Für unsere Kinder Nr. 14 o ooo ooo Beilage zur Gleichheit ooooooo 1912 Inhaltsverzeichnis: Eine Sage. Von R.E.Pruz. ( Gedicht.) Der Palmesel. Von Heinrich Wandt. Geschichte des Javanen Saidjah. Von MultaWenn es Ostern wird. Von Vom Bauern und den Tauben. Von tuli.( Schluß.) m. n. Friedrich Güll.( Gedicht.) Eine Sage. Don R. E. Prutz. Da ließ ich mir ein märchen fagen, Ein feltfames aus alten Tagen, Daß, wo ein Dandrer mard erfchlagen, Im düftern Dald, im öden Grund, Da foll aus des Erfchlagnen mund, mit warmem Blut, zu frifchem Leben, Ein weißer Dogel aufwärts Ichweben. Er schwebt empor, er schwebt hernieder, Er fträubt fein glänzendes Gefieder, Und mächtig fchmettern feine Lieder, Wie Schlachtgefchrei, wie Hörnerklang! So fingt er laut die Delt entlang, Daß alle Täler ängstlich laufchen Und alle Bäume zitternd raufchen. Er fingt, daß alle Felfen dröhnen, Er fingt, daß alle Cippen ſtöhnen Und alle Herzen widertönen, Und lein Gefang ift mord! mord! mord! Don Cand zu Land, Don Ort zu Ort, Er fingt, daß felbft die Sterne hören, Und Erd' und Himmel fich empören. Und ob auch unter feidner Decke, In feines Haufes ftillfter Ecke, Der Mörder zitternd fich verftecke, Die weiße Taube fingt ihn mach! Die weiße Taube fliegt ihm nach, Und ob die Fellen ihn verfteckten, Und ob die Dogen ihn bedeckten! Da wird kein netz, kein Garn gefunden, Rein Röder will dem Dogel munden, Rein Pfeil kann feine Bruft Dermunden, Er ist bald hier, bald ift er da Und immer fern und immer nah, Und alle nächte, alle Tage, Tõnt fchmetternd feine Totenklage! Bis daß fie den Erfchlagnen fanden, Bis daß ein Rächer aufgeftanden, Bis daß der Mörder liegt in Banden Und bis fein Blut gen Himmel fprang! Da wird es ftill, da schweigt der Klang, Da linkt das leuchtende Gefieder Als Blütenfchnee zur Erde nieder. O, alte märchen, alte Sagen, Die paßt ihr doch zu unfern Tagen! Die Freiheit ift's, die man erfchlagen, Die bleich und stumm im Sarge liegt: Doch aus dem toten munde fliegt Die weiße Taube unfrer Lieder O Taube, mann, mann finkft du nieder? 000 Der Palmesel. Wollte heutzutage einer es wagen, einen Esel in die Kirche zu treiben, so würde er schwer bestraft wegen Gotteslästerung. Im Mittelalter konnte die christliche Kirche mehr Spaß ertragen, da feierte man das festum asinorum, das heißt Eselsfest, als tirchliches Volksschauspiel, bei dem ein Esel in das Gotteshaus geführt wurde. In Spanien und Frankreich beging man dieses Eselsfest teils zur Erinnerung an Bileams redenden Esel, teils zur Verherrlichung an den Esel, der Maria und ihr Kind auf der Flucht nach Agypten getragen haben sollte. Andernorts wieder, so in Deutschland, wurde am Palmsonntag ein Esel in die Kirche geritten, und dies sollte den Einzug Christi in Jerusalem darstellen, von dem die Bibel mit den Worten berichtet:„ Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm, und reitet auf einem Esel und auf einem jungen Füllen der Eselin." Bei diesen Eselsfesten wurde viel Spaß getrieben, und Heiterkeit und Unfug machten auch an der Schwelle der Kirche nicht Halt. Das wackere Langohr, das zum Palmesel auserwählt war, wurde in der Frühe des Palmsonntags festlich herausgeputzt und dann unter dem Jubel des Volkes zum Vormittagsgottesdienst in die Kirche geritten. Auf seinem Rücken saß irgend ein Klosterbruder, der den Heiland darstellte. Alles, was Beine hatte, gab dem Palmesel das Geleite, und als die Ersten hinter dem Tiere schritten meist der Bürgermeister und die Ratsherren des Ortes in feierlicher Amtskleidung einher. Der Um 106 Für unsere Kinder zug des Palmesels bildete für die Kinder immer ein Fest, auf das sie sich lange vorher schon freuten. Doch auch die Erwachsenen kamen dabei mit dem Lachen nicht zu kurz. Denn so ein Esel konnte sich manchmal äußerst störrisch erweisen und führte sich nicht immer so an ständig auf, wie das seine Rolle verlangte. Oder einer aus der Menge machte sich den Spaß, das Grautier zu reizen, und der Reiter auf dessen Rücken hatte dann seine Not, die erforderliche heilige Würde zu wahren. So wird berichtet, daß der Pfarrer Melchior Leichtenhändle in Hainstetten seiner Gemeinde einmal den Einzug Christi in Jerusalem be sonders schön veranschaulichen wollte. Er ließ zu dem Behuf am Palmsonntag seinen Mesner einen langen schwarzen Rock anziehen und gebot ihm, sich auf den Esel des Dorfmüllers zu setzen. Zwölf hochgewachsene