Nr. 279. Ablnmements-Kedingunzen: Abonnements- Preis pränumerando! «ierteliährl. S,S0 Mb, monatl. 1,10 SBH., wöchentlich 28 Pfg. frei WS HauS. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags- Nummer mit tllustrirter Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: SLO Mark pro Quartal. Eingetragen in der Post-Zeitung«- Preisliste für 1897 unter Er. 7437. Unter streuzband für Teutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für dai übrige Ausland 3 Mark pro Monat. 14. Jahrg. Die Inserttons-Gebiiifr beträgt für die sechsgespaltene ktolonel- »eile oder deren Raum 40 Psg., für BereinS- und VersammlungS-Anzetgen, sowie Arbeitsmarkt 20 Pfg. Inserate für dt- nächste Nummer müssen btS 4 Uhr nachmittag« in der Erpedltton abgegeben werden. Tie Expedition ist an Wochentagen bi» 7 Uhr abend«, an Sonn- und Festtagen bis o Uhr vorintltag» geöffnet. Erscheint täglich außer»onkag«. Derliner VulKsblslk. Fernsprecher: Amt I, Ar. 1508. Telegramm- Adresse: „SoziatdemoKrat Serltu". Dentrawrgan der sozialdemokratischen Uartei Deutschlands. AbSNeiUIlts-EWllilllllg. Am 1. Dezember eröffnen wir ein neues Abomiemeut auf den VorntÄvks mit der illustrirten Sonntags-Beilage „Die neue Welt". In der ».Mnkevhaltungs-'VeilÄüv" wird „Der Roman einer Verschwörung" von A. R a n c in den nächsten Tagen zu Ende geführt werden. An das Werk Ranc's wird sich eine größere Erzählung K o l o m a n M i k s z ä t h' s „Der Zanberkaftan" anschließen, in der Humor und Ernst gleichmäßig zu ihrem Rechte kommen.— Der Reichstag wird heute zusammentreten. Marine- vorläge irnd Militär-Strafprozeß-Ordnung werden die öffent- liche Diskussion beherrschen. Große politische Ereignisse bereiten sich auch sonst vor. Der„Vorwärts" wird dabei nicht blos seinen Leserkreis stets auf dem Laufenden halten, er wird auch allezeit ein furchtloser Führer sein und unerschrocken die Wahrheit aussprechen. Daß der„Vorwärts" über den Wcltaugelegenheiten und den deutschen Angelegenheiten auch die Berliner Angelegen» heiten nicht vergißt, das haben wir nicht uöthig denen zu sagen, die den„Vorwärts" lesen. Ter„Vorwärts" ist bemüht, über das gesammte geistige und öffentliche Leben der Reichshanptstadt seine Leser aufs rascheste und genaueste zu insormiren. Und wir haben darum ein Recht, von asten, die unser Streben bistigcn, und namentlich von den Parteigenossen es als Pflicht zu verlangen, daß sie für die weite st e Verbreitung des„Vorwärts" thätig sind. Für Berlin nehmen sämmtliche Zeitnngsspediteure sowie unsere Expedition, Benthstr. S, Bestellungen entgegen zum monatlichen Preise von I Mlark lO Pfennige» frei ins Hans. Für außerhalb nehmen sämmtliche Postanstalteu Abonne- meuts zum Preise von M. für den Monat Dezeneber entgegen.(Eingetragen ist der„Vorwärts" in der Post- Zeitnngsliste für 1897 unter Nummer 7437.) Nedaktioll u. Expeditioli des„Vorwärts". Die Seit März dieses Jahres wurde das deutsche Volk ob der uferlose» Flottenpläne in stets steigender Spannung und Be- unruhignug gehalten. Acht volle Monate hindurch wogte die Agitation für und gegen die Flottenvermehrung in der Presse und in Vcrsammlnngen hin und her. Geschäftig sahen wir den vcrantivortlichcn Leiter des Reichs» Marineamtes an der Ausstellung seines gewichtigen Planes: eifrig„in- formirle" sein Preßbureau die öffentliche Meinung, da und dort sickerte in die offiziösen Papierplantagen ein Stückchen des erivarteten Entwurfes durch und verstärkte mit frischem Luftzug die eben erlahmende Beunruhigung; endlich reiste der Chef selbst an die Höfe und Ministerien der verbündeten Staaten, um dort sich der Zustimmung seines Planes zu ver» sichern. Aber noch war die dramatische Steigerung des Vorspieles nicht auf die nöthige Höhe geschraubt; das Publikum war noch nicht aufnahmefähig für die Pläne des Herrn Tirpitz: Zwischenfälle und Konflikte mit aus- wärtigen Mächten änderten im Handumdrehen die ruhige, friedliche Situation; die Nothweudigkeit einer starken Angriffs- flotte trat mit lebendiger Anschaulichkeit vor die Augen der Zuschauer. Und da war denn endlich der Moment gekommen, auch dem Volke die Marinevorlage zu entHüsten. Schwarz auf weiß hat sie der„Reichs-Nnzeiger" veröffentlicht. Der parla- meutarische Kampf um sie steht unmittelbar bevor. Die bisherigen Erörterungen in der Presse, und die koniniende parlamentarische Behandlung der Vorlage haben tbeiliveise schon eingehend, thcils werden sie nach allen Richtungen hin die Kritik der Vorlage im allgemeinen wie in allen Details mit solcher Gründlichkeit führen, daß wir uns damit begnügen können, unsere prinzipielle Stellung zn Cchiffsfordernngcn überhaupt wie insbesondere zu der in Rede stehenden Vorlage kurz zusammenzufassen. Obwohl wir wiederholt die Ansicht ausgesprochen haben, daß wir inmitten bewaffneter Feinde nicht ungerüstet sein und bleiben können, so verlangen wir doch der Unterstützung auch einer Politik, welche lediglich uneingeschränkt und ehrlich der Vatcrlandsvcrtheidigung gilt, zwei Voraussetzungen, ohne deren Ersüllnng eine Partei wie die sozialdemokratische unmöglich im stände ist, für Heeres- und Flottenfordernngen einzutreten, Voraussetzungen, deren Erfüllung allerdings im kapitalistischen Staate unmöglich ist. Erstens hat die Regierung als Beauftragte des Volks konform mit dem Willen ihrer Auftraggeber die Geschäfte zu führen und nicht den eigenen Willen oder den eines Monarchen über den Willen eines Volkes zu stellen. Solange der Kampf zwischen den beiden Faktoren des konstitutionellen Systems, zwischen Monarch und Volk, noch nicht endgiltig entschieden ist, wird die Sozialdemokratie nie so kurzsichtig sein, den politischen Gegner, denn das ist in diesem Stadium die Regierung, die staatliche Macht, mit neuen Mitteln der Gewalt zu versehen. Militär und Marine sind in der Hand der heutigen Macht- haber nicht nur Waffen gegen den auswärtige» Feind, sondern richten sie sich auch gegen das Volk selbst, gegen jede freiere Ausgestaltung des inneren politischen Lebens. Eine zweite Voraussetzung zur Unterstützung einer Politik, die auf Vermehrung der Wehrmacht des Landes abzielt, bildet für die sozialdemokratische Partei die sichere Gewähr, daß die Regierung die Wehrkraft nicht in den D i e n st der Aggressive stellt, sondern nur die Vertheidigung des Vaterlandes bezweckt. Ja noch mehr, als Sozialisten arbeiten ivir ans einen politischen Zustand hin, in dem die Streitigkeiten der Völker unter einander möglichst durch internationale Schiedsgerichte geschlichtet werden sollen. Nur mit einer Re- gierung, die initiativ auf einen solchen Zustand hinarbeitet, würden wir, unter Berücksichtigung der ersten Voraussetzung, über die Mittel zur Landesvertheidigung diskutircn können.— Von diesen Grundsätzen ausgehend kommen wir ohne weiteres zu einer Verwerfung der vorliegenden Marinevorlage. Wir werden einer Regierung wie der heutigen, deren reaktionäre Absichten klar zn tage liegen, deren innerster Trieb auf unsere Vernichtung hinarbeitet, in keiner Weise neue Macht mittel in die Hand geben. Das vo» uns zu verlangen, hieße zum Selbstmord auffordern. Wir werden es aber erst recht nicht thun, da wir wissen, daß durch eine Bewilligung dieser Vorlage eine Schlachtflotte geschaffen werden soll, die nicht der Vertheidigung, sondern dem Angriff zn dienen hat. Und hier liegt die besondere Gefahr der jetzt vorliegenden Marinevorlage. Bisher ging das Bestreben der deutschen Marineverwaltung in erster Linie dahin, die deutschen Küsten zu schützen; sie wollte eine reine Defensivflotte. Der neue Flotten plan begehrt eine eigentliche Schlachtflotte. Ganz abgeseheuvon den immensen Kosten, deren ein solcher Plan zu seiner Verwirklichung bedarf, bedeutet eine Schlachtflotte für Deutschland eine totale Umstülpung der auswärtigen Politik des Reiches. An stelle einer ruhigen politischen Entivickelnng im Innern des Landes sind wir allen Wechselsällen der internationalen Politik mit allen Verwickelungen, Gefahren, Konflikten und Kriegen aus- gesetzt. Ein ganz neues Prinzip tritt im Keime in unsere politische Geschichte ein: das ist d e r T r i e b der Macht- e r w e i t e r n n g, der Expansion. Denn treibt Deutsch- land nun einmal„Weltpolitik" in diesem kriegerischen Sinne, so muß es zum mindesten so stark werden, um seinen Nebenbuhlern, England, Rußland, Frankreich, den Vereinigten Staaten auch zn Wasser gewachsen zu sein. Die Annahme der Flottenvorlage bedeutet nichts weniger als den Beginn der Einmischnngspolitik in alle überseeischen Händel. Und ist damit erst der Anfang gemacht, geben wir der deutschen Regierung durch eine starke Flotte die Macht und das Recht, sich in fremde Händel einzumischen, überall dabei zu sein, dann hat das deutsche Volk auch unweigerlich die Kon- seqnenzen des ersten Schrittes zu ziehe». Dann giebt es kein feiges Zurück mehr; dann treibt die innere Logik mit Nothweudigkeit zur Schaffung nicht nur einer immer größeren Kriegsflotte, sondern zu einer offenen Er- oberungspolitik, durch die wir das„größere Deutschland" bc- gründen. Ein„größeres Deutschland"— darum handelt es sich bei der Entscheidung über die Tirpitz'sche Vorlage. Man erinnere sich, daß der Kaiser selbst die Gedanken des größeren Deutschlands durch eine Rede in die Oeffentlichkeit geworfen hat. Diesen Gedanken zu verwirklichen, dazu allein brauchen wir eine Schlachtflotte. Das d e u t s ch e V o l k aber hat kein Interesse an einer solch gearteten Wellpolitik. Sie würde ungeahnte Opfer an Gut und Blut erfordern; sie würde dabei noch nicht einmal der wirthschaftlichen Entwickelung Teutschlands zu gute kommen; sie würde vielmehr zu noch verhängnißvolleren Mißerfolgen führen, wie die deutsche Kolonialpolitik. Die Wahrscheinlichkeit also, ja, wir möchten sagen, die Ge- wißheit, mit der die auswärtige deutsche Politik nach Annahme der Marinevorlage in Bahnen einlenken würde, von denen weder Ziel noch Zweck noch Kosten abzusehen sind, die Gefahren einer Abcnteurerpolitik im großen Stile sind es, die uns der Tirpitz-Vorlage gegenüber noch zu ganz besonders energischen Gegnern machen. Es stehen nicht etwa nur die Summen für Schiffsfordcrungen auf dem Spiel, über die jetzt zu entscheiden ist; es handelt sich vielmehr um die Bewilligung des Werk- zeuges für eine ziellose Weltpolitik. Deutschland am Scheidewege! Die Annahme der Flottenvorlage bedeutet das Betreten eines unabsehbaren und nicht wieder rückgängig zu machenden Irrweges. Die A b- l e h» n n g eröffnet die Möglichkeit einer künstigen ans- wärtigen Politik, die von wirthschaftlichen und sozialpolitischen Gesichtspunkten geleitet wird! Vev Skurz DAdvni*s. Viele Ministerien sind in Oesterreich gestürzt worden seit dem denkwürdigen 13. März 1348. Minister mußten zurück- treten, weil sie sich unfähig gezeigt haben, weil die Krone ihre Politik ändern ivollte, auch weil das Parlament, beziehentlich Neuwahlen Ministerwcchsel erzwangen. Der Graf Badem theilt mit dem Fürsten Metternich das Schicksal, daß er wie jener im Genüsse des uneingeschränkten Willens des Monarchen dem deutlich und energisch kundgegebenen Unwillen des Volkes weichen mußte. Aber nicht nur in diesem Ergebnisse, auch in der äußeren Physiognomie gleicht der 23. November 1897 dem ruhmvollen 13. März 1848. Das Proletariat auf der Straße, seinen Unwillen mit der Politik der Regierung energisch und muth- voll kundgebend, deutlich seinen Willen demonstrirend, die Studentenschaft mit den Arbeitern fraternisirend, die Bürger- schaft für einen Augenblick aufgerüttelt, vom Strome mit- gerissen, für einen Tag, einen kurzen Tag die Bevölkerung der Reichshanptstadt von einem Willen erfüllt, von einem Gedanken gespornt, in eine m Geiste denkend, alles— von Polizei und Soldaten abgesehen— erfüllt von dem Gedanken, die Regierung zu stürzen. Und wie am Morgen des 13. März 1848 sich Fürst Metternich der vollsten Gunst des Monarchen und un- geheurer Biachtfülle erfreute, so am Morgen des 28. November 1897 der Graf Casimir Badeni. Am gestrigen Morgen richtete der Kaiser an den ver- fassungsbrechcrischen Diinisterpräsidenten ein Handschreiben, durch das der Reichsrath verlagt wurde, was allseits und mit recht dahin ausgelegt wurde, daß die Vorgänge im Ab« geordnetenhause die Gesetzwidrigkeiten, die Polizeiskandalosa, die Vernichtung der Immunität, all' die fürchterlichen Ereignisse der letzten Tage das Vertrauen des Monarchen zu seinem Badeni nicht im mindesten erschüttert haben, daß er lieber das Parlament zerstören lasse, als aus den Diener zu verzichten.. Am Nachmittage war aber Badeni und sein Ministerium ent- lassen. Die Arbeiter Wiens hatten auf den Straßen der Stadt� unzweideutig ihre Meinung kundgethan, sie hatten die ganze Bevölkerung bis zu den Spießbürgern mit sich gerissen, sie hatten so laut ihre Stimme erHobe», daß die Säle der Hofburg davon erzitterten. Man wußte in dem alten Schlosse der Habs- burger, was es galt; der Monarch, der durch die Ereigniffe der Revolution vom Jahre 1843 auf den Thron gekommen war, er wollte es nicht in seinem 50. Äegierungsjahre aus eine Wiederholung der seinen Regierungsantritt kennzeichnenden Er- eignisse ankommen lassen. Aengstlich wurden die Thore der Hofburg, durch die eine der wichtigsten Verkehrsadern der Riesenstadt an der Donmi geht, geschlossen. Biit der größten Besorgniß wurden in den Gemächern des Kaisers die Nach- richten von den Massenansammlungen in der Stadt, von der Einmüthigkeit der Bevölkerung, von der revolutionären Erregung, von den Zusammenstößen mit dem Militär aufgenommen. Und zn den Nachrichten aus Wien kamen für die Krone ebenso besorgnißerregende ans den großen Städten des ganzen Reiches. Da sah der Monarch ein, daß es sich bald um mehr als nur um das Ministerium Badeni handeln könne, er entschloß sich das zu thnn, was er dreizehnmal dem durch die Obstruktion eingeschüchterten Badeni abgelehnt hatte. Er veranlaßte das Ministerium, deni er vor wenigen Sluiidcn ein Zeichen seines anscheinend unerschüttcr- baren Vertrauens gegeben hatte, zurückzutreten. Noch machte er den Versuch, durch ein Ministerium aus Generälen zu imponire», aber der Feldzcugmeister und bisherige Landes- vertheidignngsminister Graf Welserheimb lehnte wohl gerade mit Rücksicht ans die unzweideutige Volksstimmnng diesen Antrag ab und ver bisherige Unterrichtsminister G a u t s ch übernahm die Bildung eines neuen Kabinets. Erst als das österreichische Amtsblatt, die„Wiener Zeitung", in einer in unzähligen Exemplaren amtlich verbreiteten Extra- Ausgabe den Rücktritt des Kabinets offiziell mittheilte, beruhigte sich das Volk in Wien und in den anderen aufgeregten Städten des Landes. Unser Wiener Korrespondent sendet uns über die hochbedeutsamen Vorgänge in Oesterreich die folgende Depesche: Der Sturz de? Ministerpräsidenten Grafen Badeni wird vo» allen Seite» dem energischen Eingreifen der Sozialdemokraten zu- geschrieben. Man ist deS Lobes voll über die bewunderungswürdige Disziplin der Arbeiterschaft bei den Vorgängen am Sonntag. Und blvS der strengen ManneSzucht. die unsere Parteigenossen üben, ist es zu verdanken, daß die Zahl der Opfer verhältnißmäßig so gering geblieben ist. Die Vorgänge ans den Straßen der österreichische» Hauptstadt lassen sich, kurz gesaßt, folgendermaßen schildern: Um 12 Uhr fand der Abzug der Arbeiter statt, um 1 Uhr der Abzug der Husaren und um 2 Uhr der Abzug Badeni's. 50 000 bis 60 000 Arbeiter, dann die Studentenschast und zahlreiche Bürger poftirten sich trotz des sehr schlechten Wetters ans der breiten Ningstraße. Vorher ivaren die Arbeiter in neun inassenhaft besuchten Versannnluiigt» zusammengetreten. Sieden von diesen Versammlungen wurden wegen der Schärfe der Angriffe ans den zn jener Stunde nach aktiven Ministerpräsidenten Badeni aufgelöst, die zwei übrigen konnten nur durch außerordentliches Geschick der Versaminlungs» leiter vor der Auflösung beivahrt werden. Die Erbitterung ivar hochgradig, sie wuchs von Viertelstunde zu Viertelstunde, ja von Minute zu Minute. Die Woche hatte die HauptzugÄng« aus den Aotstiidlcii zur Ringstraße gesperrt, aber auf Nebenstraßen er- reichte um 11 Uhr vormittags das Gros der Arbeiter- schafl die Ringstraße, diese iveltberühmte Prunkstraße. die in ihrer kolossalen Ausdehnung, in ihrer großen Breite. in ihrer Umsäninung mit den herrlichsten Paläste», so u. a. dem Parlameutsgebäude, der Hofburg, der Universtlät, der Börse, wie geschaffen zu großen Volksdemonstralionen ist. Taufende Studenten begrüßten jubelnd die heranziehenden Arbeiterschaaren. Eine einzige groß» Mass« staute sich aus dem ungeheuer weiten Platze, der vom Rathhause, dem Parlamente, der Universität und einigen privaten Paläste» begrenzt ist. Am Anfang» der Demonstration verhielten sich die Polizei- Mannschaften vernünftig, sie beschränkten sich darauf, die Fahrstraße freizuhalten, was ohne jede Schwierigkeit gelang. Das Parlament war von Polizisten eng umzingelt. Die Massen sangen daS Lied der Arbeit und riefen: Nieder mit Baden!! Nieder niit Falkenhayn> Nieder mit Abrahamowicz! Als der Präsident des Abgeordneten- Hauses in größter Narriöre am Parlamentsgebände vorbeifuhr, wurde er von den Demoustranten erkannt, mit auf ihn passenden Zurufen begrüßt, sei» Wagen mit 5kolh und Steinen beworfen. Um die Mittagszeit wurde unter den Demoustranten die Parole ausgegeben:„Im ausgelösten Zuge nach Hause!" Als man sich eben anschickte, dieser Ordre zu folgen, sprengten die Naiscr Wilhelm- Husaren durch die Stadiongasse vor daS Parlament. Für de» Augenblick entstand eine fluchtartige Bewegung. Dadurch wurde die Wache muthiger, sie sprengte mit gezogenem Säbel in die Masse». Vier Schwerverletzte sind das Opfer dieser durch nichts gerechtfertigten Polizei-Altake, die nach 10 Minuten infolge höheren Auftrages eingestellt wurde. Die dicht wie eine Mauer stehende Menge empfing das Militär mit Entrüstungsrufe». Während sich diese Szenen abspielte», demonstrirten 3000 Arbeiter, Studenten und Bürger vor dem Landesgerichte für die Freilassung deS unter flagranter Verletzung des parlamen- tarischen Jmmnnilätsrechtes inhnftirten Reichsraths-Abgeordneten Wolf. Tausendstimmig erschallen die Rufe: Wolf heraus! Badeni hinein! Auch hier fand eine Polizeialtake statt, bei der sieben Polizisten von ihren Pferden stürzten. In der rücksichtslosesten Weise suchte die Polizei den breite» Straßenzng vor dem Landes- gerichtc zu säubern. Die Empörung über das Vorgehen der Polizei war allgemein. Die Husaren, welche die Ringstraße durch langsames Reiten„säuberten", zogen um'/«L Uhr nachnuttagS ab. Als am Nachmittag die Nachricht von dem Rücktritte Badeni'S bekannt wurde, verwandelte sich die aufs höchste gesteigerte Erbitterung in hellen, freudigen Jubel. Die Polizei- wachtleute„übertraten" selbst daS in Oesterreich so überaus strenge Verbot der Kolportage von Druckschriften(Z 23 des PreßgesetzcS) und vertheilten in Massen an jedermann einen in de» ersten Nach- Mittagsstunden gedrucktes Extrablatt deS österreichischen Amtsblattes, der„Wiener Zeitung", das die Entlassung des Ministeriums Badeni mittheille. An alle Eisenbahnstalione» war dieses Er- eigniß amtlich mit dem Auftrage, es möglichst rasch und i» die weitesten Kreise zu verbreiten, telegraphirt worden. In alle Kaffehänser und Wirthschaflen brachten, selbstverständlich in höherem Auftrage, uniformirt« Polizisten diese Meldung. Um V26 Uhr abendS wollten einige Hunderte, die mittags demonstrirt hatte», dem entlassenen Grafen Casimir Badeni ein Frcnd-nständchen bringen. Auf dem Platze„Am Hof" kam es dabei zu einem kleinen Zusammenstoße. Um 9 Uhr abends wurde der Reichsraths-Abgeoldnete Wolf auf freie» Fuß gesetzt, welche Nachricht mit Befriedigung allgemein aufgenommen wurde; heute wurden dann alle anderen wegen der Demonstrationen in Untersuchungshaft genommenen Arbeiter und Studenten freigelassen. Auch die Universität, welche geschlossen worden war, wurde heute den Studenten wieder freigegeben. Auch in de» Kronländern fanden gestern fast überall kolossale Demonstrationen statt. Besonders ernst waren sie in Graz, wo am Eonnabend schon von den bosniakischen Soldaten zwei Arbeiter er- mordet wurden. So große Demonstrationen auch aus Deutsch. böhmen gemeldet wurden, so ist doch die Volkskuiidgebung in Prag(Siehe unsere Prager Korrespondenz. Red.) weit bedeutungsvoller, weil»dort die czechische Arbeiterschaft ein- nu'Uhig gegen die Jungezechen demonstrirte. In Brünn sprach am Sonntag Viktor Adler, i» Linz Resel, in Krakau Daszynski; in diesen Städten, wie auch in Klagenfurt, in Innsbruck«. f. w.. hatten die Kundgebungen einen fast rein proletarischen Charakter. Ueberall konnte die Gefahr ernster Zusammenstöße nur knapp vermiede» werden, überall war das gcsammle Militär aufgeboten und zum Ausrücke» und Schiehen schlagfertig. Die Physiognomie des künftige» Ministeriums Gautfch ist noch unbestimmt. Das kolportirte Gerücht des Eintrittes Steinbach's, eines ausgezeichneten Juristen und Finanzpolitikers, der auch in der Sozialpolitik Bescheid weiß, scheint sich nicht zu bewahr- heiten. Ebenso sind alle anderen Kombinationen, wie die des Eintrittes des deutschen Großgrundbesitzers Baernreithers in das Ministerium mit Vorsicht aufzunehmen; als sicher kann blas das Verbleiben des LandcSvertheidigungSministcrs Welserheimb und etwa de? Polen Dr. Rittner gelten. Jedenfalls wird die Bildung des neuen Kabinets ans die größten Schwierigkeiten stoßen, weil die Jnngczechen daS Verbleiben des Präsidium? des Abgeordnetenhauses fordern, unter diesem Präsidium aber eine ge- deihliche parlamentarische Arbeit, eine Erledigung des Ausgleichs- provisoriumS in wenigen Tagen als völlig ausgeschlossen an- gesehen werden muh. Bei einer eventuellen Neubesetzung des Präsidiums käme der frühere Präsident, Dr. Kathrein, in erster Linie in Frage, mit ihm würden sich dann ein Pole und ein ver- fassungstreuer Großgrundbesitzer im Vorsitze des Abgeordnetenhauses theile». Die Aufhebung der oktroyirten Geschäftsordnung und die Zurückziehung aller in deren Folge sich ergebenden polizeilichen A»< zeigen und gerichtlichen Untersuchungen wird erwartet. Ueber die Haltung der Parteien zu dem in der Bildung be- begriffene» Ministerium läßt sich sicheres noch nicht sagen. Die deutsche Linke verhält sich reservirt, sie fordert nationale Konzessionen und will als Garantie für dieselben einen Sitz im Ministerium. Die Lage ist»ach wie vor chaotisch. Die Sozialdemokraten nehme» selbstverständlich denStandpunkt der strammen Opposition gegen den als liberal geltende», in Wirklichkeit aber klerikal angehauchte» Ministerpräsideuten Gautsch ein, sie werden ihre Sturmlaktik, die sich in den letzten Tagen so ausgezeichnet bewährt hatte, nur dann aufgeben, wenn das Präsidium Abrahamowicz- Kramarcz- Fuchs zurücktritt und dte Geschäftsordnung Falkenhayn und deren Konsequenzen bedingunslos beseitigt werden. Dr. Lueger hat den Versuch gemacht, die Situation für sich auszunützen, er versuchte, sich als Urheber der raschen Wendung der Dinge hinzustellen, der Versuch ist miß- lungen. Er ließ daS Gerücht verbreiten, daß er vom Kaiser empfangen wurde und bei dieser Gelegenheit zum Sturz« des Badeni den Ausschlag gegeben habe. In Wirklichkeit halte er wohl um eine Audienz nachgesucht, er wurde aber nicht empfangen. So weit unser Korrespondent. Ucber den Charakter