Für unsere Kinder Nr. 17 oo ooooo Beilage zur Gleichheit ooo oooo 1910 Inhaltsverzeichnis: Der Eidervogel. Von Henrik| herzustellen. Auch in der Anwendung vervoll Ibsen.( Gedicht.)- Aus dem Reiche der Technik: tommneter Kriegsmittel, Gewehre und Kas VII. Kriegswaffen zur See. Von Rich. Weldt.. nonen, Torpedos und Seeminen, ist die Mensch Hoch unterm Dach. Von Emma Döly.( Gedicht.) heit vorwärtsgeschritten. Aus dem Leben einer Eiche. Ein Märchen von Fr. Pritschow. Arno. Von E. Seton Thompson. ( Forts.)- Schneckenlied. Von Viktor Blüthgen. ( Gedicht.) Der Eidervogel. Ben Henrik Jbsen. Wo der blaugraue Fjord die Küste zersägt, Der Eidervogel sein Dest aufschlägt. Er pflückt von der Brust sich den weichen Daun, Es traulich und warm in den Fels zu baun. Des Fjordfischers Herz bat für Mitleid nicht Raum; Er plündert das nest bis zum letzten Flaum. Der Vogel, voll trotziger Lebenslust, Zerrupft sich von neuem die eigene Brust. Und aber geplündert, er bettet sich doch Uon neuem sein nest in ein wohlversteckt Loch. Doch wenn ihn das Schicksal zum drittenmal schlug, So hebt er die blutende Brust zum Flug Und flieht aus dem kalten, ungastlichen Land GenSüden, gen Süden, nach sonnigerm Strand! 000 Aus dem Reiche der Technik. VII. Kriegswaffen zur See. Der Mensch verbessert durch die Technik fortgesetzt seine Arbeitsmittel. Er hat sich Tunstvoll zusammengesetzte Werkzeuge und Mas schinen geschaffen, um mit ihnen jene Arbeitsleistungen zu verrichten, die das heutige Zu sammenleben der Menschen notwendig macht. Aber die Technik befähigt den Menschen, nicht nur Werke der aufbauenden Arbeit, Werke des Friedens auszuführen, sondern die Männer der Technik sind auch unablässig bestrebt, wirt. same Zerstörungsmittel, Berie des Strieges, Das zeigt sich am furchtbarsten im heutigen Seefrieg. Wenn heute zwei Kulturvölter" mit ihren Kriegsflotten aufeinander losgehen, dann wird der Kampf zu einem entseglichen, grausamen Morden, wie es in den Seekriegen früherer Zeiten nicht möglich war. Bon der technischen Entwicklung der Kriegsmittel zur See will ich heute ein wenig erzählen. Da ist zunächst die Torpedowaffe. Ihr müßt euch darunter eine Zigarre von etwa sechs bis sieben Meter Länge und einem halben Meter Dicke vorstellen. Oder besser, bentt euch einen Haifisch von dieser Größe. Sein Außenkörper ist aus Bronzeguß hergestellt. Der vordere Teil, der Kopf, dient zur Aufnahme der Sprengladung. Man nimmt dazu Schießbaumwolle. Ich sage euch, diese Schießbaumwolle ist ein ganz gefährlicher Stoff. Würde euch zum Beispiel jemand nur ein Viertelpfund von dieser Schießbaumwolle auf euren Spielplatz hinlegen und sie dann anzünden, so würde die ganze Masse mit einem furchtbaren Knall explodieren. Nun stellt euch vor, daß diefer TorpedoSaifisch 90 Kilogramm von der gefährlichen Schießbaumwolle in seinem Kopfe birgt. Ein selbsttätiger Zündermechanismus bringt die gange Ladung zur Explosion, wenn die Spitze des Geschosses auf die Wand des feindlichen Schiffes aufprallt. Jm Bauche des Torpedos ist ein Kessel mit einer tompletten Maschine, einem Antriebsmotor, eingebaut. Dem Kessel wird zusammengepreßte Luft zugeführt. Diese sucht sich auszudehnen und treibt den Motor, der seine Bewegung wiederum auf zwei Flügelschrauben am Schwanzftüd des Torpedos überträgt. Die Flügelschrauben peitschen mit rafender Geschwindigkeit das Wasser und treiben dadurch das ganze Torpedogeschoß vorwärts. Vom Boot aus wird die Waffe abgefeuert. Mechanisch stellt sich die Steuerung ein, mechanisch setzt sich der Motor in Bewegung, in einer Tiefe von etwa fünf Meter unter dem Meeresspiegel rudert sich das Geschoß durch das Wasser und schlägt, wenn richtig gezielt wurde, ein och in die Band bes feinblichen Schiffes. 