Nr. 275 AbomumeM»- Aedwgungm: Abonnement»-Preis pränumerando! Bierleljährl. SL0 Mb, monatl. i.lllMI., wöchentlich 28 Psg. frei in» Hau«. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntag«- Nummer mit tllustrirter Sonntag«- Betlage„Die Neue Welt" 10 Psg. Post- Abonnement: ZL0 Mark pro Quartal. Singetragen in der Post-Zettung«- Preisliste für ISS? unter Dr. 7437. Unter kkreuzband für Teutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da« übrige Ausland S Mark pro Monat. Erscheint täglich»«her Wontag«. 14. Jahrg. Dke Insertlons- Grbülsr beträgt sür die sechSgelpaltene lkolonel« «eile oder deren Raum 40 Psg., sür verein«- und Versammlungs-Anzsigen, sowie ArbeitSmarlt 20 Psg. Inserate sür die nächste Nummer müssen bi« 4 Uhr nachmitiag« in der Expedition abgegeben weide». Tie Expedition ist an Wochentagen bi« 7 Uhr abend«, an Sonn- und Festtage» bis o Uhr vormittag« geössnet. Derlinev Volksblatt. Fernsprecher: Hmt I, Er. 1608. Telegramm-Adresse: „Poiialdemostrak Berlin". Zentrawrgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Wedaklion: 8V. 19. Meuly-Struße 2. Donnerstag» den 25. Uooemder l8l)7. K�edltlo»: sv. 19. Uettty-Maße s. Mvberseeifche Mtnchkenkfalkung. Es wird uns geschrieben: Die plötzliche Besetzung der Kiau-Tschan-Bucht auf der Halbinsel Schantung in China durch deutsche Truppeil dürfte selbst für die Kreise überraschend gekommen sein, die schon seit Jahren dem Deutschen Reiche„Weltmachtspolitik in großem Stile" empfohlen haben. Auch sie müssen zum wenigsten über den Moment und den Anlaß des Eingreifens des Telitschen Reiches in den Rieseilkampf erstaunt sein, den, wie sie meinen, die Völker im nächsten Jahr- hnndert um ihre Weltmachtstellung auszukämpfen haben werden. Erst in allerjüngfter Zeit muß den Personen, die die ansivärtige Politik im Reiche machen, die plötzliche Ein »ebung gekommen sein, noch ehe der Reichstag sich für oder jjegeu die Marinevorlage erklärt hätte, rasch Thatsachen zu schaffen, die Teutschlands Macht in eine Fülle von ernsten Konflikten mit anderen Mächteil verwickeln müssen. Zu dieser Auffassung nniß ieder gelangen, der die Ev eigniffe der letzten Wochen mit ocr answärtigell Politik der letzten Jahre vergleicht. Der prinzipielle Umschwung liegt auf der Hand. Die Ern>ordung einiger Missionare bietet heilte den Anlaß, mit China eineil Konflikt zu provoziren, der deutscherseits ebenso an den Haaren herbeigezogen ist, wie der niit Haiti. Warum hat die deutsche Regierung nicht schon 1895 sich ver- anlaßt gefühlt, die gefährdeten dentschln Missionsstationen zu schützeil? Jil Swatow in der Provinz Kiivang-Tung fieleil im August 1895 zahlreiche dcntsche Missionare der Volkswuth »um Opfer. Obwohl die chinesische Regierung strenge Be- strafung der Schuldigen in Aussicht stellte, geschah nichts und der deutschen Regierung fiel es nicht im geringsten ein, damals die Unterlassungssünden der chinesischen � Regierimg an die große Glocke zu hängen. Obgleich noch im Juni 1896 chinesische Volksmassen die Deutschen in Nanking wieder- holt insultirten, empfing trotzdem der deutsche Kaiser Mitte �uni nicht nur den Vizekönig Li- Huug- Tschung in feierlicher, freundschaftlicher Audienz, sondern sprach ihm gegenüber auch die zuversichtliche Hoffnung aus, daß die in der Vergangenheit erprobte, a,lf gleichen Interessen des Friedens und der Kultur beruhende Freundschaft zwischen China und Deutschland in Zukunft unvermindert fortbestehe. Die neueste Politik des Deutschen Reiches gegen China stimmt schlecht mit den damals gewechselten Zusicherungen sreundschaft- licher Gesinnungen und mit dem früheren Verhalten des Reiches bei ähnlichen Veranlassungen. Wenn Deutschland also plötzlich gegen China andere Saiten aufzieht, so müssen die Gründe dafür ganz wo ailders als in der Ermordung deutscher Missionare gesucht werden. Nun wird gesagt, Deutschland wünsche zum Ausgangspunkte seiner ostasiatischen Operationen eine eigene Flottenstatioil und daher die Okkupation der Kiau-Tschau-Bucht. Wir bestreiten nun zwar die Berechtigung zur Erwerbung einer Kopfstation sür Weltmachtspolitik in Ostasien ganz entschieden, möchten aber doch zur Kennzeichnung der plötzlichen Kursschwankung unserer auswärtigen Politik ans eine Gclegeilheit hinweisen, bei der Tentschland ohne jeglichen Konflikt in der Lage gewesen wäre, eine Erweiterung der deutschen Macht- sphäre in Ostasien zu erlangen. Das war bei den Verhaild- liingeii mit China und Japan behufs Revision des Friedens von Schimonoseki im Jahre 1895. Damals wäre es für den dcntschcil Unterhändler nicht ausgeschlossen gewesen, auf leichte Weise in den Besitz von Formosa zu gelange». Wenigstens boten die Weltmachtspolitiker Deutschlands alles auf, im Sinne der Berwirklichung dieses Planes die ans- wältige Politik des Deutschen Reiches fzil bestimmen. Erfreu- lichcrweise war damals die Regierung nüchlcruer als eine ein- siußreiche Klique gefährlicher Abenteurer. Das Reich beschränkte sich darauf, die handelspolilischen Beziehungen Deutschlands in Ostasien zu sichern. Das war 1895. Und heute werden die Prinzipien der danialigen answärtigeil Politik förmlich umgestülpt iind die nächste beste Gelegenheit zum Anlaß einer großen überseeischen Aktion gemacht. So uilscheinbar jetzt noch das Vorgehen Dentschlands China gegenüber sein mag, es niiiß und wird zu den ernstesten Verwickelungen nicht nur mit China selbst, sondern auch mit anderen Großmächten, vor allen» mit Japan, führen. Denn haben wir in China erst einen festen deutschen Besitz, dann müsse» wir dort auch ständig Kriegsschiffe unterhalten. Deutsche Kaufleute und deutsches Kapital werden sich dort ansammeln»nd mit wenig Unverfrorenheit das Innere China's zu erschließen suchen. Unter dem Schutz der nahen Kriegsschiffe fühlt sich der deutsche Kaufmann dann zuversichtlich genug, um Streitigkeiten und Bedrohungen nicht klug ans dem Wege zu gehen, sondern sie an sich herankommen zu lassen. Die Quelle der Verivickelungeu ist gegeben, ganz abgesehen davon, daß auch die gegen- scitigcn Beziehungen der europäischen Mächte in Ostasien fruchtbaren Konfliktstoff in Hülle und Fülle in sich bergen. Wollen ivir ailch dabei sein, dann ist eben, das ist nicht zu leugnen, eine achtnngsgebietende Kriegsmarine eine unumgäng- liche Nothwcndigkcit. Und da fragt sich's denn doch, ob das deutsche Volk eine solche überseeische Machtpolitik mitmachen will oder kann? Die deutsche Regierung hat es ja nicht für nöthig gehalten, den Reichstag wegen der grundsätzlichen Aenderung ihrer aus- wältigen Politik zu befragen. Während der Staatssekretär des Ansivärtigen Amtes zur Abschiedsvisite in Italien war, ist der verhängnißvolle Umschwung erfolgt, hat man Thatsachen ge- schaffen, an denen der Reichstag niit seiner Opposition scheitern soll. Denn eine energische Opposition ivürde nichts anderes verlangen müssen, als eine sofortige Aufgabe der besetzten Bucht und dazu dürfte sich der jetzige Reichstag wohl kaum aufschwinge». Eine solche Opposition erheischte anderer Mittel, als sie der gegenivärtige Reichstag anzuwenden geneigt sein dürfte. Selbst wenn der Reichstag die übermäßigen Flotten- forderungen ablehnen sollte, so ist daniit doch nicht der Keiui beseitigt, der mit innerer Nothwendigkeit zur Ver- größerung der deutschen Kriegsmarine treibt und das ist eben die Festsetzung Dcntschlands in China selbst, welches Faktum der deutsche Reichstag wohl kaum»>chr aus der Welt schaffen wird. Wohin aber solch' ein Faktum führt, das können ims andere Länder lehren. Wir erinnern nnr an Frankreichs Beispiel, das durch die Abenteurerpolitik Napoleon's des Kleinen in seine oft- asiatischen Kriege verwickelt wurde, die bekanntlich ungeheuer viel Geld und Blilt gekostet, aber in keins�c Weise den er- hofften wirthschaftlichen Gewinn gebracht haben. Nachdem einmal A gesagt ivar, war kein Zurückgehen mehr möglich, ei» Konflikt folgte dem andern, und Frankreich war»ach bc- dentenden Verlusten schließlich froh, unter Englands Vcrmittelnng noch einen anständigen Frieden mit China abschließen zu können. In Frankreich war das Volk aber längst des kostspieligen»nd langivierigen Krieges über- drüssig geworden. Frankreichs Lorbeeren in seiner ostasiatischen Kampagne inüssen das deutsche Volk vor ähnlichen Anssichten abschrecken. Und dabei können wir uns mit Frankreich in Beziehilng ans seine Seestreitkräfte noch in keiner Weise messen. Zu einer überseeischen Machtentfaltung fehlt nun Dcnlschtand in erster Linie die nölhigc Kriegsflotte. Sie heute noch zu schaffe», ist eine Unmöglichkeit, da die Fortschritte der mit Denlschland konkurrirenden Staaten von einem noch so lcistnngsfähigen Volke, wie es das deutsche nicht einmal ist, nicht mehr ein- geholt werden können. Die Absicht der Leiter unserer auswärtigen Beziehungen durch die Besetzung der Kiail-Tschan-Bnch't, Deutschland in die Bahneil einer uferlosen Wellmacht- Politik zu lenken, zeugt daher nicht nur von grenzenlosem, llnverantworl» lichem Optiinismns, sondern von einer vollständigen Ver- kennung der Leistungsfähigkeit Teutschlands ans hoher See. Eine nüchterne Abivägung aller Umstände muß zu dem Rcsnl- täte kommen, daß wir es uns nicht einfallen lassen dürfen, uns irgendwie der Möglichkeit eines Konfliktes mit einer ersten Seemacht auszusetzen, der auf hoher See ansgesochtcn werden müßte. Ein solcher Konflikt ist aber durch den Erwerb chinc- fischen Gebietes nicht ansgeschlosscn. Tie Möglichkeit für ihn wird geradezu geschaffen und damit auch die Möglichkeit für eine sichere Niederlage der deutschen Flotte. War der Zwischenfall mit Haiti nur als eine Pression ailf den Reichstag zu gunsten der Marinevorlage anfznfasse», so ist der Konflikt mit China und die Okkupation chinesischc» Gebietes nichts anderes als der erste Schritt einer Weltmachts- Politik, deren verhängnißvolle Tragiveite in keiner Weise ab- zusehen ist. In die Wahlparole sür die nächsten Reichstagswahlcn muß darum nicht nnr einbezogen werden: Gegen die Marinevorlage, gegen neue Steuern, sondern mit viel mehr Berechtigung: Gegen jede konfliktsschwangere Machter iv eiteru n g über See, gegen jede Abenteurerpolitik! politische Mebeefichk. Berlin. 24. November. Die Ersatzwahl im Kreise Oldenburg- Plön. Ein endgiltiges Resultat über die gestern stattgefnndene Wahl liegt noch nicht vor. Nach der letzten Depesche, die wir ans dem Kreise erhielten, fielen auf den Kandidaten der vereinigten Konservativen und Nationalliberalen(unterstützt vom Blinde der Landwirthc) Herrn v. Tungeln 7597 St.. auf den Sozialdemokraten Wein Heber 2769 St., auf Damaschke(national-sozial) 2493, ans Schmidt(freis Volkspartei) 1839, auf Hocck(freis. Vercinignug) 1394 St. Es fehlten bei diesen Ergebnissen noch 59 Ortschaften niit ca. 999 Stimmen. Jedenfalls hat S t i ch w a h l zwischen d e in konservativen u n d dem sozialdemokratischen Kandidaten stattziifinden. Bei der Wahl im Jahre 1893 siegte im ersten Wahlgange der konservative Graf Holstein mit 9281 Stimmen; ein Frei- sinniger erhielt 3898, ein Sozialdemokrat 3239 Stimmen. Zur richtigen Würdigung der Bedeutung dieser Wahl geben wir einige Mittheilungen wieder, die uns ans dem Kreise selbst zugehen: „Der Kreis Oldenburg- Plön ist ein fast ganz ländlicher, sehr ausgedehnter Wahlkreis. Von Industrie ist fast keine Rede. Ans dem Laude überwiegt der groizbauerliche Betrieb, auch fehlen große Güter nicht. Das ländliche Proletariat lebt in größter Abhängigkeit von seiner Herrschaft. Wahlbeeinfliissung der gröblichste» Art ist hier selbstverständlicl, an der Tagesordnung. An der Küste wohnt eine zahlreiche Fischerbevölkernng. Ist es ei» Wunder, daß in diesem Wahlkreis konservativ ge- wählt wird? In den siebziger Jahre» ist zwar einmal ein Sozialdemokrat, Reimers aus Hamburg, gewählt worden, aber das geschah aus Opposition gegen das verhaßte Preußen, nicht ans Sympathie für die sozialdemokratischen Bestrebimgen. Seitdem sandle der KreiS Oldenburg- Plön stets mit großer Majorität konservative Abgeordnete in den Reichstag. Bei der jetzige» Wahl versuchte» Freisinn sowie die neu ans- tretende Richtung der Ralional-Sozialen neben den Sozial- deniokraien die Wähler zu gewinnen. Die Freisinnigen leisteten sich lhörichtenveise den Luxus zweier Kandidaturen. Die Ralional-Sozialen dachten nicht nur an eine Zählkandidatur, sonder» ivollien einmal ernst- hast erproben, was sie im politischen Kampfe auszurichten vermögen. Das bewies ihre Agiialio», die mit einem wahren Feuereifer betrieben worden ist. Während vier Wochen durchreisten die besten Redner der Rational-Sozialen den Kreis, überall Flugschriften ver- breitend, Versammlungen abhallend und i» zahlreichen Fällen die Diskussion i» gegnerischen Verfammlnngen zur Propaganda be- nutzend. Die Göhre, Naumann, Gerlach, Bueck, Tischendörfer>nid nicht zuletzt natürlich der Kandidat Herr Damaschke selbst boten die ganze Kunst ihrer Beredsamkeit aiif, um Anhänger zu werben. Und man muß zugestehen, daß diese Kalkulationen nicht ganz phantastisch schienen. Wenn die verschwommene, ividerspruchsvolle Politik der Herren irgendwo eine Aussicht auf Anklang haben konnte, so hier unter der Bevölkerung des neunten Schleswig- Holsteinischen Wahlkreises. Das Wahlprogramin der Herren enthielt Forderungen aller gegnerischen Parteien. Von den Konservativen halten sie die Forderung(allerdings nur absolut erforderlicher) Schutzzölle entlehnt, auch rühmten sie sich nicht mit Unrecht»ach, ebenso begeisterte„Patrioten" und Mililärschwäriner zu sei», wie die Konservativen. Mit Freisinnigen und Sozialdemokraten erklärten sie einzutreten für größere Volks- rechte, für(möglichste) Beseitigung der indirekten Veslenerung. sür eine scharfe progressive Einkommensteuer, Erbschaftssteuer u. s. w. Weitete Joiderunge» waren: Gesetzliche Festlegung der zweijährige» Dienstzeit, öffentliches Mililärgerichtsversahre», Einschreiten gegen den Dueüunsiig:c. Diese Forderungen waren wohl dazu angelhan, dem freisinnige» Spiesicr zu impouiren, während die Phantasien von einem„sozialen Köniathum" und der Verpflichtung des Ein- lretens sür die„Macht und Ehre" des Vaterlandes auch konservativ Gesinnte» angenehm in das Ohr klinge» mußten. Ferner war das Betonen der Forderung eines energische» Arbeiterschntzes ae-ignet, naive Seele» aus dem Arbeitcrstande zu belhöre», sintemalen das Stimmen für einen Rational- Soziale» ja bei iveitein nicht mit de» Gefahren verbunden ivar, welche d�s Stimmen für einen Sozialdemokraten in sich barg. Unsere Partei litt zudem noch unter große»» Mangel a» Versa»»«- lungslokalen und ivar in ihrer Agitation nicht besonders lebhaft." Das uiiu vorliegende, ivenil auch noch nicht ganz voll- ständige Wahlresultat wird vor allem die National-Sozialen sehr betrüben. Trotzdem der Kreis für sie recht günstig war, trotzdem sie alle ihre besten Kräfte dorthin zu werfen vermochten, die bei einer allgemeinen Wahl nur zerstreut wirken können, haben sie wenig erzielt. Ebenso haben die freisinnigen Richtungen recht schlecht abgeschnitten. Infolge ihrer Uneinig- kcit unter einander fallen sie auch aus der Stichwahl aus. A m günstigste n ist das Wahlergebnis! f ü r die Sozialdemokratie. Sie hat zwar fast 599 Stimmen weniger erzielt als 1893, aber ihr Hauptgegner, der Vertreter der junkerlichen Reaktion, hat ebenfalls einen bedeutenden Slimmenrückgang erfahren, der sich nach den vorliegenden Milthtfilimgen ans fast 1899 Stimmen beläuft. Faßt man das Gesammlrcsultat des Wahlkampfes ins Auge, so ist auch bei dieser Wahl wiederum ein Rückgang der Rcattionsparteien und ein Vormarsch der mehr oder welliger freiheitlichen Parteien zu verzeichnen. Im Jahre 1893 standen dem konservativen Kandidaten nnr 7128, diesmal aber 8394 Oppositioilswählcr gegenüber. Also ein W a ch S t h n in der Opposition um über 1 399 Stimmen, ei« Rückgang der Reaktion um 1899 Stimmen! Und voran in dem Kaiupse gegen die junkerliche Reaktion marschirt auch in jenem ländlichen Wahlkreise die energischste Verfechterin der politischen und sozialen Emanzipation, die Sozialdemokratie!