Nr. 281 Abonnements-Dedingunge«: Abonnements- Preis pränumerando: Vierleljährl. ZL0 Mb, monatl. l.loMl., wvcheolllch 28 Psg. frei tnS Hau«. Einzelne Nummer s Pfg. Tonnlag!- Nummer mit tlluftrirter Sonntag»- Beilage„Tie Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Mark pro Quartal. Eingetragen in der Post-Zeitung«- Preisliste für ISS? unter Ar. 7437. Unier Kreuzband für Teutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Mark, für da« übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Erscheint täglich sicher Mvnksg«. 14. Ilchrg. Die Ixftrttons-GebSbr beträgt für die fechSgefpaltene«olonel» zetls oder deren Raum 40 Pfg., für verein«- und BerfammlungS-Anzeigen, sowie ArbeitSmartt 20 Pfg. Inserat« für die nächste Nummer müssen btS 4 Uhr nachmittag» in der Expedition abgegeben werden. Tis Expedition ist an Wochentagen bi» 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bi» o Uhr vorinitlag« geössnet. Devlinev VolKsblAkk. Fernsprecher: Smt l,»r. 1608. Telegramm-Adresse: «»»lisldemokrst•erlitt". Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Dev Veichshttushslk. Wie gewöhnlich sind dem Reichstage sofort bei der Er« jöffming die„Uebersicht* für das abgeschlossene Jahr 1896/97(April 1896 bis März 1897) und der Etats« e n t w u r s für daS beginnende Finanzjahr„1898" zu- Hegaugen. Die erste That des neuen Reichs-Schatzsekretärs besteht, wie man sieht, darin, die alte Benennung der Rechnungsjahre durch eine einfachere, in anderen Ländern längst übliche, zu ersetzen. Dagegen wüßten wir nichts einznwenden. Nur die Hoffnung möchten wir aussprechen, daß der Name des Frei- Herrn v. Thielmann, wenn er dereinst nicht mehr an der Spitze des Reichs- Schatzamtes prangen sollte, auch noch � mit anderen und dringenderen Finanzreformen verknüpft sein möge. Vorläufig bedeutet der erste Etat des neuen Reichsfinauzleiters eine ebenso starke Wendung zum S ch l e ch t e r e u, wie die letzten Etats einen Anlauf zum Besseren nahmen. Ten günstigen Rechnungsabschluß für 1896/97 haben wir bereits früher nach der Bekanntgabe der wesentlichsten Ziffern im Rcichsanzeiger kurz besprochen. Es genügt daher, die be zeichnendstcn Ergebnisse kurz zu wiederholen. Der anhaltend gute Geschäftsgang hat 1896 die thatsäch lichcii Zoll- und Stcnererträge hoch über die Etatsvoranschläge hinausgetrieben. So ergaben »ach dem Etatssoll nach den wirklichen Eiiiknnfte» M:ll. Mk. 7!U.S 86,0 1,8 27,1 8,9 wesentlich infolge Mill. Mk. die Zölle und Verbrauchsstenern 684,6 Post und Telegraphen.... 82.4 ReichtdNlckerei...... 1,5 Eisenbalnivcrwaltnug.... 22,6 Bankwesen........ 5,6 Nur die Neichs-Stcinpelabgaben haben, der agrarischen Börsengesctzgebung, einen Ausfall von über 2V4 Millionen erfahren. Bei den Zöllen ist das Mehr Haupt- sächlich der stärkeren Einfuhr an Roheisen, Weizen, Roggen, Hafer, Gerste, Alais, Bau- und Nutzholz, Südfrüchte, Kaffe, Kakao, Tabak und Petroleum zuzuschreiben, also sehr ver- äudcrlichcn Faktoren, die zum thcil unmittelbar von den deutschen Produktions- und Erwerbsvcrhältnissen abhängen Die Mehreinnahme beim Zucker ist eine Folge des neuen Gc� setze? vom 27. Mai 1896 nnd mehr zufällig wie dauernd, weil die Erhebung der höheren Konsninstener nnd die Auszahlung der höhereil Anssuhrvcrgülungen nicht sofort zusammenfiele». Die Rückwirkungen dieser Mehrerträge von 1896 auf die Rdchsschnldentilgnng sind bekannt. An stelle der vorgesehenen Echnldcnvcrmchrnng von 26 Millionen ist in der That eine wirkliche Schuldentilgung von 24 Millionen zu erreichen ge wcsen. Tie Einzelstaatcn haben dabei auch ganz gut ab geschnitten. Trotzdem sie(nach der an den Antrag Lieber sich anknüpfenden Finanzrcgelnng) von den sonst zu Ucberweisnngen bestimmten Abgaben E>v Millionen fahren lassen mußten, sind ihnen rund 27 Millionen mehr, wie erwartet, verblieben; statt 11 Millionen an Matrilnlarbciträgcn mehr heransznzahlen wie an Ueberweisungen zu erhalten, haben sie 16 Millionen ihren Staatskassen zuführen können. Das iv a r einmal, wird man sehr bald sagen können! Aeußerlich freilich macht der Entwurf zunächst keinen un günstigen Eindruck. Die Thronrede betonte denn auch ge- flissentlich, daß auch im nächsten Finsnzjahre die Einzelstaaten durch Malrikrilarbciträge nur nominell belastet werden würden, obwohl verschiedene sortdauernde Mehransgahcn m Aussicht genommen seien und„der sehr erhebliche Aufwand für die zeitgemäße Umgestaltung des Artilleriematerials", obwohl er nicht zu den fortdauernden Ausgaben gehöre, doch nicht durch Anleihe aufgebracht werden solle, was im lausenden Jahre mit den 44 Millionen bekanntlich geschah. Das klingt viel tröstlicher wie die Thronrede von 1894, die, ohne Mchrfordcrungen geltend zu machen, von nothwendigen„bedenklichen" und„erheblichen Zuschüssen der Einzclstaateu", von einem„drückenden Uebel- stand" sprach, der die„Erschließung weiterer Stenerquellen unerläßlich" mache. Selbst die letzte Thronrede bedauerte, daß „trotz sparsamer Bemessung der Ausgaben" die Matriknlar- beitrüge der Bundesstaaten„nicht unerheblich höher einzustellen waren, als die nach vorsichtiger Schätzung zu erivarlcndcn Ueberweisungen." Die parlamentarische Opposition hätte viel- leicht Grund, sich der heutigen nachträglichen Anerkennung ihres Standpunktes zu freuen, wenn es nicht eine alte Er- fahrung wäre, daß die Regierungen stets nur Ucberschüsse sehen, wenn sie Stimmung für neue Ausgaben machen wollen. Gegen das Etatssoll des laufenden Jahres werden die Einnahme» höher angesetzt: Für Zölle „ Taöakstener , Zockersteuer „ Salzstener Branntweinsteuer mit 86.2 Mill. Mark „ 0,4„ . 7,5„ „ 1.0„„ 2,0 insgesammt für Zölle und Verbrauchsstenern niit 43,4 Mill. Mark, für Post nnd Telegraphie mit 1,2 Mill., für Eisen- bahnen mit 2 Mill., für das Bankwesen mit 2�2 Millionen. Diese Schätzungen stellen allerdings zum theil bestimmte Durch- schnitte aus den letztjährigen, wirklichen Ergebnissen dar. Immerhin haben sie zur Voraussetzung, daß die fetten Jahre anHallen und ihnen keine mageren folge». Dem widersprechen jedoch die triftigsten Gründe und auch bereits mancherlei An- zeichen einer herannahenden Abwärtsbewegung unseres Wirth- schaftslebens. Die geforderten Ausgabenvermehrungen sind jedoch wesentlich dauernde, ja sogar, wie bei den Marineplänen der Regierung, auf Jahre hinaus steigende. Fortgesetzt steigern sich weiter die Pensionen (diesmal gegen das letzte Jahr um 3,6 Millionen) und der Zuschuß zur Invalidenversicherung. Die Heeres Verstärkung von 1893 ist in ihren letzten finanziellen Konsequenzen noch nicht erschöpft. 1399 beginnt das neue Qninqnennat, billiger wird es sicherlich nicht werden. Für ausreichende nnd bessere Kasernen und Uebungsplätze stehen beträchtliche Ausgaben weiter bevor. Die warme Abendkost findet sich jetzt zum ersten Male im Etat(mit sieben Millionen Mehrkosten für das preußische Kontingent); selbst verständlich wird sie dauernd bleiben. Die neue Rate für die Kanonen ist allerdings auf den ordentlichen Etat übernommen und alljährlich wird sie nicht iviedcrkehrcn; aber die letzte ihrer Art ist sie auch nicht nnd die Andeutungen über die Ncnbcwaffnung der Infanterie lassen an ein Ende dieser Forderungen sobald nicht glauben. Nun schließt, hauptsächlich infolge der Marinepläne, der vorgelegte Etat bereits mit einem A n l e i h e b e d a r f von 55,6 bezw. 57,4 Millionen Mark ab. Der vorgesehene Anleihe bedarf ist zwar in den letzten Jahren regelmäßig nachträglich herabgemindert worden durch die seit dem Antrag Lieber übliche Zurückhaltung von Mehrerträgen für das Reich, nicht für die Einzelstaaten. Ein ähnlicher Gesetzentwurf er- ncncrt diese Regelung. Ans den oben angeführten Gründen ist jedoch zu bezweifeln, daß wesentliche Mehr ertrage über die Etalsschätznngen hinaus auch in Zukunft nicht zu erwarten sind. Alle Anzeichen deuten auf Ebbe nnd nicht auf Fluth. Eine Weiterbelastnng des Reichsschiffcs muß unsere Finanzen heillos verfahren, nachdem der vorgelegte schönfärbcrische Entwurf bereits ein Loch von über 50 Millionen ausweist. Entweder also dauernde, alljährlich wiederkehrende Vermehrung der S chnlden, eine Borgivirlhschaft der schlimmsten Art, oder neue Steuern, um für neue dauernde Mehr- ausgaben dauernde Mehreinnahmen zu schaffen— das ist nach ein paar leidlich soliden Finanzjahren, an denen die Regierung unschuldig war, der Ausblick für die Zukunft. Die solideren Finanzjahre rühmte das Zentrum als sein Werk. Dasselbe Zentrum würde auch, wenn es den Forderungen der Regierung, besonders bezüglich der Marine, entgegenkommen würde, für die sich ankündigende Finanzzerrüttung die Ver- antwortlichkeit zn tragen haben. Das Schicksal der National liberalen sollte es warnen. politische Mebeestcht. Berlin, 1. Dezember. N»s dein Reichstage. Das Hans war beschlußfähig, die Präsidentenwahl konnte deshalb vorgenommen werden. Dieselbe vollzog sich ohne Zwischenfälle in der Weise, wie sie bereits vorher in der Presse angekündigt war. Bei 266 abgegebenen Zetteln ivnrde Freiherr v. Bnol mit 228 Stimmen als erster Präsid 11t wicdergeiväht. Die bei dieser Gelegenheit abgegebenen 34 weißen Zettel rühren wohl der Mehrzahl nach aus den Reihen der nationalliberalc» Partei her. Herr v. Bnol nahm die Wahl mit Dank nnd der Znsichernng an, daß er das Amt im Interesse der Sache nnd der Würde des Hauses entsprechend verwatten werde. Für den erste» Vizepräsidenten Schmidt(Elberfeld) wurden von 252 Abstimmenden 152 Stimmen abgegeben; ebenso erhielt der Abgeordnete Spahn von 245 Abstimmenden nnr 166 Stimmen. Die weißen Zettel rührten bei beiden Wahlen von den Konservativen und einem Theil der Nationalliberalen her. Die acht Schriftführer wurden per Akklamation wiedergewählt; an stelle des verhinderten nationalliberalen P i e s ch e l ist der Abgeordnete B a s s e r m a n u getreten. Nachdem die Konstituirnng vollzogen war, gedachte der Präsident der verstorbenen Mitglieder, zn deren Andenken sich der Reichstag von den Plätzen erhob. Hierauf trat die Vertagung ein, nachdem vorher die nächste Sitzung auf Freitag Mittag 1 Uhr angesetzt wurde.— Tic gute Finanzlage im Reich kommt zu klassischem Ausdruck in einer sehr starken Gehaltserhöhung für die obersten Reichsbeamten, die von dem Bnndesrath vorgeschlagen wird. An der Spitze der mit sehr erheblicher Lohn« zutage bedachten Herren steht der Reichskanzler, der bis- her 36 000 Mark Gehalt und 18 000 Mark Repräsentations- gelber bezog. Jetzt werden statt der 18 000 M. für Repräsen- lation 64 000 M. gefordert, so daß der Fürst Hohenlohe ein Einkommen von 100 000 M. neben freier Dienstwohnung er- halten soll. Begründet wird diese enorme Einkommensver- niehrung mit der Bemerkung, daß sich die bisherigen Repräsentationstosten gegenüber dem Umfang der fite- Präsentationspflichten als unzureichend erwiesen haben. Ja, ja, parlamentarische Bierabende kosten viel Geld. Wenn für Marinepläne Stimmung gemacht wird, kann man doch die Leute nicht im„Trockenen" sitzen lassen. Also nur flott in die Taschen des Volkes gegriffen, damit die 64 000 M. in der Wilhelmstraße verrepräsentirt werden können. Oder sollten die 100 000 M. Reichskanzler-Gebühren schon in Rücksicht auf de» kommenden Mann eingesetzt sein, der es nicht billiger thnn will? Nach dem Satz„ein gutes Wort findet eine gute Stätte" hat der Bnndesrath bei Aufstellung des Etats auch in bezug auf die Herren Staatssekretäre gehandelt. Der Reichstag hatte in der vorigen Session dem Bundesrath empfohlen, die Herren Staatssekretäre der Post, der Justiz nnd des Neichs-Schatzamls um je 6000 M. pro Jahr aufzubessern. Gesagt, gethan. Die Regierung hat sich dem Beschluß der Reichstagsniajorität gefügt und solchen Respekt vor der Volks- Vertretung können wir nur loben. Nur scheint, daß dieser Respekt vor dem Reichstage nicht bis zu den Gehältern der Unterbeamten gereicht hat. Einstimmig hat der Reichstag in voriger Session in derselben Sitzung neben den Staatssekretären auch der Postunterbeamten und der Landbriefträger gedacht. Ein- stimmig wurde der Bnndesrath aufgefordert, das Höchstgehalt der Landbriefträgcr von900M. auf 1000 M.zn erhöhen und diejenigen Postunterbeamten, die jetzt ein Anfangsgehalt von 800 M. beziehen, weil sie nach dem April 1895 angestellt sind, gleich� zustellen mit den vor dieser Zeit angestellten Unterbeamten, die 900 M. Anfangsgehalt beziehen. Der neue Etat schweigt sich über diesen Reichstagsbeschluß völlig ans. Die Gehalts- Positionen der Postunterbeaintcn sind gleich geblieben uud der Reichstag hat pro aibilo beschlossen. Der neue Etat legt ein schönes Zcngniß ab von der Fürsorge der Regierung für ihre Beamten. Der Herr Reichskanzler 46 000 Mark Zulage. Die Staatssekretäre der Justiz, des Reichs- schatzamls nnd der hohe Chef der Postverwaltnng jeder 6000 M. Zulage. Die vom Reichstag beschlossenen 100 M. Zulage für einen Theil der Unlerbeamten und Erhöhung des Höchstgehalts der Landbriefträger auf 1000 Mark aber ab- gelehnt. Das nennt man in Deutschland Gerechtigkeit.— Das Flottengeset; findet in der Presse weiter die Be- »rthcilung, welche wir schon vorgestern auf grund der ersten Acnßernngen derselben gekennzeichnet haben. Bei den N a t i 0 n a l l i b e r a l e n und der Gruppe der frei- sinnigen Vereinigung erregt das Septennat denn doch auch einige Bedenken. Aber selbst wenn diese Bedenken zum Schweigen gebracht werden sollten, würden diese Parteien mit Konservativen»nd Antisemiten zusammen noch nicht die Mehrheit des Reichstages bilden. Weit wichtiger ist die Haltung des Zentrum s. Die Presse dieser Partei erklärt sich unumwunden gegen das Septennat nnd man darf wohl annehmen, daß die Partei in dieser Hinsicht fest bleiben wird. Die„K ö l n. V 0 l k s z c i t n n g", welche allerdings auf dem linken Flügel dcs Zentrums steht, giebt der Meinung Ausdruck, ihre Partei werde einer Auflösung des Reichstags wegen der Nichtbcwillignng des Seplcnnats mit Glcichmnth entgegensehen. U m so unsicherer aber ist die Haltung der Zentrums- presse bezüglich der Schiffsfordernngen selbst. Zwar hat sie auch hier mancherlei auszusetzen. Zwar hat sie Bedenken sowohl wegen der Hohe der geforderten Summen als auch wegen der Unmöglichkeit, sich auf die fortwährend wechselnden Anschannngen der Marine-„Fachlcnte" irgendwie zu ver- lassen. Doch gerade die Ausstellungen, welche die Blätter dieser Partei' machen, zeigen, daß sie mit dem Kerne der Vorlage, mit der fortgehenden Vermehrung der Schiffe einverstanden sind. Das Zentrum wird zweifelsohne mit der Regierung sein Handelsgeschäft zn machen versuchen. Nur ist noch unklar, wie weit es mit seinen Anerbietnngen zu gehen bereit ist.