Für unsere Kinder Nr. 4ooooooo Beilage zur Gleichheit ooooooo 1911 Troft. " Don Joseph v. Eichendorff. Inhaltsverzeichnis: Trost. Von Joseph v. Eichen-| dahin, nur hier und da einmal bunt unterdorff.( Gedicht.) Im Wald. Aus Iwan Tur- brochen von kleinen Flecken grüner Birkengenjeffs, Memoiren eines Jägers". Puppen- haine. Nirgends schimmert eine Kirche, nirtheater. Von E. B. Der Knabe von Budapest. gends leuchtet ein Feld; alles Wald, alles Von Klara Müller- Jahnke.( Gedicht.)- Lebensgeschichte eines Massai. Aus„ Durch Massailand". Bäume, nichts als spize Wipfel und darüber Bon Joseph Thomson.( Fortsetzung.)- Wunder- in der Ferne ein feiner, dunkler Duft, der same Reise einer Mühlenmaus und ihr trauriges ewige Duft des Urwaldes. Etwas Erhabenes Ende. Von Fr. Pritschow.( Fortsetzung.)- Ob haucht von allen Seiten des Himmels über den ich mich wehre! Von Hoffmann v. Fallersleben. Wald her. Große weiße Wolfen ziehen über ihn ( Gedicht.) hin, still und hoch. Heiße Sonne brütet über der schweigenden Erde. Das rötliche Wasser des fleinen Flusses vor dem Walde schleicht matt zwischen den Gebüschen hin, und auf seinem Grunde sieht man runde Hügel von Haarmoos. Die Ufer verschwinden ganz im Sumpfe, und nur hier und da treten sie im Glanze weißen Sandes hervor. Nun erhebt sich plötzlich ein Windstoß und wird ebenso plöglich wieder still. Zwischen einzelnstehenden Laubbäumen am Rande des Waldes zeigen sich seine Spuren: Haufen von Blättern, die er zusammengewirbelt hat, und die nun unbeweglich daliegen. Leise beginnen die Bäume zu rauschen, Schatten fallen auf sie hernieder. Der Abend naht. Das Morgenrot hatte wie eine Feuersbrunst geglüht und den halben Himmel eingenommen. Jetzt senkt sich die Sonne; die Luft hat etwas Durchfichtiges, gleichsam Glasartiges. Die Ferne wird von einem leichten Nebel verschleiert und mit dem Tau breitet sich ein rötlicher Glanz über das grüne Waldmeer, das eben noch von Strömen flüssigen Goldes übergossen war. Von den Bäumen und Gesträuchern am Waldsaum fallen lange Schatten. Die Sonne geht zur Rüste, ein Stern blinkt auf. Es haben viel Dichter gesungen. Jm schönen deutschen Land, Nun sind ihre Lieder verklungen, Die Sänger ruhen im Sand. Aber solange noch kreisen Die Stern' um die Erde rund, Tun Herzen in neuen Weisen Die alte Schönheit kund. Jm Walde da liegt verfallen Der alten Helden Haus, Doch aus den Toren und Hallen Bricht jährlich der frühling aus. Und wo immer müde fechter Sinken im mutigen Strauß, Es kommen frische Geschlechter Und fechten es ehrlich aus. 000 Im Wald. 000 Puppentheater. Aus Jwan Turgenjeffs Memoiren eines Jägers". Ein Wald, der sich endlos dehnt, der den ganzen Horizont überdeckt, erinnert an das Im Vergnügungspark war ein PuppenMeer. Indes der Wald ist einförmiger und theater aufgestellt. Ein buntbemaltes Haus starrer als das Meer, besonders der Fichten- mit einer Bühne, die durch einen purpurroten wald in seiner tiefen Stille und seiner fast Vorhang abgeschlossen war. Im Halbmond vollständigen Regungslosigkeit. Das Meer reihten sich um die Bühne grün gestrichene rauscht und tändelt, es spielt in allen Farben Kinderbänke, von einem zierlichen, niederen und spricht in allen Stimmen. Der unver Holzgitter eingefaßt. Innen auf den Bänken änderliche düstere Wald hingegen schweigt saßen die Kinder, die ein Geldstück bei sich ernst oder murrt dumps. In langen anein- hatten und für das Schauspiel bezahlen konnanderhängenden Reihen ziehen sich die bläu- ten. Außerhalb des Gitters hielten sich solche lichen ungeheuren Massen von Nadelbäumen Kinder auf, deren Taschen und Hände leer 26 Für unsere Kinder waren. Sie mußten stehen, nnv die Aller- kleinsten steckten die Köpfe durch das Holz gitter. Die Knaben auf den Bänken hatten Matrosenhüte und steifgestärkte Halskragen. Die Mädchen trugen kurze Spitzenkleider, die jedesmal, wenn die Kleinen sich setzten, wie ein Luftballon in die Höhe flogen. Dann lach ten die Kinder draußen, weil man dabei die Höschen der Mädchen von hinten sehen konnte. Die Zuschauer außerhalb des Gitters gingen meist barfuß, sie hatten keine Hüte oder trugen sie am Arm gehängt, damit ihnen nichts von dem Spiel entgehen könne. Die Kinder innen und außen harrten froh, in Erwartung flüsterten sie und