Bauern hatte der Pfarrer ausersehen, die als die zwölf Jünger Christi neben dem Esel einherschreiten mußten. Die Gemeinde war vor dem Eingang der Kirche aufgestellt, um den Einzug des Palmesels mit Lobgesang zu begleiten. Aber eins von den Kindern, die die Einziehenden mit geweihten Palmkätzchen bewarfen, warf dem Mesner aus Bosheit seine Palmrute ge rade ins Auge. Vor Schreck und Schmerz fiel der Darsteller Christi vom Esel, und als er sich vom Boden aufraffte, schrie er den braven Hainstettern wütend zu:„Der Teufel soll euer Herrgott sein, aber nicht ich!" In manchen Orten wurde, wenn kein Esel am Platze war, eine alte Mähre als Palmesel benützt. Noch öfters aber verwendete man anstatt des lebendigen Esels einen hölzernen. Dergleichen Holzeset sind heute noch in man chen Altertumssammlungen zu sehen. Waren die meisten der hölzernen Palmesel recht plump gemacht, so gab es doch auch wahre Kunst werke der Holzbildhauerei unter ihnen. Ein solches ist der Palmesel, der in der Altertums sammlung der ehemaligen freien Reichsstadt Ulm aufbewahrt wird. Sein Verfertiger soll der berühmte Holzschnitzer Jörg Syrlin sein, der das herrliche Chorgestühl des Ulmer Mün sters geschaffen hat. Ein Prachtstück von einem geschnitzten Palmesel besitzt auch das Münchner Priesterseminar Georgianum. Ans dem Rücken des Esels sitzt eine gleichfalls hölzerne nackte Christusfigur, die mit schönen Gewändern be kleidet ward, wenn man den Esel in der Stadt herumführte. In den Dörfern Oberschwabens wurde der hol�i""-- si-,i!emal von den Buben auf die Emporkirche hinaufgezogen und wieder heruntergelassen. Dabei küßten sie die Christus figur und ließen sich zum Schlüsse der Feier große Palmbretzeln schenken. In Rangendingen brachte jeder Bube dem hölzernen Palmesel zum guten Futter ein Bündelein Heu mit. Der Esel war schön herausgeputzt auf einem freien Platze des Gottesackers aufgestellt, und der Pfarrer stand neben ihm und verlas die Palm sonntagsgeschichte von dem Einzug des Hei landes in Jerusalem. Nach alter Sitte wurde währenddem der Geistliche von den Kindern mit geweihten Palmkätzchen beworfen. Zu Biberach an der Riß wurde schon um fünf Uhr in der Frühe am Palmsonntag eine feier liche Prozession zu der Kapelle veranstaltet, die draußen vor der Stadtmauer stand. Voraus wurde der geschmückte hölzerne Palmesel ge zogen, hinter ihm schritt die Jugend des Slädt- chens in weißen Kleidern mit grünen Palm zweigen in den Händen, den Beschluß machten die Männer. Diese trugen brennende Wachs kerzen und schritten, in lange schwarze Mäntel gekleidet, feierlich einher. Im benachbarten Slädtlein Saulgau wurde der hölzerne Palm esel mit dem Christus darauf in der soge nannten Ablösungskapelle aufbewahrt. Am Samstag vor dem Palmsonntag wurde er unter Führung des Lehrers von einem halben Dutzend Schulknaben ans Tageslicht geholt und in die Stadtlirche gezogen. Das war leichte Arbeit, da der Esel aus einem Räder gestell befestigt war. Am Palmsonntagmorgen sand mit dem Esel eine große Prvzession um die Kirche statt. Dabei mußte sich der Pfarrer vor dem Esel niederlegen und von einem anderen Geistlichen mit einer geweihten Palm- kätzchenrute bestreichen lassen. Besonders fest lich war die Palmeselprozession in der freien Reichsstadt Kempten im Algäu. Dort zogen am Palmsonntag in aller Frühe alt und jung, Männlein wie Weiblein, voran der Bürger meister und die ehrsamen Ratsherren, alle mit brennenden Wachskerzen in den Händen, in feierlichem Zuge nach der Klosterkirche. Hier holten sie den hölzernen Palmesel, der oereits geschmückt ihrer harrte, und führten ihn hinaus zur Sankt Magnuskirche. War ein Bürger wegen irgend eines Frevels aus der Stadt gewiesen worden, so konnte er am Palm sonntag unier dem Schutze des Palmesels, der das Bild des Friedensfürsten auf seinem Rücken trug, unbehelligt zurückkehren und fürder ruhig in Kempten wohnen. Geächtete, die an dem Tage um das Asylrecht der Für unsere Kinder 107 kleinen Republik nachsuchten, wurden willig in den Bürgerverband aufgenommen. Nach dem Gottesdienst am Spätnachmittag brachte man den Esel in feierlicher Prozession wieder in das Kloster zurück. Von seiner Pforte kamen der Abt und die Mönche dem Zuge entgegen und geleiteten gar andächtig den hölzernen Esel in seinen Stall zurück. Zu Konstanz am Bodensee war der hölzerne Palmesel während der Palmsonntagspredigt