Für unsere Kinder Nr. 8ooooooo Beilage zur Gleichheit ooooooo 1915 Inhaltsverzeichnis: Die Brücke. Von Joseph| fertigen, die andern, die Wunde Gianettos Luitpold.( Gedicht.) Mateo Falcone. Eine zu verbinden, erschienen mit einem Male an Erzählung aus Korsika. Von Prosper Mérimée. Der Biegung des Fußpfades, der in den Maquis ( Schluß.)- Die Löwenbraut. Von A. v. Chamisso. führte, Mateo Falcone und sein Weib. Das ( Gedicht.)- Bom Zähmen wilder Tiere. Doktor Weib ging tief gebeugt unter der schweren Faust, der weitbeschriene Zauberer und Schwarzfünstler. Puppenspiel in drei Aufzügen.( Schluß.) Der Hahnenbalken. Von Brüder Grimm. Die Brücke. Jm rosenroten Morgen Da liegt das andre Land, Es treibt ein Strom vorüber, Den zwang noch keine Hand. Paßt auf! Wir sind nur Kinder, Doch gar nicht wird uns bang. 3st alles klein gewesen, Was je zur Größe rang. Heut' bau'n wir bloß im Sande, Doch kommt das rechte Jahr, Dann bauen wir die Brücke Breit und wunderbar. Das wird kein leichtes Hämmern, Kein lustig Schaffen sein, Wir brauchen viel Gerüste Und sehr viel Stahl und Stein. Dann kommen alle menschen Und machen gar nichts mehr, Als nur die Brücke bauen, Steinmetz und Ingenieur. Und rundet sich der Bogen, Dann müssen Fahnen wehn Und alle Menschen werden über die Brücke gehn. paßt auf! Wir sind nur Kinder, Doch kommt das rechte Jahr, Dann bau'n wir hei!- die Brücke Breit und wunderbar. 000 Mateo Falcone. Joseph Luitpold. Eine Erzählung aus Korsika. Von Prosper Mérimée. ( Schluß.) Während die einen der Jäger damit beschäftigt waren, aus den Zweigen eines Rastanienbaums eine Art Tragbahre zu verLast eines riesengroßen Sacks Kastanien, während leicht nebenher ihr Gatte schritt, der nur eine Büchse in der Hand und eine zweite quer übergehängt trug; denn eine andere Laft als seine Waffen zu tragen, wäre eines Mannes unwürdig. Als Mateo die Soldaten erblickte, war sein erster Gedanke, sie wären gekommen, ihn feste zunehmen. Doch woher dieser Einfall? Stand Mateo etwa mit den Gerichten auf Kriegsfuß? Nein. Er erfreute sich eines tadellosen Rufes. Er war, wie man zu sagen pflegt, ein Bürger mit gutem Leumund. Aber er war Korse und Gebirgler, und es gibt unter den Korsen in den Bergen wenige, die in ihrem Gedächtnis, wenn sie es gut durchsuchen, nicht irgend eine leichte Verfehlung fänden, wie eine Flinte, die zufällig einmal losgegangen, ein Dolch, der ausgerutscht, und dergleichen Kleinigkeiten. Mateo hatte ein reineres Gewissen als mancher andere: mehr als zehn Jahre war es her, seit er seine Büchse zum letzten Mal auf einen Menschen angelegt hatte! Immerhin, er war auf seiner Hut, und er machte sich bereit, sich, wenn es darauf anfäme, tapfer zu wehren. " Frau," sagte er zu Giuseppa, leg' deinen Sack ab und halte dich bereit." Sie gehorchte auf der Stelle. Er gab ihr die Büchse, die er quer übergehängt trug und die ihm hinderlich sein konnte, spannte den Hahn der anderen, die er in der Hand hielt, und ging langsam auf sein Haus zu, dicht an den Bäumen entlang, die am Wege standen, und bereit, bei der geringsten feindseligen Bewegung mit einem Satz hinter dem dicksten Stamm zu verschwinden und aus dessen Deckung zu feuern. Sein Weib folgte ihm auf den Fersen mit der Reserveflinte und der Patronentasche. Es gehört zu den Pflichten einer tüchtigen Hausfrau, im Kampfe die Waffen ihres Mannes zu laden. Seinerseits war der Adjutant in tödlicher Verlegenheit, als er Mateo so Schritt für Schritt herankommen sah, die Flinte vorgehalten, den Finger am Abzug. 58 Für unsere Kinder " Fortunato!" rief Mateo. " Fortunato!" wiederholte Giuseppa. " Ja, Gianetto hatte sich in dem Heuhausen dort verborgen, aber der kleine Vetter zeigte mir den Fuchs. Das werde ich auch seinem Onkel, dem Korporal, erzählen, damit er ihm für seinen Dienst ein schönes Geschenk schickt. Und sein Name wie der deine soll in dem Bericht erwähnt werden, den ich an die Obrigfeit einsende." Wenn zufällig Mateo ein Verwandter des ihn kein Teufel hätte finden können; ohne Gianetto oder sein Freund wäre," dachte der meinen kleinen Vetter Fortunato hätte ich ihn Adjutant, und er wollte ihn verteidigen, so nie entdeckt." erhielten zwei von uns die Ladung seiner beiden Flinten so sicher in den