— Ter Lnndrath»nd Z llvZ. Wie wir schon gestern mittheillen, ist der Laudralh v. P u t t k a m e r vom Amts- gericbt S t o l p freigesprochen worden von der Anklage, die die Redakteure des„Reichsblatt" und„Baucrnsrenud" gegen ihn erhoben hatten. Jetzt liegt auch die Begründung des Ur« thcils vor. Dasselbe besagt: „Es nniß zivar anerkannt werden, daß der Angeklagte dia Verfügung vom 28. Juli 1897 in amtlicher Eigenschaft zu erlassen nicht berechtigt war. Im ganzen preußischen Staate werde» Zeitungen jeder Art und jeder Richtuug durch schulpflichtige Kinder nmhergctrage», ohne daß cm Mensch daran Anstoß genornmcn bätte. Auch sei der Angeklagte Geb. Regierungs» rath v. Pullknmer nicht direkter Vorgesetzter der Lehrer, so baß ihm ein Eingriff in die S ch u l z u ch t nicht zustehe. Es könne ihm deshalb in seiner Eigen- schaft als Beamter der Schutz des ß 193 des Reichs-Strafgesetzbnches nicht zugesprochen werden. Der Gerichtshof komme aber aus einem anderen Gesichispunkle dazu, ihm diesen Schutz dennoch z u b e w i l l i g e n. Ein Rc- daktenr sei als Verfasser der Zeitung ein G e w e r b e t r e i- den der, und der Ausdruck des angeklagte» Laudraths könne nnr als ein„l a d e l n d e s U r t h e i l" über e i n c g e>v e r b- liche Leistung angesehen werden, die nur dann strafbar sei, wenn das Vorhandensein einer Beleidigung in der Form der Aeußeruug oder ans de» Umstände», unter denen sie ge- schah, hervorgeht. In dieser Beziehung sei aber festzustellen, daß im heutigen politischen Leben und im Parteikainpse Ausdrücke ,vie„gemeingefährlich" und dergleichen nnr in dem Sinne gebraucht werde», daß die Meinungen der Gegner init dem Ge- meiuwohl nicht vereinbar und deshalb gemeingeinhrlich seien. Die Form der Aeußeruug und die Umstände, unter denen sie geschehet, ist, deute» also darauf hin, daß es dem augeklagte» Landrath nicht darauf angekommen i st, die Person des Redakteurs zu treffen, sondern nur die Verbreitung der ihm. parteipolitisch nnangenedmen Blätter zu verhindern." Allerlei Respekt vor dem Nrtheil des Stolper Amtsgerichts. Ließ sich die Auffassimg von der Biederkeit des Herrn Landraths aber nicht durch eine etwas weniger kühne Ans- leg«, lg bekräftigen als die, daß ein Redakteur ein Gewerb- treibender sei? Jndeß uns soll es gewiß recht sein, wenn der Schutz der berechtigten Intcressen bei politischen Kontroversen in niög- lichst weitem Maße und wäre es auch durch solche wundersamen Ausdeutungen gewahrt würde. Nur ist es gar merkwürdig, daß dieser Schutz gerade den v. StuiUm und v. Puttkamer zugesprochen wird. Das ist natürlich lediglich Zufall; ein Gericht befindet so, ein anderes anders. Daß Otzpositionspolitiker und gar Sozialdemokraten so fürsdrglichen Schutz bei den Gerichten finden könnten, das darf man selbstverständlich in den gegenwärtigen Zeitläuften nicht erwarten!— Aberkennung der Berechtignng zum Einjährig- �beiUnfligen-Ticiist. Ein früherer Schüler der technischen Hochschule in Charlotteuburg, G. Kr. hatte, als er noch Stuoent war, über eine studeutliche Angelegenheit an die Zeit- schrift„Sozialistische Monatshefte" berichtet. Diese Thatsache war bekannt geworden und wurde, als Kr. sich zur Ableistung seiner einjährige» Dienstpflicht meldete, der Militärbehörde hinterbracht. Diese hat daraushin demselben das Recht, als Einjähriger zu dienen, aberkannt und ihn als Zweijährigen einem Regiment zugewiesen. Kr. mochte sich diese Behandlung nicht gefallen lassen und ging ins Ausland. Die Militärbehörde macht das Privilegium des Ein- jährig- Freiwilligen- Dienstes also auch von der politischen Gesinnung des jungen Mannes abhängig. Wer irgendwie sozialdemokratischer Gesinnungen verdächtig ist, soll nicht ein- jährig dienen dürfen. Warum erklärt man solch gefährliche Menschen denn nicht lieber des Soldatenwevdens überhaupt für„nicht würdig"? Wenn das so schon genug svcrhaßte Privilegium des Einjährig- Freiwilligen- Dienstes auch Noch als unverträglich mit politisch freiheitlicher Gesinnung erklärt wird, so wird es bei der Masse des Volks und der Soldaten nur eine �noch abfälligere Beurtheilung erfahren!—- Deutsches Reich. — Der Entwurf der Militär-Strafprozeß- Ordnung wird, wie der„Hamb. Corresp." ans Berlin erfährt, au, 27. November in einer Extrabeilage des„Reichs-Auzeigers" ver- össilitlicht werden.— — Die Zeitschrift„Handel und Gewerbe" ist z»in Organ des deutsche» Handelstages gemacht worden. Unter Ausschliehttug wissenschaftlicher und polilischer Aufsätze bezweckt die Zeitschrift hauptsächlich zweierlei: 1. Darstellung»ud Verarbeitung der Ergebnisse der Thätigkeit der Handelskammer» und verwandle» tiörperschnfien, 2. Förderung der Thätigkeit selbst. Man hofft da- durch eine größere Wirksamkeit dieser Arbeit zu erzielen und ihr namentlich"bei den Regierniigen, den Parlamente» und der Presse eine eingehende Berücksichiigung zu verschaffe».— — Chronik der E i s e» b a h n n n f ä l l e. Amtlich wird gemeldet: Der Nord- Expreßzng Nr. l2 überfuhr i» der Nacht vom 22- zum 23. d. M. ans dem Ueberwege bei Bude S zwischen den Stallone» Wustermark und Gr. Behnitz der Bahnstrecke Berlin- Stendal ei» Milchfuhriverk, tödtele den Kutscher und beide Pferde. Das Fuhrwerk war, während der Kutscher fest schlief, gegen die vorschrislsmäsjig geschlossene Barriere gefahren und hatte die- selbe soweit vorgedrängt, daß die Pferde im Geleise standen. Bon, Wärter an- dem Schlaf aufgerüttelt, wurde der Mann bei dem ge- »»einsamen Versuch, die Pserde zurückzudrängen, trotz Warnung vom Zuge überrascht und sammt de» Pferde» gelödtet. Amtlich wird ferner gemeldet: Vorgestern Abend 63/4 Uhr wurde durch de» Schnellzug 9ö(Bingerbrück— Köln) unterhalb der Station Salzig ein aus den, Uebergang bei Bude Itö liegen gebliebenes Laugholzfuhrwerk überfahre» und ist dabei die Lokomotive mit einer Achse entgleist. Personen wurde» nicht verletzt. Endlich wird noch amtlich ans Elberfeld gemeldet: In der Nacht vom 23. zum 24. d. Mts. fuhr auf der Stalion Barmeu-Nitters- hausen eine Lokomotive eine», einfahrende» Güterzuge i» die Flanke, wobei ein Bremser verletzt und die Lokomotiven und zehn Wagen beschädigt wurden. Der betreffende Lokoinoiivführer halte seine i» einem Naugirkopf stehende Maschine trotz falscher Weichenstellmig auscheiiieud ohne jegliche» Austrag in Bewegung gesetzt.— — Ein Parteitag der deutschen Volkspartei für Baden ist aus de» 16. Januar in Karlsruhe anberaumt.— — Verleumde nur ruhig... Die Streikposten be- kommen erhöhte Besoldung aus der Streikkasse, lugt die„D. Volks- wirthschaftl. Korres p." abermals, ohne de» Schallen eines Beweises herbeizubrittge». Damit es aber nicht bei der eiue» nur wiederholte» Lüge bleibt, erstndet sie»och eine und behauptet, die NachklÄngo Herr Normaim-Schumann besitzt»eben scineii ja von viele» Seilen anerkannte» Talente» auch die Gabe, den Biedorina»» z» spiele». Er ist kein Moralfatzke, mit der Offenheit des GewohnheUs- sünders spricht er von seinem ehrlosen Gewerbe als elwaS Selbst- verständlichem, er ist nur«ntrüftet, wen» man an seinem Einfluß und seinen hohen Berbindnngcu zweifelt. Er gesteht ganz ungeinrt zu, daß er schon mit 21 Jahren wegen Wechselsälschnng bestraft wurde: aber was ist daran Böses? Es war ein Glück leicht- sinnige» Liebeslebens der ersten Jugend!'Als Lehrer in der Selecta einer höheren Töchterschule zu Berlin verliebte er sich i» eine„hübsche Frauensperson"— Alma v. Norinani,— die kam in Geldverlegenheiten, was blieb ihm als schmachtendem Seladon anders übrig, als ei» kleines Papierche» zu fälsche»? Und schon damals verfügte er über hohe Gönner: den» die Abbüßung der Strafe ward ihm durch eine eigene K a b i n e l s o r d r e W i l h e l in s I. er- spart! Wenn's wahr ist— den» an die Angaben Schumapn's darf man»ur glauben, wen,, sie durch andere Thatsache» imler- stützt werden. Was er in der Denunzialion wider Bebel und v. Marschall an die Oberstaaisaiiwalischast»ainciitlich in bezng auf das Aenßere Amt alles zusnmmettschwafelt, ist geradezu un- glaublich. Wenn ma» die von den unglaublichste» Beschimpfungen von Marschall's, v. Holstelu's, v. Kiderlen's, Hamauu's strotzende„'An- klageschrisl" liest, begreift man, war, im sie von Paris aus dalirt ist; i» der Schweiz trauie Her« Schumann den Gerichten wohl nicht vo» wegen einer etwaige» BeleidlgnugS- und Verleumdungsklage! Er bringt es fertig, die genannten Beamten als die eigenllichcu Veranlaffer aller jeuer Majestätsbeleidigungs- Artikel in der ausländischen Presse hinzustellen, die nach den Aussagen Bebcl's, Marschall's, Breutano's zc. e r lancirt hat. Er redet mir von dem„Trio" oder der„Klique Holstein- Marschall- Hamann", von dem„großen Düngerstall in der Wilhelm- straße"; auch gegen Herrn Ober- Staatsanwalt Drescher —„den MnsterstaalSanwalt", das„Werkzeug jener berüchtigte» V-rbrecherklique im Auswärtige» Amt"— erhebt er den Vorwurf „staatsamvalilichen Versteckenspiels" und sei» Cymsnms geht soweit, daß er den Tausch- Prozeß eineu„unerhörten Gerichtsskaudal" nennt, de» gegen ihn erlassenen Haftbefehl„nur ein krimina- listisches Schemgefecht, um mich künstlich ciiizuschüchlern und als Hauptzeugen vom Prozeß v. Tausch f e r u zu h a l t e»", dem, über einen Monat„och nach dein Leckert- Lutzow- Prozeß, bis zum 17. Januar, habe man ihn in Berlin mit seiner Familie unbehelligt wohnen lassen. Auch gegen v. Tausch giebt er eine Salve von Bsschimpsungei, und Anschuldigungen ab. Bereits am 17. Juni d. I. habe die Nestanratcure würden von uiiseren Parteigenossen zu einer hohen Beisteuer für den sozialdemokratischen Parteisonds herangezogen. Solche Lächerlichkeiten sagen Leute, deren politischer Einfluß»ur denkbar ist durch das Aufgebot aller Beamten bis zum Nachl- Wächter, durch rücksichtslose» Terrorisniiis der Unternehmer gegen die Arbeiter. Jeder anständige Mensch weiß, daß keine Partei mit so eiuwandsfreien Mittel» ihre Beiträge ausbringt, wie die Sozial- demokratie. — Offiziere und Sozialisten blatt. Ans M a i N z wird berichtet: Einer Unserer Genossen, der bisher in der Restauration des KonzerthaNses Liedertafel verkehrt hat, pflegte dort zum Essen die„Mainzer Volkszeilung" z» lesen. Gestern wurde er zii feinen, Erstanuei, von dem Wirlhe ersucht, diese Lektüre zu unter- laffen, da dort verkehrende Osfiziere ihn darüber zur Rede gestellt hätten. Unser Genosse betilerkte, daß er die Herren bedauere, wen» sie eine abweichende MeiiiUng nicht vertragen könntei,. daß er eben diese Zeitung lese und künftig das Lokal meide» werde.— A»S Oberschlefie«, 23. November.(Eig. Ber.) Ei» für die obitschlesische Montanindlistri« sehr wichtiger Prozeß ist jetzt voiit Reichsgericht entschieden worden. Schon im Jahre 1888 halte der 1890 verliorbeue Graf Hugo Henckel von Donnersmarck für das Gebiet der ihm gehörigen freie» Slandcsherrschaft BeUtlie» Oberschl. ans grund einer ganzen Anzahl aliet Urkunden die Privatbergregäliiät beansprucht, wie sie der Fürst von Pleß und der Herr von'Tiele- Winckler für das Fürsleiuhnm Picß resp. für die Herrschaft Kaitoivitz- Myslowitz besitzen»Nv ausüben. Das Benthener Landgericht Halle aber seine Klage gegen den königl. Berg- fiskns, der das Bergregal ansübie, abgewiesen. Das Bresiniier Land- gericht gab zwar de» Erbe» des Grase» Hugo, de» drei Brüdern Hugo, Lazy und Zlrlhnr Henckel vo» Donnersmarck, die die Klage ihres Balers wieder anfgenommen hatle», recht(1891), aber sowohl das Breslauer Ober- Landesgcricht(1392) wie das Reichsgericht (1393) erkannte» auf Abweisung der Klage. Noch im Jahre 1393 wurde die Sache voi, nenem beim Beuihener Landgericht anhängig gemacht; 1894 erfolgte hier die Zurückweisung der Kläger. In der Fortsetzung des Prozesses, die durch die fort- gesetzte Herbeischafsnng alter Dokninenie ermöglicht wutde, wurden die Kläger 1896 von. Breslauer Ober-Landesgericht und vor kurzem endgiltig vom Reichsgericht zurückgewiesen. Welche Bedeulnug ein Sieg der drei Grafen Henckel gehabt hätte für die oberschlesische Montanindustrie, möge» folgende Zahlen zeigen. Die Fläche der Herrschaft Beniben, für die das Regnlrechl beansprucht wurde, beträgt 216 274 OVO Onadratmeter; aus diesem Gebiete liege» 64 Steinkohlen-Bergwerke von 105 876 000 Oundral- meter Fläche, außerdem 41 Bleierz-Bergweike. IIb Zink-Bergwcrke und 38 Schwefelerz-Bergwerke. Die Uniernehmer hätten 10 pCi. des Brutlo-Ertrages an die Regalherrcn zahlen müssen, de» größteii Schaden davon aber hätten natürlich die'Arbeiter gehabt. Der Berkehrswerlh des Streitobjektes wurde aus 46 379 000 M. geschätzt; der eingeklagle Werth>var nur auf 4'/s Millionen Mark geschätzt; trotzdem betrage» die Prozeßkosien 270 000 Mark.— Au dieser Stelle möge an die vorzügliche» Unter- suchungei, des Breslauer Archivars Dr. Konrad Wuike(Studien über die Entwicklung des Bergregals in Schlesien, Berlin 1897) erinnert werden, der»nchgewiesen hat. daß die in»euerer Zeit erfolgte» Ver- leihungen des Bergregals auf grund alier Urkunden, die diese Ver- leihnngen zu rechlfertigen scheine», ans falscher Jnlerpretatio» dieser Urkunden beruhen und daher eigentlich nicht z» rech, bestehe». Ins- besondere gilt das von de», ans der Herrschaft Kaltowitz-Mysloimtz des Herrn v. Tiele-Wiuckier ruhende» Privatbergregal. Aber selbst wti», Prlvatbergregnlitäten zu recht bestände», inlißle» sie als ver- haßte Reste des Fendalismns längst beseitigt sein. Dresden, 23. November.(Eig. Ber.) Sächsischer Land- tag. Der Landtag trat heule in die allgemeine Borberalhnng des Etais ei». Finanzminister v. M e tz d o r s weist auf die günstige Finanzlage gegen früher hin, die alle Erwarlunge» übertroffen. Ans de» Ueberschüssen der Matrikularbeilräge vi?» 1894/95 im Betrage von rund 800 000 M. soll ein Reservefonds für kommende Fälle gebildet werde». Die steigende wirlhschaftliche Enlivickelnng habe, vo» einigen Geiverbsziveigei, abgesehen, nngehnile» und die Sienerkraft erhöht, wenn auch der Ueberschuß durch die Natur- «reignisse des laufende» JahreS wieder beeintrnchligt werde. Alle wesentlichen Berwaltungszwcige weisen Uebeischnsse auf, be- sonders die Eisenbahnen. Die Regelung der finanziellen Berhällnisse zum Reich sei leider»och immer ei» frommer Wunsch, dessen Erfüllung bei dem bedauerlich geringen Jnleresse der Reichstag?», ajorität nicht so bald zu erwarten sei. Ei» Theil der de» Bniidesslaale» znstehendel, Reichseinnahme» werde ihnen durch die Frankenstein'sche Klausel vorenthnlie». Wir wisse» nicht, ob wir später überhanpi„och etwas herausbekommen, oder ob nicht der ganze Ueberschuß zur Niederhallung der Reichs- schulden verwendet wird. Der Mimster fürchtet, daß das Bild von 1898/99 wenigcr erfreulich fein wird. Ter Elat komme zwar ohne Steuemhöhnng ans. das sei aber„ur dadurch möglich geworden, daß man eine öleihe unproduktiver Bauten i» den außer- ordentlichen Etat eingestellt habe. Die Lage des Erzbergbaues sei ernster denn je. Der Preis für das Kilo Silber sei vo» 90 auf 75 M. zilrückgegangen und es müsse deshalb die Verminderung des Betriebs Staatsaiiivallschaft das ihr durch seine Frau angebotene schwere B e l a st u n g s- und Aufklärungsmaterial betr. Tausch abgelehnt;»»»habe er aber in Zengengegenwart am 4. und 9. Sep- lcmber zwei Briefe an d o h e B o r g e s e tz t e n des v. Tausch auf- gegebe», welche über das Treiben v. Tausch's erdrückendes Material enthalten. Und der Ehrenmann Schnman»„immt nicht etwa jetzt Rache an Tausch. Nein, bereits seit 1890 hat er den Koni- m i s sa re n Wolfs und L i ß, sowie de» Wachtmeistern Adamkowsky, Giisovins nnd anderen Zeugen vertraulich geklagt, welche iviaßnahmen— er fiihrr sie auch an, sie verstoßen alle gegen das Strafgesetz— Herr v. Tansch zur Schnldkontrahirung an- znivendcn beliebe; deshalb habe ihn auch Tansch miind- ladt machen wolle», deshalb seien Briese mit seiner Unterschrij, in Schreibmaschinenschrift angesertigt, deshalb sei Liitzow von Tansch zu jenen anonymen Briefen veranl.'ßt worden, deshalb die lächerlichen Lügen von Bigamie und Erpressung und dergleichen, während er—„kein Engel ist so rein"— ans Frankreich. Jialien, Gricchciiland, der Türkei nnd Schweiz Schriftslücke über Schristsincke beilegen könne und beilegt, die alle bestäiigcn, daß er ein Ehren- manu sei, weshalb den» auch die enigegenstehendeu Aussagen namenllich Marschall's eitel Lügen sei»»inssen. Und wenn vielleicht Herr v. Marschall sich auf die Akie» stütze, so seien diese eben von Tausch gesälscht worden. Mii Vorliebe verweilt Schinna,», in diese» Eingaben a» die Slaalsanwaltschaft bei seinen patriotischen»nd politische» Ver- diensten. Als Korrespondent des„N.-I. Herald" habe er durch seine Verbindungen mit dem Gesandten Schlözer de», Vatikan gute Dienste geleistet, ebenso durch seine Berichte a» Herrn v. Ha in m e r st e in,„welcher diese damals nachweislich an eine hohe Instanz weitergebe» mußte n»d welche nicht wenig zur baldige» Beilegung der kirchenpolitischen Reibiingen bei- gelragen habe»»nd darin» auch de» Zorn des kriegslustige» Zentruins herausforderten." Und er habe das alles nur als K a t h o l i k e n f r e„>, d ge- lhan, um den konfessionelle» Friede» herbeizu führe». Die edle Seele! Armeebischof Dr. Asmus, Probst Dr. Jahnel, Kurator Faber an der Hedwigskirche und der Abg. Dr. Marconr. früher Chefredakteur der„Germania" würden ihm das gerne bestätige».