„Zwei Seelen wohnen, ach! in seiner Brust!" Der demokratische Theil der Partei, der mehr auf die Gunst der Wähler als auf die der Regierung Rücksicht nehmen zu müssen glaubt— die bayerischen Bauern sind längst wider- spenstig und die Wahlen stehen vor der Thür!—, wird schwerer für einen Kompromiß zu haben sein, als die„Staats- männcr" der Partei, welche auf ihre„Regiernngssähigkeit" sorgfältig bedacht sind. Das Schicksal, welches die Vorlage dcs Herrn Tirpitz finden wird, bleibt also noch im Ungewissen. Die Linke des Reichstages wird ihr hoffentlich ein wohlverdientes Ende bereiten. Sehr wichtig für die Beurlhcilung solcher Vorlagen sind die Auslassungen der englischen Presse über die Tirpitz- Pläne.„Standard" schreibt,„er habe gegen die Durchführung des Flottenprogramms des Kaisers, wenn der Reichstag es genehmige, nichts einznwenden; werde es genehmigt, dann werde es höchst wahrscheinlich veranlassen, daß die an sich schon starkebritische Marine noch stärkerge 1» a ch t w e r d e." Aehnlich sagt die„St. James Gazette":„Wenn es dem Kaiser Wilhelm gelingt, den Reichstag für seinen Plan zu gewinnen, wird für uns der Fall eintreten, nach dem großen Grundsatz Goschcns bezüglich des Gleichgewichts der Seemacht zu handeln. Wir hoffen, daß unsere Admiralität n ä ch st e s I a h r iu ihren Voranschlägen gebührende Notiz von dem deutschen Flottengesetz nimmt." Also, während noch die geplanten neuen Schiffe iu Deutsch- land angefertigt werden, sind auch die Konkurrenzstaatcn auf dem Sprunge, ihrerseits eben so viele oder noch weit mehr Schiffskolosse zn bauen. Am Ende sind wir verhältnißmäßig auf derselben Stufe, wo wir uns heute befinden.— Die Borlage zur Militär- Strafprozcst- Ordnung findet ebenfalls wenig günstige Aufnahine in der Oeffenl lichte it. Die Regierung hat rechtes Pech mit ihren Werken. SBavujn wacht sie aber auch solche Gcsetzcutwnrse, vor denen selbst die �einäsiigtsten Lcnte zurückfahren. Die konservative Presse schweigt sich noch fast durchwegs aus. Sie weiß noch nicht recht, was sie sagen soll. Hat sie doch bisher immer jede Reform der Militärjustiz zurückgewicscn. Immerhin ist bei der bewährten Regierungs- srönimigkeit der Konservativen anzunehmen, daß sie ihre„schweren Bedenken* überwinden werden. Am günstigsten wird die Vorlage von der national- liberalen Presse beurthcilt. Die„Kölnische Zeitung* bringt z>vei lange Leitartikel, in denen sie alles wesentliche der Vorlage völlig billigt. Wie die auch-„liberale* Kritil dieses Blattes aussieht, dafür nur ein kleines Beispiel. Die Borlage enthält, wie wir schon in unserem gestrigen Artikel darlegten, ganz außerordentliche Beschränkungen in der Zu- lassung der Vcrtheidiger. Die„Köln. Ztg.* fühlt auch, daß es nicht angehen könne, dem Belieben der Militär-Justizbehörde zu � überlassen, welche Anwälte als Vertheidiger zuzn« lassen seien und welche ausgeschlossen werden sollen. Sie macht daher den famosen Vorschlag, daß jedenfalls alle die- jenigen Anwälte zuzulassen seien, welche Rescrve-Offiziere sind oder„ehrenvoll die militärische Dienstzeit erledigt" haben. Das Blatt will also Anwälte, welche nicht gedient haben, aus- schließen, als ob die Ausübung der Vertheidigeraufgaben, auf die allein es für den Angeklagten ankommt, an die Fertigkeit im Paradeschritt und im Schießen geknüpft wäre. Das Blatt verräth aber auch den tiefereu Grund seiner Meinung. Es gebe leider auch „sozialdemokratische Rechtsanwälte* und da sei es sehr berechtigt, wenn militärischerseits Vorsorge getroffen werde,„daß nicht auch ausgesprochene Sozialdemokraten als Rechtsanwälte vor den Militärgerichten ihre ausreizenden Reden halten*. Die Lächerlichkeit einer solchen Unter- stcllung liegt auf der Hand;„aufreizende Reden* werden von sozialdemokratischen Rechtsanwälten am Zivil- gericht gar nicht gehalten und können dort nicht gehalten werden, daffelbe würde an Militärgerichten der Fall sein. Wohl aber würde die Ausschließung sozialdemokratischer Rechtsanwälte leicht für manche Angeklagte sehr ungünstige Folgen haben, und es könnten ihnen gerade solche Persönlichkeiten als Ver- theidiger verweigert werden, zu denen sie Vertrauen haben, nur weil dieselben nebenbei sozialdemokratische Gesinnung haben; denn bei Vertheidignng der Betrugs- und Diebstahlsfälle wird wohl selbst nach Ansicht der„Köln. Ztg.* sich kaum Gelegen- � hcit zu der„ftaatsgefährlichen" Aeußerung von sozialdemo- kratischen Gedanken finden, da ja doch bei militärischen Vergehen nach der Vorlage Zivilvertheidiger überhaupt aus- geschloffen bleiben sollen. In der Presse deZ Zentrunis liegen noch keine charakteristischen Aeußerungcn vor. Die freisinnige Presse erklärt im allgemeinen die Vorlage als ungenügend. Z. B. sagt die„Voff. Ztg.": Diese Vorlage ist nicht den modernen Rechtsanschammge», sondern den«inseitigsten militärischen Auschauuiige» enlsprunge». Ohne durchgreifende Umgestaltung halten wir den Entwurf für unannehmbar. Er gewährleistet wenig nennenswerlhe Verbesserungen, in mancher Hinsicht bewirkt er noch eine Verschlechterung des bisherigen Zustaudes. Er bleibt auch hinter dem bayerischen Recht weit zurück und wird wesentlich in Süddeutschiaud und nicht nur dort dazu beitragen, jene Stimmung zu verschärfe», die man neuerdings ReichSverdrossenheit zu nennen gewohnt ist." Kiao-Tfcho». Die deutsche Regierung giebt beharrlich keine Auskunft über die Dinge in Chnia. Die„Nordd. Allg. Ztg." erklärt die Besetzung der Kiao-Tschou-Bucht lediglich als Mittel zur Sicherung der Gcnugthuung für die Ermordung der Missionare und der Gewährleistung seitens China's, daß sich solche Vorgänge nicht wiederholen. Andererseits wird über den Fordernngen Deutschlands an China in den Meldungen des Renter-Burcaus auch die deutsche Besetzung Kiao-Tschou's als Kohlenstation angeführt. Was ist also richtig? Jedenfalls scheint die Abwickelung der Angelegenheit nicht so einfach vor sich zu gehen. Ja, mau berichtet bereits über London von der Abreise des deutschen Bot- schafters, Baron Heyking, aus Peking. Auch wird andererseits aus Wilhelmshaven gemeldet, daß ein Transport von KOo Seesoldaten ohne Verzug nach Ostasien abgesandt werden soll. Im Zusammenhang mit diesen Dingen ist die Meldung von hohem Interesse, daß China jetzt nach lauge» Verhandlungen an Großbritannien ein Stück des Hongkong gegenüber liegenden Fe st lau des abgetreten habe, dessen Abgrenzung in der Deep-Bay beginnt, dem Laufe des Schamthun-Flnsses folgt und zur Mirs-Bay führt, mit Ein- schluß des Tolo-Hafens. Dies wäre allerdings ein sehr erheb- licher Vortheil für England. England aber hat diesen Vortheil durch friedliche Unter- Handlungen erzielt. Will Deutschland blutige Konflikte herauf- beschwören?— Ministerkrise in Fsrankreich? Ter Senat berieth in seiner Dienstagssitzung über die als ungesetzlich be- zeichnete Versetzung eines Richters und lehnte die vom Justizminister D a r l a n verlangte einfache Tagesordnung ab. Er nahm dann mit 133 gegen 113 Stimmen unter dem Beifall der Radikalen eine Tagesordnung au, in welcher die Re- gierung aufgefordert wird, dieGesetze genau zur Anwendung zu bringen. Diese Haltung des Senats ist jedenfalls in Verbindung zu bringen mit der Dreyfns- Angelegenheit. Es herrscht eine sehr starke Mißstimmung über die Art, wie diese Sache geführt wird. Infolge des Senatsbeschlusses hat heut der Justiz- minister seine Demission überreicht. Das Ministerium hielt heut lange Berathungen ab. Es verlautet, M e l i n e werde dem Präsidenten die Demission des ganzen Kabinets an- bieten.-- «« Deutsches Reich. — Di« Eideshelferrede des Kaiser? lautet nach dem„ReichS-Anzeiger*: „Meine Heeren! Ich knüpfe hieran noch folgende Worte: Vor fast zwei Jahre» habe ich an dieser Sielle auf das ruhmreiche Feldzeiche»«»eines Ersten Garde-Regiments z. F. den Eid geleistei: das, ivas der in Gott ruhende Kaiser Wilhelm der Grobe geschaffen, zu erhalten und das Ansehen»uid die Ehre des Reiches überall zu schirnicu. Sie haben beivegten Herzens und feuchten Auges diesen Eid entgegen- a e n o in m e n und sind dadurch ,n e i n e E i d e S h e l f« r g e>v o r d e n. Im Angesichte Gottes des Allmächtigen und im Andenken an den grojje» Kaiser bitte ich Sie, mich durch Ihre Mithilfe auch fernerhin in de» Stand zu setzen, diese» meinen Eid zu halten und inir beizustehen, des Reiches Ehre nach außen, für deren Erhaltung ich nicht gezögert habe, meinen einzigen Bruder einzusetzen, kräftig zu ivahren.— — Herr». PodbielSki scheint einen sehr großen Spar- «ifer zu entwickeln, selbstverständlich soll nicht bei den Geheimräthen, sondern bei den Hilfsbriefträgern zuerst gespart werden. Vorgestern soll in Berlin ein Erlaß ergangen sein,»von» die Beschränkung der bisher 12 Mal in» Tage stallfindeuden Briesbestelluug auf eine achtmalig« und z>var vom 18. ds. Mts. ab angeordnet sei». Durch diese Maßregel sollen 2—300 nicht definitiv m, gestellte Briefträger überflüssig werden. Diesen sollt« ain IS. d. M. gekündigt»verde». Räch einer ziveiten nnS zugegangenen Mittheilung soll auf An- ordnnng von sehr hoher Seite,»vohl mit Rücksicht auf die alt glänzend geschilderte Finanzlage und auf die durch die Marine- vorläge aufgeregte öffentliche Meinung, diese Aiiorduung vorläufig rückgängig gemacht»vorden sei».— — Agrarisch,„Sozialpolitik*. Zur Bcsei tiguil'g deS Sl r b« i t er»na n g e l s aus dem Lande werde» von der BreSlauer Regierung Maßregel» vorbereitet, zuvörderst soll aber festgestellt»verde», ans»velche» Gebiete» und»litt»velchen Mitteln einzugretfe» sei. Es ist, wie die„Breslauer Zeitung' mittheilt, zu diesen» Ziveck beabsichtigt,«ine Zusammenknnst der Landräthe»lnter Theilnahme einiger anderer sachverständigen Vertrauenspersoncii (»vohl nur Großgrundbesitzer) zu berufe». Zunächst sollen indeß, »vie offiziös bekannt gegeben»vird, die einschlagend«»» Fragen mit den Mitgliedern des Kreisansschusses cvent. unter Zuziehung von landivirthschafilichen Sachverständige»(Arbeiter»veroe»»vohl aus Prinzip hierzu nicht berufen) einer»ingehenden Erörterung nnter- zogen und innerhalb vier Wochen berichtet»verde», ob und in »velchen» Uuifang« in den einzelnen Kreisen ei» besonderer Mangel an laiidivirthschaftlichen Arbeitern beziv. Tesi»>de' hervorgetreten ist »»d»velche Vorschläge zur Abhilfe drirch Maßregel» der Verivaltinig, der Wohlfahrtspflege und event. auch durch erreichbare Zl ender n»gen auf dem Gebiete der Gesetzgebung zu»lachen seien. Nach der Art dieser Vorerhebnngen nnd den, Jntereffenkreise der befragte»» Personen wird die Vermuthung nicht adziliveisen sein, daß eine mehr oder minder verhüllte Beschränkimg der Freizügigkeit der ländlichen Arbeiter i»S Auge gefaßt»vird.— — Hohenlohe r e i» g e»v a s ch e». Das Reichsgericht ver- »varf gestern dieRevisio» des früheren Reichslags-Abgeordneten Ritter- gntsdesitzers Dr. v. Skarzynski, der am 31. August von der Posener Strafkainmer infolge eines von» Reichskanzler Fürsten Hohenlohe geftclllen Strafanlrages»vege» Beleidigung des Staatsministcriums zu dreihundert Mark Geldstrafe verurlheill»vorden»var. — Eine Dnellaffäre bildet seil einigen Tagen in Bremen ein eifriges Stadtgespräch,»vie»nS von dort untern» 29. November geschrieben»vird. Znusche», den, Sekondelienteiiant Richter von der 4. Konipagnie des 1. Hanseatischen Jnfanterie- Regiinenls Nr. 75 und Lieutenant Jentsct» fand a», Sonntag vor acht Tage» auf dem hiesigen Schießplatz ein Duell statt,»vobei einer der Betheiligten leicht verivundet»vnrde. An» gestrige» Sonntag fand aus derselben Sielle ei» ziveiles Duell zivischen Lieulena»» Richter und den» Lieutenant z. S. Seegennnd aus Wilhelinshave», den» Schivager Jcntsch's, statt. Die Bediugungei» waren»vieder nuberordentlich schivere(»na» spricht von Kngelivechsel bis zur Kainpfesnnfähigkeit). In» ziveiten Gange erhielt Lieutenant Richter eine» Schuß in die Hüfte, beim drillen Gange einen Schuß in die Schulter; schiver verletzt»vurde er in seine Privat»voh»»i»g gebracht.— Brannschwcig, 30. November. D i e Maßregelungen der»v e l s i j ch e u Vereine nehmen einen seltsamen Fortgang. Es»vird jetzt folgender merlivürdiger Vorfall be- richtet. Eine vo» der Braunschiveigischen Landes-Rechtsparlei zur Einrücknug in die(amtlich«»»)„Braunschiveigischen Anzeigen* be- stiinmte Annonce, betreffend die ans heute Abend i» Biüning's Saalban»vege»» des bekannten Reskripts des Slaalsministeriiims gegen die vaterländischen Vereiiiigungei» einberufene Versammlung, ist von der Expedition der„Brmmschlveigische» Anzeige»»" unterm 29. d. M. mit folgenden« Schreibe» beantivortet»vorden: „Bei Rücksendung der Anlage theile ich Ihne» hierdurch niit, daß die Annoncen der Vaterländischen V e r e i n i g u» g e>» h i e r s e l b st keine Aufnahme in den„B r a n i» s ch>v« i g i s ch e n Anzeigen" mehr finden solle». Hochachlungsvoll(gez.) Laßman»." Ein Versuch, die Versammlung durch Plakate an den gleichfalls der Leitung der„Brannschiveigischeii Anzeigen* linterstehende» Aiischlagsäulen bekannt zu»»lachen, ist ebenfalls vergeblich geblieben, da auch die Aiisdilagsmile» den„Vaterländischen Vereinignnge»* nicht mehr zur Versügnng gestellt»verde» sollen. Aus diese Weise»vird»»an der beabsichtigten Verprenßimg der braunschiveigischen Lande keine Sympathie» eriverben.