t, i f h Nr. 5. -41Die Gleichheit 2. Jahrgang. Beitschrift für die Intereffen der Arbeiterinnen. Herausgegeben von Emma Ihrer in Velten( Mark). Die„ Gleichheit" erscheint alle 14 Tage eminal. Preis der Nummer 10 Pfennig, burch die Post( eingetragen unter Nr 2564 a) vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Pf.; unter Kreuzband 85 Pf. Inseratenpreis die zweigespaltene Petitzeile 20 Pf. Stuttgart Montag, den 7. März 1892. Zuschriften an die Redaktion der Gleichheit" sind zu richten an Fr. Klara Zetkin( Eißner), Stuttgart, Rothebühl-. Straße 147, IV. Die Expedition befindet sich in Stuttgart, Furthbach- Straße 12. h t t t t 3 t e 4 = Zur gefälligen Beachtung. Alle neueintretenden Abonnenten der ,, Gleich heit" erhalten sämmtliche bis jetzt erschienenen Nummern nachgeliefert. Die regelmäßigen Sigungen der Frauenvereine werden gratis inferirt. Die Vereinsvorstände werden um diesbezügliche Mittheilung ersucht. Alle Reklamationen und berechtigte Beschwerden bitten wir an die Verlagsbuchhandlung von J. H. W. Diez in Stuttgart zu richten, worauf sofort Abhilfe geschaffen wird. Redaktion und Berlag der Gleichheit." Stuttgart. Bur ,, Frauenfrage." In den letzten Monaten haben sich verschiedene Regierungen und Parlamente mit der sogenannten„ Frauenfrage" zu beschäftigen gehabt, d. h. mit der Frage der Zulassung der Frauen zu den höheren Studien, zur Ausübung gewisser Berufe, welche Universitätsbildung zur Voraussetzung haben. Die hessische Regierung hat eine Petition des deutschen Frauenvereins„ Reform" zu Weimar für Errichtung von Mädchengymnasien oder Zulassung der Frauen zur Ablegung der an den bestehenden Gymnasien üblichen Maturitätsprüfungen abgewiesen. Im Petitionsausschuß des bayerischen Landtags ward Ende Januar über den nämlichen Antrag verhandelt und derselbe als„ nicht geeignet zur Erörterung im Plenum" erklärt. Eine etwas freundlichere Aufnahme fand die Petition Anfang Februar im badischen Landtag. Nachdem der demokratische Abgeordnete Muser durch eine ausgezeichnete Rede, welche den Geist echter Humanität athmete, in wärmster Weise für die Sache des Frauenstudiums eingetreten, ward der fragliche Antrag mit Stimmenmehrheit der Regierung zur Kenntnißnahme empfohlen. Das gleiche Schicksal erfuhr etliche Zeit früher im österreichischen. Abgeordnetenhause die Petition des Frauenbildungsvereins, Minerva" 31 Prag, welcher für Zulassung von weiblichen Hörern zu den medizinischen und philosophischen Fakultäten, sowie Errichtung eines Mädchengymnasiums eingekommen war und für seine Forderungen in dem Abgeordneten Graf Kaunis einen beredten Fürsprech ge= funden hatte. Nach dem Motto:" Getretner Quart wird breit, nicht stark," wurden bei den Anlässen all' die landläufigen Gemeinpläge gegen das Frauenstudium vorgebracht. Da mußte der sogenannte physiologische Beweis aufmarschiren, welcher aus dem angeblich minderwerthigen weiblichen Gehirn auf die angeblich minderwerthigen Fähigkeiten der Frau schließt. Und dies obgleich die Frage noch keineswegs endgiltig gelöst ist, und obgleich die Zulassung der Männer zu den Studien doch nicht von einer vorausgehenden Untersuchung ihres Gehirns abhängig gemacht, ihnen vielmehr Ellbogenraum gelassen wird, ihre Fähigkeiten zu erproben und zu beweisen. Da ward vor Allem der abgehezte, lendenlahme Klepper der Verweisung der Frau auf ihren Naturberuf," die Ehe, paradirt; da wurden gegenüber der nicht zu leuguenden Thatsache, daß immer größere Gruppen von Frauen der Mittelstände ihren Unterhalt nicht mehr in der Familie finden können, ihn vielmehr auf Grund einer beruflichen Erwerbsthätigkeit suchen müssen, die findlichsten und kindischsten Palliativmittelchen angepriesen, wie eine Zunahme der Eheschließungen bewirkt werden könne. Und dies angesichts von gesellschaftlichen Verhältnissen, welche mit einer für Taube und Blinde sinnenfälligen Deutlichkeit predigen, daß die Abnahme der Eheschließungen in engstem Zusammenhang mit unserer gegenwärtigen wirthschaftlichen Ordnung steht und nur zusammen mit dieser verschwinden kann; daß die unter dem Druck der Verhältnisse zerbröckelnde Familie nicht länger ihren Gliedern Unterhalt zu gewähren vermag; daß die Ehe, die Familie für die Mehrzahl der Frauen nur ihre frühere Rolle zu spielen vermöchten, wenn man im Stande wäre, unsere gesammte wirthschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung zu bremsen und um Jahrhunderte zurückzuschrauben. Kurz, von etlichen weißen Raben abgesehen, haben die Mitglieder der Behörden und Parlamente der Frage gegen= über eine Verständnißlosigkeit bewiesen, welche überraschen müßte, hätten uns die nämlichen Elemente nicht durch ihre Einsichtslosigfeit anderen Fragen gegenüber, welche an Bedeutung die des Frauenstudiums um Haupteslänge überragen, das Erstaunen längst abgewöhnt und uns zur größten Nachsicht und Anspruchslosigkeit erzogen. Daß für gewisse Schichten der Frauenwelt die Frage der Zulassung zu den höheren Studien als Vorbedingung für die Aus: übung bestimmter liberaler Berufe eine brennende Lebensfrage geworden, wer vermöchte das zu bestreiten? Troßdem theilen wir keineswegs die Ansicht der bürgerlichen Frauenrechtlerinnen, welche in dem Kampf für die betreffenden Rechte die Frauenfrage schlechthin, die Frauenfrage par excellence erblicken und glauben oder glauben machen möchten, daß diese Zeit- und Streitfrage eine alle Schichten der Frauen in gleichem Maße interessirende, daß ihre Lösung einer der Grundpfeiler für die gesellschaftliche Be= freiung des gesammten weiblichen Geschlechts sei. In Wirklichkeit ist die Frage keine allgemeine Frauenfrage, vielmehr, um den Ausdruck zu gebrauchen, eine Damenfrage. Die erhobene Forderung geht von den Bedürfnissen und Interessen der Frauen gewisser Kreise des Bürgerthums, des Mittelstandes aus und sucht diesen Bedürfnissen und Interessen gerecht zu werden. Daß sie im Namen der Allgemeinheit des weiblichen Geschlechts formulirt wird, ändert an ihrem Charakter nichts. Für die bei Weitem große Mehrzahl des weiblichen Geschlechts, für die Frauen des arbeitenden Volks, ist der Ausgang des Kampfes um die Möglichkeit der Universitätsbildung ohne praktische Bedeutung, ohne thatsächlichen Nußen. Mag man dem weiblichen Geschlecht die Thore aller Universitäten öffnen, für die Proletarierinnen bleiben in Folge ihrer Klassenlage die gewährten Rechte todte Buchstaben. Plätterinnen, Schneider, Fabrifarbeiter können ihre Töchter ebenso wenig wie ihre Söhne hohe Schulen beziehen lassen, und dies nicht einmal in dem Falle, daß der Unterricht daselbst unentgelt= lich sein sollte. Proletarischen Eltern ist es unmöglich, ihre Kinder bis zum zwanzigsten Lebensjahre und darüber hinaus zu erhalten. Auch über die prinzipielle Bedeutung des Rechts auf gleiche Bildung für beide Geschlechter können die Frauen und Töchter der Arbeiterklasse kühl genug denken. Das Beispiel ihrer männ lichen Klaſſengenossen zeigt ihnen, daß prinzipielle Rechte Wechsel ohne Kurs find. Außerdem wissen die Arbeiterinnen, daß die Sozialdemokratie, welche immer mehr mit dem klassenbewußten Proletariat zusammenfällt, die Gleichberechtigung des weiblichen Geschlechts anerkennt, daß das Proletariat mit seiner eigenen Befreiung auch diejenige der Frau vollziehen muß, weil seine Emanzipation nur möglich ist auf Grund wirthschaftlicher Verhältnisse, welche jede Herrschaft eines Menschen über einen anderen Menschen auf heben und allen Gliedern der Gesellschaft ohne Unterschied die gleich günstigen gesellschaftlichen Bedingungen für Entwicklung und Bethätigung ihrer Fähigkeiten bieten. Die Proletarierin hat ebenso wenig wie der Proletarier ein Klasseninteresse an der Verwirtlichung der Forderung:" Gleiche Bildung für beide Geschlechter" innerhalb der kapitalistischen Gesellschaft. Die Forderung zählt zu den verschiedenen Fragen, deren Lösung bereits die Bourgeoisie hätte vollziehen müssen auf Grund der Prinzipien, auf welche sie sich für ihre politische und gesellschaftliche Befreiung berief. Die Zulassung der Frauen zu den Universitäten, ihr Recht, liberale Berufe auszuüben, sind nur Schlußfolgerungen, welche sich aus der Erflärung der allgemeinen Menschenrechte, der Freiheit des Individuums ergeben. Als jedoch die Bourgeoisie unter diesen Schlagwörtern kämpfte und siegte, hatten sich die wirthschaftlichen Verhältnisse noch nicht so weit entwickelt, daß die Verselbständigung der Frau durch Berufsarbeit unabweisbare Nothwendigkeit geworden; es lag mithin auch kein zwingender Grund vor, die genannten Prinzipien auf das weibliche Geschlecht auszudehnen. Jezt, wo diese Nothwendigkeit vorhanden, haben sich die Verhältnisse bereits derart zugespitzt, daß klar zu Tage tritt, wie auch die Verwirklichung