schwiegen wieder. Da ertönte die Theaterglocke. Alle Kinderaugen richteten sich auf den Purpur vorhang, der langsam auseinanderglitt. Es war ein Marktplatz zu sehen mit alten Giebel häusern. In der Mitte stand ein Brunnen, darinnen ein sonderbares Tier aus seinem aufgesperrten Rachen Wasser spie. Und jetzt kam feierlich eine buntlappige Puppe an die Rampe, verbeugte sich und sprach:„Verehrte Herrschaften! Erlaubt, daß ich euch ein Schau spiel gebe. Hoffentlich wird es euch allen ge fallen. Wem es nicht gefällt, der dichte selbst eines, das besser ist." Darauf ging der Mann wieder ab. Nun kam ein Schmiedemeister, der einen wirklichen Meisterkopf hatte. Der traf von ungefähr am Markt einen Gesellen, der Arbeit suchte. Sie betrachteten einander und redeten hin und her. Es gelang ihnen nicht, sich zu einigen, obwohl sie sich fast taub schrien. Denn jeder wollte der Klügere sein und den größten Vorteil aus dem anderen ziehen. Am Ende schlugen die beiden auseinander los, daß man es nur so klatschen hörte. Sie gerieten in solchen Zorn, daß sie handgemein wurden, und daß dabei der Ge selle den Meister erschlug. Der Meister war tot, und sein Kopf baumelte über die Rampe hinaus. Als der Geselle seine Tat sah, über legte er sich, wie er sich herauslügen könnte, denn die Leute durften nicht wissen, daß er den Meister erschlagen hatte. Während seines Selbstgesprächs brachen ein paar zuschauende kleine Mädchen in Tränen aus. Sie hatten Mitleid mit dem Meister und Mitleid mit dem Gesellen. Draußen vor dem Gitter stand ein Mann und sagte zu seiner Frau, die gleichfalls das Spiel betrachtete:„Nein, welch ein rohes Spiel ist das. Wie kann man Kindern das Menschen leben so abscheulich vorführen und so verlogen." Dies hörten Knaben, die vor dem Gitter standen. Als jetzt auf der Bühne der Schutzmann an geritten kam, riefen sie laut:„Schluß! Schluß! Wir wollen etwas Schöneres sehen und hören, als solche Prügeleien." Da kam der Buntlappige wieder an die Rampe und schrie:„Ihr Zaungäste da draußen seid ganz still. Ihr bezahlt ja doch nichts und müßt nehmen, was man euch gibt. Unsere vornehmen Zuschauer sind zufrieden damit." Das Spiel sollte weitergehen, aber alle Kinder waren nun unruhig geworden. Die Knaben draußen riefen den Kindern auf den Bänken zu:„Laßt euch's nickt gefallen, wir wollen etwas Besseres sehen." Der Schutzmann auf der Bühne begann trotzdem sein Spiel. Er fluchte und schlug mit seinem Säbel ins Blinde. Da erhoben die Kinder vor dem Gitter ihre Stimmen, um ihn zum Schweigen zu bringen. Einige Knaben aus den Bänken aber sagten:„Laßt ihn doch, das Spiel ist ganz nett." Nun stellte sich ein Mädchen auf die Bank und rief:„Wenn ihr Buben solchen Unsinn redet, gehen wir Mäd chen alle fort." Da schämten sich die Jungen, sie kletterten auf die Bänke und trampelten, daß nicht mehr gespielt werden konnte. Als der Theaterbesitzer sah, daß auch diese Zu schauer keine Ruhe gaben, steckte er das Spiel auf. Während dieses Gelärms ging der Mann vor dem Zaune mit seiner Frau zu dem Be sitzer und sagte:„Ich will selbst den Kindern ein Spiel geben, daß sie auf ihre Kosten kom men." Dem Besitzer war das recht, und er ließ beide hinter die Rampe treten. Bald ertönte die Glocke zum zweiten Male. Nun ging ein Mädchen im weißen Gewand, mit Blumen im losen Haar über den Markt. Da wurde es von einer Wache angehalten. „Wer bist du?" fragte der Soldat. Das Mäd chen wandte sich um und sagte lächelnd:„Ich bin die Freiheit." „Keine Scherze!" rief der Soldat.„Wir, ich und Tausende, halten Wache, damit die Frei heit nicht in unser Land eindringt. Ich muß dich ausweisen, denn du hast dich gewiß des Nachts zu uns geschlichen." Er betrachtete das Mädchen und schüttelte den Kopf:„Ich habe hierzulande noch nie ein solches Geschöpf ge sehen, das aussieht wie du." „Ich habe mich nicht eingeschlichen," er widerte die Freiheit,„ich bin mit dem Morgen, dem Tag gekommen. Du und Tausende können mich nicht verjagen, denn ich wachse mit dem Schatten der Nacht und ich erstehe am Sonnen- Für unsere Kinder morgen." Der Soldat lachte auf: ,, Du redest irr. Sieh mich an, meine Rüstung, meine Waffen. In unseren Zeughäusern stehen Gewehre, Kanonen, in unseren Seehäfen liegen Kriegsschiffe." Die Freiheit hob