Nr. 380. Abonnements• Zedtngungen: «bonmmenlS-PretS prSnum-rando: Bierleljahrl. S.ZV Ml., monall. 1,1V Mk., wöchesllich LS PIg. frei ins Hau«. Einzelne Nummer 5 PIg. SonnlagZ- Rummer mit illufirtuer EonnlagZ- Beilage„Die Neue Well" 10 PIg. Post- Abonnement: 3,30 Marl pro Quartal. Eingetragen tn der Post- Zeitung»- Preisliste für 1897 unter Er. 7437. Unter Kreuzband für Tsutlchland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, sttr da» übrige Auiland 3 Marl pro Monat. 14. Jahrg. Die Jnfertions- Gebühr beträgt für die lechSgelpaltene itolonel- »eile oder deren Raum 40 Psg., für verein»- und Bsrlaminlungs-Anzeigen, sowie ArbettSmarlt 20 Psg. Inserate für die nächste Nummer müssen bt» 4 Uhr nachmtlrag» tn der Expedition abgegeben werde». Die Expedition ist an Wochenlagen b!» 7 Uhr abend», an Sonn- und Zestiagen bi» a Uhr vormtliag» geöffnet. Erscheint täglich«usjer Wonlag». Devliner Volksvlakk. Jernsprechrr: Nmt l, Er. lS08, Zelegramm- Adresse: „Voiialdruiokrat vrrlin". Dentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Wed.tltlion: 8V. 19. Wenty-Straße 2. Mittwoch, den J. Dezember l80'7. Spedition: SW. 19, Meilty-Straße 3. Die Thronrede zur Eröffnung des Reichstages lautet: Geehrte Herren! Bei Beginn der letzten Tagung der neunten Legislaturperiode deS Reichstages entbiete ich Ihne» namens der verbiindeten Re- gierungen Gruß und Willkoinmen. Die Vorlage», ivelche Ihre Thäligkeit in Anspruch nehmen werden, stehen zwar dem Umfange nach hinler dem Slrbeitsstoffe der letzten ausgedehnten Tagung zuriick, sind aber zum theil von weil- tragender Bedeutung. Tie Entwickelung unserer Kriegsflotte entspricht nicht den Auf. gaben, welche Deutschland an feine Wehrkraft zur See zu stellen gezwungen ist. Sie genügt nicht, bei kriegerischen Berivickelunge» die heimischen Häfen und Küsten gegen eine Blockade und iveiter- gehende Unternehniungeu des Feindes sicherzustellen. Sie hat auch nicht Schritt gehalten mit dem lebhasten Wachslhum unserer überseeischen Interessen. Während der deutsche Handel an dem Güleranstausche der Welt i» fteigendein Maße lheilniinmt. reicht die Zahl unserer Kriegsschiffe nicht hin, unseren im Auslände lhäligen Landslenlen das der Stellung Deutschlands entsprechende Mast von Schutz und hiermit de» Rückhalt zu biete», den nur die Enlsallung von Macht zu gewähren vermag. Wenngleich es nicht unsere Aufgabe sein kann, den Seemächten ersten Ranges gleichznkoinmen, so muß Deutschland sich doch in den Stand gesetzt sehen, auch durch seine Rüstung zur See sei» Ansehen unter den Völkern der Erde zu behaupten. Hierzu ist eine Verstärkung der heimischen Schlachlflott« und eine Bermehrung der für den Auslandsdieiist im Frieden bestimmten Schiffe erforderlich. Um für diese dringenden und nicht länger hinanszuschiebenden Mastnahmeu einen festen Bode» zu gewinnen, erachten die ver- dlindeteu Regierungen es für geboten. Vre Slärle der Marine und den Zeitraum, in welchem diese Starke erreicht weroe» soll, gesetzlich festzulegen. Zu dieseni Zwecke wird Ihnen eine Vorlage bchufs vcrfussungsmäßiger Beschlnstnahme zugehen. Zur Förderung unserer überseeischen Jntereffen ist auch der Ihnen schon in der letzten Tagung vorgelegte Gcsetzentwurs befiiinmi, welcher die Verbefferung der Postdampsschiffs-Verbindnnge» mit Ost asien bezweckt. Nachdem dieser Entwurf wiederholter Prüfung unter! zogen worden- ist, wird er Ihrer Beschlußfassung von neuem unter- breitet werden. Nach vielfährigem, ernstem Bemühe» ist es den verbündeten Re- gieinngen gelungen, für eine Reform des Mililär-Strafverfahrens eine Grundlage zu finden, ivelche unter möglichster Anlehnung an den bürgerlichen Strafprozeß den für die Erhaltung der Manns- zncht uichcdingt uothiuendigen Forderungen genüge leistet. Der hiernach aufgestellte Entwurf einer Militär-Slrasgerichts-Ordnnng wird Ihne» unverzüglich vorgelegt werden. Ich hege die Zuversicht, dast Sie. geehrte Herren, dein Bestreben, ei» gleichmäßiges, gericht- liches Verfahre» für die gesaiinnt« bewaffnete Macht einzuführen, Ihre verstäiiduistvolle Mitivirknng geiväbreu werde». Das ncne bürgerliche Recht kau» nicht ins Lebe» trete», ohne daß auch das Verfahren in bürgerlichen Rechtssachen, soweit es schon auf gcincinsainem Rechte beruht, nach mehrfachen Beziehungen abgeändert und, soweit es noch nicht sür das ganze Reich geregelt ist, ue» gestaltet wird. Es wird daher zu dem Entwurf eines Gesetzes über die Angelegenheiten der freiwillige» Gerichtsbarkeit sowie zu Entwürfen von Gesetzen, betreffend Aendernngen der Zivilprozest-Ordniiug und der Konkurs- Ordnung, Ihre Zustimmung eingeholl werde». Mit der Ver- abschieiilng dieser Gesetze und der zngebörigen Nebengesetze soll die Rechlseinheit auf dem Gebiete des bürgerlichen Rechtes zum Abschlüsse gelangen. Die verbündeten Regierungen geben sich der sichne» Hoffnung hin, daß in gemeiiisanier Arbeit mit Ihnen»och im Lause der gegenwärtigen Tagung dieses hohe, vom deutschen Volk so lange ersehnte Ziel endlich erreicht werde» wud. Nachdem die gesetzliche Negelnnz der Entschädigiing unschuldig Verurtheillcr>» Verbindung mit der erslieblen Verbesse>u»g des Strafverfahrens nicht zum illbschlnsse gelangt ist, wird jetzt ein Gesetz- e»tn'»rf den Gegenstand Ihrer Berathung bilde», welcher lediglich die Entschädigniig der im Wlederausnahmeverfahreu sreigesprochenen Personen bezweckt. Die allgeineine Finanzlage zeigt ein befriedigendes Bild. Auch für das nächste Rechnungsjahr sind in dem Haiishaltsplane des Reichs Matrikularbeiträge nur in solcher Höhe vorgesehen, dast den Biiiidesstaale» eine materielle Belastung daraus nicht erwächst. Dabei ist nicht nur die vom Reichstage seit Jahren verlangte, wegen der Ungunst der Finanzlage bisher aber zurückgestellte Ver- besserung der Mannschaflskost für das Heer und die Kriegsniarine zur Durchführung gebracht, sondern es ist ferner der sehr erhebliche Aufwand für die zeilgemäst« Umgestaltung deS Arlillerieinalerials, welcher iin laufenden Jahre noch der Anleihe zur Last gelegt iverde» mußt«, auf die regelmäßigen Emnahnieil übernommen worden. Da die Voranschläge für die Reichssteuern mit g-wohnler Vor- ficht aufgestellt sind, lasse» sich auch für die Folge Mehr-Einnahmen erwarten. Es wird Ihnen deshalb zugleich mit dem Hans- haltcplan ein Gesetzentwurf zugehen, welcher Vorsorge trifft, daß ein erheblicher Theil der zu erhoffenden Ueberschnsse, wie in den Vorjahre», zur Verminderung der Reichsschnld Verwendung finden. Zur Vorbereitung und Begntachlung handelspolitischer Maß- nahmen ist ans Vertretern der Industrie, der Landwirthschast und des Handels«in wirthschaftlicher Ausschuß gebildet worden, mit dessen sachkundigem Veirathe die Bedingungen und der Umfang der weitverzweigten heimischen Gütercrzeugnng klargestellt werden fallen, UNI für die künftige Gestaltung des Zolltarifs und der Handels- deziehungen zum Ausland eine feste, de» Bedürfnissen der Gegenivart entsprechende Richtschnur zu gewinne». Es würde mir zur hohen Genuglhuung gereichen, wen» diese gemeinsame Thäligkeit, zu der sich hervorragende Vertreter der großen Erwerbsgruppen znsammengesunden habe», dgzn beitrüge, einen gerechten Ausgleich zwischen de» verschiedensteil Ansprüchen»nseres Erwerbslebens herbeizuführen und damit die Schärfe der wirlhschaft- lichen Gegensätze zu milder». Die Entwickelung unserer Schutzgebiete ist im allgemeinen znftiedenstellcud. Infolge des Anflrelens der Rinderpest i» Südwest- asrika während des Soinmers hat sich die Nothwendigkeit ergeben, sofort an eine Besserung der Transportvcrhältnisse durch Legung von Schiencngeletsen heranzutreten. Ueber die Festlegung der Grenzen zwischen Togo und Dahomeh sind niit der französischen Regierung Verhandlungen gepflogen wor- den, von deren Ergebnist zu erwarten ist, daß es den beiderseitigen wirthschafilichen Interessen zum Vorlheile gereichen wird. Die Ermordung deutscher Missionare und die Angriffe auf eine der unter meinem kaiserlichen Schutze stehenden und mir am Herzen liegende» Missionsanstaltcn in China habe» niich genölhigt, mein ostasiansches Geschwader in die dem Thntorte nächstgelegene Kiaotschn-Bucht einlaufen lind Truppen dort landen zu lassen, um volle Sühne und Sicherheit gegen Wiederkehr ähnlicher beklagens wertber Ercignisse zu erlangen. Die politischen Beziehungen zu den fremden Staaten find durch aus erfreulich. Meine Begegnungen mit verbündeten und be freundeten Monarchen sowie der glänzende und herzliche Empfang, welcher mir bei meinen Besuchen in Peterhof und Budapest zu theil wurde, haben mir hiersür nnfs neue werihvolte Bnrgschaflen gc- liefert. Alle Anzeichen berechtigen z» der Aussicht, daß ivir, mit Gottes Hilfe, auch fernerhin der friedlichen Entwickelung Europas und des deutsche» Vaterlandes entgegensehen dürfen. Nach Rückgabe der Rede an den Kanzler fügte der Kaiser etwa folgende Worte hinzu: „Vor zwei Jahren habe ich von dieser Stelle aus vor Ihnen ans das geheiligte Feldzeichen meines ersten Garde-Regiments einen Eid geleistet, das Reich, wie ich es von meinem Grostvaler über- komme», zu erhalte» und seine Ehre im Auslände zu schütze» und zü wahren. Sie sind alle damit ineine Eidcsbelser geworde», und ich bitte, im Nanien des Reiches, und in> Angesicht des allmächtige» Gottes, daß er Ihnen beistehen möge, i» Ihrer Arbeit mir zn helfe», die Ehre des Reiches, die ich nicht zu wenig geschützt habe, meinen einzige» Bruder dafür einzusetzen, auch fürderhin nach aasten ivahrcu z>l Helsen." Die Thronrede in der.Hohcnlohc'schcn Fassuiig ebenso wenig wie die hohenzvllerischen Schlusisätze koniiteu irgend jeinanden überraschen, so sehr beide Partien auch im Tone dis harmoilirten. Man kennt im Reiche die kühlabwägende, nüchterne, das bedächtige Alter vcrrathcnde Art, ivelche die politischen Acußerungen des Reichskanzlers kciinzeickne» und man weiß, wie entfernt von dieser Art die vom Nioniente eingegebenen Reden des Kaisers sind. Was die nüchterne Staatsschrift des Reichskanzlers enthält, war alles schon vorher bekannt, die Parteien und die Zeitungen hallt!» schon zu den angekündigten Regienmgs vorlagen Stellung genommen; mehr als durch ihren Inhalt fordert die Thronrede neuerliche Kritik heraus durch das, ivas sie verschweigt. Zum theil haben hier die Schlußworte des Kaisers eine Ergäuznug gegeben. Sie zeige», daß nicht die gesucht nüchterne» Erwägungen des vom„Reichs- Anzeiger" verösientlichleii Auszuges ans der Vorlage und auch nicht die fast farblosen Worte der Thronrede allein die Motive für die überaus starke Flottenvermchrung bilden Sie zeigen, daß die Einwürfe der Opposition gegen diese Pläne, die Furcht vor den Folgen einer Weltpolitik, eines Strebens nach dem„größeren Deutschland", die Gefahr künftiger Ver Wickelungen von unabsehbarer Tragweite mit all' den sich hier- ans ergebenden Folgen für unsere äußere lind vielleicht noch mehr für unsere innere Politik, keine von einer schreckhaften Phantasie gezeugten Gespenster ohne innere Wesenheit, sondern wohlbegründete Befürchtungen sind. Dem ausgeprägten Familiensinne des Kaisers ist es wohl anzurechnen, daß er es als ein großes Opfer für Tenlschlauds Ehre hinstellt, daß er seinen einzigen Brnder nach Ostasien entsendet. Aber Prinz Heinrich geht nicht allein, auch viele andere einzige Sohne, einzige Brüder, Stolz und Hoffnung deutscher Familien, gehe» ungefragt iingeivisser Znkiinfl ent- gegen, und der Fall ist nicht ausgeschlossen, daß viele einzige Brüder von Denlschen für das, was mall künftig im Interesse des so elastischen Begriffs der nationalen Ehre als nolhwendig ansehen wird, ihr Blut werden lassen müssen. In seiner bilderreichen Redeart hat der Kaiser, was wir nebenbei streifen mögen, von den Reichstagsmitgliedern als seinen Eideshelfern gesprochen, weil diese schweigend anwesend waren, als der Monarch vor zwei Jahren das oben erwähnte Gelöbniß leistete. Eideshelfer gab es wohl im Gerichtsverfahren des Mittelalters, hente existiren solche nicht mehr. Aber selbst im schwärzesten Mittelalter war nicht der, welcher einem noch so feierlichen Schwüre beiwohnte, Eidcshelfer, sondern bloS jener, welcher hals. die Wahrheit einer Aussage eidlich zn bezeugen. In diesem Sinne aber trifft die Bezeichnung Eideshelfer auf die Mitglieder des Reichstages nicht zn. Es mag von einem höheren Standpunkte als dem des Politikers bedauerlich sei», daß Parlamentarier sich von poetischen Gedanken und romantischen Reminiszenzen nicht um- stimmen, sondern blos von nüchternen politischen und wirth- schastlichcn Erwägungen leiten lassen. Deshalb bleiben die frei gesprochenen Schlußworte von größerer Bedeutung für die Beurtheilnng der Wünsche des Kaisers als sie voraussichtlich von Einfluß ans den Gang der politischen Ereignisse sein werden. In der Thronrede fehlen Mittheilungen über die gc- planten Postreformen, die von der Herrn von Podbiclski gefälligen Presse so vorschnell gerühmt worden sind, es fehlt jede Bemerkung über unsere handelspolitischen Differenzen mit den Bereinigten Staaten, ferner über die vom österreichisch-nngarischen Minister der auswärtigen Angelegen- heilen angeregte gemeinsame handelspoliiische Aktion der europäischen Staaten gegen die überseeische Konkurrenz, über das Schicksal der Arbeitervcrsicherungs-Vorlagen, die den Reichstag schon in der letzten Session beschäftigten. Kein Wort 1 findet sich in der Thronrede über die Nichterfüllung des vom Reichskanzler gegebenen Versprechens, die Beschränkungen des Inverbindungtretens von Vereinen auszuheben, kein Wort über die sozialpolitischen Aufgaben des Reiches; ja selbst von der sonst so schreckhaft dargestellteil Umsiurzgefahr schweigt diesmal die Thronrede. Die Vorgänge im Orient, der griechisch- türkische Krieg, die Einflußnahme des Deutschen Reiches, die Verwendung deutscher Kriegsschiffe vor Kreta und im Piräus werden keines Wortes gewürdigt. Schon diese nur unvollständige Aufzählung der Lücken der Thronrede zeigt, daß über das, was nicht in ihr erwähnt wird, weit mehr zn sprechen wäre, als über ihren Inhalt. Die anläßlich der Ermordung deutscher Missionäre in China diesmal beliebte Machtentfaltung in den ostasiatischen Gewässern und die Bedeutung der Besetzung der Kiao-Tschon- Bucht haben wir ebenso wie die Marinevorlage schon gewürdigt, und die Mililär-Strafprozeß-Vortage behandeln wir an anderer Stelle dieser Nummer in anssührlichcr Weise. Tie Postdampfschlffs-Verbindnngen nach Ostasien, die schon so oft auf starken und berechtigten Widerstand gestoßen sind, werden den Reichstag wieder beschäftigen, da neue Hundert- lausende im Interesse einer kleinen Anzahl von Exporteuren und Rhcder-Juleressenten gefordert werden. Es dürste dies- tual die Ausnahme dieser Vorlage keine freundlichere sein wie früher. Am wenigsten Widerspruch dürften die Justizvorlagen hervorrufen. Freilich, unseren Wünschen genügt es nicht, daß nur die unschuldig Verurtheilten nach langem und kostspieligem Wiederaufnahme- Verfahren entschädigt werden sollen. Bei den Verurtheilnngen sind doch weit mehr Rechts- garantien vorhanden als bei den so leicht möglichen Ver- Haftungen; diese sollen aber, wenn sie sich als unnöthig und unberechtigt erwiesen haben, zn Entschädigungsansprüche» nicht berechtigen! Voil der netten Zivil-Prozeßordming, der Konkurs ordnung, der Neuregelung der freiwilligen Gerichtsbarkeit erivartet man zwar einige kleine Fortschritte, aber daß diese Gesetze vom sozialen Geiste, vom Gedanken des Schutzes der Kleinen gegen die Großen erfüllt sind, kann nach den bisher vorliegenden Andeuluilgen nicht erwartet werden. Tie Finanzlage wird, wie immer, wenn es sich nicht um Abweisung von dein Volke erwünschten Kulturforderungen, sondern um Erzwingung von Militär- und Marinewünschen handelt, überaus rosig geschildert. Man legt dar, daß trotz der Verbesserung der Mannschaftskost und der Um- gcstaltung des Artilleriematerials sich ein Gesetzentwurf über die Verminderung der Reichsschuld nolhwendig machen soll. Weil will man aber darüber im Unklaren lassen, daß wir� uns gegenwärtig dem Ende einer außerordentlich günstigen wirthschasllichen Epoche nähern, daß wir Zeiten ökonomischen Rückganges entgegen gehen, in denen aber nach den Plänen der Reichsregierung die Ansivendungen für die Marine be-- deutend größere sein werden als in den Zeiten des wirthschasl» lichen Aufschwunges! Ueber die künftig einzuschlagenden Bahnen unserer> Handelspolitik schweigt sich die Thronrede ans, sie erwähnt � nur die Bildung des wirthschaftlichen Ausschusses, in dein sich die„hervorragenden Vertreter der großen Erwerbsgruppcn zusammengefunden haben". Dafür aber, daß in diesem Ausschüsse die wichtigste große Erioerbsgruppe, die der Arbeiter, sowohl der gewerblichen als der ländlichen, fehlt, was selbst ein so gemäßigter Mann wie Professor Böhmert in Dresden entschieden beinängelt, das versucht man nicht einmal mit einer Redewendung zu entschuldigen! Ebensowenig findet sich eine irgendwie befriedigende Beschönigung dafür, daß entgegen der klar zum Ausdrucke gebrachten Willensmeinung des deutschen Reichstages in Südivest-Afnka eine Eisenbahn erbaut wird. Wir glattben kaum, daß die Thronrede auf irgend jemanden im weiten Deutschen Reiche eineil erhebenden Eindruck mache» kann. Sie ist ein trockenes, von keinem großen Gedanken ge- tragcnes Arbeitsprogramm. Sie erwähnt nicht einmal die Veränderungen in der Regierung, sie gedenkt nicht des Rücktritts des Staatssekretärs v. Böltichcr, der so lange und so eifrig die Vorlagen deS BnndeSrathS im Reichstage vertreten hat, sie erwähnt rncht de» Abschied deS Freiherrn v. Marschall, der doch der wichtigste Repräsentant des Reiches den aus» wärtigen Staaten gegenüber war und der seine Kräfte im Dienste der Reichspolilit fast aufgerieben hat. Aber auch von den neuen Männeni, die dem Reichslage am Bundesrathstische gcgcnübcrtreten werden, ist nicht die Rede, von den Bülow, Thiclemann, Podbiclski, Tirpitz, von den Männer», deren Verhalten in hohem Maße die Beschlüsse und die Haltting des Reichstags in den nächsten Monaten beeinflussen wird. Zu seiner letzten Session ist der Reichstag nun versammelt. Mehr als je sonst in der viel zu langen Legislaturperiode wird in den kommenden Monaten die Rücksichtnahme auf die Skim- miing und die Wünsche der Wähler die Reichsboten, ihre Reden- und ihre Abstinimnngen beeinflussen. Deshalb hoffen wir, daß, so wenig Erfreuliches anch die Thronrede bietet, der Reichstag sich stärker als sonst den Zuniulhimgen vom Bundesrathstische gegenüber zeigen wird. In diesen Absichten können die dem- Volke näher als der Regierung stehenden Abgeordneten nur bestärkt werden durch die richtige Erwägung, daß eine Reichs- tags-Auflösung, ja selbst ein Konflikt für die Regierung viel gefährlicher ist, als für die wahren Vertreter der Volksinteresscn. Trotzdem miifscn die Möhler sich in Kampsdereitschaft setzen, sie müssen bei der Unmöglichkeit, Stimmungen und Meinungen der Regiereuden voraus zu berechnen, ans alle Möglichkeiten, auch auf die baldiger Reichstagsivahlen, gefaßt sein. Wir erwarten, daß unsere Genossen in allen Theilen des Reiche! ihre Rüstungen für die Wahlschlacht mit größtem Eifer fortsetzen!