130 Für unsere Kinder Zur Abfeuerung der Torpedogeschosse dienen von, wie schön es sein müßte, morgen auf besondere Torpedoboote. Das sind kleine un- diesem Frachtdampfer die Reise mitzumachen, ansehnliche Fahrzeuge von etwa 40 Meter etwa nach China oder Afrika oder nach AuLänge und 3 Meter Breite. Um möglichst stralien. Wie fleißig würdet ihr mit Ohr und wenig Angriffsflächen für feindliche Geschosse Auge all die seltsamen Eindrücke einer solchen zu bieten, ragen die Boote nur wenig über Reise in euch aufnehmen. Das Schiff lockt das Wasser heraus und sind glatt abgedeckt. euch, mitzufahren, weckt in euch Wandertrieb Die Besatzung besteht aus 12 bis 15 Mann. und Sehnsucht, die Schönheiten der Welt Mit großer Geschwindigkeit nähert sich ein fennen zu lernen. ganzer Schwarm von Torpedobooten den feindlichen Schiffen. Ein Signal erfolgt, ein Fahnenschwenken oder ein Gewehrschuß, im gleichen Augenblick werden die Torpedowaffen abgefeuert, und so schnell wie möglich kehren die unheilbringenden Torpedoboote wieder zu den übrigen Schiffen zurück. Eine besondere Abart der Torpedo sind die Unterseeboote. Sie sind noch heimtückischer als die Torpedoboote, weil sie ganz im Wasser untertauchen fönnen. Die Unterseeboote haben einen Innenkörper, den eigentlichen Schiffs raum, in dem sich die Mannschaften aufhalten und die Geschütze, Maschinen und Geräte usw. aufgestellt sind. Um den Innenkörper herum geht ein Hohlraum, der durch regulierbare Ventile mit Wasser gefüllt werden kann. Das Boot nähert sich dem Feinde und schwimmt auf dem Wasser. Plötzlich ertönt vom Offizier das Kommando zum Tauchen. Die Matrosen springen in den Innenraum hinein, die Luken zum Verdeck werden zugeschlagen, der äußere Hohlraum nimmt Wasser auf, das Boot taucht und kann in einer Tiefe von 50 Meter seinen Kurs verfolgen. Das Torpedogeschoß wird im Wasser abgefeuert, oder es werden Minen gelegt, die das feindliche Schiff zerstören sollen. Natürlich werden die Torpedogeschosse mit Vorliebe auf die größten Schiffe abgefeuert. Diese Linien- oder Panzerschiffe bilden die schwere Artillerie im Seegefecht. Es sind schwimmende Festungen. Solche Schiffe haben ein unheimliches Aussehen. Habt ihr schon einmal in einem Handelshafen vor einem Dzeandampfer gestanden? Dentt euch einen schönen flaren Sommertag. Leise schaukelt sich der Schiffsriese auf den Wellen. Der Wind spielt lustig mit der Flagge hoch oben am großen Mast, und die Sonne strahlt hell und freundlich auf das Leben und Treiben, das sich im Hafen entfaltet. Das Schiff erhält seine Ladung. Immer neue Fässer und Kisten werden durch die rasseln den Hebezeuge in den Leib des Schiffes versentt. Und ihr steht davor und träumt das Ich sage euch, am Kriegshafen kommt ihr auf ganz andere Gedanken. Auch hier spielen die Sonnenstrahlen mit den einzelnen Gegenständen, aber sie beleuchten fein fröhliches Bild. Finster und drohend strecken uns überall die Mordwaffen ihre Rohre entgegen. Die schwersten Geschütze sind auf hohe Drehtürme aufgestellt, die Kanonen können hier schnell nach allen Richtungen gewendet werden und sind wegen ihrer erhöhten Lage imstande, ein großes Gefechtsfeld zu bestreichen. Auf dem Schiffe sind außerdem viele Geschütze von den verschiedensten Größen verteilt. Da finden wir Schnellfeuerfanonen, Maschinengewehre, Mitrailleusen( sprich: Mitralljösen) und wie die Morddinger sonst noch alle heißen. Und am ganzen Schiffslörper entlang ziehen sich Reihen freisrunder Löcher. Ihr braucht nicht nach dem Zwecke dieser Löcher zu fragen, ihr könnt es euch ohne weiteres denten, daß hinter jeder Öffnung ein Kanonenrohr finster und unheilverkündend lauert, um Feuer und Verderben zu speien. Diese schwimmenden Festungen sind von Jahr zu Jahr vergrößert worden. Je größer sie sind, desto zahlreicher können immer größere Kanonen angewendet werden, desto gefähr licher wird das Schiff für den Feind werden. Natürlich dienen die Schiffe je nach ihrer Größe verschiedenen Kampfzwecken. Die kleineren Schiffe nennt man Kreuzer, es sind Erfundigungs- und Auftlärungsschiffe, die den Feind entdecken sollen. Sie fahren der Flotte voran und dienen den kleinen flinten Torpedo booten als Schutz- und Verteidigungstörper. Die Panzerkanonenboote sind zum Kampfe in nächster Nähe der Küstenwerke bestimmt, und nur die großen Schlachtschiffe bilden den Kern der ganzen Bewegung; sie fommen zuletzt ins Feuer, entfalten aber dann im Gefecht ihre ganze Furchtbarkeit. Im modernen Seekrieg, wie überhaupt in jedem Kriege, werden aber nicht nur Angriffswaffen angewendet, sondern auch Verteidi gungsmittel. Die Landanlagen, besonders die Häfen, müssen geschützt