das Haupt und sprach: Bruder, die Freiheit könnt ihr nicht totschießen. Wenn sie mit dem Morgen da ist, so könnt ihr sie nicht mit euren plumpen Waffen morden." Als die Freiheit ausgesprochen hatte, ging es von ihr wie ein Leuchten aus. Der Soldat wandte das Gesicht zur Erde und schwieg. Als er wieder aufblicken fonnte, sagte er:„ Freiheit, du bist schöner und gewaltiger als wir mit unseren Mordwerkzeugen. Ich verstehe dich, es ist, als wolle man die Sonne mit Kanonen vom Himmel schießen. Das wäre ein törichtes Spiel." " Ja," entgegnete die Freiheit, auch darum töricht, weil ihr die Erde um die Sonne bringen würdet. Aber es ist beides so unmöglich wie verwegen." Der Soldat blickte wieder zur Erde, denn die Freiheit blendete ihn. Da sah er, wie seine Knöpfe glänzten. Und er lachte:„ Ich habe mich selbst in diesen Gefangenentittel eingeknöpft. Jch will mich daraus befreien." Und er riß die Kleider von sich. Da jubelten die Kinder in und außer dem Gitter. Er wirft den dummen Säbel weg! Und der Rock mitsamt den schönen Knöpfen ertrinkt im Brunnen." Ein Knabe machte: ,, St! St!" Als die Augen der Kinder auf der Bühne den Soldaten suchten, da war ein anderer Mensch aus ihm geworden. Er trug ein helles Gewand und stand zur Seite der Freiheit. In diesem Augenblick stürzte ein Haufen Soldaten herbei und auf einem Pferde voran der Hauptmann.„ Das ist Fahnenflucht!" schrie er." Soldaten, gebt Feuer!" Die Soldaten legten die Gewehre an, aber sie frachten nicht los. Denn das junge lichte Weib stand da und rief: Brüder, ich bin die Freiheit." Es ging ein Leuchten von der Gestalt aus, daß alle geblendet standen. Die Soldaten erkannten den Mann neben der Freiheit und jubelten:„ So könnten wir alle aussehen, so frei und glücklich wie er. Wir sollen unsere Hoffnung töten? Unsere eigene Zukunft?" Sie reichten sich die Hände und umstellten schüßend die Freiheit. Da sah der Hauptmann, daß er allein war. Er konnte nicht befehlen, weil niemand bei ihm geblieben war. Er stieg vom Pferde und führte es am Zügel davon. Seine Worte wurden von Jubelrufen erstickt. 27 Die Kinder fanden das Spiel spaßhaft und brachen in schallendes Gelächter aus.„ Da geht er nun mit seinem Säbel und mit seinem Gewehr! Seht, seht!" Die Bühne füllte sich mit Soldaten, bis dicht an die Häuser heran standen sie auf dem Marktplatz. Es öffneten sich die Fenster, und Leute schauten heraus. Die Freiheit nahm ihre Blumen aus dem Haar und warf sie unter die herbeiströmenden Männer, die voll Begeisterung sangen, ihr zur Ehre. Und es war das Befreiungslied der großen französischen Revolution, ein Lied, in dem Fesseln sprengen: die Marseillaise. Aus den engen Gassen kamen die Frauen herbei und fangen freudig mit, die Kinder folgten in eigener Weise. Da konnten auch die Kinder hinter dem Zaune nicht mehr an sich halten. Die Knaben nahmen die Mädchen an den Händen, und der große Jubel riß auch die Kinder auf den Bänken mit fort. Es erhoben sich alle und wiederholten den Kinderchor: ,, Wir rücken nach in eure Bahnen, Wenn ihr, o Väter, nicht mehr seid. Euer Staub dort wird uns mahnen Und die Spur eurer Tapferkeit! Was liegt am Leben! Mag's verhallen! Mehr doch gilt euer Todeslos. Ein stolzes Ziel erschimmert groß: Euch rächen oder auch zu fallen!" Da fielen die Erwachsenen wieder in das Lied ein: ,, Nehmt Waffen! Bürger all! Schließt dicht die Reihn! Es gilt! Marsch, marsch! Drauf los! Verruchtes Blut Durchtränke das Gefilde!" Der Purpurvorhang schloß sich und verbarg den Kindern das Freiheitsspiel. Aber in ihre kleinen Herzen war eine frohe Botschaft ge= kommen: das Lied der Freiheit. Die Seelchen harren still wie eine Harfe, ob nicht das Leben in ihre Saiten greift. E. B. " 000 Der Knabe von Budapest. Von Klara Müller- Jahnke. Arbeit gebt uns und gebt uns Brot! Wir leiden Kälte, wir leiden Not: Wir haben ein Recht auf Leben Das Recht nur sollt ihr uns geben!" Ein Heer von aber tausend Mann, Mit dröhnenden Schritten rückt es an, 28 Zur Seite ihm Gier und Schrecken Der Sturm rast um die Ecken. Für unsere Kinder Der Schneesturm pfeift. Aus dem warmen Haus Lugen Tschako und Helm heraus; Jm kalten Schneelicht blitzen Goldene Knöpfe und Lizzen. Zurück! Wir gaben euch Holz und Brot, Wir hatten Erbarmen mit eurer Not; Doch