—_ Dov(Enftuuvf einev Millkiiv SkrslfgevichkS'OrdttttttA. Der vollständige Entwurf der Regierung zur Reform des Militär-Strafverfahrens liegt uns zur Stunde noch nicht vor, dagegen gicbt ein Beiheft des heutigen.Militär-Wochenblatt" ausführliche Mittheilnngcn über den Inhalt der umfangreichen Vorlage. Danach entspricht der Entwurf ungefähr den Muth- maßnngcn, welche iu letzter Zeit bereits durch die Presse gegangen sind und welche wir schon kürzlich einer Besprechung unter� zogen haben. Wir theilen die wichtigsten Bestimmungen nach- folgend mit: l. Umfaiig der Militär-StrafgcrichtSbarkeit. Die Militär-Gerichlsbarkeit umsaht die militärischen und bürgerlichen Verbrechen, Vergehen und Uebertretimge». Was die der Militär- Eirafgerichlsbarkeit zu unter- stellenden Personen anlangt, so bleibe» im wesentlichen die bisherige» Bestimmungen der prenhische» Militär-Strasgerichls- ordnuug maßgebend. Auch die Jziiv Disposition gestellten Offiziere irnd Sanitätsoffiziere sollen wegen aller strafbaren Handlungen der Militär-Strafgeiichtsbarkeit unterivorfen bleiben. Die Personen des B e u r l a u b t e n st a» d e s haben eine» a»f einzelne strafbare Handlungen, welche mit ihrem militärischen Dienst- verhällniß im Zusammenhange stehen, beschränkten Militär gerichtsstand. Die dem Beurlaubten stand«»gehörigen Offiziere, Sanitätsoffiziere und Ingenieure des Solbatenstandes bteiben wegen Zweikampfs mit tödiliche» Waffe», wegen HerauSsordermig oder Annahme einer Heraiissordeiung zu einem solche» Zweikampf und wegen Kartelliragens der Militär-Strafgerichisbarkeit unterworfen. II. RiiSiibung der Militiir-TtrafgerichtSbarkcit. 1. Der GerichtSherr n n d feine Organe. a. Der Gerichtsherr steht im Mittelpunkte der Gerichtsverfassung wie d e s V e r f a h r e» s. Ihm steht nicht nur die S t r a f v« r s o l g n» g zn, sonder» er leitet zugleich in entscheidender Weise das g e s a m m t e ll n l e r s U ch» n g s- V e r f a h r e n. Die erforderlichen Nntersuchnngshandlungen werden, soweit sie nicht, wie die einstweilige Enihebung vom Dienste, die Ver« Haftung, die E i n l e i t n u g oder Einstellung des Verfahrens und die Verfügung der?ln klage- e r h e b u» g, unmittelbarer Ausfluß der Kommando- gemalt sind, in welchen Fällen die Versiigung durch den G e r i ch t s h e r r n allein erfolgt, durch die den Gerichisherren zur Seite stehenden Gerichtsossiziere oder richterliche» Militär Justizbeaniten vorgenommen. Letztere sind nicht s e l b st ä» d i g e Nntersiichnngsrichter, sondern haben allen Anordnungen des Gcrichtsherrn auch bei ab weichender Ansicht zn eiilsprechen. Niemals ist der Gerichtsherr erkennender Richter. b) Die Gerichtsbarkeit bleibt wie bisher eng an die Truppen verbände angeschlossen. Ebenso bleibt die Einlheilnng in höhere und niedere Gerichtsbarkeit beibehalten. Di« Organe der Gerichtsherren für die niedere Gerichtsbarkeit sind die G er ich ts o f fiz i ere, für die höhere Gerichtsbarkeit die Kriegsgerichtsräthe und Ober-5kriegsgerichts r ä t h e. Die GcrichlSofsiziere werden von dem Gcrichtsherrn ans der Zahl der Subalteruosfiziere seines Befehlsbereichs aus- gewählt. Ihnen fällt die Uiitersnchungsflihruiig und die Ver- tretung der Anklage vor den Standgerichte» zn. Die Kriegsgerichtsräthe und die Ober-Kriegsgerichlsräthe sind »nmittclbare oder mittelbare!>! e i ch s b e a m t e, je nachdem ihre Ernennung, wie bei der Marine, durch den Kaiser oder den be- treffenden Koiiliiigcnteherrn erfolgt. Sie sind richterliche Militär- Justizbcanite. Gleich den Richtern bei den bürgerlichen Gerichten erfolgt die Eriiennung ans Lebenszeit. Ueber die Lerlhcilmig der Geschäfte unter mehrere ihm zn- geordnete richterliche Militnr-Jnstizbeamie besiinimt der Gerichtsherr. Die Vertheilung wird nach dem Vorgang in Preußen regelmäßig trnppeuiveise erfolgen. L. Die erkennenden Gerichte. Erkennende Gerichte erster Instanz sind für die niedere Gerichtsbarkeit Standgerichte(Feld- und Bordstandgcrichle), für die höhere Gerichtsbarkeit Kriegsgerichte(Feld- und Bordkriegs- Berichte). Erkennende Gerichte zweiter Instanz sind die Kriegs- Berichts für die Entscheidung über Bernfungen gegen Urtheileder Etandgerichle, die Ober- Kriegsgerichte für die Eni- schcidung über Berusungen B�gc» Urlheile der Kriegsgerichte in erster Instanz. Oberster Gerichtshof für die gesaininie bewaffnete Macht des Reichs ist das R e i ch s m i l i t ä r g e r i ch t als Revisionsinstanz hinsichtlich der Urlheile der Oberkriegsgerichte. Tie Einrichtung der obersten militärgerichtlichen Instanz mit Rücksicht auf die Verhält- msse Bayerns wird besonders geregell. Die Standgerichte bestehen aus d r e i R i ch t e r», und zwar Offizieren. Ihre ZnständiBkeit ist im Frieden im wesentlichen ans leichlere militärische Vergehen beschräiiit, erstreckt sich nur auf Personen, welche nicht Osfizicrrang haben, und geht bis z» einem höchsten Strafmaße von sechswöchiger Freiheitsstrafe, bzw. bei Uebertrelnngeii auf Haft bis zu drei Monaten. Die Kriegsgerichte, welche in erster Instanz für alle Sachen zuständig sind, die nicht vor die Standgerichte gehören, und in zweiter Instanz über das Rechlsmiltel der Berusimg gegen standgerichtliche Urlheile enlscheiden, bestehen aus fünf Richtern, unter denen ein Kriegsgerichtsrathsich befinden muß. Das übrige Richterpersonal soll aus Ofsizieren bestehen. Im Felde und an Bord können die Bestlininungen über die ZiisainmeiisetzilNB der Slandgerichte und der Kriegsgerichte nicht un- bedingt zur Anivendiing kommen; es werden hier Ausnahmen zu- Belassen und die Zuständigkeit der Standgerichte erhöht. Als Berilfungsgerichte für die in erster Instanz kriegsgerichtlich abgeurtheillen Sachen werden bei den Generalkommandos und dem Oberkommando der Marine Kriegsgerichte gebildet. Sie be- stehen ans sieben Richtern, unter denen zwei Ober- Kriegsgerichtsräthe sich befinden müffe». Das R e i ch s- M i l i t ä r g e r i ch t hat die Aufgabe, eine ein- heitliche Rechtsprechung durch gleichmäßige Auslegung und An- wendnng der Gesetze herbeizuführen. Die inilitärischeil Mitglieder des Reichs-Militärgerichis werden ans die Dauer von mindestens zwei Jahren berusem Die Senate dieses Gerichts bestehen aus vier militärischen unddrcijiiristischenMilgliedern.DasReichs-Militärgericht ist ausschließlich Revisionsgericht Es ist ferner«. a. zuständig: Zur Entscheidung von Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Gerichtsherrn und dem zur Mitzeichnung berufenen richterliche» Militär-Justizbeamten hinsichtlich der dem Gerichlsherrn zugewiesenen Entscheidung über ein Rechtsmittel; zur Entscheidung über Rechts- beschwerden gegen EnlscheidunBen und Verfügungen der Gerichts- Herren sowie gegen Beschlüsse der Gerichte in bestiininten Fällen. Ständige Organe der Militär-Gerichtsbarkeit sind der Gerichtsherr und die ihm zugeordneten Militär-Justizbeamten. Von den drei Offizieren der Standgerichte sind zwei, von den Offizieren der OberknegsBerichte sind fämmtliche für ein Geschäftsjahr vom Gerichtsherrn zu bestellen. Die juristischen Mitglieder des Reichs- Militärgerichts werden aus Lebenszeit ernannt. Unteroffiziere und Gemeine werden zn den Gerichten nicht mehr herangezoBen. Nur Militärpersoneu im Osfiziersrang sollen Richter fein. III. TaS Berfahrcn. Die Gerichte«rtheilen nicht mehr ans-Brnnd der Akten, sondern auf grund der mündliche» Vernehmung des Angeklagten und der Zeugen. Anklage und VertheidiBUNB liegen b ei verschiedenen Personen. l. E r m i t t e l u n g s v e r f a h r e n. Es wird gesührt durch den Gerichtsherrn und seine Organ». 2. Erhebung der Anklage. Der Gerichtsherr stellt nach Abschluß desselben entweder daS Verfahren ein oder verfügt die Anklageerhebnng. Im letzten Falle fertigt der mit der Anklagevertretung beauftragte Offizier oder Kriegsgerichtsrath die Anklageschrift. 3. Hauptverhandlung. Sie erfolgt öffentlich. Die Oeffentlichkeit kann für die ganze Verhandlung oder für einen Theil derselben durch Beschluß des Gerichts ausgeschlossen werden, wenn sie eine Gefährdung der ö f s e n tl t ch e n O r d n u n g, insbesondere der Staatssicherheit, oder eine Gefährdung m i l i t ä r d i e n st l i ch e r Interessen oder eine G e f ä h r- dung der Sittlich keil besorgen läßt. Unter welchen Voraussetzungen und in welchen Formen der Ausschluß der Oeffenllichkeit aus Gründen der Dis- zipliii zu erfolge» hat, b e st i m m t der Kaiser. IV. Vertheidlgnng. In allen vor die höhere Gerichisbarkeit gehörigen Unter- snchungen darf der Zlngeklagle sich des Vcislandcs eines Verthet- digers bedienen, jedoch erst, nachdem d i e A n k l a g e erhoben ist. Rechtsanwälte sind grundsätzlich bei bürgerlichen Verbrechen und Vergeben, allgemein dagegegen aklivc Offiziere k. als Verlheidiger zugelassen. D i e Z n l a s s n n g der Rechtsanwälle znin Aufirrten vor den Miliiärgerichlcn erfolgt hinsichtlich des Reichs-Miliiärgerichts durch den Präsidenten desselben, im übrigen durch die oberste Militär-Justizverwaltnngs-Behörde(Reichskanzler sReichs-Marineaintj und Kriegsmiiiisterien). Bor Standgerichten wird eine Veriheidignng nicht zugelassen. V. Strafverfiigmigc». Unter bestiininten Voraussetzunge» und unler Ossenhaltung deS ordenilichen Rechtsweges ist eine Fesisrtznng der Strafe durch schrist- liche Strafverfügung des Gcrichtsherrn zulässig. VI. Verfahren gegen Slbwcsciibe. ES wird vereinsacht, um aus die Rückkehr des Fahnenflüchtigen einznivirlen. VN. Ordentliche Rechtsmittel. Der Entwurf schließt sich der bürgerlichen Slrafprozeß-Ordnung in der Hauptsache an, nur schränkt er aus mililärische» Rücksicht«» die Fälle einer zulässigen Beschwerde aheblich ein und beseitigt die Scheidung in einfache und sofortige Beschwerden. Berufung kann stalthnben gegen alle Urtheile erster I n st a n z, sowohl slandgerichlliche wie kriegsgerichlliche. Revision gegen Urtheile der Standgerichte giebt es nicht. Das Wiederaufnahnie- verfahren wird eingeschränkt. Eine umfassende neue Prüfung eines Urtheils niederer Instanz soll aber nicht in jedem Fall eintreten, vielmehr soll sie ans die- j e n i g e n Punkte beschränkt werden, in denen das Urlheil a sler Instanz durch bestimmte Beschwerden angegriffen wird. Die Bischiverdepnnkte, deren Aufstellung zur Rechlserlignng der Berufung verlangt wird, müssen klar erkennen lassen, ob die Anfechtung gegen die Entscheidung der Schnldfrage oder gegen welchen anderen Theil des Urtheils gerichtet ist, und fallS die Beschiverdepunkie auch in diesen allgemeinen Uniriffen nicht erkennbar sind, hat zur Klar- ftellniig darüber die Aernebniiing des Angeklagten durch einen Gerichisoffizier oder Kricgsgerichtsralh zu erfolgen. Tie Aufnahme eines solchcn Prolololls bietet auch Gelegen- heil, dem Angeklagten von einer gänzlich anSsichtS- losen B e r n f n» g a b z u r a t h e n. Ein Gerichtsosfizier kann damit nur beauftragt werden, wenn es sich um die Bernsung gegen ein standgcrichlliches Urtheil handelt. Die Frist einer Revision beträgt eine Woche. Diese Frist gilt für Ein leg ung und Begründung der Revision. Erfolgt keine Begrüiidnng in dieser Frist, so ist der Angeklagt« über seine Anträge zu Protokoll zu vernehmen. Gegen die im Felde und an Bord eineS Schiffes ergangenen Urtheile giebt es kein Rechtsmittel. VlII. Bestätigung der Urtheile. Ein Urtheil erlangt Rechtskraft, sobald es durch ein ordentliches Rechtsmittel nicht mehr anfechtbar ist. Die„Bestätigung" läßt die militärgerichlliche Entscheidung völlig unberührt. Durch die „Bestätigungsordre" soll zum Ausdruck gebracht werden, daß das Urlheil rechlskrästig geworden und, soweit es auf Verurtheilung lautet, zu vollstrecken ist. Im weiteren Abschnitte behandelt der Entwurf die Verhältnisse in Krieg und am Bord, die Wiederanfnahme, die Slrasvolistreckung, die Kosten des Verfahrens. » Tie Regierung befindet sich offenbar in der Meinung, daß sie mit dieser Vorlage ein großes Entgegenkommen gegen die Wünsche der Nation beweise. Und ohne Zweifel wird die regiernngsfromme Presse ihrer Gebieterin ob dieser Vorlage überschwänglichc Loblieder singen. Die Nation wird aber in diese Loblieder nicht ein- st i m m e n könne n. Sie wird vor allem ihre Stellilng zu den übrigen aktuellen Fragen der Politik, insbesondere zu den Marineplänen, nicht durch dieses „Geschenk" der Regierung irgendwie beeinflussen laffen. Sie erinnert sich vielmehr gerade im gegenwärtigen Augen- blicke mit Bitterniß daran, wie unsägliche Bemühungen sie aufwenden mußte, um die Vorurtheile und Engherzigkeiten der Militärs einigermaßen zu erschüttern, um endlich auf dem Gebiete des Militär- Gerichtsverfahrens einen Schritt nach vorwärts zu gelangen. Und mehr als einen Schritt nach vorwärts bedeutet diese Vorlage nicht. Moderne Rechtsanschannngen, verhieß der Reichskanzler, wolle er in die Militärjustiz einführen. Aber es ist nur ein matter Hauch niodernen Geistes, der in der jetzt fertiggestellten Vorlage weht. Der morsche Bau der Militärjnstiz des alt- preußischen Söldner- und Werberheeres wird nicht abgetragen, sondern nur mit einigen neuen Pfeilern gestützt und mit neuem Anstrich aufgeputzt. Auch die bürgerlichen Verfehlungen des Soldaten bleiben der Militärjustiz vorbehalten. Das sei nöthig, so sagt man, im Interesse der Autorität der Kommandogewalt und der Ans- chließnng jedes fremden Einflusses auf die militärische Disziplin. Ks ist aber gar nicht abzusehen, wieso die Disziplin dadurch leiden ollte, wenn der Soldat, der irgend ein bürgerliches Straf- vergehen beging, vor den bürgerlichen Richter gestellt wird. Nicht die Disziplin im besseren Sinne des Wortes ist es, um deretwillen der Soldat nur Soldat sein soll auch dem Richter gegenüber, sondern nur der falsche Ehrbegriff, der künstlich im Militär großgezogen werden soll, fordert eine derartige Be- ftimmung. Der Soldat, der einen Diebstahl begeht, wird beim Militärgericht weit strenger bestraft, als beim Zivilgericht, weil der Militärrichter eine solche That als besonders „entehrend" für einen Soldaten ansieht. Aber der Offizier, der sich gegen das Duellverbot vergeht, er findet noch mildere Richter bei seinen„Standesgenosfen" als bei den Zivilrichtern, denn seine That gilt dort als besonders„ehrenhaft". So ent- stehen durch die Einbeziehung der bürgerlichen Strasfälle in die Militärkompetenz die schlimmsten Abweichungen von dem obersten bürgerlichen Rechtsgrundsatz: Gleiches Recht für alle. Ter E e r i ch t s h e r r soll zwar in seiner bisherigen Machtfülle erheblich beeinträchtigt werden. Doch werden ihm noch immer Befugnisse erhalten, die höchst bedenklich sind. Noch immer ist er„Herr" des ganzen Verfahrens. Er soll das ganze Untersnchungsverfahrcn leite», der Untersnchungs- richter ist nur sein ausführendes Werkzeug; der Gcrichtsherr befindet völlig frei über die Einleitung einer Strafverfolgung, über Verhaftung, über Anklageerhebnng. Wie kann man derartige Funktionen einer einzelnen Person und noch dazu einem Laien übertragen? Besonders auffallend ist auch, daß der Eerichtsherr sogar darüber entscheiden soll, ob ein Straf- fall an das Standgericht oder Kriegsgericht verwiesen werden soll. Ferner hat der Gerichtsherr die Znsammensetzung der Gerichte selbst fast ganz in seiner Hand. Bei solchen Einrichtungen kann naturgemäß nicht ausbleiben, daß die Militärgerichte unbewußt von Wille und Wunsch, von Anffassnngen und Stimmungen der Kommandeure im höchsten Maße beeinflußt werden. Tiefe Beibehaltung der gerichtsherrlichen Kommando- gemalt giebt keine Garantien für eine wirklich unabhängige Rechtsprechung. Und hiermit allein schon wäre dem Entwurf das Urtheil gesprochen. Dazu kommen aber noch viele andere sehr anfechtbare Dinge. Wir wollen he»t nur»och einiges kurz streifen. In allen Instanzen der neuen Riililär-Gerichtsbarkeit soll das Osstzicr-Laicnelemeut völlig überwiegen vor dem Juristen- element. In den Standgerichten soll nur von Laien geurtheilt werden. Am schlimmsten ist es bestellt mit der Ocsscnilichkeit des Verfahrens und der Vcrtheidigung. Die Oeffentlichkeit ist durchaus in das Belieben der Militärgerichte gestellt. Die Vertheidigung ist versagt während der Daner des Untersnchungs- Verfahrens, wo sie gerade häufig am nöthiasten für den Angeklagten ist. Sie_ ist bei militärischen Vergehen für Zivil- a n w ä l t e gänzlich ausgeschlossen� und zu alledem hat die Militär- Justizbehörde frei zu entscheiden, ob ein Anwalt überhaupt zugelassen werden solle. Es würde also danach nnlitär-würdige und militär-unwürdige Anwälte geben; die erstercn würden vermuthlich etwa aus dem Kreise der Reserve-Offiziere hervorgehen. Endlich erscheinen auch die Bestimmungen bezüglich der Rechtsmittel unzureichend. Die Fristen sind zu kurz be- messen. Die Bestimmung, daß die Prüfung in der Berufungsinstanz auf die Punkte beschränkt werden soll, in denen das Urtheil erster Instanz durch bestimmte Beschwerden" angegriffen wird, ist unklar und fordert alle möglichen Rechtsfehler heraus. Ebenso ist die Vernehmung des Angeklagten durch einen Gerichtsoffizier, der dabei„von einer gänzlich aussichtslose» Berufung abzurathen" Gelegenheit habe, durchaus verwerflich. So laßt schon eine erste allgemeine Betrachtung der Vor- läge erkennen, daß ihre Mängel die etwaigen Vorzüge gänzlich verdunkeln. Wenn man auch gewisse Schwerfälligkeiten des bayerischen Versahrens durch bessere Einrichtungen ersetzt hat, so bleibt die Vorlage doch gerade in bezug ans die Rechtssicherheit für den Angeklagten weit hinter dem bayerischen Verfahren zurück. Nicht einnial ein gemäßigter Liberalismus kann sich für diesen Gesetze, ltwurf begeistern. Wir nehmen daher an, daß selbst dieser Reichstag nicht mit einer solchen„Reform" zufrieden sein wird. Viel- mehr ist es seine Aufgabe, wenigstens eine Beseitigung der gröbsten Mängel der Vorlage, welche wir oben angedeutet haben, herbeizuführen. Nolitifche Berlin, 29. Novemb«. A«S dem Reichstage. Die heutige Eröffnniigssitzung zeigte einen recht verdrossenen Charakter. Bon den süddeutschen Abgeordneten waren nur die paar Parteiführer anwesend, vom bayerischen Zentrum fehlten sogar diese. Auch die Reihen unserer Fraktion waren sehr dünn, dagegen hatte der Umstand, daß der Kaiser dieThronredepersönlich verlas, bewirkt, daß vonder Rechten eine größere Zahl von Abgeordneten erschienen war, als von dieser Seite es sonst der Fall ist. Auf die Tribüuenbcsucher übt das Reichstags-Gebände noch immer die alte Anziehung aus. Auffallend stark waren selbst in der heutigen Sitzung die Tribünen besetzt. Unter den dem Reichstage bisher zugegangenen Vorlagen befindet sich der Etat mit den üblichen Anleihevorlageu, das Flottengesetz und die Jnstizgesetze. Wie verlautet, will der Präsident die Etatberalhnng bereits am Dienstag nächster Woche beginnen. Von konservativer Seite soll darauf gedrängt werden, die Marinevorlage so rasch als möglich zur Verband- lung zu bringen. Die Linke dagegen und das Zentrum stehen diesem Eifer sehr kühl gegenüber, so daß anzunehmen ist, daß vor den Weihnachts-Ferien es zu entscheidenden Berathungen nicht kommt. Der Namensaufruf ergab, daß nur 174 Abgeordnete an- wesend waren; das Haus war also nicht beschlußfähig. Auf morgen Mittag 1 Uhr ist die nächste Sitzung angesetzt. Hoffentlich trifft bis dahin das Viertelhundert Abgeordnete noch ein, das heute zur Beschlußfähigkeit fehlte. Ist dies der Fall und kann morgen das Präsidium gewählt werden, dann tritt Vertagung bis zum nächsten Dienstag ein. Das Präsidium soll in der bisherigen Zllsrnnensetzung wieder gewählt werden.