Für unsere Kinder Nr.20 o o o o o o o Vellage zur Gleichheit 0000000 19l0 Inhaltsverzeichnis: Spruch. Von Cäsar Flaisch- Irn.— Drr Steinllopfer. Bon Edgar Hahnewald. — Die Enten. Bon Emma Döltz.(Gedicht.)— Erfindungen und Entdeckungen: Die Erfindung der Buchdruckerkunst. Bon Jürgen Brand.— In Großvaters Auftrag. Von HanS Aanrud. (Schluß.)— Bon den zwei Fröschen, die das Nähen lernten. Bon Viktor Blüthgen.— Der Bauer und der Teufel. Von Brüder Grimm.— Glühwürmchen. Bon E. H. EtraSdurger.(Gedicht.) Spruch. Don ckts« Slalschlen. Was kommt, das kommt: Sturm od« Sonnenschein I -bast du die Äand nur fest am Steuer, wird Leid und Weh auch dir zum Ziel gedeihn und frisch« Wind nur in die Segel seinl 000 Der Steinklopfer. Vor mir liegt ein kleiner, unscheinbarer Steinb rocken. Es ist»in Stück gemeiner Pläner, wie man ihn hierzulande allerorten auflesen kann. Erst wenn man ihn betrachtend in der Hand hin und her wendet, entdeckt das Auge auf dem blaugrauen Stein den deutlichen und schonen Abdruck einer versteinerten Muschel. Ein Zufall ließ mich den unscheinbaren Rest einer längst vergangenen Zeit finden. Ich steckte den Stein zu mir, weil ich seine Ge schichte kannte. Sie ist sehr schön und hört fich fast an wie ein seltsames Märchen. Es ist aber nicht nötig, daß ich hier erzähle, wie die Muschel in den Stein kam. Du kannst diese Geschichte in jedem Lehrbuch der Geo logie nachlesen. Schlage das Kapitel über die Kreidezeit auf. Dort steht die Geschichte, wie die kleine Muschel in den Tiefen des Kreide- weeres«in fröhliches Leben führte, bis sie endlich in seinen Schlammschichten ihr Grab fand. Dort ist sie dann langsam zu Stein geworden, als das Kreidemeer längst verrauscht war. Lange, lange Ewigkeiten hat sie dort gelegen, bis endlich d« Schlag deS Stein brech«» si, zutage fördert«. Ein kleines Stück Ewigkeit ist der Stein brocken, der so unbedeutend daliegt. Du würdest ihn achtlos mit dem Fuße beiseite stoßen, wenn er dir auf der Straße im Wege läge.»» S Aber der Stein � hat noch eine andere Ge schichte. Und wenn dir die erste vielleicht ge fiel, so wird dir die zweite recht viel zu denken geben. An dem Tage, als ich den Stein heimschleppte, mußte ich über Land. Auf dem Wege kam ich an einem Steinbruch vorüber. Arbeiter brachen hier harten, roten Syenit. An langen Draht seilen hingen sie wie Schwalben an der steilen Wand, und ihre schweren Meißel nagten von früh biS abends am Felsen. KipploriS liefen auf schmalen Schienen geschäftig hin und her und schafften das gebrochene Gestein inS Werk. Dort kneten Männer und Frauen mit großen Schutzbrillen vor dem Steinhaufen und schlugen die Blöcke in kleine Stück«. Wie Maschinen ließen sie die kleinen Hämmer an den langen Stielen schwingen. Sie arbeiteten, ohne sich umzusehen. Sie sahen nicht die reisende Schön heit d« Feld«, über die die scheidende Sonne goldene Schauer warf. Nicht für sie winkten die blaue» Berge in der Ferne, die sausenden Wälder am Rande der Wiesen. Alle Gedanken an dies« Dinge sterben langsam dahin unter dem Klopfen der rastlosen Hämmer. Die Meißel knabbern an dem Felsen, den Jahrtausende gebaut haben. Der Mensch braucht Steine. Er braucht st«, um Straßen, Häuser und Fabriken zu bauen. Man sagt, er braucht auch Kirchen, Kasernen und Ge fängnisse. Der Mensch braucht die Steine. Der Stein brecher, d« sein Leben aufs Spiel setzt, wenn n die Felsen sprengt, leistet notwendige Ar beit. Di« Gesellschaft braucht Steine, er bricht sie und gibt von früh bis abends seine Kraft an diese Arbeit hin. Läßt ihn dafür die Gesellschaft an allem teilnehmen, was sie mit vollen Händen bieten kann? Hat der Steinbrecher bei seiner schweren Arbeit immer satt zu essen? Hat er eine ge- 'unde Wohnung und reine Kleider? Kann er an dem frischen Quell der Wissenschaften, am Ge- sunddruu»«» der Kunst seine müde Seele laben? 