Für unsere Kinder Nr. 7 ooooooo Beilage zur Gleichheit ooooooo 1911 Inhaltsverzeichnis: Der Sunnwendmann. Von| Puppe, die eine Wunderpuppe war und die Martin Greif.( Gedicht.) Was die Puppe dem Augen richtig auf- und zumachen konnte. EndNußtnacker erzählte. Von Roland.- Großmutter lich schliefen sie ein. Holzfammlerin. Von Ernst v. Wildenbruch.( Gedicht.) Die Schwertlilien. Von Frederi Mistral. werden wollte. Von Fr. Pritschow. Das Männlein in der Gans. Von Friedr. Rüdert.( Gedicht.) Wie eine kleine Tanne ein Weihnachtsbaum Der Sunnwendmann. Don Martin Greif. Der Sunnwendmann, Wo kommt er her?" Ueber Wiesen und Felder, Ueber Berge und Wälder, Vom weiten, weiten Meer, Da kommt er her. „ Der Sunnwendmann, Wie zieht er ein?" Auf leuchtendem Schimmel Wie die Sonn am Himmel, Voll spiegelndem Schein, So zieht er ein. Der Sunnwendmann, Was bringt er mit?" Gar köstliche Gaben Für Mädchen und Knaben, Die guter Sitt', Das bringt er mit. Der Sunnwendmann, Wie teilt er's aus?" Er legt sie verstohlen, Wo sie leicht zu holen, Ans Fenster, vors Haus,. So teilt er's aus. 000 Was die Puppe dem Nußknacker erzählte. Das letzte Lichtlein am Tannenbaum war erloschen. Die Kinder lagen bereits in den Betten und dachten an die seligen Stunden, die sie eben verlebt hatten. Und sie freuten sich ihrer Geschenke! Morgen wollte Fritz auf seinem Schaukelpferd reiten, hei, nach Amerika und noch weiter. Berta wollte mit ihren neuen Bällen spielen und Anna mit ihrer großen In der Stube, wo der dunkle Baum stand, war es ganz still. Ein wundersamer Duft erfüllte den Raum, der Duft grüner Zweige, Apfel, erloschener Kerzen, Weihnachtsduft. Durch die Vorhänge guckten einige Sterne neugierig ins Zimmer, und auch der Mond leuchtete für einen Augenblick hinein. Durch die Luft zog ein leises, geheimnisvolles Raunen. Wo mochte es herkommen? Flüsterte es in den Zweigen des Baumes und gedachte er der Zeit, da er im Walde gestanden hatte mit vielen Kameraden? Aber nein er stand ganz still und schweigsam. Unter ihm auf dem Tische saß die Puppe; ihre Arme hingen ihr steif am Leibe herab und ihre Augen starrten leblos geradeaus. Ihr zur Seite lag mit weit aufgesperrtem Munde der Nußknacker. Neben dem Tische stand das Schaukelpferd und blickte griesgrämig ins Dunkel. Von der Uhr an der Wand flangen zwölf lange zitternde Schläge. Kaum war der letzte Schlag leise verhallt, da ging's wie ein Rauschen durch das Zimmer. Und wunderbar! Der Baum bewegte seine Zweige und wiegte sich, als stände er noch festwurzelnd im feuchten Waldesboden, als striche ein leiser Wind über feine zierliche Gestalt. Die Puppe riß die Augen weit auf, schlenkerte mit den Armen und drehte ihr Köpfchen. Der Nußknacker machte mit einem lauten Knack seinen Mund zu und reckte sich empor, und das Pferd knirschte ins Gebiß und wieherte. Alles hatte Leben bekommen. Verwundert starrten Puppe und Nußknacker einander an. Die blauen Augen der Puppe schauten staunend an dem Nußknacker in seiner bunten Uniform hinauf, und der guckte stolz und steif, als hätte er einen Stock verschluckt, über seinen hohen gestickten Kragen auf sie hinab. Die Puppe fand zuerst die Sprache. ,, Ach, wie herrlich ist es hier!" rief sie mit heller Stimme und warf einen leuchtenden Blick umher. Ja ja... ganz nett soweit!" erwiderte ihr Nachbar in schnarrendem Tone. Er meinte, sie hätte ihn angesprochen, und als höslicher Mann wollte er die Anwort nicht schuldig bleiben. Er schlug seine Zähne zusammen, und wieder sagte es: Knack! 50 Für unsere Kinder „ Himmlisch!" fuhr die Puppe fort ,,, der helle| Aber traurig geht's dort her, wo meine Heimat Baum, der Duft, die lustigen Kinder, nicht wahr?" Der Nußknacker schaute nicht gerade erfreut auf seine Gefährtin hinab. Die saß vor ihm in ihrem roten Kleide mit breitem hellblauem Gürtel, blondes gewelltes Haar auf dem Kopfe und schwarze Lackschuhe mit goldenen Schnallen an den zierlichen Füßen. Nun sagte er: „ Ja, Fräulein, Sie können lachen, Sie haben es gut, Sie tanzen und spielen. Aber ich ich habe arbeiten müssen den ganzen Abend; wohl an hundert Nüsse haben die Kinder mir zwischen die Zähne gepackt, und alle habe ich sie