Für unsere Kinder Nr. 2 ooooooo Beilage zur Gleichheit ooooooo 1911 " Inhaltsverzeichnis: Der Feind. Von Christian| Da sind die Lilien, die Nellen, die Reseden, Scherenberg.( Gedicht.)- Bon süßen und ande- die Veilchen und viele andere, die uns durch ren Düften. Von Jürgen Brand. Die Geister ihren Duft erfreuen. So wenig können die am Mummelsee. Von Eduard Mörike.( Gedicht.) Menschen den Duft dieser Blumen entbehren, Lebensgeschichte eines Massai. Aus Durch daß sie sich künstlich die angenehmen Düfte Massailand". Von Joseph Thomson. Wunder same Reise einer Mühlenmaus und ihr trauriges verschaffen, wenn Herbst und Winter den Ende. Von Fr. Pritschow.( Fortsetzung.)- Eich- Blumenflor vernichten. Vornehme Damen, hörnchen. Von Friedrich Güll.( Gedicht.) wenn sie im Winter ins Theater gehen, haben immer ihr Fläschchen" in der Tasche. Das darf nun aber beileibe niemand mißverstehen; denn in dem Fläschchen ist nichts anderes als ein süßer" Duft, etwa Veilchen oder Heliotrop oder so etwas; davon träufeln die Damen ein wenig auf das Taschentuch und duften dann selber wie eitel Blumen. Der Feind. Von Christian Scherenberg. Der Adler lauscht Auf seinem Horst; Der Keiler rauscht Zum Kesselforst; Das Kätzlein klinkt Am Ast sich fest; Der Wolf, er hinkt Zum Felsennest; Das Damwild streicht Zum Dickicht ein; Der Fuchs still schleicht Zum Bau hinein; Aufstutzt, hinfligt Das scheue Reh; Die Löffel spitt Der Has im Klee; Die Ente duckt Jm düstern Rohr; Das Fischlein guckt Nicht mehr hervor; Und alles schweigt Jm Hinterhalt-: Der Mensch sich zeigt Geht durch den Wald. 000 Daß man Blumenduft sozusagen auf Flaschen ziehen kann, das wußten wir schon, als wir noch ganz kleine Pennalfröten waren. Wir holten uns von Mutter ein Medizinglas und stopften so viel Rosenblätter hinein, daß es etwa zur Hälfte damit gefüllt war; die andere Hälfte füllten wir mit Wasser und schüttelten dann alles tüchtig durcheinander. Die armen Rosenblätter wurden davon allerdings recht unansehnlich, aber ihren Duft gaben sie an das Wasser ab. Das nannten wir dann Rosenwasser und bespritzten uns gegenseitig damit, bis wir selber wie Rosen dufteten; einige von uns haben das Rosenwasser auch getrunken und sich dann schmunzelnd den Bauch geklopft zum Zeichen, daß es vortrefflich schmeckte. Wirkliches Rosenwasser" duftet aber noch viel stärker als unser eigenes Fabrikat. Ihr könnt leicht den Versuch machen, wenn ihr euch aus der Apotheke einige Tropfen Rosenöl kauft und sie mit einer halben Weinflasche voll ganz flaren Wassers mischt. Rosenöl ist aber sehr teuer. In der Apotheke kann man außer Rosenöl noch sehr viele andere Pflanzenöle kaufen und mit deren Hilfe wohlriechende Essenzen ( Parfüme) herstellen. Von süßen und anderen Düften. „ Ah, wie köstlich!" sagte mein Töchterchen und sog begierig den süßen Duft einer Rose Wie mag es zugehen, daß alle diese Pflanzenein. Und ihr, wenn ihr eine Rose unter die öle so stark duften? Ist euch schon einmal das Nase haltet, werdet wahrscheinlich ähnlich euer Unglück passiert, in eins eurer Bücher einen Wohlgefallen äußern. Das wäre auch ein be- Fettfleck" zu bekommen? Dann werdet ihr dauernswerter Mensch, dem der Duft einer Hofe teine Empfindung des Wohlbehagens verursachte. Und nicht nur der Rose. Die Blumen in unserem Garten wetteifern förmlich mit ihren„ füßen" Düften um unsere Gunst. auch wissen, wie schwer es hält, solch einen ekelhaften Stehimwege wieder wegzuschaffen. Man löscht, man schabt, man nimmt das heiße Bügeleisen zu Hilfe nügt alles nichts, der Fleck weicht nicht von der Stelle. Mit den 10 Für unsere Kinder " Volksmund. Aus einem schleimigen, eigroßen weißen Klumpen erhebt sich ein schneeweißer poröser Strunk, der oben eine dunkelgrüne spizze Haube trägt. Das Ganze ist ein Pilz und sieht sehr schön aus; aber- haltet euch die Nase zu es stinkt. Abscheulich sogar. Darum hat man diesem Pilz auch den unschönen Namen„ Stänker" oder„ Stinkmorchel" gegeben. Der„ Duft" ist so start, daß man den Pilz meist eher riecht als sieht. Da brauche ich euch wohl kaum erst zu fragen, ob euch dieser" Duft" auch Freude bereitet? Eher Übelkeit. Aber es gibt dennoch Wesen, denen dieser Duft das Köstlichste ist, was sie sich wünschen. Das sind die großen Fliegen starkduftenden