154 Für unsere Kinder Du weißt, daß er es nicht kann. Er kann es nicht, weil wenige Menschen alle Macht in Händen haben und die Fruchte der Arbeit für sich behalten. Der Steinklopfer am Wegrande weiß nichts von der Geschichte der kleinen Muschel, die im Stein steckt. Er weiß nichts von den Ewig keitswerten, die sein Hammer zerschlägt. Er weiß nichts von den gewaltigen Werdestimmen, die im Felsen schlummern. Er legt nicht den Hammer weg, um den versteinerten Rest ver gangener Jahrtausende zu betrachten, der eben unter seinen Schlägen zersprang. Er weiß nichts davon. Er hat nur einen Gedanken. Er muß arbeilen, arbeiten. Seine Kinder brauchen Brot. Als ich mir den Steinbrocken vom Abraum haufen auflas, ruhte der Schlegel einen Augen blick, und der Steinklopfer sah mir zu. Viel leicht hat er mich für einen Bummler gehalten. Sie fahren ja täglich an ihm vorüber in Auto mobilen und glänzenden Wagen, die Leute, die keine Hand rühren und doch alle Früchte seiner Arbeit ernten. Dann brennt wohl die heiße Frage zwischen den einzelnen Schlägen: Muß das alles so sein? Muß es sein? Der Steinklopfer ist der Sklave seiner Ar beit. Er muß arbeiten. Wenn er nicht arbeitet, hat er kein Brot, wenn er nicht arbeilet, hat er kein Bett und keinen Rock. Dieser Gedanke sitzt immer neben ihm, wenn er klopft. Wie die Unruhe eines Uhrwerkes läßt er den müden Schlegel wieder und wieder schwingen. Da dachte ich an den Arbeiter der Zukunft. Gewiß, auch in der Zukunft müssen Steine geklopft werden. Auch dann werden Stein brecher den Felsen bezwingen. Aber sie werden nicht mehr vom frühen Morgen bis zum späten Abend gebückt über ihrer Arbeit stehen müssen, damit ein Häuf lein Mächtiger, die leinen Finger krumm machen, em gutes Leben führen kann. Die Arbeit wird kein Fluch mehr sein. Sie wird die Freundin der Menschen sein, die ihnen die Schätze gibt, die das Leben schön und wert machen. Dann wird auch der Steinklopfer froh sein schweres Werk verrichten, weil er weiß, daß er nicht nur für die Tasche des reichen Stein bruchbesitzers arbeitet. Er wird wissen, daß er für alle Menschen tätig ist. Sein Körper ist gesund und kräftig, weil er satt zu essen hat und nicht mehr bis zum späten Abend den Schlegel schwingen muß. Die versteinerte Muschel, die sein Hammer auS dem Blocke aus vieltausendjähriger Ruh» herausklopft, wird er sich sinnend betrachten. Er kennt ihre Geschichte, weil er Zeit halte, sich zu bilden, und dann wird er die Muschel seinen Kindern zeigen und wird ihnen die Geschichte erzählen, wie die Muschel in den Stein hineinkam. In seiner freien Zeit wird er in das Theater gehen, das aus den Steinen erbaut ist, die er gebrochen hat. Er wird sich an den Bildwerken erfreuen, die der Künstler aus dem Blocke schuf, den er mit so vieler Mühe dem Felsen abrang. Dann wird ihm der Gedanke kommen, daß auch seine Arbeit half, den Bedürfnissen aller Menschen zu dienen. Und alle Menschen ver richten irgend eine Arbeit, deren Früchte er mitgenieben kann. Das wird ihm Freude an seinem Werke geben. Die Arbeiter der Zukunft werden frei sein. Sie werden nicht mehr Sklaven ihrer Arbeil sein. Sie werden arbeiten, weil Arbeit die Menschheit erhält. Dafür werden sie alles ge nießen, was das Leben so reich in seinem Schöße birgt. Sie werden nach der Arbeit Zeit haben, ihre Hände auf die klugen Köpfe ihrer Kinder zu legen und sich ihrer zu freuen. Unter ihren besten Freunden werden viele Bücher sein. Wenn ihre Augen in die klaren Zeilen blicken, werden sie lächeln, weil sie alles verstehen. Sie werden Augen haben für die Sonne und für die Vögel und für alle Dinge, die ringsumher schön sind. Sie werden satt und froh sein.«. Es ist nötig, daß du deine junge Kraft stählst, um ein Kämpfer zu werden. Dann wirst du stolz fühlen, wie schön es ist, für solche Ziele in den Reihen zu stehen. Du wirst lachen, wenn das Auge deines Nebenmannes dich kampsesfroh anblitzt. Denke daran, wenn du heute die Not des Steinklopfers siehst. Edgar Hahnewatd. o o o Die Enten. Von Emma Döly. Sind die Enten weit geschwommen, Wo das Schilf in Büscheln blüht, Qaben einen Ruf vernommen, Der sie mächtig vorwärts zieht. Wissen nicht, was dort geschehen, Fühlen nur den dunNen Drang, In der Nähe zu erspähen, Was»«» fern so lockend klang. Für unsere Kinder 155 Klagend tönt das Rufen wieder, Schon sind sie der Bucht genaht; Einzeln schwimmen sie hinüber Durch den schmalen Wasserpfad. In der Bucht, vom Schilf umschlossen, Von den Wellen sanft gewiegt, Einfam, flügellahm geschossen Eine wilde Ente