im Münster aufgestellt. Nachher wurde er in den Kreuzgang gebracht und dort zur Belusti gung der versammelten Kinderschar einigemal auf und ab gezogen. Die Kinder bekamen außerdem von ihren Paten silberne Taler und Amulette geschenkt, die in rote Bänder und Silber eingefaßt waren. Der Brauch bestand bis 17S4, da ließ ein Pfarrer, der der Sitte abhold war, den Palmesel zu Scheiterholz spalten. Zu Rotlenburg am Neckar unter ließen es die Eltern nie, am Palmsonntag ihre kleinen Kinder, die das erste Kleid er hielten. auf den geschmückten hölzernen Palm esel zu setzen. Glück und Gedeihen der Kleinen hing nach ihrem Aberglauben von dem Be rühren des Esels ab. Anch sonst galt der hölzerne Palmesel beim Volke für wundertätig und ge heiligt, Wer an ihm frevelte, wurde nach dem Volksglauben von Gott bestraft. Wie eine Sage erzählt, wollte 1633 ein Schwede vor Villingen den über 4<)() Jahre alten Palmesel des Städt leins verbrennen. Der war aus Eichenholz ge schnitzt und wollte aller Mühe zum Trotz kein Feuer fangen. Den frevelnden Schweden aber traf inmitten seines bösen Beginnens eine Kugel zu Tode, die aus der belagerten Stadt herausgeschossen worden war. Vielfach waren es die Bäcker und Metzger, die den hölzernen Esel mit dem Christus zogen. So wurde zu Tübingen 1512 den An gehörigen der genannten zwei Zünfte befoh len, am Palmsonntag den Palmesel vor der Prozession zu ziehen. Vordem hatten das die Buben besorgt. In einigen Orten hatten dies Amt die Totengräber, Büttel und Stadt knechte inne. Das mißsiel dem deutschen Kaiser Maximilian!., als er sich in Schwäbisch Hall derPalmsonntagsprozession angeschlossen halte. Der Zug ging nach aller Gewohnheit von dem Langenfelder Tor zur Sankt Michaelskirche. Der hölzerne Palmesel mit dem Messias auf dem Rücken wurde nach altem Herkommen von den Häschern und Stadtknechten voran gezogen. Hinter ihnen schritt die Geistlich keit, der Bürgermeister mit den Natsherren und das übrige Volk. Als der Kaiser gewahr wurde, wie die braven Haller Bürger ihren Herrgott durch die Stadtknechte in die Kirche führen ließen, wandte er sich an seine Um gebung und sagte mißbilligend:„Ei, mein Gott! haben denn die Haller niemand als Büttel und Schergen, die den wackeren Mann auf seinem Esel führen können?" In der Folge verordnete der ehrsame Rat der freien Reichsstadt Hall, daß fürderhin der Palmesel nicht mehr von den Stadtknechten, sondern von zwei Ratsherren gezogen werden sollte.— Außer Geld und Eßwaren wurde den Teil nehmern an den Palmsonntagsprozessionen auch Bier und Wein gespendet, und nicht selten so reichlich, daß schließlich außer dem geschnitzten Heiland und seinem hölzernen Esel niemand nüchtern nach Hause kam. Die Reformation, der Dreißigjährige Krieg und spätere kirchliche Verbote ließen den Palmesel allmählich verschwinden. Nur in einigen kleinen Orten Tirols soll er heute noch bei der Palmsonntagsprozession herum geführt werden. In Weingarten hielten noch lange nach dem Aufhören der Sitte am Palm sonntag. wenn der Vormittagsgottesdienst vorüber war, Hafnerweiber sogenannte Esels geschirre vor der Kirche feil. Das waren kleine Tonschüsselchen, von denen das Stück einen Kreuzer kostete. Sonst erinnert noch manche Sitte an den ehemaligen Palmesel. So wirft in manchen Orten der Bauer am Vorabend des Palmsonntags ein wenig Heu vor die Tür seiner Scheuer, wobei er spricht:„Unseres Herrgotts Esel laufe vorbei und fresse davon." Stach seinem Glauben soll dies sein! Vieh vor Krankheiten schützen. Viel verbreitet ist der Brauch, als Palmesel dasjenige Mitglied der Familie zu bezeichnen, das am Palmsonntag morgen zuletzt ausgestanden ist. Heinrich Wandt. OVO Geschichte des Iavanen Saidjah. Von Multatult.(Schluß.) Auch sie würde wohl jetzt, nun es sich so aufhellte, ihre Augen anstrengen, mit erfolg loser Mühe, die Blicke über den Horizont zu enden, um der Sonne zu begegnen, der trägen Sonne, die zauderte... zauderte... Da kam ein Strich bläulichen Rots, der sich an den Wolken festheftete, und die Ränder wurden hell und glühend, und es begann zu blitzen, und wieder schössen Feuerpfeile durch die Luft, aber sie fielen diesmal nicht nieder. 