Für unsere Kinder Nr. 1 0000000 Beilage zur Gleichheit 0000000 1914 Inhaltsverzeichnis: Die Drohnenschlacht. Bon Maurice Maeterlinck.— Peter. Bon Maria Konopnicka.(Gedicht.)— Das Pensionat. Bon Wladimir Korolenko.— Die Prinzessin ans dem Baum.— Bliinlein Naseweis. Bon G. P. S. CadaniS.(Gedicht,) Die Drohnenschlacht. Von Maurice Maeterlinck. Bleibt nach dem Hochzeitsansflug derKönigin der Himmel noch klar und die Luft warm, sind die Blumen noch ergiebig an Nektar und Pollen, so dulden die Arbeitsbienen in einer Art von Nachsicht nnd Vergeßlichkeit, oder vieleichl aus übertriebener Vorsicht, noch eine Zeitlang die lästige nnd verderbliche Anwesenheit der Droh nen. Diese gebärden sich im Stocke wie die Freier der Penelope im Palast des Odysseus. Sie tafeln und schmausen und führen das müßige Leben von verschwenderischen und rück sichtslosen Ehrenliebhabern. Selbstzufrieden und breitspurig, wie sie sind, versperren sie die Gänge, verstopfen die Tore, stören die Arbeit, rempeln und werden gerempelt und stehen blöde und wichtig da, von blinder, ge dankenloser Verachtung aufgeblasen, aber selbst mit Bewußtsein und Hintergedanken verachtet, und ohne eine Ahnung von der Erbitterung, die sich still häuft, und dem Schicksal, das ihrer harrt. Um nach Herzenslust zu schlafen, wählen sie sich die wärmste Ecke des Stockes zur Ruhestätte, erheben sich lässig, um aus den offenen Honigzellen, die am schönsten duften, nach Belieben zu saugen, und beschmutzen die Waben, auf denen sie sitzen, mit ihrem Unrat. Die langmütigen Arbeitsbienen gedenken der Zukunft und machen den Schaden stillschwei gend wieder gut. Von Mittag bis um drei Uhr, wenn die Landschaft in bläulichem Sommer duft liegt und unter dem sieghaften Auge der Juli- oder Augustsonne in seliger Müdigkeit bebt, fliegen sie aus. Sie tragen einen Helm ans riesigen schwarzen Perlen mit zwei hohen lebendigen Federn, ein Wams von falbem Samt mit lichten Perlen, ein zottiges Fell und einen vierfachen, starren, durchsichtigen Mantel. Dabei machen sie einen furchtbaren Lärm, drängen die Schildwachen beiseite, stören die Lüslerinnen und rennen die Arbeitsbienen um, die mit ihrer Tracht beladen heimkehren. Sie haben das geschäftige, auffMge und rücksichts lose Austreten von unentbehrlichen Göttern, die geräuschvoll nach einem große», dem ge meinen Volke unbekannten Ziele aufbrechen. So vertrauen sie sich nacheinander stolz und unwiderstehlich dem weiten Luftraum an, um sich alsbald friedlich auf die nächsten Blumen niederzulassen und ihr Mittagsschläfchen zu halten, bis die abendliche Kühle sie wieder aufweckt. Dann kehre» sie in demselben ge bieterischen Fluge in den Stock zurück, laufen dort, stets von der gleichen, unentwegten Ab sicht erfüllt, wieder an die Honigbehälter, stecken den Kopf bis zum Halse hinein, saugen sich wie Schlauche voll, um ihren erschöpf ten Kräften aufzuhelfen, und schreiten dann wieder schweren Schrittes zum Lager, wo der gute Schlaf ohne Sorgen und Träume sie bis zum nächsten Mahle umfängt. Aber die Geduld der Bienen reicht nicht so weit wie die der Menschen. Eines Morgens läuft die längst erwartete Losung durch den Stock, und die friedlichen Arbeitsbienen wer den zu Richtern und Henkern. Man weiß nicht, wer die Losung gibt, sie scheint aus der kalten, verstandesmäßigen Entrüstung der Arbeits bienen plötzlich hervorzubrechen und erfüllt, sobald sie ausgesprochen ist, wie es der Geist des einmütigen Gemeinwesens will, alsbald aller Herzen. Ein Teil des Volles steht vom Beutemachen ab, um sich ganz dem Werke der Gerechtigkeit zu widmen. Die schamlosen Müßiggänger, die klumpenweise auf den honig spendenden Wänden sitzen, werden in ihrer Sorglosigkeit überrascht und durch ein Heer von zornigen Jungfrauen plötzlich aus dem Schlaf geriffen. Sie wachen glückselig auf, und doch unsicher, sie trauen ihren Augen nicht recht, und ihr Erstaunen dringt allmählich durch ihre allgemeine Gleichgültigkeit hindurch wie ein Mondstrahl durch ein sumpfiges Waffer. Sie bilden sich ein, sie seien das Opfer eines Irrtums, blicken starr um sich, und da der leitende Gedanke ihres Lebens in ihren dicken Hirnschädeln zuerst lebendig wird, so wenden sie sich nach den Honigbchältern, um sich zu stärken. Aber es ist jetzt nicht mehr die Zeit des Maihonigs, des Blumenweins der Linden und seines ambrosischen Seitcnstückes, der Salbei, der Esparsette und des Majoran. Statt 2 Für unsere Kinder deS freien Zuganges zu den schönen, vollen