liegt. Halb verwundert, halb erschrocken, Schaut die Schar beim Abendlicht. Eine dann, mit sanftem Locken, Zu der wilden Schwester spricht: ,, Komm mit uns, bei unserm Pfleger Kannst du sanft und sicher ruhn. Darf dir weder Hund noch Jäger Irgend was zuleide tun. ,, Romm, wir haben weiche Serzen, Zeigen dir am Stall die Tür, Und gerührt von deinen Schmerzen, Gönnen wir ein Plätzchen dir." Ihre Federn sträubt die Wilde, Traurig sie darauf versetzt: " Fliehn sollt' ich zum Menschenbilde, Das mich erst gejagt, gehegt? ,, Gerne wollten sie mich fangen, Schossen meine Brüder tot, Ihren Hunden bin entgangen Jch im Rohr mit knapper Not." Und die erste:„ Nun, ich sehe, Daß du alles halb gehört. Suchst du Schutz in Menschennähe, Wird er sicher dir gewährt. " Deinen wilden Trotz zu brechen, Einzig das Verlangen ist. Kommst du mit, kann ich versprechen, Daß du morgen mit uns frißt." Nein, nie werd' ich Futter nehmen Von der Hand, die mich bedroht! Könnt ihr euch der Freiheit schämen, Wohl, mir ist die Knechtschaft Tod. „ Besser doch in Freiheit sterben, Grüßend frei das letzte Licht, Als in Knechtschaft zu verderben. Zieht nur fort, ich brauch' euch nicht." Einsam liegt sie bald im Schilfe, Tief gekränkt zog fort die Schar, Schnatternd, daß da keine Hilfe, Wo nicht mehr zu raten war. Tiefer noch in das Gefieder Stecken sie den Kopf bei Nacht, Fürchten stets zu hören wieder Jenen Schrei, wenn sie erwacht. Draußen aber schlägt die Welle Leis im Taft am Uferbort. Bei der ersten Morgenhelle Zieht der Fremdling langsam fort. 000 Erfindungen und Entdeckungen. Die Erfindung der Buchdruckerkunst. Liebe Freunde!„ Um das Jahr 1440 erfand Johann Gutenberg die Buchdruckerkunst." Nicht wahr, so ist Euch in der Schule gelehrt worden? Und die Tatsache steht für Euch so fest, daß Ihr sicher überzeugt seid: Hätte es keinen Johann Gutenberg gegeben, so wartete die edle Buchdruckerkunst bis heute noch auf ihre ,, Erfindung". Oder anders: Hätte Johann Gutenberg 500 Jahre eher das Licht der Welt erblickt, dann wäre auch die Buchdruckerkunst schon ums Jahr 1000 erfunden worden. Ist es nicht so? Oder kommen Euch bei meinen Folgerungen doch einige Bedenken? Ich würde mich sehr freuen, wenn Euch Bedenken kämen; wenn Ihr Euch an das erinnern würdet, was Ihr in der Natur gelernt habt. Besinnt Euch! Wir haben von dieser Stelle aus häufig miteinander Ausflüge unternommen in Wald und Heide und haben uns bemüht, das Werden und Vergehen der Tiere und Pflanzen und die Gesetzmäßigkeit zu begreifen, nach der sich ihre Entwicklung vollzieht. Wir haben immer wieder erfennen müssen, daß nichts fertig dasteht, daß alles sich in Fluß befindet, alles sich aus Kleinem zu Großem, aus Einfachem zu Zusammengeseztem, aus Unvollkommenem zu Vollkom menem entwickelt". So war es auf dem Gebiet der Natur. Sollte es in der menschlichen Geschichte anders sein? Wohlan, laßt uns unserer alten Gepflogenheit treu bleiben und auch hier unsere eigenen Wege gehen. Vielleicht gelingt es uns, auch auf dem verworrenen Gebiete der menschlichen Geschichte eine ähnliche Gesetzmäßigkeit alles Geschehens zu erkennen, wie wir sie in der Natur überall erfannt haben. Das wäre gegenüber dem gedankenlosen Nachplappern geschichtlicher Tatsachen" ein Gewinn, der gar nicht hoch genug eingeschätzt werden könnte. * Wenn der Satz:„ Um das Jahr 1440 erfand Johann Gutenberg die Buchdruckerfunst" bes sagen soll: Die Buchdruckerkunst, von der man bis dahin keine Ahnung gehabt habe, sei plötz 156 Für unscrr Kinder lich eines schönen Morgens im Jahre 1440 aus dem Haupte des Johann Gutenberg hervor gesprungen wie Minerva aus dem Haupt des Zeus, so ist der Satz purer Unsinn. Keine Er findung ist in diesem Sinne Eigentum eines Menschen, und sei er noch so.bedeutend�; vielmehr ist es so: Viele Köpfe und Hände haben mitarbeiten müssen, haben mühsam Stein auf Stein gefügt, bis„die Zeit erfüllt war", und ein erleuchteter Kopf den Schluß stein in das stolze Gebäude setzen konnte; und an den Namen dieses Letzten in der Reihe knüpft sich dann meistens die„Erfindung". So ist es auch bei Gutcnbcrg gewesen. Wie kam dieser Goldschmied überhaupt dazu, alle Zeit und Kraft seines Lebens an