanern von dem Unglücksfall des Arbeiters Jäckel Kennlniß nimmt und ihre Entrüstung über de» Fabrikanten Noa ausspricht. Ferner sieht sich die Versanuiiliing veranlaßt, die Geiverbe-Jnspektion darauf ausmerlsa»» zu»lache», daß bei eingehender Prüsinig und darauf folgenden; entsprechenden Anordnungen derartig« Unglücksfälle vermieden»verde» würden und envartet, daß der Herr Fabrikinspektor jsich ohne Hinzuziehung deS Fabrikanten mit dein Arbeiterausschnß z» diesem Zwecke i» Verbindung setzt. Das Bureau»vurde beauftragt, in diesem Sinne zu handeln. Nach einen» kurze» Bericht»vnrde K l i n g e r als Delegirter zur Geiverkschafls-Kvm» niissio» einstinnnig wiedergewählt. Unter Verschiedenem»vurde» große Mißstände ans mehreren Fabriken erörtert, i»it»velche» sich die Agitationskoininissio» gemeinsam mit den in belracht komincndc» Arbeitern beschäfligei»»vird,»in» die Mängel zu besciligcn. Nachdem noch mehrmals zun» Anschluß an die Organisation und zum Vertrieb der Bons für den Agitationsfonds aufgefordert»vorde» »var, erfolgte der Schluß der gut besuchten Versaimnlung. Tcr Verein der Zimmerer Berlins und Umgegend hielt am Sonntag, de» 21. November, eine nnßerordenUiche General- versainmlung ab, i», velcher Fischer über die Vortheile der in Frage slehendei» Vereinigung beider Organisationen an» Orte sprach. Redner führte die bisherigen Kämpfe im Zinimerergeivcrbe von der Zunft bis zur Neuzeit den VersmmneUen vor, und betonte. daß keine der bisherigen Organisationen den Aufordrningei» der Neuzeit entsprochen habe; jetzt sei der Zeitpunkt ge- kommen, ,vo sich die beiden am Ort bestehenden Organisationen zum Verband vereinigen»n'ißtc»,»in weiteren Kämpfen der Unternehiner gewachsen zu sei». Sch äffer konnte sich mit den von Fischer aiigesührtc» Begründungen, die für die Vereinigung gelien sollten, nicht einverstanden erklären,»veil gerade die in Bert»»« {Jtjn&tfen Mmps« beweisen, bnfi da? bisherige Bestehen einer gut fuinteten Lokalorg.ruisntion niemals zum Schaden der Bewegung lein kann. P ä f e l e r führte an, daß Fischer seit dem Kongreß für loralorganisirten Gewerkschaften Deutschlands eine andere steuiing eingenommen habe. Nachdem noch mehrere Redner außer K üb e(Zentral) gegen die Auflösung gesprochen, mußte die Dis- kussion vertagt werden, da es inzwischen bereits 2 Uhr geworden war und der Saal geräumt werden mußte. Die HaudclShilfsarbcitcr hielten am Montag eine recht gut m suchte öffentliche Versammlung ab. Die Stellung des Polizeipräsidiums zu der außerdien st liche» Be- s ch ä f t i g n» g der Feuerwehrleute bildete den ersten Punkt der Tagesordnung, worüber Nein referirte. Er wies daraus hin, daß die Heranziehung von Feuerwehrleute» bei Umzügen und anderen Arbeiten in keiner Stadt so ausgebildet sei wie i» Berlin. Bekannt- lich habe beim Umzüge deS Wertheim'schen Waarenhauses eine größere Zahl von Feuerwehrleuten geholfen. Auch andere Geschäfte, z. B. Gebr. Simon, Sternberg».Solomon beschäftigten in der Saison Feuerwehrleute. Redner hat kurzlich beim Direktor des Olympia- Theaters angefragt, ob derselbe für den Umzug des Theaters Arbeiter brauche. Dieselben würden für SO Pf. pro Stunde zu habe» sein. Der Direktor habe aber geantwortet, er könne für 1,50—2,00 M. pro Tag Feuerwehrleute bekomnien, welche also billiger und auch zuverlässiger seien, wie andere Arbeiter.— Der Vertrauensmann der Handelshilfsarbeiter hat an den Polizeipräsidenten ein Schreiben, dalirt vom II. Oktober, folgenden Inhalts gerichtet: Wie in früheren Jahren, so sind auch in diesem Jahre Mannschaften der Berliner Feuerwehr in hiesigen Ge- schäften(Sternberg und Salomo») i» ihrer dienstfreie» Zeit vorübergehend beschäftigt worden. Diese Beschäftigung schädigt nicht nur eine große Zahl steuerzahlender Bürger, als Hausdiener, Packer, Möbellransportarbciter, in ihrem Erwerbe, sie birgt auch eine schwere Gefahr für Gesundheit und Leben der Einwohner Berlins in sich, insofern die durch die Nebenbeschäftigung in ihrer dienstfreien Zeit ermüdete» Mannschaften den Anforderungen ihres schweren Berufes nicht gewachsen sind. Der Unterzeichnete ersucht daher den Herrn Polizeipräsideuten höflichst, den Feuerwehrleute» jede derartige Beschäftigung zu untersagen.