Für unsere Kinder r. 26 ooooooo Beilage zur Gleichheit ooooooo 1909 " •• Im Herbste.•° Uon Heinrich Seidel. Juhaltsverzeichnis: Im Herbst. Von Heinrich| gewiß nicht leicht, denn das Mädchen mußte Seidel.( Gedicht.) So sind wir alle. Von dann zweieinhalb Stunden weit wandern, Emma Dölk.- Zwei Heimgekehrte. Von Ana- den schweren Korb auf dem Rücken. Ram Lise stafius Grün.( Gedicht.) Eine Floßfahrt auf von ihrem Marsche zurück, so gab es fein dem Main: VIII. Jm Kampf mit Sturm und Ausruhen. Kaum hatte sie die smalen Bissen Wellen. Von Heinrich Wandt. Bottelohr. Von hinuntergewürgt, so mußte sie an die Arbeit. Von Ernest Seton Thompson. Lügenmärchen. Aus Böhmes Deutsches Kinderlied".( Gedicht.) Denn die Kinder mußten der Mutter tüchtig helfen. Die größeren nähten und der jüngste Bruder machte Pechdrähte und fädelte Nadeln ein. Wenn alle zusammen recht fleißig waren und bis tief in die Nacht hinein sich mühten, so gab es einen Verdienst von einer Mark, wenn's hoch fam, noch 25 Pfennig mehr. Trotzdem die Arbeit schwer war, verrichtete Lise sie doch viel lieber, als daß sie handeln ging. Aber zweimal im Jahre war stille Zeit, da gab's aus der Fabrik keine Arbeit. Die legten Groschen wurden dann ausgegeben, um Filzsohlen, Oberstoff, Futter, Bechdraht und alle Zutaten für Pantoffeln zu kaufen, und sobald ein Posten davon fertig war, mußte Lise als Alteste zusehen, die Ware zu verkaufen. Der Vater verdiente ja nichts. Er war schon jahrelang trant, und Lise wußte, daß er niemals wieder gesund werden würde. Da hieß es denn für alle tüchtig zufassen. Was rauscht zu meinen Füssen so? Es ist das falbe Laub vom Baum! Wie stand es jüngst so blütenfroh Am Waldessaum! Was ruft zu meinen Häupten so? Der Vogel ist's im Wanderflug, Der noch vor kurzem sangesfroh Zu neste trug. Mein ahnend Herz, was pochst du so? Du fühlst den Pulsschlag der natur, Und dass verwehen wird also Huch deine Spur! 000 So sind wir alle. Auf der mit Teppichen belegten Treppe einer schmucken Villa an der Grenze von Berlin stand Lise neben ihrem Tragforb. Die Zwölfjährige ging mit Filzschuhen und Pantoffeln handeln. Sie tat es ungern, obgleich sie gewöhnlich gut verkaufte. Es kam ihr so vor, als ob die Menschen dächten, ihr eine Gnade zu erweisen, wenn sie ihr etwas abnahmen und den geringsten Preis für die Ware zahlten. Das tat Lise weh, denn sie sah vor sich, wie daheim gearbeitet worden war, um die Schuhe und Pantoffeln fertig zu machen. Wenn es in den großen Filzschuhfabriken zu tun gab, so arbeitete ihre Mutter als Heimarbeiterin für eine von ihnen. Life mußte dann gewöhnlich das Holen und das Abliefern der Arbeit besorgen, damit die Mutter während dieser Zeit schaffen konnte. Das war In die vornehme Villa, auf deren Treppe sie jetzt stand, hatte Lise sich heute erst gar nicht recht hineingewagt. Sie hatte aber so wenig verkauft, daß sie auf ihrem Wege kein Haus auslassen durfte. Weit konnte das Mädchen sowieso nicht mehr gehen, denn es war schon spät nachmittags, und der kurze Herbsttag ging bald zu Ende. Leise klingelte Life und brachte dem sofort erscheinenden Dienstmädchen ihr Anliegen vor: Brauchen Sie vielleicht Pantoffeln? Es ist alles gute Ware, meine Mutter macht die Pantoffeln selbst." Das Mädchen lächelte.„ Nein, Kleine, ich brauche nichts. Aber warte mal. Die gnädige Frau sagte neulich, sie wollte sich ein Paar Pantoffeln laufen, vielleicht nimint sie dir etwas ab." Das Mädchen ging, und nach einiger Zeit erschien die Hausfrau. Lise hatte unterdessen zuunterst aus ihrer Kiepe ein Batet feiner, weißsohliger Pantoffeln hervorgesucht. Nachdem sie schnell nach der Größe des Fußes gesehen hatte, hielt sie der Dame mehrere Paare zum Anprobieren entgegen. Dieser aber schien kein Paar recht zu sein. Bei dem einen 202 Für unsere Kinder gehen. Es fing schon an zu dämmern, und ehe sie nach ihrem Heimatsdorf kam, war es sicher Nacht. Vielleicht hatte sie an einem anderen Tage mehr Glück. Die Kleine hatte weder die halb erstaunten, halb empörten Blicke der Gesellschaft um sie herum gesehen, noch hörte sie auf die brockenweise geführte Unters haltung. Endlich aber wurde sie angesprochen. Die dicke Dame stand in all ihrer Pracht vor ihr und frug in strengem Tone:" Sag' mal, warum gehst du in dieser Kälte barfuß? Kannst du nicht wenigstens Schuhe anziehen?" Paar gefiel ihr die Farbe nicht, und bei dem| Tragkorb in eine Ecke und überlegte, was sie