Für unsere Kinder Nr. 23 ooooooo Beilage zur Gleichheit ooooooo 1915 Die Eidechse. Gedicht von Paul Heyse. geheilte Patient. Von J. P. Hebel. Felsen nelke. Gedicht von Karl Gerot. Sonnenaufgang. Sieh, der Morgen graut... den Himmel Purpurflammen säumen, Froh die junge Sonne grüßen Döglein in den Bäumen. Steppen schimmern, über Fluren Regt der Wind die Flügel, Grüne Weiden über Teichen Nicken auf dem Hügel. Sachte ihre dunklen Kronen Frische Gärten neigen, Hohe Pappeln, Wächtern gleichend, Stehn auf dem Feld und schweigen. Und das ganze Land, in Schönheit Strahlend und in Wonne, Grünt, im Morgentaue badend, Und begrüßt die Sonne. Ohne Anfang, ohne Ende Inhaltsverzeichnis: Sonnenaufgang. Gedicht| besonders in Notzeiten wie den heutigen, sehr von Taras Schewtschenko. Erntefest. Von wohl entbehren können. Aus dem Hafer beB. S. Eine Geschichte vom Zweifüßler. Mär- reitet man Mehl, Schrot, Grüße, Haferflocken, chen von Karl Ewald.( Fortsetzung.) Schwarze woraus nahrhafte Suppen und Breie herNatten und graue Ratten. Von S. Lagerlöf. Der gestellt werden. Haferbrot ist in den Gegenden üblich, wo kältere und feuchtere Witterung andere Getreidearten nicht mehr gut gedeihen läßt. Man gibt Hafer als Kraftfutter dem edelsten und auch körperlich angestrengtesten Haustier, des Menschen Hugem Gehilfen im Frieben wie im Krieg: dem Pferd. Die Abfälle des Getreides beim Mahlen und Brauen, die Kleie und Trebern, dienen für Kinder, Schweine, Geflügel usw. als Maftfutter. Die schlanken Stengel, auf denen sich die schweren Ahren wiegen, das Stroh, wird ebenfalls als Viehfutter, ungeschnitten oder geschnitten Häcksel verwendet. Man stopft damit auch Bettunterlagen, und viele Ärzte behaupten, Strohsäcke seien gesünder als die schönsten Matraßen. Ein weit größerer Teil des Strohs dient als Streu dem Vieh zum Lager, und als Hauptbestandteil des Mistes düngt er dann die Felder, und trägt so zu ihrer Fruchtbar machung bei. Das gilt auch von den Stoppeln und Wurzeln, die eingepflügt werden. Die Erde erhält nach einem großen Kreislauf an Kraft zurück, was sie an Kraft gegeben hat. Viel Stroh wird auch in der Industrie verwendet, besonders bei der Herstellung von Papier und Pappe. Vom geernteten Getreide geht auch nicht das geringste Teilchen verloren. Bei alledem ist es nicht verwunderlich, Nachdem die Kirschen reif geworden die wenn der Mensch gerade diese Frucht seiner erste und herrlichste Baumfrucht, die der landwirtschaftlichen Arbeit besonders achtet Sommer uns schenkt, die Stachel- und und ehrt. Niemand scheut sich, eine angebissene Johannisbeersträucher und ihre leicht erreich- und nicht mundende Baum- oder Erdfrucht baren Gaben lachend entgegenhalten, beginnt einfach wegzuschleudern. Ein Stück Brot an bald die Ernte jener Geschenke der Natur, die Erde zu werfen, wird überall, wo Mendie der Zunge weniger süße Freuden bereiten, schen wohnen, als Sünde angesehen, das ist die aber um so nahrhafter und haltbarer find, in legter Linie ein Vergehen gegen die Menschennämlich der Getreidearten. Eben ihrer Nahr- gemeinschaft. haftigkeit und Haltbarkeit wegen sind sie die Grundlage unserer heutigen Voltsernährung, unserer ganzen Kultur geworden. Aus dem Mehl des Roggens bereitet man in nördlichen Ländern in der Hauptsache das tägliche Brot, aus Weizen die Semmels und Kuchengebäcke, die Gerste liefert Graupen und in etwas verwickelter Rubereitung das Bier, das wir aber, Alles dies! und mehren Könnte niemand solche Schönheit, Niemand sie zerstören. 000 Erntefest. Taras Schewischenko. Alle Getreidearten sind ursprünglich ganz gewöhnliche Wiesengräser gewesen, deren Körner der Wilde einst einfach sammelte. Diese Gräser mußten für ihre Aussaat und Fortpflanzung selbst sorgen. Da war wohl mancher Play, wo der Wilde Nahrung fam melte, bald für immer abgeerntet. Erst die Not, die denten lehrt, brachte auch hier dem 178 Für unsere Kinder sich die gesamte umgebende Welt zu erklären versuchten. Sie dankten den Göttern dafür durch die Getreideerstlingsopfer. Die Römer brachten solche im April ihrer Göttin Ceres dar, die ihnen angeblich den Ackerbau gelehrt hatte. Diese Opfer hießen Cerealien, und nach ihnen wird die Gesamtheit unserer Getreidearten als„ Cerealien" bezeichnet. Menschen die Erkenntnis, wie er