werden. Diesen Zwed Für unsere Kinder haben die Minen zu erfüllen. Vielleicht stellen die Minen überhaupt die grausamsten 3er störungswerke dar, die der menschliche Geist ersonnen hat. Entweder werden schwere Grundminen in nicht zu tiefem Wasser auf dem Grunde gelagert oder schwimmende Minen so unter Wasser gehalten, daß an sie größere Schiffe noch anstoßen, die über sie hinwegfahren. Die Minen sind birnenförmige Gefäße und mit einem leicht entzündbaren Sprengmittel geladen, meist mit Schießbaumwolle; die Entzündung wird bei dem Anstoß des Schiffes an die Mine rein mechanisch ausgelöst. Dann gibt es noch sogenannte Beobachtungsminen. Draußen im Hafen ist eine ganze Reihe von Minen in das Wasser versenkt worden und durch einen elektrischen Leitungsdraht miteinander verbunden. Im Kommandanturgebäude der Hafenfestung aber ist eine Beobachtungsstation eingerichtet. Durch eine sogenannte Camera obscura spiegelt sich auf einer großen blinden Glasscheibe das ganze Hafenbild wider. Die einzelnen Minen sind auf dieser Bildfläche genau eingezeichnet. Sieht der Beobachter, daß sich das Bild eines feindlichen Schiffes über eine dieser Beobachtungsminen schiebt, so wird durch den Verbindungsdraht der Mine elettrischer Strom geschickt und die Mine explodiert, über der sich das Schiff befindet. Ein leichter Druck auf den Hebelarm des elektrischen Schaltapparates, und draußen auf hoher See entladet sich im nächsten Moment die mörde: rische Seemine, um ein schönes, stolzes Schiff zum Sinten und Tausenden von Menschen den Tod zu bringen. Haben die Erfolge der Technit uns nicht geradezu teuflische Zerstörungsmittel gebracht? Die Technik schafft fortwährend Neuerungen. Ein neues Zerstörungsmittel fordert eine stärkere Verteidigungswaffe, die überlegenheit in der Verteidigung zwingt wiederum zum Ausbau noch stärkerer Angriffsmittel. Was heute mit großen Kosten hergestellt worden ist, gilt im nächsten Jahre als veraltet und überwunden. So besteht denn auch betreffs der Waffen zur See der technische Fortschritt in einem technischen Wettkampf. Der Kriegstechniker hat für den modernen Seekrieg immer 131 Ob dieses wahnsinnige Streben nach immer größerer Ausbildung der Zerstörungsmittel einmal ein Ende finden wird? Gewiß. In einer anderen Zeit, in der die Menschen eins mal lernen, ihr technisches Können ausschließlich in den Dienst wirklicher Kulturarbeit zu stellen, in welcher der technische Fortschritt nur dem allgemeinen Wohl der Menschen dienen soll, werden auch die jetzigen Kriegsmittel zu Lande und zu Wasser überflüssig sein. An der Erfüllung dieser neuen Zeit mitzuarbeiten, ist die Pflicht eines jeden denkenden Menschen, wird auch eure Pflicht, wenn ihr groß geworden seid und eure Umgebung in allen ihren Zusammenhängen erkannt und verstanden habt. Richard Woldt. 000 Soch unterm Dach. Von Emma Dölz. Soch unterm Dach, wo die Armut wohnt, Da möchte die Sonne gern bleiben. Wenn unten schon graue Dämmerung thront, Blickt sie dort noch hell durch die Scheiben. mit goldiger Glut, mit feurigem Brand Rüßt sie der Armut schwielige Sand Soch unterm Dach. Soch unterm Dach, wo die Sorge schaut Wo alles schon schafft, wenn der Morgen graut, Auf jeden Bissen im Munde; Bis spät zur Mitternachtsstunde; Wo Tag und Nacht die Maschine faust, und dennoch Mangel und Sorge hauft Soch unterm Dach. Soch unterm Dach, wo die Welt sich weit Uleberm Dächergewirr scheint zu heben, Da tämpfet die junge Kraft unsrer Zeit Ihren Streit um Freiheit und Leben. lnd ob die Gewalt, ob das Unrecht ihr droht: Sie hat die Sonne, das Morgenrot Soch unterm Dach. 000 Aus dem Leben einer Eiche. Ein Märchen von Fr. Pritschow. In einem hübschen Garten draußen vor der mehr vervollkommnete Angriffswaffen und Stadt stand eine kräftige Eiche mit einem Verteidigungsmittel ausgeflügelt. Zwischen starten Stamm, schönen fnorrigen Asten und den einzelnen Völkern findet ein Wettstreit einem dichten Blätterdach. Sie hatte gute statt, jede Nation sucht die andere in der Kameraden. Nahe bei ihr stand ein KirschGröße ihrer Schiffe und der Gewalt ihrer baum, kraftvoll und starkästig, etwas weiter Ranonen zu überbieten. davon ein Birnbaum und ihr zur Seite wuchs 132 Mr unskre