die Erfin dung der Buchdruckerkunst zu setzen? Etwa, weil er gerade auf diese interessante Sache erpicht gewesen wäre? Eine solche Annahme wäre töricht und entspräche nicht der geschicht lichen Wahrheit. Wie wäre er zu einer andauern den, eingehenden Beschäftigung mit der Buch druckerei gekommen, wenn nicht ein dringendes Bedürfnis nach leichter und rascher Verviel fältigung von Schriftsätzen vorgelegen hätte. Der gesteigerte Handelsverkehr am Ausgang des Mittelallers erj orderte einen regen geistigen Verkehr, und der ließ sich natürlich nur in den seltensten Fällen von Person zu Person erledigen; da war auch das geschriebene Wort nur ein Notbehelf. Denkt Euch einmal aus unserem Heuligen Verkehr die Buchdruckerkunst fort. Keine Bücher, keine Zeitungen, keine Warenanpreisungen, keine Plakate, keine Be richte über Börsen, Handel und Verkehr, keine Flugblätter, kein Nachrichtendienst usw. Wahr haftig: wäre die Kunst zu drucken heute noch nicht erfunden, wir müßten sie morgen er finden, und, seid überzeugt, sie würde erfunden werden. So ähnlich lagen die Verhältnisse auch zu Gulenbcrgs Zeil. Die Frucht war zur Ernte reif, das heißt die zu ihrem Heranreifen er forderlichen Vorbedingungen waren erfüllt. Und ehe sie nicht erfüllt waren, konnte auch die.„Erfindung" nicht„gemacht" werden; darum ist es töricht, zu sagen, die Erfindung der Buchdruckerkunst würde früher erfolgt sein, wenn Gutenberg eher gelebt hätte. Es ist un möglich, das Dach eines Hauses hinaufzusetzen, wenn nicht vorher die Mauern gebauf sind; diese Mauern standen aber bereits, als Gulen- berg mit seinen Arbeiten begann. Es ist nicht richtig, wenn in vielen Schulbüchern mitge teilt wird, daß man vor Gulenberg nur ge schriebene Bücher gekannt habe. Schon am Ausgang des vierzehnten Jahrhunderts kannte man den sogenannten Briefdruck; dieser bestand darin, daß man die ganzen Seiten eines zu druckenden Buches auf Holztafeln schnitzte; soviel Seiten das Buch haben sollte, so viel Holztafeln waren also erforderlich. Das war ein mühsames Verfahren, und es entsprach deshalb nur der Sachlage, wenn man sich in den beteiligten Kreisen fortgesetzt bemühte, das unvollkommene und zeitraubende Verfahren des Briefdruckes durch ein besseres zu ersetzen. Eigentlich galt es nur noch, den letzlen Schritt zu tun, die Buchstaben einzeln herzustellen, damit sie jederzeit wieder zu anderen Wörtern zusammengesetzt werden konnten. Dieser letzte Schritt mußte erfolgen, und wir dürfen durch aus sagen: Hätte Gutenberg damals nicht ge lebt, so hätte eben ein anderer den entschei denden Schritt getan. Tatsächlich soll zur selben Zeit und unabhängig von Gutenberg der Florentiner Bernardo Cennini die Buch druckerkunst erfunden haben. Durch dies« Beurteilung seiner Erfindung wird das Verdienst Gutenbcrgs durchaus nicht geschmälert; ist er es doch gewesen, der unter allen seinen Zeitgenossen am klarsten erkannt hat, zu welchem Ziele die Entwicklung des Buchdruckes hinstrebte; er hat, wie alle großen Erfinder, die Summe aller vor ihm geinachten Ersahrungen zusammengefaßt; das bleibt seine unsterbliche Tat. Aber ungeschichtlich ist es, um das noch einmal festzustellen, eine Erfindung allein und ausschließlich einem einzelnen Menschen zuzu schreiben; Hunderte, vielleicht Tausende haben daran mitgearbeitet, und, was das Wichtigste ist, sie alle schöpften nicht etwa nur aus ihrem „Genie", sondern ausnahmslos gründeten sich ihre Bestrebungen auf ein vorliegendes Be dürfnis. Woher aber rührte dieses Bedürfnis? Wer hat es geschaffen? Niemand; ein Bedürfnis solcherart wird überhaupt nicht„geschaffen", sondern entsteht aus der wirtschaftlichen Ent wicklung. Ohne den mächtigen Aufschwung des Handelsverkehrs im Mittelalter ist die Ersinoung der Buchdruckerkunst überhaupt nicht denkbar. Oder, was meint Ihr, wäre es denkbar, daß irgend ein„genialer" Ger mane zu Hermanns des Cheruskers Zeiten die Buchdruckerei erfunden hätte? Und warum nicht? Sicher hat es doch auch unter den allen Germanen geistig bedeutende Menschen gegeben, die etwas mehr konnten als Met Für unsere Kinder trinken und auf der Bärenhaut liegen. Nun, sie konnten trotzdem die Kunst, Bücher zu drucken, nicht