Behältern, die ihre gefälligen Zuckerränder unter ihrem Munde öffneten, finden sie rings um ein grimmes Gestrüpp von gesträubten Giftstacheln. Der Dunstkreis der Sladt hat sich verändert, und statt des freundlichen Nektar duftes weht der bittere Anhauch des Giftes, das in tausend Tröpfchen auf den Spitzen der Stachel funkelt und Hast und Rache verbreitet. Aber noch ehe die verblüfften Schmarotzer sich dieser unerhörten Verletzung ihres gesegneten Schicksals bewußt werden, ehe sie den Um- Ichwung der Glücksgesetze des Bienenstaates begriffen haben, stürmen schon drei bis vier Gerichlsfrauen ans sie los, versuchen ihnen die Flügel zu kappen, den Hinterleib vom Brustkasten abzutrennen, die fiebernden Fühler zu amputieren, die Füße auszurenken und einen Spalt zwischen den Ringen ihres Panzers zu finden, um ihr vergiftetes Schwert hineinzu tauchen. Die ungeschlachten, wehrlosen Tiere denken nicht an Verteidigung, sondern suchen zu entfliehen oder bieten ihr dickes Fell den auf sie niederregnenden Schlägen dar. Auf dem Rücken liegend, wehren sie mit ihren starken Fußenden die erbitterten Feindinnen ab, die nicht von ihnen ablassen, oder sie laufen im Kreise herum und reißen den ganzen Haufen zu einem tollen Wirbel mit fort, der indessen bald erlahmt. Nicht lange, so sind sie schon so mitleidswürdig, daß das Mitleid, welches in unserem Herzen nie weit von der Gerechtig keit wohnt, sofort die Oberhand erlangt und um Gnade bitten würde. Aber umsonst, die harten Arbeiterinnen kennen nur das liefe, harte Naturgesetz. Die Flügel werden den Ärmsten zerrissen, die Fußwurzeln abgetrennt, die Fühlhörner abgebissen, und ihre pracht vollen schwarzen Augen, in denen der Blumen flor sich spiegelte und der unschuldige Prunk des azurenen Sommerhimmels widerstrahlte, brechen im Schmerz und in der Trübsal der Todesangst. Die einen erliegen ihren Wunden und werden von zwei oder drei ihrer Henke- rinnen sofort nach den abliegenden Kirchhöfen geschleppt. Andere, die wenigerschwer verletzt sind, retten sich in einen Winkel, wo sie eng zusammengedrängt sitzen und von einer un erbittlichen Wache blockiert werden, bis sie elendiglich sterben. Vielen gelingt es auch, den Ausgang zu gewinnen und in den Luftraum zu entweichen, wohin ihre Feindinnen sie ver folgen. Aber am Abend, wenn Hunger und Kälte sie quälen, kehren sie scharenweise nach dem Stocke zurück und flehen um Obdach. Doch auch hier finden sie eine erbarmungslose Wache. Am nächsten Morgen beim ersten Aus flug räumen die Bienen die Leichenhügel der unnützen Riesen von der Schwelle fort, und mit ihnen verschwindet die Erinnerung an das Schmarotzergeschlecht aus dem Bienenstock bis zum nächsten Frühling. Oft findet die Drohnenschlacht in einer großen Zahl von Kolonien desselben Bienen standes gleichzeitig statt. Die reichsten und ge ordnetsten geben das Zeichen zum Morden. Einige Tage später folgen die weniger be günstigten kleineren Republiken. Nur die ärm sten und kläglichsten Völker, deren Königin sehr alt und fast unfruchtbar ist, lassen ihre Drohnen, in der Hoffnung, daß die junge Königin, die sie erwarten, noch geschwängert wird, bis zum Einbruch des Winters am Leben. Dann kommt das unausbleibliche Elend, und der ganze Schwärm, Mutter, Schmarotzer und Arbeitsbienen, ballt sich zu einem darbenden, dicht verschlungenen Knäuel zusammen und geht iip Dunkel des Stockes still zugrunde, bevor der erste Schnee gefallen ist. Nach dem Strafgericht der Müßiggänger nehmen die starken und wohlhabenden Völker die Arbeit wieder auf, doch mit vermindertem Eiser, denn die Blumen werden immer seltener. Die großen Feste und die großen Trauerspiele sind vorüber. Trotzdem füllen die nahrung- spendenden Wände sich zur Vervollständigung der unentbehrlichen Vorräte noch mit Herbst honig, und die letzten Behälter werden mit dem weißen unverderblichen Wachssiegel ver schlossen. Der Wachsbau hört auf, die Ge burten nehmen ab, die Todesfälle zu, die Tage werden kürzer und die Nächte länger. Regen und ungünstige Winde, Frühnebel und die Fallen der allzufrüh sinkenden Dämmerung bringen Hunderten der emsigen Arbeiterinnen den Tod vor den Toren, und das ganze kleine Volk, das so sonnensüchtig ist wie die Zikaden Attilas, sieht der drohenden Winterkälte ent gegen. Der Mensch hat sich seinen Anteil an der Ernte schon vorweggenommen. Jeder der guten Bienenstöcke hat ihm 80 bis 100 Pfund Honig geliefert— und die reichsten geben bisweilen 200—, den Ertrag riesiger