Nr. 276 Kdmmemt«,- Zcdwgungen: «bonnemenl»-Vre!» pränumerando: vierteljährb SL0®K., monatl. 1,10 Sit., n-öchenlltch 28 Pfg. frei In» Hau«. Einzelne Nummer K Pfg. Sonnlag»- Nummer mit illustrirter Sonntag»- Beilag«„Tie Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Marl pro Quartal. «ingetragen in der Post- Zeitung». PreiZlifie für 1SS7 unter EU. 7487. Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Start, für da» übrige Ausland 3 Marl pro Monat. 14. Jahrg. Dle Inftrtlons-Wedülfr beträgt für die fechSgefpaltene Kolonel» »eile oder deren Raum 40 Pfg., für Pereins- und VerfammlungS-Anz-igen, sowie ArbeitSmartt 20 Pfg. Inserate für die nächst« Numnier mästen bi» 4 Uhr nachmittag» in der Expedition abgegeben werden. Tie Expedition ist an Wochentagen bi« 7 Uhr abend», an Sonn- und Festtagen bi» o Uhr vormittag» geöffnet. Erscheint täglich«ufjer«ontag». Vevliner Volksbl�tt. Fernsprecher: Amt I, Hr. 1508. Telegramm- Adresse: „voiialdemokrnt verlw". Zentralorgan der sozialdemokratischen Uartei Deutschlands. Redaktion: 8V. 19. Weulh-Straße 2. Freitag, den 26. November l81)7. K-peditiou: SW. 19, Mettty-Straße S. Fveilzevr von Vvvlepfch» der ehemalig« preußtsche Staat§ntinister, vevöffenllicht i» der letzte» Nmumer der„Sozialen Praxis" einen Arlilel über den 8. Paragraphen des preußischen Bereinsgesehes.ioelcher in treffender Weise den Nachweis führt, wie nnhall bar die ditrch diesen Paragraphen gegebene Beschränkung unseres VereinZlcbens geworden ist. Wir können allerdings bei der Lektüre die Frage nicht unterdrücken, warum Herr v. Berlepsch, als er in amtlicher Stellung war, seinen Standpunkt nicht in so entschiedener Weise verlrelen hat; es ist doch kaum anzunehmen, daß ihm erst in neuerer Zeit diese Erkenntniß gekommen ist, zumal er bei der Bc- Handlung des Themas sehr iveit zurückliegendes Material benutzt, während er die Borkouimnisse neuerer Zeit init keinem Beispiele heranzieht. Herr von Berlepsch enthält sich auch des Urtheils über den Versuch, wie das preußische Ministerium»ach seinent Abgang das vom Reichskanzler gegebene Versprechen einlöste. Aus dem Artikel selbst tvird man allerdings schwerlich zu der Annahme kommen können, daß er die von Herrn v. d. Recke unter Zu» stimmniig des Reichskanzlers beliebte Lösung der Frage billigen köuuie. Der Verfasser theilt zunächst eine Reihe von Urtheilen des Reichs gerichts und des Kamniergerichts mit, die alleeine sehr weitgehende Ans- lcgnngdes Begriffs„politische Angelegenheiten" enthalten. Bekanntlich wurde und wird jene Bestimmung des§ 8 des preußischen Vcreinegesetzes fortgesetzt zur Auflösung und Beschränkung der Thätigkcik unserer Geivrrlfchasie» benutzt. Die Geiverlschasteu seien hier nur auaesührt, weil sich der Artikel ausschließlich mit der Siellnng der Berufs- vereine beschäsiigt. Sehr beachtensiverth ist, wie der Verfasser den Unterschied schildert, den heute die Justiz zwischen den Arbeilervereinigunge» und den Vereinigungen der besitzenden Klasse macht. Sr sagt hierüber im Anschluß an die Nrlheile unserer höchsten Gerichlsböse: „So wirkt tz 8 des Vereinsgesetzes vom Ii. März I8S0 aus die Bernfsvercine der Arbeiter. Nicht aber wirkt er so— und das ist vielleicht das Erschwerendste, weil zur Hart« die Ungerechligleii hinzutritt!— auf die Vereine der besitzenden und gebildeten Klassen u n d der Arbeitgeber. Man braucht sich nur umzusehen und man wird viele Fälle finden, in denen Vereine Fragen der Gesetzgebung und Verwaltung in Versammlitngen erörlern, die Thäligkeit und die Orgaue des Staates in Anspruch nehme» und sich mit anderen Vereinen gleicher Art in Verbindung setzen durch Komitees, Ausschüsse, Zentralorgane oder ähnliche Einrichtungen oder durch gegensciligen Schriftwechsel(Z 8d der Verl ordnnug vom II. März 1800). Das ausgebreiteiste, bestorganifirte und vorzüglichst wirkende VereinSivesen besitzt in Preußen die Landwirthschaft. Jeder Kreis hat seinen landwirthschasilichen Verein, die Kreisvcreine haben ihr Zenlralorgan in dem Zentralverein der Provinz, dessen Organe sie zugleich sind. Es dürfte» nicht viel Versammlungen dieser Vereine vorkommen, in denen nicht Fragen der Zoll-, Steuer- und Tarifpolitik, des staatlichen Eingreisens gegen Viehseuchen ic. erörtert rverdeu, in deueu nicht die Thäligkeit und die Organe des Staates angerufen werden zur Durchführung von Meliorationen, zur Gel Währung von StaatSmilleln für die Viehzucht, das ländliche Unlerrichlswese». Nach den angeführten Rechtsgrnndsätzen der oberste» gerichtlichen Instanzen sind die landtvirthschastlichen Vereine inSgesammt politische Vereine, sie stehen in Verbindung durch ei» Zeirtfalorgan. Ebenso steht es mit den zahlreichen Mäßigkeitsvereinen, die «in Gefetz ivider die Trunksucht verlangen, mit de» Kolonial vereinen, die ei» lebhafteres Tempo in der Kolonialpolitik der Regierung forderu. mit den sozialpolitischen Vereinen, die die Fragen des Arbeiterschnyes und des Vereinsrechtes der Arbeiter beHandel», mit den zahlreichen industriellen Vereinen. Fehlt hier rt»d da auch das Zcntral-Organ, so ist doch sicher die Verbindung mit anderen Vereinen gleicher Art durch Echristwechsel vorhanden. Genügt doch hierzu nach der Atrssaffung der Gerichte, schon das Entleihen von Pctiiionsbogen, um eine gleichlautende Petition an de» Reichstag zu richten! Der Zentral-Verband deutscher Industrieller ist das Zentral» Organ einer großen Zahl gewerblicher Vereine, ihm gehören zur Zeit 71 industrielle und wirihschaftliche Bereine und Verbände, Handelskammern, kauf- niännische Korporationen und Bernfsgenossenschasten an, die, soweit sie nicht gesetzliche Organisationen sind, nnzweiselhast nach der Interpretation, welche das llleichsgericht von dem Begriff des politischen Vereins gegeben hat, als solche anzusehen sind. Zille diese Vereine läßt man gewähren, kein Staatsanwalt geht gegen sie vor— und mit vollem Recht! Man sieht eben ein, daß nian die nütz lichsten Bestrebungen und Leistungen untergraben würde, daß man dem in alle» Beziehungen des Lebens so hoch«nt wickelte» und so segensreich wirkenden deutschen Bereiuslebcn den Todesstoß versetzen würde, wollte man gegen diese Vereine als politische vorgehen und sie hindern, sich mit anderen Vereinen gleicher Art in Verbindung zu setzen. Aber es ist absolut unzulässig, daß das Gesetz gegen den Einen An- iv e n d u n g findet, gegen den Andern nicht. Es ist absolut unzulässig, daß die Staatsgewalt, wenn der gleich« Thai- bestand vorliegt, den einen Verein verfolgt, weil sie ihn für schädlich halt, den andern unbehelligt läßt, weil sie ihn für unschädlich oder nützlich hält. Das führt zur Willkür, das ist Un- gerechtigkeit, und UngerechtigkeitmußErbitternng erzeugen.— Und dazu kommt noch das weitere erschwerend« Moment, daß die Arbeiter ganz und allein auf das Vereinsleben angewiesen sind, rvollen sie ihre gemeinsamen Interessen vertreten, während den Arbeitgebern durch die Gesetzgebung Organe gegeben sind, die dem Vereinsgesetz nicht unterworfen sind. Die Landivirlhe können in den Landwirthschaftskammern, die Kauflente und Industriellen, große und kleine, in den Handelskammern, die Handwerker in de» Innung»» erörtern und beantragen, was ihnen beliebt, soweit«S die Jnteressen ihres Berufs betrifft, und sich unter einander in Ver- bindnng setzen, soviel sie wollen. Die Arbeiter haben solche gesetzlich« Vertretungen nicht, und so wird die Art. wie die Bestimmungen des Vereinsgesetzcs aus ihre Berussvereine angewendet werden, immer ungerechter." Am Ende kommt Herr v. Berlepsch nicht zu dem einzig logischen Schluß, daß Beschränluugen, wie sie der§ 8 des preußische» Ver- etnsgesetzes kür die Vereine geschassen hat, ausgehoben werden müssen. er will blos dem Begriff„politische Vereine" eine andere Definition geben. Als politische Vereine sollen»nr solche angesehen werden, die nach ihren Satzungen oder ihrer Thäligkeit als aus- schließlichen Bereiuszwcck eine Einwirkung auf Verfassung, Gesetzgebung oder Verwaltung erstreben. Damit wären wir keine» Schritt vorwärts gekommen, denn eine solche Definition genügte, um den Unternehmerverbäuden und den wirthschasllichen Organisationen der besitzenden Klasse einen etwas besseren stlichts- lilel für ihr« Vereiusthäligkeit gegenüber den Arbeiter- Organisationen zu gebcn und nnferer Justiz ein etwas vollkommeneres Rechlsmäntklchen anzupassen. De» Geiverkschaften könnte man mit solchen gesetzlichen Bestimmungen das Lebe» noch immer recht ichwer machen. Hier können wir dem Verfasser nicht folgen, der sonst in seinem Artikel ein sehr wuchtiges Material für die Verurtheilung der bis- herigen Vereinspolilik beibringt. Ei» Man», der diese Kritik üben kann, muß in seinem Vor- schlag nicht auf halbem Wege stehen bleiben, fondern den einzig logischen Schluß ziehen: Fort mit dem§ 8 des Vereinsgesetzes! politische Ttebeelrchk. Berlin, LS. November. Tie Vorlage zur Militiir- Strafprozcsx- Ordnung wird streng geheim gehalten. Es läßt sich daher auch nicht beurtheile», ob einige Mittheiluugen, welche die„Rheinisch- Westfälische Zeitung" über die Gestaltung der O e f f e u t- l i ch k c i t des Verfahrens bringt, auf Nichtigkeit be- ruhen. Danach soll die Ocffentlichkeit nicht nur da ans- geschlossen werden, Ivo eine öffentliche Verhandlung geeignet erscheint, die ö f f e n t l i ch e Ordnung o d e r die Sittlichkeit zu gefährden, sondern auch in t allen, in denen der Ausschluß der Ocffcntlichteit wegen der e f ä h r d u n g der militärischen Manneszucht crsoiderlich ist. Hierzu dürften alle Vergehen und Verbrechen rein militärischer Art gehören, ferner diejenige» Fälle, in denen die cinsache Bestrafung von Ofst- zieren in Frage steht. Die volle und uneingeschränkte Oeffeni- lichkeit sei nur für alle nicht militärischen Vcrbrechew vorgesehen, sofern nicht deren Ausschluß wegen Gefährdung der öffentlichen Ordnung oder Sittlichkeit geboten erscheint. Mcnn die Vorlage in dieser Hinsicht so ansschauen sollte, wie das genannte Blatt wissen will, so würde sie der Verheißung des Fürsten Hohenlohe, sie solle modernen R e ch t s a n s ch a u u n g c n entsprechen, nicht nachkommen. Eine solche Vorlage würde aber unseres Erachtens auch der Rciclistao keinesfalls gutheißen können. Das" deutsche Volk würde eine derartige Zumuthnng als einen Faustschlag ins Antlitz empfinden!— Taö Verbot des Jnverbindnngtretens von poli- tischen Vereinen soll min auch in B a y e r n aufgehoben werden. Ter Staatsminister Freiherr v. Fcilitzsch erklärte ans eine Anfrage im Vcrcinsansschnß: „Bisher sei nicht vorgeganpe» 1. wegen des Nothoereinsgeseh- Beschlusses deS Reichstags, der im Bundesrath noch nicht erledigt ist, 2. weil die Regierung den Standpunkt der verschiedenen Pur- teie» des Landtags noch nicht kenne. Di« Regierung sei nicht ab- geneigt, das A f f i l i a t i o n s v e r b o t deutscher Vereine fallen zu lassen, jür de» Verkehr mit ausländische» politischen Vereine könnte eine Genehmigung der Regierung als nötbig erklärt werden. Ebenso sei die Negieruug geneigt, beziigluh der Versa in>» I u» g e n aus öffentlichen Plätze» sowie iu bezugauf A u f z ü g e in Städte» und Ortschaste» Erleichlerunge» einireleii zu lassen. Auch solle die Streitfrage bezüglich der Tbeil- uahiiie Minderjähriger und Frauen an politische» Ver- sanuuluiigen zum AnStrag gebracht werde»; die Regierung sei i» dieser Frage»och zu keine,» abschließenden Urlheil gclangt. Ei» neues Veieiiisgeseh sei wohl nicht zu schaffe»; die Revision einzelner Bestiiiimunge» führe eher zu einem befriedigenden Ziele. Wenn der Anssci nß sich»iit einer theilweise» Reoismn des VereinsgeietzeS in den angegebene» Pnnkle» begnügen wolle, lönue er, der Minister, auf Vorlage eines Entwurfes hinwirken." Es wäre auch wahrlich an der Zeit, das bayerische Vereinsgcsetz wenigstens von seinen ärgsten Flecken zn reinigen. Besonders der Ausschliiß der Frauen von politischen Ver- sammlnngen, welche Bestimmung durch die Polizci-Organc auch auf gewerkschaftliche Versammlungen ausgedehnt worden ist, ist gegenüber der modernen Entwickrlnng längst völlig unhaltbar geworden. Ebenso natürlich das Verbot des In- vcrbindnnglretcns. So geht ein Bundesstaat nach dem andern daran, das Kauzlerversprechc» vom 27. Jniü 1896 endlich zu erfüllen. Aber wo bleibt Preußen? Uebrigens ist die Bemerkung de? Herrn v. Feilit-kch sehr bemerkenswerth, daß die bayerische Regierung deshalb noch nicht zur Aufhebung des Koalitionsverbots geschritten sei, weil der Nothvereinsgesetz-Beschluß des Reichs- tag es. der dem Bundesrathe vorliegt, noch nicht er- ledigt ist. Es scheint, als wollte der bayerische Minister damit sagen, daß eine Regelung in Bayern garnicht erforderlich iväre, wenn »nr der Bundesrath dem Reichstagsbcschlnß zustimme. Und gewiß wäre dies sowohl die Pflicht des Bnndesraths als auch die einfachste Lösnng dieser Frage für das ganze Reich. Daß aber der Bundesrath zögert, dieser Pflicht nachznkoinmen und diese einfache Lösung der Frage vorznuehmen, das kann nur an Preußens Widerstand liege». Preußen mag nicht geivähren, was der Reichskanzler versprach und lvas selbst so wenig im Verdacht freiheitlicher Neigungen stehende Regierungen wie die sächsische und bayerische zn gewähren sich für verpflichtet halten!— Vom„Stillstand der Sozialdemokratie" fabelt heut wieder einmal die„Kreuz- Zeltung". Was es damit auf sich hat, mag die„Krenz-Zeitung" feststellen, indem sie unsere heutigen Mittheilnngen ans Magdeburg- Buckau und Brandenburg unter„Parteinachrichten" einsieht. Ferner mögen sich die Herren voll der„Krenz-Zeitung" ihre Freude am Stillstand der Sozialdemokratie auch durch folgende tele- graphische Meldung, die wir aus Che m n i tz erhalten, nicht trüben lassen: „Bei der heutigen Etadtverordnetenwahl erfocht die sozialdemokratische Liste eine» glänze» den Sieg. Mit mehr als 340» Stlinnien wurden fünfzehn Sozialdemo- kraten gewählt, von den Gegnern nur zwei; auß-rdem stellt unsere Partei säinmlliche Ersatzmänner. Schmähliche Nieder- läge der Antisemiten." Durch diesen Sieg tritt unsere Partei in Chemnitz zum ersten Male in das Stadtverordiieteii-Kolleglnm ein. Mehrere fahre hindurch ivurde heiß um diesen Erfolg gerungen. Bon nhr zil Jahr wuchsen unsere Stimmen, aber den An- strcngungeii der Gegner waren wir nicht gewachsen. Endlich ist Bresche gebrochen. Allan ivird nicht fehl gehen, wenn man in dem Wahlresultat von Chemnitz auch eine Folge der allgemeinen sächsischen Brntalilälspolitik sieht. D i e V e r n i ch t n n g d e s L a n d- tags- Wahlrechts beginnt ihre Früchte zu tragen!— Militörjnstiz. Ans Heidelberg wird der„Franks. Zeitung" ei» Boifall gemeldet, der einige der Uebelstände der jetzigen Militärjnstiz in grellem Lichte erscheinen läßt. Bei der kiontrollversammlnug am 13. d. M. hatte sich ein Reservist, dem Berns nach Lehrer, nach der Ansicht des dienst- habenden Feldivebcls nicht rasch genug von seinem Platze zn ihm begeben und soll angeblich sogar auf seinen Zuruf langsamer gegangen sein und gelacht haben. Der Feldwebel meldete darauf den Lehrer beim Haupt- mann. Dieser fragte die Nachbarn des Lehrers, ob sie die gleiche Beobachtung ivie der Feldwebel gemacht hätten, aber keiner konnte bezeugen, was dieser angab. Der Hauptmann ließ, obgleich der Feldwebel mit feiner Behauptung allein stand, den Lehrer abführen und in Militärhaft bringen. Jedermann war nun der Ansicht, daß die Haft nur eine Ordnungsstrafe sei und als solche höchstens auf drei Tage ausgedehnt werde. Aber der Lehrer, dem schwere Gehorsanisver Weigerung zur Last gelegt wird, ist bis heute noch nicht entlassen. So kann auf grund der Militärgesetzgebung ein deutscher Bürger, der im Falle selbst, daß der Feldwebel richtig auf- gefaßt hat, doch auch kein schweres Verbrechen begangen hat, ohne weiteres ins Gcfängniß gesteckt werden. Und gegeil die Jnhafthailung giebl es für ihn keine Beschwerde m ö g- i i ch k c i t. Er ist allen peinlichen Bestimmungen der Militär- strafprozeßordnung untertvorsen, erkannnicht AngeinAugemitden Zeugen seine Sache führen, er darf keinen Bertheidiger nehmen, er wird unter Umständen vor ein Gericht von Laien gestellt, die den ganzen Vorgang mir ans den Akten kennen und kein juristisches Urthcil besitze». Und das alles, weil der Feld- ivebel bemerkt zn haben glaubt, der Lehrer sei zu langsam gegangen und habe gar gelacht! Dieses Borkommniß zeigt, wie brennend die Reform der Mililär-Strafprozcßordnuiig ist. Nur selten gelangen die bösen Dinge, die durch dieselben verursacht werden, an die Oeffenllichkeit.— Wie die Besetzung der Kian-Tschan-Bucht durch Dentfch- land von den anderen Staate» ausgenommen wird, darüber ist ein klares Uriheil noch nicht möglich. Eine Pelersburger Mtllheilnng des„Biir. Dalziel" behanpiet, Rußland werde teine» Einwand gegen-ine dauernde Besetzung von Kiau- Tschau erheben. auch werde es sich keiner Macht in dem Verlangen, eine Erklär' ii» g von Deutschland zu verlangen, anschließen. Eine weitere Meldimg des genannte» BnreauS besagt: Infolge der Besctzinig der Kian-Tscbau-Bncht durch die Denlsche» erhielt der ne»er»annte chinesische Gesandte am Berliner Hofe L»- Hai- Hnan die Weisung, n i ct> t abzureisen. Die Vizekönige der Seeprovinzen erhielle» Weisunge», die Besatzimgen der Küste»- forls zu verstärken, weil die Pekinger Regierung fürchte, andere Mächte könnten versucht werden, Deutschlands Beispiel z» folgen. Es verlautet, daß, nachdem die Deutschen gelandet waren und die Forts und die Bucht besetzt hatten, der Tsmigliyainen den General Lin- Kuaug- Tsai anwies, sie mit 6000 Mau» zu vertreibe». AN« verfügbare» Kriegs- schiffe und Torpedoboote des SeegeschwaderS wurden»ach Norde» beordert. Die südlichen Vizelönige erhoben jedoch dagegen Ein- spruch. Der Tsungliyame» nahi» diesen Befehl znrnck. als er erftchr, daß Teulschlands Vorgehen ivahrscheiulich von Rußland and Frank« reich unterstützt>oerdeii würde. Die Londoner«Daily Mail" sagt, die Besehnng von Kian-Tschau sei eine der wichtigste» diplomatische» Frage». über die im Augenblick verhandelt werde. Das Blalt meldet serner. daß die Petersburger„Noivosti" ei» Bündniß zwischen Frankreich, Rußtaud und England vorschlage, um Deulschlaud an der definitiven Besetzung von Kiau-Tschau zu verhiuder».— Der nnerhSrte Gewaktstreich der Mehrheit des öster- reichischen Abgeordnetenhauses, der alle parlamentarische» Rechte aufhebt(siehe den Bericht unter Oesterreich), bat in Wien die größte Ansregnng hervorgerufen. Uebcr die Stellung unserer Partei telcgraphirt unser Wiener Korrespondent: Der sozialdemokratische Verband beschloß dem angeblich vom Hanse beschlossenen gesetzwidrigen Antrag Falkenhatzu gegenüber: I. Mit allen Mitteln Protest zn erheben. 2. Unsere Abgeordneten werden nnbeknmmert ob andere Parteien das Hans verlassen, unter allen Umständen bis ans de» letzten Mann bleibe» und auch der Gewalt nicht weiche». « �» Deutsches Reich. — Die Wahl in Oldenbnrg-Plön hat zum Siege des kouservative» Kandidaten v. Jungcln bereits im«rne» Wahlgange geführt. Die gester» verbreiteten Wahlziffern enthielte» sonderbarerweise einige Jrthümer, wie sich heute herausstellt. Nach den letzten vorliegen- den Nachrichten erhielt v. Jungeln 8333 Stimmen, der Sozinldemo- krat 2636, der Nalional-Soziale 2143, der Kandidat der ssreisinnigen Volkspartei 1732, der Kandidat der Freisinnigen Vereinigung 1333 Stimmen. Die Gegenparteien zusammen erhielten also 7926 Stimmen. Im Jahre 1833 siegte der konservative Kandidat mit 3281 gegen 7123 freisinnige und sozialdemokratische Stimmen. Die jetzige Wahl zeigt also einen Rückgang der Konservativen um 943. einen Forlschritt der Gegner um 738 Stimmen. Das Resultat ist mithin ein weniger erfreuliches, als es nach den gestrigen Mit- theilungen schien.