108 Für unsere Rinder Sie hefteten sich fest an den dunklen Grund, und teilten ihre Glut mit in größeren und größeren Kreisen, und begegneten einander, freuzend, schwankend, zitternd, irrend, und vereinigten sich zu Feuerbüscheln und wetterleuchteten in goldenem Glanze auf dem azurnen Grunde es war Rot und Blau und Silber und Purpur und Gelb und Gold in allem das war die Morgenröte, das war das Wiederschen mit Adinda! Saidjah hatte nicht beten gelernt, und es wäre auch schade gewesen, es ihn zu lehren; denn heiligeres Gebet und feurigerer Dant, als in seinem stummen Entzücken lag, war nicht in menschliche Sprache zu fassen. Er wollte nicht nach Badur gehen. Das Wiedersehen mit Adinda selbst kam ihm nicht so schön vor wie die Gewißheit, daß er sie bald wiedersehen werde. Er setzte sich an den Fuß des Ketapan und ließ seine Augen über den Landstrich gleiten. Die Natur lachte ihm zu und schien ihn willkommen zu heißen, wie eine Mutter ihr heimgekehrtes Kind, und ge rade, wie diese ihre Freude schildert durch Erinnerung an den vorübergegangenen Schmerz, durch das Zeigen der Andenken, die sie während der Abwesenheit bewahrte, so ließ auch Saidjah seine Gedanken schweifen und betrachtete die Stellen, die Zeugen seines kurzen Lebens gewesen waren. Aber wie auch seine Blicke und seine Gedanken in die Runde irrten, immer wieder fiel sein Blick zurück auf den Pfad, der von Badur nach dem Ketapan führt. Alles, was seine Sinne wahrnahmen, hieß Adinda... Er sah den Abgrund links, wo die Erde so gelb ist, wo einmal ein junger Büffel in die Tiefe sant; dort hatten die Dörfler sich versammelt, um das Tier zu retten- denn es ist keine Kleinigkeit, einen jungen Büffel zu verlieren! sie hatten sich heruntergelassen an starten Rottan- Seilen,* und Adindas Vater war der Mutigste gewesen, o, wie sie in die Hände flatschte, Adinda! Und da drüben an der anderen Seite, wo das Kokoswäldchen über den Hütten des Dorfes weht, da war Si- unah vom Baume gefallen und gestorben. Wie weinte seine Mutter! Weil Si- unah noch so klein war," jammerte sie... als ob sie weniger betrübt gewesen wäre, wenn Si- unah größer gewesen wäre. Aber klein war er, das ist wahr, er war ja fleiner und schwächer als Adinda... Niemand war auf dem Wege, der von Badur nach dem Baume führte. Sie wird später tommen, es ist noch sehr früh. Saidjah sah ein Eichhörnchen, das mit hur tiger Lustigkeit an dem Stamme einer Rotospalme hin und her sprang. Das reizende Tierchen der Ärger freilich des Eigentümers des Baumes, aber doch reizend in Gestalt und Bewegungsprang unermüdlich auf und nieder. Saidjah betrachtete es und zwang sich, dabei zu bleiben, weil das seinen Gedanken Ruhe gab von der schweren Arbeit, die sie feit Sonnenaufgang verrichteten- die Ruhe nach dem ermüdenden Warten. Bald äußerten sich seine Gefühle in Worten, und er sang, was in seiner Seele umging. Noch niemand war auf dem Pfade zu sehen, der von Badur führt nach dem Ketapan.... Saidjahs Auge fiel auf einen Schmetterling, der lustig umherschwirrte, denn es begann warm zu werden.... Und noch war niemand auf dem Pfade, der von Badur führte nach dem Retapan. Die Sonne stieg. Es war Hize in der Luft.... Und niemand kam des Wegs, der von Badur nach dem Ketapan führte. O! sie war gewiß in Schlaf gesunken gegen die Morgenstunde, ermüdet von dem Wachen die ganze Nacht, von dem Wachen vieler Nächte; sie hatte nicht geschlafen seit Wochen Το war es! Sollte er aufstehen und nach Badur gehen? Nein, das wäre gewesen, als zweifle er an ihrem Kommen. Wenn er den Mann riefe, der da seinen Büffel aufs Feld trieb? Der Mann war zu weit, und Saidjah wollte auch nicht von Adinda sprechen, nicht nach Adinda fragen... er wollte sie wiedersehen, sie allein, sie zuerst. gewiß, gewiß, sie wird bald kommen. Er wird warten, warten.... Wenn sie aber frant ist?... oder... tot! Wie ein angeschossener Hirsch flog Saidjah den Pfad hin, der von dem Ketapan nach dem Dorfe führt, wo Adinda wohnte. Er sah nichts und hörte nichts, und er hätte doch etwas hören tönnen, denn es standen Menschen auf dem Wege beim Eingang ins Dorf, die riefen: Saidjah, Saidjah!" " Aber... war es seine Eile, seine Haft, die ihn hinderte, Adindas Haus zu finden? Er war schon hindurchgestürmt bis zum Ende des Weges, wo das Dorf aufhört, und wie wahn* Stricke aus Fasern des Rottan, spanischen sinnig fehrte er um und schlug sich vor den Robres". Calamus Rottang. Kopf, weil er an ihrem Hause hatte vorbei Für unsere Kinder l09 rennen können, ohne es zu sehen. Und wieder stand er vorn am Eingang und— war es ein Traum?