fich vom| Geschenk der Götter, mit deren Walten sie Zufall des Findens unabhängig machen fönne. Er lernte es, die Körner an roh vorbereiteter Stelle auszufäen und ihre Vermehrung abzuwarten. Viele angesehene Forscher find heute der Ansicht, daß die Frauen zuerst darauf gefommen sind, den Samen von Nährgräsern auszustreuen, um zu ernten, daß sie also als erste einen ganz einfachen Getreideanbau betrieben haben. Als Mütter konnten sich die Feste waren ursprünglich Zeiten, zu denen Frauen an der beschwerlichen Jagd nicht der Mensch mit seinen Genossen fröhlich vers immer und auch nicht jederzeit in dem gleichen zehrte, was ihm die Natur freigibig von selbst Maße beteiligen wie die Männer. Ihnen lag bescherte, oder was er durch seine Arbeit gees ob, durch das Sammeln von Früchten, wann. Es gibt also in frühen Zeiten keine Wurzeln, Insekten usw. für Nahrung zu sorgen. anderen natürlichen Feste als Jagd- oder Die Sammeltätigkeit führte zu Beobachtungen Schlacht- und Erntefeste. Mit der wachsenden darüber, daß aus den Samentörnlein eine Kultur traten die ersteren zurück, weil sie an neue Pflanze emporwächst, die vielfache Frucht teine bestimmte Zeit gebunden und für den trägt. So wurde der Anstoß dazu gegeben, Haushalt von geringerer Bedeutung waren. daß die Frauen die Erfinderinnen und Be- Alle größeren Feste waren dann Erntefeste, gründerinnen des Ackerbaus geworden find. die sich, da der Arbeit mehr wurde, wie andere Für die Richtigkeit dieser Annahme spricht Feiern aus langen Festzeiten zu bloßen Festvielerlei. Bei Wilden auf sehr niedriger Kul- tagen verkürzten. Reine Erntefeste waren zum turstufe wird die Nahrung noch heute durch Beispiel die drei alten Hauptfeste der Juden, die Jagd der Männer und das Sammeln der die wir aus der Bibel kennen. Mazzot, das Frauen beschafft. In der Hand der Frauen Fest der süßen Brote, war das Fest der ruht der einfache Ackerbau von Stämmen, die Getreideerstlinge, besonders der Gerste, die in schon zu besserer Nahrungsbeschaffung fort- Palästina bereits im April geerntet werden geschritten sind. Die alten Sagen und Götter- fann. Es ist unser Ostern. Das Wochenfest, lehren mancher Völker erzählen, daß eine das sich, gleich Mazzot, über acht Tage erGöttin den Menschen den Ackerbau gelehrt streckte, fand nach der beendeten Weizenernte habe, und nicht ein Gott, eine Göttin war bei Griechen, Römern usw. die himmlische Beschützerin des Ackerbaus. So dürfen wir wohl annehmen, daß Frauen das erste Getreide angebaut haben, und daß die Pflanzen fich allmählich unter ihrer sorgenden Hand wesentlich verbesserten. Wie jedes Leben für statt, nach ihm wurde das christliche Pfingsten angesetzt. Das Laubhüttenfest endlich, wiederum acht Tage dauernd, war das große Fruchternte- und Weinlesefest, es entspricht unserer großen Herbstfirmes.( Schluß folgt.) 000 Märchen von Karl Ewald. ( Forts.) Der Zweifüßler saß da und sah zu, wie sie das Getreide in der Mühle zermalmten, da= mit sich Brot daraus backen ließe. bessere Pflege mit schönerer Entwicklung dankt, Eine Geschichte vom Zweifüßler. so tat es auch das Getreide. Aus dem dürftigen, wenig mehlreichen Korn des wilden Ge wächses ist nach und nach, durch denkende Arbeit, gute Auswahl des Samens und sorglichere Vorbereitung des Bodens jene volle, mehlreiche Frucht geworden, deren wir uns jetzt erfreuen, und deren Verbesserung heute noch lange nicht ihren Endpunkt erreicht hat, ja gerade erst seit furzem nach wissenschaftlichen Grundsätzen weitergeführt wird. Die früheren Menschen haben das Erwähnte alles noch halb mechanisch und instinktiv getan. Sie wußten nichts von der Tätigkeit ihrer Voreltern in der gleichen Richtung, deshalb meinten sie, wie alles, was für sie von Nutzen war, auch die Frucht des Getreides sei ein Vor vielen Jahren hatte er einmal einen Stein ausgehöhlt und die Frauen gelehrt, darin mittels eines anderen Steines das Getreide zu zermalmen. Später war er darauf verfallen, zwei Steine gegeneinander mahlen zu laffen. Er hatte eine Stange angebracht und spannte einen Ochsen vor, der im Kreise ging und den Mahlgang drehte. Damals war er sehr stolz auf seine Erfindung gewefen. Auch jest ging der Ochse geduldig im Kreise. Doch da kam einer der Söhne und fragte, ob Für unsere Kinder 179 fie mit dem Mahlen nicht warten könnten: er durch einmal ausruhst," sagte der Zweifüßler habe alle Tiere auf dem Felde nötig. Die freundlich.