! Für unsere Kinder Nr. 19 ooooooo Beilage zur Gleichheit ooooooo 1915 Bon Wolfg. Goethe.( Gedicht.) Das SternenDer gescheite find. Märchen von Karl Ewald. Hansel.( Gedicht.) Morgenlied. Inhaltsverzeichnis: Morgenlied. Von Konrad| glänzend gelben Trauben über die eisernen Ferdinand Meyer.( Gedicht.) Vogelleben in Gartenzäune, der Mehlbeerbaum macht seinem der Stadt. Die Mülkatze. Von Ernest Seton Namen alle Ehre, denn er sieht wirklich aus, Thompson.( Fortsetzung.) Fuchs und Kranich als habe der Bäcker einen Sack Mehl über ihn ausgeschüttet. Rotdorn und Schneeballen baum gehören auch noch in die vornehme Gesellschaft, während der gewürzige Holder mit seinen weißen, tellerförmigen Dolden fast ganz aus den städtischen Gärten verbannt ist. Drinnen auf den Beeten kommt schon der stolze Sommerflor, Rosen und Nelken werden bald das Feld beherrschen. Auch das Vogellied, das heute noch so laut und abwechslungsreich aus allen Zweigen herunterschallt, wird allmählich verstummen, wenn einmal der Juni vorbei ist. Noch aber sind die Vöglein mit dem Brüten und Aufziehen ihrer Jungen beschäftigt, manche haben schon die zweite Brut. Während dieser Zeit sind sie lauter Leben und Fröhlichkeit. Jetzt ist auch die beste Zeit, sie zu beobachten, ihr Wesen und Treiben kennen zu lernen. mit edeln purpurröten Und hellem Amselschlag, mit Rosen und mit Flöten Stolziert der junge Tag. Der Wanderschritt des Lebens 3st noch ein leichter Tanz, Ich gehe wie im Reigen mit einem frischen Kranz. 3hr taubeneßten Kränze Der neuen Morgenkraft, Geworfen aus den Lüften und spielend aufgerafftWohl manchen ließ ich welken Noch vor der Mittagsglut; 3errissen hab' ich manchen Aus reinem übermut! Es ist ein Wunder, wie viele Vogelarten sich bereits bis in die Großstadt hereingefunden haben und sich zwischen Mietkasernen und Fabriken heimisch fühlen. Wir brauchen gar nicht weit gehen, höchstens bis in die nächsten Anlagen. Zu schauen gibt's dort genug, nicht nur jene abscheulichen Tafeln, darauf„ Ver boten" steht, und die absperrenden eisernen Zäune. Trotz der Menge lustwandelnder Menschen haben eine ganze Menge hübscher Singvögelchen und andere Tiere hier ihre Behausung aufgeschlagen. Wir brauchen nur die Augen Konrad Ferdinand Meyer. richtig aufmachen und ab und zu in die dichten Gebüsche hineinspähen. mit edeln purpurröten Und hellem Amselschlag, init Rosen und mit Flöten Stofziert der junge Tag Hinweg du dunkle Klage, Aus all dem Licht und Glanz! Den Schmerz verlorner Tage Bedeckt ein frischer Kranz. 000 Vogelleben in der Stadt. An schönen Sommersonntagen strebt alles ins Freie. Draußen in Berg und Tal prangt der Frühsommer in vollem Schmuck. Die Wiesen stehen hoch und saftig mit bunten Blumen und wehendem Rispengras. Jm schattiger Wald ist zwar die Zeit der lieblichen Maiblumen vorüber, dafür blühen die Erdbeeren, die Heidelbeeren und Preiselbeeren. Rings um die Stadt, wo sich die Gärten und Villen der Reichen hinziehen, duftet noch der letzte Flieder. Der Goldregen hängt seine Wie vielerlei, woran die Spaziergänger achtlos vorübergehen! Gleich hier auf dem Bächlein unter Gebüsch und überhängendem Gras cine Wildente, eine richtige, fleine, anmutige Wildente, und hinter ihr drein eine ganze Schar entzückender, flaumiger Jungen. Sie fürchten sich gar nicht. Paßt auf, ob wir feine Wildente fliegen sehen. Denn fliegen können sie, höher als der höchste Parkbaum. Irgendwo in den grünen Wipfeln flötet im gelben Wams ein Pirol. Ich bin der Pirol! Ich bin der Pirol! ruft der eitle Gesell einmal über das andere. Der und der Kuckuck werden nie müde, ihren Namen herzusagen. 146 Für unsere Kinder Wir gehen weiter. Aus einem Steinmäuer chen tönt ein zartes Piepsen. Wir legen das Auge an eine schmale Rize und gewahren wieder eine kleine Kinderstube. Ob es wohl Kohlmeischen oder Schwarzköpfchen oder junge Rotschwänzchen sind? Man Tann's nicht sehen, es ist zu dunkel. Morgen kommen wir wieder und passen auf, wie die Eltern aussehen, die aus und ein schlüpfen. Sehen wir uns auf diese Bank! Ich habe des bösen Feindes von den Jungen ab und ein paar Brotfrumen in der Tasche und streue auf sich lenken. sie auf den Weg. Wenig Menschen kommen hierher, desto mehr Buchfinken. Es sind zu trauliche kleine Herren mit rostroten Westen. Die