— Reichöpost und Privatpost. In der Thronrede findet sich kein Wort über eine beabsichlujte Aeuderuna des Reichspost Gesetzes, und so darf man annehmen, daß die von den offiziösen Zeitnngcn angedeuteten Pläne des Herrn v. Podbielski sich noch im Zustande der„Erwägungen" und„Berathungen" befinden. Wie wir berichtet haben, soll der neue Postchef beabsichtigen, die seit langen, von der Oeffentlichkeit geforderte Verbillignng des Stadt» briefportos und die Erhöhung der Gewichtsgrenze für ein» fache Briefe zuzugestehen,— aber nur dann, wenn die Be. sördernng verschlossener Briese in Zukniift ausschließlich der Reichs- post vorbehalten bleibt. Die„Berliner Politischen Nachrichten" schrieben: „Es ist nicht wahr, daß eS in der Absicht liegt, die Privat« Posten gänzlich zu beseitigen oder doch ihr wirthfchaitliches Gedeihen zu»nlergraben. Lediglich die ausschließliche Bcsörderung des ver- schlossenen, mit dem Attribut der Unverletzlichkeit ausgestatteten Brieses durch die Reichspost wird erstrebt.— Briese dieser Art spielen im Geschäftsbetriebe der Privatposten nur eine geringe Rolle; bei diese» überwiegt der offene, zu Geschäftsanpreisunge»-c. bestimmte Brief weitaus.— Dasliegt auch in derNatnrderSache: beiderReichs- poft gewährt die Beamtenqnalität der bei der Beförderung von Briefen thätigen Personen die nölhige Bürgschaft für die sichere Beförderung und Integrität der Briessendungen, während um- g kehrt das nur zu häufig aus im Lebenswege gescheiterten, die Prioatpost nur vorübergehend als Nolhhafen benutzenden Individuen bestehende Personal der Privalposte» eine solche Gewähr nicht annähernd bietet." Der„neue Herr" stellt sich also auf einen wesentlich anderen Etauspunkt, als ihn der verstorbene Stephan in dieser Frage«in- nahm. Wir entsinnen uns, daß Stephan im Reichstag mehr- fach mit gutem Humor von den Privatanstalten sprach,— ungefähr in dem Sinne: wem die Reichspost zu theuer sei, der möge sich doch ruhig der Privataustalten be- diene», die Postverivaltung sei über diese Entlastung ihrer schiver zu bewältigenden Aufgaben gar nicht böse. Herr von Podbielski ist anderer Meinung; er will sich aus dem allerdings sehr einfachen und wenig schöpferisches Nachdenken erfordernden Wege des reichsgesetzliche» Verbots die Ikonkurrenz vom Halse schaffen, und er thut das, indem er seine Besorgniß wegen der etwa bei den Privataustalten gefährdeten Sicherheit des Briefgeheimnisses vol schützt. Wir sind nun der Meinung, daß es eine erhebliche Schädigung der Interessen des weniger wohlhabenderen Tdeils der großstädtischen Bevölkerung bedeuten würde, wenn man es zur Be- Nutzung der theuere» Reichspost, die ihre Regalstellung zur Aufrecht- erhaltung nicht mehr gerechtfertigt hoher Tarife ausnützt, gesetzlich zivänge. Wem die durch die Privatanstalten gebotene Sicherheit genügt, dem sollte man nicht die amtliche„Sicherheit"— über die sich ja auch»och ein Wörtchen reden ließe— aufnöthigeu. Lebhaftes Befremden muß es außerdem hervorrufe», daß auch die Rcichspostverwallnng jetzt gesetzgeberische Tauschgeschäfte be- treibe» will,— welche Art ja in andern Zweigen der Staats- Verwaltung leider nicht mehr neu ist. Die„Berliner Poli- tischen Nachrichten" schreiben ja,„daß eine entsprechende Aenderung der jetzt giltige» Bestimmungen(über den Postzivang) die nöthige Vorbedingung für alle übrigen Reformen des Postwesens bilde» dürfte und daß demgemäß auch an alle die vom Publikum gewünschten Erleichterungen des Verkehrs solange nicht zu denken sei»würde, als jeue Aeuderung desNeichs-Postgesetzes nicht erfolgt i st." Das ist ein Zkrämerstandpuukt, der unter keinen Umständen gebilligt iverden kann. Wenn Reformen an und für sich»Stbig, sowie technisch und finanziell durchführbar sind, so ist es Pflicht der Staatsverwaltung, diese Reformen ohne weitere Schachermacherei und Gegenforderungen durchzuführen. Im vorliegenden Fall kann die Postverwaltung dies ja um so eher, als sie selbst offiziös er- klären läßt, ein erhebliches finanzielles Interesse an der ge- wüuschte» Erweiterung des Postmonopols nicht zu haben.— Das Ministerium Gautsch ist gebildet. Eine Depesche unseres Wiener Korrespondenten meldet: Da der neue Ministerpräsident sich blos an alte, an Disziplin getvöhnte Beamte und an keine einzige politische Persönlich- keit wegen Uebernahme von Beamtenposten gewandt hat, so war die Bildung des neuen Kabinets trotz der außerordent- lichen Schwierigkeiten der Situation, trotz des starren Zusammen- Haltens der Majoritätsparteien und der seitens des alten Präsidiums drohenden Schwierigkeiten verhältnißmäßig sehr leicht, freilich dürfte ein solche? Kabinet sehr wenig parlamentarische Autorität haben, es soll wohl bloS den Zweck erfüllen, durch seine absolute Farblosigkeit niemanden zu reizen, die dringendsten Ge- schäfte, wie da? AuZgleichSprovisorium, das Budgetprovisorium, die Bewilligung deS RekrntenkonttngenlS, zu ermöglichen und Zeit zu schaffen für ein« neue Gruppirung der Parteien und die Bildung einer neuen dauerhafteren Regierung. Dai Kabinet ist folgendermaßen zusammengesetzt: Der Ministerpräsident Gautsch übernimmt auch die Leitung des Ministeriums des Innern, während sein früherer Seklionschcf, der streng-klerikale Graf Latour, sein Nachfolger als Unterrichts- minister wird. Die Leitung des Justizministeriums übcrniinmt der für sehr reaktionär angesehene Sektionschef von Ruber. Finanz- minister wird E. v. Böhm- Bawerk, der trotz seines verhältuißinäßig jugendlichen SIlters schon in dem kurzlebigen früheren Beamten- Ministerium Kielmannsegg das gleiche Portefeuille inne hatte und in der Pause zwischen seinen zwei Ministerien Senats- Präsident am Berwaltungsgerichtshofe war. Er gilt als der hervorragendste antimarxistische Theoretiker unter den zeitgenössischen Nationalökonomen, als welcher er sich sowohl als Universitäts- lehrer wie als fruchtbarer Schriftsteller hervorgethan hat. Die Leitung deS Eisenbahnwesens erhält der alS ausgezeichneter Fachmann bekannte Sektionschef Wiltek. der im Ministerium Kiel- mannSegg die gleiche Stelle innehalte. Landesverlheidigungsmiuister bleibt der bisherige Inhaber diese? Posten?, der Graf Welserheimb. Ueber den neuen Leiter des Handelsininisteriums, Eektionsches Dr. von Koeber, und den Ackerbauminister Grafen von Rhylandt- Rheidt ist nichts erhebliches mitzutheile». Der Posten eines pol- nischen Ministers ohne Portefeuille, der dem Grafen Piuinski an- geboten ist, bleibt wegen dessen vorläufiger Ablehnung unbesetzt. Die Majoritälsparteien scheinen dem neuen Kabiuete Schwierig- keilen machen zu wollen. Abrahamoivicz will unter keine» Um- ständen von dem Präsidentensitze deS Abgeordnetenhauses weichen. Er soll eventuell durch strafweise Versetzung in das Herrenhaus unschädlich gemacht werden. Morgen erscheint ein Manifest des sozialdemokratischen Ver- bandes des Abgeordnetenhauses an die Wählerschaft, worin der Staudpunkt der Partei dargelegt wird.— »« Deutsches Reich. — Kommission für Arbeiter st atistik. Am 29. No- vember, vormittags 10 Uhr, trat, wie schon kurz gemeldet, im Reichs- amt des Innern, unter dem Vorsitz des an stelle des Unlcrstaats- sekretärs Lohmann getretenen Unlerstaatssckretärs Fleck die„Ko»imissio» für Arbeilerstatistik" zusammen, um Auekunflspersonen aus dem Müllereigewerbe mündlich zu vernehme». Dazu waren, wie wir der „Kreuz-Ztg." entnehmen, von dem Mitglied der Kommission, dem groß- herzoglich badische» Geheime» Rath Dr. Wörrishofer Grundzüge ausgearbeitet worden, welche außer den Vorfragen über Name, Wohnort, Arbeilgeber- oder-nehmer, Zugehörigkeil zu einer Innung oder Fachverein, Art des Betriebes und Zahl der in dem- selbe» Beschäftigte», solgenve Fragen behandelt bezw. beantwortet wissen ivollle: A, Vorhandensein der Vorbedingungen der Anwendbarkeit des ß 120s Abs. 3 der Gewerbe-Ordnnng auf das Mnllereigewerbe. Für alle Arten von Mühle».— B. Die Möglichkeit der Durch- führung einer feslbegrenzlen Arbeitszeit überhaupt(Windmühlen, Wassermühlen und Dampsmühlen bez. Dampf- und Wassermühlen). — C Regelung der Beschäsligung der Lehrlinge. Für alle Arten von Mühlen. Nothwendigkeil Durchführbarkeit.— D. Siegelung der Sonntagsruhe. Windmühle». Wassermühlen, Dampfmühleu bez. Dampf» und Wassermühlen. Nicht weniger als 77 Fragen waren formnlirt, um mittels der- selben alle Verhältnisse i» oben bezeichneter Reihenfolge eingehend klar zu stellen. Die„Kreuz-Zeitung" berichtet weiter: Als Auskunslspersonen wurden heute befragt sechs Müllermeister (aus Schlesien, Westpreußen, Mecklenburg, Brandenburg, Oldenburg und Hannover), sowie sechs Müllergesellen(aus Danzig, Kiel, Ham- bürg, Bernburg, Halle a. S. und Breslau). Während die Meister mit nur einer Ausnahme als wirkliche Mühlenbesitzer aus der Praxis und Gegenwart auf alle Frage» Antwort geben konnten, und auch der eine unter ihnen, der seine Windmühle» selbst nicht inehr leitet, als Vertrauensmann seines Kreises über alle Verhältnisse genau Bescheid wußte, stellte es sich heraus, daß von den sechs„Gesellen" nur einer als solcher gelten konnte, da er noch heute in dieser Eigenschaft in einer Windmühle arbeitet. Die anderen fünf hatten seit mehr oder weniger längerer Zeit, einer seit 20 Jahren, in keiner Windmühle mehr gearbeitet, wenn sie nicht die Müllerei selbst ganz aufgegeben hatte» und zu anderen Berufen übergegangen waren. Aus den Vernehmungen ging das hervor, was ohnehin bekannt ist, daß die Windmühlen (um die es sich heut« handelte) durchaus kleine Betriebe mit nur einem Gesellen, selten mit noch einem Lehrling find; daß zum theil sehr lange Arbeitszeiten herrschen, auch die Sonntagsruhe nur in sehr beschränkter Art eingeführt ist. Auch der Rückgang der kleinen Müllerei und der Windmühlen im besondereil wurde von allen weiten festgestellt. — E t a a tS fu bv en ti o n en an ländliche Fortbildungsschulen. Der Landwirthschastsminister hat an sämmtliche Landwirthschaftskammern und die sonstigen landivirth- schastlichen Korporationen einen Erlaß gerichtet, nach dem vom nächsten Rechnungsjahre ab den zuständigen Stellen auf ihren Antrag zur Bewilligung vonStaatsbeihilsen an ländliche Fort- vildungsschulen ein Kredit zur Verfügung gestellt werden soll. Bei der Bewilligung von Staatsbeihilfen sind folgende Beslinnnuugen zu beachten: l.Es istgrundsätzlich davon auszugehen, daßdieErrichtun�und Unterhaltung der ländlichen Fortbildungsschulen den beiheiligten Jiileresseuten bezw. de» Gemeinden oder weiteren Kommunal- verbänden obliegt. 2. Soweit deren Mittel zur Bestreitung der ent- stehenden Ausgaben nicht ausreichen, kann eine staatliche Beihilfe gewährt iverden, die nach dem Grade des Bedürfnisses abzumessen ist. 9. Die Staatsbeihilse soll höchstens'Vs der durch Schulgeld nicht gedeckten Ausgaben betragen. Hierbei find aber die für Hergabe, Heizung. Beleuchtung und Reinhaltung des Schullokals erforderlichen Aufwendungen, die unter allen Umständen von den Gemeinden bezw. Jntereffenten vorweg zu übernehmen sind, unbeiücksichtigt zu lassen 4. Bei Abmessung der Staatsbeihilfen ist es zulässig: a) als Lehrcr- honorar je nach den örtlichen Verbältnissen 1 bis 1,S0 M für jede Stunde; b) für Lehr- und Lernmittel einschließlich der Bibliothek bis 2 M. für jeden Schüler und. sofern der Betrag von 20 M nicht erreicht wird, diese Summe; c) für Auszeichnungen fleißiger Schüler durch Gewährung von Prämien 50 Pf. für jeden Schüler, als Mindestbetrag ohne Rücksicht aus die Schülerzahl 10 M. in Ansatz zu bringen. De» richtigen waschechten preußischen Agrariern wird mit dieser StaatShilfe gar nicht besonders gedient sei». Noch in der letzten Sonntagsnummer konnten wir berichten, daß in Schlesien eine Agitation dahin enlfaltet wird, die Sommer- und Herbstferien der ländliche» Schulen zu verlängern, damit die Kinder auf den Gütern arbeiten könne». Speziell aber auf die Fortbildlingsschnlen sind dir Herren schlecht zu sprechen, weil ihnen die jungen Leute dadurch zu „gebildet" gemacht werde» und«inen Hang für das Stadlleben be- kommen. Wenn Staatshilfen von den Agrariern richtig gewürdigt iverden sollen, dann muß man sie ihnen schon direkt in baar oder doch in Form von Getreidezöllen, Ausfuhrprämien oder sonstigen Liebesgaben geben. Wie wenig Werth namentlich in ostelbischen Bezirken vielfach auf die Schulpflicht der Kinder gelegt wird, zeigt rechi drastisch die nachfolgende Erzählung der„Danziger Zeitung": Vor einigen Tagen fand aus den Jagdgründe» des Herrn Oberst- lienlenants Grafen Kanitz-Saskoczin eine Treibjagd statt. Hierzu fanden auch eine Anzahl von Schulkindern aus der be- nachbarten Ortschaft Meisterswalde als Treiber Verwendung. Als Honorar für die Dtühcwaltnug der Kinder soll den Eltern der- selben gestattet worden sein, ohne Entgelt dem gräflichen Walde eine Fuhre Laub zu entnehmen. Nun Halle aber die Jagd an einem schulpflichtigen Tage stattgefunden, und da die Kinder ohne Erlanbniß oder Entschuldigung fehlten, wurden sie von dem Lehrer selbstverständlich in die Schulversänmnißliste eingetragen mit ent- sprechendem Vermerk, daß sie nncnischuldigt gefehlt und zur Treibjagd gewesen wären. Die Liste ging daraus an den Lokal- Schulinspektor. Herrn Pfarrvikar Schmidt, zu der üblichen Bestätigung bezw. weiteren Veranlassung der eventuellen Strafe»- einziehung beim Amtsvorsteher. Der Herr Lokal-Schulinlpcktor halle jedocki offenbar eine andere Ansicht über die Schulversäumniß der betreffenden Kinder, als der Lehrer. Er durchstrich nämlich den aus die Jagd bezüglichen Vermerk in der Liste und schrieb statt dessen daneben„entschuldigt".— Ganz anders mnthet das folgende Bild an. Vor kurzem ist ein Landwirth, nachdem er vergeblich bis an das Kanunergericht gegangen war, zu einer Mark Geldstrafe und den beträchtlichen Kosten vernrtheilt worden, weil sein Sohn die Schule ohne Entschuldigung versäumt habe und zwar wurde die mangelnde Entschuldigung darin erblickt, daß der Knabe zwar ein ärztliches Krankheitsattest, nicht aber von einem beamteten Arzte gehabt hat. Ein solches Attest wurde als ungenügend erachtet. Kann es einen drastischeren Gegensatz in der Behandlung der Schulversäuinnißfrage geben, als diesen letzteren — der sich freilich bei Trier zutrug— und dem ersteren in der „Interessensphäre" des Herrn Grafen Kanitz, Kreis Danziger Höhe? — Heinrich von M a r q u a r d s e n, der seit den Zeiten des Zollparlamenls der deiilschen Volksvertretung angehört, der einer der bekanntesten und einflußreichste» Mitglieder der national- liberalen Partei war, ist im 72. Lebensjahre heute in Erlangen, wo er Professor des Staats-, Straf- und Völkerrechts war, gestorben. Er halle auch lange der bayerischen Abgeordnetenkammer an- gehört. Den Namen eines einflußreichen und geivandten Parla- »lentariers, eines eifrigen Publizisten ans wissenschaftlichem Gebiete und eines eifrigen Tagesschriitstellers hat er sich erworben. An der„Kölnischen Zeitung" und au der„NationalliberaleuKorrespondenz" hat er fleißig mitgearbeitet. Der Gedanke, das großangelegte Handbuch des öffentlichen Rechts herauszugeben, das nun unter Leitung Seydel's vollendet wird, rührt von ihm her. Ei» schroffer Gegner anderer Parteien, vor allem der Sozialdemokratie, war er im persönliche» Umgänge sehr konziliant. Mit Bismarck war er durch Dick und Dünn gegangen. Die Unterwerfung der Nationalliberaleu unter die Agrarier wollte er nicht mitmachen. Im Reichstage vertrat er den S. pfälzischen Wahlkreis(Homburg). Er wurde mit S09S gegen 1848 sür das Zentrum, 99 für die Sozial- demokratie und 2044 sür eine»„Handwerkerkandidateu" abgegebene Stimmen gewählt. Dresden, 39. November.(Eig. Ber.) Der Landtag verhandelte heute in erster Lesung über die Aufhebung des Ver- bindungsverbots politischer Vereine. Die Kon- servativen erklärten, daß sie ähnlich wie ihre preußischen Kollegen, diese Vorlage dazu benützen wollen, um noch einige Ber- schärf» ngen in das Vereinsgesetz hin ein zu- bringen. Dazu gehört, daß Minderjährigen und Frauen verboten wird, an den Versammlungen theilzunehmen, und weiter, daß der Paragraph, der das Verbot für Versammlunge» ausspricht, die uufittlichen Zivecke» dienen, eine präzisere Fassung bekommt. Ergänzend fügte dann ein anderer Redner dieser Partei hinzu, daß es ihnen nicht darauf aukäine, die Frauen von politischen Versammlungen anszuschließe», sondern sie hätten nur die Absicht, die Frauen aus den sozialdemokratischen Versammlungen hin- auszuweisen. Die Nattonallibera len verzichteten auf eine weitere Aenderung, würden sich aber, wenn die Regierung nichts dagegen habe, den Konservativen entgegenkommend zeigen. Von den Sozial- demokraten Seifert, Fräßdorf und G o l d st e i n wurde ein wuchtiges Material zur Kennzeichnung der gegenwärtigen Hand- habung des Vereinsgesetzes beigebracht. All die Hunderte von Neinen Polizeimitteln, die wundersame» Gesetzesübertretungen seitens der Aufsichtsbehörden wurden alS ein erdrückende? Beweismittel> jener Unterdrückungsmaßregeln, wie sie die Arbeiterbewegung unter dem Ministerium Metzsch zu erdulden hat, zur Beleuchtung der Rechtszuftände in Sachse» mit Geschick von unseren Redner» vorgetragen. Als am Schluß seiner Rede unser Genosse Seifert sagte, wenn die Wünsche der Konservativen Gesetz werden, dann haben wir Sozialdemokraten nur noch das Recht, Stenern zu zahlen und das Maul zu halten— erhob sich auf der Tribüne ein lebhafter Beifall, so daß der Präsident drohte, die Tribünen zu räumen. Und alS Fräß darf in seiner Rede den Reaktionären zurief: Die Regierung wird die auf dem Präsentirteller dargebrachten Wünsche der Konservativen dankbar annehmen; sie will sich die Finger nicht schmutzig machen, sie hat ja dafür ihren Mehnert und ihren Schill; aber wir werden mit ihnen ein wenig wienerisch verfahren müssen— entstand ein großes Halloh, daß erst nach einem Ordnungsruf des Präsidenten die erregten Gemüther etwas zur Ruhe kommen konnten. Herr v. Metzsch schien dem reaktionären Drängen seiner politischen Handlanger selbst nicht sehr geneigt zu sein, denn er gab zu verstehen, daß die Regierung das schon selbst besorgt hätte, was die Konservativen verlangen, wenn sie das Bedürsniß hierzu gehabt hätte. Sie wolle nur das vom Reichskanzler im Namen der verbündeten Regierungen gegeben« Versprechen einlösen. Ueber den Schluß der Sitzung liegt uns heute noch kein Bericht vor.— Dresden, 29. November.(Eig. Ber.) Die Kammer verhandelte heute über den Antrag Hanffe u. Gen., die Aufhebung der gemischten Transttläger und der Zollkredite sür Getreide sowie die Ausfuhr- Vergütung für Mühleuprobukte betreffend. Von den Antragstellern wurde der Antrag mit den bekannten in der agrarischen Presse regelmäßig gebrauchten Motivirung vertreten. Der nationalliberale Redner G l e is b e r g bestritt, daß der Antrag den Landtag»u be- schäfligen habe, da doch diese Frage zur Kompetenz des Reiches gehört. Von den Sozialdemokraten wies Grünberg darauf hin, daß die eigentliche Tendenz des Antrages doch nur auf eine Ver- theuerung des Brotes gerichtet sei und dazu diene, noch in der ländlichen Bevölkerung Stimmung für den nächsten Wahlkampf zu gu» ften der Brotvertheuerer zu machen. Von den kon- servativen Rednern wurde betont, daß der Landtag auch das Recht habe, sich mit dieser Materie zu beschästigen, und von den Nationalliberalen plädirte hierauf Georgi im Gegensatz zu seinen Fraklionskollegen sür den Antrag, er will diejenigen Transitläger aufheben, die dem Jnlandverkehr dienen. Minister Metzsch steht der Sache wohlwollend gegenüber, er gab aber keine bindende Erklärung über die Stellung der Regierung ab. Nach längerer Debatte wurden die Anträge gegen die Stimmen der Sozialdemokraten sowie einiger Vertreter ans anderen Parteien an- genommen. Dreöde», 30. November.