„ Das müssen das Pferd und der Frauen aber sagten, das sei unmöglich; es Ochse und die anderen Zugtiere, die in meinen fehle ihnen Mehl zum Backen. Der Zweifüßler Diensten stehen, ja auch tun. Du wirst dich ließ sie zanken und saß sinnend da bis gegen schon wieder erheben, wenn du sollst." Abend. ,, Woran denkst du?" fragte der Wind, der wie gewöhnlich über seine Stirn strich. „ Top!" rief der Zweifüßler und sprang auf. „ Nun hab' ich's. Ich habe dich vor das Floß gespannt, und du haft mich und all die Meinen zu diesem grünen Lande hergetragen. Warum sollte ich dich nicht auch meine Mühlsteine treiben lassen?" " Fang mich, wenn du kannst!" sagte der Wind. Am nächsten Morgen machte sich der Zweifüßler an die Arbeit. Er baute ein großes Gerüst, das hoch in die Luft ragte. Oben brachte er vier breite Flügel an, die mit Fellen bekleidet waren und auf einer Achse saßen, damit sie sich leicht drehen konnten. Das war die Mühlenhaube. Unten auf dem Boden war der Mahlgang; durch Stangen und Tauwerk war eine Verbindung mit den Flügeln hergestellt, so daß sich der Mahlgang in Bewegung setzte, sobald die Flügel sich zu drehen begannen. Verwundert standen die Kinder des Sweifüßlers da. Noch sind wir nicht fertig!" sagte der Zweifüßler. Und er richtete die Haube so ein, daß sie sich drehen ließ, damit die Mühlenflügel stets den Wind auffangen konnten, aus welcher Richtung er auch kommen mochte. Jezt mahlen wir," sagte der Zweifüßler. Und der Wind wehte und drehte die Mühlenflügel; und die Mühle mahlte, daß es eine Lust war. Man schüttete das Getreide oben in den Mahlgang hinein, und unten rieselte das feine weiße Mehl in den Sack, den man angebunden hatte. " Da habe ich dich wieder gefangen, lieber Wind," sagte der Zweifüßler. Morgen komme ich aus der entgegengesetzten Richtung," rief der Wind. „ Ich habe auch das bedacht," meinte ber Zweifüßler. Ich grolle dir deswegen nicht." Als es Abend wurde, drehte er die Haube herum. Und als der Wind am nächsten Morgen aus der entgegengesetzten Richtung wehte, mußte er genau so schön mahlen wie am Tage vorher. Morgen lege ich mich," sagte der Wind. „ Es ist nicht mehr als billig, daß du zwischen„ Wer sagt, daß ich soll?" schrie der Wind. " Ich weiß nicht," entgegnete der Zweifüßler. " Noch weiß ich's nicht. Aber ich denke darüber nach, und ich werde es schließlich schon herausfinden. Man denkt sich ja gar mancherlei aus, wenn man so sitzt und die Dinge betrachtet. Soviel weiß ich jedenfalls schon, daß die Sonne dich unter ihrem Kommando hat." " Woher weißt du das?" fragte der Wind. „ Ich habe es bemerkt," versetzte der Zweifüßler. So oft die Kälte sich in Wärme verwandelt und umgekehrt, kommst du aus einer neuen Richtung." ,, Wie klug du bist!" meinte der Wind. ,, Aber es fehlt dir noch manches. Denn wenn du mich auch vor dein Schiff und deine Mühle zu spannen vermagst, so kann ich trotzdem heranstürmen wie damals, du weißt, und die Mühle umwerfen und dein Schiff zerschmettern und alle deine Tiere übers ganze Land hin zerstreuen." „ Das kannst du allerdings," sagte der Zweifüßler. Und ich kann dir obendrein nicht einmal darob zürnen, denn du bist ja weder böse noch gut, wie du sagtest." Ja ja, nun lege ich mich," rauschte der Wind. Und ich glaube, ich werde viele, viele Tage ruhen. Dann steht deine Mühle still. " Allerdings," sagte der Zweifüßler.„ Aber ich hab' auch daran gedacht. Komm her, dann wirst du sehen." Er ging an den Bach hinab und zeigte dem Wind eine andere Mühle, die er erbaut hatte. Die hatte keine Flügel, sondern ein großes Rad mit breiten Schaufeln, die ins Wasser gingen. Das Rad war ebenso wie die Flügel mit einem Mahlgang in Verbindung gebracht; und wenn das Wasser lief, drehte sich das Rad, und der Mahlgang mahlte. „ Das ist meine Wassermühle," sagte der Bweifüßler stolz. Dann ging er in sein Zelt und legte sich schlafen; denn es war spät, und alle die anderen waren zur Ruhe gegangen. Und auch der Wind legte sich, wie er angekündigt hatte. 