— Ans dies Schreiben ist unter dem L.November folgende Antwort eingegangen: Auf Ihre Eingabe, betreffend die von Beamten der hiesige» Feuer- wehr betriebenen Nebenbeschäsligungen wird nach Untersuchung der bezüglichen thatsächlichen Verhältnisse erwidert, daß bei der strengen Kontrolle, die die Ablheilung für Feuerwehr über ihre Untergebenen führt, sowohl eine Schädigung des Dienstbetriebes als auch irgend eine Bennchtheiligung des Gemeinwohls ausgeschlossen erscheint, wie auch bisher auS der Uebernahme von Nebenbeschäslignug niemals Nachtheils entstanden sind. Der Polizeipräsident. Der Referent krilisirte diesen Bescheid und empfahl folgende Resolution: Die Versammlung protestirt ganz entschieden gegen die ln Anschauung de? Polizetpräsidenten v. Windheim, welcher Beschäftigung von Feuerwehrleuten keine Schädigung des Gemein- Wohles erblicken will. Wir sind entgegengesetzter Ansicht. In anderen Städten hat man bereits, um die Arbeitslosigkeit zu mildern, städtische Arbeilen verrichte» lassen. Solche Einrichtung wäre auch für Berlin am Platze. Daran ist aber nicht zu denken, wenn schon steuerzahlcnden Arbeitern durch angestellte Beamte die Arbeit ent- zogen wird, ohne daß die Polizeibehörde den ihr unterstellten Be- amten die Nebenbeschäftigung verbieten will. Die Versammlung beauftragt den Berliner Vertrauensmann, sich beschwerdeführend au die höhere Instanz zu wenden.— Die Resolution wurde ohne Debatte angenommen. Darauf referirte A r u d l über die Praxis der Geivcrbegerichte, wobei er besonders auf einige, die Handels- Hilfsarbeiter interessirende Erkenntnisse einging. Sodann besprach Kamp die außergewöhnliche Ausbeutung, der die Handelshilss- arbeiter während der Weihnachtssaison ausgesetzt sind. Schon während der Wochentage werde die Arbeitszeit ins unendliche ausgedehnt, nun habe auch die Behörde die gesetzlich festgesetzte Sonntagsruhe für die drei Sonntage vor Weihnachten noch erheblich beschränkt, indem sie die Offenhaltung der Geschäftslokale für die Zeit von 7—10 und von l— 3 gestattet habe. Solche Ansnahmebcstiunnungen seien durch- aus nicht uöthig, und hätten die Handels-Hilfsarbeiler alle Ursache, sich dagegen zu verwahren. Verschiedene Redner sprachen sich in gleichem Sinne aus, dann wurde folgende Resolution angenommen: Die Versammlung protestirt gegen die Verlängerung der Verkaufszeit an den drei letzten Sonntagen vor Weihnachten; sie ist der Ansicht, daß eine solche Durchbrechung der Sonntagsruhe den Absichte» des Gesetz- gcbers nicht entspricht, daß auch kein Bedürfniß dafür vorliegt, denn im vorigen Jahre haben verschiedene Geschäfte, unter anderen die Firma Wertheim, keinen Gebrauch von der Ausnahmebestimmung gemacht Die Versammlung hält es für nothwendig, daß vor Erlaß solcher Verordnungen nicht nur die Vertreter der Geschäftsinhaber, sondern auch die der Angestellten von der Behörde gehört werden. Vom kanfmäiinischc» und gewerblichen Hilfövcrein für weibliche Angestellte geht uns nachstehendes Schreiben zu mit der Bitte, es zu veröffentlichen:„In der zweiten Beilage Ihrer Nr. 271 voin 20. November bringen Sie einen Bericht über eine Versammlung der Freien Vereinigung der Kanfleute. Danach soll ein Redner gesagt haben, daß der Hilssverein für weibliche An- gestellte fortwährend Stellungen für einen Monatsgehalt von 10 bis IS Mark vermittele. Sie würde» uns zu Dank verpflichten, wenn Sie im Interesse der Gerechtigkeit die Notiz brächten. daß diese Behanplnng den Thatsachen nicht entspricht. Soweit Ent- schädigungen in jenem Betrage in Frage kommen, handelt es sich lediglich»m Lehrlingsstellungen, und es dürfte bekannt sein, daß, namentlich wenn man Schulbildung und Alter berücksichtigt, auch die männlichen Lehrlinge eine höhere Vergütung in der Regel während der erste» Monate nicht erhalten." Weistensee. In einer bei Balke am Montag Abend tagenden Volksversammlung erstattete der Gemeindevertreter Genosse Karow Bericht über die während der letzten