des neuen Kabinets, über die Möglichkeit der Rückkehr zu geordneten Zuständen wird sich erst sprechen lassen, wenn das nene Kabinet konstitnirt, wenn seine Abmachungen mit den Parteien bekannt sein werden. Sicher ist nur, dag Herr Gautsch, eine so wenig sympathische Persönlichkeit er auch ist, alle? daran setzen muß. die aufgeregten Ge- müther durch eine populäre Politik zu beruhigen. Herr Gautsch zeichnet sich, wie allgemein anerkannt wird, ebenso durch Gewandtheit wie Mangel an Gesinnung aus, er wird es auch verstehen, eine volksfreundliche Maske vor'S Gesicht zu nehmen. Ten 23. November, den Eindruck deS seinen Willen kundgebenden Volkes wird Herr Gantsch nicht vergessen. Die heilsame Lehre dieses Tages sollte nicht so bald in Vergessenheit gcrathcn, das Volk nicht so bald wieder auf die Straße gelrieben werden! So friedlich wie diesmal dürfte ein zweites Mal der Verlauf nicht sein! polikifche Mebevlscht. Berlin, 29. November. Die Marinevorlage und die Stellung der Par- teien. Wir geben an anderer Stelle unseres Blattes eine Uebersicht über die Aeußerungen der wichtigsten Preßorgane, aus denen sich bereits Schlüffe auf die Haltung der Reichstags- Parteien sowie auch Vermuthungen über die Aussichten der Vor- tage ziehen lassen. Abgesehen von den offiziösen Blättern und den stets be- willignngsbereiten und für alle Wünsche jeder Regierung begeisterten Preßorganen vom Schlage der„Post" zeige» sich auch die uationalliberalen Zeitungen der Regierungs- vorläge sehr wohlgesinnt. Sie alle unterschreiben jeg- lichen Satz der sogenannten„Begrüudnng" des Entwurfes mit Sehr richtig und Bravo und belegen jeden, der dies„Mindestmaß des Allcrnöthigstcn" nicht bewilligen wolle, mit den ansgesuchteste» Kosenamen. Nur bezüglich des„Scptennats" machen auch die„Kölnische Zeitung" und die„National-Zeitnng" Einwendungen. Allerdings, we- nigstens das elftere Blatt, nicht aus sachlichen Gründen— die„Kölnische" ist selbst mit dem Septennat ganz einverstanden—, sondern nur aus taktischen Gründen, ans Bcsorgniß, daß die Vorlage gerade an diesem Verlangen der Regierung überhaupt scheitern könne. Tie„Kölnische Zeitung" selbst, deren Hurrah- Patriotismus über jeden Zweifel erhaben ist, spricht von „Ueberspannung des Bogens" durch die Regierung und fordert diese auf, in der Formfrage nachzugeben,„um die gute Sache zu retten." Und freilich, die Haltung der übrigen Parteirichtnngen ist nicht eine solche, daß man die Aussichten der Vorlage auch nur bezüglich der Echiffsvermehrnng selbst, abgesehen von der Festlegung ans 7 Jahre, als günstige ansehen könnte. F ü r die Cchiffsvermehrunge» in dem Maße, wie sie die Regierung plant, ist wohl noch die liebliche Gruppe der freisinnigen Ver- e i n i g u n g zn haben. Dagegen, was weit wichtiger ist, scheint das Zentrum weder ans das Septennat noch auf die Schiffsforderungen selbst eingehen zu wolle». Wenn hinter der Auslassung der„Germania", die ivir unter den Prcßstimmen etwas ausführlicher wiedergeben, die ganze Zentrumspartei steht und stehen bleiben wird, so wird allerdings der Entwurf der Regierung nicht Gesetz werden. Jedoch war sie nicht allzu vertrauensvoll. Es scheint, als ob die Regierung alles daran setzen wolle, um ihre Pläne durchzusetzen. Und das Zentrum war im tändeln inlnier Numero eins. Andererseils wird das entrum auch bedenken, daß die Reichstagswahlen nahe bevorstehen, und eine ungünstigere Wahlsituation könnte es sich nicht bereiten, als wenn es den maßlosen Ansprüchen der Regierung und besonders der Herabwürdigung des Reichs- tags durch Entziehung seines Bndgetrechls auch nur irgendwie ein Entgegenkommen bieten würde. Wollte aber das Zentrum doch den Versuch machen, einen Handelsansgleich mit der Regierung herbeizuführen, wie es schon oft gelhan und wie es seiner Natur so sehr entspricht; wollte es etwa bereit sein, für das Aufgeben des Scptennats die Schiffsfordernngen und die nöthigen Millionen auf das nächste Etalsjahr zu bewilligen— so würde es sich noch fragen, ob auch die Regierung bereit sein dürfte, sich ans ein solches Handelsgeschäft einzulassen. Fast scheint es ja so, als habe die Regierung wieder einmal ihre Vorlage„aufs Abhandeln zugeschnitten". Sie mußte sich doch von selbst sagen, daß die Zumuthnngen, die sie an die Mittelparteicn stellt, zu stark sind für deren Befähigung, die Volksrechte preiszugeben, so hoch dieselbe auch veranschlagt werden niag. Vielleicht hat sie das Septennat nur gefordert, um wenigstens die volle Höhe der Geld- summen zn erhalten, die sie für das Jahr 1898,99 wünscht. Wenn die„Nat. Lib. Korresp." bestimmt iviffcn will, daß die Regierung gerade von der Forderung des Scptennats nicht abzugchen gesonnen sei, so dürflen solche Gerüchte nicht zn viel bedeuten; sie sind häusig nur Pressionsmittel auf die Parteien, die genöthigt sind, auf die Wähler auch einige Rück- sichten zu nehmen. Sollte aber das Verhalten der Mehrheit des Reichs- tages zu den Plänen des Herrn Tirpitz der Regierung un- annehmbar erscheine», was dann? Wird es die Regierung nüt einer Reichstags a u f l ö s u n g versuchen wollen? Sott dann der schon bei der Marinedebatte der vorigen Session angekündigte„Kladderadatsch" erfolgen? Nun, eine solche Verblendung wollen wir vorläufig der Regierung nicht zutrauen. Das Marine-Septennat, die nene Steuer- Milliarde, die abenteuerliche Weltpolitik— eine bessere Wahlparole könnten sich die Gegner der heutige» Regierungspolitik wahrlich nicht wünschen! Ter dolus eventualis. Welcher Kritik selbst in richter- lichen Kreisen die Ausdehnung der Lehre vom dolus eventualis durch das Reichsgericht und die darauf beruhende Berurlheiluug Liebknccht's begegnet, dafür legt ei» Artikel des Amtsgerichlsraths W i l h e l m i in der neuesten Nummer der„ D e u t s ch e n In r i st e n« Zeitung" beredtes Zengniß ab. Der Verfasser weist in den Eingangsworte» ans die übermäßige Ausdehnung der Theorie vom dolus eventualis hin, welche den Unterschied von Vorsatz und Fahrlässigkeit verwischt, und kommt dann ans Veranlassung des Falles Liebknecht zn einer Untersuchung der verschiedenen Stadien, welche die Rechtsurechnng des Reichsgerichts auf diesem Gebiete durchlaufen hat. Hierzu liegt umsomehr Veranlassung vor. als das die Verurtheiiung Liebknccht's bestätigende Erkenutniß mit den Worten schloß, daß der Geridstshof mit dieser seiner Entscheidung in Uebereinstimmung stehe nicht nur mit seinen früheren Urtheilen, sondern auch mit der Wissenschaft. Wie lauten aber nun die früheren Urtdeile des ReichsgeddNs? Amtsgerichtsralh Wilhelmi erwähnt ein solches aus dem Jahre Iböö, i» dem es heißt: Es ist unzutreffend, auf die bloße Möglich- keit hin, ei» Satz könne in beleidigendem Sinne ausgefaßt werden, von dem objektiv beleidigenden Inhalt des fraglichen Satzes zu sprechen. Der Mißdeutung im allgemeine» sähig ist eine große Anzahl von Ausdrücken und Wendungen, ohne daß man um deswillen befugt ist, sie als objektiv unerlaubte zu qualifiziren. Kann ein Satz i» einem belcidigeuden, wie i» einem die Ehre eines anderen gar nicht beriihrenden Sinne verstanden werden, so fehlt sowohl der objektive wie der subjektive Thalbesland einer Ehrverletzung. Amisgerichtsrath Wilhelmi vermag zwischen diesem Urtheil und demjenigen in Sachen Liebknecht eine lieber- einslimumng nicht zn entdecke», zumal im ersten Erkenutniß die Möglichleit, daß ei» Wort oder eine Wendung in beleidigendem Sinne aufgefaßt werden kau», eine Vernrlheilnng nnler keinen Umständen begründen soll, wogegen neuerdings d'cse Möglichkeit zu einem Schnldverdikt ausreicht. Der Artikel schließt mit den Worten: Es liegt ans der Hand, daß »ach dieser Enlsdietdnng jede Rechlkstcherheit ansbört, da— um mit der» Reichsgericht von 1883 zu reden—„vollkommen unver- fänglid)e Ausdrücke und Redewendungen einen ehrenrührigen Charakter annehinen können"— wenn er in sie hineintnterpretirl wirb. Bitterer ist diese Rechtsprechung aber»och niemals.ironisirt worden, als in dem sie lobpreisenden Leitartikel der„Kreuz-Zeitnng" vom 23 Oktober dieses Jahres. Danach soll in, Interesse der„Königslreuc" ein politischer Gegner ohne Rücksicht auf den„objektiven Thatbesland" wegen dessen verurlheilt ivcrden können, was„er nicht gesagt hat".— Im Lande der Dichter und Denker sind bekanntlich die Presse und die Meiunngsansspradze, die Knust, die Wissenschaflen und ihre Lehren frei— s 0 w e i t es nämlich die Polizei und Justiz erlaubt. Auch das Königreich Sachsen ist ei» Theil dieses Landes der Dichter und Denker. In Pieschen, einem Vorort Dresden?, hatte nun ein Arbeiterverein für vergangenen Tobten- sonntag einen Rezitationsabend geplant, bei weldiem Gedidste von Chamisso und Freiligrath zum Vortrag gelange» sollten. Die Polizei verlangte nun z» erfahren, welche Gedichte der genannten beiden Dichter ins Auge gefaßt worden seien. Der mit der Rezitation betraute Genosse theilte dem Vereins- vorstand das Verzeichniß der von ihm gewählten Gedichte mit, das der Behörde unterbreitet wurde. Ta man den Wortlaut der Gedichte behördlicherseits kenne» und prüfen wollte,»nißten die detreffeiiden Bücher gekauft und vorgelegt werden. Das Programin des erste» Entwurfs umfaßte folgende Dichlungen: Von Chamisso: Lebenslieder nud Bilder Nr. 13 biS 23: Die Klage der Nonne, Die goldene Zeit, Ter Graf und der Leiö. eigene, Ter Bettler und sein Hiind, Rede des alle» Kriegers Bunte- Schlange im Rathe der Creek-J»dia»er, Ter Birnbanin ans den, Walserseld, Die drei Schwester». Von Freiligrath: Der ausgewanderte Dichter, O lieb', so laug du lieben kannst. Ein Kindermärchen, Trotz alledem(»ach R. Burns), Im Jrrenhause. Vom Harze, Aus dem schlesischen Ge- biege. Von unte» ans, Freie Presse, Reqniescat. Zunächst wurde» zwar von de» Chamisso'schen Gedichten keinS, von denen Freiligrath's aber die folgenden von der Polizei beanstandet; Der ausgewanderte Dichter, Trotz alledem. Im Irren« Hanse, lilus dem schlesischen Gebirge. Von unten auf. Freie Presse, Reqniescat. Am Orte der Veranstaltung— kurz vor Beginn der Rezitation — erfuhr in letzter Minute dieses Programm eine weitere Um- gestaltnng durch die Behörde. Von den Gedichten Chamisso's wurde das„Die drei Schwestern" überschrieben« auf den Index geseht. Von den erst erlaubten Freiligrath'schen Gedichten wurde nun „Vom Harze" noch nachträglich gestrichen, dafür aber„Aus dem schlesischen Gebirge",„J»> Jrreuhanse" und„Der ausgewanderte Dichter" nachträglich genehmigt. Also: im Lande der Dichter und Denker ist die Z e n s u r ab» geschafft, aber die Verlesung von Dichtungen»nserer Klassiker unterliege» polizeilicher Prüfung, nach welcher auch sonst gesetzlich ganz unangreifbare Kunstwerke ver» boten werden. Nach welchen Gesichtspunkten in dem vor- liegenden Falle verfahren worden, ist nicht klar. Warum die un» schuldigen„Drei Schwestern" von Chamisso dem Interdikt verfielen, ist ganz unbegreiflich. Julereffant war dagegen die polizeiliche Approbirung des Gedichtes„Die goldene Zeit", dessen erster BerS lautet: Füllt die Becher biS znm Rand, Thnt, ihr Freunde, mir Bescheid; Das befreite Vaterland, Und die gute goldne Zeit! Den» der Bürger dentl und glaubt, Spricht und schreibt nur alles frei, Was die hohe Polizei Eist geprüft hat und erlaubt.— ** * TentscheS Reich. — Dte ReichSkom Mission für A r b e i t« r st a t i st i k trat heute unter dem Vorsitz des Unterstaatssekrelärs im Ministerium der öffentlichen Arbeite» Fleck zusammen. Slls Kommissare des Staatssekretärs des Inner» ivohnle» die Regiernugsräthe Koch und Dr. Engelman», als Kommissar des königlich preußische» Ministers für Handel und Gewerbe der Negiernngsaffessor v. Meyeren und im Auftrage des Senats zu Hamburg der Fabrilinspcktor Giesecke den Verhandlniigen bei. Die Tagesordnung bildete die Vernehmung von Anskiinfts- persone» über die Arbeitszeit in Getreidemühlen. Ueber die Vernehmung«» wird stenographisch Protokoll geführt.— — Die Novelle zur Zivilprozeßordnung soll in dieser Woche vom Bnndesralh zu Ende berathe» werde» und als- bald»ach der Annahme durch den Bnndesralh an den Reichstag gelangen.— — Personalien. Ter„Reichs-Anzeiger" meldet amtlich die Belrauuiig des Staatssekretärs des Auswärtigen Amtes, von Bülow, niit der Stellvertretniig des Reichskanzlers im Bereiche des Ans- wärtigen Amtes die Ec»en»»ng des Direktors im Reichs-Postaml Frilsch in Berlin zniu Unlerstaalssekrelär im Reichs-Postamt. soivie der Geheiiiieii Ober-Posträthe»»d vortragenden Rüth« im Reichs- Po'laml Kraetke und Sydow in Berlin z» Direktoren im Reichs- Postamt, ferner die Beförderung des ReichSgerichlsralhs Dr. Bolze in Leipzig und des R-ichsanivalls Treplin daselbst zum Senatspräsidenten beiden, Reichsgericht, ferner deS hanseatischen Ober- Landesgerichlsraths Dr. Lahusen in Hamburg und des würllembergischcn Ober-Landesgerichlsraths Goldmann in Stuttgart zn Reichsgerichlsräthen, sowie des königlich preußischen Obcr-Landesgenchlsralhs Zwcigcrt in Celle zum ReichSamvaU, endlich die Berufung des bisherigen kaiserlichen Kreisdireklors in der Ver- ivaltiing von Elsaß. Lothringen Dr. Georg Gustav Adolf Otto Cteinin aus Hagenau zimi Geheimen Regierungsralh und vortragenden Rath bei dem Rechnungshose des Deutschen Reichs. — Ein Erfolg des König Stumm. Reichstags- Abgeordneter Richard Rösicke, welcher seit 1889 den Voisitz im Verband der deutschen Verufsgeiiossenschnfleu führt, ist von diesem Posten zurückgetreten; er hat an den stellvertretenden Vorsitzenden, den Schatzmeister und die übrigen Mitglieder des Verbandes der deutschen BerufsgenosseiischosUn folgendes Schreiben gerichtet: „Die Verhandlungen über die Slbänderung der Unfall» verstcherungs- Gesetze und andere die Berufsgenossenschaften betreffenden Fragen haben mir je länger je mehr die Ueberzenguug verschafft, d.ift zwischen der Mehrheil der Mitglieder unseres Ver» baudes und ulir nicht die Uebereinstimniung besteht, welche mir zur Fortführung des AmteS des Vorsitzenden erforderlich er» scheint. Ich habe mich daher entschlossen, dieses Amt mit dem 1. Januar 1S9S niederzulegen. Indem ich hiervon dem Herrn stellverlreleuden Vorsitzende», dein Herrn Schatzmeister und den übrigen Mitgliedern des geschäflsführenden Zlnsschuffes, sowie den Mitgliedern des Verbandes ergebenst Keuntniß gebe, bitte ich zu- gleich, meinen aufrichtigen Tank für das Vertrauen entgegen- zunehmen, welches mir bei meiner Amtsführung in reiche», Maße zu theil geworden ist Stets werde ich mit Genugthunng auf die Zeit zurückblicke», während welcher es mir vergönnt war, a» der Spitze deS Verbandes für die den Berufsgenosfenschasten gestellte» groben und segensreiche» Aufgaben thätig zu sein." Mit Herrn Nösicke haben ivir so manchen Strauß auszufechte» gehabt, aber wir müsse» anerkennen, daß er die Interessen des Unternehmerthnrns in anständiger und würdiger Weise vertreten hat; dies hat ihm den volle» Zorn des Herrn von Saarnbien zugezogen. Da die überwiegende Mehrheit des deutschen Unternehmerthuius viel mehr mit einer brnialen,»nduldsaiue», kraß egoistischen Politik als mit dem Standpunkt des Herr» Rösicke synipathlstrt, so mußte Herr Rösicke weiche».— — Der PeterS-Kollege Herr Jancke, der.Beisitzer des Nriegsgenchls", welcher über den Neger Mabruk und die Uoukubine des Peters die Todeestrase verhängte, soll jetzt cbensalls vor die Disziplinarkammer gestellt werden. Herr Jancke befindet sich zur Zeit in Berlin.— Homburg l>. d. H., 29. November. DI« Zentrumspartei hat für d>e nächste Neichstngswahl als ihren Kandidaten im Wahlkreise Hoinburg-Usingen den Redakteur Stötzel-Essen aufgestellt. — Auch Breslau bewirbt sich um ein Polytechnikum, nach- dem Dauzig von der Regierung die Schaffung einer höhereu technische» Lehranstalt zugesagt sein soll. LaudSbcrg a. W., 29. November. Amtliche? Wahl- resullat. Bei der heute im Wahlbezirk Laudsberg-Soldin statt- gehablen Landtags-Ersatzwahl erhielte» Oekonomierath Evert-LandZ- derg(k.) 23» und Rechtsanwalt Leuzmanu-Lüdenscheid(sreis.) lö St. Ersterer ist somit gewählt.— Görlitz, 27. November.(«Voss. Ztg.") Der Kommnnal-Landtag genehmigte die Versicherung des gesnmmten Forst- und Landwirth- schaslsbelriebes der Oberlausitz gegen Haslpflichl aus ständische Koste», ohne Beiträge der Versicherte».— TrcSdcn, 29. November.(Eigener Bericht.) Die in Aussicht gestellte Gesetz esvorlage über die Verwaltiings- r e ch l s p s l e g e ist dem Landtage nunmehr zugegangen. Nach der Vorlage werde» ei» Ober-Verwaltlingsgericht, mit dein Sitz in Dresden, und eine Anzahl verwaltungsgerichle geschaffen. Ersleres schließt sich in feiner Organisation an das Ober- Laudesgerichl a». Tie Mitgli.der des Ober- Verwaltungsgerichts werden von» König aus Lebenszeit ernannt und müsse» zum Richter- anil oder zum höhere» Verwaltungs dienst befähigt sein. Das Ober- Berwallungsgericht entscheidet in ziveiler Instanz über Berufung und Beschwerde, und in erster und letzter Instanz über Anfechtungsllagen, sowie Klage» aus Wiederaufnahme des Verfahrens. Die Ausübung der Berivaltungsgerichte soll den Kreis- und Bezirks, Ansschnsseu übertragen werden, und haben diese lediglich in erster Instanz zu entscheide». Kompetent solle» die Verivallnngsgerichle in folgenden Dingen sein: U-ber vermögensrechtliche Ansprüche der Gemeinde- oder BezirlSbeamte» an die Gemeinden oder Bezirke in ihre», Dieustverhältniß, insbesondere über Ansprüche auf Besoldung, Wartegeld, Unterstützung, Ruhegehalt; über die Erhebung von Wege-, Biücke»- und Uebersahrlsgeldern, von Hasenabgaben. Echiffsahrlsnbgabe» le,; über die Zngehörigkeit von Grundstücken zu einer politische» oder der Schulgemeinde; über die Ansprüche der Armenverdände gegen einander und gegen den Staat wegen der öffentlichen ttnle>stütz»»g Hilfsbedürftiger, und noch über eine Reihe weniger wichtige Dinge. — Sächsische Rache. Nachdem unsere Partei i» Che in n i tz bei den Stadtverordnete»- Wahlen einen großen Sieg errungen hat, denkt man, wie der„Nat.-Zlg." gemeldet wird, bereits daran, das bestehende Wahlrecht abzuschaffen und ein Klassen- Wahlsystem einzusühren. Das all- gemeine Wahlrecht ist nur gut, so lange die Ausbeuter. Parteien die Sieger sind. Unterliege» sie, so taugt das Recht nichts. Aber das Boll wird für solche Streiche die Antivorl zu finden wisse».— Nürnberg, 29. November.(Privatdepefche des„Vorwärts"). Bei der heulige» Stichwahl für die Landtags-Wahimänner er- rangen unsere Wahlmänner die Mehrheit. Die Wahl des Genoffe» Segitz zum LaudtagS-Abgeordneten ist gesichert.— AuS Bade», 28. November,(ffiig Ver.) Der Antrag der sozialdemokratische» Fraktion betreffend Einführung der direkten Wahlen, deffe» Tinbringnng ich schon angelündigt, unterscheidet sich insofern von dem Antrag der sreisinnig-demokratischen Fraktion, als jener außer der direkten geheimen Wahl sich zugleich auch für die Proporlionalverlretung ausfpricht, während die Freistnn-Deino. krate» nur erkläre», für den Fall, daß die Regierung Vorschläge zu einer Proportionalvertetung sowie zu der Jntegralerneueruug statt der zweijährigen Parlialerneuerung der Kammer und zu einer Nen-Eiu- theilung der Wahlkreise mache» würde, diesen Vorschlägen zustimme» zu wollen. Die beide» Anträge haben das gemeinsam, daß sie die Regierung nur ersuchen, ein Gesetz über die Wahlen vorzulegen und dabei nur die Gesichtspunkte fixire», von denen die Regierung ans- gehe» soll. Die erste Forderung des soialdemokralischen Antrages: „Unmittelbare Wahl in geheimer Abstimmung mit Wahlkouvert und Jfolierraum deckt sich mit den seit l'/s Jahren bestehende» Zusatzbestimmtingen zum badiscben Wahlgesetz. Die zweite Forde- ritiig:„Gewährung deS Wahlrechts mit dem 21. Lebensjahr" hat natürlich keine Aussicht aus Berücksichtigung seitens der Regieriing oder der Majorität des Landlaas. Mehr Aussicht hat die Forderung, keine Klassisiziritng der Wählev vorzunehme», dagegen wird das Verlangen, als Wahllag einen Sonntag oder gesetzlichen Feiertag zu bestintmett, bei der Regierung kein williges Gehör finden. Die wich- ligste Forderung, die Besetzung der Kanuner proportional nach der abgegcbetien Stimmenzahl, ist, soiveit man bis jetzt aus den Aeußerungen eines Theils der nalionalltderale» Presse höre» kann, der Unter- slützung eineS Theils der»ationalliberalen Fraktion sicher. Die Nntionallrbcralen. welche durch de» Mund ihres Führers Fieser schon nrehr als einmal erklären ließen, daß sie mit der Einführung des direkten Wahlrechts ohne Kautelen de» Ast absägen würden, auf dem sie sitze», würde» jedenfalls mit dem Proportional-Wahlfystem nicht schlecht fahren, während daS Zentrum und auch die Freisinn- Demokraten wahrscheinlicherweise bei dem direkten Wahlverfahre» ohne Proportionalveriretung in beziig auf die ihren beiden Parteien zufallenden Sitze schlechter wegkämen. Es ist daher nicht ohne uinor, wen» man sieht, wie die Freisinn-Temvkraten, derer Führer inser sich immer für das Proportionalsystem ausgesprochen hat, in ihrem Antrage jede diesbezügliche Forderung vermeideit und nur ehrenhalber und aus Prinzip mit süßsaurer Miene erklären, daß wenn die Regierung die Proportionalvertretung einführen ivollte, sie nicht dagegen wären. Die Verhandlungen über dt« Wahlrechts- frage, die übrigens kaum vor nächstem Frühjahr angeschnitten werden dürften, werden zweifellos zu dem Jnlereffantesten der gegenwärtige» Session gehören. Unterdeffen wird die sozial- demokratische Fraktion ihre Vorschläge eingehend ausarbeiten und präzisire», um bis dahin wirksam in die Debatte tingreifen zu können. Der von der sozialdemokratischen Landtags-Fraktion eingebrachte und von mir schon gemeldete Antrag auf Erweiterung des abrikinspektorats bezweckt eine erhöhte Wirksamkeit des nspektorats durch Schaffung von Unter-Jnspektoraten, deren Ver- treler in geheimer Wahl durch die Arbeiterschast zu wählen wären. Die bereits telegraphisch gemeldete Ungiltigkeitserklärung der Wahl des Natimialliberalen Dreher in Lörrach-Land durch die Wahlprüfungs-Kommissiou erfolgte deshalb, weil bei der Wahl- männer-Wahl in Wyhlen der Polizeidiener in der Dienftuniform Wahlzettel vertheilt hatte. Das Plenum wird über den mit drei oppositionellen gegen zwei»ationalliberale Stimme» gefaßten Be- schlich der Wahtprüfungs-Kommission morgen abstimmen. Die Kassirung der Wahl ist nicht zweifelhaft. Die Agitation gegen die„Verpreubnng" der badischen Eise»- bahnen wäcbst täglich an Ausdehnung. Nicht nur die Presse, auch Vollsverfammlungeu beschästigen sich mit dieser Frage. Eine vom„Süddeutschen Eisenbahnreform-Veiein" einberufene öffentliche Versammlung in Karlsruhe, an der auch zahlreiche Abgeordnete lheilnahnie», bat folgende Resolution angenommen: „Die Versammlung beschließt: Das preußisch- hessische Eisenbahuabkommen von 1896 stellt sich angesichts seiner heule schon fühlbaren Rückwirkung auf die badtsche Staalseisenbah» dar als ein erster Versuch zur Beseitigung der badischen Souveränität in Eisenbahn- Angelegenheiten. Eine solche Entwickelung widerspricht aber nicht blas dem föderativen Charakter unserer Reichsverfaffung, sie droht vielmehr unmittelbar, die selb- ständigen wiUhschastlichen Interessen BadenS und in der Folge Süddeulichlands überhaupt empfindlich zu schädigen. DesKalb er- scheint es geboten,«ine Verständigung der drei süddeutschen Bundes- flaale» zu dem Zwecke herbeizuführen, eine selbständige süddeutsche Eisenbahn- und insbesondere Eisenbahu-Tarifpolilik für die Zukunsl sicher zu stellen. Die Versammlung ist mit der Einreichung einer dahin zielenden Petition durch den Süddeutschen Eisenbadnreform- verein an die beiden Häuser des Landtags einverstanden und er- wartet, daß derselbe» in der bevorstehenden Kammertagung die gebührende Berücksichtigung zu theil werden möge."