3weites Kapitel. Der Zweifüßler war ein silberhaariger Greis geworden. Sein Geschlecht vermehrte sich be 180 Für un ständig. Es lebte verstreut in einer großen, herrlichen Ebene, wo auf den Feldern reiches Getreide wogte, und wo das Vieh in hohem, saftigem Grase weidete. Einige der Männer befuhren die See, anders bebauten den Acker und hüteten daS Vieh, andere fällten Holz im Walde. Die Frauen besorgten den Haushalt und spannen und woben. ltberall, wo die Ebene sich zu einer kleinen Anhöhe erhob,' ragte eine Windmühle in die Lüfte. Jeder Bach, der dort ran», drehte ein Mühlrad. Der Zweifüßler selber beobachtete alles, was in der Natur um ihn her geschah, rmd sann darüber nach. Alle sahen ehrfürchtig zu ihm auf als'zu dem Altesten deZ Geschlechts und dem Klügsten auf der Welt. Und alle holten sich Rat und Hilfe bei ihm. Mitten auf der Ebene ragte ein hoher, kegelförmiger Borg empor. Seinem Gipfel entstieg hier und da eine Rauchsäule. Oftmals betrachtete der Zweifüßler diesen Berg. Ein mal ritt er hinauf und schaute in das Loch hinab, aus dem der Rauch emporstieg, aber von unten strömte eine so große Hitze herauf, daß er da oben nicht mehr länger verweilen konnte. Da ritt er wieder nach Hause zurück, starrte auf den Berg und dachte daran, was wohl in seiner Tiefe stecken könnte. Er kannte Berge, darin Gold und Eisen und ander« Metalle verborgen waren, und er hatte seine Kinder gelehrt, die Metalle zu gewinnen und zu schmelzen und zu Gerätschaften und Schmuck zu verarbeiten. Doch solch«inen Berg mit rauchendem Gipfel hatte er noch niemals ge sehen. Als der Zweifüßler eineS Tage? in tiefe Gedanken versunken, dasaß, hörte er wie ge wöhnlich um sich her allerlei Stimmen. Es rauschte in der Palme hoch über seinem Kopf«: .Der Zweifüßler ist mächtig... und größer als alle anderen____ Er herrscht über die Erde und alles, was darauf ist." Und in dem Flusse, der ins Meer hinaus lief, sang es:.Der Zweifüßler herrscht über die Gewässer... wir drehen seinen Mühlen gang und mahlen sein Getreide... wir tragen seine Schisse, soweit er will... und lieser» ihm die Fische sür seinen Tisch." Und der warme Wind blies über sein Ge sicht:.Der Zweifüßler ist größer als alle anderen... er beherrscht mich... ich muß ihm dienen wie der Ochse und das Pferd... Komm ich von Osten, komm ich von Westen, stets fängt er mich und gebraucht mich!" re Kinder �——-— Der Zweifüßler strich mit der Hand über seinen langen weißen Bart und nickte stolz und froh. Da auf einmal erscholl ein sonderbarer donnernder Lärm. Es war, als ob er aus dem Innern der Erde käme? und es war auch nicht zu verstehen, woher er sonst hätte kommen können. Denn die Luft war wolkenfrei und rein, und die Sonne schien hell und warm, da es Mittag war. .Was war das?" fragte der Zweifüßler. .Wer kann es wissen," entgegnete der Palm baum, und er erbebte ganz unten an der Wurzel..Wer kennt die Kräfte, die in der Natur walten?" „Wer kann es sagen?" rauschte der Fluß, und erhob seine Wogen vor Angst wie«in bäumendes Roß..Was wissen wir alle, wenn man genau zusieht?" .Wer hat auch nur eine Ahnung davon?" sagte der Wind und duckte sich plötzlich wie ein Tiger, der auf dem Sprunge liegt..Die Erde ist voll gewaltiger Kräfte, über die keiner von uns Bescheid weiß." Noch ein Dröhnen erscholl. Der Zweifüßler erhob sich. Er sah zu dem Berge inmitten der Ebene hinüber und sah, daß die Rauchsäule zu einer großen, schwarzen Wolke geworden war, die schneller anwuchs und sich ausbreitete, als sein Auge verfolgen konnte. Jetzt verdeckte sie die Sonne... jetzt schäumten die Wellen in dem Fluß empor und begegneten den Wellen des Meeres, die landeinwärts stürzten... und jetzt erhob sich der Wind zum rasenden Sturm. Und ehe der Zweifüßler Zeit zum Nach denken fand, war um ihn tiefe, dunkle Stacht. Sobald das Licht erlosch, sah er etwas von, Himmel herabstürzen, ohne zu erkennen, was es war. Er tastete sich zu seinem Stall hin, wo sein Pferd angebunden stand, sprang hin auf und jagte von bannen, fort aus dem Reiche des Bösen. Und das Tier war gleich ihm in Todesängsten und rannte, so schnell es ver mochte. Die Hand vor den Augen konnte er nicht sehen, aber er meinte, überall auf der Ebene, wohin er kam, durch den Sturm hindurch jam mern und schreien zu hören. Er erkannte dies« und jene Stimme, aber er jagte bloß weiter und immer weiter, bis das Pferd unter ihn» stürzte. � Dann lief er, so schnell seine Beine