Kindkr eine andere Eiche. Dieser ist nichts von Be deutung widerfahren, darum läßt sich auch nichts von ihr erzählen. Rings um den vier Bäumen standen mehrere schlanke Kiefern, einige kleine Obstbäume, eine wunderschöne große Linde und viele herrliche Rofenstöcke, und im sastiggrünen Grase blühten unzählige freundliche bunte Blumen. Lustig war es im Garten! Die schönsten Schmetterlinge trieben ihre Gaukelkünste in der Luft, fleißige Bienen summten umher und sammelten Honig für den langen Winter. Allerlei Käfer brummten herum oder tummelten sich aus Blumen und Blättern und am Boden zwischen Steinen und Gräsern. Flinke Ameisen arbeiteten emsig und wollten nimmer rasten und ruhen. Zu dem fröhlichen Treiben der kleinen Gäste, die Bäume, Sträucher und Blumen be suchten, paßte das lustige Zwitschern und Singen der gefiederten Sänger. Da waren Amseln, Finken und Meisen, die sich im Singen über boten. Unter sie mischten sich die frechen, vor lauten Spatzen, die sich immer zankten. Alle freuten sich des Lebens und sorgten für ihre Kinder. Die Eiche war der liebste Tummelplatz de? gefiederten Volkes. Sie bot den Vögeln alles, was sie hatte, damit sie den Erzählungen der kleinen Sänger lauschen konnte. Besonders gern blieben Herr und Frau Echwarzamsel bei der Eiche, und die Eiche hatte die beiden sehr lieb. Wenn im Frühling die Sonne golden auf ging, so sang Herr Schwarzamsel wunderschön von der Winlersnot, von Blütenpracht und Fruchtbarkeit. Die Eich« lauschte seinem Ge sang, sie wußte das Leben zu schätzen, mit allem Guten und allem Wechsel, den es bringt. Nur eins war der Eiche gar nicht recht. Nicht weit vom Garten stand ein langes Ge bäude mit einem hohen Schornstein. Wenn es dem Wind einfiel, so mußt« die Eiche es sich gefallen lassen, daß dichter schwefliger Rauch sie ganz einhüllte. Sie zankte dann den Wind tüchtig aus. Der aber fuhr lustig pfeifend durch ihre Äste. Das verdroß die Eiche, und sie schlug mit den Zweigen nach dem losen Gesellen. Als es der Wind wieder einmal recht toll getrieben hatte, klagt« die Eiche der guten Frau Amsel ihr Leid und sagt«:„Ihr Vögel habt es gut! Ihr fliegt davon, wenn der garstige Rauch kommt.— Warum machen die Menschen so viel Rauch?" Der Amselmann sang so schön er konnte, um der Eiche den Kummer zu verscheuchen. Frau Amsel aber, die nicht singen konnte, sprach: „Tie Menschen wollen leben, Sic spinnen und sie weben, Sie pochen, Sie kochen; Sie müssen sich kleiden, Sie müssen sich nähren; Du mußt drunter leiden Und kannst dich nicht wehren." Als die Eiche etwas erwidern wollte, kam ein Hündchen mit lautem„Wau-Wau" in den Garten gesprungen. Erschrocken flogen die Singvögel davon, und die Sperlinge, die sich am Boden gebalgt hatten, flatterten auf die Zweige der Bäume. Die dicke Frau Sperling setzte sich unter das grün« Dach der Eiche und zankte:„Piep, piep, piep, Dieser Dieb Snehll die Ruh Mir immerzu. Dieser Dieb, Piep, piep, piep!" „Was will er denn hier im Garten?" frug die Eich«. Da macht« Frau Sperling eine wichtige Miene und zwitscherte: „Piep, piep, piep, Der Ruhe Dieb Kommt nicht ohne seinen Herrn, Denn der hat den Kläffer gern. Und sein Herr ist jetzt gekommen, Weil den Garten er genommen. „Piep, piep, piep, Mancher Hieb Wird nun mit der Axt getan, Und es knirscht der Säge Zahn. Wo die schlanken Bäume stehn Wird ein großes HauS erslehn. Fleißig zehn dann die Maschinen. Denn der Herr will Geld verdienen." Die Eiche zitterte vor Schreck, als sie das hörte. Sie hatte das Leben so lieb, und nun sollte sie sterben. Sie klagte es dem Winde, der durch ihr« Zweige fuhr. Der Wind aber flüsterte:„Grüne« Kind, Schweig' geschwind: Ich bin doch der Wisperwind. Mir ist alle« einerlei, Ich bin überall dabei." Die Eiche fühlte sich ganz verlassen. Es gab wohl niemand, der ihr helfen konnte. Tief betrübt schüttelte sie im lauen Sommerregen blanke Tropfen von ihren grünen Zweigen. Die Kirschen waren längst zu roten Früchten gereift, die Birnen und Apfel färbten sich, als die Axt ihre» Einzug in den Garten hielt. Es Mir unsere Kinder 133 zeipte sich, daß Frau Sperling wieder einmal stark übertrieben halte, wie dies ihre üble Ge wohnheit war. Nur einige schlanke Kiefern