Für unsere Kinder Nr. 20 ooooooo Beilage zur Gleichheit ooooooo 1915 Inhaltsverzeichnis: Sommermorgen. Gedicht von J. G. Fischer. Johannisnacht. Von B. Sommer. Die Müllkatze. Von Ernest Seton Thompson.( Fortsetzung.) Katzenpastete. Gedicht von Goethe. Das Sternenkind. Märchen von Karl Ewald.( Schluß.) Sunghäschen und der Fuchs. Gedicht von Marie Behne. Sommermorgen. Leise träumt die Sommernacht; Bei den kühlen Bronnen Hab' ich dich herangewacht, Erster Hauch der Sonnen. Gestern in der Abendluft, Als sie untergangen, Blieb von ihrem Gold ein Duft Fern im Westen hangen, Johannisnacht. Wenn die Kirschen reifen und die Erdbeeren im Walde rot werden, wenn die Lage am längsten sind und die Nächte hell und kurz, dann ist Johannistag, jener Tag, der so vielen Pflanzen, Tieren und Dingen ihren Namen gegeben hat. Man denke mur an die töstlichen Johannisbeeren, an die Johanniswurz, an die gelben Sterne des Johannisfrauts, an das Johannisbrot, den Johannis lauch. Die rote Schildlaus, die zu der Familie der Roschenillekäferchen gehört, und aus deren Saft man früher auch in Deutschland die Scharlachfarbe gewann, heißt im Volksmund Johannisblut, das reizende Leuchtkäferchen heißt Johanniswürmchen, und eine in Südosteuropa lebende Eidechsenart nennt man Und er schwebte durch die nacht Johannisechse. Bei vielen Pflanzen zeigt sich über bis zum Norden, Hat den Osten rot gemacht, Daß es morgen worden. Perl' an perle hängt der Tau Um des Grases Blüten, Und man sieht den Dampf der Au Warme Stunden brüten. Tiefer schon an Turm und Dach Rückt die Helle nieder, In den Wipfeln allgemach Wachen auf die Lieder. Sieh ein Blitz am Himmel hin! Durch der Blätter Beben 3ittert mir um Wang' und Kinn, Tag, dein Sonnenweben; Und ich seh' dein Lichtgespinst Alle Welt umfließen, Wie du mir das Herz durchrinnst, Sonniges Ergießen. Flutend schlägt mir überm Haupt Duft und Klang zusammen; Was die Seele hofft und glaubt, Alles steht in Flammen. Und so viel sie trinken mag, Rauscht vom Himmel nieder; Denn des Lebens voller Tag Strömt allmächtig wieder. im Hochsommer ein neuer, wenn auch schwächerer Trieb. Das Bolt nennt ihn den Johannistrieb. Der Johannistag hat seinen Namen von dem Kirchenheiligen Johannis dem Täufer und hat im Kalender seinen Platz am 24. Juni. In vielen Gegenden werden heute noch in der Johannisnacht auf Bergen und Hügeln, mitunter auch auf Märkten und Straßen Feuer angezündet, zu denen die Kinder und jungen Leute schon lange vorher Holz und Stroh, alte Teertonnen, und vor allem auch alte Besen, die sie das ganze Jahr über aufsparten, zusammentragen und aufschichten. An manchen Orten tanzt man mit Kränzen aus Beifuß, Eisenkraut oder Rittersporn geschmückt um das Feuer herum, springt auch wohl darüber, treibt das Vieh hindurch und übt sonst noch allerhand uralte Gebräuche, deren Sinn und Zweck man beinahe ganz vergessen hat. Hie und da umflicht man auch ein Rad mit Stroh, zündet es an und läßt es eine Anhöhe hinunterlaufen, wohl gar in einen Bach oder See. In Italien bereitet man aus Eichenblättern und Misteln das Johannisöl, das angeblich alle Wunden heilt und gegen jeden Zauber hilft; aus der Mistel, aber auch aus anderen Pflanzen schneidet man an diesem Tage die Wünschelrute, die unterirdische Schäge anzeigt. Auch öffentliche Aufzüge finden zu Johanni statt und selbstverständlich darf dabei der auf3. 6. Sischer. gerichtete Baum nicht fehlen. Birken werden 154 Für unsere Kinder aufgestellt, Blumen und Laubgewinde an die| bildete, auf die weiten Sommerweiden, die Häuser gehängt und über die Straßen gezogen, eine„ Johanniskrone" angefertigt, Tannenbäume mit bunten Eiern und Blumen geschmückt und singend umtanzt. Etwas deutlicher wird schon der Sinn dieser Gebräuche, wenn wir hören, daß da und dort der Priester die Flamme segnet". Anderswo wirft man die Holzscheite in die Luft, trägt die Brände in der Ortsgemarfung umher, streut die Asche des Johannisfeuers auf die Felder, vergräbt Kohle davon unter der Türschwelle und dergleichen mehr. Hier ist der Zweck ganz deutlich, es handelt sich um Beschwörung von Geistern und Heren. Für unsere Vorfahren. und nicht nur in der heidnischen Zeit war ja alles, was sie umgab, Luft, Wasser, Feuer und Erde voll unsichtbarer, aber geschäftiger Geister, der Seelen ihrer Verstorbenen. Man nannte sie je nachdem Fcen oder Heren, Elfen, Niren oder Kobolde. Auch in seinen lieben