Pflanzenölen ist das ganz seltsame Gebilde; Hereneier" nennt sie der anders. Den Versuch könnt ihr leicht anstellen: Gießet ein wenig Schwefeläther auf ein Stück Papier. Dann gibt's zunächst auch einen Fett flect"; aber wartet nur ein wenig, dann ist er weg, spurlos verschwunden; wo ist er geblieben? Er ist buchstäblich verduftet. Genau so wird es gehen, wenn ihr statt des Schwefeläthers einen Tropfen Orangenöl oder Nelkenöl oder Rosenöl auf Papier träufelt. Alle diese Öle haben die Eigenschaft, sich an der Luft zu verflüchtigen; man nennt sie deshalb flüchtige Öle, und weil sie die Eigenschaft der Flüchtigkeit mit dem Ather gemein haben, auch ätherische Öle. Die Verflüchtigung findet natürlich auch statt, wenn sich das ätherische Öl noch in den feinen Drüsen der Pflanze befindet. Winzig fleine Teilchen steigen in die umgebende Luft, gelangen auf die Schleimhäute unserer Nase und üben dort auf den Geruchsnerv einen Reiz aus; der Nerv telegraphiert den Reiz sofort nach dem Gehirn, und dann erst riechen wir den Duft, denn dann erst kommt er uns zum Bewußtsein. Daß tatsächlich Teilchen des ätherischen Öles in unsere Nase gelangen müssen, wenn wir den Duft wahrnehmen wollen, das läßt sich ohne Mühe beweisen. Sehet die herrlichst duftende Rose in ein absolut luftdicht schließendes Gefäß; dann möget ihr die Nase noch so dicht daranhalten, ihr werdet nichts vom Duft wahrnehmen. Oder noch einfacher, aber weniger angenehm: Ihr schafft euch einen gehörigen Schnupfen an, bei dem sämtliche Schleimhäute eurer Nase entzündet sind; dann werdet ihr von Düften auch nichts bemerken, weil die Geruchsnerven unempfindlich gegen Reize sind. Aber ihr dürft mit diesem letzten Versuch ruhig so lange warten, bis sich der Schnupfen gelegentlich von selbst einstellt. Brummer"- mit dem glänzenden Hinterleib. Sie werden von dem starken Geruch herbeigelockt und setzen sich zu Dußenden auf den grünen Hut, um ihn in kurzer Zeit zu verspeisen. Ihr seht hier also wieder einmal: Nicht nur der Geschmack, auch der Geruch ist verschieden. So viel ist aber sicher: Ohne den kräftigen Duft" würden die Fliegen den Leckerbissen nicht finden. Viele andere starkduftende Pflanzen sind auf den Besuch der Insekten geradezu angewiesen; würden nicht die Insekten, ohne daß sie das wollen, den Blütenstaub der Staubblüten auf die Stempelblüten bringen, so könnte überhaupt gar keine Befruchtung zustande kommen. Ihr braucht nur an die allbekannte Salweide zu denken; sie gehört zu den„ zweihäufigen" Pflanzen, bei denen Staub- und Stempelblüten auf verschiedenen Pflanzen stehen. Da ist es möglich, daß die Pflanzen mit verschiedenen Blüten weit voneinander wachsen, so daß der Blütenstaub den langen Weg zu den Sfempelblüten ohne die Hilfe der Insekten niemals finden würde. Die Insekten aber werden durch den starken Duft der Pflanzen angelockt. Ihr erkennt hieraus, wie groß die Bedeutung der Pflanzendüfte in der Natur ist. Indem sie die Insekten zur Befruchtung der Pflanzen herbeilocken, dienen sie der Fortpflanzung, der Erhaltung der Art. Ohne die Hilfe der Insekten würde also für diese Pflanzen die große Ges fahr bestehen, daß sie zugrunde gingen, ohne Nachkommen zu erzeugen, in denen ihre Gattung weiterleben könnte. Vor dieser schlimmsten Gefahr werden sie durch die kleinen geflügelten Helfer bewahrt. Nun bleibt noch immer eine wichtige Frage zu beantworten: Welchen Zweck hat eigentlich die ganze Einrichtung? Wenn ihr ein poetisch angelegtes Gemüt habt, werdet ihr mir diese Frage schon halb und halb übelnehmen. Wie tann man überhaupt nur danach fragen! Warum die Rosen, die Veilchen, die Lilien duften? Nun, zu unserer Freude natürlich! Ihr seid völlig im Recht mit eurer Freude, und das wäre ein grausamer und törichter Mensch, der euch in eurer Freude stören wollte. Aber die Sache hat doch einen Haken. Wenn ihr Gelegenheit habt, so geht doch einmal um diese Zeit nach einem warmen Regen in den Ist es nicht, als ob auch die Pflanzen mit Einhornwald, dorthin, wo die hohen Fichten allen Fasern am Leben haften? Sie wollen" stehen; da wachsen im Dunkel der Nadelbäume| nicht zugrunde gehen, wollen" weiterleben in Für unsere Kinder 11 ihren Nachkommen. Es ist das kein bewußtes| Es orgelt im Rohr und es klirret im Schilf; " Wollen" wie