Weibchen dürft ihr ja nicht mit den Spatzen verwechseln. Sie sind zwar auch in der Hauptsache braun, aber viel zierlicher gebaut und haben an den Flügeln schwarz und weiße Bänder. Daran kennt man sie von weitem. Gib, gib! schreien die Buchfinken, nun schon fecker geworden. Auch eine Kohl= meise mit gelbem Röcklein und schwarzem Räppchen kommt herbei und sucht, ob was zu holen ist. Drüben an dem Baum klettert ein stämmig gebauter Kleiber fast wie ein Specht auf und ab. Welch kurz zugestutztes Schwänzchen er doch hat und welch langen, trästigen Schnabel! Ein reizendes Blaumeischen hängt topfüber an einem dünnen Zweig. An den Vogelfutterstellen im Winter fannst du diese flinken und lieblichen Geschöpfchen am besten beobachten. Streitfüchtig sind sie aber und nehmen es im Zorn mit den größeren Kohlmeisen auf. Eine mit einem Nagel an irgendeiner freien Stelle im Winter befestigte Speckschwarte übt auf das Meisenvolt eine große Anziehungskraft aus. Sie hängen sich daran kopfüber und wie es gerade kommt, schlagen mit den Schnäbelchen drein und lösen auch das letzte Fettatömchen von der Schwarte. Fett macht warm. Darum lieben die Vögel im Winter auch recht ölige Samen, Nußterne, Sonnenblumenterne und dergleichen. Aber jetzt ist's Frühsommer. Die Brutzeit ist fast überall vorbei. Die Jungen sigen im Nest oder probieren die ersten Flugtünste. Wenn wir sorgfältig gehen, werden wir mancherlei Nester sehen. Da ein dichter Ber verigenstrauch. Ein winzig tleines Vögelchen 1chlüpft hinein, eine fette grüne Raupe im Schnabel. Das war die Grasmücke, deren leinste Art man das Müllerchen nennt, von ihrem eigenartig flappernden Gesang. Zeise, leise! Wenn wir die Ziveige auseinanderbiegen, können wir die Kinderstube sehen. Bier junge, halbflügge Vögelchen, die auf ihr vibendessen warten. Und wie sorgfältig das Nest mit Haaren, Moos und Federchen aus gepolstert ist! Die Mutter hat uns ein Weilchen mit ihren runden Glanzäugchen angestarrt, jetzt läßt sie sich auf den Boden fallen. Wie mit gebrochenen Flügelchen hüpft sie hilflos herum. Laßt sie nur! Es ist Verstellung. Die zärtliche Mutter will die Aufmerksamkeit Tittittittit! Wie schnell und zornig das über unseren Köpfen tönt! Flatternd und schreiend fahren zwei schwarze Amseln herunter auf den Rasen. Sie streiten um ein bräunliches Weibchen, denn jeder der schwarzgefrackicn Herren mit dem gelben Schnabel will seine zweite Hochzeit halten. Die Amseln sind richtige Stadtvögel geworden. Von den höchsten Häufern herab flingen abends und morgens ihre feierlichen Töne, in allen Gärten sind sie zu Hause, und selbst im Winter bleiben viele in der Stadt. Die mancherlei„ Annehmlichkeiten" des städtischen Lebens haben aus diesen einst scheuen Waldvögeln recht zutrauliche Gassenjungen gemacht. Auch ihre Base, die Singdrossel, ist mehr und mehr dem verlockenden Beispiel gefolgt und aus ihren heimischen Wäldern in die Stadt gezogen. Sie ist etwas tleine. und heller gefärbt als das Amselweibchen und leicht zu erkennen an der lichten, unregelmäßig punttierten Brust. Ihr Gesang ist zum Unterschied von der feierlich flagenden Amsel ein wahrer Freudenhymnus, ein in wenigen Tönen erstaunlich oft abgewandeltes Jubellied. Unsere Zeit ist um, sonst tönnten wir sicher noch eine ganze Wenge Vogelarten ausfindig machen, die trotz aller Autos, Schuyleute, Katzen und Hunde in der Stadt sich's wohl sein lassen, in den Gärten und Parts, unter Dächern und auf hohen Mauern nisten, brüten, Junge aufziehen und die alte Feld-, Wald- und Wiesenheimat ganz vergessen. Selbst in die grauen Proletarierviertel verlieren sich Amseln, Buch finken, Emmerlinge und manche andere Gesellen. Es dunkelt ein wenig, während wir den Park verlassen. Unter den Büschen huschen einige Tierchen. Sind's Wasserratten, find's Kaninchen? Es werden wohl die letzteren sein. Der Parkwächter erzählt, einige Kaninchen seien im Part. Wie sie hierher gelangt seien, wisse er nicht. Es gehe ihnen gut. Auf der Brücke, die über den Fluß führt, bleiben wir stehen. Schwalben schießen hin Für unsere Kinder " Überhaupt bemerken wir bei einer ganzen Reihe von Vögeln den berüchtigten Bug in die Stadt". Die scheue Amsel ist der zutraus lichste, ja, abgesehen von den Spaßen, der frechste Stadtvogel geworden. Man kann nicht sagen, daß ihr Gesang dadurch gewonnen hätte, auch baut sie das Nest nicht mehr mit derselben Sorgfalt wie im Walde. Die Amsel wohnt jetzt eben sorgloser und bequemer als ehemals, denn trotz aller Schattenseiten sind die Lebensbedingungen in der Stadt für sie besser als auf dem Lande. 