ihn tragen konnten, stolperte, fiel und stand wieder auf, um von neuen» zu laufen, während um ihn her die Schreie ertönten, wenn sie nicht '�ü»«»sei'« 181 untergingen in dem brüllenden Sturm und dem donnernden Lärm vom Berge. Am Nacken traf ihn ein Stein, und er merkte, daß sein Hals blutete. Sein Fuß trat in etwas, das wie kochendes Wasser war. Mit einem Schrei zog er ihn zurück und rannte in einer anderen Richtung weiter. Zuletzt wußte er selbst nicht mehr, was er tat und wohin er kam. Als er das Bewußtsein wiedererlangte, lag er auf einer Anhöhe ganz am anderen Ende der Ebene. Rings um ihn lag ein Dutzend seiner Angehörigen, gleich ihm betäubt und verwirrt. Sie sprachen nicht, sondern starrten entsetzt um sich und weinten, und ihre Hände zittertet,. Der Zweifüßler hiell die Haud über die Augen und schaute über die Eben» hm. Ebenso plötzlich, wie es dunkel geworden, war nun die Helligkeit wiedergekehrt. Die schwarzen Wolken hatten sich verzogen, und rot und golden wie am herrlichsten Sommer- tag ging die Sonne unter. Auf den umliegenden Anhöhen saßen hier und da Angehörige seines Geschlechts, die sich gleich ihm gerettet hatten. Sie hatten auch ein paar von ihren Haustieren bei sich, und der Zweifüßler selber merkte plötzlich, daß ihm sein treuer Hund die Hand leckte. Das ganze Land aber— mit Ausnahme der wenigen Anhöhen— war begraben in einem Meere kochenden, Blasen treibenden Schlammes, der schnell zu einer harten Rinde erstarrt«. Alle Häuser und Mühlen waren zer stört und in der Schlammflut ertrunken. Men schen und Tier« waren darunter begraben. Die ganze reiche, herrliche Eben» sah auS wie eine Wüste, darin nie Leben gewesen war; und mitten darin stand der Berg, hoch und majestätisch, mit der Rauchsäule über dem Gipfel. Die Angehörigen des Zweifüßlers machten sich daran, das Gerettete zu sammeln. Mit Gejammer und Geschrei zogen sie mit den armseligen Überresten ihres Besitzes aus dem verwüsteten Lande fort, das ihnen eine Heimal gewesen war. Die Frauen trugen auf dem Arme das Kind, das sie gerettet hotten, und beweinten ihr« Toten. Die Hirten zählten die wenigen Stück Vieh, die noch übrigge blieben waren. Die Seeleute spähten vergebens aufs Meer, ob nicht ein einziges ihrer Schiffe unbeschädigt wäre. .Komm, Vater!" sprachen sie zum Zwei füßler..Wir wollen dieses verwünschte Land verlassen. Es gibt wohl noch einen Ort in der Welt, wo wir Frieden sind«» und alles. was uns zerstört wurde, wieder aufbauen können." Doch der Zweifüßler schüttelte den Kopf. .Geht nur," sagte er,.ich komme euch nach." Sie gingen, ohne daß er ihnen nachgeblickt hätte. Gartsedmig folgt.) o o a Schwarze Ratten und graue Ratten.* Im südöstlichen Echoneu, nicht weit vom Meere entfernt, liegt ein« alte Burg, Glim mingehaus genaünt. Sie besteht aus einem einzigen hohen, großen und starken steinerneu Bau, den man in der ebenen Gegen d meilen weit sehen kann. Sie hat nur vier Stockwerke, ist aber so mächtig, daß ei» gewöhnliches Bauernhaus, das auf demselben Gut steht, sich wie ein Puppenhäusche» dagegen aus- uimznt. Die äußeren Mauern und die Zwischenwände und Wölbungen dieses steinernen HauseS find all« so dick, daß im Innern kaum»och für etwas anderes Raum ist alS für die dicken Ouermauern. Die Treppen sind eng, die Gänge schmal, und es sind nur wenige Zimmer da. Und damit die Mauern ihr« Stärke deHalten sollten, ist auch nur eine klein» Zahl Fenster in de» oberen Stockwerken angebracht worden, in dem untersten aber find überhaupt nur kleine Lichtöffnungen. In de» alte» Kriegs zeiten waren die Menschen nur zu froh, wenn sie sich in so ein großes, starkes Haus ein schließen konnten, wie jemand jetzt im eisig. kalten Winter froh ist, wenn er in seinen Pelz hineinkriechen kann. Aber als die gut« Frie denszeit kam, wollten die Leute nicht mehr in den dunkeln, kalten steinernen Räumen der Burg wohnen; sie haben schon seit langer Zeit Glimmingehaus verlassen und sind in Woh nungen gezogen, wo Luft und Licht hinein dringen können. Zu der Zeit, wo Nils Holgersson mit den Wildgänsen umherzog, befanden sich also keine Menschen in GlimmingehauS, aber deshalb fehlte es da doch nicht an Bewohnern. Auf dem Dache wohnte jeden Sommer ein Storchen paar in einem großen Nest. Unter dem Dache wohnten zwei Nachteulen, in den Gängen hingen Fledermäuse, auf dem Herd in der " Aus.Wunderbare Reise des kleinen NU« Holgersson mit den Wildgänsen". Von S. Lagerlöf. Verlag von Alberl Langen, München. 