fielen der Axt zum Opfer, und ein paar Obst bäumchen wurden ausgegraben und an eine andere Stelle des Gartens verpflanzt. Wie glücklich war die Eiche! Wie sonnig erschien ihr die Welt. Die Amseln hatten jetzt viel im Kirschbaum zu tun, darum konnten sie die Freude der Eiche nicht teilen. Es kamen Männer, die den Boden aus gruben, andere die mauerten und zimmerten. Die Mauern des neuen Hauses am Garten wuchsen unter geschickten fleißigen Händen empor. Zimmerleute spannten ein großes Bretterdach über das Haus. Darüber war der Herbst gekommen. Große weiße Bogen lampen spendeten in den kurzen, trüben Tagen, als die Natur winterlich ward, früh und spät ihr Helles Licht. Als der Frost einbrach, schlief die Eiche«in. Wie erstaunte sie bei ihrem Erwachen vom langen Winterschlaf. Fertig und blank stand das Gebäude da. Kaum daß der Lenz ge kommen, hatten es rührige Hände beendet. Langsam gewöhnte sich die Eiche an die neu» Umgebung. Das Hündchen sprang nun oft im Garten umher, die kleinen gefiederten Sänger hatten sich mit seinem Gebell abge funden und ließen sich dadurch nicht mehr stören. Viele schlanke Rosenstöcke wurden in den Garten gepflanzt. Ihr« farbigen duften den Blüten lockten viele bunte Schmetterling« herbei, die schöne Ringelreihen tanzten und es sich gut schmecken ließen. Das war ein Blühen und Duften, ein Tanzen und Singen im Garten! Der Eiche ward mit der Zeit so wohl wie nie zuvor. Sie reckte ihre Zweige und sog die würzige Luft mit ihren Blättern ein. Größer und dichter wurde ihre Krone. Kleine und große Vögel holten neue eifrige Sänger herbei, die ihre Nester bauten und stch's hier wohl sein ließen. Ein Mann hegte und pflegte den Garten. Als er eines Tags die gelben Wege säuberte und glättete, sprang ihm das Hündchen ent gegen. Der Herr folgte ihm auf dem Fuße. Er sprach mit dem Gärtner, und beide sahen immer wieder zu der Eiche hinüber. Auf dem gelben Sande der Wege balgten sich freche Spatzen. Sie ließen sich durch die beiden Männer in ihrem Kampfe und Geschrei nicht stören. Plötzlich flog Frau Sperling auf und geradeswegs zur Eiche hin. Sie zwitscherte recht vergnüglich. „Was macht dir so viel Spaß?" srug die Eiche. Lustig zwitscherte Frau Sperling: .Zwitfchericht, Dein Gesiebt Wird bald knollig Und recht drollig. Dein Gesicht, Zwirschcricht." .WaS sagst du." forschte ängstlich die Eiche. Wieder zwitscherte Frau Sperling voll Schadenfreude:.Zwitfchericht, Dein Gesicht Wird gewandelt Und verschandelt. Mit der Säge wird'S beschnitten, Magst du betteln, magst du bitten." Da durchlief»in heftiges Zittern die Eich«. und im brausenden Wind» rauscht» sie zornig mit der Krone. Ein Gewitter erhob sich, und während des schaurigen Unwetters tobte die Eiche ihren Zorn aus. Als di, feurigen Schlangen nur noch in weiter Fern» am Wolkenhimmel dahinfuhr»n und der Sturm sich gelegt hatte, schüttelte die Eiche still und stumm schwere, schwer, Tropfen von ihren bedrohten Zweigen. Im Gatten wurd»«S wieder lebendig. Viel« fröhliche Sänger jubi lierten, daß es eine Lust war. Di» schönste» Schmetterlinge tanzten Ringelreihen, und viele fleißige Honigsammler tummelten und brum- melten herum. Nur die Eiche ließ traurig ihr« Zweige hängen. Da kam Herr Schwa�amsel geflogen. Er wollte der Eiche ein Liedchen singen und fand sie so traurig. Um sie heiter zu stimmen, sang er: .Eiche, hör' auf meine Stimm«: Siehe, wie die Sonnenstrahlen Aus den bunten Blumen spielen, Wie die Bienchen Honig sammeln, Wie die Schmetterlinge tanzen, Wie Ameisen, bunt« Käser rüstig klettern, Vorrat holen, Wie Grashüpfer lustig springen. Hör' die Vöglein, wie sie singen. Sieh die Lust, die dich umgibt." Aber die Eich« blieb betrübt..Ach," sagt« sie,.mir ist nicht zu helfen; man will mir die Zweige rauben." Da erschrak der gute Amselmann aufs höchst». Laut und schrill tönte sein WarnungSruf durch den Gatten. Alles Vogelvolt kam herbeige- flogen, und unterm grünen Dache der Eich« beriet es über di« Sache hin und her. Es Für unser« Kind« konnte nicht begreifen, was da in Aussicht stand.