— wieder hatte er Adindas Haus nicht gefunden. Noch einmal stürzte er zurück, und noch einmal blieb er stehen, griff mit beiden Händen sein Haupt, um den Wahn- sinn wegzupressen, der es umfing, und rief: »Trunken, trunken, ich bin trunken!" Und die Frauen von Badur kamen aus ihren Häusern und sahen mit Mitleid den armen Saidjah dastehen, denn sie erkannten ihn wie der und verstanden, daß er Adindas Haus suchte, und wußten, daß es kein Haus Adindas gab im Dorfe Badur. Denn als das Distrikts« Haupt von Parang-Kudjang die Büffel von Adindas Vater weggenommen hatte... Ich habe dir schon gesagt, Leser, daß die Geschichte eintönig ist.... Da war Adindas Mutter vor Gram gestorben, und ihr jüngstes Schwester chen war gestorben, weil es keine Mutter hatte, die es säugte. Und Adindas Vater, der fürch tete sich vor der Strafe, wenn er seine Land- rent« nicht bezahlte.... Ich weiß es wohl, ich weiß es wohl, daß meine Geschichte eintönig ist---- Er war aus dem Lande geflohen. Er hatte Adinda mit genommen mit ihren Brüdern. Er hatte aber gehört, wie Saidjahs Vater zu Buitenzorg mit Stockschlägen bestraft worden war, weil er Badur verlassen hatte ohne Paß. Und darum war Adindas Vater nicht nach Buiten zorg gegangen, auch nicht nach krawang oder »ach dem Preanger oder nach Batavia. Er war nach Tjilang-Üahan gegangen, dem Distrikt von Lebak, der an die See grenzt. Da halte er sich in den Wäldern versteckt und auf die Ankunft von Pa-ento und Pa-lonlah und Si-uniah und Pa-ansiu gewartet und Abdul- Jsma und auf noch einige, denen das Distrikts haupt von Parang-Kudjang ihre Büffel ge raubt hatte, und die sich alle vor der Strafe fürchteten, wenn sie ihre Landrenten nicht be zahlen könnten. Da hatten sie sich bei Nacht einer Fischer- Prau bemächtigt und waren in See gestochen. Sie hatten westwärts gesteuert und hielten das Land rechts von sich bis zur Südwest spitze Javas, von da hatten sie nach Norden gewendet, bis sie Pana-itam vor sich sahen, das die europäischen Schiffer Prinzen-Eiland nennen. Sie hatten das Eiland an der Ost seite umsegelt und hatten dann auf die Kaiser- bai an der Südostecke Sumatras zugehallen, wobei sie sich nach der hohen Bergspitze in den Lampongs richteten. So ging wenigstens der Weg, den man sich in Lebak ins Ohr flüsterte, wenn über Büffel raub und unbezahlte Landrenten gesprochen wurde. Aber Saidjah verstand nicht gut, was man ihm sagte, er begriff nicht einmal recht den Bericht vom Tode seines Vaters. Es war ein Getöse in seinen Ohren, als hätte man mit einem Gong in seinem Haupte geschlagen: er fühlte, wie das Blut in Stößen durch die Adern seiner Schläfen floß, die zu platzen drohten unter dem Drucke solcher Stöße. Er sprach nicht und starrte nur mit wirrem Blick um sich, ohne zu sehen, was um und bei ihm war, und schließlich brach er in ein gräßliches Lachen aus. Eine alte Frau nahm ihn mit sich in ihr Häuschen und verpflegte den armen Narren. Bald lachte er nicht mehr so gräßlich, aber er sprach auch nichts. Nur nachts wurden die Hausgenossen durch seine Stimme aufgeschreckt, wenn er tonlos sang:»Ich weiß nicht, wo ich sterben werde," und einige Bewohner Badurs legten Geld zusammen, um den Krokodilen des Flusses ein Opfer" zu bringen für Saidjahs Genesung, den man für irrsinnig hielt. Aber irrsinnig war er nicht. Eines Nachts, als der Mond Heller schien, erhob er sich von der Bambusbank und ver ließ sacht das Haus und suchte die Stelle, da Adinda gewohnt hatte. Das war nicht leicht, denn es waren so viele Häuser eingestürzt, aber er schien den Platz zu erkennen an der Weite des Winkels, den manche Richtlinien bildeten, wie der Seemann sich nach Feuer türmen und hervorragenden Bergeshöhen richtet. Ja, da mußte es sein... dort hatte Adinda gewohnt! Strauchelnd über halbverfaulten Bambus und Stücke des herabgefallenen Daches bahnte er sich einen Weg nach dem Heiligtum, das er suchte. Und wahrlich, da stand noch ein Stückchen von der Wand, an der Adindas Bank gestanden hatte, und der kleine Bambus nagel stak noch drin, an den sie ihr Kleid hängte, wenn sie sich zur Ruhe legte____ Aber die Bank war eingestürzt wie das Haus und beinahe zu Staub vergangen. Er nahm eine Handvoll davon und drückte es an seine ge öffneten Lippen und atmete sehr tief.... " DaS Opfer besteht darin, daß man kleine Ge säße oder Körbe mit Reis, in denen ein brennendes Lichtchen steckt, in den Fluß setzt, wo sie dann dem Meere zutreiben. 