anderen hatte sie am Besatz oder an der weiter tun solle. Wenn der Regen etwas nachSchnalle etwas auszusetzen. Offenbar machte ließ, wollte sie lieber für heut nach Hause ihr das Anprobieren Spaß, denn Lise mußte ihren ganzen Vorrat auspacken, zuletzt fogar die schweren Lederpantoffeln, die sie mitführte. Endlich fiel die Wahl der Dame auf eines der zuerst gemusterten Paare. Lise atmete auf. Da sie bei jedem Paare, welches sie zum Probieren gereicht hatte, gleich den Preis genannt, glaubte sie, der Handel sei so gut wie gemacht. Doch da hatte sie sich sehr geirrt. Die Dame begann nun zu feilschen. Sie verlangte den billigsten Preis zu wissen und bot die Hälfte davon für die Pantoffeln. Ganz entsetzt rechnete Lise der Dame vor, wieviel die Auslagen gekostet hatten, und daß bei dem geforderten Preise nur etwa 20 Pfennig Arbeitslohn blieben. Dafür hatten zu Hause Mutter und Kinder zwei Stunden mühsam gearbeitet, und das Hausieren kostete doch auch Zeit und war nicht leicht. Die Dame meinte jedoch, das ginge sie nichts an; 15 Pfennige wolle sie zu ihrem Angebot noch zulegen, mehr aber nicht. Als Lise darauf nicht eingehen fonnte, hieß es:" Nun, so mach daß du forttommst!" Schwapp flog die Korridortür zu. Traurig und zornig packte die Kleine ihre Ware zusammen. Sie fühlte deutlich, daß die vornehme Frau sich gewiß in keinem Laden so benommen haben würde, wie gegen sie, das arme Hausierermädchen. Als sie wieder auf die Straße trat, trieb ihr der Herbstwind einen scharfen, talten Sprühregen ins Gesicht. In diesem Hause aber wollte sie nicht eine Minute länger bleiben. Schnell breitete sie eine alte Gummidecke über ihre Kiepe und eilte dann im Sturmschritt an Gärten und eingezäunten Bauplägen vorüber, der nächsten schüßenden Hausflur zu. Dort hatten Regen und Sturm schon eine bunte Gesellschaft zusammengeführt. Da stand ein junges, feingekleidetes Mädchen, das immerfort lachte und die Musikmappe schlenkerte. Ein junger Mann mit einem Zwicker hatte ein Paket Bücher und Hefte im Arme und blätterte in einem davon. Der ältere Herr daneben mit der würdevollen Miene war gewiß ein früherer Beamter, er schickte prüfende Blicke nach rechts und links. Den größten Plaz nahm eine dicke Frau mit langer Uhrkette und glänzenden Ringen an den kurzen Fingern ein. Das Unwetter tobte gerade mit doppelter Wucht, so daß Lise fast wie ein Windstoß in die Hausflur getrieben wurde. Sie sette ihren Lise war über diese Frage sehr erstaunt. Sie war gegen Wind und Wetter abgehärtet, und deshalb kam es ihr gar nicht so kalt vor. Ruhig sagte sie, daß sie gar keine Schuhe habe. zu Hause habe sie wohl ein Paar Holzpantoffeln, aber darin ließe es sich schwer laufen und sie würde zu leicht müde, wenn sie die an den Füßen hätte. Nun wurde Lise weiter aus. gefragt, weshalb sie nicht wenigstens ein Tuch umhabe, wo sie wohne, wie es bei ihr zu Hause zuginge, wie lange ihr Vater schon frank sei, was ihre Mutter verdiene, was sie heute zu Mittag gegessen habe und vieles andere noch. Lise antwortete immer fürzer und widerwilliger. Was ging das alles diese Leute an. Sie hörte aus den Fragen zu deutlich die Neugierde und dabei einen gewissen Zweifel an ihren Antworten heraus. Der Regen hatte unterdessen etwas nachgelassen, und so machte sich Lise zum Gehen bereit. Da mischte sich der junge Mann in die Unterhaltung, der bisher geschwiegen hatte. Er meinte, es sei doch eine ganz tüchtige Leistung, heute noch mit dem schwer bepackten Tragforb nach dem zwei Stunden entfernten Dorfe zu gehen, das Lise genannt hatte. Da kam er aber schön an! Die dicke Frau wurde vor Eifer über und über rot und konnte gar nicht schnell genug antworten.„ Ach du lieber Gott, das glauben Sie? Haben Sie denn nicht be merkt, wie die Krabbe bei jeder Frage immer verlegener und verstockter wurde? Den weiten Ort wird sie schon deshalb angegeben haben, damit man nicht so leicht nachforschen kann, was alles sie gelogen hat." Der alte Herr setzte bedächtig hinzu:„ Ja, ja, die ziehen sich heimlich Schuhe und Strümpfe aus und verstecken sie in irgend einem Kellerloch oder auf dem Boden, und die armen Eltern wundern sich dann, wo die Bande den Schnupfen her Für unsere Kinder 203 kriegt. Was das Mädchen uns geantwortet hat. ist ja sinnlos. Wie könnte eine Familie mit so wenig leben, wie sie gesagt hat; das gibt es gar nicht." Life starrte die beiden klugen Leute ganz fassungslos an. Sie