bei uns, sondern ein Natur- Nur hurtig, die Flucht nur genommen! gesetz, dem sie unbewußt unterworfen sind. 000 Davon! Ganz erstaunlich ist es, mit welcher Zähigkeit Sie wittern, sie haschen mich schon! gewisse Pflanzen und Tiere am Leben hängen; doch ist dieses Kapitel so interessant, daß wir uns darüber demnächst in einer besonderen Lebensgeschichte eines Massai. Betrachtung unterhalten wollen. Obschon ihr nun eingesehen habt, daß die Pflanzendüfte der Fortpflanzung dienen, so wird doch diese gewonnene Einsicht eure Freude an den füßen Düften nicht beeinträchtigen; im Gegenteil: das Wissen wird eure Freude nur erhöhen. Und so ist's recht; denn die Natur ist ein unerschöpfliches Füllhorn der Freude. Jürgen Brand. 0 0 0 Die Geister am Mummelsee. Von Eduard Mörite. Vom Berge was kommt dort um Mitternacht Mit Fackeln so prächtig herunter?[ spät Ob das wohl zum Tanze, zum Feste noch geht? Mir flingen die Lieder so munter. nein! So sage, was mag es wohl sein? Das, was du da siehest, ist Totengeleit, Und was du da hörest, sind Klagen. Dem König, dem Zauberer, gilt es zuleid, Sie bringen ihn wieder getragen. O weh! So sind es die Geister vom See! Sie schweben herunter ins Mummelseetal Sie haben den See schon betreten Sie rühren und neßen den Fuß nicht einmal Sie schwirren in leisen Gebeten O schau, Am Sarge die glänzende Frau! Aus„ Durch Massailand". Von Joseph Thomson. Hören wir von afrikanischen Völkern, so denken wir wohl zuerst an Neger. Und doch beherbergt Afrifa, abgesehen von den in der Neuzeit eindringenden Europäern, sehr verschiedenartige Volksstämme, von denen manche mit der Negerrasse nichts gemein haben. So nehmen in Nordafrika weite Gebiete Völker ein, die feine Neger sind, nämlich Hamiten und Se miten. In der hamitischen Völfergruppe faßt der Forscher allerlei Völkerstämme zusammen, die ähnliche Sprachen sprechen, so die Berber von Marokko, Algier und Tripolis, die Fellahs, die Nachkommen der alten Ägypter und die gefürchteten räuberischen Tuaregs der Sahara. Durch die Sprache steht der hamitischen Völkergruppe nahe die semitische, deren bekannteste Vertreter die Juden und Araber sind. Auch in ihrem Außeren unterscheiden sich manche semitische und hamitische Völker nicht allzusehr. Die Urheimat der Semiten war wohl Arabien. Von Arabien aus drangen schon in alten Zeiten semitische Stämme in Afrika ein; besonders start aber breiteten sie sich in Nordafrita aus, nachdem im siebten Jahrhundert die Religion des Islam entstanden war und von ihren Bekennern mit dem Schwerte weit in die Länder verbreitet wurde. In Südafrika stechen von der dunkelfarbigen Negerbevölkerung hellfarbige Völker oder vielmehr Völkerreste ab, die Hottentotten und die awerghaften Buschmänner. In Körperbau, Jetzt öffnet der See das grünspiegelnde Tor; Sprache und Lebensgewohnheiten unterscheiGib acht, nun tauchen sie nieder! Lind Es schwankt eine lebende Treppe hervor, drunten schon summen die Lieder. Hörst du? Sie fingen ihn unten zur Ruh. den sich diese stark von den sie umgebenden Bantunegern, von denen sie im Verein mit den Europäern verdrängt werden, und zu denen die Hereros und Zulus gehören. Wohl verwandt mit den Buschmännern sind die geInnerafrikas, die scheu jeder Berührung mit heimnisvollen Zwergvölker in den Urwäldern Negern so gut wie mit Europäern ausweichen. Im Sudan, am Oberlauf des Nil und in Ostafrika gibt es viele Völker, bei denen es schwer hält zu sagen, ob sie zu den Negern zu rechnen sind oder nicht. Verglichen mit Bewohnern o Himmel! Ach hilf! anderer Weltteile, weisen sie wohl mit den Negern gemeinsame Züge auf, unterscheiden sich Die Wasser, wie lieblich sie brennen und glühn! Gie spielen in grünendem Feuer; Es geisten die Nebel am Ufer dahin, 3um Meere verzieht sich der WeiherNur still! Ob dort sich nichts rühren will? Es zuckt in der Mitten Nun kommen sie wieder, sie kommen! ssür unsere Kinder 12 aber bei näherer Betrachtung doch wieder von diesen, sei es in Körperbau, Hautfarbe, Haar bildung, sei es in Sprache und Sitten. Manche dieser Volksstämme stellen in körperlichen und geistigen Merkmalen einen Ubergang zwischen den hamilisch-semitischen Völkern des Nordens und den Negern dar und sind wohl durch Vermischung dieser Völkerrassen entstanden. Ein