— — Z urSlltion gegen die Privatposten theilen die „Verl. Pol. Nachr." mit: „ES ist garnicht wahr, daß es in der Absicht liegt, die Privat. Posten gänzlich zn beseitigen oder doch ihr wirth- schaftliches Gedeihen z» untergraben. Lediglich die ans- schließliche Beförderung des verschlossenen, mit dem Attribut der Unverletzbarkeit ansgestatleten Briefes durch die Reichspost wird er- strebt. Es wird ans die Erreichung dieses Zieles auch so ent- schiedener Werth gelegt, daß eine enlsprechende Aeuderung der jetzt giltigen Bestinnnungen die nothivcndige Vorbedingung für alle übrigen Reformen des Poslivesens bilden dürfte, und daß demgemäß auch an all« die von dem Publikum gewünschten Erleichterungen des Ver- kehrs so lange nicht zu denken sein würde, als jene Aeuderung des Reichspostgesetzes nicht erfolgt ist." — Der brandenburgische Parteitag der Deutsch. Konservativen findet am 3. Dezember nachmittags in Berlin statt.— — Kirchlicher Streit. Die G e n e r a l s y n o d e, die gegenwärtig in Berlin tagt, hat ihre erste Sitzung mit einer große» P r o t e st k» n d g e b» n g gegen die C a» i f i n s- E» c y- klika des Papstes eingeleitct. In dieser Encpklika war das Andenken des vor dreihundert Jahren verstorbeneu Paters Canisins, des erste» deutschen Jesuiten, gefeiert worden. Bei dieser Gelegenheit waren einige herbe Angriffe gegen die Reformatio» des sechzehnten Jahrhunderts gerichtet, die die General- synode in heftige Erregung brachten und zur Annahme eines An- träges führte», in dem es u. a. heißt:„1. Was der Papst als un- heilvolles Eist bezeichnet. ist in Wahrheit das selig. machende Evangelium von der Gnade Gottes in Christo Jesu, dem endlich Raum zn geben der Papst immer von neuem gemahnt werden muß. 2. Luther, den der Papst als Aufruhrer verdächtigt, hat in Wirklichkeit nur schlicht und recht Gott die Ehre gegeben, indem er der auf Menschensatzungen ge- gründeten päpstlichen Autorität mit der Autorität des göttlichen Wortes Trutz bot. 3. Die wellliche Obrigkeit ist als selbständige Ordnung Gottes erst wieder erkannt, seit die angemaßte Ober- Herrlichkeit des Papstes über das staatliche Regiment bei den Evangelischen keinen Glauben mehr fand. Die Geschichte bezeugt, daß das unheimliche Feuer der Revolution in de» katholische» Län- der» mehr Nahrung gefunden und größere Berheernngcn angerichtet hat, als unter den Völkern evangelischen Bekenntnisses. 4. Gegen- über dem behauptete» Zusammenhang von Reformaiion und Sitten- losigkeit rufen wir Gott zum Zeugen an. Die Resormatio» hat durch ihre lautere Predigt deS Wortes Gottes die Gewissen geweckt und ist für den Einzelne», wie für Familie und Volk je und je die Quelle christlicher Bildung und Gesittung gewesen. Der mensch- gewordene Gottessohn aber, unser einiger Mittler, bleibt unsere feste Burg. Das Feld wird Er behalten." Wir begnüge» uns damit, diese Dinge zn registrircn, sintemal der ganze Streit uns recht müßig erscheint. Duldsamkeit ist hüben wie drüben nicht die Stärke der Frommen.— Stcruberg i. Mcckl.» 24. November. Der m eckten- burgische Landtag hat mit 31 gegen 24 Stimmen ab- gelehnt, die von der Regierung für de» Bau eines Kanals von Wismar nach Schwerin verlangte» 2 306 006 Mark zu bewilligen.— Dresden, 24. November. sEig. Ber.) SächsischerLandtag. Den Höhepunkt der heutigen Etatdebatle bildete die Rede unseres Genosse» Fräßdorf. Nach der salbungsvolle» Sozialisten- bekehrungs-Rede des Nationalliberalen Niethammer ergriff er das Wort, um der Mehrheit und der Regierung ein treffendes Spiegel- bild vorzuhalten. Größer als die vielbetonte Noth der Landwirlhe sei die Noth des A r b e i t e r st a n d e s. Wenn die Industrie von den Agrariern darauf verwiese» werde, lieber einen vermehrte» Absatz im Jnlande zn suchen, so könne die? ganz wesentlich dadurch geschehe», daß man die Löhne der Arbeiter erhöhe. Die verbesserte Lebenshaltung der Arbeiter kounue auch den Landwirlhe» zu gute. Die Steigerung des Ertrages der indirekten Steuern sei nicht, wie der Minister genieint, erfreulich, sondern bedanerlich, wie die Erhebung dieser Steuern überhaupt. Die Bahnarbeiter äußerten ihre Wünsche in sehr ge- »näßigter Weise, der Minister habe aber trotzdem den rothen Lappen geschwungen, um deren Wünsche als unberechtigt darzustellen. Redner wünscht Steuerbefreiung für die unteren S t e u e r st u f e n; in Sachsen beginne die Steuer bereits bei 460, in Preuße» erst bei 306 M. Einkommen; man solle iudeß eine solche Steuerbefreiung nicht zu einer weitere» Schmälerung des Wahlrechts benützen. Er verlangt ksür die Ein- kommensteuer«ine stärkere Progression und erklärt sich gegen die b e- sondert Belastung der Konsumvereine, wie sie in Sachsen durch Mimstomleiütoß gutgeheißen sei. Bei der A e r m ö g e n s st e u e r werde seine Partei Einführung einer Progression beantragen. Bahnen und Forsten prunkten mit großen Neberschüssen, aber die Entlohnniig der Arbeiter sei unzu- reichend. Niethammer wolle die Apanage für de» Prinzen Albert bewillige», um seiner Verehrung für die Monarchie Ans- druck zu gebe», aus anderer Leute Tasche» lasse sich aber gut bewilligen. Für Gendarmerie und Polizei werde wieder eine große Vermehrung gefordert; es werde noch dahin kommen, daß man für jeden Wähler 1. Klaff« eine» Leibgendarnien und für jeden Hof- oder Geheimrath eine Schwadron Berittene verlange.(Große Heiterkeit.) Er fordert Streichung der Ausgabe» für Kirchenzwecke, weil Religio» Privatsache sei. Die Gehaltserhöhungen für Lehrer und Bah». beamte sei nur eine Folge der sozialdemokratischen Agitation. (Großes Oho!) Der Staat müsse auch die A r m e n l a st e n über- nehmen; die Uebernahme des Schulgeldes werde ja von der Rechten bereits in Berechnung gezogen. Das Gesetz über die ärztlichen Bezirksvereine habe die vorausgesagten Folge» gehabt. es seien Konflikte zwischen den Aerzten und den Krankenkassen entstände» und erst ein Ministerial- Entscheid habe die Ansprüche der Aerzt« eingeschränkt und eine» allgemeinen Aerztestreik gegen die Leipziger Orts-Kranken- kasse verhütet. Im Bundesrath solle Sachsen für Fortführung der Sozialreform und des Arbeiterschutzes wirke». Bebel's Agitation habe die Bätkereiverordnung zur Folge gehabt, andere Betriebe seien aber ebenso gefährlich. Das gelte ganz besouders von der S t e i n i n d u st r i e, deren Arbeiter im besten Mannes- alter von der Schwindsucht dahingerafft würde». Die Re- gierung solle sich daher im Bundesrath dieser Arbeiter- gruppe annehme». Der Kongreß deutscher Sattler hat «ine Petition an das sächsische Kriegs- Ministerium gerichtet, die Maßregeln zur Beseitignng des Schwitzsystems für die Armeeliefernngen verlange; das Ministerium habe aber kurzerhand abgelehnt. Kommerzienrälhe würde man nicht so abfertigen, Arbeiter aber fänden bei der Regierung kein Gehör.(Ordnungsruf.) Durch die D r e i k l a s s e n w a h l gelte die Stimme des Reichen 23 Mal so viel wie die des Armen. Klassenwahlrecht erzeuge Klaffenhaß, und nichts habe ihn so geschürt, als gerade das Wahlgesetz. Man habe gesagt: in Preuße» sei seil den, Tode Friedrich's de r monarchische G e- danke ii» Vers all— in Sachsen sei er's seit Erlaß des Dreiklasse»-Wahlgesetz es.(Stürmischer Protest. Der Redner erhält den zweiten Ordnungsruf.) Uns wird innner Vater- landslosigkeit vorgeworfen; welches andere Gefühl soll denn ober jenes Gesetz in uns erzeugen? Sie ertödte» im Arbeiter den letzten Funken von Sl n h ä n g l i ch k e i t an das Vaterland und die Monarchie, wenn Sie ihn zum Staatsbürger dritter Klasse dcgradire». Di« Handhabung des Vereins- und Versammlungsgesetzes habe die Frage gezeitigt: Wer regiert denn eigentlich in Sachse»? Das Ministerium erlasse auf erhobene Be- schwerden generelle Verfügungen, aber keine Unierbehörde, kein Gendarßi kümmere sich darin», sondern thue einfach, ivas er will. Wir brauchen in Sachsen Schutz vor den Gen- dar m e n! Jeder glaubt init uns machen zu können, was ihm paßt, weil er nuS für vogelfrei hält! An der Abänderung des Vereins- gesetzes haben wir kein so hohes Juteresse, denn ivir haben uns eingerichtet, aber die Kartellparleie» brauchen die Auf- Hebung des Verbindungsverbots, um sich für die kommenden Reichs- lagswahlen fester zusammenschließen zu können. Das ist auch der Grinid für die Regierung; um das dein Reichstag gegebene Versprechen würde sie sich ebenso wenig gekümmert habe», ivi« das Preußen gelhan hat. Einzig richtig wäre die völlige Beseitigung des Vereins- und Versamnilungsgesetzes. Jetzt hat man uns auch noch die Polizeistunde bescheert; das Volk wird eben immer in e h r von der P o l i z e i r e g i e r t. Das K o a l i t i o n s- r e ch t wird immer mehr beschränkt und jeder kleine Uebergriff der Arbeiter außerordentlich hart bestrast, besonders seit der Bielefelder Kaiserrede; gegen die Unternehmer bandelt man nicht so. Der Strafvoltzug zeigt schwere Mängel; die Redakteure Steiger und Schulze hat man wie schwere Verbrecher in Ketten durch die Straßen lransporlirt. Man verschanzt sich dabei hinter alte Verordnungen, die Regierung hätte aber sehr wohl Abhilfe schaffen können, wenn sie nur gewollt hätte. Die Strafhasl selber ist so, daß vielfach die Gesundheit der Sträflinge im Gefängniß rniuirt ivird; auch hier ist 'Abhilfe dringend nölhig. Wolle» Sie Zufriedenheit im Lande, so geben Sie den Arbeiter» volle politische Freiheit und Gleichheit, Höhere Löhne, kürzere itlrbeitszeit, gute Schulen:c. Wir werden der Reaktion Widerstand leisten bis zum endlichen Siege unserer Ideen! Vergeblich suchte» die tliedner der Mehrheit, insbesondere die Konservativen Opitz und Uhlmanu, und der Nationalliberale Georgi. die erhobenen Vorwürfe zu entkräfte»; es gelang ihnen nicht und das in Sachse» beliebte sitegierungssystem blieb gebrandmarkt vor aller Welt. Was sonst noch in der sünffnindige» Debatte zur Sprache kam, bot kein politisches Interesse weiter. Ei» Schlußantrag schnitt de» noch vorgemerkten zwölf Rednern das Wort ab und beendete die Elatsdebatte, die wieder einmal gezeigt hat, daß die Sozialdemokratie im sächsischen Landtag noch lange nicht todt ist und daß es eine große Thorheit geivesen wäre, wen» unsere Abgeordnete» durch die Niederlegung ihrer Mandate frei- willig den Kampfplatz geräumt hätten.— � München, 24. Nov.(Eig. Ber.) B a y« r i s ch e r Landtag. Tie Abgeordnetenkammer begann heute mit der Berathnng der vor- liegenden Anträge, betreffend die Begnadigung der ver- n r l h c i l l e n H a b e r e r. Bei der treffliche» Begründuiig seines Antrages führte unser Genoffe v. V o l l in a r». a. aus:„Für viele der Verurtheilten wird die Strafe de» wirthschaftlicheu Ruin bringen. Es ist doch ein alter Grundsatz, daß jede Strafe im richtigen Ver- hältniß zu der Slrasihal stehen soll. Und nun frage ich Sie, welcher soziale Schaden ist den» eigentlich durch die Haberer entstände»? Nie- mals ist darnberaus bäuerlichen Kreisen Klag« gekommen Der Staat halle viel größere Schade» z» bekämpfe». EiwaS haben die Haberer freilich gethan, sie haben sich zu selbständig gezeigt gegenüber dem selbstbewußten Polizeigeist. Aber jeder Duellant lehnt sich auch ans gegen die Majestät des Slaales nnd lrotzdem erfolgt regelmäßig Begnadigung. Tie Herren a» der Regierung täusche» sich gründlich, weil» sie annehmen, daß»>a» in den weitesten Kreise» des Volkes niit den gesällle» Urlheilen einverstande» ist. Man ist das nicht i» der Sladt, ja nicht einmal in den Bureaus, viel weniger ans dem Lande. Wer das Leben der Bauern in de» Berge» kennt, der muß wissen, was diese Lente im Gefängniß empfinden. Ich bin der Meinung, daß nicht nur die Mitläufer, sondern alle miteinander genügend bestrait sind. Deswegen inöct.Ie ich Sie bitten, Ihre vor- gefaßte falsche Meinung auf die Seite zu setzen und unserem Antrag zuzustimmen." Justizminister v. L e o n r o d erklärt, sich gegen eine allgemeine Begnadigung, doch wolle er jedes einzelne Gesuch genau prüfe» und i» alle» Fälle», wo Vernrlheille Gnade verdieuen, bei der Krone einen theilweise» Erlaß der Strafe beantragen. Nach ihm besprach Regierungskouiiuissar P f a» n s ch m i d t die Habererprozeffe nach den Hefleu des Slaatsanwalls Bireth, der bei allen diesen Gerichts- Verhandlungen als Ankläger fnngirt hatte. Von liberaler Seite sprachen der„freisinnige" Dr. Günther und Abg. Altinger gegen die Annahme der beiden Anträge.(Fortsetzung der Debatte am nächste» Freitag.)— — Ueber unsere Kolonien nrtheilt der nach amtlichen Quellen bearbeitete Kolonialkalender des bekannten Kolouialpoltlikers G. Meinecke folgendermaßen: „Die denlschen Kolonien sind mit AiiZnahme von Südwestafrika, das zum theil noch in de» Subtropen liegt, reine Tropeukolouieii und kommen als solche für die Auswauderung von Leuten, welche init geringen Milleln sich dort ein eigenes Heim errichten und auf ihrer Scholle leben wollen, vorläufig nicht in betracht. Die Tropen- kolonien... sind im große» und ganzen ungesund, und niemand sollte als Beamter in eine solche Kolonie gehen, der nicht vorher ärztlich ganz genau nntersncht nnd als tropentauglich befunden worden ist.... Als eslstehend ist anzunehmen, daß unter den jetzigen Verhällnisse» "ich nur dann der ziuvandernde Landwirth als selbständiger Unternehmer behaupten kann, wenn er ei» verhältnißniaßlg be- deuteudcs Kapital hat, da in den»»gesunden Tropenkolonien nur der große Plantagenbetrieb Aussichten auf Erfolg hat. I» Südwest- Afrika wird sich dagegen allinälig ein Bauernstand heranbilden, ob- wohl auch dort das Großkapital vielfach den Weg bahnen muß. Der 'reien Auswanderung von Handwerker» und Koinmis ist natürlich »ur driiigend abznrathen, da die Verhältnisse in de» Kolonien noch ganz primitive sind und der leichtsinnig Zngewanderle bald der öffentlichen Wohllhäligkeit anheimsällt oder krank und elend nach Hans« zurückdefördert werden muß. Es können draußen nur Pflanzer von größerer Erfahrung mit einiger Sicherheit ans An- stellnng rechnen, aber auch in diesem Fall ist es schon wegen der bedenieiiden Reisekosten jedermann z» rathen, nur als Angestellter einer Gesellschaft oder der Regierung herauszugehen. Dasselbe gilt auch für Kanslente, von denen geu>öh»Iich auch einige Kenntniß der Sprache des Landes, wohin fle stch begeben wolle», verlangt ivird. Die Ausstchlen ans Anstellung sind aber gering, da für die heulige inibedeulende Eutwickelniig unserer Kolonie» das Angebot die Nach- rage weit übersteigt und mit der Zeit sich auch ein fester Stamm von ersahrenen Leuten heransgebildei hat."— Oesterreich. —„Fanstschläge auf der Tagesordnung(furcht- bare Raufereien im Parlainente)", so betitelt die„Wiener Zlllgem. Zeitung" ihre» letzte» Parlameutsbericht. Wir entnehmen demselben das„Die Schlacht" überschrieben« Kapitel: Die nun folgenden Szenen lassen stch, auch unter dem unmlttel- baren Eindruck des Erlebte» und Gesehene», nicht annähernd chilvern. Abgeordneter Wolf ergreift nach der Enspendirung der Sitzung die Präsidentenglocke und läutet heftig. Der Abgeordnete Potoczek will ihm die Glocke eins der Hand reißen; Wolf vertheidigt sich, der Zwicker fällt ihm auf die Erde. Im nächsten Moment schon wird im ganzen dichten Knäuel der um den Präsideutenlisch versammelten Abgeordneten in der heftigsten Weise gerauft. Unter ohrenbetäubendem Geschrei— besser Geheul und Gebrüll — haue» die Volksvertreter mit Fäusten auseinander los, reißen sich bei den Haaren, stoßen sich zu Bode». Von der Gallerie tönt ein brausendes Pfui! um das andere in den Saal. Die Raufenden um den Prästdenteutisch herum werden immer erbitterter, die Situation unle» im Saale eine immer fürchterlichere. Von der Gallerie bietet sich ein nnbeschreibiicher Anblick dar. Der Menschenknänel wird immer dichter, einzelne Abgeordnete ver- schivinden zeitweilig unter den Fäusten, die auf ihre Köpfe los- trommeln. Die Silnation sängt an, einen lebensgefährlichen Charakter anzunehmen. Im Mittelpunkt der Ransenden steht der Abgeordnete Wolf. Gegen ihn wendet sich die erbitterte Wnth. Er wird bei den Haaren zu Boden gerissen, man wirst ihm die Präsidentenglocke ins Gesicht, man bearbeitet sein Gesicht in blinder Wnth mit den Fäusten. Vergeblich sucht er sich der Hiebe zu er- wehre»; mau»»>ß fürchten, daß er im Gedränge zerdrückt wird, so quetscht»nd preßt sich die Masse der Raufende» um ihn. Die Rauferei nimmt immer größere Dimensionen an. Von der Gallerie ans wird ununterbrochen Psni! Pfui! in de» Saal gebrüllt. Um de» Avgeordueleii Schönerer bildet sich ein neues Kampf- zentrum. Er eilt seine» Parteigenosse» zn Hilf«, indem er eine» Fnntenil nach dem andern von der Minislerbank auf die Präsidenten- Estrade zn werfe» sucht. Er wird niedergestoßen, man zerrt ihn beim Bart, bei den Haaren, Fäuste fallen ans seine» Kopf und es scheint, als könne er aus dieser Drangsal nicht mehr mit ganzen Gliedern davonkoinmen. Ans dem fürchterlichen Gebrüll, das den Saal dnrchtost, hört man plötzlich kreischende Laute, die selbst das betäubende Gedenl des Kampfes übertöne». Auch die Abg> ordneten, die bis jetzt nnlhätig — vom Schreien abgesehen— den Kamps beobachtet haben, eilen jetzt zur Präsidentenestrade. Ein Abgeordneter fällt zn Boden, er hält in der geballten Faust ein Messer. Abgeordneter Lemisch entwindet es ihm und schleudert eS zur Ausgangsthür des Saales. Abgeordneter Dr. Gebmann will eS aufheben. Abgeordneter Nowak kommt ihm zuvor und steckt das Messer in die Tasche. Ter Man» mit dem Messer war der Abgeordnete Pfcrsche. Er ist im Gedränge fürchterlich geprügelt worden. Man sieht, wie er förmlich nach Luft ringt. Von allen Seilen regnen die Fanstschläge auf ihn. Tie Episode Pfersche hat die Lynchjustiz gegen Wolf und Schönerer nicht zum Stillstand gebracht. Ununterbrochen wird auf sie los- geHaue». Hofrath Schnkije arbeitet mitten unter den Kämpsenden. Abg. Potoczek pack! Wolf bei der Kehle. Man zerreißt ihm die Kleider, endlich ist es einigen Abgeordnelen gelungen, ihn ans dem gefährlichen Knäuel zu befreie». Er lehnt sich schivcr athmend und todtenbleich an die Wand, die Haare über's Gesicht gezerrt, die Kleider zerrissen. Soviel Energie bringt er noch auf, um zu rufen:„Nächstens bring' ich eine» Revolver mit." Die heutigen Wiener Morgenblätter veröffentlichen ei» Com- nuniiquö der deutschen Fortschrittspartei, nach ivelchem in der gestern abgehaltene» Sitzung derselben folgende Resolution gefaßt wurde: Der Klub der deutsche» Fortschrittspartei spricht sei» tiefstes Bedauern darüber ans, daß in der letzten Sitzung des Ab- geordnelenhanses Mitglieder der Majorilätsparteie» sich haben hinreißen lasse», Angehörige der deutschen Opposition mit »nintlteldarer Gewaltanwendung, ja sogar mit direkten Thällichkciten, von den» Platze vor dem Präsidiinn, wo zu verweilen allen Abgeordneten daS gleiche Recht zusteht, wegzu- dränge». Diese Erscheinung ist um so trauriger, als der Gr»»V hierzu i» der ausdrückliche» Aufforderung des Präsidiums lag, das Präsidium von der Gegenwart mit Name» bezeichneter oppositioneller Abgeordneter zu befreien. WaS daS Verhalte» einiger Mitglieder des Klnbs bei dieser Gelegenheit betrifft, so kann der Klub in demselben nur berechtigte Nothwehr erblicken. waS durch Vernehmung aller Thalzengen»»ziveifelhafl erhärtet werden ivird. Geordnete parlanientarische Znsläiide kö»»en nach der Ueberzenguug des Klubs mir durch vollständige Aenderuiig der unter dem gegen- iväriige» Präsidium zur Regel gewordenen Handhabung der Prästdialgewalt»nd durch Rückkehr zu einer geiviffeiihaste». jede Vergewaltigung ausschließenden Beobachtung der Geschästsordunng erfolge». Die christlich-soziale Partei, welche gestern Abend Klubsitzmigen abhielt, sprach unler ausdrücklicher Billigung der Obstlnktio» ihre tiefste Eutrüstmig über das brutale Vorgehen der Schönerer- Gruppe aus. Wegen Besprechung der gestrigen skandalösen Vorgänge im Parlament �ist heule eine ganze Reihe von ZeUuugeu beschlagnahmt worden, so'die„Nene Freie Presse", das„Deutsche Volksvlalt" und die„Ostdeutsche Rundschau".