Mitmenschen sah man sehr oft Zauberer, Heren oder Herenmeister, ein Glaube, der noch lange nicht ausgestorben ist. Der Bauer befürchtet heute noch Unheil für sein Vieh von„ bösen Blick"; hat er Unglück im Stall, gewiß hat ein übelgesinnter Nachbar die Kuh verhert. Die katholische Kirche hat das„ Besprechen" böser Geister und das Teufelaustreiben in ihren Aufgabenkreis übernommen, in manchen viehzuchttreibenden Gegenden wird das Vieh heute noch auf eine Anhöhe getrieben und feierlich eingesegnet. Bekannt ist ja auch das firchliche Besprechen von Kropf- und Halsleiden am Sankt Blasiustag. Wer heute nach Pfingsten oder um Johanni durch eine katholische Bauerngegend geht, wird an den Stall1üren häufig Kränze und grüne Wispeln sehen, allerlei Mittel zum Schuße des Viehstandes vor Seuchen und Unglück. Genau wie diese Sitten, so haben auch die eigentlichen Johannisbräuche alle den Zweck, Mensch und Vieh und Felder vor Beherung und bösen Geistern zu schützen, denn diese sind es so glaubt man-, die Mißwachs, Hagel, Wassersund Feuersnot, Ungeziefer und Krankheit über den Landwirt schicken. Die Entstehung der Johannisbräuche verliert sich im Dunkel der sogenannten vorgeschichtlichen Zeit. Unsere Vorfahren, die alten Germanen, waren ein mehr Viehzucht als Ackerbau treibendes Volk. Wenn der Sommer fam und die wenigen Felder bestellt waren, trieb man das Vieh, das den Hauptreichtum junge Mannschaft blieb mit draußen und wohnte in leichten Laubhütten. Vorher wurden die allgemeinen Versammlungen des ganzen Gaus und jeder einzelnen Dorfgemeinde abgehalten. Da wurde alles Wichtige beraten und beschlossen, da wurde Gericht gehalten, über Krieg und Frieden abgestimmt, die jungen Männer für wehrfähig erklärt, da wurden die nötigen Geräte und Werkzeuge von fremden Kaufleuten eingehandelt; den Schluß bildete ein oft wochenlanges Fest mit Schmaus und Tanz. Da man sich fortwährend von den unsichtbaren Geistern der Verstorbenen umgeben glaubte, die jeden Augenblick bereit waren, ihren Nachkommen je nachdem zu schaden oder zu nügen, so mußte man natürlich auch darauf bedacht sein, diese Geister bei guter Laune zu erhalten. Bei allen solchen Festen wurde daher regelmäßig ein Baum aufgerichtet, der Malbaum, und die Geister wurden höflich eingeladen, darauf Wohnung zu nehmen. Speise und Trank wurde ihnen vorgesetzt, durch Umzüge und Tänze suchte man sie zu belustigen und ihre Hilfe zu gewinnen. Wer die schuldige Ehrfurcht und Bewirtung versagte, durfte auf die Nache der Geister gefaßt sein. Da war es Kein Wunder, wenn einem solchen Manne der Gaul lahm ging, das Vieh krank wurde, wenn der Wolf in seine Herden fiel und der Hagel ihm sein bestes Getreide verschlug. Dagegen konnten die Seelchen von großem Nutzen sein, wenn man sie gut behandelte. Dann halfen sie unsichtbar in Feld und Haus, schützten vor Verherung, woben über Nacht der frommen Hausfrau das schönste Linnen, machten, daß die Kühe voll Milch waren und die Schafe die wärmste Wolle trugen. Doch immer konnte man die anspruchsvollen Seelchen nicht bewirten und belustigen. War das Fest zu Ende, so traten die Arbeit und der Alltag in ihre Rechte. Dann bat man die Geister, den Malbaum wieder zu verlassen. An diesem letzten Tage des Festes ging es be sonders hoch her, und der Schluß bildete regelmäßig das feierliche Verbrennen des nun von seinen Bewohnern verlassenen Malbaums. In diesem uralten heidnischen Sommerfest also haben wir den Ursprung der noch heute teiiweise geübten Johannisbräuche. Feuer ist ein besonders wirksames Vertreibungsmittel; Licht können die Geister nicht vertragen. Die fortziehenden Geister erklärte das Christentum allesamt für Hegen und böses Gesindel, und so ist das Johannisfest, vor e 9 D S D 9 9 t r e b I f 9 e g 11 D I i 11 Für unsere Kinder 155 um welche Zeit im größten züglich bei den Slawen und im hohen Norden| Johannistag eir richtiges Herenfest, wie es im germanischen Teile Mitteleuropas die Frühsommerarbeiten Westen der Walpurgistag( 1. Mai) war und ist. Daher die geschwungenen brennenden Besen denn wenn auf diesem nützlichen Werkzeug, dem Zeichen der reinlichen Hausmutter, die Heren auch reiten, so ist es dennoch ein Mittel, sie zu bannen. In ähnlicher Weise werden nach der Winterfestzeit am Dreifönigstag( 6. Januar) die Geister durch Spektakel, Sprengungen, Räucherungen, Kreuzzeichen usw. wieder in ihre Wohnstätten zurückgescheucht. auch