sieben Monate stattgehabten sieben Sitzungen der Gemeindevertretung und mehrere Koinmissions- sitzungen. Redner besprach in einem sehr eingehenden Referat sämmtliche in der Vertretung behandelten Punkte und äußerte sich besonders ausführlich über die Beleuchtungsfrage, den Etat, die Armenverwaltung, sowie über die Schul-, Lehrer- und Krankenhaus- frage. In die Kommission zur Berathung der Lehrerbesoldung sei er nur durch einen Zufall hineingewählt, da verschiedene vorgeschlagene bürger- liche Vertreter ablehnte». Er sei, entsprechend dem Wunsche der Lehrerschaft, für ein Grundgehalt von 1400 M. eingetreten, während man nur ein solches von 1300 M. angenommen habe, wobei sich das Eigenlhümliche herausstellt, daß die Lehrer nach dem neuen Be- soldnugsplan sich schlechter stehen als bisher und erst nach 2l oder 24 Jahren ein höheres Einkommen als nach der jetzigen Skala be- ziehen, und zwar weil nun ein Theil der bisherige» Staatszuschüsse wegfalle.— Nachdem Redner»och mitgelheilt, daß infolge eine! Antrags des Grundbesitzervereins die Zahl der Gemeinde- Vertreter von IS auf 21 erhöht sei und bei der nächsten Wahl im ganzen elf Vertreter zu wählen seien, wovon aber für die Sozialdemokraten nur vier Sitze der dritten Klasse i» betracht käme», forderte er alle Genossen auf, durch eine rege Agitation dafür zu sorgen, daß er nicht mehr allein bleibe, sonder» iveuigstens die vier Sitze der dritten Klasse von Parteigenossen besetzt würden.— Die mit Beifall aufgenomnienen Ausführungen Karow'? wurden in der sich anschließenden lebhasten Diskussion von den Genossen Penkcrt, Pasewaldt, Dähnert, Zogge, Ketschmann, Eschbach, Kopf und G erstenberger durch die Zlnführung einer großen Zahl von Mißstände» in de» Gemeinde- Verhältnissen ergänzt. Ein von Genossen Pasewaldt gestellter Antrag, daß Karow energisch für den Bau eines hiesigen Kranken- Hauses und die Errichtung von drei Bcdürfnißanstnllen eintreten solle, wurde angenommen.— Zum 2. Punkt der Tagesordnung: Wie stelle» wir uns bei den nächsten Gemeindevertreter-Wahle»? sühne Gen. Karow aus, daß bei Aufstellung geeigneter Kandilaten wohl alle neu zu besetzenden 4 Sitze der 3. Klasse zu erobern wären. Tie Wahlbetheiligung wird gegen eine Stimme beschlossen und ein Wahlkomitee, bestehend aus den Genossen Dähnert, Gersten- berger, Ketschman», Eschbach, Koop mann. Taub- mann und Peukert, sowie 2 Ersatzmänner: Walle und Kopf gewählt.— Nach einem kernigen Appell an die Genossen, bei der Wahl im März ihre Pflicht zu lhu» und vor allem bi? dahin tüchtig z» agilire», schloß Genoffe Gerstenberger die Ver- sammlung. Wettcr-Prognose für Mittwoch, 24. November 1897. Etwas kühler, zeitweise aufklärend, vorwiegend trübe mit Niederschlägen und frischen nordwestlichen Winden. Achtilllg! 38. KomliülM-Wlihlbezirk. Achtung! Am Mittwoch, den 24. November, abends S1/, Uhr, im Saale der Norddeutschen Brauerei, Chausseestraße 57: Wtößtntl.AlilksserMinlnng Tages-Ordilung: I. Vortrag des Ncichstags-Abgeordneteu l'nnl Singer über:„Die Parteien im Notheu Haus". 2. Dtsfusstou. 221/10 Zu recht zahlreichem Besuch, namentlich seitens der Komniunaüvähler des 33. Bezirks, ladet ein Das Komitee. Achtung; Moabit. Achtung! Donnerstag, den 25. November 1897, abends 8 Ilhr, in» grossen Saale der Aktien-Branerei Moabit, Dhnrmstr. SV: OeTentliche Kommnniilwijlilkr-Ukrsllmmlilng für den 40- Kommunul-Wahlbezirk. Tages-Ordnung: I. Vortrag deS RetchstagS-Abgeordneten J'rltzi Znbell über:„Die Bedeutung der bevorstehenden Stichwahlen für die arbeitende Bevölkerung." 2. Diskussion.— Um rege Betheiligling ersucht 221/11 Die Vertranensperson. Achtung! Maurer Achtum! Verlins und Murgegrud. Donnerstag, den 25. d. M., abends 8 llhr, im Lonisenstädtischcn KonzerthanS, Alte Jakobstraste 37: Große üffeutliche Maurerversmumlung. TageS-Ordnung: 1. Das Ergebniß der am 9. November stattgestmdenen Baukoutrolle. 2. Beschlußfassung über die Abschließnng der Sammelkarte. Um zahlreichen Besuch hierzu ersucht 296/16 VI« liolinkommlsslon. Tligllch von 7 Uhr morgens bis S Uhr abends: Verkälts frisch ßek. schiv. perls. inrö sinn. Fleisches. Rindfleisch. Schweinefleisch Vcrwaltiin pro Pfd. von 30 Ps au, 40 Pf. ________.........