der an und für sich harmlosen, nicht revolutionären For derung in ihren Folgen zum Zusammenbruch der bürgerlichen Gesellschaftsordnung beiträgt. Deshalb tritt die bürgerliche Gesellschaft nur zögernd, widerwillig, dem Druck der Verhältnisse ge= horchend, an die Lösung der Frage heran. Bezeichnend ist, daß feine bürgerliche Partei die Forderung der gleichen Bildung für beide Geschlechter in ihr Programm aufgenommen, daß nur einzelne ihrer Anhänger Vorkämpfer derselben sind. Nur eine politische Partei, als Ganzes genommen, sympathisirt mit der Bewegung für Studienfreiheit des weiblichen Geschlechts: 42 der Besißenden auf Kosten des werkthätigen Volks, so tritt sie doch aus Gründen der Gerechtigkeit, Billigkeit und Humanität für diese Forderung ein. diese Forderung ein. Mit welcher Berechtigung dem weiblichen Theil gewisser Gesellschaftsschichten vorenthalten, was für den männlichen Theil derselben als selbstverständlich gilt? Die Sozialdemokratie kämpft gegen alle Vorurtheile, alle Unterdrückung, sie ist von jeher ein Anwalt aller Verknechteten gewesen, eine Wortführerin aller wirklich humanen Forderungen, eine Vorfämpferin aller Ideale. Wo und wann immer man die Frage von der Zulassung des weiblichen Geschlechts zu den höheren Studien und Berufsarten erhebt, da werden sich die klassenbewußten Arbeiter und Arbeiterinnen ihr mit Verständniß gegenüberstellen; sie werden thatkräftig für sie eintreten, soweit sie dies thun können, ohne ihre eigenen Klasseninteressen zu opfern und zu schädigen. So berechtigt der Kampf der bürgerlichen Frauenrechtlerinnen um die betreffenden Rechte ist, so kann er sich doch an geschichtlicher Bedeutung keineswegs mit dem Befreiungskampf der Arbeiterklasse messen. Dem Kampf um den Achtstundentag allein wohnt z. B. eine weit höhere kulturelle Tragweite inne, als der gesammten Bewegung der bürgerlichen Frauenrechtlerinnen. In Folge der Klassenunterschiede, der Klassenlage bringt die Verwirklichung der frauenrechtlerischen Forderung der großen Masse des weiblichen Geschlechts keineswegs die gesellschaftliche Befreiung. Ja, sie vermag nicht einmal die Mehrzahl der Frauen, denen sie zu Gute kommt, zu befreien. Schon jetzt ist eine Ueberproduktion an wissenschaftlich gebildeten Kräften vorhanden; auch der Gelehrtenstand, die liberalen Berufe haben ihre Reservearmee von Beschäftigungslosen, Brotlosen aufzuweisen. Dringt noch ein großer Bruchtheil der Frauen und Töchter des Mittelstandes in die betreffenden Thätigkeitsgebiete ein, so wird die Konkurrenz daselbst eine noch schärfere, erbittertere. Größere Schwierigkeiten müssen sich dem Einzelnen entgegenstellen, der eine gesicherte Lebensstellung erklimmen möchte, die Zahl Derer, welche es zu einer einträglichen Position bringen, muß gewaltig zusammenschrumpfen. Frauen wie Männer mit wissendie sozialdemokratische Partei. Die Sozialisten begreifen die wirthschaftlicher Ausbildung werden dem Proletariat der Kopfarbeit einschaftlichen Ursachen und Nothwendigkeiten, welche zur Verwirklichung der Forderung drängen. Je mehr durch die Großbourgeoisie die wirthschaftliche Existenz der Mittelschichten der Gesellschaft vernichtet wird, um so kleiner ist die Zahl der weiblichen Angehörigen derselben, welche durch die Verheirathung und in der Familie Versorgung finden, um so größer werden die Schaaren derer von ihnen, welche für ihren Unterhalt auffommen müssen. Daß die Betreffenden in Folge ihrer bisherigen gesellschaftlichen Stellung, ihrer Erziehung und Gewöhnung bei der Wahl einer Erwerbsthätigkeit zunächst an die liberalen Berufe denken, ist naheliegend; daß sie ihre Forderung auf Ausübung derselben mit allen möglichen Idealen und Prinzipien begründen, ist begreiflich. Nichtsdestoweniger ist und bleibt die von den bürgerlichen Frauenrechtlerinnen erhobene Frage der Bildung und Berufsthätigkeit der Frauen in letter Linie eine Brot- und Magenfrage, und gerade in diesem ihrem Charakter liegt die Bürgschaft ihrer Lösung. Aber wenn auch die wirthschaftlichen Verhältnisse die treibende Kraft der Strömung zu Gunsten gleicher Bildung für beide Geschlechter ist, so spielt doch bei den in Rede kommenden Bestrebungen auch das Bedürfniß nach höherer geistiger Ausbildung und Entwicklung eine Rolle. Ein heißer Bildungsdrang hat sich gerade der Schichten der Bevölkerung bemächtigt, welche bisher von der Geisteskultur so gut wie ausgeschlossen waren: der Arbeiterwelt, der Frauenwelt. Die Sozialisten bringen dem sich auch in den bürgerlichen Frauenkreisen regenden Streben nach Ausbildung und Entwicklung aller Fähigkeiten um so mehr Verständniß entgegen, als sie voll und ganz zu würdigen wissen, von welch hoher kultureller Bedeutung die Hebung des weiblichen Geschlechts für die Entwicklung der Menschheit iſt. Wenn sich die Sozialdemokratie auch nicht den geringsten Illusionen darüber hingiebt, daß die Verwirklichung der Forderung: Gleiche Bildung für beide Geschlechter" unter den heutigen Gesellschaftszuständen nur bedeutet: Gleiche Bildung der Töchter wie der Söhne gereiht, werden Sklaven des Kapitals, erfahren die ganze Schwere ihrer Klassenlage, lernen all' die Leiden kennen, unter denen das Proletariat der Handarbeit seufzt. Das Kapital wird auch die Mehrzahl der studirten Frauen in seinen Dienst pressen, sie einer schonungslosen Ausbeutung unterwerfen, sie proletarisiren. Auch für sie wird sich bewahrheiten, was für die Proletarierinnen der Handarbeit gilt, daß in der kapitalistischen Gesellschaft ihre wirthschaftliche Verselbständigung nur einen Wechsel des Herrn bedeutet, daß sie aus der Knechtschaft des Mannes in diejenige des Kapitalisten gerathen sind. Die Stunde der gesellschaftlichen Befreiung kann auch für diese Schichten der Frauenwelt wie für die große Masse derselben erst schlagen, wenn das Proletariat durch Ueberführung aller Produktionsmittel in den Besitz der Gesellschaft seine eigene Befreiung vollzieht und damit alle Gegensäße aufhebt zwischen Kapital und Arbeit, zwischen Kopf- und Handarbeit, zwischen Männer und Frauenarbeit. Arbeiterinnen- Bewegung. Die in der Kürschnerbranche beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen von Berlin hielten Anfang Februar eine öffentliche Versammlung ab, in welcher Herr Henning über die„ Sintfluth" sprach. In der auf den Vortrag folgenden Diskussion ward die Nothwendigkeit betont, die in der Branche beschäftigten Arbeiterinnen zu regerer Antheilnahme an dem Vereins- und Versammlungsleben heranzuziehen. Die Versammlung beschloß einstimmig, Genossen Peus anläßlich des während seiner Haft erfolgten Todes seiner Frau eine Beileidsadresse zu übersenden. Im sozialdemokratischen Agitationsklub für den Osten Berlins hielt Frl.Wabnih in der ersten Hälfte des Februar vor einer von Frauen und Männern stark besuchten Versammlung einen Vortrag über„ Das Problem der Armuth." Die Versammlung ward nach Absendung eines Beileidtelegramms an Genossen Peus mit einem begeisterten Hoch auf die Sozialdemokratie geschlossen. Am 1. Februar fand in Leipzig eine öffentliche Versammlung aller in Buchbindereien, Notenstechereien, Gravir- und Ziseliranstalten, sowie in den verwandten Berufszweigen beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen statt, welche sich mit folgenden zwei Fragen beschäftigte: 1) Die Bedeutung des bevorstehenden allgemeinen Gewerkschaftskongresses zu Halberstadt. 2) Der beendete Buchdrucker streik und die gemaßregelten Arbeiter und Arbeiterinnen. Zu Punkt 1 legte Herr Scherer in einem sehr beifällig aufgenommenen Vortrag dar, welche Bedeutung dem Halberstadter Kongreß bezüglich seiner Beschlußfassung der Organisationsfrage gegenüber innewohne. Im Prinzip sei die Zentralisation als die geeignetste Form der Organisation anerkannt, nur müßten mit Rücksicht auf die bestehende Vereinsgesetzgebung die organisirten Arbeiter Sachsens und anderer Länder erwägen, ob es zweckmäßig, die bestehenden größeren Vereine zu Gunsten der Einzelmitgliedschaft der bestehenden Zentralverbände auf zulösen. Für die kleineren Vereine erscheine es besser, wenn sich deren Mitgliedschaften als Einzelmitglieder den Verbandsvereinen anschlössen oder allgemeine Industrievereinigungen bildeten. Nachdem sich verschiedene Redner im Sinne des Referenten ausgesprochen, erklärten die Anwesenden, die Arbeiter und Arbeiterinnen der drei Gewerke durch einen gemeinsamen Delegirten auf dem Gewerkschaftskongresse vertreten zu lassen. Bezüglich des Buchdruckerstreiks und der gemaßregelten Buchdrucker und Hilfsarbeiterinnen beschloß die Versammlung, die Opfer des Kampfes für den Neunstundentag wiederum mit 1000 Mt. zu unterstützen und mit allen Kräften auch in Zukunft für die Gemaßregelten einzutreten. Frau Steinbach( Hamburg) sprach