Lichtmeere und end loser Blumenfelder, die sie Tag für Tag und Blüte für Blüte beflogen haben. Jetzt wirft er noch einen letzten Blick auf die der Winter starre entgegengehenden Völker. Den reichsten nimmt er ihre überflüssigen Schätze und ver teilt sie an die stets durch unverdientes Miß- Für unsere Kinder 3 geschick verarmten Bewohner dieser emfigen Welt. Er deckt ihre Wohnungen zu, schließt die Eingänge halb, nimmt die unnützen Rahmen heraus und überläßt die Bienen ihrem langen Winterschlaf. Sie ziehen sich dann nach der Mitte des Bienenstockes zusammen und hängen sich an die Waben, aus denen während der Frosttage der Ertrag des Sommers geschöpft werden soll. In der Mitte sitzt die Rönigin, umgeben von ihrer Leibwache. Die erste Reihe der Arbeitsbienen hängt an den gedeckelten Zellen, über ihnen eine zweite Reihe, auf dieser eine dritte usw. bis zur letzten, die den anderen zur Decke dient. Fühlen die Bienen dieser Deckschicht sich von der Kälte überwältigt, so verschwinden sie in der Masse und werden durch andere ersetzt. Die hängende Traube ist wie eine dunkle Kugel, die durch die Honigwände geteilt wird und sich unmerklich auf und ab, vorwärts und zurück bewegt, je nachdem die Zellen, an denen sie hängt, nachgeben. Denn das Leben der Bienen steht im Winter nicht ganz still, wie man allgemein glaubt, sondern es pulsiert nur langsamer. Durch Zittern mit ihren Flügeln, den kleinen überlebenden Schwestern der Sommerglut, und indem sie je nach den Schwankungen der Außentemperatur bald stärker, bald schwächer ,, brausen", unterhalten sie in ihrem Winterlager eine gleichmäßige Temperatur von der Wärme eines Frühlingstages. Dieser verborgene Frühling aber quillt aus dem Honig, der nichts anderes ist, als ein vormals verwandelter Wärmeftrahl, der nun zu seiner ersten Form zurückkehrt und wie ein edles Blut durch ihren Wintersitz strömt. Die Bienen, die auf den offenen Zellen sißen, reichen ihn ihren Nachbarinnen und diese geben ihn wieder weiter. Er geht derart von Hand zu Hand, von Mund zu Mund, und erreicht schließlich die letzten Glieder des Schwarmes, in dessen tausend kleinen Herzen nur ein Gedanke und ein Schicksal lebt. Er ersetzt ihnen Sonnenschein und Blumen, bis sein älterer Bruder, die Sonne, an einem schönen Frühlingstage wieder durch die halbgeöffnete Pforte blickt, um mit ihren lauen Blicken, unter denen die Veilchen und Anemonen erblühen, die Bienen vom Winterschlaf zu erwecken und ihnen zu bedeuten, daß der Himmel wieder sein blaues Kleid angetan hat und daß der ununterbrochene Kreislauf des raftlosen Lebens und des frühzeitigen, aber tätigen und glückseligen Sterbens wieder begonnen hat. Das Pensionat. Von Wladimir Korolenko. Ich mag wohl sechs Jahre alt gewesen sein, als man mich in das kleine polnische Pensionat der Madame Okraschewska tat. Das war eine gute Dame, die eigentlich nur aus dem Grunde dazu gekommen war, sich der Erziehungskunst zu widmen, weil ihr Mann davongelaufen war und sie mit zwei Töchtern ihrem Schicksal überlassen hatte. Madame Okraschewska tat, was sie konnte: bei ihr habe ich französisch lesen gelernt und die Vokabeln einstudiert. Darauf ließ sie mich in polnischer Sprache die Historischen Gesänge" von Niemcewiez auswendig lernen. Mir gefielen sie, und mein Geist bereicherte sich durch. dichterische Kenntnisse aus der polnischen Wappenkunde. Als aber die gute Frau zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen wollte und mich die Geographie nach einem französischen Lehrbuch studieren ließ, da erhob mein Kinderhirn einen entschiedenen Einspruch. Vergeblich suchte sie die Portionen dieser nüzlichen Kenntnisse zu verkleinern, bis zu einer halben Seite, 4 Für unsere Kinder einer Viertelseite, einer Zeile.... Ich saß über| Knaben wie des Burschen mit dem Stiefel abdem Buche, meine Augen füllten sich mit zuwehren. Nur der lange Kerl konnte mich Tränen, und der Versuch endete damit, daß ich nicht mehr imstande war, auch nur zwei Worte hintereinander auswendig zu lernen. Bald darauf erkrankte ich am Wechselfieber, nach der Krankheit aber tat man mich in das große Pensionat des Herrn Rychlinski, das auch mein älterer Bruder besuchte. Das war einer von den Wendepunkten in meinem Leben.... Im Pensionat der Madame Okraschewska wurden nur Kinder unterrichtet, und ich fühlte mich dort als Kind. Ich wurde jeden Morgen im Wagen dahin gebracht, und nach Schluß des Unterrichts saß ich und wartete, bis der Kutscher mit dem Wagen oder