ein Recht auf Arbeit und Leben, Wer hat euch das gegeben?" Und lähmende Stille. Ein Wetterschlag Fuhr aus dem Simmel am tältesten Tag. Dann dröhnend wie Donnergrollen: ,, Wir haben es, wenn wir wollen!" Lebensgeschichte eines Massai. Aus„ Durch Massailand". Von Joseph Thomson. ( Fortsetzung.) Bis ein Raubzug verabredet wurde, hatte Moran nichts anderes zu tun, als Bekanntschaften zu machen und sich mit den Mädchen die Zeit zu vertreiben. Manchmal konnte man ihn sehen, wie er um das Lager mit einer jungen Massai herumspazierte, die den Arm um seine Hüfte geschlungen hatte. Nach dem Vieh mußten einige Elfononos sehen, die Dienstboten der El- Moran. Wenn auch der Kral neben einem gefährlichen Nachbar lag, so fanden doch keine Gefechte statt. Da aber die Regel bestand, daß Kriegerkrals teine Dornhecken zum Schutze haben durften, war besonders zur Nachtzeit die äußerste Wachsamkeit geboten. Auch Moran mußte häufig Wache stehen. Zu anderen Zeiten beteiligte er sich an verschiedenen militärischen Übungen. Ungleich den Negerstämmen führten die El- Moran eigentlich ein ernstes Leben. Sie veranstalteten feine geselligen Spiele, keine Tänzereien beim Mondschein, ließen teine lustigen Gesänge erschallen oder donnernde Trommelmusik ertönen. Kein Wut- musikalisches Instrument irgendwelcher Art verschönerte das Leben der Massai, und Gesänge stimmten sie nur an, wenn sie von einem erfolgreichen Streifzug zurückfamen oder zu ihrem Ngai beteten. Sobald es abends finster wurde, stellte man im Kriegerkral Wachen aus, Und hämmernd das Blut in den Schläfen braust, An dem Türgriff rüttelt die Schwielenfaust, Auf dem Estrich krachen die Sohlen! „ Wir werden das Recht uns holen!" -Zurück!-Gewalt denn wider Gewalt!" Und der Säbel klirrt und die Büchse knallt. „ Zurück!" Und die Stürmenden weichen Cleber Wunde zurück und Leichen. Aufbrüllt die Menge vor Scham und Und mitten in to sender Kämpferflut Mit blonden, flatternden Haaren Ein Knabe von dreizehn Jahren! Der hebt die wehrende Hand ein Schrei! Ein Stauen und Stampfen... nun ist's vorbei: das Vieh wurde gemolken, und dann trat Stille Jm Straßengewühl zertreten! Und fluchende Lippen beten.... „ Und wenn das Recht von Gottes Hand Genagelt wär an des Himmels Wand, So wüchsen uns Geierschwingen Wir werden das Recht erringen! im Lager ein. Kurze Zeit nachdem Moran in den Kral eingetreten war, wurde er berufen, seine Stimme zur Wahl eines Leitunu und eines Leigonani abzugeben. Der Leitunu ist der Krieger, der von einer Anzahl Krale zum Führer oder Hauptmann erwählt wird, und erhält unZurück für heute!!- Was heulst du, Weib? umschränkte Gewalt über Leben und Tod. Er Auf diesem zuckenden Kinderleib Soll unser Recht auf das Leben, Ein blutendes Mal, sich heben!" Des Führers Wort grollt hart und heiß; Und still wird es und leer im Kreis. Er kniet im fegenden Winde Bei seinem toten Kinde. In wehenden Wirbeln treibt der Schnee Und fühlt die Wunden und löscht das Weh, Und hüllt in schützende Decken Die blutige Saat der Schrecken. 000 lenkt die Gefechte, führt aber seine Leute im Kampfe nicht selbst. Der Leitunu steht vielmehr, wie der General einer zivilisierten Armee, außerhalb der Schlachtreihe und überwacht den Gang des unter der persönlichen Führung des Leigonani gelieferten Gefechtes. Entdeckt er aber Anzeichen, daß seine Leute wanten, so stürzt er sich sofort mit seiner Leibwache in den Kampf. Jeder Kriegsbezirk erwählt seinen eigenen Leitunu. Dieser erhält sein Amt aber nur auf Widerruf, und wenn er den Krieg schlecht lenkt oder sonst nicht befriedigt, wird er kurzerhand abgesetzt. Das Amt des Leitunu ist der einzige Anlauf zu einer Art von Re Für unsere Kinder 29 Gesicht trägt der Krieger einen Kranz von Straußenfedern, die in einen Lederstreifen eingesteckt sind. Sein Haar ist in zwei Zöpfen aufgebunden, von denen der eine nach vorn, der andere nach hinten hängt. über den Schultern sitzt ein ungeheurer Kragen von Habichtfedern. Das Ziegenfellmäntelchen, das sonst von der Schulter herabhängt, ist jetzt zusammengerollt und fest um die Lenden geschlungen, so daß die Arme frei geworden sind. Die Beine sind mit dem weißen Vlies des Seidenaffen geschmückt, das wie Flügel von den Waden absteht. Im übrigen besteht der Leibschmuck des