erfinden", weil die wirtschaftliche und damit auch die geistige Entwick lung noch nicht so weit vorgeschritten war, daß ein Bedürfnis nach gedruckten Büchern entstehen konnte. Das ist der Kern der ganzen Sache. Angenommen die Un möglichkeit, ein genialer Mensch hätte einige hundert Jahre vor Gutenberg die Buchdruckerfunft erfunden. Seine Zeitgenossen hätten sicher, weil die Erfindung keinen Anknüpfungspunkt in ihrem wirtschaftlichen( materiellen) Leben gefunden hätte, ihr gänzlich verständnislos gegenübergestanden; hätten sie wahrscheinlich als„ brotlose Kunst" oder gar als Teufelswerk verschrien, und wer weiß, wie es dem armen genialen Erfinder ergangen wäre. Beispielen dieser Art begegnen wir in der Geschichte der Erfindungen nicht selten. Die verständnislose Nachwelt redet in solchen Fällen von Undant, der nun einmal der Lohn der Welt sei. Wer aber den Ursachen der geschichtlichen Erscheinungen nachgeht, der weiß, daß jener Undant", wenn er überhaupt diesen Namen verdient, seinen Grund darin hatte, daß eine Erfindung nicht eher gewürdigt werden konnte, ehe nicht die wirtschaftliche Entwicklung ein Bedürfnis nach ihr zeitigte. Diesen Grundgedanken unserer Untersuchung gilt es festzuhalten; ich gedente ihn später an anderen Beispielen aus der Geschichte der Erfindungen und Entdeckungen noch eingehender zu erörtern. Jürgen Brand. 000 In Großvaters Auftrag. Von Hans Aanrud. ( Schluß.) Kaum hörte Burman die Tür gehen, so bellte er noch lauter, lief ein paar Sprünge den Weg auswärts und sah sich um. Verdammter Köter! Uns alle zu wecken! Burman bellte weiter. Pfui, willst du ruhig sein!- er nahm einen Stein und warf nach ihm. Burman jagte mit eingeflemmtem Schwanze auf den Hof zurück, legte sich mit einem beleidigten Blick nieder und sagte nichts mehr. Als sie nach der Frühstückspause herausfamen, bellte er wieder hartnäckig nach dem Wege, der in die Höhe führte, hin. Die Männer folgten der Richtung mit den Blicken, und einer sagte: 157 Was hat der Hund? Ob sich ein Landstreicher gezeigt hat? Aber der Bauer antwortete: Ach was, Unarten sind es. Pfui, willst du ruhig sein, wenn es nichts zu bellen gibt darauf gingen sie alle wieder aufs Feld, und Burman legte sich wieder still auf dem Hofe nieder, die Augen spähend nach der Höhe gerichtet. Als sie zu Mittag wiederkamen, probierte Burman es noch einmal, sprang bellend den Weg hinan und wieder zum Bauern zurück, wieder hinauf und wieder zurück. Doch da wurde der Bauer ernstlich böse: Pfui, willst du ruhig sein er gab ihm einen Tritt, daß er fortrollte-, hat man je so einen Köter gesehen. Während sie hineingingen, fandte Burman ihnen einen langen Blick nach, dann trottete er, den Schwanz schwer hinter sich her schlep pend, mit weit heraushängender Zunge in der Sonnenglut langsam bergauf. Der kleine Jon war gewohnt, sich allein herumzutreiben, und niemand hatte ihn vers mißt. Erst als sie gegessen hatten, sagte die Mutter: Wo mag der kleine Jon sein? Hat ihn einer geschen? Nein, niemand hatte ihn seit dem Frühstück gesehen. Sollte er beim Großvater draußen sein? Sie ging in die Kammer hinaus und fragte. Nein, der Großvater hätte ihn seit dem frühen Morgen nicht gesehen, er hätte es so eilig gehabt. Sie begann unruhig zu werden und suchte im Hofe überall, wo er sich sonst aufhielt. Die Angst wuchs, sie kam herein und bat eines der Mädchen, zu Sjur Pladsen hinaufzuspringen und zu sehen, ob er da wäre. Ihre Unruhe begann die anderen anzustecken, und alle fingen an, sich zu wundern. Das Mädchen tam zurück und sagte, Sjur hätte nichts von ihm gesehen. Da gingen sie hinaus, einer nach dem anderen, umtreiſten alle Häuser, guckten hinein, und schließlich begann die Mutter ihn zu rufen. Bei dem Rufen schien über alle die Angst zu kommen, und bald rief jeder nach einer anderen Richtung. Keine Antwort. Da erinnerte sich der Bauer an Burman: Sollte der Junge in den Wald gelaufen sein; der Hund benahm sich heute zu merkwürdig! ISS Für unsere Kinder In, daran erinnerten sich alle. Sie fingen an, Burman zu locken, und waren nicht wenig verwundert, als er nicht kam, denn Burman entfernte sich nie vom Hofe. Ja, sagte der Bauer, da bleibt nichts anderes