am 1. Februar in Gnoyen in einer von Frauen und Männern zahlreich besuchten Volksversammlung über„ Die heutige wirthschaftliche Stellung der Frau." Die Versammlung wäre um ein Haar der Auflösung verfallen, da sich die Rednerin nach Meinung der überwachenden Polizeibeamten auf politisches Gebiet gewagt hatte, ward aber trotz des Zwischenfalles glücklich bis zu Ende geführt. Aufgelöst wurde dagegen am 2. Februar eine Versammlung in Rostock, in welcher die nämliche Rednerin über„ Die gewerbliche Frauenarbeit und ihre Bedeutung für die Arbeiterbewegung" referirte. Als Auflösungsgrund mußte die von Frau Steinbach erhobene For derung auf gleiche Rechte für Frauen und Männer, zumal auf gleiche politische Rechte herhalten. Die Versammelten, deren Zahl ca. 1000 betrug, verließen unter Hochrufen auf die Sozialdemokratie und dem Gesang der Arbeiter Marseillaise den Saal. In Schwerin sprach Frau Steinbach am 3. Februar über das genannte Thema. Die betreffende Versammlung war sehr zahlreich, auch seitens der Frauen, besucht und hatte zur Folge, daß am nächsten Sonntag ein Pfarrer von der Kanzel herab gegen die Frauen donnerte, welche in sozialdemokratische Versammlungen liefen, anstatt die Kirche zu besuchen. Sollten Pfaffen und Junker fürchten, daß der berühmte antisozialdemokratische mecklenburgische Bauernschädel doch nicht so felsenfest ist, als man glauben machen möchte? In Eckernförde erörterte Frau Steinbach am 6. Februar in einer von mindestens 500 Männern und Frauen besuchten öffentlichen Versammlung das Thema:„ Das sozialdemokratische Programm und die Frau." Am Schlusse ihrer mit Begeisterung aufgenommenen Darlegungen forderte die Referentin die Frauen auf, in dem schweren Befreiungskampfe des arbeitenden Volks den Männern als treue Streitgenossinnen zur Seite zu stehen. Eine sehr gut besuchte Versammlung für Männer und Frauen fand am 7. Februar in Berlin statt. Herr Koblenzer hielt einen beifällig aufgenommenen Vortrag über„ Die Chartistenbewegung in England." Am 9. Februar referirte Herr Klüß( Elmshorn) in einer von Männern und Frauen start besuchten Volksversammlung zu Hemme bei Heide über das Thema:„ Die Sozialdemokratie und die Frauenfrage." Die Ausführungen des Redners, sowie diejenigen von Frau Kähler( Wandsbeck), welche in der Folge das Wort ergriff, wurden mit Begeisterung aufgenommen. In Lunden fand am 10. Februar eine Volksversammlung statt, der ungefähr 400 Frauen und Männer beiwohnten. Genosse Klüß sprach über das soeben genannte Thema, und die Versammlung, welche durch reichen Beifall ihre Zustimmung zu den Ausführungen des Redners erklärte, endete mit einem brausenden Hoch auf die Sozialdemokratie. In Elberfeld fand am 9. Februar eine öffentliche Versammlung für Arbeiter und Arbeiterinnen statt, in welcher Frau Rohrlack über„ Die Stellung der Frau in der Gegenwart" referirte. Das Lokal, welches ca. 800 Personen faßt, war lange vor Beginn der Versammlung derart überfüllt, daß der Zugang zu demselben gesperrt werden mußte. Die Rednerin führte, oft von stürmischem 43 Beifall unterbrochen, aus, daß die wirthschaftlichen Verhältnisse die Frau aus der Häuslichkeit in das industrielle und öffentliche Leben getrieben, sie schutz- und rechtlos der Ausbeutung durch das Kapital ausgeliefert hätten. Da sie dem Manne gleich um ihre Existenz fämpfen müsse, sei es nothwendig, ihr die nämlichen Waffen, die nämlichen Rechte zu verleihen, mit denen der Mann für seine Befreiung streitet. Die Versammlung erklärte sich in einer Resolution mit den gehörten Ausführungen einverstanden und erklärte, mit allen Mitteln für die Gleichstellung der Frau mit dem Manne eintreten zu wollen. Im Anschluß an die stattgehabte Versammlung ward ein Arbeiterinnen- Bildungsverein gegründet, dem sofort 110 Frauen beitraten. Frau Henrich Wilhelmi sprach am 10. Februar in Meißen in einer öffentlichen Versammlung des sozialdemokratischen Vereins über die„ Frauenfrage." Nachdem die Rednerin die gesellschaftliche Rechtlosigkeit der Frau und die angeblichen Beweise für ihre geistige Unterbürdigkeit einer scharfen Kritik unterzogen, schilderte sie die Ausbeutung, welche die Proletarierin unter der Herrschaft des Kapitals erfährt, und schloß mit dem Wunsche, daß Frau wie Mann kämpfen möge für das hohe Ideal der Befreiung der arbeitenden Klasse vom Druck der kapitalistischen Gesellschaftsordnung, für das Jdeal der Verwirklichung jener besseren Gesellschaft, in der Alle frei, gleich Brüdern und Schwestern leben können. Die auch seitens der Frauen sehr gut besuchte Versammlung zollte den Ausführungen lebhaften Beifall. In Wesselburen sprach am 11. Februar Frau Kähler ( Wandsbeck) vor einer zahlreichen Versammlung über„ Die Sozialdemokratie und die Frauenfrage." Die Rednerin führte aus, daß die Befreiung des weiblichen Geschlechts nur in der sozialistischen Gesellschaft erfolgen fönne, weil erst in derselben alle Verhältnisse fortfallen, welche die Herrschaft eines Menschen über einen anderen Menschen begründen. Lebhafter Beifall folgte ihren Ausführungen. Das Agitationskomité von Hamburg hatte für den 11. Februar in Eppendorf eine öffentliche Volksversammlung einberufen, welche sich eines zahlreichen Besuches von Arbeitern und Arbeiterinnen erfreute. Herr Weinheber hielt einen Vortrag über„ Die Lage der arbeitenden Klasse," an dessen Schluß er auf die Nothwendigkeit hinwies, das Proletariat auf politischem und gewerkschaftlichem Gebiete zu organisiren. Frau Blohm legte darauf in klarer und überzeugender Weise dar, daß sich die Frauen und Mädchen des Proletariats gleichfalls organisiren und mit den Männern zusammen am Kampfe ihrer Klasse theilnehmen müßten. Am 13. Februar fand in Bernburg eine öffentliche Versammlung der Tabakarbeiter und Arbeiterinnen statt, welche sich unter anderem mit der Stellungnahme zu dem Halberstadter Gewerkschaftskongreß und mit der Wahl eines Delegirten zu demselben beschäftigte. Herr Strobel führte aus, daß der Kampf der Arbeiter und Arbeiterinnen gegen den Kapitalismus eine gute, stramme und widerstandsfähige Organisation erfordere, und daß es die Aufgabe des bevorstehenden Gewerkschaftskongresses sei, eine solche zu schaffen. Frau Blohm( Hamburg) referirte am 13. Februar in einer gut besuchten Volksversammlung zu Jhehoe über das Thema:„ Zweck und Nutzen der Frauenorganisation." Die Anwesenden erklärten ihre Zustimmung zu den gehörten Ausführungen und beschlossen die Gründung eines Arbeiterinnen- Bildungsvereins, dem sofort gegen 50 Mitglieder beitraten. In Oldesloe sprach Frau Steinbach am 14. Februar über „ Die Frauenbewegung und das sozialdemokratische Programm." Die auch von Frauen stark besuchte Versammlung zollte der Rednerin lebhaften Beifall und erklärte sich in einer Resolution mit ihren Schlußfolgerungen einverstanden. -In einer Mitte Februar in Rendsburg abgehaltenen öffentlichen Versammlung referirte Frau Steinbach über„ Das Programm der sozialdemokratischen Partei und das Genossenschaftswesen." Die Anwesenden, unter denen sich viele Frauen befanden, wählten Frau Wackerhagen als Delegirte zu dem am 28. Februar stattfindenden Parteitag für Schleswig- Holstein. Ueber den„ Entwurf des neuen Volksschulgesetzes" sprach Herr Stritskowsky in einer von dem sozialdemokratischen Agitationsflub für den Osten Berlins einberufenen öffentlichen Versammlung für Männer und Frauen. Die Versammlung erklärte sich nach Schluß des Vortrags in einer längeren Resolution unter Berufung auf das sozialdemokratische Programm gegen den Gesetzentwurf; sie erklärte ferner, daß im Landtag kein Abgeordneter eine der betreffenden Forderung des sozialdemokratischen Programms entsprechende Haltung eingenommen habe und verlangte mithin die Einführung des gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts für die Landtagswahlen. Am 14. Februar fand in Bamberg eine Volksversammlung statt, welche folgende drei Punkte auf ihrer Tagesordnung hatte: 1) Arbeitslosigkeit und Lebensmittelvertheuerung; 2) Die Stellung der Frau in der heutigen Gesellschaft; 3) Die Arbeiterpresse und deren Bedeutung. Ehe die Versammlung in die Tagesordnung eintrat, mußten die anwesenden Frauen auf Befehl des überwachenden Polizei beamten das Lokal verlassen, und dies, obgleich das Bamberger Amtsgericht erst fürzlich entschieden, daß Frauen an allen öffentlichen Ver sammlungen theilnehmen dürften. Auf Veranlassung des Vorsitzenden mußte darauf der überwachende Polizeibeamte 6-8 seiner Kollegen, welche in Zuwiderhandlung gegen die Gesetzesvorschriften dienstlich in der Versammlung erschienen waren, gleichfalls aus dem Saale weisen. Die Versammlung nahm, nachdem Herr Löblein über die drei Punkte der Tagesordnung referirt hatte, folgende Resolution an:„ Die