(Eig. Ber.) Die Petition der sächsischen Eisen bahn arbeiter, welche dem Landtag vorliegt, gehl von 6094 auf 148 verschiedenen Stationen beschäftigten Albeitern aus. Die Arbeiter ersuchen in derselbe» um eine Herab- setzung der Arbeitszeit auf acht Stunden und Freigabe jeden dritten Sonntags. Jetzt haben diese Arbeiter eine durchschnittliche Arbeitszeit von 34 Stunde» in der Woche. Der Ausangslohn ioll von 2,30 auf 2,60 M. pro Tag erhöht werden. Nach fünf Jahren soll dieser Lohn bis auf 3 M. und von da ab durch zwei- jährige Zulage von 10 Pf. pro Tag bis aus den Höchstlohn von 3.50 M. sie gen. Jetzt beträgt der Höchstlohn nach 10 Jahren 2,80 M. Es wird ferner eine Gleichsteilung aller Arbeiter in bezug auf diese Lohnsätze verlangt. Weiter wird gewünscht, daß von der Verwaltung die Dienst- tleiduug— Mantel, Kulte und Mütze— beschafft wird. Als ein sehr beiechtigtes Verlangen muß es auch bezeichnet werde», wenn die Eiseubahnarbeiter einmal im Jahre fünf auf einander folgende Tage frei zu habe» wünsche». Abgesehen von einigen anderen unter- geordneten Petitiousforderungen wird schließlich noch gewünscht, daß die Arbeiter direkt der Generaldirektion unterstellt und Mißstände, wie sie bei der jetzigen Regelung, wo jeder StationSvorstand ganz selbständig versügen kann, nicht selten sind, beseitigt werden. Daß diese Wünsche überspanule wären, wird»ieniaud behaupten wollen. Es bat sich aber trotzdem schon bei der allgemeinen Be« rathung des Etats gezeigt, daß nur die Sozialdemokraten für eine volle Berücksichtigung dieser Petition eintreten werde».— — C h r o nik der Majestät s beleidig un g s- Pr oze s s e. Aus Lübeck wird gemeidet: Die Polizei kousiszirle in allen öffentlichen Lokalen die letzte Nummer des„Kladderadatsch". Oesterreich. Prag, 29. November.(Eig. Ber.) Heute veranstaltete» die Prager deutschen Hochschüler xost kestum eine Badeni feindliche Demonstration. Die Sache war kindisch arrangirl und hatte ungewollte ernste Folgen. Der Aufzug der Kouleur-Slndenten durch die Hauplstraßen brachte das Blut der ohnehin durch die jungczechische Hetzpreffe erhitzten Kleinbürger und chaitvinistischen Studenten in hohe Wallung, und bald gab es Slraßeukonflikte, bei denen das rasch herbeigeströmte Lumpenproletariat sich mit den czechische» Studenten verbrüderte. Die stark aufgebotene Polizei konnte es nicht verhindern, daß eine Anzahl deutscher Studenten in schwererer oder leichterer Weise verletzt wurde. Besonderes Augenmerk richtete der akademische Pöbel auch auf die internationalen Studenten, die sich im allgemeine» von der vormittägigen zivecklosen Denioustration serugehalteu hatten. Der Studentenvereiu„Slavia", die Zentrale der inlernatioiialen Studenten, schloß seine Räume, da eine Attacke befürchtet werden mußte. Das Gebäude der Arbeiterdruckerei, in dem sich die Redaktion des„Pravo Lidu" bestudet, wurde zum Schutze vor etwaigen Ueberfälle» durch die nationalen Fanatiker von einer ülnzahl handfester Genossen besetzt. Namentlich in den Abendstnudeu wurde das Gewoge in den Hauptstraßen immer lebhafter. Die Geschäfte wurden schon um 8 Uhr gesperrt, starke Polizei- abtheiluugeu zu Fuß und z» Roß trieben die Massen auseinander. Diese saiumellen sich jedoch bald wieder und so gab es immer wieder usnmmenstöße, Arretirunge» und auch manche blutige» Köpfe. päter wurde ei» Theil der Polizeimanpfcvast, die seit drei Tagen »»uuierbrocheu Dienst gehabt hatte, durch Jäger ersetzt; an mehrere» Punkten der Stadt war Militär aufgestellt. Besonders geschützt war das„Deutsche Haus" auf dem Grabe». In der Stunde, in der wir diesen Bericht schließen, sind ernstere Ereignisse nicht zu verzeichuen. Die Menge beschränkt sich hauptsächlich darauf, die Wachleute mit uuartikulirtem Geschrei zu verhöhnen. Es fehlt eben an einem Ge- danke», der die Massen beseelen würde, wenn man nicht die Radau- tust des Lunipeuprolelariats und de» Aerger über den provokatori- scheu Aufzug der Burschenschafter als solchen ansehen will. Das ganze Treibe» sticht in widerlicher Weise von den Kundgebungen ab, die von der organisirten Arbeiterschaft in den letzten Tagen ver» anftaltet worden sind. Frankreich. Paris, 28. November. Deputirtenkammer. Bei der Beralbuug des U n t e r r i ch t s b u d g e t s bringen die Radikale» ein Amendenieut ein, in dem sie verlange», daß sämmtliche Elementarschulen in der Zeit von zehn Jahre» in Laien- schule» umzuwandeln seien. Ministerpräsideut Meline be- kämpft dieses Amendemeul, welches gegen das Gesetz vom Jahre 1886 verstoße, und protestirt gegen das illoyale Vorgehen, diesen Gegenstand mit der Budgetberathuug zu verquicken. Die lliegierung wende das Gesetz über die Veriveltlichuug mit Festigkeit aber ohne Gehässigkeit an. Das Amendement wurde mit 323 gegen 234 Stimmen verworfen.— Paris, 28. November. Die Deputirtenkammer nahm nach Er« klärung der Dringlichkeit den Gesetzeutwliif an, welcher die Staaten der lateinischen Müuzunion zur Vermehrung des Bestandes de« silberneu Scheidemünzen ermächtigt.— Paris, 29. November.(Eig. Ver.) Die sozialistische Interpellation(Vaillant und Foberol) über die Ans» Weisung Tom M a n n' s und feines englischen Freundes Macpherson endete mit dem Volum der„einfachen Tages» ordnung". Daß die Meline'sche Mehrheit die einer Republik un« «vllrdige und die gesetzlich garantirte Versanimlungsfreiheit der Gewerkschaften verletzende Maßregel billigte, ist nicht weiter zu ver« wunder». Aber jenes Votum wurde mit 391 gegen blos 34 Stimmen beschlossen. Die von Arbeiterfreundlichkeit übeririefenden Radikalen haben also znm Theil mit der Ordnnngsinehrheit gestimmt und selbst die„sozialistischen" Radikalen haben es zum Theil nur bis zur Stimmenthaltung gebracht.— Italien. Rom, 30. November. In den Wandelgangen der Deputirten- kainrner wird versichert. Crispi habe heute früh ein Schreibe» an den Präiidenlen der Kaminer gerichtet, in welchen» er verlangt, die Kammer möge sich sofort über ihre Stellung hinsichtlich der An- gelegenheit Favilla aussprechen. Crispi scheint sich mit recht sehr sicher zn fühlen. Keine moderne italienische Regierung, und keine mit dieser durch Dick und Dünn gehende Parlamentsmehrheit»vird es»vagen, durch ein ehrliches ProzeSverfahrei, gegen Crispi die herrschende Disnastic und die großen Kapitalifte» zu kompromitiren.— Spanien. Madrid, 30. Noveniber. Die Regierung hüll es für linjutreffend. daß Marquis Cerralbo sich nach London begebe und ist der Ansicht, daß die Karliste» aus Mangel an Geld gezivungen sein»verde», ihre Pläne aufzitgeben.— Barcelona, 2b. November. Heute begann hier der Prozeß gegen die Anarchisten Francisco Callis und Manuel Enrique»vegen der Dynaniitexplosion, die sich in» September 1896 in dem Saale der „Gesellschaft zur Förderung der natioiralen Produltion" ereignete und großes Unheil anrichtete. Die Anklageschrift behauptet, daß Callis und Enrique»vährend einer Versannnlung sich heiirilich in den Saal einschlichen; Callis habe dann eine Dynamitpetarde hingelegt, die von Enrique in Brand gesteckt worden sei. Darauf seien beide hinausgeeilt. Kurz darauf erfolgte eine furchtbare Explosion; zahl- reiche Persoiicn»vnrden schwer verwnndet und das ganze Gebäude erlitt erhebliche Beschädigungen. Während der Voruntersuchung hatte» die beide» Angeklagte»» diesen Thatbestand als richtig anerkannt. jetzt leugnen sie alles. Callis erklärt, daß ihn»nr die Furcht vor den Martern»mv Folterqualen, die auf der Festung gang und gäbe»vare», zu einem Geständniß gezivungen habe. Schließlich behauptet er sogar, daß man ihm seine SchnlderUärnng bereits fix und fertig zun» Unterzeichiren vorgelegt>»nd daß er angesichts der Drohungen des Lieutenants Portas— desselben, der später ei» Opfer des Attentats des Republikaners Seinpau»vurde— »»nd des Untersuchungsrichters Marzo ohne Zögern»»»terzeichnet habe. Man habe ihn dann»venigslens in Ruhe gelassen,»vährend er vor der Unterzeichnung so gepeinigt»vorde» sei, daß er einmal einen Blntsturz gehabt habe. Enrique schließt sich diesen Erklärungen seines Genosse» in»»vesenllichen an. Ans dem Zeugensland erscheint eine ganze Garniti»»; bekannter Anarchisten, zuerst die Männer, die erst jüngst infolge einer niinisterielleu Verfügung aus der berüchtigte» Festung Montjnich entlassen nuirden, dann die Anarchisten, die ivegen ihrer vermeinte» oder»virklichen Theilnahme an den» anarchistischen Atte>»lat in der Cambiosftraße zu längeren Zuchthausstrafen ver- nrtheilt»vurden und ihre Strafen verbüße». Sie alle behaupten, die beiden Angeklagten nie gesehen zu habe». Die Verhandlungen dürften erst in drei bis vier Tagen zu Ende geführt»verde»».— Rustland. Petersburg, 30. November. Ein heute verkündeter kaiserlicher Ukas ordnet die Prägung und Ausgabe einer Goldmünze von 6 Rubeln, im Werthe von>/s Imperial, an. Ein»veiterer kaiserlicher Ukas befiehlt, daß der bisherige Text auf den russischen Kredilbillets durch Ausdruck der nachstehenden Erklärungen abz»läi»der» ist: Die Staatsbank»vechselt die Kredit- billetS gegen Goldmünze ohne Begrenzung der Snmine ein. Ein Rubel— Vis Imperial enthält 17,424 Doli reines Gold. Die Einivechselung der Staatskrcdilbillets gegen Goldmünze»vird durch das gesanimte Staalsveriuögen sichergestellt. Die Staats- kredilbillets habe» im ganze» Reiche de» gleichen Kurs mit Goldmünze. Damit ist ein»vesentlicher Schritt zur reinen Goldivährmig uttd zur Aufnahme der Baarzahlungen gemacht.— Türkei. Konstantinopel, 30. November. Die Wirren i» Albanien dauern fort. Acht Bataillone sind von Salonichi abgegangen. Slsrika. — E>» g l a» d f e i» d l i ch e K u» d g e b u n gen i»Egt)pte»� Aus A l e x a» d r i a erhält die Intern. Korrsp. die Meldung, daß die kürzlich erfolgte Amtsentsetzung des eingeborene» egyptischen Oberftaatsainvalts Hamdullah und die Ernenuililg des Engländers Corbett für diesen Posten»nter der egyptisch-niuhainedanischen Be- völkerung eine tiefe Gährung hervorgerufen hat. Hamdullah hatte eine Hanssnchnng bei dem egyptischen Notabel» Scheik El Bekri vor- nebnien und denselben»vegen Verschivörnng gegen den Khcdive» ver- hafte» lasse». Der letztere ist seit Jahren als eifriger Parteigänger Englands bekannt und von der Nationalpartei»viederholt als Verräther und englischer Spion angegriffen»vorden. Darauf veröffenilichte Ei Bekri in Gemeinschaft mit einem gcivisse» Achmed Fnad eine Echmähschrist gegen den Khediven,»voraus der Oberslaatsanivali Hamdullah gegen ihn einschritt. Sofort aber verlangte der englische Staatssekretär beim egyptischen Justizministeriuni die Freilassung El Bekri's und die Absetzung Hauidullahs, in»velche der Khedive auch»othgedrungeneriveise einwilligte. Die Nalionalpartei ver- anstaltete jedoch in Kairo und Alexandria zu Ehre» Hamdullah's große Kundgebungen, und der gegenwärtige britische Inhaber des Oberstaatsanivaltspostens erhielt bereits zahlreiche Drohbriefe, i» denen ihm seine Ermordung angekündigt»vurde. MeirtzskÄlig. Erste Sitzung. Dienstag, 30. Noven, der, 2 Uhr. An» Bundesrathstische: Graf Posado»vsky, Frh. v. T h i e l- m a»»». Abg. Frh. v. B n o l(Z.) eröffnet die Sitzung mit folgende» Worten: Nach der Geschäftsordnung habe ich das Recht und die Pflicht, diese erste Sitzung der neuen Session zu eröffnen. Ich thue dies, indem ich Sie zugleich alle auf das freundlichst« begrüße. Ich ersuche die Herren Abgeordneten Brau», Dr. Kropatschek, Dr. Hermes und Dr. Pieschel als provisorische Schriftführer zu fungiren. Schriftführer Dr. Herme? verliest die Rainen der in der Zwischenzeit neilgewählte» Abgeordneten: Wintermayer(frs. Vp.). Schulz(frs. Vp). Dr. Hein»(Z.) und Frh. v. Tungeln(kons.) An Vorlagen sind bereits eingegangen: Marinevorlage mit Begründung, Etat und Anlcihegesetz für 1898/99 und Rechnung». s«cht"'..... Hierauf werden die Abgeordneten namentftch ausgernfen. ES ergiebt sich, daß 174 Mitglieder anwesend sind. Das HauS ist also nicht beschlußfähig. Nächste Sitzung: Mittivoch, 1 Uhr. Tagesordnung: Wahl der Präsidenten und Schriftführer. Schluß 3 Uhr._ VolVlamenkAvtPches. Ter RcichshanShaltö- Etat für das Rechnungsjahr 1898 schließt in Einnahme und Ausgabe mit 1437 133 973 M. ab; be» de» Ausgaben eiitfalle» 1 240 630932 M. auf die forldauernden. 139 032 036 M. auf die einnialigen Ausgaben des ordentlichen Etats und 37 426 331 M. ailf die einmaligen Ausgaben des außerordent- liche» Etats. Die Hanptziffern der Einzel-Eiats sind: Von den f o r t d a n e r n d e n Ausgaben entfallen ans Sieichstag 662 490, Reichskanzler und Reichskanzlei 228 370 (4- 66 210), Auswärtiges Amt 11360 749(+ 297 226), Reichsamt des Innern 39 646 366(-s- 2 757 019), Verivallung des Reichsheeres 311 334 361(-ft 13 897 636). Verwaltung der kaiserlichen Marine«2 627 246(+ 3 196 220), Reichs- Justiz. verivaltung 2 014 202(-s- 14 442), Reichs-Schatzamt 446 756 320 (+ 37 557 380), Reichseisenbahnamt 373 250(+ 2270), Reichsschuld 73 858 800(— 1 207 500), Rechnungshof 808 970(+ 25 647), allgemeiner Pensionsfonds 61 713 074(+3 631 866), Reichs-Jnvaliden- fonds 28 646 554(— 457 943). Im ganzen ergiebt dies e i n M e h r a n d a u e r n d e u A u s g a b e n v o n 64 730 973 M. Die einmaligen Ausgaben des ordentlichen Etats ergeben: Ansivärtiges Amt 10 794 632(+ 2 360 162); Reichsamt des Innern 1630 000(— 2 020 248), Post- und Telegraphen- Verivaltung 8399 594(+ 101 766), Reichsdruckerei 361900(+ 266 900), Verwaltung des Reichsheeres 83 522 910 (+ 44 060 557), Verivaltung der kaiserlichen Marine 23 414 650 (4- 23 356). Reichs-Schatzauit 268 300(+ 193 000), Reichs. Eisenbahn- Amt 10 000(+ 10 000), Eisenbahn- Verivaltung 4 630 000(4- 890 000); im ganzen ergiebt s i ch bei den vorgenannten einmaligen Ausgaben ein Mehr von 36 592 116 M. unter Anrechnung des Ausfalls des vor- jährigen Zuschusses von 9 233 377 M. zu den Ausgaben des außer- ordentlichen Etats,»velcher Betrag naturgemäß als MiuuS zu verrechnen ist. Die einmaligen Ausgaben des ordentlichen Etats ergeben bei der Verwaltung des Reichsheeres 15 869 791 (— 42 604 211 M), Verwaltung der kaiserliche» Marine 29 636 000 (+ 927 326), Eisenbahn-Verwaltung 11 921 200(+ 2 271 200). E s ergeben diese Zahlen ein Weniger von 34405635 M., sodaß beide Kategorien von einmalige» Ausgaben zusammen- genoininen eine Steigerung von 2136 431 M. gegen den lausenden Etat aufiveisen. Im ganzen betragen sonach s ä n» in t l i ch e Mehr« ausgaben 66 367 404 M. Die Einnahme n beziffern sich bei den Zöllen und Verbrauchs st euer>» in» ganzen auf 701 489 460 M. Es ent» fallen auf die Zölle 408 644 000(+ 36 164 000), Tabaksteuer 1 1 667 000(+ 374 000), Zuckersteuer 88 511 000(+ 7 511 000), Salz- steuer 46 655 000(+ 986 000), Maischbottich- und Branntwein- materialstener 16 527 000(— 539 000), Braiiutweinverbrauchs- abgabe 101 157 000(+ 2 440 000), Bransteuer 28 261 000 (+ 1418 000) M. Unter Anrechnung der Averse» ergiebt das eine M e h r e i n» a h n» e von 43 357 930 M. Die Reichs- Stempel- abgaben sind auf 60 342 000(— 1031000) M. veranschlagt. Bei der Post- und Telegraphenverwaltung sind die Einnahmen auf 331471030, die Ausgaben auf 291 297 312 M. veran- schlagt, so daß der Ueberschuß,»velcher der ReichSkasse zu gute kommt. 40 173 213 M. beträgt.') Der Ueberschuß der Reichsdruckerei ist auf 1 639 280(4- 103 720), der Eisenbahn- Verwaltung auf 26 720 900(+ 1 990 045), beim Bankivesen auf 3 983 300 M. veranschlagt(+ 2 486 700). Die verschiedene» Ver- waltungs-Einnahinen figurire» mit 14 332 252(— 3 046 236), die Veräußerungen von ehemaligen Festungsterrains mit 564 970 M. (+ 163 880). Hierzu konunen noch der Zuschuß ans dem Reichs- Jnvalidenfonds mit 23 646 M., sowie der Ueberschuß de? Haushalts des Etatsjahrcs 1396/97 mit 28 632 115(+ 16 534 425), sowie die Matrikularbeiträge von 470 623 939(4-35 171 192). I in ganzen ergeben sich als M e h r e i n» a h in e n gegen den laelfenden Etat 101 373 089 M. b e i e i n er G e s a n» in t e i n u a h in e von 1 379 712 933 M., sodaß zur Balancirung eine Anleihe von 57 426 991 M., das sind 34 405 635 Mark»veniger als»»>» laufenden Etat, erforderlich sind.— Der Etat für die Schutzgebiete auf das Rechnungsjahr 1393 veranschlagt für Ost-Airika die Einnahmen aus Steuern, Zöllen»c. auf 1 700 000 M.(+ 460 000), den Reichszuschuß auf 3 305 200 M.(— 584 020). Für das Schutzgebiet von Kamerun sind die Einnahme» und Ausgaben auf 1 394 100 M. veranschlagt, wobei der Reichszuschuß ans 314 100 M.(+ 123 800) sich beziffert. Der Etat für Togo schließt in Einnahme und Ausgabe mit 550 000 M. ab(+ 150 000). Der Etat für S n d w- st- A f r i k a veranschlagt die Einnahme» an Steuern, Zöllen»c. auf 550 000 M. (— 150 000), de» Reichszuschuß auf 4 600 600 M.(4- 1 585 600). Die Derlzfus-AMvo. Paris, 29. November. Es wird iiiimer deutlicher, daß die in i l i t ä r i s ch e Unter- s u ch n n g i» d e r D r e y s u s- A s s ä r e zum einzigen Zweck hat, E si e r h a z y r e i» z u ,v a s ch e n, um so den Ruf der g e- Heimen M i l i t ä r j u st i z zu retten. Das ist noch die mildeste Erklärung für das seltsame Thun und Lassen des»iiiliiäri- scheu Untersiichuiigsbeaiuleu, General de Pellieux. An» Sonnabend verkündigte man bercils aus offiziöser Quelle den Abschluß der Untersnchiing zu gunsten Eslerhazy's. Und doch»var bei diesem keine Hanssnchuug vorgcnoiunien»vorden,»vährend»>a» dem Be- l a st n» g s z e ii g e», Oberst P i c q u a r t, durch«inen brutale» Gesctzesbluch das Belastnugsinaterial gegen Estcrhazy zu ent— ziehen sich beeilt Halle. Mit so zarler Rüsicht waren nicht einmal die hoch- gestellten Pauainislen behandelt»vorden. Noch»»ehr, Echeurer» Kestiier, der so wichtige Schuldbeweise gegen Eslerhazy besitzt, daß der Knegsininister nach Einsichluahine von denselben um zivei Woche» diskreles Schiveigen bitte» uiußle,»var von General de Pellieux vollständig ignorirl worden, als ob nicht einzig und allein Schenrer- Kestner's Eingreifen die ganz« Älffäre»vieder aufgerollt hätte.... Doch die Reinwaschung Ester- hazy's sollie nicht so glatt von statten gehen. Die Freunde des Dreysus. genauer Scheurer-Kestner, anlivortete» am Sonntag ans jene Nachricht von dem Slbschlnß der Untersucl�ng mit erdrückenden E»t- hüllungen über die patriotische Sinnesart des Schützlings der i»ilitäris6)-chaiiviiiistisch-a»tisenii>ische» Kreise. Der„Figaro", der — aus»velche» Gründen immer— rücksichtslos sich in den Dienst der Dreysus-Freunde gestellt, veröffentlichte Ans- z ü g e ans Briefen E st e r h a z y' s vom Jahre 1882. Man»vußte von Ansang an, daß Eslerhazy moralisch in hohem Grade die nölhigen Beranlaguiigen zu den ehrlosesten Thaten besaß. Nunmehr»st diese moralische Wahrscheinlichkeit zn einer Gewißheit geworden. Zur Zeit der Abfassung jener Briefe aktiver sran- zösischer Hauptmann, äußert Estcrhazy Gefühle von Haß und Verachtung gegen die französische Armee und Nation,»vi« sie grimmiger bei den»»vüthendsten Franzosenfresser nicht an- getroffen»Verden könnten. Er schwärmt davon,„als U l a» e n- H a n p t in a n n die Franzosen niedersäbeln" zu können; er„»vürde einen» kleine» Hunde nichts Böses anthun, mit Ber- gnügen aber hnuderltausenv Franzose» tödten lasten"; er bedauert, »vieaer(nach seinem Solddicnste i» den Reihen der päpstlichen Zouaven) den Bode» des„verfluchten Frankreich" betreten zn habe»; er.schwärmt wie von einen, Fest« von der Erstürmung der Stadt Paris und deren Ausplünderung durch hundert- tausend betrunkene Soldaten"; er versichert,„bei paffeiider Gelegenheit zu Verbrechen fähig zu sein,»venn das ihn rächen könnte"; er meint schließlich über die französische Armee, daß „die Deutschen in nicht entfernter Zeit all' diesen Leuten den richtigen Platz anweise» werden..." Die Gönner Eslerhazy's in der Presse bemerken zwar mit Recht, daß diese Aeußerungen kein Beweis für de» Verralh Eslerhazy's seien. Sie vergessen aber, daß die Aehnlichkeit der Ha>»dschrift ihres Schützlings mit derjenige» des Verraths-DokunieütS von diesen» selber öffentlich als„erschreckend" eingestanden wurde. Die�Anthentizität der Briese steht„ach den Erklärnnge» deS heutigen„Figaro" außer Zweifel. Eslerhazy's Ableugnnngei, gegenüber erklärt der„Figaro", der heute das Faksimile der Briefe abdruckt. daß die O r i g i n a l e sich in den Händen des Generals de Pellieux besinden. Eine offiziöse Preßinittheilung besagt denn alich. daß die Untersuchung durch die nothwendig gewordene Fest- stellung der Authentizität der Brief« verlängert worden sei. Nach dem bisherigen Gang der Uulersttchnug zu urtheilen,»st es aber anzunehmen, daß Efterhazy nur seine Bri'se zu büße» haben »vird. In diesen» Falle»väre die namentlich von C l e»n e» c e a u ausgesprochene Vermulhung zutreffend, daß der militärische Klüngel bei der Reichspost-Berwaltuiig ') Das Mehr des UeberschuffeS beläuft sich auf 1 229 309 ivt. gewichtige Gründ« für die Schonung Esterhazy'S haben müsse. Gründe, die in keine», Zusammenhang mit dem Wunsche nach Ber« »neidung der Revision des Dreyfus-Prozeffes ständen.