— Wien, 23. November. Abgeordnetenhaus. Prä- s i d e» t v. A b r a h a m o w i t s ch erscheint um 1'/» Uhr in» Saale. Am Miiiistertisch sind sämmlliche Minister ainvesend. Die Zu« gänge zun» Präsidium sind beiderseits durch Tküre» abgesperrt. Der Präsident ivird bei»» Be- steigen der Tribüne von der Linke» mit laute»» ironischen „Heil"- Rnfe» und sodann niil stürinischen„Psni"- Rufe» empfangen. Der Pcäsident»vill spreche». Abgeordneter Wols r»st:„Ei» andexr soll das Präsidium führen, nicht dieser Gauner!" Schönerer schreit:„Ich verlange das Wort, das mir nach den. Recht grbührt I" Wols ruft:„In diesem Hanl« gi-bt eS kein Recht mehr; es»vurde mit Füße» getrele»; ferne Maiiielnken lh»>» das a.ich."(Lärmende Zwischenrufe links n»d aiihaliender Lärm.) Der Präsident erklärt, angesichts des Lärmens unterbreche er die Sitzung bis 3 Uhr.(Hurrahrufe und Bravo links.) I» der Pause erfährt ma», daß seitens der Majorilätsparteie» heute Vorinittag der Beschluß gefaßt»vurde, in der heutigen Ab- geordiieleuhaiis-Sitzung folgenden Antrag ei»z»bri>»ge»: Aufhebung der bestehenden Geschäflsordnung und Einführung einer provisorische» Geschäftsordnung, i» welcher u. a. die Be» s e i t i g u n g der namentlichen A b st i m in» n g e n, die Einräumung deS Recht« für den Präsidenlen, ans 3 für das Hans, auf 30 Tage für die Abgeordnete» mit gleichzeiligen» Diätenverlust auszuschließen und Einführung«>»er ParlamenlS- wache gefordert wird. Außerdem wird die Einführung«»>« parlamentarische» Uiilersuchungskoinniissio" verlangt. Die Sitzung des Abgeordnetenhauses ivurde>»ii 3 Uhr 16 Min. »viedcr eröffnet. Der Präsident erlheilte zunächst dem Abgeordneleii Grase» Falkenhayn das Wort. Als Abg. Schönerer sprechen wollte, enlstand großer Tumult. Trotzdem fing Gras Falkeuhay» zu sprechen an »»d brachte den oben erivähmen Antrag aus Abaiibermig der Geschäfts. ordnung«in. Während der Verlesung dieses Aulrages herrschte kolossaler Lärm. Wols halt««»» Pseische» ans der Tasche gezogc»» und pfiff daraus. Trotz des Protestes der Linken erklärle der Präsiveu». dal, die Mehrheit des Hatlses den Antrag aiigeuoinnie» habe. Hieraus entstand großer Sturm. Mehrere Abgeordnete schickte» sich an, die Präsidentecktribüiie zu stürme»,»vnrde» jedoch von den dort postirte»» Dienern zurückgeiviesen. Nunmehr richtete sich die Wnth der Minorität gegen den Ministerpräsideute» Badem, so daß derselbe »eliriren und de» Saal verlasse» mnßle. Schließlich ivurde doch die Prästdentenlribüne gestürmt nnd Abrahamowiez vom Präsidenlensessel geworfen. Er flüchtete, kehrte jedoch bald»vieder zurück und schloß die Sitzung. Fortsetzung morgen Vormittag 11 Uhr. Wie im Abgeordneteiihans verlautete, sind die vereinigten Oppo, sitionsparleien entschlösse», falls von der abgeändeiten Gcschästs- ordiinng Gebrauch gemacht»vud, de» R e i ch s r a t h zu ver» lasse». Wien, 25. November. Gerkichtmeise verloutet, daß die Staat?- amv.Ulschafl es abgeletmt hat, die vom Präsidium des Abgeordneten- baiises geforderte Untersuchung gegen einzelne Abgeordnete einzu- leiten. Staatsanwalt Bobies thetlle heute Vormittag dies dem Justizminister mit. ttngarn. Budapest, 24. November. Ein Duellant im Ge- f ä n g» i ß. Baron Bsla Atzsl, der sich feit vier Tagen im Ge- fängniß des Gerichtshofes für den Pester Landbezirl befindet, um eine wegen Dnellvergehens über ihn verhängte Strafe abzubüßen, wird fortwährend von zahlreichen Freunden und Belanmen aus- gesucht. Baron Atzsl ließ sich, da ihm dies gestattet wurde, seine eigenen Möbel ii� die ihm angewiesene geräumige Zelle bringen und ertrügt nun die Strafe trotz seiner Athinungsbeschwerden in würdiger Weise. Den Besuchern des Barons wird der Zutritt nur für eine bestimmte Zeil gegen Vorweisung eines vom Staatsanwalt Geguß unterschriebenen Erlaubnißscheines gestattet.-- Luxemburg. Luxemburg, 23. November.(Eig. Ber.) Heute begannen in der l»r.i»burgischen Kammer die Debatten über die Abänderung des Schulgesetzes von 1881. Zu der Gehallsaufbesserungs- Vorlage der Regierung hatten die Klerikalen voriges Fahr ver- schiedene sogenannte„Bessernngsauträge" eingebracht,»ach denen das Schulwesen wieder, wie vor 1831. der Geistlichkeit ausgeliefert werden soll. Während bisher der eigentliche Religionsunterricht ausschließlich Sache der Geistlichen war, soll hinfüro der Lehrer nuter Älnfstcht des Pfarrers mit dem Kalechisunis-Unlerrichl betraut tverden. Artikel 1 der„Besseriliigsauträge" lautet: «Auf Verlangen des Sliiltiischefs(des Bischofs) nimmt der Lehrer am Religionsimterricht theil. Er wirb mit dem Unterricht in der biblischen Geschichte betraut und sorgt dafür, daß alle Kinder regelmäßig die KatechismuSfragen lernen, die ihnen vom G e i st l i ch e n, der mit dem Religiös Unterricht betraut i st, aufgegeben werden Berichterstatter ist der katholische Geistliche Krier, der heute in beinahe zweistündiger Vorlesung den rein kirchlichen Etaudpunki vertrat. Ob die Vorlage zur Annahme gelangen wird, ist noch zweiselhaft. Jedenfalls stehen erregte Debatten bevor.— Frankreich. Paris» 24. November. Die mit der Prüfung des f r a u z ö s i s ch- d e u t s ch e n T o g o- A b k o m m e u s betraute Kommissto» der Teputirtenkammcr crtheille dem Abkommen ein- stimmig ihre Zustimmung. Zum Berichterstatter wurde Deloncle gewählt.— — Die D r e y f n S- A n g e l e g e n h e i t. Die Polizei nahm am Miltivoch in Begleitung eines Delegirtcn des Ministers des Innern eine Haussuchung in der hiesigen Wohnung des Oberst Picqnart vor. Es wurden ejnige Schristnücke beschlagnahmt. Die ,?lge»ce Havas" meldet, die'Anhänger des DreyfuZ betrachten die Revision des Prozesses als unvermeidlich. Es wird behauptet, die Enquete iverbe sich nunmehr in eine gerichtliche Nntersnchung verwandeln; von nun an werde General Pellieux als Untersulbungsrichter handeln; Picqnart werde als Zeugs vernommen werden und seinen Eid leiste». Ans eine Anzeige Eslerhazy's hin sei die Haussuchung bei Picqnart ans Beseht Pellieux' erfolgt, welcher bereits im Besitz eines vom Generat Saussicr ausgestelllcn Mandates gewesen sei, daS die Enquete in ein« Untersuchung umwandelte. Dieses neuerliche Vor- gehen, welches die öffentliche Meinung»»friedenstelle, er- inogltche zugleich dem Major Esterhazq, wenn er unschuldig besunde» werde, den Vorlh-tl eines Elnslellungsbeschlnss-s zu ge- nießeu. Man versichert, daß die Beweise, welche man in dem Material Scheurer's enlhalten glaubte, in Picquari's Besitz gewesen und infolge der Haussuchung in die Hände Pellieux's gefallen feien. Ferner ivird erzählt, daß Picqnart vor seiner'Abreise das erwähnte Zimmer in der Rn« Nvo» Villarceaux gemiethet habe, um dort die wichtigen Schriftstück« zu verberge». Dem„Figaro" zufolge verhört« General Pellieux gestern Mathieu Dretzsus, welcher zum erste» Male unter Eid vernommen wurde. Die Aussage» waren von größter Wichtigkeit. Niemand hat nun- mehr de» Wunsch, noch die Macht, die Affäre zu vertuschen. Pellieux wird zunächst durch Sachverständige die Schrift des Grafen Esterhazy mit dem Bordereau vergleichen lassen. Gegen- wärtig forscht Pellieux nach der Persönlichkeit, welche das Bor- dcrau seinerzeit dem Kriegsminister überbrachte, soivie danach welche Summe sie dafür empfing. Ferner beabsichtigt Pellieux. bei den verschiedenen Botschaften anzufragen, ob sie lhatsächlich gewisse Dokumente erhielten. Mehrere Btätter protestirten gegen die in Picquart'S Wohuung in dessen Abwesenheit vorgenommene Haus- suchung. Das«Bureau Herold" berichtet: Aus offiziöser Quelle wird gemeldet, die ganze Angelegenheit Drepfus werde Ansang nächster Woche erledigt werden, und der Kriegiminisier werde i» einer der ersten Kammersitzungen der nächsten Woche Erklärungen über das Prozeßverfahren bei der Verurlheilung des Exkapitiins Dreysus abgebe».— — Die Westafrikn-Differenzen, wegen deren seit einiger Zeit eine englisch-französische Konserenz j» Pnng tagt. sollen jetzt in beiderseits befriedigendem Sinne erledigt worden sein.— Besgie»«. — Di« W a h l b e w e g u n g hat begonnen, die Hälfte der Mitglieder der beide» gesetzgebenden Körperschaften mub neu gewählt tverden. Zum ziveiten Male wird das allgemeine, durch das Plura- litätssqstem herabgeminderte Stimmrecht zur Anwendung kommen Diesmal sind die stimmberechtigte» Bürger der Provinzen Lüllich' Hennegau, Ostfianbcrn und Limburg zur Wahl berufen. Was dieser Wahlbewe�ung ihre ganz besondere Bedcnlung und Schärfe giebt ist der Umstand, daß fast säinmiltche liberale» und alle sozialistischen Volksvertreter sich der Neuwahl zu unterziehe» habe». Die belgische Repräsentautenkaiumer zählt gegeuwärtrg III'Abgeordnete der katbolitche» Rechten und 41 liberal« und sozialistische Abgeordnete Davon scheide» jetzt ans 8» Klerikale und 38 Liberale und Sozialifte» so daß nur füns Mitglieder der Linken sich nickt der Neuwahl zu unter, ieben habe». Der Senat besteht aus 67 Klerikale». 83 Libe,al-u und 2 Sozialisten. Davon scheiden jetzt 23 Kterikale. 24 Liberale und 2 Sozialisten aus. Nur 7 Liberale unterliegen»ichl der Neu- wähl. Es steht ein erbitterter Wahlkampf bevor. Die Klerikale» und gemäßigt Liberalen mache» eine» heftigen Ansturm, um die Sozialisten aus de» gesehgebeuden Körperschafte» möglichst zu ver- dränge», während die Sozialisten sich anschicken, nicht nur ihre Sitze zu behaupten, sonder» auch neue Sitze z» gewinnen. Selbst bei große» Wahlersolge» der Sozialisten und der andere» Oppostlionelle» ist ein Sturz der klerikalen Herrschast vorerst nicht zu gewärtige». Etil Erstarke» der kalhotisch-sozialen Richtung bis zu den Wahlen könnte der belgische» Regierungsparlei gefährlich werden.— England. London, 25. November. In einer Ansprache an seine Wähler in Biriningha», erklärte der Slaalssekrelär für die Kolonie» C h a iii b e r l a i n, die Regierung werde die H e e r- S f r a g e in der nächsten Tagung des Parlaments zur Verhau dlnng bringen. Es bestehe nicht die Absicht, die Methode, nach welcher daS Heer gebildet wurde, zu ändern; aber die Regierung habe das Bestreben, das Heer so hinzustelle», daß es de» steigenden Anforderungen der Zeil gewachsen sei; des weiteren beabsichtige die Regierung, in der nächsten Tagung Irland eine Lokal-Regieriing zu geben, ebenso repräsentativ und vollständig wie in England und Schottland.— Spanien. Madrid, 25. Nov. Mehrere Mitglieder de? SevatS und der Kammer habe» den Ministerpräsidenten telegraphisch gebeten, die Autonomie nicht z» beschließen, ohne die Kammern gehört z» haben. Der Ministerpräsident hat bereits niehrere hundert solcher Tele- gramme erhalten. Die Ansfnhrinteresien stehen der spanischen Bourgeoisie höher als das Blut ihrer Soldaten und der Friede auf Kuba.— Türkei.! AuS Saloniki wird dem„Reuter'schen Bureau" vom 23. d. M. gemeldet, daß am Tage vorher drei Bataillone Infanterie mit der Eisenbahn von dort nach Uesküb abgeschickt wurden; gleichzeitig seien vier weitere Bataillone von Monastir nach Uesküb abgegangen. In Saloniki gehe das Gericht, daß unter den Albanesen in Prizrend, Djakova und Jpek große Erregung gegen die türkische Regierung herrsche.— Griechenland. Athen, 24. November. Deputirtenkammer. An der heutigen Sitzung nahmen mehrere Minister iheil, der Ministerpräsident Zaimis war jedoch nicht erschienen. Da die einzelne» Parteien sich in den Wandelgänge» der Kammer darüber geeinigt balten, daß der Bildung eines UntersuchungS-Ansschusies wegen der Vorkommnisse im Kriege keinerlei politische Bedeutung beizulegen sei, nahm die Kammer den Vorschlag an, einen auS zwölf Mitgliedern bestehenden Ausschuß zu ernenne», unler denen sich ei» Offizier, der Depulirt« von Turnavo, Oberst Lymbritis, befindet. Hieraus wurde ein Antrag auf Veitagung der Kammer gestellt. Der Jnstizminister Toman erklärte, es stände dem Hause frei, sich darüber zu entscheiden. Die Kammer beschloß darauf, sich zu vertagen; sie wird ihre Sitzungen wahrscheinlich erst nach Abschluß des endgiltigen Friedens wieder ausnehmen.— Amerika. Washington, 24. November. Zwischen Frankreich und den Vereinigten Siaaien soll nunmehr thalsächlich ei» Ueberelnkommen über die Reziprozität getroffen sein, Frankreich hat nur noch nicht seine Zustimmung dazu gegeben, die Einfuhr von Schlachtvieh unter gewiffen Elnschränkungen gegen Zugeständnisse seitens der Verelnigien Staaten zu gestatten.— Die demnächst ergehende Bolschaft Mac Kinleq's a» den Kongreß soll jedes Vorgehen, das geeignet wäre, die Lage auf Kuba zu verwickeln, solange Spanien Reformen durch- zuführen bemüht sei, als unraihsam hinstellen. Die Bolschaft werde die Freilassung der Mannschaft des«Compelitor" als einen dankens- werthen Alt bezeichnen, der eine Einmischung linnöthig gemacht habe.—_ Zn den„Nachklängen zum Tausch- Prozeß" sendet unS Herr M o i e s 31 i o ii W a g e n e r folgende Znschrifl: Eine wohllöbliche Redaklion des„Vorwärts" brachte in der Numiiier 274 vom 24. d. Mis. einen'Artikel„St a ch k l ä n g e zum T a u s ch- P r o z e ß", in welchem auch mein Name erwähnt wird. ch erkläre hiermit, daß die Angaben des sattsam bekannten ormaun-Schiimann, soweit dieselben meine Person betreffen, aus der Luft gegriffen sind und bitte eine wohllöbliche Redaktion, laut s 11 des Preßgesetzes um Veröffentlichung dieser ineiuer Erklärung. _ M. 31. Wagen« r. Nnrlamenkavifrhes. Der Vnudeöraih hat in seiner heutigen Sitzung die Vorlagen beireffend die Uebci sichl der Reiä sansgabe» und Einnahmen für das Etatsjahr 1896/37, den Gesetzentwurf>vege» Feststellung des Reicks- Hansbaitsctals für das Etalsjnbr 1693,99, die 'Ausprägung von Reichs Silbermünze», den Ges-tzeiilwurf wegen 'Aufnahme einer 3lnleihe für Zwecks der Verwalinnge» des Reiche Heeres, der Marine und der Reichs Eisenbahnen, den Gesetz- «ulivurf wegen Verwendung überschüssiger Reichseiiinahiiien aus dem Elalsjahre 1898/39, den Gesetzentwurf wegen anderweiliger Festsetzung des Gesaminlkonlingenls der Brennereien— den zuständige» Ansschnssc» überwiesen. Ferner wurde dem 3lnssch»ß- bericht Über den Entwurf des Etats, betreffend den altgeineinen PensionsfondS zum Reichshaasballs Etat für 1898/99 soivie dem Ansschußberichl, bclr-ffead Entwürfe von Etats zum Reichshanshalls- Etat für 1898 99, und zivar über den ReichS-Jnvalidenfonds und für die Verwaltung des ReichSbeeres die Zustimmung«rthellt; ebenso dem 3lussch>ißber>cht über de» Euiwurf des Etat« der Marineverwalliing zum Reichshanshilts-Etat für 1898/99 soivie dem AiiSschiißdericht über den Enlwnif de? EtalS der Post- und Telegravhen-Berwaltiing zum Reichshaushalls-Eint für 1838/33. Von den ÄluSschußberichien über Entivürse von Eiats ziu» Reichs- hauSbalts-Eiat für 1898 39 wurde der des Ansivärtigen Amtes abgesetzt und die des Reichsamtes des Innern, des Reichsschatz- ainles, des Neichs-Eisenbahnainies und der Rcichsdruckerci ge- nehmigt.—_ z>0lrkeL""Nc»chvii!s!ken« Parteilitcratur. Der„ 31 rbciter- Notizkalender für 1393", der sich durch seine Wahltabellen zc. als praktisches Handbuch für die nächsten Sieichslagswahleu erweist»nd wegen des ihm bei- Segedenen'Ildreffenverzeichnisses der GewerkschaftSorgaiiisalionen und abrikinspeklore», soivie wegen der Zlbhandlung über Rechte und Pflichte» der geweiblicheu'Aibeiter als ein auch für die Gewerk-chalts- Mitglieder nützliches Nach'chlagebuch bezeichnet werden darf, hat in der deutschen Slibeilerschast die beste Aufnahme gesunden. Die erste 15 0110 Exemplare starke'Auflage ist völlig vergriffen. Der Verlag, die Buchhandlung Vorwärts in Berti», hat soeben die zweite Auflage herausgegeben. Tie Redaktion der„Renen Welt" wird am I. April 1893, z» welchem Zeitpunkte Genosse Edgar Steiger von seinem Posten zurücktritt, von dein Genossen Nikolaus K r a» ß in Berlin übernomincn werden. Als Reichstags- Kandidat für Stettin wurde in einer Volk-versammlnng der bisherige Abgeordnete Herbert einstimmig wieder aufgestellt. Aus Brandenburg wird uns die freudige Kunde, daß bei den Stadlverordnete»wählen der 3. Abtheilung, die gestern nach dreitägiger Dauer beendet ivnrden, die Sozialdemokialie eine» glänzenden Sieg errunge» hat. Unsere 6 Kandidaten, die Partei- genossen Theodor Hnth, Hermann Neu deck, Friedrich Schnelle.OtloSido iv.GustavSuhle und KarlThiele sind gewählt. Ferner daben wir eine» großartigen Znivachs anSlimine» zu verzeichnen. Während bei den früheren Wahle» unsere Partei immer sehr schlecht abschnitt und noch vor zivei Jahre» die Zahl der sozialdeuiokratischen Stimmen nur 275 betrug, während die Gegner 673 aufbrachten, erhielte» wir diesmal 795 Stimmen, die Gegner(die Liberalen und der Hani-besitzer-Berein) ober nur 586. Bereits am ersten Tage der diesmaligen Wahl war unsere Stimmmzahl höher als die Zahl der im Jahre 1892 tnSgesammt für uns ab- gegebene» Siiinme». Das Wahlergebniß stellt der Rührigkeit unserer Parteigenosten in Brandenburg das beste Zeugnib aus und e> öffnet erfreuliche 3l»sstchten auf einen ebeuso gute» Verlans der nächsten Reickstagsivahl. Bei der Stadtverordnetenwahl tn Luckenwalde bat unsere Partei i» der drillen Klaffe einen vollständigen Sieg er- fochten. Wie nnS eme Privaldepefche meldet, wurden die sozial- deniokralische» Kandidaten tzeinr. RodeS, Fritz Gerischer und Franz Voigt sänimllich gewählt und zwar mit großer Stimmenmehrheit. Tie Stadtverordnetenwahl in Maadeburg-Buckau endete mit dem Siege nnscres Pnrieigcnosfeu Gärtner. Von 6396 Wahlberechiigten stimmte» 2243, davon 1103 fiir Gärtner. Der bisberige Inhaber des Mandats, Gsnosfe Klees, erhielt im Jahre I89i 977 Stimmen. Bei der Ersatzwahl tni Jahre 1893 unierlag unser Kandidat Bremer mit 736 Stimmen. Gegen 1391 hat die Sozialdemokratie 176, gegen 1393 aber 417 Stimmen gewonnen, während die Gegner seit 1893 nur um 17 Stimmen zunahmen, obivohl sie gemeinsam gegen unS voigegangen waren.