heutige Volksversammlung ist mit den Ausführungen des Referenten vollständig einverstanden, und erklärt, Alles daran zu setzen, den Frauen das gesetzliche Versammlungsrecht erkämpfen zu helfen. Die Versammlung erklärt ferner, daß die heutige privatkapitalistische Produktionsweise unfähig ist, der Arbeiterklasse eine menschenwürdige Existenz zu gewährleisten, daß vielmehr eine Besserung erst dann eintreten wird, wenn die kapitalistische Produktionsweise in die sozialistische übergeführt worden ist. Die Anwesenden verpflichten sich, dafür eintreten zu wollen, daß in möglichst fürzester Zeit in Bamberg ein Preßorgan ins Leben gerufen wird, welches die Interessen der Arbeiter voll und ganz vertritt." In Altenburg fand am 14. Februar eine öffentliche Versammlung aller in der Buch- und Papierbranche thätigen Arbeiter und Arbeiterinnen statt, welche sich mit dem bevorstehenden Gewerkschaftskongreß beschäftigte. Nachdem Herr Scherer sich über die Bedeutung der auf dem Kongreß zur Verhandlung gelangenden Organisationsfrage verbreitet und die Gründung von Unionen befürwortet hatte, erklärte sich die Versammlung in einer Resolution mit den Ausführungen des Referenten einverstanden und versprach, nach besten Kräften für die Verwirklichung der Beschlüsse des Halberstadter Kongresses zu wirfen. -In einer zahlreich besuchten öffentlichen Versammlung der Schneider und Schneiderinnen von Berlin, welche am 14. Februar stattfand, sprach Herr Pfeiffer unter lebhaftem Beifall über den ,, Arbeiterfang bei den verschiedenen Konfektionsfirmen" und geißelte mit treffenden Worten die miserablen Arbeitsverhältnisse, unter denen manche Firmen ihre Produkte herstellen lassen. Verschiedene Kollegen bestätigten die gemachten Ausführungen, betonten die von der HausWeihnachten. Erzählung von M. Kautsky. ( Fortsetzung.) Die Anwesenden waren verblüfft, sie sahen sich gegenseitig an, als fönnten sie es dem vom Gesicht lesen, der die Schuld an diesen Thränen trage; dann drängten sie sich theilnehmend um das Mädchen. , Was ist Dir geschehen? Rosa, sprich doch," bat Auguste. „ Das ist zu viel!" wiederholte Rosa. 11 " 1 " Was ist denn zu viel, doch nicht die Broche, Du Kind?" Der Falsche, der Abscheuliche, einer solchen Bosheit hätte ich ihn nimmer für fähig gehalten." Sie vermochte vor Schluchzen nicht weiter zu reden. „ Sie müssen sich deutlicher erklären, wir verstehen Sie nicht," sagte Karl. " Friz hatte indeß das Schächtelchen herbeigebracht. Was fonnte Sie dabei erzürnen oder verlegen?" fragte er im unschuldigen Ton. Rosa schnellte in die Höhe, ihre Hände sanken von ihrem Gesicht, die blauen Augen, in denen noch die Thränen standen, wendeten sich mit einem drohenden, zornigen Ausdruck wieder gegen Friz. Sie fragen noch!" rief sie, und ihre Stimme zitterte. ,, Glauben Sie, ich hätte die Anspielung nicht verstanden? D, Sie haben sie nur allzu deutlich gegeben." Sie trat ihm noch einen Schritt näher, in ihren Fingern begann es wieder zu zucken, aber es mußte etwas in dem Ausdruck seiner Augen liegen, das den drohenden Ausbruch in Weichheit löste. Sie fiel Auguſten um den Hals.„ Er hat mir sehr wehe gethan!" schluchzte sie in einem herzbrechenden Ton. " " Aber womit denn, Rosa?" Mit der Spinne, ich weiß es, er hält mich für eine giftige Person." Friß öffnete, von einem Gedanken erfaßt, die kleine Schachtel, die er in der Hand hielt. Da lag die unheilbringende Brosche. Er besah sie mit einem raschen Blick. Auf dunklem Grund war 44 industrie gezeitigten Mißstände und die Nothwendigkeit der Forderung auf Errichtung von Betriebswerkstätten. Am 15. Februar fand in Berlin eine gut besuchte Volksversammlung statt, in welcher Reichstagsabgeordneter Förster über „ Die Bedeutung der Gewerkschaftsbewegung für die Frauen" referirte. Der Redner erkannte eine besondere Arbeiterinnenbewegung nicht an. In dem Befreiungskampf der politisch und wirthschaftlich rechtlosen Klassen falle die Frage der Geschlechter völlig fort. Wo beide Geschlechter zusammenarbeiten, sollten sie sich auch zusammen organisiren. Unrecht und unzweckmäßig sei es, wenn sich die Frauen behufs Wahrnehmung vermeintlicher Spezialinteressen separiren. Nur dort, wo es auf Grund der bestehenden Verhältnisse nicht anders möglich sei, sollten sich die Arbeiterinnen selbständig organisiren. Die fort schreitende Konzentration des Kapitals und die Koalitionen der Großkapitalisten treiben die Arbeiter und Arbeiterinnen zur gewerkschaftlichen Organisation, deren Bedeutung nicht überschätzt werden dürfe, und die durch die politische Bewegung ergänzt und vervollständigt werden müsse. In der an den Vortrag anknüpfenden sehr lebhaften Diskussion vertrat Frau Ihrer den Standpunkt, daß die Frauenbewegung den Boden für die Einbeziehung der Arbeiterinnen in die große ganze Arbeiterbewegung vorbereite. Die Versammlung erklärte sich mit den Ausführungen des Referenten einverstanden und versprach, die Frauen den Fachvereinen zuzuführen. In Jhehoe fand am 15. Februar eine öffentliche Versammlung von Frauen und Mädchen statt, in welcher ein ArbeiterinnenBildungsverein gegründet ward, dem sofort 62 Mitglieder beitraten. Nach Berathung und Annahme der Statuten empfahl Herr Kellermann den Anwesenden, in reger Weise unter den Arbeiterinnen des Ortes zu agitiren und sich durch die Verleumdungen und Lügen der Lokalpresse nicht beirren zu lassen. Frau Steinbach sprach am 16. Februar in einer öffentlichen Volksversammlung zu Barmbeck über„ Die Lage der Plätterinnen" und wies auf die Bedeutung und den Nutzen des am Orte bestehenden Zentralvereins für Plätterinnen hin. Die Ausführungen der Rednerin wurden sehr beifällig aufgenommen. Am 17. Februar fand in Hanau eine öffentliche Versammlung für Frauen und Mädchen statt, in welcher Herr Vetters( Frank furt) über das Thema:„ Die Frau und der Sozialismus" sprach und seine Ausführungen an Bebel's bekanntes Buch anknüpfte. Die Versammlung schloß mit dem Gesang der Arbeiter- Marseillaise. in ziemlich roher Ausführung eine Spinne gemalt, wie sie auf ihrem Neze sisend soeben eine Fliege verspeiste. " Er hat mich damals so genannt," fuhr Rosa fort, und er hat mir dies heute absichtlich vor die Augen gebracht, damit ich nicht vergessen soll, wie er von mir denke." ,, Das ist ein merkwürdiger Verdacht," brach Frizz jest los, die Schachtel sammt ihrem Inhalt auf den Boden schleudernd. „ Aber ich weiß es ja, ich bin in Ihren Augen ein ganz erbärmlicher Mensch, ein Abgrund der Abscheulichkeit bin ich." Er rannte aufgeregt im Zimmer auf und nieder. Rosa war bestürzt in den Sessel zurückgesunken. Indeß war auch der kleine Georg herbeigesprungen, er hob die Brosche vom Boden auf und drängte sich damit an Rosas Knie. ,, Gefällt Dir die Spinne nicht?" fragte er in seinem findlichen Ton. Weine nicht, Rosa, die Mutter wird Dir die andere faufen, die mit der Taube, die war viel schöner." 11 Rosa blickte auf. Hat denn die Mutter? Auguste, Du haft die Brosche gekauft?" ,, Natürlich, wer sonst? Es ist nur eine Kleinigkeit," setzte die gute Seele entschuldigend hinzu.„ Ich hatte vorerst die mit der Taube ausgesucht, aber dann fand ich, daß die Spinne auch recht hübsch sei, und daß sie eine viel bessere Nadel habe." !! Die Spinne war billiger," versicherte Georg treuherzig, ,, darum hat sie die Mutter gekauft." Rosa drückte den kleinen an sich und schloß ihm mit einem Kusse den Mund, dann sprang sie auf und warf ihre Arme der Freundin um den Hals." Gustel," rief sie, gleichzeitig lachend und weinend. Was mußt Du, was werdet Ihr alle von mir denken? Ich bin so ein dummes, albernes Ding, ich hatte eine so lächerliche Einbildung, ich möchte mich selber dafür prügeln, Gustel, Mahlknecht, ich bitte Euch, verzeiht mir." " Karl sah sie an und schüttelte dabei etwas mißbilligend den Kopf. Sie sind ein eraltirtes Mädchen, aber wenn Sie Jemand " 1 In einer großen öffentlichen Versammlung der Plätterinnen zu Berlin sprach Herr Dr. Christeller am 19. Februar über ,, Krankheitsentstehung durch Einathmen von Leuchtgas" und empfahl einen ausgedehnten Arbeiterschutz, um Arbeiter und Arbeiterinnen des Plättgewerbes vor der Schädlichkeit dieses Gases zu schützen. Die Versammlung erklärte, daß die Einführung der Gasplätterei nur den Fabrikanten nüße, die Gesundheit der damit Beschäftigten jedoch schädige; sie beauftragte den Versammlungsausschuß, beim Polizeipräsidium vorstellig zu werden, damit von sanitätspolizeilicher Seite aus der Gasplätterei Einhalt geboten werde. In Fürth fand am 22. Februar eine von dem Buchbinderfachverein und dem Arbeiterinnenverein veranstaltete öffentliche Versammlung statt, in welcher Frau Zetkin über„ Die Bedeutung der gewerkschaftlichen Organisation für die Arbeiterinnen" referirte. Die