Nr. v. 2. Jahrgang. Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen. Herausgegeben von Emma Ihrer in Vellen(Mark). Die„Gleichheit" erscheint alle 14 Tage emmal. Preis der Nummer 10 Pfennig, durch die Post(eingetragen unter Nr 2564 a) vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Pf.; unter Kreuzband 85 Pf. Inseratenpreis die zwetgespaltene Petitzeile 20 Pf. Stuttgart Mittwoch, den SZ. März 18SS Zuschriften an die Redaktion der„Gleichheit" sind zu richten an Fr. Klara Zetkin(Eißner), Stuttgart, Rothebühl- Straße 147, IV. Die Expedition befindet sich in Stuttgart, Furthbach-Straße 12. Dumm und Gemein. Das Elend der Arbeiterklasse schreit so siiineiifällig gen Himmel, daß ab und zu auch die Leute, welche nur Ohren zu haben scheinen, um nicht zu hören, und Augen, um nicht zu sehen, nicht umhin können, seiner gewahr zu werden. Die Satten und Besitzenden und ihre geistigen Leibgardisten und Troßbuben, die zünftigen Gelehrten, Schriftsteller und Journalisten, sind hin und wieder einmal gezwungen, anzuerkennen, wie ärmlich und erbärmlich die Lage von Millionen von Arbeitern nnd Arbeiterinnen ist. Sie Alle hüten sich aber in der Regel davor, anzuerkennen und auszusprechen, welches die Ursache jenes Elendes ist. Wenn man sie hört, so leiden Proletarier und Proletarierinnen nicht etwa, weil sie als Glieder der Klasse des Proletariats nichts besitzen als ihre Arbeitskraft, und diese bei Strafe des Verhungerns um jeden Preis an einen Kapitalisten verkaufen niüssen, sie leiden vielmehr in der Folge von dem oder jenem zufälligen Ereigniß, sie leiden vielmehr, und ganz besonders, durch ihre eigene Schuld. Mit der Fingerfertigkeit gewiegter Taschenspieler bringen es diese Herreu fertig, Hungerlöhne, lange Arbeitszeit, menschenunwürdige Arbeitsbedingungen, kurz die kapitalistische Profitwnth und ihre Folgen von der Bildfläche wegzuzaubern. Auf derselben lassen sie die Gestalt des„väterlichen Arbeitgebers" erstehen, der eigens Fabriken errichtet, Handel treibt, mogelt, Löhne beschneidet und Waaren fälscht, nur um recht vielen Leuten„Arbeit und Brot geben zu können." Davon, daß sich der nämliche väterliche »Arbeitgeber" von seinen Leuten etwas mehr als Brot, nämlich die Möglichkeit eines faullenzenden, höchst luxuriösen Lebens geben läßt, davon natürlich kein Wort. Und da die Armuth der werk- thätigen Masse doch in irgend Etwas ihre Ursache haben muß, so findet der in lilienweißer Unschuld prangende Kapitalist sein Gegenstück in den Gestalten der unvernünftig darauf loswirthschaftenden, ihren reichen Berdienst in Schnaps und Putz vergeudenden Arbeiter und Arbeiterinnen. So hat sich Herr Or. Umpfenbach, seines Zeichens Professor der Nationalökonomie in Königsberg, vom Geist— man frage ja nicht von welchem— getrieben gefühlt, die verschwendungs- wüthigen, prassenden Arbeiter und Arbeiterinnen gehörig abzukanzeln. Der Herr Professor spricht zwar blos von der„jungen Arbeiterbevölkerung," allein die von ihm erhobenen Vorwürfe fallen auch auf den älteren Theil derselben zurück, denn„jung gewohnt, alt gethan." „Was für Schnaps und Putz, für Jämmerlichkeiten und Erbärmlichkeiten der plattesten und leider oft denkbar gemeinsten Art verschwendet wird in den Kreisen unserer jungen Arbeiterbevölkerung, ubersteigt bei Weitem das Maß, welches man im Sinne und Geiste unserer Kulturstufe auch bei der tolerantesten Auslegung noch als vernünftig und anständig betrachten kann," salbadert der Herr. Nach seiner Berechnung beträgt das, was„die jungen Arbeiter und Arbeiterinnen" in Deutschland alljährlich„völlig unnütz verschwenden,"„mindestens" 200— 300 Millionen Mark. Wie sorgfältig Herr Umpfenbach die„völlig unnützen" Ausgaben der jungen Arbeiter und Arbeiterinnen nachgerechnet, erhellt aus dem Umstände, daß es ihm auf ganze 100 Millionen Mark mehr oder weniger nicht ankommt! Doch das nebenbei. Wie der Herr Professor die jungen Arbeiter viele Millionen in Schnaps verlumpen läßt, so vergeuden nach ihm die jungen Arbeiterinnen weitere Zehner und Zehner von Millionen mit„unnützem Pntz, Jämmerlichkeiten und Erbärmlichkeiten;" wenn die Einen und Anderen in trauriger Lage sind, so ist es mithin ihre eigene Schuld. Dem Herrn Professor scheint der Enquetebericht:„Ergebnisse der Ermittlungen über die Lebensverhältnisse der Arbeiterinnen in der Wäschefabrikation und der Konfektionsbranche," ihm scheinen die von den statistischen Bureaus mancher Städte, so Breslaus und Berlins, herausgegebenen„Ermittlungen über die Lohnverhältnisse der Arbeiter" Bücher mit sieben Siegeln geblieben zu sein. Kuno Frankenstein, ein bürgerlicher Forscher, gelangt auf Grund der daselbst und anderwärts enthaltenen unanfechtbaren Thatsachen zu dem Schlüsse:„Ein sehr großer Theil der Arbeiterinnen unserer Großstädte erhält Löhne, ivelche nicht hinreichen, die nothwendigsten Bedürfnisse des Lebens zu befriedigen, und befindet sich aus diesem Grund in der Zwangslage, entweder einen ergänzenden Erwerbszweig in der Prostitution zu suchen,� oder den unabwendbaren Folgen körperlicher und geistiger Zerrüttung zu verfallen." Der Gewerberath von Stülpnagel, ein ebenso unverdächtiger Zeuge wie der Genannte, fällt über die Verhältnisse von großstädtischen Arbeiterinnen, nachdem er deren Einnahmen und Ausgaben sorgfältig gegen einander abgewogen, folgendes Urtheil: „Eine Anfängerin und ungeschickte Arbeiterin kann, wenn sie auf sich allein angewiesen ist, ihren Unterhalt nicht verdienen. Eine geschickte, fleißige Arbeiterin, welche in der eigenen Familie Anhalt findet, braucht nicht zu darben." Wer die Lohn- und Lebensverhältnisse der Arbeiterinnen kennt, ja, wer nur die Thatsachen verfolgt, welche gelegentlich bei Prozessen, bei Verhandlungen von Gewerbeschiedsgerichten, welche Dank der Ermittlungen der gewerkschaftlichen und polilischen Organisationen der Arbeiter und ihrer Presse in die Oeffentlichkeit gelangen, der weiß auch, daß das Einkommen junger wie alter Arbeiterinnen derart bemessen ist, daß deren Putz- und Vergnügungssucht ein gar winziger Spielraum gelassen ist. Es ist bekannt, daß die Arbeiterinnen gerade unter Hinweis auf ihre Bedürfnißlosigkeit vom Kapitalisten noch härter als die Arbeiter ausgebeutet werden, daß ihre Löhne um ein Drittel, um die Hälfte niedriger sind als die ihrer männlichen Klassen- und Leidensgenossen. Angesichts ihres Verdienstes müßte man erstaunt fragen, wie überhaupt auf Grund desselben eine Existenz möglich ist, gäbe nicht das stetige Anschwellen der Prostitution und das niedrige durchschnittliche Lebensalter der Näherinnen, Schneiderinnen, Textilarbeiterinnen w. genügenden Aufschluß darüber. Frankenstein, von Stülpnagel und andere durchaus bürgerlich denkende Männer haben das eingesehen; anders Herr Professor Umpfenbach. Ihm hat allem Anschein nach der Anblick von Arbeiterinnen, die vielleicht ein buntes Band, einen feder- oder blumengeschmückten Hut, ein modisches Kleid trugen, derart geblendet, daß er offenkundige Thatsachen, wie die oben berichteten, nicht sieht und im Harnisch sittlichster Entrüstung gegen die Putzsucht der jungen Proletarierinnen zu Felde zieht. 50 In seines Herzens Unschuld scheint der gute Mann keine Ahnung davon zu haben, daß es eine ganze Reihe von Proletarierinnen giebt, so die Verkäuferinnen, Kontoristinnen, Tele- graphistinnen, Schneiderinnen, Modistinnen zc., welche nicht nur einfach und sauber, sondern elegant und nach der neuesten Mode gekleidet sein müssen, wollen sie Lohn und Brot finden, in Lohn und Brot bleiben. Eine nach dem Ideal des Herrn Umpfenbach in Sack und Asche einhergehende Verkäuferin könnte sicher darauf rechnen, erst am Sankt Nimmerlein Beschäftigung zu erhalten. Die der letzten Nummer einer Modezeitung entsprechende Kleidung, das geputzte, kokette Aeußere dieser Art von Lohnsklavinnen liegt im Interesse„der Ehre des Hauses," es gehört zur Reklame für das Geschäft so gut wie die zierlich geordneten Auslagen, die geschmackvoll arrangirten Schaufenster. Reichen die jungen Mädchen mit ihrem Lohn, paräon Gehalt nicht aus, so haben ja die Herren Geschäftsinhaber in der Regel den bekannten menschenfreundlichen Rath von dem„guten Freund," der Zuschuß liefert, zur Hand. Was die anderen Proletarierinnen, die Jndustriearbeiterinnen, anbelangt, so sollte ein Professor der Nationalökonomie der Letzte sein, der ihnen einen Vorwurf daraus macht, wenn auch sie sich einen bescheidenen Putz