147 und her über dem Wasser, meist sind es die lief fie fort; da tauchte ein Hund auf und großen Rauchschwalben. Die lieblichen jagte mit den Straßenjungen hinter der Gefleinen Hausschwalben mit dem weißen ängsteten her, deren Lage gefährlich wurde. Bäuchlein und den spitgegabelten Schwänzen Doch zu ihrem Glück fam sie gerade an einen find in der Stadt selten. Wenn der Herbst eisernen Zaun um ein Haus und drückte sich fommt, werden sich die Möwen einfinden, zwischen den Gitterstangen durch, als sie der denn die Abfälle der Stadt geben reichliche Hund eben eingeholt hatte. Eine Frau am Nahrungsgelegenheit. Freilich müssen auch Fenster des Oberstockes rief dem Hund ein größere Wasserflächen in der Nähe sein. paar laute Worte zu, um ihn zurückzuscheuchen. Dann warfen die Kinder der Frau der Gejagten ein Stück Raßenfleisch hinunter, so daß sie das köstlichste Mahl in ihrem Leben hatte. Unter der Freitreppe fand sich ein sicheres Plätzchen, und dort saß sie geduldig, bis Mutter Nacht den Mantel der Ruhe über alles Lebendige breitete; dann schlich sie sich wie ein Schatten in ihren gewohnten Müllwinkel zurück. So gingen die Tage zwei Monate lang dahin. Mieze nahm an Größe und Kraft wie an genauer Kenntnis der nächsten Umgebung zu. Sie machte sich mit der ganzen Downeystraße bekannt, wo lange Reihen von Müll fästen jeden Morgen neue Überraschungen brachten. Auch bildete sie sich ihre eigenen Gedanken über die Hauseigentümer. So war das große Gebäude für sie nicht eine römischkatholische Mission, sondern ein Ort, wo die feinsten Konservenbüchsen mit Hummer und Fisch zu finden waren. Bald machte sie auch die Bekanntschaft des Fleischmannes und schloß sich an die Katzenschar, die scheu den äußeren Kreis bildete. Auch den Werfthund nebst zwei oder drei anderen Vertretern derselben entsetzlichen Tierklasse lernte sie kennen; sie wußte, was sie von ihnen zu erwarten hätte und wie sie ihnen am besten entgehen könnte. Dabei hatte sie das Glück, eine neue Erwerbsquelle zu finden. Viele tausend Kazen haben sicher schon hoffnungsvoll um die verführerischenMilchkannen gelungert, die der Milchmann in aller Frühe auf Treppenstufen und Fensterbretter stellt, und es war der reine Zufall, daß unser Miezchen eine fand, deren Deckel entzwei war, so daß sie ihn heben und einen herzhaften Morgentrunt tun fonnte. Milchflaschen freilich spotteten ihres Wizzes, aber so manche Kanne hat einen Deckel, der nicht völlig schließt, und das Kätzchen ließ sich die Mühe nicht verdrießen, alle solche Kannen in ihrem Bezirk ausfindig zu machen. Allmählich dehnte sie ihr Revier durch immer weiter reichende Streifen aus, bis sie auch den nächsten Häuserblock beherrschte und schließlich auch wieder zwischen die Fässer und Kisten des Hofes hinter der Vogelhandlung geriet. Auch eine Menge anderer Vögel, die bisher in den Wäldern hausten, beginnen mehr und mehr die Stadt aufzusuchen. Die Forstwirtschaft räumt in der alten Heimat allzus sehr auf mit den alten, hohlen Bäumen und dem dichten Gestrüpp, darinnen bisher so viele Singvögelchen ihren Unterschlupf hatten. Dafür hängen vernünftige Stadtverwaltungen und Garteninhaber allerlei fünstliche Nistkästen an Haus und Bäumen. Solche Nistkästen werden nicht nur von den Staren und Hausrotschwänzchen, sondern auch von den Waldvögeln gar nicht ungern aufgesucht. Wir können mit diesen Mitteln manche nützliche und schöne Vogelart vor dem Aussterben schützen. Und je mehr dafür gesorgt wird, daß die Menschen in der Stadt genug Licht und Luft haben und grüne Anlagen und Gärten zur Erholung, desto leichter wird es gelingen, recht viele Vogelarten als bleibende Gäste in die Stadt zu ziehen. Dann wird uns morgens nicht mehr das Wagengerassel und die Fabrifpfeife wecken, sondern das Lied der Amseln, Finken, Meisen, Beisige, und wie sie alle heißen. Die Müllfaze. Von Ernest Seton Thompson.