182 Für unscrr Binder Küche wohnte eine alte Katze, rmd drunten im Keller gab es Hunderte von der alte» Sorte der schwarzen Ratten. Ratten stehen nicht gerade in großem Ansehen bei den anderen Tieren,»ber die schwarzen Ratten auf Glimmiogehaus machten eine Aus- nahnze, und es wurde immer mit Achtung von ihnen gesprochen, weil sie im Streit mit ihren Feinden große Tapferkeit bewiesen hatten und auch sehr viel Ausdauer wShrend der großen Unglückszeiten, die über ihr Volk hingegangen waren. Sie gehörten nämlich einem Ratten- voll an, das einmal sehr zahlreich und mächtig gewesen, jetzt aber daran war, auszusterben. Während einer langen Reihe von Jahren hatten die schwarzen Ratten, Landratten ge nannt, Schonen und das ganze Land besessen. Sie waren fast in jedem Keller zu finden gewesen, fast auf jedem Boden, in Scheunen und auf Heuböden, in Vorratskammern und Backstuben, in den Wirlschafzsgebäuden und Ställen, in Kirchen und Burgen, in Brennereien und Mühlen, sowie- iu allen anderen von Menschen bewohnten Gebäuden; aber jetzt waren sie von allen diesen vertrieben und beinahe ausgerottet. Nur auf dem einen oder anderen einsam ge legenen Platz konnte man Noch einige antreffen, aber nirgends waren sie so zahlreich wie auf Elimmingehaus. Wenn ein Tiervolk ausstirbt, beruht das meistens auf dem Vorgehen der Menschen; hier aber war das nicht der Fall gewesen. Die Menschen hatten freilich mit den schwarzen Ratten gekämpft, sie hatten ihnen aber keinen namhaften Schaden zufügen können. Wer sie besiegt hatte, das war ein Tiervolk ihres eige nen Stammes gewesen, ein Volk, das man die grauen Ratten nannte. Die grauen Ratten, oder die Wanderratten, hatten nicht wie die schwarzen von Urzeiten her im Laude gewohnt. Sie stammten von ein paar armen Einwande rern her, die vor hundert Jahren von einem lübischen Schiff in Malmö /ins Land gesttegen waren. Sie waren heimatlose, halb verhungerte Tröpfe, die in diesem Hafen ihren Ausenthalt nahmen, um die Pfeiler unter den Brücken herumschwammen und den Abfall fraßen, der ins Wasser geworfen wurde. Nie wagten sie sich iu die Stadt hinein, die de« schwarzen Ratte» gehörte. Aber allmählich, nachdem die grauen Ratten an Zahl zugenommen hatten, faßten sie Mut und gingen in die Stadt hinein. Anfangs zogen sie nur in ein paar alte verlassene Häuser, die die schwarzen Ratten aufgegeben hatten; sie suchten ihre Nahrung in Rinnsteinen und auf Misthaufen und nahmen mit allem Unrat vor lieb, den die schwarzen Ratten nicht anrühren wollten. Es waren wetterfeste, genügsame und unerschrockene Tiere; und in ein paar Jahren waren sie so mächtig geworden, daß sie es unternahmen, diefchwarzen Rattenvon Malmö zu verjagen. Sie nahmen ihnen Dachräume, Keller und Magaz-me weg, hungerten sie aus oder bissen sie tot, denn sie fürchteten sich durchaus nicht vor Kampf und Streit. Und nachdem Malmö genommen war, zogen sie in kleineren und größeren Scharen aus, das ganze Land zu erobern. Es ist beinahe unbe greiflich, warum die schwarzen Ratten sich nicht zu einem großen gemeinsamen Heeres zug versammelten und die grauen Ratten ver nichteten, solange diese noch nicht zahlreich waren. Aber die schwarzen waren wohl von ihrer Macht so überzeugt, daß sie sich die Möglichkeit, das Land zu verlieren, gar nicht vorstellen konnten. Sie saßen ruhig auf ihren Besitztümern, und inzwischen nahmen ihnen die grauen Ratten Hof um Hof, Dorf um Dorf, Stadt um Stadt weg. Sie wurden aus gehungert, verdrängt, ausgerottet. In Schonen hatten sie sich nirgends halten können, aus genommen auf Glimmingehaus. Das alte steinerne Haus hatte so dicke Mauern, und so wenige Rattengänge führten hindurch, daß es den schwarzen Ratten ge lungen war, es zu halten und die grauen Ratten am Hereindringen zu verhindern. Ein Jahr ums andere, eine Nacht um die andere war der Streit zwischen den Angreisern und Verteidigern fortgegangen; aber die schwarzen Ratten hatten treulich Wache gestanden und mit der größten Todesverachtung gekämpft, und dank dem alten, prächtigen Haus hatten sie bis jetzt immer gesiegt. Es muß zugegeben