— Hamburg, 30. November. Gesetz betreffend die An- st e l l»»» g eines H a f e» i n s p e k t o r s. Der Senat hat i» Uebereiiistimmung mir der Bürgerschaft beschlossen und verkündet durch das„Amtsblatt* als Gesetz, ivas folgt: 1. Daß ei» der Polizeibehörde zu unterstellender, auf Vorschlag derselbe» und»ach Anhörung der Deputation für Handel und Schiff- fahrt von» Senat zu erneiiiicnder Hafeninspeltor angestellt»verde, dem die Fürsorge für den Schlitz der Hasenarbeiter gegen Gefahre» für Leben oder Gesundheit derselben, soivohl in den Arbeitsbetricbe» selbst,»vie bei der Beförderung von und»ach de» Arbeits- stätlen im Hafen, nach Analogie der' den Fabrilinspektore» zustehenden Befugnisse in Gemäßheit einer vom Senat zu erlheilenden Jnstrnklioi» zu übertragen ist; 2. daß dem Haseninspeklor jederzeit der Zutritt zu alle» im Hafen befindlichen Fahrzeuge», soivie zu alle» andere» Arbeitsstätten daselbst zu verstatten ist; 3. daß derselbe zu befuge», da»»»»,»ven» seines Erachtens durch»»aiigelhafte Betriebs- einrichlungen im Hase» eine unmillcldare Gefahr für Leben oder Gesilndheit der im Betriebe Bcschästigten besteht, sofort die zur Abivenduiig der Gefahr erforderlichen Anordnungen zu treffen nnd nölhigenfalls die Forlsetznng der Arbeit biZ zur Abstellung der gerügten Mängel zu untersage», vorbehaltlich einer etiva später von der Polizeibehörde aus grnnd einer von den Be- theiligten bei ihr eingelegten Beschiverde verfiiglei» Aushebung oder Abänderung der getroffene» Anordnnngen; 4. daß diejenigen,»velche dem Haseninspeklor den Zutritt zu ihre» Schiffen oder Arbeits« stälten veriveigern oder seine» Anordnungen nicht Folge leisten, sofern nicht nach den allgemei»«,, Slrasgesetzen eine härtere Strafe verivirkt ist, mit Geldstrafe bis zn ISO M. oder niit Hast bis zn 6 Wochen zu bestrafen sind; V. daß das Jahresgehalt des Hafen- Inspektors, vorbehaltlich späterer definitiver Regnlirung, ans 6200 M. mit drei nach je vier Jahren erfolgende» Allerszulage» von je 600 M. festgesetzt»verde.— Tresdeu, 30. November.(Eig. Ber.) AnS der Debatte im Landlag über die Aufheb»»ng des Verbindungsverbots politischer Vereine ist nur wenig nachzutragen. Herr Mehnert»vehrte sich gegen die Angriffe der Sozialdemo- kraten,»vobei ihn» sein Fraktionskollege Knhlinorgen unterstützte. Schließlich»vurde der Gesetzentwurf in die Gesetzgebnngs-Depntation veriviese». Hierauf kau» der Gesetzentwurf betr. A d ä» d e- rung der Gesinde-Ordnung zur Beratbung, der sich im »vesentlichen mit den durch das Bürgerliche Gesetzbuch gebotenen Abänderungen befaßt. Von unserer Partei sprach G o l d st e i n, der eine viel»veiier gehende Reform wünscht, prinzipiell aber die gänzliche Beseiligiliig der Gesindeordnung verlangt. Natürlich er- klärten sich die Konservative» dagegen. Auch dieser Gesetzcnliviirf wanderte in die Deputation. Mit großer Hast hatte man so in einer Sitzung zivei»vichOge Gesetzesvorlagen erledigt,»im nicht länger der scharfen Kritik der Sozialdeinokrale» ausgesetzt zu sei».— Nürnberg, 30. November.(Eig. Ber.) Ain Montag fand die erste Enischeidung der Wahlkäuipfe statt, die der Tod unseres»»>»- vergeßlichen Grillenberger veranlaßle. Wer die hiesigen Verhältnisse nicht kennt,»»acht sich leine»» Begriff von den Schivierigkeiten, die es unsere» Genoffe» bereitete, das L a n d t a g s in a ,» d a t zu behaupten. In 36 Wahlbezirken, in denen Wahl- »» ä»» e r theils verzogen, theils gestorben»varen,»nußten Nachwahlen stattflnden. In drei Bezirken hiervon mußten die Wahlen auf grund der List« von 1393(!) vor- genonunen werden; wie die Listen in den übrigen 83 Be- zirken ausgesehen haben,»vird begreiflich, lwenn sinan erfährt, daß die Landtogsivahlerlistei» in Bayern„permaiieilte" sind, d. h. solche, die einmal angefertigt, von der Polizei»veilergefnhrl»verde»» sollen, »vas natürlich nur in mangelhastester Weise geschieht. Die Wahl in den drei Bezirken,»var von der giegiernng erklärt»vorden, sei eine direkte Fortsetzung der Wahl von 1893. Man kann sich denken, daß infolge dessen viele Arbeiter gar nicht»vählen konnte», nnd andere, die in alle möglichen Stadtviertel und in die Bororte verzogen waren, mühselig haben geholt werden müssen. Hierauf halte der Freisinn seine ganze Hoffnung geballt. Doch eZ gelang ihm nicht,»ms das Mandat zu entreißen. Das G e s a m m t r e s u l t a t stellt sich nun»vie folgt: Wir erhielten 8612 Stimme», die Gegner 6650. Einschließlich unserer noch vorhandenen Wahlmänner verfügen»vir jetzt über 139, die Gegner über 120 Wahlmänner. Am 6. Dezember treten sie zu« sanimtn und unser Genosse, der Arbeitersekrelär Segttz erhält das Landtagsmandat. Die Gegner führen den Kampf in widerlicher persönlicher Weise; dafür sind auch ihre„Prinzipien* um so haltloser. So wie der hiesige Freisinn bei den Wahlen gegen die indirekten Siener» »vettert und im Rathhause,»vo er das Regiment führt, die indirekleil Steuern aufrecht erhält, so hat er bei der Reichstagsivahl seinen Kandidaten Hugo Barbeck(freistiinige Voik-partei) erklären lasse», daß er kein strikter Gegner der Mari»«vorläge sei und Schiffe zum Schutz des Handels»vie der Küste bewilligen »verde! Und das alles, nm die Stimmen der National- liberalen zn geivinne»! Das hilft den Freisinnige» aber nichts. In» Juni 1893 erhielten»lnsere Gegner insgesamint 13 660 Stimmen, Grillenberger erhielt 13 015 Stimmen. Diesmal wird unser Genosse Oertel hoffentlich einen noch größeren Sieg erringen. Das zeigt schon die Stimmung, welche am Montag Abend herrschte, als Bebel i» de» Zentralsälen sprach. An 6000 Menschen lauschten Kopf an Kopf seinen feurigen Worte», fast ebensoviel mußten an der Thür wieder umkehre». Das Resultat der Reichitagsivahl»vird zeige», daß die Sozialdemokraiie Nflru» bergS das Erbe Grillenberger's zu»vahre» nnd zu mehren»vußle.— Stuttgart, 1. Dezember. Die Kammer der Ab- geordneten begann heute die Beralhnng der B e r f a s s u n g s- r e v i s i o n. Nach de», Sieserenteu Hanßinann sprach der Mininer- Präsident Freiherr v. Mitlnachl; derselbe ließ in seinen Ansfnhrungen keine» Ziveifel darüber bestehen, daß die Veriversung der Bestimniung. durch»velche der Kannner der Standesherren ein erhöhter Einfluß bei der Bndgelberalhung eingeräumt wird, das gesammle Revisions- »verk in Frage stellen»vürde.— Strastbnrg i. E., 30. Noveniber.(Eig. Ber.) Die HandiverkS- meister des odcrelsässischen Städtchens Schlettstadt haben kürzlich in einer Versainnilnng, die zum Zivecke der Vorbereitung der H a» d>v e r ks o r g a n i s a l i o n einberufe»»vorden»var, mit Stimmenmehrheit eine» Beschluß gefaßt,»vonach sie von diese»» Gesetz« überhaupt nichts wisse»»volle», da dasselbe»»»möglich i»» stände sein könne, die Krankheiten zn heile», a»»velche» das Hand- »verk leide. Die bürgerliche Presse ist ob dieser falalistischen iliesignalion, mit»velcher sich die Schletistadter Meister in ihr von der übermächtige» Grobindustrie geschiiuedeles Schicksal ergebe», natürlich sehr»venig erbaut, da sie befürchtet, diese nnbeab- sichligte Anerkennung des von der Sozialdemokraiie gegenüber de» Handiveiks- Siellungsversnchen eingenommene» Standpunktes könne auch anbenvärts in den Kreisen der Kleingeivcrbetreibenden Nachahmung finde».— Eine neue A n s>v e» s u n g»vird aus Metz gemeldet. Sie betrifft den in der Redaktio» des„Messin* be- schäfligle» französischen Jonrnalisten Mause. Man bringt die Maßregel in Verbindung mit bösivillig gefärbten Artikeln, die in Pariser Blätter» gegen höhere reichsländische Bcanile erschienen sind. Beim„Evcneinenl", der einige derselben veröffentlichte, soll Mause, ein durchaus unbedeutender Journalist, früher einige Zeit beschäftigt geivese» sein. Der Verleger des„Messin" halle dem AuSgeiviesenen übrigens bereits vor einiger Zeit gekündigt.— — Der Kolonialrath trat,»vi« der„ReichS-Anzeiger* meldet, heul« um 10 Uhr znsainme» nnd nahm die an» Sonnabend, den 20. v. M.. unterbrochenen Verhandlungen über die Straf- rechtspflege der Eingeborenen in den deutschen Schutzgebiete»»vieder ans. ES»vurde zunächst die Frage nach dem Höchstbelrage der Freiheitsstrafen einer eingehenden Erörterung unterzöge», a» der sich die der heutigen Sitzung beiivohneiide» Laudeshaupllenle vo» Südivest- Afrika und Togo betheiligten. Hieraus»vnrden die Bestimmungen über die Modalitäten der Ge- sängnißstrafe( Z»v a» g s a r b e i t, K e t t c» h a s t), der Prügel- bez>v. R» t h e» st r a s e nnd ihre Vollstreckung nnd die Be- flimmungen über die Geldstrafen besprochen. Mit der in Artikel II der Beschlüsse vorgeschlagenen Ausdehnung der Todesstrafe für Ein- geborene ans Verbrechen, die nach den» Reichs-Strafgesctzbnch init mildere» Straten bedroht sind, erklärte sich der Kolonialralh mit Rücksicht auf die Sicherheit der Weiße» i» den Schutzgebieten und ans die Nothivendigkeit der Erhaltung der Integrität der deutschen Herrschaft in de» Kolonie» in»»vesentliche» einverstanden.— Nach kurzer Pause setzle der Kolonialralh am Nachmittag«in 21/2 Uhr die Verbandlungen über die Slrasrcchlepflcge der Ein» geborenen fort. Es»vurde die Verfassung der einzilsetzenden Gerichte besprochen»nd dabei insbesondere die Zuziehung von Beisitzern in Erivägnng gezogen. Der Enlivnrf des Ansschnffes, die Zuziehung von Beisitzern bei todesivürdigei, und schiveren Verbreche» obliga- torisch zu machen, fand allgemeine Ziistimmnng. Dabei »rurde auf die Anregniig des Landeshanplinannes Major Lcntivein, der für das sndivestafrikauische Schutzgebiet die Wichtigkeit der Milivirknng farbiger Beisitzer betonte, die Möglich- keit der Zuziehung vo» eingeborenen Beisitzern nebe» den Weißen, da,»vo solches bisher üblich»var, vorgesehen. Danach wurden die von dem Ausschuß vorgeschlagene» Bestimmuuge» über das pro- zcffuale Verfahre» in» einzelnen dnrchberathen. Den» Gouverneur »vurde ein Prüflings-»»d Bestäligungsrecht für alle schivercren Straf- »rrlheile vorbehalte».— Oesterreich. In Prag habe» die entrüsteten Jungczechen große Skandal- szeneu verübt, um ihrem Aerger über den Sturz Badeni's'Ausdruck zu geben. Der Zorn richtete sich vor allem gegen die Deutschen und Inden. Sehr viel Militär war aufgebolen»vorden.— Saaz, 1. Dezember. Die Unte» suchung der vorgestrigen„Alls- schreitungen*»vird streng durchgeführt. Seit gester»»vnrve» bereits ll Verhaftungen vorgeiioinmen. Alle bedrohten Oertlichkeiten»verde» von Militär nnd Gendarme» beivacht.— BriillU, I. Dezember. Gestern Abend fand ein Zusammenstoß zwischen demonstrirenden Sozialdemokraten und der Polizei stall. Letztere machte vo» der blanken Waffe Gebrauch.— Schweiz. Bern, 29. Noveniber.(Eig. Ber.) Bei einer Betheilignng von 60 pCr. der Slinimberechtigten an der Volksabstimmnng»vurde gestern das neue Armengesetz mit 56 717 gegen 14 413 Stimmen angenommen.— Nachdem die Berner Regierung das Verbot der rolhen Fahne bereits aufgehoben, hat nun auch das Bnndesgericht ans de» tliekurs des Genoffen E g e n t e r, der ivegen des Tragens der rolhen Fahne am I. Mai zn 100 Fr. Buße vernrtheiit»vorden»var, eni- schiede», daß das Verbot verfassniigsividrig und die Buße daher auszuheben sei. Und dieses verfassungswidrige Verbot blieb vier Jahre lang in kraft!— Lausanne, 29. November.(Eig. Ber.) Einen bedeutenden Er« 'olg, der allerdings erivarlet worden, haben die hiesigen Sozial- d e I» o k r a t e n bei den gestrigen G«»> e i n d e Iv a h l c n er- rnngen, die nach von den Parteien vereinbarte»» sreiivillige» Proportioiial-Wahlsyftem staltfaiiden. Es»vurde» für die sozialdemo» kraiische Liste 2377, für die radikale 1820, konservative 1410»nd pro- gresststische 404 Stimine» abgegeben. Unsere Partei hatte gegenüber de» IIS Mitglieder» des Genieindcralhcs 80 Kandidaten anfgestellt, ivovon 41 gewählt sind; bisher saßen blos 16 sozialistische Vertreter im Gemeinderathe. Unsere Genossen hatte» für die Wahlbeivegnng ein besonderes Programm anfgestellt.— Auch in B e v e y, wo bisher fci« Konservativen die Mehrbeit halten, haben die vereinigten Sozialisten und Nadik»Ie» gesiegt.— Ter waadtländische Große Rath(Landtag) hat das stenerfreie Existenzminimum von 400 auf 700 Fr. erhöhl; ein Verheiratheter kann noch für seine Frau und für ein Kind je weitere 700 Fr. vom Einkommen als steuerfrei abziehen, sodaß er bei einem Jahreseinkomine» von 2100 Fr. gar keine Staalssteuer zu bezahlen braucht.— Frankreich. Paris, SO. November. Der Senat nahm den Gesetzentwurf betreffend die Ziveitheilung des 6. Armeekorps an.— — Die Dreyfus- Angelegenheit. Emile Zola ver- öffenllicht im„Figaro" einen Artikel über die Dreyfns-Angelegenheit, ii» welchem er erklärt, man fei im Begriff, Frankreich ein Ver- breche» begehen zu lassen, indem man eZ bezüglich Dreyfns' täusche, der ein Verbreche» büße, das er nicht verübt habe. Jnierviewern gegenüber erklärte Zola, die Untersuchung Pellienx' fei eine Scheinuntersuchnng. General Sanssier selbst sei von der Unschuld des Dreyfns überzengt. Zola schließt:„Dreyfns wird nicht Gefangener bleibe»; ich mache seine Sache zu meiner eigene u." — Dem„Figaro" zufolge erklärte Pellienx dem Senator Scheurer- Kestner gegenüber, er habe sich mit dem Dreyfns'schen Bordereau nicht zu beschäslige» gehabt, dasselbe sei ihm auch nicht vorgelegt worden, da es sich um eine res juäicotu handele und das Kriegsgericht erklärt habe, Dreyfns habe das Borderea» geschrieben. Scheurer- Kestner druckte sei» Erstaune» darüber ans, daß die Anzeige gegen Esterhazy ausschließlich auf dem Bordereau beruhte.— Nach einer Meldung der Blätter wurde Esterhazy mit Frau Boulancy, bei der die Ester- hazy'schen Briefe beschlagnahmt worden sind, konfronltrt. Esterhazy gab die Echtbeil aller Briese z», ausgenominm die Echtheit desjenigen, in welchem er de» Wunsch äußert, deutscher Ulanenrittmeister zu sein. Die„Agence national' meldet: Der Kriegs mini st er er- klärte im gestrigen Ministerrath, die Untersuchung in der Dreyfus- 'Angelegenheit habe bisher kein neues B e w e i s in a t e r i a l für eine N e v i s i o n des Prozesses ergeben. Der Abschluß der Untersuchung wird am Freilag erwartet. Die Untersuchung hat die Echtheit der Briefe Esterhazy's ergeben, indeß sollen dieselben jnr die Dreyfus-Assäre belanglos sein. Italien. Nom, 30. November. Wie die„Jtalie" schreibt, wurde heute in den Wandelgängen der Kammer die Angelegenheit Crispi viel besprochen; im allgemeinen ist man jedoch ungewiß über die Eni- scheidung der Kammer. Am wahrscheinlichsten ist, daß eine Kom- Mission mit dem Austrage ernannt werden wird,«in« Lösung in dieser Angelegenheit anzugeben. Andererseils wird der Wunsch aus- gesprochen, daß die Kannner durch ein unverzügliches Votum er- kläre, daß kein Anlaß vorliege, Crispi zu verfolgen und daß die Angelegenheit aus der Welt geschafft werde. Wir glauben an dies« Eventualität.