Leib wie einen Brief per Post; und wenn er mich aufs Korn genommen hat, trok aller Verwandtschaft!" In dieser peinlichen Lage entschloß er sich zu einem äußerst fühnen Schritt: er ging ganz allein auf Mateo zu, um ihn wie ein alter Bekannter anzusprechen und ihm die Sache zu erzählen. Aber der kurze Abstand, der ihn von Mateo trennte, kam ihm verdammt lang vor. ,, Sieh da, Kamerad," rief er, wie geht's, alter Knabe? Ich bin's, ich, dein Better Gamba." Mateo war ohne ein Wort zu erwidern stehen geblieben und hob mit jedem Wort, das der andere sprach, den Lauf der Flinte ein wenig höher, so daß sie in dem Augenblick, als der Adjutant vor ihm stand, gen Himmel gerichtet war. ,, Guten Tag, Bruder," sagte der Adjutant, wie sich die Korsen zu begrüßen pflegen, und streckte Mateo die Hand entgegen. ,, Es ist lange her, seit ich dich zum legtenmal gesehen habe." ,, Guten Tag, Bruder." Ich war gekommen, dir und der Base Pepa im Vorbeigehen guten Tag zu sagen. Wir haben einen langen, anstrengenden Marsch hinter uns. Aber wir brauchen uns nicht zu beklagen, denn wir haben einen prächtigen Fang gemacht. Wir haben soeben den Gianetto Sanpiero festgenommen." ,, Gott sei gelobt," rief Giuseppa, er hat uns erst vorige Woche eine milchende Ziege gestohlen." Diese Worte hörte Gamba mit Freuden. „ Armer Teufel," sagte Mateo,„ er hatte Hunger." Der Bursche wehrte sich wie ein Löwe," fuhr der Adjutant etwas beunruhigt fort; er hat mir einen meiner Jäger getötet, und nicht zufrieden damit, zerschmetterte er noch dem Sergeant Chardon den Arm; doch das ist Tein großes Unglück, es ist bloß ein Franzoje.... Dann versteckte er sich so gut, daß * Im Jahre 1768 wurden die Korsen von der Republik Genua ,, wie eine Hammelherde" an Frankreich verschachert. Es bedurfte blutiger Kämpfe, um die freiheitsiebende Bevölkerung der Insel zur Anerkennung der französischen Herrschaft zu zwingen. Noch heute fühlen sich die storsen den Franzosen fremd, nicht nur durch ihre Abstammung und ihre italienische Sprache, sondern vor allem auch durch ihre altertümliche Stultur. ,, Verflucht," sagte Mateo ganz leise. Unterdessen hatten sie die anderen erreicht. Gianetto lag schon auf der Tragbahre, man konnte aufbrechen. Als er Mateo in der Gesellschaft Gambas erblickte, glitt über sein Gesicht ein seltsames Lächeln; dann drehte er sich nach der Haustür, spie auf die Schwelle und sagte:„ Eines Verräters Haus!" Nur einer, der gefaßt war, dem Tod ins Auge zu sehen, hätte es gewagt, das Wort Verräter in bezug auf Mateo Falcone zu gebrauchen. Ein wohlgezielter Dolchstoß, der nicht wiederholt zu werden brauchte, wäre unverzüglich die Antwort auf die Beschimpfung gewesen. Doch jetzt rührte sich Mateo nicht. Er strich sich bloß mit der Hand über die Stirn wie ein Gerichteter. Fortunato war, sobald er seinen Vater hatte kommen sehen, ins Haus getreten. Jetzt kam er wieder zum Vorschein, eine Schale Milch in der Hand, die er mit geſentten Augen Gianetto anbot. " Weg von mir!" schrie ihn der Geächtete mit Donnerstimme an. Dann wandte er sich an einen der Jäger: ,, Kamerad, gib mir zu trinken." Der Soldat hielt ihm seine Kürbisflasche hin, und der Bandit trank Wasser aus den Händen eines Mannes, mit dem er eben noch Flintenschüsse gewechselt hatte. Darauf bat er, man möchte ihm die Hände über der Brust zusammenbinden, statt daß er sie auf dem Rücken gefesselt halten müßte. „ Ich liege gern bequem," erklärte er. Man erfüllte bereitwilligst seinen Wunsch. Dann gab der Adjutant das Zeichen zum Aufbruch, wünschte Mateo Lebewohl, der keine Antwort gab, und stieg raschen Schrittes zur Ebene hinab. Zehn Minuten vergingen fast, ehe Mateo den Mund öffnete. Der Knabe schaute unruhigen Blickes bald auf die Mutter, bald auf Für unsere Kinder den Vater, der ihn, auf seine Flinte gestützt,| mit dem Ausdruck unaussprechlichen Zornes betrachtete. ,, Du fängst gut an," sprach Mateo endlich mit ruhiger Stimme, die aber einen, der ihn kannte, in tiefsten Schrecken versetzen mußte. ,, Vater," schrie der Knabe und fam mit Tränen in den Augen auf ihn zu, wie um ihm zu Füßen zu fallen. Mateo aber rief: Fort von mir!" Der Knabe blieb einige Schritte von seinem Vater stehen, rührte sich nicht und schluchzte. Giuseppa trat an ihn heran. Sie hatte die Uhrkette bemerkt, die aus dem Hemde Fortunatos hervorsah. " Wer hat dir diese Uhr gegeben?" fragte fie streng. Der Vetter Adjutant." Falcone ergriff die Uhr und schmetterte sie gegen einen Stein, daß sie in tausend Stücke zersplitterte. ,, Weib," sagte er, ist das mein Kind?" Die braunen Wangen Giuseppas färbten fich ziegelrot. 