vergönnen. Es ist eine unter den Sozialökonomen gang und gäbe Ansicht, daß die steigende Kultur eines Volkes auch eine entsprechend höhere Lebenshaltung bedingt. Wenn sich die Arbeiterinnen, so gut es geht, zu schmucken und zu putzen suchen, wenn sie sich den und jenen kleinen Luxus der Toilette gestatten, so ist dies nur eine Aeußerung des durch unsere Zeit gehenden demokratischen Zugs, eine Aeußerung des Strebens, an der in unseren Tagen gebotenen Kultur theilzunehmen. Mag dieses Streben vielfach ein äußerliches bleiben, mag es sich öfters in geschmackloser Form offenbaren, es muß nichtsdestoweniger mit Freuden begrüßt werden als Anzeichen dafür, daß die Masse aus ihrer bisherigen kulturfeindlichen Bedürfnißlosigkeit erwacht ist, daß sie nach einer höheren Lebenshaltung trachtet. Die Arbeiterinnen putzen sich, weil auch ihre Bedürfnisse, ihre Anforderungen an das Leben gestiegen sind, weil sie nicht ein äußerliches Brandmal ihres Pariathums init sich herumtragen wollen, weil sich ihr Sinn für das Schöne, das ästhetische Wohlgefallen an sich und der Umgebung entwickelt und nach Befriedigung verlangt. Wenn sie bei diesem Bemühen oft einen schlechten Geschmack zeigen, wenn sie sich mit dem Schein an Stelle des Seins, mit„Jämmerlichkeiten und Erbärmlichkeiten" begnügen, so ist das wahrlich nicht ihre Schuld. Ihre Umgebung und Lebensverhältnisse sind nicht danach, einen geläuterten Geschmack zu entwickeln, und die sauer erworbenen Löhne reichen nicht zur Anschaffung von Brillanten, echten Spitzen und dem Auge schmeichelnden Sammt- und Seidenstoffen. Andrerseits, wer mehr als die Arbeiterinnen hat ein Recht darauf, kleidsame Kostüme zu tragen, sich mit all den hunderterlei niedlichen Sächelchen zu schmücken, welche heutzutage zur weiblichen Toilette gehören? Sind sie es nicht, deren fleißige Hände in rastloser Arbeit diese Dinge schaffen? � Aber während sich unsere Industriellen und Händler die größtmögliche Mühe geben, den Buschweibern, den Frauen der Hottentoten, Papuaneger und anderer Wilden im Punkte der Toiletteartikel die neuesten Errungenschaften der Kultur theilhaftig werden zu lassen, möchten sie am liebsten in der Beziehung unsere Arbeiterinnen auf den Standpunkt der Bedürfnißlosigkeit zurückschrauben, daß sie sich wie die fürwitzige Eva an einem Feigenblatt genügen ließen. Freilich hat die Verwirklichung des Ideals der proletarischen Genügsamkeit ihren Haken, den Herr Umpfenbach als Professor der Nationalökonomie am besten kennen müßte. Welchen Gnfluß würde es auf unser jetziges Wirthschaftsleben haben, wenn die Arbeiterinnen jährlich 100-�15(1 Millionen weniger für„Putz völlig unnütz" verschwenden wollten? Wenn Herrn Umpfenbach die Einfachheit der weiblichen Kleidung so am Herzen liegt, daß es ihn drängt, die Rolle eines Predigers in der Wüste zu spielen, so mag er sich mit seinen Büß- und Fastenpredigten an Kreise wenden, in denen ein wenig mehr Einfachheit und Bedürfnißlosigkeit recht sehr am Platze wäre. Der keuschen Seele eines gutgesinnten deutschen Professors gegenüber kann natürlich der Verdacht nicht aufkomme», derselbe könne in die Toilettegeheimnisse der Damen eingeweiht sein, welche an der Spitze der„besten Gesellschaft" und an der Spitze des Kurtisanenthums stehen. Aber die Tagespresse ist oft recht Plauderhaft, und so könnte auch unser jüngster Königsberger Weise erfahren haben, daß Frauen, Töchter und Mätressen der Könige der Finanz und der Grafen der Industrie einen Luxus treiben, neben welchem sich Salomo mit all seinen Herrlichkeiten verstecken müßte. Herr Umpfenbach mag nur unter den vom„landwirthschaft- lichen Nothstand" so schwer betroffenen, um Schutzzölle bettelnden Edelsten und Besten der Nation nachfragen, und er wird über die Putzsucht der Frauen und die Höhe der bezahlten Rechnungen bei Schneiderin und Modistin sein blaues Wunder hören. Freilich die betreffenden Frauen gehören zu den Lilien, die da wachsen, ohne zu arbeiten und zu spinnen, und die Gott doch so prächtig kleidet;— ihrer Putz- und Verschwendungssucht gegenüber verneigt man sich bewundernd und verstummt. Den Arbeiterinnen eine» Lorwurf aus dem bescheidenen Putz machen, den sie auf Kosten längerer, angestrengterer Arbeit, auf Kosten von Entbehrungen angeschafft haben, ihn für die ärmliche Lebenshaltung des weiblichen Proletariats verantwortlich machen, das ist ebenso dumm wie gemein. Arbeiterinnen-Verlegung. — Ii» vergangenen Monat fand eine Generalversammlung des Arbeiterinnen-Vereins und Buchbinderfachvereins zu Berlin statt, in welcher Herr Znbeil über den bevorstehenden Gewerkschaftskongreß referirte und sich in warmer Weise zu Gunsten der Zentralisation der gewerkschaftlichen Organisationen aussprach, — Im Februar fand in Dresden eine öffentliche Versammlung der in der Papierbranche beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen statt, in welcher Herr Scherer(Leipzig) über das Thema sprach: „Die nächsten Aufgaben der Gewerkschaften." In der folgenden Debatte wies Frau Eichhorn die Nothwendigkeit nach, auch die Frauen in die gewerkschaftlichen Organisationen einzubeziehen, ihnen gleiche Pflichten aufzuerlegen, aber auch gleiche Rechte zuzuerkennen. — In Wismar fanden im Laufe des letzten Monats zwei sehr gut besuchte öffentliche Versammlungen statt, welche viel dazu bei getragen haben, die Arbeiter des Ortes und der Uingegend emporzu- rütteln. In der ersten Versammlung sprach Frau Kähler(Wands- beck), in der zweiten Frau Sleinbach(Hamburg). — Frau Kühler(Wandsbeck) referirte am 17. Februar in Husum, am 18. Februar in Tönning über„Die Frauenfrage." Die zahlreich versammelten Anwesenden, unter denen sich sehr viele Frauen befanden, stimmten den gehörten Ausführungen zu, welche in der Forderung gipfelten, die Frauen an Rechten den Männern gleich zu machen, damit die Arbeiterinnen energisch ain Klassenkampf auf gewerkschaftlichem und politischem Gebiete theilnehmen können. — Ter Arbeiterverein zu Wolgast(bei Stettin, hielt am 20. Februar ein Fest ab, bei welchem Herr Storch(Stettin, über „Tie Ziele der Arbeitervereine" sprach. Der Referent betonte nach drücklichst, wie nothwendig es angesichts der krassesten Ausbeutung weiblicher Arbeitskraft sei, rege unter den Arbeiterinnen zu agitiren, um sie den Organisationen zuzuführen. — In Dresden fand am 21. Februar eine öffentliche Versammlung aller in der Kartonnagenindustrie beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen statt, welche sich init den„Zuständen in der Fabrik von Jakoby ck Zobel" befaßte. Der Besitzer derselben, Herr Markus, benützt die gegenwärtige schlechte Geschäftslage, um seine Arbeiter und Arbeiterinnen zur Akkordarbeit zu zwingen und die Löhne zu drücken, so daß ein guter"Arbeiter bei angestrengtem Schaffen höchstens 7— S Mark pro Woche verdienen kann. Die Lohnverhältnisse der Arbeiterinnen stellen sich noch ungünstiger. Die auch von Frauen stark besuchte Versammlung nahm eine Resolution an, in welcher es u. A. heißt,„daß, wenn die Arbeiter nicht zu Verbrechern werden wollen, sie für derartige Löhne nicht arbeilen können." — In einer am 21. Februar stattgehabten öffenllichen Versammlung für Männer und Frauen zu Berlin sprach Herr Türk über die„Hervorbringung und Vertheilung der Arbeitsprodukte." Die Versammlung erklärte in Anschluß an die Ausführungen des Referenten, daß die kapitalistische Erzeugung und Vertheilung der Produkte verwerflich ist, und daß an Stelle der kapitalistischen die sozialistische Wirthschaftsordnung treten müsse. r r e , e " Am 21. Februar fand in Berlin eine öffentliche Versamm lung für Frauen und Männer statt, in welcher Herr Pötzsch einen mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag über Nationalität und Internationalität" hielt. Redner geißelte die Heuchelei der Bourgeoisie, welche mit ihrem Patriotismus prahle und dabei behufs Erzielung fetterer Profite ausländische Arbeiter heranziehe und den inländischen Proletariern das Brot vom Munde wegnehme. Die Internationalität der Arbeiter sei eine Folge ihrer internationalen Klassenlage und Klasseninteressen, die nothwendige Antwort auf die Internationalität der kapitalistischen Ausbeutung. Der Verband deutscher Textilarbeiter und Arbeiterinnen, Filiale Berlin, nahm am 21. Februar in einer öffentlichen Versammlung nach einem einleitenden Vortrag von Herrn Mehner Stellung zu dem„ Halberstadter Gewerkschaftskongreß" und beschloß, sich auf