— Rom» 1. Dezeniber. Der Schatz minister Luzzatti er- stattete heule der Deputirteukammer daS F i n a n z e x p o s 6. Zu Eingang deffelben hob der Minister die günstigen Ergebnisse des Aetriebsjahres I896/S7 hervor. Das laufende Belricbsjahr(1897/08) verspreche einen Ueberschuß von 40V, Millionen, sodaß nach Ver- wendung von 20 Millionen für Bahnbanten und von 4 Millionen zur Schuldentilgung noch ein Ueberschuß von 16 Millionen ver- bleiben werde, und die? trotz Erhöhung der HceresanSgaben um 14 Millionen und der Verwendung von 4 Millionen für EchiffSbauten. Der verfügbare Ueberschuß soll nach dem Plane des Ministers zur Anlage eine? Fonds dienen, der zur allmälige» Ein- ziehuug der Etaats-KreditbillelS verwandt werden soll; auf diese Weise werde am wirksamsten und ohne künstliche Mittel die Gold- Prämie zum Verschwinden gebracht werden. Für das Jahr 1893/99 sagt der Minister einen Einnahme- Ueberschuß von 44 Millionen Lire voraus. Zur Kennz e ichn un g der Budgetlage im Allgemeinen sagte der Minister, daß dieselbe nicht nur erlaube, ohne Anleihe ansznkommen, fondern obendrein die im Umlauf befindliche schwebende Schuld zu verringern. Zur weiteren Befestigung dieser Lage sei nunmehr Ver- Minderung der Pensionslnst, Neuorganisation der Schatzschnld und endgiltige Regelung der Ausgaben für Afrika erforderlich. Der erste Zweck werde durch Errichtung einer Versorgungskaffe für die neu anzustellenden Beamten erreicht werden. Zur Neuordnung der Schatzschuld schlägt der Minister vor. daß 100 Millionen Lire der Schatzbons durch besondere, auf Namen lautende, unveräußer- lich», niedrig verzinsliche Zertifikate mit einer Verfallzeit von 3 zu 3 Jahren ersetzt werden sollen. Für 52 Millionen Lire solcher Zertifikate seien bereits von den Emissionsbanken zum Zwecke der Deckung der umlaufenden Note» übernommen worden. Sodann kündigte Luzzatti an, daß die Regierung die Ausgaben für die Kolonie Erythräa von gegenwärtig 9 Millionen auf f ü u Millionen verringern werde und daß auch dieser Betrag künftig noch herabgesetzt werden solle. Durch die Einsetzung eines Zivilgouverneurs in Massanah feien die öffentlichen Mittel der Ver- fügung der militärischen Behörden entzogen und die Wiederholung einer Kriegsführung durch den Gouverneur ohne Wissen des Parla- ments unmöglich gemacht. Die Afrikapolitik der Regierung sei die vollkommenste Sammlung und das stufenweise Herab, steigen von dem Hochland zur Küste von Massauah. Ferner kündigte der Minister die Einbringung eines Gesetzentwurfs zum Schutze des EigenthumS der Auswanderer und eines Entwurfes, betreffend die Reform der Ei n komnren st euer-Veran lagung an, durch welche die Befugnisse der Steueragenten eine feste Begrenzung erfahren. Schließlich werden wesentlich« Steuererleichterungen für den Kleinbesitz an beweglichem und unbeweglichem Vermögen an- gekündigt; zum Ausgleich des dadurch entstehenden Anssalles sollen Ersparnisse und planmäßige Reformen in den verschiedenen Ver- wallungszweigen eintreten.— Spanien. Madrid, 30. November. Stach einer amtlichen Depesche aus Mauila haben die T> Uppen des Generale Morel die Anfständischen ans ihrer Stellung am Berge Caimarin vertrieben. Die Auf- ständischen hatte» 93 Todte, auf spanischer Seite fielen 21 Mann, 47 wurden verwundet. Demnach waren den bestimmten Vehauptungen, daß der Friede auf den Philippinen hergestellt sei, als frivoles Geflunker.— Palma(Mallorka), 30. November. General Weyler stattete heute dem hiesigen Generalkapiläu ans Befehl des letzteren einen Besuch ab. Als der Generalkapitän den Besuch erwidern wollte, weigerte sich General Weyler, den Generalkapilän zu empfangen.— Nustland. — Der Gesandtschaslsposten in Belgrad ist nun be- seht worden. Wir haben nie an den Ernst von sittlichen Bedenken des russischen Hofes gegen den ehrenhaften Milan, den geheimen Regenten des unglücklichen Serbiens, geglaubt.— Slfrika. — Innere Z w i st i g k e i t e n in Abessynien. Die Zeitung„Phare d'Alcxandrie" veröffentlicht eine» längeren Bericht eines am Hose des Negus Menelik lebenden griechischen Kaufmanns. welcher die Schwierigkeiten schildert, mit denen der abessynische Kaiser schon seit einem halben Jahre im Innern seine? Reiches zu kämpfen hat. Der äußere Aufschwung, den das Land nach den Siegen über die Italiener genommen hat, verdreifachte die Aus« gaben des Staate?, zu deren Deckung bei dem herrschenden System der Eleuerverpachtung die Abgaben der einzelnen Stämme etwa auf die fünffache Höbe des früheren Betrages gebracht werden mußten. Da nun in de» letzten Monaten zur Eintreibung dieser Steuern in alle Thetle des Reiches starke militärische HeereS- abtheilungen entsandt werden mußten, so kam es an vielen Stellen zu ernsten Zusammenstößen, wobei besonders die Ras Alula und Mangascha eine sehr zweifelhafte Hallung gegenüber de» Truppen des Negus einuahme». Ssmerika. — Die Finanzlage der Vereinigten Staaten. „Daily Chronicle" meldet aus Washington, daß der Dingley-Taris bei weitem seinen Zweck nicht erreicht, die zur Deckung der Staats- ausgaben erforderlichen Einkünfte aufzubringen. Auf grund der gegenwärtigen Finanzergebnisse fleht nach der Schätzung des Schatz- amtcs für das laufende Rechnungsjahr ein Defizit von 260 Millionen Mark zu erwarten.— Rerchsksg» 2. Sitzung. Mittwoch. 1. Dezember 1397. Präsident v. Pnol eröffnet die Sitzung um 1'/, Uhr mit ge« schästlicheu Mitlheilungeu. Es wird in die Tagesordnung eingetreten: Wahl der Prä- s i d e n t e n und der Schriftführer. Die Wahl des Präsidenten wird nach§ 9 der Geschäftsordnung durch Stimmzeitel vollzogen. Hierbei ergiebt der Namensaufruf die Anwesenheit von 264 Ab- geordneten. Gewählt wird mit 228 Stimmen der bisherige Präsident, Abg. Freiherr v. B u o l(Z.). 34 Slimmzettel sind unbeschrieben. Abg. Freiherr v. Bnol nimmt die Wahl mit folgenden Worten an: Meine Herren, ich nehme Ihre Wahl mit bestem Dank an und werde mich bemühen, meines Amtes in der Weise zu walten, wie es dem Interesse der Sache und der Würde des HauseS am meisten entspricht.(Bravo!) Ich bitte Sie, mir auch fernerhin Ihre freund- liche Unterstützung zu theil werden zu lassen.(Bravo!) Es folgt nunmehr die Wahl des ersten Vizepräsidenten durch Stinmizettel. 2S2 Stimmzettel sind abgegeben, davon Iö2 für den Abg. S ch m t d t- Elberfeld(frs. Vp.). Dieser ist somit wieder gewählt. 90 Stimmzettel sind unbeschrieben. 10 Stimmen zer- splittert. Abg. Schmidt(stf. Vp.): Ich nehme die Wahl dankend an. (Bravo!) Bei der nun folgenden Wahl de? zweiten Vizepräsidenten iverden 245 Stimm, eitel abgegeben. Abg. Dr. Spahn(Z.) erhält 166 Stimmen, ist somit gewählt. 74 weiße Stimmzettel sind ab- gegeben, 5 Stimmen zersplittert. Abg. Spahn(Z): Ich nehme die auf mich gefallene Wahl mit Dank an.(Beifall.) Zu Schriftführern werden ans Vorschlag des Abgeordneten Lieder(Z.) durch Akklamation gewählt: Dr Kropatschek(k), v. Normann(k.). Melbach(Rp.), Krebs(Z.), Drau»(Z.), v. Ce- gielski(Pole), Bassermann(nall.) und Dr. Hermes(srs. Vp.) Zu Q u ä st o r e n ernennt der Präsident die Abgeordneten Dr. Rinielen(Z) und Placke(natl.) Präsident v. Bnol: Der Reichstag ist somit konstituirt. Nach- dem die gesckäsllichen'llngelegeuheilen geregelt sind, haben wir die traurige Pflicht, einer Anzahl Kollegen zu gedenken, die. seitdem wir die letzte Session geschloffen haben, aus unserer Mitte geschieden stud. Es find das die Herren Lehner(seit 1384 Mitglied des Reichstages), Graf von Holstein(seit 1377), Grillen berger(seit 1631). Dr. von Marquardse» (seit dem Bestehen des Reichstages). Letzterer ist erst vorgestern früh gestorben. Ich fordere Sie aus, sich zu Ehren und Gedächtniß der verstorbenen Kollegen von Ihre» Plätzen zu erhebe». Dies geschieht. Damit ist die Tagesordnung erledigt. Auf Antrag des Abg. Werner(Antif.) kommt noch«in schleuniger Antrag ziveier Strafverfahren gegen de» Abg. Hirsche! (Antis.) wegen Beleidigung zur Verhandlung. Der Antrag wird oebattelos angenommen. Nächste Sitzung: Freitag 1 Uhr. Tagesordnung: 1. Erste, bezw. zweite Berathung einer Vorlage betr. Regelung einiger Fragen de? internationalen Privatrechts zwischen Deutschland und Belgien, Spanien, Frankreich, Italien:c. 2. Gesetz, betr. die freiwillige Gerichtsbarkeit. 3. Gesetz, betr. dl« Entschädigung der im Wiederaufnahme-Verfahren freigesprochenen Personen. Schluß 4 Uhr._ ZAttvIttttrentolvifrszes. Tie sozialdemokratischc RcichstagSfraktiou hielt am Mitt- woch nach Schluß der Plenarsitzung ihre konstiluirende Sitzung ab. Ter in der vorigen Session nach dem Prozeß gegen die Partei- leitung auf fünf Mitglieder ergänzte Vorstand wurde jetzt wieder au drei Mitglieder herabgesetzt und Singer, Meister und Bebel mit der Führung der Geschäfte betraut. In den Senioren- Konvent delegirte die Fraktion Singer und in die übrigen ständigen Kommissionen wird die Partei folgend« Vertretung entsenden: Geschästsordnungskommission: Singer, Petitionslommission: Förster, Gerisch und Vogtherr, Budgetkommission: Bebel, Meister und Singer, Wahl- Prüfungskommission: Auer und Fischer, Rechnnngskommission zur Prüfung der Einnahmen und Ausgaben: W u r m und Bios. Für die in nächster Zeit zur Beralhnug stehenden Gesetzes- vorlagen werden die Parteigenossen Stadtbagen und F r o d m e bei den Vorlage» betr. die freiwillige Gerichtsbarkeit und die Ent» schädigung unschuldig Verurtheilter den Standpunkt der sozialdemo- kralischen Partei im Plenum vertreten. Als Etalsredncr ist Bebel bestimmt und in der Flottenfrage iverden Schoenlank und Molken buh r das Wort nehmen. Die Frak- tion wird zunächst beantragen, daß die gegen die Mitglieder Brühne, Möller, S ch m i d t« Frankfurt, Stadthagen und Vogt- Herr schwebenden Strafverfahren eingestellt werden. Sodann wird die Fraktion folgende Initiativanträge stellen: 1. Antrag, betreffend die Einführung eines Reichs-VereiuSgeseheS. 2. Einführung obligatorischer Gewerbegerichte. 3. Aufhebung der Paragraphen im Strafgesetzbuch betreffend die Majestätsbeleidigung. 4. Auihebuug der Gesiude-Ordnung 5. Ansoebnung der Gewerbe-Jn- spekliou aus die Hausindustrie und Anstellung weiblicher Fabrik-Jn- spekloren. 6. Einführung eines Reicks-Berggesetzes. 7. Ausdehnung der Immunität der Reichstags-'llbgeordneten ans die Strafvollstreckung (Artikel 31 der Bersaffung). 3. Einführung einer achtstündigen Arbeilszeil sür alle in Handel, Industrie und Gewerbe beschästiglen Personen. 9. Aufhebung des Diktalurparagraphen in Elsaß- Lothringen.— Ter Seuiorenkonbcnt wird am Freitag die Reibenfolg« der zur Behandlung kommenden Gegenstände bestimmen. Die erste Be- rathung der Marinevorlage ist sür nächsten Montag in Aussicht genommen.— Der Jnstiz-Ruöschuß des VundeSrathS ist heule Vormittag zusammengetreten, um die endgiltige Redaktion der von ihm be- rathenen Novelle zur Zivilprozeß-Ordnung zu beschließen. Dieser Entwurf soll alsdann in das Plenum gebracht und in der nächsten (morgen) stattfindenden Plenarsitzung des Bundesraths beralhen bezw. angenommen werden.— Die Entschädigung nnschnldig Verurtheilter. Der dem Reichstag zugegangene Gesetzentwurf lautet: ß 1. Personen, welche im Wiederaufnahme-Verfahren frei- gesprochen oder in Anwendung eines mildereu Strafgesetzes mit einer geringeren Strafe belegt werden, können Entschädigung aus der Staatskasse verlangen, wenn die früher erkannte Strafe ganz oder theilweise gegen sie vollstreckt worden ifl. Das Verfahren muß die Nn- schuld des Verurtheilten bezüglich der ihm zur Lafl gelegten That oder bezüglich eines die Anwendung eines schweren Strafgesetzes begründenden Umstandes ergeben haben. Außer dem Verurtheilten haben diejenigen, denen gegenüber er kraft Gesetzes Unterhalts- pflichtig war. Anspruch auf Entschädigung. Der Anspruch auf Entschädigung ist ausgeschlossen, wenn der Verurlheilte die frühere Verurtheiluug vorsätzlich Herbeigeführt oder durch grobe Fahrlässig- keit verschuldet hat. 8 2. Gegenstand deS dem Verurtheilten zu leistenden Ersatzes ist der für ihn durch die Strafvollstreckung entstandene Ver- mögensschaden. Unterhaltsberechtigten ist insoweit Ersatz zu leisten, als ihnen durch die Strafvollstreckung der Unterhalt entzogen worden ist. 8 3. Die Entschädigung wird auS der Kaffe desjenigen Bundes- staales gezahlt, bei dessen Gerichte das Strafverfahren in erster Instanz anhängig war. Bis zum Betrage der geleisteten Eni- schädigung tritt die Kaff« in die Rechte ein, welche dem E»t- schädigten gegen Dritte um deswillen zustehen,»veil durch deren rechlsividrige Handlungen feine Verurtheiluug herbeigeführt war. 8 4. Ueber die Verpflichtung der Staatskaffe zur Entschädigung wird durch besonderen Beschluß des im Wiederaufnahme-Verfahren erkennenden Gerichts Bestimmung getroffen. Der Beschluß ist von dem Gericht unmittelbar nach der Verkündung des im Wiederauf- nahme-Verfahren ergangenen UrtheilS zu erlassen. Das Gericht muß mit denjenigen Mitgliedern besetzt sei», welche bei dem Urtheile mitgewirkt haben. Der Beschluß unterliegt nicht der Anfechtung durch Rechtsmittel. Er tritt außer kraft, wenn daS Urtheil auf- gehoben wird. z 5. Wer auf grund des die Verpflichtung der Staatskasse zur Entschädigung aussprechenden Beschlusses einen Anspruch geltend macht, hat diesen Anspruch bei Vermeidung des Verlustes binnen drei Monaten nach Zustellung des Beschlusses durch Antrag bei der Staalsanwaltschaft zu verfolgen. Der Antrag ist bei der Staats- anwallschafl desjenigen Landgerichts zu stellen, in dessen Bezirke das Urtheil ergangen ist. Ueber den Antrag entscheidet die oberste Behörde der Landes- Justizverwaltung. Eine Ausfertigung der Entscheidung ist dem Antragsteller nach den Vorschriften der Zivil- Prozeßordnung zuzustellen. Gegen die Entscheidung ist die Berufung auf den Rechtsweg zulässig. Die Klage ist binnen einer Ansschlußfrist von drei Monaten nach Zustellung der Entscheidung zu erheben. Für die Ansprüche auf Entschädigung sind die Zivil- kaiiiiiiern der Landgerichte ohne Rücksicht aus den Werth deS Streit« gegenständes ausschließlich zuständig. Bis zur endgiltigen Entscheidung über den Autrag ist der Anspruch weder übertragbar, noch der Pfändung unterworfen. 