wollte sich verteidigen, aber es war ihr, als ob in ihrem Halse langsam eine feste Kugel emporstiege. Sie wußte, daß sie jetzt bei dem ersten Worte, das sie sagte, in Tränen ausbrechen würde. Und vor diesen Menschen wollte sie nicht weinen! Mitten in ihrem großen Zorn kam ihr plötzlich ein Gedanke, der all ihr« Em pörung und ihren Schmerz spurlos fortfegte. Sie wußte mit einem Mal, warum diese Leute ihr nicht glaubten. Weil sie selbst noch nie Not gelitten hatten, konnten sie nicht begreifen, daß es solche Not gab, wie daheim bei ihr. Sie konnten auch nicht verstehen, daß schon die Kinder ihr Teil von dieser Not tragen und tapfer dagegen kämpfen mußten. Ob wohl die dicke Dame lo mutig und rastlos arbeiten konnte wie die Mutter zu Hause? Ob wohl das nase- rümpfende Backfischchen die Kraft halte wie sie selbst, nachts aufzusitzen und zu nähen, am Tage bei Wind und Wetter hausieren zu gehen? So fragte sich das Mädchen, und mit stolzer Freude empfand die kleine verachtete und beschimpfte Hausiererin, daß sie mehr konnte als diese Herrschaften. Sie konnte Not ertragen und für ihr Leben arbeiten. Was den Leuten da als etwas Unerhörtes, Unglaubwürdiges er schien, das durchlebte sie Tag sür Tag, und dabei hatte sie noch ihre kleinen und großen Freuden! Und nicht nur sie allein; ihre Mutter und Geschwister und viele, viele andere, die sie kannte, arbeiteten wie sie und lebten wie sie. Täglich erkämpften sie arbeitend ihr Stück Brot. Waren die nicht alle viel mutiger und stärker als die Leute hier, die sie der Lüge ziehen? Life sah ihre Umgebung fast mit leidig an, und während sie ihre Kiepe auf den Rücken nahm, sagte sie:„Ob Sie mir glauben oder nicht, das ist mir ganz gleich; aber wenn Sie mir nicht glauben, warum fragen Sie dann immer weiter?" Damit ging sie hinaus. Hmter ihr klang ein Durcheinander von schel tenden Worten.„Unverschämt! So eine freche Kröte! Aber so sind sie alle." Life kam sich so stark vor, daß sie hell auflachte. Sie reckte sich so gerade empor, wie es die schwere Last auf ihrem Rücken nur immer erlaubte, und während sie in der zunehmenden Dämmerung schnell dahinschritt, sprach sie lächelnd vor sich hin:„Ja, so sind wir alle, alle." Emma D-ltz. Zwei heimgekehrte. Von Anastasius Grün. Zwei Wanderer zogen hinaus zum Tor, Zur herrlichen Alpenwelt empor. Der eine ging, weil's Mode just, Den andern trieb der Drang in der Brust. Und als daheim nun wieder die zwei, Da rückt die ganze Sippe herbei, Da wirbelt's von Fragen ohne Zahl: „Was habt ihr gesehen? Erzählt einmal!" Der eine drauf mit Gähnen spricht: „Was wir gesehn? Viel Rares nicht! Ach, Bäume, Wiesen, Bach und Äain, And blauen Kimmel und Sonnenschein!" Der andre lächelnd dasselbe spricht, Doch leuchtenden Blicks, mit verklärtem Gesicht:' „Ei, Bäume, Wiesen, Bach und Äain, And blauen Kimmel und Sonnenschein!" ovo Eine Floßfahrt auf dem Main. Vlkl. Im Kampf mit Sturm und Wellen. Die Prophezeiung des„langen Schorsch", unseres braven Steuermannes, wir würden weiter schönes Wetter haben, ging leider nicht in Erfüllung. Als wir zur gewöhnlichen Morgenstunde von unserem Strohlager auf standen und zur Bretterhütte hinaustraten, um die Anker zu lösen, waren wir noch von dichtem Nebel umhüllt. Auf eine größere Ent fernung als zehn Schritte ließ er nicht das Geringste mehr erkennen. Statt der aufgehen den Sonne, deren warme Strahlen sich an den anderen Tagen über die waldigen Berg rücken stahlen und die Wasserfluten schim mernd verklärten, begrüßte uns ein feucht kalter, heftiger Wind, der über die Strom fläche strich und einem ins Gesicht fuhr, daß man fröstelte. Was man vom Himmel sehen konnte, war bleigrau, und dicke, trübe Wolken hingen tief herab. Diesmal war richtiges Wetterprophezeien leicht.„Fettheine" betrach tete sich eine Weile tiefsinnig die mißlichen Wetterzeichen und schnupfte aus Arger eine Prise nach der anderen. Als er darauf den Aus spruch tat:„Wir kriegen ein Hundewetter", begegnete er keinem Widerspruch. Wegen des starken Nebels, der viel länger als sonst über dem Wasser lagerte, konnten wir erst eine 204 Für unsere Kinder volle Stunde später als gewöhnlich die Anker lösen und weilerfahren. Jeder Flößer hatte seinen Wettermantel mitgenommen, um gegen das drohend« Unwetter gewappnet zu sein. Aber es regnete vorerst noch nicht, und ohne naß zu werden bekamen wir gegen acht Uhr die bayerische Stadt Aschaffenburg am rechten Mainufer