kämpfenden El- Moran aus der üblichen Salbe von Fett und Lehm. Das Sime oder Schwert steckt er an der rechten Seite fest, und durch den Gürtel wird auch der Schädelzerschmetterer, die Streitfeule gesteckt, die er auf den anstürmenden Feind schleudert oder dazu benutzt, dem Verwundeten den Garaus zu machen. Ein großer Schild in der linken Hand und ein großer Speer in der rechten gierung, im übrigen regelt die Gesamtheit der erwachsenen Massai selbst ihre Angelegen heiten. Ein anderes Amt als der Leitunu hat der Leigonani. Der Leigonani ist der öffentliche Vertreter des Krals und leitet die Verhandlungen bei Streitfällen. Es ist bemerkenswert, daß die kampflustigen Massai die denkbar besten Redner sind und in der Hitze des Streits nie die Gewalt über sich verlieren. Nachdem der Leitunu und der Leigonani erwählt worden waren, beschlossen die ElMoran, einen Raubzug nach der Küste zu unternehmen. Sie bereiteten sich auf den Krieg vor, indem sie sich für einen Monat in kleinen Gruppen in den Wald zurückzogen und sich dort voll Fleisch stopften. Dadurch glauben sie, einen hinlänglichen Vorrat von Muskeltraft und Kampfmut in sich aufzuspeichern. Auch ward eine Abteilung zu dem vornehmsten Zauberpriester der Massai gesandt, um sich Rats zu holen wegen der besten Stunde zum Aufbruch, und um ihn um Zaubermittel zu bitten, durch die sie siegreich würden. Am vervollständigen die kriegerische Ausrüstung. Tage des Aufbruchs gingen die Frauen des Krals ins Feld und tauchten Grasbüschel in den Rahm der Kuhmilch. Dann tanzten sie und riefen Ngai an, daß er dem Unternehmen der Männer glücklichen Erfolg gewähre, und warfen darauf das Gras nach der Richtung der Gegend fort, wo die Feinde waren. Gras und Milch sind für die Massai heilig. Die Milch muß in besonders für ihre Aufnahme bestimmten Kalebassen aufbewahrt werden, in die niemals Wasser gegossen werden darf und die mit Holzasche gereinigt werden. Die Milch zu fochen, gilt als greuliche Schändung und auch als genügender Grund, eine Handelstarawane niederzumhezzeln. Man glaubt, die Kühe gäben keine Milch mehr, wenn diese getocht wird. Die Kühe werden nur im Finstern gemolken. Auch die jungen Männer heulten mehrere Stunden im Chore Amon Ngai- ai", Wir bitten zu Ngai". Hierauf ward Wusterung über die Krieger gehalten, und dann marschierten sie ab. Einen absonderlichen und furchterweckenden Anblick boten diese hochgewachsenen und übermütigen jungen Kehlabschneider auf dem Marsche. Der El- Moran, der sich auf dem Kriegspfad befindet, trägt den Naibere, ein Stück Baumwollenzeug von fast zwei Meter Länge und zwei drittel Meter Breite mit einem bunten Längsstreifen in der Mitte; der Naibere ist um den Hals befestigt und wallt von da in fliegenden Falten herab. Um das Zu dem allem denke man sich eine hohe, schlanke Gestalt und das Gesicht des Satans, und man hat das Musterbild eines Massaifriegers vor sich. Der El- Moran ist ungeheuer stolz auf seine Waffen und würde sich von allem lieber als von seinem Speere trennen. Er prahlt mit seinen Narben, als dem wahren Schmuck eines Kriegers. Mit großer Kühnheit und vollendeter Kenntnis der Gegend fanden Moran und seine Kameraden ihren Weg aus dem Innern zur Küste ins Suaheliland. Die Suaheli sind ein Negerstamm, der stark mit Arabern vermischt ist; die Araber waren ja lange Zeit die Herren der Ostküste Afrikas. Die Massai hatten herausgefunden, daß sie im Suaheliland das Vieh viel leichter ungestraft wegführen konnten als sonst irgendwo- trotz der Gewehre der Suaheli und der zahlreichen Bevölkerung. Dem unfreien Küstenvolt, das unter der Herrschaft der arabischen Sultane von Sansibar stand, fehlte es an Opferwilligkeit, für andere zu fämpfen, und an Mut, sich zu verteidigen. Die Suaheli entschuldigten ihre Feigheit damit, daß sie von dem Vieh ihrer Nachbarn feinen Vorteil hätten. Wir bekommen weder ihr Fleisch noch ihre Milch," sagen sie ,,, warum sollen wir also dafür fechten, daß unser Nachbar sein Vieh behalte?" Als die Massaikrieger sich der Küste näherten, versteckten sie sich im Busch, während einige der Tapfersten und Gewandtesten vorausgingen, um das Land aus 30 Für unsere Kinder Krieger der streitenden Stämme mit ihrem Vieh und den jungen Mädchen. Zunächst wurde ein