werden, daß die schwarzen Ratten, solange sie die Macht gehabt hatten, von allen hebenden Geschöpfen ebenso verab scheut gewesen waren, wie die grauen es jetzt sind, und das mit»ollem Recht. Sie hatten sich über arme gefesselte Gefangene geworfen und sie gequält, sie hatten Leichen aufgefreffen, hatten die letzte Rübe aus dem Keller der Armen wegstibitzt, schlafenden Gänsen die Füße abgebiffen, den Hühnern die Eier und ihr« kleinen mit zartem Flaum bedeckten gelben Kücken geraubt und tausend andere Missetaten vollführt. Aber seit das' Unglück über sie ge kommen war, war das alles wie vergessen, niemand konnte eS unterlassen, die letzten des Für unsere Kinder 183 Geschlechts, die den grauen Ratten so lange arme Mann nichts weiß, denn es gibt Krankwiderstanden hatten, zu bewundern. Die grauen Ratten, die auf dem Glimmingehof und dessen Umgebung wohnten, führten den Streit immer weiter und versuchten jede nur mögliche Gelegenheit zu benützen, fich der Burg zu bemächtigen. Man hätte meinen fönnen, sie hätten die kleine Schar schwarzer Ratten wohl im Besitz von Glimmingehaus lassen können, da sie ja das ganze übrige Land besaßen, aber das fiel ihnen gar nicht ein. Sie pflegten zu sagen, es sei ihnen Ehrensache, die schwarzen Ratten doch noch zu besiegen, aber wer die grauen Ratten kannte, wußte wohl, daß es einen anderen Grund hatte; die Menschen benützen nämlich Glimmingehaus als Kornspeicher, und darum wollten die grauen teine Ruhe geben, bis sie es erobert hatten. 000 Die Eidechse. Eine fand ich, eine fette, Die vor ihrem Schlupfloch saß, Ehrbar, sauber und behaglich, Und die Augen hell wie Glas. An dem warm besonnten Steine Puzte sie das Näschen blant, Fing sich dann und wann ein Mückchen, Das sich ihr zu nahe schwang. Rechts und links durch alle Rizen Raschelte die junge Brut. Sie allein blieb stattlich siten, Wie gereifte Weisheit tut. Nur zuweilen mit dem Schwänzchen Zuckte sie bedeutungsvoll, Trieben es die jungen Leute In den Kammern gar zu toll. So in innres Schaun versunken Und Genuß des Sonnenlichts, Nicht erschrat sie, da ich nahte, Denn der Weise fürchtet nichts. Wie der Philosoph der Tonne Sah sie nur mich bittend an: Geh mir etwas aus der Sonne, Unbekannter junger Mann. 000 heiten, die nicht in der Luft stecken, sondern in den volleff Schüsseln und Gläsern und in den weichen Sesseln und seidenen Betten, wie fener reiche Amsterdamer ein Wort davon reden kann. Den ganzen Vormittag saß er im Lehnsessel und rauchte Tabat, wenn er nicht zu träge war, oder hatte Maulaffen feil zum Fenster hinaus, aß aber zu Mittag wie ein Drescher, und die Nachbarn sagten manchmal: Windet's draußen oder schnauft der Nachbar fo?"- Den ganzen Nachmittag aß und trank er ebenso, bald etwas Kaltes, baid etwas Warmes, ohne Hunger und ohne Appetit, aus lauter langer Weile bis an den Abend, also daß man bei ihm nie recht sagen konnte, wo das Mittagessen aufhörte und wo das Nachtessen anfing. Nach dem Nachtessen legte er sich ins Bett und war so müd, als wenn er den ganzen Tag Steine abgeladen oder Holz gespalten hätte. Davon bekam er zuletzt einen dicken Leib, der so unbeholfen war, wie ein Malterfack. Essen und schlafen wollte ihm nimmer schmecken, und er war lange Zeit, wie es manchmal geht, nicht recht gesund und nicht recht trant; wenn man aber ihn selber hörte, so hatte er 365.Krankheiten, nämlich alle Tage eine andere. Alle Arzte, die in Amsterdam sind, mußten ihm raten. Er verschluckte ganze Feuereimer voll Mixturen und ganze Schaufeln voll Pulver und Billen, wie Entenieier so groß, und man nannte ihn zuletzt scherzweise nur die zweibeinige Apotheke. Aber alle Arzneien halfen ihm nichts, denn er befolgte nicht, was ihm von den Arzten befohlen wurde, sondern sagte:„ Foudre, wofür bin ich ein reicher Mann, wenn ich soll leben wie ein Hund, und der Doktor will mich nicht gesund machen für mein Geld?" Endlich hörte er von einem Arzt, der hundert Stunden weit weg wohnte, der sei so geschickt, daß die Kranken gesund werden, wenn er sie nur recht anschaue, und der Tod gehe ihm aus dem Weg, wo er sich sehen lasse. Zu dem Arzt faßte der Mann ein Zutrauen und schrieb ihm seinen Umstand. Der Arzt merkte bald, was ihm fehle, nämlich nicht Arznei, sondern Paul Heyse. Mäßigkeit und Bewegung, und