( Forts.) Am fünften Tage wagte sich die kleine Katze noch einmal auf die Straße, von dem verzweifelten Verlangen nach Nahrung getrieben. Als sie fern von dem sicheren Hafen des Zaunloches war, fingen ein paar kleine Knaben an, mit Steinen nach ihr zu werfen. Voll Angst 148 Für unsere Kinder Der alte Hof der Eisenhandlung war für| fie niemals ein rechtes Heim gewesen, sie war sich dort immer wie eine Fremde vorgekommen, aber hier fühlte sie sich als Eigentümerin, und die Anwesenheit einer anderen fleinen Katze erregte sofort ihren eifersüchtigen Groll. Sie trat ihr mit drohender Wiene entgegen. Schon standen sich beide schnurrend und spuckend gegenüber, als ein Eimer Waffer, den man ihnen von einem oberen Stockwerk über den Leib goß, sie gründlich durchnäßte und ihre Wut erheblich fühlte. Beide flüchteten sich, die andere über den Zaun und unsere Mieze unter dieselbe Stifte, wo sie das Licht der Welt er blickt hatte. Die ganze Umgebung hier, vor allem aber der Hof selbst, hatte es ihr anges tan, weshalb sie ihn wieder zu ihrem Standquartier wählte. Zwar fand sich hier nicht mehr eßbarer Abfall als im bisherigen Hof, und Wasser sehlte ganz, aber dafür wurde er hin und wieder von Ratten und auch von Mäusen erster Güte aufgesucht; und diese verschafften ihr nicht nur eine sehr schmackhafte Abwechslung in den Mahlzeiten, sondern in direkt auch einen Freund. IV. Jetzt war Mieze völlig ausgewachsen und stellte sich als ein überraschend schönes Exemplar des tigerartigen Ragentypus dar. Sie hatte schwarze Tupfen auf sehr hellgrauem Grunde, und die vier weißen Schönheitspflästerchen an Nase, Ohren und Schwanz spite gaben ihr ein vornehmes Aussehen. Sie verstand vorzüglich ihren Lebensunterhalt zu erwerben, und doch gab es Tage, wo sie Not litt und wieder vergeblich versuchte, einen Sperling zu fangen. Sie lebte bisher ganz einsam, aber bald trat eine neue Wacht in ihr Leben. " Jau- jau- auh!" sagte der Schwarze. Wau- u- u!" lautete die etwas tiefer gestimmte Antwort. " Ja- uau- uau- uauh!" sagte der Schwarze und rückte einen halben Zoll näher. " „ Wau- u- uh!" erwiderte der Gelbe, sich zu voller Höhe aufrichtend, und trat mit großer Würde einen Zoll näher. Wau- uh!" und er rückte noch einen Zoll näher, während sein Schwanz pfeifend von rechts nach links flog. " Ja- uau- jau- uh!" schrie der Schwarze, feine Stimme erhebend, und fuhr einen achtel Zoll zurück, als er die breite Brust so dicht vor sich sah. Ringsum öffneten sich Fenster, und mensch liche Stimmen wurden laut, aber das Katerschauspiel ging weiter. " Jau- jau- auh!" grollte die gelbe Gefahr, die Stimme senkend, während die des Nebenbuhlers fic hob. Jauuh!" fügte der Mongole, noch einen Schritt vorwärts machend, hinzu. Jeht waren ihre Nasen nur noch drei Zoll voneinander entfernt, sie standen schräg gegeneinander, jede zum Krallen bereit, aber jede des gegnerischen Angriffs gewärtig. Drei Minuten lang starrten sie einander stumm und wie Bildsäulen an, nur daß die Schwänze in heftiger Bewegung von einer Seite zur anderen flogen. Dann fing der Gelbe wieder an:„ Jauau- auh!" sagte er in tiefem Tone. Je- e- e- e- eh!" zeterte der Schwarze, bemüht, durch seinen Striegsschrei Schrecken zu erregen, zog sich dabei aber einen sechzehntel Zoll zurück. Der Gelbe rückte dafür um einen halben 3oll heran; schon berührten sich ihre Barthaare, noch eine Annäherung, und fast trafen ihre Nasen aneinander. " Ja- u- uh!" kam es aus der Schnauze des Gelben wie ein tiefer Seufzer. „ Je- e- e- e- e- eh!" gellte der Schwarze, zog sich aber einen zweiunddreißigstel Boll zurück, und jetzt stürzte sich der gelbe Kämpe wie besessen mit Zähnen und Krallen auf ihn. O, wie sie rollten und bissen und fragten, vorzüglich der Gelbe! Eines Augufttages lag Mieze in der Sonne, als eine große schwarze Kaze auf einer Mauer auf sie zulam; fie erkannte sofort den alten Kater an seinem zerfetzten Ohr und verkroch sich in ihre Riste. Er ging langsam seinen Weg fort, setzte mit leichtem Schwung auf einen Schuppen am Ende des Hoses und schritt quer über das Dach, als eine gelbe Razze auftauchte. Der schwarze Kater stierte und heulte sein Gegenüber an, der gelbe Kater tat das gleiche, Kopfüber, kopfunter, bald dieser oben, bald während sie zugleich ihre Schwänze von einer der andere, meist aber der Gelbe, und immer Seite zur anderen peitschten. In tiefen Kehl weiter rollte der kämpfende Knäuel das Dach tönen gaben sie ihren friegerischen Gefühlen hinab, bis er, unter Hurrarufen aus allen Husdruck und schritten mit nach hinten gelegten Fenstern am Rande angelangt, hinunterfugelte. Ohren und gespannten Mustein aufeinander zu.