[2905L» g der Koclianstalt Stadt. Sclilaclitliof Deutscher Holzarbeiter-Verband. (Zahlstelle Berlin.) Heute, Mittwoch, abends 8V« Uhr, im Lokale des Herrn Cohn, Benthstrahe 20 21: Nevtranensmiinner-Nersammlung für sämmtliche Krzirke und Kranchen. Tages-Ordnung: I. Die ueuesten Nnteriiehmcr-Verbände. 2. Die Ueberstiindeu- Arbeit. 3. Der Streik bei Eberliarckt. 4. Verschiedeue Werlstatt- difserenzen. ö. Verbaiidsangelegenheiteil. 288/13 Die Kollegen werden ersucht, streng darauf zu achten, daß jede Werlstatt vertreten ist. Die Ort»ver«'iUtnng. Achtung! Achtung! Mechaniker, Uhrmacher und verwandte Berufsgenossen. Donnerstag, den 23. Uouember, abends 8 Uhr in CoNn's Fcstsälen, Beuthstraste 80: Oeffentliche Versammlung. Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. Tagesordnung: 170/10 1. Vortrag.(Der Referent wird in der Versammlung bekannt gemacht.) 2. Diskussion.— 3. Aufftelliing der Delegirten zur Orts-Krankcnkaflc der Mechaniker, Optiker und verwandten Gewerbe.— 4. Verschiedenes. .AeMrinx! Kollegen! Achtnng! Um eine geeignete Vertretung in der Orts-Krankenkasse zu erhalten, ersuchen wir die Kollegen, in den Werkstätten Dclegirte auszustellen(über 30 Mitglieder sind mehrere Delegirte vorzusehen). Die Vorgeschlagenen sind an das Bureau obiger Versammlung schriftlich unter Nennung des Namens, der Wohnung und Werkstatt einzureichen. Wählbar sind nur Kassenmitglicdcr, welche 21 Jahre alt und im Besitz der bürgerlichen Ehrenrechte sind.' Es ist unbedingt nothwendig, daß die Kandidaten in der Versammlung persönlich erscheinen, da dieselben von einer öffentlichen Versammlung sanktioniri werden müssen. Der Vertrauensmann. Saal frei für Vereins-Feftlichkeiten 32131t* Uevgstrnsne IS. 2 Vercinszimmer Grünstraße 14—15. 4. iini) U. Dezember 1 wie auch z. Maskcuballzeit noch Säle frei Engl. Garten, Alexanderstr. 27o. I Säle elektrisch erleuchtet. 3V94L* Luisen-Theater"ät Sonntag, den SS. Xovcmber 1897, nachmittags 3 Ihr, Volksvorftellnng unter Regie von Julius Türk. Mar einmalige Nachmittags- Aufführung. Auf vielfaches Th«»« altf-A T.iofl Schauspiel in 3 Alten Verlangen: cll.lt? �ll?U« von Felix Phtltppi. Eintriiiskarien& 60 Pf. sind in den bekannten Geschäften zu haben. Urosehkenkntseher! Donnerstag, den 25. November» abends 9 Uhr» im Englischen Garten, Alexanderstr. 27«: Ol** öffenfilche Versaminlimg der Drsschtllkntscher Berlins nnd Unigegtiib. Tagesordnung: I. Vortrag des Reichstags- Abgeordneten A. Bebel. 2. Berathung und Beschlußfassung Über die an den Reichstag ab- zusendende Petition um Einführung der Sonntagsruhe im Fuhrwesen. 3. Diskusston. 52/8 In anbettacht der wichtigen Tagesordnung ist eö durchaus nothwendig, daß diese Versammlung recht zahlreich besucht wird. Um pünktliches Erscheinen ersuchen _ Tie Vertrauensmänner. I. A.: H. Schultz. Achtung!«olalobSnÄorf. Achtung! Das Skiflungsfest d°s Gesangvereitts„Wolsso Rose4' (M. d. A-S.-B.) iiiidet nunmehr Sonnabend. den 27. November, abends 8 Uhr im Geiellschastshaus. Schulst». 89. statt. Die verausgabten Billets haben Giltigkeit. 2008b Der Vorstand, MI WSlbaaolits- Marbt vom 87. Kovemher bis 31. Besember dieses Jahres i» Mess« Palast, Alexandriuenstr. 110. 36525* Verkaufsplätze für Händler. lind Plätze für Schausteller sind noch abzugeben. Jeden Donnerstag und Sonnabend I Strickwolle-Ausverkanf.« Karpfen-lnsscbleben bei Reste in Zephhr und Roäwolle zu Franz Schmncker, Pntlitzstr. 5.> Fabrikpr. Holzinarktstr. 60, H. l.1. Tr. MW iiiliilenstr Sttigernng der Lederitreise veckiife nach inic m in nlteii billigsten Preisen. 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Reellitat sämmtlichen Waaren verbürgt durch gedruckte Garantiescheine. üttmoi Ignntrslllg, Artilng, üt» M., 25* n. 20» wmdtt-. 9«* bei Vorlegung dieser Zeitung. m die ßWtzWststlize z« celllift!