demselben durch einen Delegirten vertreten zu lassen. Frl. Wabniz hielt am 24. Februar in einer öffentlichen Versammlung aller in Buchbindereien, Album-, Karton, Luxuspapierund Lederwaarenfabriken beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen von Berlin einen Vortrag über das Thema:„ Königs- und Gottesidee." Die Rednerin erntete für ihre klaren, überzeugenden Darlegungen reichen Beifall. Eine öffentliche, sehr gut besuchte Versammlung aller in Konditoreien, Zuckerwaaren- und Bisquitfabriken beschäftigten Gehilfen, Hilfsarbeiter und Arbeiterinnen von Hamburg fand am 25. Februar statt. Herr Fischer sprach über die„ Nothwendigkeit der Sonntagsruhe" und das Hamburger Gewerbegericht." Herr Völkel erläuterte " Zweck und Ziel des Zentralverbandes der im Konditoreigewerbe beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen." Die Versammelten er= klärten in einer Resolution, für Einbeziehung aller in ihrem Gewerbe thätigen Arbeiter und Arbeiterinnen in die Organisation wirken zu wollen. In Remscheid hielt Frau Rohrlack( Berlin) vor einer von Männern und Frauen zahlreich besuchten Versammlung ein Referat über die„ Stellung der Frau in der heutigen Gesellschaft." Die Rednerin leitete aus der gegen früher durchaus veränderten wirthschaftlichen Thätigkeit der Frau die für sie bestehende Nothwendigkeit ab, im sozialpolitischen Leben unserer Zeit eine durchaus veränderte Rolle zu spielen und zu diesem Zwecke nach Erlangung der entsprechenden Rechte zu streben. Die Versammlung bewies durch reichen Beifall, daß sie mit den Ausführungen der Referentin einverstanden war. Am 25. Februar fand in Wandsbeck eine öffentliche Versammlung der Plätterinnen statt, in welcher Frau Utesmark und Frau Steinbach mit kräftigen Worten die überaus traurigen Arbeitsund Lebensverhältnisse der Plätterinnen schilderten und diese zum Eintritt in die bestehende Organisation ihrer Arbeitsgenossinnen aufforderten. In Hamburg fand am 26. Februar eine öffentliche Versammlung der Binder und Binderinnen statt, in welcher Herr Feinp und verschiedene andere Redner über die„ Nothwendigkeit der gesetzlichen Regelung der Sonntagsarbeit in den Blumengeschäften" sprachen. Die daselbst an den Wochentagen übliche Arbeitszeit betrage 12 bis 14 Stunden, und die von dem Gesetz vom 1. April ab vorgesehene fünfstündige Sonntagsarbeit solle durch Umgehung und auf dem Petitionswege seitens der Geschäftsinhaber zu einer neunstündigen gemacht werden. Die Versammlung beschloß einstimmig eine Eingabe an die maßgebenden Behörden, damit den in Blumengeschäften thätigen Arbeitern und Arbeiterinnen wenigstens an Sonntagen die fünfstündige Arbeitszeit gewahrt bleibe. Herr Henning sprach am 28. Februar in einer gut besuchten öffentlichen Versammlung für Frauen und Männer zu Berlin über„ Das Christenthum der ersten Jahrhunderte." Die Versammlung nahm nach Schluß des beifällig aufgenommenen Vortrags folgende Resolution an:" Die in Knebel's Salon tagende öffentliche Versammlung für Männer und Frauen erklärt die in den letzten Tagen in Berlin stattgefundenen Krawalle für ganz zwecklose und unstatthafte Uebertretungen. Zugleich protestirt sie ganz energisch gegen das Urtheil der gegnerischen Presse, welche diese Krawalle der zielbewußten Sozialdemokratie an die Rockschöße hängen will, und ersucht den Magistrat zu Berlin, alle öffentlichen Arbeiten sofort in Angriff nehmen zu lassen, damit der so großen Arbeitslosigkeit gesteuert werde." Frau Lunau ermahnte die Anwesenden, kräftiger als bisher für die Agitation unter den Frauen einzutreten. Der Verein der Fabrik- und Handarbeiterinnen Deutschlands, Zahlstelle Lübeck, hielt am 28. Februar sein Stiftungsfest ab. Nach Aufführung des Lustspiels„ Die Bismarckspende" und Vortrag passender Lieder schilderte Reichstagsabgeordneter Schwarz in treffenden Worten„ Die Bedeutung des Festes und der Arbeiterinnenbewegung." " 51 Die sich Kopf an Kopf drängenden Festtheilnehmer zollten den Ausführungen des Redners warmen Beifall. Herr Türk hielt am 29. Februar in einer öffentlichen Ver-sammlung der Schriftgießer und Schriftgießerei- Hilfsarbeiterinnen von Berlin einen interessanten, applaudirten Vortrag über Frauenbefreiung." Der zweite Punkt der Tagesordnung:„ Wahl von drei Hilfsarbeiterinnen zur Ergänzung des Agitationskomités" gab Anlaß zu langen und lebhaften Erörterungen. Verschiedene Redner und eine Rednerin erklärten sich für die gemeinschaftliche Organisation der in der Schriftgießerei beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen, Herr Schmitt hielt es dagegen für das Beste, die Arbeiterinnen erst für sich allein organisiren zu lassen. Ein endgiltiger Beschluß betreffs der Organisation ward nicht gefaßt, es wurden jedoch drei Arbeiterinnen in das Agitationskomité gewählt. In Hamburg fand am 3. März eine öffentliche Volksversammlung statt, in welcher Frau Steinbach über„ Die traurige Lage der Plätterinnen" sprach und nachwies, wie dringend es sei, daß sich alle bei der Plätterei beschäftigten Arbeiterinnen organisirten. Eine öffentliche Versammlung der Frauen und Mädchen von Schiffbeck und Umgegend fand am 5. März statt. Herr Rosbizky sprach über„ Das soziale Elend und die arbeitende Klasse," und der Referent, sowie die nachfolgenden Redner und Rednerinnen betonten die Nothwendigkeit, recht energisch unter den Arbeitern und Arbeiterinnen zu agitiren, um alle ohne Unterschied des Geschlechts der großen Armee einzureihen, welche für Beseitigung des sozialen Elends und für Befreiung der Arbeiterklasse kämpft. " Am 5. März fand in Berlin eine öffentliche Versammlung der Militär- und Lieferungsschneider mit Frauen statt, welche sich mit der Frage des Halberstadter Gewerkschaftsfongresses," resp. seiner Beschickung durch einen Delegirten befaßte. Drei Redner sprachen sich gegen die Gründung von Unionen und für Erhaltung der Lokalorganisationen, sowie Ausbildung des Vertrauensmännersystems aus. Die Versammlung beschloß, von einer Beschickung des Kongresses abzustehen und gegen seine Abhaltung zu protestiren, weil die Delegirten der Lokalorganisationen nicht mit den nämlichen Rechten, wie die der Zentralorganisationen an ihm Theil nehmen dürften. -In einer öffentlichen Versammlung für Männer und Frauen, welche am 6. März in Berlin stattfand, sprach Herr Meyner über „ Das Jahr 1878 und die Rede des Freiherrn von Stumm." Der Redner zog einen sehr interessanten Vergleich zwischen der sozialpoli tischen Lage von 1878 und der von 1892 und erntete für seine Ausführungen reichen Beifall. Die Versammlung sprach in einer Reso lution u. A. die Ueberzeugung aus, daß sie in der Rede des Abgeordneten v. Stumm nur einen Nothschrei der Besitzenden erblicke nach Maßnahmen zur Unterdrückung der Sozialdemokratie, nachdem durch ihre„ geistigen Waffen" nur die geistige Unfähigkeit, der geistige Bankerott der besitzenden Klassen klar geworden ist." Der sozialdemokratische Arbeiterverein von Weißenfels hatte für den 7. März eine öffentliche Versammlung für Frauen und Männer einberufen, welche so zahlreich besucht war, daß das große Versammlungslokal kaum die herzugeströmte Menge fassen konnte. Reichstagsabgeordneter Bebel sprach unter reichem Beifall über den„ Parlamentarismus." Nach einem geschichtlichen Ueberblick über die Entstehung des Parlamentarismus und seine Entwicklung in England, Frankreich und Deutschland legte er die Bedeutung desselben für den Befreiungskampf des Proletariats dar. In der folgenden Diskussion verbreitete sich Bebel über den Unterschied zwischen„ Lumpenproletariern" und„ Arbeitslosen." Die Versammlung erklärte sich in einer Resolution mit seinen Ausführungen voll und ganz einverstanden und sprach dem Redner ihr Vertrauen aus. Eine gut besuchte Volksversammlung fand am 7. März in Flensburg statt. Frau Kähler sprach vor mindestens 2000 Personen, Männern und Frauen, über„ Die Frauenfrage und das sozialdemofratische Programm." Die Rednerin gab zuerst einen geschichtlichen Ueberblick über die Stellung des weiblichen Geschlechts und zeigte dann, wie die Frau des Volks mit der Entwicklung der Großindustrie aus der Herrschaft des Mannes in diejenige des Kapitalisten gerathen sei. Die wahre Befreiung der großen Masse des weiblichen Geschlechts sei deshalb in der jetzigen Gesellschaftsordnung unmöglich. Die Frau müsse Schulter an Schulter mit dem Manne fämpfen für Herbeiführ ung besserer sozialer Zustände. Die Versammlung