— Offenbach, 27. November.(„Off-nb. Abendbl.") Di« In- stallirung eines Fabrik-Jnspeklorats für Offenbach stand gestern»ach dem Antrage des sozialdemokratischen Landlags-Abgeordneten Ulrich im Finanzausschuß der Zweite» Kammer zur Beschlußfassung. Ganz im Sinne diese« Antrages beschloß der Ausschuß, die Regierung z» ersuchen, einen Fabrik-Juspektor und eine Fabrik-Jnspektorin bezw. Assistentin mit dem Sitz in Offenbach zu ernennen. Da die Regierung diesem Antrag nicht entgegengetreten ist, steht auch deren Zustimmung zu erwarten.— — Chronik der MajestätsbeleidigungZ-Prozesse. Wegen Majestätsbeleidigung erhielt der 39jährige'Arbeiter Georg Welte ans Hannover 10 Wochen Geiängniß zndiklirt, während der 17jährige Einlräger Louis Voß aus Droschdorf in Ost- prenßeu dem Gerichtsberichte zufolge wegen desselben Vergebens mit 3 Tagen(? T) davonkam. Voß hatte in der hiesigen Glasfabrik das Lied„Wir lustigen Hannoveraner" w. unter theilweise verändertem Text gesungen und war dielerhalb von einem Arbeits- k o l l e g e n(!) denunzirt! Voß soll diese» veränderten, auf den Kaiser bezug habende» Text von Wolle, mit dem er ein gemein- fchastliches Logis innehatte, gelernt haben.(Also, eine zweite Denunziation!)— Wie sich heraasstellte, halte Wolle das Lied mit den Naiserbeleidiguugen in st a r k angetrunkenem Z u st a» d e gesungen.— Oesterreich. Wien, 29. November. Im nieder-österreichischen Landtag ver- ließen heul« die Mitglieder der fortschrittliche» und der deutsch- nationalen Partei»iner Protest die Schnng, weil der Landmarschall einen Antrag betreffend die jüngsten Vorgänge im Reichsrathe nicht zulassen wollte. Im weiteren Verlause der Sitzung nahm der Landtag einen von dem Abgeordnelen Philtppovitsch(soz-pol.) eingebrachten An- trag an, nach welchem ei»'Ausschuß ans dem ganzen Hause gewählt werden soll zur Prüfung der Rechlsanschannug des Landmaischalls bezüglich der Behandlung von Anträgen. Die Session ivurde sodan» von dem Landmarschall init einer Ansprache, i» welcher er seine Hallnng bezüglich der Geschäftsordnung rechtfertigte, geschloffen.— Wie», 29. November. Der vom Budget- Aussckub der ösler- reichlfche» Delegation genehmigte Bericht des Berichierstalters Dtimoa stellt fest: Der Ausschuß, dessen Mehrheil die segens- reiche» Wiiknngen des Dreibundes von jeher würdigle. vermochte die neuerlichen ausdrücklichen Feststellungen der Thalsache deS unveränderten Fvttbestandes desselben nur mit Besriedigtwg zu begrüßen. Die Bedeutung und den Werth des Dreibundes in seiner ansschließlich auf Friedenserhaltnng ge- richlelen Tendenz erkennend, muß der Austchnß mit um so größerer Genuglhnnng von der Ansgeftallnng des Freundschaslsnerhält- nisses zu lltnßlnnd Akt nehmen, welches sich a>S ein weiteres iverthvolles Mittel zur Erreichung dieses Zieles dar- stellt. Die Delegation beglückwünscht den Minister zu der fo erfreulichen Aubl>hnu»g dieses vertrauensvolle» Ve>hällmsses zu Rußland. Der Bericht begrübt mit voller Sympathie die Anregliug zu einem Aneiiiaiiderschluß Europas gegen die überseeische, wirtd- schaftliche Konkurrenz und hebt hervor, daß der Ausschuß mit Ein- stimmigkeit beschloß, dem Minister sei» vollstes Verlrauen auS- zusprechen, der die äußere Politik so erfolgreich leitet.— Prag, 28. Neveuiber.(Eig. 83er.) Gestern abends um l/»10 Uhr bereiteten niedrere hundert Genossen dem aus Wien zu einer Versammlung eintreffenden'Abgeordneten Josef Steiner einen stürmischen Empfang. Laute Hochrufe auf unsere Abgeordnete» und die Sozialdemokraten ertönten, als er die Bahnhosshalle betrat, und:„Er soll sprechen!" tönte es durch die Reihen. Da drang plötzlich eine stark« Zlvlheilmig Polizisten mit gefälltem Bajonett, von ihrem Kommandanten mit dem Rufe:„Nur los ans das Gesindel" angefeuert, in dt« Halle ein. Es entstand «in fürchterliches Gedränge und viele Personen wurden z» Boden gestoßen. Erheblichere Verletzungen kamen nicht vor. Eine neuerliche Allacke wartete der abziehenden Genossen ans dem Wenzelsplatze; an der Mündung der Mariengasse, i» der sich die Redaktion de? jnngczechischen Regierungsblattes„Narodni Listy" befindet, wurden Pfui- und Pereat-Ruse ausgebracht. Hier griff berittene Polizei ein, die i» die Hansen hineinsprengte und dieselbe» in dt« Seitengassen trieb. Viele Personen wurden durch Huf- schlüge getroffen. Wer aus die TroltoirS flüchtete, war dem Bajouellangriffe der in starken Abtheilungeii aufgebotenen Wachmannschaft zu Fuß ausgesetzt, die blindlings ans die Leute ein- drang. Mehrere Personen wurden durch Kolbenschläge verletzt, eine Dame wurde durch einen Bajonettstich a» der Hand verletzt. Mehrere Verhasluirgen wurden vorgenommen.— Aehnliche Szenen, wen» auch in kleinerem Maßstab«, ereigneten sich heule Mittag nach«irrer Versammlung, in der Abgeordneter Steiner über die Vorgänge im Parlamente gesprochen hatte. Slnf dem kleinen Ring kam eS zu einem heftigere» Zusammenstoß, bei dem ein Mädchen angeblich ivege» Nichlfolgeleistung verhaftet und vo» vier Wachleuten auf daS Kommifsariat geschleppt ivurde. Die Hauptstraße» waren tagsüber von verstärkten Polizeiwachen besetzt! Frankreich. PartS, 27. Novbr.(Eig. Ver) Di« R e f orm d er st ä d ti- scher, Oktrois(Eingangsstener) auf die sogenannten hygienischen Getränk«(Wein, Bier und Slpfelwein) in der vom Senat an- geiiomnieneir Fassung ist von der Kammer verworfen worden. Der Senat hatte nämlich, wie imnier. de» ursprünglichen Kainmerenttvurf im Ei»verstä»d»iß mit der Regierung gänzlich vernnstallet. Anstatt der von allen Seiten geforderten vollständigen Abschaffung der Oktroi? oder mindestens der Wein- ic. Oktroi?, ivelch letztere den Konsum mit 130 Millionen Franks belasten, bietet der senatorische Entwurf nur eine Herabsetzung der letzleren in einem Grade, daß die ärmeren Klassen von der Reform gar nicht profiliren würden, da der Detailpreis unverändert bleiben müßte. Zudem sieht der senatorisch« Entwurf Ersatzsteuern vor, di« entweder aus die städtische Konsumentenmaffe abgewälzt würden oder keine stcheren Erträge garantiren. Dem Senat war es eben vor allem darum zu lhun, die Ersetzung der Oktrois durch eine städtische progressive Ein- kommenstener zu verhindern. Die Opposition gegen die Scheinreform war vertreten durch die Sozialiste»»nd dann durch die städlischen Abgeordnete» aller Parleie». Die Anhänger der Scheinreform waren die Abgeordneten ländlicher und namentlich weirrbautreibender Wahlkreise. Diesen agrarischen Elementen und dem Agrarier Melirie genügte es, daß die„Reform" den Weinabsatz um einiges vermehren würde— vor allem aber, daß sie vor ihre» Wählern die„Reform" ausspielen könnte», da deren Bedeutungslosigkeit auch für den Weinabsatz bis zu der Wahlkampagne des nächsten Frühjahrs nicht zum Vorschein kommen würde. Der schöne Plan ist aber ge- scheitert. Die Kammer hat. trotz der feierlichen Er- Mahnungen des Finairzministers und selbst Meliue's, den i senatorischen Entwurf beiseite geschoben. An dessen Stelle votirte sie mit 279 gegen 233 Stimme» einen Gegenentwurf, der die Ge». inelirden zur gänzlichen Slbschaffnng der Oktrois auf hygienische> Getränke und zu deren Ersetzung durch beliebige neue Steuern, unter der Bedingung der Genehmignng durch das Parlament, ermächtigt. Das ist die Wiederherstellung des vor drei Jahre» von der Kammer beschlofsenen Eutwurses. Vorläufig ist aber der Gegeneirtwurf ge-. fchäflsordnungsuiäßig an die Kommission verwiesen rvorde». Die endgiltige Abstimmung wird in der nächste» Freitags-Sitzung er» folgen.— Zwei weitergehende sozialistische Gesetzentwürfe(Baillant; und Guesde) auf Abschaffung sämurtlicher Oktrois waren gegen eine geringe Minderheit abgelehnt worden. — Die Dreyfus-Angelegenheit. Unterm 28. November wird aus Paris gemeldet: Dem„Figaro" zufolge ließ General Pellieux einen Briefwechsel des Majors Esterbazy mit dritten Per- ioire« mit Beschlag belegen. In demselben ergebt sich Major Est-rhazy in Beschiuipfuugen und heftige» Angriffen gegen die Führer der sranzöiische» Armee sowie gegen diese selbst.„Figaro" bezeichnet die Schriftstücke als ganz«rstamrliche. Esterhazy erklärte gegenüber einem Interviewer, die Briefe, die der„Figaro" als von Esterhazy herrührend veröffentlicht hat, seien apokryph. Gegenüber den Meldungen gewisser Blätter stellt die„Agerrce Havas" fest, daß die Untersuchung in der Dreysus- Angelegenheit fortschreitet. Es wird eine baldige Lösung der Frage erwartet, bisher fei indessen»och keine Errlscheidung getroffen. Eine weitere Rote der„'Agerrce Havas" besagt: Die dem General Pellieux in der Affär» Esterhazy Dreysus anvertraute Unter- suchung näherte sich bereits ihrem Abschlüsse, als der Briefwechsel Esterhazy's mit dritten Personen in einem Morgenblntt veröffentlicht wurde General Pellieux prüft jetzt diese Schristftücke auf ihre Echt- heit. Sobald er diese Arbeit, rvelcher er alle Sorgfall zuwendet, beendet haben wird, wird er selbst mit vollständiger Unabhängigkeit und Uupnrteilichkeit alle Mabuahiiren treffen, rvelche die Lage er» heischt, oder er wird den Gouverneur von Paris darum airgehen, dies zu thu». Vom heutigen Tage wird gemeldet: Der„Figaro" bringt im Facsiinile die 83riefe Esterhazy's, deren Echtheit er für durchaus er- ivtesen hält Die Briefe stammen aus dem Jahre 1882, wo Ester- bazy noch Hauptmann war.— Mehrere Blätter, welche bisher für Esterhazy Stellung genomme» haben, erklären»»»mehr, daß im Falle der Echtheil dieser Briese Esterhazy»»würdig sei, noch länger der Armee airzirgehören.„Jnlransigeanl" und„Libre Parole"- äußer» ihre Entrüstung über die Beröffentlichung der Briefe, welche rvohl Esterda, y diskreditiren, aber keineswegs die Unschuld Dreysus' berveiseu könnten.— Niederlande. — Kolonial« Befürchtungen. AuS dem Haag wird der„Jal. Corr."»iiier», 28. November lelegraphirt: Die holländische Regierung erhielt sehr beunruhigende Meldungen auS den ostindischen »nd ozeanrschen Besitzungen, die bisher noch nicht der Oeffeutlichkeit übergeben wurde». In Nordbor»eo bereiten die Eingeborenen einen ernsten'Aufstand vor, wozu sie durch en g l i s ch e Händler reichlich mit Waffe» und Scbießbedarf versehe» werden. Gleichzeitig aber stehen in dem britischen Tdeile der Insel englische Truppen bereit, im Falle eines Krieg«? eine» Theil des holländischen Gebietes zu besetze». Aehnliche Absichten sollen die Engländer auch gegen» über dem holländischen Tdeile von R e u- G n i n e a hegen. Bezüglich der Angaben über die airgeblichen Machenschaften der Engländer müssen wir der„Int. Corr." die Verantwortung überlassen. England. London, 27. November.(Eig. Ber.) Die am 23. Novenrber. vorgenommene» Londoner S ch u l a m t s w a h l e n haben den Progressisten eine» großen Sieg gebracht. Bisher in! der Minderheil werde» sie im neuen Schulralh in der entschiedeire» t Mehrheit sein. Einschließlich derjenige» unabhängige» Mitglieder,' die in den«»lscheidenden Frage» nrtl ihnen gehen, stehen sie den Sparer» und kirchlich Gesinnten in der Stärke vo» 33 zu 22 gegen- »der, und jedenfalls verfugen sie über die absolute Mehrheit im Rath. Die Sozialdemokratische Föderation fehle keinen ihrer Kan- didalcn durch, erlangte aber im Bezirk Torver Hamlets(Whitechapel und das übrige East-End) eine hübsche Stimme,«zahl Dagegen rvnrde im Bezirk G r e e» iv i ch(wozu auch Woolrvich und Deplfort gehören) die von den dortige» Arbeirervereinen ausgestellte Genossin Bridges Adams gervähll, und unter den gewählten Progressisten befinde» üch S— 6 Mriglieder des Fabianer> Vereins.(Graham Walles. Stervarl Headlanr, Miß H. Morien. Mr. Morgair-Browne zc.) Im ganzen wurden 635 000 progressisttsche und radikale gegen «63 000 gemäßigte Stimmen abgegeben. Für die gegenwärtige Regierung ist der WahlauSfall ein arger Schlag. Er giebt ihrer Politik der Verlirchlichung der Volksschulen ein ausgesprochenes Tadelkvotum. Viele hervorragende Persönlich» keite», die in der Reichspolilik mit der Regierung gehen, haben offen und mit aller Energie für die Progressisten gewirkt. Im Verein mit de» Wahlresultaten in der Provinz �eigt der'Ausfall in London. wie stark zur Zeit die Strömung für«tuen radikalen Ausbau des englische» Volksschulwesens ist.— Spanien. — Die kubanische Verfassung. Man schreibt ans Madrid unterm 25. November: Die neue kubanische Verfassung, deren Einführung im letzten Ministerralhe beschlossen wurde, hat im wesentliche» folgenden Inhalt: Die Exekutivgewalt übt der General« gouverneur ans, ber ein Militär oder ei» Zivilist sein kann und von der Krone in Uebereirrsttmmnirg mit der Zentralregiernng>>i! Madrid ernannt wird. Die gesetzgeberische Gewalt üben der Ver- waltungsrath oder Senat, die Dcpnlirtenkammer und der General- gouverneur auS. Der letztere hat das Vetorecht. Der Verwaltungs- rath oder Seiiat soll aus 35 Mitglieder» bestehen, von welchen 17 von der Zentralregiernng auf Lebenszeit ernannt und 13 gewählt werden. Die Wahl derselben ist eine indirekte und soll in der« selbe» Weise vor sich gehe», wie die Wahl der Senatoren i» Spanien selbst. Die Universität und das Erzbisthum solle» das Recht haben, je einen Senator zu wähle». Um Senator werden zu können,»ruß man eine bestimmte Zeit auf der Insel gewohnt haben und schon zwei Jahre vor ber Wahl oder der Ernenmirig im Besitze einer lährlichen Rente von 4000 Peso's sein. Die Deputirlenkammer soll auS 70 Mitglieder» bestehe», ein? für je 25 000 Seelen. Zille werden aufgrund des allgemeinen Wahlrechts gewählt und, um gewählt zu werden, muffen eine bestimmte Zeit auf der Insel gewohnt haben. Die Regierung der Kolonie wird ans vier Ministern de- stehen, die vom Generalgouverneur oder Vicekönig ernannt werden. Diese Minister sind: der Finanzminister, der Fomenloniinister(elivai Bauten- und Knltnsmiiiister). der Minister des Innern und deri Justizminister. Der Etat wird von den kubanischen Kammern diirch-, berathen und angenommen. Die Hauptpunkte deS Etats bilden die Ausgaben für de» Gouverneur(Gehalt und! RepräseiitalionSkosle») und dt« Slusgaben für Heer. Flott». und Verwaltung. Zur Bestreitung dieser Ausgaben dienen die Ein- flhifle aus den Zöllen, die von den Kaunnern festgesetzt werden. Die Justiz wird»ach einem„eklektischen System" gehandhabl. und die Regierung behält sich auf diesem Gebiete ganz bestimmte Rechte vor. die geeignet sind, die ganze Autonomie illusorisch zu machen. Beim obersten Gerichtshofe von Spanien soll eine besondere indische Abtheilung geschaffen werden, die in den die Kolonien be- treffenden Justizangelegenheiten als Kassationshof dienen soll. Die schwebende Schuld durfte den Gegenstand besonderer Verhandlungen bilden, die erst nach dem Zusannnenlritt der kubanischen Kammern beginne» sollen. Die Garantien, unter welchen die verschiedene» Schuldtitel einittirt wurden, sollen— so heißt es— unter allen Umständen respektirt werde». Die größten Schwierigkeiten bereitete die Zollfrage. Dieselbe hat das Zollprojekt des ermordeten Canovas zur Basis, mit dem Zusatz, daß eine ans Cnbanern und Spanier» bestehende gemischte Konnnission gebildet werden soll. die die Abschätzungstabelle aufzustellen hat. Wenn die gemischte Romuussio» sich nicht einigen kann, hat nicht das kubanische, sonder» das spanische Parlament das entscheidende Wort zu sprechen. Ob- wohl diese., Autonomie" so zahi» ist. daß sie. bei Licht besehe». überhaupt keine Autonomie ist, hat sie doch den Zorn aller derjenigen erregt. welche sich bis jetzt ungestört an der kubanische» Krippe sättigen durften. Die Großindustriellen von Catalonien. Bizcaya und anderen Bezirken haben den» auch bereits ein ganzes Heer von Entrnstungstelegrammen losgelassen, um gegen den die Zölle be» treffenden Theii der neuen„Verfassung" zu protestire».— Italien. Aus Rom wird ferner vom 28. November berichtet: Die letzten Nachrichten aus Albanien lauten äußerst ernst. Vier Dörfer haben bereits zu de» Waffen gegriffen. Die Bewegung dehnt sich ans ganz Albanien ans, und man befürchtet, daß in den nächste» Tagen etiva 250 000 Mann unter Waffen stehen werden.— Ntiftland. Petersburg, 28. November. Wie der„Regierungsbote" meldet. hat der Minister des Inner» ans grnud des Artikels 155 des Preß- pesetzes den Zeilunge»„Mirowye otgoloski".„Narod".„Ssyn otjeischetswa" und der„St. Petersburger Zeitung" de» Druck von Privatannoncei, entzogen und ans grund des Artikels 178 des Preß- gesetzes dem„Ruffki listet" den Einzelverkauf genonnne.i. Rufsifche Preßsreiheil!— Türkei/ — D i e a u s st ä n d i s ch e B e iv e g u n g in Albanien ist im Zniiehmen begriffen. Aus K o n st a n t i n o p e l wird hierüber gemeldet: In de» amtlichen türkischen Kreisen wird erklärt, die Pforte besitze die Beiveise darüber, daß die albanische Beinegting soivohl i» Nord-Albanien(dem Bezirk Skntari), als auch in Nord- Makedonien(Bezirk Prizrend) planmäßig vom Zlnslande vor- bereitet worden sei. In Skntari wurde eine Kiste mit s�lng- blättern beschlagnahmt, welche durch ein italienisches Schiff eingeschmuggelt war. Die Blätter, welche in albanischer Sprache eine Erhebung des albanische» Volkes und die Begründung eines fclbstäudige» Staates vom Schar Dag(Nord-Makedonieu) bis Epirus fordern, sind entweder in Venedig oder Trieft gedruckt worden, in »velchen Städten sich kürzlich geheime Ralionalkomitecs gebildet haben. Besonders hervorzuheben ist noch, daß sich unter den Führern der Bewegung ebenso viele m u h a m e d a» i s ch e wie christliche Albane seit befinden; der eigentliche Leiter soll jedoch ein Angehöriger des allen albanesstche» Fürstengeschlechtes B i b- D o d a sein, welcher katholischen Glaubens ist. Der betreffende hält sich zur Zeit ans montenegrinischem Gebiet auf, war jedoch während der letzten Monate aus Reisen. In Nord- Makedonien, das serbischerseits gewöhnlich„Allserbien" genannt wird, führen die Albauefen als Grund ihrer Unzufriedenheit die Bevorzugung der Serben an. Nach ihrer'Auffassung wohnen in dem Vilajet Kossowo eine halbe Million Albanesen und kaum 150 000 Serben; und doch habe» die Serben während des letzten halben Jahres den ganze» Bezirk mit einer national- serbischen Kirchen- und Schnlorganisatio» überzogen, wodurch sich die Albanesen i» ihrein nationalen Besitz- stände bedroht fühlen. Das gefährliche der Lage besteht nun jeden- falls darin, daß, wenn es nicht zu einer offenen Empörung der Albanesen gegen die türkische Herrschaft kommen sollte, dann jeden- falls ein blutiger Stammkrieg zwischen Albanesen und Slave» in Nord-Makedonien zum Zlusbriich gelangen wird. I» diesem Falle aber könnte die Beiveguirg sehr leicht zu Verwickelungen mit Serbien und Bulgarien führen. Amerika. — Brasilianischer Pump. Nach einer Meldung der „Times" aus Rio de Janeiro vom 27. d. Mls. bringt das dortige „Journal de Commercio" die Nachricht, daß die Regierung eine rnternalionnle Anleihe im Betrage von 00 Millionen Aiilreis (ca. 137l/s Millionen Mark) mit 0 inländischen und 4 ausländischen Banken abgeschlossen hat. Die Zinsen sollen 0 pCt. betragen, der Emissionspreis sei aus 95 sestgesetzl.— Australien. Sydney, 29. November. Nach Schätzungen dcS„Daily Telegraph" belänfl sich der Erlrag der Weizcnernte trotz des schlechten Welters aus>1 Millionen BnshelS. Man nehm« an, daß in Australien 5 Millionen Bnshels(über Millionen Hektoliter) zum Export verfügbar sein werden.— NAvInmentttrifrhes/ ReichStagSvorlage». Die„Berk. Pol. Nachr." schreiben: „Gegenüber der vo» einigen Blättern gebrachten Mittheilung eines Berichlerstatters, ivonach die für die diesmalige Reichstagstagung ans dem Reichs- Justiznmt zu erwartenden Borlagen sich noch in den Ausschüssen des Bnndesralhs befinden, ist festzu- stellen, daß zwei ans diesem Reichsamt hervorgegangene Gesetz- enllvürse und zwar der Entwurf über die Enlschädignng der im Wiederansnahmeversahren sreigesprochene» Personen sowie der über die Angelegenheiten der freiivilligen Gerichisbarkeil bereils von dem Plenum des BimdesratHs angenomme» sind. Es steht also nichts im Wege, daß diese Entwürfe gleich nach der Eröffnung des Reichs- tages diesem zugestellt werden. Sie dürften denn ailch alsbald dem anderen Faktor der Reichsgesetzgebnng zugehen."— Der Rcichötay hat, seitdem er vor Jahresfrist(om 10. No- vember 1890) zn seiner vierten ordentlichen Tagung zusammentrat, in seinem P e r s o n a l b e st a n d e ivieder eine Reih« von V e r- ä» d e r n n g e n erfahren, die diesmal weniger durch ihre Zahl als durch die dabei hervorgelretenen Parleiverschiebunge» bemerkens- werth sind. Zunächst wurden die beiden erledigte» Mandate für 1. Hessen(Gießeii-Grünberg-Ridda) und 9. Hessen(Mainz-Oppen- heim) ivieder besetzt. In Gießen war am 5. November der anti- semitische Lniidwirld Köhler- Langsdorf, dessen Mandat nach seiner Bestallung zum Postverivaller von» Reichslage nin I. Jnli für erloschen erklärt worden, mit dem sozialdemokratischen Kandidaten Redakteur Scheideumn» in die engere Wahl gekommen. In der Stichwahl am 19. November behauptete sich Köhler im Besitze des Mandats; ihm sielen 9733, dein Sozialdemokraten nur 5255 Sliinmen zn. Dagegen ging das Mandat für Mainz, Ivo der Schreiner Joest ans Gesundheilsrncksichten znrückgelrele»>var, in der Stichwahl den Sozialdemokrale» verloren. Der Zentr»mska>ididat Schmidt erhielt 10 237 Stimme», der Kandidat der Soziaidemolrate», Dr. David, 10112 Stimmen. Das Zentrum hatte das„goldene" Mainz wiedererobert. Ihm verblieb außerdem der 13. württembergische Wahlkreis Aale»- Ellivangen, dessen V.rlreter, Pfarrer Wengert, am 29.'August verstorben war; am 17. November ging das Mandat aus den Pfarrer und Professor Hofmann- Urlan über, der von 18 152 ab- gegebenen gillige» Stimme» 10 550 erhielt. Innerhalb der vierten Tagung selbst, die bis zum 25. Juni währte, vcrstarben iünf Ab- geordnete; ein sechstes Mandat wurde kassirt. Am 27. November verschied in Nizza, erst 44 Jahre alt, der Vertreter des 2. badische» Werantwortlicher Nedalteur: Zlügnst�Jacobey in Berlin. Für den Jnsei Wahlkreises(Donaueschingen-Villinge»), Karl Egon Fürst zu Fürsten- berg, erbliches Mitglied des preußischen Herrenhauses. Er hatte keiner Fraktion sich angeschlossen, aber seinen Platz ans der linke» Seite des Hauses genommen und meist auch mit den Nationalliberalen gestimmt. Das Mandat zu geivinnen wandte daS Zentrum große Mühe auf. Die Ersatzwahl am 28. Jannar brachte keine Ent- scheidung. In der Stichwahl siegte Merz(natl.) mit 10 202 Sliinine», doch hatte Schüler(Z.) nur 11 Stimmen weniger als der Sieger und außerdem waren 31 Stimmen für ungiltig erklärt worden. Auf den vom Zentrum erhobenen Protest hat die Wahl- prüfnngs-Kommission bereils im Jnni das Mandat für ungiltig erklärt, vor das Pleiinm ist die Angelegenheit indeß wegen des Tagungsschliisses nicht inehr gekoninie». Am 10. De- zeinber erklärte der Reichstag die schon früher einmal kassirte Wahl des Abgeordneten Holtz(Rp.) für 5. Marienwerder (Schivetz) wiederum für nichtig, diesmal aus dein formelle» Grunde, weil entgegen den klaren gesetzlichen Vorschriften die'Auf- stellung»euer Wählerlisten unterblieben war. Nachdem diesem Er- sordernlb genügt war, siegle in der anderweiten Wahl am 31. März der polnische Gegenkandidat v. Saß-Ja>vorski glatt mit über 1000 Sliiinnen Mehrheit(7972 gegen 0950), ivährend vorher die deutschen»nd die polnische» Stimmen sich fast genan die Wage gehalten und einige wenige abgesplitterte Stiinmen Stichwabl nölhig gemacht hatten. Eine» ziveiten Verlust hatte dieReichspartei in I.Merse- bürg(Torgan-Liebenwerda) zu beklagen, dessen Vertreter Stephan» am 13.Januar verstarb. Ter v on ihr alsKandidat aufgestellte Generalarzt a.D. Biiffenius kam am 24. März in die Stichwahl mit dem Landtags- illbgeordneten Knörcke(fr. Vp.) und unterlag diesem am 3. April. In der Hauptwahl betrug die Stimnienzahl für Biiffenius 0103, diese wuchs in der Stichivnbl mir aus 0875, dagegen steigerten sich die Stiinmen für Knörcke von 0047 auf 9407. Das Mandat für 3. Köln, Bergheim-Enskirchen(Rndolphi-j- 9. März) behauptete das Zentrum, dessen Kandidat Gutsbesitzer Brener-Gr.