übrig, wir müsien das Heu liegen lassen und in den Wald ziehen. Als der kleine Jon den Waldweg aufwärts stieg, stieb er aus einen sehr steilen, steinigen Hügel, auf den die Sonne mit aller Kraft her niederbrannte. Aber das kümmerte ihn weiter nicht, und er stieg mutig daraus los; je weiter er kam, um so krümmer wurden seine Knie, und der Hosenboden wurde so merkwürdig schwer; als er halb oben war, mußte er Halt machen und die Jacke ausziehen. Er nahm sie über den Arm und zog weiter. Nach einer Stunde war er oben, und nun ging der Weg sanft ansteigend im Walde weiter. Er setzte sich— er meinte, er müßte nun doch bald da sein; er wußte allerdings nicht ganz genau, wie lang eine Meile war, aber so übermäßig weit konnte es jetzt nicht mehr sein. Vielleicht war er dem Hofe ganz nahe und hatte sich bloß nicht richtig danach um gesehen. Er blickte vorwärts. Nein, nichts als dichter Wald zu beiden Seiten des Weges; er mußte sich vielleicht be eilen, wenn er bis zum Abend da sein wollte. Er stand auf und lief weiter; jetzt kam ihni sein Auftrag wieder in den Sinn: Eine tiefe Verbeugung: Guten Tag! Seid Ihr Peter Sandvold? Ja, der bin ich— aber nimm erst mal Platz, bitte. O, danke, ich finde schon Platz! Wo kommst du her? Von Sörbö, ich sollte hierhergehen und dich vom Großvater grüßen und sagen, du möchtest bald kommen und ihn besuchen, er müßte durch aus mit dir etwas besprechen. Nein, sieh an; dann gehe, bitte, in die Gast stube und gedulde dich bis morgen. Die Gedanken liefen weiter: Und dann gehe ich in die Kammer und sie bieten mir Bewirtung und Kaffee und Gebäck, und abends lege ich mich in ein Daunenbett so hoch, so hoch -- In diesem Augenblick flog ein Birkhahn gerade vor seinen Füßen auf und er erschrak, daß er schluckste. Er sah gerade so viel von ihm, daß er erkannte, daß es ein Vogel war, aber der Schrecken saß in ihm. Er blieb eine Weile ganz still stehen, ehe er sich umsah. Da sah er, daß der Weg ver schwunden war und er mitten im Walde stand. Pah, den Weg würde er wieder finden. Er ging nach der Seite, aber er war jetzt so merk würdig vorsichtig geworden, als ob er Angst hätte, daß ein Zweig krachte, wenn er die Füße aufsetzte. So ging er lange. Es war seltsam, als ob die Erde den Weg verschlungen hätte. Und so unheimlich still! Er fuhr zusammen und horchte, wenn nur ein Eichhörnchen mit einem Tannenzapfen raschelte. Er ging und ging, schneller und schneller, schließlich rannte er: es knackte so unheimlich, es raschelte überall; die Mundwinkel verzogen sich wie zum Weinen, aber es kam nicht zu Tränen, nur vorwärts ging es in immer schnelleren Sprüngen; es war, als verfolge ihn etwas, als käme es auch von den Seiten, er lief und lief--- bis er über eine Baum wurzel stolperte und im Heidekraut unter einer großen Tanne liegen blieb. Er erhob sich rasch mit einem Schrei in sitzende Stellung, jetzt, dachte er, hatte es ihn gepackt. Nein, es war nichts; aber es war ihm, als ob es ringS im Walde auf ihn lauerte; er wagte nicht, sich zu rühren, sondern kroch nur tiefer unter die Tannenzweige, gerade als ob der kleine Fleck ihm Sicherheit gewährte. So blieb er lange sitzen, und spähte und forschte nach allen Seiten in ängstlicher Span nung. Da hörte er hinter sich, wo er hergekommen war, etwas rascheln. Er drückte sich unter die Tanncnzweige und riß die Augen weit auf. Da kam es, etwas Großes, Schwarzes— immer näher— gerade auf ihn los--- er sah einen Schwanz, der sich vergnügt in die Lust streckte, ein paar sanfte Augen sahen ihn an. Er brach in Tränen aus und schlang beide Arme um Burmans Hals. Diesmal hatte Burmann nichts dagegen; er legte sich nieder und leckte ihm Gesicht und Hände.,, Am nächsten Tage bekam der kleine Jon Wagen und Kutscher, um auf der Landstraße hinzufahren und zu fragen, ob Peter Sand vold aus Besuch zum alten Jon Sörbö kommen könnte. ovo Für unsere Kinder 159 Von den zwei Fröschen, die das Nähen lernten. Es waren einmal zwei Frösche, die lebten miteinander in einem Garte». Als sie nun eines Tages, da die Sonne bell in den Garten schien, vor ihrer Türe sahen und sich wärmten, hörten sie plötzlich etwas mit einem so lauten Krach neben sich auf die Erde fallen, daß sie heftig erschraken und geschwind davonspringen ivollten. Aber da lag dicht vor ihnen, kläg lich zappelnd, ein großer Käfer, den sich ein wilder Spatz zum Mittagbrot gefangen und übel zugerichtet hatte. Den ganzen Bauch hatte der Räuber dem arme» Schelm ausge hackt, und nur wie durch ein Wunder war dieser aus seinen Klauen entkommen. Jetzt sichte er die beiden Frösche um Hilfe an, und diese besahen sich mitleidig den Käser, der aus Leibeskräften schrie und über große Schmerzen klagte.