solches Volk, das sich in vielem scharf abhebt von den Neger», sind die Massai Ost afrikas. Sie Hausen in den Steppen um die Berge Kenia und Kilimandscharo im Osten des Viktoriasees. Die Massai sind meist hohe, sehr schlanke Menschen. Sie haben nicht die breite, platte Nase und die wulstigen Lippen des Negers, sondern ihre Gesichtsbildung mutet durch die schmalen, schiefen Augen, die vor stehenden Backenknochen und das spitze Kinn eher mongolisch an. Auch sind ihre Haare nicht so kraus wie bei Negern. Ihre Sprache gehört zu der hamitischen. Doch besitzen die Massai in Sprache wie in Sitten und m ihrem Äußc-' ren auch mancherlei semitische Züge. Und einige Forscher behaupten geradezu, die Massai seien ein semitisches Volk, das in uralten Zeiten von Arabien aus in Afrika einwan derte. Hier vermischten sie sich dann mit Ne gern, wie denn auch das Negerblut bei manchen von ihnen starj zum Ausdruck kommt. Nach ihren Überlieferungen kamen die Massai von jenseits des großen Wassers ins Land; es ist aber nicht sicher, ob unter dem großen Wasser wirklich das Rote Meer, oder Nil oder Viktoria see zu verstehen ist. Die Massai sind Viehzüchter, Jäger und Krieger. Ihre Stämme ziehen mit ihren Vieh herden in der Steppe umher. Doch wie alle Nomadenvölker können sie von Viehzucht allein nicht leben, sondern sind darauf angewiesen, allerlei Erzeugnisse von seßhaften Völkern zu beziehen. Dies geschieht auf friedlichem Wege durch Tausch,»och öfters aber auf gewalt same Weise durch Krieg und Raub. Und so bildeten die Massai auch den Schrecken der ackerbautreibenden Neger in ihrer Nachbar schaft, von denen sie Tribut erpreßten. Ebenso ivaren sie aber bei den Händlern gefürchtet, die von der Küste aus ins Innere zogen, um Sklaven und Elfenbein einzutauschen. Aber auch unter sich lagen die kampflustigen Massai- stämme in beständiger Fehde. Doch ebenso wie die Indianer Nordamerikas den Bleich gesichtern weichen mußten, sind die freiheits liebenden Massai der überlegenen Gewalt der Engländer und Deutschen unterlegen, die im letzten Viertel des neunzehnten Jahrhunderts in ihre Gebiete eindrangen. Mit ihren Schwertern und Speeren konnten die Massai gegen die Feuergewehre nicht aufkommen. Furchtbare Seuchen vernichteten vollends ihre Macht. Durch die Rinderpest verloren sie fast alle ihre Viehherden. So ist die Zeit nicht mehr fern, wo das kriegerische und blutdürstige, aber auch tapfere und stolze Volk der Massai ausgestorben sein wird. Im folgenden geben wir das Lebensbild eines Massaikriegers, wie es in dem Buche des Engländers Thomson geschildert ist. Vor vielen Jahren kam im Massailand eine Frau nieder. Ihre Umgebung war nicht ge rade prächtig ausgestattet oder auch nur be sonders bequem. Das Weib lag auf keinem besseren Bette als einem gegerbten Ochsenfell. das auf der nackten Erde ausgebreitet war. Die Hütte, welche vor den brennenden Sonnen strahlen oder der kalten Nacht beschützte, war nicht sehr wohnlich. Sie erreichte höchstens eine Höhe von 1 Bieter und mochte Meter lang und 1'/, Meter breit sein. Sie war ge baut von Zweigen, die übergebogen und unter einander verschlungen ivaren und dem Ge bäude eine Art flaches Dach mit abgerundeten Kanten gaben. Um den Wind abzuhalten, war eine Mischung von Viehdünger und Lehm über das Dach gebreitet. Das reichte für die trockene Jahreszeit hin, und für die Regenzeit wurden noch Häute darüber gelegt. Die Tür war so klein wie möglich. Die Hülle gehörte zu einem Kraal, das heißt zu den vielen Hütten, die zusammen eine große kreisförmige Fläche einschlösse», in welche für die Nachtzeit das Bich getrieben wurde. Da dieser innere Raum niemals aus gemistet wurde, so hatte er sich in eine Dünger- slätte verwandelt. Um den Kreis der Hütten herum zog sich ein starker Verhau von Dornen- gesträuch, zum Schutze gegen wilde Tiere und zur Verteidigung gegen feindlichen Angriff. In der Hütte war eine Anzahl von Frauen versammelt, um zu plaudern und zu helfen. Soweit es der enge Raum zuließ, trieben sich Kälber und Ziegen zwischen ihnen herum. Große Kalabassen, das sind Kürbisflaschen, lagen in einer Ecke, und in einer anderen stand ein grob gemachter irdener Kochtopf. Flöhe Hüpften in Scharen umher, und die schwatzen den Weiber machten Jagd auf sie oder