-Mönchhof mit 7107 vo» insgesammt 7397 Stimme» am 20. Mai gewählt wurde. Ter Abgeordnete für die ostpreußische Haupistadt Königsberg, der Zigarrenhändler und Restauraleur Schnitze(soz.) verstarb am I.April. Z»ni ersten Male gelang es de» Sozialdemokraten, diese» Wahlkreis bei der Ersatzwahl schon im ersten Wahlganqe zn nehmen; ihr Nan- didat, R«htsa»ivalt Haase. schlug mit 11914 Stimme» seine drei Gegner, vo» denen Papendieck> Dahlheim(srs. Bp.) 5008, Rechls- anivalt Krause(natl.) 4050, Gtalermeister Elörmer(Antisemit) 2101 Stimmen erhielten. Am 0. April wurde durch den Tod des Handelstommer- Präsidenten Köpp(srs. Bgg.) der Reichstagssitz für 2. Wiesbaden(Wiesbaden- Rheingau- Nnterlaunlis- Kreis) frei. Die sämintlichen Liberalen erklärten sich sür die Kan- didatnr des Landwirths und Landtags-Abgeordnelen Wintermeyer (srs. Vp), der in der Stichwayl mit 14 011 Stiinmen gegen den Zentriunskandidale» v. Fngger(8130 St) siegle. In der Ferien- pause seit dem 25. Juni ist Herr v. Podbielski(deiilsch-konservativ) Staatssekretär des Reichs-Postainls»nd damit das Mandat sür die Wesipriegnitz(I. Potsdam) frei geworden. Verstorben sind: Am 10. Juli Amtsgerichls-Sekretär Lehner(Z.), am 7. September Gras Holstein(dk). am 19. Oktober Grilleiiberger(Soz.). Die Westprignitz ist an die freisinnige Voikspartei übergegangen, Ritlerschastsdireklor v. Saldern-Plattenbnrg ist dem Berliner Großdeftillatenr Max Schulz in der Stichivahl unierlegen. In de» anderen drei Wahlkreisen trill eine Veränderung des Besitzstandes nicht ein. Für Lehner ist in 5. Oberpfalz(Neustadt an der Waldnab) am 14. September der Reallehrer Dr. Heim(Z.) ohne ernste» Gegenkandidale» gewädll worden; i» 9. Schlesivig-Holstein(Oldenburg-Plön) haben die Konservativen und'Agrarier sich mit Herrn v. Tungeln behauptet und in 1. Miltelsranke»(Nürnberg) wird trotz der Gegeiikandidaturen Barbeck(srs. Vp.) und Deubel(k) der sozialdeinolratische Redakteur Oertel am 2. Dezember sofort die Mehrheit erlangen.— Fraktions- Sitzungeu. Die deutsch- konservative Fraktion des Reichstages hat bereils für Montag Abend eine Sitzung ein- beruse», das Zentrum und die Sozialdemokraten sür Mittwoch. Alle anderen Parteien treten Dienstag znsanimen. Pavtcilitcratiir. Die Buchhandlung Vorwärts in Berlin hat zu ihrein Schriften verzeich»iß soeben einen 10 Seilen starken Nachtrag erscheinen lassen, ivori» die im Lause dieses Jahres neiierschienenen Parteischristen ziisainmengestelll sind, ferner eine Reihe N e ii- E r w e r b n n g e n z n herabgesetzten, Preise a»S dem Gebiete der Romanliteratur, Naturwissenschaft, Länder- und Völkerkunde, darunter«ine ganze Anzahl. die ihres Inhalts wie ihrer Anspattnng wegen als zu F e st- geschenke» besonders geeignet empfohlen werden. Die Partei- genossen werden nanientlich auch darauf aufmerksam gemacht, daß das Buch der Jugend sür die Kinder des Proletariats, heraus- gegeben von E»> in a Adler, edensalls im Preise herabgesetzt wurde, und zivar von M. 2 ans M. 1. Ueber die Stadtverordneteuwahl i» Chemnitz liegen jetzt nähere Angabe» vor. Die Belheiligung war schwächer als bei der vorigen Wahl, obivohi die Zahl der Bürger größer geworden ist. Von 13 200 Stiminberechtigten nahnien 8703 an der Wahl tdeil; bei der vorigen Wahl stimmten von 13 068 Wahlberechtigten 9279 ab. Gewählt wurden als Stadtverordnete in der Klaffe der An- sässigen 7 Sozialdemokraten mit 3423— 8437 Stimmen und 1 Kandidat der vereinigten Koniervativen und Liberalen tc. mit 6292 Stimmen; in der Klasse der U» ansässigen 8 Sozial- demokralen mit 3417—3433 Stimmen und«in Kandidat der ver- einigte» Konservativen und Liberalen ze. mit 0251 Stimme». Bei der Wahl der Ersatzmänner siegte unsere Partei in beiden Klassen durchweg, und zwar mit 3412— 3417 Stimmen in der Klasse der Ansässigen und mit 3413—3415 Slinnnen in der Klaffe der Unansässigen. An der Wahl betheiligt?» sich die ver- einigte» Konservative» und Liberale», die Freie Wahlvereinignng. der Freisinnige Volksverein»nd die Sozialdemokratie. Die Zahl der Kandidaten der verschiedenen Parteien betrug i» der Klosse der Ansässigen 32, i» der Klasse der Unansässigen 85. Für die beiden geivählten Kandidaten der Gegner haben all« bürgerlichen Parteien gestimmt. Bei der GemcinderathSwahl in dem industriellen Dorfe Schildesche bei Bieleield erhielt der Parteigenosse Heilland 81 Stimmeii; der sreisinnige und der konservative Kandidat unter- lagen mit 24 und 10 Stiinmen. In Höchst am Mai» batten unsere Parteigenossen diesmal von der Belheiligiing an der Stabtverordnetenivabl'Abstand genommen. Das Wahlergebniß war. daß von 1570 Siiiiim- berechtigten der dritten Zlbtheilnng ganze 37 an der Wohl theil- nahnien und daß die von gegnerischer Seite kandidirende» bisherigen Inhaber der Mandate wiedergeivählt wurden. Polizeiliches, Gerichtliches«. — Die Untersuchung gegen Frau Geiser in Breslau wegen angeblich erneuter Uebertretnng des Vereinkgesetzes ist, wie der erste Staatsnnivall am Landgericht miltheille,„mit bezug auf ihre gerichiliche Vernehmung" eingestellt worden. Die„Volkswachl" schreibt darüber: Frau Geiser Halle bei der Beruebmmig daraus Hingewiesen, daß gerade in der Thatsache, welche Anlaß zn der Untersuchung gegebe» halte, nämlich in der Wahl zweier Genossinne» ins Bureau der Llebknechl-Versaminliing, die dem angeblich geheimen Vereine angebört haben sollte», ein offenbarer Beweis zu erkennen sei, daß geheime Beziehungen zwischen den Betheiligten nicht be« stehen; denn sonst würde ein gemeinsames öffentliches Hervortrete» der betreffenden Personen sicherlich vermieden ivorden sein. — Die polizeiliche Ueberivachnng der Buchhandlung der „V o l k s st i»i m e" in Magdeburg wird fortgesetzt. Aber nicht nur die Buchhaudlung, sondern auch die„Aolksstirnine" selbst hat davon Vorlheil. Die Anslage derselben steigt, so daß man daran denken kann, das Blatt ans einer Rotationsinaschine drncken zn lasse». Auch das Jnseratengeschäft blüht wie nie zuvor.„Wir wissen vor Arbeit gor nicht,>vo zuerst anzufassen ist", schreibt die „Bolksstinime". die sich augenscheinlich in der besten Laune befindet. iteulheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von M GettrerKfiLzastlützeSo Berlin«nd Umgebung. Ter Streik der Schuhmacher bei der Firma Priestap Unter den Linden wurde nach zehntägiger Dauer zu gunsten der Arbeiter beendet. Die Wiedereinstellung des gemaßregelten Kollegen wurde seitens des Unternehmers bewilligt und damit die Ursache der Arbeitsniederlegung, an der sich 23 Arbeiter betheiligten. beseitigt. Säniinlliche Arbeiter konnten bereits gestern die Arbeit wieder aufnehmen. Achtung, Schneider- und Schneiderinnen-Verband! Heute Dienstag den 30. November, abends 8>/e Uhr, findet bei Rautenberg, Oranienstr. 130, eine Verbandsverfammlung statt. Da in der- selben höchst ivichtige Punkte zur Erörterung gelangen, ist es Pflicht eines jeden Kollegen und einer jeden Kollegin, in derselben zu erscheine». Die Bevollmächtigten. Tentsches Reich. Die Glasarbeiter der Firma Seeger u. M ellin in H i l d e s h e i m haben die Arbeil eingestellt. Die Streikenden ver- langen die Einsührung einer vo» ihnen ausgearbeiteten Fabrik- ordnung. in der besonders Werth darauf gelegt wird, daß eine monatliche Abrechnnng»nd Ailszahlimg des Guthabens erfolgt. Eine von den Streikenden einberufene Bersainmlnug beschloß, an dieser Forderung u»ter allen Umständen festzuhalten. Tie Zigarrcnmacher der Firma Neder u. Ko. in Bruck haben wegen Lohnabzüge» die Arbeit niedergelegt. Das Urtheil gegen das Streikkomitee der Leipziger Maurer ist,>vie wir bereits mittheilten, vom Reichsgericht aufgehoben worden. In der BegrAndnng des reichsgerichtliche» Er- kenntnisses heißt es, daß eine gi ech l sp ficht der drei Angeklagten, gegen die bekannten Mißhandlungen einziischreiten, nicht vorlag, daß aber dennoch vielleicht Beihilfe durch psychische Einwirkung an- genommen werde könne. Der Streik der Schuhmacher in der mechanische» Schuh- waarenfabrik von Berkowitz.Heylu.Co. in Lucka. S.-'A., dauert unverändert fort. Die Firma sucht durch Agenten Zwicker von ansivärls heranziiiiehen und hat auch, wie es scheint, in dem laiidwirlhschaftlichen Gesindevermiethlliigsbilreau für Sachsen und Schlesien vo» A. 3Iei»both in Breslau Unterstützung gefiinde», denn es sind bis jetzt drei Mann angekonnnen. von denen einer sofort wieder abreiste. Die Firma verspricht diesen Arbeitern Wochen- Verdienste vo» 22—27 M., welche nur bei dein flottesten Zivicker eine Ansnahme bilden. Wir ersuchen die Schuhmacher refp. Zwicker aller Orten bei einem derartigen Engagemenl vorsichtig zu sein. Das Slreilkomitee. Soziales. Dänische StaatSarbciter- Enquete. DaS dänische statistische Bureau hat die Ergebnisse der Enquete, die aus Antrag der sozial- demokratischen Partei über die Berbältnisse der Staalsarbeilcr vor« genommen wurde, unter dem Tiiel herausgegeben:„Lohnverbällnisse der auf Tages- und Akkordlod» beschäsliglen Arbeiter des Staates". Es sind»ur Arbeiter berücksichtigt, die tagweise oder stückweise ge- lohnt werden, während man die in Wochen- oder Monatslohn beschäf- iigte» sortgelassen hat. Die Statistik umfaßt folgende Gebiete: Domänen- wese». Wald-»nd Jagdwesen, Staatsbahnen, Postivesen. Telegraphen- weseii, Wasserbau, die königlichen Bauten, die königliche» Gärten, Veterinär- und landivirthschaftliche Hochschulen, Dünenverwaltung, Relluiigswesen, Gesängniffe, Irrenhäuser, Pnlverwerk, Ufferöder Tuchfabrik, Werft, die Gewehrfabrik. Militärlaboratorium, Festuugs« wese», Handelsverkehr mit Grönland. Di« Zahl der Arbeiter wechselt in den vier Jahreszeiten, im Durchschnitt beträgt sie 5100, wovon zirka 3200 feste Anstellung bade», während zirka 1900 nur zeitweise beschäftigt werden. Hierzu kommen noch die Waldarbeiter, deren Zahl sich auf 400 fest« und 050 zeitweise beschästigte beläuft, sowie 1135 Arbeiter an der Maschinenabtheilung der Ekaatsbahnen, die gesondert aufgeführt sind. Es handelt sich im ganze» etwa»m 7000 Arbeiter. Die Arbeitszeit der Staatsarbeiter beträgt: a) Bei gewöhnlichen Arbeitern meist 10 Stunden, im Winter etwas weniger; im Aprilquartal beträgt die Netto-ArbeitS- zeit für 1120 Arbeiter 10 Stunden und für 241 noch darüber; b)dieBahnarbeiter»nd B a h n w ä ch t e r haben lO'/e Stunden Arbeitszeit und 1000— 2000 noch darüber; e) die Waldarbeiter haben eine Netto-Arbeitszeit von 10 Stunden, einzelne tO>/, Stunde» »nd darüber; ck) die Arbeiter an der Maschinen-Ab« theilung der Staalsbahnen haben starte 10 Stunden Arbeitszeit. Der Arbeitslohn beträgt bei den unter a nnd d aufgeführten Arbeitern(1 Krone— 100 Oere--- 112'/» Pf.): 90 Oer« bis 4 Kr. 27 Oere, die Mehrheit hat etwa 2 Kr. Tagelohn, etioa 2300 darunter, etwa 2700 darüber, über 3 Kr. haben nur etwa 700 Arbeiter. Die Waldarbeiter haben zu zwei Dritteln einen Tagelohn von 1 Kr. 74 Oere»nd darunter, der Durchschnittslohn für die ganze Gruppe beträgt 1 Kr. 73 Oere. Die Stoatsbahn- Maschineiiarbeiter bekominen zum größte» Theil 3 Kr. Tageloh», ei» kleiner Tdeil auch 2,20—3 Kr. Um einen Tagelohn von 3 Kr. sür alle Aibeiler zu er- lange», wurde eine wettere Ausgabe von etwa l'/z Millionen Kronen erforderlich sein. Eine Ferienwoch«(die zweite Forderung der Staatsarbeiler) würde bei 3 Kr. Tagcsloh», etwa 93 000 Kr. Koste» verursachen, bei der heutigen Löhnung»nr 78 000 Kr. Die von der Sozialdemokratie geforderten K i n d e r- U» t e r st Ü tz n» g e n würde» ca. 10 000 Kr. erfordern. Am interessanteste» ist vielleicht in der Statistik die Thatsache, daß der Staat gegen 400 Arbeiter mit weniger als 1 Kr. Tagelohn beschäftigt und daß etwa 2500 Arbeiter«ine Arbeitszeit von über 10t/» Slnnde» haben.__ Depeflsieir und letzte Lluchehtzleu. Kiel, 29. Nov.(N. D. B.) Die„Franks. Ztg." meldet: Gerüchtweise verlautet, daß die Mannschaft des Kreuzers„Kaiser" von den Chinesen überfallen wurde. Bremen, 29. Siovember.(W. T. B.) Der Echnelldampser„Kaiser Wilhelm der Große" ist am 29. November, 9 Uhr»lorgens,»ach einer Durchschnittsfahrl von 22,10 Seemeilen Lizard passirt. Der Dampfer hat damit die schnellste über de» Ozean gemachte Fahrt übertroffe» und de» Rekord sännntlicher Schnelldainpser-'Reisen nach beiden sttichtnnge» übertroffe». Wien, 29. November.(W. T. B.) Die Laiidwirthschafls�Gesell- schaft nahm in ihrer Heuligen Sitzung einstimmig einen Beschlnß- aiitrag an, durch welche» sie de» Minister des Aeußeren Grasen GoluchowSli zn dessen mnlhvoller nnd entschiedener Elellungimhi»« gegen die überseeische Konkurrenz begtückiviinschl»nd demselben ihr Vertrauen»nd ihren wärmsten Dank zum Rnsdruck bringt. Briinn, 28. November.(B H.) Der 74 Jahr« alle Kaufmann Max Brück, Chef der großen Mnhlenstrma Gebrüder Brück». Schick Hierselbst, bat Selbstmord verübt, inoem er sich ans dein zweite» Stock seines Hauses ans die Straße stürzte. Er war sofort lodt. Ueber die Veranlaffniig zu diesem Selbstmord ist nichts bekannt. Bndapcst, 29. November.(W. T. V.) Ter„Pestcr Lloyd" schreibt, der Niinisterpräsident Baron Banffy werde bei der Wieder- ausnähme der Sitznngeii des ungarischen Abgeordnetenbauses am 0. Dezember i» der Lage sein, die Annahme des Ausgleichs- provisorilims in Oesterreich mit Sicherheit in Aussicht zn stellen Liittich, 29. November.(B. H.) Heute früh hat ein blutiger Zusammenstoß zwischen den Streilenden und den deutschen Gruben- arbeitern stattgefunden. Erster« versuchten, die Deutschen i» den Streik mit einzuziehen. Letztere jedoch iveigerten sich, die Arbeit niederzulegen, iveshalb es zu einer hesligen Schlägerei kam. Tie Streikenden feuerten llievolverschüsse ab. Zwei Deutsche wurden tödllich verwundet. r Babing in Berlin. Hierzu S Beilagen u. Unterhaltuugsblatt- «-»■"■ i'ff 1. 1. Kilxze i>cs Jorniiits" ßftliittt PoMitt.«>-«»»««->»"> Die Mavinevorlngv in dev VveNe. Es bedarf kaum besonderer Erwähnung, daß die eigentlichen Regierungsblätter die Vorlage als Muster einer bescheidene» Forde- rung. als Mindestmaß dessen, was«unbedingt nöthig" sei. hin- stellen. Auch die übrigen konservativen Blätter sind sehr befriedigt von der Vorlage. Die„Post" sagt: „Die Forderungen, welche durch daß Flottengesetz verwirklicht werden sollen, stellen sich in der That als das Mindestmaß dessen dar. was nothwendig ist. wenn die deutsche Flotte ihren Aufgabe» aus allen Gebieten gewachsen sein soll. Die Forderungen bleiben iveit hinler dein zurück, was eifrige Marinesreunde als das zu er- strebeude Ziel noch kürzlich bezeichnet haben, und den sogenannte» Marine-Enthnsiaste» wird, wie dies auch bereits>n einzelne» Äeuße- rungen der Presse zum Ausdruck gelangle, enu bittere Enttäuschung bereitet." Die„Berliner Neuesten Nachrichten" schreiben: „Es liegt in dieser Festlegung des Flottenbeftandes eine Analogie mit dem Kadresgesetze für unser Landheer, und gegen dieses Gesetz konstitutionelle und bndgetrechlliche Bedenke» zu erheben, ist noch niemanden, eingesallen. Zudem müssen in jedem Jahre die erforderlichen Mittet in den Etat eingestellt und dem Reichstage so zur Bewilligung vorgelegt werden. Auch nach technischer Richtung dürften keine Bedenken gellend gemacht werde» köttnen, da keine Schifsslypen, sondern Schiffsklassen festgelegt sind, und auch hierbei der Reichstag in jedem Jahre zu der Höhe der Kosten für jedes Schiss sein entscheidendes Wort z» spreche» hat." Die„K r e u z- Z e i t u n g" führt aus: „Und erfordert nicht ebenso und mit demselben Recht auch die Wahrnehmung unserer ausländischen Interesse» eine starke Schlachtslotte? Wenn die anderen Mächte wissen, daß hinter jedem auswärts fialionirten deutschen Kreuzer auch eine mächtige deutsche Flotte in der Heimath bereit steht, dann»niltiplizirt sich der„Kreuzer" zu einer gebietende» Machlsülle, die doch schließlich nichts anderes will, als durch die Bereitschaft zun, Kriege -den Frieden! Wenn i» den verschiedene» Staate» Ainerika's und Asiens der Bau moderner Flotten in die Wege geleitet ist. da darf doch Deutschland nicht zögern, dieselbe» Wege z» gehen! Es sind genug Rufe nach einer moderne» MarineveNretung Deutsch- lands im Auslaiide von dortige» Deulschc» erschollen, um diese Thatsache nicht erst näher beleuchte» zu müssen." Die„Deutsche TageSzeUun g". dnL Blatt der Agrarier. schreibt: „Der Flottenplan, den wir vorgestern nach dem„Reichs-Anzeloer" veröffenllichlen, hat nicht überrascht Es würde»ngcrechl sein. wenn man die dort ausgesprochene» Forderungen als„maßlos" bezeichnen wollte.... In einer Beziehung hat uns die Veröffentlichung deS„Reichs- Anzeigers" wesentlich getäuscht. Die Begründung, die sie bietet, ist. wenn man übcrhaupl von einer„Begründung" spreche» dars, außer- ordentlich dürftig. Vergebens siichen wir auch nur den Schimnier eines Grundes dafür, weswegen man gerade die gesorderte Zahl von Schiffen für nöthig erachlel. weshalb man gerade i» sieben Jahren die Flotte ihren dauernde» Höchststand erreiche» lasse» will... Wir komme» immer wieder auf de» Gedanken zurück, daß es unglücklich war, diese Vorlage diesem Reichstage, der im Früh- jähr seine Thätigkeit beendet, vorzulegen. Man hätte sich Heuer mit den Forderungen für den nächste» Etat begnügen sollen." Der„Hamburger Korrespondent" führt aus: „Dariiin begrüße» wir es grundsätzlich, daß die Manne in ihrem Sollbestande»nnmchr gesetzlich festgelegt werden soll... In der Stabilität der Flotlenslärke liegt aber noch mehr als die Bürgschasl für die Erfüllung der unserer Marine zukommende» Aufgaben. Die Zahl der Schiffe, die Bestimmung über die Schiffs- klaffen, die Zeit für das Relabtissement und den Ersatz sind unseres Erachtens so beniessen, daß hier von„ansschivelfendc» Forderungen der Flottenenthllsiasten" nicht die Rede sein kann. Im Gegenlheil: wir sind überzeugt, daß diese theilwerse ebenso enttäuscht sein iverde». wie die unversöhnliche» Gegner entsetzt. Wer unsere See-Jnlcressen und die Seemacht der anderen Staate» kennt, wird sich sagen niüssen, die Vorlage hält sich i» den Grenzen deS Rothweiidige» und Möglichen." Tie n a t i o n a l l i b e r a l c Preffe ist«bensaNS zur Bewilligung aller Wünsche der Rcgm»»g geneigt. Das offizielle Organ der Partei, die„Natronalliberale Korrespondenz' legt folgendes dar: ...Es ist nun über jeden Zweisei klargestellt, daß der von der Regierung geplanie Flolleubau sich«» mäßigen Grenzen hält; daß er weise Rücksicht ans die Finanzkrast des Reiches nimmt: daß er auf eine» Hieb alle Schlagivorte von der„»serlosc» Flottcnpotilik" zerstört, die unier dem Versuch tiner gröblichen Jrresührung der öffentlichen Meinung in die Massen geivvrse» sind. Von ivesentlicher Bedcutnng für die parlamentarische Bchand- liing ist die ctatsrechtlichc Seite des Entwurfs, die von de», bis- herigen parlamenlarischc» Gebrauch der Bchandlniig der Schiffs- bauten abweicht. Zunächst insofern, als gesetzlich festgelegt werden soll, daß in der angegebenen Zeit der angesührle Bestand der Flotte auf dem Wasser schwimmt; daß die Flotte diesen Bestand behält; daß schließlich e»» bestimmter Theil der Flotte>» Stand und das zugehörige Personal zur Aersügung gehalle» wird. Wir lassen alle Mnthinaßiinge», ob der Radiknlis- »l»s darum die Mehrheit deS Reichstags ans seiner Seile finden wird, ans sich beruhen. Rur soviel sei gesagt, daß es»n bestreit- bar berechtigt r st, wenn das Reich auch eine sichere Ge- währ dafür verlangt, das gegebene Ziel zu erreichen und die matc- ricllen Forderilnge», die als nothwendig llnd gerechlserligt anerkannt werden müssen. Ganz ähnlich stellt sich die„Köln. Ztg", die garnichts gegen das Sepieniial«inzuivenden hat inid nur, im Falle daß der Reichs- tag für das Eepteinial nicht zu haben sein sollte, der Regierung aiirälh, auch ohne dasselbe fürlieb z» nehme». Dem Septennat ab- geneigt ist dagegen die„R a t i o n a I- Z t g", welche die Forde- tliiigen an sich verlritt. Dieses Blatt führt ans: „Wir glauben, daß die hinsichtlich der Erneilirimg und Ver- stärkiing der Flolle gestellten Fordernnge» im ganze» als wohl- begründet und— wen» Deulschland überhaupt zur See etwas bideulen soll— als nicht übermäßig an- erkannt werde» müsse». Der jetzige Reichstag soll durch Gcnehniigiing des Planes im ganzen die künstigen Reichstage bis IlXU verpflichten, die zur Aiisführniig des Planes im einzeliie» crsorderliche» Beivillignngen aiiszusprcchen. Daß dies durch irgend ein Gesetz ivirklich zu sichern ist, hallen wir nicht für ausgemacht Ebensvivenig, daß der gcgenwärlige Reichstag sich dazu wird bereit finden lasse». Deshalb, und weil das Vorwegnehme» der Beschlüsse auch nicht frei von sachliche» Bedeuten ist, auf die zurückzukommen sein wird, beziveifeln wir, daß der Vorschlag des sogenannten Septennats die Beivilligiiiig des für die Schiffsbanten und sonst erforderliche» Geldes sörder» kann. Nach unsercm Dasürhalten sind die Anstrengungen aus die Durchsetzung der materielle» Forderungen zu richten." Eine ähnliche Hailung wie die„Naiional-Zeiiung" nimmt das auf dem Standpilnkle der Freisinnigen Bereinigung stehende„Berliner Tageblatt" ein: „Es ist eine Binsenwahrheit, daß das Denlsche Reich bei der stch immer vergrößernden Ausdehnung feiner handelspolilischen Veibindiingeil ohne eine achtnnggcbietende Kriegsflotte nicht anszu- kommen vermag. Es versteht sich auch von selbst, daß eine Pflicht- beiviißte Bolksvertretiiiig stets bereit sein wird, in Marinesrage» ans diejenigen Ersatzbanlen bedacht zu sein, die für die Alisrechterhaltung des Flottenbestandes»numgängtich sind... Allein ivir glauben nicht, daß der gegenwärtige Reichstag sich dazu bereit finden lasse» werde, auf sein jährliches Bewilliglings- recht, das als ein Machtfaktor in seiner Hand gilt, kreiwtllig z» ver- zichten. Wir glauben auch nichl, daß irgend ein Nachfolger dieses Reichstages, mag er infolge von Anflösungen oder in der reget- mäßigen Zeitfolge der Neuwahlen zu stände gekomme» sein, sich herbeilassen könnte, das vornehinite Recht, das ihm die Verfassung verbürgt, gewissermaßen enthanpien zn helfe». Wir glauben des- halb, daß der Slaalssekretä: Tupiy der Flottensache einen sehr schlechten Dienst geleistet hat, als er sie mit der Frage des Seplennals verquickte." Besonder? wichtig erscheint die Haltung der Zentrums- presse. Nach einer Darlegung der Koiien sagt die„ G e r m a n> a' i „Wird sich dafür im gegenwärtige» oder in einem zlikünftigen Reichslage