110 Für unsere Kinder 000 Wenn es Ostern wird. Am nächsten Tage fragte er die alte Frau, Und wahrscheinlich stiegen da Dankgebete die ihn gepflegt hatte, wo der Reisblock wäre, gen Himmel, aus den Herzen der Frauen, in der auf dem Grundstück von Adindas Haus der Sonntagskirche oder Betstunde, als man stand. Die Frau freute sich, daß sie ihn wieder hörte, daß der„ Herr der Heerscharen" wieder sprechen hörte, und lief im Dorfe umher, um unter dem Banner Niederlands mitgestritten den Block zu suchen. Als sie den neuen Be- hatte.... fizer Saidjah anzeigen konnte, folgte dieser ihr schweigend, und er zählte an dem Reisblock zweiunddreißig Einschnitte.... Da gab er der alten Frau so viele spanische Dollars, als nötig waren, um einen Büffel zu kaufen, und verließ Badur. Zu Tjilang- Kahan taufte er eine Fischer- Prau und kam damit nach einigen Tagen Segelns an die Lampongs im Süden Sumatras, wo die Aufständischen kämpften mit der niederländischen Macht. Er schloß sich einer Bande von Bantamern an, nicht so sehr, um zu kämpfen, als um Adinda zu suchen, denn er war sanft von Gemüt und mehr der Trauer zugänglich als der Bitterkeit. Eines Tags, als die Aufständischen wieder einmal geschlagen waren, irrte er in einem Dorfe umher, das eben erst durch das niederländische Heer erobert worden war und daher in Brand stand. Saidjah wußte, daß der Haufen, den man da vernichtet hatte, größtenteils aus Bantamern bestanden hatte. Er irrte wie ein Gespenst durch die Häuser, die noch nicht ganz verbrannt waren, und fand die Leiche von Adindas Vater, mit einem Bajonettstich in der Brust. Neben ihm erblickte Saidjah die drei ermordeten Brüder Adindas, Jünglinge, Kinder noch, und ein wenig weiter lag die Leiche Adindas, nackt, scheußlich miß handelt.... Ein schmales Stückchen blaue Leinwand war in die Brustwunde eingedrungen, die ein Ende gemacht zu haben schien langer Gegenwehr.... Da stürzte sich Saidjah einigen Soldaten entgegen, die mit gefälltem Gewehr die letzten noch lebenden Aufständischen in das Feuer der brennenden Häuser trieben; er umfaßte die breiten Säbelbajonette, drückte sie mit Gewalt vorwärts und drängte noch mit einer letzten Anstrengung die Soldaten zurück, als die Säbelgriffe schon gegen seine Brust stießen. Und kurze Zeit darauf war wieder groß Gejubel zu Batavia über den neuen Sieg, der wieder zu den Lorbeeren des niederländischindischen Heeres so viele neue Lorbeeren hinzugefügt hatte. Und der Landvogt schrieb, daß die Ruhe in den Lampongs wiederhergestellt war, und der König von Niederland, erleuchtet durch seine Staatsdiener, belohnte wieder so viel Heldenmut mit vielen Ritterkreuzen. Der Frühling zog ins Land, und es wollte bald Ostern werden. Der Star, der zuerst von der Winterreise zurückgekommen war, hatte bereits sein Nest geputzt und geflickt und saß jetzt im hellen Sonnenschein auf dem noch tahlen Zweige der großen, alten Kastanie, die vor dem Forsthaus stand, und pfiff sein Frühlingslied. Und die Amsel half ihm dabei. Sie war ja gar nicht verreist gewesen im Winter. Drum war auch sie so früh bereit, den Frühling zu grüßen und das Osterfest zu feiern. Sieh da, die Lerche wollte auch nicht zurückbleiben, und jubelnd und trillernd stieg sie in die Lüfte. Immer mehr Vögel stimmten in den Gesang ein. Selbst der alte Rabe und der kleine dicke Spaß wetten die Schnäbel und krächzten und piepsten so gut sie fonnten. Das Konzert blieb nicht ungehört. Schneeglöckchen vernahm es im Walde und läutete mit hellem Ton durch Wald und Hain. Da reckte Schlüsselblümchen das Köpfchen und rieb sich verschlafen die Auglein. Richtig, ringsum blühten schon die Anemonen, und grade neben ihm stand das zierliche Gänseblümchen im frischweißen Kleide mit zartroten Spizen und lachte in den sonnigen Morgen. Die Sonne hatte ihre blanke Scheibe frisch geputzt und blinkte und strahlte nun in neuem Glanze, daß es allen Vögeln und Pflanzen gar warm und froh wurde. Sogar der alte Kastanienbaum spürte den goldenen, warmen Sonnenschein mit Wonne und Behagen, als er durch den Vogelsang aus dem Winterschlaf erwachte. Und er dehnte und reckte sich, daß die alten Zweige fnackten, und eine dicke, glänzende Knospe grad an dem Zweig aufbrach, auf dem der Star saß. Hei, wie sich die kleinen Blättchen freudig reckten und durch den Spalt lugten.