entzweibeißen müssen. Ach, wenn's nur teine Kinder gäbe!" ,, nein, die Kinder sind nett; ich mag Kinder zu gern leiden, besonders die Mädchen; Jungens sind mir ein bißchen zu wild. Haben Sie gesehen, wie die kleine Anna jubelte, als sie mich in die Arme nahm? D, es war zu schön!" " Ja, Sie!" Und der Nußknacker war ordentlich neidisch auf seine Nachbarin. Ihre Munterfeit, ihr fröhliches Lachen verdroß ihn. Er knackte wieder die Zähne zusammen, als wenn eine Nuß dazwischen läge. Das hatte er sich so angewöhnt. Ach, warum wollen wir uns streiten, Herr Nußknacker? Ich bin gar nicht dazu aufgelegt; lassen Sie uns zusammen ein Lied singen, wie die Kinder es getan haben!" Ich kann nicht singen," antwortete mürrisch der Nußknacker. " „ Das ist aber schade! Dann lassen Sie uns noch ein wenig plaudern!" „ Erzählen Sie, ich höre lieber zu!" versetzte er, und nun flang seine Stimme schon etwas weniger unfreundlich. Und das Pferd wieherte und der Baum rauschte, als wollten auch sie sagen: Ja, fa, erzählen! und die Uhr im Kasten an der Wand tickte nur noch ganz leise, als wollte sie sich ja kein Wort der Geschichte entgehen lassen. " Ja, wovon soll ich denn erzählen?" sagte die Puppe und guckte sinnend in die Ferne. Plötzlich drehte sie ihren Kopf wieder ihrem Nachbar zu und rief:„ D, ich weiß schon. Wollen Sie hören, was ich alles schon erlebt habe, ehe ich hierher kam?" ist. Ach, dort ist's nicht schön. Sie müssen nämlich wissen, ich habe schon eine weite Reise gemacht. Als ich zuerst denken konnte, saß ich auf einer Fensterbank und schaute in einen niedrigen, engen Raum hinein. Dicht zu meinen Füßen stand ein großer roher Tisch, in der Ecke gegenüber ein Ofen. Eine Menge Men schen arbeiteten in dem Zimmer. An dem Tische saß der Vater. Er hatte einen langen Bart, der war schon grau. Seine Wangen waren eingefallen und sein Gesicht war bleich. Seine fnochigen Hände waren unablässig beschäftigt. Alle Augenblick nahm er von dem Haufen, der vor ihm lag, einen Kopf, genau solchen, wie ich einen habe. Auch meinen hat er gewiß zwischen seinen Fingern gehabt. Einen kleinen dünnen Pinsel tauchte er in einen Tiegel mit roter Farbe und malte jedem Kopfe rote Backen und rote Lippen. Wenn ein Kopf fertig war, wanderte er zu einem kleinen Jungen. Der war kaum so groß, daß er über den Tisch weggucken konnte. Er hatte wunderschöne blaue Augen, aber nie habe ich sie leuchten sehen. Heini! riefen ihn die anderen. Der langte mit seinen zarten Fingerchen nach dem bemalten Kopfe und trug ihn nach dem Ofen. D, wie gräßlich blickte dieser Ofen! Seine lange rote Bunge leckte zwischen den Zähnen heraus. Auf dem Ofen mußte der arme Kopf nun dörren und trocknen. Auch ich hab's gewiß durchmachen müssen; aber die Erinnerung an diese schreckliche Zeit ist mir entschwunden. Hinten in der Stube saß die Mutter. Ihre Hände hielten eine Schere und schnitten aus bunten Zeugstücken Kleider zurecht und hefteten sie mit Nadel und Zwirn zusammen. Wie flogen die Finger hin und her! Ein Mädchen schnitt aus dünnem Leder Stücke heraus und machte sie aneinander, und ein Junge füllte Sägespäne hinein. Aber hören Sie auch noch zu?" " Ich höre," sagte der Nußknacker und flappte in Gedanken wieder einmal sein Gebiß zu. „ Ein anderes Mädchen nähte Kopf und Arme und Beine an den Leib. Da lag dann auf dem Tische eine Schwester von mir; aber sie war noch nackt. Und die Mutter zog ihr die bunten Kleider an, Strümpfe und Schuhe, und nun war sie schön. Aber ich war doch " Ja ja, fangen Sie nur an!" brummte der noch schöner als sie; denn ich habe lebendige Nußknacker, ich bin ganz Dhr." Und die Puppe begann: " Ich will mit meiner Jugendzeit beginnen. Hier bei uns, ja, da sind fröhliche Menschen. Augen gefriegt. Wollen Sie mal sehen?" Und die Puppe bog ihren Nacken zurück, und die Augen waren geschlossen. Dann hob sie ihren Kopf wieder und fuhr fort: h a S 0 E C C Für unsere Kinder 51 pen machen. Einen Augenblick am Weihnachtstage wenigstens soll sie an jene Armen denken. Und sie soll ihren Vater fragen, ob es denn so sein muß, daß es solch ein Elend auf der Erde gibt. Ich kann es wirklich nicht glauben." ,, Ach, die Kinder