8 6. In den zur Zuständigkeit deS Reichsgericht? in erster Instanz gehörigen Sachen ist statt der Slaalskaffe die Reichskasse ersatzpflichtig. In diesen Fälle» tritt an die Stelle der Staats- amvaUschast des Landgerichts die Staalsanwaltschast bei dem Reichs- gericht. an die Stell« der obersten Behörde der Landesjustizverwaltuiig der Reichskanzler. Wir werden morgen auf diesen Gesetzentwurf kritisch ein- gehen.— Anträge der ZcntrnmSpartei. Seiten» der Abgg. Dr. Hitze, Dr. Lieber und v. Hertling ist«in Antrag, betreffend den Schutz der in gewerblichen Betrieben beschäftigten schulpflichtigen Kinder; vom Abg. Dr. Riutelen ein An- trag, betreffend die Wiedereiiisührniig der Bernfuiig in Strafsachen eingebracht worden.— Wie verlautet, will das Zentrum auch die „lex Heinze" in Form eines Antrages wieder embriiigen. Sicher ist die neuerliche Einbringung des Antrages aus Aufhebung des Jesiiileiigesetzes seitens des Zentrums.— Tie freisinnige Vereinigung beabsichtigt, nachstehende Jnilialivanlräge im Reichstag eiiiznbringeii: A. Antrag Barth» Rickerl betreffend Schutz des Wnhlgeheiiiiniffes, Eiiiführiing von Wahlkouverls. B. Am rag Rickert betreffend Aushebung des Verbots der FeilhaUnng von Margarine und Butter in den gleichen Verkaufs- rännien. l?. Anträge Pachnicke: I. Der Reichstag wolle beschließen: den Reichskanzler zu ersuchen, dahin zu wirken, daß— in Ansführung des Arliket? 43 der ReichSversaffimg und des 8 4 deS Gesetzes be- treffend Errichtung eines Reichs-Eisenbahnaintes vom 27. Juiii 1373 — Maßregel» gelroffen weiden, um o.) einer Häufung von Un- fällen, wie sie in lehler Zeit auf deutschen Eifenbahnen vorgekommen sind, wirksam zu begegne»; b) die Leistungssähigkeit der Bahnen, dem steigenden Vei kehr«nlsprechend, zu erböhen. U. Der Reichstag wolle beschließen: a) Die verbündeten Re- gierungen zu ersuche», einen Gcsetzeniwurs vorzulegen, nach welchem die Anstellung der Gewerbeaussichlsbeamte» und die Ordnung ihrer Zuständigkeitsverhälliiiffe— in Abänderung des 8 139b der Ge- iverbeordnling— von Reichswegen erfolgt; d) die Erwarliing auS« zusprechen, daß alsdann 1. die Zahl dieser Beainlen ver- mehrt, 2. ein entsprechender Theil derselbe» ans Arbeiter- kreisen entnoinnien, 3. insbesondere zur Aussicht über die Durchführung der Vorschrisien betreffs Frauenarbeit auch weibliche Juspellioiis- bennile angestellt werde». III. Der Reickstag wylle beschließen: folgendem Gesetz seine verfnffuiigsmäßige Zustimmuiig zu eitbeilen: Hinter Artikel 3 der Neichsverfassnng wird folgender Znsatz anfgeiiommen: In jedem Bniidesstaal muß eine ans Wühlen der Bevölkerung hervor- gegangene Vertretung bestehen, deren Zilstimnmng zu jedem Landesgesetz und zur Feststellung des SlaalshanshaUs erforderlich ist. Nothvereinsgesetz. Die Abgg. Baffermann und Dr. v. Cuiiy haben mil Unlerstützung der nalionallideralen Fraktion erneut das „Notbveieinsgesetz" eingebracht:„Einziger Artikel. Inländische Vereine jeder Art dürfen mit einander in Verbindung treten. Eni- gegeiistehende landesgesetzliche Bestimmunge» sind ausgehoben." Tie RctchSpartei hat gestern beschlossen, eine» Jnilialivantrag dem Rcichsiag(wahrscheinlich mit den Deulschkonservativen zu- sanime») zu unterbreilen, in dem die Wiederansnahme der Novelle zum GerichtsverfaffuiigS-Gesetz und zur Slrafprojeß-Ordnung mit Ansschiuß des Theiles, der fich aus die Enlschädigung unschuldig Vernnheilter bezieht, verlangt wird, also der Vorlage, deretwegen im Sonnner 1336 die Session nicht geschlossen, sondern nur vertagt wurde._ An die sozialdemokratische Wählerschaft Oesterreichs richtet die sozialdemokratische Fraktion folgende» Aufruf: Hnnderle von gnstlmiiinnge» aus alle» Theile» Oesterreich?, in allen Sprachen, ans allen Volksschichle». die wir in den letzten Tage» erhalte» haben, beweisen uns, daß uiisere Haltung in der ewig denkivurdigen Sitzung des Parlamenls am 26. November richtig verstanden und rnckhalilos gebilligt wird, nicht»ur von Euch, niisere» Parleigenosse», sonder» von allen Menschen, die eine Empfindung sür Volkeebre und Freiheit haben. Wer aufmerksam die Vorgänge im änerreichischen Parlament seit dem heurigen Frühjahrverfolgl hat, wird dein sozialdemokratische» Ver« band das Zengniß gebe» müsse», daß er i» allen Abschnitten dieser bewegten Zeit bestrebt war, im Sinne der Jiiteresse» des werklhäligen Volkes zu handeln. Er hat von allem Ansang an dem Ministerillii» Bndeni enlschiedenste nnd unversöhnliche Opposition angekündigt. Diese Oppofltionsstellung wurde infolge der auf dem Verordniiugs- weg« erlassenen Sprachenverordiinngen noch schroffer, da dieser Weg unmöglich zur Versöhnung führe» konnte, sondern im Gegeniheil die im denlsche» nnd czechischen Bürgerlbum herrschende Berwirrung und Verbilterung»ur noch steigern mußte. Dazu kam die Vernichtung der Eisenbahnerorgaiilsalion, die Verletzung deS Koalilioiisrechles. Der Sozialdemokratische Verband hat sich daher der Opposition der demschbürgerlicheil Parleie» kräftig angeschlossen und ist neben de» Opposilionsparleien der Regiernng u»d der Mehrheil des Hauses gegenüber in die Obstruktion eingetrete». Aon selten des Sozialdeniokratische» Verbandes wurde diese Obstruklio» nur mit den gesetzlichen Mitteln der GeschästSordiiuilg ans- gesibt. Da kam jener unglückliche 25. November, an dem der Antrag Falkenhay». durch den gegen alles Gesetz und gegen die Geschäftsordiinng dem Präsidenten das Recht gegeben werden sollte, Abgeordnete auf drei Sitzuiige» auszuschließen und erforderlichenfalls mit Gewalt entfernen zu lassen, mit einem von Äulbgeschrei er- füllten Hause ohne Debatic, ohne zweite und dritte Lesnng von einem ehr- und pflichtvergessenen Präsidium als a». genommen bezeichnet wurde. Nmilnehr wußten die sozialdemokratischen Abgeordneten, daß es ihre Pflicht als Abgeordnete des Volkes sei, zu verhindern, daß nach dieseni Rechts- brnche noch Verhandlungen fialtsinden; der Präsident Abrahamowicz durfte nicht mehr zu Wort« kommen. Der listigen Gewalt mußte die offene Gewalt entgegengesetzt werden. Di« deulschbürgerliche n OpposltionZparleien hatten erklärt, daß sie feierliche Proteste ein» bringen und dann wieder die gewöhnliche» Mittel der Obstruktion in Anwendung bringen. eventuell während der Verhandlungen über den Ausgleich das Haus verlassen wollten. Die sozialdeinokratischcn Abgeordnelen waren sich sofort darüber klar, daß es der durch die Annahme des An- träges Falkenhayn proklannrten schamlose» Verhöhnung der im Gesetze zugesicherten Unvcrletzlichkeit der Abgeordneten, ihrer Im- munirät gegenüber nur ein Mittel, das der Gewalt, gebe. Wir Sozialdemokraten stehen auf dem Boden der geschichtlichen Enl- Wickelung und sind keine Anhänger der Gewalttaklik.'Aber gegen- über dem Appell an die Gewalt von seile der Privi» lcgirten muß für uns gelte», was für jedermann gilt: das Recht der Nolhwehr. Und so haben die sozialdemokratischen Ab- geordnete», als am 26. November der Präsident die Sitzung eröffnen wollte, vom Präsidium Besitz ergriffen. Mehr als hundert Sicherheits- »vachleute rückten in den Saal, und die Sozialdemokrale» wurden einzeln von den Sicherheilswachleulen aus dem Saal geschleift. Die deutschbürgerlichen Parteien begleilelen dieses empörende Schauspiel mit Zurufen an die sozialdemokratischen Ab- geordneten, die diesen ihre Sympathien ausdrücken sollte», zu einer aktiven Hilfeleistung raffte sie sich nicht ans. Aber unser Vorgehen, bei dem uns keine Rücksicht ans die Sicherheit »insercs Leibes und Lebens leilcle, halte die eine Wirkung, daß die denlschbürgerliche» Oppositionsparteien ihre Taktik änderten und am 27. November neuerlich der Eröffnung der Sitzung solchen Widerstand entgegensetzten, daß endlich die Negierung»nd die Mehrheitsparleien einsahen, daß alle weiteren Versuche, die Opposition zu beugen, ver- geblich seien. Diese Vorgänge vom 26. Noveinber bewirkten eine ungeheure Erregung im ganzen Lande. In allen größeren Orte» kam es zu Demonstrationen, in Graz floß Proletarierblut. Und endlich besann sich auch die Bevölkerung Wiens, soweit sie noch nicht gänzlich durch die christlich-soziale Partei politisch verblödet ist, auf ihre Pflicht. Die Studenten demonstrirte», das Vürgerthnm kam in Bewegung, und die sozialdemokratische Arbeiterschaft rückte in geschlossenen Reihen aus. Der 27. und 28. November bot i» Wien das Schauspiel un- erhörter Aufregung, und wie eine Erlösung von einem schrecklichen Alp wurde am Nachmittag des 28. November bekannt, daß das Gesanimtministerium entlassen sei. Wieder hat sich gezeigt, daß die Arbeiterschaft in erster Linie bereit ist, für die lliechte des Volkes einzutreten. Ein Mciiiento für die bürgerlichen Parteien Oesterreichs, die daraus ivieder die Erkenntniß schöpfen sollten, um ivie viel besser es um die siiechle des Volkes in Oester- reich bestellt iväre,»venu das Bürgerthum nicht so oft die Arbeiterschaft auch in ihrem politischen jkampse verrathen hätte. Gern und freudig»vollen»vir in diesem Augenblick anerkennen, daß eine noch snr ideale Gedanken zugängliche Sludentenschasl aller Nationen und em Thcil des BürgerthumS in diesen Tagen mit der sozialdemokratischen Arbeiterschaft gegangen sind. Sie habe» eS freilich über sich ergehen lassen müssen, mit den ZIrbcitern zusammen als„Pöbel" bezeichnet zu»verde». Aber Pöbel, das ist xopulns, und populus heißt ans deutsch: das Volk. Das Volk, auf dessen Zustimmung»vir bei unserer Handluugsiveise gerechnet habe», es hat uns nicht verleugnet, es ist auf die Straße gegangen, und es hat gesiegt! Was aber sollen die nächsten Tage bringen? Wir beharren auf unserem Standpunkte. So lange Falte»hay»i's parlamentarisches Standrecht besteht, so lange feine Urheber die Leitung der Geschäfte des Hauses in der Hand habe»», gicbt es für uns kein Zugestäudiiiß, kein ruhiges Verhandeln. Zuerst heißt also unser parlamentarischer Fcldrnf: Nieder mit der I-sx Falkenhayn, nieder mit ihren Nr- hebern! Wir sind aber»liisercn Wählern verpflichtet, zu sagen, daß»vir de» Kamps gegen die Feinde des Volkes»ach»vie vor führe»»»verde», und zivar gegen alle. Nicht allein gegen de» offenen Absolutismus »verde»»vir pflichtgemäß jetzt i»nd in Zukunft streiten. A»>ch jenen Feinden des Volkes gilt unser Kamps, die gegen die Rechte irgend einer Nation aufstehe». Wir ivürdcn unsere Grundsätze und die ganze Vergangenheit unserer Partei verleugnen, ivenn»vir auch nur einen Augenblick den A»>schein bestehen liene», als hätten»vir in den letzten parlainentarische» Kämpfen uns für Vorrechte der Deutsche» eingesetzt. In unsercnReihen stehen Angehörige desdcnlschen.czechische», polnischen undrnthenische» Volkes. Ans de»» Volke kommen»vir, zun» Volke gehören»vir, und sind jeder unserem Volke treu ergeben.'Aber»vir alle sind durchdrungen davon, daß der Haß gegen ein anderes Volk uns nilr erniedrige»,»m'irde. Wir»vollen zwischen den Völker» nur «inen Kampf: den Wettbewerb ans dem Gebiete der Kultur. Wir protestire»» als internationale Sozialdemokralen gegen jede» National- haß und gegen jede nationale Unterdrückung. Insbesondere protestire» die sozialdemokratische» Abgeordnete» slavischer Nationen, daß man für das schändliche Verhalte» der Pole»», Czechen, Stovenen und Rulhenen im jetzigen österreichische» Parlanient das polnische, czechifche, flovenische oder rnlhenische Volk verantivortlich mache. Die heutige» bürger- liche» Vertreter dieser Nationen im österreichische»'Abgeordnetenhanse haben keine Berechtigung, in» Namen ihrer Völker zu sprechen, sie sind»i»r Vertreter der reaktionärsten Schichten ihrer privilegirten Klassen und zumeist offene oder versteckte Anhänger oder Helfershelfer der klerikale»» Partei, die ja, sie»nöge sich deutsch, czechisrh oder sonstivie nenne», immer die ärgste Feindin jedes Volkes ist. Die slavischen Völker haben so gut»vie andere Völker ihr Blut ström- »veise für die Freiheit und den Forlschritt der Menschheit vergossen. Wir alle aber protestire» insbesondere dagegen, daß man i» den gemischtsprachigen Ländern, insbesondere in den dcuischböhmischen Bezirke», den» arine», unschuldige» czechische» Proletarier die Geineinheiten der jungczechischen Partei entgelten lasse. Aller- dings,»vas möglich»var, das haben die jnngczechischen Abgeordneten gethan, um de» czechische» Name» und das Cje»chische Volt zu beschmnhe». Die czechische» Sozialdemokraten aber lehnen jede Mitschuld an den reaktionären Exzessen der Jung- czechen ab. Ruhig und gelassen, pflichtbeivnßt und kampfbereit stehen»vir m»f unserem Posten, von dem wir uns nicht verdrängen lassen. Wie wir unsere Pflicht zu thun neuerdigs geloben, so»vissen»vir auch, daß Ihr uns in» Kanipfe nicht verlasse»»verdet. „Mit uns das Volk, mit uns der Sieg!" Wie», am 36. Noveinber 1397. E r n st B e r» e r. Peter C i» g r. I g» a z D a s z y n s k i. Josef Hannich. Josef Hybesch. Wilhelm Kieseivetter. Jan Kozakieivicz. Hans Resel. Eduard Stieger. Anton Echrainmel I o s e f E t e i n er. Dr. Leo Verkauf. Karel Vratny. Eduard Zeller. Dr. Roman Jaro- s i e w i c z(als Hospitant). Tie Sozialdemokratie Badens hält, wie uns durch Privat- depesche gemeldet»vird, am 9. Januar einen a u ß e r o r d e n t- lichen Parteitag ab. um zu den Reichstagswahle» Stellung zu nehmen und die Frag- der Verlegung des„Volkssreund" von Offenburg nach Karlsruhe zu regeln. Bei einem große» Brande, der am Bußtag in den» Dorfe Weseram bei Brandenburg a. d. Havel»vüthele, hat der dortige Vertrauensmann unserer Partei, Genosie Wilhelm Heise, sei» ganzes Hab und Gut verloren. Zur Linderung seiner bedrängten Lage ist von der Redaktion der„Brandenburger Zeitlmg" eine San»»»- Iimg eröffuet worden. J„ Bremen ist durch den Tod des Weinhäudlers I. D. T i e l e eine Ersatzivahl zur Bürgerschaft nothwendig geivorden. Es handelt sich um de» 5. Wahlbezirk(Neustadl),»vo im November v. I. von 571 Wahlberechtigten 301 an der Wahl theilnahinen, von denen 165 für Tiele, 132 für den Kandidaten der Sozialdemokralie, Restaurateur Ernst Groß man», stimmte». Die Ergänzungs- ivahl— schreibt die„Bremer Bürgerzeitung"— bietet der Sozial- Demokratie die besten Aussichten.