das Dienstmädchen mich abholen kam. Bei Rychlinski lernten nicht bloß kleine Knaben, sondern auch hochaufgeschossene junge Leute, die manchmal schon einen ordentlichen kleinen Schnurrbart aufdrehen konnten. Ein Teil von ihnen nahm im Pensionat selbst Unterricht, andere besuchten das Gymnasium. Infolgedessen hatte ich das stolze Bewußtsein, zum erstenmak Mitglied einer Art Korporation geworden zu sein. Nach zwei, drei Malen, als ich den Weg gut fannte, erlaubte mir die Mutter, allein zur Schule zu gehen.... Ich erinnere mich ganz genau an diese meine erste selbständige Reise. In der linken Hand hielt ich ein Bündel Bücher und Hefte, in der rechten eine kleine Gerte, um die Hunde abzuwehren. Zu jener Zeit waren wir schon aus der inneren Stadt nach der Außenstadt gezogen, und unser Haus sah mit den Fenstern auf ein wüstes Feld, auf dem sich halbverwilderte Hunde rudelweise herumtrieben. Ich ging und fühlte mich so, wie sich wohl ein Jäger im Urwald fühlen muß. Die Gerte sest in der Faust, hielt ich scharf Umschau, nach jeder Gefahr spähend. Ein jüdischer Knabe, der in die Handwerkschule lief; ein Schuster lehrling, mit beschmußtem Gesicht und bloßen Füßen, aber mit einem großen Stiefel in der Hand; ein langer Kerl, der mit der Peitsche in der Faust neben einem mit Lehm beladenen Wagen einherging; endlich ein herrenloser Hund, der mit gesenktem Kopf an mir vorbeischlich sie alle wußten, wie mir schien, daß ich ein kleiner Junge sei, den seine Mutter zum erstenmal ohne Begleitung hatte gehen lassen, und dessen Tasche obendrein die ungeheure Summe von drei Pfennigen barg. Und ich war bereit, den überfall des jüdischen das war mir klar mit Leichtigkeit berauben, und der Hund mochte tollmütig sein.... Doch weder dieser noch jener schenkte mir Beachtung. Endlich kam ich an das Tor des Pensionats und blieb still stehen.... Ich blieb stehen, nur um das eigentümliche stolze Glücksgefühl auszutosten, das mein ganzes Wesen durchdrang. Wie Faust mochte ich dem Augenblick zurufen: Verweile doch, du bist so schön! Ich überblickte mein noch kurzes Leben und fühlte, wie ich schon so groß geworden war, und welche Stellung ich gewissermaßen in der Welt einnahm: ich war durch zwei Straßen und das Feld gewandert, und jedermann erkannte mein Recht auf diese Selbständigkeit an.... Es lag offenbar etwas Besonderes in jenem Augenblick, denn er hat sich für immer meinem Gedächtnis eingeprägt, mit seinen inneren Empfindungen wie mit seinen äußeren Einzelheiten. Jemand in mir betrachtete gleichsam von der Seite den kleinen Knaben vor dem Tor, und wenn man die Ergebnisse dieser Betrachtung in Worten fassen wollte, so täme etwa folgendes heraus: " Das also bin- ich! Ich bin jener, der einst in die nächtliche Feuersbrunst schaute, während er auf dem Arm der Amme saß; der an einem mondbeschienenen Abend den eingebildeten Dieb mit dem Stock prügelte; der seinen kleinen Finger verbrannt hatte und bei der bloßen Erinnerung daran weinte; der einst im Walde sich und die Welt vergaß unter dem ersten Eindruck des Rauschens in den Baumkronen; den man noch vor kurzem an der Hand zur Madame Okraschewska führte... Und nun bin ich der, der furchtlos an so vie= len Gefahren vorbeigegangen und bis an das Tor des Pensionats gekommen ist, wo ihn schon das hohe Amt des Schülers" erwartet. Ich blicke um mich und in die Höhe. Da ist die Straße, und da sind die Häuser, oben ist der alte Querbalfen des Tores und darauf zwei Tauben. Die eine sitzt still, die andere aber spaziert auf dem Balken hin und her und girrt dabei so sonderbar wohllautend und rein. Und alles umber ist so rein und angenehm: die Häuser, die Straße, das Tor, besonders aber der hohe blaue Himmel, an dem eine weiße Wolte wie mit leichten Stößen leise dahinrudert.... " Und alles dies ist mein, alles dies durchdringt mich so eigentümlich und wird zu meinem Besiz. Für unsere Kinder 5 Ich schrie fast auf vor Glückseligkeit und Ich war als Kind nervös und weinerlich, ging, das Bündel Bücher schwenkend, mit bei förperlichem Schmerz vergoß ich jedoch langen Schritten wie ein Erwachsener über felten Tränen. Auch diesmal weinte ich nicht, den Hof.... Und mir war, als wenn mit ja, ich dachte bei mir nicht ohne Stolz: nun mir in das Pensionat Rychlinstis eine höchft bin ich also, wie ein richtiger Pensionär, auch bedeutende und wichtige Person träte.... auf die„ Taze" geschlagen worden. Das hinderte mich übrigens nicht, alle Pensionäre, die vor mir eingetreten