„ Es frühlingt, es frühlingt," riefen sie und zwängten sich ganz aus der schützenden Knospe und breiteten sich aus wie kleine grüne Händchen. Und die Vögel sangen, die Blumen öffneten ihre Blüten und die Sonne lachte vom Himmel, immer heller und wärmer. Da entließ der Für unsere Kinder Kastanienbaum immer mehr Blättlein aus den schüßenden Hüllen. Und die Buchen drüben im Walde machten's ihm nach, und die Lärchen wollten auch nicht zurückbleiben und steckten vorsichtig hier und dort ein grünes Spitzchen an die schwanken Zweige. Ja, der Frühling fam wirklich! Ganz leis am hellen Morgen war er über die Wiese geflogen zum Wald und weiter zum Dorf und zur Stadt. Und überall fing's an zu grünen und zu blühen, zu singen und zu pfeifen, zu schmettern und zu zirpen und zu frappeln. Es war mit einem Male ein Leben und Weben in dem stillen Walde, daß der alte Hasenvater verwundert den Kopf aus der Höhle streckte. " Was mag nur da draußen los sein?" sagte er zur Frau Häsin. Ich will mal hinüber zum Krautacker laufen, von wo man die weite Aussicht hat, und will sehen, was es gibt." " Ja, lauf," sagte die Häsin, aber gib acht, daß der Förster dich nicht sieht. Du weißt, er ist uns noch feind wegen der paar jungen Bäumchen, die wir ein wenig benagt haben, als der Schnee alles Futter zugedeckt hatte." Vorsichtig schlüpfte Vater Hase aus seiner Höhle und lief hinüber zum Acker. Was sah er da alles! Blumen und Grün und Vögel und Käfer und Würmchen. Und der Acker war schon frisch gepflügt. " Frau, Frau" ganz atemlos fam der Hase zurück ,,, es ist heller, froher Frühling draußen. Schnell, schnell an die Arbeit. In acht Tagen ist Ostern, hat mir ein Spaß zu gerufen." Frau Hase schlug die Hände über dem Kopfe zusammen.„ Nur noch acht Tage! Du liebe Zeit, wie sollen wir da nur mit aller Arbeit fertig werden. Sind denn die Farben alle da? Hast du genug Schokolade? Ist reichlich Zucker vorhanden? Wo sind die Listen von den Menschenkindern, die auf uns warten?" Alles in Ordnung, steht doch schon seit vorigem Jahre bereit. Wir können gleich anfangen. Muckel, hol meine Malschürze," rief der Vater dem kleinsten Hasenkind zu. " Aber Muckel hörte nicht. Der war mit den Geschwistern vor die Höhle gelaufen. Da sprangen alle acht im Sonnenschein umher und sangen: " ,, Hurra, nun kommt die Osterzeit, Auf die sich jedes Häslein freut! Nun tut mir ja kein Jäger was, Denn jetzt bin ich der Osterhas!" Wollt ihr Osterhasen sein, dann schafft 111 beit, dann das Spiel." Da sprangen und purzelten sie alle durcheinander, so eilten sie, an die Arbeit zu kommen. Denn Eier färben schien ihnen ein so lustiges Geschäft, wie den Rindern das Malen mit dem Farbenkasten. Sie hatten schon lange die mächtigen Farbtöpfe stehen sehen. Nun endlich, endlich sollten sie die bunten Suppen drin erblicken. „ Erst müssen wir Eier haben. Försters Hahn hat mir voriges Jahr versprochen, alle seine Hennen sollten mir dies Jahr ihre Gier geben. Nickel und Purzel, spannt euch vor den Wagen. Dickchen, nimm den Korb." So zog der Hasenvater mit den Kindern aus, Eier zu holen. Unterdes legte die Mutter für jedes eine frische Schürze zurecht, daneben schöne neue Pinsel. Die Kinder mußten die großen Tragtörbe, in denen die fertigen Gier fortgeschafft werden, hervorholen und sauber abwischen. Sonst wären ja die schönen Ostereier schmutzig geworden. Noch ehe sie ganz fertig waren, fam der Vater zurück mit einem ganzen Wagen weißer, frischer Hühnereier. Und Dickchens Korb war auch bis oben voll. Gleich ging's an die Arbeit. Der Vater teilte Farben aus, jedem in ein Schälchen eine Farbe. Nur Muckel und Puckel, die Kleinsten, bekamen keine. Die durften im Walde zarte Blättchen und Kräuter suchen, mit denen die Hasenmutter eingelne Eier sorgsam und zierlich beklebte. Wie waren alle fleißig! Ganze Körbe voll roter, blauer, gelber, grüner und brauner Gier malten sie. Und die neuen Schürzen waren bald ebenso bunt wie die Eier. Aber ach, Vater Hase hatte sich verrechnet! Er hatte mehr Eier als Farbe. Was sollte er machen? Da hatte der schlaue Nickel einen Einfall: er wischte mit seiner buntfleckigen Schürze über die weißen Eier. Wie sahen die da bunt und lustig aus! Fast am allerschönsten. Und als alle Schürzen abgewischt und auch die letzten Farbrestchen aus den Pinseln gestrichen waren, trugen alle Eier bunte Farben. Nun kam noch die süße" Arbeit. Aus der Schokolade knetete der Vater Hase große und kleine Häschen, und die Mutter half ihm dabei. Die Kinder konnten das noch nicht. Sie brachten nur Schokoladeeier fertig, die waren ganz glatt und rund. Das war noch schöner für die Häschen als das Buntmalen. Wenn der Vater und die Mutter gerade nicht herschauten, konnte man schnell die Pfötchen ablecken. Und ab und zu gab's vom Vater oder der Mutter ein auch was," rief Mutter Hase.