| Aber nicht eine Sekunde verloren sie bei diesem O, wie sie stießen und packten und drückten, vorzüglich der Gelbe! Für unsere Rinder 149 Fall auf den Hinterhof, beständig rissen und| Am nächsten Morgen fand sie eine volle Milchfrallten sie einander beim Hinabstürzen, vor- fanne ohne jeden Deckel, konnte einer Kostzüglich der Gelbe. Und als sie, immer noch gängerin des Fleischmanns ihr Stück Leber fämpfend, den Boden berührten, war wieder der Gelbe oben, und als sie voneinander ließen, hatte jeder so viel abgefriegt, als er brauchte, vorzüglich aber der Schwarze! Er kletterte eine Wand hinauf und verschwand blutend und heulend vom Schauplatz, während von einem Fenster zum anderen die Kunde flog, Gaileys Nigger habe doch vor dem Gelben Tom Fersengeld geben müssen. Nun war der Gelbe Tom entweder ein sehr findiges Zier, oder unsere Mieze versteckte sich nicht sehr sorgfältig, jedenfalls fand er sie zwischen den Kisten, und sie machte teinen Versuch zur Flucht, wahrscheinlich weil sie Zeugin des Zweikampfes gewesen war. Nichts ist für das weibliche Herz verführerischer als friegerischer Ruhm. Hinfort waren der Gelbe Tom und Mieze die besten Freunde, nicht als ob sie ein gemeinsames Leben geführt und ihre Nahrung geteilt hätten das kommt bei Katzen wenig vor aber sie erkannten einander doch besondere freundschaftliche Vorrechte zu. V. Der September war vorüber, und schon waren die furzen Ottobertage angebrochen, als in der alten Katzenkiste ein besonderes Ereignis eintrat. Wäre der Gelbe Tom er schienen, so hätte er fünf fleine Kätzchen in den Armen ihrer Mutter, unserer Müllkatze, zusammengerollt liegen sehen können. Es war etwas Wunderbares für sie. Sie empfand den ganzen Stolz, den eine Tiermutter empfinden fann, und das ganze Entzücken, sie liebte die Kleinen und beleckte sie mit einer Zärtlichkeit, die sie selbst hätte in Erstaunen segen müssen, hätte sie dergleichen Gedanken fassen können. Es hatte sich ihr freudeloses Dasein mit Freude gefüllt, aber ihr schweres Teil von Sorge war dabei auch beträchtlich drückender geworden. Sie bedurfte jetzt ihrer ganzen Kraft, um den nötigen Lebensunterhalt her. beizuschaffen. Die Last steigerte sich noch, als ihre Jungen groß genug waren, um die Kisten herumzukriechen, was sie regelmäßig taten, als sie sechs Wochen alt waren. Daß Sorgen und Mühen stromweise kommen und das Glück tropfenweise, weiß man in der Welt der Hinterhöfe nur zu gut. Mieze hatte in zwei Hungertagen zwei Scharmützel mit Hunden und einen Steinhagel von Malees Neger zu bestehen gehabt. Dann drehte sich der Wind. abjagen und fand einen großen Fischkopf, und das alles innerhalb zweier Stunden. Eben war sie mit jener vollkommenen Befriedigung heimgekehrt, wie sie nur ein voller Magen verleiht, als sie ein kleines braunes Geschöpf in ihrem Hinterhof erblickte. Jhre Jagderinnerungen drängten sich mit voller Macht auf;" sie wußte nicht, was das war, aber sie hatte verschiedene Male Mäuse getötet und verzehrt, und dies mar offenbar eine riesige Maus mit gestuztem Schwanz und langen Ohren. Mieze stellte der großen Maus mit außerordentlicher, aber unnötiger Vorsicht nach, denn das kleine Kaninchen saß ruhig da und schaute vergnügt in die Welt hinein. Es machte gar keinen Versuch davonzulaufen, und Mieze sprang darauf los und packte es. Da sie feinen Hunger hatte, trug sie die neue Beute zu ihrer Wohnkiste und warf sie ihren Jungen vor. Das Tierchen war nur wenig verletzt, und da es nicht aus der Kiste hinaus konnte, verkroch es sich zwischen die Käzchen. Als diese dann von der Mutter ihre Abendmahlzeit erhielten, zauderte der Fremdling nicht lange und wollte auch sein Teil haben. Die Alte war überrascht. Der Jägerinstinkt hatte sie angetrieben, aber ihr fatter Magen dem Kaninchen das Leben gerettet und dem mütterlichen Instinkt Raum gegeben. Das Endresultat war, daß das Kaninchen ein Glied der Familie und hinfort mit den Kätzchen gehütet und gefüttert wurde. Zwei Wochen vergingen, die Käßchen tummelten sich fleißig zwischen den Kisten umher, während