denken nur an Essen und Trinken und Spielen und daran, andere zu ärgern," brummte der Nußknacker. ,, Nein, von Anna und Berta und Fritz glaube ich das nicht." " Ist Ihre Geschichte schon zu Ende?" fragte der Nußknacker, der sich ärgerte, weil er nicht recht bekam. „ D, noch lange nicht; aber nun will ich einmal aufhören. Ich hätte noch viel zu erzählen von meiner Reise hierher, wie ich im Schaufenster neben vielen Schwestern stand, und wie Tag für Tag sich Kinder an der goldenen Stange vor dem Fenster drängten und mit verlangenden Blicken zu uns herübersahen. Aber nun müssen Sie auch mal etwas erzählen!" " Ich?" schnarrte der Nußknacker. Dann räusperte er sich.„ Ja, ich... na also..." „ Aber gar nicht gemütlich sah es in jenem| will es Anna erzählen, wie unglücklich all die Raume aus! Die Wände waren fahl, teine vielen Kinder sind, die ihnen die schönen PupTapeten, teine Tünche, fein Bild, nichts. Und heiß war es und die Luft so schlecht. Denn die ganze Familie hielt sich in dem kleinen Raum auf. Wenn ich durch die schmutzigen Fenster schaute, konnte ich in ein anderes Haus hineinsehen. Das war klein und häßlich, und auch dort saßen und arbeiteten arme, elende Menschen. Ich glaube, in allen Häusern dort war das gleiche Bild. Vom frühen Morgen, als der erste Sonnenstrahl durchs Fenster blizte, bis zum Abend, als es draußen schwarz und unheimlich wurde, saß ich auf meinem Plaze, und die ganze Zeit haben die Menschen, Vater, Mutter und Kinder, die Hände gerührt, ohne viel aufzusehen, ohne zu lachen, ohne zu singen. Nur um Mittag herum ließ die Frau ihre Arbeit liegen und machte sich am Ofen zu schaffen. Im Topfe brodelte und dampfte das Essen. Haftig wurden die Kartoffeln hinuntergeschlungen, und wieder ging's an die Arbeit. Es müssen recht arme Menschen sein, die dort wohnen. Gewiß bekommen sie für all die schönen Dinge, die sie machen, nur bitter wenig Geld. Das kann ich nicht verstehen. Wie taten mir die Kinder leid! Die armen Kinder! Einmal hat sich der kleine Heini neben mich gestellt und hat durchs Fenster geschaut. Gerade zog eine Schar fröhlicher Wanderer mit Kindern vorbei, und die Kinder hüpften und jauchzten vor Lust. Er sah ihnen nach, wie sie den Berg hinaufstiegen, von dessen Abhang die grünen Spitzen des Waldes herab schauten. Da aber rief ihn seine Mutter: , Heine, die Puppen sind trocken; spute dich! Noch einen Blick warf er hinaus in den goldenen Sonnenschein; eine Träne trat ihm ins Auge. Dann machte er sich wieder an seine Arbeit. Er wäre wohl am liebsten hinausgesprungen ins Freie, um zu spielen. Aber er mußte drin bleiben, um mitzuverdienen. Wenn ich an jene armen Kinder denke, so werde ich immer ganz traurig. Wie haben die Kinder hier es gut! Ob sie wohl, wenn sie mit mir spielen und an meinen schönen Kleidern sich freuen, daran denken, wie dort, wo ich und meine Schwestern geboren find, die Kinder schwer arbeiten und sich abquälen müssen?" ,, Unsere Kinder denken nicht an so etwas," meinte der Nußknacker.„ Die denken nur daran, mich zu quälen." „ Nein, nein, das tun sie nicht," rief die Puppe und schüttelte lebhaft ihr Köpfchen. " Ich glaube, daß sie es nur nicht wissen. Ich In diesem Augenblick gerade schlug die Uhr laut und hell eins. Und wie durch einen Zauberschlag ward es wieder mäuschenstill im Zimmer. Der Nußknacker fiel, pardauz! auf den Tisch. Der Puppe santen die Arme an den Leib zurück. Das Schaukelpferd stand wieder stocksteif da, und der Baum rauschte zum letztenmal. Nur die Räder in der Uhr tickten und tickten.... 