Waffenstillstand festgesetzt und Krals in den Lagern erbaut. Dann trat eine gewisse Anzahl Krieger von beiden Seiten vor, und es entspann sich ein wütendes Handgemenge, wobei die Weiber die Kämpfer zu fühnen Taten anspornten. Die Watwahi blieben schließlich Sieger, und das Vieh der Massai fiel in ihre Hände, auch vertrieben sie die Besiegten aus einem großen Teil des Landes. zukundschaften. Nachdem diese günstige Ge-| Darauf brach ein Krieg zwischen den Massailegenheiten erspäht hatten, brachen die Massai stämmen selbst aus, und Moran mußte seinen in die Dörfer ein, wo sie wenig Widerstand, Brüdern von Naiwascha zu Hilfe kommen, aber viel Beute fanden. Ernsthafte Kämpfe welche von den Watwahi hart bedrängt wurden. wagte die erschrockene Bevölkerung den furcht- Die Wakwahi haben mehr Negerblut in ihren baren Massai nicht zu liefern, und nur einige Adern als andere Massaiſtämme. In diesen der El- Moran fielen auf diesem Raubzug. So inneren Kriegen ging es ganz geregelt zu. fehrten die Krieger mit großer Beute an Vieh Plötzliche und unerwartete Angriffe waren und in bester Stimmung wieder ins Innere nicht beliebt. Ein Platz wurde zum Schlachtzurück. Als sie ihre Heimat erreicht hatten, feld ausgesucht, und dahin wanderten alle mußte die Beute verteilt werden. Eine gewisse Anzahl Vieh wurde als Anteil des Zauberpriesters beiseite gestellt, der die Krieger so gut beraten hatte und dessen Zaubermittel so machtvoll gewesen waren. Um die übrige Beute aber entspann sich blutiger Streit. Nicht einmal der Versuch wurde gemacht, sie angemessen zu teilen. Die stärkeren Leute und Kampfhähne unter den Kriegern ergriffen ganz einfach Besitz von dem ihnen gefallenden Vieh und forderten die übrigen heraus, zu kommen, wenn sie sich etwas davon holen wollten. Die landläufige Regel war die, daß der Krieger Befizzer des Viehs ward, der seine Ansprüche drei Tage lang im Einzelfampf gegen alle Mitbewerber aufrechterhalten konnte. Doch blieb das so gewonnene Vieh nicht das Eigentum des Kriegers selbst. Ein Krieger fann fein Eigentum besitzen, und alles, was er an Vieh erbeutet, geht in den Besitz seines Vaters über. Und so begann jetzt das wirkliche Gefecht des Raubzugs, bei dem eine entsetzliche Wildheit entfaltet wurde. Bei der Teilung der Beute wurden mehr Krieger getötet als bei ihrer Eroberung. Für einen Mann, der in einem solchen Zweikampf fällt, nimmt seine Familie teine Rache. Wird jedoch ein Mensch meuchlings ermordet, so muß der Schuldige mit einer Buße von 49 Rindern sich von der Rache lostaufen. Da Moran noch jung war, so mußte er sich mit der Ehre und dem Ruhme des Raubzugs begnügen; er durfte noch nicht daran denken, sich mit den geschickteren und wilderen Fechtern zu messen. Zur Abwechslung von diesen ernsten Kämpfen machte sich Moran ein Vergnügen daraus, als Wegelagerer die Händler und ihre unglücklichen Suaheliträger zu überfallen, die durch Massailand zogen. Er konnte seinen Genossen im Kral ein wieherndes Gelächter entlocken, wenn er erzählte, wie er diesen zu Tode erschreckt, jenen auf seinen Speer gespießt oder den Schädel eines dritten zu Mus zerschmettert habe. Den Eisendraht und die Perlen, die er von den Händlern als Tribut empfing, behielt er selbstverständlich nicht für sich, sondern verteilte sie unter seine Geliebten im Kral. So flossen unter Krieg und Frauendienst Morans Tage glücklich dahin. Sein Aussehen war wild, sein Auftreten ernst, und er hatte sich eine wirklich überraschende Vornehmheit erworben. Wenn er Neugierde zeigte, so geschah dies in einer würdevollen Weise. Selten verfiel er in ein gemeines Lachen, und selbst ein Lächeln war kaum möglich auf einem Gesicht, das man nur teuflisch nennen konnte. ( Fortsetzung folgt.) 000 Nachdem die Beute verteilt war, mußte die Gemeinschaft der Krieger den in dem Raubzug gefallenen Kameraden die schuldigen Ehren Wundersame Reise einer Mühlenerweisen. Wer in der Schlacht fällt, wird des höchsten Lobs für würdig erachtet. Darum heulten die Krieger und sprangen tanzend in die Luft, bis dem Andenken der Toten Ge nüge geschehen war. Moran erlebte eine Menge ähnlicher Gefechte und erwarb sich einen großen Ruf in manchem Feldzug gegen die umliegenden Länder. maus und ihr trauriges Ende. Von Fr. Pritschow.