___ Verantwortlicher Redakteur: August Jacobcy in Berlin. Für den Jnse» Bei de» Stadtverordneten- Ersalzivahlc» in Osterwieck am Harz wurden zivei Parteigenossen, Handschuhmacher Karl Schulz und Weißgerber Ernst Pohl, mit 165 und 142 Stimmen geivählt. Die bürgerlichen Kandidaten, fünf an der Zahl, erhielten jusammen 174 Stimmen. In Wernigerode ist bei der Slichivahl zur Stadtverordneten- Versammlung unser Parteigenosse Albert Bartels mit 175 Stimmen geivählt worden,- neben ihm ein bürgerlicher Kandidat, Rentier Mci»si>»g, mit 174 Stimmen. Die Arbeiter, die das Bürger- recht erivorben haben,»vähllen,»vie uns geschrieben»vird, so ziemlich sä»iuitlich, trotz der Oeffentlichkeit der Stimmenabgabe. Nach der „Wernigeroder Zeitung", dem Amtsblatt, soll die Wahl beider Herren für nngillig erklärt werde», da die Bestiinmung des§ 16 der Slädteordnnng,»vonach die Hülste der von jeder Abtheilung zu »vählenden Stadtverordneten aus Hausbesitzer»(Eigenthümern, Rieß- brauchern und solchen, die ein erbliches Besitzrecht haben) bestehen muß, nicht beachtet»Vörden sei. Bartels ist aber als Eigenthüiner und zivar des Parteilokals eingetragen. Einen gute» Zlnfang nehmen die G e m e i n d e>v a h l e n in S a ch s e n- M e i» in g e n für uns, obivohl sie unter der neuen Geineinde�Ordniliig vor sich gehen, die die besitzlosen Arbeiter gegen früher schlechter stellt. Wie uns geschrieben»vird, wurde» in Jude» back bei Sonneberg alle 6 Kandidaten der Arbeiterpartei mit großer Mehrheit geivählt. Unsere Stiiinneiizahl betrug 230 bis 249, die der Gegner 107—120. Die Sozialdemokratie hat nun in» Gemeinderathe die Mehrheit. Im Nachbarorte Blech- K a in u» e r hatte» die Parteigenossen ebenfalls einen voll- ständigen Sieg zu verzeichnen. In Hüttensteinach da- gegen unterlagen»vir, da die beiden Fabrikbesitzer daselbst allein 178 Etil»»»«» abgaben,»vozu noch die Beamte»» mit ihrem Mehr- stimmenrecht kommen. Dafür»vurde in Pößneck Geuofse Paul S e i g e mit 1932 Stimmen gewählt und unser ziveiter Kandidat, Genosse S ch i l d b a ch, erhielt die ansehnliche Minorität von 1352 L>tin»iieii. Außer Seige sind noch geivählt der bürgerliche Demokrat V. E b e r l e i n, für den auch»nsere Partei eintrat und der 2260 Slimme» erhielt, und ein Kandidat des Oidnungsmischmaschs mit 1610 Slimme». I» Ronneburg in Sachsen-Altenburg wurden 4 Sozialdemo- kraten in das S t a b t v e r o r d n e t e n- K o l l e g i u m geivählt. Alö Reichstags- Kandidaten sind aufgestellt in Dresden- Neustadt August Kaden, im lkreise P i r» a- S e b n i tz Jnl. Fräßdorf. Dieser Kreis»var bei der letzten Wahl derjenige in Ostsachsen,»vo unsere Fortschrille am grüßten»varen. Die Stimmen- zahl verdoppelte sich und Fräßdorf erhielt bei der Hauptivahl die relative Mehrheit. Die Antisemiten haben de» bisherigen Abgeord- »ete», Mortelfabrikanten Lohe aus Dressen ivieder aufgestellt. Eine Paitcivcrsammlnng für drn tv. badischc» Reichs- tagö-WahIkreiS Karlsrnhe-Brnchsal nahm mit grober Mehrheit folgende, von Kolb gestellte Resolution an:„Die Versammlung erklärt sich mit den Beschlüssen des Hamburger Parteitages im all- gemeinen einverstanden. Der Beschluß über die Betheilignng unserer Partei a» den preußischen Landtagsivahle» erscheint uns jedoch als nicht hallbar, da nach demselben es den preußischen Genossen uiimöglich ist.»vollen sie nicht eine nutzlose Kraft- und Geldverschiveudung vornehme», sich mi de» Landtagswahlen zu betheiligen. Eine Slenderung dieses Beschlusses ist nnbedingl erforderlich. Die Versammlung erklärt sich damit einverstaiideii, daß die Reichstags-Fraktio» die Sache in die Hand»iniml und de», Parteigenosse» Deutschlands die Beschluß- fasfnng sodann überläßt." Zum Kandidaten für den 3i e i ch s t a g»vurde einstimmig Adolf Geck ans Offenburg bestimmt. Polizeiliches, Gerichtliches«. — Reichstags-Abgeordneter V o g l h c r r soll bei zwei Vor- iräge», die er im Frühjahr d. I. in Magdeburg gehalten hat, das Ministerin»» und den Kaiser beleidigt haben. An» Dienstag»var Termin vor den» Landgericht angesetzt. Da Vogtherr iiicht erschien, ordnete das Gericht tclegrnphisch seine Verhastnug durch die Berliner Staalsanivaltschaft an. Jnzivische» ist der Reichstag eröffnet und der Verhastungsbesehl somit gegenstandslos geivorden, denn das Verfahren»vird sicher eingestellt»verde». — Siedakteur H o s r i ch t e r von der„Rheinischen Zeitung" i» Köln hat am 30. November eine einmonatige Gefäiignißstrafe angelreien, die ihn»»vcgen Beleidigung eines Notars auferlegt ist. — Redakteur Karl Hoff mann von der Bielefelder „V o l k S»v a ch t", der beim Maurer- und Zimmererstreik von einem an» Bahnhof stationirte» Polizeikommissar Erknndignnge» über die Verhaftung eines Skreikeiiden hatte einziehe»»vollen und dabei groben Unfug verübt haben sollte, ivesivege» er ein auf 30 M. lautendes Slrasniandat empfing,»velche Strafe von» Schöffen- g- r i ch t auf 20 M. ermäßigt»vnrde, ist jetzt von» Landgericht reigesprochen worden. — Der vcrantivortliche Redakteur der„V o l k s st i in m e" in Magdeburg, Friedrich Vahle, hat am Dienstag eine zivei- »vöchige Gefäiignißstrafe angetreten, die ihn»»vegen der Herausgabe eines beim Tischlerstreik verbreitete» Flugblattes auferlegt ist. das »ach Ansicht des Lnudgerichls gegen Z 153 der Geiverbe- Ordnung verstößt. Das Schöffengericht halte auf Freisprechung erkannt. — Redakteur Thiel von»„ V o l k s b l a t t f ü r H a r b n r g" ollte durch eine Notiz über die Aerzögernng des Transports eines verunglückte» Hafenarbeiters den Vrückenivärter Hoffart beleidigt habe». Vor dem Landgericht in Stade beantragte der Sraatsanioalt 500 M. Geldstrafe, das Gericht aber erkannte ans Freisprechung. — In C h e in»» tz mußte dieser Tage der Parteigenoffe B r I r m s ch e r 150 M. Geldstrafe»vegen unerlaubten Sanimelns be- zahle». Slls unter den im„Vorivärts". soivie im„Beobachter" ver- öffentlichten Quittungen über die eingegangenen Gelder ein größerer Beilrag aus Chemnitz verzeichnet war,, vurde Jruischcr darüber ver- »omiue», ob- er dies Geld abgesandt bezieheullich gesammelt habe. Dabei legte»na» ihm,»vie der„Beobachter" miltheilt, die Postau ,v e i s u>» g als' Bciveisuialcrinl vor. Er erhielt da»» ei» Slrafmaudnt. Da er früher schon»vegen unerlaubten SaminelnS mit 100 M. bestrast»vorden ist, erhöhte man diesmal die Strafe auf 150 M. — In verschiedenen Orte» Meiningens sind Strafinandale gegen Parteigenosse» ergangen, die durch Verbreitung von F l n g b l ä l l e r>»„aufreizenden" Inhalts»vährend der Land- l a g s- W a h l groben Unfug verübt haben sollen. Redakteur H. Becker von»„Saalfelder Volksblatl" erhob gegen ein solches Strasmaiidat Widerspruch und»vurde vom Saalfelder Schöffengericht freigesprochen. Dasselbe Resultat dürste>» allen dergleichen Fällen erreicht»verde»,»venn rechtzeitig richterliche Entscheidung angerufen »vird. — Gegen daS Urlheil de? Schöffengerichts in Apolda,»vo- nach Landtagsadgeordneler B a n d e r t»vegen Uebertrelung der Bc- gräbnißordnnng 3 Mark Straf« zu bezahlen hat, ist voin StaaiS- anivalt Bernsung eingelegt»vorden. Das Schöffengericht hatte anerkannt, daß Bandert in» Nothfalle und ans Menschlichkeil ge< handelt hat, als er bei den» Begräbniß an Stelle des Geistliche», der sich»veigerte, ein paar tröstende Worte zu de» Hinterbliebeiien des Todlen sagte., — Der Leiter des Kasernenbanes in O f f e» b u r g, Kaspar H o f s u» a» n. der neulich unseren Parteigenosse», Adolf Geck in Genieiiischafl mit anderen auf der Straße überfiel und mißhandelre, hat sich desivcge» am 15. Dezember vor dem Schöffengericht zu ver- antivorten._ Gvtvevltf-chnMichvs. 'Deutsches Reich. SSV Arbeite» und Arbeiterinnen haben i» der Spinnerei in G a u t s ch bei Leipzig die Arbeit niedergelegt. Di« Differenzen entstanden durch Maßregelung einiger Arbeiterinnen, die versuchten. für den Textilarbeiter-Verband Mitglieder zu»verben. I» der letzte» »tettlheil vcraulwolllich: Dh. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Bi Versaminlung der Streikenden wurden hieraus folgende Forderungen gestellt: Einstellung sämmtlicher Gemaßregelten; die Gewährung einer zehiiprozentigen Lohnerhöhung für Akkord-Arbeiter; bei Repa- raturen und sonstigem Aufenthalt der Maschine» einen Stundenlohn von 33 Pf.; auch soll nur mit 4 Andrehern gearbeitet»verde». Ferner»vird für säinmtliche Arbeiterinnen über 16 Jahre ein An- fangsloh» von 16 Pf., für die jugendlichen ein Anfangslohn von 13 Pf. pro Stunde gefordert. Für die Lager- und Hofarbeiter»vird ei» Anfangslohn von 26 Pf. pro Stunde, für die Drechsler ein Stundenlohn von 36 Pf. gefordert. Bei elsslündiger Arbeitszeit soll auch eine halbstündige Vesper- und Frühstückspause eingeführt »verde». Wegen Lohndiffereiizen befinden sich 70 Arbeiterinnen der Haarschneiderei von Bloch u. Hirsch in Urberach bei Offenbach in» Ansstand. Bei der Gelverbegerichtswahl in H a r b u r g»vurde,» sänimt- liche vom Geioerkschaflskarlell aufgestelllen Kandidaten gewählt. Im oberschlesische» Bergrevier soll in nächster Zeit unter dem Namen„Görnil"(Berginann) ein in polnischer Sprache ge- schriebenes Organ für die Bergarbeiler erscheinen. Die Buchdruckergehilfe» von M c tz standen in letzter Zeit in einer Lohnbeivegnng. Ohne daß es zu einer Arbeitseinstellung kam, gaben die Prinzipale nach. Damit ist das Lohnminiinuni an» Platze vo» 22,50 aus 24,50 M. hinansgerückt»vorden. Tie»eunsnnidige 'Arbeitszeit besitzen die Metzer Gelsilsen schon längere Zeil. Der E»- folg ist lediglich dem Drucke der Organisation zu verdanken. Seilens bisher noch nicht organisirler Gehilfen sind deshalb zahlreiche Bei- trittserllärnnge» zum Verbände erfolgt. Ausland. Schweizerischer GetverkschaftSkougreß. Das eriveitcrte Komitee des schiveizerischcn Geiverkschaftsbnndes hat beschlossen, de» nächsten Gelverkschaftskongreß auf März 1898 einzubeiuse». Demselben»vird u. a. der?l»t>ag«»leibreitet»verde», Sie Herausgabe eines eigenen Gcwerkschaftsblatles von» 1. April 1393 an vorzunehmen, falls bis dahin die sozialdeniokralische Partei sich nicht noch zur Abtretung der„Arbeilerslimnie" entschließt. Streikbewegung der englischen Eiseubahuer. Der„Frauk- furter Zeitung"»vird aus London geschnebeii: Im hiesige» Bureau des Vorstandes der Vereinigten G e s e l l s ch a f l der E i s e»- b a h u- A u g e st e l l t e i» trifft man jetzt alle Vorbereiluugei» zu eiiicu» allgemeinen Streik. Dieser»vird evenlnell ganz England, Wales und Schottland umfasse», Irland aber nicht mit, weil die irischen Eisenbahnangestelllen ihr eigenes„nalionales Programm" haben. I» Großbritaniäen(ohne Irland) zählt man eliva 200 000 Eisenbahn- Angeslellle; von diese» sind gegenivärlig ilZ 000 Mitglieder der gevannle» Gesellschaft, und der Vorstand derselben glaubt, daß er durch einen Streik feiner Mitglieder aNein den g e s a m in t e>» E» s e» b a h ,»- V e r k e h r zum Stillstand bringen»vird. Die Mitgliederzahl der Vereinigte» Gesellschaft der Eisenbahn- Augestellle»»st aber in, Zuiiihmen begriffen,»vie das immer mit solche» Ge>verlvereins- Verbände»» der Fall ist,»venu ein Streik iu Aussicht siebt; 150 und mehr Eisenbahn- Angestellte melde» sich ivöchentlich beim Verband als neue Mitglieder an. Ülm nächsten und am übernächsten Sonntag»verde» im ganzen Land« überall Versanniilunge» von Eisenbahnern staltfindei»,»vo den- selben die Lage dargelegt»verde»»»vlrd. Einige Tage»i'ird es noch dauern, bis den Milgliederu der Gesellschaft vo» der Zentrale aus die Zettel zngeschickl sein»verde»», ans denen sie sich für oder wider den Streik erkläre» sollen, und von diese» Er- klärunge»»vird eS danu abhänge», ob der Vorstand einen Streik anordnet. Jnzivische» hat der Generalsekretär der Gesellschaft der Eisenbnhn-Angestellten in einem Schreiben de»» Eisenbahngesellschaflei» erklärt, die Konferenz habe wahrgenonm»«», daß die Gesellschaften de» Ang-stellten nicht in gerechter und vernünftiger Weise entgegen- gekouimen seien,»vis sie zu erivarten berechtigt»varen, und »ach langer und sorgfältiger Erörterung aller in betracht kommenden Frage» habe die Konferenz ihn(de» Generalsekretär) beaustragt, den Eisenbahngesellschaften„respektvoll" niitzulheile», daß, we»»n sie auch fernerhin sich für nicht in der Lage hallen, den Forderungen der Angestellten entgegenznkomnien, er sie noch- »»als ersuchen müsse, deren Wünsche einem Schiedsgerichte zu unterbreiten; er bitte um geneigte Antivorl bis zum 30. November. Sojinlvs. Arbeiter- Risiko. Un» das Feuer im O u o S s ch a ch t be» K u» z e» d o r s bei Sora» zu ersticken, ist am Somiabeiid der Ein- fahrisschacht fest mit Erde zugedeckt»vorden. Bei der Unter- snchilng stellte sich heraus, daß auch der Punipenschacht mit Rauch angesüllt»var, so daß der Zufluß frischer Luft nach den Strecken ver'hindert ist. Die»och in» Schacht befindliche», acht Grubenarbeiter gelten als verloren. Mai» hat die .Hoffnung aufgegeben, sie noch lebend zn bergen. An der Fertig» üellniig der beiden Nothschächtc»vird hastig weiter gearbeitet. Der Materialschade»»vird aus rund 25—30 000 M. geschätzt. Die Förderung der Lohser Werke ist durch das Unglück nicht»inler- brachen, da die andere» drei Schächte de» Ausfall hinreichend decken. Tie deutsch-chemische Industrie hat im Jahre 1896, wie auf dem jährliche» Kongresse der deutsche» Gesellschaft für die Ent- Wickelung der chemischen Industrie in Baden-Baden festgestelll wurde, an Erling wiederum erheblich ziigenoniiu«»,»cimlich um 8,7 pCt. Die Zahl der in dieser Industrie bcschäfliglen Zlrbeiter»vuchs um 5,2 pCt., die Summe der ausgezahlte» Löhne stieg vo» elwa 103 Millionen auf 112 Millionen Mark oder pro Kops von 894 M. auf 906.40 M. Die Ausfuhr nahm um 6,5 pCt. a» Werlh zn und au Quaulität um IZpCt. Infolge einer allgemeinen Preis- eruicdrigung ging der Reiiigeiviiitt vo» 12,71 ans 12,3 pCl. zurück, wie wenigstens die dcdeulendslen Gesellschaften snr chemische Prodiilt« berichlete». Bau vo» Rrbeiterwohuunge«. Ter Provinzial-Landtag für H e s s e»- R a s s a n hat den Antrag des Vorstandes der dortige,, Jnvalidiläls- und Alters-Versicherungsaustalt angenonunen,»vonach alljährlich aus de» Einnahmen der Versicherungsnilstall 400 000 M. zur Förderung des gemeinnützigci» Baues von Arbeiterivohiimigen dergestalt in Hypotheken angelegt»verSen dürfen, daß die Grund» sliicke nebst Gebäuden bis zu 75 pCt. des Werlhes beliehen»verde» Vepesrhetr mrv letzte Llnrheichlen. Berti», 1. Dezember.