59 Der Knabe tat, wie ihm befohlen, und warf sich dann auf die Knie." " Sprich deine Gebete." ,, Vater, Vater, tötet mich nicht!" ,, Sprich deine Gebete!" wiederholte Mateo mit schrecklicher Stimme. Stammelnd und schluchzend begann das Kind das Vaterunser und das Kredo herzufagen. Der Vater antwortete am Schlusse jedes Gebets mit fester Stimme: Amen!" " Sind das alle Gebete, die du weißt?" " Ich kann noch das Ave Maria, Vater, und die Litanei, die mich die Tante gelehrt hat." „ Die ist sehr lang, aber meinetwegen." Der Knabe beendete die Litanei mit erlöschender Stimme. ,, Bist du fertig?" ,, Ach, Gnade, Vater, verzeiht mir, ich tu es nie wieder, ich werde so lange beim Better Korporal bitten, bis man Gianetto begnadigt." Er sprach noch; Mateo hatte den Hahn feiner Flinte gespannt, legte sie an die Wange und sagte: ,, Gott verzeihe dir." Das Kind machte einen verzweifelten VerWas redest du da, Mateo? und bedenkst such, sich zu erheben, um die Knie des Vaters du auch, zu wem du sprichst?" zu umflammern, doch es kam nicht mehr dazu. Nun, dann ist der Junge der erste seines Mateo drückte los, und Fortunato stürzte tot Stammes, der Verrat geübt hat." Das Schluchzen Fortunatos wurde heftiger. Falcone hielt seine Luchsaugen fest auf ihn geheftet. Endlich stieß er den Kolben seiner Flinte auf dem Boden auf, warf sie dann über die Schulter und schlug wieder den Weg nach dem Maquis ein, indem er Fortunato zurief, ihm zu folgen. Der Knabe gehorchte. Giuseppa lief Mateo nach und faßte ihn am Arm. „ Es ist dein Sohn," sagte sie mit zitternder Stimme, ihre schwarzen Augen an die des Gatten heftend, als wollte sie darin lesen, was in deffen Seele vorging. ,, Laß mich," antwortete Mateo, ich bin sein Vater." zur Erde. Ohne den Leichnam eines Blickes zu würdigen, entfernte sich Mateo, zu Haus einen Spaten zu holen, um seinen Sohn einzuscharren. Er hatte nur wenige Schritte gemacht, als ihm Giuseppa entgegenlief, die der Schuß aufgeschreckt hatte. Was hast du getan?" schrie sie. ,, Gerechtigkeit geübt." Wo ist er?" In der Schlucht. Ich werde ihn gleich begraben. Er ist als Christ gestorben; ich lasse für ihn eine Messe singen. Mein Tochtermann Tiodoro Bianchi soll zu uns ins Haus ziehen." 000 Die Löwenbraut. Giuseppa umarmte ihr Kind und ging weinend in die Hütte. Dort warf sie sich vor dem Bilde der Mutter Gottes auf die Knie und betete inbrünstig. Unterdessen ging Falcone etwa 200 Schritte weit auf dem Pfade, bis er an eine fleine Schlucht fam. Er stieg in diese hinab, prüfte die Erde mit dem Gewehrkolben und fand sie weich und leicht zu umgraben. Der Ort schien ihm für sein Vorhaben geeignet. Fortunato, tritt an jenen großen Stein!" Liebstreichelt ihn sanft und weinet zugleich: mit dermyrte geschmückt und dem Brautgeschmeid Des Wärters Tochter, die rosige Maid, Tritt ein in den 3winger des Löwen; er liegt Der Herrin zu Füßen, vor der er sich schmiegt. Der Gewaltige, wild und unbändig zuvor, Schaut fromm und verständig zur Herrin empor, Die Jungfrau, 3art und wonnereich, 60 Für untere Kinder ,, Wir waren in Tagen, die nicht mehr sind, Gar treue Gespielen wie Kind und Kind, Und hatten uns lieb und hatten uns gern, Die Tage der Kindheit, sie liegen uns fern. " Du schütteltest machtvoll, eh' wir's geglaubt, Dein mähnenumwogtes, königlich Haupt; Ich wuchs heran; du siehst es, ich bin Das Kind nicht mehr mit kindischem Sinn. " ,, O, wär' ich das Kind noch und bliebe bei dir, Mein starkes, getreues, mein redliches Tier! Ich aber muß folgen, sie taten's mir an, Hinaus in die Fremde dem fremden Mann. " ,, Es fiel ihm ein, daß schön ich sei; Ich wurde gefreiet; es ist nun vorbei; Der Kranz im Haare, mein guter Gesell, Und nicht vor Tränen die Blicke mehr hell. Derstehst du mich ganz? Schaust grimmig dazu; Ich bin ja gefaßt, sei ruhig auch du! Dort seh' ich ihn kommen, dem folgen