nicht an Bewirtung und Belustigungen fehlen, und so kam es, daß die alten Gebräuche, vor allem das Abbrennen großer Feuer, der Tanz um einen natürlichen oder aufgerichteten Baum, sich gerade an Johanni so lange erhielten. Oft hängt am Malbaum auch eine Puppe aus Stroh, die dann mitverbrannt oder verscharrt wird. Diese Puppe ist nichts anderes als ein Sinnbild der Seelen, die man jetzt zu vertreiben wünscht. einschließlich der Heuernte zu Ende find, wäh rend die Getreideernte noch bis Ende Juli auf sich warten läßt. Dazu tam, daß im Mittelalter um diese Zeit die hörigen Bauern und Bächter ihren Grundherren einen Teil des jährlichen Zinses brachten in Gestalt von Hühnern, Gänsen, Schweinen, Wolle usw. Da ging es bunt zu auf dem Herrenhof, bis alles gewogen und gemessen, verteilt und in den großen Scheuern des gnädigen Herrn unterDas Sommerfest der alten Germanen und gebracht war. Der Grundherr benutzte diese Slawen fand natürlich nie an ganz bestimmten Beit, um zugleich Hofgericht zu halten, die Tagen, oder auch nur überall in demselben Streitigkeiten der Bauern unter sich zu schlichMonat statt. Die alten Naturvölker hatten ten, Pacht- und Fronverhältnisse zu ordnen. feinen so genauen Kalender wie wir. Sie G3 fonnte bei solchen Gelegenheiten schließlich richteten sich nach dem Klima des Himmelsstriches, unter dem sie wohnten, und nach dem jeweiligen Stand ihrer Viehwirtschaft und ihrer Saaten. Während man im slawischen Osten erst nach Mitte Juni die„ Sommerbauden" bezog, hatte man in West- und Süddeutschland den Viehaustrieb und die damit zu sammenhängenden Festlichkeiten bereits im Mai hinter sich. Erst die christliche Kirche, die ganze Völker und Staaten umspannte, hatte ein Interesse daran, die Festzeiten auf einen Vielfach wird der Johannistag heute als ganz bestimmten, jährlich in gleicher Weise ein altes Sonnenwendfest angesehen, weil wiederkehrenden Termin zu legen. An Stelle in der Zeit vom 21. bis 24. Juni die Sonne der heidnischen Festzeiten setzte sie ihre christ- oder vielmehr die Erde eine Wendung lichen Festtage. In die Winterfestzeit fielen in ihrer Bahn beschreibt. Von jetzt ab werden Weihnachten, der Tag der Beschneidung Chrifti wieder die Nächte länger und die Tage türzer. und das Erscheinungsfest. Noch heute gelten Nun, die alten Germanen und Slawen mögen im Volfe die heiligen zwölf Nächte" zwischen wohl treffliche Viehzüchter und leidlich gute Christag und Erscheinungsfest als eine Zeit, Bauern gewesen sein, daß sie sich schon auf in der die Geister„ los" sind und die Woh- die Geheimnisse der Astronomie verstanden, nungen der Menschen besuchen. Was eine ist faum anzunehmen. Erst in späterer Zeit, rechte Hausfrau ist, wird in dieser Zeit keine als sie mit dem großen Kulturvolk der Römer Wäsche halten, und in vielen Gegenden darf in Berührung famen, mögen sie den Schluß während der zwölf Nächte auch tein Brot ge- ihrer Sommerfestzeit mit der Sommerfonnens backen werden. Solche Aberglauben und Ge- wende in Zusammenhang gebracht haben. Die bräuche, wie auch das„ Herumsingen" der Feuer aber, die sie auf allen Höhen um diese Dorflinder am Dreikönigstag, sind immer Zeit abbrannten und die sich in den JohannisZeichen, daß hier eine alte heidnische Festzeit feuern bis auf den heutigen Tag erhalten haben, mit ihrer Geisterverehrung durch einen oder waren keine Feuer zu Ehren der Sonne, sondern mehrere christliche Festtage ersetzt wurde. Not oder Nietfeuer, Feuer, die man zur Abwendung der Not, vor allem der Viehseuchen, und zur Bannung der Geister entfachte. Ähnlich erging es den alten Frühlings- und Sommerfestzeiten der Germanen und Slawen. Die christliche Kirche sette ihr Ostern, ihren Walpurgistag( 1. Mai), ihren Himmelfahrtstag, ihr Pfingstfest, ihren Johannistag an deren Stelle. Deshalb gibt es auch noch eine so große Menge uralter Gebräuche und Aberglauben gerade an diesen Tagen. Zumal am Wir glauben heute nicht mehr an Geister, noch weniger an böse Heren. Aber, wo es Brauch ist, da wollen wir uns an den schönen Johannisfeuern freuen und uns in einfacher, herzlicher Fröhlichkeit um sie scharen. Solche gemeinsamen Veranstaltungen harmloser Freude !56 Für unsere Kinder bringen die Herzen der Menschen einander näher und bannen so in einem höheren Sinne die bösen Geister der Unverträglichkeit und stumpfsinniger Eigenbrötelei. B. Sommer. c> o o Die Müllkatze. Von