( Fortsetzung.) Immer weiter ging die Fahrt. Eine Schar von Vögeln flog hinter dem Fahrzeug her. Plötzlich ließen sie sich auf dem treibenden Heubündel nieder, so daß Flir in der Eile und vor Schreck sich nicht mehr verstecken Für unsere Kinder 31 fonnte. Erstaunt und neugierig betrachteten| Dann suchte er nach einem sicheren Versteck die Vögel die zitternde Maus, die schon ihr im Winkel. Doch was war denn das! Roch Ende nahen fühlte. Aber sie taten Flix nichts, das nicht ganz so wie Schinken und Speck? und einer von ihnen sprach diesen also an: Da mußte er doch gleich einmal nachspüren. Und richtig mitten in einem kleinen vergitterten Kasten hing ein sauberes Stückchen Speck! Wie aber hineinkommen? Flix bemerkte eine kleine Tür, die in das Innere des Kastens führte. Wie er eben hineinschlüpfen wollte, hörte er neben sich ein feines Stimmchen: ,, Schnatter, schnatter, schnatter; Lieber Herr Gevatter, Wo habt Ihr das Schiff genommen, Und wo seid Ihr hergekommen? Sagt, wo wollt Ihr denn noch hin? Bringt die Fahrt Euch auch Gewinn? Sagt das, Herr Gevatter; Schnatter, schnatter, schnatter." ,, Liebes zartes Mäuselein, Geh doch lieber nicht hinein. Alle kleinen Mäuse, alle Gingen in die Mäusefalle. Und sie naschten von dem Speck, Aber ach, der Schreck, der Schreck! Denn sobald sie angebissen, Ward die Türe zugerissen. Geh nicht, du kommst nie heraus, Mit dem Leben ist es aus." Flix wußte gar nicht, welche Frage er zuerst beantworten sollte. Die Vögel, die sich ihm als Wildenten vorstellten, waren aber freundlich zu ihm. Und so erzählte er ihnen die ganze Geschichte von den schrecklichen Katzen daheim und von seiner Reise zu dem König aller Mäuse, der in der nahen Stadt wohnen sollte. Dann flagte er über sein Mißgeschick, das ihn hier auf das treibende Heubündel verschlagen habe. Erstaunt schaute sich Flix um, wer wohl der Ob die Wildenten ihm nicht helfen könnten, Sprecher sei. Er gewahrte zwischen den Stäben wieder an das Land zu kommen? O ja, sie der Mäusefalle eine große Spinne; sie war es, wollten ihm gern helfen. Vergnügt schnatterten die so zu ihm gesprochen hatte. Nun, dachte sie durcheinander und plumpsten ins Wasser. Flix, so schlimm wird es nicht gleich sein. Mit ihren Schnäbeln stießen sie das Fahrzeug Die gute Spinne übertreibt sicherlich. Er antvor sich her und steuerten es ans Ufer. Am wortete ihr: Ufer hielten sie das Heubündel fest, so daß Flix ganz gemütlich aussteigen konnte. Dieser war glücklich und sprach voller Freude und Dankbarkeit zu den hilfreichen Enten: Wenn ihr mir nicht geholfen hättet Und mich aufs trockne Land gerettet, Wär ich vor Hunger umgesunken Und elendlich im Fluß ertrunken. Ihr Schnatterenten, habet Dank! Nun kann ich wandern frei und frank!" Den guten Enten war es aber gar nicht um Dank und Lohn für ihre Tat zu tun gewesen. Sie erhoben sich in die Lüfte und flogen davon, nachdem sie Abschied von Flix genommen hatten. Noch einen letzten Blick warf Flix auf das treibende Heubündel, das sich wieder im Strome drehte und fortgerissen wurde, dann wanderte er weiter seinem Ziele zu. Da es aber nicht geheuer war, bei Tag in die Stadt zu gehen, so sah er sich bald nach einem Schlupfwinkel um. Hier vor den Toren der Stadt standen vereinzelt kleine Gartenhäuschen inmitten blumiger Beete. Flir schlüpfte ohne Mühe durch die Türspalte eines besonders schönen Häuschens. Als er darin war, suchte er vor allem nach Nahrung. Alles war still nnd nichts regte sich. Er kletterte in ein Schränkchen und fand etwas Brot sonst nichts. Er aß sich satt. ,, Ach, ich weiß schon, liebe Spinnen: Waren erst die Mäuse drinnen, Aßen sie den ganzen Spect Und dann hatten sie den Schreck. Ich bin aber nicht so dumm, Beiße an und kehre um." Und ehe die Spinne etwas erwidern konnte, schlüpfte Flir durch die Öffnung in den Kasten, biß herzhaft in den Speck und sprang sofort mit einem einzigen großen Sage zur Tür hinaus. Schwapp, flog mit lautem Krach die Tür hinter ihm zu und klemmte seinen schönen langen Mauseschwanz ein. Vor Schreck und Schmerz schrie Flir laut auf. Aber da half alles Schreien und Zappeln nichts, er war eingeklemmt und saß fest. Allerdings war er nicht in der Falle gefangen, doch was nügte ihm das, wenn er nicht loskommen konnte. Dazu der