waren, mit der tiefsten Ehrfurcht zu betrachten, von den Lehrern natürlich gar nicht zu reden.... Man kann nicht sagen, daß in diesem Pens sionat die letzte Weisheit der Erziehungskunst herrschte. Rychlinsti selbst war ein schon be jahrter Mann, der auf Krücken ging. Er hatte einen furzgeschorenen, viereckigen Kopf mit einem fleischigen, breiten Gesicht. Seine Schultern waren von dem ständigen Druck auf die Krücken ungewöhnlich breit und hochgezogen, weshalb seine ganze Gestalt vierschrötig und massig erschien. Wenn er nun manchmal, im Stuhl sigend, seine sehnigen Arme ausstreckte und mit weit aufgerissenen Augen schmetterte: ,, Alle Knochen zer- schla- ge ich euch! Alle Knochen..." dann fielen unsere Kinderherzen in die Hosen.... Doch das ereignete sich nicht allzuoft. Der gute Alte sparte mit diesem Mittel und holte es nur in den äußersten Fällen hervor. Die Sprachen erlernte man auf eigenartige Weise: Gleich am ersten Tage meines Eintritts erfuhr ich, daß ich an einem Tage frans zösisch, am nächsten deutsch zu reden habe. Ich konnte weder die eine noch die andere Sprache, kaum aber hatte ich etwas auf polnisch gesagt, als um meinen Hals ein Schnürchen geschlungen wurde, an dem ein Lineal aus Eichenholz von ansehnlicher Dicke hing. Das Lineal hatte die Form eines schmalen Spatens, auf dem französisch geschrieben stand ,, la règle"( das Lineal) und auf der anderen Seite polnisch: zum Schlagen". Beim Frühstück, als alle Zöglinge an den fünf oder sechs Tischen Platz genommen hatten, wobei am mittelsten Herr Rychlinski selbst, an den an deren aber seine Frau, jeine Tochter sowie die Lehrer den Vorsitz führten, frug Rychlinski auf französich:„ Wer hat das Lineal?" " Ist gut," sagte Rychlinski. Nimm das Lineal und gib es einem anderen weiter. Und Ihr, Taugenichtse, erklärt dem Bürschchen, was man mit dem Lineal macht. Der trägt es sonst, wie wenn er einen Orden gekriegt hätte. In der Tat hielt ich das Lineal sichtbar in der Hand, während es doch galt, es zu verstecken und demjenigen an den Hals zu schlingen, der sich ein polnisches oder russisches Wort entschlüpfen ließ. Das sah ein wenig nach Ermunterung zur Spionage aus, hatte sich aber nach dem allgemeinen Ton im Pensionat in eine Art scherzhaften Sports verwandelt. Die Schüler warfen einander lustig das Lineal zu, derjenige aber, der mit ihm an den Tisch trat, nahm männlich den kräftigen Schlag in Empfang. Dafür war jegliches Spionieren und und gegenseitiges Verklagen in allen übrigen Beziehungen streng verpönt. In den Fällen, wo irgend ein Neuling mit einer Klage oder Anzeige tam, rief Rychlinski unverzüglich den Schuldigen vor und stellte eine strenge Untersuchung an. Erwies sich die Anzeige als richtig, dann folgte die Strafe. Das besagte Lineal kam in Tätigkeit, oder der Schuldige mußte. niederknien. Bei der Strafe hatte aber auch der Angeber unbedingt zugegen zu sein. Manchmal frug ihn Rychlinski:„ Jst's dir nun wohl?" Alle fühlten, daß das Verklagen des Kameraden herber verurteilt wurde als das Vergehen selbst. Sämtliche Schüler blickten mit Teilnahme auf den Bestraften und mit Verachtung auf den Angeber. Hernach neckte man ihn mit Ziegenmeckern und rief ihm„ Geißbock" nach.... überhaupt herrschte in dem Pensionat ein eigener Ton, und alles dort gefiel mir sehr, außer dem Lehrer der Mathematit, Herrn Baschkowski. Das war ein Mann jenseits der „ Geh raus! geh!" stießen mich die Kameraden. Dreißig, hochgewachsen, mager, aber kräftig Ich trat schüchtern an den mittleren Tisch und ziemlich hübsch. Ich schätzte übrigens daund reichte das Lineal hin. Rychlinski war zumal seine allgemein anerkannte Schönheit ein entfernter Verwandter meiner Mutter, be- wenig. Mir waren seine großen, eulenrunden suchte uns, spielte mit Vater Schach und war Augen und die scharfe Nase mit dem starten zu mir immer sehr lieb gewesen. Jetzt nahm Höcker höchst unangenehm, diese Nase eriner schweigend das Lineal, ließ mich die Hand nerte an einen Sperber. Herr Paschkowski ausstrecken und eine Sekunde später brannte hatte einen langen gefärbten Schnurrbart, auf meiner Handfläche ein roter Striemen.... l dessen Spizen wie dünne Fäden zusammen 6 Für unsere Kinder gedreht waren, und wohlgepflegte Fingernägel. Diese Nägel waren sehr lang und scharf zu gespitzt, überhaupt hatte der ganze Mann etwas Gepflegtes, Stutzerhaftes und Gewa schenes an sich, trug farbige Westen, Ringe an den Fingern, sowie Uhrkettchen mit An hängseln, und verbreitete einen Duft von Haar pomade, kräftigem Tabak und frisch gestärkter Leinwand. Während des Unterrichts pflegte er entweder seine Nägel mit einer kleinen weißen Feile zu polieren oder mit den Spitzen seiner langen knöchernen, tabakgelben Finger sorgfältig den Schnurrbart zu drehen. Man erzählte, tkaß Paschkowski auf der Suche nach einer reichen Braut wäre und sich bereits einige Körbe geholt hätte. Unterdessen war ich dazu ausersehen, von diesem schönen Mann die Elementarkenntnisse der mathematischen Wisienschast zu empfangen....