Srnesl Setvn Thompson. tForts.) Das zweite Leben. VI. Jap Malee war eine so unreelle Krämer seele, wie sie nur je in einem Kellergeschoß mit dilligen Kanarienvögeln gehandelt hat. Er war ganz mittellos, und der Neger hielt nur darum bei ihm aus, weil der„weiß Herr" mit ihm Tisch und Bett teilte und ihn auch sonst auf dem Fuße vollkommener Ebenbürtig keit behandelte, was bei einem echten Ameri kaner kaum je vorkommt. Jap war seinem eigenen Verständnis gemäß durchaus ehrlich, aber er hatte eben kein Verständnis; und es war in der Nachbarschaft nicht unbekannt, daß er das meiste durch Unterbringung und Wieder zustellung gestohlener Hunde verdiente. Das halbe Dutzend Kanarienvögel war mehr ein Aushängeschild. Aber Jap war voll Glauben an sich selbst.„Ich sag' dir, Sam, mein Kerl chen, ich werd' dir noch mal mit vieren lang fahren," sagte er gern, wenn ein kleiner Er folg seine nicht allzu saubere, kleine Brust schwellte. Er war ehrgeizig in seiner schwäch lichen, sprunghaften Weise, und manchmal kitzelte ihn der Wunsch, sich als Züchter be kanntzumachen. Ja, er hatte einmal die Kühn heit gehabt, eine Katze anzumelden für die „Knickerbocker-Hohe-Gesellschasts-Katzen- und Schoßtier-Ausstellung", und verfolgte dabei drei nicht sehr klare Ziele: erstens wollte er seinem Ehrgeiz genugtun, zweitens sich be ständigen freien Eintritt verschaffen und drit tens:„Wissen Sie, man muß doch die wert vollen Katzen kennen lernen, wissen Sie, wenn man Katzen züchten will." Aber es war eine „Hohe-Gesellschasts-Ausstellung", Jap hätte in die Gesellschaft eingeführt werden müssen, und sein erbärmliches, angebliches„halbpersisches Blut" wurde mit Verachtung zurückgewiesen. Die Zeitungsspalten unter„Verloren" und „Gefunden" waren die einzigen, die für Jap Interesse hatten, doch hatte er sich eine Notiz über„Züchtung zur Erzielung eines schönen Fells" ausgeschnitten und aufbewahrt. Der Ausschnitt zierte die Wand seines Kellerge- lasses, und unter seiner Anregung machte er ein der Müllkatze sehr grausam vorkommendes F Experiment. Zuerst seifte er ihren schmutzigen Pelz mit einer Masse ein, welche die zwei p?er drei Arten von Leibesschmarotzern, die sie mit sich herumtrug, vertilgen sollte, und als das geschehen war, wusch er sie trotz Zähnen, Krallen und Geheul gründlich mit Seife und warmem Wasser ab. Mieze war außer sich vor Wut und Entrüstung, aber ein warmer und wohltuender Glanz breitete sich über sie aus, als man sie in einem Käfig unweit des Ofens trocknen ließ, und ihr Fell blühte förm lich in wunderbarer Weichheil und Weiße. Jap und sein Assistent waren von dem Ergebnis hochbefriedigt, und Mieze hätte es selbst wohl sein sollen. Aber das war nur die Einleitung, das eigentliche Experiment kam nun erst. „Nichts ist für die Züchtung eines schönen Felles so gut wie reichliche, stark ölige Nah rung und dauernder Aufenthalt in kalter Temperatur", hieß es auf dem Ausschnitt. Der Winter war da, und Jap Malee stellt« Miezes Käfig in den Hof, wo er nur gegen Regen und direkten Wind geschützt war, und fütterte sie mit Ölkuchen und Fischköpfen, so viel sie davon nur hinunterdringen konnte. Schon nach einer Woche war eine große Ände rung sichtbar. Mieze wurde schnell rund und glatt, hatte sie doch nichts zu tun als zu fressen, Fett anzusetzen und ihr Fell zu lecken. Ihr Käfig wurde rein gehalten, und das frostige Wetter und die ölhaltige Nahrung bewirkten ganz naturgemäß, daß Miezes Fell jeden Tag dichter und glänzender wurde. Was Wunder, daß sie zur Mittwinterzeit eine ungewöhnlich schöne Katze war im reichsten und schönsten Pelz und mit einem Muster, das zuin minde sten kein gewöhnliches war. Jap war über das Ergebnis des Experimentes sehr erfreut, und da ihn ein sehr geringer Erfolg mit den kühn sten Hoffnungen zu erfüllen pflegte, so träumte er schon von unvergänglichen Ruhmespfaden. Warum sollte er nicht die Katze auf die dem nächst stattfindende Ausstellung schicken? Der Mißerfolg des vergangenen JahreS lehrte ihn aber Vorsicht,„'s gehl nicht, weißt du, Sam, sie als Mistkatze einzuführen, weißt du," be- merkte er zu seinem Gehilfen;„aber man kann's schon so einrichten, daß es den Knicker bockern gefällt! Nichts geht über'n guten Namen, weißt du.'s sollte so was sein wie Majestät'. nichts wirkt bei den Knickerbockern mehr als was Majestät'sches. Nu. wie wär's mit Maje stät Bill' oder Majestät Sam', wie? Aber's