sehr zahlreich besuchte Versammlung erklärte, daß sie mit den Ausführungen der Referentin einverstanden sei, und daß sie in einer strammen, einheitlichen Organisation aller in der Papierbranche beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen eine Waffe erblicke, um gegen die kapitalistische Ausbeutung anzufämpfen. Die Anwesenden gingen nach einem begeisterten Hoch auf die Arbeiterbewegung aller Länder und dem Gesang der Marseillaise auseinander. -Am 28. Februar fand in Osnabrück eine öffentliche Versammlung für Frauen und Mädchen statt, zu welcher der Andrang so stark war, daß die Polizei lange vor Eröffnung derselben das Lokal sperrte. Frau Rohrlack sprach in zweistündiger Rede über„ Die Stellung der Frau in der heutigen Gesellschaft," und die Versammlung erklärte durch stürmischen Beifall ihre Zustimmung zu den trefflichen Ausführungen. -In der Mitgliederversammlung des Allgemeinen Arbeiterinnenvereins für Berlin und Umgegend sprach Frl. Wabniz am 9. Februar unter reichem Beifall über„ Das Problem der Armuth." Der Verein ehrte das Andenken der Frau Peus durch Erheben von den Sitzen, sowie durch Entsendung eines Kranzes und eines Beileidstelegramms. Der Verein der Fabrikarbeiterinnen von Stettin wählte in seiner Mitgliederversammlung vom 10. Februar Frau Kähler als Delegirte zu dem Gewerkschaftskongreß und Frau Pangram als Delegirte zu der bevorstehenden Generalversammlung des Verbandes deutscher Fabrikarbeiterinnen. Herr Stoklassa sprach am 10. Februar in dem Verein zur Vertretung der gewerblichen Interessen der Frauen und Mädchen Hamburgs über Frauenwirken, Wissen und seine Förderung." um Verzeihung bitten, dann müssen Sie's bei dem thun," er wies auf Friz, der von ihnen hinweg zum Fenster getreten war, ihn haben Sie wirklich und ganz ungerechtfertigt beleidigt." " " Ja, es ist wahr!" rief Rosa von Neue erfaßt. Sie eilte rasch auf den jungen Mann zu, blieb aber auf halbem Wege stehen. Es schien sie einen recht schweren Kampf zu kosten, und doch fühlte sie diesmal ihr Unrecht und hätte es wirklich recht gerne wieder gut gemacht. Wenn er nur etwas entgegen gefommen wäre, wenn er es ihr nur in etwas erleichtert hätte! Aber da stand er steif, wie aus Holz gedrechselt, er hatte das Gesicht dem Fenster zugefehrt, und er trommelte mit den Fingern gegen die Scheiben. Schrittweise und zögernd war sie dennoch näher ge= fommen. Jetzt streckte sie die Hand aus und hielt sie ihm entgegen, er mußte es wohl bemerkt haben, aber er rührte sich nicht. " Friß!" Unwillkürlich war dies Wort über ihre Lippen gesprungen, und co lag eine Welt von Empfindung darin. Zorn und Reue, es eine Drohung und eine Bitte sprach sich gleichzeitig darin aus. Frizz wandte sich mit einer jähen Bewegung ihr zu. Er war blaẞ geworden. Was wünschen Sie, Fräulein Rosa?" sagte er rauh. Tas leidenschaftliche Mädchen stampfte mit dem Fuß auf. " Sie wollen mir es also unmöglich machen, Sie um um Ver: zeihung zu bitten?" " 11 Wie können Sie dies auch thun," entgegnete er bitter. ,, Wie können Sie mich, von dem Sie eine so schlechte Meinung haben, wie können Sie einen rohen Burschen, von dem Sie glaubten, daß er Sie in frecher Weise verhöhnen fonnte, um Verzeihung bitten?" " Ich bitte auch nicht immer um Verzeihung, Sie wissen es wohl!" brauste sie auf, aber heute thue ich es, denn ich bin im Unrecht, ich hatte mich in eine abgeschmackte Jdee verrannt, ich sehe das ein, und es thut mir leid." „ Na, was willst Du mehr, Du Bedenklicher," begann Karl. " Damit kannst Du Dich zufrieden geben, dächte ich." Er trat 45 In der Mitgliederversammlung des Zentralvereins der Fabrik und Handarbeiterinnen Deutschlands, Zahlstelle Wandsbeck, referirte Herr Fischer über„ Die wirthschaftliche und gesellschaftliche Stellung der Frau" und wies die Nothwendigkeit der gewerkschaftlichen Organisation der weiblichen Arbeitskräfte nach. Der Verein wählte Frau Kähler als Delegirte zu dem Halberstadter Gewerkschaftskongreß. Der Buchbinderfachverein zu Hannover hielt am 13. Februar eine außerordentliche Generalversammlung ab, in deren Verlauf die Aufnahme der in dem Buchbindergewerbe beschäftigten Arbeiterinnen in die Organisation stattfand. Geleitet von der Ansicht, daß die Arbeiterinnen besser getrennt von den Arbeitern zu organisiren seien, hatte der Fachverein vor einem Jahre einen Verein der graphischen Arbeiterinnen gegründet, war aber im Laufe der Zeit durch die gemachten Erfahrungen zu der gegentheiligen Meinung bekehrt worden und hofft nun von der gemeinsamen Organisation der Arbeiter und Arbeiterinnen das Beste. In der ersten diesjährigen Generalversammlung des Vereins der Kurbelstepperinnen, Stepper 2c. von Berlin, welche am 14. Februar stattfand, ward auf Grund des Kassen- und Thätigkeitsberichts der Beweis für die ruhige und stetige Entwicklung der Organisation geliefert. Der Antrag, den Monatsbeitrag um 10 Pfennig zu erhöhen und dafür den Mitgliedern unentgeltlich die Gleichheit" zu liefern, ward lebhaft unterstützt und angenommen. Die Versammlung erörterte in der Folge die Frage eines Lohntarifs und die Vortheile des von dem Verein ins Leben gerufenen Arbeitsnachweises. -Der Zentralverein der Fabrit und Handarbeiterinnen Deutsch lands, Zahlstelle Eimsbüttel, beschloß in seiner Mitgliederversamm lung vom 14. Februar, seinen Siz nach Altona zu verlegen und ver schiedene Bestimmungen seines Statuts zu ändern. Am 16. Februar hielt der Allgemeine Arbeiterinnenverein sämmtlicher Berufszweige Berlins und Umgegend seine Generalversammlung ab, welche Zeugniß von seinem Gedeihen ablegte. Nachdem der Verein das Andenken der Frau Peus geehrt hatte, erläuterte Frau Fahrenwald mehrere Paragraphen des Vereinsgesetzes. Der Verein beschloß, seinen Mitgliedern die„ Gleichheit" zu liefern. Der Allgemeine Frauen und Mädchenverein für Mainz und Umgegend hielt am 17. Februar seine Mitgliederversammlung ab und hörte einen sehr beifällig aufgenommenen Vortrag über das Thema:„ Der Arbeitslohn des Mannes und dessen Einfluß auf die Gestaltung der Familie." zwischen die Beiden.„ Macht Friede, Kinder, Ihr sollt uns den heutigen Abend verschönern helfen, aber solche Mißtöne können wir dabei nicht brauchen." " „ Ich habe einzig die Schuld daran, Herr Mahlknecht; warum bin ich auch herüber gekommen!" Rosa wendete sich zum Gehen, Karl hielt sie zurück. Sie sind eine schrecklich entschiedene Person, ein rechter Troßkopf sind Sie, fönnen Sie sich nicht etwas sanfter geben, etwas nachgiebiger, etwas mäßiger? Wenn Sie in dieser Weise fortfahren, dann werden Sie eine unglückliche Frau und Gattin werden, denfen Sie daran, Rosa." Rosas Augen füllten sich abermals mit Thränen.„ Ich weiß es wohl, daß ich für keinen passe, ich will auch eine alte Jungfer werden." " 1 Nun, da haben wir's!" rief Starl in launiger Desperation. Sollte da Einer nicht aus der Haut fahren? Er wird ein alter Junggeselle, wie er mir vorhin fest versicherte, und sie wird eine alte Jungfer!" In dem Augenblick wendeten sich die Blicke der jungen Leute in forschender Neugier einander zu. Sie wollten wohl genau wissen, wie denn so ein in vornhinein Geopferter aussehe. Als ihre Augen mit diesem Ausdruck sich begegneten, zuckte es in ihren Mienen heiter auf, und als sie fühlten, daß sie nun wieder dasselbe Gesicht machten, brachte diese unwillkürliche Uebereinſtimmung eine so komische Wirkung auf sie hervor, daß sie gleichSo lacht nur die zeitig in ein herzliches Lachen ausbrachen. Jugend, so unvermittelt, so unwiderstehlich. Karl stimmte mit ein, und auch Auguste, die den kleinen Hans zu Bette gebracht hatte und nun herbeigeeilt war, lachte mit ohne recht zu wissen warum. " f So ist's recht," sagte Karl, so gefallt Ihr mir. Benußt die gute Stimmung, reicht Euch die Hände, und ich will von Zank und Streit zwischen Euch, für heute wenigstens, nichts mehr hören." ( Fortsetzung folgt.) In Calais fand Anfang Februar eine große öffentliche Versammlung statt, welcher auch mehrere Hunderte von Frauen beiwohnten. Nachdem Lafargue unter stürmischem Beifall über die Fragen der„ Trennung der Kirche vom Staat" und der„ Vertheuerung der Lebensmittel durch die Zollpolitik" gesprochen hatte, überreichte ihm ein junges Mädchen im Namen der sozialistischen Organisation von Calais eine rothe Fahne als Sinnbild der Forderungen der Arbeiterklasse, für welche der Referent stets eingetreten sei, und für die er gegenivärtig in der Kammer kämpfe. In dem Kampfe, welchen in letzter Zeit die Londoner Arbeiter in dem Stadttheil Chelsea für Wahrung ihres Rechts, sich im Freien zu versammeln, ausfechten, nehmen auch Frauen einen energischen Antheil. Nicht nur viele Männer, meist Sozialisten, sondern auch zwei Frauen sind verhaftet und verurtheilt worden, weil sie den Versuch gewagt, in Chelsea eine Versammlung unter freiem Himmel abzuhalten. Die eine der tapferen Frauen ist die Plätterin Frau Ham, Mitglied des Gewerkvereins der Wäscherinnen, die andere Frau Sykes. Die versammelte Menge bereitete den Frauen, die viel Muth und Kaltblütigkeit bewiesen, bei ihrer Abführung durch die Polizei begeisterte Ovationen. 