eine M e h r he i I finden lassen? Wir glauben, diese Frage mit einem runden N e i» beantworten zu können. Die„Begründung" des neuen Marine-Gescyenlwurss für die Nothwendigteit des gesorderte» Schissbestandes ist außerordentlich mager ausgefallen.... Worin diese„Seeinleressen" und maritimen Aufgaben bestehen, wird mchi wciler gesagt Tie Ansichten darüber wechseln bekanntlich, auch i» Mnrinekreiscn, sie wechsc!» sogar innerhalb eines Jahres, wie der Wechsel!N> Reichs-Marine-Aml gezeigt hat. Die Marine-Verwalliing will mit der gesetzlichen Festlegung der Flotlenslärke einseitig den Reichtag binden, s ü r sich selbst aber freie Hand behalten, auch insbetreff der Höhe ihrer weiteren Marinefordenuigen. Wir sind gespannt daraus, zu erfahren, wie der Gesetzentwurf selbst— der„Reichs- Anzeiger" bringt nur eine Jnhallsangabe»ach den Motive» der Vorlage— dies gesetzgeberisch sixiren will. Dieses Marine- Septennal für den Erweilerniigsbau der Flolle soll dann auch noch ein M a r i n e- A e t c r n a i werden, wenigstens für den Soll- Bestand der Flotte nach dieser Vorlage, aber irahrschewlich iv»d man schon vor Ablauf deS Septennats mit neuen Flotlenverinehriiiigs- Forderungen kommen, wie wir das ja auch be»» Militär-Septennal erlebt haben. Die Mariiie-Vcnvaklung macht e? sich nngehener leicht, wenn sie behauptete, das Floiieiigesctz könne ohne neue Stenern und ohne eine einmalige grobe Anleihe ausgeführt werde». Ge- iviß, das kann ja in der Weise geschehen, daß statt einer einmaligen großen Anleiche jährliche Anleihe» gemacht werden, oder daß »ia» neue Stenern nichl mit Marinekoste». sondern mit erhöhten Mitilärausgabeii begründet Hat doch»n lausenden Elalsjahre wiederum eine Marine-Aiileihe von 28 Millionen Marl ausgenoinmen »erden müssen, und im ganze» sind im lausenden Etatsjahre 92 Millionen Mark in einer Anleihe z» decken gesucht. Soll nun diese Sch»ldi»wirlhschasl noch mehr vergrößert iverden, daß ma» schließlich sogar zur Deckung von Cchuldenzinsen nene Sienern ein- sichre» imiß? Die„sinanzicllen" Eiörternngen des„Reichs-Anzeigers" bedeuie» nichts anderes als ,. S a n d i» d i e A u g e n Die Marineforderungen iverden irir, ohne»ns für die Zilkiinft irgendwie zu binden, jährlich nach dem Bedürfnisse prüfen, wie es bisher geschehen ist, eingehend und ernstlich, aber ohne ein Flottengesetz. das wohl mir Gesetzentwurf bleiben wird." Noch schärfer verwirst das demokratischere ZeiUriimsblaü „Märkische Volks-Zeitiing" die Vorlage. Die Presse der freisinnigen Volkspnrtei»nd bürgerlichen Teniokrali« erklärt sich gegen das Septennat, will aber zur Zeil die Schtssssorderunge» selbst„sachlich" prüfen. Die„Berliner Morgen-Zeitiing' schreibt•. „Die Aersichernng, daß die Vortage das Etatsrecht de? Reichs- tages vollständig wahrt, ist überflüssig, denn schon i» der Vorschrift, „die Bauzeit beträgt sieben Jahre", liegt die B e e<» t r a ch t> g u n g des E l a I s r e ch t s. Es ist»lit der Versassnug durchaus»»> vereinbar, daß der Reichstag anj siebe» Jahre hinaus Ausgaben festlegt. Er wird sich, wenn anders er von seinem EtalZrecht noch etwas hält, daraus beschränke» müsse», die z» bewilligende Summe so zu bemessen, daß sie annähernd im Elalsjahre für de» Bau verbraucht wird. Was er darüber bewilligt, ist versassnngswidrig und vom Hebel." Die Berliner„V o l l s> Z e i l u n g" sagt? „Keinerlei Thatsache dafür, daß gerade voiu Jahre 1897 ab eine so»»geheure Vermehrung nnd Ernenernng unabwendlich von Nöthen sei! Und mit dem Fehle» dieses unerläßlichen Nach- weises muß der ganze Plan selbst fallen!... So ist denn alles uferlos, schon nach dem, was im Entwnrs dargelegt wird. Das Recht der verbündete» Regierungen, während des Septennats nene Forderungen zu stelle», ist sachlich nnd formal nnbegreiizt. Slnch das Recht der Vollsverlreliing, zu bewilligen, ist ohne Grenzen. Die Ufer,»ach denen sie ans- schanl, hat die Volksvcrtrelmig nicht vor sich, sondern hinter sich; sie werde» gebildet durch de» feste» Wall der Verjassnng, der. einmal verlasse».»leinals mebr erreicht iverden kau»." Tie„ F r a» k s n r l c r Zeitung" bemerkt: „Den, jetzigen SieichSlngc wird also thalsächlich angesonnen. seinen Naehsotger cinsaeh seines Biidgctsrechis z» berauben. Wir bezweisein denn doch, daß er diesen Weg betreten ivird, und wir glanben auch nicht, daß die Regieruiig gnt operirt. wen» sie der Volksverlretnng.»och dazu am Schlnß der Legislalnrperiode für den jetzigen Reichstag, eine solche Aliernative stelli... Im Rahmen der Elatcsordernngen für ei» Jahr dürste sie eher de» Reichsralb bereit finden, ihr da eiitgegcnz»ko»»»en, wo sie einen wirklichen Schiffs- mangel.«Iiva für überseeische Stationen,»achweisen kann." Tie„Freisinnige Z e 1 1 u n g" behandcil die Vorlage tn mehreren scharj abweisende» Arlikelu. Uolmles» Der Wahlvcrci» dcö dritten Pcrlincr RclchStagS-Wahl- krcifcS hall heute(Dienstag) Abend ö>/, Uhr in den ,.Orn»t>»- hallen", Oranienftraße St. eine Versa»»»!»»» ab, in der Genosse Albert Wagner über die indiistrielle Enlivickelung»nd die ArbeiUrkäinpse referiren wird Gäste haben Zntrilt. neue Mitglieder werden in der Versammlung ausgenonune». Regen Besuch erwartet Der B o r st a» d. Tic Freie Volk-Sbiihn» feierte am Sonnabend Abend ihr Winter- fest in den Sälen der„Brauerei Friedrichshai»". Die Belheilignng war eine außerordentliche. An 2000 Personen hatte» sich«iiigesunden uiid folgten mit regster Ztllsuierksamkeit dem ernsten künstlerische» Konzert- Programm, welches die Neue Berliner Symphoniekapelle, unier Dircllio» des Herr» von Blo» zum Vortrag brachte. Lebendigster Beifall lohnte den trefflichen Darbietiliigen. Später folgte das Tanzvergnügen für das junge Volk. Die Polizei halte sich nicht enthalten können, sich den Fesltheil- nehmern bei dieser Gelegenheit, sagen wir— in Erinnerung zu bringen, i»dem sie den Vortrag der r», Programm an- gegebenen Dichtung«»— die politische Unschuld derZBerliner Arbeiter hätte sonst vielleicht Schade» erlitten— einfach verbot. Allein ei» Lied der Ada Negri. aber iveder Hcnkell's„Polizeikommissar", noch endlich der S ch l n ß g e s a n g aus L e»> a u' s„Ui l b i g e» s e r n", die längst ein Theil der deullchen klassischen Literatur geivorden sind, hat vor den Auge» der Behörde Gnade gefunden. Eine beißendere Satire auf die in Preußen herrschend«» Zensur- zustände als diese Thatsache. daß die Polizei über Lenau zu Gericht sitzt nnd die Deklamation von Werken, die seit Jahr- zehnte» zum literarischen Gemeinglit aller Gebildeten geworden sind. aus einem A r b e i l e r s e st verbieten, Ihaisächlich und buchstäblich verbieten dars. wird auch die boßhafleste Phantasie des verhärtelsten Nörglers nicht anszlidenken im stände sein. Uebrigens scheinen die Augen für ein bedeutend ungefährlicheres nnd konservativeres Sinnesorgan als die Ohren zu gelten. Denn der Prolog von Ernst Preczang, der in schwungvolle» Strophen das Licht- und Kunststreben des Proletariats seurt, durfte von den Auge» aller derer, die für 10 Pj. das Programm erstanden, in Ruhe gelesen, aber oo» den Ohren derselbe» Leute nicht gehört werde». Die Deklamation auch dieses Stückes war von der Behörde verboten worden. Daß solchen Berboien' mehr agitatorischer Werth als auch den schwungvollsten Gedichten ln»e>voh>il, das iiiiterliegt wohl keinem Zweisel. Hebet Berlin als Handels«, Jndiisttte- nnd BerkehrSstadt bringt die neueste Nummer der.Sialislischen Korrespondenz" eine Reihe beachlenswerther Zahlen. Berlin halte nach de» Berufs- und Gewerbezählnngen von IL32 und 1395 I 156 945 und 1615 517 Ein- wohner Die in Berliner gewerblichen, Handels- iliid Verkehrs- betriebe»(letztere ohne Post, Tetegraphie und Eisenbahnen) lhälige» Personen erreichten 1882 die Zahl 659 936 und 1895 545 593 Im Dlirchschnitte des preußischen Staates mit 27 287 860 (1832) beziehnngsweise 31 490 315(1895) Einwohnern waren in diesen Gewerbebelrieben 15.60 bezw. 13,61 pCl. der Bevölkerung besehäfligt; in Berlin sind es 3t. 12 bezw. 63,77 pCl. Die Berliner Bevölkerung ist also viel stärker an Geiverbe. Handel und Bcrkehr beldciligt als die des Staates»n Dnrchfchnitle, wobei freilich zu berücksichtigen ist, daß ein Theil der enverbslhälige» Personen der Berliner Beiriebe»ichl im Weichbilde der Stadl, sondern in de» Vororten wohnen. Tie weitaus meisten Gewerbszweige sind tn der Hauptstadt vertreten.?lllein wenn im Staate von ver gesammte» geiverblich thäligeii Bevölkernng(1895 5 361 707) den eigenllichen Gewerbe» (->) 4 626 325 Personen oder 73.83 pCl.. dem Handel und Verkehre (d> 1267 832 oder 21,12 pCl. angehörten, so entfielen von hundert der Berliner geiverbliche» Bevölkentiig auf daS eigentliche Gewerbe(a) mit 66,85. auf Handel und Verkehr(d) aber 33.15. Der stärkere Aiitheil der Handels- und Verkehrsgewerbe ist augensällig, und er nimmt mehr»nd mehr zu: denn das Personal der eigentliche» Gewerbe(a) hat sich seil 1882 nur um 40 pCt.. das der Handels- nnd Vcrkehrsgewerbe(b) aber um 81,83 pCt., also mehr als doppelt so stark vermehrt. Die Gesamiiilzah! der Gewerbebetriebe der Hauptstadt betrug 1882 139 246. 1395 156 076. die Zahl der in ihnen lhälige» Personen 1882 359 966, 1895 545 598 Von den Betrieben waren 1382 1395 a> im« i z e n l l> ch e a Hauvt- Neben- Haupt- Neben- Gewerbe beirieb: betriebe betriebe betriebe Alleiiibelnebe.... 64 562 2564 54 262 2298 Milinhader-, Gehilfen- und Motorenbetriebe... 25 733 263 33 004 123 ziliammcn.. 99 295 2327 87 299 2421 b) im Handels- und Verlehrsge werbe Alleiiibelnebe..... 25 900 8764 84 606 3246 Mitinhaber-, Gehilfen- und Molorenbetriebe... 16 162 303 23 306 231 znsammcn... 42 992 4992 62 912 Z477 Die gewerblich Thätige» der Hauptbetriebe(Nebenbelriebe haben nn Sinne der Slalistik Überhanpl kein Personal) ver- iheilen sich wie folgt! Aus Alleiiibelnebe im eigentlichen G e iv e r b e kamen, wie«rwähnl, 1352 im ganzen 64 562 Per- sonen. 1885 hingegen 54 262 Personen; es hat sich in den 13 Jahre» eine Abnahme der Alleinbetriebe»in 15.74 pCt, der Personen um 15.95 pCl. ergeben Die Alleiiibetriebe im Gewerbe gehen also in der kapitalistischen Aera rapide den Weg alles Fleisches Eine verblüffende Zunahme zeige» hingegen die in „Mitinhaber-, Gehilsen-»nd Motorbelrieben" beschäftigten Personen. Diese beliesen sich iin Jahre 1332 aus>95 949, im Jahre 1395 hin» gegen ans 310 461! Ei» solcher?!>edergang des kleinen Mittel- standos im eigentlichen Gewerbe machl es erklärlich, daß mancher als Agent ec. einen Relliingsanker im Handels»»nd Verkehrsgewerbe suchte, wo die Zahl der allein- stehenden Existenze» sich den Betrieben»ach um 27,65 pCt., den Personen nach nni 33.61 pCl vermehrt hat. nämlich von 25 900 auf 34 606. Die Miliiihaber-, Gehiisen» und Molorenbeiriebe im Handels- und Verlehrsge werbe haben sich hingegen nin 73,27 pCt.. die i» ihnen beschäftigte» Personen gar ilin 93.80 pCt. oder der Zahl nach von 73 575 aus 146 269 vermehrt. Wie sich dieser Fonschnit zu gnnsten des kapitalistische» Großbetriebes in de» einzelneu Gewerben vollzogen Hai, werde» wir in einem nächste» Artikel zeigen. Eine neu« Sabbathschändnng beim Klrcheiiban. In der Waffei lhorstiaße ist eine neue Kirche für die E i»I e o» t» gemeinde erbaut ivmdeii. Die Eiiiweihuiig derselben, die»atür- lich nni den übliche» Feierlichkeile»„in Gegenivart höchster nnd allerhöchster Herrfchaslen" stallfindei, ist ans den 1. Dezember fest- geseht. Soivohl der Bau, wie die innere Ansslaltnng sind auch recht- zeitig vollendet ivorde». nur mit dein Ausbau der Orgel scheint man etivas zu spät angefange» z» haben. Da aber die Orgeliniisik bei den Einweihungsseierlichkeiten nichl gut eutbehrt iverden kann, so»rbeiteteu die Orgelbauer nicht nur jeden Wochentag bis in die Nacht hinein, sonder» sie waren auch dcS Sonntags emsig der der Arbeit. Selbst am Bußtage»ud am Todtensountag» an welche» Tagen die Polizeibehörde mit ganz besonderer Sirenge darüber zu wachen pflegt, daß diese ernste» christlichen Feiertage durch keinerlei profane Verrichimige»„enlheiligi" werde», arbciieleii die Orgelbauer in der Simeoiiskirchc wie an jedem Werllage. Ebenso am v e r g a» g e n e u Sonntage Nicht cinmal wahrend der Stnndrn deö GottrS- dtensteö wurde die'Arbeit unterbrochen. Somit ist also die Zahl der Eabbathschändungen an Orlen, wo ma» solches am ivenigslen envarteii soltle. iv i e d e r» in vermehrt. Sonderbar, daß nichl einmal bei Kirchenbaulen die Vorschriften über die Soniilagsheilignng beachtet iverde». Hier habe» es doch die fromnicn Leute. die unser öffentliches nnd pnvales Lebe» mit Religion durchträule» möchte», in der Hand, für die Durch- sührnng ihrer Anschamliigen zu sorge» W a r u Iii mußten die Arbeiter beim Bau der Orgel in so unverantwortlicher Weise schnsten? Konnte man denn nicht die Einweihung hinaus- schieben, oder, wenn daS nicht beliebt wnrde, mehr Arbeiter an- stellen? Es ist doch ein wundersameS Ding um dieszeitgemäßeFrömm'ig- keit»»serer in solchen Fragen tonangebende» Gesellschasl. Die Polizei des christlichen Staates glaubt den christliche» Feiertag schon e»t- keiligt, wenn sich Sonntags in irgend einem Schanfcnslcr ei» paar Sardinenbüchsen und Leberiviirste unverhüllt dem Auge deS Straßen- passante» offenbaren. Im königlichen Schloß aber, i» der Gnadenkirch«, in der Kirche mit der w e g g e m e i ß c l ten Kameelsiuschrist«nd niinmehr auch in der SimeonSkirche ist der christliche Sabbalh nach Stolen'geschändet worden. Morgen, bei der Einiveihung dieses Instituts, werden die Töne der Orgel de» Raum zum ersten Male durchbrause» nnd alle Interessenten, Förderer und Gön» er der modernen Frömmigkeii werden dann gewiß so recht in tiefster Herzensandacht versliiike» und z» neuer energischer Besolgnng der Gebole ihres Gottes znrechtgeslinnnt sein. Wie wäre es dann mit einer herzhaften Predigt über das Thema:„Du sollst den Feiertag heiligen?" Nach einem Berichte dcö NiiflaktSarzscö Dr. Bollert vom Nrbeilshause in Nilmmclsbiirg sind im abgelanfenen Geschäfisjahre gut die Halste der aus de» Nieselseldern beschäftigte»„Korrigende»" tm Ciijorelf)'bcS SlrbeilShaiiscs ärztlich behandelt worden. Im ganzen wurden in dieses Krankenhanse behandelt 342 männliche und 65 weibliche„Korrigcnoeil". Diese auffallende Erscheinung und die Ursache der Erkrankung wird auf den Genuß des Rieselwaffers zurückgeführt. Die Verivallung des Zlrbeilshanses hat sich dem- zufolge veranlaßt gesehen, aus gesundheitliche» Rültsichte» den ans den lliieselseldern beschäftigten„Korrigenden" das Trinken des ge- klärten Wassers strengstens zu untersagen. Man sieht,„Korrigenden" sind schließlich auch Menschen und das Siieselwasser taugt selbst für einen„Korrigendenmagen" nicht! Tic„Vosinlär-tviffenschaftlichen Borträge", welche jede» Mittwoch in der Geineindeschnle Dieffenbachslr. 6t gehalten werden. scheinen zurveile» zur Soziali st entödterei herhalten zu müssen. So berichtet uns ei» Leser, daß am vorigen Mittwoch viel die Nlede war von Vaterlandsliebe, die sich an» schönsten in der Liebe zn>n Monarchen zu erkennen gebe. Da seien aber die bösen Sozialisten und Anarchisten, die dem Volke dieses hohe Gut nehmen »vollten. Dan» förderte der Redner, dessen Name uns leider nicht genannt wird,»och die Weisheit zu tage, daß die Führer der Sozial- demokratie voller Lüge»vnrcn; es hülse rein gar nichts, daß königs- treue Männer ihre Lügen jede» Tag zu»vidcrlcgen suchte». Wenn oft solches patriotisches Blech geredet wird, dürsten die populär- wiffenschastlichen Borträge bald vor leeren Bänke» gehalten»verde». Ter Hanölierwaltcr niit den» Gnmniischlauch. Ein»vnnder- lichcs Rundschreiben hat der Hausivirth Otto Se>)ffert, Jernsaleiner- straße 57, an die Mielher seines Hauses Alvenstebenslr. 17 erlassen. Das säuberlich gedruckte Dokument lautet in»»vesentliche»:„Bei den» gestrige» Ausenlhalt meiiies Sohnes im Hause Alvenlebenstr. 17 ist der von mir angestellte Berivaltcr Herr Lipinski von mehreren Miethern verhöhnt und in gröblichster Weise beleidiget»vordc»; anßcrdcn» wurde von verschiedenen Eeilen zu ein ein Aufruhr in» Hanse hingearbeitet. Gegen alle diese, gegen die Hausordnung ver- stoßenden Ungehörigkeiten, verivahre ich»»ich ans das enlschiedenste und»verde dieselben nnnachsichllich ans das strengste mit alle» mir zu Gebote stehenden Millein ahnden. Wenn sich die Miether be- fchivcre», daß der Verivalter die Kinder in» Hause mit einen» G n m n» i s ch l a u ch schlägt, trage» die Mielher s e l b st die Schuld daran. Wenn die Kinder im Hanse Feuer anlege»», j» die Wohnung des Berivalters mit Schinuh iveifei» oder sonst das Hans durch Zerstören schädige»,»md nach dem Verbot durch den Verivalter noch durch die Elter» in nn vernünftiger Weise bestärkt werde» durch den Ausspruch:„Der hat Euch gar nichts zu sage»»", ist eine sofortige Züchtig u ,» g der Kinder»ur angebracht. Im übrigen ist ei» hohler Guminischlanch ein»veit ungefährlicheres Werkzeug, als ein Stock, mit»velchem der bisherige Verivalter gezüchtigt hat. Ich stelle es den Miethern,»velche» nicht daran liegt, in einem Hause zu»vohiien, in»velchem Ruhe und Ordnung Herrschi, anheii», die Wohnung zu geeigneter Zeit zir kündigen und zn ziehe». Als eine U» v e r sch ä»n l h e i t sondersgleichen kann ich es nur bezeichnen, daß Miether das Zirkular au mich unter- schrieben haben,»velche lheils keine Mielhe bezahlen, theils mit der- selben im Rückstände sich befinden." I» diesem Hanse scheine» ja»vundcrliche Zustände zu herrschen. Ein»euer Zlcrztcstrcik. Der Geschäftsausschnß der hiesigen ärztlichen Slandcsvereine hat beschlossen, de» Aerzte» dieser Vereine die Ablehnung jeder Behandlung für den»engegründelen Verein „Dieustboten-Krankenversichernng" anzueinpfehlen. Der Grund für dieses Vorgehe» ist darin zu suchen, daß die Höhe des von diese»» Verein de» Älerztcn für die Krankenbehandlung der Tienstbolei» be- »villiglcn Honorars die Miniinalsähe der Gebührentaxe für die Aerzte nicht erreicht. Diejenige» Mitglieder der Aerztrvcreine,»velche sich der„Dienstboten-Krankenversichernng" bereits für die Behandlung zur Verfügung gestellt haben, sollen von den» Beschluß des Geschäfts- ausschnsses durch die Vorsitzendill ihrer Vereine besonders in Keniilniß gesetzt»verde». Ucber seltsame Zustände ans den» Ringbahuhof Wcistensee »vird u»s von einem Leser berichtet: An» Morgen des 25. November betrat ich de» Bahnhof, um nach Friedrichßberg zn sahren,»vo ich um 7 Uhr ans der Arbeitsstätte fei» muß. Der»»» Uhr fällige Zug blieb aus, und der nächste Zug»var so übersüllt, daß kein Fahrgast mehr in die Konpees dritter Klasse hineinkonnte. Alles stürinle nun in der Roth nach de» Wage» ziveiter Klaffe, aber. o»veh, ans Anordnung des Slalioiisvorstchcrs mußten die Arbeiter wieder anLsteigen. Eliva vierzig Fahrgäste verlangten jetzt das Beschiverdebuch, das der Stationsvorsteher aber nur»nter der Be- dingung aushändigen»vollte, daß die Beschiverdeführer in sünf Minuten mit ihrer Klage fertig seien. Da dies nicht möglich»var, konnte die Niederschrift der Beschiverde nicht erfolgen, und so blieb der Umstand, daß»vir ohne unsere Schuld eine halbe Stunde Ver- spätnng hallen,»»»gerügt. In der Schnlarztsragc»vird der GeschaflsanSschnß der ärzt« lichen Standesvereine bei den hiesigen städtischen Behörden vor- stcllig»verde». Die Hygienekonimission des GeschäslsausschusseS hat der„Berl. Aerztckorr." zufolge angeregt, daß der Geschäslsmisschiiß bei den städtischen Behörden beantrage, daß probeiveise in einigen Gemeindeschnlen Schulärzte angestellt»verde»». Älußerdem soll a» die Behörden eine Denkschrift gerichtet»verde»,»vorin die Noth- wendigkeit der Anslellnng von Schulärzten i» Berlin betont und Vorschläge für eine Organisation gemacht»verde»». TaS alte SlbgcordnctcnhanS am Dönhossplatz soll, der „Vosstschen Zeilniig" zufolge, dem Ober-Berivaltnngsgericht zur Ver- fügnng gestellt werden. Das jetzige Gebäude des Ober-Aerivallnngs- gerichts in der Markgrafenstrnße' hat sich längst alS unzureichend eriviese». Tie Sonntaaörnhe in» Handclögclvcrbe an den letzten drei Sonntagen vor Weihnachten ist ebenso»vie in» vorigen Jahre fest- gesetzt»vorden. Als Verkaufszeit ist also die Zeit vo» morgens T'/e— 9'/2 Uhr und uachmitlags von I2l/z— 3>/s Uhr freigegeben. Bei der Vcrliii-Charlottcnburgcr Strastenbahn tritt an» Mittivoch, l. Dezember ein zum theil ermäßigter Tarif in kraft Der höchste Satz aiif alle» Linie» beträgt 15 Pfennig. Krimilialtommissar von Tausch snöpendirt. Da in der Disziplinarsache gegen den Kriminalloinmissar von Tausch,»vie schon gemeldet, das Hauptversahren eröffnet ist, hat das Polizei- Präsidium nunmehr seine Suspension vom Amte verfügt, v Tausch, der bisher als beurlaubt geführt»vurde, bezieht von» Tage seiner Suspension a» nur das halbe GeHall. Taö»icne Ollinipia Ricscnthcater in» ZirkiiZ Renz soll am Freitag eröffnet»verde». Sonntag Nachmittag»var»vieder der Betrieb der eleklrischen Straßenbahn init unterirdischer Stromzuführung zivischen Dönhossplatz und Rillerstraße und an der Lntherkirche gestört. Ei» Mord wegen berschmähtcr Liebe ist Sonntag Abend zivischen ZO'/e und ICP/e Uhr im Hanse Möckernstr. 