geht nicht,'s sind Kalernamen. Ich sage, Sammi, wie heißt doch die Insel, wo du geboren bist?" � Für unsere Kinder „ Um die Insel Analostan rum ist mein Vaterland." „ D, sag' ich, das ist gut, weißt du. Majeftät Analostan', beim Deuschen. Die einzige verbriefte, Majestät Analostan' in der ganzen Ausstellung, weißt du. Ist das nicht was Feines?" und sie kicherten um die Wette. ,, Aber wir müssen einen Stammbaum haben, weißt du." So wurde ein sehr langer BogusStammbaum nach Vorschrift fabriziert. Eines dunklen Nachmittags lieferte Sam in geborgs tem Zylinder die Kaze samt Stammbaum am Eingang des Ausstellungslokals ab. Unser Schwarzer machte dann die Honneurs. Er war einmal in einem Barbierladen der vornehmsten Gegend von New York angestellt gewesen und konnte sich in fünf Minuten einen pomphafteren und vornehmeren Anstrich geben, als Jap sein ganzes Leben lang hätte aufbringen können, was zweifellos einer von den Gründen für die achtungsvolle Aufnahme war, die Majestät Analostan bei der Katzenausstellung fand. 157 Ganz im Mittelpunkt befanden sich die wertvollsten Tiere, hier war auch der Menschenknäuel am dichtesten. Es waren, um den Verfehr in geregelten Bahnen zu halten, Stricke gezogen, und zwei Polizisten hielten den Mens schenstrom in Fluß. Jap mengte sich darunter; er war zu flein, um über die Vordermänner wegzusehen, und obgleich die vornehmen Leute vor der Berührung mit seiner schäbigen, alten Kleidung zurückwichen, fonnte er nicht näher fommen; aber aus den Außerungen vor ihm merkte er bald, daß hier die Krone der Aus stellung zu sehen war. D, welche Schönheit!" sagte eine hochge wachsene Frau. „ Welcher Adel!" erwiderte die Angeredete. Man kann gar nicht verkennen, in welchem Milieu sich diese Feinheit Menschenalter hindurch herausentwickeln mußte!" „ Ach, könnt' ich doch das herrliche Geschöpf mein eigen nennen!" " Welche Würde welche Gemessenheit!" Sie hat einen authentischen Stammbaum fast bis zur Pharaonenzeit, wie ich höre." Und der arme, schmutzige, fleine Jap wunderte sich über seine eigene Stirn, seine Müllfaze in eine so erlauchte Gesellschaft zu bringen. " Pardon, gnädige Frau." Der Direktor der Ausstellung erschien und bahnte sich einen Weg durch die Menge.„ Der Künstler der Sportzeitung ist hier mit dem Auftrag, die, Perle der Ausstellung' sofort mit seinem Griffel zu verewigen. Darf ich Sie bitten, ein wenig beiseite zu treten?" „ D, Herr Direktor, können Sie ihn nicht überreden, das schöne Geschöpf zu verkaufen?" Jap war außerordentlich stolz auf seine Eigenschaft als Aussteller, aber er war ganz von dem Respekt vor den oberen Klassen durch drungen, wie ihn die geborenen Londoner meist| zeigen, und als er am Eröffnungstag am Eins gang erschien, war er von dem Anblick der vielen Karossen und Zylinder modernster Fasfung überwältigt. Der Portier faßte ihn scharf ins Auge, ließ ihn aber mit seiner Eintrittsfarte herein, indem er ihn jedenfalls für den Stallknecht eines Ausstellers hielt. Im Saal sah man Samtteppiche vor langen Reihen von Käfigen. Jap schlich die Nebengänge entlang, schaute nach den Kazen aller Art, sah die Hm, ich weiß nicht," war die Antwort. blauen und roten Ehrenbänder, blickte überall„ Soviel ich weiß, ist er ein sehr begüterter herum, wagte aber nicht, nach seinem eigenen Mann, und man kann gar nicht an ihn heranAusstellungsobjekt zu fragen, inwendig zitternd kommen; mill aber versuchen, will versuchen, bei dem Gedanken, was die illustre Versamm- gnä'ge Frau. Er wollte seinen Schatz gar nicht lung sagen würde, wenn sie merkte, wie er sie ausstellen, so sagte mir sein Hausmeister. Hier, betrogen habe. Er hatte nun alle Seitengänge Sie da, aus dem Weg!" grollte der Direktor, durchwandert und viele preisgekrönte Tiere als sich der schäbige kleine Mann eifrig zwischen gefehen, aber keine Spur von Majestät Ana- den Künstler und die blaublütige Kazenkönigin lostan! In den Gängen nach dem Mittelpunkt schob. Aber er wollte unter allen Umständen zu drängten sich mehr Menschen, aber auch wissen, wo sich etwa eine so wertvolle Katze hier fand er, als er sich dahin wagte, seine finden" ließe. Er kam nahe genug, um einen Mieze nicht, und er kam zu dem Schluß, es Blick auf den Käfig zu werfen, und dort las liege ein Irrtum vor, die Richter hätten später er ein Plakat mit folgender Aufschrift:„ Das doch sein Exemplar von der Ausstellung zurück- blaue Band und die goldene Medaille der gewiesen. Tut nichts," dachte er, ich habe Knickerbocker- Hohen- Gesellschafts- Kaßen- und doch meine freie Eintrittskarte und habe auch Schoßtier- Ausstellung ist der rassenreinen beerfahren, wo verschiedene persische Angora glaubigten Majestät Analostan, importiert und tatzen zu finden sind." ausgestellt von Herrn J. Malee, dem welt 158 Für belanuten Züchter, zuerkannt worden.