„Ich bin es ja g e iv e s e u",— schreibt er—„auf dessen Berichte hin vor Jahre» die gegen die damals in Berlin verweilende» Jesuiten lästige und an höchster Stelle gewünschte polizeiliche Ueber« wachung ciugestellt wurde. Es ist wirklich zu beklage», daß die Herren v. Richthosei, und Mauderode todt sind, um solche An. abc», die Herrn Schiniiann's Einfluß böher einschätze» als den an öchster Stelle geäußerten Wunsch, nicht sofort rund- weg zu widerlegen. Von diese», seinen Einfluß bei dem Berliner Polizeipräsident«» spricht Herr Schinna»,, gar zu gerne. Als Herr Brentano. „nd der Zahl der Arbeiter fortdauern. Die Einkon, menstener ist Nur nn, 2 Millionen höher eingeschätzt. Die Presse habe sich viel mit der Lage des B n h n p e r s o n a l s beschäftigt Utid dieselbe viel- fach sehr ungünstig beutlheilt, die Betriebsverwallung selbst aber habe das größte Jnleresse daran, daß ihre Leute zufriedew seien und nicht übermäßig angestrengt würde». Aus eiiier einmaiigenUeberanstrengung, die überall einmal vorkomme, dürfe man keine dnuetlide folgern. Es solle„nr geichnlles Personal verwendet werden nnd daS lasse sich nicht ans der Erde stainpfe». Der Elat verlange eine Beaiute,, vermehr, itzg nnd Gehaltserhöhung, die sich ans Millionen belaufe; Niait ivolle eben keine Ersparnisse aufKosten desPersonals tiiachen. Obdadurchaberwirk- lich Zufriedenheit erreicht werde, erscheint selbst de», Minister Zweifel- hast; es gäbe ja leider Parteien, oetei, ganzes Bestreben dahingehe, keine Zufriedenheit auskomme» zu lasse». Die Beamten sollen das Vertrauen zii ihre» Vorgesetzten durch diese Parteien nicht erschüttern laffen. Der außerordentliche Etat erfordert 115 Millionen, zu dessen Deckuiig„nr die Ueberschüffe von 1894/95 vorhanden sind, so daß sich eine Anleihe nöthig macht. Die geforderlen Betriebsmittel für die Bahne»(49 Millionen) sind zniii theil schon in Bestellung, zum iheil sogar schon im Beirieb, sonst wäre der Wagenmangel ein»och größerer. Die neuen Bahn- linien beriickstchligei! gleicherweise die Jnlerrffci, der Landwirlhschaft wie der Zndiisirie. Durch de» Bau»nrenlabler Nebenlinie» sei allerdings eine geringere Verzinsung der Bahne» zu erwarten. Der Redner der Konservativen, Mehnert,„ahm die Geduld des Hauses im weiteste» Umfange in Anspruch und verbreitete sich über unzählige Details. Er stellte sich wieder»», auf den Standpunkt der allernnlerthänigste» Opposiiion und spielt sich als den Vertreter der »olhieibende» Landivirihschaft und des Kleingewerbes auf. Aehnlich der Nationalliberale Ge o rg i»nd der Forlschutllcr U h l e In a» n. Goldstein lSoz.) muß sich erst durch eine» energischen Appell au den Präsidenten Ruhe schaffe». Der wirthschaftliche Aiifschwnng sei den Arbeitern nicht in gleichem Mgße zu gute gekommen wie den besitzende» Klassen. Die Finälizrefori» Miqnel's könne Sachsen nichts nütze». Die Zunahme des Militär-»Nd Marine-Etais im Reiche werde die Matriknlarbeiiräge steigern, die Mehrheilsparieie» sollten deshalb den Mulh haben, den Militärlaste» und der neuen Marine- vorläge entgegenzutreten. Die Staalsschnlben seien in beständigem Wachsen z die Verzinsung der Siaatsschnldei,(23>/s Millionen) fresse bereits nahezu de» Erlrag ver Einkommeiistener(27 Millionen) ans. Das Volk zahle also seine direkten Stenern nur für die StagtSglänbiger. Von Lohnerhöhungen für die Vahnarbeiter sei im G.at wenig zu merken; es würden„och immer Tagelöhue von 2,30 M. gezahlt. Die vorliegenden Peliiioncn der Bnhnarbeiter verlangten Verkürzung der Arbeitszeit, Vezahlmtg des Gehalts während mililärischer Uebnngen, sowie Bezahliing der Ueberstlinden und Lieferung der Dienstkleidiing. Das sei nicht»»ibescheiden. Die Regierung hat„och besondere Aiifschlüffe über den Etat in den DepiiialivlIIN vir- lprochen; wir Sozialdemokrale» sind von den Dep»laii«»e>i aus- geschlossen und erfahren also nichlS. Die Eisenbahn- Arbeiter er- blickten gerade in der Presse ein Mittel zur Hebung ihrer ninieriellen Lage und ihr Eisenbahner- Verband sei gerade so berechtigt wie die Konsiimvereiiie für die Beamten und Offiziere. Bei der Gewerbe-Jnspektion werde an falscher Stelle gespart; hie jetzigen Jnspekioren mit de» zugehörigen Assisteiiien seien zu wenig; auch für dir Schul« werde zu wenig gethan. Dagegen seien die 90 000 M. für einen Gesandlschnftsposlen und die 23 000 M. für die Ordenskanzlei völlig überflüssig, desgl. das Ministeriiim des Auswärtigen und ebenso die neu geforderlen 50 000 M. jährliche Apanage für den Prinzen Alberi. Jeder Familienvater habe für seine Söhne selber zu sorge», Und wenn man dies vom Arbeiter verlange, könne matt eS von einem Prinzen erst recht verlangen. Di» Ueberilahms der Allerszulageii für die Lehrer auf den Staat fei Nttr ein« Konzesston von alte» Forde- rniigen. Er begrüße die Vermögens« und ErbfchafiS- stener. Der neue Verivaltnngs- Gerichtshof entspreche de» gehegten Erwartungen nicht; er befasse sich»ur Mit den Jnlmffen der Besitzenden, aber nicht mit der Handhabung des Vereins« und Versaiiimlungsgesehes, an welcher der Arbeiter ein Jnleresse habe. Die Wahirechisändernng hat gebracht, was die Majorität wünscht; wir sind weniger geworden, aber wir sind darum nicht stumm geworden. Die R e i ch s t a g s ,v a h l e n werden die Antwort deS Volkes geben. Wir werde» immer oben drauf sei», und wenn Sie Blitz und Donner ans uns kommen lassen.— Die Debatte wurde daraus auf den nächsten Tag vertagt.— München, 23. November. Da? Ministerium hat bestimmt, daß den im Tagelohn- und Arbeiterverhält nisse befindlichen Personen der bayerischen Staatsbahn zum Zweck« der Antheilnahme an den'Reichstags- und Landtagswahlen auch innerhalb der gewöhnlichen Arbeitsstunden, soweit die örtlichen Verhält- nisse es gestatten, eine genügende Zeil freigegeben wird, ohne daß diese Zeit bei der Lohnberechnung in Abzug kommt.— Mliuchen, 24. November. Die Kammer der Nbgeord« ii e t e n begann heute die Berathung des Antrages v. Volkmar beireffend die Amnestirnng der wegen Haberfeldtreibens Verurlheilten nnd des Antrages Pauli, betreffend die möglichst weitgehende Begnadigung der verurlheilten Haberer, die von Fall früher Chesredakleur, jetzt Milarbeiter am„Berliner Lokal» 'Anzeiger", von Halle ans de», Reichskanzler mittheilte, daß der vielersrngte Berliner Korrespondent der„Saale-Zeitnng" niiter den Agenten der politische» Polizei zu suchen sei, habe Caprivi diese 'Angabe sofort ernst genomme» und sofort dem Kaiser Bortrag ge- hallen. Dieser habe aber sofort seine Zweifel ausgedrncki; diese seien dm», Caprivi gegenüber mündlich vo» Herr» v. Nicht- Hofe» gelegentlich des Begräbnisses von Windthorst's und später schriftlich bestnligl»nd von diese», die Sache als„Brentano'scher Schwindel" bezeichnet worden. An anderer Stelle schreibt er:„Beim Prästdinm stand ich zuletzt in der.Gehallssknla weit höher wie der vorgesetzte Dirigent der Politischen Abtheilnug, Polizeiralh v. Mauderode. Ich habe dort in meinen fast neunjährigen Diensten mir das volle Vertrauen des verstorbenen Präsidenten von vlichlhofen er- worbe», der darum m i t R e ch t auf die Gesuche des durch Hamann aiisgchetzten Reichskanzlers Caprivi und Ministerpräsidenten Grasen Bolho zu Eulenbiirg i m m e r erwiderte: er könne mich nicht entbehren. In meiner hervorragenden Slellmig als Informator des Herrn Präsidenten über a l I e d e n H o f. die P a r l a in e>, t e und das politische Leben umfassende Angelegenheiten hatte ich gar keine Gelegenheit, mich mit niedrigen Anzeigen irgend welcher Art zu befassen." Herr NortNann- Schumann l»it seiner Vergangenheil als täg- licher Informator des Polizeipräsidenten v. Nicht- bösen über alle den H o f und die Parlamente umfassenden Angelegenheilen— das ist in der Tbat eine schöne JNnstralion für den die Geheimfonds bewilligenden Landtag! Und diese Thaisache bildet eine bändesprechende Erklärung zu dem Kamps des edlen Spitzels gegen den„neuen Kurs" und zu den Majcstälsbeleidigiings- Artikel» in der„Saale-Zeitung", in,„Memorial Diplomatique" m s. w. Mit den, Jahre 1893, als er angeblich um seine E» c- l a s s u„ g von der Polizei einaekommen war. babe er„seine fron dirende Preßthäligkeit überhaupt abgeschlossen". Auch die Subvention des Slaatsministers Böliicher aus dem Welseusonds hat Herr Schuma»,, in Wien a» dieOeffenIlichkeit gebracht. und als später— 1891— von Zürich ans die Veröffeiillichnng der Welsenfondsqnitliinge» angekündigt wurde, ging Herr Schumann „ans B e s e h l des Herr» v. Richlhosen und auf A„ r e g n n g des Herrn Caprivi" nach Zürich, lanzirte durch das Präfi- d i u m in die„K r e» z- Z e i t u» g". daS ,V o l l"»ud andere Zeituligen Artikel, i» denen diese Quilinnge» als Fälschungen hin- gestellt und vor deren Ankauf gewarnt wurde. Er ist denn auch „vom Präsidenten belobt und(was ihm jedenfalls lieber war) mit einer größeren Remuneration bedacht worden". Am Schlüsse seiner Denuiiziationsschrist bringt Herr Schumann »och einen Anhang, worin er sich unter Berusung ans Herr» Paasch gegen die Antisemiten, besonders Herrn Liebermann von Sonneuberg 9« Fall erfolgen soll. Nachdem die Antragsteller ihre An- träge eingehend begründet hatten, erklärte der Justiz- »miiflcr, der Erlaß einer Slmnestie sei unmöglich, weil die Grunde für die Perurtheilung bei de» einzelne» Personen sehr uerschiedene waren, und iveil bei Erlaß einer Amnestie neue Ruhe- störnngen gerade in jenen Gebieten befürchtet werden mußten, welche man jetzt von dein Unwesen des Haberseldtreibens befreit habe. Dagegen erklärte sich der Minister bereit, jedes berechtigte Begnadigungsgesuch zur Würdigung zu empfehlen. Im Laufe der Debatte wurde nach dem Wolfs'schen Bureau von allen Seiten ein- geräumt, daß die Bewohner der in Frage kommende» Gegenden durchiveg sehr erfreut seien, daß dem Haberfeldtreiben ein Ende be- reitet ivurde und daß der von den Haberern ausgeübte Terrorisinus verschwunden sei. Die Debatte über die Anträge wurde sodann auf Freitag vertagt.— Stuttgart, 23. November.(Eig. Ber.) Der württem- b e r g i s ch e L a n d t a g ist heute Nachmittag 3 Uhr wieder eröffnet worden. Die erste Sitzung war der Erledigung von fünf Petitionen gewidmet, von welche» unser Genosse Kloß zwei als Bericht- erstalter zu vertrete» hatte. Die Petition des bekannten Irrenhaus- flüchtlings Wilhelm Kuhnle, dessen Schicksal sich in letzter Zeit wesentich geändert bat und dessen frühere Petitionen an den Landing einfach als Produkte eines Verrückten angesehen wurden, fand diesmal willigere Ohren. Der Landtag verwies den Petenten auf die Erschöpfung des Rechtsweges durch die Beantragung der Wiederaufnnhnie der früheren Verfahren gegen ihn. Die Petition der bürgerliche» Kollegien der Stadt Stuttgart um die Gewährung von vier Landlags-Abgeordneten für Stuttgart bei der bevorstehenden Verfassungsrevisio» wurde der Ver- fassungskoinmissio» überwiesen.— Ans einem in dieser Sitzung ge- gebenen Referat gehl hervor, daß der Staat für einen Schüler pro Jahr ausgiebt: Universität 844 M.. Technische Hochschule 446 97?., landwirthichaflliche Hochschule Hohenheim 1375 M, Thierarzneischule 833 M.. Baugewerkichule 844 M., Kuustgewerbeschule 446 M. und Kunstschule 1965 M. Ans Bade», 23. November.(Eig. Ber.) Die Fraktion der soziatbemokralischen Abgeordneten hat sich gestern Aoend in einer ersten Fraktionesitzung in Karlsruhe konstituirt. Zum Borsitzende» ist Abg. Dreesbach, zum Schriftführer Abg. Geck gewählt worden. In einer vertraulichen Vorsitzung der Kammer wurde ein provisorisches Präsidium mit dem Alterspräsidenten Flüge-Lahr als Vorsitzenden gebildet.— Die Bremser und die Oberschaffner der badischen Staats-Eisenbahuen wenden sich in zwei gelrennten Petitionen an de» Landtag und bitte» nm deffe» Intervention zur Erreichung besserer Dienst- und Gehaltsverhältnisse. Die Bremser verlange» vor allem die etatsmäßtge Anstellung mit Pensioiisberechtigung, die Oberschaffner Gleichstellung im Gehalt mit den Zugnieister», deren verantivortungsvollen Dienst sie ebenfalls versehen müssen, uud zwar als Personen- wie als Güter, ngmeister.— Die Zentrnmspresse schlägt täglich eine» bescheideneren Ton gegen die national. liberale Fraktion des Landtags und die Regierung an. Als Gegenleistung für ein manierliches Verhalten fordert besonders der„Beobachter", das Organ des unbestrittenen Zentrums- führers Wacker, eine besondere Berücksichtigung der katholischen For- derungen; das gleiche Blatt bezeichnet sogar eine besondere Berück- sichtigung der katholischen Fordernngen durch den Landtag als einen „naturgemäßen Schluß aus dem Wahlresultat". Da das Zentrum auch nicht einen Sitz durch die Wahlen geivonnen, so muß einem die mathematische Unverfrorenheit, mit welcher Herr Wacker feinen „Schluß" zieht, eine gewiffe Bewunderung abriirgeu.— Straßburg i. E., 23. November.(Eig. Ber.) Die widersinnige Hätz, welche von unseren berufenen Germanifatore» auf französische In- und Ausschriften veranstaltet wird, hat der oppositionellen Presse deS Landes Veranlassung gegeben, einmal näher zuzusehen, ob die Geschäftspraktiken der hiesigen großen Kaiserliche» Tabak- m a n» f a k t U r der Probe auf urteutfche Gesinnung mit gutem Gewiffe» sich unterziehe» können. Dabei hat sich herausgestellt, daß die beliebteste und im Lande am meisten konsumirte Zigarre der Manufaktur de» staatsgesährlichen Namen„EtravAsr" trägt, während man einer vielbegehrten Zigarrettensorte auf der Ver- Packung die Bezeichnung„Elöxavtoo Supömurss" mit auf den Weg gab. ES besteht natürlich kein Zweifel darüber, daß nicht etwa die Sympathie für unfern westlichen Nachbarn, sondern lediglich schwer- wiegende geschäftliche Gründe die Direktion der Kaiserlichen Tabakmanufaktnr dazu veranlaßt habe», ihre Produkte durch eine Konzession an gewiffe Stimmungen im Lande für den Volksgeschmack etwas genießbarer zu machen. Immerhin wäre es aber für unsere Regierung ein Zeichen wahrer staatsmännischer Befähigung, wenn sie sich dazu entschließen könnte, die Befolgung derartiger geschäft- licher Praktiken, wie wir sie in obigein bei einem fiskalischen Institut sehen, das sich ein Kaiserliches nennt, auch dem privaten Ge- schästsmann zuzugestehen.— Oesterreich. Wien, 24. Novbr. Abgeordnetenhaus. Nach sechs namentlichen Abstimmungen beantragt der junge, echifche Abgeordnete Dyk. daß von den zahlreichen gleichlautende» Petitionen gegen die Sprachenverordnungen«ine verlesen und den, stenographische» Protokoll beigedruckt werde. Als hierüber ohne Debatte ab- ausläßt und eidesstattliche Erklärungen Paasch's veröffentlicht, voll der gravirendste» Anschuldigungen, doch interessiren uns diese nicht. Die Denunziation gegen die Herren v. Marschall und Hainann hat die Staalsanwaklschast bereits unterin 27. Oktober znrückgewiesen, da sie ihr zu weiterem keine Veranlassung biete. Der Deiinnzintion gegen Bebel wurde durch eine Reihe von Zengenvernehinungen Folge geleistet— mit welchem Erfolge, wird sich zeigen. Für gewiffs schon im Prozeß v. Tausch i» ganz besondere Be- leuchtung gerückte Zustände j» der politischen Polizei bleibt die Episode Schumann aber charakteristisch. Und nian geht vielleicht nicht fehl, ivenn man sie nicht als abgeschlossen betrachtet, die De- nuuzialiousschristen waren vielleicht nur Maskirungsraketen f »» Herr Fritz Brentano, Mitarbeiter, nicht Redakteur des „Lokal-Anzeigers", sendet uns nachstehend eine Berichtigung, die wir g a», g e» a u zu lesen bitten. Ei» Setzerfehler hat a»S Schumann einen P e t e r in a n n gemacht; S. 22/23 theilt Schumann mehrere an ihn gericbtete Briese Brentano'S mit, worin die gestern niitgetheilten TKalsachen er,ählt iverden. Auf irrthnrnlicher Auffassung beruht es, daß das Gesländniß in Gegenwart Hendel's abgefaßt worden sei, Schumann behauptet: es sei im Nestanrations- ziuuuer der„Goldenen Kugel" a» einem Slaunnlisch abgefaßt und von Brentano ge- und unterschrieben worden. Auch behauptet Schumann nirgends, daß Brentano an Major Ebmeyer seine» 9? a in e n verralhe», nur die von Brentano selber zugegebene That- fache, er habe an das Ansivärlige Amt berichtet, man solle de» Verfasser unter den Agenten der politischen Polizei suchen. Das Schreiben des Herrn Brentano lautet: Norniann-Schumänn hat mir wiederholt erklärt, daß er, um einen Gegner zu vernichten, kein Mittel, auch das schlechteste nicht, scheuen würde. Daß er aber zu solch ungeheuerlichen Lügen und Verleumdungen, wie er sie mir gegenüber gebraucht, greifen könne, habe ich allerdings nicht für möglich gehalten. Ich übergebe noch heute die Sache der Staats- anwallschaft, die ja seststellen wird, ob die Mitlheilunge» des Schumann über mich wahr sind oder nicht. Nur die verbrecherischste Rachsucht kann derlei Dinge erfinden und es ist sehr bedauerlich, daß sie so ohne weiteres ver- vfsentlicht werden. Ich will mich so kurz wie möglich fassen und erkläre: 1. Alles waS Sch. über die Nennung feines Namens gegenüber dem Herr» Hnnptmau» Ebmeyer schreibt, ist erlogen. Ich habe seinen Namen nie genannt, es war nie von Schulde» meinerseits die Rede, ich habe nie einen Brief an einen Herrn Petermann geschrieben, worin ich sagte, man habe mir„mit Enthüllung meiner Vergangenheit" gedroht— einer Enlhüllung, der ich hätte gestimmt werden soll, protestirt die Linke unter großem Lärm und bezeichnet den Antrag als eine Vergeivaltigung und neue Gesetz- Widrigkeit. Erregte Zwischenrufe und großer Lärm im ganze» Hanse. Zahlreiche Abgeordnete eilen zum Präsidium, wo sich ein heftiges Drängen und Stoßen entwickelt. Der Präsident unterbricht die Sitzung und verläßt den Saal. Wahrend der Unterbrechung spiele» sich unbeschreibliche Szenen ab. Der Abg. Wolf nimmt die Glocke vom Tisch des Präsidiums und schwingt sie. Abg.Potoczek entreißt Wolf die Glocke. Stürmische Entrüstungsrufe aus beiden Seiten des Hauses. Plötzlich eile» zahlreiche jung- czechische und polnische Abgeordnete aus die Präsidenten- Tribüne zu, umringen W o l s und wollen ihn v o i> der Tribüne herab st oßen. Von der anderen Seite dränge» zahlreiche Abgeordnete der Linken dagegen. Wolf wird von Jnngczechen geschlagen, worauf sich auf der Tribüne ein Handgemenge entwickelt, welches länger als eine Viertelstunde dauert. Abg. Schönerer ergreift einen Minister-Fauteuil und hält denselben in die Höhe, um ihn gegen die Gegner zu werfen. Abg. Hagen- hofer ergreift Schönerer, welchem der Fauteuil entrissen wird. Ii» ganze» Saale herrscht ein fürchterlicher Lärm und große Erregung. Auf der G a l l e r i e ertönen P f u i-R u f e; der Präsident erscheint schließlich wieder im Saale und nimmt die Sitzung wieder auf. Da aber der Lärm fortdauert, schließt er die Sitzung. Der Termin der nächste» Sitzung wird den Abgeordneten schriftlich mitgetheilt werde». Der Abgeordnete Psersche, welcher ins Gedränge gerieth, zog das Taschenmesser, welches ihm jedoch von Parteigenosse» entrisse» wurde, ehe er es geöffnet hatte. Wie», 24. November. Abgeordnetenhaus. Abg. Groß verlangt, es möge in das amtliche Protokoll aufgenommen werden, daß der Präsident durch die Unterbrechung der letzten Sitzung die Geschäftsordnung und durch die FeststeUnng der Tagesordnung der hentigenSitzung mit demAnsgleichsprovis orium als ersten Gegenstand der- selben die Beriassuug verletzt habe. Er verlangt darüber eine Reihe von Abstimmungen. Präsident v. A b r a h a in o w i c, erklärt, es fei das Recht des Präsidenten, die Sitzung zu eröffnen, ,n schließen und zu unterbrechen; diese Anschauung habe zuerst Präfl- dent Rechbauer geäußert und seine Nachfolger hätte» daran fest- gehalten. Betreffs der Tagesordnung verweist der Präsident aus de» Wortlaut der Geschäflkordnung und hebt hervor, die Linke habe selbst die rechtzeitige Verhandlung der eigenen Anträge bezüglich der Ministeranklagen verhindert, indem sie 84 namentliche Abstimmungen provozirt hätte. Es beginnen nunmehr die beantragten ilamentlichen Abstimmungen. Die Sitzung dauert fort.