000 Roland. Großmutter Holzsammlerin. Von Ernst v. Wildenbruch. Die Luft geht kalt, der Wind hinstreicht, Alt Mütterchen langsam nach Hause schleicht. Eil dich, alt Mütterchen, eile! Hat Reisig gesammelt im knarrenden Wald, Der Abend sinkt, die Nacht kommt bald, Der Korb auf dem Rücken drückt schwer, drückt schwer, Doch die Kinder zu Hause, die hungert so sehr, Eil dich, alt mütterchen, eile! Den zitternden Rücken zur Erde gebückt, Die starrenden Händ' ineinander gedrückt, Sie hat sie mit dürftiger Schürze verhüllt, Denn der Winterwind heult und pfeift so wild, Eil dich, alt mütterchen, eile! 52 Für unsere Kinder Da horch, da horch, mit Schellengeklirr, mit Pferdegetrappel und Peitschengeschwirr Geht ein Schlitten vorbei, das Roß greift aus, Säß ich drin," denkt die Alte ,,, bald wär' ich zu Eil dich, alt mütterchen, eile![ Haus." Siehst nicht, wie der Himmel in Wolken sich türmt? Wie in flocken es wirbelnd herniederstürmt? Es häuft sich der Schnee, es versinkt die Au; Rings wird es so düster, rings wird es so grau, Eil dich, alt mütterchen, eile! Sie schleicht dahin mit wankendem Tritt, Es wächst ihr der Weg mit jeglichem Schritt, 3hr zitterndes Herz in die Augen ihr schwillt, 3hr trocknes Auge in Tränen quillt, Eil dich, alt mütterchen, eile! Der Pfad ist verloren, der Weg ist verschneit, Das heimische Dorf ist weit noch, gar weit, Doch den Kirchturm, von ferne kannst du ihn sehn, Du Alte, du Alte, o bleibe nicht stehn, Eil, dich, alt mütterchen, eile! Alt Mütterchen wandert nicht vor, nicht zurück, Die Heimat sucht ihr umnachteter Blick, Sie setzt sich langsam in weichen Schnee, Drückt das Haupt in die Kniee, ihr wird so weh, Eil dich, alt mütterchen, eile! Das Sternenheer beginnt seinen Lauf, Die Alte sitzet, sie steht nicht auf, Der Tod schreitet her übers schneeige Feld, Thm gehört nun die schweigende, schaudernde Fliehe, alt mütterchen, fliehe![ Welt, Die Kinder zu Hause, die jammern so sehr, Die Alte stört es im Leben nicht mehr, Die Kinder schreien nach Brot, nach Brot, Alt Mütterchen hört's nicht, alt Mutter ist tot. Schlaf nun, alt mütterchen, schlafe! 000 Die Schwertlilien.* Hinter unserem„ Richterhof" zog sich neben der Straße ein Graben hin, der sein Wasser einem alten Ziehbrunnen zuführte. Dieses Wasser war nicht tief, aber flar und einladend, und nach Kinderweise konnte ich, besonders an schönen Sommertagen, nicht müde werden, mich an seinem Rande zu ergößen. * Aus Nerto, Goldinseln, Kindheitserinnerungen. Von Frederi Mistral. Deutsch von August Bertuch. Stuttgart und Berlin 1908. J. G. Cottasche Buchhandlung Nachfolger. Der Brunnengraben! Er war das erste Buch, aus dem ich spielend Naturgeschichte lernte. Da gab es allerlei Fische, Stichlinge und kleine Karpfen, die scharenweise vorüberschwammen; und die ich zu fangen versuchte mittels eines Eleinen leinenen Beutels, der zum Aufbewahren von Nägeln gedient hatte, und den ich am Ende einer langen Rute befestigte. Da gab es grüne, blaue und ganz dunkle Libellen, die ich, wenn sie auf den Teichfolben ausruhten, sachte, sachte mit meinen fleinen Fingern erhaschte, sofern sie mir nicht, mit fast unhörbarem Schwirren der durchsichtigen Flügel, entwischten; da gab Wasserfäfer mit weißem Bauche, die auf der es ,, Rückenschwimmer", eine Art kleiner brauner Oberfläche hin und her schossen und die Vorderbeinchen reckten wie ein Schuster die Arme, wenn er den Pechdraht zieht. Und dann Frösche, deren meergrüner goldgesprenkelter Rücken aus dem Ufermoos hervorlugte, und die, sobald sie mich bemerkten, behend ins Wasser sprangen; und Tauchermolche eine Art von Wassersalamandern die den Schlamm durchstöberten; und dickleibige Käfer, die in den Pfüßen ihr Wesen trieben und die man" Aalfresser" nannte. Denkt euch dazu ein Gewirre von Wasserpflanzen, wie zum Beispiel die länglichen, wolligen Typhastolben, die Sumpfrosen, die ihre großen flachen Blätter und ihre weißen Blüten auf der Wasserfläche auslegen, die Teichviolen mit ihren rötlichen Blütenbündeln, die bleichen Narzissen, die sich im Wasser spiegeln, die Wasserlinsen mit ihren winzigen Blättern, und die Ochsenzungen", die sich wie Kronleuchter ausbreiten, und endlich die lieben Bergißmeinnicht, die bei uns„ Christtindaugen" genannt werden. Aber was von alledem mich am meisten anzog, waren die Schwertlilien. Sie wachsen in mächtigen Büscheln am Rande des Wassers und haben lange, schwertförmige Blätter und prächtige gelbe Blüten, die sich wie goldene Hellebarden gen Himmel recken. Man darf fast annehmen, daß der heraldische Name der goldenen Lilien auf blauem Grunde, des Königswappens von Frankreich und Provence, fleur de lis", ursprünglich„ fleur d'iris" gelautet haben mag, denn Schwertlilie und Fris sind ein und dasselbe, und das Blau des Wappengrundes