„Die Wahl ist", so schreibt die „Volksstimme",„zugleich eine Antwort ans die Verfolgungen derArbeiter und ihrer Institute. Es herrscht in Arbeiierkreisen ungeheure Erbitterung über die polizeilichen Maßnahme» gegen die Arbeiter und deren Organi- sationen, gegen die„Volkssiimme" und gegen die Buchhandlung. Die Aufregung stieg, al? der neueste Prozeß wegen Veröffentlichung von Quittungen bekannt wurde, als bekannt wurden die Vorgänge vor der Buchhandlung der„Volksstimme". Und die Antwort wird noch vernehmlicher klingen am nächsten Wahllage. Man mag gegen uns unternehmen, was man will— es gelingt nichts mehr." In Velbert in der Rheinprovinz wurde zum ersten Male ein Sozialdemokrat als Vertreter der dritten Klasse in die Stadt- Vertretung gewählt. Bon der Agitation. Der Parteigenosse Johannes Timm aus Berlin unternimmt im Dezember eine 31gitalionstollr durch die R h e i n p f a l z. Die Parteigenossen im Wahlkreise Koburg sind bereit? in lebhafter 3lgitation für die ReichstagSivahl begriffe». Vom 30. Oktober bis 14. November sprach der Kandidat des Kreises, Genosse Krüger aus Halle, in 13 Versammlungen, die mit wenigen 'Ausnahmen gut besucht waren. Tie sozialdemokratische Fraktion deS badischen Landtages hat zu ihrem Vorsitzenden Dreesbach, zum Schrisisührer Adolf Geck gewäblt. Alle Briefe sind an letzteren zu richten. Polizeiliches, Gerichtliches«. — Reichstags-Abgeordneter 83 neb hatte auf Montag Abend eine Volksversammlung nach M a r! i r ch einberufen, wo er über seine Thäligkeit i» der letzten Session des oberelsässischen Bezirks- tages referiren wollte. Vom Bezirkspräsidinm wurde jedoch die eiforderliche Genehmigung hierzu versagt. Es wird demnach im Geiste Pnilkamer's ruhig weiter„regiert". — Redakteur Gewehr von der Elberfelder„Freien Presse" wurde wegen Beleidigung eines Sergeanten des Bezirkskommandos in Lennep vom Landgericht in Elberseld zn drei Monaten Gefängniß und der Einsender der inkriminirten Notiz. Genosse Künstler aus Lennep, zu sechs Wochen verurtheili. Der Staatsanwalt hatte aeze» Gewehr nur zwei Monate, gegen Künstler nur«inen Monat Gefängniß beantragt. Unser Elberselder Bruderorgan ineint hierzu, der Dnell-Erlaß des Justizininlsters, worin recht empfindliche Be- sirafung von Beleidigungen anempfohlen ivird, scheine schon seine Wirkung zn ihn». — Die in Kiel erscheinende„Schleswig-Holsteinsche V o l k s z e i t n n g" halte in einem 3IrtikeI. überschrieben:„Vom 'Ansehen des Deutschen Reiches", das Deutsche Reich mit einem brutalen Gendarme» verglichen, den jeder fürchte, aber niemand achte. Der Redakteur Karl Korn wurde darauf angeklagt, 'ämmtliche preußische Gendarinen beleidigt zn haben. Das Land- aerichl»ahm dies aber nicht an, sondern erkannte auf Freisprechung. Die Revision, die der Siaatsanivalt gegen das Urtheil einlegte, ist jetzt vom Reichsgericht abgeiviesen worden; auch der Neichsanwalt vertrat sie nicht. — Ueber die p o l i z e i l i ch e Bewachung ihrer B u ch'« Handlung schreibt die Magdeburger„ V o l k s st i in m e" in der Donnerftagnunnuer:„Der Doppelposten steht noch! Seine 'Ablösung erfolgte präzis II, 2»nd 5 Uhr. Um 8 Uhr abends wurde er aufgehoben. In der Zeit von 8 Uhr früh bis 3 Uhr abends sind wiederum eine Anzahl große und kleine Ltinder von den Schanfeuster» getrieben worden, selbst Mütter mit Säuglingen auf -ein 3l>me inußie» den Platz säubern. Da gab es wieder manche heilere Szene. Wir hatten die'Absicht, den Beschiverdeweg zu betreten. Doch wir sind davon abgekommen. Wir haben wahrgenommen, daß seit Montag der Geschäftsgang der Buchhandlung sich wesentlich ge- Hobe» hat. Die Einnahmen vom Montag und Dienstag übersteigen die Einnahme» der voraufgegangeiie» Tage um ganz bedeutende Summe». Wir wären Thoren, auf diese Euinahmen so mir nichts dir nichts zu verzichten. Uns genirt schließlich der Doppelposten auch gar nicht. Er mag stehe» bleiben, so lange die oberste Polizei» behörde es für gnt befindet. Schließlich gewöhnt sich auch das Publikum hieran und findet sich mit uns über die erzieherische Thätigkeit der Polizei ab. Die Polizeibehörde würde ihre Ausgabe»och besser erfüllen können, wenn sie den Schntzniannspoften bereits um>/28 Uhr anfzieben ließe. Zwischen l/s3»nd 8 Uhr stehen fortgesetzt Kinder vor den Schaufenstern und besehen Bilder ans folgenden Werken: Der Mensch und seine Rassen, Die Thierwelt. Die Geschichte der E-de, Die deutsche Literatur. In Nach! und Eis von Nansen. Die Pflanzenwelt, Die Eleklnzität, Neiie Wellkalender. Außerdem liegen Landkarte» aus." 3lngesich!s der Berichte über das außergewöhuluh floite Geschäst, das die Buchhandlung der Magdeburger„Volks- ftimine" infolge der polizeilichen Maßnahme» jetzt macht, bricht das „Vollsblait von 3lnhalt" tn den Ruf aus:„Heulen möchte man vor Neid ob des Schiveineglücks unserer Magdeburger Genosse»." — Die Wiener„3l r b e i t e r- Z e i t» n g" hatte einen Kadettosfiziers-Siellvertreter beschuldigt, zwei Soldaten durch Lauf» ichrill körperlich voliständtg erschöps, z» haben. Der Verfasser der Notiz Halle sich absichtlich jedes Ausfalls auf den Mililarismus enthalle» und den betreffenden Kadelte» geradezu als einen Schäd» ling des Militarismus hingestellt. Dennoch wurde ans Betreiben der Militärbehörde vo» der Slaatsanwaltschast gegen den verantwortlichen Redaklenr Radiinsky und gegen den Versasser der Notiz 3l»klage wegen einer„verhetzende» und das Volksgeinüth auf- reizenden Kniidgebung gegen die gesammle österreichische Armee" er- hoben. Das Wiener Geschworencngerichl that der Militärbehörde aber nicht den Gefallen, sondern sprach beide 3l»geklagts frei. — Ans Budapest wird gemeldet: Auf 3lnordn»ng der Staats« anwalischaft Hai die hienge Polizei vor kurzem etwa 10000 Exemplare der sozialistischen Schrift„Die Sozialisten kommen" konfiszirt. Trotzdem wurde eine ganze Menge von Exemplaren mit der Post an die Gesinnungsgenoffe» in der Provinz defördert, weshalb der Handelsniinifter die Postämter ongeiviesc» hat, die fragliche Broschüre nicht zu besöcder», sondern einfach zu koiifisziren. Gewevkfchaftlichies. Berlin»iib Umgebung. Tie Tischler der Firma Eberhardt haben sich jetzt mit den Vorschläge» des EinigungsamleS einverstanden erklärt und ist der Streik somit beigelegt. Tic Möbelträger der Firma Black, Nachf. Plessow, Kronenstraß«, haben heute Morgen, 42 an der Zahl, die 3>rdeil ein- gestellt. Es war ihnen für die 5 Tage, während welcher sie den Umzug der Firma Wert heim beiverkstell igten, vo» der oben be- zeichneten Firma pro Tag 5 M. Tageloh» versprochen worden; nach Schluß dieser'Arbeil sollten sie jedoch nur 4 M. pro Tag er- balten. Darauf legten sämuitliche 42 die 3lrbeit nieder.— Hoffentlich werden die 3lrbeiter ihr Recht am Gewerbegerichl suchen. Achtung, Vergolder l Die Kollegen werden ersucht, sich an der Delegirlenwabl zur Ortskrantenkaffe am Montag, den 29. d. M., bei Slabernack, Jnselstr. 10, recht zahlreich zu belheiltgen.— Die Kollegen in der Rahmenbranche werden auf das Inserat in der Heuligen Nummer aufmerksam gemacht. Die 3lgltations» k o m m i s s i o n. Tie Mitglieder des Verbandes aller im Handels-»»d Tranöportgeivcrbe beschäftigten Hilfsarbeiter werden ersucht, sich behufs Feststellung derjenigen Firme», die den gesetzlichen Be- stimmnngen über die Sonnlagsruhe im Handelsgewerbe zuivider an Sonntaaeii zivlfche» 5— 7 Udr Packele durch ihre Hansvicner auf de» Postämter» aufgebe» lassen, sich am Sonntag, den 23. d. MtS., nachmittags 4 Uhr, bei Pinzer, Fricdrichsgrncht 16, ei»z»fi»deii. Der Vorstand. Wege» Maßregelung eines 3lrbeiters sind in der Blech- emballagen-Fabrik von Runge Differenzen ausgebrochen und wird um Fernhalte» des Zuzugs gebeten. Ter BertranenSmann fiir die Leder-«nd Galanterie» waarrn-Branche heißt nicht Heinschlld, wie es in der gestrigen Notiz hieß, sondern W e i n s ch j l d, Oppelnerstr. 24. TentschrS Reich. Der Vorstand des Buchdrucker- und Schriftgicßer- Verbandes erläßt folgende Bekanulmachun�: Die fortgesetzt sich steigernde Zahl der 3l>ierkemiu»gen des Tarifs liefern den Beweis, daß die vereinbarten Lohn- und Slrbeitsbedingungen den verschieden- Artigen Verhältnissen anAepnßt sind und daß eS daher dort, ,vo der Tarif noch nicht zur Einführung gelangte, zum Iheil an dem mangelnden guten Willen der Prinzipale, zum theil an der erforder- lichen Energie der Gehilfen fehlte. Die jetzt begonnene bessere Geschäftszeit läßt es geboten erscheinen, an denjenigen Orten, mo die Einführung des Tarifs noch zu wünschen übrig läßt und wo i» Verbindung mit de» betreffenden Vorstände» die erforderlichen Vorbereitungen getroffen sind, an die Prinzipale wegen Anerkennung des Tarifs heranzutreten. Wir empfehlen daher den in betracht kommenden Personalen, in der ersten Woche des Dezember eine Er- klärung von den Prinzipalen wegen Einführung des Tarifs zu fordern. Bei nicht befriedigenden Antworte» sind weitere Maß. nahmen im Einvernehmen mit dem zuständigen Ganvorstande zu ergreifen. Wie bürgerliche Blätter über ArbeitSciustellnilgen bc- richte». Vor kurzem ging durch die bürgerliche Presse eine Noiiz, in der mitgeteilt wurde, daß die Putzer und Schleifer der Uhr- kettenfabrik von Wagener in O b e r st e i» eine Lohnerhöhung von Ill pCt. fordern und deshalb in den Ausstand eingetreten sind. Die Mittheilung klang sehr unwahrscheinlich, da angeblich die'Arbeiter 30, 40. sogar 50 M. Wochenverdienst haben sollten. Man bedenke. in einem kleine» Städtchen im Fürstenthuui Birkenfeld giebt es Arbeiter, die über einen so rcipeklabten Lohn verfügen und trotzdem streiken. Wer unsere Arbcilerverhältnisse kennt,»mißte sich sofort sagen, hier»vird den Lesern»viederum eine faustdicke Lüge aufgetischt, die natürlich zeigen soll,»vas für unerhörte Forderungen die Arbeiter an die armen Fabrikanten stellen. NU» stellt sich aber heraus, von de» 20 in dieser Fabrik beschästigten Arbeitern, die schon 2—10 Jahre in dieser Fabrik beschäftigt sind, erhalten zwei 17,40 M., fünf 15,60 M.. drei 15 M., fünf>3,80 M., einer 14.40 M., zivei 12 M., einer 9 M. und einer 7,50 M. pro Woche. Die Diffe- renzen in der Fabrik entstanden dadurch, daß ein Arbeiter, der soeben in die Fabrik eingestellt ivar, einen höheren Loh» bekam als die übrige» in der Branche. Dies betrachteten die Arbeiter als eine Zurücksetzung und verlangten eine gleiche Bezahlung. Die Differenzen sind mittlerweile beigelegt. Lehrreich ist es aber, i»it welche» Mitteln von einer gewissen Presse die Hätz gegen die Arbeiter gelrieben lvird. SluSland. Tic Grazer Fahrrad-Fabriken vo>» Puch u. E o. und Franz sperrten ihre sämmtlichen 700'Arbeiter ans, weil sie am Dienstag Nachmittag an dem Leichenbegängnisse eines bei den Ausschreilungen am vergangenen Sonnabend getödtcle» Arbeiters theilgenommen hatten. Die Fabrikanten hatten»rnr die Entsendung von Depntationen gestattet. GvvhJzks�Ävikirntg» Tie Hanptverhandlmig gegen Bruno Wille vor dem Landesgericht in Graz findet am 29. d. M. statt. Wille wird bc- schuldigt, durch Reden, Ivelche er in öffentlichen Bersammlnngen i» Wien am 27. Juni und in Graz am 2. Juli d. I. gehalten hat, versucht zu haben, Nnglanben zu verbreiten und die Lehren, Ge- bränche und Einrichtungen der vom Staate anerkannten christlichen Kirche und der jüdischen ReligionSgenvsscnschast herabzmvürdigen, und sich hierdurch des Verbrechens der Religionsstörung und des Vergehens gegen die öffentliche'Ruhe und Ordnung schuldig gemacht zu habe». „Grober Ilufug". Wie»vir in Nr. 237 berichteten, ivar der Marirer Gramm von» Schöffengericht zu Spandau zrr 2 Wochen Hast verurtherlt worden,»veit er während des dortigen Maurer- streiks in» August v. I. zu einigen Bauarbeitern gesagt hatte: Guten Abend. Seid Ihr Maurer?— Nach der'Aussage des Maurermeisters Hoffmann sollte er auch noch gesagt haben„Ihr »verdet doch nicht"; das Amtsgericht Spandau war indessen der Ansicht, daß Gramm auch strasbar sei, ivenn er nur die ersten Worte gesprochen haben sollte. Als strasschärsend zog das Urtheil in. betracht, daß„das Verhalten des Angeklagteii einen Angriff auf die bestehende Gesellschaftsordnung enthält, denn das Gericht erblickte in der Handltnig des Angeklagten das tadelnsivertho Verhalten eines Aufwieglers, der andere ehrliche Leute von der Arbeit abhält und ihnen Ungelegenheiten bereitet. Gegen dies Urtheil hatte Gramm Berufung eingelegt, über die vor der vierten Strafkammer des Landgerichts II an» 24. November verhandelt»viirde. Der Maurer Wiese bestätigte, daß Gramm sich in durchaus höflicher Weise einem der Arbeiter von der Seile ge- nähert und ihn gefragt habe, ob er Maurer sei. Mehr halte der Zeuge nicht wahrgenommen, namentlich hatte er sich so»venig belästigt ge- führt,»vie irgend ei» anderer Kollege. Der Verlheidiger, tliechtsauivali Heine, beantragte die Frei- fprechnng und griff den Standpunkt des Amtsgerichts Spandan in dieser Sache kräftig an. Es sei unzulässig»ind rechlsirrthümlich, es eine„Aufiviegclung" zu nennen,»venu ei» Arbeiter von seinem gesetzlich garantirtcn Rechte Gebranch mache und andere in fried- licher Weise anrede, um sie zur Niederlegung der Arbeit zu be- »vegen. Der Vertheidiger erläuterte auch in» einzelnen, daß hier keines der Erfordernisse vorhanden sei, ohne die ein grober Unfug nicht angenommen»verde» könne. Es habe sich nicht um Interessen des Publikums, sondern um ganz private Interessen eines Maurermeisters gehandelt. Die Worte des Aiigeklagten hätten keine Ungebührlichkeit in der Forin dargestellt und nicht den öffentlichen Friede» gefährdet, namentlich seien auch nicht die Empfiudnugeu des gesitteten Theils des Publi- ktnns verletzt»vorde»,»vedcr unmittelbar, was erforderlich sein ivürde,»och mittelbar, denn gesittete Menschen könnten eben keinen Anstoß daran nehine»,»verni ei» Arbeiter im Lohnkampfe die- selben gesetzlichen Mittel anivendcte, um andere zu über- zeugen und zu geiviunen, deren Anwendiuig jede Partei als gestaltet i» Anspruch nähme. Der Staalsanivalt beantragte, die Berufung zu veriversen, jedoch ohne einen Versuch zu inachen, dies zu begründen. Das Gericht ivar derselben Meinung»vie der Vertheidiger über die Nnanivendbarkeit des Paragraphen von» groben Unfug und sprach den'Angeklagten frei. Wege» Vergehens gegen den bcr— llhmtcn tz ISS der Gewerbe-Ordnung ivar der Metallarbeiter Taubert i» Forst angeklagt»vorden. Ende April d. I. streikten in Forst die Metall- arbeiter, im» eine kürzere'Arbeitszeit zu erringe». Natürlich fanden sich auch hier Streikbrecher, denen an einer Ansbesferung ihrer Lage nichts gelegen schien Als diese Leute eines abends die Arbeitsstätte verließen, wurden sie von Streikenden angesprochen, die sie über die Nvthivendigkeit der Solidarität aller Arbeiter aufkläre» wollten. Taubert ließ sich dabei hinreiße», ihnen über ihr Verhalten Vorwürfe zu mache». Schöffengericht und Landgericht nahmen als er»viesen an, daß er beleidigende Ausdrücke gebraucht und zu einem Arbeitsivilligen geäußert habe, eigentlich wäre er , verth, geprügelt zu»verde». Die Gerichte zogen daraus den Schluß, daß Tanbert den anderen durch Drohungen und Ehr- Verletzung habe bestimme»» wollen, an einer Verabredung zur Er- zielung günstiger Arbeitsbedingungen theilzunehme». Er hätte dem Manne die Freiheit, zu arbeiten,>vo er mochte, beschränken wollen, und der Z 153 der Geiverbe-Ordnung sei deshalb anwendbar. Der Angellagte wurde zu einem Monat Gefängniß vernrtheilt. Erlegte Revision ein, indem er u. a. geltend machte, ein Vergehe» gegen ß 153 sei schon darum r e ch t s i r r t h ü n» l i ch angenommen»vorden, weil die Feststellung fehle, daß er den Kollege» durch sein Ver- halten habe zwingen»vollen, ebensalls zur streiken. Diese Annahme des Landgerichts werde noch nicht durch dessen Fesistellnng gerecht- fertigt, daß er ge»villl gewesen sei, jenen Kollege» in der Freiheit, zu arbeiten,»vo er»volle, zu beschränken. Im übrigen bestritt Angeklagter überhaupt die ihm zur Last gelegten Reden. Der Oberstaalsanivalt beantragte die Zurückweisung der Revision und das K a n, in e r g e r i ch t erkannte demgemäß in seiner gestrigen Sitzling. Das Landgericht sei sehr»vohl berechtigt geivese», anzunehme», daß es das Bestrebe» des Angeklagten geivesen ' Lerantwortlicher Redakteur: Angnst Jacobe», in Berlin. Für den Jme' sei, die Nichlstreiker zur Theilnahnie am Streik zu veranlassen.-- Dieser richterliche Spruch erscheint uns durchaus anfechtbar. Die Pflicht des Ehemanns zur Unterhaltung der Familie ist,»vie folgender Fall zeigt, eine ziemlich»veilgehende. Der Metall- arbeiter W. war von seiner Frau verlasse»»vorden; die Gattin halte ihre beiden Töchter im Aller von 6 und 3 Jahren mit sich genommen. Sie suchte sich durch eigene Arbeit»veiter zu helfen, konnte aber doch nicht soviel erwerben,»vie zu ihrem und der beiden Kinder Unter- halt nolhivendig»var. Die Frau kam deshalb bei der Armen- direktion um eine Unterstützung ein, die ihr dann auch gewährt»vurde. Die Armendirektion verklagte aber darauf den verlassenen Ehemann, der einen auskömmlichen Verdienst hatte, auf Ersatz ihrer Auslagen. W. wurde auch vernrtheilt. Einige Zeit darauf wurde er von der Behörde vorgeladen, über seine Ver- Hältnisse zu Protokoll vernommen und darauf aufmerksan» gemacht, daß man gegen ihn strafrechtlich vorgehen»vürde,»veu» er die Kinder nicht unterstütze. W. lehnte es ab, die Kinder zu unter- stützen, so lange sie bei der Mutter bliebe» und ver- langte, daß die Mädchen zu ihm käme», darauf erhielt W. eine Anklage wegen Vergehens gegen den§ 361 Abs. 10 des Str.-G.-B., wonach bestraft werden kann,„»ver, obschon er in der Lage ist, diejenige» zu unterstützen, zu deren Ernährung er verpflichtet ist, sich der Unter- haltnngspflicht trotz Aufforderung der zuständige» Behörde derart entzieht, daß durch Vermitlelung der Behörde fremde Hilfe in An- spruch genommen»verde» muß". W. berief sich darauf, daß er ja die Kinder habe zu sich nehmen»volle» und daß feine Frau nicht bei ihm wohne; das Schöffengericht verurlheitle ihn jedoch zu einer Woche Gefängniß,»velche Strafe das Landgericht in eine Geldstrafe vo» 30 M. nmwandelte. W. legte darauf»och die Revision ei», hatte aber keinen Erfolg damit. Das Kanmiergericht verivarf das Rechtsmittel mit der Begründung, daß hier ß 361 Abs. 10 ganz richtig angeivendet»vorden sei. Ei» Banunglilck beschäftigte gestern die vierte Strafkammer des Landgerichts 1. I» der Lindenstraße»vurde ein Bau ansge- führt, der au» 16. August d. I. soweit gediehe»»var, daß schivere eiserne Träger in Höhe des ersten Slockiverks auf das Mauerwerk gelegt»verde» sollten. Es geschah dies mittels eines Krahns. Einer der Träger»var bereits an Ort»nd Stelle, lim den ziveiten hochziehen zu können, mußte der Krahn, der auf'Rollen stand, etwas vorgeschoben »verde». Die Spitze des Krahns stieß gegen den bereits aufgelegten Träger, dieser fiel herunter und dcm Hansdiener Hermann Müller, welcher univeit des Krahns auf dem Erdboden saß. über beide Oberschenkel. Dem Unglücklichen»vnrde» beide Beine zerschmettert, er ist nach 10 Minuten verstorben. Für diesen Unglückssall wurde der Monteur Friedrich Hoest,»velcher im'Austrage der Firma Delchan das Aufziehen der Träger zu leiten halte, verantwortlich genmcht. Er führte zu seiner Entschuldigung an, daß er den Ver- storbenen,»velcher im'Auftrage seines in der Nachbarschaft wohneuden Dienstherrn de» Arbeitern Bier zu bringen hatte,»viederholt an fgesordcrt habe, den Bau zu verlassen. Dies sei noch geschehen,»venige Augenblicke bevor das Unglück sich ereignete. Der als Sachverständige vernomniene Ingenieur Kuhn begutachtete, daß dem Angeklagten der Borivurf einer Fahrlässigkeit nicht zu ersparen sei, der erste Träger hätte so- fort verschranbt»verde» müsse». Der zweite Sachverständige, Bau- rath Badstübuer, erkannte an, daß das vom Angeklagte» beobachtete Verfahren in Berlin zwar allgemein üblich sei, aber»vie der vor- liegende Fall beiveise. keine geiiugende Sicherheit gegen Unglücksfälle biete. Es sei»vünschensiverlh, daß eine Verordnung erlassen »vürde, ivelche vorschreibe, die Träger abzusteifen. Der Staatsanivalt beantragte gegen den Angeklagten eine Woche Gefängniß. während der Vertheidiger die Freisprechung beantragte, weil die Gutachten der beiden Sachverständigen über die Art, wie die Sicherheitsmaßregeln zu treffen seien, nicht übereinstiinmlen»md»veil der?lngck!agte den Verunglückten kurz zuvor fortgeimesc» hatte. Der Gerichtshof kam zu eiiicr Vernrtheilnng des Zlngeklagten,»veil dieser es doch an der»öthige» Sorgfalt habe fehlen lassen, obgleich nicht zu ver- kenne» sei, daß der Verstorbene selbst den größeren Theil der Schuld trage. Das Urtheil lautete auf einen Monat Gefängniß. Wegen fortgesetzter Verbreche» wider die Sittlichkeit, begangen an zehn israelitischen Mädchen unter 14 Jahren»nd einer israelitischen Sonntagsschülerin vo» 16 Jahren, wurde der katholische Lehrer Georg Schmitt von Hüttenheim vom Landgericht zu Würz- bnrg zu einen» Jahre sechs Monaten Gefängniß verurlheilt. Vevfsittttnlnngett. Tie Nothlage der Kinder»nd die Pflichten der Mütter lautete das Thema eines Vortrages, den Frau L i l r> Braun am Dienstag in einer zun» große» Theil von Frauen besuchten Volks- versa im»» lnng hielt. Die Rednern» trat dem noch oft von gegnerischer Seite erhobenen Borivurf entgegen, daß die Sozialdemokratie die Familie zerstöre»»volle, und»vies an der Hand eines reichen statistischen Zahlenmalcrials nach, daß nichts so sehr die Familie zerstöre,»vie der Kapilatismns, die heutige Wirlhschafts- Ordlinng, ivelche die Frauen»nd die Mädchen zivingt, in immer wachsender Zahl als J»d»strie-?lrbeiterin»en für de» Broterwerb zu arbeiten. Gegenüber dieser nicht»veg- znlengnenden Thalsache zeige sich so recht die Haltlosigkeit der i» bürgerlichen Kreise» verbreiteten und den Frauen gcprediglen An- schauung, daß die Frau ins Haus, in die Familie gehöre»nd sich um das öffentliche Leben nicht zu kümmern habe. Wenn man die Mädchen anf die Ehe veriveise, in der sie ihren eigentlichen Berits als Fran und Mutter zu erfülle» hätte», so sei zu bedenken, daß die proletarische Frau in gleicher Weise»vie der Man» für den Unter- halt der Familie eine Erwerbsihäligkeit ausüben müsse und daß so das viel gepriesene traute Heim zu einer bloßen Schlafstelle »verde. Die unausgesetzte, rastlose, oit gesundheitsschädliche Aibeit