nahm nach Schluß des mit begeistertem Beifall aufgenommenen Vortrags folgende Resolution an:„ Die am 7. März im„ Tivoli" tagende, von 2000 Personen besuchte sozialdemokratische Volksversammlung erklärt sich mit den Ausführungen der Referentin einverstanden und erblickt in der vollständigen Gleichstellung beider Geschlechter, in der Vereinigung der Interessen der Arbeiter mit denjenigen der Arbeiterinnen ein Mittel, die gesammte Arbeiterklasse zur Führung des Klassenkampfes fähiger zu machen; sie erklärt ferner, mit allen Mitteln für die Aufklärung der Volksmassen wirken zu wollen, um die breiten Schichten der Arbeiterbevölkerung zur Erkenntniß ihrer Klassenlage zu bringen." Am 9. März fand in Berlin eine zahlreich besuchte öffentliche Volksversammlung statt, in welcher Reichstagsabgeordneter Kunert über ,, Die nationale und internationale Bedeutung des 1. Mai" referirte. Der Redner führte aus, daß die Arbeiterschaft der ganzen Welt durch die Maikundgebung nicht nur die Forderung auf gesetzliche Einführung des Achtstundentages, sondern auf eine umfassende und wirksame Ar beiterschutzgesetzgebung überhaupt erhebe, wie solche eine Vorbedingung für kräftige Fortführung des proletarischen Befreiungskampfes sei. Nach einer regen Diskussion, an welcher sich u. A. Frl. Baader betheiligte, faßte die Versammlung folgende Resolution:„ Die Versammlung erklärt mit aller Energie gemäß dem Brüsseler Beschluß für den Achtstundentag, sowie für den nationalen und internationalen Arbeiterschutz einzutreten; sie erklärt, sich am Maifeiertag zu betheiligen, in dem Bewußtsein der Solidarität des Proletariats der ganzen Erde." In Stuttgart sprach am 10. März in einer von den vereinigten Gewerkschaften einberufenen Versammlung Frau Zetkin über ,, Die Bedeutung der politischen Rechte für die Arbeiterinnen." Die Rednerin führte aus, daß die Bedeutung der politischen Rechte für Arbeiterinnen und bürgerliche Frauenrechtlerinnen eine durchaus verschiedene sei. Die Klassengegensätze hätten die Gemeinsamkeit der Interessen in der Frauenwelt so gut wie in der Männerwelt zerstört, an ihre Stelle die Gemeinsamkeit der Interessen aller Angehörigen ein und derselben Klasse ohne Unterschied des Geschlechts gesetzt. Für die weiblichen Angehörigen der Bourgeoisie, als Glieder einer wirthschaftlich freien und herrschenden Klasse, bedeuteten die politischen Rechte Selbstzweck, die gesellschaftliche Befreiung; für die Arbeiterinnen, als Angehörige einer wirthschaftlich abhängigen und verknechteten Klasse, könnten sie nicht mehr sein als Mittel zum Zweck, Waffen, um zusammen mit den männlichen Klassengenossen durch Bekämpfung der kapitalistischen Gesellschaftsordnung die Befreiung zu erringen. Die Proletarierinnen bedürften der politischen Rechte nicht blos, um an dem Kampfe ihrer Klasse auf politischem Gebiete theilnehmen zu können, sondern auch, um auf wirthschaftlichem Gebiete, in und mit den gewerkschaftlichen Organisationen der kapitalistischen Ausbeutung entgegen zu treten. Die Gemeinsamkeit der Klasseninteressen, die vorliegende Nothwendigkeit, die Arbeiterinnen wirthschaftlich und politisch für den Klassenkampf zu schulen und zu organisiren, mache es den Arbeitern zur Pflicht, für Verleihung der politischen Rechte an das weibliche Geschlecht einzutreten. Der Zentralverein der Näherinnen Deutschlands, Zahlstelle Hamburg, wählte in seiner Mitgliederversammlung vom 23. Februar Frau Peschkau als Vertreterin zum Gewerkschaftskartell. -Am 23. Februar fand die regelmäßige Mitgliederversammlung des Zentralvereins der Hand- und Fabritarbeiterinnen, Zahlstelle Altona, statt. Frau Richter hielt einen sehr beifällig aufgenommenen Vortrag über Kindererziehung." Die am 24. Februar stattgehabte außerordentliche Mitgliederversammlung des Zentralvereins der Fabrik und Handarbeiterinnen Deutschlands, Zahlstelle Wandsbeck, wählte Frau Eggers und Frau Schmidt zu Delegirtinnen für die bevorstehende Generalversammlung der Organisation, sie beschloß ferner die Gründung einer Bibliothek. - Der Fachverein der im Buchbindergewerbe beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen von Konstanz erklärte in seiner letzten Mitgliederversammlung im Anschluß an ein eingehendes Referat über„ Die Bedeutung des Halberstadter Kongresses," daß die im Buchgewerbe bestehenden Zentralisationen zu einer allgemeinen, alle Arbeiter und Arbeiterinnen des graphischen Gewerbes umfassenden Union zu vereinen seien. Der fürzlich in Elberfeld gegründete Frauen- und Mädchen, verein hielt am 25. Februar seine erste regelmäßige Sigung ab. Nach Durchberathung des von einer Kommission ausgearbeiteten Statutenentwurfs ward der Vorstand des Vereins gewählt, dem sofort 150 Mitglieder beitraten. -Die Freie Vereinigung der Vergolderinnen von Berlin faßte in ihrer letzten Generalversammlung den Beschluß, die betreffende Organisation aufzulösen und dem deutschen Vergolderverband beizutreten. In einer gut besuchten Verbandsversammlung der Schneider und Schneiderinnen von Berlin, welche am 29. Februar stattfand, referirte Herr Augustin über„ Die Ursachen der Arbeitslosigkeit." Der Redner hob hervor, wie nothwendig die Organisation der Arbeiter angesichts der Anmaßung des Kapitals ist. In der folgenden lebhaften Diskussion sprachen die Herren Pfeiffer, Pinner und Kullik, sowie Frl. Wabnik im Sinne des Referenten. Der Verein zur Vertretung der gewerblichen Interessen der Frauen und Mädchen Hamburgs hielt am 2. März seine regelmäßige 52 Mitgliederversammlung und nahm einen Bericht der Frau Laier über „ Das Gewerkschaftskartell" entgegen. In Köln hielt am 3. März der Frauen und MädchenBildungsverein seine Mitgliederversammlung ab, in welcher Frau Schneider I eine interessante Arbeit über das Thema:„ Weltuntergang, ein Blick in die Zukunft" vorlas. Dem erst im letzten Januar gegründeten Verein hat sich das Interesse der Kölner Proletarierinnen in hohem Maße zugewendet, so daß seine Mitgliedschaft schon fast 100 Personen stark iſt. Die Filiale der Wirker und Wirkerinnen von Berlin, Mitgliedschaft des Verbandes deutscher Textilarbeiter und Arbeiterinnen, beschloß in ihrer letzten Mitgliederversammlung, sich auf der Generalversammlung des Verbandes zu Elberfeld durch einen Delegirten vertreten zu lassen. In Wien fand Anfangs Februar eine von 1600 Personen besuchte öffentliche Frauenversammlung statt, in welcher Frau Dworschat in trefflicher Weise über„ Die Stellungnahme der Frauen zur Lebensmittelvertheuerung" referirte. Die Rednerin wies nach, daß die der Arbeiterklasse am schwersten fühlbare Vertheuerung und Verfälschung der Lebensmittel eine nothwendige Folge der kapitalistischen Ordnung sei, deren Beseitigung die Frauen in geschlossener Organisation anstreben müßten. Zwei anwesende Damen suchten die Arbeiterinnen für den Anschluß an den„ Verein für Verbilligung der Lebensmittel" zu gewinnen, welcher ein Sinken der Fleischpreise dadurch bewirkt habe, daß seine Mitglieder eine Zeit lang den Fleischkonsum nur Hühner und Gänse verzehrt hätten. Die eingestellt und betreffenden Hausfrauen hätten sich dieses Opfer nur zum Besten der Arbeiterschaft auferlegt, denn sie seien eigentlich auch Sozialistinnen. Hunderte von bleichen, abgezehrten Frauen hatten Mühe, ihre gerechtfertigte Entrüstung gegenüber von Behauptungen zu bemeistern, in welchen sich ein ebenso hoher Grad von Verständnißlosigkeit als zynischer Unverfrorenheit offenbarte. Frau Grubinger wies unter dem Beifall der Versammlung nach, daß die Magenfrage jener Damen mit der Magenfrage der Proletarierinnen so wenig zu thun habe, wie der Auch- Sozialismus der Geflügelvertilgerinnen mit der Sozialdemokratie. Alle Rednerinnen betonten, daß nur in dem Anschluß an die sozialdemokratische Arbeiterbewegung das Heil der Zukunft liege. In Wien fand am 28. Februar eine öffentliche Frauenversammlung statt, in welcher Frau Grubinger über„ Die Stellung der Frau im Hause und in der Industrie" referirte. Als die Rednerin die Arbeitsverhältnisse der Proletarierinnen in den staatlichen Betrieben, z. B. den Tabakfabriken, einer Kritik unterzog, ferner als sie äußerte, daß die Verführung junger Mädchen durch Gigerln und Offiziere zum Anwachsen der Prostitution beitrage, ward sie von dem Regierungsvertreter unterbrochen, das erste Mal mit dem Hinweis darauf, daß über Politik nicht gesprochen werden dürfe, das andere Mal, weil die Ausführungen der Frau Grubinger