46 In Landstowne( Nordamerika) haben sich die Dienstmädchen in einer Union organisirt, deren Mitglieder nicht in Wochen- und Monatarbeit gehen, sondern nur für Tagelohn arbeiten. Die Union miethete ein großes Haus, in welchem ihre Mitglieder gesunde und freundliche Schlaf- und Speiseräume gegen mäßigen Preis finden. Die organisirten Dienstmädchen schaffen nur eine bestimmte Anzahl von Stunden gegen festen Tagelohn, Ueberarbeit muß besonders bezahlt werden. Ihre Lage hat sich seit Gründung der Union bedeutend verbessert und die feinen Damen des Städtchens schimpfen in allen Tonarten über die unverzeihliche Anmaßung ihrer bisher so fügsamen weißen Sklaven. Wann werden in Europa die Frauen der„ besseren Stände" Anlaß haben, beim Kaffeeklatsch über die Organisation ihrer Dienstmädchen zu zetern? Zum Kapitel der polizeilichen Mißhandlung des Vereinsund Versammlungsrechts ist zu berichten, daß in Straßburg i. E. eine öffentliche Versammlung der Schneider und Schneiderinnen nicht erlaubt ward, weil der Referent Knoop aus Frankfurt der Polizei als notorischer Sozialdemokrat bekannt sei. In Bamberg ward wieder einmal eine für Männer und Frauen angemeldete und genehmigte Versammlung nachträglich verboten, obgleich kurze Zeit vorher das Bamberger Schöffengericht entschieden hatte, daß den Frauen nur der Zutritt zu Vereinsversammlungen verboten sei, in denen politische Themata behandelt würden. Stickerinnen- Elend. Auf die erbärmlichen Lohn- und Erwerbsverhältnisse der Stickerinnen ist fürzlich ein grelles, durchaus wahrheitsgemäßes Licht gefallen anläßlich eines Prozesses, den der Inhaber eines großen Stickereigeschäfts in München, Herr Schmidt, gegen die sozialdemo fratische Münchener Post" angestrengt hatte. Die genannte Zeitung hatte nämlich im Sommer vorigen Jahres vier Briefe, Von einer Stickerin" unterzeichnet, gebracht, in denen die Ausbeutung der Stickerinnen im Allgemeinen, besonders aber die im Geschäft des Herrn Sch. üblichen schamlosen Lohnverhältnisse einer scharfen Kritif unterzogen wurden. Den dritten Brief hatte Herr Sch. besonders ehrenrührig gefunden, da in demselben seine Handlungsweise als ,, Uebervortheilung und Ausbeutung der Arbeiterinnen" bezeichnet worden, und so war er gegen den Redakteur der Münchener Post" wegen Beleidigung flagbar geworden. Die Prozeßverhandlungen förderten ein so erdrückendes Beweismaterial für die Richtigkeit der in den Briefen gethanen Behauptungen zu Tage, daß in Wirklichkeit aus dem Kläger ein Angeklagter wurde, der von rechtswegen als Ausbeuter schlimmster Sorte auf die Anklagebank gehört hätte. Als erste Zeugin wurde eine Frau Dr. Kattner vernommen, welche das Sticken als„ Nebenerwerb" betreibt, durch Vermittlerinnen für das Sch.'sche Geschäft arbeitet, über die daselbst herrschenden Verhältnisse gut unterrichtet ist und sich als Verfasserin der fraglichen Briefe bekannte. Frau Kattner hielt ihre Behauptungen bezüglich der Ausbeutung der Stickerinnen voll und ganz aufrecht und verlangte, daß die Wahrheit derselben durch die Vernehmung anderer Zeuginnen eidlich erhärtet werde. In der Folge wurden viele Frauen und Mädchen, welche für Herrn Sch. gearbeitet, unter Zeugeneid ver nommen. Die Aussagen der Zeuginnen fügten sich zu einem so grauenhaften Bild von den Lohnverhältnissen der Stickerinnen zusammen, daß das bei den Verhandlungen anwesende Publikum, das zum überwiegenden Theil aus Stickerinnen bestand, seine Erregung kaum bemeistern konnte. Am interessantesten und belastendsten sind die Aussagen einer als geschickt bekannten Kunststickerin, Frl. Röberlin, die lange im Tagelohn und Stücklohn für Herrn Sch. gearbeitet hat. Als Musterstickerin erhielt sie bei 12stündiger Arbeitszeit einen Tagelohn von 1 Mk. 10 Pf. Jm Stücklohn verdiente sie pro Tag 1 Mt., bei 19stündiger Arbeitszeit 2 Mt., schaffte fie ununterbrochen 24 Stunden lang, so brachte sie es zu einem Tagesverdienst von 3 Mt. Das Stickmaterial( Garn, Seide 2c.) mußte sie selbst zahlen, so daß sich in Wirklichkeit ihr Verdienst noch niedriger stellt. Für einen Läufer, an welchem sie 2-2 Tage fleißig arbeitete, erhielt sie 4 Mt., Schoner, von denen sie günstigsten Falls drei in einem Tage fertig brachte, werden mit 60 Pf. pro Stück entlohnt. Von ihrem Verdienst müssen auch in diesem Falle die Auslagen für Stickmaterial und die Spesen für die Vermittlerin in Abzug gebracht werden. Die Vermittlerinnen ziehen für ihre" Mühe" von jeder Mark Verdienst gewöhnlich 10 Pfennig( unter einer Mark 5 Pfennig) ab; es ist jedoch auch vorgekommen, daß eine von ihnen auf 2 Mark 70 Pfennig Verdienst als Vermittlungsgebühr 90 Pfennig erhob! Die im Sch.'schen Geschäft üblichen Löhne lassen sich nicht durch niedrige Verkaufspreise erklären; ein Läufer, für welchen die Zeugin 3 Mark Arbeitslohn erhielt und bei dem sie sich die Finger blutig sticken mußte, wird für 25 Mark verkauft und wirft einen Profit von 10-12 Mark ab. Die Zeugin erklärte u. a. ,,, daß sie durch das Sticken ganz kaput geworden sei, sie habe schon gestickt, daß sie das Blutbrechen bekam." Als die Arbeiterinnen bei Herrn Sch. um Ausbesserung ihrer Löhne nachsuchten, ward ihnen die Antwort, wenn sie zu den Arbeitsbedingungen nicht mehr schaffen wollten, so werde er im Zuchthaus arbeiten lassen. Die von Frl. Köberlin angeführten Thatsachen fielen um so schwerer als Beweisgründe für die Ausbeutung der Stickerinnen in die Wagschale, als die Zeugin anerkanntermaßen in ihrem Berufe ausnahmsweise geschickt und tüchtig ist, es mithin zu einem höheren Tagesverdienst bringt, wie die Mehrzahl ihrer Kameradinnen. Die Aussagen der übrigen Zeuginnen vervollständigten das traurige Gemälde von den Erwerbsverhältnissen der Stickerinnen. Mittlere Stickerinnen verdienen besten Falls 70-80 Pf. pro Tag ihr Verdienst kommt höchstens dem ortsüblichen Lohnsatz für„ Lehrmädchen" gleich, und dies bei 12, 14stündiger, ja noch längerer Arbeitszeit; weniger geübte Arbeiterinnen haben einen Tagesverdienst von 50 und 30 Pf. Und es giebt Leute, welche sich angesichts solcher Hundelöhne über die Zunahme der Prostitution verwundern! Herr Sch. suchte seine Lohnschinderei dadurch zu rechtfertigen, daß er eine Lieferung von 30 000 Stück Schonern nach Amerika zu äußerst billigen Preisen übernommen habe, und daß er doch sehen müsse, wo er bleibe, mit dürren Worten: die Arbeiterinnen müßten halb verhungern, damit er ruhig seine Profite einsäckeln könne. In der heutigen Gesellschaft, wo Alles feil ist, findet die schlechteste Sache gegen Bezahlung einen Vertheidiger. Und so hatte sich auch ein Anwalt gefunden, der sich redlich Mühe gab, an Herrn Sch. eine Mohrenwäsche zu vollziehen. Nachdem der Unzufriedenheit der Arbeiter und Arbeiterinnen mit der gebührenden sittlichen Entrüstung Eins versetzt worden, suchte der mittels der landläufigen Wortfalschmünzerei als„ Rechtsanwalt" titulirte Herr an Stelle des Geschäftsinhabers die Vermittlerinnen und die sich aus den„ besseren Ständen" rekrutirenden Schmutzkonkurrentinnen als Prügelknaben unterzuschieben. Nun hatten die Verhandlungen wohl helles Licht auf das verhängnißvolle Treiben der Vermittlerinnen, die verhängnißvollen Folgen des Schwitzsystems geworfen, wohl hatten sie den Beweis für die unanständige Schmutzkonkurrenz der„ höheren Töchter" und „ besseren Frauen" erbracht, allein nichts destoweniger erschien die Rolle der Vermittlerinnen, der Schmußkonkurrentinnen bezüglich der Ausbeutung der Berufsstickerinnen als ein nebensächliches, wenn auch verschlimmerndes Moment. Als Hauptursache von deren miserablen Erwerbsverhältnissen entpuppte sich immer und immer wieder die nimmersatte Profitwuth des kapitalistischen Unternehmers. Der Vertheidiger des Redakteurs der„ Münchener Post," der in trefflicher Rede die gewissenlose Ausbeutung der mit Schwitzsystem und Schmutzkonkurrenz der Frauen, für welche das Sticken nur Nebenerwerb, nicht Broterwerb ist, verquickten Mißstände geißelte, beantragte die Freisprechung seines Klienten. Der Prozeß habe die im Sch.'schen Geschäft thatsächlich herrschende Ausbeutung der Arbeiterinnen bewiesen, der Redakteur des sozialdemokratischen Blattes habe durch die Veröffentlichung der Briefe nur die berechtigten Interessen der Stickerinnen wahren wollen. Das Gericht schloß sich dieser Auffassung an, sprach den Angeklagten frei und verurtheilte Herrn Sch. zur