sagte:„ Wart, dich will ich bald turiert haben." Deswegen schrieb er ihm ein Brieflein folgenden Inhalts: Der geheilte Patient. " P Guter Freund, Ihr habt einen schlimmen Umstand, doch wird Euch zu helfen sein, wenn Reiche Leute haben trotz ihrer gelben Vögel Ihr folgen wollt. Ihr habt ein böses Tier im doch manchmal auch allerlei Lasten und Krant- Bauch, einen Lindwurm mit sieben Mäulern. heiten auszustehen, von denen gottlob der Mit dem Lindwurm muß ich selber reden, und 184 Für unsere Kinder Ihr müßt zu mir fommen. Aber fürs erste, 1 die Eier nicht ausschlüpfen, so könnt Ihr ein so dürft Ihr nicht fahren oder auf dem Röß- alter Mann werden", und lächelte dazu. Aber lein reiten, sondern auf des Schuhmachers der reiche Fremdling sagte:„ Herr Doktor, Rappen, sonst schüttelt Ihr den Lindwurm, Ihr seid ein feiner Kauz und ich versteh und er beißt Euch die Eingeweide ab, sieben Euch wohl", und hat nachher dem Nat geDärme auf einmal ganz entzwei. Fürs andere folgt und 87 Jahre, 4 Monate und 10 Tage dürft Ihr nicht mehr essen, also zweimal des gelebt, wie ein Fisch im Wasser so gesund, Tages einen Teller voll Gemüse, mittags ein und hat alle Neujahr dem Arzt zwanzig J. P. Hebel. Bratwürftlein dazu, und nachts ein Ei, und Dublonen zum Gruß geschickt. am Morgen ein Fleischfüpplein mit Schnittlauch darauf. Was Ihr mehr esset, davon wird nur der Lindwurm größer, als daß er Euch die Leber erdrückt, und der Schneider hat Euch nimmer viel anzumessen, aber der Schreiner. Dies ist mein Rat, und wenn Ihr mir nicht folgt, so hört Ihr im andern Frühjahr den Ruckuck nimmer scheien. Zut, was Ihr wollt!" Als der Patient so mit sich reden hörte, ließ er sich sogleich den andern Morgen die Stiefel falben und machte sich auf den Weg, wie ihm der Doktor befohlen hatte. Den ersten Tag ging es so langsam, daß wohl eine Schnecke hätte können sein Vorreiter sein, und wer ihn grüßte, dem dankte er nicht, und wo ein Würmlein auf der Erde kroch, das zertrat er. Aber schon am zweiten und am dritten Morgen fam es ihm vor, als wenn die Vögel schon lange nimmer so lieblich gesungen hätten wie heute, und der Tau schien ihm so frisch und die Kornrosen im Felde so rot, und alle Leute, die ihm begegneten, saben so freundlich aus und er auch, und alle Morgen, wenn er aus der Herberge ausging, war's schöner, und er ging leichter und munterer dahin, und als er am achtzehnten Tage in der Stadt des Arztes antam und des andern Morgens aufstand, war es ihm so wohl, daß er sagte:„ Ich hätte zu feiner ungeschickteren Zeit können gesund werden als jetzt, wo ich zum Doktor soll. Wenn's mir doch nur ein wenig in den Ohren braufte oder das Herzwasser lief mir." Als er zum Doktor fam, nahm ihn der Doktor bei der Hand und sagte ihm:" Jetzt erzählt mir denn noch einmal von Grund aus, was Euch fehlt." Da sagte er:„ Herr Doktor, mir fehlt gottlob nichts, und wenn Ihr so gesund feid wie ich, so foll's mich freuen." Der Doktor sagte:„ Das hat Euch ein guter Geist geraten, daß Ihr meinem Rat gefolgt habt. Der Lindwurm ist jetzt abgestanden. Aber Ihr habt noch Eier im Leib, deswegen müßt Ihr wieder zu Fuß heimgehen und daheim fleißig Holz sägen, daß es niemand sieht, und nicht mehr essen, als Euch der Hunger ermahnt, damit 000 Felsennelfe. Ich bin das Felsennägelein Im purpurroten Kleide, Ich steh im Sturm und Sonnenschein Auf hoher, grüner Heide, Ich seh auf meiner Bergesflur Den Jäger und den Hirten nur Und Schäflein auf der Weide. Da drunten tief im Unterland Da hab' ich eine Muhme Von feinem Duft und hohem Stand Und weltbekanntem Ruhme: Die Nelke prangt im Gartenbeet In voller Pracht und Majestät, Des Sommers schönste Blume. Ich bin kein zärtlich Mutterkind, Hab' niemand, mich zu pflegen, Mich wiegt allein der Sommerwind, Mich wäscht allein der Regen, Ich lebe nur von Licht und Luft, Bin ohne Glanz und ohne Duft, Doch luftig allerwegen. Ich bin ein leichter Springinsfeld Und weiß von keinen Sorgen, Ein fröhlicher Guckindiewelt, Zufrieden heut wie morgen, Ob Sonne scheint, ob Wolfen ziehn, Ich blüh' und welke unbeschrie'n, Vor aller Welt verborgen. Karl Gerof. Berantwortlich für die Redaktion: Frau Klara Bettin( Bundel), Bilhelmshöhe, Bost Degerloch bei Stuttgart. arud u.Berlag S.S.W.Dtey Nachf. G.m.b.9. Stuttgart.