ich muß, So geb' ich denn, Freund, dir den letzten Kuß!" Und wie ihn die Lippe des Mädchens berührt, Da hat man den 3winger erzittern gespürt; Und wie er am Gitter den Jüngling erschaut, Erfaßt Entsetzen die bangende Braut. Er stellt an die Tür sich des 3wingers zur Wacht, Er schwinget den Schweif, er brüllet mit macht; Sie, flehend, gebietend und drohend, begehrt Hinaus; er im 3orn den Ausgang wehrt. Und draußen erhebt sich verworren Geschrei. Der Jüngling ruft:" Bringt Waffen herbei! Ich schieß ihn nieder, ich treff' ihn gut!" Auf brüllt der Gereizte, schäumend vor Wut. Die Unselige wagt's, sich der Tür zu nahn, Da fällt er, verwandelt, die Herrin an; Die schöne Gestalt, ein gräßlicher Raub, Liegt blutig, zerrissen, entstellt in dem Staub. Und wie er vergossen das teure Blut, Er legt sich zur Leiche mit finsterm Mut; Er liegt so versunken in Trauer und Schmerz, Bis tödlich die Kugel ihn trifft in das Herz. A. v. Chamisso. 000 Vom Zähmen wilder Tiere. Wie groß ist nicht die Menge der Tierarten, von denen man meinen möchte, daß der Mensch imstande wäre, sie zu zähmen und dann seinem Nutzen oder auch seinem Vergnügen dienstbar zu machen. Wie außerordentlich klein ist aber die Zahl derer, die der Mensch wirklich ge| zähmt und gleichsam zu seinen Hausgenossen gemacht hat. Dabei fällt noch etwas auf. Die Zeit, in der die erste Zähmung von Tieren zu Haustieren erfolgt ist, liegt weit, weit zurück, in der grauen Vergangenheit, von der uns noch keine geschriebene Geschichte erzählt. Nur die Erde selbst ist ein großes Buch, das uns Kunde von jener vorgeschichtlichen Vergangenheit gibt. Höhlen, Schlammablagerungen von Seen und Flüssen haben uns überreste des Lebens in jenen weit zurückliegenden Jahrtausenden aufbewahrt. Und so wissen wir, daß der Landwirt heutzutage kaum ein Tier züchtet, das der Mensch nicht schon gekannt und gezähmt hat, als er seine wenigen und ganz einfachen Waffen und Werkzeuge in der Hauptsache noch aus Stein herstellte. Seither hat der Mensch so ziemlich die ganze Erdoberfläche erforscht, und hat Tierarten über Tierarten kennen gelernt, er weiß, wie sie leben und sich vermehren, wie er sie füttern und halten müßte: und trotzdem ist bereits gesagt der Besiz des Menschen an Haustieren kaum gewachsen. Wie kommt das? so muß man fragen. Und die Antwort lautet: Es müssen wohl in der Natur der Menschen und in der Natur der Tiere Hindernisse liegen, die der Zähmung und Züchtung entgegen sind. wie Der Mensch der Urzeit war Jäger, noch ehe er gelernt hatte, sich Waffen anzufertigen, um Tiere zu erlegen; er war Jäger in der Zeit, wo er nach dem ersten besten starken Baumast oder einen Stein griff, um ein Tier zu töten, das ihn bedrohte oder das er zur Nahrung begehrte. Von den ältesten Zeiten an, selbst noch ein Halbtier, muß der Mensch also die Lebensgewohnheiten der wilden Tiere recht genau beobachtet haben. Nur wenn er das tat, konnte er vor Löwen, Bär und Wolf entfliehen, konnte er das flüchtige Renntier erlegen und einfangen, fonnte er Hunde, Ziegen, Rinder, Tauben und Hühner in seiner Hausgenossenschaft aufwachsen lassen. Nicht immer ist es leicht, eine Grenze zu ziehen zwischen den wirklich zahmen und gezüchteten Tieren und denen, die vollständig oder doch zum Teil in Gefangenschaft gezogen werden. Auf der Grenze zwischen den beiden stehen zum Beispiel die Rehe und Damhirsche, ebenso die Straußen, die der Federn wegen auf den Straußenfarmen gezüchtet werden. Was versteht man überhaupt unter einem zahmen Tier? Die Frage ist oft recht schwer zu beantworten. Es wird von einem Schmetterling erzählt, der einer Dame auf die Hand Für unsere Kinder 61 gegen andere Tiere oder auch gegen Menschen zu verteidigen. Er ist zum Sklaven geworden, der die Hand leckt, die ihn schlägt, weil seine eigentliche Natur aus ihm herausgezüchtet worden ist. Alle jungen Menschenaffen sind sanft und leicht zu zähmen. Der Gorilla ist nach den Berichten eines der wildesten Tiere, fest steht, daß er eines der stärksten und am besten bewaffneten Tiere ist. Wahrscheinlich ist niemals ein erwachsener Gorilla lebend gefangen worden. Wohl aber hat man junge Gorillas im Alter von einigen Monaten bis zu fünf und sechs Jahren gefangen und nach Europa