wehrten die unzähligen zudringlichen Fliegen ab. Für unsere Kinder 13 Die Geburt ging leicht und glücklich vorüber. In einer Anwandlung von Zärtlichkeit und Die ganze Geschichte verursachte keinerlei Auf- von dem Glauben geleitet, daß eines Tags regung. Nur hörte es die Mutter mit tiefer Moran sich einen Namen machen würde als Freude, daß„ es" ein Junge sei. Mädchen Schädelzerschmetterer und Viehräuber, bestehen in trauriger Mißachtung bei den Massai. reitete jedoch seine Mutter zuweilen eine wohlDiese würden es vorziehen, nur Jungen zu riechende Salbe von Fett und Lehm und bebekommen. Keine Festlichkeiten wurden aus strich ihn damit, bis er in dem Glanze erAnlaß der Geburt des kleinen Massai ver- schien, der einem Massaiherzen so teuer iſt. anstaltet. Die glückliche Mutter waltete am Dann brüstete er sich in all dem Stolze, den anderen Morgen bereits wieder ihrer häus- ein Junge zu zeigen pflegt, der einen neuen Itchen Pflichten, als ob nichts Ungewöhnliches Anzug bekommen hat.do sich ereignet hätte. Auf ihrem Rücken ruhte der Neugeborene, warm unter einer Ochsenhaut versteckt, welche die einzige Bekleidung der Mutter bildete. Für das erste und zweite Jahr kämpfte der fünftige Krieger seinen Kampf ums Dasein durch, indem er seiner Mutter Milch zu sich nahm. Dann fing er an zu sprechen. Nachher entdeckte er seine Beine und begann zu gehen. Seine hervorbrechenden Zähne übte er an einem großen Klumpen Rindfleisch. Das war wohl eine sehr tadelnswerte Neigung unseres jungen Freundes, denn sie ist jedenfalls an jener eigentümlichen Stellung der Zähne schuld, die er mit seinen übrigen Stammesgenossen gemein hat und die uns Europäern so häßlich erscheint. Da der Kieferknochen noch weich, das Zahnfleisch noch zart, das Rindfleisch aber zäh und lederartig war, so wurden die Zähne nach außen und auseinander gedrängt, bis sie wie vereinzelte Fangzähne aussahen. Mert würdig ist auch, daß das Zahnfleisch eine sehr dunkelblaue Farbe hatte. Keine dieser Eigen tümlichkeiten schadete jedoch dem kleinen Massai in den Augen seiner Umgebung. Die Massai halten eben manches für schön, was uns häßlich erscheint, ebenso wie ihnen vieles als häßlich gilt, was wir für schön erachten. Als Knabe war Moran- El Moran, Krieger, heißt jeder erwachsene friegsfähige Massai, so wollen wir den Kleinen der Bequemlichkeit halber nennen, ein äußerst hübscher Junge; auch Europäern hätte er als schön gegolten solange sein Mund geschlossen blieb. Er war ein wirklicher kleiner Teufel. In sehr frühem Alter schon hing sich Moran nicht mehr an seine Mutter, sondern ahmte mit feinem kleinen Bogen und Pfeilen die größeren Jungen bei ihren Spielen nach. Da er feine Wäsche schmutzig machen konnte, so erregte er bloß seiner Mutter Gelächter, wenn er mit einer Kruste von Schmutz bedeckt nach Hause fam. Auch die Schrecken der Badewanne brauchte er nicht über sich ergehen zu lassen. I So verstrichen Morans Tage, und er rückte in die Rangstellung eines eigentlichen Knaben ein. Er wurde mit einem wirklichen Bogen und Pfeil ausgerüstet, ein viereckiges Stück Schaffell wurde über seine linke Schulter gebunden, die Beine blieben ganz nackt. Er begann jetzt, nicht den Schnurrbart zu pflegen, sondern seine Ohrläppchen; das heißt, er bemühte sich, sie so weit auszudehnen, bis sic beinahe seine Schultern berührten und er fast seine Faust durch die auseinandergezerrten Teile des durchbohrten Ohrläppchens hindurchstecken konnte. Zu dem Ende wurde erst ein dünnes Stäbchen durch das Dhrläppchen gesteckt und allmählich durch ein immer dickeres ersetzt, bis ein Stück Elfenbein von 5 Zentimeter Länge quer durchgetrieben werden konnte. Unser Held sah nun sehnsüchtig dem Tag entgegen, an dem er zum Krieger erklärt werden würde. Mittlerweile mußte er sich aber nützlich machen, indem er Ziegen und Schafe hütete. Das war Morans erstes Amt. Zugleich erwarb er sich dabei einige Kenntnis des umliegenden Landes, weil seine Sippschaft keinen festen Wohnsitz hatte, sondern von einem Weidegrund zum anderen wandern mußte. In der trockenen Jahreszeit zogen sie von der Ebene aufs Hochland, und in der Regenzeit wanderten sie zurück. Auf diesen Wanderungen trugen die Esel die Hälfte des Hausrats, seine Mutter schleppte die andere Hälfte und baute auch nachher die Hütte auf. thad Von Zeit zu Zeit hörte Moran die Erwachsenen laut heulend Worte an ein ungesehenes Wesen richten, Ngai genannt, das ist Geist oder Himmel. Man sagte ihm, der Wohnort des Ngai befinde sich auf dem ewigen Schnee des Kilimandscharo, und der Donner des Doenje- Engai- eines noch tätigen Bultans sei seine Stimme.