in Eicht. Sie hat ihren Namen nach dem kleinen Flüßchen„Aschaff", das hier in den Main einmündet, und der festen Burg, die auf der Anhöhe von den Römern erbaut wurde und ihren Legionen als Standquartier diente. Auch im Mittelalter, als die Stadt zum Kurfürstentum Mainz gehörte, war ihre Feste ansehnlich und berühmt. An der Stelle, wo der Main als natürliche Verkehrsstraße aus dem waldigen Bergland des Spessarts und OdenwaldeS in die mittelrheinische Tief ebene hinaustritt, auf steilem Uferrande er baut, schützte und beherrschte sie zugleich weit hin dai Land. Mächtig erhebt sich am Ufer das groß« Schloß von Aschaffenburg, die .Johannisburg". Es wurde in den Jahren 1605 bis 1614 ganz aus dem roten, leuch tenden Sandstein erstellt, den die großen Brüche im nahen Spessart boten. Das Schloß ist ein stattlicher, großartiger Bau, der Herr- lich über dem breiten Strom aufragt. Er hat die Form eines riesigen Quadrats, von dem jede Seite 92 Meter mißt. An den vier Ecken hält«in starker Turm, der öS Meter hoch ist, trotzig Schildwache. Fenster reiht sich an Fenster. Bei schönem Wetter, wenn sich die leuchtenden Sonnenstrahlen in den Hunderten von glitzernden Glasscheiben brechen, muß der hochragende Prachtbau wie ein wundervoller Feenpalast anmuten. Im siebzehnten und achtzehnten Jahrhundert be herbergten seine prunkenden Säle oft die Kur- fürsten-Erzbischöf» von Mainz, namentlich wenn diese ihre großen Jagden im wildreichen Spessartwalde abhielten. Auch dem Schweden könig Gustav Adolf, den seine Kriegszüge nach Aschaffenburg führten, gefiel daS prächtige Schloß sehr gut. Er meinte, es habe nur den einen Fehler, daß man es nicht auf zwei Walzen setzen und nach Schweden rollen könne. Die Flößer und auch ich hatten Briefe an das Gasthaus.Zum wilden Mann" in Aschaffen burg adressieren lassen. ES wurde also aus gemacht, daß der Koch und ich hinüberrudern sollten, um die«Post" zu holen. Mancher er wartete mit Schmerzen einen Brief von zu Hause, der erzählen sollte, wie es der Frau und den Kindern ging. Denn die abgehärteten Flößer, die jahraus jahrein viel Zeit von der trauten Heimat weg auf dem Wasser sin�, werden oft genug vom Heimweh über fallen. Sie sehnen sich zurück in die heimischen Tannenwälder des Fichtelgebirges, zurück in ihre ärmliche Hütte und in den Kreis ihrer Lieben. Wie glänzen dann die Gesichter, wenn die großen starken Hände den Bogen ausein anderfalten, auf dem von der Heimat ge schrieben steht!— So stiegen wir beide denn in den Nachen, und der„Dicke" legte sich fest an die Ruder, um, wie er sagte, noch vor dem Regen wieder aufs Floß zurückzukommen. Das Ufer war bald erreicht und der Kahn ange bunden. Der„Wilde Mann" lag nahe der Mainbrücke, und der behäbige Wirt händigte uns«in ganzes Paket Briefe ein. Nachdem wir noch einen frischen Morgenttunk einge nommen hatten, gingen wir weiter. Der Koch wollte noch einiges einkaufen, und ich schlen derte die alte, bergan führende, holprig ge pflasterte Gasse zur Stadtkirche hinauf, um mir diese in der Zwischenzeit anzusehen. Es ist ein uraltes, hübsches Kirchlein, das in seinen Anfängen bis zum Jahre SSO zurück reicht und dem heiligen Peter und Alexander geweiht ist. Weiter draußen am Mainufer beschaut« ich das„Pompejanum", eine rö misch« Villa, die König Ludwig von Bayern in den Jahren 1S42 bis 1849 erbauen ließ. Ihr Vorbild ist ein Bau, der in Pompeji ausgegraben wurde und das Landhaus des Castor und Pollur genannt wird. Orangen- und Zipressenbäume beschatten das zierliche Pompejanum, dessen Inneres ein getreues Bild davon gibt, wie die häuslichen Ein richtungen der reichen und gebildeten Römer waren. Der Himmel hatte sich unterdessen immer bedrohlicher verdüstert, und kaum hatten der Koch und ich den Nachen bestiegen, um zu unseren Kameraden zurückzurudern, so setzte auch schon ein häßlicher Regen ein, der uns bald bis auf die Haut durchnäßt«. Wir waren wirklich froh, als wir nach beinahe einstün- diger Kahnfahrt unser.Hüttenfloß" mit seinem schützenden Dache erreichten. Unser„Dicker", der sich pustend seiner durchnäßten Oberkleider entledigte, hatte bald im Herde ein gewaltiges Feuer angefacht, an dem wir uns trocknen und erwärmen konnten. Unsere Gefährten hatten es lange nicht so gut wie wir zwei, sie mußten bei Sturm und Regenwetter auf ihrem Posten aushalten. Kalt und rauh peitschte ihnen der Für unsere Kinder 205 Wind ins Gesicht, und die