— „Agence Havas" meldet von» Montag: Obwohl die gestern von einem Morgeublatte veröffentlichten Briefe in keinem unniittelbare» Zusammenhange mit der Dreyfus-Angelegenheit stehen, hält General Pellieux es gleichivohl für nützlich, dieselben einer Prüfung durch Sachverständige unterziehen zu lassen. Pellieux hat heute eine An- zahl von Zeugen vernommen und»vird morgen»vettere verhören. Wenn sich kein störender Vorfall ereignet, so steht zu hoffen, daß der General in ganz kurzer Zeit seine Untersuchung beendige» kann, nach deren Abschluß er etwa zwei bis drei Tage zur Znsainme»- stellung seines Aklenmaterials und zur Abfassung des Berichtes nölhig haben»vird,»velche» er dein General Sansster zu unter- breite» hat. Sonach ist es wahrscheinlich, daß der letztere in» stände sein wird, seine Entscheidung noch in den letzten Tagen dieser Woche zu treffe».—__ Mnkevnelzmev-Dovbättde. Ein Verkaufsverein westfälischer Kalkiverke ist vor kurzem von 22 Firme» dieser Branche mit dem Sitz in Harn», gegtünbet worden. Die Gesamml-Kalterzeugung dieser Werke beziffere sich zur Zeit auf rund 32 000 Doppelwagen Kalk jährlich»nd werde nach Vollendung der im Bau begriffenen Ringöseu ungesähr 40 000 Doppel- wagen betragen. Slmerikanische Kapitalisten an der Arbeit. Wie der„New- Aork Herald" berichtet, ist ei» Nicsen-Milch-Trnst mit einem Kapital von 12 Millionen Dollars gegründet»vorden, um die Milchzufuhr »ach New-Iork zu nionopolisiren. Nach den Versicherungen der Truster haben sie»nr den inenschenfrenndlichen Zweck im üluge, durch den Trust den Milchpreis für die Konsumenten zu ermäßigen. Die Zeitung„World" behauptet dagegen, daß der Trust 9 MiNioueu Dollars mehr aus den Konsninentin herauspressen»verde. Und dies »vird»vohl das richtige sei»! Sojislos. Arbeiterkolonien. Z» diesen» Thema»vird unS geschrieben: Der Verein zur Beschäftigung von Slrbeitslose» in» Großherzogthum Hessen und der Provinz e s s e n- N a s s a n, der die in Vogelsberg gelegen« Arbeiter- olonie Neu-Ulrichstein unterhalt, hat soeben seinen Bericht über das Betriebsjahr vom 1. Juli 1396 bis 30. Juni 1897 erscheine» lassen. In der Kolonie befanden sich an» Beginn des Jahre? 38 Mann. In» Laufe des Jahres kamen 202 Mau», hinzu; 193 ginge» ab, sodaß an» I. Juli 1897 ei» Bestand von 47 Mann blieb. Die Gcsammlfreqnenz des Berichtsjahres 1896/97 betrug 240 Mann; sie blieb in» 46 Mau»» hinter der des Vorjahres zurück. Der durchschnittliche Tagesbeslaud betrug 60'/s Personen gegen 70 im Borjahre. Von de» 193 Enilasseueil gingen in Stellung durch die Kolonie ganze 6 Mann. Durch eigenes Bemühen fanden weitere 10 Kolonisten SleNuug und 3 gingen in die Familie zurück. Einer starb, einer»vurde von der Behörde requirirt, 4 wurden ivegen Krankheit und 4»vegen Arbeitsunfähigkeit entlassen. Auf eigenen Wunsch ohne nähere Angabe»vurde» entlasse»— III Mann. Wegen „Arbeitsscheu und Nontraktbrnchö"„mußten" 42,, vegen sonstigen„schlechten Betragens" 7 Mann cntlaffe» werden;»veitere 3 Mann erzivangcn ihre Entlassung einfach durch Entlaufen.„Ein Theil der Kolonisten legt es darauf an, daß sie entlassen»verde» müssen, und trotz aller Vorstellungen erzivingen sie sich den Abgang" — llagt der Bericht, und er fugt hinzu:„So schiver»vir uns auch entschließen, diese in die schwarze Liste einzutragen. so sind»vir es doch den Schwesterkolonien schuldig, sie vor solchen, Elementen zu»varnen und deren Wiederausnahme aus einer Kolonie.> nachdem sie ihren Wandergelüsten genügt, unmöglich zu machen." Nicht»veniger als 4 9 Mann»vurden demgemäß im Laufe des einen Betriebsjahres zur schwarze» Liste gemeldet. Wege»„Wandergelüsten"! Wie ist eS möglich, daß«in Mensch aus einer solchen durch private und öffentliche Hilf« geschaffene» „Wohlthätigkeitsanstalt" weglausei, kann. Die Sache erklärt sich einfach so: � Bon 17 582 geleistete» Arbeitstagen brauchten„uur" 2697'/« Tage »»»»sonst für die Kolonie gearbeitet zu werden. Alle übrigen Arbeitstage wurden»vie folgt bezahlt: 251 Tag« ä 15 Pf., 4511-/- ä 20 Pf.. 3394>/s ä 25 Pf., 3154'/- ä 30 Pf.. 2203'/, ä35 Pf.. 1139'/2 Tage sogar mit 40 Ps. Dazu eine Verpflegung, die nur mit 51.21 Pf. pro Mann iliidlKopf angesetzt ist. An„General- kosten"(Gehalte für Aufseher, Arzt und Geistliche» K.) werde» 18,87 Pf. pro Mann und Tag ausgegeben. Da sich der gezahlte Dnrchschiiitts-ArbeitSlohn auf 23,09 Pf. berechnet, so beliefe» sich die Gesa in»> t k o st e n pro Kopf i»id Tag auf 98,17 Pf. Also für nahezu eine ganze Reichsmark»vurde die tägliche Arbeitskraft eines Kolonisten ansgebentel!(Die 2697'/, Arbeitstage, die umsonst geleistet»verde» mußten, sind dabei nicht einmal mit eingerechnet.) Und da ivnndert man sich»och über die Wandergelüste? Wir schlagen den frommen Leuten und»vohlwollenden Gönnern der A»i stall vor, mal als Kolonisten die Freuden und Leiden ihrer Anstalt an, eigene» Leibe zu probire». Die Herren werden in„och kürzerer Zeit von noch viel heftigeren„Wandergelüsten" gepackt werde», als die nnfreiwiNigen Beivohner dieses Arbeiterheiins. Es ist allerdings richtig, woraus der Bericht hiniveist, daß in» verflossenen Betriebsjahr das Arbeitsangebot erhöhl und die Arbeits- losigkeit demgemäß geringer war, als in de» vorhergehenden Jahren. Aber die Heerschau der Arbeitslosen war iinnier noch»»ehr als ans« reichend, um die Arbeiterkolonien zu überfüllen. Der Grund ge- »lügt also nicht, um den A r b e i t e r in a» g e l zn erkläre», über de» die Leitung der Kolonie klagt, und der ihr das Geständniß ab- ringt, daß es„viele Mühe und große Nachsicht" gekostet habe,„so viel Leute zu behalten, als»vir für unseren Betrieb nöthig haben; abgebe» könne»»vir im Soimner keinen Man», so gerne»vir auch hier und da helfen möchten." Die Arbeiterkolonien leiden an Arbeiter. i» a„ g e I! TaS ist ein sehr schlimmes Zengniß— für die an- geborene Boshafligleit der Arbeiislosen, sagen die tugendia len Kolonieleiter— für die Erbärmlichkeit dieser Art von Arbeitslosen- Fürsorge, sagen wir._ Dopeflszen«nd lolzke Elmshorn, 30. November.(Privaldepesche des„Vorwärts".). Das Stadtverordneten-Kollegiuin lehnte die geplante Wahlentrechliing mit 6 gegen 5 Stimme» ab. Stadtv. BeKrens sehlte. Bremerhaven, 30. November.(B. H) Infolge einer Kohlen- gaSexplosion sind ans den» deutschen Dampfer„Darmstadt" elf Personen verletzt worden, darunter einige schwer. London, 30. November.(W. T. B) Der Postdienst nach Holland über QueenSborongh- Vlissingen wird ivegen der Be- schädignngen. die der gestrige Sturm in Queensborough angerichict hat, bis auf weiteres über Dover geleitet. Rom, 30. November.(W. T. B.l Depntirlenkaininer. Ter Präsident verlas ei» Schreiben des Jnstitininisters über die An- gelegenheit Crispi's, welches das ganze Versahren darlegt und das ilrlheil des Kassationsboscs in Rom enthält. Der Präsident verlas ferner ein Schreiben Crispi's,»velcher auf das gegen ihn«rössneie Verfahren und das Ilrlheil des Kassationshofes hinweist»nd aus- drücklich und mit. ruhigem Gewissen" verlangt, daß ein Votnin der Volkssouveränelät herbeigeführt werde. Auf Vorschlag des Prä- fidenten»vird die Frage am Donnerstag zur Beralhung kommen. Die Kaminer erklärte die Wahl Cipriani's für ungiltig. Christiania, 30. November.(W. T. V.) Ter Professor der germanische» und romanischeu Philologie bei der hiesigen Universität, Unger, ist gestorben. Waeschau, 30. November.lngsverschiede»heiten über die Bedeulung des Hainburger Beschlusses herrschten. Er, Bebel, habe vielmehr eine Verständigung zivische» den weit auseinandergehenden Anschanilngen über de» Sinn des Hambnrger Beschlusses herbei- zuführen gesucht. Er weist dann anssührltch den Vorwurf zurück, als habe er beabsichtigt, den Parteitag herab» und die Fraktion über den Parteitag zu setzen; hierzu sagt er u. a.: .Es ist für einen Sozialdemokraten allerdings so ziemlich das schlininiste. was ihm passiren kann, ive»» ihm napoleonische und bismärckische Gelüste vorgeworfen werden. Aber im vorliegenden Falle macht der Kasns mich lache», denn bekanntermaßen sind die Staatsstreiche eines Napoleon und Bismarck himmelweit verschiede» von dem, was ich will, denn nieine angeblichen Staatsstreichgelüsle bestehen in einem einfache» Vorschlag an die Partei- genossen, das und das zu thu». Nur die Neigung zur stärksten Uebcrtreibnng konnte den Schreiber beider Artikel zu diesem Ver gleiche veranlassen." Gegenüber der Berufung Liebknechl's anf die Einheitlichkeit und Disziplin der Partei sagt ferner Bebel:.Gerade weil ich sehe, daß der unglückliche Hambnrger Beschluß die Ein heitlichkeil und Disziplin der Partei gefährdet und durch die verschiedene Auslegung oder Umgehung, die er iin Moment der Wahl findet, zu Zank und Streit sühre» muß, bin ich für eine neue, klare, jede Zweideutigkeit ausschließende Deklaration oder Um- gestaltung." Bebel weist endlich darauf hin, daß sein Borschlag nicht gegen den Geist der Partei- Organisation verstoße, sondern durch die außergewöhnliche Situation gerechtfertigt sei. Im.Volksblatt für Halle" ivendet sich Reichstags-Abgeordneler Fritz K u n e r t gegen die Meinung, durch die Verwirklichung deS Vebel'schen Vorschlages werde die Partei in ihrem Lebensmarke be- droht. Knnert verweist hierbei darauf, daß der vom St. Gallener Parteitag einstimmig gefaßte Beschluß auf Stimmenthaltung bei den Reichstags-Wahlen am 22. Februar 1890 durch den bekannten Aufruf des Zentral-Wahlkomitees unserer Partei(Bebel, Grillcnberger. Lieb- knecht, Meister und Singer), worin aufgefordert war, für diejenigen der gegnerischen Nandidaten zu stimmen, die die bindende Erklärung abgäben, gegen jedes Ausnahmegesetz zc. zu stimmen, ebenfalls, für die damalige Stichwahl, airßer kraft gesetzt worden ist, ohne daß vorher ein Parteitag befragt wurde. Wegen der Zuwiderhandlung gegen den St. Gallener Beschluß ist auf dem hallischen Parteitage Indemnität nachgesucht und auch ertheilt worden, weil der Aufruf des Zentral- Wahlkomitees der politischen Lage zur Zeit der Wahlen entsprochen hat. Der Form nach bestehe nun der St. Gallener Beschluß auch heute noch zu recht, er sei aber nur noch die Schattenexistenz einer außer Kurs gesetzten Größe. Bei der 1898« Wahl sei er nicht mehr erwähnt worden, wie man sich bei der kommenden Reichstagswahl seiner nicht mehr erinnern werde. Der Fall zeige, daß an der Nichtbefolgung eines Parteitags- Beschlusses eine Partei mit so robusten LebeuSsästen wie die unsere nicht zu gründe gehe. Darum sei es vollständig unangebracht, Zeter und Mordio über jene zu rufen, die jetzt schnelle und gründliche Erledigung der nothwendige» Revision des Hamburger Beschlusses wünschen. Die Zeit dränge, der Kampf sei nicht fern; unser« Partei brauche auch für die Landtagswahl einen klare» Feldzugsplan. Nach Ansicht Knnert's wäre es die beste Lösung, wenn etwa zu Ostern nächsten Jahres ein Parteitag zusammentritt; der im Herbst könnte dann aussallen. In de» beide»! Reichstags Wahlkreisen BrcSlau'S kandi dire» wieder die bisherigen Abgeordneten Dr. S ch o e n l a n k und Tutzauer, im Landkreise der Parteigenosse Schütz. Der„Brannschweiger VolkSfrcuud" bringt in Erinnerung� daß am 29. November 2S Jahre verflossen waren, seitdem die sozial� demokra lisch gesinnten Arbeiter der Stadt Brannschweig zum ersten Male auf den Plan traten.»in eine Vertretung in der S l a d t v e r o r d n e t e»- V e r s a in m l u n g zu bekommen. Wie stark sie bereits waren, läßt sich daran ermessen, daß sie so< fort bei ihreni Auftreten Erfolge erzielten. Es war das erste Mal. daß eS gelang, von den Wählern der dritte» Klasse einen so großen Prozentsatz mobil zu machen, daß man von einer Belheiligung des Volkes an dieser Wahl überhaupt sprechen konnte. Drei Männer schickten die Arbeiter damals in die Stadtvertretung, an ihrer Spitze unseren unvergeßlichen Wilhelm Bracke, dann den bürgerlich- demokratischen Kaufmann Eduard Steinau und den bürgerlich- oppositionellen Fabrikanten Albert Bock. Wenn die letzteren auch keine Vollsozialisten waren, so haben sie doch unter Bracke'S trefflicher Führung die Interessen der Arbeiterklasse stets wirksam vertreten. Im Sozialdemokratische» Verein z» Frankfurt a. M. er- suchte Reichstags-Abgeordneler Wilhelm Schmidt in einem Vortrag über die Militär- und Marinefordernngen die Parteigenossen um ihre Meinung über die Frage der Bewilligung der Geldmittel, die im Etat für die Beschaffung eines warmen Abendbrotes für die Truppen gefordert werden. Es sei das eine Forderung, für die wir unbeschadet unserer Gegnerschaft zu dem heutigen Wehr- stzstem stimmen könnten; um aber künftigen Streitigkeiten darüber vorzubeugen, wolle er die Ansichte» aller Parteigenossen hören. In der Diskussion waren, wie ans dem Bericht der„Volksstimme" zu ersehen, alle Redner der Meinung, daß unser- Fraktion für die Ein- führnng des warmen Abendbrotes eintreten soll. AuS Stuttgart. Die„Schwäbische Tagwacht" veröffentlicht folgende Zuschrift eines Parteigenossen:„Am Dienstag Abend kam ei» Fahnder(ein Polizist) zu dem hier wohnenden Lehrprinzipal meines Sohnes und erkundigte sich, ob der junge Mann— derselbe ist 19 Jahre alt— der sozialdemokratischen Partei angehöre, ob er öfters Versammlungen besucht und ob er Reden gehalten habe. Es werde von einer auswärtigen Polizei- behörde darüber Ausschluß verlangt. Der junge Mann ist zur Zeit in Magdeburg in Stellung. Bis jetzt hat der Junge sich überhaupt an nichts betheiligt. Dem Lehrprinzipal wurde noch streng anfgegeben. es ja nicht weiter zu sagen, daß die Polizei bei ihm Erkundigungen eingezogen habe." Dieser Fall— schreibt die„Schwab. Tagwacht"— zeigt wieder, daß sich die Stuttgarter Polizei in der Annahme preußischer Allüren keine Beschränkung mehr auferlegt. Polizeiliches, Gerichtliches it. — Ans O b e r s ch l e s i e n wird uns geschrieben: Die hiesigen Parteigenossen machen von dein eben erkämpften Versammlinigsrecht eifrig Gebrauch. Am Sonntag wurden in Pcrzmba zwei gut besuchte Versamnilnngen abgehalten, wo Dr. Winter in deutscher Sprache über„Die Herren des oberschlesischen Jndnstriebezirks" und einige Arbeiter(D y l o n g, Wons, T u s k e r und Marek) i» polnischer Sprache über de» Werth der Organisation u. a. sprachen. Ein Störenfried wurde an die Lnft gesetzt. GetvevltfchNftliriges. Berlin und ttmgebnng. Größere Kämpfe der Töpfer tvcge» der Fensterfrage sind in diesem Jahre nicht entstanden. In einer kürzlich statt- gehabten Verlranensmännerfltznng der Töpfer wurde festgestellt, daß, da der größte Theil der Arbeiter der Organisation noch fern stehe, von eineni allgemeinen Vorgehen abgesehen werden mußte. Im nächsten Jahre hofft man besser gerüstet zu sein. Zentralisation der Krankenkassen. Die am 23. November er. staltgefundene Generalversammlung der Orts- Krankenkasse der Klempner erklärte sich im Prinzip für eine Zentralisation, hält dieselbe aber nur dann für zweckmäßig, wenn sich sämmlliche Orts-, Fabriks- und Jnnungs-Krankenkassen der Zentralisation anschließen. Die Errichtung eines Gcwerbegerichts fiir Wilmersdorf wurde vor zwei Jahren mit der Begründung abgewiesen, es würde in kürzester Zeit die Errichtung eines Amtsgerichts in Angriff ge- nommeii werden; außerdem sei auch ein Bedürfniß für den Ort Wilmersdorf— der jetzt über 22 000 Einivohuer zählt— nicht vorhanden. Da nun in Wilmersdorf seit Jahren eine riesige Bau- thätigkeit herrscht und auch noch anf lange Zeit andauern wird, neben der regen Baulhäligkeit aber auch der liebe Bauschwindel mit seiner ostmals schweren Schädigung der beiheiligten Arbeiter wuchert, ersucht uns der Genosse Otto Nerre, Pfalzburger- Straße 67, Qnergeb. part., alle Arbeiter, welche innerhalb Dt.-Wilmersdorss«ine Schädigung infolge gewerblicher Thätigkeit erleiden, sich an seine Adresse zu wenden. Nerre will dieses als Beweismalerial für die Nothwendigkeit der Errichtung eines Gewerbegerichis dem Gemeindevorsland überweisen, ninsomehr als auch die Errichtung eines Zlintsgerichls am Orte bis heute nicht erfolgt ist. Deutsches Reich. Wie man die Arbeiter behandelt. Bekanntlich legten die Hafenarbeiter von Magdeburg im Maid.J. einmülhig die Arbeitnieder, iveil einer ihrer Berufskollegen von der Hasenbehörde gemaßregelt war. Der Ausstand wurde bald beigelegt, aber die Hafenbehörde verlangte von den Arbeitern, daß sie aus dem Verband der Hafenarbeiter austreten sollten. Dies lehnten mehrere Arbeiter ab und versuchten in andern Geschäften Stellung zu bekommen. Wie nunmehr berichtet wird, duldet die Hafenverwaltung keinen der seinerzeit im Streik und im Verbände gebliebenen Arbeiter auf dem Hasengelände. Den Unternehmern wird dies zu verstehen gegeben, mitunter wird es ihnen schriftlich oder auch mündlich mit« getheilt. Aber außer der Hafenverwallung arbeiten noch andere sehr einflußreiche Personen nach gleichem Ziele hin. Die Firma Carl Droz, Sand- und Kiesbaggerei und Speditionsgeschäft, Neustadt, will von hoher Stelle einen Brief erhalten haben, die den Arbeitgeber ersucht, fünf namentlich aufgeführte Arbeiter nicht anf dein Hafengeläude zu beschäftigen.(Wer diesen Brief absandte, ist noch nicht festgestellt.) Die Firma Droz hat ans dem Hafen ein Komptoir und ihr« Arbeiter müssen, um arbeite» zu können, das Hafengcbict betreten. Wird ihnen das letzlere verwehrt, dann müssen sie ihre Beschäftigung ausgeben.