„ Erst die Ar- Schokoladebröcklein zum Versuchen. 112 Für unsere Kinder Es war kein Wunder, wenn bei der vielen Arbeit und dem Gehege ein kleines Häslein auch einmal unterwegs so ein buntes Ei verlor, vielleicht gerade, wenn sie durch einen Wald zogen. An den Waldeiern freuten sich dann die Menschenkinder ganz besonders. Am letzten Tage wurden noch die Zucker-| schlüpfen und im Zimmer die Eier zu verhasen und Zuckereier gemacht. Immer zuleßt stecken. die Zuckersachen," hatte die Mutter gesagt. ,, Die sind so zerbrechlich. Auch könnten sie am Ende in unserem warmen Häusel verfließen." Die Hasen waren fleißig gewesen. Trotzdem in diesem Jahre noch mehr Kinder zu beschenken waren als voriges Jahr, waren sie rechtzeitig mit allem fertig geworden. Als der letzte Zuckerhase eingepackt war und alle Körbe und Wäglein bereit standen, war's Ostersamstag abend. Drüben ins Forsthaus ging grad die Magd und trug die fertigen Osterkuchen auf dem Kopfe. Und die Sonne, die eben in ihr rosiges Wolkenbett steigen wollte, guckte sich die Riesenkuchen und die Hafenherrlichkeiten an und dachte:„ Wer doch auch was davon haben könnte!" „ Schnell, schnell ins Bett. Wenn die Sonne morgen früh aufsteht, müssen wir schon längst unterwegs sein. Morgen ist Ostern." So trieb der Hasenvater alle Häslein ins Häuschen, und dort empfing fie die Mutter und nahm alle achte, eines nach dem anderen vor und wusch und schrubbte sie, bis die Fellchen glänz ten vor Sauberkeit. Ihr werdet doch nicht schmutzig am Osterfest umherlaufen wollen," sagte sie. Da müßtet ihr euch ja vor den Menschenkindern schämen." " Ganz früh am anderen Morgen, als die Sonne noch schlief, zog die Osterhasenfamilie aus. Jedes Häslein hatte ein Körbchen voll süßer Ostersachen und bunter Eier auf dem Rücken, und außerdem mußten immer noch zwei und zwei einen kleinen Wagen voll Ostereier ziehen. Vater Hase und Mutter Hafe hatten auch große Tragkörbe auf dem Rücken. Dazu schob der Hasenvater eine große Schubfarre voll Zuckerhasen vor sich her und die Häsin hatte den alten Kinderwagen noch voll gepackt. Wie war der Weg weit und mühsam mit der schweren Last! Försters Ernst da drüben bekam zuerst von den Herrlichkeiten. Er hatte aus Moos und Stäblein ein molliges Nest im Garten gebaut. Drei bunte Eier und einen großen roten Zuckerhasen legten die Hasen hinein. Dann ging's weiter von Dorf zu Dorf, von Haus zu Haus. Wo im Garten die Kinder Westchen gebaut hatten, versteckten die Hasen ihre Eier darin. Sonst legten sie ihre Gaben ins Gras oder unter Sträucher und Blumen. Und wo gar kein Gärtlein war, wußten die Als die Familie Hase alle Eier und Süßigfeiten ausgeteilt hatte und wieder ins Nest zurückgekehrt war, fing für sie erst das rechte Fest an. Jetzt fonnten sie frei überall umherspringen. Jeder Mensch fannte sie ja nun als Osterhasen! Kein Jäger durfte jetzt ein Häslein schießen. Das gab ein gar lustiges Leben im Walde. Von früh bis spät tummelten sich nun die jungen Hasen vor dem Hasenhäuschen, weideten die frischen jungen Gräschen und Blättchen, schlossen Freundschaft mit allen anderen Tieren im Walde und wurden groß und start. 000 m.n. Vom Bauern und den Tauben Darf' s Büblein alles glauben. Auszählspruch beim Fangspiel. Von Friedrich Gül. Der Bauer hat ein Taubenhaus, Da fliegen hundert Tauben' raus; Wie will er f' wieder fangen? Wie kommt er übern Hügel, Er hat ja keine Flügel, Wie will er s' wieder fangen? Der Bauer denkt, sie warten dort, Und kommt er hin, husch, sind sie fort, Und lassen sich nicht fangen. Das Bäuerlein muß schnaufen Entsetzlich von dem Laufen Und kann sie doch nicht fangen. O Bäuerlein, geh nur nach Haus, Sonst lachen dich die Tauben aus, Die sich nicht lassen fangen. Sie sind daheim und zupfen Die Federn sich und hupfen Auf einer langen Stangen. Verantwortlich für die Redaktion: Frau Klara Bettin( Bundel), Wilhelmshöhe, Post Degerloch bet Stuttgart. Hasen zur Tür oder zum Fenster hereinzu-| Druck u.Verlag J.H.W.Dtet Nacht. G.m.b.8. Stuttgart.