(Schluß folgt.) ovo Die Prinzessin auf dem Baum. Es war einmal ein armer Junge, der mußte tagaus tagein die Schweine in den Wald treiben, daß sie bei Bucheckern und Eichelmast fett würden. Dabei war er nach und nach achtzehn Jahre alt geworden. Eines Tages trieb er seine Schweine tiefer in den Wald, als er gewöhnlich zu tun pflegte; da sah er plötzlich einen allmächtig hohen Baum vor sich, dessen Zweige sich in den Wolken verloren. „Der Tausend, das ist aber ein Baum!" sagte der Junge bei sich,„wie mag es wohl sein, wenn du dir von seinem Wipfel aus die Welt beschaust!" Gedacht, getan; erließ seineSchweine im Boden wühlen und kletterte an dem Stamme empor. Er kletterte und kletterte, es wurde Mittag, die Sonne ging unter, aber noch immer war er noch nicht in das Geäst gekommen. Endlich, da es schon zu dunkeln begann, er reichte er einen armlangen Stutz, der in die freie Luft hinausragte. Daran band er sich mit der neuen Peitschenschnur, die er in der Tasche trug, fest, daß er nicht hinabstürzte und Hals und Bein bräche, und dann schlief er ein. Am anderen Morgen hatte er sich so weit ausgeruht, daß er sich mit frischen Kräften wieder an die Arbeit machen konnte. Um die Mittagszeit langte er denn auch in dem Geäst an, und von dort ging das Steigen leichter, doch den Wipfel erreichte er auch diesmal nicht; wohl aber kam er gegen Abend in einem großen Dorfe an, das in die Zweige hineingebaut war. „Wo kommst du her?" fragten die Bauern verwundert, als sie ihn erblickten.„Ich bin von unten heraufgestiegen," antwortete der Junge.„Da hast du eine weite Reise gehabt," sprachen die Bauern,„bleib' bei uns, daß wir dich in unseren Dienst nehmen!"—„Hat denn hier der Baum schon ein Ende?" fragte der Junge.„Nein," gaben die Bauern zurück,„der Wipfel liegt noch ein gut Stück höher."— „Dann kann ich auch nicht bei euch wohnen bleiben," versetzte der Junge,„ich muß in den Wipfel hinauf. Aber zu essen könnt ihr mir geben; denn ich bin hungrig, und müde bin ich auch." Da nahm ihn der Schulze des Dorfes in sein Haus, und er aß und trank, und nach dem er satt geworden war, legte er sich hin und schlief. Am anderen Morgen bedankte er sich bei den Bauern, sagte ihnen Lebewohl und stieg weiter den Baum hinauf. Die Sonne stand schon hoch am Himmel, als er ein großes Schloß erreichte. Da schaute eine Jungfrau zum Fenster hinaus, die freute sich sehr, daß ein Mensch gekommen sei, sie in ihrer Einsamkeit zu trösten.„Komm zu mir herein und bleibe bei mir," sagte sie freundlich. „Hat hier denn der hohe Baum sein Ende?" fragte der Junge.„Ja, höher hinauf kannst du nicht," sprach die Jungfrau,„und nun komm herein, daß wir uns die Zeit vertreiben." —„Was machst du denn hier oben so allein?" fragte der Junge.— Antwortete die Jung frau:„Ich bin eines reichen Königs Tochter, und ein böser Zauberer hat mich hierher ver wünscht, daß ich hier leben und sterben soll." Sprach der Junge:„Da hätte er dich auch ein wenig tiefer verwünschen können." Das half nun aber nichts, sie saß da oben und mußte da oben bleiben; und weil die Prin zessin ein hübsches, artiges Mädchen war, so beschloß er, nicht wieder zurückzukehren und mit ihr zusammen im Schlosse hauszuhalten. Das war ein lustiges Leben, das die beiden 'da oben im Schlosse auf dem hohen Baume führten. Um Speise und Trank durften sie nicht sorgen; denn was sie wünschten, stand auch sogleich vor ihnen; nur wollte dem Jungen nicht behagen, daß die Prinzessin ihm verboten hatte, in ein bestimmtes Zimmer im Schlosse zu treten.„Gehst du hinein," hatte sie ihm ge sagt,„so bringst du mich und dich ins Unglück." Eine Zeitlang gehorchte er ihren Worten; end lich aber konnte er es nimmermehr aushalten, und als sie sich nach dem Essen hingelegt hatte, um ein Stündchen zu schlafen, nahm er das Schlüsselbund und suchte den Schlüssel hervor, " Für unsere Kinder ging hin und schloß die verbotene Türe auf. Als er drinnen im Zimmer war, gewahrte er einen kohlschwarzen großen Raben, der war mit drei Nägeln an die Wand geheftet; der eine ging ihm durch den Hals, und die anderen beiden durchbohrten seine Flügel.