nicht zur Tagesordnung gehörten. Das Referat der Frau Dworschat über„ Presse und Volksliteratur" ward gleichfalls fortwährend vom Regierungs vertreter unterbrochen. Als Frau Grubinger die Rednerin auf= forderte, weiter zu sprechen, wie sie wolle, da die Versammlung eine öffentliche sei, in welcher über Politik gesprochen werden dürfe, löste der Vertreter der Regierung unter lauten Protestrufen der Anwesenden die Versammlung auf. Eine Delegirtenversammlung der Syndikate der in der Uhrenfabrikation beschäftigten Arbeiter des Berner Jura beschloß, mit aller Energie für die Organisation der in dem betreffenden Industriezweige thätigen Arbeiter und Arbeiterinnen zu agitiren und über strikte Wahrung des Assoziationsrechts zu wachen, das seitens der Unternehmer vielfach bedroht und geschädigt werde. In Nantes( Frankreich) ward ein Syndikat der Arbeiter und Arbeiterinnen der dortigen Tabakfabrik( Staatsbetrieb) gegründet. Die neue Organisation zählt bereits 700 Mitglieder und schloß sich an den Landesverband der französischen Tabakarbeiter und Arbeiterinnen an. - Die Bemühungen der„ Union der Gasarbeiter" und der ,, Union der Allgemeinen Arbeiter", die bisher unorganisirten Arbeiter und Arbeiterinnen des„ schwarzen Nordens" von Irland gewerkschaftlich zu gruppiren, sind, wie Frau Mary- Aveling in einem in London gehaltenen Vortrag berichtete, auf sehr guten Boden gefallen. Besonders die in den großen Baumwollspinnereien und Webereien, in den Halskragen und Hemdfabriken von Lurgan, Beßbrook und Derry beschäftigten Arbeiterinnen haben den Drganisationsbestrebungen Verständniß und Begeisterung entgegengebracht. Ihr reges und energisches Wirken für die Organisation, der sie angehören, trägt sehr viel dazu bei, daß die Gegend von Belfast der betreffenden Union eine große Zahl ausgezeichnet organisirter Mitglieder stellt. Die Frauen der Kommune. Zum 21. Jahrestag der Kommune von Paris. Wie an allen großen Tagen der Geschichte des französischen Volks, so spielten auch in der großartigen Erhebung der Kommune die Frauen eine hervorragende, glänzende Rolle. Die Französinnen haben von jeher viel Instinkt für den engen Zusammenhang zwischen dem öffentlichen Leben und dem Leben des Einzelnen besessen, sie sind von jeher mehr aus Temperament als aus klarer Ueberzeugung Schulter an Schulter mit den Männern für gesellschaftliche Neuerungen in den Kampf gegangen. Daß die Proletarierinnen und Kleinbürgerinnen von Paris mit flammender Begeisterung für die Kommune eintreten mußten, lag nahe genug. Die Meisten von ihnen theilten mit ihren männlichen Klassengenossen den Wunderglauben an die volkserlösende Macht der Republik, sie glaubten, daß die Kommune von Paris mit 53 theilten, auch mit ihnen, ihretwegen, der Zukunft der Kinder willen, den Kampf, oft auch den Tod theilten. Frauen waren es, welche am Morgen des 18. März auf dem Montmartre die Wegführung der den Pariser Nationalgardisten gehörigen Geschütze vereitelten, deren sich die Regierung durch einen Ueberfall bemächtigt hatte. Sie warfen sich über die Kanonen und Mitrailleusen, beschworen die Soldaten im Namen der Republik, nicht zu vergessen, daß sie Söhne und Brüder des Volks seien, sie bestimmten die Truppen, mit der Masse zu fraternisiren. Die Frauen jubelten unter Thränen der Freude der Erklärung der Kommune zu, sie begrüßten begeistert den Abbruch der Vend mesäule als ein Symbol dafür, daß die Zeit der Völkerverhezung zu Ende sein sollte. Als die Versailler Reaktion die Schrecken einer zweiten Belagerung gegen Paris heraufbeschwor, als der Kommune der Kampf für ihre Existenz aufgezwungen ward, da zögerten die Frauen nicht Thy menue Auf dem Père la Chaise.( Die Mauer der Föderirten.) der gesellschaftlichen Wiedergeburt innerhalb der eigenen Mauern das Zeichen zu einer gesellschaftlichen Wiedergeburt ganz Frankreichs geben müßte. Je mehr sie von der Republik hofften, je mehr sie um ihrerwillen unter der Belagerung mit heldenhaftem Bürgersinn ge litten, mit um so leidenschaftlicherer Energie warfen sie sich in den Kampf für die Kommune, welche die Republik erhalten und sozial ausbauen wollte. Wohl haben die Gegner jeder freiheitlichen Volksbestrebung, welche in der Kommune das nach Befreiung ringende Proletariat haßten, die Gestalten der heldenkühnen, todesmuthigen Kommunarden in die der megärenhaften, Petroleusen" umgelogen, sie mit unsäglichem Schmutz beworfen, für den Abschaum, die Hefe der Pariser Frauenwelt erklärt. In dem Maße, als sich die geschichtliche Wahrheit Bahn gebrochen, sind die Verleumdungen verstummt. Die Dirnen niederer und höherer Ordnung waren ihrer Kundschaft nach Versailles gefolgt. Die Frauen und Mädchen, welche bis zum letzten Athemzuge wie die Löwinnen kämpften, unter dem furchtbarsten Kugelregen Samariterdienste thaten, waren nicht unreine Zwittergeschöpfe," sondern reine Töchter des Volkes, welche, wie sie im Alltagsleben mit den Männern die Arbeit einen Augenblick, ihre Bürgerpflichten voll und ganz zu erfüllen. Statt die Männer durch Bitten und Thränen zurückzuhalten, feuerten sie dieselben zum Kampfe an, flößten sie ihnen die in der eigenen Brust lodernde Begeisterung für die gute Sache ein.„ Glaubt mir, Ihr könnt nicht Stand halten, alle Gure Frauen sind in Thränen, und die unseren weinen nicht," sprach ein Kommunekämpfer zu den Soldaten der Reaktion. Ruhig, als handle es sich um den alltäglichen Weg zur Werkstatt, trugen unter dem mörderisch niederprasselnden Kugelregen die Frauen den Kämpfern Essen und Kleidung zu, mit glühendem Interesse verfolgten sie die Einzelheiten des Kampfes, während sie zu Hause, so gut es ging, die Geschäfte weiterführten, die Kinder versorgten, das mit der Belagerung verbundene Elend zu lindern suchten. Ueberall, wo für die Kommune gearbeitet und gekämpft ward, wo es eines anfeuernden Wortes, einer kühnen That, aufopfernder Selbstverleugnung bedurfte, waren die Frauen zu finden. Ein Haufen von Frauen wollte der Nationalgarde voraus gegen Versailles rücken; nach der ersten Niederlage der Kommunards wollte ein Bataillon von dreihundert Frauen, um eine rothe Fahne geschaart, den Kampf wieder aufnehmen. Frauen nähten Tag und Nacht Säcke, die mit Erde gefüllt wurden und zum Verstopfen der Breschen dienen sollten. Frauen und junge, zarte Mädchen schleppten schwere Karren voll Steine und Erde zum Aufbau der Barrikaden herbei; auf dem Place Blanche erhob sich eine Barrikade, welche nur von Frauen aufgethürmt und ebenso heldenmüthig als klug vertheidigt wurde; Frauen schulterten das Gewehr, standen Wache auf den gefährlichsten Posten, vertheidigten bis zuletzt unhaltbar gewordene Punkte. In Batignolles hatten die Frauen einen eigenen Klub gegründet, in welchem sich mancher Kommunekämpfer Muth und Begeisterung holte. " Bewundernswerth ist, was die vielverschrieenen, bestgehaßten Petroleusen" als Krankenpflegerinnen geleistet. In den Kämpfeh um das Fort Issy trugen drei Frauen vier Tage lang unter den größten Gefahren Verwundete aus dem Feuer und pflegten sie. Frau Lachaise sorgte einen ganzen Tag lang allein, ohne Beihilfe eines Arztes, für die Verwundeten eines Bataillons. In den Ambulanzen und Spitälern drängten sich die Frauen zur Pflege der Verwundeten herzu, und das Auge manches Sterbenden leuchtete freudig auf, wenn statt der Gebete und Bußermahnungen der Nonnen der Ruf:" C Es lebe die Kommune!" oder die tröstende Versicherung:„ Bürger, Du stirbst für eine große Sache!" aus Frauenmund an sein Ohr schlug. Nachdem der große Verzweiflungskampf zu Ende war, als die Versailler Ordnungsmänner in Paris hausten, wie je Barbaren in Feindesland gehaust, mußten auch die Frauen ihr hochherziges Wollen und Thun hart büßen. Tausende wurden niedergemeßelt, Tausende litten noch Schwereres als den Tod. Sie waren Zeuge, wie die Versailler Ordnungsbanditen ihre Gatten, Söhne, Väter, Brüder in grausamſter Weise mordeten, marterten, ihre Qualen zu schier unerträglichen steigerten. Hunderte und aber Hunderte von Frauen und Mädchen wurden verhaftet, als Gefangene fortgeschleppt. Die förperlichen und seelischen Martern, welche sie erduldeten, spotten geradezu jeder Beschreibung. Tagelang blieben sie ohne Nahrung, ohne Trinkwasser, ohne die Möglichkeit, sich reinigen zu können. Wie Schlachtvieh wurden sie zusammengepfercht in dumpfigen Kellerhöhlen auf faulendem Stroh, in offenen Höfen, wo sie dem glühenden Sonnenbrande preisgegeben