— Wie», 24. November. I» Abgeordnelenkreisen spricht man von der angeblich bevor st ehenden Verhaftung der Abgeordneten Schönerer, Wolf und P f e r s ch e un ter der Beschuldigung des Verbrechens öffenllicher Gewaltlhäligkeit.— Zur Erklärung des Verhaltens des Abgeordneten Psersche wird in Nbgeordnetenkreisen erzählt, der Pole Poloczek habe sich auf Psersche gestürzt und ihn dermaßen gewürgt, daß er fast ohnmächtig wurde. In der Angst habe Pfersch« sei» Federmesser gezogen und nach Potoczek gestochen.— Wien, 24. November.(Privntdepesche des„Vorwärts".) In- folge der heutigen Rauferei im Parlamente beschloß das Exekutiv- komitee der Parteien der Rechten, dem Präsidium Justizsoldaien(die in Gefängnissen Verwendung finden) als Ehrenwache beizugeben. Morgen findet wieder Sitzung statt. — Die Wahlexzefse in Komarno(Galizien). Nach mehrtägiger Verathung wurde am 22. November im Prozeß gegen 72 Wädler aus Komarno wegen der Wahlexzesse bei der Wnhtmänner- wähl für die fünfte Kurie das Uitheil verkündet. 59 Angeklagte wurde» schuldig gesprochen und 3 Angeklagte zu 3 Jahre», mehrere zu 2>/-. die übrigen von 2 Jahre» biS zu 4 Monaten schweren KerkerS verurtheilt; nur 5 Angeklagte wurden freigesprochen. Da der Staatsanwalt noch im Laufe der Verhandlung gegen 8'Angeklagte von der Anklage zurückgetreten ist, so sind im ganzen 13 Angeklagte freigesprochen ivorden. Die Strafen betragen in diesem Prozeß 60 Jahre ll Monate.— Ungarn. Budapest, 24. November.'Abgeordnetenhaus. In der heutigen sormellen Sitzung brachte der Ackeibauminister einen Gesetzentwurf ein betreffend die Regelung des Rechts- Verhältnisses z>v i s ch e n Arbeitgebern und l a n d- wirthschastliche» Ardeitern. Bezüglich dieser Vorlage ivurde dringende Berathung beschlossen.— Schweiz. Zürich, 23. November.(Eig. Ber.) Der Kampf um das E i s e n b a h n> G e s e tz wird nii» von beiden Parteien, den Freunden wie den Gegnern, mit größerer Lebhafligkeil geführt, trotz- dem die Referenduinssrist bis Milte Januar läuft. Di« Gegnei geben sich alle Mühe, zahlreiche Unlerschristeubogen in das Volk zu bringen und möglichst viele Unterschriften zu gewinnen. Die Freunde der Verstaatlichung, welche den größten Theil der Presse für sich baben, rathen von der Unterzeichnung der Referenduinsbogen ab und beschließen in ihren Versammlungen Kundgebniigen, an denen ruhig enlgegenseheii können— da ich, waS Sch. schreibt, nie begangen habe, ich habe nie eine Erklärung in Gegenwart meines Verlegers Herrn Hendel abgegeben, mit diesem ü b e r h a u p> nie ein Wort über die Ebmeyer-Angelegenheit gesprochen. Niemals habe ich Denunziationen gegen irgend welche hochstehende Personen ein- gereicht und was nieine angeblichen Besuche in der Artillerie- llraße betrifft, so weiß ich gar nicht, wo diese Straße sich befindet. 2. Es ist eine unerhört schändliche Verleumdung. wenn Schumaiiii behauptet, ich hätte seit 1387 mit Herrn v. Tausch in einem steten Verkehr und zwar derartig gestanden, daß ich dem- selben Milthcilungen über hiesige Redakteure, Schriftsteller zc. gemacht hätte und dafür entlohnt worden wäre. Diese Verleumdung ist um so niederträchtiger, als Schumann ganz genau weiß, daß ich mit Herrn v. Tausch, den ich im GerichtSsaale zum ersten Mal im Leben sah. weder schriftlich noch mündlich,»och et w.a durch Schumann verkehrte und daß ich denselben nur von Hörensagen kannte. Ich zweifle nicht, daß Herr v. Tausch mir das Obige voll und ganz bestätigen wird. 3. Es ist unwahr, daß ich die 100 Mark, von denen Schumann spricht, als Reise-Unterstützung nach Paris erhallen habe. Ich bat Schumann, als ich stellenlos war, mir den bezüglichen Wechsel irgendwo diskoutiren zu lassen, was er, nachdem ich ihm wiederholt das Verspreche» geben mußte, ihn pünktlich einzulösen, that, woraus mir der Betrag von einem Herrn Kalmus, als ich schon längst in Paris war, dorhin zugeschickt wurde. Daß Schumann dies nicht veranlaßt hätte, wenn ich ihn als Koriespondenten der„Saale- Zeitung" denunzirl hätte, liegt auf der Hand. Den Wechsel habe ich bei meiner Rückkehr pünktlich und persönlich bei Herrn Kalmus in dessen Woh- n u n g, K u r z e- S t r a ß e, eingelöst. Es ist«ine ebenso freche wie lächerliche Behauptung des Schumann, daß diese Einlösiiiig seitens des Polizeipräsidiums geschehen sei. Daß ich mit diesem Präsidium, ebenso wenig wie mit eine m Organ desselben, in derartigen Spitzel- an gelegen heiten niemals etwas zu t h u n hatte, ni u ß niir an dieser Stelle gewiß bezeugt werden. Seit nahezu 20 Jahren in Berlin, liegt mein Leben klar vor alle». die mit mir verkehren. Hätte ich«ine Ahnung gehabt. wer und was Herr Schumann ist, so wäre«r allerdings nicht Kor- respondent der„Saale-Zeitung" geworden. Indem ich noch bemerke, daß ich seil 1888 nicht mehr Redakteur des„Berliner Lokal- Anzeiger" bin, ersuche ich Sie um Aufnahme dieses Schreibens, da mir zunächst kein anderer Weg offen steht. mich gegen die unerhörten Verleumdunge» des Sch. zu verwahren. Hochachtungsvoll Fritz Brentano. sich auch die der Verstaatlichung im Prinzip sonst nicht geneigten Klerikalen und die Eisenbahner betheiligen.— Hsraükreich. — Die Dreyfus-Angelegenheit. Oberst Picquart trifft am Freitag in Paris ein. Es wird allgemein die Ueber- zeugung ausgesprochen, daß die Anssageu Picqnart's eine entschiedene Wendung in der Dreyfns-Affäre herbsiftthren iverden. Der „Figaio" hofft, daß die Vorgesetzten Picqnart's nicht versuchen werden, demselben irgendwie Schweigen aufzuerlegen, da eine der- artige Bemühung geradezu verbrecherisch wäre. Die„Libre Parole' greift heftig die Kriegsverwaltung an, weil sie Matlhieu Dreysus erlaubte, in nächster Nähe von Belfort auf einer Anhöhe beim Fürt Bellevue eine Villa zu bauen.—„ „Jntransigeant" meldet, daß ein Abgeordneter neue und voll- ständige Dokumente betreffs der Dreysus-Affäre besitzt, Und daß er in einer der nächsten Kanimersitzungen darüber näheres bekannt geben werde. Diese Dokumente rühren von der in der Affäre Dreysus- Esterhazy eine Rolle spielenden verschleierten Dame. Der„Fiankf. Ztg." wird aus Paris gemeldet: Der Kriegs- minister Billot begab sich gestern Nachmittag zu», Präsidenten der Republik. In politischen Kreisen wird dieser Besuch lebhaft konimentirt. Die einen wollen darin ein Anzeichen der bevorstehenden Demission des Kriegsministers erblicken, die anderen glauben, daß der Besuch nur den Zweck gehabt habe, dem Präsidenten persönlich über den Stand der Dreyfus-Angelegenheit Bericht zu erstatten. Spanien. Madrid, 23. November. Der Ministerrath beschloß den Niikäuf von neuen Arlillerie-Batterien und Nahm einstimmig und in vollem Umfange den Gesehentwurf an betreffend die Autonomie Kuba's einschließlich der Zollreform.— Madrid, 24. November. Ministerpräsident Sagasta erklärte den zu ihm gekommenen kntnloniichcu Delegirte», die Regierung könne ihr Programm bezüglich der Zollautonomie Kuba's nicht ab- ändern. Er glaube jedoch, daß die kubanische Nalionalversannnlung den wechselseitigen Interessen in de» Handelsbeziehungen Rechnung trage» werde. Auch die Hnndelskainmer» von Bilbao und Santander habe» Sagasta in einen, Telegran»» um weilgehenden Schutz der spanischen Erzeugnisse ans Kuba gebeten.— lvarcelona, 23 November. Ueber die Aeußernngen. die General Weyler gestern an seine Anhänger richtete, wird gemeldet: Weyler erklärte, daß seine Freunde seine Riickderilfnng ans Kuba bedauern, sodann tadelte er die den Ansständischen günstig gesinnten Madrider Blätter; die Soldaten sähen auf dieselben mit Verachtung, gleich- wie aus die Freibeuter berab. Die von ihm durchgeführte Zu- sammenziehnng der kuhanischen Landbewohner in den Städten recht- fertigte er damit, daß sie sonst dem Feinde als Hilfsspione dienten. Die Autonomie wcrve für die spanische Industrie verhäuguißvoll sein. Ju seiner Erwiderung auf die Gilickmiinsche der Industriellen erklärte Weyler. er sei Sch"tziöll»er.— Die Bevölkerung von Barcelona verhält sich ruhig, beinahe gleichgiltig, trotz der schamlos oeniagogischen Art Wcyler's. der, freilich vergeblich, mit einem Hoch auf die Arbeiter das Proletariat zu haranguiren suchte.— Havana, 24. November. Die Aufständischen haben Santa Maria in der Nähe der Hauptstadt angegriffen. Demnächst werden in der Ostprovinz große Operationen begonnen werden.--< — Die Fr i e d en s b e d in g u ii g en der Aufständischen auf den Philippinen. Der Führer der philippinischen Auf- ständischen 9i g u t u a l d o, welcher dem spanischen Gouverneur seine Iliiterwersung angeboten hat, stellt hieriür jedoch folgende Be- diiiguiigeii: 1. Vollständige'Amnestie für alle am Aufstände be- idciiigtev Eingeborenen und Freilassung aller Gefangenen; 2. Zahlung einer Geldsumme von je 10 000 Frauken an Agninaldo und acht seiner Unlerfühier; 3. Ailfhekiiiig aller Ordeiisniederlassinigeii im Inneren des Jnselrciches; 4. Ueberlassung der Hälfte aller Beaniten» Hellen an Eingeborene.— Diele Bedingungen werben zwar in ihrer Gesaiiimlheit seitens der spanischen Regierung nls linannehmbar be- zeichnet; angesichts der finanziellen Unwöglichkett jedoch, den Krieg iortznftthren, dürfte die Regierung wohl die Forderungen mit einigen kleineren Abstrichen bewilligen.— Rlimänte». Bttkarcst, 23. Nov. Duo Parlament ist zum 27. d. M. zu einer ordentticheu Session einberufen worden.— Türkei. Konstantlnopel, 23. November. Das österreichische Mitglied der Greuzabsteckui ps Kommission Oberstlienteiiant Hiesl und das deutsche Mitglied Haiiplmaun Morgen sind hierher zurückgekehrt. Die übrige» europäischen Mitglieder kehien Über Domokos zurück. Die Grenze ist bis Gunitza regnlirt. Elwa zwei Drittel der Arbeit st»d somit beendet; die Fortsetzung der Arbeilen erfolgt im — Die Meuterei in Britisch-Ostafrika.„Reuter'S Bureau" eriährt, die jüngste M-uierei ludanestscher Truppen werde >n unterrichlelen Kreisen als sehr ernst angesehen. Man ist der Meinung, daß die persönliche Feindschaft der Endaneseii gegen Macdonald, der vor Jahren als Administrator von Uganda eine» Aufstand der Sudanesen mit Härle niederschlug, einen ausreichenden Grund für die gegenwärtige llievolte abgebe. Die Meinungen gehen darüber auseinander, ob die sudanesische» Truppen i» Uganda und die niuhamedanischen Wagauda's sich dein'Ausstände anschließen werden; sollte dies geschehen, so würde die Lage sehr ernst iverde». Eine weitere Meldung des Bureau Reuter aus Sansibar vom heutigen Tage besagt: Nach de» letzten, autheulischen Nach- richte» ist in Uganda altes ruhig; die Garnison lieferte die Waffen a»S. Major Macdouald Hai die sudanesischen Ausstaudischen, welche sich in das Fort Lubas geflüchtet hatten, mit Hilfe einer großen Streitmacht der Wagauda's eingeschlossen; man glaubt, die Uebergabe sei sicher. Amerika. Georgetown(Britisch-Gayaua), 23. Nov. Eine große öffent- liche Bersammluug, die gestern unter Vorsitz des Gouverneurs hier abgehalten ivurde, nahm einen Beschlußantrag an, in dem gesagt ivird. es sei eine Forderung der Gerechtigkeit für die Zucker produzire»den Kolonien, daß die Zucker- Prämien abgeschasft oder entsprecheude Zuckereinfuhizölle eingeführt würde»; die Reichsregierung werde hoffentlich diese Kolo» nun vor weitere» schwerem Schaden bewahren.— DaS Wachöthnm unserer Partei in Anhalt wird vom „Volksblatt für Anhalt" wie folgt angegeben. Die Zahl der sozial- demokratischen Stimmen betrug bei den Reichstagswahleu im Jahre 1871: 1174,>874: 8522, 1877: 5654, 1878: 412, 1331: 876, 1334: 922, 1387: 3443, 1890:11 842, 1893:17 864. Macht die Partei— schreibt das„Volksblatt"— nächstes Jahr eine» eben- solchen Sprung vorwärts wie in den drei Jahre» von 1890 auf 1893, d. h. vermehrt sie ihre gleich in der Hauptwahl für sie ab- gegebenen Stimme»»ach 5 Jahre» wiederum um ca. 6000 Stimmen, so ist ihr der Sieg in beiden Wahlkreise» sicher. Ju Anhalt II er- zielten wir bei der Nachwahl im Jahre 1894 in der Stichwahl einen Zuwachs von 2420 Stimmen. I» Halle a. S. haben am Mittwoch die Stadtverordnetenwahlen der III. Ablheilnng»ach dreitägiger Daner ihr Ende erreicht. Die sozialdemokratische Partei hat keine Mandate errungen, wohl aber einen außerordentlichen Sliinmenzinvachs zu verzeichnen. Im Jahr« 1895 erhielte» wir 19ö3, diesmal aber 3061 Stimmen. Die Gegner brachte» 4032 Stimmen auf. In einem Bezirk war die Wahl- bethcilignng äußerst rege, es wählten dort 65 pCl. aller eingeffhriebeiu» Wähler. Wahlbeei»fl>iss»>igen aller Art sind vorgekommen, was zu einem Protest Vera»lass»ng geben dürfte. Zu de,, kommenden Biirgerschaftswahlen in Hamburg haben die Vorstände der drei sozialdemokratischen Vereine daselbst von ein« KomulWon den Eniivnrf eines P r o g r a IN m S aus. arbeiten lassen, das noch einer koinbinirten Versammlung der Mit- giieder der drei Vereine vorgelegt werden wird. Das Programm beginnt mit der Erklärung, daß die Sozialdemokratie Hamburgs auf dem Boden des Programms der deutschen Sozialdemokratie steht. und dann werden eine LIieihe. speziell die hamburgischen Verhältnisse betreffende Forderungen gestellt. Die Redaktion des„Volksblatts fiir Hessen" in K a s s e l wird am 1. Dezember von dem Parteigenossen kt a r l Thiel, bisher Redakteur des„Volksblatts für Harburg", übernommen. Das sozialdemokratische Agitationskomitre fiir die Kreise Leipzig Stadt und Land hat. wie das„Leipziger Tageblatt" mit- rheitr, an die Saalinhaber ein Sck)riftstück versandt, worin es bis zum 30. November um Auskunft darüber ersucht, ob der Saal- inhaber bereit ist, seinen Saal dauernd oder nur während der Agitation für die Reichstagswahlen den Sozialdemolraten zu Ver- sainmlnngen zur Verfügung zu stellen. DaS Komitee macht in dem Schriftstück darauf aufmerksam, daß in früheren Jahren die Wirthe bereitwilligst ihre Säle den Sozialdemokraten zur Verfügnng gestellt und sich gegen Nachtheile durch eiu gemeinsames Gesuch an die Behörden, anläßlich der Abhaltung von Wahlversammlnngen kein Militärverbot über die betreffenden Lokale zu verhängen, zu schützen gesucht hätten. NnS der Schweiz. Die Bern er Arbeiter-Union be- schloß wegen des Ausschlusses M o o r' s durch den Parteitag den Austritt ans der Partei und die Gründung einer eigenen„Partei des Kantons Bern. Todtenliste der Partei. In Nürnberg ist der Gastwirth Merk aus dem Leben geschieden. Er war seit vielen Jahren Mit- glied des Wahlvereins und hat insbesondere unter dem Sozialiste» gesetz, allen Chikanen zum Trotz, treu zur Partei gehalten. Polizeiliches, Gerichtliches zc. — Ueber die Aufstellung von zwei Polizeiposten vor den Scham fenstern der Buchhandlung der..Volksstimme" in iv! a g d e- bürg halten wir schon berichtet. Die..Volksstimme" theill jetzt mit. daß die Bewachung sortgesetzt wird und daß die Beamten der Jugend die Besichtigung der Schriften und Bilder im Schanfenster verbieten; ein Beamter habe sogar Erwachsenen die Besichtigung untersagt. Ferner solle, wie ja vorauszusehen, der Militärboykolt über die Buchhandlung verhängt werden. Die Ausleanng sozialistischer Druckwerke i» vier Schaufenstern mag der Magdeburger Polizei ja sehr unangenehm sein, auf die Dauer wird sie es aber wohl müde werden, für die Buchhandlung unseres Brnderorgans durch Auf. stellung von Schutzmannsposten die wirksamste stteklame zu machen, die sich denken läßt. Wir gehen wohl kann, fehl, wenn wir an- nehmen, daß die Maßnahme der Magdeburger Polizei selbst den Gegnern unserer Partei nicht imponireu wird. — Gegen den Redakteur Ivos vom„ G o t h a i s ch e n V o l k s b l a t t" ist wegen Beleidigung der dortigen Staatsanwalt- schast ein Prozeß anhängig gemacht. Es Handell sich um einen in der Nr. I2g des genannte» Blattes veröffentlichten Artikel, der die Ueberschrist trägt:„Gleiches Recht für alle". — Gegen den Redakteur des„Proletariers aus dem Eulen gebirge", Franz F e l d»l a n n in L a» g e n b i e l a u, ist Anklage wegen Beleidigung zweier Gendarmen erhoben. Der betreffende Artikel war dem bürgerlichen„Niederschles. Anzeiger" entnoinmen. gegen welches Blatt ebenfalls Slrasanlrag gestellt ist. — Der verantwortliche Redakteur des„Wählers" in A l t e n b u r g, G. K a h n t. hat am Sonnabend im Zluitsgerichts- gefängniß daselbst eine zehntägige Gesängnißstraf« angetreten, die ihm wegen Beleidigung des Redakteurs der„Landeszcitung" ans- erlegt ist._ GentvMMMftlMzes. Berlin und Unigrbung. Achtung, Schuhmacher! Da die Differenzen in der Schuh fabrik von Hosfeld und Schaffhuber in Ollcnsen. Bahrenfelderstraße, noch nicht geregelt sind, werden die organisirlen Kollege» ersucht, diese Fabrik attfs strengste zu meiden. Die Sperre bleibt so lange bestehen. bis eine andere Mittheilnng erfolgt. Der Vorstand des Vereins deutscher Schuhmacher, Filiale Ottense».