85 verübt»vor- de»». Hier hat der Pferdehändler Wilhelm Kleemann ans Hamburg, ein Mann in der Mitte der zivanziger Jahre, das aus Osterborstcl bei Hamburg gebürtige 22 Jahre alte Dienstmädchen Margarethe Weise durch einen Stich in die Lunge in der Höhe des linken Schlüsselbeins und Würgen am Halse gctödlet. Der Mörder ist, „achdem er Sonntag enlkonnnen»var, gestern Vormittag verhaftet »vorden. Margarethe Weise»var«ine Jugendliebe Kleemann's, den sie in Hamburg kennen lernte; seit einen» Jahre diente sie bei den» Kanfmann Fahsel. Vor 14 Tagen löste sie das Verlöbniß mit Kleemann und schickte ihn» den Ring zurück. Seit jeuer Zeit sandte ihr der verschmähte Liebhaber»vieder« holt Briefe, i» denen er ihr androhte, daß er sie erschießen»verde, »venn sie nicht ihre Neigung ihn»»vieder zuwende. Vor acht Tagen schrieb er ihr fälschlich, er habe Gift genommen und möchte sie vor seinem Tode gern noch einmal sprechen. Dieser Brief hat jedenfalls den Ziveck gehabt, das Mädchen in Kleemann's Wohnung in der Haidestraße zu locken. Als er»uit diesem Lockbriefe keinen Erfolg halte,»vlirde der junge Man» ans einmal wieder gesund»nd schrieb nun der Weise, er wolle n»it einem Pferdetransport nach Madrid fahren und sich vorher niit ihr aussprechen. Zu diesem vorgegebenen Ziveck erschien er gestern vor der Wohnung der Dienstherrschast. Er hat auf irgend eine Weise das Mädchen �u bewege» gewußt, ans die Hagelsbergerstraße herauszukommen, als»» vorgerückter Abendstunde die Herrschaft ausgegangen»var. Nach Beobachtungen des Kauf- mauiis Miloslaivski, der im Erdgeschoß ein Zigarrengeschäft betreibt, ist das Mädchen nn» Il'/e Uhr mit einen» Aufschrei fluchtartig von der Hagelsbergerstraße aus die Treppe hinausgestürzt. Um 3 Uhr morgens kamen die Fahsel'schen Eheleute nach Hanse und fanden das Dienstmädchen als Leiche auf den» Fußboden liegen. Der kleine Soh» der Fahsel'schen Eheleute hatte gehört, daß das Mädchen auf- schrie und iiach kurzen» Siingen an der Knchenthür, deren Scheibe klirrend zerbrach, davonlies.j Er sprang dann aus dem Bett und sah das Mädchen in das Vorderzinimer hineineilen und einen Mann ihm »achsetze». In» Vorderzinimer kniete,»vie er vom Schlafzimmer ans dl>rch die Glasscheibe der Schlafzimmerlhür und die offene Thür des Vorder- zimmers»veitcr beobachtele, der Mann auf der Brust der Margarethe. Diese röchelte gleich daraus und war dann bald ganz still. Nu» lies der Mann aus den» Zimmer»vieder heraus und verließ die Wohnung. Der Kleine ging in das Vorderzinimer, rief Margarethe an und bat sie, doch auszustehen, erhielt aber keine Antwort und ging deshalb sofort zu seiner Schivester, die aus Furcht unter die Bettdecke gekrochen»var, zurück»»»d legte sich»vieder ins Bett, bis die Ellern kamen. Diese benachrichtigten sofort die Polizei. Der Verdacht lenkte sich durch die Briefe, von deren Eingang und Inhalt die Fahsel'schen Eheleute Keniilniß halten, ans Kleemann. Dieser »var entflohen und ivnrde,»vie eingangs mitgelheilt, in der Noslocker- straße crinillelt und festgenommen. Es»vird»och berichtet, daß der Mörder abends 11�« Uhr, eine Stunde nach vollbrachter That, in betrunkenem Znstande die im selben Hause belegene Gaslivirlhschast vo» Dnbick aufgesucht und sich dort in aller Ruhe mit einen» Gaste unterhalten hat. Gestern Nachmittag traf eine Gerichtskomniission am Thatorte ein; die Leiche der Ermordeten»vurde dann nach dem Schauhause gebracht. lieber die Explosiv» der Spritfabrik in der Schäferstraffc können wir im Anschluß an den Bericht i» der Sonntags- Nunnner noch folgendes mittheileii: Obgleich,»vie»vir meldeten, auch die kupfernen Zuleilungsrohre zn den» explodirten und anf die Straße geschlenderten Filtrirkessel mit ailsgerissen sind, geht doch die Annahme der Sachverständigen dahin, daß die Explosion im Filtrirkessel er- folgte, der vermnthlich schadhaft geworden»var. Ein ziveiter Kessel hat bei der Katastrophe ein Loch von eliva einen Quadratfnß davon- getragen, während ein dritter ans seiner Lage hera»sgerisse»»vurde. Die eigentliche Ursache des Unglücks durste nie aufgeklärt werden, doch neigt man im allgemeinen folgender Berinnthung zu: Beim Schicht- »vechsel»var der gesprungene Filter von» Sprit entleert, sodaß er nur noch de» Maischbrei enthielt, der durch heißen Dainpf gereinigt »vird. Der verunglückte Christke ließ durch den Dampshnhn den heißen Dampf in die breiige Masse, die vielleicht derart verstopft »var, daß der au» Eindringen gehinderte Dampf nnicr dem Drucke von mehreren Atmosphären de» Kessel sprengte. Zu dieser Zeit befanden sich zivei Arbeiter und die beiden verunglückte» Meister Christke»nd Geishirt im Filtrirraum. Die beide» entfernt stehenden Arbeiter kamen mit leichten Berletzuiigen davon, dagegen sind die beiden Meister entsetzlich verstüinmelt. Ihne» ist der Kopf»»nd die Brust zerschmettert, außerdem»vurde Geishirt das rechte Bein abgerissen. Die beiden Meister hallen abivechselnd Tages-»nd Nachtschicht. Christke»vollte soeben von der Tageöschicht abtreten, vorher aber seinen» Nachfolger noch den für ihn abgehobenen Wochenlohn aushändigen, als die Explosion er- folgte. Das abgerissene Bei» konnte bisher nicht anfgesnnden »verde»» und liegt jedenfalls unter den Trümmern. Die Schäfer- straße blieb bis zun» Eintreffen der Gerichtskomniissio» an» Montag gesperrt. Die verunglückte» Meister»varen lange Jahre i» der Fabrik beschäftigt. Christke trat 1875 in die Fabrik ein, Geishirt »var schon seit 1866 an der Stätte seines Todes lhälig. Eine er- hcbliche Bctricbssiörnng ist»ach Angabe der Fabriksleilnng nicht vorhanden. Zwei Opfer der Explosion in der Schönhauser Allee wurde» »nter zahlreicher Betheilignng Sonntag Nachmittag zu Grabe ge- trage». Die Leiche des 17 jährigen Arbeiters Kricn»vurde»»»» 21/2 Uhr von» Schauhnuse nach dem neue» Geihsemane-Friedhof hinter Nieder-Schönhansen übergeführt. Die Arbeiterin Karbe ivnrde »in» 3 Uhr anf den» Friedhofe von Neu-Weißensee beerdigt. Die Bestattung der Arbeiterin Ida Wendisch mußte noch ausgesetzt »verde», da die Beerdigungspapiere noch nicht beschafft werden konnte». Im Wartezimmer dcö ZlrztcS ist an» Sonnabend Abend die 49 Jahre alte Frau des Tischlernieistcrs Peuse ans der Gleimstraße Nr. 13 plötzlich verstorben. Die Frau»var seil einigen Wochen nervenleidend und besuchte»viederholt den Älrzt Dr. Goldberger in der Saarbrückerslraße. Das geschah auch am Sonnabend»vieder. Während der Arzt im Sprechziinmer zu thun hatte,»vartele sie mit andere» Leidenden im Wartezimmer. Plötzlich sank sie»nivohl um, und nach sünf Minuten war sie todt, obivohl ihr der Arzt sosort seine Hilfe angedeihe» ließ. Infolge einer große» Schlägerei ivnrde daS Lokal vo» Keßler, Gruner Weg 61. von dem 65. Polizeirevier aus durchsucht. Es, vurde» dreizehn Männer zur Feststellung ihrer Persönlichkeit auf die Wache gebracht, von denen drei Personen der Kriminal- polizei eingeliefert»vurde». Tie Uebrigen»vurdcn entlasse». Feuerbericht. Sonnabend Abend 7 Uhr brannte R e i n i ck e»< d o r f e r st r a ß e in einen» Leihanit eine Partie Kleidungsstücke. Kurz darauf erfolgte Alarn» nach B e l l e- A l l i a n c e st r. 23. ,vo Benzin im Keller Feuer gefangen hatte. In beiden Fälle», vurde die Gefahr durch die Wehr schnell beseitigt. Ten Sonntag über halte die Feuerivehr verhällnißniäßig Ruhe. Abgesehen von einigen blinde» Alarmirnngen hatle.sie nur ein einziges Mal Steglitzer- straße 13 einzugreifen,»vo Zivischengebälk brannte. Montag früh 9'/2 Uhr erfolgte M ü h l e n st r. 49a ein Gardinenbrand. und nach- miitags 3 Uhr ging Frankfurter Allee 97 ein größerer Posten Papier in Flamme» anf. Theater. Das Luisen-Theater schreitet»»»thvoll anf klassischen Pfade» vonvärts. An» Sonnabend sahen»vir eine Auf- führung von„O t h e l l o" und machten auch hier die erfreuliche Wahr- nehmung, daß ei» jeder der Mitivirkenden sein Augenmerk vor allein darauf richtete, natürlich zu sprechen und sich natürlich zu gebcrden. Selten gab es ei» gespreiztes Wort oder eine gespreizte Attitüde. So ging denn„Othello" einen» eilipfänglichen Pnbliknm in schlichter Vorstellniig zu Herzen. Herr Kindeisch»vußte als Mohr die Qualen der Eifersucht lebendig z» veranschanlichen, und Herr Türk gab de» Jago mit recht nicht als struppigen, zähnefletschenden Schuft, sondern als einen Manu von kalter Berechnung, der rücksichtslos das Mittel, das ihn znu» Ziele bringen soll, anzmvende» versteht. Eine liebliche Desdemona»var Frl. Sehler.— Das Deutsche Theater bereitet für Mittivoch nächster Woche, den 8. Dezember, die erste Aufführung des Bühnenstückes von Max Bernstein vor:„M ä d ch e n t r a u in". ein Spiel i» drei Akten. Der Dichter ist aus München nach Berlin gekoinme», um nn den Proben theilziniehmen. Die beiden lraginden Rollen des Stückes werde» von Agnes Sorma und Joses Kainz gespielt. Im Schiller-Theater mußte, um daS Gastspiel des Fräulein Earroiv in dieser Woche zn ermöglichen, der Spielplan »vie folgt geändert»verdeu: Heute, Dienstag, kommt„Wallenstein's Lager" und„Die Piecolomini", morgen, Mittivoch,„Madame Bonivard". Donnerstag„Wallenstein's Tod" zur Ausführung. In den beiden Wallensteill-Anssuhrungeir spielt Fräulein Earroiv a. G. die Rolle der Thekla. Ans bell Nachbarorte». Eine nene elektrische Straßenbahn wird von Siemens und Halske geplant. Dieselbe soll das im Bau begriffene Werk der Firma am Nonnendamm an der Grenze zivischen Charlottenburg und Spandau iiiit den, Innern Charlottenburgs verbinde». Die neue Fabrikanlage selbst wird im Frühling 1899 dein Betrieb übergeben »verden. In der Jungfernhaide wird jetzt das Terrain abgeholzt, auf »velchem die Versuchsanstalt für Sprengstoffe— zur Zeil noch in Spandau— soivie die Kaserne sür die Lustschiffer-Ablheilnng erbaut »verden sollen. TaS fünfte Schadenfeuer innerhalb vier Wochen ist in der Nacht von vorgestern zu gestern in den» Dorfe L i n d e n b e r g dicht Weißensee ausgebrochen. Es brannte eine mit Erndtevorräthen angesüllte, mit Stroh gedeckte Scheune ab. Man vermnthet Brand- stiftung._ Ge Vichts Leitung. Ein«euer Schlag gegen die hcntigc Eiscnbahuwirthschaft. Einer der vielen Eisenbahnunfälle,»velche sich in» Lause des ver- flossenei» EommerS anf den Berliner Bahnhöfen ereignete», nnierlag gestern der Prüfung der flebenien Slrafkaminer des Landgerichts 1. Während der Soi»n»er>no»ate»vurde»äglich ein Harmonikazug nach den Ostseebädern eingelegt, der um 7 Uhr 16 Minute» von» Slettiner Bahnhofe abging. Die Verhältnisse lagen so, daß ei» pünktlicher Abgang des Zuges bedingt»var. Diejenige» Lokomotivführer,»velche den Zug zusaininenzllstellen hatlen, hatten nicht genügend Zeit zur Versügung, sie halse» sich dadurch, daß sie entgegen der dienstlichen Vorschrijt die einzelnen, von den verschiedenen Slrängen zn holende» Wagen nicht»nil der Maschine vor den Zug schoben, sondern sie allein auslaufen ließen. Dies that der Oberrangirer Karl 9! o st o ck auch ain Abende des 13. August. Der gegen den Peisonenzng prallende Wagen fuhr mit solcher Wucht auf, daß die bereits ein- gestiegenen Fahrgäste tüchtig durcheinandergeschütlelt»vurden und leichle Verletzungen erhielten. Rostock erhielt eine Anklage»vcgeir Gesährdimg eines Eisenbahntransporis. Er räumte im gestrigen Termine offen ein, daß er gegen die Instruktion gehandelt habe, aber dies hätten alle Führer thun»» ü ss e n,»velche diesen Zug znsaninienfiellten, den» sonst»väre die Zeil zn knapp ge- »vesen. Es sei den» auch täglich»int er den Augen der Vor- gesetzten geschehen, ohne daß es je beanstandet»vorden sei. Im vorliegenden Falle sei der Ausstoß so stark geivese»,»veil die Bremse versagt habe,»vie dies bisiveilen vorkoinme. In be« treff des letzten Punktes»vurde seslgeslelll, daß die Bremse angezogen geivese»»var, aber nicht geivirkt Halle. Ferner erklärten alle vernommene» Zeugen, daß sie es ebenso gemacht hätten»vie der An- geklagte,»nd zivar»inier den Auge« der Vorgesetzten. Der Gerichtshof erkannte daraufhin nach dem Antrage de? Slaatsnmvalls auf Freisprechung. Sind in diesen» Falle die höheren Beamten nicht verantivortlich zu machen'4 Ein Brandungtück,»vobei vier Personen das Leben einbüßten, beschäftigte gestern die erste Straskammer des Landgerichts I. In» Hause Spandanerbrücke 16 befand sich der Laden des Eicrhändlers Salonio» Feigenbaum. An» Abend des 16. Juni d. I.»varen der Geschäflsinhnder und sein Hausdiener Klei» dainit beschästigt,„Eier zu klären". Es geschah in der Weise, daß die Eier einzeln ans den Kiste» geiiomme» und vor eine Lampe gehalten »vurde». Die Lanipe,»velche ans einer Kiste stand. »var eine Art Küchenlampe, der Laden wurde durch Glühlicht erlenchiet. Gegen 10 Uhr kam dort Feuer ans, die Lanipe »miß»vohl von einen, der beiden Beschästigtei» umgestoßen, Vörden sein und das reichlich vorhandene Stroh entzündet haben. Feigen- bäum und sei» Hansdiener mußten schlelmigst aus dem Räume flüchte», der innerhalb weniger Minute» einen Flammenheerd bildete. Das Feuer zersprengte die Schaufenster, die Flauimei» loderten an der Hansfront empor und im Innern des Hauses»var die Treppe innerhalb»venigcr MiiiUtei» bis zun» dritlen Slockiverk vor» dem Element ergriffen»vorde». Der Beivohner bemächtigte sich eine furchtbare Panik, sie zertrümmerlei» die Fenster und stießen gellende Hilferufe ans. Als die Feuerivehr erschien,»var der Laden bereits völlig aus- gebrannt. Mit Todesmulh begannen die Feuerivehrleute die Rettung der bedrohten Bewohner in» dritten Stockiverk. denen der Rückzug über die Treppe abgeschnitten»vorden»var. Mit Hilfe der niechanische» Leiter wurde», eine Frau und zwei Kinder ins Freie geschafft. Dann drangen die Feuerivehrleute in die, ebenfalls im dritten Stockiverk gelegene Wohnung des Schneiders Pinkalla. Ter Ran»»»var vollständig von Ranch angefüllt, und fünf Personen, die sich im Zimmer befanden, schiene» bereits den Erstickungstod erlitten zn haben. Es»varen dies daS Pinkalla'fche Ehepaar, dessen beide Kinder in» Alter von 3 Jahren beziv. 10 Monaten, soivie der ISjährige Korbmacher Dornbusch, der bei Pinkalla in Schlafstelle lag. Die Samariter der Feuerivehr stellte» Wiederbelebungsversuche a», die bei der Ehefrau Pinkalla und dem Korbmacher Dornbusch von Erfolg ge- krönt»vare», Pinkalla und seine beidei» Kinder»vacen bereits erstickt. Nach»venige» Tagen ist auch die Ehefrau Pinkalla in der Charilee verstorben, sodaß die ganze Familie der Brand- kniastrophe zu»» Opfer gefalle» ist. Gegen den Eierhändler Feigen- bau», und dessen Hausdiener»vnrde Anklage»vegen fahrlässiger Brand- stiftnng erHove», Klein hat es indessen vorgezogen, die Flucht zu er- greisen, sodaß gestern i»nr gegen Feigenbanin verhandelt»verden konnte. Ter Staatsanivalt beantragte eine Gesängnißstrase vw sechs Monate» Der Gerichtshof solgle dagegen den Rnsführniige» des Berlheidigers. Rechlsanivalt Wronker, und fällte ei» frei- sprechendes Urlheil, da der Sachverhalt nicht genügend ansgeliärt nnd dem Aiigellagle» eine Fahrlässigkeil nicht»achgeiviesen ser. Ei» gcincingcfährlichcr HeiraihSschwindler, der Mechaniker Carles E r i c s o n- A> t ö n, ist gestern von der Straskammer an» Landgericht 1 zn einem Jahre Gefängniß verurtheilt»vorden. Tie Verhandlung dcS Prozesses gegen Bruno Wille »vegen Religionsstörniig und Vergehens gegen die öffentliche Ordnmig ist,»vie ein Tclegramn» ans Graz meldet, auf unbesliminie Zeit ver» lagt»vorden. Bei der Genieindcrathö- Wahl in Kunersdorf»vnrde ei», Förster zun» Genieindevertreter geivähU Hiergegen pcolestirle» eine Anzahl Besitzer, indem sie gellend niachte». daß nach tz 53 Absatz 2 der Landgeineinde-Orduung bcsoldcle Genicindebcamte nicht als Gr- »ncindevertreter gcivähll werden könnten. Ter Geineinderath»vieS jedoch de» Protest zurück nnd der Krclsausschnß, soivie der Bezirk'- ausschiiß erklärte» die Wahl ebenfalls für glttig. Es war sür sie die Fcststcllnng entscheidend, daß der gewählte Förster nicht von der Gcuicinde Kunersdorf, sondern von Franksurt besoldet»vurde. Die Kläger legte» dann Revision ei»»»d betonten, daß§ 53 ganz alt. gemein vo» besoldete» Genieindebeamlen rede, also nicht»»r die- jenigen der Wohnsitz- Gemeinde meine. Das O b e r- B- r- >v a t t u i» g s g e r i ch t trat aber den Vormsianzei» bei und wies dr« Revision zurück. Mit einer rigenartigen Bclcidi'gnngklage halte sich in der Berufungsinstanz die Siraslaininer zn Men» Illingen zu beschäftige». Anfangs Jannar d. I.»vurde der Sohn des Peter Ranch in Sleinheiin von den, Sohne deS P r> v n I l l ä g e r s Müller gelegeiillich einer Schlägerei niit einem Messer derart verletzt, daß bald darauf der Tod eintrat. Der Thäler»vurde dieserhalb seinerzeit von» Schivnrgerichl i» Angsbnig zu 3>/2 I a h r e» Gefängniß verurtheilt. Peter iltanch ließ i»u» seine»» Sohne ein Grabdenkmal setzen mit solgendec In- schrist:„Er»inißle unter kviörderhmide»— Sein junges, frisches Lebe» ende»!" Hierdurch fühlten sich die F a m i l» e» a» g e h ör ige» des Müller beleidigt und strengten die P r i v a I k l a g e a». Vom Schöffengericht»vurde Ranch freigesprochen und auch die Strafkammer v e r>v a r s die gegen dieses Urtheil seitens des Müller eingelegte Berns»»ig, gab aber dem Antrage des Privalklägers statt,»vonach das Wort„Mörder" von» Grab- denkmal entfernt»verde»» muß. AnS Obcrschlcsicn. Der im Juli d. I. niiiernommene Streik auf der Wildsteiiiscgeugrube bei Schoppinitz hat für eine Anzahl bedauernswerther junger Leute, die sich an einen» Kraivalle be- tficiltgtcn, tieflraurige Folgen gehabt. Von 6 Angeklagte» wurden fuiis zu schweren Zuchthaus- und Gesäugnihstrafen verurlheilt: Barski zu 2 Jahren 3 Monaten Zuchthaus»nd 3 Jahre» Ehr- vertust, Girlotlka zu l'/z Jahren Zuchthaus und 3 Jahren Ehrverlust, lKoskosch zn ll/4 Jahren Gesänguiß, Ploch zu l'/a Jahren Zuchthaus und 3 Jahren Ehrverlust. Czernia zu 2 Monate» Gefängnist. Es ist also, wie von vornherein sicher war, ein„Excmpcl stalnirt" worden. Iii der Bevölkernng herrscht ziemliche Aufregung über die Schwere der Strafe, und wir glauben, daß dieser Prozeß der sozialdeino- kralischen Aufklärungsarbeit nach vielen Richtungen hin förderlich sein wird. Der die Anklage vertretende Staatsanwalt war ein Herr Ncutwig, derselbe, der in einem Preßprozeß i» diesem Früh- zahr vor Gericht den„Wahren Jakob" allen Ernstes für„ein ver- bolenes sozialdci»okralischcs Blatt" erklärte! AuS Danzig wird uns berichtet: Der Prozeß gegen unsere Genossen Müller Hah» und Maschinenbauer Czwickle wegen Beleidigung des Gewcrbe.Jnspektors Dr. Wollner, früher in Danzig. jetzt in Stralsund, gelangle vor einigen Tage», nachdem ei» früherer Termin behufs Ladung neuer Zeugen vertagt war, zum zweiten Male vor der Bernfungs-Slraskammer zur Verhandlung. Die Be- leidignngen sollen i» einer Mühlenarbeilcr-Versaninilung gefallen sein, in der den, Gewerbe-Jnspektor Dr. Wolliicr vorgeworfen war, daß er in bezug aus die gcsuudhcilsgcfährdendc» Zustände i» einer chemische» Fabrik seine Pflicht vernachlässige. Das Gericht erkannte dahin, daß das llrlheil der ersten Instanz, welches auf eine Geld- strafe von öv M. gelautet Halle, zu bestätige» sei. Deutsche Gastsrcuudschast. Der 1333 in Rußland geborene Gärtner Stanislaus Czerwinski lebte von Jugend auf in Goltub in Preuße». Er stellte vor einiger Zeit den Antrag, ihm und seinen Söhucn die preußische Staaiszugehörigkeit zu gewähren. Seinem Wunsche kam man aber nur betreffs des älteste» Sohnes»ach, der im deutschen Heere gedient hat. Ziürzlich wurde nun dem jüngeren Sohne aufgegeben, das prenßische Staats- gebiet zu verlassen. Er beschwerte sich beim Regierungspräsidenten und betonte, sein Großvater sei preußischer Untertha» gewesen und lrnbe sich zur Zeit der Geburt seines Vaters nur vorübergehend i» Rußland aufgehalten. De» Beweis hierfür erklärte Cz. indessen nicht führen zu lünnen. Tie Beschwerde wurde zurückgcwicsc», und auf feine dann ciugercichle Klage antwortete der j)i>gieniiigs- Präsident, gegen die laudcspolizeiliche Ausweisung sei das Verwaktungs-St reilverfahren nicht gc- geben. Das Ober- Verwaltungsgericht wies die Klage ohne Angabe von Gründen zurück. Soziales. Nnsicuhandcl Teutschlands. In de» ersten drei Vierteln der nachstehend verzeichneten Jahre wurden ans dem Deutschen stieiche Waaren ausgeführt: Jahr Doppelzentner Werth in 1000 M. 1893... 17 1 100 933 2 476 460 1396... 187 039 495 2 763 808 1897... 200 326 403 2 817 291 Die E i n s u h r betrug: Jahr Doppelzentner Werth i» 1000 M. 1393... 234 632 009 3 121 339 1896... 264 376 310 3 342 336 1897... 292 379 993 8 521 832 Die Ausfuhr der e i» z e l n e» H a n p t a r t i k e l betrug in denselben Zeiträumen Millionen Mark: Banmwotle und Bannuvollwaarc» 173,2, 170,6, 177,3; Droguerle-, Apotheker- und Farbwaaren 213,0, 232,3, 235.9; Eisen- und Eisen- waaren 217,3, 257,4, 239,0; Erden, Erze, edle Metalle, Asbest und Asbestwaareu 103,4, 194,4, 186.6; Instrumente, Maschine» und Fahrzeuge 113,8, 117,7, 127,2; Kleider, fertige Leibwäsche, Putz ivaaren 73,7, 109,6. 103,4; Leder»nd Ledcrivaareu 122,7, 103.7, 113,0; Material«, Spezerei-, Konditorwnaren 230,0, 267.4, 297,2; Seide und Seidenwaarc» 125,3, 120,2, 111.3; Steinkohlen, Braun- kohlen, Coaks, Torf, Torskohlen 102,5, 116,7, 120,5; Wolle und Wollenwaaren 252,5, 255,3, 251,7. An der Einfuhr waren dem Werthe nach bcthciligt mit Millionen Mark: Baumwolle und Banmwollenwaaren 227,3, 223,3, 257,5; Droguerie-, Apotheker- und Farbivaare» 130,3, 185,6, 188,0; Erden, Erze, edle Metalle, Asbest und Asbeslwaarcn 152,2. 294,1, 210.3; Getreide und andere Erzeugnisse des Laudbaues 409,2, 483,8, 494,9; Häute und Felle 143,0, 122,2, 140,7; Holz- und andere Schnihstoffe, sowie Waaren daraus 155,9, 185.3, 215,6; Material-, Spezerei-, Kondilorwaaren ic. 424,2, 429,3, 498,9; Oel und Fette 93.3, 90,9, 108,2; Seide und Seidcnivaaren 120,7, 105,0, 112,1; Thier« und thierische Produkte(soweit nicht sonst genannt) 99,7, 92.4, 107,5; Vieh 154,4, 111,4, 117,0; Wolle und Wollenwaaren 350.8, 344,2, 829.0. Zu beachte» ist, daß die Werlhangaben der Ein. und Ausfuhr im Jahre 1897 noch nach den Einheitssätzen des vorigen Jahres be- rechnet sind. Der Einheitssatz für 1897 ist möglicherweise höher, da seit 1896 die Preise vielfach erhöht worden sind. Nach den vorliegenden Ziffern betrug in dem Zeitraum von 1395 auf 1396 die Zunahme der Einfuhr 220,9 Millionen Mark, die der Ausfuhr 287,3 Millionen; im Zeilraum von 1896 aus 1897 be trug die Zunahme der Einsuhr 179,5, die der Ausfuhr aber nur 53,4 Millionen. Arbeiter- Risiko, lieber den Grubenbrand, der am Donnerstag in dem zu den Lohscr Werken gehörigen, im Besitz der Firma A. Meyer u. Ko. befindlichen Quasschachl bei Kunze« d o r s bei Sora» ausbrach, wird uns geschrieben: Kurz nach Aufnahme der'Arbeit bemerkten zwei Arbeiter, daß auf der Strecke in» Schacht ein Einbruch erfolgt ivar, rvodurch sie aur Weilerarbeilen gehindert wurden. Auf Veranlassung des Auf- sehcrs stellten sie die Arbeit ein und begaben sich nach der Einfahrt. Lei der Ausfahrt bemerkten sie in der obersten Sohle des Schachtes glimmende» Kohlenstaub. Sie löschten diesen mit dem von ihnen niilgebrachten Kaffee und ließen sich dann weiter sa» die Oberfläche befördern, wo sie den Vorfall dem Feuermann meldeten, da- mit dieser den Ausseher, der sich noch im Schacht befand, davon i» Kenntmß setze» sollte lieber die Vorgänge im Schachte selbst erzählt nun einer der Geretteten: Ich arbeitete mit zwei Kollegen auf der dritten Sohle, als der Ausseher vom Einfahrtsschacht aus uns zurief:„Nehmt Eure Sachen und macht, daß Ihr herauskommt, im Einfahrtsschacht ist großes Feuer!" Wir liefen sofort dorthin, während der Ausseher nach den Arbeitsstätte» der anderen eilte, um diese ans die Gefahr aufmerksam zu mache». Schon 100 Meter vor der Einfahrt befanden wir»nS im Rauch; unsere Lanipen gingen aus. Mit Ausbietung aller Kräfte gelangten wir bis zum Füllort. wo wir die Schale bestiegen und das Signal zur Personendesörde- rung gaben. Einer der Kollegen, der schon sehr schwach war und sich aus die Schale gesetzt halte, klammerte sich fest an eine» anderen an, stürzte jedoch beim Heraufziehen in die Tiefe; die Kräfte mußte» ihn verlassen habe». In völlig erschöpftem Zustande gelangten wir übrigen ans de» Förderlhnrm und krochen auf alle» Vieren hinab. Mit der zweiten Schale kamen noch zwei Kameraden fast besinnungslos ausgefahren, die wir an eine geschützte Stelle trugen und mit dem Mantel zudeckten. Dann eilten wu wieder an de» Förderschacht. Es wurde dort wiederholt das Signal zur Ausfahrt gegeben, die Schale kam aber jedesinal leer herauf. Der Besitzer erschien sofort aus der Brandstelle, ebenso die Kunzendorfer Landspritze. In der dritten Morgenstunde dehnte sich das Feuer, das bis dahin unterirdisch gewülhet hatte, trotz aller Bemühungen auf den Förderthurm und die anderen ans Holz aufgeführten Baulichkeiten aus und legte diese in Asche. ZIm Tonnerstag Nachmittag trafen Bergrath Netto und Bergmeister Basalt aus Kattbus ei». Als Vertreter des Land- ralhs erschien'AssessorW a g n e r ausS«rau. Vorläufig werden zwei Reltnngsschächte abgetäuft, der eine ca. 8, der andere ca. 25 Meter von dem brennenden Einfahrtsschachte entfernt. Alle 4Sli!iiden lösen sich die an dem Reltungswerk unermüdlich arbeitenden Mannschaften ab. Trotz dieser fieberhaften Thäligkeit dürfte die Fertigflellmig der anderen Schächte nnndesteus vier Tage in Anspruch nehmen. Ueber das Schicksal der noch im Schacht befindlichen acht Personen kann man ein Nrtheil noch nicht fällen. Falls es ihnen gelungen ist, eines der vom Einfahrtsschachte weiter cutfernt liegenden Reviere zu erreichen (dieselben sind 500 Meter lang), ist einige Hoffnung vorhanden, die Unglücklichen lebend zu tage zu fördern. Vevsanttulungett. Die ordentliche Gciicralversaiiiuilnug der VcrwaltuugS- stelle„Berlin" dcö Tcutschcu Metallarbeiter- Verbandes fand am Sonntag, den 21. November, im Feen- Palast stall. Vor Eintritt in die Tagesordnung wurde der seit letzter General Versammlung verstorbene» Kollegen Pfeiffer, Schirmer, Gruhn, Wobig, Michaelis, Neuendorf, Knapp, Kippet, Wilh. Becker, Lang- fcldt und Georg Schulz in üblicher Weise gedacht. Hierauf erstattete der Nendant de» Kassenbericht vom 1. Juni bis 1. Oktober 1897. Es betrugen die Einnahmen Beitrittsgeld von 3870 männlichen Mitgliedern.., Beilritlsgeld von 100 weiblichen Mitgliedern.,. 