„ Gut, daß du kommst," schrie der Rabe, ich bin vor Durst schier verschmachtet! Gib mir von dem Kruge, der dort auf dem Tische steht, einen Tropfen zu trinken, sonst muß ich elendiglich des Todes sterben." Der Junge aber hatte über dem Anblick einen solchen Schrecken bekommen, daß er auf die Worte des Raben gar nicht achtete und zur Türe zurücktrat. Da schrie der Rabe mit kläglicher Stimme, daß es einen Stein er weichen konnte:„ Ach, geh nicht fort, ehe du mich gelabt hast; denke, wie dir zumute wäre, wenn dich jemand Durstes sterben ließe." „ Er hat recht," sprach der Junge bei sich ,,, ich will ihm helfen!" Dann nahm er den Krug vom Tische und goß ihm einen Tropfen Wasser in den Schnabel hinein. Der Rabe fing ihn mit der Zunge auf, und sobald er ihn heruntergeschluckt hatte, fiel der Nagel, der durch den Hals ging, zu Boden.„ Was war das?" fragte der Junge." Nichts," antwortete der Rabe ,,, laß mich nicht verschmachten und gib mir noch einen Tropfen Wasser!"" Meinetwegen," sagte der Junge und goß ihm einen zweiten Tropfen in den Schnabel hinein. Da fiel auch der Nagel, welcher den rechten Flügel durchbohrt hatte, klirrend auf die Erde herab. ,, Nun ist's aber genug," sagte er.„ Nicht doch," bat der Rabe ,,, aller guten Dinge sind drei!" Doch als der Junge ihm auch den dritten Tropfen eingeflößt hatte, war der Rabe seiner Fesseln frei, schwang die Flügel und flog frächzend zum Fenster hinaus. " Was hast du getan?" rief der Junge erschrocken, wenn es nur die Prinzessin nicht merkt!" Die Prinzessin merkte es aber doch; denn er sah freidebleich aus, als er zu ihr in die Stube trat.„ Du bist wohl gar in dem verbotenen Zimmer gewesen?" sprach sie hastig. " Ja, das bin ich gewesen," antwortete der Junge kleinlaut, aber ich habe dort weiter nichts Schlimmes verübt.„ Es hing nur ein verdursteter schwarzer Rabe an der Wand, dem gab ich zu trinken; und als er drei Tropfen getrunken hatte, fielen die Nägel, mit denen er angeheftet war, auf den Erdboden herab, und er bewegte die Flügel und flog durch das Fenster davon."„ Das ist der Teufel gewesen, der mich verzaubert hat," jammerte die Prinzessin, nun wird's nicht mehr lange 7 währen, so holt er mich nach!" Und richtig, es dauerte nicht lange, so war eines Morgens die Prinzessin verschwunden, und sie kam nicht wieder, obgleich der Junge drei Tage lang auf ihre Rückkehr wartete. ,, Kommt sie nicht zu mir, so gehe ich zu ihr!" sagte er bei sich, als sie auch am Abend des dritten Tages nicht wieder zurückgekehrt war, und machte sich mit dem folgenden Morgen auf den Weg, den Baum herab. Als er in dem Dorfe ankam, fragte er die Bauern: ,, Wißt ihr nicht, wo meine Prinzessin geblieben ist?" ,, Nein," sagten die Bauern, wie sollen wir es wissen, wenn du es nicht weißt, der du von dem Schlosse kommst!" Da stieg der Junge tiefer und tiefer, bis er endlich wieder auf den Erdboden gelangte.„ Nach Hause gehst du nicht, da gibt's Schläge," dachte er; darum wanderte er immer waldein, ob er nicht irgendwo die Spur der Prinzessin ausfindig machen könnte. Nachdem er drei Tage im Walde um hergeirrt war, begegnete ihm ein Wolf. Er fürchtete sich und floh; doch der Wolf rief: Fürchte dich nicht! Aber sage mir, wohin führt dich dein Weg?"" Ich suche meine Prinzessin, die mir gestohlen ist," antwortete der Junge. Da hast du noch weit zu laufen, ehe du sie bekommst," sagte der Wolf.„ Aber hier hast du drei Haare von mir. Wenn du in Lebensgefahr bist und die Haare zwischen den Fingern reibst, so bin ich bei dir und und helfe dir aus der Not." Der Junge bedankte sich bei dem Wolfe und ging weiter. " über drei Tage kam ihm ein Bär in den Weg, und der Junge war vor Schreck wie verſteint; denn er hielt sich verloren. Auf einen Baum flettern, nußte zu nichts, denn der Bär wäre ihm nachgestiegen und hätte ihn in den 3weigen zerrissen. Der Bär war aber gar nicht blutdürftig gesinnt, sondern rief dem Jungen freundlich zu:" Fürchte dich nicht, ich tue dir kein Leid an. Erzähle mir nur, was dir fehlt." Als der Junge sah, wie gutmütig der Bär war, sagte er dreist:„ Mir fehlt meine Prinzessin, die hat mir ein böser Zauberer gestohlen, und ich wandere jetzt in der Welt umber, bis ich sie finde."" Da hast du noch einen guten Weg, bis du zu ihr gelangst," erwiderte der Bär, aber hier hast du drei von meinen Haaren! Wenn du in Lebensgefahr kommst und meiner bedarfst, so reibe die Haare zwischen den Fingern, und ich bin bei dir und stehe dir bei." Der Junge steckte die Haare zu sich, bedankte sich und zog wieder drei Tage im Walde um 8 Für unsere Kinder her. Da begegnete ihm ein Löwe, und als der antwortete der alte Jäger,„ da will ich dir Junge vor Angst gerade auf einen Baum die Sache für diesmal verzeihen, weil du daKlettern wollte, rief das wilde Tier ihm zu: mals mitleidig warst und mich mit dem Wasser ,, Nicht doch, bleib unten, ich tue dir nichts."