stellt aufs beste das Wasser Dar, auf dem die„ Lilien" wachsen. Wie dem aber auch sei, so viel ist gewiß, daß an einem schönen Sommertage, bald nach der Ernte, alles, was zum„ Richterhofe" ge ffür unsere Kinder 53 hörte, auf der Tenne versammelt war. RingZ um die Pferde und Mauliiere herum, die im Kreise umhergetrieben wurden, um das reife Korn aus den Garben zu stampfen, gingen wohl zwanzig Männer mit entblößten Armen, langsam, paarweise, am Tennenrand entlang, die Ahrenbündel umwendend oder das aus gedroschene Weizenstroh mit langen Harken zur Seite schiebend. Bei dieser schönen Arbeit ging es gar munler zu; denn zwischendurch tanzte man barfuß, im hellen Sonnenschein, über das ausgetretene Getreide hin. Zuoberst in der Tenne hing, von einem dreifüßigen grobgezimmerten Stangengerüst getragen, die Getreideschwinge. Zwei oder drei Arbeiterinnen warfen das mit Spreu vermengte Getreide aus Körben in das runde Sieb; und mein Vater, der rüstige, hochragende �Isstrs-(Meister, Herr), bewegt« das Sieb im Luftzug, um die tauben Körner obenauf zu schaffen. Und wenn der Wind einmal nachließ, oder zeitweise ganz aushörte, wandte sich mein Vater, das still stehende Sieb in den Händen, der Windrichtung zu, blickte ernst in die Weite und rief, wie wenn er eine befreundete Gottheit anredete: .Nur zu! Blase, blase, mein Helfer!...- Und wahrlich! Der Mistral, dem Patriarchen ge horchend, begann wieder zu schnauben und trug den Staub von bannen; und der schöne gesegnete Weizen regnete in goldenen Fluten auf den kegelförmigen Haufen nieder, der sichtlich zu Füßen des Siebsührers in die Höhe wuchs. Wenn es dann Abend geworden war und man die Körner zusammengeschaufelt hatte, gingen die bestaubten Männer zum Brunnen, wuschen sich und holten Wasser für das Vieh. Mein Vater aber umschritt, weit ausholend, den Weizenberg, schlug mit einem Schaufel stiel ein Kreuz darüber und sprach:„Der Herr schenke dir Wachstum!- An einem s onnigen Nachmittag dieser Tennen zeit— ich war kaum vier oder fünf Jahre alt und trug noch Röckchen— machte ich mich, nicht ohne mich zuvor, nach Kinderweise, tüchtig im frischen Stroh herumgewälzt zu haben, ganz allein nach dem Brunnengraben aus. Seit ein paar Tagen hatten die Schwert lilien zu blühen begonnen, und nun juckte es mich geradezu in den Fingern, einige dieser wunderschönen Goldsträuße zu pflücken. Ich komme zum Graben; behutsam laffe ich mich bis an den Rand des Wassers hinab gleiten und recke die Hand aus, um die Blumen zu fassen. Da sie aber zu weit entfernt stehen, beuge ich mich nach vorn, strecke den Arm noch mehr aus, und plumps! da liege ich bis zum Hals im Wasser. Ich schreie. Meine Mutter kommt herzu gelaufen; sie zieht mich aus dem Wasser, ver abreicht mir ein paar tüchtige Klapse und treibt mich, triefend wie ich war, vor sich her nach Hause: „Laß mich dich nur noch einmal beim Graben erwischen, du Taugenichts!" »Ich wollte ja doch nur Schwertlilien pflücken!-„Jawohl, geh nur, geh sie wieder pflücken, deine Schwertlilien. Du weißt aber nicht, daß da eine große Schlange im Grase lauert, du Dummerjan? Eine riesige Schlange, die Vögel und kleine Buben verschluckt!- Dabei zog sie mir Schuhe, Söckchen und Hemdchen aus. hing mein triefendes Röckchen und die Schühchen zum Trocknen auf. legte mir mein Sonntagskleid und ein paar Holz schuhe an und empfahl mir:„Nimm dich jetzt wenigstens in acht, dich nicht wieder zu be schmutzen!" Schnell bin ich wieder auf der Tenne und schlage ein paar lustige Purzelbäume auf dem srischen Stroh. Da flattert ein weißer Faller über die Stoppeln hin. Ich renne hinter ihm her, meine blonden Haare fliegen unter dem Mützchen hervor im Winde und, hast du nicht gesehen, reißt es mich wiederum an den Graben. O, meine schönen gelben Blumen! Da stan den sie noch immer, stolz aus dem Wasser auf ragend, und prangten so herrlich, daß ich un möglich widerstehen konnte. Ganz sachte kletters ich die Böschung hinab; ich stemme die Füße recht, recht fest an den Rand des Wassers, strecke die Hand aus, recke mich soviel ich nur kann und... bauz! liege ich bis über die Hüften im Schlamm! „Ach, ach, ach! Rings um mich her