waren. Ihre Henker sperrten sie vielfach mit den Männern zusammen, zwangen sie durch die gröbsten Mißhandlungen, sich in deren Gegenwart zu entkleiden, die Wäsche zu wechseln, verlegten ihr Schamgefühl in jeder Weise. Die gemeinsten Dirnen, ihre Zuhälter und Unterhälter kamen, gafften sie wie wilde Thiere an, verhöhnten sie, beschimpften und mißhandelten sie, wo und wie es nur ging. Die gleiche unwürdige, unmenschliche Behandlung ward Denen zu Theil, Weihnachten. Erzählung von M. Kautsky. ( Fortsetzung.) Den Beiden war sofort das Lachen vergangen, sie senkten die Augen, sie schienen unentschlossen, dann hob Friß langsam den Arm und hielt Rosa, nach abermaligem Zögern, die Hand entgegen, fie legte die ihre hinein, leicht und oberflächlich, nur einige Sekunden lang, aber der Friede war doch besiegelt. Ein Jubelruf Georgs lenkte die Aufmerksamkeit auf diesen, er sprang herum, schlug wie besessen in die Hände und schrie:" Bravo, bravo! ein Feuerwerk!" Zugleich drang ihnen erhöhter Lichts schein in die Augen. Alle wendeten sich um, der Baum brennt!" erscholl es wie aus einem Munde. Die Wachskerzchen waren tief herab gebrannt, Niemand hatte es bemerkt, jetzt hatte die niederste Flamme eine der Papierketten und einige daneben angebrachte Rosen von Papier ergriffen, das Fener schlug lichterloh auf. Friz, der zunächst stand, hatte alles Brennende schnell herabgerissen und in seinen Händen erstickt, die Uebrigen pusteten eiligst die noch brennenden Wachsferzen aus. " ,, Der Baum ist dem Georg gerettet," rief der Vater ,,, aber ich wette, der ungeschickte Löschmann hat sich dabei die Hände verbrannt." Rosa warf einen raschen, forschenden Blick auf diese Hände. Friz steckte sie lachend in die Taschen. Keine Spur!" versicherte er. Um so besser, und da es mit der Augenweide nun ohnedies vorüber ist, so könnten wir an unsere Leibesstärkung denken. Gustel, ich habe Hunger." " 1 " Ja, und der Fisch ist noch nicht gebacken." Dann spute Dich, Alte, ich werde indeß den Salat anmachen." 54 " welche in dem„ Prozeß der Petroleusen" vor einem komödienhaften Gerichtshof erschienen. Und dies, obgleich die Verhandlungen unwiderleglich dargethan, daß die auf 5 zusammengeschrumpften 8000 Petroleusen" Krankenpflegerinnen gewesen, die mit Drangabe des eigenen Lebens wunderbare Seelengröße an den Tag gelegt. Frau Rétiffe erklärte, sie hätte ebenso gut Versailler Soldaten wie Nationalgardisten aufgehoben; eine andere Frau sagte schlicht:„ Wir sind zurückgeblieben, weil wir Verwundete und Sterbende hatten." " 157 Frauen wurden verurtheilt, davon 8 zum Tode, 36 zu lebenslänglicher Deportation. Als Unterlegene, welche die ganze herbe Schwere des Wehe den Besiegten" fennen lernten, legten die Frauen des Pariser Volks so viel ruhige Würde, so unbeugsamen, stolzen Muth, so wahrhaft antike Heldengröße an den Tag, daß der Berichterstatter einer englischen Zeitung erklärte:„ Wenn das französische Volf nur aus Frauen bestände, welch' ein furchtbares Volk wäre das." Es kann nicht Aufgabe dieser Zeilen sein, einzelne besonders glanzvolle Gestalten der Kommunekämpferinnen, wie vor Allem die der hochherzigen Luise Michel, hervorzuheben. Die flüchtige Stizze ist all' den Tausenden von Ungenannten, Ungekannten gewidmet, die in den Kampf, in den Tod, in den Kerker, nach Neukaledonien gingen, von grenzenloser Begeisterung für eine Idee erfüllt, für eine Sache, welche in ihren Augen gleichbedeutend war mit dem Sieg der allgemeinen Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, mit dem Anbruch des goldenen Zeitalters für Alle, die bisher in der Gesellschaft mühselig und beladen gewesen. Australisches. Die in Mailand erscheinende sozialistische Zeitschrift Critica sociale" enthält eine recht interessante Plauderei über die Verhältnisse der Arbeiter und Dienstboten in Australien. Eine vornehme Deutsche, welche lange Jahre daselbst gelebt hat, schildert einem ihr befreundeten Mitarbeiter des„ demagogischen Hezblattes" in ungezwungener Weise die Eindrücke, welche sie aus dem Land der schwarzen Schwäne und Papua- Neger mitgebracht hat. Sie, die Goethe zum Theil auswendig kennt, eine große Verehrerin Schopenhauers ist, mehrere fremde Sprachen spricht, singt, Klavier spielt, kurz, zu den Satten und Besitzenden gehört, hat natürlich nicht das geringste Verständniß für die Bedeutung der gesellschaftlichen und politischen Reformen, welche in Australien die Lage der arbeitenden Bevölkerung zu einer etwas besseren, menschenwürdigeren gestalten, als wie sie in Europa ist. Trotz ihrer Bildung" bis über " Gustel, ich habe mir zum Troste in meiner Einsamkeit einen Gugelhupf gebacken, den wollen wir nun, wenn es Euch recht ist, zusammen verzehren." " 1 , Ganz recht, Rosa, bringen Sie ihn nur herüber, das wollen wir Ihnen bestens besorgen." Das Mädchen lief flink zur Thür hinaus. " Ein wahrer Teufelsbraten, das Mädel," rief Karl ihr nach, indem er seiner Frau in die Küche folgte. Speit ewig Fener und Flamme wie ein kleiner Vulfan, der sich ärgert." " " Ich sage Dir, Karl, sie ist die Liebe und Güte selbst," vertheidigte sie Auguste. Was hat sie nicht alles für mich gethan, wie ist sie stets hilfebereit mir zur Hand, wie gut und liebevoll ist sie gegen die Kinder, Du kennst sie nur nicht." Friz hatte plößlich auch in der Küche zu thun, die Räder von Georgs Wagen bedurften bereits einer fleinen Reparatur. , Glaubst Du, Friz, daß die jemals firre wird?" fragte Karl den Bruder. " 1 Dieser schnigte eifrig an fleinen Hölzchen, die er vor die Räder setzen wollte. " Wer kann das wissen?" antwortete er achselzuckend. Viel leicht thut's die Liebe. Ich habe einmal gehört, daß aus den wilden Mädchen die zahmsten Weiber werden." " Na, dann muß die sehr zahm werden." Frau Gustel schüttete mit der Schaufel frische Kohlen auf die Herdflamme. ,, Sie war nicht immer so," sagte sie nachdenklich.„ Sie war wohl lebhaft und was man so rasch nennt, aber diese Reizbarkeit, dies zornige Aufwallen hatte ich früher nie an ihr bemerkt. Das ist erst seit vierzehn Tagen so." Sie wird zu vollblütig," lachte Karl,„ oder " Und ich werde den Tisch decken," setzte Rosa hinzu.„ Aber " 1 " ich will mir ein Schürzchen von drüben holen und dann, Du weißt eine unglückliche Liebe." sie hat die Ohren in den engherzigsten Klassenvorurtheilen steckend, von der Ueberzeugung durchdrungen, daß die„ aus guter Familie stammenden Gebildeten" auf Grund ihrer Geburt und ihres Wissens mehr Anrecht auf die Güter dieses Lebens haben als die„ Handarbeiter," findet sie kaum Worte der Entrüstung genug, um gegen die in Australien herrschende„ Tyrannei des Volkes" zu protestiren. Ihr Schelten und Klagen über die„ Vergewaltigung," welche daselbst die Besitzenden seitens der Arbeiter erfahren, erscheint ein Sturm im Glase Wasser wie ein komischer, belustigender Schmerzensschrei gegen die bevorstehende„ Diktatur des Proletariats." eine Wenn man weiß, daß auch in Australien das Proletariat noch weit davon entfernt ist, gesellschaftlich frei zu sein, daß sich seine Knechtschaft nur um etliche Grade abwärts von derjenigen seiner europäischen und amerikanischen Klassengenossen unterscheidet, so erscheinen die tragikomischen Stoßseufzer der Dame über die„ Anmaßung der Dienstboten und der Arbeiter" als unverständlich. Verständlich werden sie erst, wenn man bedenkt, daß die Betreffende eben Aristokratin und eine Deutsche ist, das heißt nicht nur in den Vorurtheilen ihrer blaublütigen Raste aufgewachsen, sondern noch obendrein in einem Lande, in welchem die Dienstboten noch einer beson deren ,, patriarchalischen," frautjunkerlichen Gesindeordnung unterstehen, kraft deren sie nicht besser daran sind, als mittelalterliche Hörige; in einem Land, in welchem die politische und wirthschaftliche Bewegungsfreiheit der Arbeiterklasse durch allerhand Schranken, durch heimtückische Fußangeln und Fallen gehindert wird; in einem Land endlich, dessen herrschende Klassen sich in blindem Egoismus auch gegen die bescheidenste Verbesserung der Klassenlage des Proletariats stemmen. " Nach der Meinung der vornehmen" Dame ist Australien ein Paradies" für die Arbeiter, eine„ Hölle" dagegen für den Rest der Bevölkerung. Die Arbeiter sind es, welche da drüben jeden Tag mehr das Heft in die Hände bekommen, die Gesetzgebung und Rechtspflege, Handel und Industrie, das Schulwesen zu ihren Gunsten regeln, bis in die Privathäuser hinein befehlen. Der Einfluß der