— Am 20. November haben die Maschinen- und Haudzwicker der Firma V. Götze u. E. Tischer in Groitzsch, 3t Mann, die Arbeit eingestellt. Nun haben auch die übrigen 193 Arbeiter und Arbeiterinnen die Kündigung eingereicht, die, wenn nicht inzwischen eine Einigung erzielt wird, nach Ablauf der Kündigungsfrist ebenfalls aufhören werden. Die Kollegen allerorts werden gebeten, von der Bewegung Notiz zu nehmen.'Alle Mittheilungen k. wolle man an Liob. Pauli. Alles Schützenhaus. Groitzsch, gelangen lassen. Au die iu der Leder- und Galauteriewaarcu- Industrie beschäftigte» Arbeiter und Arbeiterinne»! Die Unterzeichneten sind in der letzte» Branchen- Versammlung mit der Agitation innerhalb der Branche beaustragt worden. Ihr werdet hierdurch ausgesordert. unverzüglich Werkstätlen-Sitznngcn einzuberufen, um eine Vertrauensperfon zu wählen. Die Adressen dieser dort gewählten Werkstnbendelegirlen sind unverzüglich zu melde» an: C. Dust, Britzerstraßo 35, III, oder H. H e i n s ch i l d, Oppelnerstraße 34. Tie Nutcrstcllung der Handlnugsgchilfeu unter das Gcwcrbcgericht beschäftigte am Dienstag eine gnlbesnchle Ver- sammlung des Vereins deutscher Kaufleule, der auch der Vorsitzende des Gewerbegerichts. Affcssor von Schulz, beiwohnte. Privat dozent Dr. I a st r o w referirle; er sprach sich für die Nuterstellung ans. Die Versammlung nahm schließlich nachstehende stiesolutio» an:„Die Versammlung spricht ihr lebhaftes Bedauern aus, daß die Aeltesten der Berliner Kausmannschaft in ihrem Gutachten an den Handelsminister sich gegen die Ausdehnung der Gewerbegerichte auf die Kauflento ausgesprochen haben. Die Versammlung kann dieses Gutachten nicht als im Einklang stehend mit den Wünschen im Kausmannsstando ansehen und erklärt, daß n»r die Ausdehnung der Gewerbegerichte, unter Einrichtung besonderer Kammern, ans die Kaufleule geeignet ist, große Mißstände im Berus zu be- seitigen." An die englischen Maschinenbancr sind vom Nixdorf er Gewerkschastskartell gezahlt 50,— M. Textilarbeiter Ueberschuß vom Vergnügen 6,20 M. Möbelpolirer bei Laborenz 7.50 M. D e r V e r t r a u e n s in a n n der Gewerkschaften N i x d o r s s. Deutsches Reich. Zinn MetalliU'bcitcvstreik in Torgclow wird uns geschrieben: Am Montag fand das Einigungsversahren zur Beilegung des Streiks statt. Die Arbeitgeber legten ein Schriftstück vor, in dem sie ver- langten: l. daß die Arbeit wieder nnfgenonimen werden kann, wenn die Arbeiter sich durch ihre Unterschrift verpflichte», nicht mehr dem Deutschen Metallarbeiter-Verband anzugehören, mich nie demselben beizutreten, widrigenfalls der Arbeitgeber das Recht der sofortigen Entlassung hat und außerdem noch dem Arbeiter ein Strafgeld von zehn Mark abziehen kann; 2. die Arbeiter werden je nach Bedarf eingestellt. Von den streikenden Arbeitern wurde verlangt: I.„Die Arbeit wird mifgenoinmen, wenn die Arbeitgeber den ß 152 der Gewerbe- Ordnung anerkennen, der den Arbeitern Koalitionsfreiheit zusichert; 2. die den Arbeitern uurechlmäßig abgezogenen Strafgelder(2—6 M. wegen„Kontraktbrnchs") werde» wiedererstattet; 3. die Arbeiter werden nach Möglichkeit wieder eingestellt, bevor andere nicht am Streik Belheiligte eingestellt werden." Eine Einigung war nicht möglich, da beide Parteien von dem ersten Punkt nicht zurücktraten. Es wurde beiderseits erklärt— von feiten der Arbeitgeber ziemlich kleinlaut— daß man es auf eine Kraftprobe ankommen lassen will.— Der Schiedsspruch ist noch nicht veröffentlicht. Am Abend fand eine öffentliche Volksversammlung in Torgelow statt, die energischen Protest gegen das rigorose Vorgehen der Arbeit- Heber einlegte._ Ausständig sind nun, nachdem die Firma König hinzugekommen ist. 243 Mann. Der Streik steht günstig, da auch in den Kreisen der anderen Fabrikanten das unberechtigte Verlangen der Metall- industriellen verurtheilt wird. Bemerkenswerth ist, daß in einer Fabri- kanten-Versammlnng in Pasewalk der Agent der Verstcherungs-Gesell schast„Jndustria", Herr Dr. Wendtland, dem anwesenden Torgelower Unternehmer sagte, daß in dem hier vorliegenden Streik die Gesell schast eine Unterstützung nicht gewähren würde, da ja der§ 152 der Gewerbe-Ordnung dem Arbeilgeber sowie dem Arbeiter das Recht giebt, sich zu organisiren. I» der Schuhfabrik von Priestag ist ein Streik ans- gebrochen, an dem 23 Arbeiter betheiligt sind. Eine öffentliche Schuhmacherversammluug, die am Dienstag Abend abgehalten wurde. erklärte sich mit den Streikenden solidarisch. Die Agitations kommission soll im Verein mit den Werkstätten- Vertrauensmännern die Unterstützungsfrage regeln. Die Aussperrung der Stettiuer Maurer ist nach einer gegenseitigen Vereinbarung der Lohnkommission der Maurer mit einer Kommission des Arbeitgcber-Verbandes beendet. Das Haupt ergebniß der Verhandlungen ist die gegenseitige Anerkennimg der Organisation und daß in Zukunft Differenzen durch gegenseitige Aussprache erledigt werden sollen. Die Vereinbarung ist am Montag Abend von beide» Theilen unterschrieben worden. Der Zeutralvorstand des Verbandes der deutschen Buch- drncker hat zur Unterstützung der e n g l i s ch e n M a s ch i u e n- baucr die vierte Rate iu Höhe von 500 Pfund Sterling ab- gesandt. Ausland. Der Bnchbiuderstreik in Bern ist, wie der„Grttllianer" mitgetheilt, jetzt vollständig beendet. Auf die neunstündige Arbeit? zeit wurde verzichtet. Den geforderten Minimallohn für Buchbinder, Hilfsarbeiter und Arbeilerinnen hat die Firma genehmigt; ebenso einen Zuschlag von 25 pCt. auf Ueberzeitarbeit. Vom Präsidenten dcö dänische» Textilarbeiter-Verbandes wird uns mitgetheilt, daß der Streik in der K o p e» h a g e n er Plüschfabrik, den wir kürzlich meldeten, beendigt ist. Die Arbeiter haben eine Lohnerhöhung von 4 bis 3 pCt. errungen. Für Akkordarbeiter ist ein Mindestverdienst von 14 Kronen die Woche festgesetzt worden. Der Lohn pro Stunde ist jetzt 30 Oere(33 Pf.). Anö Londou geht uns von den Herren K r e i p e und Königs, jenen zwei Genossen, die im Auftrage der englischen Maschinenbauer Deutschland bereisten, um die deutschen Arbeiter für deren Sache zu interessiren, folgendes Schreiben zu: „Nachdem wir wohlbehalten, ohne von der Polizei abgeschoben worden zu sein, wieder nach England zurückgekehrt sind, fühlen wir uns gedrungen, allen Freunde» und Genoffen unseren besten Dank auszusprechen, für die freundliche Aufnahme, die uns überall geworden ist. Wir sind umsomehr erfreut und zu Danke verpflichtet, als wir wissen, das große Interesse, das uns die deutsche Arbeiterschaft ent- gegen brachte, galt der großen Sache, für die wir thätig waren. Unser Dank gebührt auch besonders der deutschen Arbeiterpresse. welche sich bemüht hat, die deutsche Arbeiterschaft über den Verlauf des Kampfes auf dem Lausenden zu erhalten und die ihr möglichstes dazu beigetragen hat, für uns zu agitiren und zu werben. Vor allem aber den deutschen Arbeitsbrüdern nnsern Dank, die in so großherziger Weise ihren Opfermulh gezeigt und bewiesen haben, daß die internationale Solidarität der Zlrbeiter für sie kein leeres Wort ist. Mögen sie auch serner nicht erlahmen, denn noch ist durchaus nicht alle Gefahr vorüber. Sozinlrs. „Sozialistische Gcuosseuschaftcu" und ihre Schicksale werden in den Spalten der bürgerlichen Presse von Zeit zu Zeit als Fehl- schlüge unserer Zuknnslspläne ausgelegt. Jetzt wird wiederum der Bericht des Fabrikinspektors für daS Herzogthum Altenburg in der Presse zilirt, der behauptet, daß»ach dem Streik der SIeinnnßknopf- Arbeiter in Schmölln ein« Genossen- schaft gegründet wurde, die nachher mit ihren Arbeiter» selbst in Differenzen gerielh. Natürlich ist das wieder ein miß- glnckles sozialistisches Untrniehmen und so vergeht wohl kein Genossenschaftskrach, der nicht auf unser Konto gesetzt wird. Die freisinnige Presse sollte bedenken, daß doch ihre Partei mehr als jede andere das Genossenschaftswesen als wirthschaftliches teilmittel empfiehlt. Die sozialdemokratische Partei hat auf ihrem arteitag in Berlin ausdrücklich vor solchen Gründungen gewarnt. Wenn solche Gründungen sich mit einem sozialistischen Anstrich versehen, dient dieser meist zu nichts anderem als zur Geschäfts- reklame. Die viele» UugliilkSsäste, die so häufig dadurch entstehen, daß Eltern ihre kleineren Kinder in den Woh- n n n g e n allein zurücklassen, haben den L a n d r a t h des Kreises B e n t h e n zu folgender Verfügnng veranlaßt: „Eltern und solche Personen, denen die Pflege und Beaufsichtigung von Kindern linier 12 Jahren obliegt, sind verpflichtet, beim Ver- lassen ihrer Wohnung, sofern Kinder in obengedachtem Alter daselbst ohne Aufsicht Erwachsener zurückbleiben, dafür Sorge zu tragen, daß die Koch- und Heizöfen der Wohnung, in welchem Feuer brennt, g e h ö r i g geschlossen, und Br e» n-»nd Beleuchtungs- Materialien, insbesondere Streichhölzer, derartig verwahrt werde», daß sie den in der Wohnung zurückgelassenen Kindern unzugänglich sind. Zuwiderhandlungen gegen diese Vor- schrist werde», abgesehen von einer etwa nach dem Reichs-Slraf- gesetzbuche verwirkten härteren Strafe, mit Geldstrafe bis zu dem Betrage von dreißig Mark geahndet, an deren Stelle im llnvermögensfalle entsprechende Haftstrafe eintritt." Sitzgelegenheit fiir Lokomotivführer ist aus den s ä ch s i- scheu Ätaatsbahnen seit einiger Zeit eingeführt. Im „Dresdner Anzeiger" wird nun darauf aufmerksam gemacht, daß die an sich nützliche Sitzgelegenheit die Neigung zum Schlaf begünstigt und somit da eine Gefahr zeiligt, Ivo man aus Humanitätsgründen eine Erleichterung im schweren Berufsleben schaffen wollte. Die Einführung von Sitzbänken reiche nicht hin, um der Ueberbürdung der Lokomotivführer vorzubeugen; dies könne nur dadurch geschehen, daß man die Dienstzeit nicht zu lang ausdehnt. Ein städtischer Arbeitsnachweis soll im Januar nächsten Jahres in Gotha eröffnet werden. Soziale WlechkspPtege. Der Laudwirth Fechner hatte seinen Sohn beanflragt, die Kühe zu beaufsichtigen. Der junge Man» begab sich darauf in den Stall. Um sich die Zeit zn vertreibe», schoß er von hier aus mit dem Teschin»ach einer auf dem Hofe angebrachten Scheibe. Seine Schwester, die ebensalls in der Landwirthschaft des Vaters thätig ist, kam bei einem Gange über den Hof gerade in die Schußlinie, als er wieder abdrückte. Sie wurde in den Kopf getroffen, so daß sie Monate lang im Krankenhause behandelt werden mußte. Das Mädchen erhob dann Anspruch auf eine Unfallrente, indem sie geltend machte, sie habe den Gang über den Hof im Jntereffe des land- wirlhschafllichcn Betriebes vorgenommen. Die Klägerin wurde aber in sämmtliche» Instanzen abgewiesen. Das Reichs-Versicherungsaml führt zur Begründung seines Urtheils aus. das Schießen mit dem Teschin gehöre nicht zu de» im landwirthschastlicheu Betriebe üblichen Thäligkeiten und hänge auch sonst nicht ursächlich mit dem Betriebe zusammen. Es liege somit ein Znsall des gewöhnlichen Lebens und lein Betriebsunfall vor._ Gevichks mtfi» Der christliche Staat und die christliche That des OrtS- Vorstehers. Eine für die Kennzeichnung der Floskel vom christ- lichen Staat überaus bedeutsame Angelegenheit ist gestern in letzter Instanz vom Ober-Berwaltungsgericht erledigt worden. Einem Landwirth W. aus der Umgegend vou Danzig war die Ernte vollständig verhagelt, so daß er sich in der größten Roth befand. Er konnte sich nicht anders helfen als dadurch, daß er die Landwirthe der Gegend bat, ihm Saatkorn und Futter für sein Vieh zn schenken. Z» diesem Zwecke � ließ sich der bedauernswerthe Mann sowohl vom Ortsvorsteher wie auch vom Amtsvorsteher feine Noth schriftlich bestätigen. Ter Ortsvorsteher, in dem das menschliche Empfinden noch nicht vom Bureankratismus überumchert sein mochte, und der vielleicht auch etwas vom praktischen Christeulhmn im moderneu Staat hatte läuten hören, setzte der einfachen Attestirung noch die Bitte Hinz», mitleidige Menschen möchten sich des W. erbarmen. Ei» G e n d a r m traf nun W. dabei, als er seinen Bittgang ausführte, und»ahm ihm die erwähnten Alteste ab; der L a» d r a t h des Kreises ver- hängte darauf über den Gemeindevorsteher eine O r d n» n g s- strafe von 9 M. und der Kreisausschuß über de» Amtsvorsteher H. eine solche von 20 Mark. H. klagte gegen die Disziplinar- Verfügung, indem er sein Verhalten mit dem Elend drS W. rechtfertigte. Der Bezirksausschuß setzte die Strafe auf 10 Mark herab und das Ober-Verwaltnngsgericht ivandelte sie gestern in einen Verweis um. Präsident Persius führte ans: Als Polizeiverwalter müßte Kläger dem strafbaren Betteln entgegen- trele», er dürfe es also auf keinen Fall fördern, und deshalb hält« er jenes Aitest nicht ausstelle» dürfen, das zum Betieln ge- mißbraucht werden konnte. Unzweiselhasl habe er sich somit straf- bar gemacht. Sei» Berschuiden sei indeß sehr milde zu be- urtheileu und darum wäre nur auf einen Verweis zu erkenne». Ein Akt weiblicher Ltznchjnstiz beschäfiigte gestern das Schöffengericht am Amtsgericht II. Wegen unsittlicher Hand- l u n g e» war der Kaufmann Fridolin S t» l e r aus W e i ß e» s e e und ivege» Körperverletzung dessen Ehefrau A n n a geb. Fischer und die Ladenmamsell Margarethe Scharf angeklagt. In dem Geschäft der Stüler'sche» Eheleute befand sich die löjährige Anna B. als Lehrmädchen. Der Chef verfolgte dasselbe mehrere Monate lang mit t h ä t l i ch e n Beleidigungen u n z ii ch t i g e r Art, deren sich das Mädchen kaum erwehren konnte. Ganz zufällig bemerkte endlich einmal die Fra» Slüler die galanten, wenn auch vergeblichen Be- mühiingen ihres Gallen, statt aber nun diesem ernste Vorhaltnugc» zu machen, beschloß sie in eifersüchtiger W»ih, sich an dem unschnl- dige» Opfer zu rächen. Mit Hilfe der Ladenmamsell Schars fiel sie am 7. Juli über das Lehrmädchen her und legte dasselbe über den Ladentisch. Während die Scharf das Opfer festhielt, wurde dieses von der Frau Slüler mütels eines Anstlopfers nach allen Regeln der Kunst gestäupt. Diese Thal konnte nicht ohne Sühne bleiben. Die Anklage wurde erhoben und gestern gelang es dem Herrn Fridolin Slüler, seine Lage dadurch noch besonders zu verschlimmern, daß er mit der Bshanptuug hervortrat, daß das junge Lehrmädchen ihn zu versühren gesucht habe. Der Gerichtshof erblickte in dieser Behauptung ledig- lich eine Fortsetzung der Beschimpfungen, die er dem jungen Mädchen bereits vorher zugefügt hatte. Er wurde daher zu zwei Monaten G e s ä ii g i> i ß vemrtheilt. Seine Frau muß 100 Mark Geld- strafe zahlen und außerdem müssen beide Eheleute solidarisch 30 Mark Geldbuße an die Verletzte entrichte». Milder bestraft wurde dagegen die Angeklagte Scharf, iveil sich der Gerichtshof der Ansicht des Vertheidigers, Rechtsanwalt Oskar Gabriel, anschloß. daß diese unter dem moralischen Zwange ihrer Prinzipalin ge- handelt habe. Die Scharf kam daher mit 50 Mark Geldstrafe davon. AttSweisuug Ei» Arzt wurde vom zuständigen Regierung?- Präsidenten ans einer größere» Stadt der Provinz Sachsen ans- gewiesen, weil er vor ctiva 10 Jahre» wegen Beihilfe zum Versuch der Frnchtabtreibiiug zu einem Jahr Zuchthaus verurtheilt worden war. Die Behörde stützte sich auf de»§ 2 Absatz 2 des Gesetzes vom 31. Dezember 1842, wonach einem preußischen Unier- ihau der Aufenthalt an einem preußischen Orte verweigert werde» kann, wenn er ein Sträfling ist, der zu Zucht- Haus oder wegen Verbrechens, wodurch sich der Thäter als ein für die össentliche Sicherheit und Moral gefährlicher Mensch darstellt, zu irgend einer anderen Strafe verurtheilt wurde.— Nach- dem der Oberpräsident die Beschwerde des Arztes zurückgewiesen hatte, hob gestern das O b e r- V e r w a l t u n g s g e r i ch t die Ans- weisungs-Verfügung mit folgender Begründung auf: Allerdings sei der Kläger jetzt nicht mehr als Sträfling anzusehen, indessen sei ausschlaggebend für die eventuell« Ausweisung auf grund des ange« zogen«» Gesetzes, ob der Betreffende eine für die öffentliche Sicher- heil und Moralität gefährliche Person sei. Als solche müffe Kläger jetzt noch gellen. Trotzdem habe die Ausweisung hier für u n z u- lässig erklärt werden müssen. Das Gesetz von 1342 regele nur die Aufnahme neu anziehender Personen, Kläger sei aber erst nach einjährigem Ausenthalt in der Sladt ausgewiesen worden. Dies sei nicht statlhaft. Prozeß gegen die Garanticfondszcichner bei der Berliner Gewerbe-AuSsteNung. In dem heute staltgehabten Termin gegen die Garanliesoiidszeichner der Gewerbe-AuSstellung ist ein Theil der Verklaglen nach dem Antrage des Arbeitsausschusses ver- urlheilt worden; für einen anderen Theil ist daS Urtheil vertagt worden. Unschuldig verurtheilt. Ans Hamburg wird uns vom 22. November berichtet; Heute sprach die Strafkammer II des Landgerichts den Arbeiter Karl Heinrich Thiel, den sie am 19. Maid. I. ans die Aussage eines etwa achtjährigen Kindes wegen versuchlen SittenverbrechenS zu 4 Monaten Gefängniß verurtheilt hatte, im Wiederausnahnie-Verfahren kostenlos frei. Als Th. die gegen ihn erkannte Strafe schon verbüßt hatte, gestand ein Mensch, der wegen wiederholten Sittenverbrechens abgenrtheilt wurde, freU willig ein, daß er auch die That verübt habe, wegen deren Th. verurtheilt war. Th. Halle damals das ihm zur Last gelegte Verbrechen entschieden in Abrede gestellt, das Gericht hielt ihn jedoch durch die Angabe» des Kindes für überführt.