(W. T. B) Die Staatsanivaltschast in Kempten theilte dem hiesigen Polizeipräsidiuni mit, daß der Mörder der Wirthin Oestcrrieder in Kanfbeuren, Rochus Geiger, auch Glögglec genannt, in Wörishosen verhastet»vorden»st. Dreöde», 1. Dezember.(Privatdepesche de?„Vorivärts.") Die Protestversammlung gegen Verschlechterung des Vereins- und Ver. sammlungsgeseucs im„Trianon" war vo» über 2000 Personen be- sucht. Das Lokal»var polizeilich abgesperrl. Referenien»varen Fräßdorf und Goldstein. Die Proleslresolulion»vurde ein- stimmig»inler großem Jubel angenomme». Kaiserslauter», 1. Dezember.(W. T. V.) Der„Pfälzisch»», Presse" zufolge hat sich auf der bei Homburg(Siheiupfalz) belegenen Kohlengrube Frankcnholz eine Explosion schlagender Weller ereignet. 30 tobt« und 40 verwundete Bergleute»vnrde» bercilS zn tage gesördert. Mehrere»verde»»och vermißt. Von Zweibrücke» ist»littels Extraznges eine Sanitätslolonne zur Hilfeleistung ab» gesandt. Prag, 1. Dezember.(W T. B.) Die Ausschreitungen nahmen iin Laufe des Nachmittags größere Ausdehnung an. In einige» Gasse» der früheren Jndenstadl»vurde», iu Häuser», die auch deinsche Firmenschilder tragen und in dcue» Judei» wohneu, die Fenster eiugeschlageu. Auch der jüdische Tempel»vurde i»il Steinen beworfen und die Fenster zertrümmert. Nach Werschowitz. ivohin ein größerer Trupp von Denionstlanlen zog, wurde Militär geschickt. Um 4'/» Uhr nachmillags waren neun Bataillone in Thätigkeit. »x Babing in Berlin. Hierzu 1 Beilage u. Unterhaltungsblatt. llr. 381. U. Illhrgaug. Ifilnjt iire Jptiuiirts" Sttlintt MsM MontinttNAles. ©tue neue städtische RnleHe. Die Stadt Verl!» beabsichtigt eine neue Anleihe ausziinehmeii, deren Bedarf auf rund 68 300 000 Mavt berechnet ist. Erforderlich wird dieselbe insbesondere: der 26 293 370 M. 14 629 822„ 19 143 972. 4 872 976„ 5 170 086„ 21317öS„ 1 112 490.. ur weitere» Ansfkhrnng der Kanalisaiion 2. Zur Fortsetzung der Erweiterungsbauteu Wasserwerke........... 3. Zu Neu- und Erivcilerungsbante» der Gaswerke 4. Zur Erweiterung des Zentral-Biehiuarktcs und � Schlachthofes......... 5. Zu Bruckenbanten........... 6. Zu Straßenregulirungen infolge der Stadtbahn- Anlage.............. 7. Zu verschiedenen gieslbauten:c........ ©umma T] 73 354 474 M. Die hiernach überschreitende Siinime von 4 554 474 M. wird »och aus der vorhandenen 1892« Anleihe Deckung finden. Die städtische Ticfbau-Tcpntation beschäftigte sich gestern Unter Vorsitz des Stadtraths Voigt mit der Verbreiterung der Universitätsstraße, welche bereits vor mehrere» Jahre» von beiden städtischen Behörden im Prinzip genehmigt worden ist. Das Bedürfniß der Verbreilerung dieser Straße ist neuerdings dring« lichcr geworden, da voraussichtlich schon im nächste» Jahre die Vorlegung der Stall st raße vorgenommen und dadurch eine durchgehende Verbindung von der Etsasferstrasie nach der Straße Unter den Linde» geschaffen rverden wird. Die Universitälsstraße soll gegenüber den früheren Bestiinmuuge», wonach dieselbe auf 18,8 Meter verbreitert werden sollte, mit stiücksicht ans die Nengestaltung der Stall- straße, welche mit einer Breite von 13 Metern projektirl ist, auch nur eine solche von 18 M. erhalte».— Ferner genehinigte die Deputation die vom Banrath Krause vorgelegte Skizze zum Neu- bau der A l s e n b r ii ck e. Nach derselben soll sie statt der früher vorgeschlagene» drei Oeffnungen nur eine Oeffnung von 50 Meter» Spannweiie erhallen.— Schließlich beschloß die Deputation, bei den städtischen Behörden zu beantrage», zunächst noch drei Stellen für f e st a» g e st e l l t e S t a d t b a u n, e i st e r und eine Stelle für eine» festangestellten S t a d t b a u- I n g e n i e u r z» schaffen.— Die Hochbau. Deputation tagte und genehmigte heute unter Vorsitz des Stadtsyndikus Weise die vom Ban»Jnspektor Zekeli vorgelegte Skizze einer G e in e i u d e- D o p p e t s ch n l e in der lliostockerstraße und die vom Bau-J»speklor Hesse vorgelegte Skizze einer einfachen Schule mit Lehrerivohngebäude ec. in der Grenzstraße. Der Ausschiist der Stadtverordncten-Versauimlung zur Vor- bcrathung des Borgniann'schen Antrages: den Magistrat zu ersuche», in Gemäßheit des ß 120 Absatz 3 der Gclverbe-Ordunng den Eut- wurf eines Ortsstatuls vorzulegen, durch welches de» männlichen Arbeiter» unter 18 Jahre» die Verpflichtung zuiu Besuche einer Fortbildungsschule auferlegt wird, hat unter Vorsitz des Stadtverordneleu Schwalbe und in Anivesenheit des Stadt-Schul- raths Bertram den Antrag, wie vorauszusehen war. abgelehnt. Die Ablehnung erfolgte». a. mit der wenigstens in der Gegenivart etwas komisch klingenden Begründung, daß die fakultative Forlbildungs- schule die edlere Form sei. Genial! Uo-Kslles. Tie„Prämiiriiitg braver Tienstbote»" durch den„B e r lin er H a u s s r a u e u- B e r e i»" ist das spaßhafteste unter all de» Mitteln, durch die die bürgerliche stlasse eine.Besserung des Verhältnisses zwischen Herrschaft und G e- finde" herbeiführen möchte. Diese Prämürimg findet nicht im Interesse der Dienstboten, sondern nur in dem der„Herrschasten' statt. Sie ist der Köder, der de» Dieustbotc» hingeworfen wird um sie zu locken und zu fesseln, sie zu langem Ausharren in derselben Stell« zu ermuntern und die Lust zum Wechsel» in ihnen zu ersticken. Frau Morgenstern, die geschästskundige Vorsitzende des Vereins, sucht die Wirkung der Prämiiruug noch zu steigern, indem sie sie öffentlich und in einer feierlich- rührseligen Form vollzieht. Die diesjährige Prämiiruug fand an» Dienstag statt. Prämiirt wurden 62 Dienstbote»(60 weibliche, 2 männliche. 46 aus Berlin. 16 von außerhalb), denen Frau Morgenstern die Üblichen guten Lehren»litgab. DaS hänfige Wechseln sei nicht gut, sagte sie. aber der K l a s s e n h a ß suche freilich den Dienende» von vornherein das Dienen zu verleiden. Die Prämiirteu hätten den „Herrschaften" zu danken für die Fürsorge und Liebe, die sie so lange erfahren hätten, und für die Geduld und Nachficht, die ihnen gegenüber so lange geübt ivorden sei. Diese Verdrehung des Sachverhalts, die die D i e» st b o t e n- P r ä in i i r n u g dreist in eine Ehrung der„Herrschasten" ver- wandelt, kehrt in den Ansprachen, mit denen Frau M. die gennß- reiche Feier zu verschöne» pflegt, alljährlich wieder. Frau M. hob nachher zivei Beispiele ganz besonderer Treue hervor: Eine Dienerin dient 30 Jahre bei einer Frau Pastor, und zwar seit der durch den Tod des Pastors eingetretenen Verarmung der Fnmilie, seit nunmehr 25 Jahren, ohne Lohn! Eine andere, die jetzt 40 Jahre in derselbe» Familie dient, hat nach dem Tode des Hausherrn ihre Ersparnisse hergegeben, damit der Sohn ihrer Herrin sich der Ofsizierskarriere widmen kann! Frau M. rechnete anscheinend auch diese Dienstboten zu denen, die für die ihnen von ihrer„Herrschast" so lange beiviesene Liebe und Fürsorge zu danken hätten. Hinkeldey in der Rumpelkammer. Das„Berk. Tageblatt" schreibt:„Eigenartig ist das Schicksal des im Duell mit dein Ritt- weister v. Rochow gefallenen Geiieral-Polizeidirektors von Berlin v. Hinckeldey gewesen; nicht weniger eigenartig ist aber das Schicksal des vor eiwgen Jahrzehnten ihm zu Ehren auf dein Hofe des KasernementZ der berittenen Schutzmannschaft in RunimelSburg errichteten Denkmals. Das Denkmal, ans freiivilligen und anderen Beiträgen der Schutzmannschaft errichtet, mußte vor einigen Jahren, als die berittene Schutzmannschaft nach Berlin in verschie- den« Etudtlheile verlegt ivurde, abgebrochen werden. Es fand ein Ruheplätzche» auf dem Hofe der Hauptseuerwache in der Linden- straße 41, mußte diesen Platz dann aber wegen baulicher Verände- rnng mit einem andere» Platz unter einem offenen Schuppen, i» dein Geräthe lagerte», vertauschen. Jetzt hat das Denkmal, das ans einer lebensgroßen Büste auf einem Sandstcinsockel und einem Unter- bau aus schwedischein Granit besteht, schon wieder einmal wandern müssen. Es soll ein Ruheplätzche» auf dem Boden des Polizei- Präsidiums am Alexanderplatz erhallen und später nach Renovirung des verwitterten Sandsteinsockels auf einem der inneren Höfe des Präsidiums Aufstellung finden." Nach Vollendung der Geleise für den Vororlsverkehr auf der Anhalter Eisenbahn wird, wie dem„Tclt. Kreisbl." zufolge in der letzte» Sitzung des Bürgervereins von Südende mitgetheilt wurde, die Haltestelle Tempelhof eingehen und dafür a» der Kreuzung mit der Ringbahn eine neue errichtet werde». Die allgemein ge- wünschte Halleitelle an der Jorkstraße soll zur Ausführung koinmen, wenn sie sich innerhalb des für den ganzen Uinba» gesetzten Kosten- aufivandes ermöglichen läßt. Dagegen ist für Südende ein Güter- bahnhof für bestimmt in Aussicht genommen und zwar an der Dresdener Bahn in der Nähe der Station Mariendorf. Daß die Bauarbeiten sür das dritte und vierte Gleise nächstes Frühjahr beginne», gilt als feststehend. Die Ursache des Eiseubahu-NugliiikS bei Spandau wird jetzt darauf zurückgesührt, daß ein Blockwärter ein falsches Signal gegeben habe. Der Kölner Personenzug Nr. 29 hat fast stets bei Spandau direkte Einfahrt, nur gestern niußte von dieser Gewohnheit abgesehen werden, weil, wie bereits erwähnt, der H o f z u g des Prinzen Heinrich die Durchsahrtsgeleise bei Spandau, kreuzte; der Personenzug erhielt infolgedessen bei dein Abschliißsignal des Güter- bahnhofes das Haltesignal. Vorschristsinäßig hatte nun das nächste Blocksignal bei Dallgow ebenfalls auf gesperrt gestellt werden müssen, um so dem»achfolgenden Eilgüterzug Nr. 361 die Weiterfahrt zu untersagen, bis vom Spandaucr Güter- bahnhof ans die Meldung„Strecke frei" nach der Blockstation er- folgte.(Die Entfernung von Zug zu Zug muß ja eine Blockstatio» Länge betragen.) Nach den übereiustiinmendeii Angaben des Loko- inotivführcrs und Heizers ist dies jedoch nicht geschehen. Der Block- wärter hat vielmehr wohl in Rücksicht auf die Getvohuheit, daß Zug 29 stets Durchfahrt hat, freie Fahrt gegeben. Als der Loko- motivführer des Güterzuges auf eine Entiernung von 400 Meter» das Haltesignal am Abschlußsignal bemerkte, ließ er die Bremse spielen, gab jedoch, ohne de» vor ihm hallenden Personenzug in der Dunkelheit zu beinerken, als das Einfahrtssignal gegeben wurde, wieder Volldampf, da er das Signal auf sich bezog. Leider hatte der Personenzug Nr. 29 nur laugsam angezogen, und so kam es, daß, wiewohl der Führer des Güterzuges ans 100 Meter Entfernung den vor ihm langsam fahrenden Personenzug gewahrte, seinen Train doch nicht mehr zum Stehen bringen konnte. Trotzdem würde das llnglück noch vermieden ivorden sei», wenn Nicht bei Abgabe des Koukredampfes iusolge übermäßigrn Druckes das Siederohr der Güterzngmaschine geplatzt wäre. Wunderlich finde» wir es, daß die Hilfe der Nnfallstationen den Mittheilungen des Kiiraloriums znsolg« vom Lehrler Bahnhof ans mit den Worten abgelehnt wurde:„Von den llnsallstationeu dürfen wir keine Wagen rcguirircii." So gleichgillig dem Publik»,» die Frage, ob Uufallstation oder sitettungsgesellschast, im ganze» sein kann, so»Hiß doch in tiefem Falle gesagt werden, daß die erste Hilse daher zu holen ist, ivo sie zuerst angeboten wird. Das fehlte auch noch, daß im üliigesicht von Massennnglücksfälle» in einem ärztlichen Krakehl Partei ergriffen würde. Älmilich wird gemeldet, es habe sich noch nicht feststellen lassen, ob unrichtige Signalgebung oder Nichtbeachtung eines ge- gebeuen Signals vorliegt. Die Uniersuchttng ist eingeleitet. Die Namen der Verletzte» sind: 1. Alwine Altert aus Radotin, 2. Anna Badiir ans Theresia, 3. Emilie Sonuenverg ans Stradun, 4. Henriette Drewitz geb. Kreutz aus Schönlanke, 5. Emil Drewitz aus Schönlanke, 6. Amanda Dieivitz ans Schönlanke, 7. Agnes Zigaleli ans Beyle, 8. Gustav Kühn aus Stradun, 9. Ernst Aller! ans Radoli», 10. Simon Sidolski ans Beganinborf, 11. Anton Pidowiak aus Groß-Lultum, 12. Felix Maday ans Pinne, 13. Ludwig Przybylla aus Kibel, 14 Leopold Urbanski aus Äibel, 15. Franz Slripet ans Corelnitza, 16. Ignatz Seballa aus Ligotta, 17. Stephan Pamzram aus Berste. Gegen die im Bau begriffene Brücke über die Oberspree bei den»euen Elektrizitätswerke» haben die Dainpfergesellschafl „Stern" und andere Betheiligie Einspruch erhoben mit dein Er- suchen, die Weiterführung des Baues behördlich zu verhindern. Be- gründet wird der Einspruch»rit dem Hinweis darauf, daß die neue Brücke an einer a» sich schon schivierigeu Verk.hrsstetle den freien Ausblick behindere und darum folgenschwere Unfälle herbeiführe» könnte. Tie Neue Berliner Omnibus- Aktiengesellschaft, die vor kurzem auf zwei Linie»(Goltzstraße— Sptttelinarkt und Sletliner Bahnhof— Friedrichslraße—Lkreiizberg) de» Fünfpfennig-Theilftrecken tarif eingesührt hat, läßt fo>tan zum Preise von 1 und 2 M Blocks mit 12 und 25 Fahrkarten über je 10 Pf. verkaufen, die au säittintlicheii Linie» der Gesellschait giltig sind. Diese Karten sind übertragbar, und könne» also z. B. auch von mehreren den Omnibus mit einem Mal benutzende» Fumilieiimitgliederu verivendel werde» Bei 15-Pfeu»igstreckeu werde» die Karleu mit 10 Pf. in Zahlung geuomine». Gegen de» Zigarreugcucral. Der Verein der Tabakiuter efseuten sür Berlin und Umgegend beschäftigte sich gestern Abend in einer Versammlung mit dein vo» einer hiesige» Firma unter der Devise„Pro Patria" angestrebten militärische» Zigarreuverkaufs- Monopol. Nach lebhafter Debatte gelangleu Resolulioneu zur An- »ahme, in welche» das Vorgehe» der Firma„Pro Patria", Zigarren niagazin für Heer und Marine unter Aufsicht deS königlich preußischen Generals a. D. v. Baczko, die den gesamt»!