Arbeiterorganisationen, des Vereins- und Versammlungslebens erstreckt sich auf die Verkäufer und Verkäuferinnen, die Laufburschen, die Köchinnen und Dienstmädchen. Der achtstündige Arbeitstag ist zwar offiziell blos für zirka 60 Gewerbe eingeführt, in Wirklichkeit jedoch und weil das Gesetz jeden Ort, wo sechs Personen arbeiten, als„ Fabrik" betrachtet wird er bei fast allen Arbeiten und Berufsarten eingehalten. In vielen Städten sind nach 7 Uhr Abends die Läden geschlossen, Verkäuferinnen und Kellnerinnen dürfen nicht mehr als 48 Stunden pro Woche in ihrem resp. Gewerbe " Pst," ermahnte Friß,„ redet doch leiser, sie kann jeden Augenblick Hereintreten." Er selbst kam näher. ,, Hat sie über haupt eine Liebschaft? Gustel, hast Du etwas bemerkt?" fragte er dringend, und er sah dabei sehr ernst aus. " Nicht die Spur, sie ist überhaupt so sittsam, bleibt selbst Sonntags immer zu Hause, sie hat gewiß keinen Anbeter." " 1 So, sie hat feinen Anbeter?" nedte Karl, und der dicke Anton, der immer vom Heirathen spricht und sich damit brüstet, er könne in seiner Stellung zwei Weiber ernähren, und der ihr zärtliche Augen macht und sich ihr gegenüber schon einmal bis zu einer Liebeserklärung verstiegen hat, ist das nichts? Fällt bei Euch der dicke Anton nicht ins Gewicht, und " " „ Ich weiß, sie hat ihn abgewiesen," unterbrach ihn Friz. Rund abgewiesen." " ,, Sie ist in allem rund, aber sakerlot, da fällt mir ein, der Anton hat mir heute geschrieben, ich habe den Brief noch ich habe den Brief noch ungelesen in der Tasche, am Ende hat er mich bei ihr zum Freiwerber ausersehen." " Gieb her den Brief!" rief Friß aufgeregt. ,, Gemach, mein Lieber, er ist, soviel ich weiß, an mich und nicht an Dich adressirt." Er zog gleichwohl den Brief aus der Tasche und zeigte ihn dem in Neugier Entbrannten, wie um ihn zu reizen, aus einiger Entfernung. Frizz wollte sich halb im Aerger, halb lachend auf den Bos haften stürzen, um ihm denselben zu entreißen, da trat Rosa, ein Strohkörbchen am Arm und einen stattlichen Gugelhupf auf einer Schüssel vor sich tragend, herein. Die Brüder hielten in ihrer Kämpferstellung inne, und Friz hatte bald im Anschauen Rosas den diden Anton und alles übrige vergessen. Die Kleine sah aber jetzt auch gar zu verführerisch hübsch aus. Sie hatte ein weißes Latschürzchen vorgenommen 55 thätig sein. Die Dienstmädchen lassen sich nicht mehr unbegrenzt lange Zeit ausbeuten, sondern schaffen gleichfalls nur 8 Stunden pro Tag. Als unsere vornehme Deutsche von ihrem Dienstmädchen verlangte, es solle sie Abends vom Theater abholen oder bei Gesellschaften bedienen, erhielt sie die höfliche, aber sehr bestimmte Antwort, daß sie sich zu diesem Zwecke noch ein weiteres Mädchen miethen müsse. Die Dame mußte ferner den Dienst während der acht Arbeitsstunden derart einrichten, daß es dem Mädchen möglich war, Unterrichtskurse für Französisch, Musik und andere Fächer besuchen zu können. Wir sehen von hier aus, wie sich alle Haubenbänder und falschen Löckchen auf dem würdigen Haupt einer deutschen Frau Kommerzienräthin, Frau Inspektorin und anderer Frau„ in" von Mannes Gnaden vor sittlicher Entrüstung ob solch frevelhafter Zustände sträuben. Doch sparen Sie Ihren Zorn für schlechtere Zeiten, Verehrteste; wir hoffen, es durch eine„ gewerbsmäßige heßende Agitation" auch in Deutschland, der„ frommen Kinderstube," noch so weit zu bringen, daß die weißen Stlavinnen" zum Bewußtsein ihrer Menschenwürde erwachen und als erste Forderung die auf Muße zur Erholung und Bildung erheben. Daß in Australien der furzen Arbeitszeit der Dienstboten und Arbeiter hohe Löhne entsprechen, versteht sich am Rande. Die deutsche Aristokratin kann deshalb auch nicht genug darüber jammern, daß ,, Schuhflicker, Dienstboten und Putzmacherinnen" mehr verdienen, als„ Angestellte,"" Beamte" in Europa, daß Arbeiter und Dienstleute nur nach„ hohen Löhnen“ und„ kurzer Arbeitszeit" trachten. Den Arbeitern war und ist es möglich, ihre diesbezüglichen Forderungen durchzusetzen, nachdem sie in Folge ihrer Sentimentalität" der Frauen und Kinderarbeit*) gegenüber, zuerst eine Regelung der selben erzwangen, damit eine Schmutzkonkurrenz unmöglich gemacht hatten. Die Arbeitszeit der Minen- und Grubenarbeiter ist durch ein Gesetz auf 44 Stunden pro Woche festgesetzt. Es wird Niemand überraschen, daß eine an die Segnungen der deutschen Gesindeordnung, deutscher Verhältnisse gewöhnte Dame mit sichtlichem Bedauern des Umstandes erwähnt, daß sich in Australien Dienstboten und Arbeiter ihren„ Herren" und Anwendern gegenüber als gleichstehend fühlen und dem entsprechend höflich behandelt sein wollen; um jede Arbeit, jede Dienstleistung,„ für welche sie doch bezahlt werden, muß man sie wie um eine Gunst ersuchen." Uebrigens muß die Dame indirekt zugeben, daß die werkthätige Klasse von ihrer Muße, ihrer Bewegungsfreiheit im Allgemeinen einen *) In Australien ist die Arbeit für Kinder und junge Leute unter 16 Jahren verboten. und, die Kokette, eine blaßrothe Schleife um ihr Halskrägelchen geschlungen, und daraus sah nun das frische, blühende Gesichtchen mit einem Ausdruck, der seinen Reiz auf feines Menschen Herz verfehlt, mit dem Ausdruck reiner, kindlicher Glückseligkeit hervor. Dieser prosaische, boshafte Mensch, der Karl, konnte auch jezt seine Spöttereien nicht lassen. Er machte sich über ihre Eitelfeit lustig, von der er meinte, sie käme ihm sehr verdächtig vor, und sie hätte es sicherlich darauf angelegt, ihm den Kopf zu verdrehen." Rosa schlug verlegen die Augen nieder, aber sie lächelte. " Ich war auch gar nicht festlich angethan, als ich herüberkam," entgegnete sie, gleichsam entschuldigend.„ Ich hatte nicht daran gedacht, daß man mich bemerken könnte, da ich aber nun den Christabend mit Euch feiern soll, mit Euch zu Nacht essen " " Das heißt, wir werden vielmehr mit Ihnen zu Nacht essen. Dieser köstlich duftende Gugelhupf in seiner respektablen Größe dürfte weitaus das größere Kontingent zu unserem Abendessen stellen. Arme Rosa, wenn man diesen kolossalen Gugelhupf ansieht, dann weiß man erst, wie trostbedürftig Sie gewesen sein müssen." „ Hör' auf mit Deinen Späßen," brummte Friz, es könnte sonst leicht Dein Vorrath für die übrigen Abende ausgehen, und das wäre schade." " " „ Rosa, ich habe Dich sehr lieb," versicherte jetzt Georg, indem er sich schmeichelnd an seine junge Freundin drängte. Wirst Du mir ein Stück Gugelhupf geben? Ich habe hungrig." Gewiß, mein Kind. Nicht wahr, Mama, ich darf ihm davon geben?" fragte Rosa. " " ,, Ei, freilich; aber trage ihn nur gleich ins Zimmer und decke den Tisch, nimm ein frisches Tischtuch, Du weißt, wo es zu finden ist." " Ja wohl," sagte Rosa ,,, laß mich nur machen." Sie ging hinein. Friz hatte ebenfalls nichts mehr in der Küche zu thun, er ging mit Georg ihr nach und zog die Thür hinter sich zu.( Fortsetzung folgt.) Nr. 7 der ,, Gleichheit" gelangt am 6. April 1892 zur Ausgabe. guten Gebrauch macht. Nach der Statistik hat sich seit 1860 die Zahl der Verhaftungen wegen Trunkenheit um die Hälfte vermindert*); die allgemeine Gesittung, das geistige Durchschnittsniveau der Bevölkerung hat sich gehoben; die Schulen und Unterrichtskurse werden fleißig und regelmäßig besucht, Alle wollen das Wissenswertheste lernen und lernen es auch. Die Arbeiter lesen viel Zeitungen, beschäftigen sich, zum Leidwesen unserer Aristokratin, viel mit Politik, nehmen regen Antheil an öffentlichen Versammlungen, an dem öffentlichen Leben überhaupt, musiziren, turnen und treiben allerhand Sport, so daß das australische Volk mit dem altgriechischen verglichen worden ist. Nach der Ansicht der Dame ist die Staatsgewalt viel zu sehr auf das Wohl der Arbeiter bedacht, mischen sich die Behörden viel zu wenig in das Vereins- und Versammlungsleben. In öffentlichen Versammlungen wird z. B. frei und ungehindert die Frage erörtert, Australien von England loszutrennen und als Republik zu erklären. Bei öffentlichen Umzügen dürfen Fahnen entfaltet werden mit Inschriften, welche Abschaffung des Eigenthums und andere staatsgefährliche, umstürzlerische Dinge fordern. In Viktoria wurde offiziell und unter Betheiligung der Behörden das Jubiläum des ersten Sieges festlich begangen, den die Arbeiter bezüglich Einführung des Achtstundentags errungen. In Sidney wieder sind die sogenannten Arbeitsinspektoren" die wahren Herren und Gebieter der Stadt, stecken ihre Nase in