das Kaninchen drin bleiben mußte. Als Jap Malee die Jungen im Hinterhof herumkriechen sah, sagte er dem Neger, er solle sie wegschießen. Das tat er denn auch eines Morgens mit einem kleinkalibrigen Gewehr. Eins nach dem anderen hatte er erlegt und in den Spalten des Holzhaufens, auf dem sie herumgekrochen waren, verschwinden sehen. Da tam die Alte auf der Mauer mit einer Werftratte im Maule dahergelaufen. Der Schwarze hatte auch sie schießen wollen, befann sich aber beim Anblick der Ratte eines andern: eine Katze, die Ratten fing, verdiente zu leben. Es war zufällig ihre allererste Natte, aber sie rettete sie vor dem sicheren Tode. Sic lief über den Holzhausen ihrer Kiste zu und wunderte sich mahrscheinlich, daß sich dort kein Junges auf ihren Ruf einstellte, und das Kas ninchen wollte von der Natte nichts wissen. 150 Für unsere Kinder Mieze legte sich hin, das Kaninchen zu fäugen, lockte aber dabei beständig die säumenden Jungen. Diesem Tone folgend, troch der Neger geräuschlos bis zur Stelle und bemerkte, als er in die Kiste blickte, zu seinem größten Erstaunen darin die Alte, ein lebendiges Kaninchen und eine tote Ratte. Die Katzenmutter legte ihre Ohren zurück und fauchte. Der Schwarze verschwand, aber eine Minute später wurde ein Brett auf die Öffnung der alten Riste gelegt und diese mit allem, was tot oder lebendig darin war, in den Vogelfeller getragen. „ Sehen Sie, Herr, da ist das kleine Karnickel, das wir verloren haben. Die Alte hat's ge stohlen und ihren Jungen zum Spielzeug ge bracht," rief der Neger. Mieze und Kaninchen wurden vorsichtig in einen geräumigen Drahttäfig gebracht und als glückliche Familie vorgezeigt, bis das fleine Nagetier nach ein paar Tagen frant wurde und starb. Mieze gefiel es in dem Käfig ganz und gar nicht. Wohl hatte sie genug zu fressen und zu saufen, aber sie lechzte nach der freien Luft und würde auch wahrscheinlich nun„ Freiheit oder Tod" erlangt haben, hätte sie nicht in den vier Tagen ihrer Gefangenschaft sich so gesäubert und geleckt, daß ihre außergewöhnlich schöne Färbung sichtbar wurde und Jap sich entschloß, sie zu behalten.( Fortsetzung folgt.) 000 Fuchs und Kranich. 3wei Personen, ganz verschieden, Luden sich bei mir zur Tafel, Diesmal lebten sie in Frieden, Fuchs und Kranich, sagt die Fabel. Beiden macht' ich was zurechte, Rupfte gleich die jüngsten Tauben; Weil er von Schakals Geschlechte, Legt' ich bei geschwollne Trauben. Langgehälftes Glafgefäße Getzt' ich ungesäumt dagegen, 20 sich flar im Elemente Gold- und Silbersischlein regen. Sättet ihr den Fuchs gesehen Auf der flachen Schüssel hausen, Neidisch müßtet ihr gestehen: Welch ein Appetit zum Schmaufen! Wenn der Bogel, ganz bedächtig, Sich auf einem Fuße wiegte, Hals und Schnabel, zart und schmächtig, Zierlich nach den Fischlein schmiegte. Danfend freuten sie beim Wandern Sich der Tauben, sich der Fischchen; Jeder spottete des andern, Als genährt am Katzentischchen. Willst nicht Salz und Schmalz verlieren, Mußt, gemäß den Urgeschichten, Wenn die Leute willst gastieren, Dich nach Schnauz' und Schnabel richten. Wolfgang Goethe. 000 Das Sternenkind. ( Nachdruck Märchen von Karl Ewald. verboten.) Jedermann weiß, daß die Sterne am Himmel schwimmen wie die Fische im Wasser. Ein Unterschied ist ja allerdings vorhanden. Die Sterne fängt niemand. Auch schwimmen sie nicht hierhin und dorthin und auf und nieder wie die dummen Fische; sie folgen ihrer unveränderlichen Bahn bis in alle Ewigkeit. Einem Stern fällt es im Leben nicht ein, eine kleine Sonntagnachmittagstour zu unternehmen. Sonnen und Monde, Planeten und wie sie sonst heißen, Sterne ersten Ranges und Sterne, die nichts als Narrenpossen sind auf unsere eigene erbärmliche Erde herab... fie alle spazieren ordentlich und nett umher, wie es ihnen vorgeschrieben ist, ohne Extratouren. bis Der Komet saust plötzlich heran und ist wieder verschwunden, ehe man sich vom Schrecken erholt hat; aber auch er tut nur das, was er muß und weicht nicht um einen Zoll breit aus seiner Bahn. Darum ist es vielleicht ein wenig langweilig, ein Stern zu sein. Aber es ist auch wiederum sehr hübsch. Und außerordentlich feierlich. Und manch munterer Dorsch tönnte sich wünschen, nur halb so artig zu sein. Obwohl so am Himmel alles schön ordent lich zugeht, passieren doch mitunter Dinge, die die Sterne in große Gemütsbewegung versetzen und sie ganz aus dem Konzept bringen würden, wenn dies Konzept nicht so ausge zeichnet wäre. Nun zum Beispiel das, was ich hier er zählen will. Es ist schon ungeheuer lange her. Aber was in alten Zeiten passierte, war ja viel amüsanter als das, was heute passiert. Und dann ist das Angenehme dabei, daß man darüber reden Tann, ohne jemand zu tränken. Für unsere Kinder Stück. 