durchweichten Kleider| Gebeine Einhards, des altfränkischen Ge klebten ihnen vor Nässe am Leibe. Die Flößer schichtschreibers, und seiner Emma, Karls des aber durften an nichts denken als an ihre Großen Tochter. Arbeit, die um viel schwerer als sonst war und gefährlich noch obendrein. Hier auf dem unteren Main, wo die Schiffahrt eine sehr rege ist, begegneten wir immer mehr Schlepperzügen und Kettenbooten, die stromaufwärts fuhren. Da war die Gefahr eines schlimmen Zusammenstoßes sehr groß. Darum hieß es für die Flößer: aushalten und scharf Achtung haben, um unseren Zug ungefährdet seinem Ziele zuzuführen. Unter Sturm und Regen wurden unsere Fahrzeuge jetzt von den wilderregten Wellen wie Kinderspielzeuge vorwärts gerissen. Aber es sollte noch schlimmer kommen. Wir näherten uns dem hessischen Städtchen Großsteinheim am linken Mainufer und damit der gefähr= lichsten Stelle für die Floßschiffahrt, die der Main in seinem vielgekrümmten Laufe aufweist. Der Strom macht hier ein jähes scharfes Eck, und die dadurch entstehende reißende Strömung wird den langen Flößen gefährlich und droht, sie an das Ufer zu werfen und zu zerschellen. Bei starkem Sturm genügt eine einzige Unvorsichtigkeit der Flößer, ein kurzer Augenblick des Nachlassens ihrer zusammengerafften Kraft, und das Schicksal des Fahrzeugs ist besiegelt. Schon mancher wackere Flößer hat hier in treuer Diensterfüllung im Kampfe mit dem reißenden Element seinen schnellen Tod und fern von der trauten Heimat und seinen Lieben ein kühles Grab in fremder Erde gefunden. Je weiter wir die bayerischen Mainufer im Rücken ließen, desto mehr brach das Unwetter entfesselt los. Wir schwammen rasch ins ebene Land hinaus, und das waldige Spessartgebirge am rechten Mainufer wurde immer mehr zu einer dunstigen Linie im Hintergrunde und verschwand endlich ganz. Weder rechts noch links grüßten hochaufgemauerte Fürstenschlösser über grünem Walde oder blickten zerfallene Raubritterburgen zum Strome herab. Der hatte aber auch längst seine schöne blaugrüne Farbe verloren und wälste schmußig graue Wellen vorwärts, die trüber wurden, je weiter Eine wertvolle Hilfe im Kampfe gegen die wir stromabwärts tamen, und je mehr an tosende Flut leistet den Flößern der sogenannte beiden Ufern qualmende Fabritschlote zum tote Baum". Das ist ein starter Baumstamm, Himmel emporragten. Der Koch fing nun der ganz außen an beiden Längsseiten des feine Fische mehr. Sie waren in diesem Teile Floßes angebracht ist. Der„ tote Baum" ist des Stromes schlecht und ungenießbar, wie er mit seinem unteren Ende fest mit dem Floße fagte. Unser Kochwasser für die nächsten Tage verbunden, so daß ein Losreißen unmöglich hatten wir schon vor Aschaffenburg auf Vor- ist. Mit seinem oberen Ende ist er, solange rat eingenommen. Denn diese Stadt mit ihren man seiner nicht bedarf, mittels eines großen, etwa 16000 Einwohnern und ihren großen starken Seils am Fahrzeug befestigt. Je nach Buntpapierfabriken ist gleichsam an der Grenze dem nun die Strömung anfängt, nach rechts des Industriereiches gelegen, in das der Main oder links stark zu reißen, läßt man den„ toten eingetreten war. An seinen Ufern liegt nun Baum" auf der entgegengesetzten Seite ins Fabrifort an Fabrifort, und der helle Strom Wasser. Ein Flößer löst das eine Tauende, wird von den Abwässern der größeren Betriebe hält es fest und springt rückwärts, indem er verunreinigt. Die mauerumgürteten Städt zugleich mit aller Kraft an dem starken Seile chen am Ufer hörten auf und machten neu- zieht, so daß der„ tote Baum" einen Bogen modisch angelegten Orten Platz. Dichtes Röh- beschreibt und sich zur Seite des Fahrzeugs richt, das allerhand geflügeltem Getier zum quer ins Wasser legt. Selbstverständlich muß Aufenthalt diente, zog sich den Strand entlang, der Flößer seine ganze Kraft anwenden, um und zuweilen flatterte ein Schwarm Möwen den angefeilten Stamm zu halten, damit dieser über unseren Häuptern hin. Durch den grauen nicht von den reißenden Wellen wieder zurückDunstschleier, den der anhaltende Regen über geschlagen wird. Da hebt ein zähes Ringen die Gegend gebreitet hatte, grüßte vom linken an, wer der Stärkere ist, der wackere Flößer ufer das altertümliche Städtchen Seligenstadt oder die wilde Strömung. Der quer im Wasser herüber. An seine einstige Bedeutung er schwimmende Stamm ist ein Wellenbrecher, innerten die Ruine der uralten fränkischen die tobenden Wasser stoßen sich an ihm, und Kaiserpfalz„ rotes Schloß" und das gleich- dadurch wird ihre wilde Wut gedämpft und altrige Benediktinerkloster. Der Sage nach die Gefahr geschwächt, daß ein Floß am Ufer birgt es in seiner ehrwürdigen Abteikirche die aufrennt. 