„Höre du," sagte der eine Frosch zum anderen,„wenn wir doch nähen könnten; dann lönnten wir jetzt dem armen Ding den Bauch wieder zunähen, daß er nicht stirbt." —„Der Tausend!" sagte der andere,„das ist ein herrlicher Einfall: wir wollen gehen und es lernen."— Der erste war es zufrieden, und so trösteten sie den Käfer, er sollte nur warten, sie würden ihm schon helfen. Sie gingen darauf zur Nähterin in die Stube und quakten immerzu, sie wollten nähen lernen. Aber die Nähterin verstand sie nicht, schimpfte sie Dickbäuche und Kahlköpfe, nahm einen großen Besen und kehrte sie hinaus. Als sie draußen waren, ratschlagten sie mit einander, was nun zu tun sei. Nach langem Überlegen kamen sie überein, daß sie, wenn sie überhaupt etwas ausrichten wollten, vor allem das Reden lernen müßten, um sich den Menschen verständlich zu machen. Dir eine meinte, da sei die Schule der geeignete Ort dafür. So beschlossen sie endlich, in die Schule zu gehen. Als sie indessen an die Schule kamen, getrauten sie sich nicht hinein wegen der Buben, die den armen Fröschen immer so übel mitspielen. Während sie noch ratlos dastanden und hin und her sannen, kam aus einem Mäuseloch eine Maus heraus und besah sich das Weller.„Grüß Gott, Gevattern," sagte sie, als sie der Frösche ansichtig wurde,„wollt ihr eine Badereise antreten?" Die Frösche erzählten ihr, wie es ihnen ergangen sei und in welcher Verlegen heit sie sich befänden.„Wenn's weiter nichts ist." meint« sie;„dem Ding« kann abgeholfen werden," lud die Frösche in ihre Wohnung ein und brachte sie dort zu einem Loche, durch welches man in die Schulstube sehen konnte. Da saßen denn die beiden Frösche mäuschen still vor dem Loche und horchten und horchten, bis sie dem Schulmeister das Reden abgelernt hatten; und es war ihnen gar nicht schwer geworden, weil sie beide schon bei Jahren und sehr verständig waren. Als aber der Schul meister den Stock ergriff und einem Buben ein Dutzend aufzählte, wovon auch nicht einer daneben fiel, wurde es ihnen angst und sie ließen sich von der Maus davonführen. Sie gingen darauf abermals zur Nähterin und berichteten ihr deutlich, was sie im Sinne halten.„Schön," sagte diese;„aber wo habt ihr das Lehrgeld?" Da gestanden die Frösche betrübt, daß sie kein Lehrgeld hätten.„Dann macht, daß ihr fort kommt," sagte die Nähterin kurz,„denn umsonst ist der Tod, und der Kaffee wird alle Tage teurer." So standen die beiden wieder auf der Straße und hingen die Köpfe.„Mir fällt was ein," sprach endlich der eine,„wir wollen zur Muhme Unke gehen, die ist reich und hat den ganzen Keller voll Geschmeide." „Wenn sie nur nicht so geizig wäre," sagte der andere. Sie machten sich aber doch auf den Weg und kamen zur Unke; die saß unter einem Latlichblatte und fing Fliegen. Sie war alt und sehr wohlbeleibt; deshalb wollte die Jagd nicht glücken, was ihr sehr verdrieß lich war, weil sie gerade recht großen Appetit hatte.„Willkommen, teure Anverwandte," rief sie den Fröschen entgegen und wackelte, o schnell sie konnte, unter dem Lattichblalt hervor.„Seid so gut und verhelft eurer alten Muhme zu ihrem täglichen Brote."—„Gerne," ögte der eine Frosch,„aber wir müssen ein Geschmeide dafür haben." Zwar verdroß das die Unke sehr, aber Hunger tut weh.