( Fortseyung folgt.) 000 14 Für unsere Rinder Wundersame Reise einer Mühlen-| daheim, und vier lange Arme waren daran. maus und ihr trauriges Ende. Flix stand abermals still und lauschte. Das Was sollte das bedeuten? Gurgeln des Waffers ertönte ganz nahe, und eigentümlich gedehnte Laute erflangen. Vorfichtig trippelte er weiter. Durch hohes Gras mußte er sich hindurcharbeiten, und so kam er nur langsam vorwärts. Jetzt glizerte ihm auch schon das Wasser durch die Halme entgegen. Flig schaute bachabwärts und bachaufwärts, konnte aber nirgends einen Steg erblicken. Wie sollte er zu der Mühle hinübergelangen? Da, mit einem Male, raschelte es vor ihm im Grase, und flatsch- pardauz sitt plötzlich ein dicker Frosch vor dem erschrockenen Flix. Der Frosch gloßt ihn mit seinen großen runden Augen an und fragt: Woher, wohin?" Von Fr. Pritschow.( Fortsetzung.) Flix nahm Abschied von der guten Feldmaus und wanderte rüstig weiter. Der volle Mond war mittlerweile aufgegangen, und sein bleiches Licht ließ in weiter Ferne zartblaue Berge erkennen. Von Zeit zu Zeit verfinsterfen schwarze Wolfen den Mond. In der weiten Einsamkeit ward dem tapferen Flix recht wunderlich zumute. Dann dachte er an die Mühlenmäuse daheim und an die schrecklichen Katzen. Da fiel ihm das Wandern wieder leicht, und mutig strebte er der Ferne zu. II. Flig tommt zu den Fröschen und hernach zu den Windmühlenmäusen. Nachdem er längere Zeit, ohne zu rasten, dahingewandert war, machte Flix endlich auf einem Hügel Halt, um ein wenig zu verschnaufen. Der Weg war sehr beschwerlich, Flix hatte immerfort steigen und flettern nung. Der Frosch antwortete: müssen. Vor ihm sentte sich die Landschaft und gestattete einen freien Ausblick. Weit hinten gewahrte er einen leuchtenden Fleck, der, wie er bald erkannte, von einem mondbeschienenen Dache herrührte. Das mußte das Dach der Mühle sein, von der die gute Feldmaus gesprochen hatte, und die sein nächstes Ziel bildete. Nach kurzer Raft ging er mit frischem Mute darauf zu. Aber der Weg zog sich noch lang hin. Wie er weiter wanderte, tauchten vor ihm in der Ferne noch mehr im Mondschein glänzende Dächer auf. Flir, der vorher nie die Wassermühle verlassen hatte, hatte noch nie ein Dorf, geschweige denn eine Stadt gesehen und konnte sich kaum vorstellen, daß es so viel Häuser auf einem Fleck geben könne. Doch horch war das nicht ein Plätschern und Gurgeln wie von einem fließenden Wasser? Richtig! So plätscherte und gluckste auch der Bach daheim. Und als nach einer Weile der Mond wieder hinter dunklen Wolfen hervor trat, da leuchtete im Wiesenland hier und da ein silberheller Streifen auf. Ein Bächlein war's, das im Glanze des Mondenlichtes glizerte. Wo ein Bach ist, da ist auch eine Mühle, dachte Flir. Und in der Mühle traf er auch Mäuse, das wußte er. Schon konnte er die Umrisse der nahen Mühle jenseits des Baches deutlich erkennen. Diese Mühle schien aber viel höher und schmäler zu sein als die Mühle Die Stimme flang zwar fremd, aber nicht unfreundlich, und Flix faßte wieder Mut. Er erzählte, daß er zum König aller Mäuse reise. Alsdann frug er den Frosch nach seiner Woh Ich wohne hier im Gras am Bach Und spüre gar kein Ungemach. Wozu wohl brauchte ich ein Haus? Ich komme hier ganz prächtig aus! Erst wenn der Winter bricht herein, Kriech' ich in den Schlammi hinein. Sobald die Frühlingslieder flingen, Will ich im Grase wieder springen." Flix war über die Rede des Frosches sehr erstaunt. Doch es fiel ihm ein, daß er zur Mühle hinüber müsse. Er fragte den Frosch nach dem Stege, auf dem er das Bächlein überschreiten könne. Der Frosch schüttelte bedächtig den Kopf. Weit und breit gab es feinen Steg. Da war guter Rat teuer. Nach einigem Nachdenken machte er sich mit Flig auf den Weg zu seinen Geschwistern und Gevattern, um mit ihnen den Fall zu beraten. Das Bächlein wurde immer breiter und das Ufer immer sumpfiger. Flir hörte eine seltsame