206 Für unsere Kinder Gegen Mittag hatten wir die gefährliche Stelle erreicht. Ungeschwächt raste der Sturm und peitschte die wilden Wellen zu Gischt, der hochaufspritzend den heldenmütigen Flößern ins Gesicht geworfen ward. Wie kleine Sturz bäche troff es von ihren Wettermänteln. Unser Floß war das erste, das die Feuerprobe am scharfen Eck bestehen mußte. Die nötigen Vor bereitungen zum Passieren waren getroffen. Die hinter uns schwimmenden Flöße hatten die Schnelligkeit ihrer Fahrt ganz bedeutend verlangsamt, um einander den nötigen Vor sprung zu geben und nicht von der Strömung aufeinander geworfen zu werden. Unser „Dicker", in dessen festen Armen eine erstaun liche Kraft lag, hatte die größte und stärkste Stange ergriffen und war dem jungen Rudolf am Hinteren Ende des Floßes zur Hilfe geeilt. Trotz seines jugendlichen Alters stand der schweigend und ernst im grimmen Unwetter auf seinem Posten und führte mit aller Kraft den Kampf gegen das reißende Element. Der Floßführer drehte den„Steuerbaum", daß es eine Art hatte, und vorn stand der„lange Schorsch" und stemmte mit ganzer Wucht seine Stange in den Grund. Der Sturm raste stärker, und die Wellen schäumten, schlugen höher, immer höher. Ha— li— hal— lo! Die Strömung! Ein gewaltiger Ruck—, blitzschnell wurde unser Floß von der Strömung dahingetragen. Von allen Seiten stürzten Wassermassen über die Stämme. Schleunigst flüchtete ich Unkundiger aus das Hüttendach. Ich kam mir erbärmlich hilflos und so überflüssig vor wie ein Faul pelz inmitten fleißiger Leute. Klatschend schlug der Regen von Windstößen geschleudert her nieder, und heulend fuhr der Sturm daher. Wilde Strudel brausten gegen das Floß, schwirrend und zischend flog der schneeweiße Gischt an ihm empor. Rauschend, wogend und tosend, in wilder Wut, mit gurgelndem Laut heischte die beutegierige Flut das zerbrechliche Fahrzeug als Opfer, um es am Ufer in tau send Stücke zu zerschellen! Aber trotzig-kühn, die Zähne aufeinandergepreßt, im stummen Kampfe gegen das Element mit den sehnigen Armen weit ausholend, um die langen Stangen in den Grund zu stoßen und wieder herauf zureißen, standen die wackeren Flößer wie Mauern so fest. Ha— li— hal— lo!— Auf gepaßt! Waren das nicht auch Helden? Größere Helden als viele Fürsten und Generäle, von denen ich in der Schule gehört hatte? Setzten sie nicht ihr Leben für ihre Pflicht ein, und das ohne zu töten, ohne zu zerstören? Am Ende des scharfen Eckes kam die reißende Flut mit verdoppelter Macht gegen das Fahrzeug herangerast. Zischend und brausend, vom Sturme getrieben, wirft sie sich gegen das gefährdete Floß. In toller Wut jagt sie immer wieder heran. Die grauen Stadtmauern von Großsteinheim steigen im Regendunst finster und drohend am User auf, gegen sie will die Flut im rasenden Zorn unser Fahrzeug schleu dern.„Den toten Baum raus!" Gellend hat des Floßführers Ruf das Heulen des Sturmes übertönt. Ein Klirren— der Koch hat seine Stange beiseite geworfen und in mächtigen Sätzen springt der gemütliche„Dicke" nun vom unteren Floßende herbei. Flink löst er das Tau und springt rückwärts, es in den Händen haltend. Er zieht mit aller Kraft daran, er spreizt die Beine, dunkelrot wird sein rundes Gesicht vor Anstrengung. Er zerrt und zerrt, ein paar gewaltige Rucke und der„tote Baum" schwimmt quer neben dem Floße im Wasser. Der„Dicke" zieht und hält und steht fest, als wäre er eingewurzelt. Wütend fallen die Fluten über den quertreibenden Stamm her. Unser wackerer Küchenmeister hält ihrem wilden Reißen tapfer stand und meistert mit seiner Kraft ihre zerstörende Wut. Aber auch die anderen auf dem Floße müssen sich mit ganzer Wucht gegen die stürmenden Wogen stemmen. Gewaltig, daß es knirscht und knarrt zwischen den Stammreihen, drückt der Floß- sührer den Sleuerbaum nach dem Großstein- heimer Ufer. Vom stürmischen Regen gepeitscht steht am oberen Ende des Fahrzeugs der„lange Schorsch", am unteren der junge Rudolf. Blitz schnell stoßen sie ihre langen Stangen in den Grund, holen sie wieder herauf und schnellen mit ihnen hoch vom Boden empor, wenn es gilt, sich der reißenden Flut entgegenzusteinmen. Dazu gehört