„Warum sollten der Eiche die grünen Zweige genommen werden?" wurde allgemein gefragt. Frau Sperling wußte wieder Bescheid. Sie piepste:„Piep, piep, piep, Den Menschen ist'S nicht lieb, Daß die Eich«, dicht belaubt, Sie des Sonnenschein» beraubt. Sic brauchen viel der Sonne Licht, Ander» geht die Arbeit nicht." „Mußten denn die Menschen das Gebäude so dicht in meiner Nachbarschaft errichten!" klagte die Eiche. Aber da half alles nichts. Als der Herbst kam, da kamen auch zwei Männer und stiegen aus einer langen Leiter in die Aste der Eich», die sie— ritsch ratsch— nahe am Stamm absägten. Die arme Eiche! Mit ihrer Lust zu leben war's vorbei. Dahin waren die schönen grünen Zweige, und wo waren die lieben Vögel, die sich so gern unter ihrem grünen Blätterdach aufhielten? Fort waren sie, und fort blieben sie. Wo sollten sie sich's jetzt gemütlich sein lassen? Nur die Sperlinge tummellen sich auf den verstümmelten Asten. Ihnen klagte die Eiche immer wieder ihr Leid:„Was soll ich noch auf der Welt. Ich sterbe. Nun habe ich keine Blätter zum Atmen mehr. Die Amseln, Finken und Meisen kommen nicht mehr zu mir. Der Wind flüstert nicht mehr in meiner Krone. Ach, ach!" Als sie eines Tags so klagte, zwitscherte Frau Sperling:„Zwitschcricht, Klage nicht, Der Winter bringt dir Ruh, Deckt alle» leise zu. Es wecken frohe Lieder Dich zum Leben wieder." Frau Sperling flog davon. Die Eiche aber dachte, die Geschwätzige habe zuviel versprochen. Ter nächste Frühling würde sie nur noch als sterbenden Rest eines früher so schönen Baumes antreffen. Sie würde das Leben rings erwachen sehen, aber selbst keinen Teil daran haben. Die Eiche schlief über diesen schmerz lichen Gedanken ein, dann kam der Winter und deckte alles mit einem weichen weißen Tuche zu. Als er vom Frühling vertrieben wurde,«wachte das Leben wieder. Es war ein Grünen, Blühen und Jubilieren, als ob es zum erstenmal Lenz geworden wäre. Nur die arme Eiche rührte sich nicht. Die Vögel sangen nicht in ihren Zweigen wie sonst zur Frühlingszeit. Die einzigen Gäste des Baumes blieben die Sperlinge. Als das Blühen kein Ende nehmen wollte, klagte die Eiche der Frau Sperling ihr Leid: „Siehe, wie alles grünt und blüht. Ich aber stehe kahl und grau da. Und doch möchte ich jetzt nicht sterben! Mir ist, als müßte ich vor Kummer aus meiner Rinde fahren." Fröhlich zwitschert« Frau Sperling: „Zwitschcrichl, Sagt ich'» nicht?! Ganz gelinde Springt die Rinde! Ich Hab' e» doch gleich gewußt, Daß du wieder grünen mußt." Frau Sperling tat sehr wichtig damit, daß sie es gewußt hatte, die Eiche werde wieder ausschlagen. Die Eiche aber bemerkte diese Wichtigwerei gar nicht vor lauter Freude darüber, daß sie neu« Zweige bekommen sollte. Neues Hoffen durchströmte st«. Sie sah sich schon in ihrem neuen, prächtigen grünen Kleide. Und sie hörte im voraus alle die Amseln. Finken und Meisen, die wieder zu ihr kommen würden. Wie freute sich die Eiche! Ach, wenn es doch erst so weit wäre! Sie hatte eS sehr eilig. Es dauerte gar nicht lange, da wiegten sich viele kleine schlanke Zweige im lauen Winde. Die Eiche ließ die ersten Blätter recht groß wachsen, auf daß sie damit gut atmen und leben könnte. Bald kehrten ihre gefiederten Freunde zu ihr zurück und sangen ihr die schönsten Lieder. Ein neueS, herrliche? Leben begann. Als ein Jahr vergangen war, brachte der neue Frühling d« Eiche eine runde grüne Krone, die immer dichter und schöner wurde. Und wenn die Krone nicht wieder abgeschnitten worden ist, so trägt die Eiche sie heute noch. o O o ArN0.(ForNepMlg.) Von T. Selon Thompson. III. Das war Arnos erste öffentliche Leistung; aber sehr bald folgten weitere, und in dem alten Taubenschlag kam es mehrmals zu merk würdigen Szenen, deren Mittelpunkt Arno bildete. Eines Tages fuhr eine Kutsche beim Stallgebäude vor, ein weißhaariger Herr stieg aus, kletterte die staubigen Treppen hinauf und saß den ganzen Morgen mit Billy im Schlage. Durch seine goldene Brille guckte er zuerst auf einen Hausen Papiere, sodann über Für unsere Kinder 135 die Dächer und harrte und wartete, woraus? Auf Nachrichten von einem lteinen Orte, keine fünfundsechzig Kilometer entfernt— Nach richten, die für ihn von der größten Bedeu tung waren, die ihn hochbringen oder zer schmettern konnten, und die ihn schneller er reichen sollten, als sie telegraphiert werden