— Diese Verfolgung mißliebiger Arbeiter muß schon deshalb sehr entschieden verurthcilt werden, weil gerade von staatlichen Arbeitsstellen verlangt werde» darf, daß sie die Rechte der Arbeiter achten. Aber die Ge- pflogenheit der Bergbehörde im Saarrevier scheint auch bei der Hasenbchörde in Magdeburg anf fruchtbaren Boden gefallen zu sein. Nur über die Wirkung dieser Maßnahmen täuschen sich die Machthaber. Nicht gefügige Arbeiter werden sie sich erziehen, sondern die Verkümmerung ihrer Rechte wird in dem Arbeiterstand das Klassenbewußtsein heben. Der Streik in der Leipziger Schuhfabrik von B n r k h a r d t u. Sohn führte zu einer Verhandlung seitens deS Vorsitzenden des Gewerkschaftskartells. Die Firma gab zu, niedrige Löhne zu zahlen, trotzdem ivar aber eine Verständigung mit der Firma nicht zu er- zielen und dauert der Ausstand fort. Wegen Maßregelung deS Verbands-Bevollmächtigten haben die Holzarbeiter der Firma P a x in Schön lanke(Posen) die Arbeit eingestellt. Die Leipziger Buchdrucker haben in ihrer Berbandsversamm- lang die Erwerbung eines eigenen Aerbandshauses beschlossen. Das in Aussicht genommen« Grundstück hat«inen Werth von 143 000 M. und sollen 30 000 M. zur Anzahlung dienen. Der Verein wird, wenn nicht zinsfrei wohnen, so doch für geringen Zuschuß gute zweckentsprechende Räume zur Verfügung haben. Eine» recht giiustigcn Abschluß nahmen die Differenzen in der Gassabrik Stuttgart- Gaisbnrg. Die Arbeiter hatten an die Direktion das Ersuche» gestellt, ihnen bei zivölfstündiger Arbeitszeit auch den Lohn für zwölf statt wie bisher nur für zehn Stunden zu gewähre», anderenfalls sie einmülhig die Arbeit niederlegen>v, irden. Darauf wurde sämmtliche» Arbeitern. 68 an der Zahl, der Tage- lohn von 3,40 M. anf 4,20 M. erhöhl. Die Direktion würde kaum das anerkennensiverlhe Entgegenkommen gezeigt haben, wenn die Arbeiter nicht wie ein Mann zusammengestanden und für ihre For- derung eingetreten wäre». Achtung, Textilarbeiter! In Gautsch-Leipzig stehen sämmtliche Textilarbeiter und Arbeiterinnen seit Sonnabend wegen Maßregelung im Streik. Zuzug ist streng fernzuhalten. Wege» Maßregelung zweier Brauer befinden sich die Arbeiler in der Brauerei von H o l l m a n n in Bar m e n im Ausstand. In der letzten Sitzung hat das Gewerkschaftskartell den Boykott über die Brauerei verhängt. Achtung, Stciuarbcitcr! Die Firma Netfch in Selb (Oberfranlen) versuchte einen 20prozenligen Abzug von den schon sehr niedrigen Löhnen den Kollegen aufzuzwingen. Sämmtliche dort beschäftigte» Arbeiter sind organiflrt und legten am 29. Novbr. die Zlrbeit nieder, sodaß jetzt der Betrieb vollständig still liegt. Zu unterstützen sindg�l? ledige und 20 verheirathetc Kollegen mit 36 Kindern. Zuzug nach Selb soivie den Oberkirchner Sandstein- brächen ist streng fernzuhalten. I. A.: P. M i t s ch k e. Ausland. Die zwei deutsche» Grubenarbeiter, die, ivie gestern mit- getheilt, bei einem Zusammenstoß mit streikenden belgischen Arbeitern verwundet wurden, liegen einem Herold-Telegramm aus L ü t t i ch zufolge schwer darnieder. Ans St. Queuti»(Frankreich) wird gemeldet: Ein blutiger Streit fand am letzten Sonnabend zwischen belgischen und sranzösi- schen Arbeitern in der Zuckerfabrik von Seracourt statt. Ein Belgier wurde getödtet, ein anderer schwer verletzt. Tie AnSsichte» auf baldige Beendigung deS Kampfes der Maschinenbauer haben auf die Geldsammlnngen keinen ungünstigen Einfluß ausgeübt; die Gelder laufen ebenso reichlich �in, als vorher. Unter den 1000 Lstr., die am Freitag dem Hauptbureau der Maschinenbauer eingingen, befanden sich 6S0 Lstr. von der General- kommission der Gewerkschaften Deutschlands. Sozinlrs. Ei» nichts weniger als loyales Verfahre» hat auch die B ä ck e r i n n u u g in München eingeschlagen, um Material gegen die bekannte BnndeSralhs- Verordnung zu bekommen. In einem, vom Monat November 1897 datirten Zirkular ersucht die Vorstand- schaft der Innung die Bäckermeister, einen Fragebogen auszufüllen, und giebt, um ihnen„die Arbeit zu erleichtern", eine Reihe„Bei- spiele" von Beantwortungen, aus welchen hier einige wiedergegeben seien. Die Bäckermeister sollen schreiben: „Seit Einführung dieser Verordnung muß meine Magd viel mehr Arbeit leisten und ich ihren Lohn bedeutend erhöben, weil der Lehrling die Arbeit innerhalb der gesetzlichen Zeit nicht mehr vcr- richten kann. Seit Ei»führnng der Verordnung sind meine Gehilfen viel mehr im Wirthshanse als früher, weil dieselben bei mir keine Kost mehr erhalten. Jnsolge dessen kommen sie meistens erst z» Beginn der Arbeitszeit zu Hause und machen schlechte, gleichgiltige und nachlässige Arbeit, was meinem Geschäfte Schaden bringt' Durch diese Verordnung habe ich einen größeren Wechsel unter meinen Gehilse» zu verzeichnen wie früher, weil ihr ganzes Trachten nur dahin geht, schnellstens fertig zu sein; sie denken nicht mehr bei der Arbeit, erwerben sich demnach auch keine richtigen Keuntniffe mehr und werden schlechte Ärbeiter, was wiederum der Meister büßen und empfinden muß."„„, Den Bäckermeistern wird noch die tröstliche Versicherung ab- gegeben:„Sie haben durch diese Beantivortung nicht im geringsten etwas zu befürchten, da die Namen nicht genannt und nicht ver- öffenllicht werden." Es versteht sich von selbst, daß eine unter solchen Umständen vorgenommene Enquete nicht den geringsten Werth hat. TaS deutsche Zentralkomitee zur Errichtung von Heil» stätten fiir Lungenkranke hält am 13. Dezember in Berlin»in Bundesrathssaal seine diesjährige Generalversammluiig ab. Wiege- meldet wird, stehen gegenwärtig 10 eigentliche Volkshellstätten für die Aufnahme von Lungenkranken bereit; etwa die doppelte Anzahl ist im Bau begriffen oder geplant. Ans D a v o s in der Schweiz wird berichtet, daß dort auf An- regnng von ehemaligen Kurgästen für deutsche minder bemittelte, jedoch nicht arme Lungenkranke aus allen Klassen der Bevölkerung eine geschlossene Heilanstalt errichtet werden soll. Die Knrkosten in Davos sind so hoch, daß viele mäßig bemittelte Kranke ihr Geld zu- setzen, ohne so lange dort bleiben zu können, bis sie geheilt sind. Durch Ailfnahmt in die Anstalt soll den Kranken ein Theil der Kur- kosten erspart werden; der Pensionspreis soll pro Tag höchstens 3 M. betragen. Ein Komitee, an dessen Spitze der kaiserliche Ge- sandte in Bern, Graf T a t t e n b a ch, steht, hat in den Zeitungen einen Ausruf zu Geldsammlnngen für die Anstalt erlassen. Kiankcnkasscnwcsrii. Der Krankenkasse für Frauen und Jung- srauen zu Wiesbaden(E. H), der Krankenkasse„Vulkan"(E. H.) zu Stettin, dem Kranren-Unterflütznngsverein für Niendorf, genannt „Eintracht"(E. H), der Meigener Kranken- und Sterbekaffe(E. H.), der St. Josephs-Krankenkasse(E. H.) in Gelsenkirchen, der Kranken- lasse der Schiffbauer zu Henbude(E. H.) und der Allgemeinen Kranken- und S>«bekaffe der Kammmacher, Drechsler und Berufs- genossen zu Naumburg a. S.(E. H.) ist vom preußischen Handels- Ministerium die Bescheinigung erlheilt worden, daß sie, vorbehaltlich der Höhe des Krankengeldes, den Nnfordernngen des Z 7ö des Krankenversicheruiigs-Gesetzes genügen. Vrnnmun«tles. Der AnSschnß der Stadtvcrordncten-Vcrsammlnng zur Vorderathniig der Magistralsvorlage wegen Errichtung von V o l k s- B a d e-?l n st a l t e n im Südwesten und im Süden der Stadt soivie in der Schönhauser V o r st a d t hat sich am Montag unter Vorsitz des Stadtverordneten Kalisch so- wie im Beisein des Stadlbanraths Hoffmann und des Stadlraths Wagner mit der Angelegenheit beschäftigt und beschlossen, der Stadt- verordneten-Versannillnng die Annahnie der vorgelegten speziellen Entwürfe zum Neubau einer Volks- Bade- Anstalt»nd eines Wohnhauses ans dem Grundstücke Dennewitzstraße 24a zum veranschlagten Ltostenpreise von 762 000 Mark und einer Bolls- Badeanstalt in der Bärwaldstraße, deren Kosten von 709 000 M. auf 694 000 M. ermäßigt worden sind, zu empfehlen. Ferner hat der Ausschuß den vorläufigen Entwurf zum Neubau einer Volks- Badeanstalt an der Oderbergerstr. S7/S9, in welcher auch die Dienst- wohnungen für den Rektor und den Schnldiener der auf dem Grund- stücke zu erbauenden Gemeindeschule vorgesehen sind, genehmigt und beschlossen, diesen Entwurf, der nach dem vorgelegten Ueberschlage 739 180 M. Kosten erfordern wird, der Versammlung zur Annahme zu empfehlen. Bemerkt wird, daß in sämmtlichen drei Anstalten Schwimmbassins vorgesehen sind. Uolmles. Berlin als Jildnstric-, Handels- und VerkehrSstadt. Ueber ein Elftel der gesainmten gewerblich thätigen Bevölkerung des preußischen Staates ist in der einen Stadt Berlin zusammengedrängt, und dieser Vrnchthcil würde noch größer sein, wenn nicht wegen der thenren Preise von Grund und Boden fort und fort größere Gewerbe« betriebe aus der Hauptstadt in die Vororte übersiedelten. In welche»» Umfange die einzelnen Gewerbegruppen an der gewerblichen Thälig- keit Berlins beiheiligt waren, geht ans nachstehender Uebersicht hervor. Es wurden gezählt: in den Gewerbegruppen Hauptbetriebe «.) der eigentliche» Gewerbe: gewerblich thätige Personen Im ganze» also im eigent- lichen Handels- u. Ver- kehrsgewerbe: 132 357 150178 358 986 545 598 Die Verdrängniig der Kleinindustrie zeigt sich»amentlich in der Industrie der Steine und Erden, wo die Zahl der Betriebe in 13 Jahren von 537 auf 48S gesunken ist, trotzdem die Zahl der Ar- beiter eine beträchtliche Steigerung erfahren hat. Noch mehr tritt die Neigung zur großkapitalistischen Betriebsform in der Textil- indiistrie hervor, in der mit den kleinen Betrieben geradezu mörderisch aufgeräumt worden ist. Ihre Zahl ist in der verhältniß- mäßig kurzen Zeit nm ungesähr 80 pCt. zurückgegangen. Wenn anch die Zahl der Arbeiter hier abgeiiommen hat, so liegt dies an der gerade in dieser Industrie wenigstens in größeren Betrieben od- waltenden Neigung, sich in den Vororten niederzulassen. Auch daS Bekleidiings- und Reinigungsgeiverbe weist in den Betrieben einen wesentlichen Rückgang anf. Alles in allem lehrt auch diese Ver- öffentlichung wieder, daß die soziale Entwickelung energisch d-n geht, der zu immer deutlicherer Entsaltnng der groß- knpitnlistischcn>»id von dieser unvermeidlich zur sozialistischen Produklionsiveise führt. Wohunnaöwncher. Der wirthschaftliche Grundsatz, daß durch Nngebot und Nachfrage die Preisbildung bedingt wird, hat wohl seilen so zahlreiche AuS» ahmen erfahren, wie gegenwärtig bei der Entivickelnng der Wobnungs- und Mieihsverhältnisse im Westen von Berlin und in Charlottenburg. Durch ganze Slraßenzüge sieht man leere Fenster und zwar sowohl in den vornehmen Häusern der Gegend beim Zoologischen Garten, wie in den großen Familien- Häusern im südlichen Charlottenburg. In den Querstraße», die sich 'von der Thiergartenstraße nach der Königin Älugusta- Straße hin- ziehen, haben jahrelang große Wohnungen leer gestanden. Die Haus- besitzer haben sich jetzt cntschlosse», die Micthspreise zu ermäßigen; sofort beginnt gegen sie ein lebhafler Kampf von seilen derjenigen Hansbesitzer, welche durchaus die hohen Mielhe» halteir wollen. Diese behaupten, daß nur in den Hänsern die Mielhe» heruntergesetzt seien, wo es den alten Wohnungen an Bequemlichkcils- Ein- richtungen fehle. Man hofft damit vom Miethen billiger Wohnungen abschrecken zu können. Bedenklicher sind die Mittel, zu denen einige Hausverwalter in Charlottenburg ihre Zuflucht nehmen. Sie schließen Miethsvertrage auf drei Monat gewöhnlich unter dem Bor- geben, daß ein Kontrakt auf längere Dauer von dem Direktorium der Bank unterzeichnet werden müsse und dessen Abschluß nnnöthige Berzögeruuge» herbeiführen würde, da ja doch an eine Kündigung auch bei nur vierteljährlicher Dauer nicht zu denken sei. Da der Miethspreis bei der ersten Verabredung sehr mäßig ist, so gehen die Mielhcr auf den Vorschlag ei», um dann sofort nach dem Ein- zng in die»eile Wohnung— manchmal auch schon früher— ge< kündigt und gesteigert zu werden. In einem speziellen Falle hat jetzt ein Gerichtsbeamter gegen den Hausverwalter eine Anzeige wegen Betruges erstattet, iveil dieser durch falsche Vorspiegelungen den Beamten zum Kontraktsabschluß bewogen haben soll. Auch uiit diesen Manövern ist bisher die Vermiethung der massenhaft leer- stehenden Wöhningen nicht gelungen. Miclher, die mit solchen Hausverwallern Kontrakte schließen, mögeil vorsichtig sein. Eil«»euer Eiscnbahnnufall. Ein Eisenbahnunsall hat sich gestern früh in der siebenten Slimde bei S p a n d a n zugetragen, wobei eine Auzahl Personen verletzt worden sind. Man berichtet darüber: Ans der Lehrter Bah», zwischen Dalgow und Spandau, ist heute früh 6 Uhr gl) Minuten der Eilgüterzug 801 auf den Per- soncnzilg 29 aufgefahren, von dem zivei Wagen vierter Klasse zertrümmert wurden. Der von Köln kommende Personenzug beförderte in den beiden letzten Wagen vierter Klasse zahlreiche polnische Landarbeiter, ganze Familien, die aus den» Westen in ihre Hcimath zurückkehrten. Er mußtc an der Signal- station vor Spandan halten,>veil das Einfahrtssignal für den Spandauer Bahnhof noch nicht aufgezogen war. Nach zehn Minuten setzte er sich wieder in Vewegung. Er war aber kaum hundert Meter gefahren, als der ihm auf demselben Geleise folgende Eilgnterzug auf ihn einfuhr. Ein gewaltiges Stoßen und Krachen erfolgte, und dann war einen Augenblick alles still. Ein Fahrgast, der schon zweimal Eisenbahniinfälle mitgemacht hatte, der Pferdehändler Oito Liosin aus Rathenow, der mit einem Brauereireisendcn in einem Abtheil des Personenzuges saß, schildert die Szene als geradezu schrecklich. In dem Halbdunkel, das um K>/s Uhr. zur Zeit des Zusammeusloßes, noch herrschte, konnte man nichts deutlich sehen und unterscheiden. Ein herzzerreißendes Schreien, Jammern und Wehklagen erfüllte plötzlich die Lust. Unheimlich zischte der Dampf der Lokomotive in das Geschrei von Männern, Weibern und Kindern hinein. Auch die Fahrgäste in den unversehrt gebliebenen Wagen waren aufs tiefste erschreckt. Allmälig klärte sich die Lage, und man erkannte, was geschehen«var. Die Lokomotive des Eilgüterzuges halte sich auf den letzten Wagen vierter Klasse des Personenzuges hinausgeschoben und drückte ihn ein. Während der letzte init der Maschine auf dem Geleise stehen blieb, wurde der zweite Wagen zertrümmert von den Schienen geworfen. Der Tender des Eilgüterznges schob sich auf seine Maschine. Das unversehrt gebliebene Zugpersonal und die unverletzten Fahrgäste machten sich sofort daran, die Verwundeten aus den Trümmern der beiden zerstörten Wage» hervorzuziehen, »vas die Dunkelheit sehr erschwerte. Von Spandau schaffte man Tragbahren heran. Auf diese legte man die am schwersten Ver- letzten und brachte sie dann in de» unbeschädigt gebliebeneu Wagen- abtheilen unter. Da ein Arzt nicht sogleich zur Stelle war, mußten die Eisenbahnbeamte» und die Fahrgäste das Verbinden besorgen, so gut es ging. Nach einer Stunde ging der Zug mit den Ver- wundeten nach Berlin weiter, lieber die'Ursache des Zusammen- stoßes ist Bestimmtes hier noch nicht bekannt. Einige der Verletzte», die alle nicht schwer verwundet sei» sollen, sind hier in Kranken- Häusern untergebracht ivorden. Es sind fünf Frauen und vier Männer. Die Bahnstrecke war gesperrt. Amtlich wird der Vorfall wie folgt geschildert: Heute Dienstag früh gegen 7 Uhr fuhr ein Eilgüterzug auf eine» vor dein Güterbahnhof Spandau haltenden Personenzug auf. Beide Züge kamen aus der Richtung von Hannover. Die Ursache des Auffahreus ist amtlich»och nicht erinittclt worden; festgestellt ist, daß die beiden letzten Wagen IV. Klasse des Personenzuges, der vor der Station hielt, stark beschädigt, und daß mehrere der Insasse» verletzt wurden. Es sind, so weit bis jetzt ermittelt, siebzehn Personen verletzt; neun von diesen wurden in das Moabiter Krankenhaus gebracht, doch sind deren Verletzungen nur leichterer Natur; die übrigen acht reisen noch heute in ihre Heiinath weiter. Der Betrieb war auf beiden Geleisen Sparidau— Stendal bis gegen Mittag gestört. Ei» Berichterstatter meldet noch über die Entstehung des U»> glucks: Der Lokoniotivführer des letzten Zuges, der im ersten Augen- blick den vor ihm hallenden Personenzug nicht gewahrte, glaubte. daß das plötzliche Erscheinen des Einfahrtssignals ihm gelte, und so fuhr er mit Volldampf weiter. Erst im letzten Moment bemerkte er den Personenzug und gab nunmehr Kontred-nnpf; leider zersprang dabei das Siederohr, so daß er den Zug nicht zum Stehen bringen konnte. Die Zlchsen des ersten Wagens schoben sich unter die Maschine des Güterzuges. Auch der zweite Wagen wurde demolirt. In den Wagen, beide 4. Klasse, befanden sich ca. 89 Personen. Es »vare» dies durchweg sogenannte Sachsengänger, d. h. Arbeiter, «velche auf Znckerfeldern bei Magdeburg im Herbst beschäftigt «verden und die sich jetzt aiif der Rücksahrl nach der Heiinath in Ostpreußen befanden. Trotz des furchtbaren Zusainmenstoßes sind glücklicherweise Todte nicht zu konstatireu, dagegen sind zwei Per- sone» sehr schiver und etwa 4V leicht verletzt. Die beiden Schwer- verletzten, eine Frau aus Könitz sowie deren sechsjährige Tochter, «viirden nach Berlin befördert und hier i» der Charitee untergebracht. Der Frau sind beide Füße zermalmt. „Die Brauerei Julius Bötzotv ist aus dem Verein der Brauereien Berlins und Umgegend ausgetreten und daher sinden Stellenvermittelungen nach dieser Brauerei durch den Arbeits- Nachweis nicht mehr statt."(Diese Bekanntmachung ist. unterzeichnet vom Vorsitzenden des Vorstandes des Brauereiringes, Herrn Happoldt, durch Aushang im Arbeitsnachweislokal den Arbeitsuchenden bekannt gegeben.)— Die Gründe für den Austritt verschließen sich unserer Kennlniß; sie. mögen in etwaigen Differenzen der Brauereien unter einander in bezug aus den Flaschen- bierhandel, oder in der Zahlung der vereinbarten Unterstützungs- beitrüge für die durch den Boykott hervorgerufenen Schäden oder aber auf dem Gebiete des Arbeitsnachweises resp. der Arbeits- vermittelung liegen. Der„Herold", jenes Zeitungsnnternehme», das die Platten- zeitungen ins Leben rief, ist der„Deutschen Tageszlg." zufolge in den Besitz der Berlagsgesellschaft„N a t i o n a l z e i t u n g" übergegangen. Die dritte Million hat der Sammelfonds des Zentralkomitees für die durch Uiuvettcr Geschädigten Deutschlands am letzten Sonn- abend überschritten. Am Montag erreichte der Ueberschnß über diese beträchtliche Summe schon wieder den Betrag von 2873 M. Da der geschäftssührende Ausschuß bisher im ganzen 2 487 299 M. aus die Noihstandsdistrilte verthnlt hat, so stehe» jetzt noch SIS Lö4 Mar! zur Bersügung. Drei Matrose» vom„Hoheuzollcrn", die als Volontäre bei der Berliner Feuerwehr ausgebildet wurden, erhielten Dienstag Mittag telegraphische» Befehl, sich unverzüglich an Bord ihres Schiffes zu begeben. Tie Berliner Maschineubau-Aktiengescllschaft Schwartzkopff plant, einem hiesigen Blatte zufolge, eine Erweiterung ihrer Betriebs- stätten. Da dies«vegen der beschränkten Ranmverhältnisse in Berlin nicht möglich ist, sollen neue Fabrikanlagen außerhalb, und zwar bei Königswusterhausen errichtet werden,«vo zu diesem Zweck ein an der Dahme und gleichzeitig an Eisenbahn und Chaussee belegenes 299 Morgen großes Gelände gekauft ivorden ist. Zur Blntthat i» der Mäckernstraffe. Bei seinen Ver- nehmungen hält Kleemann die Behauptung aufrecht, daß er nicht die Absicht hatte, das Mädchen zu tödten; er hätte mit demselben ein Zusammentreffen gesucht, um sich mit ihm zu einigen und ibin den zurückgeschickten Verlobungsring«vieder auszuhändigen. Allem An- schein nach hat K. der sich sträubenden Wiese den Ring gewaltsam ans den Finger gezogen— denn bei der Leiche«vurde dieser that- sächlich vorgefunden—, und als das Mädchen sich trotzdem noch weigerte, sich mit K.