„Wenn ihr jeder eine Mandel Fliegen fangt," meinte sie endlich mit saurem Gesicht,„so sollt ihr ein Ringlein haben." Da stellten sich die beiden Frösche auf den Anstand, und weil sie noch ziemlich behend waren, brachten sie zu letzt die beiden Mandeln zusammen und oben drein noch ein paar Mücken, welche sehr zart 'chmecken, als Zugabe. Dafür erhielten sie das goldene Ringlein, trugen es zur Nähterin, und jetzt unterwies sie dieselbe aufs beste. Zum Abschied schenkte sie ihnen dann noch eine Nadel und einen Faden Zwirn vom aller- 'einsten, und so wanderten sie vergnügt nach Haus«. AlS sie aber zu dem Käfer tamen, 160 Für unsere Kinder war der schon tot. Da flagten sie sehr und| Frucht holen; er fand aber nichts als die begruben ihn und setzten einen großen weißen gelben welken Blätter, und das Bäuerlein, Kieselstein auf sein Grab als Denkmal. Jetzt ganz vergnügt, grub seine Rüben aus.„ Einwußten sie aber nicht, was sie mit der Nadel mal hast du den Vorteil gehabt," sprach der und dem Zwirn anfangen sollten. Weißt Teufel, aber für das nächste Mal soll das du was?" sagte endlich der eine zum anderen, nicht gelten. Dein ist, was über der Erde ,, wir wollen uns jeder ein Ende des Fadens wächst, und mein, was darunter ist."- ,, Mir ans Bein nähen, damit wir uns nicht ver- auch recht," antwortete das Bäuerlein. Als lieren können." Dem anderen gefiel der Vor- aber die Zeit zur Aussaat tam, säete das schlag, und so führten sie ihn aus. Bäuerlein nicht wieder Rüben, sondern Weizen. Die Frucht ward reif, das Bäuerlein ging auf den Acker und schnitt die vollen Halme bis zur Erde ab. Als der Teufel kam, fand er nichts als die Stoppeln und fuhr wütend in eine Felsenschlucht hinab. So muß man die Füchse prellen," sprach das Bäuerlein, ging hin und holte sich den Schatz. Als sie eben damit fertig geworden waren, fam ein großer Storch spaziert, der noch kein Abendbrot verzehrt hatte. Die Frösche wollten ihm eiligst entweichen, aber ach! das ging nicht, denn jeder hielt den anderen am Beine fest. So griff denn der Storch erst den einen bei den Hinterbeinen und verschluckte ihn, und nun war auch der andere verloren und mußte seinem Freunde nachmarschieren. Jetzt waren die beiden Frösche tot. Die Nadel aber fand ein kleines Mädchen und nähte damit ein Kleid für ihre Puppe. 0 0 0 000 Glühwürmchen. Bon C. S. Strasburger. Brüder Grimm. Bittor Blüthgen. Wer hat da plötzlich hell gemacht Im dunkeln Waldesraume? Glühwürmchen leuchten in tiefer Nacht Bis hin zum Waldessaume. Der Bauer und der Teufel. Es war einmal ein fluges und verschmitztes Bäuerlein, von dessen Streichen viel zu erzählen wäre; die schönste Geschichte ist aber doch, wie er den Teufel einmal dran gekriegt und zum Narren gehabt hat. Sie glänzen und glühen und sind vergnügt Und schimmern aus allen Geästen, Der Waldvogt hat es jüngst verfügt, Zu leuchten späten Gästen. Denn neulich brach ein Reh das Bein Bei einer alten Birke, Drauf kamen die andern überein, Daß Lichter man erwirke. Beleuchtung wollten sie insgesamt, Bei Nacht, denn das sei nötig, Glühwürmchen übernahm das Amt und war zu allem erbötig. Das Bäuerlein hatte eines Tages seinen Acker bestellt und rüstete sich zur Heimfahrt, als die Dämmerung schon eingetreten war. Da er blickte er mitten auf seinem Acker einen Haufen feuriger Kohlen, und als er voll Verwunderung hinzuging, so saß oben auf der Glut ein tleiner schwarzer Teufel. Du sigest wohl auf einem Schatz?" sprach das Bäuerlein. Ja wohl," antwortete der Teufel ,,, auf einem Schatz, der mehr Gold und Silber enthält, als du dein Lebtag gesehen hast."-" Der Schatz liegt auf meinem Feld und gehört mir," sprach das Bäuerlein.„ Er ist dein," antwortete der Teufel, ,, wenn du mir zwei Jahre lang die Hälfte von dem gibst, was dein Acker hervorbringt. Geld habe ich genug, aber ich trage Verlangen nach den Früchten der Erde." Das Bäuerlein ging auf den Handel ein. Damit aber fein Streit bei der Teilung entsteht," sprach es, fo foll Es leuchtet, bis es heller Tag dir gehören, was über der Erde ist, und mir, Und die goldene Sonne erschienen. was unter der Erde ist." Dem Teufel gefiel das wohl; aber das listige Bäuerlein hatte Rüben gesät. Als nun die Zeit der Ernte tam, da erschien der Teufel und wollte seine Und heute viel hundert Kerzen hat Der Wald in seinen Gehegen, Wie bei den Menschen in der Stadt Leuchtet's auf allen Wegen. Glühwürmchen nachts nicht schlafen mag, Will sich sein Brot verdienen, Berantwortlich für die Redattton: Frau Klara Betfin( Bundel), Wilhelmshöhe. Bost Degerloch bet Stuttgart. Druck und Berlag von Baul Stinger in Stuttgart. e f e 3. I C =