(Nicht verkäuflich.)" Jap hielt den Atem an und starrte noch immer darauf hin. Ja. wahrhasüg, dort hoch oben im vergoldeten Käfig auf Eamlkisscn unter der Hut von vier Polizisten, mit glän zendem Fell. Schwarz auf Hellgrau, und die blauen Augen halb schließend, lag seine Müll katze, offenbar von all diesem Krimskrams, der ihr ebensowenig Spaß machte, wie verständ lich war, zu Tode gelangweilt. VIl. Jap Malee lungerte stundenlang um den Käfig herum und sog mit seinen trunkenen Ohren die Ausrufe der Besucher ei», für ihn ein berauschender Ruhmestrank, wie er ihn vorher im Leben nie gekannt, und wie er ihn kaum in seinen kühnsten Träumen gekostet hatte. Er sah aber, daß es für ihn geraten sei, unerkannt zu bleiben; sein.Hausmeister" mußte alles Geschäftliche besorgen. Unserer Müllkatze war der Erfolg der Aus stellung zu danken. Jeden Tag stieg ihr Wert in den Augen ihres Besitzers höher. Er wußte nicht, welche Preise man für Katzen gezahlt hatte, und dachte, er schieße den Vogel ab, als sein „Hausmeister" den Direktor ermächtigte, die Analostan für einhundert Dollar zu verkaufen. Das ist der Grund, warum sich die Müll katze von der Ausstellung nach einem Hause der vornehmen Fünften Avenue transportiert sehen mußte. Zuerst zeigte sie sich unglaublich wild und scheu. Ihren Widerwillen gegen Liebkosungen erklärte man aber für aristo kratische Abneigung gegen derartige Vertrau lichkeiten. Ihr Zurückweichen vor dem Schoß hund bis in die Mitte des Speisetisches faßte man als den Ausdruck des tiefgewurzelten, wenn auch irregeleiteten Wunsches auf, eine unwürdige Berührung zu vermeiden. Ihre Angrisse auf ein Kanarienvögelchen sah nian ihr nach, weil sie in ihrer orientalischen Heimat an ein despotisches Verfahren gewohnt sei. Die vornehme Art, wie sie den Deckel einer Milch kanne aufhob, fand besonderen Beifall. Ihre Abneigung gegen ihren seidegesütterten Korb und ihre häufigen Sprünge gegen die Fenster scheiben konnte man sich leicht erklären: der Korb war ihr zu einfach, und Fensterscheiben gab es in ihrem frühere» orientalischen König schlosse nicht. Auch daß sie den Teppich be schmutzte, zeugte von ihren orientalischen An schauungen. Ihre mißglückten Versuche, in dem hochumzäuulen Hrnterhose Sperlinge zu Kinder sangen, galten als neuer Beweis der könig lichen Unfähigkeit, sie aufzuziehen, während man ihr Wühlen im Mülleimer als Bekun dung einer kleinen verzeihlichen Extravaganz ansah, wie sie in hochgeborenen Kreisen so häufig ist. Unsere Mieze wurde gehegt und gepflegt, gewiesen und gepriesen, aber sie war dabei nicht glücklich; Mieze halte Heimweh! Sie krallte an dem blauen Band um ihren Hals, bis sie es loS hatte; sie prallte gegen die Fensterscheiben, weil dort der Weg hin auszuführe» schien; sie wich vor Menschen und Hunden zurück, weit sie sich immer feind selig und gransam gegen sie gezeigt hatten, und sie saß und schaute auf die Dächer und Hinterhöfe, da hinter dem Fenster, weil sie sich sehnte, lieber dort zu sein. Aber sie war in steter Hut und durfte nie mals hinaus, so daß all die lichten Momente des Wühlens in Müllkästen nur eintreten konnten, wenn diese unentbehrlichen Gefäße wieder im Hause waren. Aber an einem März abend, wo die Kästen für den früh erscheinen den Müllwagen hinausgestellt wurden, nahm Majestät Analostan ihre Gelegenheit wahr, schlüpfte aus der Tür und verschwand im Nu aus dem Gesichtskreis. Natürlich gab's da einen großen Ausruhr, aber Mieze fragte nach nichts, ihr einziger Gedanke war, wieder heimzukommen. Zunächst rannte sie spornstreichs davon, froh, mit jedem Schritte von dem Ort ihrer letzten qualvollen Existenz weiter fortzukommen. AIS sie dann etwas ruhiger geworden war und Hunger zu empfinden anfing, duckte sie sich lauernd in einem Vorgarten an die Wand, wo Sperlinge herumflattern. Ein rauher März-Ostwind hatte sich erhoben, und dieser brachte ihr eine be sonders willkommene Botschaft; ein Mensch würde es einen unangenehmen Dockgeruch ge nannt haben, für