— An demselben Tage sprach das Schwurgericht einen Tischlergesellen von der Anklage des Meineides frei, der deswegen seit Ansang Juni d. I. in Unler- suchlliigshaft gesessen halte. Beide Opfer der Justiz hatten eine Familie resp. eine alte Mutter zu ernähren, die, während der Ver- sorger hinter den Gesängnißmaueru saß, darben»nißle». Vepeschlett und lrkzke MuchvUhkeu. Falkciisteiu i. Boatl., 24. November.(W. T. B.) Gestern Nachmittag kurz vor 4 Uhr wurde hier bei klarem Weller ein lang andauernder Erdstoß und darauf eiu kurzes Donnerrollen bemerkt; nachts trat Schneefall ein. Wien, 24. November.(W. T. B.) Abgeordnctenhans. Die Erklärung des Präsidenten, mit welcher derselbe die Sitzung schloß, lautete:„Angesichts der Gewalllhaten, die sich im Hause zuzc- trage« haben, erachte ich es für meine Pflicht, die heutige Sitzung aufzuheben. Ich bitte diejenigen Herren, die nur die An- geordneten angeben können, welche sich der Gewaltlhale» schuldig gemacht habe», in meinem Bureau zu erscheinen. Diese Er- klärung gab der Präsident auf Wunsch mehrerer Abgeordnelen ab, tvelche»ach Unterbrechung der Sitzung i» seinem Bureau er- schienen waren und ihre Aussagen zu Protokoll gegeben hatte». Nächste Sitzung morgen 1 Uhr. Tarbes, 24 November.(W. T. B.) Bei dem bereits ge- nieldelen Eifenbahn-Unsall in Tournay wnrdcn 10 Personen ge- tödtet, viele verletzt. London, 24. November.(W. T. B) Die Konferenz zwischen den Arbeilgebern und Arbeiter» des Maschinenbmi-GeweibeS, wctcbe durch die Vermitleluug des Handelsamies zu stände gekomme» ist. wurde heule eröffnet. Die Verhandlungen iverden sich ivahrscheinlich in die Länge ziehen. Bombat», 24. Novbr.(W. T. B.) Die Pest hat in Poona und Surat bisher nicht nachgelassen und ist jctzl aucn in Bclganm und in Ahmednagar aufgetreten. Zwei Drittel der Bevölkerung des letzterwähnten Ortes sind geflüchtet. In Bombatz wurden gesteru 26 Erkraiikinigen und 10 Todesfälle festgestellt. Verantwortlicher Redakteur: August Jacobey in Berlin. Für den Jnseratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von B!ax Babing in Berlin. Hierzu t Beilage u. Uiilcrhajlnngoblat». llr.275. Ii mm. Ktilllge des Jorniürts" Kerliner MIKsdlM. S-Ottchs. 25. l8g7. Zn den Stichwahlen: Morgen, Freitag, den 26. November, finden in der 3. Abtheilung des 32., 34., 38. und 40.Komnnlnal-Wahlbezirks dieStichwahlenzwisehen denKandidatendesantisenntisch-kouservativ-liberalen Kartells und den Vertretern der Sozialdemokratie statt. Gegenüber der Koalition der gegen uns ver einigten Gegner muß alles aufgeboten werden nin den Sieg an unsere Fahne zu heften, damit im Notheu Haus der Wille der arbeitenden Be völkernng mit Nachdruck zur Geltung gebrach werden kann. Die Sozialdemokratie fordert gleiches Recht für Alle. Der im Nathhaus herr� schende Freisinn dagegen führt die Koiumnuak wirthschaft wesentlich zum Vortheil der besitzenden Klasse und macht die städtische Verwaltung seinen Politischen Interessen dienstbar. Parteigenossen! Es ist eine Ehrenpflicht des 6. Reichstags- Wahlkreises, in dessen Herzen die vier Kommunal- Wahlbezirke liegen, dafür zu sorgen, daß in dieser Hochburg der Sozialdemo- kratie auch für das Rathhaus nur Sozialdemo- traten gewählt werden. Genossen! Die Partei erwartet, daß niemand seine Pflicht versäumt. Laßt Euch nicht von den Gegnern einschüchtern; fürchtet Euch nicht vor der öffentlichen Stimmabgabe. Bekennt Euch alle sammt kühn und stolz als Sozialdemokraten, dann sind die Gegner bei so imposirnter Kundgebung des Volkswillens machtlos und der Sieg ist uns sicher. VovwÄvks! Unsere Kandidaten sind; 3S. UVahlbezirk Schneider Johannes Timm. 34. UvahlbezivN Hutmacher H. Korgmann. 38. HVahlbezivk Gastwirth Christian Hilgenfelh. 40. AVshlbezivN Rechtsanwalt Wolfgang Heine. UvÄhlberechkigk ist nach s S der Slädle-Ordming jeder selbständige Einwohner, der Preuße und 24 Jahre alt ist, seit eineui Jahre in Berlin wohnt und seit einem Jahre keine Armenunterstützung aus öffentlichen Mittel» erhalten hat, sowie mindestens zur zweiten Steuerstufe(660 bis 900 M. Einkommen) eingeschätzt ist, und sofern er in die Wählerliste eingetragen ist. Chambregar nisten sind selbständig und daher wahlberechtigt. Wer seit dem 30. 1 u l i(seit der Auslegung der Liste») v e r- z o g e n i st, wählt i n d e m B e z i r k, in welchem er vor diesem Termin gewohnt hat. Die Wahl findet von9UhrmorgenS biS7Uhr abends statt, und zwar zu jeder beliebigen Stunde während dieser Zeit. Die Abgabe der Stimme nimmt nur wenige Minuten in Am sprnch. Diejenige» Wähler, die es irgend möglich mache» können, wollen bis Mittag 1 Uhr ihr Wahlrecht ausübe», damit der An drang gegen Abend nicht zu stark ist. Diejenigen Genossen und Genossiimen, welche am Tage der Wahl mithelfen wollen, möge» sich in folgenden Lokalen früh Uhr einfinden: Brauerei Pfefferberg(Billardsaal), Schönhauser Allee, für den 32. Bezirk. E. D i e k e, Ackerstr. 123, für den 34. Bezirk. Paul Jakob, Schtvartzkopffstraße 11, für den 38 Bezirk. Johann Pfarr, Putlitzstr. 10, für den 40. Bezirk. Parteigenossen! Was am 8. November versäumt wurde, muß morgen, am SO. November,»achgeholt werden. Es war bisher unser Stolz und trug wesentlich zu nnseren Siegen bei, daß sich bei jeder Gelegenheit, Ivo die Partei rief, opser- bereite Genossen in genügender Anzahl fanden. Wir erwarten, daß uns auch morgen genügend Kräfte zur Seite stehen, damit wir die Agitation in energischer Weise betreiben können. Bon feiten der Gegner wird alles aufgeboten, um den Sieg zu er- ringen;— alle Jnteressen-Kliquen, alle abhängigen Leute, all' die Macht, welche die städtischen Aemter verleihen, werden aufgeboten, um die Geldsacksinteressen noch einmal zu wahren. Da ist es Ehrenpflicht der Genossen, mitzuwirken an dem Siege der Arbeiterklaffc. Wer seine Rechte nicht wahrt, hat keine Ursache sich zu beklagen, denn er ist mit schuld daran, daß seine Brüder unterliegen. Darum: Ans zur Stichwahl! Kommunales. In dem Stadtverordneten-Anöschuß zur Vorberalhung der Wahl des S t a d t s ch u l r a l h s ging es am Moniag Abend recht lebhaft zn. Der Caffel'sche Schnlliberalismns hat auch auf diesem Gebiet den Sieg davon getragen. Bertram soll wiedergewählt werden— so will es der Freisinn, der sich vom Alten nicht trenne» kann. Ans weitere 12 Jahre soll die Leitung des Berliner Volks schulwesens in den Händen des Mannes bleiben, der im Gegensatz zn vielen hervorragenden Schulmännern fast alle» pädagogisch- hygienischen Forderunge» der Stenzeit ablehnend gegenüber steht. Den Gründen des Sladtv. Singer, der, auf die Stagnation des Berliner Gemeindeschulwesens hinweisend, die Ausschreibung der Stelle beantragte, wurde entgegengehalten, daß die Wiederwahl Bertram's ans Dankbarkeit erfolgen müsse, und daß jeder Versuch, eine neue, frische Kraft an die Stelle des 72jährigen Mannes zu setze», als eine Beleidigung und Kränkung des verdienstvollen Chess der Berliner Gemeindeschnlen angesehen werden müsse. Vergebens bemühte sich die Minorität des AnsschnsseS, die Unhallbarkeit dieser Ansicht darzulegen. Tie Vertreter der sogenannten„Großen Linken", unter. stützt von de» konservaliv-naiionalliberalen Anhängern des Herrn Chariteedireklors Spinola, Überbote» sich gegenseitig i» glühenden Liebes- und Lobeserklärnngen für Bertram, der nach diesen Herren der lenchlendsie Stern am Lehrerhimmel Deutschlands ist und dessen Nichtiviederwahl Berlin zur ewigen Schande gc- reichen würde. Gegenüber dieser Kommunalpolitik des dankbar kindlichen Gemülhs, gemischt mit dem Gefühl der Znfriedenheit darüber, daß wenigstens für einige Jahre noch die Pension gespart wird— denn daran dachte im Ausschuß kein Mensch, daß Herr Bertram, auch wenn er am Lebe» bleibt,»och zwöli Jahre im Dienst sein kann— trale» die sachlichen Erwägungen völlig in den Hinter- grnnd:„Wiederwahl sang pbraso" war die Parole und mit acht gegen fünf Stimme» wurde demgemäß beschloffcn. Kein Zweifel, daß die Versammlung den Ausschnßbeschlnß ianktionirt, und so geht auch diese Gelegenheit vorüber, ohne daß es gelinge» wird, das mit der Person des Leiters alternde und der Greisenhaftigkeit verfallende Berliner Schulwesen auf die Höhe einer moderne», die Bedürfnisse der Technik und der ökonomische» Entivickelniig begreifenden Pädagogik zu bringe». In den Berliner Gemeindeschnlen wird so lange„fortgewurstelt" werden, bis der Bevölkerung doch endlich eininal der Geduldsfaden reißt und mit der Freistnnswirthschafl im Rolhe» Hanse gründlich ausgeränml ivird.— Tie Nen-Eintheilnng der Gemeinde Wahlbezirke, die die städtischen Behörden seinerzeit beschlossen hallen, ivnr vom Ober- Präsiden len zuerst nicht genehmigt worden, weil er zunächst die Entscheidung des Ober-Berivallnngsgerichts über die Frage ab- warten wollte, ob die Theilnng eines Komm», al-Wahlbezirks zur Erleichterung des WahlgcschäftS in mehrere Slbstiminungsbezirke ge- setzlich zulässig sei. Ein derartiger Prozeß war wegen eines Wahlbezirks der Stadt Dortmund anhängig gemacht worden. Da in diesem Falle aber inzwischen die Klage zurück- gezogen und damit die Znlässigkeit der Ülbstiunnungsbezirke wieder anerkannt worden ist, hat, wie hiesige Blätter melden, der Oberpräsident der von den Berliner Gemeindebehörden vor- geschlagenen Neueintheilnng der Kommunal- Wahlbezirke seine Ge- »ehmigung ertheilt. Nach diesem Borschlage soll die Zahl der Berliner Stadlverordneten um achtzehn vermehrt werden. In einer der nächsten Sitzungen des Magistrats wird der Dezernent, Stadt- ralh Böhm, die Angelegenheit vortragen, damit der Magistrat die weiteren Maßnahmen, besonders die Art der Aussührnng, be- rathen kann. Ob der Magistrat sofort oder erst zu den nächsten Ergänzungs- wählen die neue Bezirkseintheilnng und dementsprechend die Wahle» vornehme» lassen ivird, bleibt abznwarte». Eigenlhümlich ist der Zufall, daß die Hindernisse für die Entscheidung des Ober- Präsidenten unmittelbar nach den Ergänznngswable» in Berlin in Fortfall gekommen sind. Hätte die Genehmigung der Neneinlheilnng nur wenige Woche» früher erfolgen könne», so würden die dies- jährigen Ergänzungswahlen schon nach der neuen Ordnung statt- gefunden haben. Nun werden wir voraussichtlich wieder zwei Jahre warten müssen, ehe die erste» Schritte zur Beseitigung der durch die Ungleichkeil der Wahlbezirke herbeigeführien Unznträglichleiten getban werde» können. In der Sorge um die Mandate Hai der Rathhansfreisinn die Vermehrung der Sladlvorordnete» beschlossen, damit der infolge der Neneintheilung der Wahlbezirke in der dritten Amheihmg durch Uebergang an die Sozialdemokratie entstehende Mandais- verlast, durch die Vermehrung der Sitze in der ersten und zweiten Abtheilnng ausgeglichen wird. Magistrat und Sladt- verordnelen-Majoriläl sind einig darüber, daß die privilegirteu Geldsackswähler nach wie vor eine Zweidriltel-Majorität im Nöthen Haus zu Berlin haben sollen. Das nennt man im sreisinnige» Lager„gleiches Recht für Alle". In diesem Punkt sind die„feind- lichen Brüder" übrigens ganz einig. Für Verewigung der Gelbsacks- Vorrechte stimmen die„alte" so gut wie die„neue" Lmke und die Preisboxer im Streit um die Lehrergehälter— Preuß und Cassel—, im Kampf für die Mandate und für die Erhaltung des Dreiklassen-Wahlsystems bei de» Konimunalwahlen stehen sie Arm in Arm brüderlich vereint a» der Seite der ostelbischen Jnnker, denen das allgemeine Wahlrecht ein Gräuel ist, und die, ganz wie der Richler-Rickert'sche Freisinn, nur in dem Dreiklassen-Wahlsystem für die Gemeinden de» Ausdruck einer gerechte» Weltordnung er- blicken.—_ Kokales. Zur Lokalliste. In R i x d o r f ist das Lokal von Schwartz (früher Bikioriasäle), Hermannstrabe wieber frei. In Groß» L i ch t e r s e l d e ist das Lokal von H. Löwendorf gesperrt. Der Vergnügungsklub„Arion" veranstallet am 26 Dezember IS97 (2 Weihnachlsfeiertag) in Heinrich's Festsälen, Blücherstr. 61, ein Vergnügen, zu welchem versucht wird, in Arbeiterkreisen Billets abzusetzen. Da das Lokal nicht frei ist, sei darauf besonders hingewiesen. Die Lokalkommission. Im 40. Kommnnal-Wahlbczirk findet heute, an, 2S. No vember, abends 3 Uhr, i» der Aklienbrauerei Moabit, Thurnistr. 26, eine öffentliche Koniinnnalwähler-Versammlung statt, in der außer dem Reichslags-Abgeordneten Z u b e i l auch der Kandidat des Bezirks Rechtsanwalt Wolfgang Heine sprechen wird. Tie Parteigenoffen des dritten KreiseS werden hiermit dar- auf hingewiesen, daß am Sonntag, den 23. Noveniber, abends 6l/3 Uhr, im Lokal des Herrn Cohn, Beuthstr. 20—22, eine öffentliche Versammlung statlsindet, in der Genosse Paul Jahn»inen Vor- trag halten wird über das Thema:„Das Glück der Menschen und die sozial« Frage". Nach dem Vortrag findet geselliges Beisammen- ein und Tanz statt. Entree 10 Pf., Garderode 10 Pf. Regen Be- 'uch erwartet Die Vertrauensperson. Aufruhr und Rebellion im Lager deS Freisinns. Säinwt- liche liberalen Nachtmützen wackeln, und das hat mit ihrer Knauserei die Majorität im Rothen Hause gethan. Der Berliner Kommunal- reisinn huldigte dem schönen Vers: Ueb' immer Lehrcrfreund- lichkeit bis an das kühle Grab— Doch wenn die Sache Kosten macht, dann laß nur davon ab. Im Ab geordnetenhause beim Lehrerbesotdungs- Gesetz über die «lbisch- junkerliche Filzigkeit gegen die Lehrer donnern, praktisch wird, dann reicht's beim Freisinn nicht weiter als für ein das letzte ostelbische Dorf nur um 100 M. übersteigendes Grund« gehalt von 1000 M. pro Jahr für die Lehrer. Wo keine Zluswendung von Mitteln in Frage kommt, hat der Freisinn die Lehrerfreundlichkeit in Erbpacht genommen, wenn's aber Geld kostet— dann glaubt die städtische Weisheit in Berlin, die„Sieger von Köuiggrätz" könne» von diesem Ruhmestitel satt werden. Die Lehrer aber verstehen keinen Spaß und sage» mit einem deutlichen Hinweis auf die bevorstehenden Reichstagswablen: Brennt die Liebe des Freisinns für uns wirklich so heiß— so zahlt er für unsere Arbeil auch den entsprechenden Preis. Mit dem Beschluß der letzten Stadlverordnclen- Versammlung hat sich der Rathhaus-Freisinn in eine böse Patsche gebracht. Aber in Geldsachen hört— frei nach einem liberalen Minister— die Gemüthlichkeit ans und der Berliner Freisinns- Philister will nun einmal nicht mehr wie 100 pCl. Einkommensteuer zahlen. Im Abgeordnetenhaus die Theorie, im RatHHaus die Praxis — so schlägt man zwei Fliegen mit einer Klappe. Dort ei» warmes Herz, hier zugeknöpfte Taschen für die Lehrer. Dort tönende Reden gegen oie unziireichenden Gehaltssätze des Gesetzes— hier die ärgste Knauserei bei der Festsetzung des Grundgehalts, dort Spott und Hob» für Landlag und Regierung, die kein Geld für die Kultur- aufgaben hat— hier in Berlin Bersagnng der Mittel für eine Kultnraufgabe ersten Ranges, für die Auskömmliche Ausangs- besoldung der Lehrer. Kurz, ein klaffender Widerspruch zwischen den Worten und den Handlungen des Freisinns der Reichshanplstadt. Das fühlt die Freisinnspresse auch heraus und beeilt sich, die liebe» Gestnnungs- genossen feierlichst zu dcsavouircn. Die leitenden Blätter der ver- schiebe»«» Richtnugen des Liberalismus protestiren dagegen, für den Beschluß des Berliner Rathhaus-Freisinns verantwortlich gemacht zn werden. Sie lehne» es ab, sich mit dem Liberalismus der Spandauerstraße zu identisiziren und lassen die Cassel und Konsotten in der Tinte sitzen. Ein reizendes Bild. Die festeste Säule dos Freisinns, der Nährboden des Liberalisinns, das Berliner RatHHaus wegen Verrat hs an der liberalen Sache von der freisinnigen P�- sse Richler'scher und Rickert'scher Observanz einmüthig boykotlirt. In Acht und Bann gegen die Virchow, Lnngerhans und Hermes, weil sie unter dem Gewicht der goldenen Kette für den Berliner Bären niehr sparen wollen, als für den preußischen Adler. lind all' das so kurz vor dcii Wahlen. Wahrhastig, der Liberalismus hat Pech. Es gelingt ihm nichts mehr. Wenn der Freisinn am grünen Holze in Berlin so rollenividrige Seitensprünge macht— was kau» man dann erst von den Gesinnungsbrüdern in Pose- nttickel w. erwarten. Wir wissen den Schmerz der Freisinnspresse zn würdigen— aber es ist echte und rechte Freisinnsart— bei Geldsachen geht nicht nur die Gemüthlichkeit, sondern auch das Prinzip in die Brüche. So war es— so ist es und so wird es bleiben, so lange der Frei- sinn im Berliner Nathhaus regiert. Tie Leistungen des Berliner„Freisinns" für die Bolls- schnle wurden am Dienstag in der Lehrer-Protestver- s a m m l u u g, die wegen des bekannten Stadtverordneten- Beschlusses in Sachen der Lehrergehälter ein- berufen worden war. mit schonungsloser, aber ivohlvordienter Stcenge gerichtet. Wir erblicken das Scharfe und geradezu Ver- »ichlende der Kritik, die dort geübt wurde, nicht in den Aus« sührungen des Referenten und der Diskussionsredner, sondern in der Haltung und Stimmung der Versammelte n. Die Veranstalter der Versammlung, wie diejenigen, die in ihr das Wort ergriffen, waren„Freisinnige". Aber der Gesammleindrnck, den die imposante Vcrsamnilung machte, war der, daß die Muß» Begeisterung der Berliner V o l k s s ch u l l e h r e r für den„Freisinn" durch jenen Beschluß denn doch einen heftigeren Stoß als je zuvor erlitten hat. Die Herren Stadtvero dneter Preuß, der das Referat übernommen hatte. sowie Redakteur VoUralh, Stadtverordneter Perls, Redakteur Röhl („Pädagog. Ztg.") u. s. w. bemühten sich, den Schade» möglichst zn repariren, vor Verbitterung zu warnen und von den schwindenden Sympathien der Lehrer für den„Freisinn" zn retten, was noch zu reiten war. Einzelne Momente der Versammlung waren für die unter den Lehrern herrschende Stimmung äußerst charakteristisch. Als Herr Preuß erklärte, er bedauere als Liberaler in Verlegenheit kommen zu müssen, wenn die Gegner sagten:„Die Liberalen stellen liberale Forderungen, wo sie nichts zu sagen haben, und lassen sie unerfüllt. Ivo sie etwas zu sagen haben",— da erscholl stürmischer, langauhaltender Beifall, der natürlich nicht den Worten des Herrn Preuß, sondern der von ihm zilirlen zutreffenden Aeußerung der Gegner des„Liberalismus" galt. Ein Hohngelächter unterbrach ihn bei den ernst gemeinten Worten: „Die Stadtverordneten-Versammlung ist doch in ihrer erdrückenden Mehrheit liberal."