steigen Blasen auf, und während ich schon meine, die fürchterliche Schlange durch das Gras auf mich zukriechen zu sehen, höre ich es aus der Ferne rufen: „Meisterin! Kommt schnell! Mir scheint, der Kleine ist noch einmal ins Wasser gefallen!" Meine Mutter eilt herzu, packt mich, zieht mich, pechschwarz von übelriechendem Schlamm, aus dem Graben, und als erstes schlägt sie mein Kittelchen zurück und verabreicht mir, patsch! patsch! eine schallende Tracht Schläge. „Wirst du nochmals zu deinen Teichlilien laufen, du Setzkopf? Willst du immer wieder herlaufen, bis du schließlich ertrinkst? Dein 54 Für unsere Kinder ganz neue? Kleid ist hin, du Nichtsnutz, du kleines Ungeheuer! Du wirst mir noch den Tod damit geben!" Schmutzbedeckt und weinend, den Kopf tief hänge» lastend, kam ich heim, und wiederum wurde ich umgezogen und bekam diesmal mein bestes Festkleid an. O des herrlichen Gewandes! Ich sehe es noch, mit seinen schwarzen Samt streifen auf bläulichem, goldgelupftem Grunde. Genug, sobald ich mein schmuckes Samt röcklein anhatte, fragte ich die Mutter: .Und jetzt, was soll ich anfangen?" .Geh," erwiderte sie,„und gib auf die Hennen acht, daß sie nicht auf die Tenne laufen. Und mache dich nicht mausig!" Ich, voll Eiser, hinter den Hühnern her, die auf den Stoppeln hin und her tänzelten und an den vom Rechen vergessenen Ähren herum pickten. Indem ich bestens aufpasse, begibt sich eine Haubenhenne— ist es nicht komisch?— plötzlich ans Jagen, und wißt ihr auf was? Auf einen Heuhüpfer, einen von der Art, die rote und blaue Flügel hat. Und beide, die Henne und der Heuschreck, und ich, der ihn sehen wollte, als dritter hinterdrein, rennen und springen so hitzig übers Feld, daß wir, ehe wir's uns versehen, am Brunnengraben sind. Und siehe, da standen sie noch einmal, die goldenen Blumen, spiegelten sich im Wasser und weckten in meiner Seele ein so leiden schaftliches, närrisches, rasendes Verlangen, daß ich darüber meine beiden Grabenbäder völlig vergaß. O, aber diesmal, redete ich mir ein, dies mal wird ganz gewiß nicht hineingefallen! Und indem ich mich anschicke, den Steilrand hinabzuklettern, umwinde ich meine eine Hand mit einer Binse, die dort wuchs, und wie ich mich mit äußerster Vorsicht über das Wasser neige, nochmals versuchend mit der anderen Hand die Lilien zu erreichen--- o weh! bricht die Binse und hinein geht's kopfüber in die Küpe! Ich tauche auf, so gut es gehen will, schreie wie ein Besessener, alle Tennenleute kommen herbeigerannt:„Wahrhaftig! Ist der Satansjunge schon wieder in den Graben gefallen! Diesmal wird deine Mutter dich aber gehörig durchbläuen, du verbissener Racker!" Nun aber gerade nicht! Ich sehe sie noch mir entgegenlausen, die Ärmste, ganz in Tränen: „Mein Gott!" rief sie,„ich will ihn nicht schlagen, es könnte ihm jetzt Schaden bringen. Aber, heilige Jungfrau, dies Kind ist nicht wie die anderen. Er möchte am liebsten nur immerzu herumlaufen und Blumen pflücken; er verliert alle seine Spielsachen, weil er fort während in die Felder läuft, um Sträuße zu holen. Und jetzt, damit noch nicht genug, stürzt er sich in einer Stunde dreimal in den Brunnen graben... Ja, plage dich nur, arme Mutter, um ihn in Ordnung zu halten. Wer kann ihm alle die Kleider herbeischaffen? Und ein Glück ist es noch— gütiger Gott, ich danke dir!— daß er nicht ertrunken ist!" Und so, den Graben entlang gehend, weinten wir beide. Zu Hause angekommen, zog mir die engelgute Frau wieder alle die nassen Kleider aus und trocknete mich mit ihrer Schürze ab. Dann, fürchtend, der Schreck könnte mir schaden, ließ sie mich einen Löffel voll irgend eines Tränkleins verschlucken und bettete mich in meine Wiege, wo ich, müde vom Weinen, in kürzester Zeit fest einschlief. Und wißt ihr, wovon ich träumte? Selbstverständlich von meinen Schwert lilien... In einem schönen fließenden Wasser, das sich klar, durchsichtig, blaugrün wie die Fluten des Quells von Vaucluse,* um den Hof schlän gelte, sah ich prächtige Büschel großer grüner Schwerlblätter, die einen Zaubergarten gol dener Blumen in die Lüfte reckten. Libellen mit blauseidenen Flügeln ließen sich darauf nieder, ich