der Frau, die zu keiner Zeit eine Unlerbrcchnng gestatte,»virke natürlich auch anf den Gesundheitszustand der Kinder zurück. Das beiveise die Thatsache, daß von den proletarischen Kmder» im erste» Lebensjahre bereits 30 pCt., vo» de» Kindern der besitzenden Klassen dagegen»nr 8 pCt. sterbe». Wenn schon die Lage der ehe- liche» Mutter in» Arbeilerstande eine traurige sei, so sei dagegen das Look der unehelichen ein geradezu entsetzliches, da hier zu de»» materiellen Sorgen noch das Brandmal der Scha>»de komme,»velches die honette» Bürgersleute der unehelichen Muller ausdrücke». Die industrielle'Arbeiterin genieße zwar insofern einen gesetzlichen Schuh, als sie 6 Woche» nach der Niederkunft nicht beschäftigt»verde» dürfe und Anspruch auf Krankengeld habe, dagegen sind die ländlichen 'Arbeiterinnen i» dieser Hinsicht nicht geschützt und dem größlen Elend preisgegeben. Eriviese» sei, daß die Wohlihätigkeit sich aus keinem Gebiet unzulänglicher erwiesen habe, als auf de»» der Wöch»eri»»e»pflege. In ganz Deulschland gebe es nur zivöls Wöch»«rin»e»hei>i>e mit insgesammt 150 Betten. Die Frauen hätten ein siiecht, zu verlangen, daß sie i» ihrer Eigenschaft als Mütter geschützt und aus öffentliche» Mitteln— nicht in, Wege der Wohlthätigkeit—»»»terstützl»verde». Zivar seien die Frauen im öffenlliche» Leben rechtlos, aber sie seien nicht»nacht- los; sie könnten ihre» Einfluß anf die Männer ausüben»nd diese veranlasse», mit den» Stimmzettel in der Hand ihre Pflicht zu thnn und solche Vertreter z»»vählen, die für die Rechte des Proletariats und damit auch für die Rechte der Fran eintrete». Die bevorstehende» Stichivahlen für die Stadtverordneleu-Versammluiig diele» Gelegenheit zur Bethätignng nach dieser Richtung. Pflicht der Müller sei es. gute Schule» zu verlangen und tüchtige, leistungsfähige Lehrer, die nicht durch eine übergroße Schülcrzahl in ihrem Erziehungsiverk beein- Irächligt»verde». Wenn schon die Rrmuth der Eltern etivas Schreckliches ist, so ist die Roth der Kinder, ivelche ohne Frühstück in die Schule gehe» müffen,»och viel schrecklicher. dar»»» sei die Forderung durchaus berechtigt, daß die Kinder gesättigt iverden, und zivar nickt durch die Privalivohlthäligkeü, sondern anf Kosten des Sladtläckels. Ferner müsse verlangt iverden. daß, bis ein Reichsgesetz die Kinderarbeit verbiete, die Beschästigniig der Kinder vor der Schulzeit durch Orlsslalut»iiltersagt»verde. Wen» so die körperliche Wohlfahrt der Kinder gesichert sei. handle es sich darum, daß anck, der Geist recht gepflegt»verde. Es dürfe atenlheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck»nid Verlag von 3} den Müttern nicht gleichgiltig sein, wenn der Geist ihrer Kinder in der Schule durch religiöse Orthodoxie und politische Unduldsamkeit verdunkelt»vird. Den» mit allseitigem Beifall aufgenommenen Vortrage folgte eine lebhaste Debatte, die hervorgerufen »vurde durch einen Redner, der sich für die Religion, ohne die seiner Meinung nach kein Volk bestehe» könne, und für den Re- ligionsunterricht in der Schule mit Eifer ins Zs»lg legte. Fräulein Baader, Fran'Fahreinvald, Herr Hempel. Fräulein Aliinann soivie die Referentin verlraten demgegenüber den Standpnkt einer vernünftige», freien und toleranten religiöse» Auffassung. Die Ver- sainmlniig stimmte einer im Sinne des Vortrages gehaltene» Reso- liltion zu und endete mit einem Hoch auf die proletarische Frauen- be»vegui»g. Tie Schllhniachcr aus den Werkstätien in der Friedrichstadt hielten an» Dienstag bei Feuerslein, Alte Jakobstraße, eine gut be- suchte öffentliche Versammlung ab, in» z» dem Streik bei dem Schnhmachermeister P r i e st a p Slellnug zu nehmen. Die Ursache der iZlrbeilseinstellnug, an der 28 Arbeiter belheiligt sind, ist die Maßregelung eines Arbeiters. der sich gegen eine Lohnreduzirung lvmidte, und die univürdige Behandlung seilens des llnlernehmers gegenüber den übrigen Arbeitern. Räch den» Bericht»vurde ein Ar- beiter entlassen, weil er den Lohn für seine Arbeil verlangte, den er »ach dein im Jahr« 1396 festgesetzten Tarif zu beanspruche» hatte. Eine von de» daselbst beschäftigte» Arbeitern geivähüe Kominission versuchte die Differenzen beizulegen,»vnrde aber von dem UiiUrnehnier mit grobe» Redensarien abgeiviese», und ihr schließlich mit der Entlassung gedroht. Erst als auch der ziveite Versuch der Konunission, mit dem Unternehmer zu verhandeln, mißlang und sie wieder rcsultallos abzieben niußle, sahen sich die Arbeiler veranlaßt, die Arbeit einzustelle». Bisher hat es der Unternehmer mit dem Hmweis, daß es»nchts schadet,»venu die Geschichte etliche tausend Mark lostet, abgelehnt, auch mit den gesammteil Arbeitern zu verhandeln, und ebenfalls die Innung nicht als kompetent anerkannt. In der Diskussion lritisirtei» mehrere Redner das oft»villkürliche Vorgehen des Herr» Priestap b-i Festsetzung des Lohnes,»vobei er sich nicht selten um Pfennige mit de» Arbeitern hcrninstreilet. In der»veiteren Diskussion»vurde koiistalirt, daß die Ausständigen, die weiter keine Forderungen stellen, als die Wiedereiiistellang ihres gemaßregellen Kollegen und eine menschenivürdige Behandlnng, jederzeit zur Beilegung der Differenz geneigt sind, aber auch geivilll sind, ein- »nülhig ansznharre»', bis ihre gercchie» Forderungen von dein Unternehmer erfüllt»verde». Die sinanzielle Unterfliitznng für die Streikende» ist bcreils gesichert, da sich schon die Kollege» einer Anzahl großer Werkstätten i» der Friedrichstadl verpflichtet haben, pro Woche 1.50 M. zilr Unterstühilng abzuführen. Es gelangte so- da»» eine Resolution zur einstimmigen Aiinahiile, in der sich die Versammlling mit den, Vorgehen der Priestap'schen Arbeiler voll und ganz einverstanden erklärt und sich verpflichtet, dieselbe» moralisch und finanziell zu»nterstützen. Nachdem»och bekannt gegebe», daß am Montag im Klubhaus, Kominandantenflr. 72, eine Vereins- Versammlung siallfindel, und beschlossen»vorden»var, dieUnterftützungs- frage für die Streikende» durch die Agitationskonnuission gemeinsam mit de» Werkstälten-Vertranensmänner» regeln zu lassen, ersolgte der Schluß der Versammlung. Die Littzograptze»», Steinbrncker»»nd VerufSgenofse» hielten an» Mittivoch Abeiid in de»„Arminhallen" eine öffenlliche Versamm- Iu»g ab, in der S ch ö p k e über„Die neueste Uniernehmer- Organi- salio» nnd die Znknnst der Arbeiler" referirte. Er streifte eingangs die Kämpfe des Proletariats in» Alterthum, ging alsdann aus die der Neuzeit über,»im später die soeben ins Leben getretene Versicherungsgesellschaft der Uiiternehiiier gegen Streiks zu beleuchten. Soivohl das Einladnngs- forninlar als auch die öiede des Fabrikanten Weigert vor de» versanniielle» Arbeitgeber» gaben dem Redner Gelegenheit, das Vorhabe» der so oft vo» Hnlnanität faselnde» Kapitaliste» ins richtige Licht zu rücken. Der Allsspruch über„von» Zaune gebrochene Streiks" stehe niit den Thatlache» im stärksten Widerspruch, man bedenke»nr das brüske Verhalten der meiste»» Unternehmer bei Arbeiterbewegungen, die es oftnials unter ihrer Würde hielten, die Wünsche der Arbeiter persönlich entgegen zu nehmen. Daß den Uniernehnieri» die Abschaffung der Atkordarbeit „lächerlich" erscheine,»vird in Arbeiterkreise» nicht»veiter verwunder». Mit den» geplanten Ausbaue» der Einignngsämter könne sich die Ar- beiterschasl nur einverstande» erkläre». Mehr denn bezeichnend sei der Wunsch, Uebertrelungen des tz 153 der G.-O. strenger zu ahnde». Er resllmirt: Der Prozeß, der sich i» neuester Zeit in de» Reihen der Uiileriiehiner abspielte, niüffen alle Arbeiter zur Ueberzeugnng dringen. daß auch ihrerseits ein solidarisches Vorgehen geboten sei und zivar auf dem Wege der Organisalion. Tische ndörfer, zweiter Re- ferent, ist der Meinung, daß Streiks mit Hebung der Industrie nicht znzniiehme» brauchte»»vie dies leider geschehe; die Stärke der Organisationen mühte solche zu verhindern in» stände sein. Auch er ist für Einigungsämier und veriveist gleich seinem Vorredner ans die für die Arbeiterschaft höchst»vichlige Erscheinung: Unternehmer- koalition. Wenn auch nicht abzuleugnen sei, daß bei Ausstände» Fehler gemacht»vorde» sind, so inüsse man in Zukunft besorgt sein, solche zu vermeide», um dem Unteriiehinerthum nicht„ge- sundenes Futter in den Schoo» z»»verfen". Weiter er- wärmt sich Redner für Einignngsämter in» Sinne des der Buchdrucker. Redner ersucht am Schlnsse seiner Ans» führnngei», alle zur Verfügung stehende Kraft für den Ausbau der Arbeilerorganisatio» zu widmen, da allem Anscheine»ach große Kämpfe bevorstehen, allerdings inüssen dies« Organisationen frei von jedem politischen und religiösen Einfluß« sei». Vorstehenden Ans« führunge», schloß sich eine rege, sachliche Diskussion a», in der außer Tischen dörfcr sämmiliche Redner hervorhoben, daß die geiverkschafl- liche Beivegung mit der politischen Hand in Hand zu gehen habe nnd zivar sei dies die sozialdemokralische, solle erster« von Erfolg gekrönt sei». Die Versammlniig»iinmt atsdan» eine Resolution a», i» der sie betont, daß man in dem neuesten Vorgehen der Unter- nehiner ein»veiteres Kampfmittel gegen die Arbeiterschaft erblicke uud verpflichten sich die Anivesenden, mit allen zu Gebole stehenden Mitteln für Stärkung der Organisalion einzutreten. Schönebcrg. Am Montag, de» 22 d. M., fand iin Obst'scheu Lokale in der Grunewaldstraße, eine Versammlniig des Arbeiter- Bildungsvereins statt, in der Genosse O b st über die Stadtverordneten- »vahle» sprach. Schubert und Köster forder» die Mitglieder nochmals auf. kräftigst milzuarbeiten und zu agitire», damit di« sozialdemokratischen Kandidaten am Tage der Stichivahl als Sieger hervorgehe».—_ Depeftszen und letzke Muchvichken. Saga», 25. November.(W. T. B.) Ii» dem benachbarte»» Kniizeudorf brennt der Braunkohlenschacht der Lobser- Werke von Maier u. Co. Der Förderthnrm und die Schurre sind bereits voll- ständig eingeäschert. Die Belegschaft konnte bis aus etiva 9 Vermißte gerettet»verde»». Es sind Vorkehrungen zur Rettung der»och in» Schachte befindlichen Bergleute getroffen. Der Brand ist noch nicht gelöscht. Oclsnitz i. Vogtl., 25. November.(W. T B.) Heute fiiih 2 Uhr 43 Minuten»vurde hier ein»vellensörmiger Erdstoß verspürt. Wien, 25. November.(B H.) Heute Nachmittag hat sich der hiesige Fabrikbesitzer Julius Blau in seinem Geschäftslokal wegen Rückganges seiner Fabrik vergislel. Er»var, als Hilfe hinznkani, bereits todl. Budapest, 25. November.(B. H.) Der frühere Minisierial» rath Kassics ist,»vie die Blätter melden, unter Polizei-Anfsichl ge- stellt»vorden,»veil derselbe gedroht bat, aus den Honvedminister Fejervartz ei» Ailentat verüben zu»vollen. London, 25. November.(W. T. B.) Die durch das Handels» amt vermiltelle Konsereiiz der Maschinenbauer»nid ihrer'Iii beiler setzte heilte die Verhandlungen fort, ivelche nur zu einer schärfere»» Klarlegung der Differeiizplinkte dienten, ohne daß ei» Forlschrilt anf dem Wege zur Einigung gemacht wurde. ax Babing in Berlin. Hierzu 1 Beilage n. Unterhaltungsblatt. iit.276. u. mm. Dcillige des„Amiilts" Kerlmer WlltglllM. Atilxs, ZK. Uo«k«idcl l8g7. Anf znr Stichwahl Parteigenossen! AZruke finden in der 3. Abtheilung des 32., 34., 38. und 40. Konununal-Wahlbezirks die Stich- wählen zwischen den Kandidaten des antisemitisch- konservativ-! iberalen Kartells und den Vertretern der Sozialdemokratie statt. Der Mahlaltt dauert von 9 Uhr morgens bis 7 Uhr abends. Gegenüber der Koalition der gegen uns ver- einigten Gegner muß alles aufgeboten werden, Ilm den Sieg an unsere F-ahne zu heften, damit im Rothen Haus der Wille der arbeitenden Bevölkerung mit Nachdruck zur Geltung gebracht werden kann. Die Sozialdemokratie fordert gleiches Recht für Alle. Der im Rathhans Herr- scheilde Freisinn dagegen führt die Kommunal wirthschaft wesentlich zum Vortheil der besitzendell Klasse und macht die städtische Verwaltung seinen politischen Interessen dienstbar. Parteigenossen! Es ist eine Ehrenpflicht des 6. Reichstags- Wahlkreises, in dessen Herzen die vier Kommunal- Wahlbezirke liegen, dafür zu sorgen, dafi in dieser Hochburg der Sozialdemo- kratie auch für das Nathhaus nur Sozialdemokraten gewählt werden. Geilossen! Die Partei erwartet, daß niemand seine Pflicht versäumt. Laßt Euch nicht voll den Gegnern eillschüchtern; fürchtet Euch nicht vor der öffentlichen Stimmabgabe. Bekennt Euch alle- sanunt kühn und stolz als Sozialdemokraten, dann sind die Gegller bei so imposanter Kundgebung des Volkslvillens machtlos und der Sieg ist uns sicher. tllisere Kandidaten sind: 3S. Uvnlzlbezivlr Schneider Johannes Timm. 34. AVnlilbozivN Hutmacher H. Korgmann. 38. HVAhlbrzwk Gastwirth Christian Hilgenfew. 49. AVÄhlbezivk Rechtsanwalt Wolfgang Heine. Parteigenossen! Was am 8. November ver- säuillt wurde, muß heute, am 26. November, nachgeholt werden. Es war bisher unser Stolz und trug wesentlich zu unseren Siegen bei, daß sich bei jeder Gelegenheit, wo die Partei rief, opferbereite Genossen in genügender Anzahl fanden. Wir erwarten, daß uns auch heilte gellügend Kräfte zur Seite stehen, damit wir die Agitation in energischer Weise betreiben könnell. Von feiten der Gegner wird alles aufgeboten, um den Sieg zu erringen;— alle Jnteressen-Kliquen, alle ab- hängigen Leute, all' die Macht, welche die städti- scheu Aemter verleihen, werden aufgeboten, um die Geldsacksinteressen noch einmal zu wahren. Da ist es Ehrellpflicht der Genossen, mitzuwirken all dem Siege der Arbeiterklasse. Wer seine Rechte nicht wahrt, hat keine Ursache sich zu beklagen, denn er ist mit schuld daran, daß seine Brüder unterliegen. Die Abgabe der Stimme nimmt nur wenige Minuten in Anspruch. Diejenigen Wähler, die es irgend möglich machen können, wollen bis Mittag 1 Uhr ihr Wahlrecht ausüben, damit der Andrang gegen Abend llicht zu stark ist. Vorwärts zur Wahl! Diejenigen Genossen und Genossillnen, welche heute bei der Wahl mithelfen wollen, mögen sich in folgenden Lokalen früh �s8 Uhr einfinden: Brauerei Pfefferberg(Billardsaal), Schönhauser Allee, für den SS. Bezirk. E. D i e k e, Slckerstr. tS3, für den S4. Bezirk. Paul Jakob, Schwartzkopffstraffe 11, für den 38. Bezirk. Johau« Pfarr, Putlihstr. 10, für den 40. Bezirk. Mommunoles» Stadtverordnete»- Versannnlnug. O e f f e n t l i ch e Sitzung v om Donnerstag, 23. November. » a ch in i I t a g s 5 Uhr. Zur gemischten Deputation für die Berathung nber Errichtung eines Denkmals für die am 18. März 1848 Gefallene sind vor der Sitzung von den Zlblheilunge» 10 Mitglieder gewählt worden, darunter auch Sladiv. Singer. In den Ausschuß zur Norberalhnng der das Schulwesen betreffenden Anträge Borgmaun tritt an stelle des ausgeschiedenen Sladtv. Dr. Zadel der Sladtv. B r u n s. Die Verathmig der Ausschußvorschläge zu der Vorlage be treffend Abänderuiigen der Gehaltsordnung für d i L e h r p c r s o» e u an den G e m e i n d e s ch u l e u wird fort gesetzt. Nachdem in der vorigen Sitzung das Grundgehalt der definitiv angestellten Lehrer entgegen de» Aiisschnßanträge» auf nur 1000 M norniirt worden ist, gelangen deute einsprechend dein Antrage Cassel bezw. der Magislratsvortage die niedrigeren Sätze auch für die einst- weilig angestellten Lehrer(800 M) zur Annahine. Für die Rektoren hat der Ausschuß ein Grundgehalt von L300 M. vorgeschlagen; die Vorlage wollte es bei dem geltenden Satz von L000 M. belassen. El Cassel will 2200 M. bewilligen, ivofür sich die Mehrheit entscheidet, nachdem der Antragsteller sich bemüh! halte, die Vorzüge dieses Antrags in ein möglichst günsliges Licht zu stellen. Für L e h r e r i n n en soll das Grundgehalt»ach den AnSschnK anlrägcn 1000(Vorlage 900), die Miethsentschädigniig 400(300) M betragen. Die Altersziilagen sind in der Vorlage auf 200, 300, 300. 600, 800, 1000, 1200 M. nach je drei Jahren norinirt; der Ausschuß »all eine günstigere Skala, nämlich 200, 350, 500, 650, 850 1000, l>50, 1300, 1450 M. nach 4, 7. 10. 13. 16. 19. 22. 25, 23 Jahren Der Zl>4rag Cassel laß! sich gnädig herbei, das Grundgehalt von 1000 M. zn akzepliren, ivill aber die niedrige Mieihsenlschädigiing von 300 M. und die Allcrsskala nach der Vorlage belassen. Stadtv. Singer: Ich stehe ans bei» Standpunkt des Ans schnsseS. Es handelt sich darum, ein ziemlich großes Unrecht gut zu machen, das lauge Zeil den städtische» Lehrerinnen gegenüber be rangen worden ist. Die Lehreriii»«! waren bisher mehr die Slief kinder als die rechten Kinder der städtischen Schnlvenvaltung. Die Diffcrenzirnng der Gehälter zwischen Lehrer» und Lehreriniien ist überhaupt prinzipiell nicht zu rechtiertigen. Man macht gellend, die Lehrerinnen hätten nicht so viel Stunden zn geben; aber die Lehrerinnen würden lehr gern dieselbe Anzahl von Sliinden geben, um ans das selbe GeHall zn koniinen wie die Lehrer und sie bemühen sich j zahlreich durch Ertheilmrg von Privalunterrichl irr dieser Richlnng Tiefes bisher geschehene Unrecht innß jetzt einigermaßen ausgeglichen werde». Auch durch die Alt-schnßanträge geschieht das noch lange nicht in ausreichendem Maire, diese bedeuten höchstens das Minimnm dessen, was die Stadt den Lehrerinne» zn gebe» vcrpfiichlet ist. Bei der Ansfichislosigleit rveiterer Forderungen müssen rvir doppeli energisch darauf bestehen, daß dieses Mimmiiin znr An nähme gelangt. Unsere Bemühimge», die Stellung der H o s p i t a» l i>i Ii e» z» einer solchen von einüiveilig angestellten Lehrerinnen zn machen, sind leider gescheitert, da wir uns im Ansschnß der chinesischen Mauer manchesterlich- kauf »länuischer Ausfassmig gegenüber sahen, daß man die Ardeilskräitc da nimml, wo man sie am billigsten bekommen kann. Eine Anzahl solcher Hospitantinnen hat einen Rückhalt an ihrer Familie und sonstige» privale» Verhältnissen; die größere Zahl enibehrt dieser Bvrcheile und wird durch die geltende Praxis ganz besonders hart getroffen.— Daß ein Grundgehalt inkl. Miethsenlschädigung von 1200 niid selbst von 1300 M. noch«»genügend ist, ergiebt sich schon daraus, daß eine üieihe von Städten, wie Breslau, Fulda Kassel, Wilhelmshaven, Weitmar, Wiesbaden. Eckesey und einige nidere Städte, welche sich ihrer Bedeutung»ach mit Berlin nicht messen können, ein höheres Anfangsgehalt gewähre». Eine städtische Lehrerin miiß mindestens mit so viel dolirt werden, wie noth wendig ist, um ihrer Slellnng und ihren berechtigten Ansprüchen gemäß anständig ,n existircn, und da sind 1400 Mark nicht zu viel. Daß der Magistrat mid die Herren Cassel und Genossen eine Miethsentschädigniig von 300 Mark für Berlin als genügend ansehen, ist charakteristisch. Gewährt doch das Sieich den Tele- giaphifiinnen in Berlin einen Wohnnngsgcld-Znschust von 540 M. Sollen die städtischen Lehrerinnen wirlhschasllich und sozial hinler den Telegraphistiiineil zurückstehen? Das Reich besetzt auch Siellen von Elemeniarlchreriiiiien, diese erhalten in Berlin ebenfalls 540 Mark, desgleichen die Lehrerinnen an der Blindenanstalt i» Steglitz. Im Ansschnß hieß es. eine Lehrerin brauche überhaupt keine eigene Wohnung, sie schließe sich an eine Familie a» oder miethe sich ei» Zimmer. Soll denn die Lehrerin niemals dazu gelange», ein eigenes Heim zn besitzen? 