Mieze bedeutete es aber einen Gruß aus der Heimat. Sie trottete so fort die lange Straße ostwärts hinunter, immer an den Gittern der Vorgärten entlang, hin und wieder einen Augenblick wie ein Standbild stillstehend oder, immer darauf be dacht, die dunkelste Seite zu gewinnen, schnell über die Straße springend. Endlich kam sie zu den Docks und zum Meeresarm. Aber die Gegend war fremd für sie. Nun konnte sie sich am Wasser hin nach Norden oder nach Süden wenden. Ein unbestimmtes Gefühl zog sie jedoch nach Süden, und zwischen den lagernden Warenballen, den krumin verlausen den Mecreselnbuchluiigen uns den cntloj.n Für unsere Rinder Einzäunungen forteilend, gelangte sie nach ein paar Stunden zu vertrauten Gerüchen und bekannten Bildern, und ehe die Sonne auf ging, war sie müde und matt und halb lahm durch dasselbe alte Loch in demselben alten Zaun und über die Mauer in ihren Hinterhof hinter dem Vogelfeller gekrochen, ja zurück in dieselbe alte Riste, wo sie geboren war. D, hätte die Familie aus der Fünften Avenue sie nur hier in ihrer orientalischen Heimat sehen können!( Fortsetzung folgt.) 000 Ratzenpastete. Es war einmal ein braver Koch, Geschickt im Appretieren; Dem fiel es ein, er wollte doch Als Jäger sich gerieren. Er zog bewehrt zum grünen Wald, Wo manches Wildbret hauste, Und einen Rater schoß er bald, Der junge Vögel schmauste. Sah ihn für einen Hasen an Und ließ sich nicht bedeuten, Pastetete viele Würze dran Und setzt ihn vor den Leuten. Doch manche Gäste das verdroß, Gewisse feine Nasen: Die Katze, die der Jäger schoß, Macht nie der Koch zum Hafen. Goethe. 000 Das Sternenkind. Märchen von Karl Ewald.( Schluß.) Aber da das Sonnenstück jetzt ein Stern geworden ist, so ist es notwendig, daß es einen Namen bekommt. Alle Sterne haben Namen. Wer einen neuen Stern ausfindig macht, hat das Recht, ihm einen Namen zu geben; und da ich das Sternenfind ausfindig gemacht habe, so will ich es auch taufen. Ich will es Peter nennen. Die anderen Sterne haben alle so hoch trabende Namen, die man schwer behalten oder jedenfalls nur aussprechen kann, wenn man tief Atem holt. Oder sie heißen,„ Der große Bär" oder„ Der Stier" oder haben sonst irgendeinen unverständlichen Namen. Peter ist ein guter Name. Man kann auf einem Bein stehen und es mit geschlossenen Augen sagen, so oft die Leute es hören mögen. Und dieser Name ist auch sehr passend; denn alles in allem sind die Sterne nichts anderes 159 als wir, und warum sollen sie also feinere Namen haben? Man kann das auch daran sehen, wie es Peter später in der Welt erging. Als er sich mehrere Millionen Jahre gedreht und der Welt als ein gutes Beispiel von Festigkeit und Frieden und allen sonstigen Tugenden vorangeleuchtet hatte, da hatte er seine leichtfertige Jugend ganz vergessen. Wenn ihn einer der anderen Sterne daran erinnerte, so tat er, als ob er das gar nicht verstände. Und als sich eines Tags ein anderes Stück von einer Sonne loslöste und am Himmel umherwankte, genau so wie Peter es seinerzeit gemacht hatte, da war er genau so entsetzt und erbost, wie die anderen es damals über ihn gewesen waren. Aber dann passierte ihm etwas Fürchterliches. Als Stern, der ausgelernt hatte, war er ein paar hundert Millionen Jahre lang gelaufen, als er plötzlich verschiedene sonderbare Flecke an sich entdeckte. Es war, als bildete sich an den Stellen eine Rinde. „ Was ist denn das?" rief er. Und als er bemerkte, daß er nicht mehr so start leuchtete wie vorher, erschrak er ernstlich. " Ich glaube, ich erlösche," sagte er. Doch die Erde, die zu der Zeit gerade in seiner Nähe war, meinte: Im Gegenteil, lieber Kollege... du bist nur eingeschrumpft. Du bist im Begriff, ein gereifter Mann zu werden, der das Feuer in seinem Innern verbirgt. Du hast das ewige Scheinen satt, das sich ja ganz gut ausnimmt, aber zu nichts führt und auf die Dauer auch feinen Spaß macht." ,, Beileibe nicht!" schrie Peter. Meinst du, ich will so ein gräßlicher schwarzer Klumpen werden wie du? Ich will ein Stern sein und bleiben und als gutes Beispiel von Festigkeit und Frieden und allen sonstigen Tugenden voranleuchten." " Sieh da!" sagte die Erde.