«vieder zu vertragen, hat er ihm dann den Stich mit seinem Taschenmesser beigebracht. Arbcitcrrisiko. Bei dem Gerüstbau, der zur Zeit vom Zimmer- meister Seidel- Charlottenburg am Spiltelmarkt aufgeführt ivird, wurde gestern Vormittag der Zimmerer Fritz Otto ans der Wicles- straße vo» einem herabstürzenden Balken so unglücklich getroffen, daß er auf der Stelle eine Leiche«var. Otto hinterläßt eine Frau und zwei Kinder im Alter von sieben und vier Jahren. Die Leiche wurde nach dem Schauhause geschafft. Ans der Stadtbahn trat Montag Abend eine Verkehrsstockung ein. Ursache«var ein um sieben Nhr zwischen den Stationen Lehrter Bahnhof und Bellevne ans dem südlichen Geleise entstandener Schienenbruch. Um acht Uhr«var die Störung beseitigt. Laudstraffenelend. Zwei vor Frost erstarrte Handwerks- burschen sind am Sonnabend voriger Woche in das Krankenhaus an« Urban eingeliefert ivorden.. Die beiden«vurden am frühen Morgen vom Kutscher des Geschäfls-Fnhrwerkes einer Köpenicker Waschanstalt neben der Chaussee beim Eierhäuschen bemerkt,«vo sie ans einer Ackerfläche lagerten. Sie scheinen bei dem Schneefall vom Wege abgekommen zu sein. Während der eine noch Lebenszeichen von sich gab,«var der andere, ein noch junger Mensch von ach'zehn Jahre», bis zur Einliefernng ins Krankenhaus völlig regungslos. Zivei Knaben im Alter von II und 13 Jahren sind in der Königstraße in dem Augenblick ertappt«vordcn, als sie niit einem Nachschlüssel den Geldkasten eines Automaten öffnen wollten. Die in der Linicnstrnße«vohnenden Eltern hatten von dem Treiben ihrer Kinder keine Ahnung. Diebesgut. Einem am 23. November zur Haft gebrachten Embrecher sind folgende Gegenstände, die ohne Zweifel gestohlen sind, abgenommen ivorden: Silberne Hcrren-Nemontoiruhr mit Gold- rändern auf 19 Steine» gehend, Nr. 99 564, Glas über dem Sekunden- zeiger zersprungen— goldene Herrendoublekette— dunkler blauer Winterüberzicher, glatt mit schwarzen Knöpfen, Sammelkragen mit Kettchen als Zlufhänger, graublaues Futter mit blau und gelben Streifen— braungeripptes Jacket mit Westes— mit schwarzer Borsie eingefaßt— zwei Pfandscheine über zwei goldene Ringe. Rekognoszenten«vollen sich in den Vormittagsstunden zivischen 9 bis 1 Nhr im Polizcipräsidiuin, Zimmer 329, zweiter Stock, melden. Fcnerbcricht. Montag Abend 19>/e Uhr brannte Peters- b n r g e r st r. 2 ein Bauzaun. Dienstag früh 9 Nhr erfolgte gleich- zeitig Alarm nach S t e t t i n er st r. S6g.,«vo eine Partie Brenn- holz in der Küche in Flammen aufging, und»ach Grimm st r. 34, «vo im Keller eine Kiste Feuer gefangen halte. Um 3>/s Uhr«vurde die Wehr»ach B u t t m a» n st r. 3 gerufen. Hier brannte ein Kolonialivaarenladen fast gänzlich aus. Nu, SUhr entstand Loth- r i n g e r st r. 48 im Seitenflügel ein Dachstuhlbrand, der durch zivei Rohre gelöscht, vurde und die Wehr über eine Stunde in Anspruch nahm. Kurz»ach 8 Uhr ging K l o st e r st r. 8S in einer Schlafstube ein Posten Kleidungsstücke in Flammen auf. Orgelkonzert. Der unter Mitwirkung von Fräulein Marianne Beaulieu, Fräulein Erna Göritz, Hern« P. Treff, Cellist, und Herrn Rob. Schlviessel- mann Mittlvoch, den I. Dezeuiber, mittags 12 Uhr, in der Marienkirche bei freiem Entrce stattfindende Orgclvortrag des Musikdirektors Dienel bietet AdveutS- und Weihnachts-Kompositionen. Sl«is dci« Nnchbarorten. DaS Resultat der Stichuiahlc» in Schöncbcrg stellt sich«vie folgt: 3. Bezirk. Köster(Soz.) 119 Stinnnen, Waßniannsdors(Bürgerp.) 143 Stinnnen. Geiväblt: Waßmannsdorf. 5. Bezirk. Masuch (Soz.) 117 Stinnnen, Reimann(Unabh.) 196 Stimmen. Gewählt: Masuch(Soz.). 9. Bezirk. Hoffniann(Soz.) 113 Stimme». Richter (Unabh.) 218 Stimmen. Geivählt: Richter(Unabh.). 14. Bezirk. Schubert(Soz.) 113 Stimmen, Richter(Unabh.) 192 Stiniiilen. Geivählt: siiichter(Unabh.). 15. Bezirk. Meiling(Soz.) 119 Stimme», Finke(Bürgerp.) 148 Stiminen. Geivählt: Finke. Da ein Parteigenosse bereils in den Hauptivahlen geivählt ivorden ist, werden in der neuen Stadlvertretung von Schöneberg zwei Sozial- demokrate» sitzen. Professor Monilnfen ist zum Ehrenbürger vo» Charlottenburg ernannt ivorden. In Schöneberg soll das Institut der Nachtwächter am 1. April aufgehoben werde». Der Dienst dieser Beamten, deren der Vorort 15 unterhält, ivird fortan«vie i» Berlin durch Schutzleute versehen. Die Nachtivächter sollen von den Hausbesitzern als Privat- wächter angestellt werden. Schwer geladen. Die„Berk. Ztg." meldet: Grobe Aus- schrcituugen beging Montag fruhinorgens ei» Unteroffizier des III. Brandenburgischen Train-Bataillons in Spandau, der seinen Urlaub überschritten hatte und sich in einem«tivas zweifel- hasten Zustande noch auf der Straße befand. Er begegnete einer Auzahl Arbeiter der Militäriverkstätten, denen er ohne jede Ver- anlassung mit gezogenem Säbel zu Leibe ging, ausrufend: und iven» es 29 Mann iväre», so«vürde er sich nicht fürchten. Ein paar handfeste Männer übenvältiglen ihn aber mit leichter Mühe, und später wurde der Unterossizier vo» der Polizei seinem Truppen- theil übergebe»._ -Beif witfl. einen tragischen Berlanf hat die Geschichte einer Doppelehe genommen,«velche die erste Straskammer am Landgericht II bc- schästigte. Auf der Anklagebank faß die geschiedene Gattin des Mafchinenfabrikaute» Otto Rudolph N i t s ch, Emilie geb. Grün, aus Charlottenburg. Der Anklage lag ein hochinteressanter That- bestand z» gründe. Nitsch ivanderte als junger Mann nach Amerika aus und ließ sich in New-Iork nieder. Dort hatte er ein Ver- hältniß mit einem jungen Mädchen namens Marie Ribbeq» anzuknüpfen versucht,«var aber zunächst abgewiesen ivorden. Uiii zu seinem Ziele zu gelange», ging er eine der in Amerika gebräuchlichen Ehen ein, d. h. er begab sich auf den Rath feiner Freunde mit der Braut zu dem Prediger seiner Gemeinde, einem früheren Tischler Namens Tölcke, und erklärte seinen Entschluß, zu heirathcn. Als die Braut auf Befrage» des Predigers denselben Willen kundgab, erklärte der Prediger:„Nun, so spreche ich Euch zusannnen, Ihr seid jetzt Mann und Frau!" Diese Eheschließung fand am 18. Mai 1395 statt. Die Ehe ivar eine glückliche und kinderreiche. Bor einer Reihe von Jahren kehrte Nitsch, der in Amerika bereits ein Vermögen erworben, nach Berlin zurück und brachte seine ganze Familie»>it. Er begründete i» der Köniagrätzerstr. eine neue Fabrik und vergrößerte sein Vermögen. Als aber seine Fran alt geworden und die Kinder sämmtlich gut versorgt waren, da fühlte sich der 65jährige Mann bewogen, noch einmal ein junges Mädchen zu Heirathen. Er halte sich in Emilie Grün verliebt und führte diese zum Altar,«vobei er angab, noch niemals verheirathet gewesen zu sein. Seine erste Gattin war über diesen Schritt empört und stellte Strafantrag. Nitsch wurde wegen Bigamie angeklagt und feine zweite Frau wurde beschuldigt, in die Eheschließung gewilligt zu haben, obwohl sie wußte, daß die frühere Ehe des Nitsch noch zu Recht bestand. Die Sache sollte zunächst beim Landgericht in Graudenz verhandelt«verden,«vcil die zweite Ehe in der Nähe von Graudenz geschlossen worden ist, schließlich ist aber die Sache nach hier überwiesen ivorden. In einein frühere» Termins befchinuhte Nitsch sich durch die Behauptung, daß er niemals ernst- llch die Absicht gehabt habe, seine erste Frau zu heiralhen. Die Eheschließung in New-Zork sei nur eine Komödie gewesen, die er zu dem Ziveck i» Szene gesetzt habe,»m das junge Mädchen zu bewegen, mit ihm zusammen zu lebe». Er sei stets nur der Ansicht gewefe», daß er im Konkubinat lebe, und ivenn er fast 39 Jahre lang ausgehallen habe, so sei dies nur der Kinder halber geschehen, die er erst versorgt«vissen wollte, bevor er eine neue Ehe einging. Er habe auch einen hiesigen Rechtsanwalt beauftragt, seine in Amerika geschlossene Ehe gesetzlich aufzulösen, habe aber von diesen, den Bescheid erhalten, daß die Ehe überhaupt nicht rechtsgiltig, eine Scheidung daher unmöglich sei. Darauf habe er erst einen neuen Ehebund geschlossen. Der Bertheidiger der An- geklagte» berief sich in der frühereu Verhandlung auf eine Auskunst des obersten Anwalts im Staats New-Uork, wonach die Ehe- schließung in Amerika durch das Gesetz vom 1. Juli 1353 bis ins Detail geregelt sei. Er selbst habe sich durch das Studium des Gesetzes überzeugt, daß zur rechlsgilligen Eheschließung im Siaate Neiv-Iork zuerst gehöre„ein wirklicher mit Vokation der Kirchen- behörde versehener Geistlicher", vor welchem der erste Ab- schnitt der Ehe geschloffen wird. I» diesem Orte nn'iflen die persönliche» Berhällnifse der Ehcschließenden genau festgestellt und in ein Kirchenbuch eingetragen iverde». Im Anschluß an diesen Alt und spätestens innerhalb sechs Monaten hat die Eintragung in das Standesregister zii erfolgen, entweder auf Antrag der Ehe- schließenden oder ans Bericht des Geistliche». Auf grund der Ein- tragimg in das Standesregister hat die Eintragung in das Heirath?« registcr des Staates zu erfolgen.„Nur eine Ehe, die in dieser „Feierlichkeit und Förmlichkeit" geschlossen ist, be- gründet strafrechtlichen Schutz im Falle biganiischer Eingriffe." Nebe» der gesetzlichen Eheschließung gebe es zwar in Amerika eine andere Art der Eheschließung, die ohne alle Förmlichkeiteu durch einen beliebigen Geistlichen einer beliebigen Gemeinde ge- schloffen«verd-, aber derartige Ehen«vürden nur geduldet. Sie genießen nur privatrechtlichen, aber keinen strafrechl- liche» Schutz. Der betreffende Geistliche habe überhaupt kein Recht gehabt, Ehe» zu schließen und rechtsgiltige Eintragungen zu machen. Bezüglich aller der vom Bertheidiger angeregten Punkte beschloß der Gerichtshof Beweis zu erheben und zu diesem Zivecke einen»eile» Termin anzusetzen. Inzwischen hat sich Nitsch— um eine» Stein des'Anstoßes aus deni Wege zu räumen— von seiner zweiten Fran scheiden lassen, auf grund angeblicher„nnüberwind- licher Abneigung", um sich»ach dem Ausgange des Prozeffes von neuem mit ihr zu verheirathen. Er hat das Ende des Prozesses nicht erlebt, am 9. Oktober ist er gestorben und so erschien seine geschiedene Gattin in tiefer Trauer allein aus der Anklagebank, während seine verlassene Gattin ebenfalls in tiefer Trauer als Zeugin anivesend war. Den« Gerichtshofe lag gestern ein Zeugniß des Pastors W e g n e r i» Nero-Poil vor, durch welches beurkundet ivurdc, daß die Ehe im Jahre 1865 rechtsgiltig geschlossen und auch in das Kirchenbuch eingetragen sei. Dieses Zertifikat erschien den» Gerichtshofe aber weniger beweiskräftig, wie das im Original vor- liegende Nciv-Iorkcr Gesetz über die Eheschließnng. deffen Inhalt sich genau deckt mit den früheren Anführungen des Verlheidigers. Der Gerichtshof sprach daher die Angeklagte frei, weil die in Amerika geschlossene Ehe r e ch l s u» g i l t i g sei, eine Doppelehe daher gar- nicht vorliege. Durch diesen Rechtsspruch ist die erste Frau Nitsch zur Konkubine gestempelt und ihre Kinder sind als„uneheliche" be- zeichnet. Ei» Führer der Anarchistenbetveguiig. der Schlosser Albert Weisheit, stand gestsrn vor der neunten Strafkammer des Land- gerichts I unter der Anklage der öffentlichen Beleidigung. Am 15. Juni d. I. fand in einem Lokale in der Alten Jakobstraß« eine LffenUiche Anarchistenversammlung statt,«velche von etwa 299 Per- sonen besllcht war. Der Angeklagte ergriff das Wort, um die Prozesse v. Tausch und Koscheuiaun zu glossire». Er be- uierkte, daß die politische Polizei die verwerflichsten Subjekte für ihre Zwecke benutze und wer bürge dafür, daß das Allentat,«velches dem Koschemann in die Schuhe geschoben«verde, nicht eine Ersindnng eines Polizeispitzels fei. die vielleicht mit Kenntniß„unseres Freundes, des Anarchistenvertilgers Kriminalkoininissars Bösel" ausgeführt«vurde? Wegen dieser Be- merkung wurde Anklage erhoben. Der Angeschuldigte bestritt, daß die stenographische Wiedergabe seiner Rede seitens des überwachenden Polizcibcainten einen Anspruch auf unbedingte Zuverlässigkeit machen könne. Er habe vielmehr gesagt:„Ob dies mit oder ohne Kenntniß »useres Freundes, des Anarchistenvertilgers Bösel geschehen ist, kann uns nicht interessiren." Eine beleidigende Absicht habe ihm ferngelegen und mau dürfe ihm schon so viel Klugheit zntraucn, daßer, derscho» zwei- mal»vegen Aufreizung bestraft sei und den AnieutHalt in« Gesängnisse kenne, nicht so offenbar seine Freiheit aufs Spiel sehen werde. Er habe nur ironisch sein«vollen, wie dies ja stets i» den Witzblättern selbst mit bezug ans hochstehende Beamte geschehe. Der Angeklagte gebrauchte alsdann eine Redewendlnig gegen Bösel, wobei der Vorsitzende den Angeklagte» mit dem Hinweiie unter- brach, daß er sich ja wiederum einer Beleidigung schuldig mache.— Da die Belastungszeugen dabei blieben, daß die Ae»ßer»ing so gelautet habe, wie in der Anklage angegeben sei, beantragte Slaalsanwalt Kanzoiv die Bestrafung des Angeklagten. Der dem Kriminalkommissar Bösel i» seiner Beamleneigenschasl gemachte Vorwurf sei ein außerordentlich schwerer und demenlsprechend müsse auch die Strafe sein. Er le- antrage gegen ihn eine Gesäiiguißstrase vo» 10 Monaten. Ter Gerichlshof erkannte nach diesem Antrage und sprach dem Beleidigten, Kriininalkominissar Bösel, auch die Publikalions- besugniß zu. Der Antrag des Staalsaiiivalls. den Vernrtheilten wegen Fluchtverdachts sofort in Hast zu nehmen, wurde abgelehnt. Ter streikende Amtöauwalt. Eine an Zwischenfällen reiche Schösfengerichls-Sitzung ist am 27. November in Köln abgehalten worden. Der„Franks. Ztg."«vird darüber berichtet: Vor dem hiesigen Schöffengericht hatte sich ein Fuhrlnecht zu verantworten, weil er angeblich ruhestörendeil Lärm erregt und zwei S cl> u h- leuten Widerstand geleistet haben soll. Während der Amts- anivall eine Gefängnißstrafe von vier Woche» beantragte, kam das Gericht zur k o st e n l o s e n Freisprechung, da sich die Bcanilcn nicht in rechtmäßiger Ausübung ihres Amtes besande» und der Widerstand berechtigt getvesen sei. Bei der Nrthcits- Verkündigung ließ der Amtsanwalt aus dem Zllschauerraum eine Person vorführen,«veil diese gelacht habe, und beantragte eine Ordnungsstrafe von drei Tagen Hast. Ei» anderer Herr n»S dem Zuschauerraum bezeugte indcß, daß der Be- treffende nicht gelacht,«vorauf das Gericht ihn aus dem Saal führen ließ. Nunmehr erklärte der Bertheidiger des Angeklagte», er verinuthe. daß«na» auch gegen ihn Strasantrag stellen ivolle, weil er den Ausdruck gebraucht„ n n i s o r m i r l e Angreifer". Es sei in dem Sinne, in dem er den Ausdruck gebraucht, keine Beleidigung entHalle». Er bitte, dies sestzustelle». Der Vorsitzende bat hieraus, nicht in dem erregten Tone fortfahren zu wollen,«vie das bisher geschehe» sei. Ter Bertheidiger erklärte:„Ich bitte festzustellen, daß ich durchaus ruhig gesprochen habe." Der Vorsitzende bemerkte, das könne er i h m nicht absprechen." Hierauf bittet der Ai»tsan»valt um Auskunst, ob die Zleußerung des Vorsitzenden sich auf seine Person beziehe. Der Vorsitzende bemerkte: Er habe im allgemeinen gesprochen;«ven» aber der Herr Amtsanivalt das auf sich beziehe, so könne er dies nicht hindern. Der A m t s a n w a l t erklärte alsbald, daß er nicht mehr in der Lage sei, weiter z» verhandeln, und verlieb den Saal. Der Vorsitzende sah sich genöthigt, die Sitjuufl auszuheben und die noch ausstehenden Sachen zu ver- tagen. Wer den Betrieb eines stebcndcn Gewerbes anfängt, muß nach 8 52 des Geiverbestener- Gesetzes der Gemeindebehörde des Orts, Ivo solches geschieht, vorher oder gleichzeitig darüber Anzeige critaltcii. Gegen diese Bestimmung sollte sich ein Herr Hahnen ver- gangen haben, der den Knochen- nnd Lumpenhandel seines Vaters im Angnst 1895 übernommen hatte, ohnedies der Gemeindebehörde seines Wohnortes anzuzeigen. Ter Händler wurde deshalb wegen Vergehens gegen die ZZ 52 u.70 des genannten Gesetzes angeklagt. Der Z 70 bedroht die Nichtbeachtung der Vorschrift im§ 52 mit einer Geldstrafe in Höhe des doppelten Betrages der einjährigen Steuer. Hahnen gab zu. daß er die Anmeldung bei der Gemeindebehörde unterlassen habe, erklärte sich dazu aber für berechtigt, da er de» Betrieb der Knochen- nnd Lumpcnhandlung ja nicht angefangen, sondern nur den schon längere Zeit bestehenden Betrieb seines Vaters übernommen habe. Im übrigen könne auch nur eine Strafe ans grnnd des 8 70 verhängt werden, wenn mit der Unterlassung der Anzeige bezweckt worden sein, die Gewerbe- stcuer zu hinterziehe». In seinem Falle sei indessen die Steuer ruhig forlgezahlt worden. Das Schöffengericht stellte dies thalsäch- lich fest und sprach den Angeklagten frei, die Strafkammer ver- urth eilte ihn jedoch ans die Berufung der SlaatSanwallschast zu einer Geldstrase von 192 M. Sie führte aus, das Schöffengericht � irre mit der Annahme, daß die Anzeige nur zu erstatten sei, wenn ein stehendes Gewerbe neu begründet werde, wovon noch keine Steuer gezahlt worden sei. Auch komme es nicht darauf an. daß die Steuer- gezahlt wurde. Der Älngellagte legte Revision ein und machte neben seinen früheren Einwänden noch geltend, daß er die Neberuahme des väterlichen Geschäfts zum Handelsregister an- gemeldet habe und daß dies doch vollkommen genüge. Der Slrasfenat des K a m m e r g e r i ch t 3 wies die Revision mit folgender Begründung zurück:§Z 52 uud 70 des Gewerbesteuer-Gesetzes seien mit recht angewandt worden. Beim Wechsel des Inhabers eines bestehenden Geschäfts sei der Ein- tritt des neuen Geschäftsinhabers dem Beginn eines stehenden Gewerbes im Sinne des ß 52 g l e i ch z n er a ch t en. Der Zweck der in betracht kommenden Gesetzesbestimmung sei, der Steuerbehörde von der Person des jeweiligen Steuerzahlers Kenntniß zu verschaffen. Und§ 70 spreche nicht von der hinlerzogenen, sondern von der einjährigen Steuer. Ob die Steuer sortgezahlt wurde, sei darum gleichgiltig. Joachim Gehlscn, der NeichSglöckner, stand vor«inigen Tagen vor der vierten Strafkammer des Landgerichts II. Wegen Beleidigung des Rechtsanwalls Dr. Paul Krause, des Vizepräsideuten des Abgeordnetenhauses, war Gehlsen vom Charlottenburger Schöffen- gerichl zu 100 M. Geldbuße eventuell 10 Tagen Gefänguiß ver- urtheilt worden. Die Nr. 20 der„Reichs-Glocke" vom April dieses Jahres brachte aus der Feder des Beschuldigten einen Artikel, in dem im Anschluß an die Affäre der Brandl'sche» Millionen-Erbschasl eine Handlung des Anwalts als gemeiner Advokatenkuiff bezeichnet war. Im neuen Termin stellte der Staatsanwalt Vertagung an- heim, um über die vom Angeklagten behauptete Wahrnehmung be- rcchligler Interessen weitere Erhebungen stallfinden z» lassen. Der Gerichtshof kam aber zu einer Verurtheilung. doch ermäßigte er die Geldstrafe auf 30 M.; auch wurde die Hälfte der Gerichtskosten der Staatskasse auferlegt. Milde Bestrafung von NohheitSbergehen. Der Lehrer August Kraft in Dorstfeld halte ohne ertlärliche Ursache von seinem Fensler aus in trunkenem Zustande einem Bergmann ins Bein geschossen, so daß der Verletzte sieben Wochen arbeitsunfähig war. Diese rohe, durch nichts gerechtfertigte That wurde von der Strafkammer Dortmund mit der milden Strafe von 300 M. gesühnt._ ffmumltt uflem (Sine öffentliche Volks- Versammlnng für Maricndorf, Tcmpclhof und Marienfclde tagte am Sonntag, den 28. d. M. im Lokale des Herrn Teutschbein in Marienfelde. Frau Greifen» berg reserirte über:„Die rechtliche Stellung der Frau in unserer heutigen Gesellschaft." Der Vortrag wurde mit großem B-ifall aufgenommen. An der Diskussion betheiligten sich I e z i o r s k t, Müller nnd Thiel. Nachdem wurde die Wahl der Delegirlen zur bevorstehenden Kreiskonferenz vorgenommen. Gewählt wurden für Mariendorf: S e n g« r, T h a l h e i m uud Otto; für Tempelhof: M. M ü l l c r, T h i e l und Heinrich; für Marien- selbe: Trebns, Gräulig und Stein. Ju Schöncberg tagte am 29. November in der Schloßbranerei eine Volksversammlung, die sich mit de» bevorstehenden Stadlverordneten-Stichivahlen beschäftigte. Genosse Singer»ahm Gelegenheit, nochmals in letzter Stunde die Wähler der III.?lb- lheilung auszufordern, ihre Pflicht zu thun und den sozialdemokrati- scheu Kandidaten ihre Stimme zu geben. Die gleiche Ausforderung ließe» mehrere andere Genossen an die Virsamnilung ergehen. In der Versammlung herrschte eine begeisternde Stimmung. Briefkasten der Redaklion. CUr dttle», bei lebev Ciitratie eine llhlslre(siuel Vuchslabe» ober eine gahl) anmgebe», unter der die Antwort erttiellt werden toll. Tie inristische Sprechstitttde sindet diese Woche Freitag und Toitnabriid von 5 bis 7 Ilhr statt. GerichtSstraße. Die Berliner Stadtbahn ist am 7. Februar 1882 für den Stadtvcrtchr und am 15. Mai desselben Jahres in vollem Umfange erösfnct worden. O. L. Eine Dicuerschule'befindet sich Wilhelnistr. 