groß», geübte Geschicklichkeit, und nur gute Flößer bringen das ferttg. Bei dem schnellen Auf- und Abspringen an der senk recht eingestoßenen Stange bekommt man leicht das Übergewicht und wird in die Flut hinaus- geschleudert. Nicht jeder, dem das geschieht, kehrt auf das Floß zurück! Wir hatten bald das Schwerste überstanden. Das scharfe Eck war glücklich passiert, und der Sturm begann ein wenig nachzulassen. Der Floßführer und der Koch sprangen nun in den Nachen und ruderten eiligst rückwärts, um den anderen Flößen beim Passieren des ge- Aür unsere Kinder fährlichen Eckes beizustehen. Wir schwammen bereits an der preußischen Stadt Hanau vor über, die am rechten Mainufer liegt, als die beiden ziemlich erschöpft zu unserem„Hütten floß- zurückkehrten. Sie brachten freudige Kunde: kein einziges der sechs anderen Flöße hatte einen Schaden erlitten. Das Wetter besserte sich merklich und in frischer Stimmung trieben wir dahin. Der Tag neigte sich dem Ende zu, als wir die hessische Stadt Offen bach am linken Mainufer erreichten. Hinter ihr, vor den Toren der reichen Stadt Frank furt, verankerten wir die Flöße. Die bestandene Gefahr war das Hauptthema der Gespräche am Spätabend und dann mein— Abschied! Es war der letzte Abend, den ich in der engen Flößerhütte, im Kreise der tüchtigen Männer verlebte, zum letztenmal tat ich der vielbe währten Kunst unseres würdigen Kochs alle Ehre an. In Frankfurt wollte ich an Land, um mich in dieser altberühmten Handels stadt umzusehen, wo deutsche Kaiser tagten und der unsterbliche Dichterfürst Goethe ge boren wurde. Dann sollte es zu Fuß wieder südwärts gehen, dem heimatlichen Schwabe»- land zu. Golden stieg die Tonne am anderen Morgen wieder auf, als ich Abschied nahm. Rosig ver klärt lag daS riesige Häusermeer von Frankfurt mit seinen Kuppeln und Türmen vor uns. Ich drückte kräftig die schwieligen Hände der braven Menschen. Lebt wohl! Auf Wiedersehen! An der alten Mainbrücke setzten mich der Koch und der Floßführer über. Bald stand ich oben neben dem Denkmal Karls des Großen und schaute hinunter auf den lebenwimmelnden Strom. Langsam glitten die einzelnen Flöße abwärts. Wieder und wieder winkte ich den Freunden mit meinem Taschentuch, während sie grüßend die langen Stangen schwenkten. Lebt wohl! Auf Wiedersehen! Langsam ent schwand eines nach dem anderen der sieben Flöße. Auf dem letzten stand der fidele „Fettheine" und hielt die Trösterin in aller Not— die Schnupftabaksdose in der Hand. Langsam drehte ich dem Main den Rücken und wanderte dem hochragenden Frankfurter Kaiserdom zu.„Auf Wiedersehen im nächsten Frühjahr!" hatten die Flößer noch von ferne gerufen. Ja, auf Wiedersehen! Vielleicht macht ihr dann die Reise mit, Buben und Mädchen! Wollt ihr? H-lnrt-h Wandt. c> o o Zottelohr.* Das rauschende Schilf am Teichesrand neigte sich und verbarg das warme, trauliche Nest, wo Zottelohrs Mutter ihren Einzigen versteckt hielt. Sie deckte ihn mit zarten Grashalmen warm zu, und ihr letzter mütterlicher Rat war wie immer:„Bleib still liegen und halte den Mund, mag kommen, was da will!" Zottel ohr, obwohl im warmen Bettchen, dachte na türlich nicht an Schlafen, und mit seinen klugen Auglein musterte er das Stück seiner kleinen, grünen Welt, das sich über ihm auftat. Dort oben schimpften sich eine Elster und ein Eich kätzchen, zwei gar berüchtigte Mausehaken, gegenseitig Diebe, und einmal war Zottels Heimatsbusch sogar der Mittelpunkt eines hitzigen Kampfes. Eine Goldammer erwischte einen blauen Schmetterling kaum sechs Zoll vor seiner Nase, und ein purpurrot und schwarz getüpfelter Marienkäfer, mit seinen kulpigen Fühlern winkend, machte gravitätisch einen langen Spaziergang einen Grashalm hinauf, einen anderen hinab, quer durch das Nest und gerade über Zottels Nase. Jedoch Zottelohr rührte sich nicht und überwand es sogar, zu blinzeln oder zu niesen. Nach einer Weile hörte er ein fremdartiges Rascheln im Laub des nahen Dickichts, ein eintöniges, ununterbrochenes Rauschen, und obwohl er es bald hier bald dort vernahm, es kam näher und näher, aber Tritte waren es nicht. Zottel hatte sein ganzes Leben(er war dazumal drei Wochen alt) im Moore zu gebracht, und dennoch hatte er niemals etwas derartiges gehört. Seine Neugierde war natür lich aufs höchste gespannt. Die Mutter hatte ihm zwar anbefohlen, still liegen zu bleiben, aber nur im Falle einer Gefahr, und dieses fremdartige