aber plätscherte nackt in dem lieb lichen Gewässer, und mit beiden Händen pflückte ich, händevoll, armevoll, die goldschimmernden Lilien. Je mehr ich davon nahm, desto mehr kamen ihrer nachgewachsen. Plötzlich höre ich den Anruf:„Frederi!" Ich erwache, und was seheich! Ein großes Bündel goldfarbiger Schwertlilien glänzt auf meinem Bettchen. Er selbst, der Patriarch,„Ion Mstrs", mein Herr Vater, war gegangen, die Lilien zu pflücken, die mich so unwiderstehlich gelockt halten, und die schöne Meisterin, meine Mutler, hatte sie mir auf mein Bett gelegt. c> o o Wie eine kleine Tanne ein Weihnachtsbaum werden wollte. Von Fr. Pritschow. Tief im dichten, finstern Walde stand eine kleine feine Tanne. An ihr vorbei führte ein ' Berühmte Quelle in einer Felsschlucht in der Nähe der Stadt Aoignon. Für unsere Kinder 55 schmaler Waldpfad, der nur von Waldarbeitern| vorbei. Das Tannenbäumchen hielt ihn an und vom Förster mit seinem großen Hunde seinem flatternden Regenmantel fest.„ Sag begangen wurde. Der kleinen Tanne gerade mir, Wind, was wird aus den Tannenbäumen gegenüber erhoben hohe Fichten stolz ihre in der Stadt?" Wipfel. Froh und sorgenfrei lebte die kleine Tanne in den Tag hinein. Mit den Tieren des Waldes war sie gut Freund. Ganz besonders lieb aber hatte sie ein Häschen. Ach, wie freute sich die Tanne, wenn das Häschen kam. Denn es konnte so vielerlei erzählen, weil es schon weit herumgekommen war in der Welt. Ja, im letzten strengen Winter war das Häschen sogar weit, weit fort bis an die Stadt gekommen. Wenn das Häschen davon erzählte, dann lauschte das Tannenbäumchen und hielt den Atem an, so schön war's. Eines Tags es war im Herbst und schon ziemlich falt saß das Häschen wieder einmal beim Tannenbäumchen und erzählte und erzählte. Vom Jäger und vom Hühnerhund, denen es die schönsten Streiche spielte, von den großen Häusern in der Stadt und noch von vielem anderen mehr. Da wurde das Tannenbäumchen mit einem Male nachdenklich. Das Häschen bemerkte es.„ Aber Tannenbäumchen, wo bist du mit deinen Gedanken, daß du mir nicht aufmerksam zuhörst?" Weil es nicht gleich eine Antwort erhielt, fuhr das Häschen fort:" Ich habe gewiß zuviel auf einmal erzählt. Da will ich lieber für heute aufhören, damit ich dich nicht langweile." ,,, ich höre dir gern zu, liebes Häschen." Aber es flang recht träumerisch. Nachdenklich sprach das Tannenbäumchen weiter zum Häschen:„ Sage mir doch einmal, liebes Häschen, was wird aus den vielen Tannenbäumen, die alljährlich zur Winterszeit in die Stadt gefahren werden. Du hast mir schon soviel davon erzählt. Aber was machen die Leute in der Stadt mit den Bäumen? Manchmal höre ich etwas davon, wenn die beiden großen Fichten dort drüben sich darüber unterhalten, aber auch nur, wenn der Wind von ihnen zu mir herüberweht. Ich möchte mehr wissen." Das Häschen wollte nicht heraus mit der Sprache und sagte nur:" Da frage doch einmal den Wind. Der wird es dir sagen können. Er weiß sicher mehr als ich, denn siehe, ich durfte mich nicht so nahe hin zu den Häusern wagen. Aber soviel weiß ich, daß die Menschen sehr fröhlich sind, wenn die Weihnachtszeit da ist." „ Weihnachtszeit?" murmelte das Tannenbäumchen. Aber da fuhr gerade der Wind Husch ,, Ich bin der Wind Huhu susu, Du dummes Ding, Laß mich in Ruh. Hab' keine Zeit Und muß noch weit." fort war der Wind. Das Häschen tröstete das Tannenbäumchen und sagte:„ So frage doch den Distelfint, der es den Fichten dort drüben erzählt hat. Da kommt er gerade geflogen." ,, Du lieber Distelfint, was wird aus den Tannenbäumen in der Stadt?" " Binkpint, pinkpink, Pinkpink, pinkpink, Ich bin der bunte Distelfink. Im Winter fliege ich zur Stadt Und esse mich dort weidlich satt. Dabei hab' ich's mit angesehn, Was mit den Tannen dort geschehn. Pinkpint, pinkpink, Pinkpink, pinkpint, Du liebes grünes Tannending, Frag nicht danach Pinkpint, pinkpink." Warum nicht?" fragte betrübt die kleine Tanne, denn sie wollte es gar so gern wissen. Aber da flog der Distelfink davon.