Musik, die immer lauter ertönte, je weiter die zwei im Grase vordrangen. Der Frosch erklärte dem ängstlich dreinschauenden Flix, daß seine Verwandten noch eine Gesangübung in der warmen Spätsommernacht abhielten. Die Frösche seien die größten Künstler in der Musik, und namentlich seien die Konzerte seiner Sippschaft weit und breit berühmt. Der Graswuchs hörte nunmehr ganz auf, und das Ufer wurde frei. Sie wanderten über schlüpfrigen Boden. Klitsch- klatsch sprang Für unsere Kinder der Frosch ganz gemütlich darüber hin. Sein breiter Bauch und die Schwimmhäute zwischen den Zehen leisteten ihm dabei gute Dienste. Der arme Flix aber sant mit seinen zarten dünnen Beinchen tief ein und kam nicht mehr vom Fleck. Laut piepste er voller Todesangst. Schnell sprang der dicke Frosch hinzu und ließ gutmütig Flix auf seinem breiten Rücken Platz nehmen. Zwar tam Flix der Rücken des Frosches unangenehm kalt vor, doch wurde er auf ihm wohlbehalten durch Schilf und Sumpf zu ein paar mächtigen Erlen getragen. Hier im hohen Schilf sang und musizierte eine große Schar von Fröschen. Sie sangen so schön sie konnten. An den Wurzeln der Bäume war trockenes Land. Hier reinigte sich Flig vom Schlamme. Dann machte er es sich in der Wurzelhöhle einer riesigen Erle recht gemütlich und lauschte dem Gesang der Frösche. Die Frösche sangen: „ Quat- quat, quaterat Wir musizieren früh und spat. Quat- quat- quakerill Mag auch kommen, wer da will. Quakerer und quake fein Nur darf's der Klapperstorch nicht sein. Quakerig, Donner, Blitz; Quaterer, Nix und Her, Selbst die Necken Nicht uns schrecken. Nur der Storch, Horch, horch." Da platschte der dicke Frosch herbei und störte Flix in seinen Betrachtungen. Sechs andere Frösche folgten ihm in plumpen Sprüngen. Sie wollten den tapferen Flix sehen und ihm Beistand leisten. Aus ihren Reden erfuhr Flix, daß der dicke Frosch Springwih hieß. Springwiz nahm Flix nun ohne viel Federlesen wieder auf seinen breiten Froschrücken, und heidi- hopps ging es in den Sumpf hinein. Der Schlamm spritzte nur so zur Seite, und Flix hielt sich ängstlich fest. Jetzt ging es durch einen schmalen Gang im Schilf sichtig und langsam, denn zu beiden Seiten gähnte schwarzes Wasser. Hinter ihnen folgten die sechs Frösche. Plötzlich sah Flix vor sich eine weite Wasserfläche. Ganz dicht am Ufer hielt Springwig an, und die sechs Frösche machten einer nach dem anderen ihren schönsten Kopffprung ins Wasser. Das sprizte und gluckste, daß dem armen Flix Hören und Sehen verging. vor: 15 Am Rande des Schilfes waren allerhand abgebrochene Zweige und Rindenstücke angetrieben, an denen sich die sechs Frösche zu schaffen machten. Sie zogen ein größeres Rindenstück hervor und trieben es vor sich her. Flix hätte beinahe über die vielen eifrig zappelnden Froschbeine gelacht. Als das Rinden stück vor ihnen anlegte, sprang Springwit mit einem Sage hinein, so daß Flix fast heruntergefallen wäre. Hu- das Wasser, dachte Flix, wenn nur alles gut abläuft. Springwiz sprach, als er die Angst des Flix bemerkte: " Flix, nur nicht so furchtsam getan, Hier bist du sicher im Rindenkahn. Die Frösche rudern sicher und fleißig, Und siehst du am Ufer drüben das Reisig? Dort rudern wir hin, dort werden wir landen, Dann ist auch all deine Angst überstanden." Und schon stießen sie am anderen Ufer an. Springwig sprang hinüber, setzte Flir aufs trockene Land und sprach zum Abschied: „ Jetzt heißt es für dich auf den Weg gemacht; Und spute dich, bald ist es Mitternacht. Ich glaube, du mußt noch lange laufen Und kannst dich nirgends recht verschnaufen. Doch wohin nun dich führt die Reise, Das sagen dir die Windmühlenmäuse." Flix konnte den gutmütigen Fröschen nicht einmal für ihre Freundlichkeit danken, denn schon waren sie im Wasser verschwunden. Nun war er wieder allein. Aber er hatte keine Zeit, über sein Abenteuer nachzudenken. Nicht lange dauerte es, da stand er vor der Mühle. Er wunderte sich auch sehr über das Äußere dieser Mühle, die nicht einmal am Bache stand, aber fein Grübeln nühte nichts, er mußte hinein. Durch einen Spalt in der Tür schlüpfte er in das Innere, und bald war er in der Vorratsfammer von vielen Mäusen umringt, die ihn neugierig betrachteten. Flix bat, vor das Oberhaupt der Mäuse geführt zu werden. Zwei Mäuse nahmen ihn in ihre Mitte und geleiteten ihn zum Oberhaupt. Diesem mußte Flix von dem Zweck und Ziel seiner Reise er zählen. Als er geendet, sprach das Oberhaupt der Mäuse: " Du wanderst nun schon die halbe Nacht Und hast dich zu uns hierher gemacht. Recht lange noch kann die Reise dauern, Noch manche Gefahr wird dich umlauern. Doch, du wirst gewiß etwas Hunger verspüren, Drum laß dich zunächst in die Küche führen. Dort findest du Schinken, Brot und Wurst Auch etwas Milch für deinen Durst." 