konnten, denn ein Telegramm bedeutete an beiden Enden mindestens eine Stunde Verlust. Wie ließen sich jene sünfundsechzig Kilometer schneller zurücklegen? In jener Zeit war das nur auf eine einzige Weise möglich, nämlich durch Benutzung einer erstklassigen Brieftaube. Erreichte der alte Herr sein Ziel, so kam es ihm auf die Kosten nicht an. Die beste, die allerbeste mußte er um jeden Preis haben, und darum war Arno mit sieben unvergänglichen Diplomen auf seinen Federn der erwählte Bote. Eine Stunde verging, noch eine und eine dritte fing an, als das blaue Meteor mit scharfem Flügelrauschen wie ein Blitz in den Schlag fuhr. Billy stieß den Schieber vor und fing den Bolen. Gleichgültig schnitt er die Schnur durch und reicht« das Papier dem Bankier. Totenbleich öffnete es der alte Mann mit zitternden Händen. Dann kam ihm die Farbe wieder..Gott sei Dank!" stammelle er und eilte freudig erregt als Herr der Lage in die anberaumte Sitzung. Klein Arno hatte ihn gerettet. Der Bankier wollte den Glücksboten kaufe», um das edle Tier, dem er so viel verdankte, recht hegen und pflegen zu können; aber davon wollten Billy und sein Herr nichts hören. .Was soll dabei herauskommen?" sagte der Besitzer..Sie können doch nicht das Herz einer Brieftaube kaufen. Sie könnten Arno wohl gefangen festhalten, aber weiter nichts; den alten Schlag, wo er aufgewachsen ist, zu vergessen, dazu könnte ihn nichts in der Welt bringen." So blieb Arno, wo er ausgebrütet worden war, doch der Bankier vergaß ihn nicht. Wie in anderen Ländern, gibt es auch in den Vereinigten Staaten bubenhaste Menschen, die eine fliegende Taube für ein gutes Wild halten, weil sie wahrscheinlich ihr Heim in der Ferne hat, oder weil sie meinen, ihr Ver gehen könne ihnen nicht leicht nachgewiesen werden. So mancher edle Flieger, der mit einer Botschaft auf Leben und Tod dahineilt», fiel der Kugel eines solchen Elenden zum Opfer und mußte ihm zum schnöden Gaumenkitzel dienen. So fiel Arnos Bruder Arnolf der Kugel zum Opfer. Er konnte drei schön» Ehren- diplom« auf seinen Schwungfeder» aufweise» und beförderte gerade einen Eilbrief mit der dringenden Bitte um schleunige ärztliche Hilfe. Als er todwund vor den Füßen des Schützen niederfiel, breitete er seine Flügel aus und gab dabei von seinen siegreichen Taten Kunde Bei diesem Anblick ergriff den Schützen die Neue. Den Brief ließ er an den Ort seiner Bestimmung tragen, und den toten Vogel brachte er zu dem Brieftaubenklub, dessen silbernes Fußband er bemerkt hatte, und er klärte, er habe ihn gefunden. Der Eigentümer stellte sich ein, worauf man den Überbringer in scharfe? Verhör nahm und schließlich zu dem Geständnis brachte, er habe die Taub« selbst geschaffen, aber nur seinem armen, kranken Nachbarn zuliebe, der sich nach einer Tauben suppe sehnte. Tränen mischten sich in den Zorn des Tauben besitzers..Mein Vogel, mein schöner Arnolf, zwanzigmal hat er mir die wichtigste» Bot schaften gebracht, dreimal Preise gewonnen, zweimal Menschenleben gerettet, und Sie knal len ihn um einer Suppe willen herunter. Ich könnte Sie vor Gericht bringen, aber solche ärmlich» Nach« ist nicht nach meinem Sinn». Nur daS sage ich Ihnen, wenn Sie je wieder einen kranken Nachbarn haben, der sich nach Taubensuppe sehnt, so kommen Sie her, wir wollen Ihnen gern junge Tauben dazu geben, soviel Ei« wollen; wenn Sie aber nur eine Spur von Mannhaftigkeit besitzen, so werden Sie nie, nie wieder auf die unvergleichlichen, edlem Dienste gewidmeten Brieftauben schießen oder schießen lassen." Während dies vor sich ging, befand sich zu fällig der Bankier, dessen Herz so warm für die Brieftauben schlug, im Taubenschlag. Er war ein Mann von Einfluß, dem es gelang, die bekannten Taubenschutzgesetze des Staat»? New Jork ins Leben zU rufen. IV. Billy war niemals ein Freund der großen Blauen, der Eckkiste, gewesen, und wenn sie auch weiter in den Listen des Brieftaubenklubs geführt wurde, so war doch nach seiner Mei nung nicht viel mit ihr los. Auf dem Dampfer hatte sie sich als feig erwiesen, und aus all« Fälle war sie zänkisch und unverttäglich. AlS Billy eines Morgens hereinkam, gab es eine große Rauferei; zwei Tauben, eine große und eine