«, bei all!» Mlia» Waarm liae» Jitttllltt WOtt 5 SM- Persönlich zu sprechen von morgens 9 Uhr biS abends 10 Uhr mit Ausnahme der Mittagszeit(V,3-4) im Hauptgeschäft Alt der Tpaudauer Brücke 2. �BSSBSSSSSXBb Man verlange Preisverzeichniss. Verantwortlicher Redakteur: Angnst Jacoben i» Berlin. Für den Jnserateutheil verantwortlich: Dh. Glocke in Berlin. Druck und Berlag von Max Babing in Berlin. gr.274. n mm. 2. Ktilllge des DrMs" Ktllllltt Ulllksdllltt. Mmch.st.N°m.dttM7. Dov Ncvlinev Äigarvenhandel. Eine Reihe denlschei: Hnndelskaniinern vernnstaliet belnnnllich gegenwärti« cinc Elhebunq über die Aerhnllnisse des deulschc» Zilein- Handels. Ein einzelner Beitrag zn dieser Sanunelarbcit. den Berliner i g a r r e n h a» d e l betreffend, wird soeben von Martin Bürgel, dein Inhaber einer Handelsanskiinflei.' in Schinoller's �.Jahrbuch jür Gesetzgebung. Verivallnng und Vollswirlhsckiasl" vcr- vsfcnllicht. Der Bcrjasser ffeht i» diese»! Geschäftszweig ein Bild des Rückschritts, eine sorlschreitende Verblutung. Zlnch bier hat das Grosikapilal seine zerslörende» Wirkungen ans den Kleinbetrieb auegeübt. Die Großnnternehinungen richten aus dein Lande. Filialsabriken ein, wo sie billigere Slrbeilslöhne haben; sie beschäftigen die Hausindustrie.>vo sie Weiber und Kinder für die niedrigsten Lohne in ihren Dienst spannen und austerdei» die Beitrage für die Arbeilerversichernng sparen. Neben den günstigen inaschinclle» Fabrikalionsverhällnissen habe» sie den billigen Tabakcinkauf im L rosten; sie haben im Gegensatz zum kleinen Zigarrenmacher die Mög- lichleit, alle lilbfaste. die Rippen und dergleichen zu verschiedenen Zwecken mit verwenden zu können. Kurz, es ergiebt sich,„das, ei» kleiiicr Zigarrenmacher das fertige Fabrikat billiger bezieht, als wen» er es unter theilweisem Verzicht auf Arbeitslohn selbst bestelle» ivollte... Die Ladenbesitzer, die gelernte Zigarrcnniacher ivarcn. hörte» zum gröstereu Theil„iit der Ausübung ihies Handwerks ans liiid wurden nun Hitndler." Sie sind jetzt nur»och aus de» Nutze» ans dein Verlans angewiesen. Und dabei»erden die Verhältnisse, auch abgesehen von den tbenreren Ladenmielhen. der heute nolh- ivendige» lnxuriöseren.Einrichlung, de» lhenrcre» Lebensverhällnissen, immer schwieriger. Die Konsum-, Beainlcn- und Oifiziersvereine machen dein Delailliste» eine schwere Konkurrenz; er verliert durch sie einen Theil der zahlungsfähigen„Kislenknudschast". Besonders zu leide» hat der Kleinhändler unter drin Versaudlgeschäst großer auswärtiger Fnbnkeir an die Privatknudschasl. Der Kirnde hat hier nicht nur billrgeren Einkanf, sondern i» der Regel auch ausgiebigen Kredit. Das schivindclhaslc Ansvcrkauss- und Auklionswesen schädigt den Kleinhändler sehr. Besonders uachtheilige Wirkungen will Herr Bürgel aber von der gesetzlichen Sonntagsruhe gesehen haben. Die Käufer deckten keineswegs schon des Sonnabends ihren Bedarf, wie vielfach geglaubt worden sei, da im Zigarrenhandel hänsig erst die Gelegenheit den Bedarf schasse. Man kauf« des Sonntags beim Gastwirlh seine Zigarre», und die weitere Folge hiervon sei, daß die Wirlhe wegen des stärkeren Absatzes nicht mehr beim Händler, sondern in der Fabrik kaufe». Die zahlreichen Filialen der großen Delailliste», die i» der Regel gleichzeitig Fabrikanten sind, blase» de» Kleinhändlern vollends das Lebenslicht aus. Diese großen Firmen haben alle Bortheile der rationelle» Fabrikation für sich; sie können stets mit dem Geschmack des Publikums mitgehen; und der Käufer bevorzugt sie, wie der Verfasser konstatirt, schon deshalb, weil er in allen Sladtgegcnden stets die gleiche Marke zu demselbe» Preis bekommen kann. Von den größeren dieser mit dem Filialsystem arbeitenden Firinc» hallen im Jahre 1896 in Berlin: 1 45 Läden 2 je 19, 1 15. 2 je 12„ 1 11. 1 10„ Di« größte davon— natürlich Löfer». Wolff— hatte im Jahre 1397 sogar schon 53 Geschäfte i» Berlin! Daß in neuerer Zeit auch die großen Waarenhänser sich ans den Zigarrenhandcl ge- worfen haben und dem kleineu Zigarrenhändler fühlbare Konkurrenz machen, hat der Verfasser scheinbar übersehe». AuS alledem resultirt denn ein starker Verfall in» Zigarren- kleinhandel und eine zunehmend» Unsicherheit der ganze» Branche. Bon den Anfragen, die eine größere Reihe von Zigarren- und Tabakfabrikante» an ein Auskunftsbureau über die Kreditsähigkeii von Zigarrendetaillistcn richteten, war die Kreditfähigkeit zu verneinen von 31.3 pCt. der Kolouialwaarenhändler, 45.0„ ,, Zigarrenbändlcr, 68,4.