400 M. sind für Berlin ein sehr mäßiger Wohnimgsgeldzusciiuß. Für 300 M sind passende Wohnnngen nur an der Peripherie der Sladt vorhanden; unter 400 M. ist in den Gegenden, wo die Lehre rinnen wohne» müssen, eine anständige Wohnung von zwei Stuben und Küche nicht z» haben. Redner empfiehlt dann die Zulagen ikala des Ausschnffes, die auch die Ungerechtigkeit der beiden Stufen von blos 100 M. beseitige. Die kleine Verschlechterung, daß vie erste Zulage erst nach vier Jahren gewährt werden soll, wird sich vielleicht ausgleichen; die Erhöhung der Stufen ans 9 bis zum 28. Dienstjahre ist dringend nothwendig, denn wer möchte behaupten, daß 2350 M. für eine Lehrerin, welche 23 Jahre treu gedient hat, zu viel ist? Wenn die Stadt Berlin spare« will an den Ausgaben für ihr Lehrpersonal, au de» Ausgaben für das Schulwesen, für eine Kulturausgabe erste» Ranges, dann ist sie aus dem Holzwege! Sladtv. Hugo SachS: Seltsamerweise ergreist keiner der Freunde des Antrages Cassel das Wort. Verlassen sich die Herren auf die Wucht ihrer Unlerschriften, oder wolle» sie i» letzter Stunde sich zn einer Modifizirung ihrer Stellungnahme verstehen? Für gleiche Leistungeu gleiches Acquivalent, führt mit recht Kollege Singer aus. Das Gesetz macht keine» Unterschied zwischen Lehrern und Lehretinnen bezüglich der MielhSenlschädigung. welche ein ausreichender Ersatz für die nicht gewährte Dienst wohnung sein soll. Stadtv. Cassel kann den Grundsatz nicht anerkennen, daß Lehrer und Lehrerinnen gleich besoldet werden müssen, weil gleiche Dienste gleiche Entlohnung erfordern. Familienväter könnte» nicht mit demselben Maß gemessen werden wie Lehrerinnen. Mit jenem Standpunkte gebe es für ihn keine Verständigung. Astert dings sei es jetzt an der Zeit, die Gehälter der Lehrerinnen er- heblich zn verbessern; das geschehe aber iveilgieifend in seinem Antrage, welcher für jetzt ca. 150 000 M. Mehraiisgaben nothwendig mache, später durch die günstigere Anrechnung der Dienstjahre noch bedeutend mehr erfordern werde. 300 Mark sei für eine niiverdeiralhele junge Dame eine völlig ausreichende Mielhs- enlschädigmig. Man müsse sich an das zur Zeit Erreichbare hallen. Nach dem Ansschußnntrage würden übrigens die Lehrerinnen in den ersten und mittleren Diensljahren weniger erhalten als nach der Skala des Magistrats. Damit, daß man sich an das Erreichbare Halle, gebe man keineswegs de» liberale» Siaudpunkt auf; 1894 habe die Ver« sammlung ja 650000 M. für Gehaltsverbeffcrniigen bewilligt. Stadlv. R o s e n o w wird von der Caffel-freiindlichen Mehrheit mit Unruhe und Murren empfangen, läßt sich aber dadurch nicht abhalten, für die Ansschußan träge gegen die erdrückende Mehrheit seiner Fraktionssreunde(der„großen" Linken) auch bezüglich der Lehrerinnen einziitrelen. Speziell vertheidigt er die Ausschuß« Vorschläge hinsichllich der Normirung der Altersstiise». Büigermeisler Kirsch»er: Es soll eine große Anzahl von Städten existire», welche mit ihrem Grundzehalt über unsere Vor- schlüge hinausgehen. Dem muß eiilgegengehalleii werden, daß auch hier die Gesa in in t l e i st u n g der Städte ins Auge zu fassen ist; dann koinint ina» zn dein Resultate, daß Berlin auch hier hinler jenen Slädten wie insbesondere Breslau und Kassel nicht zurückbleibt. Das Bedenken, es sei nicht zulässig, die Miethsentschä- digiing für Lehrer und Lehrerinnen verschieden zu normiren, findet im Gesetz keine Stütze; eine Verpflichtung zur Honorirung aller Hospilaiiiimien können wir natürlich nicht anerkennen, denn den Leistungen der Stadt würde vielfach keine Gegenleistung gegemibel- stehe».(Beifall.) Sladtv. Singer: Das beredte Scbweigen am Magistratslische ist ja mm gebrochen, freilich nicht im Sinne der Freunde der Ans- fchnßanträge. Daß durch das Jnstilut der Hospitanliiinen die Heranziehung billiger Lehrkräfte gefördert wird, hat der Bürger- meister nicht in Abrede stellen können. Wenn er nun auch heuie be- hauptet, daß Berlin nicht hinter Cassel und Breslau zurückbleibt, so stimmt das ungefähr ebenso, wie neulich bezüglich Frankfurts. (Heiterkeil.) Es muß nochmals mit Eiilschiedenheit betont werden, daß eine ganze Reihe deutscher Siädte ihre Lehrerinnen besser bezahlt als Berlin; so gewähren Dresden, Leipzig, Dvrlimiiid, Barmen. Essen, München ein höheres Grund- gebalt; Breslau. Fulda. Kassel, Haspe. Wilhelmshavel,, selbst westsälische Landgemeinden ein höheres Höchstgehalt, Franksurl zahl! Anfangsgedalt 1600 Mark, Höchstgeball 3100 Mark. Charloltenburg übertrifft in der Gesammlleistrnig die Ileichv- hanplsladl Berlin um 900 Marl für eine Lebrerin. Ich bemerke übrigens Herrn Cassel, daß ich bezüglich der Gleich- sielliing nur von den Lehrerinnen lind den uilverheirathelen Lehrern gesprochen habe. Mit der Gesammtsumme der 1894 und lüiebei' beuMÜiQten(Ne��ltsel-höhulig iauu man bod) nicuiciub imponiren; es koinint ans den Betrag für den einzelnen a». Ich beantrage gesonderte Abstiinmiiiig über die Miethsentschädigniig. Machen Sie we»igstei>s in dieser Beziehung langjähriges Unrecht wieder gut!.. Stadtschnliath Bertram: Die Hospitantinnen bekommen für volle Vertrelniig das volle Honorar einer Verireterin; die Beschäfligiliig in voller Vertretung wird ihnen nachher auch an- gerechnet. Der Mogmrat ist stetig bemüht, die Stellung der Lehrerinnen zu verbessern und mit steigendein Erfolge, denn der Lehrerbernf wird von den jungen Damen, die ans Erwerb an- gewiesen sind, immer häufiger ergriffen. Da kann man nicht davon reden, daß die Lehieriiincn die Stieskinder der Verwaltung sind. Siadiv. M o m m s e Ii: Wohin roiiimc man. wenn man diese Frage in Volksversaiiimliingen hineintrage?(Lebhaste Ziistiniiiiung der Mehrheit.) Darauf wird ein Schlnßantrag angenommen. Für das Giundgchalt von IOvO Mark stimmt die ganze Ver- sainnilmig. Der Aiisschußantrag, die Miethsenischädigling auf 400 M. festzusetzen, wird in n a m e n t l i ch e r Slbstiminling imt 61 gegen 43 Siimmen abgelehnt, der Satz von 300 M. an- geiiolilinen. Auch über die Zllterszulagen wird n a in e n t l i ch ab- gestimmt; die Ablehnung erfolgt mit 63 gegen 41 Slimmeii, worauf die Skala der Vorlage angeiioniiiicii wird. Die Vorlchläge des Ausschusses bezüglich der Fach- l e h r e r i ii ii e ii weiden ohne Tedatle aiigeuonuiieii» ebenso in der Gesniiimrabstimniiiiig die Vorlage im ganzen. Von den Stadlvv. Vorlniaiin und Genossen wird der Antrag eingebracht, eine dritte Lesung der Vorlage stattfinden zu lassen. Gegen diesen Vorschlag spricht Stadtv. Virchow, der für sich das Bedürsniß einer dritten Lesung nicht empfindet. Es sei in der Zwischenzeit draußen manches geschehen, wogegen man den Kops nicht in de» Sand stecken könne. In der bösivilligsten Weise sei man in der bewußten Versammluiig gegen die Mehrheil vom vorigen Donnerstag vorgegangen, ivian habe dort gegen alte Parlamentarier mit OstraziSmns(Scherbengericht) gedroht und keiner der Kollegen, die dort waren, habe den Mnth gehabt, gegen die dortigen pöbelhaften Angriffe aufzutreten(Lebhafter Beifall und Händeklatschen), obwohl dort derselbe Herr als Referent auf- getreten sei, der hier in der Versammlung referirt.(Hört, hört! Ruf: Noch nicht dagewesen!) Für dieses Vorgehen könne nur ein politischer Grund vorgelegen haben. Jnteressenwirthschaft wolle man nicht treiben, sondern die wolle man los sein. Möge die Majorilät fest auf ihrer Sache und ihrem Beschlüsse stehen. (Stürmischer Beifall.) Stadtv. Preuß: Nach dem Angriff müssen Sie auch die Vertheidigniig hören. Der gegen mich gerichtete Vorwurf trifft mich nicht. Ich habe dort llicht referirt. Es ist das gute Recht jedes Kollegen, für die Anschauung, die er hier verlritt, in der Ocffentlich- keit einzutreten. Meine Ailssührunge» in der Versammlung waren von jeder persönlichen Spitze und Animosilät frei. Wenn in einer Versammlung von lausenden von Leuten(Ruf: Lehrern! und großer Lärm) Ausdrücke fallen, die ich aufs tiefste bcdaure, so verstehe ich nicht, wie dieses Argument hier in die sachlichen Verhandllingen hineingezogen werden kann. Die dritte Lesung er- scheint mir nothwendig, weil bei der vorigen Berathung vielfach init iieueii und unzweifclhast unrichtigen statistischen Zahlen operirt> worden ist.(Unruhe und Widerspruch.) Nachdem Siadiv. B o r l m a n n in scharfer Weise für das Recht auf SleUung eines Antrages ans dritte Lesung«ingetreten ist, wird ein Schliißanirag eingebracht und unter großer Erregung der Ver- saiiimliiiig für aiigenomnien erklärt. Stadlv. Borgmann ruft: Miindlodtmache» können Sie! Stadlv. Cassel tritt in persönlicher Bemerkung den letzten Anssührnngen des Sladtv. Prenß entgegen. Der Vorsteher macht ihn darauf aufmerksam, daß das nicht zulässig sei. Stadtv. orgm an» ruft: Erst zwei Stunde» sprechen, dann für den Schluß stimmen und dann die Debatte wieder eröffnen, das kann Herr Cassel! Auf diesen Zuruf antwortet ein geradezu tosender Lärm aus den Reihen der Mebrheit. Mir 63 gegen 35 Stimmen wird in namentlicher Ab« stimmung die dritte Lesung abgelehnt. Die Vorlagen wegen Erbauung zweier VolkS-Bade» Anstalten in der Bärwald- niid in der Oderbergerstraße gehen an den schon früher für das dem Magistrat zurückgegebene Projekt der Anstalt in der Tennewitzstraße bestellten Ausschuß. Für zwei neue Schulbaiilen wird ein besonderer Ausschuß ein- gesetzt. Nach Erledigiing einer Reihe weiterer weniger erheblicher Vorlagen schließt die Sitzung um �«9 Uhr. UokÄlvZSK Die WahlkoniiieeS werden ersucht, das W a h l r e s u l t a t der heute stattfindenden Berliner Stichwahlen»ach Bekanntgabe o f o r t an unsere Redaktion einziisende». Die Genossinnen nnd Genossen der Rosenthaler Vorstadt und des Gesundbrunnen werden aus die am Sonntag, den 28. No- vember, abends 6 Uhr, stallfindeiide öffentliche Verfanimlung ans- merksam gemacht, in der Genossin Ottilie Baader über:„Die Lebenshalluiig nnd Sterblichkeit der Proletarier" referiren wird. Näheres siehe Inserat in der Soiiiitagsiiummer. Gerade recht zn den heutigen Stichwahle» kommt uns die ölgende Depesche aus Hage», dem Wahlkreise Eugen Richter's: „Die freisiiiiiige„Hagener Zeitung" verurlheilt entschiede» die Regelung der Lehrergehallsfrage in Berlin, sie bedauert vor allem. daß auch Mitglieder der freisinnigen Volksparlei für diesen Beschluß gestimmt haben. Es sei zn mißbilligen, daß die Mehrheit der Sladt- verordneten- Versammlung sich nicht ans eine höhere Warte gestellt hätte, die man bei einer liberalen Sladlverwalluna voraus- setze» sollte." So denken die Freisinnigen in der Provinz über das freisinnige Stadlregiment in Berlin. Darum wählt morgen die vier Sozialdemokraten. »». freiflniiige» Kultnrfctnd im Rothen HanS.„Der Starke weicht nmihig einen Schritt zurück". Diesen Ausspruch des Mtrareaktionären Ministers von Manteuffel variirte der freisinnige Stadtverordnete Cassel den sachlichen Ausführungen Singer's gegen- v 2i�ts a ch l i ch e Grunde liehen sich dagegeunichtanführen. daß einer Lehrerin an Wohnungsgeld-Entschädigung wenigstens 400 M. gezahlt. verde» mußten, wenn mit Recht eine Tclegraphistin, eine staatliche Lehrerin, ja selbst ein militärischer Pferdcdressirer, wenn " Berlin zu wohnen hat, ö40 M. Dienstentschädigung erhält. „Ideale Forderungen" könnten sie nicht vcrivirklichen, meinte der biedere Cassel für sich und seine Gesinnungsgenossen, ohne die bittere Satire zu merken, die in diesem„freisinnigen" Zugeständnih für die ab- gewirthschafteten Mauchestcrleutc mit zweierlei Rechnung liegt. Der cktiagrilrat giebt ja nachher doch nicht nach— also— meint der Hans- agrarier-Freisinn, Richtung Cassel-Herincs-Virchow-Richter— weichen mir muthig zurück. Mit 61 gegen 43 Stimmen lehnten die biederen Agrarier es ab, die Mielhsentschädigung für die städtischen Lehrerinnen ans wenigstens 400 M. festzusetzen. 300 M. seien genug für«ine Wohnung einer st ä d t i s ch c n Lehrerin in Berlin. Ein P f e r d e st a l l lostet in Berlin etiva S00 M. Ja, wenn für staatliche oder gar für eine militärische Lehrerin nur solch Jammersatz bewilligt würde, wie würde» dagegen Engen Richter. Hermes und sie alle— im Reichstag oder Landtag donnern. Der Tiefgrad der freisinnigen Anschauung in, Rothen Hause verdiente es, daß für ihn gar auch noch der Assessor a. D. Mommscn, der Sohn eines berühmte» Vaters, eintrat. Dieser werthe Stadtverordnete erklärte kurzweg, bei Entscheidung von Kulturfragen habe ein weiterer, ein politischer Standpunkt nicht mitzusprechen, die Lehrerinnen müßten die„Nothwendigkeit" einer Verbesserung ihrer Lage„beweisen". Aber, Herr Assessor— beweisen Sie nach dieser Probe abgrnndüefer Kenntnisse, daß Sie die Fähigkeit zum Stadtverordneten, Assessor a. D. und Handlnngs- gchilfen von Siemens u. Halske hätten, wenn Sie nicht der Sohn eines großen Mannes wären.„Nothwendig" haben Sie das übrigens nicht.— Den Schluß der Sitzung bildete ein interessanter Angriff des„liberalen" Virchow gegen die öffent- lichi Kritik! Er verwünscht diese in alle Höllen, sobald sie sich gegen Säulcnheilige des Freisinns wendet. Himmel- v°ch bat er, keine dritte Lesung eintreten zu lassen. Die Mehrheit der Versammlung willfahrte diesem Antrag, nachde», sie in echt„freisinniger" Weise zuvor»och die sozialdemokralischen Ver- treter durch Annahme eines Schlußantrages gehindert hatte, ihr den Text über ihr hervorragend unfreisinniges Gedahren zu lesen. Die Geringschätzung der Lehrer seitens dcS Berliner Freisinns wird von Engen Nichter vcrthcidigt. Recht so. Für die Doppelnatnr des Freisinns und seme Kultur, eindlichkeit ist diese Haltung des Freisinns recht bezeichnend. Wie tief die Gehaltsbczüge, dir das reiche Berlin seinen Elementarlehrern zahlt, hinter de» Be- zügen zurücksteht, die viel kleinere Städte zahlen, ist von uns und r» der Sladtverordnctcu- Versannnlung wiederholt dargelegt. Die Getreuen Engen viichter's behauplen allerdings, man dürfe nicht a» das Grundgehalt sehen, man müsse vielmehr berechnen, wie hoch der Gesammtbezug sei. Das ist zwar ein ganz leichter Einwaiid. Wir kenne» wciiigsteus jemand, der da meinte, daß die Hoffnung, «ach 20 Jahren hinreichende Mittel zur Sättigung zu haben, noch iiieinaiideii satt gemacht habe. Jndeß nehme» wir einmal an. Eugen Richtcr's Getreue hätten recht, es käme in der That weniger ans ei» festes Grundgehalt als auf ein hohes Gesammtgehalt a». Auch von diesem Gesichtspunkt aus stehen die Berliner Lehrer weit schlechter wie zahlreiche Lehrer in anderen Städten. Zum Vergleich wollen wir für heute eine 5kategorie von Lehrern herausgreifen, für deren jetzige Besserstellung gegen früher Eugen Li i ch t e r, H c r ,» c s, L a n g e r h a u s vor noch nicht fünf Monate» gestiinuit haben. Das ivar allerdings nicht in einer Verwaltung, wo der Freisinn die Mehrheit bildet, sondern im Reichstage, also in einer Körper- schast, wo er in verschwindender Minderheit ist und keinen Mann aufzuweisen hat, der aus einem anderen Griuide all dein gewählt ist, weil er das„kleinere Uebcl" gegenüber geinein- gefährlichen Reichsbettlern darzustellen schien. Der Reichs-Haushalls- etat weift». a. folgende Besoldungshöhen für die an»nlitärische» Instituten(Provinzial- Kadetteiianstalten, llnterosfizierschule». Gar- uisouschuleii und de» Militär> Kiinbenerziehnngs- Instituten) an- gestellten E l e m e n t a r l e h r e r auf. Das Zlufangsgehalt beträgt ZS00, das Höchstgehalt 3000 Mark. Das Höchstgehalt ivird nach 2l Jahren erreicht. Eine Steigerung des Gehalts erfolgt nach je drei Jahren; die Gehaltsstufe» sind IS00, 1800, 2000, 2200, 2400, 2000, 2800, 3000 Mark. Nach den jüngst Nilgenommene» Verschlcchlerungkvorschlägcn Cassel« Hermes er- hält ein Berliner Elementar-Schullchrer ei» illnfangsgebalt von 1000 Ma>k. Das Gehalt steigt»ach 2S Jahren auf 3000, nach ÄO Jahren auf 8400 M. Wie viel ein Elementarlehrer an einer Pcovinzial-Ziadelleiianstalt und wie viel weniger ein»ach der Art Cassel's„aufgebesserter" Berliner Eleincntarst'bullehrer erhält, wird durch folgende Tabelle veranschaulicht. Es erhält Ein städtischer Elementar-Schullehrer in Berlin würde also nach dem Kassel- HermcS'schen Rezept erst nach 44jnhrlger Lehrlhätigkcit. in der Regel also erst nach vollendetem siebzigsten Lebensjahre einen ebenso hohen Gelammt- bezug haben, wie ein n» einem Mililärinftitnt in der Provinz angestellter Eleinentarlchrev. Es ist also auch dieser Eiuwand der „freisinnigen" Führer eitel Flunkerei. Ja mehr als Flunkerei— eine direkte Verhöhnung, da dem Freisinn nicht unbekannt ist, daß nur ein ganz verschwindender Brnchlheil der Lehrer noch nach voll- eudetem 70. Lebensjahre fähig ist, seine» Berns auszuüben. Die Haltung der Freisiunigen im Rothe» Haus gegenüber den Schul- fragen zeigt, daß die Partei Cassel— Hermes— Eugen Richter alles Zeug dazu hat, mit den reaktionärsten ostelbischen Junkern den Wettbewerb in der Feindschaft gegen die Volksschule aufzuiihmen. Bei diesem u>iedlen Wettbewerb kann der freisinnige Hansagrarier bald die Siegespalme vor dem reaktionären nrantjnnrer davontrage». Der Freisinnige hat den Tric irreleitender Recheiikunststiickchen vor de» Konservalive» voraus. Berzwcifclte Rnstreiignngrn machen die Antisemiten im dritte» Komniunal-Wablbezirsts um bei der am Freitag statt- findenden Stichwahl ihr letztes Mandat z»m Rothe» Hause vor de» Liberalen zu retten. I» einem hektographirten Schreiben, das von ihrer Seite solchen Wählern zugeht, die sich an der Hauptwahl nicht beiheiligt haben, heißt es:„Ist es nicht schön, wenn durch daS Attflrelen des Herrn Pretzel es verhindert worden ist. daß in den nächsten 18-20 Jahren keine jüdischen Lehrer und Lehrerinnen bei den Gemeindeschnlen mehr angestellt werden? Ist nicht allein diese That es werth, daß Sie bei der Stich- wähl Ihre Stimm« für Herrn Pretzel abgeben? Er ist der letzte einer großen, schönen, idealen Bewegung. Wird er nicht wiedergewählt, so ist die Brücke zwischen dieser nationalen Bewegung»nd dem Rothen Hause abgebrochen. Wenn Berlin aber, was doch anzunehme» ist, den Schlaf sich einmal aus den Augen reibt und diese lüdisch- demokratische Richtung a b- schütteln will, dann würde auch diese letzte Verbindung uns außerordeullich fehle». Darum, wer noch eine» Funke» für sein Chnstcnlhurn, für sein Deutschthnm».s.w. u. s. w." Das Vorherrschen der jüdisch-demokralischen Richtung hnt die Christen- und Tentschthümler bekanntlich nicht gehindert, in ver- schiedenen Wahlbezirle» schon gleich im ersten Gange für den Ver- treter dieser abschüttelnsiverthen Richtung zu stimme», und allem Anschein nach werden die Antisemiten auch i» den Wahlbezirken wo am Freitag ein Sozialdemokrat mit einem Liberalen um das Mandat zu kämpfen hat, dem Liberalen ihre Stimme geben. Der Mulh der tteberzengnng fehlt fast allen braven Bürgersleuten, möge» sie, wie die Freisinnsmannen glühend für eine behördlich approbirte Freiheit, oder wie die Antisemiten, für Bikmarckverehrnng und Jndcnfresserei schwärmen. Es müßte ivunderlich zugehen, wenn die bisher der Wahl ferngebliebenen Wähler sich nachträglich noch für irgend einen dieser pflaumenweichen Helden begeistern könnten. Ein Ansinnett, das sich mit geradezu nngehenerlicher Dreistig- keit gegen die öffentliche Wohlfahrt richtet, stelle» die hiesigen Bade- anstattsbesitzer an die kommunale» Körperschaften. Sie verlangen nämlich nicht mehr und nicht weniger, als die Beanstandung der weitere» Einrichlnng städtischer Badeanstalten in der geplanten 'Ausführung und ivollen höchstens gnädig gestatten, daß die Stadt solche Badeanslalleu offen halte, die jegliche größere Bequemlichkeit vermissen lassen. Uns will scheine», daß eine Kommilnalverivallung, die sich ihrer Pflichten gegen die Gesnmmlheit bewußt ist, die Agitation der Badeanstaltsbesitzcr als Ansporn betrachte» müßte, möglichst viele, bequem und dabei>vohlfeile Badegelegenheiten zu schaffe» Ein sehr großer Theil der ärmeren Bevölkerung muß erst zur Körper- pflege erzogen werde», und dies kann keineswegs in den Privalbade anstallen geschehen, wo der Preis für ein Bad, der so schon viel höher ist, als in andere» dentschcn Großstädte», durch das herrschende Trinkgelder-Unwesen für de» kleinen Man» geradezu unerschivinglich gemacht ivird. Mit eine m Vorwurfe haben die Badeanstalts' vesitzer allerdings recht, nämlich mit dem, daß die Stadt Ueberschüffr aus ihren Badeanstalten herauszieht. Dahin darf die Kommune in diesem Falle nicht trachten. Vorboten der Weihnacht. Große Ereignisse werfen, wie ein banales Wort lautet, ihre Schatte» voraus, und so ist denn auch in diesem Jahre zeitig zu spüren, daß wir dem großen Feste, das ge- wissermaßen den Winter in zwei Hälften theilt, zueilen. Die Hand. arbeiten, die früher allgemein in den bürgerlichen Familien anf- tanchten, um ängstlich vor den Augen des stärkeren Geschlechts gedütel zu werde», bis der große Moment des Schenkens kam, sind aber, dank der mit Riesenschrillen eilenden Umgestallmig unserer wirlhschafllichen Verhältnisse, fast gänzlich abgekommen. Du Töchter und Frauen haben heute zumeist etwas anderes zu thun, als z» häkeln und zu sticken. Und die Arbeitertnnen?