höllische Schmerz! D, es war furchtbar! Umsonst redete die Spinne gütig und tröstend auf Flir ein. Dieser gebärdete sich wie toll. Wäre er nur der Spinne gefolgt. Wie er wohl länger als eine Stunde in seiner Verzweiflung getobt hatte, tam er langsam wieder zur Besinnung. Nun konnte die Spinne auch wieder ein vernünftiges Wort mit ihm reden. Sie sprach zu dem armen Flix: 32 " Arme Miaus, es kommen heute Aus der nahen Stadt die Leute. Hier im hübschen Laubenhaus Ruhn sie von der Arbeit aus. Alsbald werden ste dich sehn, Und dann ist's um dich geschehn. Arme Maus " Für unsere Kinder Weiter kam die Spinne nicht, denn draußen wurden Stimmen und schwere Schritte laut. Es war klar, schon kamen die Leute. Da nahm Flix all seine Kraft zusammen mit einem verzweifelten Sage riß er sich los und huschte unter das Gerümpel in der Ecke. Aber die schöne glänzende Haut seines prächtigen Mauseschwanzes verblieb unter der Fallentür. IV. Das schreckliche Ende der Reise. Es war stockfinstere Nacht, als die Menschen endlich aufbrachen und den Heimweg antraten. Nun machte sich auch Flix auf in die Stadt, trotz der heftigen Schmerzen, die er immer noch verspürte. Er konnte froh sein, daß er noch einmal mit dem Schreck davon gekommen war. Nachdem Flix das Gartenhäuschen verlassen hatte, folgte er einem breiten Weg, auf dem er am schnellsten und sichersten in die Stadt zu gelangen hoffte. Der Weg führte sanft bergan. Da welch zauberhafter Anblick! Hinter weiten Gartenanlagen mit prächtigen dunklen Baumgruppen leuchteten und funkelten die vielen, vielen Lichter der Stadt. Am Fuße des Hügels, von dem aus Flix alles übersehen konnte, lag ein herrlicher Park. Durch den Park mußte er noch wandern, ehe er in die Stadt gelangen fonnte. Den König aller Mäuse hoffte er dort bald zu finden. Sicher wohnte er in dem schönsten und reichsten Hause der Stadt. In furzem war Flix also am Ziele seiner Reise und tonnte bald in die Heimat zurückkehren. Er würde den Mühlenmäufen Rettung bringen und Ruhm und Ehre ernten- wie freute er sich. Flix gelangte an ein großes Parktor. Wohlgemut spazierte er hindurch und stand alsbald vor einer steinernen Treppe. Rechts und links erhoben sich auf mächtigen Sockeln riesige Razen, aus weißem Stein gehauen, die sich gespenstisch von dem dunklen Nachthimmel ab= hoben. Flix bemerkte bald, daß die steinernen Razen ganz harmlos waren, und beherzt erfletterte er die Steinstufen. Von da oben führte eine herrliche Allee uralter hoher Kastanienbäume in schnurgerader Linie zu einem weißen Säulentempel. Vor dem Bau machte Flix Halt, Geräusch eines Springbrunnens, der den Play vor dem Tempel zierte. Sonst war alles still und kein lebendes Wesen war zu sehen. So wanderte Flix denn weiter. Zum zweitenmal fam er durch ein großes Parktor und war nun bereits in der Stadt. Er erblickte ein festlich erleuchtetes großes Haus. Es war ein Schloß. Flix fand den Weg dahin durch einen großen Teich versperrt. Kurz entschlossen lief er um diesen herum und stand endlich vor dem Schloß, in das er durch die Spalte einer Kellertür eindrang. Hier fand er sicher Mäuse, bei denen er sich nach dem Wohnsitz des Königs aller Mäuse erkundigen konnte. Vielleicht traf er sogar seinen Fürsten selbst hier in diesem Schlosse an. In einem Schlosse mußte ja auch der König der Mäuse wohnen!( Schluß folgt.) 000 Ob ich mich wehre! Von Hoffmann v. Fallersleben. und als ich ritt zum Wald hinein, Da dräuten mir zwei Schnecken; Ich schlug mit meinem Schwerte drein Und tät sie niederstrecken. Ich bin ein Held, Ich habe Mut, ich habe Geld! Ich halt' auf Ehre:" Ob ich mich wehre! und als sich bäumte wild mein Pferd, Da schimpfte mich ein Fröschlein; Ich war nicht faul und schwang meinSchwert und gab ihm eins aufs Göschlein. Ich bin ein Held, Ich habe Mut, ich habe Geld! Ich halt' auf Ehre: Ob ich mich wehre! Ich sollte nur in Harnisch sein Von Haupt bis zu den Füßen, Ei, käme selbst ein Stachelschwein, Ich wollt' es schön begrüßen! Ich bin ein Held, Ich habe Mut, ich habe Geld! Ich halt' auf Ehre: Ob ich mich wehre! Berantwortlich für die Redaktion: Frau Klara Zetkin( Bundel), Wilhelmshöhe, Post Degerloch bei Stuttgart. etwas eingeschüchtert durch das plätschernde| Druck u.Verlag J.S.W.Diet Nachf. G.m.b.H. Stuttgart.