— Die von der Versammlung angenommene illesolution bezeichnete die Regelung der Lehrergehälter, wie sie jetzt erfolgen soll, als„eine den liberalen Prinzipien widersprechende Schädigung der Volksbild ungs- Interessen der R e i ch s h a u p t st a d t". Die bisherige» Leistungen des„Liberalismus" für die Berliner Volksschule und die Volksbildungs-Jnleressen Berlins haben gezeigt, daß im Gegentheil auch diese seine neueste Leistung vollkommen den P r i n« z i p i c n des„L i b e r a l i s m u s" entspricht. Tic Bcruichrung der Berliner Stadtverordnetenmaildate nm 13 ist jetzt vom Oberpräsidenten genehmigt worden. Zu gunsten ihres„Baufonds" veranstaltet die hiesige Frei« religiöse Gemeinde am nächsten Sonnabend, den 27. November, in Keller's Festsälen, Koppenstr. 29, ein Vokal- und Instrumental- Konzerl, in welchem neben dem gemischten Chor der Freireligiösen Gemeinde die, einem großen Theil unserer Genosse» wohlbekannten 'Arbeiter. Gesangvereine„Kornblume",„Treue",„Ost- und West- prenßen" und„Georginia", unter der bewährten Leitung des Herrn Mnsiklehrers Rich. Slitz mitwirken werden, während die Instrumental- musik vom Neuen Berliner Konzerl-Orchester unter Leitung seines Dirigenten Herrn Rud. Tietz ausgeführt wird. Das Programm ist ein in jeder Beziehung gutgewählles, so daß den Zuhörern ein genußreicher Abend in Aussicht steht. Dem Bestreben der Freireligiösen Gemeinde, sich durch Schassung eines eigenen Heims von den Einflüssen und Launen der Saalinhaber unabhängig zu machen, können wir nur den besten Erfolg wünschen und nur hoffen, daß unsere Genosse» durch zahlreichen Besuch dieser Veranstaltung dazu beitragen werden, daß die Gemeinde diesem ihrem Ziele einen Schritt näher gebracht wird. Handlungsgehilfen! Heute. Donnerstag Abend findet in Ahrens' Brauerei, Thurmstraße, eine öffentliche Versammlung statt, in welcher der Kandidat des 40. Kommunal-Wahlbezirks, Niechls» anwalt Heine über die bevorstehenden Stadtverordneten-Stichwahlen referiren wird. Bei dieser Gelegenheit werden auch wir darlegen, wie bisher von den Stadtverordneten unsere Wünsche beachtet wurden und welche Stellung wir demgemäß einzunehmen haben. Es ist daher Pflicht jedes Kollegen, sich heute Abend an der Versammlung' zu betheiligen. Der Vertrauensmann der Berliner Handlungs- gehilfen und Gehilfinnen Albert Kohn, Schliemannstr. 11. Bei der Beerdigung unseres Parteigenossen Pfeiffer hat sich auf dem neuen Thomaskirchhos eine jener peinlichen Störungen er- eignet, die schon mehrfach in unserem Blatte Gegenstand der Rüge waren. Es hatte schon besondere Mühe gekostet, den Grabgesang frei zu bekommen, denn der Gesangverein, der unserm Parteigenossen die letzte Ehre erwieS, mußte dem Kirchhossinspektor erst begreiflich machen, daß die Lieder, welche er singen wollte, nach der religiösen oft- Richtung hin unanstößig seien. Nachdem dies Hinderniß beseitigt daS j war, mußten die Kränze mit den rothcn Schleifen herhalte». Ais klingt schön und kostet nichts. Wenn die Geschichte aber in Berlin I Genosse Scholz den Kranz deS WahlvereinS mit den Worten„Ehre seinem Nndenken" niederlegte, schrie der Jnspeklor:„Ich verbitte mir jedes Nede» nm Grabe". Der Vertreter des Metnllnrbeiter-Verbandes wurde daraus beim Niederlege» seines ikranzes mit barscher Stimme nach dem Name» gefragt! Man kann sich denken, welchen Eindruck die Tranerversanunlnng vo» dem Benehmen des Beamten empfing, und welcher Beherrschung es bedurste, um weitere unliebsame Bor- gange zu verhindern. Weil er inS Gefaugniß wollte, hat der arbeits- und obdach- lose Tischlergeselle Hermann P. ans tsüstri» einen Diebstahl be- gange». Er riß am Dienstag Vormittag in der Mnllerstraße einen Willlerüberzieher, ivelcher von einem Garderobengeschäft zur Ansicht aus die Straße ausgehängt war, vom Kleiderriegcl und ließ sich daraus ruhig festnehmen. Ihm war es nicht um de» Neberzieher zu lhnn, sondern nur darum, ein Unterkommen und Nahrung zu erhalten; deshalb beging er die Straflhat. Seiner Angabe nach hatte er bereits seit zivei Tage» nichts gegessen. Der Wunsch des Armeir ist nunmehr ersüllt worden. Diebstahl ans Noth— wieder Einer! Nach amtlicher Ermittelung war der Preis des Roggenbrotes für l Kilogramm in Pfennigen(im Durchschnitt von 34 Bäckereien) am 14. September er. 22,95 Pf., der niedrigste Preis 11,18 Pf, der höchste Preis 27,03 Pf., am 4. Okiober er. 23,27 Pf., der niedrigste Preis 18,52 Pf., der höchste Preis 28,57 Pf.; Weizenbrot(Schrippe») für 1 Kilogramm in Pfennigen(im Durchschnitt von 34 Bäckereien) am 14. Sep- tember er. 38,98 Ps., der niedrigste Preis 23,90 Pf, der höchste Preis 46.95 Pf., an» 4. Oktober er. 33,74 Pf., der niedrigste Preis 28,99 Pf., der höchste Preis 44,44 Ps. Tic Eiseubahi»- Direktion Berlin wird beinr Minister der bffentlicheii Arbeiten die Errichtung eines zweiten Bockkrahnes von 20 000 kg Tragfähigkeit für den Moabiter Güterbahnhof(Bcnssel- straße) beantrage». Daö Polizeipriisidlnm Hot nenerdingZ die landespolizeiliche Genehmignilg zu,» Neubau der M ö ck e r n b r ü ck e, zur Errichtung einer Hissbrücke und zun» Abbruche der alten Möckernbrücke unter der Bcdlngnng ertheilt, daß während deS Baues der Schiffsverkehr nicht mehr als unvermeidlich gestört werde. Die Frage der Müllabfuhr, welche nun schon seit einer ganzen Reihe vo» Jahre» die betheilizten Kreise Berlins lebhaft defchäsligt, dürste in kurzem eine noch weit schivierigere werden, und »war nicht nur für Berlin selbst, sonder» auch für seine ganzen um- liegenden Bororte. Es haben nämlich mehrere Lororlgemeiuden, ans deren Gebieten bisher das Müll aus Berlin und anderen Bor- orten zur Slbladnng kam, mit SHiicksicht auf die groben Gefahren, die solche Lagerplätze für die Bevölkerung in sich bergen, bei der königl. Regierung zu Potsdam iviederholt darüber Beschlverde erhoben und «m Abwendung dieser Gefahren gebeten. Infolge Hesse» wird jetzt von dem Regierungspräsidenlen zu Poisdam eine B e r ord n u n g vorbereilet, nach welcher das Abladen vo» Müll seitens der Abfuhrunternehlner Berlins wie auch seiner Bororte nicht nur in den nächst Berlin gelegenen Borortgebielen, sonder» über- Haupt in e i n e m U m k r e i s e von e t iv a s e ch s M e i l e» «'»Berlin nicht mehr gestattet werden soll. Nach diese, Verordnung soll die Aushebung der Müll-Abladeplätze in den Vororten spätestens am 1. Oktober 1833 erfolgen. Und so ist jetzt die Stadl Berlin gezwnnge». sich so schleunig wie wöglich nach»ene» Plätzen für ihr Müll umzusehen, weshalb denn auch der Berliner Magistrat damit beschäftigt ist, für die Regelung der Müllabfuhr ans den einzelnen Grundstücken ein besonderes Ortsstatnt ansznarbeile». In ähnlicher Lage wie Berlin befindet sich auch Charlottenburg, u>o man schon für die allernächste Zeit der erivahnten Regienmgs- Polizeiverordnung entgegensieht. Auch dort beschäftigt sich daher de> Magistrat jetzt sehr angelegentlich mit der Müllabfuhrfrag« und neigt der Ansicht zu, die Abfuhr in städtische Regie zu übernehmen. Zu der Explosion i» der Schönhauser Allee wird iveiler be- richtet,� daß das drille Opfer der Katastrophe nunmehr von de» Angehörigen rckognoSzirt worden. Es ist dies die zwanzigjährige Fabrikarbeiterin Marie Karde ans Nen-Weißensee. Der Vater hatte früher ein Baugeschäst, doch mußte das Mädchen zuletzt ihren LebenS- unterhalt als Fabrikarbeiterin suchen. Die Leichen der drei durch die Explosion gelödteten Personen befinden sich in theiliveise ver- kohlt«,» Znstande, so daß die Feststellung der Identität recht schivierig ivar. Das Befinden der im Kranrenhanse am Friedrichs- Hain nntergebrachte» Arbeiterinne» Hulh und Schulze und deS Arbeiters Palnchowski gab zu Bedenken auch gestern keinen Anlaß. Fran Palnchowski ist bereits aus de», Krankenhause e»l- lasse» worden. Ueber die Ursache der Explosion wird noch berichtet: Die schon erwähnte 13 Jahre alte Hnth halte mit Hilfe eines jungen Mannes Streichhölzer zu verpacken. Zu diesem Zwecke hatte» beide eine» größeren Behälter vor ssch flehen, ans welchem sie mit de» Händen die Streichhölzer herausnahmen. Der jugend- liche Arbeiter war aber dabei etwas hastig verfahren, und bei einem schnelle» und liefere» Griff in den Vorrath entzündeten sich die Streichhölzer. Amtlich soll aber festgestellt worden sein, daß die Elreichhölzermasse mit einer Gasätherflainme in Berührung ge- kommen sei. Bestätigt sich diese Meldimg, so dürfte der erschütternde Borfall noch vor Gericht ei» Nachspiel finde». I» der Nngelcgcnheit des Altentals auf das Dienstmädchen Pfeffer theilt das Polizeipräsidium mit: Der Bäckergeselle Fritz Salnlh, welcher beschuldigt ist, ans verschmähter Liebe am 22. No- vember einen Mordversuch gegen das Dienstmädche» Louise Pfeffer verübt zu haben, indem er vom Hofe ans eine» Schuß auf dieselbe abfeuerte, hat sich freiwillig der Kriminalpolizei gestellt, bestreitet indeß das ihm zur Last gelegte Verbreche» und behauptet, daß er um die Pfeffer zu erschrecken, eine» Stein nach derselben geworfen habe. Diese An- glaubwlirdig, da in der Küche ein Stein ist. Saluth ist deshalb in Haft genommen in trunkenem Znslande, durch das Kiichensenster »ahme ist indessen nicht nicht gesunde» worden worden. Das Dicnstbotcnt'eriniethcn muß ein sehr lohnendes Geschäft sei», denn vor einige» Tagen hat der„Deutschen Tagesztg." zufolge eine private Vermietheri» ihr Bnrea» für den Preis von 20 000 M. weiter verkauft. Die seitherige Besitzerin will stcii zur Ruhe setze» und hat z» diesem Zweck eine Villa am iHhei,. käuflich erworben. Tvdtlich pcrnnqliickt ist auf dem Zentral-Viehhof der Arbeiler Wiegand ans der Garlenftraße. Im Bahnhofsbelriebc des Vieh- Hofes wird eine Wärterbnde errichie,, bei deren Bau Wiegand be- schäftigt war. Er gerieih zwischen zwei Eisenbahnwage» und wurde am Kopf derart gequetscht, daß der Tod sofort eintrat. Der Ver- «»glückte hinterläßt eine Fran und drei Kinder. Die Gcringschätziuig einer Wunde hat dem Former Oskar Draeger aus der Ackerstraße das Leben getostet. Draeger war seit einigen Jahre» in der Eisengießerei von Schöning>» der Ufer- straße 13ZI4 beschäftigt. Hier hatte er am Freitag das Unglück, auszugleiten und in. Fallen mit dem Hinlerkops auf ein Karrenrad aufzuschlagen. Obgleich die rechte Kopfseite ein kleines Loch und hinler dem Ohr eine starke Anschwellung aufwies, so arbeitete er dennoch weiter. Abend? kam der Bern,, glückte zwar etwas früher nach Hanse. Am anderen Morgen ging D. wieder znr Arbeit. Infolge der große» Hitze wandte sich nun aber das Uebel rasch zum Schlimmern. DaS Gehirn begann ans der Kopfwunde hera>,sz»q»elle». Draeger ging nun wieder nach Hanse, ader einen Arzt z>, holen, daran dachte weder er noch seine Fra». Erst als er in der Nach, zum Sonntag stark deliririe und schon das Bewußlsei» verloren halte, wurde ärztliche Hilfe i» Anspruch genommen. Nun kam fle jedoch zu spät und Draeger starb am Montag Nachiniltag. Zu erdroffel» und zu pergiftc» versuchle sich die eheverlassene Schneiderfcau Meißner aus der Köpnickerflr. 110». Seit dem vor fünf Jahren erfolgten Verschwinden des Ehemannes ernähxte die jetzt S3jährige Fran ihre fünf Kinder als Wasch- und Plättfrau und hat für ihre Aufopferung die Genuglhunng zu verzeichnen, daß alle ordentliche Menschen geworden sind. Trotzdem scheint sie sich das Verschwinden des pflichtvergessenen und nicht ausfindbaren Baters zu Herzen genommen zu habe», obgleich sie seiner mit keinem Wort mehr gedachte. Sie machte den Versuch, sich ,u erhängen und nahm Lauge zu sich; ihre ISjährige Tochter rettete fle mit Mühe vor der Vollendung des Selbstmordversuches. Die Unglückliche wurde in ein Krankenhaus gebracht. Bei der Zubemtung des Frühstücks ist gestern Vormittag um 9 Uhr der 14 Fahre alte Mechanikerlehrling Alfred Wols schwer verunglückt. Dieser briet sich i» der Telegraphenbau-Anstalt vo» Mache! u. Marler in der Wallstraße i» der Pause zum Früh- stück Schmalz. Als er den Deckel vom Ofen hob, schlug die Flamme i» die Pfanne und ergriff, durch das Fell genährt, auch die leicht entzündliche Blonse des Lehrlings. Milarbeiler erstickten das Feuer mit Säcke»! der Vcrnnglückle war aber an den Händen, am Halse und Kopfe schon so schwer verbrannt, daß man ihn in ei» Kranken- haus bringen mußte. Nufällc im Strasieuverkehr. Im Vorraum des Anhalter Bahnhofes wnrde nachmittags der viernndzwanzigjährige Schneider- geselle Karl Liesch ans Trebbin mit einer erhebliche» Verletzung am Kopse aufgefunden und»ach Anlegung eines Verbandes ans der Unfall- statio» I i» die Cfmrilee übergeführt. Er war z» Boden gcstiirzl und datte sich dabei die Verletzung zugezogen.— Der Bäckergeselle Heinrich ßiabe fuhr ans eine», Zweirad übermäßig schnell die Schönhauser Allee entlang und überfuhr vor de», Hause Nr. 44 den Schutzmann Schellkopf, welcher eine leichte Onetschnng des rechte» Unterarmes davonlrng. Als der Radfahrer zu enltommeu versuchte, verlrat ihm der Werkführer Gustav Tietz de» Weg, doch auch dieser wurde vo» dem Rade»mgestoßen und erlitt eine Sehnenzerrung am linken Unter- schenkel. Schließlich gelang es einem Schutzmann, den Siadfahrer aufzuhalten»nd seine Persönlichkeit festziistellen.— Mit stark an- geschwollenem rechte» Fuß wurde abends der 43 Jahre alte Post- fekretär E ans dem Vingersteig der Französischeiistraße aufgefnndeii und in einer Droschke nach seiner Wohnung geschafft, Ivo der Arzt einen doppelte» Knöchelbrnch feslslellle. Fciltvberlcht. Dienstag Abend 9 Uhr erfolgte Alte Jakob- straße 43 ein Gardinenbrand und znr selben Zeit Reichen- b e r g e r st r a ß e 153 ein Schornsteinbrand. Gegen 12 Uhr war S ch i l l i» g st r. 23 durch ein schadhaft gewordenes Rauchrohr ein kleiner Brand entstanden, der aber rechtzeitig g löscht weide» konnte, bevor er erheblichen Schaden verursachte. Millivoch früh 71/2 Uhr verbrannte 3t ü g e» e r st r. 23«ine Bettstelle. Die alqrmirte Feuer- ivehr trat nicht in Thätigkeit. Theater. Ludwig Uhland ist der nächste Dichter-Abcnd gewidmet, den die Direktion des Schiller- Theaters im Bnrgersaale des Rnlhhanscs veranstaltet. Den einleitenden Vortrag hält Dr. Adalbert v. Hanstein.— Our S ch i l l e r- T h e a t e r ist heute die erste Aufführung von„P a» i n a V a ir i ii i", Trauerspiel in 4 Auszügen von Paul Heyse. Der Dichter, welcher Sonntag von München hier eingetroffen ist, wohnte den letzten Proben seines Werkes bei.— I» dem Volksstück„Leben nnd Lieben" von Oscar Klein, welches heute im O st e n d- T h c a t c r zum erste» Male i» Szene geht, liegen die Hauptrollen in Händen der Damen Weick, Lid, Grigo, Bergmann, Winter, der Herren Dill, Allschüler, Fcllch, Leitner, Jürgas, Klindcr, Pauli und Karl Weiß.— Im L u i s en- T h e a ter ßndet am Sonnabend die erste Ausführung von„Othello" statt. SlitS de» Nachbai?l/, Uhr ad melden im B i l l a r d s a a l der Brauerei Psefferberg beim sozialdemokratischen Wahlbureau. In ciiicr öffentlichen BolkSversammlnng. welche Dienstag Abend bei Kranz, Badstr. 