— Die haben um diese Zeit herum stets mehr zu thun wie sonst, denn in den »leisten Geschäften beginnt jetzt die Saison der Uederstunden. Namentlich werden die Verkäuferinnen wieder tüchtig heran müssen. Und das wird so lange gehen, bis wir den gesetz lichen Achtnhr-Ladenfchlnß haben. Als Folgen der Ueberfinnden und der dadurch hervorgerufenen Ueberansirengung werden wieder, wie alljährlich, die Jnfluenzafälle sich vermehren— auch Vorboten der Weibnacht! Die Entfernung deS WelhnachtSwarkteZ vom Schloß- und Leipzigerplatz hat eine Berliner Eigenart vervielfältigt: die Honig- kuchen-Läden. Vorher traten sie sehr vereinzelt ans, zeht findet man sie schon sechs Wochen vor Weihnachten in allen lebhaften Straßen. Ans weißem Papier liegend, locken die Süßigkeiten,„Grüße ans Brauiischweig, Nürnberg" u. s. w., die Vorübergehenden an. Wäh- rend sie den einen an freudige Stunden erinnern, mahnen sie de» anderen, daß er seiner Familie nichts von dem theuren Leckerbissen auf den Weihnachtstisch legen kann.— Solcher Vorboten giebl es »och viele; so z. V. die Weihnachlsansverkäuse. die allerdings gegen früher erheblich abgenommen haben. Aber dafür scheinen sich andere Vorboten recht sehr zu vermehren: jene schwachen, krähenden Elim- inen, die uns ans der Straße zurufen;'n Sechser der Hampel- »iann!'n Groschen die lanfend« Mauz!" Schrille Zeichen des namenlosen Jammers, unter dem taufende Proletarierkinder in der herrlichsten der Welten dahinsiechen! Au der Nttgelegenheit des ungliickllchen Ziethen erhielten die„Elberfelder Neueste» Nachrichlcn" einen Brief aus London, in dem es beißt:„Ich habe die Frau Gelötet ich hätte es nicht Gemacht Wenn Sie mir daß Geld ge gebe» hält. Ziethen ist un schuldig." Diese Worte waren nicht geschrieben, sondern ans gedrucklen Buch- staben verschiedener Größe und Schristsortcn zusammengestellt. Die Lldresse war offenbar von ungeübter Hand geschrieben, die Ortho- graphie maiigelhaft. Das genannte Blalt bat den Brief der hiesigen Slaaisanwaltschaft übergeben. Ob er irgendwelchen Werth hat, oder od sich jemand einen schlechlen Spaß gemacht hat, steht dahin. Riilkfahrkarte« zum Wcihnachtsfrst. Nach Anordnung des Ministers Thielen sollen im Bereich der preußischen Slaalsbahne» die Rückfahrkarten von sonst kürzerer Giltigkeilsdauer in diesem Jahre zum Weibnachtsscst vom 18 Dezember bis einschließlich 0. Januar 1808 Geltung habe». Die Rückfahrt muß spätestens am letzten Giltigkcilslnge bis>2 Uhr Mitternacht einschließlich an- getreten werden und darf nach Ablauf dieses Tages nicht mehr unterbrochen werden. Die WohltstätigkektS-Bergnilgungen, bei denen sich weniger die Leute von Bilviing als die von Besitz so trefflich amnstren, sind zur Zeit wieder mächtig im Schwange. Von den gewöhnlichen Festivitäten dieser Art, die eine wirklich gebildete Person nicht gut besuchen kann, ohne darüber zu eriölhcn, daß man auf solche alberne Weise dem Elend zu steuern vermeint, hebt sich wohllhuend ein Bazar für Krankenpflege in den K o l o n i e n/ ad. der in den nächsten Tagen veranstallel werden soll. Bei dlesem Bazar muß man nur bedanern, daß er nicht schon früher abgehalten worden ist, etwa z» der Zeit, als die unglücklichen Opfer der Leist, Wehlan, Peters it. s. w. unter der Wucht der zahllosen Peitschenhiebe so dringend der christlichen Charitas bedurft haben. Es»vtrd bcabstchtigt, einen Promenadenweg mit Mosatkpflnster belegt durch den FriedrichShaln in der Ver- längerung der Weinstraße nach der Straße im Friedrichshnin her« zustellen und soll«in noch zu berechnender Betrag in de» neuen Etat eingestellt werde».—- Aach dle Gnflav Meyer-Allee im Humboldlhal» soll bei baulicher Regnliriing mlt Mofatkpflaster ver- ehe« werden. Im»cneli RclchS-Postamt, Eingang von dir Mauerstraße, wird für den öffentlichen Verkehr ein Brief-Postamt soeben eingerichtet und wie man hört, am 1. Dezember d. I. dem Verkehr übergeben. Diese kleine Nenernng ist alS eine Wohlthat zu be- grüsicn, den» sie entspricht einem wirklichen, längst einpfnndenen Bedürfniß. In der langen Leipzigerstraße. die zu den belebteste» der Hanplstadt gehört, war bisher keine Briefmarke zu kaufen, erst am Polsdamerplatz im Telegraphenamt bekommt man Postwerth- zeichen, wovon aber auch erst der zehnte Kenntniß hat, denn außen wird diese Bequemlichkeit dem Publikum durch keine Ausschrift bekannt gemacht. Vielleicht enlschkießl sich der Staatssekretär bei dieser sehr passenden Gelegenheit noch zu einem weiteren Schritt, zur Eliirichtnng eines Rohrpost-Amts. Da das Museum sich dicht neben dem neu inS Leben trelenden Brief- post-Aml befindet, so wäre es für den Museumsbesucher ebeufalls eine Annehmlichkeit, eine Rohrpost gleich in Betrieb z» sehen!— Endlich möchten wir anfragen, ob denn noch immer nicht die Auf- stellung von VerkansSautomaten für Postwerth, eichen oder wenigstens für Postkarten in den Schakterränmen zu erhoffen ist. Das Warten vor den Schaltern zur Zeit größere» Andranges, nur um ein Paar Marken oder Karten zu ergaltern, ist bei dem iäglich zu- nehmenden Verkehr doch ein häustg zu Wortwechsel und Reibereien Anlaß gebender Uebelsiand. Mit GaSgliihlicht sollen nächste»? folgende Siraßen im Enden der Sladt beleuchtet werden: Urban-, Fichte-, Gräfe-, Griinm-, Camphausen-, Bergmannstraße mit Marheineke-Platz, Haseuhaide, Zossener-, Barnlher-, Tempelherren-, Johanniter- und Wilms- slraße. DaS Slmcrlcait-Theater, welche? über drei Jahrzehnte hin- durch in der Dresdenerstraße gehaust, wird voraussichllich zum 1. April kommenden Jahres seine Pforten schließe». Im April wird das Grundstück Dresdencrstraße SS, welches schon seit längerer Zeit der Baufirma Lachmann n. Zauber gehört, abgerissen werden, um einem modernen Neubau Platz zu machen. Der Abriß, welcher vor fünf Jahren schon einmal angekündigt war, wird diesmal bestimmt erfolgen, da bereits das Parlmegeschoß des projeltirlen Nenbanes an die Reichspost vermielhet»nd nun zu Zwecken eines Postamtes eingerichtet wird. Das American-Theatcr durfte mit dem I. April dann gänzlich eingehen, falls es nicht der Direklion gelingt, ein geeignetes, allen polizeilichen Vorschrifle» genügendes Theater- Etablissement bis dahin inielhsweise zu erwerben. Zwischen der Großen Berliner Pferdebahn- Gesellschaft einerseits und dein Bachstem'schen Sliaßenvahn-Konsortiuin andererseits schweben Unterhandlungen behnfs Verschmclztittg der beiden Betriebe. Die Frage, den Dampsstraßenbahn-Betrieb des Bachsleitt'- schcn Konsortiums in einen elektrischen umzuwandeln, hat den Anstoß dazu gegeben. Ein neuer Bctveis dafür, daß es mit den wohl- thäligen Wirkttttgett der Konkurrenz in den öffetUlichett Vcrkehrs- attgelegenheiten nicht tveit her ist, und nur der Regiebetrieb dem Pnblikutn und den Angestellten ziemlich sichere Vorlheile bieten kann. Die Influenza, welche sich in den letzten Jahren mit einer wenig attgenehiitett Negelmäßigkeit einstellt, sobald der Herbst seinen Einzug gehalten hat, grassirt auch in diesem Jahre in bedeuiettdetn Uittfange bei uns. Es sind gegenwärtig zum theil recht schwere Erkrankniigen, tvelche von den Aerzten verzeichnet werden; auch einzelne Todesfälle sind bereits zu verzeichnen getvescn. Bernngliickte Rekruten. Der Trainsoldat Zarr von der dritten Kompagnie des Garde-Trarn-Balaillons, ein Elsasser, hatte im Stallgebäilde der Kaserne in Tempelhof Dünger aus den Ständen der Pferde fortzuschaffen. Indem er sich dabei bückte, muß er wohl ein Pferd mit seiner Schippe berührt haben. Das Tdter schlug aus und traf ihn mit dem Huf am Kopf. Z. hat eine Schädelverletzung davongelragett und außerdem den Verlnst des linken Auges zu beklagen. Er befindet sich im Garttisottlazarelh II. - Der ziveile Fall betrifft den Grenadier Wehrbmtm von der ersten Kompagnie des Kaiser Franz-Garde-Grenadier-Regitnettts Nr. 2. Als er am Querbanrn den Aufzug machen wollte, stürzte er ab und zog sich durch einen Fall auf den Hinterkopf eine so schwere Gehirn- erschttlterttng zu, daß er im Lazareth eine besondere Aussicht er- halten hat. Größere Nnterschlagnngcu sollen, wie die„Berl. Abettdpost' meldet, beim hiesige» Hotel Kaiserhof(Aktien« Gesellschaft) vor- gekommen fein. Die veruntreule Summe wird ans Millionen geschätzt, die jedoch durch den Aufstchlsrath bereits wieder gedeckt ivttrden. Sicher ist jedenfalls, daß gestern die Aktien des Hotels im Kurse gefallen sind. Eine Rtlsklärung der Angelegenheit bleibt abzuwarten. Bon den bei der Brandkatastrophc in der Schönhanser Allee verletzten Personen befinden sich mir noch drei im Ktankenhanse. Der Zustand der Veruttglücktctt ist durchweg ver- ttältnißniäßig günstig, ntttsotnehr, als eine Komplikation der Ver« letznngen bei keiner Person eingetreten ist. Die ZIerzte hoffen mit aller Bestimmtheit, die Berttnglücklen wieder völlig herzustellen. Nur bei dem Chef der Firma, Herrn Israel selbst, ist eine geringe Ver- schlimttterttng Im Zustand, konstaiirt. Herr I. hatte Brandwunden im Gesicht erlilten. „Hundert nützliche Gegenstände für nur 20 Pfennige", so latttete ein in einer Berliner Zeilschrift erschienenes Inserat. Ein Neugieriger wollte, wie das„Berl. Tagebl." gestern meldete, der etgetmrtigen Sache auf den Grund gehen und sandle den gesorderten Preis ein.„Postivendend" erhielt er, wie es im Inserat hieß, die hundert ttützlichen Gegenstände, nämlich hundert— Stecknadeln} Der Witz ist nicht ganz neu. Nach einem Streite mit ihrer Schwiegermutter verglftete sich am Dienstag Nachmittag in ihrer Wohnung in der Fehrbellitterslraße die seit Jahren tmvetiletdetide Frau Elisabeth S. Die von einet» Arzt sofort angestellten Wiederbelebnttgsversttche blieben erfolglos. Es wurde eine Bergiflttng mit Morphium festgestellt. Vermißt wird die 40 Jahre alte Wiltwe Marie Hivtze, geb. Ackertttattn, aus der Jerusalemerstr. 60. Sie besuchte am Todten- sonntag das Grab ihres im vorigen Jahre verstorbenen Mannes attf dem Jernsalemer Friedhof in der Berginattttsiraße und ist von dort nicht zurückgekehrt. Schon wieder ist ei» Stadtbahnzng des SudringeS über die Stativ» hiuansgcfahren, und zwar, wie es heißt, infolge des Bersagens der Laslbremse. Als gestern Nachmittag ein vom Pols- vatner Bahnhof kommender Eüdringzng in die Station WiltnerS- darf einfuhr, kam derselbe nicht rechtzeitig znttt Stehen, sondern jagte mit ca. 6 Wagen durch die Slalion durch, und tiitt die drei letzten Wagen kamen am Bahufleig zum Halten. Dieser Vorgang ist nach den Angaben des Lokomotivführers ebenfalls auf ein theil- weises Versage» der Vakttttittdretttse ztirückzitführen. Bemerkt sei »och, daß die Bremse bei dem Emlattfe» des Zuges auf den nächsten Slaliottett wieder gut wirkte. Ucber die Beraubung eines WcrthbriefeS ist der Kriminal« Polizei folgende Meldung zugegangen. Die diesige Ktttdergarderobett- Fabrik von Badrian in der Schötthanserslraße sandle Ende voriger Woche einen mit 3S6 M. Inhalt und mit diesem Betrage deklarirlen Geldbrief an eine Tuchfabrik in KoilbnS. Am Montag Vormittag erhielt Herr V. eine Depesche von seinem Liefern»!«» mit der Mit- iheilimg, daß in dem Geldbrief sich nur ö6 M. beftinde» haben; statt der 800 M. waren nur Papierfchnihel im Brief ent- hallen gewesen. Die Werlhsendung war von einem Hau-diener Hierselbst zur Post gebracht, welcher schon seit langer Zeit in dein B. scheu Geschäfte thälig ist, sich des gt ößlett Vertranens erfreut und welcher ebenso wenig wie die hiesigen Schalterbeamten im Verdacht der Tbälerschaft stehen kann. Ferner ist ittztvtschett festgestellt, daß die Oeffnttttg des Briefes erfolgte, nachdem bereits die postalischen Stempel ans das Convert gedrückt waren. Wo die Berattbnttg der Sendnng statlgeftinden habe» kann, ist durch die Behörde noch nicht ermillell. Ein schweres Brandunglült ereignete sich in der heutigen Nacht in der Bergtttattttstrnße. Als sich das 17jährige Dienst- Mädchen Elise K. zu B»tt begeben wollte, ließ eS die brennende Peiroletttttlampe fallen. Diese explodirte; hierbei erlitt das arme Mädchen schwere Brandtvttitden. Man brachte die Verttnglitckl« auf Anordniing des Arztes mittels Kopp'schen Krattkettwagctts nach dem Krankenhause Am Urban, wo sie schwer darniederliegt. Fencrbericht. Mittwoch abends 7«/e Uhr wurde die Feuer- wehr nach H o l zm a r k t st r. S0a gernfen, um einen Kellerbrand zu löschen. El» Posten Holzwolle halte hier Feuer gefangeit, da? mehrere Holzverschläge zerstörte und mit einer Echlmtchleiltma beseitigt wurde. Donnerstag, nachmiltags I'/eUhr entstand B e n ss e l st r. 83 ein Ztntttterbrattd, bei dem aber die Berliner Wehr nicht in Thäligkeit trat, tveil der Brandherd auf Charlollenbnrger Gebiet lag und die dortige Wehr zur Stelle war. Nachmittags S Uhr gerielh K o m m a n» d a tt t e rt st r a ß e 2l die Strohverpackung des Gasometers in Brand, der jedoch erheblichen Schaden nicht anrichtete. Sonst er» 'olgten int Lanse der letzten 24 Stunden nur noch einige Alarnii» rnngeii, die sich ans Schornsteiiibrättde bezogen, bei denen nur Btob» achtungsposten ausgestellt wurden. Niis bcu Nachbarorte». Ten Pin'tckjiciiossiuncn»„d Gcnossc» t>o» Mariendorf. Tcl»pcll>of und Marieufelde z»r besonr>cr«n Ztenniniß, daß am Sonulag, den 23. d. Mts..»achiinitags 8 Uhr, eine Vollsversamm- lung de» Teulschbei» in Marieufelde stallfindet. Taftesordnung: 1. Vortrag der Geuossi» Frau Greifenberg über„Die rechtliche Slellmig der Frau in der heutigen Gesellschaft. 2. Diskussion. 3. Die dcvorsleliende 5kreiskonferenz und Wahl von Delegirten zu derselbe». Der wichtigen Tagesordnung halber ist es Pflicht eines jeden Genossen, für regen Besuch dieser Versammlung zu agitiren. Der Vertrauensmann. An die Parteigenossen von Deutsch- Wilmersdorf. Alle Parteien rüsten sich zum Wulsikamps. Auch in unserem Orte hat die konservative Partei eine Versammlung abgehalten, in der ihr Wortführer. Oberamlmann Ring, leider nicht ohne Grund de» schlechte» Besuch der zuletzt hier abgehaltenen sozialdeinokralische» Versammlungen bemäkelte. Dies ist kein gutes Zengniß für die Aiihänger der Partei, die sich die Ausgabe geilellt hat, das Proletariat von dem Elend und der entwürdigenden Ab- hängigkeil der kapitalistischen Gesellschaft zu befreien. Es muß wieder ein lebbafter Geist in uns einkehren! Zum Zeiche», daß wir nicht in Lässigkeit verkümmern wollen, ist für nächsten Sonntag im Lokale„VolkSgartcn", Berlinerstr. 40, eine öffentliche Parlei- verfammlung für Märnier und Frauen anberannil worden. Hier wird der ilteictislags-ilbgeordnete unseres Kreises, Genosse Fritz Znbeil, die Aiilwort gebe» auf die in der konservativen Ver- sammlung gefallenen Angriffe. Herr stiing ist zu dieser Ver- snmmlnng eingeladen worden. Zahlreiches Erscheinen der Partei- genossen wird erwartet. Näheres bringt der Annoucenlheil in der Sonntagsnnmmer. Der Vertrauensmann. Bei dem Gcfliigclhändlcr Michael Müller in der Haupt- straße zu Schöneberg ivaren schon seit längerer Zeit forlgesetzt Wnarendiebstähle vorgekommen, ohne daß eS dem sorgfältig anf- passenden Geschäftsinhaber oder seinen Familieiimitgliedern und Angestellte» möglich geivescn wäre, den Thäter zu entdecken. Ganze Posten Gänse. Ente», Hühner, Fasane» und anderes Geflügel waren plötzlich verfchivnnden. ohne daß ans irgend jemand ein Verdacht gefalle» wäre, und ohne daß man die geringste Vermnthnng über den Verbleib der gestohlenen Waare» gehabt hätte. Herr Müller war jedoch schon seit längerer Zeit der selten Ueber- zcugung, daß es sich nm«inen Hansdieb bandeln müsse. Da nun auch die Tageslosung in dem Geschäft immer geringer wurde, so fahndete er mit aller Energie auf den Dieb, und endlich gelang es ihm, denselben in der Person seiner seil Jahren bei ihm angestellten Verkäuferin zu entdecken, auf deren unbedingte Ehrlich- keil nnd Treue er, wie er selbst sagt, geschworen hätte.'Als die Beikäuserin verhaftet werden sollte, verfiel sie in epileptische Krämpfe. so daß sie statt nach dem Polizeigewahrsam zur Cbaritee geschafft werden mnßle. Dort hat sie nun die Diebstähle und seit Jahren fortgesetzten Unterschlagungen(wie sie selbst bekundet, hat sie z. B fast täglich Betlfedern pfundweise verkauft und de» Ertrag nicht ab- 8«liefert) unumwnnden zugegeben, sich aber damit entschuldigt, daß e an„krankhafter Kleptomanie" leide, was mit ihrem epileptischen Zustand zusammenhänge. Einen tödtliche» SlnSgang hat ein Bau-Unfall genommen, dir sich vor einige» Tagen in Hermsdorf zutrug. Hier stürzte der 83 Jahre alte Arbeiter Bruno Fischer von etncm Van ab und zog sich außer einem Bruch deS linken'Armes schwerejinnere Verletzungen zu. Im hiesigen Paul Gerhardl-Stist an der Müllerstraße ist der Verunglückte seinen Verletzungen erlegen. Laut Vcrfiißnng des Regierungspräsidenten vom 20. d. M. beginnt die ursprünglich für den lö. Dezember angeordnete Sperre der Schleusen zu Charlottenbnrg erst am l. Januar n. I. Auf die Petition der beiheiligte» Rheder zu Berlin. Spandau und Hamburg theill der Präsident mit, daß es vielleicht, so lange das Wasser offen sei, möglich sein wird, stets eine der Schleusen zu Charlottenburg für den Betrieb offen zu halten. Die Tchaffniifl eines Radfahrweges auf dem Knrfiirstc»- dämm hat der Magistrat von Chnrlottenburg in die Hand ge- nomine». Dem Vernehmen nach hat er eine ans Mitgliedern des Magistrats nnd der Tiefbaudepnlation bestehend« besondere Kom- Mission zur Vorberathung dieser Angelegenheit gebildet. Die Charlottenburger Stadtverordtttten-Bersammlnug hat den Antrag des Magistrats, die Zahl der Beisitzer des Gewerbe- gerichts von 16 auf 24 zu erhöhen, ohne Erörterung angenommen. Sclbsimordversnch einer Greisin. Bewußtlos wurde vor- gestern Vormittag lO'/a Uhr in ihrer in der Orangenstraße 7 zu Charlotten bürg belegenen Wohnung die verwittwete Frau tenriette Jänicke geb. Firneisen, eine 67jährige Dame, aufgefunden. ie hatte sich, wie die„Charl. N. Z." meldet, die Pultlader an der linken Hand geöffnet nnd war dem Verbluten nahe. Nachdem der auf polizeiliche Requisition herbeigeholte Arzt Dr. med. Etrobel eine» Noibverband angelegt hatte, wurde Frau Jänicke in höchst kritischem Zustande mittels Kopp'schen Krankenwagens nach dem Charlottenburger Krankenhause gebracht. Ans Spandau wird der„Nat.