Alles und befehlen der Polizei, um die genaue Durchführung des Achtstundentags zu ermöglichen. Täglich erlangen die Arbeiter größeren Einfluß auf die Gestaltung des öffentlichen Lebens, in Neusüdwales bilden die Arbeitervertreter die Majorität des Parlaments und werden natürlich ihre Macht brauchen, den Proletariern noch mehr„ Vorrechte" zuzuwenden. Wie es heißt, steht eine rege Agitation für den sechsstündigen Arbeitstag in nicht zu langer Zeit bevor. Die Dame muß zugeben, daß trotz der„ ungeheuerlichen Anmaßung" der Arbeiter, troß ihrer ,, privilegirten Stellung" Australien noch nicht zu Grunde gegangen ist, daß es vielmehr blüht und gedeiht; daß die Städte des Landes in Nichts mehr an die armseligen Nester deportirter Sträflinge erinnern, aus denen sie hervorgegangen; daß sie im Punkte der Schönheit, Reinlichkeit, des Komforts, der Pracht der Gebäude viele europäische Städte übertreffen; daß das Privatleben an Bequemlichkeit und Annehmlichkeit kaum etwas zu wünschen übrig lasse. Wir wissen wohl, daß dem von der Dame rosenroth in rosenroth gemalten Bilde von der glücklichen, privilegirten Stellung der Arbeiter in Australien viele Schatten, manche graue, düstere Töne aufgesetzt werden müssen. Auch in Australien ist das Proletariat wirthschaftlich noch verknechtet und abhängig, auch hier muß es seine volle soziale Befreiung durch einen Kampf von Klasse zu Klasse erringen. Aber Eins erhellt unseres Erachtens aus den Verhältnissen der australischen Arbeiter recht deutlich: die ganze Hinfälligkeit der seit Weitling's Theorie von der Rolle des welterlösenden Elends von Anarchisten und Anarchistengenossen gepredigte Ansicht von dem verhängnißvollen, einschläfernden, verspießbürgernden Einfluß der innerhalb der heutigen Gesellschaft von der Arbeiterklasse zu erringenden Reformen. Die Klassenlage des Proletariats bringt es mit sich, daß sich dieses mit einer einmaligen Verbesserung seiner Verhältnisse nicht begnügen kann, daß es unaufhörlich vorwärts, dem großen Endziele zudrängen muß, daß die heute ertrozte Reform zur Waffe wird, mittels deren es morgen eine zweite und dritte Reform erkämpft. ,, Der Appetit kommt beim Essen," sagt ein französisches Sprüchwort. Je günstiger die Klassenverhältnisse der Arbeiter und Arbeiterinnen sind, je mehr Bewegungsfreiheit sie denselben lassen, eine um so günstigere Klassenlage strebt das Proletariat an, um so energischer kann es für seine Forderungen eintreten. Alle Maßregeln, welche die Klassenlage des Proletariats wirklich verbessern, hemmen nicht den revolutionären Befreiungskampf, sie fördern ihn, sie verdoppeln, ja verzehnfachen die Energie, mit der er geführt werden kann. Kleine Nachrichten. Am 13. März ist in Halberstadt der Kongreß der Gewerkschaften zusammengetreten. Bei der großen Bedeutung, welche seinen Beschlüssen für die Organisation der Arbeiter und Arbeiterinnen innewohnt, werden wir auf ihn in einem besonderen Artikel zurückkommen. Wie das kapitalistische Unternehmerthum die Arbeiterinnen zur vielgerühmten Genügsamkeit und Bedürfnißlosigkeit" erzieht, wie es sie mit der Hungerpeitsche der Prostitution in die Arme treibt, das zeigt folgendes, aus hunderten herausgegriffene Beispiel von der Ausbeutung weiblicher Arbeitskraft. In einer Lampenfabrik zu Rendnik *) Wie wird angesichts dieser Thatsache den Gegnern einer Verfürzung der Arbeitszeit, welche behaupten, daß die Arbeiter nur kürzere Werktage wollen, um in den Kneipen herumlungern zu können? 56 ( Sachsen) erhielt ein Mädchen für 33½ Stunden Arbeit nominell 3 Mt. Lohn. Von diesem Verdienst wurden jedoch 1 Mt. 15 Pf. für verbrauchtes Zinn und 10 Pf. als Versicherungsbeitrag in Abzug gebracht, so daß der Arbeiterin für 33% stündiges schweres, anstrengendes Schaffen 1 Mt. 75 Pf. verblieb, d. h. etwas mehr als ganze 5 Reichspfennige pro Stunde. Ja, wenn sich die Arbeiterinnen solchen Löhnen gegenüber das verfluchte Essen abgewöhnen könnten! Um den Auswüchsen der weiblichen Bedienung in Wirth schaften ein Ende zu machen, hat der Breslauer Polizeipräsident, Dr. Biento, eine Polizeiverordnung erlassen. Der§ 1 derselben besagt: In Gast- und Schankwirthschaften mit Kellnerinnen sind alle Einrichtungen verboten, durch welche Plätze versteckt, verhüllt oder in irgend einer Weise dem freien Einblick entzogen sind.§ 2. Die Polizeistunde ist auf 11 Uhr Abends festgesetzt.§ 8. Die Kellnerinnen dürfen nur so lange in unmittelbarer Nähe der Gäste verweilen, als es deren Bedienung und die Bezahlung erfordert; das Zusammen sitzen, sowie das gemeinschaftliche Essen und Trinken mit den Gästen ist ihnen untersagt.§ 9. Die Kellnerinnen dürfen weder für sich noch für Andere Speisen oder Getränke von Gästen erbitten oder annehmen, noch Gäste zum Trinken auffordern oder bereden. Auch Bestimmungen über die Kleidung der Kellnerinnen werden getroffen. Die betreffenden Maßregeln zwecken natürlich wer wagt daran zu zweifeln? auf eine Hebung der Sittlichkeit ab. Regelung der Gehalts- und Arbeitsverhältnisse der Kellnerinnen, Schutz gegen die Ausbeutung der weiblichen Arbeitskraft überhaupt würden mehr für eine Hebung der„ von dem Kellnerinnenunwesen" bedrohten Sittlich feit wirken, als die oben angeführten und alle Polizeimaßregeln der Welt. Sobald aber von Verbesserung der Arbeits- und Lohnbedingungen der Proletarierinnen die Rede ist, da ist Niemand von den Herren zu haben, deren keusche Seelen der heilige Zorn gegen die Unsittlichkeit so schön kleidet. Wo bliebe sonst auch der Profit und das Ver gnügen? Geld stinkt nicht, und so manche ,, Säule der Zucht und frommen Sitte" entschädigt sich für die Langweiligkeit seines Ehelebens, für die Gardinenpredigten der gestrengen Frau Gemahlin durch ein Stündchen ,, Schäfern" mit einer unfittlichen," aber drallen Kellnerin. Die Zahl der jugendlichen Arbeiter im deutschen Reich ist nach den Berichten der Fabrikinspektoren für das Jahr 1890 auf 241,737 gestiegen, gegen 192,165 im Jahre 1888; die Zunahme beträgt also 49,572. Von je 100 beschäftigten jugendlichen Arbeitern waren im Jahre 1888 35,2 weiblichen Geschlechts, im Jahre 1890 35,5. Unter den jugendlichen Arbeitern waren 27,485 Kinder( 12 bis 14 Jahre) gegen 22913 im Jahre 1888, mithin eine Zunahme von 4572. Von je 100 beschäftigten Kindern waren im Jahre 1890 37,2 gegen 35,7 im Jahre 1888 weiblichen Geschlechts. Dieses starke Anschwellen der Zahl der jugendlichen Arbeiter und Kinder zeigt klar und deutlich, daß das Kapital, von unerfättlicher Profitgier getrieben, in seinem Streben nach den billigsten Arbeitskräften weder Schranken noch Rücksichten kennt, sondern in den Kindern ein willkommenes Ausbeutungsobjekt erblickt. In Troy( Staat New- York, Nordamerika) traten die 500 Arbeiterinnen einer Halskragenfabrik in Ausstand, weil Stärkemaschinen eingeführt worden waren, in Folge von deren Anwendung eine Menge Arbeiterinnen entbehrlich und die Löhne der übrigen„ Hände" bedeutend herabgesetzt wurden. Die Anwendung einer neuen Maschine sollte von einer Verminderung der Arbeitslast und einer Vermehrung des Wohlstands begleitet sein. In der heutigen Gesellschaft dagegen bringt sie nur ihrem Besitzer, dem Rapitalisten, reichen Gewinn; für die Proletarier und Proletarierinnen ist die Einführung neuer, verbesserter Maschinen, vollkommener Produktionsmethoden gleichbedeutend mit Hungerlöhnen, Brotlosigkeit oder auch längeren Arbeitstagen. Die in dem Besitz Einzelner befindliche Maschine schlägt dem Arbeiter das Stück Brot aus der Hand," sie enthebt nicht die Masse des werkthätigen Volks harter Sklavenarbeit, sie versklavt sie vielmehr noch mehr. Der Frauen und Mädchen- Bildungsverein für Köln und Umgegend hält jeden Mittwoch Abend 8% Uhr Versammlung ab. Der Vorstand. Der Verein der Fabrik- und Handarbeiterinnen Deutschlands, Zahlstelle Lübeck, hält seine regelmäßigen Mitgliederversammlungen jeden zweiten Freitag nach dem 1. eines Monats im Lokale des Herrn Lenke, Lederstr. 3, ab. Vor und nach der Versammlung Aufnahme neuer Mitglieder. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Vorstand. Der Arbeiterinnen- Bildungsverein für Jhehoe und Umgegend hält seine Mitgliederversammlungen am letzten Freitag jeden Monats ab. Nächste Versammlung Freitag, den 25. März. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Vorstand. Verantwortlich für die Redaktion: Fr. Klara Zetkin( Eißner) in Stuttgart. Druck und Verlag von J. H. w. Dieg in Stuttgart.