151 „ Wer bist du?" fragte der Stern wieder. " Ich frage dich im Namen sämtlicher Sterne." " Ich weiß es wirklich nicht," sagte das Stück. " Ich bin gewiß nichts. Ich bin abgefallen und fühle mich so frei und froh, und das Leben erscheint mir so wunderschön. Es ist mir ganz gleichgültig, wohin ich komme, wenn ich nur immer weiter dahinsausen kann." " Habt ihr je so etwas gehört?" rief der siebente Stern. Nein, das hatten sie nicht. Eine Sonne spielte eine Rolle dabei. Nicht ,, Du fragst viel auf einmal!" erwiderte das unsere eigene Sonne, die uns bescheint... wenn auch bei weitem nicht so oft, wie wir's wohl wünschen möchten. Sondern eine andere Conne in großer Entfernung. Denn ebenso wie es auch noch andere rote Kühe gibt als die des Pfarrers, so gibt es auch eine Menge Sonnen, die uns nie in die Augen stechen und an die wir darum für gewöhnlich richt denken. Diese Sonne verlor eines Morgens ein Stück ihrer selbst. Sie war zwar so groß, daß sie den Verlust verschmerzen konnte. Aber ein jeder will ja geru behalten, was er hat. Außerdem entstand da, wo das Stück gesessen hatte, ein Loch. Und das ärgerte die Sonne, die sonst in jeder Beziehung eine forrefte Sonne war und sich nicht gern am Himmel blamieren Als sie sich wieder ein wenig erholt hatten, wollte. Darum begann sie, sich wie besessen begannen sie zu besprechen, was dabei zu tun um ihre Achse zu drehen. Auf die Art werden sei. Ihre Beratung dauerte lange. Es war nämlich die Sterne rund, während andere ja nicht nur eine ernste, ungewöhnliche Sache, Leute bekanntlich am leichtesten durch Stillsitzen und Faulenzen dick und rund werden. Und als sie sich ein paar tausend Jahre gedreht hatte, war der Schaden ausgebessert, und damit scheidet diese Sonne aus unserer Geschichte aus. Aber das Stück, das sich abgetrennt hatte, tanzte an den Himmel hinaus, und von ihm handelt die Geschichte. Es war kein dickes, hartes, eckiges Stück, wie es zum Beispiel von einem Teller abbricht, der verunglückt. Vielmehr war es ganz locker, luftig und leicht und wogte auf eine so muntere, leichtsinnige Art am Himmel da hin, daß die artigen Sterne vor Schreck ganz außer sich gerieten. ,, Gott erbarme sich!" sagte einer. ,, Was in aller Welt ist das?" rief ein anderer. „ Hab' ich den Verstand verloren?" schrie ein dritter. Doch das Stück tanzte weiter, ohne nach rechts oder links zu schauen, und hörte gar nicht auf ihre Worte. " Er rennt gegen mich," sagte ein vierter Stern. " Er bringt uns alle durcheinander," sagte ein fünfter. " Er ist vollkommen ungesetzlich," fiel ein sechster ein. Buleht faßte sich ein siebenter ein Herz und rief das Stück an. „ He... du da!" rief er.„ Wer bist du? Woher kommst du? Wohin willst du? Was dentst du dir denn dabei, hier so ohne Austand umherzuschlendern?" Sprachlos starrten sie einander an. Eine solche Rede hatte man am Himmel noch nie vernommen, solange er bestand. sondern es kam hinzu, daß jeder von ihnen auf seine Bahn achten mußte, und manchmal verstrichen mehrere hundert Jahre, bis sie sich wieder trafen. Schließlich wurden sie sich darüber einig, was sie mit dem frechen Dachs tun wollten. Eine große ernste Sonne nahm das Wort und sagte: „ Hör mal, mein Kind. Wir haben beschlossen: Da du nun einmal am Himmel bist, wollen wir versuchen, einen ordentlichen, braven Stern aus dir zu machen. Du wirst natürlich selber einsehen, daß es besser für dich ist, eine feste, anständige Stellung zu bekommen, als dich so ins Blaue hinein umherzutreiben." " Ich weiß nicht," sagte das Stück. Was ist das: ein Stern?" ,, Ein Stern ist das größte in der Welt," sagte die Sonne.