„ Gastwirthe. Auch in dieser Epezialbranche sehen wir also deutlich die Er- scheinung, die»»sere ganze Volkswirthschast charaklerisirt: Nieder- gang de? Kleinbetriebes! Vevlammlunsen. Tie Handels-, Tiausport- nnd Vakehrsarbeitcr hielten am Sonnlag eine öffentliche Aersaininlnng ab. Schumann be- sprach die Lohn, und Arbeitsverhältnisse im Fnhrgewerbe, wobei er insbesondere drei der größten Geschäfte dieser Art berücksichtigte. Tie Lage der Arbeiter in den Fnhrwerksbetrieben(Kutscher, Slall- leule jc.) ist nach den Schilderungen des Redners eine sehr elende. Die Arbeitszeit beginnt des Morgens um 4, 5, spätens 6 Uhr und währt in der Regel bis 8,9, auch l» llhr abends, häufig auch noch länger. Festgesetzte Pansen giebt es in dieser langen Arbeitszeit nicht, ihre Mahl- Zeilen müssen die Kutscher einnehme», wen» die Arbeit gerade eine kurze Unterbrechung gestattet. Die Unregelmäßigkeit und die lange Dauer der Arbeitszeit kommt daher, weil die jtnischer täglich eine gewisse Anzahl von Fuhren leisten müsse». Der Loh» beträgt 3 M. pro Tag, anßerder» erhalten die Kutscher in manchen Betrieben so- genannte Fnhrcngeldcr, deren Höhe jedoch der beliebigen Bestimmung des Unternehmers überlassen ist und je nachdem, ob der betreffende Kutscher gut oder schlecht angeschrieben steht, sehr verschieden anssällt, aber de» Betrag von 3 M. wöchentlich selten übersteigt. Die Ansbeutnng der Arbeitskräfte im Fährbetriebe ist meist eine un- erhörte, auch die für das Handels- und Transportgewerbe vor- geschriebene gesetzliche Sonntagsruhe wird oft nicht innegehalten. Redner hat vor kurzem den Betrieb des Fuhrunternehmers Nikolai revidirt und gefunden, daß Sonntags zwischen 10 und 12 Uhr, also während der vorgeschriebenen Ruhezeit, eine Anzahl von Arbeitern mit Wagenschmiere», Henabladen und ähnlichen Verrichtungen beschäftigt waren. Ans dem Polizeibnreau, >vo er deswegen intervenirte, wurde ihm gesagt, Nikolai habe theiliveise Erlanbniß, auch während der Sonnlagsnihe arbeite» zu lassen. Noch mancherlei andere Mißstände, welche»anientlich bei den Firmen Nikolai, Tabbcrl und Felkenhaner bestehen, führte der Redner an. Leider müsse gesagt werden, daß der grade unter den Kutschern noch weil verbreitete Jndifferentikmns zum theil die Schuld an den schlechten Veihnlt- inssen trage, welche nicht eher gebessert werden können, bis sich die betreffenden Arbeiter in ihrer Mehrzahl der Organisalion an- schließen. Verschiedene Redner pflichteten dein Referenten bei nnd ergänzte» dessen Ausführungen bezüglich der herrschenden Miß- stände. ?> beH-e-iOIir»»»«»'»!»I». 9»sclslr. 10, v. STr. Mittwoch: Slattonal- ökouomie lEenndbegiisle der Nailovalökoncmie: Tr. Conr. Schmidt). Tonnerslag: iL es ch tchle ilte rorgeschichlliche Zeit und die erste» fleldilchttich e» Neberlicscrunge»: Dr. tLeorg Zcpvler). Fieiing: iL e t e h e§ tu n de (9libclidveUio(i, die lozialpoliiischc Selctzgebniig, Strafrcchi, gewerdtiche« Non- rklstoneirest». Cderccht, Mtcllisiccht, ikrb- und VormimdschciflSrcchl, ölkcnilichci Sicchl: NcchiSonwali Wolfgang Hei»e>. Tie Vibiroiiiel ist von s— o Uhr gtöstnet. Milgtieddheiirofl monail. 26 Pf.. NininS(10 Abende) I PI. pro flach. Thctlnelimer wcidcn ausgenommen tn der Schule und in folg. SIellc»: tLoiifr. Schill,, Adniiraistr. eoa: vlcnl. Parnimstr. eil Schiller, vlosenihalerstr. 6?: iNleinerl, Miilltrstr.?. Niinig«, Dicsfcnbachstr. gn. Alle giilchrilic» find a» de» Poi sihendcn Paul M Ii che>r., L0. Man- leiiffelstr. Ii», iLeldseuduiige» an den Nassircr H. Nönta», L. Dicffcnbachstr. so, i» lende». ftft- Ilild piobniii blnbo. plittivoch. I o h a II» I a c o b u, bei FrltI Lichls, Schircdlcrstrabe SS.— iL e l»» d b r u»» e n. abend« sji Uhr, bei Halerland, vcllerniannstr. S7.— iL l e i ch h e i r, abends s!; Uhr bei Stramm, Millerstrabe res.—Heine, Mirdorf, abend« s); llhr, Prinz-Handjerqslr. so. parierte.