113 246 Beiträge ä 20 Pf.. 1>S5„ ä 5.,.......... Von der Liquidations-Kominission des Berliner Melall- arbeitet- Verbandes........... Von der Liquidalions- Kommission der Chirurgischen Brauche............... 1227,16 Diverse................. 1689,60 1167,— M 20,-„ 23649,20„ 56,75„ 17834,84 Gesammt- Einnahme 45644,55 M Die 21 u§ gaben Für Reisegeld i � 293,83 M, „ Rechtsichtitz....*4...'t... 170,—„ , Streikunterstützung � 860,—„ „ Unterstützung nach Z2c.,.,.».., 213,—„ An die Hauptkasse eingesandt........ 4 7113,50„ Lokalansgaben: Für Vergütung der Orlsbeamlen.,. 1920,— M. „ Porto und Schreibmaterial.,. 95,—. „ Bibliothekzivecke....... 400,— „ Referate „ Gesammtverwaltniig, i... . Zeitnngskolportage...... Diverse, d. h. Ausgaben zu Vergnügen und Uraiiia-VorsteUungen.... 135.— 322,- 176,50 2718,32 5766,82 Gesammt- Ausgabe 14422,15 M verblieb ein Lokalkassen-Bestand von 31 222,40 M. Der an die Hanpikasse eingefandle Betrag sind 25 pCt, ans verkauften Beitragsmarken, wie auch der volle Betrag für Sie» Ausnahilien; ausgezahlte Reife-llnlerslützunge» wurde» nicht in Zlbzug gebracht. Der Stand der Miigliederzahl Berlins war folgender: Vom Berliner Verband übergeschrieben..... 6 200 Personen Schon vorhandene Mitglieder des„D. M.-V." inkl. Charlolicnburg und Tegel........ 1 848 m. 42 iv Von der chirurgischen Branche übergeschrieben.. 125„ Zugereist............... 130„ llcbergetrelen von ausländischen Vereinen.... 44„ Vom 1. Juli bis 31. September eingetreten... 3 870„ 100 Summa.. 12 217 m. 142 w Jlbgcgaugen............. 167 Am 30. September Mitgliederbestand... ,... 12 150 in. 142 w. Personen. Bei 285 männlichen Mitgliedern wurden 1600 Stück beitrage freie Marken, nach ß 9 Zlbs. 2 des Statuts, eingeklebt. Die lllevisoren berichteten, Kasse und Bücher i» Ordnung be fundeii z» haben, aus?lntrag wurde der Renda»» entlastet. Beim Kassenbericht wurde von verschiedenen Seiten gewünscht, daß die Liquidalioiien der besoldeten Verivallniigsbeamte» in Zukunft wegzufallen hätte», auch wurde ein dahingehender Zlnlrag gestellt, Seilens der Antragsteller wurde hervorgehoben, daß man seinerzeit, »IS die Besoldung der beiden ersten Beamten beschlossen und fest- gesetzt wurde, daß diese 165 Mark pro Monat erhallen sollten, au- genommen, daß die weiteren Liquidationen derselben aufhören würden. Es wurde hierauf von Litsiu erwidert, daß wohl niemand verlangen dürste, daß er von dem Gehalt, welches er beziehe, auch noch die anßerordciitlicheii Zlusgaben, welche ihm entstehen bei Rege lung von Differenzen und täglichen Bersaininlungsbesuche», decken solle. Fahrgeld, welches er bei derartigen Gelegenheiten zu verausgaben habe, i»üsse ihm auf alle Fälle doch zurückerstattet werden; außerdem verwalte er als Bevollmächtigter die größte Zahlstelle, auch hier seien Mankos nicht ausgeschlossen, die er selbslvcrstäudlich decken müsse. Es weide im übrigen auch nur ein ganz geringer Bruchlheil von dem liquidirt, was ihm n» Exlra-Aiisgabcu für seine Thäligkeit, nach Schluß de? Bureau?, im Interesse des Verbandes erwachse. Nach längerer Debatte wurde der Antrag abgelehnt; den besoldeten Beamten steht demnach das Liquidationsrecht für Extra-Ansgaben zu. Ein weilerer Tlnlrag. bei späteren Kassenberichten die Liquidationen der Verivaltnngsinilglieder zu spezialisircn, wurde ebenfalls abgelehnt Des weitere» wurde der früher von einer Konscrenz angenommene Antrag,„vierleljähilich einen gedruckten Kassenbericht de» Mitgliedern zu übergeben", nachdem die Nndiirchfnhrbarkeit und die Zivccktosigkeit eines derartigen Berichts den Mitglieder» vor Augen geführt, von der Generalversammlung mit großer Mehrheit abgelehnt. Beschlossen wurde indeß, daß von der Verwaltuiig„jährlich ein gedruckter Rcchcnschastsbericht den Mitgliedern gegeben werde". Von der Ortsverivallung war der Aulrag gestellt: „Die Generalversammlung wolle beschließen: denjenigen Mit gliedern der Verwaltung Berlin, welche im Verband mindestens 5 2 Wochen Beiträge gezahlt, wird auf grund des§ 2c, sofern sie durch die s ch w a r z e n L i st e n d e r U n t e r n e h m e r länger als 3 Wochen außer Arbeit sind, eine Unterstützung von wöchentlich 9 Mark fürVerheirathete und 6 M a r k für Ledige bis zur Dauer von 6 Wochen gewährt, eine weitere Unterstützung kann dann erst wieder nach Ablauf von 26 Woche» gezahlt werden." Für weibliche Mitglieder gilt dieselbe Regel, jedoch wird die Uuterftützmig prozentual nach den anderen üblichen Unlerstützungen beniessen. Für Kollegen, welche durch ihre agitatorisch« Thäligkeit für den Verband gemaßregelt werden, soll dieser Autrag keine An- wendung finden, sür diese sind früher gefaßt« Beschlüsse maßgebend. Nachdem dieser Antrag der Ortsverivaltuiig seitens des Bevoll- mächtigten motivirt, gelangte derselbe zur einstimmigen Annahme. Ein weitererAntrag derOrtsverwaltung,„Einstellung eines vierten besoldeten Beamlen", gab zu längeren Auseinandersetzlingen Anlaß, Lilfin und Petzold legten die Gründe klar, welche zur Stellniig eineS derartigen Antrages geführt. Bei der Verschmelzung beider Ver- bände; habe man aiigenoniuien, daß die Arbeiten durch drei Personen zu bewältigen sein würden; dieses sei aber nicht möglich, die Arbeiten lzällen sich verdoppelt, der Nendant kann unter keinen Umständen mehr auf eine Hilfskraft für seine speziellen Verbandsgeschäft« ver- ziehten. Es sei freilich wohl«in Hilfsarbeiter im Bureau thälig, welcher dem Rendanten beim Einstempeln der Beiträge behilflich ist, nun käme es aber sehr häufig vor, daß der Bevollmächtigte vom Bureau wegen Verbaudsgeschäste abwesend sein muß; alsdann hat der Hilfsarbeiter die Vertretung desfelben zu übernehmen. Die Folge hiervon ist, daß die Arbeiten des Nendanteii wieder zurück- bleiben. Außerdem kann der Hilfsarbeiter nur vier Tage zum Helfen thätig sein, da fast zwei Tage für Zeitungsspedition von diesem gebraucht werden. Bis zur Zeit ist eS noch nicht möglich gewesen, auch nur eist Mitglied dem Hauptvorstand aiizuineldeii; diese Arbeit müsse nun auch in nächster Zeit begonnen werden. Ter Rendant hat alles mögliche versucht, die Arbeit zu bewältigen, habe des Abends bis 9 auch 10 Uhr und regelmäßig Sonntags gearbeitet; trotzdem sei es nicht möglich gewesen, dieselbe zu schaffen. Deshalb wird von der Verwaltung die Einstellung eines vierten besoldeten Beamten gefordert, und zwar möge dieser der zweite Bevollmächtigte sein; dieser solle dann die bisherigen Arbeiten des Kollegen Skalsky wie auch die Vertretung des erüen Bevollmächtigten bei dessen Ab- Wesenheit übernehmen. Dem Kollegen Petzold solle dann scruer der jetzige Hilfsarbeiter zur Seile stehen. Was nun die Kosten der Ver- waltung beträfe, so seien diese nicht so hoch wie von verschiedenen Seilen behauptet werde; dieselben würden sich»ach Einstellung einer vierten Person auf zirka 11 pCt. sür die Gesamintverwalliing stellen.. Dieser Antrag wird nach längerer Debatte gegen ca. 20 Stimmen angenommen. Der Antrag, den 2, Bevolluiächiiglen mit 165 Dt. zu besolden, wurde gegen 30—40 Stimmen angenomine». Ferner wurde beschlossen, das Gehalt des Hilfsarbeiters dem der besoldeten Beamten gleich zu stellen, es also aus 165 M. zu erhöhen. Zum 2. Bevollmächtigten wurden die Kollegen Massatsch. G i e n l e und Schlegel als Kandidaten vorgeschlagen; die Wahl derselbe» erfolgt in der am 5. Dezember staltsindenden Forlsetzung der Generalversammlung durch Slimiiizellek, welcher jedem Milgliede beim Belreien des Saales eingehändigt werde» soll. Die Wahl wird»m ll Uhr geschlossen. Zum Schluß wurde noch bekannt gemacht, daß die Bibliothek des Verbandes wieder eröffnet sei, sich in der Jüdenstr. 36 besiude und täglich mit Ausichluß der Sonn- und Feiertage abends von 7>/, bis 9 Uhr geöffnet ist. zritersrisiszes. JnnocciiS. W i l l d a s d e u t s ch e V o l k ans s e i n h ö ch st e s Gut:„Das Recht", verzichten oder für die Er- l a n g u» g desselben l ä m p s e u? Zürich, Verlag von C. Speidel. 1897. WaS die kleine Schrift bezweckt, ist uns trotz mehrmaliger Leklüre nicht klar geworden. Der Versasscr tritt warm für die Berufnng ein, ohne daß ihm jedoch die Struktur des deutschen Strasprozesses und die wunde» Punkle desselben klar geivorden sind. Er wünscht eine Petition an de» Reichstag, dahin gehend, daß unverzüglich ein aus höheren, erfahre»«! Juristen gcbildclcs Jnstilnt geschaffen wird, welches den Thalbcsland in Strassachcn in derselben eingehenden Weise priiit wie das Reichsgericht die Straf- barkeit einer Handlung, oder daß durch ein sofort in traft zu tretendes Soudergesetz der Absatz 5 des§ 399 der Stras- Prozeß-Ordiiung beseitigt und dahin ergänzt wird, daß die Wieder- ausnaknie geschlossener Verfahren in Strafsachen erfolgen muß, ivcnn Thalsachen oder Beweisiniltcl beigebracht werden, welche in» Urthcile nicht oder nicht hinreichend gewürdigt sind, ganz gleich, ob diese Beweife neu oder schon vorgebracht sind, denn nur ein, solcher Beweis oder die Aussagen eines einzigen Zeugen können der Beurtheiliing, des Falles eine ganz andere Richtung geben, ES leuchtet ohne iveiieres ei», daß eine so crweilerte Wiederaufnahme des Versahrens an und sür sich und jedenfalls»» Rahmen der geltenden Rechtsprinzipien ein Unding ist. Der Begriff der Rechtskraft eines Urtheils iviirde damit aufhören zu existire». Auch irrt ter Verfasser, wenn er in der Beriisuiig des'Allheilmittel sieht, Gewiß ivürd«! wir die Einsührnng der Verusung in Sirassachen mit Freuden begrüßen, aber nur deshalb, iveil bei der herrschenden Strömung nicht daran zu denke» ist, daß in erster Instanz das Slrasverfahreu mit allen nur denkbaren Garantien sür den An- geklagten umgeben wird. Da dies nicht zu erreichen ist, würden ivie schon die bescheidene Errnugenschast— und darin liegt der einzige Voriheil der Beriisuiig— aniiehmeii. daß dieselbe Angelegenheit an verschiedencii Stellen ivicderholt geprüft wird. Viel wichtiger aber iväie es, das Verfahre» vor der Eröffniiuz des Hauptveifahrens in einer solchen Weile auszubilden, daß es zu ei»«» vollkommeuc» Ersotzmiltel sür die Bernsiing, aber befreit von deren nnverkeiiiibaren Mangeln werden könnte. Auf alle dies« Fragen geht der Verfasser der in Rede stehenden Arbeit nicht ein. Auch sonst berühren inaiiche Anstchlen der Schrift recht iviinderbar. so z. B. die Behauptung, daß im April 1896 das Reichsgericht das Anwenduiigsgebot des dolus eventualis ganz wesenllich eingeschränkt habe. Das Gegenlheil ist richtig. Wie Professor v. Liszt in seinem Gutachten für den Juristeiitag nachgewiesen hat und wie die Ver- urlheilung Liebknectil's beweist. gewinnt vieliiiehx der dolus even- tualis von Tag zu Tag größere'Ausdehnung. K. Eingelaufene Druckschriften. .ver soilaliftlfch« Kt»d,,>t"»us—«adriele 6' 31» n u n j i o; Iii der Sampaana.— «l Beriihardt: Ter»all D-ssolr— Hau» Hariwtg:»önigSberger Briet,— Brot, Slilee Reclu»: Einige Warle Uber hisiorilche Tlialsachen.— viuudlchau: Von deu Hochlchuien.— tzrauensludlum. Bau unseren Pro- fessoren.— Unsere Bewegung- Preis der Einzelnummer 10 Pl.. pro Quarlal 8» PI Zu beziehei! durch alle Buchhaublungen, ztolporieure und Poll- anflalten, l.« 0-venIi' Social. Revue inlernotlonale d'economie, d'nlstoire ei d« plulo- sopdic. Parotl toul le» moi« en un fasc. de s« prges gr. in s-. Abonnement annuel: France I8fr.; Etranger 20 fr, 16, rue Sounloi, P-ris. Sommaire No. 10 (oclobrc). La democralie de le droit fiscal dans I'antiquite et parliculiOremenl a Alhenes(suite). G. P 1 a I o n.— La scicnce ei la vie au XIXe siecle. Enrico Fern.— Le projet de loi sur les unions profcasionneiies devant le Parlement belgo. E. Vandervelde.— Discussion doctrinale; Pro e contro II socialismo (Saveno Merlino). G. Sorel.— Revue ernique.— ß. Croce: Studii alorici »Ulla nvoluzione r.apoletana del 1799. Briefkasten der Redaktiim. Die iuristischc Sprechstinide findet diese Woche Montag, Frei- tag nnd Sonuabeiid von 5 bis 7 Uhr statt. Frau Klook. Viellcichi loniuien Sie gelegentlich einmal zu uns. Schriktsiihrer. Tcxttlarboiter. Es ist iiuinöglich, von alle» kleinen Filialverkaiiiiillliilgen große Berichte zu bringen. Bcrgoldcr. Zlglt.-Koinmislion. Theilen Sie unS doch»im endlich mit, war ii m die Betrcnenden die Arbeit niederlegte»; eher löiuien wir leine Notiz davon ilehmeil, Ella, Nixdorf. 1 Nur bei. mit denisSie den Pilcgevcrtrag geichloisen haben, hastet Jbuen, 2 Ja. durch Klage des Vormundes beim Amtsgericht. 3. Ja, 4. 12,50 M, bis zurückgelegtem 6,, 15-18 M. bis zurückgelegtem 14, Lebensjahre,— G. F. 977. Stein.— Jacckel. Tragen Sie bei dein Vorstand der Berusögenoiiewchast aus Zahlung der Hiliterbliebeiieii-Rente an. Ei» Formular bierzu niideii Sie in der Blichhandlulig Vorwärts.— L. u. S1. 1. Leide Allen aicbt es. 2. Rein.— R. I. 46. Solche Richtung cxistirt nicht.— F.(£. Richter. Eine LegirimatioiiSlarte ist erforderlich (§ 44« Gewerbe-Ordnung).— C.®. 100. Eine Siraianzeige hätte kaum Aussicht aulEriolg, Sie löunen eS aberdamtl und mit cmcrZivilklagc verinchen. — F. F. 40. Unverständlich— W. Ä. 30. 1. In 30 Jahren. 2. Ja, aber erst nach dem Erbansall. Es muß dann beim Amtsgericht die Pfällduug der Erbtheilösorderuna deantragl werden.— G. B.-tiö. Sie können den Antrag stellen.— Sl. B. 25. Das hängt von den Umständen des EinzelsallcS av— H.(8. Sin derartiger Betrieb ist lein unfall- versicheruilgövflichtiger.— H. P. 100. 1. Der Antrag auf Rückzahlung ist bei derOehtcn JnoalidliätSansialt. in Ihren, Falle also Berti», Kwster- straßc ii, innerhalb drei Monate» nach Ebeschlub zu stellen. Ein Foriilutar für solche Anträge ist in der Buchhandlung VonvärlS erhältlich. 2. Das Bürgerliche Geteybuch tritt erst am l, Januar 1900 in kraft. Wenden Sie sich an das dortige Vormundschaslsgericht,— B. B. Münster. Rechts- anwalt Herzfcld wohnt Markgrasenstr, 62, Heinemann Kronenstr, 8/9, Reiche Lcipzigerstr, 46, Heine Rathenowerstr, l.— W. Tch. 99. 1. Ja, 2. Nein. — G. H., Chriktstr. 19. Falls Ihre Ehesra» nicht nachweist, daß sie das Geschäft aus eigenen Mitteln sür sich betreibt, würde sie mit Jnterveiitions- klagen stets abgewiesen werden,— W. H. 1. Nein,— F. K., Hagen. l. Ja. 2. Nein.— H. 57. Ein Widerspruch wäre erfolglos. Renten sind für die Alimente der Frau pfändbar.— M. w. 49. Nein; es kann nur innerhalb drei Monaten Strafantrag wegen unerlaubter Brieföffninig ge- stellt werden. ,— Lctzenbcrgrr. Sie haben sich strafbar gemacht, da eine vorherige Benachrichtigung nicht erforderlich war. Sie thun im Kosten- interesse gut, den Einspruch zurückzunehmen.— St. B. Lohnarrest ist auch wegen Alimente unehelicher Kinder zulässig. Jedoch gehen die Alimeute für die Ehefrau, die ehelichen Kinder sowie der eigene noihdürstige Unterhalt vor.- W. M., Rcintckendorf. 1. Nein. 2. Ja.— P. P. 89. Nein. Bhettcr-Prostliose für Dienstag, SV. November Itziv?. Ein wenig kälter, zeitweise heiler, jedoch unbeständig mit Niederschläge» und starken westlichen Winde». Berliner W e t t e r b« r e a u. Beim Monntsmvlszfvl empfehlen sich folgende Partei-Speditionen: v!o»>tei? Rober! Wenge IS, Frucht- stratze 30, Hof IL— SO.: Fritz Thiel, Skalitzcrpr. 33 v. pari.— Seellst«!»(ZlosKit): Knrl Anders, Salzivedeler- straße 8, part, im Laden,— �VeiWins und Oranlenbnpger Torstadt: Emil Stolzenburg. Wiesenstrab» 14,— Kosnml- brunnen: Wilhelm wo hm min,@rfntth«lcn'it. 04.— Kosen- tbalcr Torstadt und ScIiUnhanser Vorstadt: Karl Mars, Kastanien- Allee 5)3/90.— Charlotten barg;; Gustav Schar»berg, Pestalozzistr 34, Qucrgeb pari,— Oeatseh-�Vilmers- dorf: Frau K st b l e r, Sigmaringenstr 34 und Frau H e t n e m a n n', Sigmaringenstr, 33.(Hier ist auch die„Brandcnburgische BoltS-Zeinmg" zu erhalten,)— Kixdork: Ost ermann, Jägcrsir,"0, II— Schoneberg; Wilhelm B ä u m l e r, Belzigcrstr 39, Seilenslstge! pari— Johannistlml- Tlcder- und Ober• Schöneweide: Oliv John, Obcr-Schönemeide, Siemensstrahe 7, Figarrriigcichai» Annahme- stellen: Niedcr-Schönewe'.dc: Karl Weber, Figarrcngcichail Johannis- thal: Senstleben, Nestaurateur— Crledenan-Steglit�: H Bernsee, Kirchstratze 15 in Friedenau, Bestellungen nehmen cnlgegcn in Steglitz: H Mohr, Düppelstrahe 8, und Fr, S ch e l l h a l e, Ahon:- strahe 13»,— Bannischnlentveir: Stich Ulbricht, Maricnlhaier- strahe 18, I, Außerdem ist sämmtliche Partelliteratur, towte alle wislcnlchaftlichen Werke dort zu haben, Zluch werden Inserate sstr den»BorwarlS- entgegcn genommen. Um g e n n tt v Angabe der Adresse rvird dvingvnd gebeten. Dienstag, 30. Nov., abends 8 Uhr, bei Lteodert (sriiher doöl), Andrcasstr. 31> Rohe Volks-Versliiiiinlililg. Tagcs-Ordnung: Vortrag des Genosse» I>r. med. liernstein über: Wie die Proletaricrin stch und ihre Kinder gesund? Siecht zahlreiches Erscheinen, namentlich der Frauen, erwartet __ Die Elinbcrurerln, erhält 1/14 SoMldenwkrMcher Wahlverein für dtlt 2. Derliller Rejchsfags- Wahikreis. Dienstag, den ttO. Voveinber, abends S'/j Uhr, lui Cokale des Herrn Sßühlkc, Deiincwitz-Strnssc 13; V e r s st m in i n 11 g. Tages-Ordnung: 239/5 1. Die politische Lage und die Bedeutung der IWahlvereine. Reserent: Genosse SieichStagö-Abgeordncter 91. Fischer. 2 Diskussion, Gäste haben Zutritt, Ter Borstand. 13'B, Die Genossen werden wiederholt darauf ausmerlsam gemacht, daß in der Generalversammlung der Bcschluh gefaßt wurde, die Versammlungen pünktlich 8>/z Uhr zn eröffnen und wird um frühzeitiges Erscheinen gebeten, SosialdemoKratischer Wahlverem für den 3. iftliiirt Reichstags- Wahlkreis. Heute» Tiensiag, in den OranicnhaUcn, Oranienftr. öl- GvoiIv Vevsnmmlnng. (Zahlstelle Berlin.) VMrittltiismiimtr-Vkrslimmlmigkn: RMvoell, äen I. Dezember, sbenäL 8 vdr: Osten und Nordosten: Wtransberger- Strasse To. 3 bei Wlttwe Röhl. �iidosten: bei Kantenberg, Oranienftr. 18v. Die Kollegen der Wcrlstail von Jockisch, Piirklerstr 38, sind eingeladen, Westen und Südwesten: im Lokale des Herr» Znbeil, Lindcnstrnste Nr. 106. Rtoadit: im Lokale Tlinrin strafte 81. Wedding und Gesundbrunnen: im Lokale des Herr» Kaabe(Kolberger Talon). Kolbcrgerstr. 23. Die Mitglieder der Werlslatt-Konirolllomnuision versammeln sich um 7 Uhr vorn im Lokal. Rosenthaler und Schönhauser Vorstadt: Schtvedterstr. 23 bei Wernau. Modell- mib Fabriktischler Im„Torstiidtfsclicn Kasino", Acbcrstrassc 144. Hierzu sind säinnitlichc'Holzarbeiter folgender Finnen ganz besonders eingeladen: Siemens»'Halskc, Markgrafcnstraße und Ehnrloiten- bürg i Aktien-Gesellsthasl vorm Eckert, Friedrichsberg, und E Beer- m a n n, Vor dem Schlcsischen Thor Alle übrigen Werkstätten müssen vcr- treten sein. 272/2 Branche Parkcttbodellleger bei Xnbell, Liiidenstrafte 106: Sitzung der Werkstattkontrollkommission mit den Nerkennenslettken. Tagesordnung: 1, Die Vertretung miserer Branche im Verband 2 Verschiedenes. Sänimtliche Finnen müssen vertreten sein. Tiensiag, 30. Nov., abends Punkt 8'/, Uhr» im Englischen Garten, _ Zllrxanderftr. 27c: g: Mitgtteder-Uevsammlnng?? für die Branche der Musikinstrumenten-Arbeiter. Tages-Ordnung: � 1. Vortrag des Genossen K. Millarg über:„Die Jnte«fen der Miisilmstrnmentcn-Arbeiter an den Arbeiter-Vcrsichcnnigsgeseyen"iw,2 Der Einfluß der Unternehmer aus unsere Jntercssen i»it besonderer Berti cksich, tigung der Ringbeschlüsse und das Austreten rcsp. die Aeubenmgcn eines Fabrikanten, 272/1 _ Jeder hat die Pflicht, zu erscheinen,— Gäste haben Zutritt, ay Beiträge werden in der Versammlung entgegengenommen,"HW Am Donnerstag, den 2. Dezenwcr. abends 8»/->lhr, Herrn XnbeH, Liiidenstrafte 10«: Mff- Mitglieder-Versammlung. TageS-Ordnung: 1, Vortrag beS Genossen P. Jahn übet;„Die Arbeiterbewegung des 19, Jahrhiiiiderts". 2. Diskussion. 3, VercinSangekegclihcitcn,— Um zahlreichen und pünktlichen Besuch bittet(102/14) Die Berwaltung. im Lokal des Anhfimnl R. Baske, Grenadierstr. 33. nUlllllll, SSälo, neu renovirt, sind f. einige gute Sonnab. w noch zu vergeben, ebenso mehrere Vereinsz. Zum I.Wethnachtsfeiertag Saal mit Böhne freigeworden. lauter WMeuburgs! Hente, Dienstag, abends 7 Uhr. im Lokale„Bismarckshöhe». Wilmersdorfcrstrafte 30: Gr. öffentliche Versammlung Tazes-Ordnung! 1 Vortrag über den englischen Maschlnenbauer-Sireit. 2. Bericht vom Gewerbegericht, 3 Bericht vom Gewerkschafts-Kartell, 293/18 Zahlreichen Besuch erwariel_ Ter BertrauenSnianii. Charlottenburg. Mittwoch. 1. Dezember, abends 8 Nhr. im Lokale BiSmarkshöhe. Wilmersdorserstrafte 30: SostaldemokraMt Rattti-Versammlung. Tagesordnung: Tie bevorstehende Kre'.sivnseienz, Dislussion, Wahl der Telegirten zu verjelben 20S/'7 Die Tertrnnenslente. llentseh. Metallarbeiter-Verband (Tcrwaltnngsstelle Berlin). Sonnabend, den 4. Dczciubcr 1897, in der Kronen- Brancrei, Alt-Boabit To. 47-40: Gr. Vokal- und Instrufliental-Konzert, ausgeführt van Zivil■ Berufsmusikern unter Leitung des Herrn W a 1 d e ra a r G u 1 1 m a n n. sowie vom Berliner Männer-Quartett „liariiioniet' 192/12 Nach dem Konzert: Grosser Ball« — Herren, welche daran theilnebmen, zahlen 50 Pfennige nach.— Anfang punkt S'/i. Uhr. Billet 25 Pf. Alles Nähere besagt das Programm, welches beim Eintritt unentgeltlich zur Ausgabe gelangt. Die Ortsverwaltnng. B. Giinzei, Lotliring erstr. 52. Spezialität: Porträts sozialistischer Führer, Lassalle, Marx rc, in Eigarreiiipitzcn, Pfeiscil, Nadeln, Brachen, Knäpsen, Büfic», Bildcni ii dgl, sowie scdc DrcchSlerivaare n Rcpar.(Man vcri, Preislnrant,) lkiinotl 7ahno?lsil Sebmerzil. �alinzileben 1!?!., Plornh, 1,30 M, »ullsll. QNlllti» u Ifl, Theilz, Zahnarzt Wolf, Leipziger5t.22. Spr. 9-CU Uhren-, Oohlwaareu- Versand. Banr-Bcrka»»». THcilzaHIiing. BcstcNg bricss, L. Bogdt. Angnststr 92 vr. killgelmaull Lpezialarzt für 3303L' Haut-, Hai'n- und tlntai'Iöiba- leiden, Friedrlchstr. 109, zw Linden u. Behronstr. 11— 2. 5—7 Dr.Siromel,SSS. Spczlalarzi s.Haiitn.Hariilcidc». 10-2,5-7. SonnIagS 10-12, 2-4 pi'kl. Zahnarzt Wronker Ploiiibircn, Zahiizichcn, Zahnersatz I.elpitlgerstr. 39, Ii, 9—6. iincnigcltrd— 9 Telephon Nachtglode, Künstliche Zähne. F. Slessenö. 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'.Tticnivutz.i(pti)Uii.i ornpiA 00' T OV O'08'0'9i'0'09'0 WO?> nasazH' aijiuija© OO'i'00'9'09'9 00'9'09> We'9k.'-:? »PiioiK- iio«,-»ZINVT. stpiaij-G m'l'00'9'00'9'09>'09'E'9i'S cj'g v. uaih'W■ nsaio».npusts® ♦801981 OO'b'09'f oo'e '00'S'09'I OS T? n-quiZS Ivmaoie Wfi'oo's'09 2'9i T'Ot'l« nojötiaajun ot 09'?'OO'S 091 M l'98'0'9i'0 V uonlvT. n uasas» ant»apvltZtUN :ussizr<ß uobsllsq uiioüz nk tigztzitm» UttvvIUlitUlUZZI'UUZövIGlUZ .J06IL 4vj UvffSLS9-lvi?sS8 '1 SPna«.i,imo»»vL g 'fll•Ututfuota-IjoPs-K l u!ij38'a�üj jopoaqi SK3JCI Theihahluilg. J. Kellermann, Aenc Jakobstr. 