Zahlung sämmtlicher Kosten. Die Münchener Stickerinnen können dem sozialdemokratischen Blatt um so dankbarer sein, daß es die in Sch.'s Geschäft herrschenden schauerlichen Zustände an die Deffentlichkeit gezogen, als sich die felt Ha def geg vo so wä we Th wu Hu da die hei Fr 310 au S un au de ih A St δε ei 111 I 11 h δι t f i 2 6 i S ( selben zu verallgemeinern drohten. In Folge der in dem genannten Hause üblichen Lohnschinderei konnten die übrigen Stickereifirmen dessen Konkurrenz nicht Stand halten, ließen zum Theil nicht mehr gegen höhere Löhne selbst sticken, bezogen vielmehr ihre Waaren fertig von Herrn Sch., der mit der Zeit die Münchener Stickereiindustrie so gut wie monopolisirt hätte. Hungerlöhne für alle Stickerinnen wären dann die Regel geworden. Der Prozeß hat von einem kleinen Eckchen der Ausbeutung der weiblichen Arbeitskraft den Schleier gelüftet. In seiner trockenen Thatsächlichkeit redet er ganze Bände von der kapitalistischen Profit wuth, von der Rolle des Schwitzsystems, der Schmutzkonkurrenz, von Hungerlöhnen und dem materiellen, geistigen und sittlichen Elend, das sie im Gefolge haben. Hungerlöhne, lange Arbeitszeit und, um die Dreieinigkeit voll zu machen, die Prostitution, das ist der Weisheit höchster Schluß, zu der es die kapitalistische Gesellschaft der Frauenarbeit gegenüber gebracht hat. Die Arbeiterinnen aller Berufs zweige und aller Orten denn was von den Stickerinnen und aus München berichtet wird, das könnte man ebenso gut von den Schneiderinnen, Näherinnen, Verkäuferinnen zc. aus Berlin, Wien und Hunderten von Städten berichten werden die Sprache der Thatsachen bezüglich ihrer Klassenlage, ihrer Klasseninteressen und auch ihrer Klassenpflichten verstehen, verstehen auch, von welcher Bedeutung, von welchem Nuzen behufs Aufdeckung ihrer Leiden die Thätigkeit der sozialdemokratischen Presse ist, die stets und überall ihrer Aufgabe nachkommen wird, Wortführerin der Enterbten und Ausgebeuteten zu sein. Anna Louisa Karschin. ( Schluß.) Sie traf oft auf ihren Wanderungen mit dem Schneider Karsch zusammen, der immer freundlich gegen sie war, und gegen den sie darum eine gewisse Dankbarkeit hegte. Er machte ihr einen Heirathsantrag, den sie annahm, wiewohl sie den Mann nicht liebte. Sie knüpfte sich damit eine schwere Fessel für lange Jahre ihres Lebens. Hatte sie bisher dürftig gelebt, so lernte sie nun erst die eigentliche bittere Noth kennen. Es stellte sich bald heraus, daß ihr Mann ein Müssiggänger und Trunkenbold war, der nicht nur das eigene, sondern auch das Geld der Frau ins Wirthshaus trug. Als nun noch die Sorge für Kinder hinzu kam, stieg die Noth auf den höchsten Grad. Die Kleidung der Starschin bestand zu einer Zeit nur aus Lumpen, so daß sie sich in der Kirche hinter einem Pfeiler verbarg, weil sie sich vor den Blicken der Menschen schämte. Auch jetzt ließ das tapfere Weib den Muth nicht fahren. Die Karschin hatte eine große Fertigkeit im Versemachen erworben; sie versuchte es, die Predigten des Pfarrers Herold in poetische Form zu bringen, und dies mit so gutem Erfolg, daß sie an Herold und Leuten seiner Bekanntschaft Gönner erwarb, die sie mit Geld und mit Büchern unterſtüßten. Gern hätte sie viel gelernt, allein sie fand nur wenig Zeit dafür; ihr Mann war nicht zu bessern, und sie mußte allein für den Unterhalt der zahlreichen Familie sorgen. ,, Vier Kinder um mich her und neben mir ein Gatte, Der feinen Gram um Brot und keine Pflichten hatte, Als über mich ein Herr zu sein! Die Sorgen blieben alle mein," sagt sie mit Bezug auf ihr damaliges Leben. 1755 zog die Starschin mit ihrem Manne und den Kindern nach Glogau. Der Kreis derer, mit denen sie bekannt wurde, erweiterte sich, Bestellungen auf Gelegenheitsgedichte gingen zahlreicher ein, zu ihren Stunden gehörten jetzt schon junge Offiziere, denen sie Lieder auf ihre Schönen dichtete. Von vornehmen Leuten ward sie hier und da eingeladen, um ihnen nach der Tafel und vor dem Tanze Gedichte zu deklamiren. Auf einer ihr zugegangenen Einladungskarte heißt es:„ Es wird etwas Pifantes gewünscht, auch eine Hymne auf den König und die Armee." Zum ersten Male erfahren wir bei der Gelegenheit, daß sie derartige Hymnen dichtete, die ihr am besten bezahlt wurden. Es lag im Geschmacke der Zeit, den„ großen Friedrich" und seine Siege zu besingen, alle Dichter der damaligen sogenannten preußischen Dichterschule wetteiferten in seinem Lobe. Leider stimmte auch unsere gute Starschin in den Ton der Zeit ein, und nicht allein um des Broterwerbes willen entstanden ihre Poesien an Friedrich. Die Dichterin war eine viel zu ehrliche Seele, als daß sie falsche Töne an47 gestimmt oder geheuchelt hätte. Es geht ein Zug wirklicher Begeisterung durch ihre Hymnen an den König, und die Biographen der Dichterin stellen ihre kriegerischen Oden als ihre besten Gedichte hin, ein Urtheil, dem wir uns nicht anschließen können. Das Jahr 1761 brachte einen Wendepunkt in ihrem Leben. Der kunstsinnige und menschenfreundliche Baron Kottwiß war mit ihr bekannt geworden und entriß sie und ihre Kinder dem Elend, indem er sie mit nach Berlin nahm. Troß der Hindernisse der schlimmsten Art, gegen welche die Karschin anzukämpfen gehabt, hatte sie sich doch zu einer Persönlichkeit entwickelt, die sich sofort in Berlin die Achtung und Liebe Aller gewann, die zu ihr in Beziehung traten. Allein ihr Talent, ihr Geist reiften erst jetzt, wo sie freier aufathmen konnte, und Freunde sich ihrer und ihrer geistigen Fortbildung annahmen. Sie erkannte dies dankbar an. In Berlin verlebte sie eine kurze glückliche Zeit im Hause des edlen Kottwiß, dessen sie ihr ganzes Leben hindurch in ihren Gedichten mit Dankbarkeit gedenkt. Die Ausgabe ihrer ausgewählten Gedichte, die 1764 veranstaltet wurde, trägt als Widmung ein begeistertes Gedicht auf ihren ersten Wohlthäter." Leider starb dieser bald, und die Dichterin war in der Folge ge= zwungen, eine Dachwohnung zu beziehen, an deren Thür die alten Bekannten, Noth und Kummer, manchmal wieder anklopften. In Berlin war sie sogleich in den Kreis der dort lebenden Dichter aufgenommen worden, die ihr Talent neidlos schäßten. Menschenfreundlich nahm sich vor Allem Gleim ihrer an. Der gute Mann war als Dichter herzlich unbedeutend, aber Goethe spricht ein wahres Wort aus, wenn er von ihm sagt:„ Er hätte ebensowohl des Athemholens entbehrt, als des Dichtens und Schenkens." Seine Freude am Geben rettete manches junge Talent, und auch seine liebe Freundin Sappho," wie er die Karschin immer nannte, erfuhr viel Gutes von ihm. Anna Louisa hat ihrem Wohlthäter dankbar manchen Vers gewidmet, denn die Dankbarkeit gehört zu den Grundzügen ihres Charakters, und sie vergaß Niemand, der ihr je Wohlwollen erwiesen. " In allen Liedern der Karschin berühren die Stellen am rührendsten und wahrsten, in denen sie an Verhältnisse ihres eigenen Lebens anknüpft. Ungemein sympathisch ist auch das tiefe Mitgefühl für fremde Leiden, das aus manchen ihrer Gedichte spricht und sie als echte Proletarierin kennzeichnet. Wo sie konnte, half sie mit der That, wo ihr dies unmöglich war, gab sie ein Lied, welches oft Leute ergriff, die thatkräftig Hilfe leisten konnten. Voll warmen, echten Gefühls ist z. B. das bei einem solchen Anlasse entstandene Lied:" Fürbitte für eine Witwe." In Folge ihrer Freundschaft mit von Kottwiß und den bekann= testen Dichtern der Zeit war die Karschin in Berlin bald zu Ruhm und gesellschaftlichem Ansehen gelangt. Nicht nur die Kenner von Kunst und Wissenschaft wollten mit der Dichterin bekannt werden, auch Leute der vornehmen Welt ließen sie in ihre Paläste holen und überschütteten sie mit Auszeichnungen. Was hätte näher gelegen, als daß sie, das einfache Bauernkind, in der Folge eitel geworden wäre, wie dies auch nach verschiedenen Seiten der Fall gewesen sein soll. Als Beweis dafür wird der Brief einer jungen schönen Gräfin angeführt, welche der Karschin wegen ihres Auftreten bei einem Feste Eitelkeit und Hoffart vorwarf. Uns scheint, daß die Dichterin bei der betreffenden Festlichkeit höchstens eine gewisse naive Freude am Puz an den Tag gelegt hat. Und das ist wohl verzeihlich seitens eines armen Weibes, das vor seinem 40. Lebensjahr niemals ein hübsches Kleid besessen und oft genug in Lumpen einhergegangen war. Im Jahr 1763, zur Zeit, wo sie den größten äußeren Ruhm genoß, ward sie auch Friedrich II. in Sanssouci vorgestellt. Wir besigen den Wortlaut des Gespräches zwischen beiden. Der König fragte die Dichterin wie irgend einen seiner Grenadiere aus. Als er ihre mißliche Lage erfuhr sie bewohnte damals schon ihr Dachſtübchen entließ er sie mit den Worten:„ Na, ich will schon sehen, daß ich Ihr helfe." Die Hoffnung der deutschen Sappho" auf