105. Geöffnet von 9 bis 1 Uhr. j£>. I.(45. Es war ein unaiigenehmes Verschen und keine böse Absicht. Wir sind gern zur ntmidlichen Auseinandersetzung bereit. Wetter-Prognose für Mittwoch, 1. Dezember 1807. Zunächst etwas wärmer, vorwiegend trübe mit Niederschlägen nnd srischen westlichen Winden, nachher ausklärend ttitd etwas kälter Berliner W e t t e r b u r e a n. Achtllllg! Ttchstcr Wahlkreis. Den Parteigenossen zur Nachricht, daß am Montag Nachmittag 2 Uhr unser Genosse, der Vergolder lliclmi'd llnrtmnnn verstorben ist. Derselbe war ein ruhiger, thätiger Parteigenosse, der selbst unter den schweren Tagen deö Sozialisten- gcsctzes stets einer der ersten, war, wenn es galt, für die Interessen der Partei einzutreten. Die Parteigenossen deS sechsten Wahlkreises werden ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 2. Dezember, nachmittags 3 Uhr, von der Städtischen Leichenhalle des FriedrichSfeldcr Kirchhofes statt. Um recht zahlreiche Betheiligung er- sucht Ter Bertrauenöntann. 221/13 Richard Klose. Verband der Vergolder (Filiale Berlin). Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser treues Mitglied, der Vcrgolder Richard Hartmann am 29. November, mittags U/z Uhr, verstorben ist. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 2. Dezember, nachmittags 3 Uhr, von derLeichenhalle des Zentral- Friedhofes(Friedrichs- selbe) aus statt. Um zahlreiche Be- theiligung ersucht Z2K/1S _ Ter Vorstand. Uchlilg! k. Wahlkreis. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß ttnser altbewährtes, langjähriges Mit- glied, der Vergoldcr Riclinrd Hartmann am 29. d. M. nach kurzem Kranken- lagcr an Lungen- Entzündung ver- starben ist. Die Beerdigung findet am Donners- tag, den 2. Dezember, nachmittags um 3 Uhr, von der Leichenhalle des Städtischen Friedhofes in Friedrichs- selbe aus statt. Um rege Betheiligung bittet Berlin, den 30. Noveniber 1897. 247/6 Der Vorstand. Allen Freunden u. Bekannten die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann, der Schankivirth iugust Backhaus im 42. Lebensjahre nach langem Leiden am 29. Novbr. sanft cnt- schlafen ist. Um stille Theil- iiahine bittet Die tiesbetrübte Wittwe nebst Kruder». Die Beerdigung findet am Donnerstag, d. 2. Dezbr., nachm. 2Uhr,v. Trauerhause, Kopnicker- straßc 183, aus aufdem Emmaus- Kirchhof in Britz statt. Allen Freunden und Kollegen hier- mit zur Nachricht, daß der Gürtler <»n»>tav Ho»ci,ow am 28. November durch Vergiftung beim Brennen verstorben ist. Nähere Auskunft über die Beerdigung crtheilt Hermann, Waldcmarstr. 29. 2172b Allen Kollegen, Freunden und Be- kannten die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann, unser Vater, der Tischler 217Zb Heinrich I�adcsaat am 29. November, nachmittags 5 Uhr, nach langem Leiden sanft entschlafen ist. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 2. Dezember, nachmittags 3 Uhr, vom Trauerhause, Neichen- bergerstr. 46, aus nach dem Ennnaus- Kirchhofe statt. Die ticsbetrübtc Wittwe Ida I-adefpast und Söhne. Ausschank der Brauerei Stralau. Wir empfehlen unsere elektrisch er- leuchteten Säle den Vereinen uud Gewcrllchaftcn unentgeltlich. s3K94« Die Souuabende sind noch frei. Hlriehols n. Hittag;. Für Vereine! 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Täglich lauster SonntagS und Mittwochs) abends 8 Uhr: Wlsscnichastliche Vorträge. NeichShalle». Spezialitäten. An- fang 8 Uhr. Nmerieaii. Spezialitäten. Anfang 7V2 Uhr. Npollo. Spezialitäten Ans 7>/z Uhr. Feen-Palast. Spezialitäten Passage> Panoptikmii. Wiener Tanz- und Operetten-Gesellschast. S-lh i llv v-'D lz r n ke r (Walluer-Thealer). Mittwoch, abends 8 Uhr: Madame Bonivard. Donnerstag, abends 8 Uhr: Wallen- stein'S Tod. Freilag, abends 8 Uhr: Vanina Banini. Kklltl'gl-IIlLgtkI' Alte Jakobstr.»6. Direktion lliclmvd Schnlix. Mittwoch, den 1. Dezember 1897, Emil Thonins a G. _8iiiii 88 Male: Berliner Fahrten. Burleske AnsstattnugsposseiuttGcsang »ud Tanz in 8 Bildern von Julius Freund und Wilhelm Mannstäd t. Musik von Jul. Einüdshojer. Anfang l/z8 Uhr: Morgen uud die folgenden Tage: Berliner Fahrten. Iillisell-VKester 34. Reichenbergerstrasje 34. AbendS 8 Uhr: Dopfenratti's Erben. Volksstück mit Gesang in& Bildern von H. Willen. Musik von G Michaelis. Donnerstag: Othello, der Mohr von Benedig. Direkte Verbindung mit dem Theater: Elektr. Bahn: Dönhoffplntz— Reichen- bergersiraste in 16 Minuten LillvVojdnaviitshSLvItosrllng von unsckatedarein Warthe an Humor und Eoichhaltig- koit bietet das Dezember- Programm des I. Original. ä�ßudapester-�B Possen- u. Operetten- Theaters Dir.: Gebrüder Hermfeld Kanfmann's Variete. Neu! Gcorp ROsscr. Neu! Wer kennt nicht Georg Kösser. d. genialsten all. Humoristen. Neu! Gesohw. Heinhold, Neu! Die bildschönen deutschon Gesangs-Duettisten. Neu! William Sohüff. Neu! Der unvergleichliche Klavier- Humorist und Improvisator Neu! Dreher& Schober. Neu! Die I Wiener Volkssänger in ihren unerreicht.„Jodlern". Eine Kopie undenkbar. Neu! Gebr. Porrtf. Neu! Die Meister der mod. Musik, das vollendetste d. Virtuosität, Gustav Schmidt. Der phänomenale Tenor vom Leipziger Stadt-Theater. Etwas ganz Neues flir Berlin! Vom Interessantesten das Interessanteste! Improvisators»-Wettstreit zwischen William Gehülik und Dr. Guido Stelnitz. DM" Heute"TMS ausserdem Donat Herrnfeld's unvergessliche Tragikomödie Die Welt geht nnter. Anf. praz. 8 Uhr. Gew. Preis. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Vorbereitung: „Familie Kochsalz" „foa Breien der GlfickUchste" von Gebrüder Hermfeld. Urania Tanbenstraese 48—49. Naturkundl. Ausstellung täglich geöffnet von 10 Uhr vormittags ab, Eintritt 50 Pf.— Abends 8 Uhr Wissenschaftl. Theater. Invalldenstrasse Wo. 57/63: Täglich(ausser Sonntags und Mittwochs) abds. 8 Uhr: Wissenschaftliche Vorträge. Näheres die Tagesanschläge! Urania-Theater(Lehner Bahnhof). Dir.: Dr. Koppen n. Dr. Stoedtner. Mittle: Rembrandt.»uhr. Vortrag mit Lichtbildern von Dr A. KSppen. Castan's Panopticum. Friedriohstr. 165. Indisch hlndnsta- ulsche Gaukler — und— Sc h langen- Beschwöret'. Das BÄREN WEIB. Passage-Panopticum. Wiener Tanz- und Operetten- Geseüscliaft. Neues Programm Ostend-Theater. Gr. Franksurterflr.lZS. Dir.«.Weih. Novität I Zum 7 Male: Novität! Leben und Lieben. Bolksstück mit Gesang tn 5 Akten von O. Klein. Musik von G. Wanda. Ans. 8 Uhr Im Tunnel von 7 Uhr ab: — Frei-Konzert.- Morgen und folgende Tage: Leben nnd Lieben. Sonntag, nachmittags Z Uhr, halbe Preise: Am Altar. Volles- Theater Im Wclt-Restanrant S7.Dr«s»e»er-S»rasseS7. Novität! Täglich: Novität! O diese Radler! Possen- Burleske von O. Roeder. Im vorderen Saale: „/Umeiirausdi n. Edelweiss" Tnrolcr Sänger-Gesellschaft. Direktion: Atlols Ebner. . Sonntags 6 Uhr. « Wochentags 7>/, Uhr. "IZT' Sanssouci Koltduier Strafte Nr. 4a. Dir. H. Pterrh. Artistischer Leiter Jos. Aschinger. Bisher unerreicht. Stürmischer Beifall! Nil Toiien Segeln. Lebensbild mit Musik in 5 Abtheil. von H Schulz. Vorzügliche neue Spezialitäten. Ansang des Konzerts: Wochent. 7 Uhr. Sonntags 5 Uhr. Ansang der BorsteNung: Wochent. 8 Uhr, Sonntags 6 Uhr. KlltlW* Wochentags 30 Pf UllllU. Sonntags 50 Pf. Wochent. Tasse-partouts giltig. Diese Vorstellungen finden jeden Sonntag, Dienstag und Donnerstag statt. Freitag, *« den 3. Dez. 1897 f ys ErfiffnunesvorstellüngV': Abends 77, Uhr Heues Olympia- Riesenthcater (Circus Renz.) Karlstrasso. Bolossy Kiralfy's � Constantlnopel. _ Sonnabend und die folgenden, Tage Constantlnopel. o, Vorstellungen, r# ReichshaiBen- Thcatcr. Leipzigerstrasse 77. U Das neue Dezember- Programm. The Gaetano Olloms. Bacchus Jacoby. Edelstein-en»vialilo tili? Eine Agitationsschrift flir die ländliche Bevölkerung für die ReichstagSwahlen 1898 von Kivksr»> Calwer. I ßogen VroMtav. preis 10 pfg. Porto 3 pfg. Bei Massenbezng zur Gratiö-Verbrettnng billigste Berechnung (z. B. 1000 Stück 16 Mk., 10000 Stück 120 Mk. u. s. w.) In einfacher Sprache erläutert diese für die ländlichen Kreise besttinmte Flugschrisl tn« Kapiteln namenllich die �wet Krundsragen: Wer inub ini Reiche hauptsächlich die Steuer» und Lasten iragen und«m» nüftt das Reich nnl seiner T-ieggebung? Zum Schluß folgt eine lurze Kritil der gegnerischen Parleien und der Nachwets, warum der ländliche Arbclter und Klcinbestyer für die Sozial- demolraien sttmmen muß. Beim folgende ZUetmtsweii'zfel empfehlen sich Partei-Speditionen: Berlin vierter Wahlkreis D.: Notiert 23 enge IS, Frucht- strahe 30, Hof II.— SO.; Fritz Thiel, Skalitzerstr 35 v. pari.- Sechster Wahlkreis(Moabit): Karl Anders, Salzwedelcr- sttatze' 8, pari, im Laden.— Wedding und Orauleuburger Vorstadt: Emil Stolze»bürg, Wiesenstrabe 14.— Gesuud- brnnnen: Wilhelm G a b m a u n, Grünthalerstr. 64— Bosen- t linier Vorstadt und Schiinbauser Vorstadt: Karl Mars, Kastanien- Allee 95/96.— Charlottenborg: Gustav Scharnberg, Pestakozzistt. 34, Quergeb pari.— Deutsch- Wlluiers- dorf: Frau Kubier, Sigmanngenstr 34 und Frau H e i n e m a n ns/ Sigiitariiigenstr. 35.(Hier ist auch die„Brandenburgische VolkS-Zeitung" zu, erhalten.)— Blxdorf: O st e r»i a n n. Jägerftr. 70 II— Schöneberg; Wilhelm Baumlet, Belzigerstr. 59, Seitenflügel pari- Johannisthal-Wieder- nnd Ober-Schönewelde: Ott» John, Ober-Schöneweide, Siemensstrabe 7, Zigarrengeschäft. Ainiahme- steflen: Nieder-Schöneweide: Kart Weber, Zigarrengeschäst. Johannisthal: Senstieben. Restaurateur.— Eriedeaan-Steglltz: H B e r n s e e, Kirchsttabe 15 in Friedenau. Bestellungen nehme» entgegen in Steglitz: H. Mohr, Düppelstrabe 8. und Fr. Schellhase, tzlhorn- strabe 15a.— Banmsebnlenweg: Ol ich. Ulbricht, Marienthaler- strabe 18, 1. Auberdem ist sämnltltche Partetllteratur, sowie alle wiffenschastlichen Werke dort zu haben. Auch werden Inserate für den»Borwärt»- entgegen genommeu. Um � e n a u v Angabe der Adresse wird dvingend gebeten._ Deutscher Holzarbeiter-Verband. (Zahlstelle Berlin.) Zu der Uevtrauensmänner-VerfammluUg im Südosten bei Rautenberg, Oranienftr. 180, sind die Kollegen folgender Werk stellen hiermit eingeladen: Marschall, Naunynstr 56; Nachbar. Raunynstr 56; Lade, Dieffenbachstr. 36; Kirschke, Reichenbergerstr. 125, Bonnann, Admiralstr. I8h; Schön, Schlesische- strabe 6; Varbelow. Köpntckerstr 175: Neubauer u. Lemcke, Wrangelstr. 130; Kuschle, Manannenstr. 7, BoschinSli. Mattnnnenftr. 7.-_ 272/3 Deutsch. Metallarbeiter-Verband (Verwaltungsstelle Berlin). Donnerstag, den 2. Dezember, abends 81/2 Uhr. Im Lokale vo» Tlttblke, Tennewiftstrafte Rr. 13 s Vezivks VevsAMmlung fttr Südwesten, Westen nnd Schöneberg. 192/13 Tages- Ordnung: 1 Vortrag des Herrn Tr Joel über:'Aus der Nrsteinzeit. 2. Diskussion.— 3 Zustände in den Werkstätten von Krüger, MarkuS.- Puls. Frendenstein u. Co., Orenstein n. Koppel, Pfeiffer u. Drulken- iiiüller. Mix u. Genest, Goerz, Leonhardi n. Co. und Gossen.— 4. Verschiedenes Kollegen! Bei der überaus wichtigen Tagesordnung ist es Pflicht jedes Einzelnen zu erscheinen: namentlich die Kollegen oben benannler Weristättm werden gebeten, vollzählig zu erscheinen.__ Die Ortsverwaktiing. Achtung! Chnrtottenbnrg. Achtung! Große öffentl. Metallarbeiter-Verfammlnng am Donnerstag, den 2. Tezbr.. abends 8 llhr. in Bismarckshöhe, Wilmersdorserstr. 39. Tagesordnung: 1 Der Riesenkamps um den Achistundentag. 2. Dis- kilssion. 3. Ausstellung der Kandidaten zum Gewerbegericht. Referent P. Eitfln. 170/12 Wegen der wichtigen Tagesordnung ist zahlreiches Erscheinen erwünscht. Der Vertraueusmann. Achtung, Kupferschmiede. Am Sonnabend, den 4. Dezember er., abends 9 Ehr, In Feind's Salon, Wcinstr. 11: Große öffentliche Versammlung Tages-Ordlinng: 1 Kassenbericht. 2 Bericht deS Gewerlschastsdeiegirten und Neuwahl deffelben. 3 Verschiedenes— Der wichtigen Tagesordnung wegen ist das Erscheinen lehr nothwendig. ll01/1j_ Ter Einberufer. Xnhnürztlichc Klinik„Süd-Ost", Manteuffelstr 43, Ecke Oranienstr. 1. Kahnziehen und Behandlung unentgeltlich. Gebisse u. Plomben: Künikpr. 8—10 u. 1— 3, Für Kasscnm, sep. Wedding-Park lt., Müllerstr. 178. ■ Jeden Bittwoch:■ Norddeutsche Sanger Biegler. Wolfs. Hohenberg ze. Entree 80 PO l3321L» Saal frei für BereinS- Festlich ke I tei, 3213L» Bergstrasse 12. ZKAAIlitt'S KStzNl. Jllh: Erast Gründer. Köpiiickerstrafte 100."v, Fernsprecher Amt VII 39. Täglich: Grosser Ball. Entrtfe Tanz Garderobe J' Herren 50 Ps. Damen 85 Pf. Einem Theil der heutige» Auf» läge liegt et« Prospekt des Mann- fnktnr- nnd Modewaaren>Ber- kanfshanses M. Grüaberg Nachr.(JnH. Adolf Jacob), Müllerstr. 181. bei. «erantivortlicher Ncdakttur:«ugust Jac»bm Montag eine Handiverker-Versammliliig cindernfcn, in der die Frage erörtert wurde, wie die Zwangsorganisalion des Handwerks der rvirlhschastlichcn Hebung der Handwerker nutzbar gemacht werden könne. Der Referent Rechtsanwalt Berg vertrat die Anficht, das eandivcrk sei nicht dem Untergange geiveiht, es befinde sich nur seit ahrzehnte» in einer Krise. Nicht die Maschine sei schuld an der schlechten Lage des Handwerks, sondern der Kapital- respektive Kreditmangel, unter dem der Handwerker leide. Wenn der Handwerkerstand die gegemvärtige Krise überwinde» solle, müsse ihm von Staalsivegen billiges Kapital zur Ver- sügung gestellt werden. Die Zwangsinnung sei die nolh- wendige Voranssetznng für die Bildung wirihichaftlicher Organi- sationcn ans genossenschaftlicher Grundlage. Die Innung dürfe zivar solche Genossenschaften nicht init ihren Geldmitteln unterstützen, sie dabe aber die Aufgabe, solche wirihschaftliche Genössest- schaftcn— die Aktiengesellschaften des Handwerks— zu begünstige» und zu stützen. Der preußischen Zcntral-Genossen- schafiskasse liege es ob,'das Handwcrker-Genosscnichasls- wesen durch billigen Kredit zu fördern. An der Diskussion bctheiligten sich eine ganze Anzahl Ober- imd sonstiger Jnnungs- meister. Es wurden verschiedene Ansichten über das Genossenschafts- wesen ansgesprochcu, auch, darüber geklagt, daß die Bctheiligung an derartigen Einrichtungen und das Interesse für dieselben unter den Handiverksmeisterti nur gering sei. Wie sich in manchen Jnnungs- mcisterköpfet' die Mittel zur Hebung des Handiverkersiandes dar- stellen, das zeigte die Aeußernng des Obermeisters Fischer, der unter anderem bemerkle, die Bazare, soivie die Offiziere- und Beamten- Konsuiirvereine seien gemeingesährlich und müßten von der Regierung verboten werden. Auf den Zivischenruf:„Das geht heute nicht mehr!" anlivortete der Herr Obernieister unverfroren:„Das muß gehen; wenn der alle Fritz noch lebte, der würde mit dem Knüppel dreinschlagen." In welcher Weise die Zivangsinnungeir der Förde» rnng des Genossenschaftswesens nutzbar zu machen sind, darüber sollen— wie Obermeister Beutel»ullheiUe— erst nach Erscheinen des Normalstatnts positive Vorschläge gemacht werden. Eine öffentliche Versammlung der Schnhmacher tagte am Montag im„Renen Klubhans", Koinmandanlcnslraße, in der die Genossin Frau R o h r l a ck über„Die Frauenarbeit in der moderne» Großindustrie" referirte. Eine Diskussion über de» beifällig auf- genommenen Vortrag fand nicht statt. Hierauf erfolgte die Bericht- erstattung über den Streik bei P r i e st a p. Unter den Linden. Nach diese» Ausführungen ist der Streik, wie der„Vorwärts" bereits be- richtete, z» gnnsten der Arbeiter beendet und die Wiedereinstellung des gemaßrcgelten Arbeiters bewilligt, fodaß die Ausständigen sämintlich die Arbeit wieder aufnehmen konnten. Unter Verschiedenem wurde ans die Nolhwendigkeit der Werkstätten- Konferenzen hin- gewiesen, zur Wahl von Vertranensmnnnern in allen Werkstätten, zur regen Agitation und zum festen Zusammenschluß in der Organi- sation aufgefordert. Wilmersdorf. In einer gutbesuchten Volksversanrmlung hielt am Sonntag Nachmittag Reichstags-Abgeordneler Fritz Z u b e i l einen trefflichen Vortrag über die politische Lage. In eingehender Weise kennzeichnete der Referent den Standpiinkl der einzelnen Parteien, von der süddeutschen Volkspartei ausgehend bis z» de» volksfeindlichen Bestrebungen der Junkerpartei. Mit zwingender Logik wies Niedner nach, daß nur die Sozialdemokratie noch heute den wahren Schutz der produktiven Arbeit, sie sei physisch oder geistig, vertrete, wie es ja auch die Haltung des Berliner Freisinns in Sachen der Volksschullehrer- Gehälter zur Evidenz gezeigt habe. Zlls Delegirte zur Kreiskonfcrenz, welche am 5. Dezember in Berlin stattfindet, wurden die Genossen Klingenberg, Reuter und Nerre gewählt. Auf Antrag des Genosse» � Sk übler beauftragte die Versammlung de» Genossen Nerre, beim Gemeindevorstand behuss Errichtung eines Gewerbegerichls von neuem vorstellig zu werde». ZUti«tUr-KiId»»g«r>ti«I«. Jnselttr. 10, v. eTr. Mittwoch: National- ölonointe(Gnmdbegnffo der NattonalökononUo: Dr. Cour. Schmidt). Tonnerstag: S eschtchle tDie vorgeschichtliche Zeit und die erste» geschichtlichen Neberlieserungen: Dr. Georg Zeppler). Zkreitag: G e s e tz e s t u n de. sArbeitSvertrag, die sozialpolitische Gesetzgebung, Strasrecht, gewerbliches Kon- zesstonSwescn, Eherccht, MtethSrecht, Erb- und Vormnndschastsrecht, ösfsnilicheS Recht; Rechtsanwalt Wolfgang Heine). Die Btbliothsl ist von s— s Uhr geöffnet. Mitgliedsbeitrag inonatl. 2d Pf., Kursus(to Abende) I M. pro Fach. Dheilnehmer werden anfgc»o»»»en i» der Schule und in folg. Stellen: Gotlfr. Schulz, Admtralftr. toa; Stent, Barnlnislr.*3; Schiller, Rosenthalerftr. 67; Wletnert, Müllerstr. 7»; Paul Mucke, Manteusfelslr. Iie; H. Koutgs, Dtesfenbachstr. so. Alle Zuschriften sind an den>tzo> sitzenden Paul M ticke jr., LO. Man- teuffetflr. 128, Geldsendungi» an de» Kasstrer H. Königs, L. Diessenbachstr. so, zu senden. Zentvalveret» der Kurean- ZtngesteUtrn Deutschland»(Mitgliedschaft Berlin). Donnerstag, den a. Dezember, abends ssZ tthr bei Schiller, Rosenthaler- straße 67: Vortrag. Gäste willkommen Ka»d«>na»»kchaft der Schleswig- Aolsteiner t« Kerlin. Mittwoch, den i Dezember, abends SZ( Uhr: Versammlung in E. Feuerstein'S Festsäle», Alte Jakobstr. 76. Slienter- und Uergniignng»' Acrci» Aelgoland. Sitzung heute Abend 9 Uhr Ackerstr U«. Mittwoch, den 1. Dez., Donnerstag, den 2. Dez. T apisserie- Artikel vorgezeichnet; Wollene Handschuhe für Damen, schwarz und Mg,.. Paar 0j26 Gestrickte Damenströmpfe, schwarz................... Paar 0j65 Pelzwaren. Schuhwaren. Damen-Filzscliuhe» 9ft Paar 2,50, 1,70, M- Damen-Heltonpantoüel mit Filzsohle und Absatzfleck, 0.90 M. Dcamen-Lederschuhe m;t 9 7k Wollfutter und Absatz.. 4,00, Damen-Gammischahe. 2,75 und M. Schürzen. Wirthscliaftsscliürzen, weiss mit Achselband...."zOü M. Wirths ch af tss chürz en,» schwarz Panama....... M. Blaudruck-Hausscliüpzen. 0,95 m, Bildertoucli Struwwelpeter von 1 OK Dr. Heinrich HofTmann 1,—«1 M. Taschentücher. 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