„ Der Fleck dort an deinem einen Pol wächst... und da kommt noch einer hinzu. In ein paar Millionen Jahren bist du ganz schwarz auf der Oberfläche, genau wie ich, und mußt dich damit begnügen, das Licht zurückzustrahlen." Ich will nicht," schrie Peter. „ Daran läßt sich nichts ändern," sagte die Erde. Was geschehen muß, geschieht. Ich habe meinerzeit auch geschienen, hab' es aber Gott sei Dank überwunden." Peter fuhr fort zu schreien. " , Man wird vernünftiger mit den Jahren," sagte die Erde.„ Laß die Jugend sich austoben, 160 Für unsere Kinder dagegen hab' ich nichts. Aber reife Männer Aber es erging Peter, wie der Mond vorwie du und ich, wir müssen doch sehen, etwas hergesagt hatte. So sehr er auch protestierte, Ordentliches im Leben zuwege zu bringen. er wurde kälter und fälter. Seine Bäume Wenn du wirst wie ich, so wirst du schließlich gingen ein, seine Tiere starben, immer weniger auch voller Tiere, Pflanzen und Menschen sein Menschen lebten auf ihm. und dich als nützliches, geachtetes Mitglied der Gesellschaft fühlen." Nie," sagte Peter. „ Wir wollen sehen," sagte die Erde.„ Ich gehe jetzt meiner Wege. Wenn ich wieder komme, bist du gewiß vernünftiger geworden. Adieu so lange." Damit verabschiedete fich die Erde. Und Peter bekam immer mehr und mehr Flecken; er hörte schließlich auf zu protestieren. " Dreihundert Millionen Jahre darauf trafen sich Peter und die Erde auf ihrer Bahn wieder. „ Sieh, sieh," sagte die Erde.„ Es ist gekommen wie ich sagte. Wie schwarz du bist, und wie voll vom schönsten Gewürm! Das ist etwas anderes, als am Himmel umherzurennen und zu leuchten." •" Ich weiß nicht, was du meinst," sagte Peter. Ich habe nichts mit den törichten Sternen zu schaffen. Ich bin sicherlich mehr wert als du. Ich bin der Mittelpunkt der Welt." ,, Ah, aus dem Loch pfeifst du!" sagte die Erde. So zankten sie sich eine Weile, wer besser sei, und gingen dann jeder ihres Weges. Die Jahre schwanden. Und als dreihundert Millionen Jahre vergangen waren, fröstelte Peter so seltsam. „ Es ist wohl kein Feuer mehr in mir," sagte er. Er guckte zu seiner Sonne auf. " Du scheinst auch nicht mehr so warm wie früher," sagte er. Das weiß ich wohl," entgegnete die Sonne. ,, Aber ich bin hinreichend entschuldigt; denn ich fange selber an, Flecken zu kriegen." " Was soll ich nur machen," seufzte Peter. Du sollst es machen wie ich," sagte der Mond, der gelb und grinsend dahersegelte. ,, Und was tust du?" fragte Peter. Ich lache über das Ganze," sagte der Mond. " Ich bin längst fertig mit all dem Unsinn von Mensch, Tier und Pflanze. Wozu führt das, möchte ich fragen? Du bist auch mit allem fertig. Es wird nicht mehr lange dauern, so läufft du wie ich als gewitter alter kahlköpfiger Hund umher und machst dich über all die Narrenpossen lustig." „ Nie und nimmer," sagte Peter.„ Nie werde ich so ein alter, abgestorbener Kerl wie du. Ich will ein geachtetes, nützliches Mitglied der Gesellschaft sein und bleiben." ,, Guten Morgen," sagte der Mond. Zuletzt war er fertig. Er war voller Berge und Zäler, und kein lebendes Wesen war mehr auf ihm zu finden. Um ihn war keine Luft, und in seinen Seen und Gärten war kein Wasser. Der letzte Funke in ihm war erloschen, Das letzte Leben erstorben. Wenn ein anderer Stern ihn beschien, so strahlte er das Licht zurück das war alles. Eines Tages begegnete er dem Mond. ,, Verehrter Kollege," sagte dieser.„ Es freut mich, daß du getan hast, was ich dir damals sagte, und mit all dem Plunder ein Ende ges macht haft." „ Ich weiß nicht, was du meinst," sagte Peter. Aber er war gut gelaunt und fühlte sich so wohl wie noch nie. Er legte seinen gewohnten Weg zurück... um die Sonne und um sich selbst, grinste wie närrisch und sagte zu den anderen Sternen:„ Daß es euch Spaß macht... daß es euch Spaß macht...!" Er geht noch immer am Himmel dahin. Wer ein gutes Fernglas hat, kann ihn sehen. 000 Junghäschen und der Fuchs. Junghäschen auf der Wiese saß Und grünen Klee und Blätter aß Nur zu, nur zu! Das sah Herr Fuchs voll Mordbegier Und dacht': Den Braten hol' ich mir! Du du! Du du! Von hinten schleicht er sacht' heran, Häslein sieht nichts, schmaust, was es kann. Oh, Häslein, oh! Biff! Paff! Da knallt's, daß laut es schallt, Grad tritt der Jäger aus dem Wald, Zum Glück, oho! Dem Räuber ist der Pelz verbrannt, Junghäschen ist nach Haus gerannt, Ins Nest hinein! Und schmeckt der Kelee auch noch so schön, Nie will's mehr auf die Wiese gehn, Junghäselein. Marte Behne. Verantwortlich für die Redaktion: Frau Klara Zetkin( Sundel), Wilhelmshöhe, Post Degerloch bei Stuttgart. Druck u. Berlag 3.H.W.Tiez Nachf. G.m.b.$. Stuttgart. f