— Einigkeit, abend« 8� Uhr bei Zeige, Trifistr. I.— Theater- und Lefetlub M o r g e n r o t h, abend« o Uhr, im Neflaurant Dieke, Lolhringcrstr. S7. — Sozialdemokratischer Agilalion«klnb Osten, abend» sis Uhr. bei Jauer, fliiichtht. 62.— F r e i g e ist Arkon a, abend« s Uhr, Ailonaplah» bei Wesener.— Friedrich EngetS Norden aste MUtwcch o Uhr bei Aeiben, Vollastr. St. Ardeiiep-Kiingrrbund Kerltn» nnd der Zlmaegend. Vorsitzender Adols Meninann. Viunnenstr. 160. Alle Aeudernnge» im BereinSIalender sind zu richten a» Fried, tlortum, ManleusseUlr. 60, v. 2 Tr. zUittivoch. UebungS» stunde abend« o Nbr. Ausnahme von Mitglieder».— LtedeSi reihet! I, AndrcaSstr. 20 bei Wille.— Norddenlsche Schleife, Melchiorstr. 1« bei Sichman».— Frena I, iAemtschter Ebor), Mosenihalerstr. 67 bei Babiel.— Lorbeerkranz, Wclnslrabe 28 bei Späth.— Ltederlust, Adalderl- strab« 21 bei»toll.— Spandau, in Spanbau. Nenmeisterbrabe 6 bei R. Madlke.— Deutsche Eichet, iLrobe Franksurlersiraste izs bei Sold. — Echot, Pankow, Woliankiirabe.— Treue, Marsannen-User 2 im Lnphos. — 91 Heg i o, Wrangelstrabc i«i bei Schmtdl.— flre ihe i l I, Bulow- strost»«6 bei Michler.— Stetn nelke. Paiewalkerstr. i bei Ad. Bergemann.— W a l d e« I u sl, Oppelnerslrabe s«.— Freier M ä n n e r ch 0 r Nord- West, PnUUtzsir 10 bei Pfarr.— Sesangveret» der K u p t e r s ch m i e d e, Weinstraße 11 bei Feind.— Sieichhetl l, Schönhauler 9llles is» bei Namloiv.— Fr«iheit«grub, Brnnncnstr.>60 bei Schlitze.— Schneeglöckchen I, 91 Udorf. Hermann- und ilarlSgarlenstrabeu-Eck« bei Köpke.— Holln ung III, vrandenbutg a. H., Wilhelm Sdorleistcabs,„Eoncordia".— Arbeiier-Selangveretn Britz in Britz, Burgerstr.« bei Tor».— Seeger' scher Männerchor, ka»d«berger-9lllec>60 bei Säbel.— Einig, Binmenilrabe Z2 bei Reich.— Sin heil(srnher Buchdrucker und Echrifigiebcr), llttrborf, Berg- sirahe les bei Thomas.— Frohsinn II, FrtebrichSderg. Warlenbergstr. 07 bei Lang«.— Alton III, LlUdors, Herrinann- u. Herrfurihllraßen-Slk« bei weschuh».— Matengrub II. Eyarlolienburg, Straße en, Nr. I, bei Bartsch.— Hei»rathklänge, Köpenick, Nosenstr.>01 bei Meyer.— Wacht aus I, Wöribeistr. is bei Bnlprecht.— Borwärt« X,«laue», Marktstr. io bei Hobnich.— S ch n e e g l ö ci ch e n II, PolSdam, Brandenburger Kommunikalio» 16 bei«laser.— Treu und Fest, Koppenstr. n bei Lohmann.— W a l d- ka p c l l e, Seidelstrabe so bei Jtriiger.— Bruderbund, Uledonistr. 22 bei Eilkingcr.— Freie Sänger, Heegermühle bei EberSwalde, Dorsstr. 12, Nest. aodschlöbchen.— Sängerin st, Werber a./H., Kngelweg im Lokal.— Ost- nnd WeNpreußen, Alexanderstr. 27c, Englischer Carlen.— R l e n z i. Lausttzer Platz 2 bei M. Schulze.— Osten, Mclallarbeiier, Wrüner Weg is bei Pippke.— R 0 s a l t e, KönigSbergerslr. Z« bei Plae».— Serslenähre, Srün- strabe 21 bei Sommer.— Keramik, Eharioitenburg, Keppierstrabe bei Prestel. — Grüne Eiche, Rirdorf, Hermannstr. is? bei Badenschneider.— Forlschrtti, Köpnillerstr. ZS bei Peukerl.— Jagel nicht, Sieglitz, 9llbrechls>r. 126 bei Lteke (Schwarzer Adler).— F r 0 h- H 0 l sn»n a, PallaSftraße IS bei Faller.— Lieb e« Inst II, PotSbain, Brandenburger Kommunikation 16 bei Siaser. Klilid der geselligen Arbeiterverri»« Perli»»»»d der jliiigegeiid. Vorsttzender P. Senk. Dresdener. Slrabe Nr. 107/8. 9llle Aendeiunge» den BercinSkalender beirefsend sind zu richten a» H. Bendlr, Alerandrinenlir.>00. vrsaiig., Kur»- lind gesellige z>erei»r. Ulittwoch. Skalllub Nevolution, Srünauerstr. 8 bei Solz.— Seselliger Bcrein H of fn u n g. setz! alle H Tage, Leduserslr. 6 bei Tieseier.— Artisten- und Mingsporivereiil Beretnte Kraft tagt Mtliwoch« abend« und Sonntag« vormillagS Plan- User S2a bei Zepts.— ANeienverci» 9lllaS, Brnnncnstr. 162 bei Dase.— Seselliger Bcrein Türkische Pfeife, Danzigerstr.«» bei W. Hanse».— Tambour-Berein Fr oh-Frei, UebungSsiunde Mtliwoch und Sonnabend«, Wieicnstr. 27 bei Bolz.— Ardctter-Schachklud Norden, Ecestr. 26 bei Mondel. — Musikverein Knaaisch, Kolbergersir. 2 bei SIefsenS.— Psropfen verein N ord- O st, Elbingcrflr. o bei Bogel.—«tauchklub Schm oke'S Werke, Kramstr. Z» bct Hcgncr.