„ Die Sterne gehen vornehm und unabänderlich am Himmel dahin; sie sind erhaben über alles mögliche Gezänt und allen Speitafel. Sie leuchten allen voran als gutes Beispiel von Festigkeit und Frieden und allen ausgezeichneten Tugenden. Ein solcher Stern tannst du werden, wenn du artig bist. Was bist du jetzt? Ein ganz unordentliches Geschöpf." , Das will ich auch bleiben," sagte das Stück. „ Es geht mir gut und ich amüsiere mich viel besser als ihr alle. Ich mache mir nichts daraus, jemandem zu leuchten, und habe keine Lust, ein gutes Beispiel zu sein." " " " Hat man je so etwas gehört!" sagten die Sterne zueinander. Nein, so etwas hatte man noch nicht gehört. Aber die Sonne sagte zu ihnen, der arme Steri 152 Für unsere Kinder sei noch so jung und habe sich so lange frei| Es gibt Sterne, die nie weniger als eine Billion in den Mund nehmen. Es gibt Sterne, die mit so großen Zahlen rechnen, daß sie sie selbst nicht aussprechen können." und ledig umhergetrieben, daß man Nachsicht mit ihm haben müsse. Sie wolle darum noch mals den Versuch machen, ihn zur Vernunft zu bringen. ,, Du wirst es bereuen, wenn du meinen Rat nicht befolgst. Ich will mich deiner Erziehung selber annehmen und rechne auf deine Dankbarkeit. Wenn du dich gut aufführst, mache ich dich vielleicht zu meinem Trabauten." Das Stück hörte nicht einmal zu. Es jegelte lustig weiter und sang vor sich hin: Wogen und gleiten Luftig und leicht, Niemals gebeugt, Auf den himmlischen Weiten... Frei und feck, Ohne Ziel und Zweck.. Den Sternen ich eins auf die Nase will geben! In diesem Augenblick kam es der Sonne zu nahe. ,, Au... was ist das?" rief das Stück. Es fühlte sich von einer unwiderstehlichen, unbekannten Macht ergriffen. Es war, wie wenn eine gewaltige Hand es im Nacken packte und schüttelte. „ Ich mache mir nichts aus Sternen," sagte das Stück. Aber die Sonne ließ sich nicht stören. „ Das war recht," sagte sie ermunternd. „ So... es geht ja sehr gut... ho, ho... nicht zu bibig... immer gleichmäßig schnell." „ Ich will los," schrie das Stück. " „ Hör' jetzt weiter," sagte die Sonne. Du drehst dich nicht nur um mich, sondern auch um dich selbst... stets, unaufhörlich... verstehst du?" „ Ich will nicht," schrie das Stück. " Dann wirst du rund, lieber Freund," sagte die Sonne. Du hast ja eine gräßliche Figur ohne allen Anstand. So... war's recht. Wenn du nur fleißig bist, wird sich schon alles finden." Das Sternenstück war so erschöpft und verwirrt, daß es sich in sein Schicksal ergab und gehorchte. Es lief und lief und drehte sich. Als sieben Millionen Jahre vergangen waren, war es rund und niedlich geworden, nur an beiden Enden Was ist das... was ist das nur?" schrie etwas abgeplattet; aber das stand ihm gut. es erschrocken. „ Das ist die Schwerkraft," sagte die Sonne. " Ich will weg... laß mich los!" schrie das Stück. ,, Das könnte ich gar nicht einmal, wenn ich auch wollte," erwiderte die Sonne. Nun bist du fertig, lieber Freund." " Hilfe! Hilfe!" schrie das Stück. " ,, Unsinn," sagte die Sonne. Hier kann niemand helfen. Hör' jetzt zu und tu, was ich sage; dann kommt das übrige von selbst." Jetzt war es dem Stück zumute, wie wenn die Sonne es an einer Schnur herumschwenkte. So sehr es sich auch wehren mochte, es konnte nicht loskommen. " Gar nicht so übel für den Anfang," sagte die Sonne. " " E3 langweilt mich," meinte das Stück. Es ist niemals gar zu amüsant, vornehm zu sein," sagte die Sonne. ,, Und vornehm wirst du. Du fährst jetzt einfach fort, genau in dem Abstand um mich her zu laufen, den du jetzt hast, und der hunderttausend Meilen beträgt, wenn du dich für Zahlen interessierst." ,, Nein, das tu ich nicht," sagte das Stück. „ Es wird schon kommen," sagte die Sonne. " Zahlen find faktisch das einzige, woran gebildete Sterne denten und wovon sie reden. „ Sehr schön," sagte die Conne." Du hast dein Gesellenstück gemacht. Hiermit ernenne ich dich feierlichst zu meinem Trabanten." Vielen Dant," sagte das Sternenkind. Und alle anderen Sterne gratulierten. ( Schluß folgt.) 000 Der gescheite Hansel. Hansel am Bach Hat lauter gut' Sach', Hat' s Häusel verbrennt, Hat Lumpen drum gehängt. Hansel am Bach Hat lauter gut' Sach', Hat Fischlein gefangen, Hat die Schuppen heimbracht. Hansel und Gretel, Zwei lustige Leut', Der Hansel ist närrisch, Die Gretel nit gescheit. Verantwortlich für die Redaktion: Frau Klara Bettin( Bundel), Wilhelmshöhe, Post Degerloch bet Stuttgart. Drud u.Berlag S... Dtep Nachf. G.m.b.8. Stuttgart.