16 Für unsere Kinder Flix begab sich in die Küche und kostete von Von Zweig zu Zweig, von Ast zu Aft allen Leckerbissen. Zwischendurch erzählte er den ihn umdrängenden Mäusen von seiner Hüpft es Und schlüpft es Wanderung und seinen Erlebnissen. Er konnte In fröhlicher Hast. es aber nicht unterlassen, sich nach dem Na Nun sigt es wieder men der Mühle zu erkundigen; auch wollte er wissen, wer die Mühle antreibe, da doch die Mühle abseits des Baches auf einem Hügel stehe. Eine Maus antwortete etwas spöttisch: Ihr Mäuse, der Flix ist weit gereift Und weiß nicht, wie unsere Mühle heißt. Die Arme am Haus sind da für den Wind, Der bläst hinein, frisch und geschwind. Die Windmühle auf einem Hügel steht, Damit der Wind besser die Flügel dreht. Dann läuft das Werk mit Klipp und Gerasfer So gut, wie in der Mühle am Wasser." Flix ärgerte sich, daß er ob seiner Unwissen heit von den Mäufen verhöhnt und verlacht werde. Er wollte nicht länger in der Windmühle verweilen, und begab sich eiligst wieder zum Oberhaupt der Mäuse, um sich nach seinem weiteren Wege zu erkundigen. Sie erfletterten zusammen ein Fensterbrett, von dem aus sie das ganze Land übersehen konnten, das im Mondschein vor ihren Blicken lag. Das Oberhaupt der Mäuse aber sprach: Busammengeduct, Wiegt auf und nieder Sein Köpfchen und guckt. Schaukelt sich hin und schaukelt sich her, Schaukelt und gaukelt die Kreuz und die Quer. ,, Nun geh und mache nirgends Halt, Dann kommst du an den dunklen Wald, Der dort in der Ferne in großen Flächen Sich ausdehnt zwischen Wiesen und Bächen. Doch ehe der Morgen bricht herein, Mußt du im sichern Schlupfwinkel sein. Mehr kann ich dir selber leider nicht sagen, Du mußt dich im Walde selbst weiter fragen." Mit Worten des Dankes nahm Flix Abи schied von den Windmühlenmäusen. Mitternacht war längst vorüber, der Mond ging schon unter, und in den tiefen Feldern und Wiesen war von dem Walde nichts zu sehen. So kam es denn, daß Flix sich verirrte und plötzlich wieder vor dem Bächlein stand. ( Fortfeßung folgt.) 000 Eichhörnchen. Von Friedrich Güll. Eichhörnchen auf dem Tannengipfel, Es lugt hinauf, es lugt hinunter; Da wiegen sich im Wind die Wipfel, Auf einmal wird Eichhörnchen munter: Und geschwind Wie der Wind Schwingt es sich droben im luftigen Raum, Springt es hinüber zum anderen Baum. Doch jetzt auf einmal hält es still Wie eins, das sich besinnen will; Und wieder klettert's frisch und munter Den Baum hinauf, den Baum hinunter. Einen Augenblick, weg ist's, husch, husch! Dort fitzt es mitten im Haselbusch und hält mit seinen niedlichen Füßchen Als wie mit Händchen ein Haselnüßchen, Karpelt und knuspert und zwickt und zwackt, Bis es die Schale hat aufgeknackt. Da noch ein Nüßchen und dorten noch eins. Nach und nach alle und ganz zuletzt keins. Keines mehr hier und keines mehr dort, Also muß Eichhörnchen gleich wieder fort. Hopp, einen Schwung, Hopp, einen Sprung. Und hurtig geht's im geschlängelten Lauf Den Eichbaum bis zum Wipfel hinauf. Da droben ist Eichhörnchens heimliches Haus, Da schlupft es hinein, und da guckt es heraus Und schaut, geborgen in guter Ruh, Da drunten dem Jägerburschen zu, Wie er die Büchse so ladet und spannt, Und wie er listig lauscht und lauert Und neben ihn der Hund sich kauert, Bis Hirsch und Rehbock kommt gerannt. Doch springt auch nur daher ein Hase, Eichhörnchen hält gar gute Wacht Und wirft dem Jäger auf die Nase ' ne Eichel, eh die Büchse kracht. Und wenn's auch fürchtig blitt und knallt, Geht doch der ganze Schuß daneben. Eichhörnchen, Eichhörnchen im grünen Wald Was führst du für ein lustiges Leben! Verantwortlich für die Redaktion: Frau Klara Bettin( Bundel), Wilhelmshöhe, Boft Degerloch bet Stuttgart. Druck u.Verlag J.H.W.Diez Nachf. G.m.b.$. Stuttgart.