Geräusch ohne vernehmbare Tritte konnte gewiß nichts Gefährliches bedeuten. Das leise Rascheln ging dicht an ihm vor über, dann zur Rechten, dann wieder zurück und schien sich schließlich zu entfernen. Zottel wußte sofort, was zu tun sei, denn er war ja kein Baby, es war seine Pflicht als Hase, zu erfahren, was es da gab. Er erhob lang sam seinen weichen, rundlichen Körper auf den flaumenbedeckten, kurzen Beinchen, schob den dicken Kopf über die schützende Wand des Nestes und lugte neugierig hinaus in den Wald. Da er nicht? Besonderes entdecken " Aus dem bereits empfohlenen prächtigen Buche „Bingo und andere Tiergeschichten". Ver lag: LosmoS, Stuttgart. 208 Für unsere Kinder fonnte, machte er einen Schritt vorwärts und befand sich Auge in Auge mit einer ungeheuren, schwarzen Schlange. Lügenmärchen. Aus Böhmes, Deutsches Kinderlied". " Mama", treischte Bottelohr in tödlichem Jch will euch singen und will nicht lügen: Entsetzen, als das Ungeheuer auf ihn zuschoß. Ich sah drei gebratene Hühner fliegen, Mit aller aufwendbaren Kraft seiner schwachen Beinchen versuchte er zu laufen. Aber wie sie flogen also schnelle, der Blitz hatte ihn die Schlange am Ohr und sie hatten die Bäuche gen Himmel gelehrt, widelte sich voll gieriger Luft um das hilflose den Rücken nach der Hölle. fleine Häschen, das sie sich zum Mittagsmahl auserforen. „ Mama, Mama," teuchte der arme Kleine, als das grausame Ungetüm begann, ihn lang sam zu Tode zu würgen. Bald, gar bald Ein Amboß und ein Mühlenstein, die schwammen zusammen über den Rhein, sie schwammen also leise. würde des Kleinen Schrei verstummt sein, Da fraß ein Frosch einen glühenden Pflug aber da kam Hilfe in der Not; mit langen, zu Pfingsten auf dem Eise. atemlosen Sätzen kam durch den Wald- die Mutter. Nicht länger mehr eine scheue, furcht- Es wollten drei Kerls einen Hasen fangen, same Häsin, stets bereit, auch vor einem Schatten sie kamen auf Krücken und Stelzen gedavonzulaufen die Mutterliebe war in ihr gangen; erwacht. Der Hilfeschrei ihres Einzigen hatte der eine konnt nicht hören, sie mit der Tapferkeit einer Heldin erfüllt, der andre war blind, der dritte stumm, und hopp, setzte sie über den ekelhaften Wurm. Beim Sprunge schlug sie mit ihren der vierte konnt sich nicht rühren. starten, scharfbewaffneten Hinterläufen fräftig aus und versetzte der Schlange einen solchen Schlag, daß sie sich vor Schmerzen krümmte und vor Wut zischte. Mama," wimmerte ganz schwach ihr Klein od. Und die Mutter wiederholte ihre Sprünge wieder und wieder und schlug heftiger und ungestümer bei jedem Sah, bis das abscheu liche Gewürm Bottels Ohr fahren ließ und nach der Alten schnappte, aber alles, was es erwischen konnte, war ein Flöckchen Wolle. Der Häsin sausende Hiebe fingen an, ihre Wirkung zu zeigen, denn lange, blutige Striemen waren in den Panzer des schwarzen Ungetüms gerissen. Nun will ich erst singen, wie es geschah: Der Blinde zuerst den Hasen sah im Feld geschwind hertraben. Der Stumme rief dem Lahmen zu, da faßt ihn der beim Kragen. Es segelten etliche über Land, die Segel hatten sie in den Wind gespannt und segelten auf den Feldern. Sie ſegelten auf einen hohen Berg; da ertranken fie all in den Wäldern. Es ging ein Krebs auf die Hasenjagd: Die Wahrheit kommt heraus mit Macht und bleibt nicht lang verschwiegen. Es lag eine Kuhhaut auf dem Dach, die war da hinaufgestiegen. $ 10 Hiermit will ich mein Lied beschließen, sollt es die Leute gleich verdrießen, und will nicht länger lügen; Die Sache begann der Schlange ungemütlich zu werden, und indem sie sich für den nächsten Angriff vorbereitete, lockerte sich der eiserne Griff, mit dem sie das kleine Häschen umflammerte, das sich sofort aus der furcht baren Umschlingung herauswickelte und im Niederholz verschwand, außer Atem und zu Tode entsetzt, aber unversehrt bis auf sein linkes Ohr, das vom scharfen Bahn arg zerfetzt war. Die Mutter hatte nun alles erreicht, was in meinem Land sind die Fliegen so groß fie wollte. Sie fühlte keine Neigung, um Ruhm oder Rache zu kämpfen, so verschwand als auch sie im Wald, und das befreite Häschen folgte ihrer weißen Blume wie einem Leuchtturme, bis sie in einer sicheren Ecke des Moores angelangt war. Ernest Seton Thompson. hierzuland die Ziegen. Verantwortlich für die Redaktion: Frau Klara Betfin( Sundel), Wilhelmshöhe. Post Degerloch bet Stuttgart. Druckt und Berlag von Baul Singer in Stuttgart.