„ Ach, ach. Den großen Fichten dort hat er es erzählt, mir aber nicht. Nun will ich selber in die Stadt hinein. Ich will selbst sehen, was aus den Tannenbäumen wird." Da lachte das Häschen und sprach:„ Ich bin froh, wenn mich die Menschen in Ruhe lassen. Wenn die mich kriegen, werde ich gebraten. Und dir wird es auch nicht viel besser ergehen." " ,, Mich wird man aber nicht braten, liebes Häschen, aus mir macht man etwas Rechtes." Das Tannenbäumchen ärgerte sich sehr, daß es vom Häschen noch ausgelacht wurde. Doch nun lachte das Häschen erst recht, bis ihm die Tränen tamen. Und als es mit Lachen aufhörte, meinte es neckisch:" Aus mir macht man wohl nichts Rechtes, wenn man mich bratet? Man stopft obendrein noch mein Fell aus, weil ich ein fo niedliches kleines Häschen bin, und stellt mich unter den Weihnachtsbaum als Spielzeug für ein Kind. Ich will aber nicht gebraten und ausgestopft werden. Ich will in Feld und Wald leben und glücklich 56 Für unsere Rinder fein. Und auch für dich ist's im Walde schöner| Die Gans hat's Männlein'nuntergeschluckt, als in der Stadt, darum denke nicht mehr Sie hat einen guten Magen; Aber das Männlein hat sie doch gedruckt, Das wollt ich sagen. daran." Aber das Tannenbäumchen achtete nicht auf die Lehren des Häschens. Es fragte nur ganz neugierig:„ Weihnachtsbaum- Spielzeug was ist denn das?" „ Tannenbäumchen, es ist nicht gut für dich. daß du es weißt. Darum hat es dir der Distelfint auch nicht erzählt. Da du es aber dennoch wissen willst, so höre. Ein Weihnachtsbaum ist ein Tannenbaum, der zur Weihnachtszeit in die Stadt gebracht und mit Lichtern und buntem Flitter geschmückt wird. Und Spiel sachen für die Kinder liegen darunter und Nußknacker und Pfefferfuchenreiter obendrein." O, ich will ein Weihnachtsbaum werden, ich will ein Weihnachtsbaum werden. Das Da schreit die Gans ganz jämmerlich; Das ist der Köchin ärgerlich. Die Köchin wekt das Messer, Sonst schneidt's ja nicht: Die Gans schreit so, es ist nicht besser, Als daß man sie sticht; wir wollen sie nehmen und schlachten Bum Braten auf Weihnachten. Sie rupft die Gans und nimmt sie aus, Und brät sie, Aber das Männlein darf nicht' raus, Versteht sich. Die Gans wird eben gebraten; Wie kann's dem Männlein schaden? Weihnachten kommt die Gans auf den Tisch Im Pfännlein; wird so schön sein. Wenn der Förster kommt und Weihnachtsbäume aussucht, dann muß er mich mitnehmen. Und Häschen, dich kriegt vielleicht der Jäger, und dann sehen wir uns zu Weihnachten wieder, wenn du ausgestopft bist. Ach, wenn der Förster doch bald fäme." Das Tannenbäumchen war ganz närrisch. Der Vater tut sie' raus und zerschneid't sie Aber das Häschen schüttelte den Kopf. Du Und das Männlein? [ frisch. bist doch sehr dumm. Weißt du denn auch, Wie die Gans ist zerschnitten, was dann aus dir wird? Wenn die Weih- Kriecht's Männlein aus der Mitten. nachtszeit vorbei ist, wirst du zerhackt und verbrannt. Den schönen grünen Wald siehst du nicht wieder." " Doch das Tannenbäumchen hörte nicht mehr auf das Häschen. Häschen, das ist nicht wahr. Ich will ein Weihnachtsbaum werden." Betrübt sprang das Häschen davon. 000 ( Schluß folgt.) Das Männlein in der Gans. Von Friedrich Rückert. Das Männlein ging spazieren einmal Auf dem Dach, ei seht doch! Das Männlein ist hurtig, das Dach ist schmal, Gib acht, es fällt noch. Eh sich's versteht, fällt's vom Dach herunter, Und bricht den Hals nicht, das ist ein Wunder. Unter dem Dach steht ein Wasserzuber, Hinein fällt's nicht schlecht; Da wird es naß über und über, Ei, das geschieht ihm recht. Da kommt die Gans gelaufen, Die wird's Männlein ſaufen. Da springt der Vater vom Tisch auf, Da wird der Stuhl leer; Da seht das Männlein sich drauf, Und macht sich über die Gans her. Es sagt: Du hast mich gefressen, Jett will ich dich dafür essen. Da ißt das Männlein gewaltig drauf los, Als wären seiner sieben; Da essen wir alle dem Männlein zum Troy, Da ist nichts übergeblieben Von der ganzen Gans, als ein Tählein, Das kriegen dort hinten die Käzlein. Nichts kriegt die Maus, Das Märlein ist aus, Was ist denn das? Ein Weihnachtsspaß; Aufs Neujahr lernst Du, was? Den Ernst. Verantwortlich für die Redaktion: Frau Klara Zetkin( Bundel), Wilhelmshöhe, Bost Degerloch bet Stuttgart. Druck u.Berlag J.H.W.Diet Nachf. 6.m.b.8. Stuttgart.