-Ztg." geschrieben: Auf dem Güterbahnhof der Lehrter Eisenbahn in Spandau versagten dieser Tage die Weichen de» Dienst und der Fahrbetrieb mußte eingestellt weiden. In der Zwischenzeit forschte man nach der Ursache der auffälligen Erscheinung. Da entdeckte man schließlich in den' Weichenthnrm, daß er einzig darin befindliche Beamte, der bejahrte Weichensteller Mehls, bewegungslos am Boden lag; er war von einem Schlaganfall betroffen worden und konnte natürlich seinen Dienst nicht mehr versehe». Er starb bald darauf. Konnte es nicht verhängnißvoll werden, einen einzige» Beamten allein an einer so verantwortungsvollen Stelle zu lasse»? Der miserable Zustand der Nheinstraße in Friedenau hat wiederum ein Opfer gefordert. Am Mittwoch Nachmittag gegen l/, S Uhr wollte ein mit Sand beladener zweispänniger Wagen von der Kirchstraße in die Rheinstraße einbiege». Als aber der Wagen über die Dainpsbabulchienen fuhr, brachen infolge des schlechten Pflasters die Speichen des rechten Hinterrades, und der Stoß war so gewallig, daß der Kranz des Rade? mit einige» Speichen über die Straße weiter rollte und den kleinen, 4- bis 3 jährigen Knaben des Klempnermeisters Steinmetz so unglücklich traf, daß das Kind von dem Vater i» bewußtlosem Znstande»ach der Wohnung ge- tragen wurde. Ei» ErpressuugSverfuch nnter Bedrohung mit einem Ver- brechen ist in Spandau von einem jungen Porzellanarbeiter be- gangen worden. Die Tochter des in der Adamstraße wohnhaften Großschlnchlermcisters Scheuerlein hatte ei» Schreiben erhalten. worin ihr angedroht war, daß sie todtgeschosse» rverden würde, wen» sie nicht zur bestimmten Zeit— Dienstag 10 Uhr abends— a» einer näher bezeichneten Stelle in der Pichelsdorfer- straße V0 Mark niederlegte; der Brief trug keine Unterschrift. Iii» den freche» Menschen zu ermitteln, entschloß man sich, auf die Sache scheinbar einzugehen, und zur festgesetzte» Zeit begab sich das junge Mädchen an de» bezeichnete» Ort. wo sie ei» kleines Packet niederlegte. Vorher halten sich in der Nähe zwei Schlächtergesellen versteckt� Gleich darauf kam ein junger Mann herbei, der das Packet an sich nahm und davonlief. Obwohl er sogleich versolgl rvurde, enikanr er in ei» Hans der Pichelsdorferstraße, wo er wobnte. Am Mittwoch ist er aber verhaftet worden. Es ist ein S8jchriger lediger Arbeiter der Spandauer Porzellanfabril Namens Przybow-ky. In Sache» der Ermordung deS Schulmädchens Vahrendorf in Spandau wurden de» Zeugen kürzlich nicht iveniger als zehn verdächtige Personen gegenübergestellt, meist diesjährige Sommer- gäste der Villenkolonien anf Tegelort; in keinem ist aber der Ent- sührer des Mädchens wiedererkannt worden. Neuerdings hat sich der Verdacht ans einen inzwischen wegen eines Siltlichkeilsverbrechens bestraften Gastivirlbssoh» ans Berlin gelenkt, der sich gleichfalls zur kritischen Zeit in Tegclort aufgehalten hat. Zunächst soll dessen Photographie den Zeugen vorgelegt werden. Versttttrml u Nlgen. In einer sehr gut besuchten Versammlung für den Z4. Kommunal- Wahlbezirk, die am Mitiivoch bei Hensel, Ja- validenslraße, tagte, refenrle der Reichstags- Abgeordnet« Genosse Bebel über die bevorstehenden Stichwahlen. In einem fast zweistündigen Vortrag« erörterte der Redner alle diejenige» Ausgaben, welche eine gut verwaltete Koiirinmie de» Bürgern gegenüber auf den verschiedentliche» Gebieten, speziell aber aus dem Gebiete der Schule, der Krankenpflege, des Verkehrs-, BeleuchtungS- und Snb- missiouswesens zu ersüllen hat, wobei er auf die Einrich- tunge» anderer Städte verwies, die vielfach weit bessere, den Verhällnissen entsprechendere Einrichtungen bereits getroffen haben. die ober auch gleichzeitig beweisen, daß die Forderungen der Sozialdemokralie gegenüber der Stadtverwaltung nicht nur in allen Fällen richtige, sondern auch durchführbar sind. Der Redner forderte zum Schluß, indem er sich auch a» die Frauen mit dem Ersuchen wandte, in jeder Weise für die Sozialdemokralie ihätig zu sei», die Versammelten auf, daS Versäumte nachzuholen, um den sozialdemokratischen Kandidaten zu», Siege zu verhelfen. Der interessante Vortrag wurde mit stürmischem Beifall von der Versammlung aufgenommen. In der hierauf folgenden Diskussion nah», der Genosse A. Kahn von den Handlungsgehilfen das Wort, der in längeren, sehr treffende» Ausführungen das Verhalten der„freisinnigen" Vertreter zu den i» jeder Weise berechtigten Wünschen der Handlungsgehilsen beleuchtete nnd dieses Verhalte» der Fretsinnsheldc» nnter lebhafter Zustimmung der Ver- sammlung einer herben Kritik unterzog. Hierauf schilderte der Kandidat für den 34. Bezirk Genosse B o r g m a n n, die Zustände in der„liberalen" Stadlverwaltung und kennzeichnete im weiteren die recht niedrige Art der Agitation seitens der Gegner, die, weil ihnen sachliche Gründe fehlen,»»sere Kandidaten persönlich angreifen und sie i» de» Augen der Wähler herabzusehen und sich nicht scheuen, in ihre» Flugblätter» lügenhafte Behauptungen, z. B. daß die frei- ünnigen Vertreter für das geheime Wahlrecht zur Stadtverordneten- Bersamnilung eingetreten sind, anf.znstelle». Nachdem der Vorsitzende Genosse Hellwig noch auf die Bedentnng der Arbeiterpresse hin- gewiesen und zur regen Betheilignng an den'Arbeiten am Wahltage aufgefordert hatte, erfolgte der Schluß der Versanunlung mit einem begeisternde» Hoch ans die Sozialdemokralie. Eine KommunalwLhler-Vrrsammlnng für den 38. Bezirk, die sich eines guten Besuches erfreute, tagte am Mittwoch in der Norddeutsche» Brauerei. Der Referent Genosse Singer führte den Versammelte» in wirkungsvollem Vortrage die Haltung der frei- sinnige» Stadiverordneteu-Mehrdeil vor Auge» und sorderle die pro- letarischen Wähler des Bezirks anf, mit alle» Kräften für den Sieg des sozialdemokratischen Kandidaten zu wirken. Dem mit lebhaftem Beifall anfaenvminencn Vortrage folgte eine kurze zustimmende Dis- tnsflon. Zni» Schluß forderte Genosse Ernst zur rege» Betheilignng an de» Wahlarbeiten auf. tili»» d-r«»»Iii»»» zr>l>el»er>>,r«ln» S«rII»» mifc d-t- Zli»o»s«»l> Bar- Ntzcnder P. G e» l, DreSdeaertir. I07/IN».«Ute guschrtslea, de» BeretnSlalender relrctsei d. sind an H V i n d I x,?II-randr!»«nsrrnkie Iva, z» richlerr. Arbeiter- Pa»ch«rbn»d K-rli»«»»d der Zt,»s-aend. Aenverrniiien im V-reinSlalcnder sind zu richlen an Herniann B ra u» lchrv e i g, TreSdener» strab- so, a. Hos. Ai lxllri' jS仫e»i>»nd Berlin» und Umgegend. Vargtzender«Id. Meumann, Brunnenlir. reo. Alle««uder»»aen im Ver«i»«k>rle»der sind i>l ruhte» a» Friedrich Js o r i»»,. ManleusselNr. 50, u. a Tr. «-><>» Iieilvere!» I. Heute, Freilag. den 16. November, abends«1 Uhr. im Saale der Arnrinhallen,»ounnandantensiraß» av: Oelienllicher Varlrag über: „Frauenkiankheiie»"»Iii»>l«nler»nge» an grobe» analouiischeii Abbildungen, Referent: Herr b>e. meü K ip« Hasse. Nu' sür Damen. Aunlt»»>n»rd». Zeichner. Heute, FreUag, abend»»Uhr, im„Englischen Hos", Neue Rabflr. 8: Sitzimg. Briefkasten der Redaktion. Mir bllle», bei seder Ansrage eine ahissre liwet VuchNaben oder«Nie Zahl) anrngeben,»nier der die Anlworr erlheili rverden log. Tie juristische Sprechsinndc sinbct Sonnabend von t» bis 7 Ilhr abendS statt. W. R. 15. Tl, eilen Sie»nS diite de» Namen des Ausstellers«"«. � Zh. Jy. 1. Sie ihn» am besten, sich beim StandeSaurte Ihres Bezirw zu erluiwigen. 2. Eine Stimme über die Halste der abgegebenen. 3. Bis g Uhr abends. A. Winzler. Ihre Notiz können wir im redaktionellen Thetl nicht aufnehmen, sie hat kein allgemeines Interesse. H. R. I7G. Seit 1W4. Panl Ficbig. Ja._ Wetter-Prognose fit» Freitag, 26. November 1M07. St.ilt, ihecks heiler, ibeils wolkig bei mäßigen nördliche» Winden; keine erhebliche» Niederschläge. Berliner W e t t e r b u r e a». k'i'Sis Volksbühne. 'StA"; iiiorjjon, Sonnabend, abdo. 8 Ilhi», in dci. Brauerei Frledrichshaln. Entree 30 Pf. Billets sind nur in den Zahlstellen des Vereins su haben, da eine offene Kasse nicht stati findet.(Siehe itfcittriarca Inserat.)[299/14] Der Torstand. I. A.: G. W i n k 1 e r. (Zahlstelle Berlin.) Heute, Freitag, abends 8'/« Uhr, bei Cohn, Beuthstr. 20/21:[288/20 Sitzung der Ortsverwaltuug. Montag, den 29. Nobernber, abends 7 Uhr, Bcnthstraste 20-21; Branchenversammlung der Korbmacher. Tages-Ordnung: I. Berichterstattung und Abrechnung über den Streik. 2. Branchen angelegenheiten. 3. Verschiedenes. ISinsetSen. Sonntag. 28. November, vormittags II Uhr, Alte Jakobstr. 83: iV Tersammlung. Bitte recht zahlreich zu erscheinen._ Mum! Maurer. Achtung! Sonntag, den 28. November, vormittags 10»/, Uhr: Zwei Mitglieder-Versammlungen der Filiale Berlin II des Zentralverbandes deutscher Maurer. Für den forden, Weddlng und Oranlcnbiirfrer Vorstadt tili Lokale deS Genossen dnllns IVernan, Schwcdtcrstr. 23/24. Für den Osten, Nordosten und Südosten im Lokale des Herrn Thiel, Frnchtstraflc 36 a. Tagesordnung: l. Vortrag. 2. DiSkusston. 3. Gewerkschaftliches. Referenten: Genossen I-ItUn und Sllborsclnuldt- Am Rachmittag 3 Uhr desselben TageS im Lokale deS Herrn Kantenberg, Oranirit. Strafte Nr. 180s Versammlung mit Frauen. Referent: Genosse Kassatsoh. 0�" Obige Versammlungen können nur dann ihren Zweck erslllleil> wenn selbige gut besucht werben; eS wird d«n Verbandsmitgliedern doppelt zur Pflicht gemacht, bishalb kröftig für guten Besuch derselben zu wirken. Für die Versnmiiilnng am Nachmittag, woran Frauen theilnehmen, muß ganz besonders agttirt werden. Den Mitgliedern, welche im Süden der Stadt wohnen, tyeilen wir mit, daß vom Sonnabend, den 27. November ab die VerbandSbeiträg« im Lokal deS Herrn Emil A ro sse, Zossener- und Banitherstraßen-Ecke entgegen genommen werden. 137/20 _ Mit kollegialem Gruß Die Lokalverwaltung._ Ttsckiler Vevein. Sonnabend, 27. November, abend» 8»/, Uhr, Mclchiorstrafte 15: MK" Meraammiung"MI Tages-Ordnung: Unterstütznil gSgesuche, Vereinsangelegenheiten und Ausgabe der BilletS zur„Urania".[199/13] Der Torstand. Achtung! US. WahSkreisS Achtung! Freitag, den 26. November, abends S'I, Uhr: 4 grosse öfientl. Volks-Versammlungen 1. Ahrens' Brauerei, Thurm str. 26, für den 40. Bezirk(Moabit). 2. Norddeutsche Brauerei, Chausseestr. 57|58, für den 68. Bezirk(Oranienburger Vorstadt). 3. Beusel's Salon, Jnvalidenstr. la, für den 34. Bezirk(Nosenthaler Vorstadt). 4. J. Wernau, Schwedterstr. 23|24, für den 32. Bezirk(Schbnhanser Vorstadt). Tttgcs-Ordunug: Devkündung des ÄV«hlvefiiltttks. 1221,12 _ Zu recht zahlreichem Besuch laden ein___ Die Wahlkoiwltces._ Heute! zreitliii Abend 3 W: Resnltllt-'Verkjiildigilllg der Stichwahlen im Restaurant Zubeil, Lolal Lindenstrafte 106. Am Sonntag, den 28. d. M.« vormittags 10 Uhr, findet Nannhn- strafte 27 eine Bersamnilung zur Aiifslellinig der Kandidaten für Dcle- girten-Wahlen bei der OrtS-Kranken- lasse der Gürtler statt. Ter Eiiitrilt ist nur grobsährlgen Mitgliedern, welche sich durch QuittniigSbuch lcgilimiren, ge- staltet. 3030b I.«. Knelir. Achtung! Bml'beittt. Achtung! Sonntag, den 28. November, vormittags 11 Uhr, in de» Andreas- Festsitlen, Andreasstrafte 21(grofter Saal): Große kombinirte Mglleder- Versammlung sür Berlin»nd süvimtlillie Vororte. Tagesordnung: 1. DaS Stretkfoiids-Markeiisvstein und wie gedenken die Banarbeiter dieses einheitlich zu regeln? 2. VerbairdSanaelegenhclten. DW Die Kollegen werden ersucht, die Listen für die ausgesperrten Stcttnier Kollegen in dieser Versammlung abzuliefern. Neue Mitglieder werden ausgenommen. 37/b _ Die OrtSvertvaltung I. R Beier, Hufsttenstr, S. Achtung! Steillarbtiter. Achtung! Sonntae, den SS. November, vormittags 10 Uhr, Im Englischen«arten, Alexnnderstr. L7e: Große öffentliche Versammlung TageS- Orb iiu na: 1. Auflösung der Innung. 2. Wahl etneS OrtSstattstiker». 3. Ver- schledencS. 207/14 Wegen der Wichilgkeit der Versammlung ist eS Pflicht, daß ieber Kollege erscheint._ Der Tertrnnensmann. Verband der Bau-, M- tnid amerblichen Hiljsarbciter. (Zahlstelle Schoneberg.) ,4.m Sonntag, den SS. November, nachmittags l'/a lilir, bei Obst,©rnncwaldstrasso HO: Mitglieder-Versammlung. Tages-Ordnung: Aufnahme neuer Mitglieder.- Um pünktliches Erscheinen ersticht 29/17 Die Ortsverwaltung. Achtiing, Slljäste-Arbeiter»nd-Arbtiteriiluen. Sonntag. 28. November, vormlttngs 11 Uhr.«enthstraftc 20/21: vOlsviitNekL Vortrag" Abrechnung der Ägitationskommisfion._ 20326 Achtung! Zeiltral-Kraiikeil-». Zterbe- kasse der Tischler u. anderer gewerblicher Arbeiter. (Verwaltung ilcrlin lt.) Ansscrordcntllclio Achtung! Britz. Achtung! Am Sonntag, den 88. November, nachmittags 8 Uhr, bei Dorn, Bttrgerstrasse So. 4 t Große össeiitl. ArteiveOmmlung. Tages-Ordnung! 1. Bortrag des Genossen W, Kberliardt. 2. Diskussion. 3. Wahl der Delegirten zur Kreiskoirferenz. 4. Verschiedenes. Zur Deckung der Uulosten wird ein Eutree von 10 Pf. erhoben. 224/8 Der Tertraneasmann. 1 Partie MaSkcn-Garbertzbe z. verk. I Großes BereinSzimmcr zu ver- Weißense«, LanghanSstr. 27 a. 202yb 1 geben. Sknger, Jagowstr. 21. Mitslitdtr-Vtrsaminliiilg am Soiriitag, den 28. November, vormtittags 0>/,»hr, im Märkische» Hof(oberer Saal), Admtralstr. 18«. Tages- Ordnung: 1. Neuwahl eines Bevollmöchtigten. 2. Beschlußfassung über Verlege»»nd Eingehen einer Zahlstelle, evcnt. Wahl eines Beitragsammlers. 4. Bericht des Vertreters der Vereinigung freier tilfskassen. 4. Verschiedene Kassen- ngelegrnhclten. 181/17 Mitgliedsbuch legitimirt. Für Vereine! Me Tage noch zu haben: Saal m. Bühne, vereinsztmmcr m. Piano, Kegelbahn, Abend 2, S0M. Invaliden- straße 140 bei Biilh. Weift. 3ll70L» Die Bersammlunge»« des Elekll'ottlsjnisllie» Vertiils Berlins und Umgegend finden am 2. und 4. Soimabend lebeti Monats, abcudS 8Vj Uhr, im Vereinslokal»Zum alten Plätteiscn", 0., Schillingstr. 30, statt, verbünd, mit Fach- Vorträgen, und werden für den Verein sich intcrcsstrende Herren zum Beitritt crgebcnst eingeladen. 2037b Aufnahme finden alle in der elcltri- scheu sowie verwandten Branchen de- fchästigten Herren, welche praktisch ausgebildet sind, sowie Maschinisten und Heizer. Der Borstand. W. S a w i tz k y, Wasserthorstr. 70. Aclituiig! Mergolder. Sonntag, den 28. November, vormittags 10 Uhr, bei Werner, Bnlowstrafte 59t Moraensprache alle i» der Rahmenbran Rahmenbranche Vcrgolder u. BerufSg. für beschäft. 210/15 Die Agttationskömmissi lreichc Betheiligung ersucht '""io»». Mr heu Inhalt der Inserate «tamininit die Redaktion den, �»nbliknm gegeiiiider keinerlei Berantwortiing. Tlzeakvv. Freitag, 26 November -Opernhaus. Hansel und GreteL Die Puppenfee Anfang 7Vz Uhr Schauspielhans. Maria Magdalene Ansang TV;. Uhr Deutsches. Das Käthchen von Heil- bronn. Aniang 7Vz Uhr Berliner. In Behandlung� An fang 7Vz Uhr. Goethe. Der Psarrrr von Kirchseld Ansang 7>/z Uhr. Lessing."Hans Huckebetn. Ansang 7-/2 Uhr. Schiller. Lanina Vanint. Ansang 8 Uhr. Belle-Alliance. Die Grille. Ansang 7-/2 Uhr. Luisen. Hopfenrath's Erben. Ansang 8 Uhr. -Unter de» Linde». Blaubart. Anfang 7l/z Uhr. Thalia. Frau.Lieutenant. Ansang � Uhr. Central. Berliner Fahrte» Anfang „ 71/2 Uhr. Ostend. Leben und Lieben. An- sang 8 Uhr. Neues... Aschermittwoch Vorher: J»I Hörselberg. Ansang 7>/z Uhr Residenz. Dorina. Vorher: Vioo vorsa. Ansang 7'/, Uhr. Friedrich> Wilhelms,, tbitscheS Der keusche Joseph. Anfang 8 Uhr. NIexanderplah. Geheimnisse. An- sang 7-/z Uhr Urania. Taubenstrahe 48— 4v. Naturkundl Ausstellung v. K> Uhr vormittags ab Abends 8 Uhr Wissenschaftl. Theater Jnvalidenstrahe S7/6S. Täglich (ausser Sonntags und Mittwochs) abends 8 Uhr: Wlssenschastliche Vorträge. Reichshalle». Spezialitäten. An- sang 8 Uhr. American. Spezialitäten. Anfang 7'/2 Uhr. Apollo. Spezialitäten. Ans. 7>/z Uhr. Fecn-Palast. Spezialitäten Passage> Paiioptik»,». Wiener Tanz- und Operctten-Gcscllschast. (Waslner-Theater). Freitag, abends 8 Uhr: Vanina Banini. Sonnabend, abends 8 Uhr: Vanina Vanini. Sonntag, nachinittags 3 Uhr: Vierte Vorstellung im Schiller- Zyklus: Maria Stuart.— Abends 8 Uhr: Madame Bonivard. Luisen-Theater 34. Neichenbergerstraste 31. Abends 8 Uhr: iopstnratd'g Erben. Volksstück mit Gesang in b Bildern von H. Willen. Musik vonG Michaelis Sonnabend, zum 1 Male: MeliMerNIolM' von Venedig Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Volks-Vorstellungzu kleinen Preisen Nur einmalige Aufführung: Das alte Lied, von Felix Philipps Regie:.Inlin» Türk. Villets i, CO Ps. in den bekannten Verkaussstchcn Ostend-Theater. Gr. Krankfurlerstr. 132. Dir. C. Wels,. Novität! Novität! Leben und Lieben. Volksstück mit Gesang in 5 Akten von Oskar Klein. Musik von Gustav Wand« Unter per- sönlicher Leitung des Komponisten. Ansang 8 Uhr. Im Tunnel v. 7.Uhr ab: — Frei-Koirzert.— Sonnabend: Leben und Lieben. Sonntag Nachmittag, halbe Preise: Gebannt und erlöst.— Abends: Leben und Lieben. Centpal-Theater Alle Jakobstr. 30. Direktion Richard Schnitz. Freitag, den 26. November I8l>7: Emil Thomas a. G. Zum 82. Male: Berliner Fahrten. Burleske AiisstattungspossemitGesaiig und Tanz in 6 Bilder» von Julius Freund und Wilhelm Mannsläd t. Musik von Jul Einvdshoscr. Ansang V-3 Uhr. Morgen und die solgcndcn Tage: Berliner Fahrten. Urania Tanbcnstrassc 48—49. Naturkundl. Ausstellung täglich geöffnet von 10 Uhr vormittags ab, Eintritt 50 Pf.— Abends S Uhr Wissenschaftl.. Theater. Invalidcnstrhsse Xo. 57/63: Täglich(ausser■ Sonntags und Mittwochs) abds. 8 Uhr; Wissenschaftliche Vorträge. Näheros die Tagesanschläge! BH I. Original- Budapester Possen- n. Operetten- Theater Begründer und Direktion: Anton und Donat Herrnfeld. Kaufmann's Yartele. Heute zum 81. Male: Ein Abend im Wintergarten. Im Atelier. Femer das hervorragende, Speziali tüte n-Ensemblo In Vorbereitung Familie Kochsalz. Ton Dreien der Olttcktichste. Passage-Panoplicutti. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 10 Uhr abends. .Wiener Tanz- und Operellen- Gesellscliaft. 6-10 Uhr. Castan's Panopticnm. Friedriclrstr. 165, Indisch- hindnsta- nische Ca n kl e r — und— Schlange n- Ileschwörcr. Das BÄRENWEIB. Alcazar VariÄte- Theater I Banges Drcsdeiierstrassc 52/53(Citss-Passage) Annenstrasse 42/43, Dtreftion Richard W i 11 k I e r. Vornehmster Familien- Ausenthalt. Mit durchweg neuer Ausstattung; Tolle Berliner Fahrten. Ausstattungs- Burleske mit Gesang und Tanz.— Vorher: Junge Männer». alte Weiber. Lustspiel i» I Alt vo» Th. Apcl. Austreten sämmtl. Kuust-Spezialitäten Ullküllil' Wochentags 8 Uhr. illl(!III!|. Sonntags gl/, Uhr ÜM- Entrcc 30 Pf.— Nescrvirter Platz 50 Ps. R eichshailen- Theater. Leipzigerstrasse 77. Kolossaler Erfolg des nenen Programms. Melanie Koherti. Albcrti-Alhcrtina. Paxton's Gallcrie schöner Frauen. llka als lustige Schwiegermutter. Paul Backer etc. Anfang des Konzerts TVa Uhr, der Vorstellung 8 Uhr, Entree 50 Pfg Im Eeichshallen-Tunnel: Militär-Concert Kapelle d. 2. Garde-Eeg. i.Unif, Kgl. Musikdir. Max Graf Anfang 8 Uhr.' Entree 20 Pf Quarg 's Vaudeville Theater Grand Hotel Alexanderpl K�Das � � Modell. -k -G ts &Z c Wo ff ä-- :§ Armband. Ä Ü Ganz Berlin spricht von.R H N- K d.esen ZllgstillkeN. � gttznn's Vaudeville Theater r! S Grand Hotel Alexanderpl LS Burgstr. SS. Dir: Wlnkler dt Frttbel. Neu! Die Neu! Nallet-Nakten. Hauptrollen: Mich. Winkler und Wich. Fröbel Dazu das neue seufationelle A 0 v e in b e r- P r 0 g r a in ,11. U. a. Wotpert Tris— Greflens Adolphi u. Erncsto- Niefries — Fried Hanson— Ballet Bar- barina und die hier so beliebten Lebende» Photographien. Anfang 7Vz Uhr Sonntags 6 Uhr Entree 30 Ps bis 1,50 M Clrcus Busch (Bahnhof Blirsc). Freitag, de»»«. Nabelnder. abends 7'/, Uhr:. 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Wochent Passe-partouts gütig Diese Vorstellungen ände» icden Sonlltag, Dieitstag und Donnerstag statt. II. Pierr;-. W. Noack's Theater B r 11 n 11 c 11• 8 l r a s s e IG. Heute, Freitag, den 26. November: $ie Blinde von Paris. Schauspiel ui 5 Aufzügen nach dem Französischen von Hernnann. 8onnabend wegen Privatfestlichkeit Keine Vorstellung. Victoria-Brauerei. Lützowstr 111/112 (nahe Potsdamer Platz) Jeden Freitag und Montag! SMIaar Sänger tMesssel, Pieteo, Britto», Steidl, Kraue, Röhl. Schneider und Schräder.) Ansaug 8 Uhr. � Entree 55 Pf Borverkaus 4O Ps Zum Schluss,»enr Ein Orchester-8treik. Jnftrumcntal-Eiisemble v. Meysel. Vuihs- Vlacutcr im Htz'eit-IIestaiirant S7. D r c s d e 11 c r- S t r a ss e G7. Novität! Täglich: Novität! O diese Radler! Possen- Burleske von O. R 0 e d e r Im vorderen Saale: „Alrnenraiisch n. Edelweiss" Tssrvler Säuger-Gesellschaft. Direktion: Alois Ebner. Anirttfll- Souutags 6 Uhr. ilU|ülig. Wochentags 7'/, Uhr Apollo-Vksiitsr. Friedrichsir.»18. Dir.d. 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Aus die Erklärung des Herrn P Eckard l von gestern in Nr.275 habe ich nichts zurückzunchuielr. Ich empfehle dem Herrn, sein Vorhaben vor dem 1. Dezember auszuführen, da ich am 1. Dezember mein Geschäft schließe. Ich habe dem Herrn, bepor er mielhete. erklärt, dass ich gekündigt habe, um den Wirth zu veranlassen, die Miethe herabzusetzen, da dieselbe für dieses Geichäst kann, zu er- schwinge» ist. Herr E ck a r d t hatte trotzdem nichts eiligeres zu thu», als zu miethen. W. Grube. 2028b Hiermit nehme ich die gegen Herrn .JÜliner ausgestossene Beleidiginig zurück Arit. � A>27b Für einen Rech«soi»valtSschreiber. 23 I alt, Stenograph, dem es nicht geliiigxn will, Stell, zu erl., wird dringend m» Nachm. e. Stellung geb Gest Off an Rieger-Spandau, Mittelsir. 3. 2034b TV. Köslinerstr. Ä. Dar! 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