12, tagte nnd erfreulicherweise hanpl- sächlich von Frauen besucht war, referirte Genossin Ihrer über: „Die Schulfrage und die Kinderausbenlung vor der Berliner Stadtverordneten- Versa mnilnng". Nachdem die Vortragende im allgemeinen darauf Hingewiese», wie sehr die Prolelarierfrane» als M ,, t t e r an der Zusammen- setzung der Stadlverordneten- Versammlung interessirt seien, da die- selbe auch über die Schulverhällnisse zu entscheiden habe, besprach Gen. Ihrer das Schulprogramm der sozialdemokratische» Vertreter im „Rothen Hanse" und gab ein klares Bild der im Stadt-Parlament anläßlich der sozialdemokratische» üluträge geführten Debatten»uler besonderer Belenchtmig der Reden des Herrn Stadtschnlraths Bertram und der sich freisinnig nennenden Stadtväler, besonders der Herren Baiimgarten, Straßinann. Meyer. Cassel u. a. m., und wies auf die vielen Mißstände in»»seien Gemeiiideschnlen bin. Sie zeigte unter Verlesung vielen statistische» Materials und unter Berusung auf die Durchführung vieler dieser Fordernnge» In anderen Ländern nnd Slädte», uamentlich in Paris, daß man in der Berliner Stadt- Vertretung nicht stichhaltige Gründe, sonder» mir haltlose Argnmenie vorgebracht habe. Zum Schlüsse forderte Ge». Ihrer die Frauen dringend auf, bei der bevorstehenden Stichwahl tüchtig mitzuarbeiten, damit der sechste Wahlkreis auch im„Rothen Hanse"»nr durch Sozialdemokraten vertreten sei. Gegner meldeten sich trotz wieder- holler Aussordernng des Vorsitzenden nicht zum Wort. Die Genossen Luther, Brinkmann, Leid und Herman» Schulz forderlc» »ach einer scharfen Kritik der fogenannten freisinnige» Kliqiien- Herrschaft im Rothen Hause die Frane» z» reger Mitarbeit bei der Stichwahl, sowie zur steten Unterstützung der schon thätigen und zur Aufmunterung der noch lässigen Männer ans. Nachdem noch ein Antrag der Genossin Ihrer, dahingehend, daß die Vertreter der Sozialdemokralie im Rothe» Hanse zu Berlin von den Arbeiterfrauen beauftragt werden, gemäß dem sozialdemokra- tische» Programm bei Wiederholnug des Anirags bezüglich des obli- gatorischen Besuchs der Fortbildungsschulen diese Forderung auch auf die Mädchen anszndehne», nnd jene von uuseren Verireter», welche zugleich Reichslags- Abgeordnete sind, ersucht werden,»in obige Forderung zu venvi'kliche», eine Aendenlna des Z 120 der Gewcrbe-Ordnnng dahingehend herbei- zuführen, daß dem Z 120 Abs. 3 die Worle„für weibliche und männliche Arbeiter" eingefügt werden, wie auch eine beinr Bnrean eingegangene Resolution des Inhalts, daß sich die Versammelte» mit den Ansführunge» der Referenti» einverstanden erklären und sich verpflichte», nicht nur ihre ganze Kraft bei der Stichivahl ans- zuwende», sonder» stets sür die hohe» Ziele des Soziaiisinns ein- zulrelcn, angcnonnne» waren, schloß die Genossin M e s ch nach einem nochmalige» Appell an das Pflichtgefühl und die Begeislcrnng der Genosse» nnd Genossinnen mit einem freudig anfgcnonnnenen Hoch auf die inUrnalionale, völkerbesreiende Sozialdemokralie die Versaunulung. Ter Streik i» der Möbelfabrik pon E. Ebcrhardt wurde am Mittwoch vor dem Einigiiugsamt behandelt. In der gerannten Fabrik erfolgte am 13. Oktober die Entlaffniig eines Tischlers. Seine Kollegen waren der Ansicht, daß er wegen Vertretens ihrer Interesse» gemaßregelt worden sei.»nd fragten deshalb bei der Firma nach dem Grunde der Entlassung. Ferner wurde die Wieder- einstellung eines Drechslenneisters verlangt, der nach Ansicht der Arbeiter gleichfalls gemaßregelt worden ist. Die Tischler sorderten weiter, daß>h>>e» das zu verarbeitende Holz an die Bank gebracht werde, und Anerkennung eines Arbeiter- AnSschnff s soiuie bessere Behandlung durch einen bestimmten Werk- uieifter. Da über diese Punkte eine Einigung nicht erzielt werden konnte, erfolgte am 19. Oktober die Aibeitseinslcllung; q» dein Ausstand sind znr Zeit noch 40 Tischler nnd 17 Polüer be- ihciligt. Die Streikenden verlangen außer den genannte» Forde- riinge» die Enllassnng der während des Streiks eingestellUn Arbeiter»nd die Wiedereinstellung der Ausständigen. Vor dem Einigungsaint behaupteten die Vertreter der Firma. die eigentliche Ursache des Ausstandes sei die, daß die Firma nicht in dt« Forderung der Arbeiter ans Wiedercinstellung des entlassene» Tischlers und Entlassung des Werkmeisters ivillige» wollie. Die Verireter der Älrdeiter behaupien dagegen, sie hüllen diese beiden Forde- rungen überhaupt nicht gestellt. Aus der Aussage des in der Fabrik angestellten OdcrmcisterS gehl hervor, daß bei der Entlassung des Tischlers und auch des Drechslcrmeisters der Grund ivesenilich mit- gesprochen hat, daß beide nntcr ihren Kollegen in der Fabrik sür die Forderung höherer Akkordlöhne agilirl haben. Die Einigung inachte»»gewöhnliche Schwierigkeiten. Nach vierstündiger Verhandlung machte das Gericht einen Vergleichs- Vorschlag, der aber, soiveil die Einstellung der Slreikenden in Frage kommt, i» der vorgeschlagenen Form von der Firma abgelehnt wnrde, andererseils«rllärle» sich auch die Arbeiter mit den nach dieser Richtung gemachlen Vorschlägen der Firma nicht be-' friedigt. Nach weitere» anderlhalbstündigen Beralhungen des Gerichts legte dasselbe eine neue Fornnilirung der Eiuignngs« vorschlüge vor, ivelche solgendermaßen lauten: l. Das Holz soll in Zuknnst bis zur Hobelbank auf Kosten der Firma befördert werden. 2. Die Firma stimmt der Bildung eineS Arbeitera»sschusses zu. 3. Die Forderung ans EinsteNinig der drei TrechSler wird fallen gelassen. 4. Die Arbeiter erklären, daß ihre Forderung auf Erillaffiing der für die Slreikenden eingestellUn Arbeiter, so weit diese möglich ist, nicht gerechtferligt ist. 5. Dagegen erklären die Arbeitgeber, von den zur Zeit aus« ständigen Arbeiter» 20 innerhalb einer Woche und de» Nest vo» 14, soweit er noch ohne Arbeil sein wird, nach Möglichkeit»nd Bedarf, jedoch bevor andere Arbeiter angenomme» werde», wieder ein« zustellen. 6. Die Arbeitgeber werden darauf hinwirken, daß das Verhalten des Werkmeisters Nüst de» Arbeitern gegenüber in Znlunst ein an« gemessenes ist. 7. Die wieder eingestellUn Arbeiter verpflichten sich, die Kollege», die während des Streiks gearbeitet habe», nicht zu be- leidigen. Die Vertreter der Arbeiter werden erst nach Rücksprache mit ihren Kollegen innerhalb 24 Stunde» ihre Erklärung, ob die Einigungs- bedingungen angenommen iverde», abgebe». Kierbaud d««tsch»r Karbi»r«. Frisrur« und p«rrüiireni»aii'«rs»i>ilfrn. Heule, Tottnerfiag, abends lotz Uhr. per Schiller, Roienihaierslrab- 67, Be» laniiniung: Vorirag deS Kollegen L i« r e über:„Tie Heilsarmee". Eiilie will- lommen. Hrrllnrr paturli-ilv-r-in S. Heule, Tonnerriaa, den 25. Novbr., ab-ndS 9 Uhr. im Saale des Berel»« junger Sfausieule, Bcnryftr so: Tame»- Borirag des Frl. E o r n e l t n S üder: MenftrualionSstörunge» und deren»alurgcmäbe Beseuizung. Tarnen alt iöäfr« willloinmen Arbeiter Nadfahrerx-rein„Kerlin". Heule, Tomierstag, abends 9 Uhr bei Wille, AnbuaZstr. se: Hauplvcrlammlung. Briefkasten der Redaktion. Wir dtiien, bei jeder»»'frage«Iii« ilhlsfre(jioel BuchNabe» oder eine flahlj »»»"gebe»,»nier der die»inlworl«rlheili werde» soll. Tie IimsiUche Zprechstnnde findet>» dieser Woche am Montag, Dienstag und Sonnabend von 5 bis 7 Uhr abends statt. Selbiger. Wir wollen von der Angelegenheit Notiz nehmen, wenn sie vor Gericht zum Austrag kommt. Benachrichtigen Sie uns zur rechten Zeit. B. P. 100. Betreffende Notiz ist vereits in der Sonnabend-Nummer erschienen. Kahnert. Der Brand In der Schinkestraße war am 29. Mai 1886. WtiterniigSiibcrsicht Pom 24. Nopembcr 1807. Wetter-Prognose für Touucrstag, 25. November 1*07. Kühl und unbeständig, zeitweise heiler, vielfach wolkig mit Niederschlägen und frischen nordwestlichen Winden. Berlin.r Wetlerbureau. Kur dr» Inhalt der Inserate ubcrnininit die llledaktio» den, Piibliknin gegenüber keinerlei Vcranttvortnng. Thr�kev. Donnerstag, LS. November. Opernhaus. Tannhäuser. Anfang 7 Uhr. Schauspielhaus. Das neue Weib. Ansang 7Vz Uhr. Deutsches. Jugendfreunde. Anfang 7Vz Uhr. Berliner. In Behandlung. An- sang 7'/, Uhr. Goethe. Der Pfarrrr von Kirchfeld. Anfang 71/2 Uhr. Lcssing. Hans Huckebein. Ansang 7>/z Uhr. Schiller. Banina Vanini. Anfang 8 Uhr. Bellc-Zllliancc. Die Brautfahrt oder Kunz von der Rosen. Anfang 71/, Uhr. Luise». Das alte Lied. Anfang 8 Uhr. Unter den Linden. Blaubart. Anfang 7Vz Uhr. Thalia. Frau Lieutenant. Anfang 7>/z Uhr. Central. Berliner Fahrten. Anfang 7'/, Uhr. Ostend. Leben und Lieben. An- fang 3 Uhr. Neues. Aschennittwoch. Vorher: Im Hörselbcrg. Ansang 7�/, Uhr. Residenz. Donna. Vorher: Vios rersa. Anfang 7>/2 Uhr. Friedrich- S�ilhelnistädlisches. Der keusche Joseph. Anfang 8 Uhr. Alexanderplah. Ohne sittlichenHalt. Anfang 7Vj Uhr. Urania. Tanbcnstraste 48— 4i). Nawrkundl. Ausstellung v. 10 Uhr vorulittagö ab. Abends 8 Uhr Wissenfchaftl. Theater. Jnvalidenstraste»7, LS. Täglich (auster Sonntags und Mittwochs) abends 8 Uhr: Wissenschaftliche Vorträge. Reichshalle». Spezialitäten. An- fang 8 Uhr. Aincrican. Spezialitäten. Anfang 7Vz Uhr. Apollo. Spezialitäten. Anf.?>/, Uhr. Fcen-Palaft. Spezialitäten. Passage- Panoptikliin. Wiener Tanz- und Operetten-Gesellschast. (Wallner-Theater). Donnerstag, abends 8 Uhr: Zum ersten Male: Banina Banini. Freitag, abends 8 Uhr: Vanina Banini. Sonnabend, abends 8 Uhr: Vanina Bauini. Luisen-Theater 34. Reichenbergerstraste 34, Abends 8 Uhr; Das alte Lied. Schauspiel in Z Aufzügen von Felix P H i l i p p i. v'-iwg- ßAklMths Erben. Sonntag, nachlnittags 3 Uhr: Volks-Vorstcllnng zu kleinen Preisen Nur einmalige Aufführung: Das alte Lied, von Felix Philipp!. Regie:.llull»» Dtirk. Billets i 60 Pf. in den bekannten Verkaufsstellen. lZenwI-Itiestei' Alte Jakobstr. 30. Direktion Itlcbard Schnitz. Donnerstag, 25. November 1897; Emil Thomas a. G. Zum 81. Male: LenIinenk'slHnKen. Burleske AusslattungSpossemitGesang und Tanz ili 6 Bildern von Inline Freund und Wilhelm Vtannstädt. Musik von Jul. Einödshofer. Anfang Vj8 Uhr. Morgen und die folgenden Tage: Berliner Fahrten. I. Original- Budapester Possen- n. Operetten- Theater Begründer und Direktion: Anton und Donat Herrnfeld. Kaufmannes Varize. Heute zum SO. Male: Ein Abend im Wintergarten. Im Atelier. Femer das hervorragende Spczlnlltttten-Ensemble In Vorbereitung: Familie Kochsalz. Ton Dreien der Qlücklicbste. AnfangÄSTuK"'" ! Apollo-Theater. Friedrichslr. 218. Sic. J. tilUck. Carmen Faur. Up» mit ihrer rDU NovltUt: • uj Der Feuertanz. Koliert Steidl und 30 Kunstkräfte I.Ranges. Kaffeneräfsnung 6-/, Uhr. Anfang T/j Uhr. Urania Tanhenstrasse 48—49. Katurkundl. Ausstellung täglich geöffnet von in Uhr vormittags ab, Eintritt 50 Pf.— Abends 8 Uhr Wissenschaftl. Thbater. InvaliUcnstrasseXo. 57/62: Täglich(ausser Sonntags und Mittwochs) abds. 8 Uhr: Wissenschaftliche Vorträge. Näheres die Tagesanschläge! Castan's Panopticnm. Friedrichstr. 165. Indisch- hindusta- nische Ga ukl c r — und— Schi angen- Beschwörer. Das BÄREN WEIB. Passaye-Panoplicum. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 10 Uhr abends. Wiener Tanz- und Operetten- Gesellschaft. 6-10 Uhr. Ostend-Theater. o.48. Täglich:"W Hoffmann's Quartett und Humoristen. Unfana. Sonntag 7 Uhr. 11 1 U 11 11. Wochent. 8 Uhr. Clrcus Knscli (Bahnhof Börse). Donnerstag, de» 23. November, abends V/2 Uhr: Extra- Vorstellung. Die vorzüglidiste» Frcihcitsdressuren des Dir. Busch. Pserd und Elesaut, Origiiial-Drefsur des Sign. Corradini. Mr. Airic Marian», Rops-Equilibrist auf fliegendem Trapez. Austreten des berühmten Clown(fugen Veldemann. Milte. 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Norddeutsche Brauerei, Chauffeestr. 57158, für den 38. Bezirk(Oranien- burger Vorstadt). 3. Hensel's Salon, Jnvalidenstr. la, für den 34. Bezirk(Nosenthaler Vorstadt). 4. Wernau, Schwedterstr. 23124, für den 82. Bezirk(Schönhauser Vorstadt). Tages-Ordnung: Verkündung dos AVahlrefitTtaks.[m,n _ Zu recht zahlreichem Besuch laden ein_ Die W ahlkomltcca._ Achtung! Moabit. Achtung! Donnerstag, den 85. November 1897. abends 8 Uhr. im graste» Saale der Akticii-Branerei Moabit, Thurmstr. 80: Oeffentlilhe KomMUNlniiiiilkr-NersammIung für den 4(1. 5�ommttnal-Wahlbezirk. Tages-Ordnnng: 1. Vortrag des Reichstags-Abgeordneten Erlts Zabell Uber:„Die Bedeuwng der bevorstehenden Stichwahlen für die arbeitende Bevölkerung." 2. Dislussion.— Um rege Betheiiigung ersucht 221/11 Ble Vertrancnsperson. Weihnachtsbaum-Händler! Freitag, den 86. Kov., nbentls S'/s Uhr: im Englisch. Garten(oberer Saal), Alexmlderstr. 27t!: Gr. öffentl. Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Wie stellen sich die Händler zu dem Detail- Verkauf der Wcihnachts- bäume auf den Bahnhöfen refp. Standgeld auf den Plätzen. Referent wird tn der Versammlung bekannt gemacht. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Der wichtigen Tagesordnung wegen ist zahlreiches Erscheinen dringend nothwendig. Tellersamnilung findet statt. Die Agltatlonskommissloa der HUndler. 288/16 I. A.: L. Gottfeld, Kl. Markusstr. 5. Lansäisuer u. faeker öerlins! Heute, Donnerstag, den 25. November: Große öffentliche Berfammlunz in Eenersteln's Salon, Alte Jakobstr 75. Tagesordnung: 1. Die Antwort der Obcr-Posldircltion auf unser Gesuch um Abhilfe der Mißstände bei den Berliner Packet-Postämtirn und Stellungnahme zu derselben. Referent: Kollege BoNrnann. 2. Dislussion. Die Wichtigkeit der Tagesordnung dürste jedem Kollegen klar sein und wird daher das Erscheinen jedes euizclnen an der Frage inleresstrten Haus- dteners oder Packers bestimmt erwartet. 87/18 Die Vertranenslente. Freie Volksbühne. Sonnabend, 27. Nov., abends 8 Uhr Anfang, Brauerei Erledrlchshaln: "W intervFest. Entree 30 Pf.- Garderohe 15 Pf. Aus dem Programm ist besonders hervorzuheben: —...... Sinfonie-Konzert------— ausgeführt vom Itzcuen Bei I. Sinfonie- Orchester unter Leitung des Dirigenten v. Blon. Unter anderem: Les präludes, sinfonische Dichtung von Liszt. Konzert E-moII, von Mendelssohn, Violinsolo: Konzertmeister Johannes Schäffer. Eienzi- und Tannhäuser-Quverture, y. Wagner. Intermezzo Sinfonico a. d. Oper Cavalleria rusticana, v. Mascagni, mit Orgel: Herr Paul Kurz. Prolop von Ernst Preozang, gesprochen vom Schauspieler Herrn Albert Bauer. Eezitationen aus den Gedichten Lenau's, Ada Negri's und HenckeH's. Hierauf: TAUfZ. Abonnement für Herren 50 Pf. Während dos Konzerts ist das Eauehen nicht gestattet. Die Büffets im Saale sind während der Vorträge geschlossen. Die Mitglieder werden besonders darauf aufmerksam gemacht, aass eine offene KatiKc nicht utattilndet, es empfiehlt sich daher, rechtzeitig Billets aus den Zahlstellen zu entnehmen, da nur eine beschränkte Anzahl Billets ausgegeben werden. Sonntag, den 28. Movember, nachm. 3 Uhr: Voratellung der III. Abth.:„Sein JubilUinu" und„Die Eahnenweihe".— Sonntag, 5. Dez., IV. Abth.: Vorstellung.— Die Vorstellungen im Ecsslng-Theater beginnen am 42. Dezember mit Max Halbe's„Jugend". Neue Mitglieder können nur noch für die IV. Abtheilung aufgenommen werden, soweit noch Karten in den Zanlstellen vorhanden sind. 299/13 Der Vorstand. L A.; G. Winkler. Arbeiter-Bildangsschule. Sonntag, den 28. Movember, abend« 7 Uhr, in Eenersteln's FostsUlcn, Alte Jakobstrasse Mo. 75: Vortrag des Herrn Dr. MI über; Die Steinzeit. Nachdem: GemUthllchea Beisammensein und Tanz. Nach dem Vortrag finden nur noch Mitglieder mit ihren Angehörigen Einlass."TfbQ Eintritt 10 Pf. Garderobe 10 Pf. Mitglieder und Gäste sind höflichst eingeladen. 6/14 Um zahlreichen Besuch bittet Der Vorstand. W. Koack's Theater Brunnen-Strasse IO. Heute, Donnerstag, den 25. November: hon Anft m Stuft. Volksstück mit Gesang in fünf Akten von H u g 0 M ü ll e r. Nach der Vorstellung Dnuzkränzchen. Die Blinde von Paris. Billig! Nester z. Anzügen. Billig k Mädchenkleider, Knaben- Anzüge und -Paletots sehr preiswerlh. Q. Hoffmann, Veteranenstr. 14. ■■Neue Welt™ S. Haaenhnldo 108. Inhaber A. Fröhlich. Jeden Sonntag: Spezialitäten- Borstellung und Ball. Empfehle meine beiden Säle(mit Theaterbühne) zu Winterfestlich- leiten jeder Art. Einige Sonn- abende sind»och frei. Bestellungen für Sommerseste werden schon. jetzt entgegengenoinme». 32l?L' Todeg-Anzeige. Am Montag Abend verstarb unser Kollege, der Klavierarbeiter 2020b Gustav Mulack. Die Beerdigung findet heute, Donnerstag, nachmittags 3 Uhr, vom Tranerhause, Wieuerstr. 65, aus statt. Die Kollegen der Pianofabrik Alb. Gast u. To. Danksagung. Für die zahlreiche Betheiligung bei der Beerdigung meines lieben Mannes Wilhelm Hein sage ich allen Freunden nnd Bekamiten, insbesondere dem Verbände der Bauarbeiter Sdiönc- bcrgs sowie den Musik- Vereinen „Zigeuner-Kapelle" und„Konkordia" meinen tiefgefühltesten Dank. 2022b Wwe. Bertha Hein. Danksagung. Für die zahlreiche Theilnahme an der Beerdigung unseres verunglückten Kollegen Wilhelm Hein sagt allen Bekannten und Kollegen den besten Dank Die Ortsverwaltung (Zahlstelle Schöneberg) des Verbandes der Bau-, Erd- und gewerbl. öilfs- _ arbeitet' Deutschlands. 29/16 Erklär»»«. Hiermit erkläre Ich gegen jedermann die Auslassntmen des Gastwirths W. G r u b e, Mariendorferstr. 5 wohn- Haft, bctresss der Ausmiethuug als wissentlich unwahr. Hiermit fordere ich den pp. Grube auf, obiges inner- halb drei Tagen öffentlich im„Vor- wärts" zurückzunehmen, widrigensalls ich den Klagewea beschreiten werde. Paul Eckhardt, Klütenstr. 5. JPeen-Palast Dir. 22 iturgstr. 22. : Winkler& Eröhol. I Neu! Die Neu! Hauptrollen: Rich. Winkler und Wilh. Fröbel. Dazu das neue sensationelle N 0 v e ni b e r- P r 0 g r a m in. 11. a. Wotpert TriS— Grestens Adolphi u. Ernesto— Niefries — Fried Hanson— Ballet Bar- barina und die hier so beliebten Lebenden Photographie». Anfang VI2 Uhr. Sonntags 6 Uhr. I Entree 30 Ps. bis 1,50 M. Feuerstiin'* Festsäle Alte Jakobstrasse 75. Zilh. Martin Herzberg. Grosse und kleine Stile zu Versammlungen uncntgelUich; sowie zu Sommer- u.Winterfestlich- keiten b. koulanten Bedingungen. iSnipfehke( ü mein W ■ allen Freunden u. Bekannten mein Weiss-, Balrlschblcr- uud gr. Speiscgeschllft. Reichhaltiges Frühstück von 30 Pf., Mittag mit Bier 50 Pf. sowie Abendtisch k la carte von 30 Ps. an. 2 Vercinszimutcr mit Klavier für 20—50 Personen.• II. Stramm, Rest, Nttterstr. 183. Zu Weihnachten! Cigarren in Kisten von 1 M. an bei Biuneböse, Schillingstr. 36. 3642� Mx 10 Mark liefere Stoff zu einem ff. 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