gebracht. Mitchell hat fünf auf verschiedenen Altersstufen beobachtet. Sie waren alle außerordentlich sanft und zutraulich, schlossen rasch Freundschaft mit den Menschen und bekundeten eine erstaunliche Intelligenz. Leider ertragen die Gorillas das Klima Europas nicht und leben hier selten länger als ein paar Wochen. Wenn jemand in Westafrika junge Gorillas solange aufziehen wollte, bis sie an den Umgang mit Menschen und die Nahrung gewöhnt wären, die sie erhalten sollen, so würde sich gewiß herausstellen, daß sie an menschenartiger Intelligenz den anderen Affen so viel überlegen sind wie durch ihren Körperbau und ihre Größe. zu fliegen und dort Zucker zu saugen pflegte.| hat, um sich dadurch geschützt zu fühlen. Der Es gibt Leute, die sich Spinnen und Ameisen Hund darf und soll beißen, um seinen Herrn halten und behaupten, daß diese klugen Infetten ihre Beschützer und Freunde erkennten. Karpfen und andere Fische lernen es, zur Fütterung herbeizukommen. In Tiergärten und Tierparks kommen die meisten wilden Tiere bald dazu, einzelne Personen zu unterscheiden, sie gehorchen ihrem Wärter und kommen herbei, um ihre Nahrung entgegenzunehmen. Ein sehr guter Kenner und Freund der Tiere läßt aber all dieses noch nicht als Zahmheit gelten. Es ist das Mitchell, der Sekretär des berühmten Zoologischen Gartens in London. Dieser Gelehrte hat umfassende Studien getrieben und namenlich langjährige Beobachtungen an lebenden Tieren gemacht. Er sagt, daß zahm sein mehr heißt, als zur Fütterung herbeizukommen, und er macht darauf aufmert sam, daß viele zahme Tiere gerade dann am wenigsten Zahmheit zeigen, wenn sie fressen. Es ist eine große Ausnahme, daß man während des Fressens junge Raubtiere berühren darf, die sonst sehr zutraulich sind. Sogar ein recht gutmütiger Hund schnappt wohl gereizt zu, wenn man ihn bei seiner Mahlzeit stört. Das wirkliche Zeichen der Zahmheit besteht darin, daß das Tier nicht nur die Gesellschaft des Menschen duldet und die Vorstellung des Futterbekommens damit verbindet, sondern daß es ein gewisses Wohlgefallen an dieser Gesellschaft sowie Zuneigung zu dem Menschen zeigt. Was zahm ist, darf man sich aber auch nicht bloß nach dem vorstellen, was man an Haustieren erfährt. Diese sind viele Geschlechter hindurch in der Gefangenschaft gezüchtet worden. Tiere, die am wildesten und widerspenstigsten waren, wurden getötet oder freigelassen. So haben sich nur diejenigen fortgepflanzt und vermehrt, die sich verhältnismäßig leichter zähmen ließen, und ihre zahme Natur" hat sich auf die Nachkommen vererbt und ist noch weiter entwickelt worden. Ein Beispiel dafür ist der Hund. Der Mensch hat versucht, ein dienendes Geschöpf aus ihm zu züchten, und das ist ihm gelungen. Hunde vermehrten sich leicht in der Gefangenschaft, nnd seitdem der erste wilde Jäger sich junger wilder Hunde angenommen hat, haben die Menschen immer wieder die Hunde ausgemerzt, die ihre ursprüngliche wilde Natur und Selbständigkeit behielten und sich dem Willen ihrer Herren nicht fügten. So ist nur noch eine geringe Spur der ursprünglichen Wildheit in dem Hund, und auch die nur, weil der Mensch sie geduldet Besser geglückt sind schon die Versuche, Orang- Utangs in der Gefangenschaft aufzuziehen. In ihrer Heimat, den glutheißen Tropenwäldern des malaiischen Archipels, sind die erwachsenen Orang- Utang genau so mißtrauisch gegen die Menschen wie die Gorillas. Ihre starten Hände und Füße und die gewaltigen Kiefern machen sie zu gefährlichen Gegnern. Die jungen Tiere dagegen sind außerordentlich zutraulich und auch sehr gelehrig, so daß man ihnen leicht allerhand Kunststücke beibringen kann. Sie gewöhnen sich an das Tragen von Kleidern, nehmen ihre Mahlzeiten am Tisch sigend ein, bedienen sich beim Essen des Löffels, trinken aus Tassen usw. In ihren Bewegungen sind sie langsam und gemächlich, sie bekunden große Wachsamkeit und Aufmerksamkeit und lernen rasch, was der Pfleger ihnen beibringen will. Gegen unser Klima sind die Orang- Utang gar nicht so empfindlich wie die Gorillas, doch müssen sie mit großer Sorgfalt behandelt werden und gehen trotzdem so oft ein, daß kein Tier dieser Art längere Zeit erzogen werden konnte. 