das Königswort sollte enttäuscht werden: statt einer Versorgung erhielt sie vom großen Friedrich zwei Thaler, die sie mit einem beißenden Spottvers zurücksandte. Wie viele oder richtiger wie wenige unserer modernen, in Verhimmelung " Nr. 6 der ,, Gleichheit" gelangt am 21. März 1892 zur Ausgabe. der Hofgötter erster benden Dichter und Schriftsteller hätten den Muth gehabt, in ähnlichem Falle wie die Karschin zu handeln. Heutzutage würde ein literarisches Bediententrinkgeld, das eine allerhöchste Hand allergnädigst zu reichen geruht, wahrscheinlich von dem glücklichen Empfänger in Gold gefaßt werden. Zwanzig Jahre später die Dichterin zählte 61 Jahre und befand sich gerade in besonders großer Dürftigkeit ward die Karschin von ihren Freunden gedrängt, doch den König an sein altes Versprechen zu erinnern. Die Freunde waren überzeugt, daß er ihr ein Haus bauen lassen werde. Alter und Armuth hatten wohl zusammen ihren früheren Stolz gebrochen, denn in poetischer Form wendete sie sich mit ihrer Bitte an den König. Und was that Friedrich Umständen gegenüber, wo es galt, sich weder königlich noch kunstverständig, sondern nur einfach menschlich zu zeigen? Der große König sandte der armen alten Frau diesmal großmüthig drei Thaler, sage und schreibe drei Thaler. Dies mal behielt sie ihre Noth mußte jedenfalls sehr groß sein das Geld, sie antwortete auch nicht durch einen Spottvers, viel= mehr durch ein Gedichtchen, aus dem uns eine unendliche Bitterkeit, eine herbe Anklage entgegen tönt. ,, Seine Majestät befahlen, Mir anstatt ein Haus zu bauen Doch drei Thaler auszuzahlen. Aber für drei Thaler kann In Berlin fein Hobelmann Mir mein letztes Haus erbauen, Sonst bestellt' ich ohne Grauen Heute mir ein solches Haus, Wo einst Würmer Tafel halten Und sich ärgern überm Schmaus Bei des abgehärmten, alten, Magern Weibes Ueberrest, Das der König darben läßt." Erst der Nachfolger Friedrichs löste dessen Versprechen ein, er schuf ihr ein Heim und entriß sie der drückendsten Noth. Doch sie konnte sich der Ruhe und verhältnißmäßigen Behaglichkeit nicht lange freuen; sie fränkelte ein paar Jahre und starb 1791. Ihr treuer, inzwischen erblindeter Freund Gleim ließ ihr ein Denkmal seßen mit der Grabschrift: Hier ruht Anna Louisa Karschin. Kennst Du, Wanderer, sie nicht, So lerne sie kennen." Was die einst gefeierte, deutsche Sappho" geschaffen, ist heute so gut wie vergessen, obgleich sich darunter Ansprechendes und künstlerisch Tüchtiges findet. Ihre Gestalt aber verdient ein Wort der Erwähnung an dieser Stelle als lebendige Verkörperung des in den breiten, tiefen Voltsmassen schlummernden unbezwinglichen Bildungsdranges, als Verkörperung des hier nach Befreiung, nach Bethätigung ringenden Talentes. Von ihrem Lebensgange und ihrem Charakter, troß mancher Mängel desselben, scheint sich ein gewaltiger, leidenschaftlicher Schrei loszulösen, der Schrei nach Licht, mehr Licht, nach Sonnenschein und fruchtbarem Erdreich, deren das in der Masse ruhende Talent, deren der Charakter seiner Träger zu ihrer vollen Entwicklung bedürfen, kurz der Vorbedingungen für künstlerische und sittliche Größe, die einzig und allein durch eine neue Gesellschaftsordnung geschaffen werden können. L. W.-K. Kleine Nachrichten. Der sozialdemokratische Abgeordnete Schwartz( Lübeck) führte kürzlich in einer Sigung des Reichstags an, daß die Frauenarbeit auf den Seedampfern immer mehr überhand nimmt, und daß die Ursache der Erscheinung in der knauserigsten Lohndrückerei seitens der Schifffahrtkompagnien und Schiffbesitzer zu suchen sei. Die Verwendung von Frauen könne in Stunden der Gefahr verhängnißvoll werden, da dann alle Mann, auch Köche und das übrige Hilfspersonal, auf Deck müßten. Das Kapital fennt keine Rücksichten auf Menschenleben, es kennt nur den Profit. Der Züricher Kantonsrath hat sich im Prinzip für die Zulassung der Frauen zur Advokatur erklärt. Die italienische Kammer hat ausnahmsweise einmal einen sehr vernünftigen und einsichtsvollen Beschluß gefaßt; sie erkannte 48 den Frauen das Recht zu, als Richter bei gewerblichen Schieds gerichten zu fungiren. Die Mehrzahl der deutschen Reichstags abgeordneten, in deren Häuptern das Gespenst der„ züchtigen Haus frau," des„ ewig Weiblichen" aus der Zeit umgeht, da der Großvater die Großmutter nahm, und denen die wählende Frau" ein kindisches Entsetzen einjagt, konnten sich bekanntlich bei Berathung des Gesetzes über die Gewerbegerichte nicht zu der gleichen Einsicht aufschwingen. Und doch ist die Nothwendigkeit, den Industriearbeiterinnen das aktive und passive Wahlrecht für die Gewerbegerichte zu verleihen, so flar, wie daß zweimal zwei vier ist. Die königlich englische Arbeitskommission, welche vor Jahres frist eingesetzt ward, um die Verhältnisse der Arbeiter zu untersuchen, hält es für ihre Pflicht, hauptsächlich Arbeiter zu vernehmen und zwar besonders solche von ihnen zur Berathung heranzuziehen, welche in der Gewerkschaftsbewegung bezw. der Arbeiterbewegung eine hervor ragende Rolle spielen. So wurde vor Kurzem der Sekretär der Gewerk schaft der Matrosen und Feuermänner vernommen. Die Kommission hat unter anderen auch vier in der Gewerkschaftsbewegung sehr be kannte Frauen zu Mitgliedern der Kommission ernannt. Welcher parlamentarischen oder behördlichen Kommission in Deutschland wird es auch nur im Traume einfallen, z. B. die Genossinnen Ihrer, Rohrlack, Steinbach und Wabniz behuss einer Untersuchung über Arbeiterverhältnisse und Ausarbeitung eines Arbeiterschutzgesetzes zu Rathe zu ziehen, ja auch nur zu hören? Dafür marschiren wir aber auch in Deutschland an der Spitze der Kultur, die ihr Jdeal in der Züchtung von Millionären erblickt. An der Universität zu Melbourne haben die ersten beiden Damen ihr Gramen als Aerztinnen, eine dritte Dame ihr Examen für Philologie glücklich bestanden. " Von Frl. v. Alten ging uns untenstehende Aufforderung" zur Veröffentlichung zu. Wir werden auf den Inhalt derselben ge legentlich an anderer Stelle zurückkommen. Aufforderung. Nachdem der Allgemeine Deutsche Frauenverein( Leipzig) die große Hauptarbeit seines letzten Vereinsjahres beendet und die von ihm angeregte und glücklich ausgeführte Massenpetition um zu lassung der Frauen zum ärztlichen Beruf mit 50 296 Unterschriften versehen( nebst einem Nachtrag von 1400, also 51 696 Stimmen), An fang November dem deutschen Reichstag in Berlin eingereicht hat, schreitet er sogleich zu weiteren Unternehmungen im Dienst des weibDer Verein hat die Absicht, eine Auswahl der jetzt zu Recht bestehenden Gesetze soweit sich dieselben auf unser Geschlecht be ziehen und daran anschließend einen Auszug aus dem neuen Entwurf zum bürgerlichen Gesetzbuch herauszugeben. lichen Geschlechts fort. Dieses Unternehmen hat den Zweck, die deutschen Frauen über ihre eigentliche Stellung vor dem Gesetz ihres Vaterlandes aufzu klären und so eine lebhafte Antheilnahme möglichst großer Frauen freise an der von unserm Verein demnächst geplanten Massenpetition des weiblichen Geschlechts, um Verbesserung seiner gesetzlichen Lage, vorzubereiten. Da die Arbeiten zum Entwurf des bürgerlichen Gesetzbuches das voraussichtlich viele Jahre in Kraft bleiben wird jezt in vollem Gange sind und wir aus dem uns schon vorliegenden ersten Entwurf erfahren, daß derselbe wohl einige, aber doch nicht aus reichende Verbesserungen für die Frauen enthält, scheint es uns an der Zeit zu sein, der Regierung unsere diesbezüglichen Wünsche und Bedürfnisse auszusprechen und zwar in Form einer Massenpetition! Ich erlaube mir, daran die freundliche Aufforderung zu knüpfen, durch Verbreitung der geplanten Schrift in Ihren Kreisen uns gütigst und nachdrücklich unterstüßen zu wollen. Das Heftchen wird in der Größe der bekannten Reklam'schen Ausgabe erscheinen, aber einen gut leserlichen Druck haben und der Preis dafür sich auf 15-20 Pfennig belaufen. Ich habe die Ehre, vom Vorstand mit den Vorarbeiten zur Herausgabe dieser Schrift beauftragt zu sein und bitte deshalb alle Bestellungen auf dieselbe möglichst bis Anfang März 1892 an meine hiesige Adresse richten zu wollen. Salzburg, Januar 1892. Riedenburgerstr. 7. Hedwig von Alten, Vorstandsmitglied. Allgemeiner Frauen und Mädchenverein für Mainz und Um gebung. Mitgliederversammlung Mittwoch, den 9. März, im Lokale zur„ Drothspitz," fleine Köthergasse.. Der Vorstand. Verein der Kurbelstepperinnen, Stepper 2c. Berlins. Mitglieder versammlungen jeden Mittwoch nach dem 1. und 15, eines Monats. Nächste Mitgliederversammlung am 16. März. Berantwortlich für die Redaktion: Fr. Klara Zettin( Eißner) in Stuttgart. Drud und Verlag von 3. p. w. Diey in Stuttgart. ม Di 10 vie bo 111 fö 111 le 111 b hi Ie et m d 11 น I e 11 " I t 11 {