- tränktest. Aber unterstehst du dich noch einmal " Das ist etwas anderes," sagte der Junge, und raubst mir die Prinzessin, so muß dich und dann erzählte er auch dem Löwen, warum| mein dreibeiniger Schimmel in den Erdboden er ohne Weg und Steg in dem Wald herum- stampfen, daß du des Lebens vergißt." Dann laufe. Da haft du's gar nicht mehr weit," nahm er dem Jungen die Prinzessin ab, hob antwortete der Löwe,„ eine gute Stunde von sie vor sich auf den Sattel und ritt mit ihr hier sitzt die Prinzessin in dem Jägerhaus. in das Jägerhaus zurück. Der Junge schlich Mach dich auf und geh zu ihr! Und wenn du sich jedoch leise nach, und als der alte Zauin Lebensgefahr kommst und mich brauchen berer wieder in den Wald gegangen war, trat fannst, so nimm diese drei Haare und reibe er von neuem in das Haus hinein und sagte fie zwischen den Fingern; dann bin ich bei zur Prinzessin: Höre einmal, ich rette dich dir und helfe dir aus aller Not." Damit über- doch! Wenn ich nur erst einen solchen Schimgab er dem Jungen die drei Haare und trottete mel habe, wie ihn der alte Jäger besitzt. Ich weiter in den Busch hinein; der Junge aber werde unter das Bett kriechen, und du fragst schritt wacker zu, um das Jägerhaus bald zu ihn dann, wenn ihr im Bett seid, wie er den erreichen. dreibeinigen Schimmel erworben hat." Damit war die Prinzessin einverstanden, und der Junge froch unter das Bett und wartete, bis der Abend kam und der Jäger nach Hause kehrte. ( Schluß folgt.) " Es dauerte auch gar nicht lange, so sah er es durch die Bäume schimmern, und noch ein Klein Weilchen, so hatte er die Tür aufgeklinkt und stand in der Stube und sah die Prinzessin vor sich stehen.„ Junge, wo kommst du her?" rief sie erstaunt. Wo ich herkomme?" antwortete der Junge,„ denkst du, ich werde allein oben bleiben und dich bei dem bösen Zauberer lassen? Aber jetzt gieb mir geschwind etwas zu essen, und dann wollen wir uns auf und davon machen und zu deinem Vater gehen!" Ach, mein Junge, das geht nicht so," sagte die Prinzessin traurig, der alte Jäger, der mich bewacht, ist zwar den ganzen Tag über im Walde, aber er hat einen dreibeinigen Schimmel im Stalle, der weiß alle Dinge und jagt ihm sogleich nach, wenn wir geflohen " 1 sind. Und wenn er das weiß, so holt er uns bald ein." Der Junge ließ sich das aber wenig fümmern, aß und trant, und als er satt war, nahm er die Prinzessin bei der Hand und lief mit ihr aus dem Jägerhaus auf und davon. Als sie ein Weilchen gegangen waren, schrie der dreibeinige Schimmel im Stalle Mord und Zeter und hörte nicht auf, bis der alte Jäger herbeigelaufen fam und ihn fragte, was ihm fehle.„ Es ist jemand gekommen und hat die Prinzessin gestohlen!" schrie der Schimmel. " Sind sie schon weit?" fragte der Jäger.„ Weit noch nicht," antwortete der Schimmel, set dich nur auf meinen Rücken, wir werden sie bald einholen!" Als der Jäger den Jungen und die Prinzessin erblickte, rief er zornig: Warum hast du mir meine Prinzessin gestohlen? „ Warum hast du sie mir gestohlen?" gab ihm der Junge trohig zurück. Ach, du bist's," " Blättlein Naseweis. G. P. S. Cabanis. Es saß ein Blatt am Baume, Das träumte vor sich hin Und seufzte:„ Ach, daß ich kein Falter, Rein bunter Falter bin!" Nicht lange, so rauschte der Herbstwind und machte das Blättlein frei Und trug es empor in die Lüfte. " Hei!" jauchzte es da.„ Juchhei!" Es gaukelte auf und nieder, Es schaukelte hin und her Und rief:„ Jezt bin ich ein Falter. Juchheißa! Was will ich nun mehr?!" Der Herbststurm hat es gebettet Jns dürre Heidegras; Da liegt es nun zwischen den Halmen, Wird welk und matt und blaẞ. Und leise spricht das Blättlein, Ganz leise, als wie im Traum: " Ach, säße ich doch noch immer Auf meinem Zweig am Baum!" Verantwortlich für die Redaktion: Frau Klara Bettin( Bundel), Wilhelmshöhe, Post Degerloch bei Stuttgart. Druck u. Berlag 3.8.W.Diez Nachf. G.m.b.H. Stuttgart.