62 Für unsere Kinder auch Gott. Aber diesen Gott hab ich abgesagt, diesen Gott hab ich verschworen! O wie bereu ich!( Er sinft weinend vor dem Marienbild nieder.) Mephistopheles( berührt ihm die Schulter). Faust( erkennt thn und fährt schaudernd zurück). Du hier, Abscheulicher? Mephistopheles. Was ist Euch? Seid Ihr frant? Was soll das topfhängerische Wesen? In Mainz, dachte ich, sollte das lustige Leben erst recht angehen, und nun schleicht Ihr umher wie ein Duckmäuser. Ihr habt mich oft geplagt und in Schweiß gelegt, wenn ich die Straße vor Eurem Wagen pflastern, oder Euch Wege durch die Luft bauen mußte. Hab ich je gemurrt?- Aber jetzt beflag ich mich mit Recht; denn Ihr werdet langweilig, und Langeweile fann selbst der Teutel nicht vertragen. Bon allen Menschenaffen ertragen die Schim-| glauben? Muß ich nicht? Hab ich den Beweis pansen am ehesten das Leben in unseren Breiten. doch in Händen: Wenn ein Teufel ist, so ist So fommt es, daß wir ihr Wesen und ihre Fähigkeiten am besten beobachten fonnten. Die Schimpansen fallen durch ihre sehr große Erregbarkeit auf; gelegentlich bekommen sie geradezu franthafte Wutanfälle. Dann schreien und freischen sie laut und beißen selbst nach ihren besten Freunden. Die Schimpansen sind sehr träftig und fämpfen gleichzeitig mit 3äh nen, Händen und Füßen. So muß man annehmen, daß man nicht allzu fest auf ihre Zahmheit bauen dari, und daß die vorge führten dressierten Schimpansen gewiß oft geschlagen werden, um sie zum Gehorsam zu zwingen. Wie oft sind solchen Affen nicht Zähne ausgezogen oder abgebrochen! Schläge follte aber bei der Zähmung nicht angewandt werden. Von ihren gelegentlichen Wutanjällen abgesehen sind Schimpansen sehr zutraulich und gelehrig. Aber will man gute Schüler an ihnen haben, so muß man sie gut behandeln und darf sie nicht zu Kunststückchen zwingen wollen, wenn sie selbst teine Lust zu solchen haben. Sogar nach langer Trennung erkennen die Schimpansen ihre Freunde wieder und bekunden große Erregung und Freude über das Wiedersehen. Sie lernen radfahren, am Trapez turnen, sich an und auskleiden, Türen öffnen und schließen, ihren Käfig ausfegen, Gabel und Löffel, Tassen und Gläser gebrauchen usw. ( Fortsegung folgt.) 000 Doktor Johann Faust, der weitbeschriene Zauberer und Schwarzkünstler. Puppenspiel in drei Aufzügen.( Schluß.) Dritter Aufzug. Straße in Mainz. Rechts ein großes Haus mit etnem Muttergottesvild, lints das Häuschen, in dem Rafperle wohnt. Faust( allein): Zwölf Jahre sind vergangen, die ganze Welt hab ich durchstreift und doch teine Freude, feinen Genuß! Wenn ich meinte. es wäre Gold, so war es Häckerling. Dab ich für solchen leeren Schein die ewige Seligkeit vericherzt, so war ich ein Tor, ein ratender Tor. In der Fremde hielt ich's nicht aus, das Heimweh zog mich zurück, und nun ist mir im Vaterland alles, was ich sehe, ein nagen der Vorwurf. Wie glücklich war ich hier, als ich ein Kind war, als ich noch glauben, noch beien konnte! Und warum tann ich nicht mehr beten? Weil ich nicht glauben tann. Nicht| Faust. Laß mich beten. Störe mich nicht! Mephistopheles. Ich will Euch aber stören. Faust. Was willst du damit sagen? Mephistopheles. Deine Zeit ist um! Noch wenige Stunden hast du zu leben. Um Mitternacht bist du mein. Fauft. Was sagst du? Bleiben mir nicht noch zwölf Jahre? Bierundzwanzig Jahre solltest du mir dienen, das Jahr zu dreihundertfünfund sechzig Tagen gerechnet. Mephistopheles. Hab ich dir nicht auch die Nächte gedient, und du willst nur die Tage rechnen? Hahahaha, armer Schlucker! So wenig kanntest du die Liſt der Hölle und ließest dich in einen Paft mit ihr ein? In zwölf Jahren hab ich mein Versprechen gelöst, dir vierundzwanzig Jahre zu dienen. Um Mitternacht läuft unser Vertrag ab. Dies zur Nachricht.( Er verschwindet.) Faust( allein). Elender Advokatenkniff! Aber wenn es wahr wäre!? Wenn diese höllische Deutung zu Recht bestünde!( Es schlägt neun Uhr.) Dumpfe Stimme von oben. Fauste! Fauste! Praepara te ad mortem! Faust( stürzt händeringend ab.) Kasperle( als Nachtwächter mit Mantel, Stab und Laterne tritt aus der Hütte, zündet die Laterne an und fingt): Guten Morgen, liebes Lieserl, Ach leih mir dein Latern. 