kleine, umklammerten sich und hieben aufeinander ein, daß die Federn flogen und alles voll Staub und Getümmel war. Sobald er die beide» vo»«mander gebracht 136 Für unsere Kinder hatte, sah Billy, daß es Arno und die blaue| schlag. In ein paar großen Kreisen ließ er Edliste waren. Der Kleine hatte sein möglichstes sich nieder, folgte den im Schlag einfallenden getan, aber der Gegner, der ihn an Schwere Tauben und stillte in gierigen Zügen seinen um die Hälfte übertraf, war ihm überlegen. Durst am Wassertrog, wie er es oft getan Bald konnte man auch sehen, worum sie hatte und wie es jeder Taubenfreund gast fich gestritten hatten, es war ein hübsches, freundschaftlich den fremden Brieftauben gönnt. fleines Brieftaubenfräulein von der reinsten Bufällig war der Eigentümer zugegen, er be Rasse. Der große blaue Tauber hatte wegen merkte den kleinen Fremdling und trat leise seiner zäntischen Neigungen immer auf schlech- näher, um ihn genauer betrachten zu können. tem Fuße mit Arno gestanden, aber erst die Eine von seinen Tauben wandte sich gerade Heine Dame hatte sie eifersüchtig gemacht und gegen Arno und machte diesem den Play zu tödlichem Kampfe aneinander gebracht. streitig, und Arno, der sich seitlich gegen die Billy durfte der großen Blauen nicht den Neidische stellte und dabei nach Taubenart Hals umdrehen, er griff aber, soviel er fonnte, den einen Flügel entfaltete, enthüllte dabei zugunsten seines Lieblings ein.--- das lange Verzeichnis seiner Ruhmestaten. Der Mann war ein leidenschaftlicher Taubenzüchter, sein Interesse war erregt, er zog an der Schieberschnur, die Flugöffnung schloß sich, und Arno war gefangen.( Fortfegung folgt.) Bald darauf fügte Arno seinem Lorbeerkranz zwei neue Blätter hinzu. In acht Minuten trug er eine Botschaft sechzehn Kilometer weit, und er vollendete den Weg von Boston nach New York in vier Stunden. Beständig trieb ihn bei diesen Meisterflügen die übermäßige, leidenschaftliche Heimatliebe vorwärts. Inzwischen kam die Zeit für das angesetzte Wettfliegen von Chicago nach New York, das heißt fast fünfzehnhundert Kilometer weit, heran. Arno war schon vor sechs Monaten angemeldet und der bestimmte Einsatz für ihn bezahlt worden. Auf der Bahn wurden die Vögel nach Chicago gebracht und dort in Zwischenräumen nach Maßgabe ihrer Flugfertigkeit, aber in umgetehrter Reihenfolge, losgelassen; Arno war der lette. Unverzüglich stiegen sie auf. Eine Brieftaube kann, von ihrem Richtungsinn geleitet, in gerader Linie vorwärtsfliegen; tommen ihr aber dabei bekannte Punkte zu Gesicht, so hält sie sich lieber an die ihr schon vertrauten Spuren. Die meisten Wettflieger fannten bereits den Heimweg von den Städten Kolumbus und Buffalo nach New York. Arno war ebenfalls schon von Kolumbus nach New York geflogen, aber auch schon von Detroit; den letteren Weg zog er vor, und als er den Michigan- See im Rücken hatte, steuerte er stracks auf Detroit zu. So machte er den Vorsprung der anderen wett und gewann eine ganze Reihe von Kilometern. Detroit, Buffalo, Rochester mit ihren bekannten Türmen und Schornsteinen schwanden hinter ihm, und Syracuse war nah. Es war Nachmittag; faft tausend Kilometer hatte er in zwölf Stunden durchmessen und war zweifellos allen voraus, da überfiel ihn der gewöhnliche Fliegerdurft mit unwiderstehlicher Macht. Wie er aber die Stadt hinftrich, bemerkte er einen Lambes 000 Schneckenlied. Bon Viktor Blüthgen. Schneck, Schneck, Mäuschen, kriech vor aus deinem Häuschen! Hier steht ein kleiner Käferherr und fragt, wie teu'r die Miete wär? Schneck, Schneck, Schlecker, schmeckt dir der Klee noch lecker? Hier ist ein bißchen Krautfalat, tomm aus dem Loch und friß dich satt! Schneck, Schneck, Schneider du hast ja keine Kleider! Geh mit, wir fahren nach Berlin, da kauf ich dir was anzuziehn. Schneck, Schneck, Tröpfchen, was hast du da für Knöpfchen? Was hast du da für Körnerchen? Auf deinen vier fünf Hörnerchen? Schneck, Schneck, Liebchen, friech wieder in dein Stübchen und such dir dort dein Schlüsselein, es kann ja jeder Dieb hinein! Berantwortlich für die Rebaftton: Beas Riara Bettin( 8undel), Wilhelmshöhe De Degerloch bei Stuttgart. Dundering Paul Ginger in Stuttgart.