— Sclangveiein SangeSlreu e, Eprcelerrasse an der Jannowitz- brücke.— Eesangveretn Lerche, Echönhauser-Allee bei Ä. Werber.— 9lrbetler> m a d f a h i e r- B e r e i n vorwärts lagl jeden Mittwoch nach dem 1. und IS. im Monat, Beufselftr. o(Moabiter KiudhauS).— Vereinigung der Turn- k r e u» d e von 8j(— io)j Uhr abend«, Demminerstr. 66/67.— Turnverein Osten, Turnhalle Blumenstr. SS», U— 10 Uhr abends. Män»er-9lb>heilu»g.— 9l>beiter- wciangve>ein Hofsnun g. FriedrichSderg, Friedrich Korlstr. St bei Schnitze.— Tambourverein Ruf, UcbuupSstunbe Mittwoch« und Sonnabend« Dresdener- flrabc 68.— Munk-Diieitanlen-Berein Borwärt«, Langeilr. 108 bei Nebelt». — Zilhcrklub Alpenglöckchen-Edelwetb, Sipsstr. 11.— Thcalerveretn Proletariat. Köpcnickcrstr. 88 bct Schöning. Ardriker' Kirriirrbuiid. zuitiivoch I Turnverein Fichte, Berlin Abend« von 8— 10 Uhr: 1. Mä»»er-9ib>heilung Friedenstrabe 87.».Männer- Slblbetlnng Bölihstr. 2l. 2. LchrlingS-Ablhetlung Dkalitzerstr. 66—66. 4. Lehr- linaS�Abihellung Siephanstr. s.— Freie Turn er schalt Nirdors-Brttz, 2. Echüter-9ibth. von«ij—»jz, 2. Männer- und Lehrltna«-9lblh. von s'/,— 10'/« Uhr abends bei Bethge t» Britz, Shanssccstrobe»0. Tchülertnnen-Ablh. von«!(—»!>, Frouen-9lbih. von«!(—>0j( Uhr abend« bei Wterstng, Knesiberkslr. IIS.— Frei» T u r» e r s ch a s r Johannisthal, abend« 8— 10 Uhi bei SenftlebiN. Arbcitrr-Panchrrbnnd Kerliii«»»d der BercinSkalender f JUHkivech; Ar_______________________.____ Ltrgnttzerstr. 18 bei Manegoid.— W a l d c« g r ü n, Forsterstr. 22 bet Kunze.— Birgtiria, Admiraiiir. 21 bei Schnieder.— Frei Weg, Schöneberg, Kolonnenstr. 2 bei Kretschnrer.— F i b e l e llt a» ch e r. Boeclhslr.«o bet Rnppcl.— Juielligenz, Köllbuser Damm>0i bei Schmidt.— W r a n a l e, Forsterstr. to bet Zuinnlke.— Fidele Brüder, Frtcdrichsfclde. Luiscnsir. 20 bei Lobse.— Marge nrorh, Landsberger 9>Ilee u bet Roland.— F r 0 h s t n»«» H e t I» a I h, Slromstratze 28.— Deutscher Michel, Pankow, Kaiser Friedrichstrabe is bei Griffel.- Kairo, Panksirab- g2ä bct Löhrich.— Ohlauer, Sräfestrabe>8 bet Präkcr.— Abgub I. MarkuSNraße 2S bei Garn.— Die Dampfende», Rcichenbergerstrabe iso bei Jcratsch. — Weiße Slelke, Forsterstraße 17 bet Dierberg.— g u fr i e d e» b e t l. Nixdors. Mühlensliaßc S bei Baebe».— Slühltcht, Neu. Weißensee, Eonleistiaße 5o bei Schulz.— Apselblüthe, Pankstr. sd bei Schmtdl.— Fliederdust. Friedcnslr. 7t bct Schmidt.— Weichseldrrst, Pappel-9tliee tt vet Ztbcll.— 9l l l er Husstt, JaSmiurbcrstr.« bei Zimmer.— Blaue Wolle i m O st e u, Fricdeustr. 62 bet Tolllüh».—«ein To». Rykestr. is bei Neckil.— Rothe Fahne, Sörlitzerstr. 60 bet Sieverr.— s e»> ü t h l i ch k e t t I. Wienerstr. 7 bei Glaser.— Kornblume, Sneilenausir. 71 bet Menzel.— B e i l ch c n b l a i>, Moricnburgcrjir. 22 bet Dimke. (-erman-�nisricaa lSUid„Uncic Sam"(Ostablished 1892). 9 o'clock p. m, WaUstrasse 57.— Ladies and Gcntlemen welcome. Zaridoinannschaft der Schleswig- Ljolstelner k» Kerlin. Heute Abend 8?; Uhr: Znsammcnkunst der Schleswig- Hoistetner in S. Feuerstein s Festsäle», Alle Jakobsir. 75. 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Entdeckung de« Bazillus de« Seldsteber«. Bon Dr. Stern-Sr AndreaSbcrg i. H. Veränderungen aus der» Pionde.— Feuilleion: Der gelbe Domino. Nomon von Marcel Prevost.(Forlsctzung.) Bon der«ileldiheit. Zetllchrisl für die JrUerellen der Arbetlerinnen(«tullgart, Dietz' Verlag) ist u»S soeben die Nr. 2« de« 7. Jahrgang« zugegangen. Au» dem Jnhail dieser Nummer heben wir hervor: Sin sozialpoltlischer Sdiwabcnslreich.— Zur Lage der Berllncr Semeind«- Schuliehrerinne». Bon M. Kl.— Der Telegirtcnlag der verelne„Frauenwohl".— Au« der Bewegung. — Feuilleton: Franensragliche«. Bon Fraucnlod.— Noiizentheil von Liltz Braun und Klara Zeltin: Weidltche Fabrtltnspektoren.— Sesundheit«. sdiädllche Folgen tndustrieller Frauenarbeit.— Soziale Scsetzgebung.— Frauen- bewegung. llie VieilinaMs- fpeislisle wirä kostenfrei zugesandt. Mittwoch, Donnerstag, Freitag Yersand-Abteilimg Berlin W. Leipzigerstr. 132—33. 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