3' ischt ja so finster, Und scheint nit ein Schtern. Ja so, ich hab was anders zu fingen: Hört, ihr Herrn, und laßt euch sagen, Der Klock hat neuni geschlagen. Neun ist der Klock! Neun ist der Klock! Für unsere Kinder ' s ist aber schon e bisserl lang her. Aber was tut's? Ihr könnt desto länger beim Schöppli sitzen. Bewahrt das Feuer und das Licht, Daß der Stadt kein Schade geschicht! ( Er geht wetter, man hört ihn in der Ferne feinen Gesang wiederholen.) Faust( tritt auf): Praepara te ad mortem! rief es dumpf von oben. Das heißt: Bereite dich zum Tode! Vielleicht hab ich mir's auch nur eingebildet. Das sind die Schrecken des Gewissens. Wie lange foltern die mich schon!( Die Uhr beginnt zu schlagen, Fauft zählt die Schläge.) Zehn Uhr. Eine Stunde voller Qual und doch so schnell vergangen. Dumpfe Stimme von oben. Fauste, Fauste, accusatus es!* Faust. Weh, weh! Ich bin angeklagt? So war es keine Einbildung, was ich hörte. Was soll ich tun, wohin soll ich flüchten? Accusatus es! Quid sum miser tunc dicturus, Quem patronum rogaturus?** Ist denn keine Gnade? Dumpfe Stimme von oben. Gott verschworen, ewig verloren! Faust( sintt ohnmächtig nieber). Kasperle( tommt aus dem Haus und singt laut): Hört, ihr Herrn, und laßt euch sagen, Der Kiod hat zehni geschlagen. Wenn ich nur wüßt, wie's heißen müßt: das Klock oder der Klock. Ich mein: der Klock. Sie wollen zwar sagen: die Klock; aber das kann ich nit glauben. Bewahrt das Feuer und das Licht, Damit der Stadt fein Schade geschicht. Zehn ist der Klock! Zehn ist der Klock! ( Er strauchelt über Faust, der noch immer ohnmächtig ant Boden liegt.) Wer liegt denn da im Wege? Der ist knippeldick! Steh auf, Freund, hopp, steh auf!( Faust erhebt sich.) Kasperle. Na, wie ist mir denn? Ist das nit mein alter Herr, der des Teufels ist? Guckt der jetzt so gern ins Gläsle? Muß ihn doch anreden. Kennt Ihr mich nit, Herr? Faust. Nem. Kasperle( für sich). Ich merk's schon. Das sind Flausen. Er will mich nit kennen, weil er mir den Lohn noch schuldig ist.( Laut): Ihr wollt mich nit kennen, Herr? * Du bist angeflagt! ** Was werde ich Unglücklicher sagen, Welchen Schutzherrn anflehen? Faust. Wer seid Ihr denn? 63 Kasperle. Ei, der Kasperle bin ich, merkt Ihr's denn nit? Dem Jhr noch sechsunddreißig Groschen Lohn und zwanzig Goldgülden Trinkgeld schuldig seid. Hab's meiner Seel fauer genug verdient; denn mir ist himmelangst gewest bei den Rattenschwänzen und Jpekrägern von Teufeln und bei der halsbrechenden Fahrt auf dem höllischen Sperling nach dem Mafronenland. Und da habt Ihr mich gar sizzen lassen und seid mit dem Orangutang davon geflogen nach Stambul. Und eh ich wieder heim fam, hat's noch Heulen und Zähnklappern gefeßt. Faust. Heulen und Zähnklappern? Weh mir! Kasperle. Ich dachte nit, daß ich Euch noch wiederfände, ich meint, der Teufel hätt Euch längst den Hals gebrochen. Hab aber das Geld noch nicht hintern Schornstein geschrieben. Hätt's oft brauchen können, sonderlich das Trinkgeld. Nun sollt Ihr mir's bei Heller und Pfennig bezahlen und die Zinsen dazu. Faust. Geld? Hör, Kasperle, Geld hab ich nicht. Aber die Knöpfe an meinem Rock find dreimal soviel wert als deine Forderung. Laßt uns die Kleider tauschen, so bist du bezahlt. ( Für sich): Es ist mein erster Betrug, aber das Messer sitt mir an der Kehle. Kasperle. Ei, seht doch! Wie ist er so gescheit! Aber Kasperle ist auch nit auf den Kopf gefallen. Nit für tausend Reichstaler möcht ich in Eurer Haut stecken. Da könnt ich in Teufels Küche geraten, wenn sie den Unrechten erwischten. Ich will machen, daß ich davontomme. Der Teufel macht nit viel Federlesens. ( Läuft ins Haus zurück.) Faust( allein). Der letzte Anker riß. Kein Entrinnen möglich. Ich bin angeklagt! Kann ich nicht freigesprochen werden?( Dte Turmuhr schlägt elf.) Elf Uhr. Dumpfe Stimme von oben. Fauste! Fauste! Judicatus es!* Faust. Weh mir, weh! Die Hölle ist mein Erbteil! Ich bin verdammt. Noch eine Stunde und das schrecklichste Gericht ergeht.- Aber ist diese Qual, die mich jetzt foltert, nicht taufendmal schrecklicher als alle Martern der Hölle? Ich muß Gewißheit haben. Mephiſtopheles! Mephistopheles( erscheint). Was willst du wissen? Fauft. Ich leide hier schon schrecklich. Kann's in der Hölle schlimmer sein? * Du bist gerichtet. 