20. OlAeincn werthe» Kollegen, Freunden „ Parteig, zeige ich hiermit an, daß ich Walliicr-Dhcaterstr. 26 ein Weift-». Bairischbier-Lokat nebst Vereinsz eröffnet habe. Achtungsvoll 3v93L"s Prnnz! Uerkorvskl. iflohel verliehe» gewescne inib iicite, staunend billig. Dheilzahlnng gestattet. Beamten ohne Anzahlung, 2917L' Nette Köttigstr. 39 U. Gueisenaustr. 15. ophastoffc Q auch ZM" in Rips. Damast. Eröpc. Phantasie. 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Dies zeigt an mit der Bitte um stille Theilnahme Die tlesbetrnbte Wittwe kuguZle Groth geb Markward. Die Beerdigung sindei am Dienstag, ven 30 d M,, nachm. 2 Uhr, vom Trauerhause, Lausiyer Platz 18, auS aus dem EmmauS- pkirchhose statt, Bemnz.Mhr. b.znttttsstll ber Gast-». Lliiailklvirthc Berlins und Umgegend. Am 23 November, früh 2'/, Uhr, starb unser treues Mitglied Emil Oroth im noch nicht vollendeten 47 Lebens- lahre an der Proleiaricrkranlhcit, Die Beerdigung sindei am Dienstag, den 30. November, nachm. 2 Uhr, vom Trailerhausc, Lausitzer Platz 18. nach dem EmmauS-Kirchhof statt. Um zahl- reiche Bcthciligung erinchl 69 20 Ter Borstand. I A: F. Ewald. (Einladungen durch Karten stndeii wegen der Kurze der Zeit nicht statt.) Danksagung. Allen Freunden u, Belannten»nscrn herzlichsten Dank sstr die rege Theil- nabine memes lieben Mannes und unseres Schwiegersohnes, des Malers Demi. Christ. Wwe Zlnnn Christ geb Günther, Aug. Günther nebst Frau u Tockiter, Kranzbinderei n. Blmuen- handlnng von 30522* Robert lleyer, To. 2. Unriannenstr. To. 2 Wtdinungs-Kränze, Guirlanden, Ball- sttäußchen, Bouauets tc, werden sehr geschmackvoll und preiswetth geliesert, Zentral-Kranfen-«. Tterbe- lasse her Tischler n anderer gewerblicher Arbeiter. (Terrvaltnng Berlin B.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied Albert Krüger am 26, November gestorben ist, Die Beerdigung findet am 30. Nov., nachmittags 3 Uhr, vom Tranerhaust Kövnickerstr 44 anS nach dem neuen Thomas-Kirchhaf statt, Um rege Beihciligung bittet 181/18' Die Ortsvcrwaltuug. Orts-Krankcnkttss e der Nidhaner.Stnlhaktlm „nd verw. Gewerbe zu Berlin. Donnerstag, den 9 Dezember 1897 abends 8>/z Uhr, im Lokal Annenstr 16 Ausserordentliche Gkiieral-Versammhnig Tagesordnung: 1. Aendening oes§ 16 unseres StatuIS, 2. Verschiedenes Berlin, 29 November 1897.(39/10 Ter Vorstand. I, A,: I, Sösner, Vorsitzender. Anfrnf! Der Former Buei�PSUSS wird Hierdurch ersucht, seine Adresse au H. Hampel, 604 Bliic Island Avenue Chicago(Illinois) United States of Aniehcn, brieflich bekannt zu geben. Deuge vor deryokh! Allgem. Vvlkö-Kraiikeiikasjr E. H. 12«. Staatlich aenehinigi für ganz Denischl. Hauptkassenlokal: MnUerst. 174 1. Telephon-Aint 11. 243«. Kleine Beitrage!- Hohes Krankengeld! Krankengeld auch für Sonn- lmd Festtage wird gezahli 13 Wochen im vollen und weitere 13 Wochen im halben Betrage,— MüUerstr. 174, Brunnenftr. 1». Graunsir. 9. Hallescheftr. 4 und Skalitserstr. 82 werden Bcitrtltscrlläruiigen entgegen- genommen 365VL* Agenten gegen hohe Provision jederzeit gesucht 8kk!ag von N.-Lrnst. MünDcn. Sammlung grsrilschasigwissknschlistlichtr Ansilibt. Socbc» erschienen! Zweiter Nendrnck!"DU Ms ßmilgelium eiilks llrmeil SüiiSers, Bon Mii!>ei»|trHlii|. 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Welche Wichtigkeit beide Theile dieser Frage beilegen, geht aus den jetzt zur Beröffeirtlichung ge- langte» Punklationen hervor. Um Satz für Sah ward da gestrilte». Die Pri»zip»U stellten zuerst ihre Forderung ganz absolut auf:„Volles Recht jedes Unternehmers, Ein- richlnnge», welche in irgend einer Verbandswerkstalt in lrafl sind, auch bei stich einzuführen", woraus die Arbeilervertretcr die Gegenforderung stellten, daß solcher Uebertragnng vonsEinrichlungen eine Verständigung zwischen Unternedmerverband und Gewcrkschafleu vorangehen müsse. Dies ivollten die Prinzipale nicht annehmen, versüßlen aber ihre Forderung durch de» Zusah, dach sich das ver- langte Recht nicht aus die Höhe der Löhne und die Normalsäye der Arbeitszeit erstrecken solle. Nach eingehender Beralbnng wiederHolle» die Arbeilcrvcrlreler ihre Forderung in etwas modifizirter Form, die Fabrikanten aber ließe» sich nicht von ihrem Vorsatz abbringe». Sie arbeitelcn einen dritten Vorschlag nuS, den die GewerkfchaflSvcrlreler. nachdem ein von ihnen ausgestellter weiterer Gegenvorschlag für nnaunehuibar erklärt worden war. mit dem Vorbehalt akzeplirlen. daß die Einzelheilen noch zwischen ihnen und den Unternehmern dielutirt werde» und über die endgillige Annahme die Gewerkschafls- initglieder selbst in Urabstimmung entscheiden sollen. Tie Klausel selbst lautet: „Indem die verbündeten Unternehmer jede Absicht, die an- geuiesscue Thätigkeit der Gewerkschaften zu schmälern, in Abrede stellen, sind sie entschlossen, keine Beeinträchtigung der Leitung ihrer Geschäfte zuzulassen, und behalten sie sich das Recht vor, � in jedivelcher Verbandswerkstalt, je»ach Wahl dee bclrefsende» Prinzipals, diejenigen ÄlrbeitSeiurichlungen einzu- sühren, unter dene» irgend welche Mitglieder der hier vertretenen Geiverkschafle» zu Anfang des Konflikts in irgend welchen Werkstätten des Unleruehiuerverbandes gearbehtel in soll. Das Vorstehende soll in keiner Weise so ausgelegt werde» als ob es sich ans die normale Arbeitszeit oder die allgemeine Hebung oder Herabsetzung der Löhne bezieht. Punkt 4, Absatz B der Grundtagen der Konferenz sieht die Diskussion n»d Ver- einbarung der besten Mittel, zulünslige Konflikte möglichst zu ver- meiden vor." Der abgelehnte Gegenvorschlag der Arbeiterdelcgirten slinnnt den Eiuleitungssätzen mit dem der Unternehmer überein, schiebt aber nach„Arbeilseinrichlnngen einzuführen", de» Satz ein, „ivelche zivischen den Gewertschafte» und den Unternehmern gegeiiseitig vereinbart worden sind und...", dann, mit blas formeller Umstellung der Sätze, unverändert wie oben bis zum Schluß des vorletzten Satzes, wonach noch nachstehender Satz folgt: �„Andererseits beanspruchen die Gewerkschaften, indem sie jede Absicht, sich in die Geschäslsführung der Unlernchmer einzumischen, von sich weisen, für sich das Recht, von Zeit zu Zeit i» gemein- sanier Bcrathnng und Vereinbarung mit de» Unternehmern die allgemeinen Zlrbeilsbedingunge» festzusetzen, wie sie die Arbeits- dauer, die Löhne und die Akkordsätze betreffe», sowie ihr ver- faffungsmäßiges Recht der Einstellung ihrer Arbeit auszuüben, sobald irgend ein Unternehmer gegen die allgemein getroffene Ver- einbarung verstößt." Warum die Unternehmer namentlich den Schlußsatz von sich wiesen, liegt auf der Hand. Worauf es ihnen gerade ankommt, ist, die um bloßer Werkstattskonflikte halber verfügte» Streiks los- zuwerden, wie sie längere Zeit am Tyne nud Tees(Durham) grassirten. Der Streit dreht sich, wie an dieser Stelle stets betont worden, nicht.um das allgemeine Prinzip der Gewerkschaften, sondern um sehr in Feinheiten auslaufende Spezialsragen des Gewerkschaftsrechts. Daher der kasuistische Streit um scheinbare Formalitäten. Keine Seite will sich zu mehr, als absolut nolh- wendig, verpflichten, keine der anderen Schlupflöcher lassen. Außer- dein will auch keine Seite die andere als Siegerin erscheinen lassen. Das„Daily Chronicle", das mit einer Vehemenz, die an seine «lwas verhängnißvolle Griechenpolitik erinnert, als Anwalt des Maschinenbauervereius auftritt, ist von dem gemeldete» Kompromiß gar nicht erbaut. Es erklärt, die Klausel, der die Gewerkschasts- delegirte» nunmehr provisorisch zugestimmt haben. schließe„so wesentliche Aeuderungen des ganzen Systems, wonach bisher die ge- werklichen Dinge geregelt worden", in sich ei», daß alle Gewerkschaften Englands bedroht seien. Die Aeudernuge» dürften daher keineswegs ohne vorherige Zuziehung der berufenen Vertreter sämmtlicher Ge- werkschaflen Englands, das beißt eines außerordentlichen nationalen Gewerkschaftskongresses, ratifizirt werden. Wie schon vor einigen Tagen der Londoner Gewerkschaflsrath, so fordert jetzt auch das radikale Blatt die Einberufung eines solchen. Ob es damit Erfolg haben wird, erscheint mir noch zweifelhast. Die Stimme des Londoner Gewerkschaftsralhes, wie überhaupt der ineisten Gewcrkschaflsräthe, ist bei den Vorständen der größeren Gewerkschnften nicht sonderlich angesehen, nud es liegen genug An- zeichen vor, daß in deren Kreisen die Sachlage etwas anders be- urlheilt wird, wie in den Reihen der wohlmeinende» journalistische» Freunde der Bewegung. Die wellerfahrencn Führer sind nicht so leicht entflammt und auch nicht so leicht enlmulhigt. Ein Berichterstatter des„Chronicle", der der GemerkschaflS- bewegung nahe steht, drückt sich denn auch anders aus, als die Re- daktion. Nach ihm ist noch garnichls preisgegeben. Es komme alles auf die in der Klausel vorgesehene Spezialabmachnng an, die noch von dieser Konferenz zu vereinbaren ist. Die Führer der Maschinenbauer hätten in diesem Punkt vorläufig nachgegeben, um in anderen Fragen Zugeständnisse zu erlangen. Die endgillige Entscheidung stünde der Masse zu, und schließlich wäre auch, wenn alle Stränge reißen, mit dem Abbruch der ganzen Verhandlungen zu rechnen. Jede Kritik unsererseits würde in diesem Moment unzeitgemäß sein. Auf beiden Seiten ist man sich der Verantwortung voll be- wüßt. Die drei Verhandlungstage haben gezeigt, daß in beiden Lagern selbst ernsthast und eingehend diskulirt wird. Die Be ralhungen, die die Unternehmer und die Gewerkschaftler unter sich über die einzelnen Vorschläge pflegen, dauerten ojt länger wie die gemeinschasllichen Diskussionen. Es giebt hübe» und drüben sehr zum Frieden gestimmte und sehr kampflustige Elemente. Die Kouferenz wurde auf nächsten Dienstag verlagt und soll dann bis Freitag täglich zusammentreten. Desgleichen die folgenden Wochen, wenn sie nicht vorher ihr Pensum erledigt oder ihr Werl als hoffnungslos ausgiebt. Soziale VvÄztspftrlge. Gegen die Gebrüder Slschingrr iührle der Hausdiener M. vor dem Gewerbegericht einen Rechtsstreit, in dem eine jener leicht- sinnigen Unlerschristen, die wir schon so ost gerügt haben, wieder unil die entscheidende Rolle spielte. M. schlief mit etwa 20 anderen Angestellten der bekannten Liestatlrnteure in einem größeren Schlnssanl, und liier halte er anch den Koffer untergebracht, der seine Besitzthümer barg. Während seiner Anwesenheit im Betriebe verschwand der Koffer. Hierfür machte der Be- slohlene die beklagte Firma verantwortlich, indem er auöfübrte, der schlassaal sei jedermann zugänglich geivesen. Er beanspruchte 316 M. Schadenersatz. Der Vertreter der Beklagten machte da- gegen gellend, für den Schlafsaal sei ein Schlüssel vorbanden, die Firma treffe also keine Schutd. Im übrigen derief sich der Herr auf ein vom Kläger unterzeichnetes Schristslück etwa folgenden Inhalts:„6,00 M. als Renlohn empfangen. Ich erkläre durch Unterschrift keinerlei Ansprüche mehr, welcher Art sie auch seien, an die Firuia zu haben." Der Vorsitzende Assessor Krause stellte bei dieser Sachlage es dem Kläger anHeini, erst einmal de» Versuch zu machen, sich mit den Gebrüdern Aschinger außergerichtlich zu einigen. Der Vertreter der Beklagten bemühte sich auch auerkennenswerther Weise darum, konnte aber im neue» Termin nur mittheilen, daß die Gebrüder Aschinger es ablehnten, irgend etwas zu zahlen. So blieb dem Gerichtshof nichts anderes übrig, als dem Kläger die Zurücknahme der Klage anzurathe». M. kam dem Rache nach. Herr Hitiel, der Vertreter der Beklagten, will nun noch eiiimal zu gnnslen des schwer geschädigten Klägers bei seinen Prinzipalen vorstellig werden. Wege» hartnäckiger Verweigerung einer Arbeit, die zu seiner gewöhnlichen Beschäitigung nicht geHörle, war der Hausdiener St. von der Inhaberin des Hotels„National", Frau Rosinanith, ohne vorherige Kündigung einlassen worden. Er verklagte deshalb die Frau beim Gewerbegericht und beantragte, sie zu einer Lohnenlschädigung zu verurlheileu. Der Kläger machte geltend, er sei nur auf den oberen Etagen für den Holelbetrieb im engeren Sinne engngirt worden. Indessen hätte er die Arbeit im Keller, das Ausziehe» eines Nagels, überhaupt nicht verrveigert; er habe keine Zange gehabt und deshalb den Nagel nicht enlferne» können. Die Kammer VI des Gewerbegerichls nahm jedoch auf grund der Ver- Handlung an, daß der Kläger sich thalsächlich hartnäckig geweigert habe, de» Nagel auszuziehe», und wies ihn urit der Begründung ab, ei» Etagenhausdiener in einem Hotel müsse auch Nägel ausziehen, wenn es von ihm verlangt rverde. Kci» selbständiger Gewerbetreibender. Ein Rechtsstreit zwischen dem Baukleiuprrer V. und der Firma Pussin und Komp. (Bauunternehmer) beschäftigte die Kammer III des Gewerbe- g e r i ch t s. Ter Kläger beanspruchte einen Nestlohn von 16 M. und 60 Pf. Lohnenlschädigung. Er behauptete, unrechtmäßig ent- lasse» zu sein. Die beklagte Firma machte durch ihren Vertreter geltend, V. habe in der letzten Woche fast die halbe Arbeitszeit drrrch geschlafen. Im übrigen dürfe er gegen die Firma gar nicht beim Gewerbegericht klagen, da er die Bauarbeit selbständig über- »onnne» habe, also selber Unternehmer sei. Die Firma habe ihm nur Zinn geliefert und ihm ihre Abbiegebank zur Bersügung ge- stellt. Kläger hätte pro Quadratmeter bezahlt werden sollen und der angebliche Wochenlohu von 30 M. sei nur ein Vorschuß ge- wesen. Ein Zeuge hat den Kläger nicht schlafend gefunden. Der Gerichtshof unter dem Vorsitz des Assessors Schneider verurlhcilte jedoch die Firma nach dem Klage- Antrage unter folgender Be- gründung: Es stehe fest, daß Kläger das wichtigste Werkzeug für Bauklempner, die Abbiegebank, nicht besessen und daß er auf Rech- nuug der Beklagten Zinn besorgt habe. Er habe somit lediglich die Dienste eines ßiewerbegehilfeii geleistet, wofür auch spreche, daß die beklagte Firma im Besitze einer Abbiegebank sei, also rvohl anch öfter Klempner in ihrem Betriebe beschäftige. Das Gewerbe- gericht sei demnach zuständig für die Erledigung des Rechtsstreites. Was den Loh» betreffe, so hältcn die Parteien für ihre gegentheiligen Behauptungen keinerlei Beweis angetreten, deshalb sei der für Bau- klempner angemessene Wocheiilohn rnaßgebend, und der betrage 30 M. Die Berechnung des Klägers stimme hiernach. Da nun die Behauptung des Vertreters der Beklagten, Kläger habe die halbe Woche geschlafen, durch die Zeugenaussage widerlegt sei, so hätte Beklagte im vollen Umfange des Klageantrages verurtheilt werden müssen._ VevZcnnmIunlgen. Textilarbeiter-Verbaud, F i l i a l e I. Zu unserem Bericht über die Versammlung am l7. November i» unserer Sonnabeud-Nummer geht uns eine Richtigstellung zu. in der gesagt wird, daß die Ver- tammlinrg mit dem Beschluß des Vorstandes, die Unterstützung der Nichtorgauisirte» betreffend, sich nicht einverstanden erklärt. Sie empfiehlt, daß die llnterstützungsfrage, wie bisher geregelt werde.— Ferner ist richtig zu stellen, daß die Generalversammlung nicht in Hannover stattfindet, sondern es ist die Generalversammlung der Berliner Organisalio» gemeint, in welcher der Gesaimntvorftänd gewählt wird. Tic Stnlkatcnre beschlossen i» ihrer Verbandsversannnlung vorn 22. November, daß die Kontrolle der Arbeitslosen im Arbeits» »achweis, im Winter sowohl als im Sommer, eine dreitägige sein soll. Die Frage betreffs Erbauung eines Gewerkschaftshanses wird einer Kommission von drei Mitgliedern und dem ges»n»»te» Vor- stand zur Regelung überlasse»; die definitive Abstimniung soll in einer außerordentliche» Mitgliederversammlung vorgenommen werde». Nixdorf. A»> 24. November fand hier eine öffentliche M a n r e r- V e r s a in in l»» g statt, in der der Kartelldelegirte Bericht erstattete. Slls Delegirte wurden gewählt P r i e IN k e und Bieber- stein. SllS Beitragssammler rvird Schreiber gewählt. Sodann »ab Metzke einen Silnationsberichl über die Lohnbeivegnng des letzten Jahres. Beschlossen wurde, daß im nächste» Frühjahr für Rixdorf eine Kommiision gewählt werde» solle, ivelche Fühlung zu suchen habe mit der Berliner Lohnkommission. Köpenick. Eine am Donnerstag bei Scheer tagende Versammlung diklutirte über die Kreiskonserenz, ivelche am S. Dezernber irr Berlin staltfinden soll und delegirte zu deselben Hill ig es. B e ch e r und Hei n. In die Lokalkommissio» wurden die Genossen Held, W o i ck und R a d e in a ch e r genzählt. Johanttiöihal. Am Sonntag Abend tagte hier eine von ca. 100 Personen besuchte össentlich« Versammlung im Lokal von Bastian. Der Vertrauensmann Joh» wies einleitend auf die Größe des Teltower ReichstagS-Walrlkreises hin»ud wie es bei derselben bisher der großen Masse der Ortschaften rricht möglich rvar, bei wichtigen Fragen, welche den Kreis betreffen, vertreten zu sein. Aus dieser» Grunde habe die Kreisleitung beschloffen, Kreiskonferenzen abzuhalten und sollen zu diesem Zwecke aus jeder Ortschaft Delegirte gewählt werden. ivelche die Wünsche der Genossen aus de» einzelnen Ortschaften vertrete» solle». Demzufolge wurden Joh», Schönicke und Weber zn Delegirte» für die an, b. Dezember stattfindende Konferenz gewählt. Hierauf hielt der Genosse Fabcr einen Vortrag über:„Die bürgerlichen Parteien und die Sozialdemokratie". A» der Diskussion, ivelche sich sehr rege gestaltete, betheiligten sich die Genosse» Gallasch. Joh», Hünold und Reichert. Dieselbe» ergänzten die Ausführungen des Referenten noch durch mehrere krasse Beispiele unserer wirthschaflspolitischen Zustände. Perri» für vol>i«tlriiml>ch« Wissenschaft. Heute, Dienstag, den eo. November, abend« 9 Uhr, Sitzung im Rcsiauranl Seidler, Linienstr. 66. DiSlussio» über„Faust" von Gocihe ffläile willkoiriuicn. W»»i»rkt»,>> Zlorwärt». Sitzung Tteusiag, abeirds o Uhr, bei Kühne, Bolrastr. 6. ms- Mittwoeh, Donnerstag, Freitag Ausnahme-Preise. Für Damen. Filzschuhe l,io, l.« mc. Filzpantoffel 65, 80 fl Steppschuhe«>-. Für Damen. Pll �cti of Ol»itLodorabstztzz. Schnür®»/ f Aladllvivl oder mit Gummizügen älj4ü luK. Vildrossl. Knöpfstiefel la. Qualität, auf Band genäht 6.80 fflk. Lederhausschuhe 1 Wildrossl. Zugstiefel 4, so nn. mit Lederabsatz, Füzfutter, Plilscheinsatz 2,80 Mk. I TUUZ SC hUllC Leder 2.80, Lack 3.30 Mk. Damen- Halbschuhe mm Schnliren oder Knöpfen, weil ineorUrt, 3j80 Mk., darunter feinste Sorten. Scknlwaareihais Carl Stiller oegrüBdet 1887.| Jerusalemerstr.<90, am Dönhoffplatz. 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Luisen-Theater 34. gieichenbergcrstrastc 34. Abends 8 Uhr: Geschwister Nebig. Modernes Bolkssttick in drei Akten von O. Wagner und H. Habkerl. Musik von Fritz Krause. Mittiovch: Dopfenrath�s Erben. Direkte Berbindnng»itt dem Theater: Eleltr. Bahn: Dönhoffplatz— Reichen- bergerstrahe in 10 Minuten. Eing erste Sehenswürdigkeit der Eesidenz ist GebrüderHerrnfeM's 1. Original- Budapester Possen- n. Opcrettcn- Tlicatcr Kaufmann's VariötS. VI. Berliner Wintersaison. Ganz Berlin spricht von den einzig in ihrer Art dastehenden Saison-Schlagern Ein Abend im Wintergarten und Im Atelier. - Nur noch wenige Aufführungen."TPfe öhnlfPr NL«-_ Anf. 7z8I7hr. GewöhnirPreise. Sensationelle Ueberraschung. Siehe Mittwochs-Inserat. Urania Taubcnsti-asse 48—49. Naturkundl. Ausstellung täglich geöffnet von 10 Uhr vormittags ab, Eintritt 50Pf.— Abends 8 Uhr Wissenschaftl. Theater. Invalidonstrassc'So. 57/6®: Täglich(ausser Sonntags und Mittwochs) abds. 8 Uhr: Wissenschaftliche Vorträge. Näheres die Tagesanschläge! Passaye-Panopticum. Wiener Tanz- und Operetten- Geseliscliaft. Neues Programm ™ Castan's Panopticnm. Friedriclistr. 105. Indistch- hliidnsta- nische Gaukler — und— Schlange n- Beschivörcr. Das BÄRENWEIB. Ostettd-THenter. Gr. Srankstirterstr.l»2. Dir. G. Weist. Novität! Zum O.Male: Novität! Leben und Lieben. Volksstück mit Gesang in 5 Akten von O. Klein. Musik von G. Wanda. Anf. 8 Uhr. Im Tunnel von 7 Uhr ab: — Frei-Konzert.— Morgen und folgende Tage: Leben und Lieben. Sonntag, nachmittags 3 Uhr, halbe Preise: Am Altar. Apollo-Theater. Carmen Fanr. Robert Steidl. La Foy mit Ihrer Novität: Der Feuer- und Flammentanz Kalseneröffiuing 07, Uhr. Anfang 77z Uhr. Mittwoch, den 1. Dezember 1897: Vollstündig neuen Programm. Wicderanftr. des töcsangshnmor. � lillo Beutler* und BesroelieZ-Bianea. Vi. Noaeic's Tbeater >1 r» n n e n» 8 t r a»» e 16. Heute, Dienstag, den 30. November: Meu! Neu! Madame Potiphar. Charakterstück mit Gesang in 0 Bildern von Carlos Duchow. Nach der Vorstellung Tanzkränzcheu. Mittwoch: Bon Stufe zn Stufe. Arn Freitag, den 3. Dez. 1897 �Eröflinnigsvorstelliing" Abends 77i Uhr. Neues mpia- Riesentheater (Circus Renz.) Karlstrasse. Bolossy Kiralfy's Constantinopel. JFJ1 Sonnabend und die folgenden Tago Constuntinopel. Vorstellungsn, niiam'c Vandevllle- UUal y a Theater. Grand Hotel Nlexanderplast. Z. Von Tag zu Tag» a. bewahrheitet sich die Zug- n G kraft der beiden Novitäten fy 1 Das 4 Armband von Müller Das Modell (2 Nicht g «r von H askel S mehr und mehr. Z cnbenwollende Lachstiirme und enorme Erfolge be- S ■r gleiten diese Schlager der»> Q Saison. I u Vorangakarten« ■£■ gelten. 9 iiiiiii ttuarg's vKJu;".e" Grand Hotel Alexanderplast. lltloaUar �aristo- Theater I. Banges. Dresdenerstrahe 62/63(Citp-Paffage) Annenstrabe 42/43. Direktion Richard W i n I l e r. Vornehmster Familien- Aufenthalt. Mit durchweg n e u e r Ausstattung: Tolle Uerliner Pahrteu. 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Heute, sowie jeden Dienstag: Stettiner Sänger tMeysel.Pietro, Britton, Steidl, Krone, Röhl, Schneider und Schräder.) Anfang 8 Uhr. Eutree SO Pf. Borverkauf 40 Pf. Zum Schluß, neu: Ein Orchester-Streik. Instrumental-Ensemble v. Meysel. Volles- Utent«!' Im Welt-Restanrant 07. D r e s d e n e r> S t r a st e 07. Novität! Täglich: Novität! O diese Nadler! Poffen- Burleske von O. R o ed er. Im vorderen Saale: „/Unieiininsch n. Edelweiss" Dstroler Sänger-Gesellschaft. Direktion: Alois Ebner. Ullkana» Sonntags 0 Uhr. Zlltlllltjl. Wochentags 7>/, Uhr. �hau°» Banssouei Kottdnser Straffe Nr. 4 a. Dir. H. Pierr». Artistischer Leiter Jos. Aschinger. BiSHer unerreicht. Stilrmischcr Beifall! Kit vollen 8egeln. Lebensbild mit Musik in 3 Abtheil. von H. Schulz. Vorzügliche neue Spezialitäten. Anfang des KonzertS: Wochent. 7 Uhr, Sonntags 6 Uhr. Anfang der Borstellung: Wochent. 8 Uhr, Sonntags O UHr. Rstthw Wochentags 30 Pf. UUUU. Sonntags 60 Pf. Wochent. Basse-partouts giltig. Diese Vorstellungen finden irden Sonntag, Dienstag und Donnerstag statt. tloveeriliauL Eelpzlgeristr.llio.48. äfdk-" Täglich:' Hoffmann's Quartett lind Humoristen. 5liif(iii!!: l0Ä 8�: ä Feen-Palast ZU Bnrgstr. ZZ. Dir.: Winkler& Kriibcl.| Nur noch bis Dienstag Rich. Winkler und Wilh. Fröbel] In der mit stürmischem Beifall aufgenommenen Gesangs- und Tanz-Posse Die Kallet-Ratten. Dazu das brillante erfolgreiche N o v e m b e r- P r o g r a m in. 20 Nummern. Künstler ersten Ranges. Lebende Photographien. Anfang 77, Uhr. Sonntags ö Uhr. I Eutree 3V Pf. bis 1,60 M. Mittwoch: Das grohe Weihnachts-j Programm. ORR'«« 8 HllSCli (Itnlinliof BUroe). Dienstag, 30. November 1897, abends 77, Uhr: kr. Gala-Vorslellung. Elefant und Pferd, Original-Dressur des Sign. Corradini. NewSky Malorofieskx, graste Quadrille. Auf- treten des berühmten Clown Herrn beugen Beldcinann mit seinen dress. Affen, Hunden zc. Double Tric-Act, ausgeführt von Geschw. Powell. Auf- treten der berühmten Schulreiterin Mdme. 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