64 Für unsere Kinder Mephistopheles. Du wirst es früh genug erfahren. Doch weil du's zu wissen begehrst, so höre: Die Qual der Verdammten ist so groß, daß die armen Seelen eine Leiter von scharfgeschliffenen Schermessern zum Himmel hinauf steigen würden, wenn sie noch Hoffnung hätten. ( Fauft bedeckt die Augen mit der Hand und stürzt ab. Man hört 8ant und Lärm in der Hütte Kasperles. Die blaue Tür fliegt auf, Kasperles Frau jagt Kasperle mit dem Besenstiel hinaus.) Kasperle( singt): Hört, ihr Herrn, und laßt euch sagen, Meine Frau hat mich geschlagen. Folgt meinem Rat, nehmt feini nicht, Daß euch nit wie mir geschicht. Elf ist der Klock, elf ist der Klock. ( Geht die Straße weiter, in der Ferne hört man ihn seinen Gesang wiederholen.) Faust( tritt auf). Du bist gerichtet." Gerichtet - das heißt verurteilt. Doch zu welcher Strafe? Wie, wenn es nur zum Fegfeuer wäre? Schreck liche Hoffnung, doch eine Hoffnung.( Die Turmuhr schlägt Mitternacht.) Dumpfe Stimme von oben. Fauste! Fauste! In aeternum damnatus es!* Fauft. Ich bin vernichtet! Auf ewig vernichtet. Ich bin verdammt von wegen meiner Sünden, Ich höre Straf und Tod ja die Sentenz an fünden. Wohlan, so kommet her, ihr Furien der Höll, Und führet mit euch fort die längst verworfene Seel. Berreißt, zerfleischt den Leib, zerquetschet alle Glieder, Werft den verfluchten Leib in Lüften auf und nieder. Führt ihn einmal empor durch grause Klüfte fort, Damit er bald gelang an der Verdammten Ort; Ja ja, er eilt, er kommt, er rast mit großem Brüllen, Um seine Höllenwut in meinem Blut zu stillen. Verloren bin ich nun, das ist der Sünde G'winn; Weh meiner armen Seel, sie ist auf ewig hin! ( Die Hölle öffnet sich. Feuerwerk geht an.) Brecht, Himmel; Sterne, fracht; spritzt schwefelblaue Flammen, Ihr Lichter jener Welt; ihr Berge, fallt zu fammen Und werft den ganzen Grund der harten Erde ein! Oweh! Ich sinke schon und fühl der Hölle Bein. ( Er sinft zusammen. Eine Menge Teufel erscheint und führt ihn unter Feuerregen von dannen.) * Du bist in alle Ewigkeit verdammt. Kasperle( erscheint an seiner Haustür). Was hat's denn hier gesezt? Puh, wie das stinkt! Das hat meinem alten Herrn gegolten! Hab mir gleich eingebild't, daß es so kommen müßt. ' s ist mir aber doch leid, daß ich's nit ein bisser! voraus gewußt hab. Hätt ihm- gern noch einen Gruß an meine Großmutter aufgetragen. Hört, ihr Herrn, ich mein's nur gut, Seid vor dem Teufel auf der Hut! Er hält nicht, was er euch verspricht, Bis er euch gar den Hals zerbricht. Zwölf ist der Klock, zwölf ist der Klock. ( Der Vorhang fällt.) 000 Der Hahnenbalken. Es war einmal ein Zauberer, der stand mitten in einer großen Menge Volfes und vollbrachte seine Wunderdinge. Da ließ er auch einen Hahn einherschreiten, der hob einen schweren Balken und trug ihn, als wäre er federleicht. Nun war aber ein Mädchen, das hatte eben ein vierblättriges Kleeblatt gefunden und war dadurch klug geworden, so daß kein Blendwerk vor ihm bestehen konnte, und sah, daß der Balken nichts war als ein Strohhalm. Da rief es:„ Ihr Leute, seht ihr nicht, das ist ein bloßer Strohhalm und kein Balken, was der Hahn da trägt." Alsbald verschwand der Zauber, und die Leute sahen, was es war, und jagten den Herenmeister mit Schimpf und Schande fort. Er aber, voll innerlichen Zornes, sprach:" Ich will mich schon rächen." Nach einiger Zeit hielt das Mädchen Hochzeit, war geputzt und ging in einem großen Zug über das Feld nach dem Orte, wo die Kirche stand. Auf einmal tamen sie an einen stark angeschwollenen Bach, und war keine Brücke und fein Steg, darüberzugehen. Da war die Braut flint, hob ihre Kleider auf und wollte durchwaten. Wie sie nun eben im Wasser so steht, ruft ein Mann, und das war der Zauberer, neben ihr ganz spöttisch:„ Gi, wo hast du deine Augen, daß du das für ein Wasser hältst?" Da gingen ihr die Augen auf, und sie sah, in einem blaublühenden Flachsfeld stand. Da daß sie mit ihren aufgehobenen Kleidern mitten sahen es die Leute auch allesamt und jagten sie mit Schimpf und Schande und Gelächter fort. Brüder Grimm. Berantwortlich für die Redaktion: Frau Klara Bettin( Bundel), Wilhelmshöhe, Post Degerloch bei Stuttgart. Druck u.Berlag J.H.W.Diez Nachf. G.m.b.s. Stuttgart.