«» Zigarreneinkauf der Kasinos und Kantinen a» sich zu ziehen sucht, aus das Schärfste verurlheill wird. Ferner beauftragte die Bersaminlung den Vorstand, beim Knegsmiiiister hinsichtlich des Zigarrcnverkaufs i» den Kautineu a» Sonntagen vorstellig zu werde». Tic Besichtigung des Reichstagsgcbäudcs findet während der Tagung des am 30. November begonnenen ilteidistages nur noch von 81/2—91/2 Uhr vorinittags und Sonntags von 2-4 Uhr nachniittags statt. Das Publiknnr ivolle sich nach Lösung der Eintrittskarte» in der Wartehalle(Portal V) bis späleteus 9 Uhr. resp. uachniiltags bis 3'/s Uhr versammeln, da jede Führung eine halbe Slunde in Anspruch uiiuint. Die i» der sitzungSsreien Zeit bisher statt- gefundene amtliche Führung in der Mittagszeit vo» 12—1 Uhr findet während der Dauer der Rcichstagssession»ur»och in den Reichstags ferien statt. Das deutsche Komitee zur Errichtung von Heilstätte» für Lungenkranke theill mit: Als nächstes Ziel hat das Zentral- koinitee den Ausbau der gegenivärtig enliveder bereits im Bau de griffe»«» oder projeklirten Volksheilstätte», insgesamint etwa 25, ins Auge gefaßt. Sobald die dadurch geivoniieue» etwa 2000 Lager stellen für die systematische Pflege heilungsfähiger Lungenkranker zur Verfügung stehen, darf man erwarte», daß für weitere Maßnahmen in der Schwindsuchtsbekämpfung die erforderlichen Unterlagen sich werde» gewinne» lasse». Selbstmord verübt hat die im Südwesten Berlins sehr bekannte Gastwirthi» und Hanseigeuthüinerin Frau Süsser, die bis zni» 1. Oktober d. I. das Tanzlokal„Zur Anhalt-Ressoiirce" in der Möckerustr. 114 in Geiueiuschast mit ihren Man» seit 15 Jahren betrieb. Der Mann hatte das Wirthshauslebe» satt und verkaufte das Lokal gegen den Willen der Frau zum 1. Oktober d. I., während er i» der Residenzstraße 16 zu Reinickendorf eine Bäckerei eröffnete. Das Geschält ivollte dort nicht gleich einschlage», und die schon an sich schwermüthige Frau wurde infolge dessen gänzlich niedergedrückt. Als der Eheuiann am Dienstag Morgen um 7i/s Uhr seine Frau suche» wollte, fand er sie an einem Haken in der Schlaf- stube hängend als Leiche auf.— Ans N a h r u n g s s o r g e u hat der 21 Jahre alle Kaufmann Arthur Meyer in der Zlnklamerstr. 40 sich durch Gift z» tödten versucht. Er wurde in bedenklichein Zu- stände nach der Charitee gebracht Aus Furcht vor dem Arbeitshause hat der 26 Jahre alte Bäcker Johannes Skoppeck, der sich im Hilfsgefängniß in der Perle- bergerstraße 10 in Hast befand, am MitlwochMiltag einen Fluchtversuch uuternomme», bei dem er schwer zu Schaden gekomine» ist. Er hatte ich aus seiner Wäsche und aus den Kleidnngsstücken ein Tau zu- ämmengedreht, um sich daran aus dein Gewahrsam heraus auf den Hof herunter zu laffen. Das in der Eile gefertigte Tau hielt indeß die Last nicht aus und riß entzwei. Skoppeck stürzte ans der Höhe des ersten Stockwerks hinab und verletzte sich derart am Rückgrat, daß er in einem Rünzel'schen Krankenwagen nach einein Hospital gebracht werden mußte. Raubaufall. Als die verwittwete Rentiere LiiderS gestern Nach- mittag gegen 6 Uhr die Treppe des von ihr be,vohnlen Hauses in der Landsbergerstraße emporstieg, suchte ein ihr iinbekaunter Manu, der ihr vo» der Straße in das Hans gefolgt war, die Handtasche z» entreißen. Da Frau L. sich nachdrücklich wehrte, faßte der Nu- bekannte sie am Hals, würgte sie und zerrte so stark an der Tasche, daß die Uebersallene die Treppe hinabstürzte und sich im Fall eine Kuocheusplittemng zuzog. Der flüchtige Thäter wurde auf der Straße ergriffen und als der bisher unbestrafte Hausdiener Rudolf Barth festgestellt. Er hat geglaubt, in der Handtasche ei» Portemonnaie mit Geld zu siuden; dieselbe enthielt jedoch nur ein Taschentuch. Absturz eines DicustiuädcheuS. Gestern früh wurde die im §ailse Spenerstr. 24 im Gesindedieust flehende unverehelichte Anna ahuke im Garten liegend mit schweren inneren Verletzungen auf- gefunden und nach dem Krankenhause Moabit gebracht. Sie ist ihrer 'Angabe»ach beim Oeffuen der oberen Flügel eines Fensters der im 3. Stock gelegeneu Wohiiuiig ihrer Herrschast vom Schwindel ergriffen ivorden und hinabgestürzt. Niitcr der Herrlichkeit der heutigen Weltorduuug. Ein hiesiges Blatt meldet: Ei» Bild schrecklichen Elends boten am Morgen des 1. Dezember die Straßen am Stadtbahnboge» hinter dem Polizei- Präsidium dar. Am Tage vorher hatte sich»uter de» Arbeitslosen und Obdachlosen das Gerächt verbreitet, daß am uächsteu Morgen die Wärmehalle im Stadlbahnbogeu 97 wieder eröffnet werden sollte. Schon beim Morgengrauen ströinten hunderte der Armen, denen ma» es auseben konnte, daß sie»ieiste»s die Nacht im Freien zugebracht hatten,»ach der Stelle, wo sie für ivenig Geld eine warme Suppe zu finden hofften. Hier erfuhren sie eine bittere Enttäuschung — die Halle ivar verschlossen, die Nachricht von der Eröffming der Wärmehalle war verfrüht. Betrübt mußten die Armen wieder abziehe». Es ist übrigens nicht gut einzusehen, warum die Wärmehallen nicht geöffnet werde». Vor einigen Tagen standen breitspurige Aus- rufe in der Presse:„Gedenket der hungernde» Vögel."„Gedenket der huttgeriideii und sriereuden Mitmenschen!" wäre ein schöneres Wort. Giue Gasexplosion rief Mittwoch Nachmiltag die Feuerwehr nach R o o n st r. 1. Als hier der Hausdiener Alois Weiß und der Portier P r i tz k o w den Keller mit einer brennenden Radfahrer- laterne beiralen, erfolgte ein heftiger Knall, und sofort stand auch der Keller in Flammen. Wahrscheinlich war die Gas- teitung undicht geworden und die entzündeten Gase er- griffen einen Haufen Stroh und Papier, der in einer Ecke lagerte. Im sclveii Augenblicke halle auch der Besitzer, Kaufmann Engelhardt, den iteller betreten, und alle drei Personen erlitten durch die Stichflaminen starke Brandivunden in Gesicht und an den Händen. Die durch drei Melder herbeigerufene Feuerivehr unter- nahm zwar mittels zweier Rohre einen Doppelangriff von beiden Fronlseilcn, doch ivar dem eigeiiilichen Brandherde lange Zeit nicht beizlikoinmen, da der Ranch den Keller vollständig angefüllt hatte und durch die im Trottoir liegenden Lichifchachtöffnungen»ach der Straße drang. Drei Ranch- Helme, deren Träger iviederholt wechseln mußten, kamen zur An- wendung; selbst Braiidiueisler B l i e s e n e r drang mit einem solche» vor, bis endlich nach einer vollen Slunde der eigentliche Brandherd in der cntferniesteu Ecke des Kellers ausgefttilden wurde. Engelhardt und Weiß sind schwer verwundet. Eine» Selbstmordversuch durch Trinke» von Laugenessenz machte gester» die dieißigjähcige geschiedene Kaufmanusfrau Amalie Frank aus der Kraulstra'ße 7. In dem Ehescheidungsprozesse, de» ihr Mann gegen sie angestrengt hatte, war ihr vom Gericht ihr einziges Kind, ein dreijähriger Knabe, der auch während des Scheidungsprozesses i» ihrer Obhut verblieben war, abgesprochen worden. Die nun bevorstehende Trennung von ihrem Kinde»ahm sich die Frau so zu Herzen, daß sie ihrem Leben ein Ende zu »lachen beschloß. Das Stöhne» der Vergiftelen führte die Hausleute herbei, iiud mit Hilfe eines rasch herbeigeholten Arztes gelaiig es. sie von dem sichere» Tode zu retten. Die Schiververletzte, die jedoch bei vollem Bewußtsei» ist, bat. sie nicht in ein Krankenhaus zu überführe», und wurde denn auch, da keine Lebensgefahr mehr vor- Händen ist, in häuslicher Pflege belasse». Schlecht bekomnicu ist eine Kneiperei niit Pennbrüdern dem 36 Jahre alten Schiffer Berg ans der Tegelerstr. 27. Nachdem die Fln>che schon wiederholt geleert worden war, verlangten die Penn- brüder abermals eine neue Füllung. Berg meinte jedoch, genug ge- geben zu haben,»»d ließ sich auf iveilere Spenden nicht mehr ein. Nun ivurde» die drei Zechgcnossen ungemülhlich und versuchten zu- nächst, de» Schiffer vom Alexanderufer in die Spree zu werfen. Als ihnen das nicht gelang, bearbeiteten sie ihn mit ihre» Fäusten und andere» Mitteln derartig, daß er unter der Stadtbahnbrücke zu- sanunenbrach und bewußtlos liegen blieb. Er hatte mehrere Zähne verloren und eine bedeutende Kopfverletzung erhalten. Leute, die de» Mißhandelten liegen fanden, brachten ihn in ein Krankenhaus. Die Thäter sind entkommen und»och nicht ermittelt. Ans Gcschäftssorgeu scheint sich der Buchhändler Schreiler Dienstag Morgen im'Aller von 60 Jahren durch einen Stich in die Brun gelödtet zu habe». Obgleich sei» Geschäft ging, scheint er sich doch Sorgen um die Zukunft gemacht zn habe». Gestern fand ihn seine Tochter als Leiche in der Küche sitzen. Feuerbericht. Dienstag Abend S'/g Uhr ging Schul- sl raße 55 die Strohverpncknng des Gasmessers in Flammen ans. — Kurz darauf braniite B e r» a u e r st r a ß e 76 ausgelaufenes Petroleum.— Um 10 Uhr erfolgten gleichzeitig zwei Alarmirungeii. K o p p e» st r a ß e 90 brannte die Schaldccke und R e i n i ck e n- dorfer st raße 36 der Fußboden. In beide» Fällen wurde das Haus erheblich beschädigt.— Gegen 11 Uhr hatte Potsdamer- straße 32 ein Posten Bohnermasse Feuer gefangen.— Mitlivoch Nachmittag 2 Uhr erfolgte K ö n i g g r ä tz e r st r a ß e 50 ein Zimmer« brand, bei dem Gardinen und ein Bett zerstört und auch die In- haberin durch die Flainme» verletzt wurde. Ans den Nachbaiovten. Wcuu der Philister begeistert wird. In Schöneberg ist die Majorität der„Unabhängigen" durch den Ausfall der vor- gestrigen Stichwahlen»och verglößert worden, sodaß ihnen von 48 Sitzen 37 gehören, während unsere Partei nur 2 und die bi'irger- liche Gegenpartei nur 9 Mandate errungen hat. Bei dein all- gemeinen Jubel über den Ausfall der Wahlen kamen die„Un- abhängigen" in ihrer am Abend abgehaltenen Versammlung auf de» merkivurdigen Einfall, an das in den Wien erParlaments- kämpfen der letzten Zeit bekanntlich so scharf hervorgetretene deutsch- österreichische Reichsralhs-Mitglied Wolf folgendes Tele- gramin zu entsenden:„Die Bürgerschaft der jüngsten Stadt des Deutschen Reiches, Schöneberg bei Berlin, beglückwünscht die Vor- kämpf« des Deiitschlhilins zu dem inannhasten und erfolgreichen Widerslande gegen die Unterdrücker des letzteren." Ob sich unter den Absendern des Telegramms wohl viele finden, die mit gleicher Konrage wie die Oesterreicher sür ihre Sache ein- stehen würden? Postalische Krähwiiikelei. In den Vororten soll der unglanb- liche Zustand bestehen, daß es de» Telephon- Nbonuenten unter- sagt ist, ihre» Apparat von Freunden oder Bekannten zu Gesprächen benutzen zulassen. Durch diese Verfügung wird das Telephon natür- lich sür sehr viele Abonnenten fast werlhlos und die 150 M. Jahresbeitrag sind zum Fenster hinaus geworfen. In letzter Zeit soll die Postbehörde Muße genug gehabt haben, um außerordentlich streng gegen derartige in allein Ernst als Ueberlrelungen bezeichuets Benutzungen des Fernsprechapparnts vorzugehen. Ein Berichterstatter meldet, daß der Zigarrenhäudler Bach in Spandau seinen Apparat einem Kunden zur Benutzung Überlassen halte. Die Oberpostdirektion schnitt ihm, nachdem sie bereits die Mielhe für das ganze Jahr er- hoben, die Leituiig ab und verweigerte gleichzeitig die Rückzahlung des Miethsgeldes. Der hierdurch enipfindlich geschädigte Herr B. hat»uumehr die Klage gegen die Oberpostdirektion angestrengt. In erster Instanz ist der Kläger zurückgewiesen; gegenwärtig schwebt die Klage beim Landgericht II zu Berlin. Herr B. ist entschlossen, diese Angelegeiiheit eventuell bis zur letzten Instanz zu verfolgen. Jedensulls dürste die Oderpostdireltion ober, wenn sie ferner gegen ihre Fernsprech-Theilnehincr t» de» Vororte» i» einer derartig»n- tottlanten Meise vorgehe» sollte, einen grobe» Theil ihrer Kiuiden verliere». ivo» cliici» Jagdgenossen wnrde der Graf Hahn a»S Falke». verg bei Berlin angeschossen. Ii» Begriff, auf eine» Hirsch an- zulegen, wnrde er von der Kugel eines Jagdgenossen, der das Thier gleichfalls aufs Kor» genommen hatte, in de» Kopf getroffen. Der Schiververlehte wurde in die Klinik des Professor Bergmann gebracht. Cine nenc Berliner Borortstrecke auf der Wetzlarer Bahn soll seht vo» den sämmtliche» hinter Wannsee an der genannten Bahn liegenden Vororten bis Beizig hin angestrebt werden. Ein Wagen voll Diebesgut wurde bei dein Mechaniker Mollack in der Schill erstrahe zu Charlottenburg von der Polizei mit Beschlag belegt. Mollacl ist verhaftet worden. Gerichts Tie Schicksale des Belle- Ülsliance- Theaters bildeten die Grnuolagc einer Verhandlung, welche gestern die ganze Sitzung der dritten Straskaniiner des Landgerichts I unter den» Vorsitze des LandgerichtS-Direktors Niöseler in Anspruch»ahm. Die früheren Pächter des genannten Theaters, die Theaterdirektoren Charles Friedrich M a n r i c e und Waldemar H ä s e»« r ivnre» des gemeinsamen Betruges in zehn Fällen beschuldigt, Maurice allein noch des Betruges in zivei Fällen. Die Angeklagte» sollen kantionsfähige Leute durch Agenten und Annonce» a» sich gelockt und dieselben um zum theil beträchtliche Summen ge- bracht haben, welche die Stellungsnchenden hinterlegen mußten. Die Angeklagten„bedauerten", daß Leute durch sie geschädigt worden seien, eine betrügerische Absicht habe ihnen aber ferngelegen. Sie hätten stets betont, daß die zu hinterlegenden Beträge nicht als Kantionen, sondern als Gefchästseinlagen angesehen werden sollten, die verzinst und amortisirt werden sollten. Durch die Vernehmung des Angeklagten Maurice wird folgende Vorgeschichte des Theaters festgestellt: Arn 1. Mai 1305 pachtete Maurice das Theater von den damaligen Besitzern, den Direktoren Siernheim und Bruckhofs, für eine Jahrespacht von 77 000 M. Zunächst wurde der Verlrag für ein Jahr abgeschlossen, Maurice behielt sich aber das Recht vor, de» Vertrag ans zwei iveilere Jahre zu verlängern. In diesem Falle sollte die Pachtsumme im zweiten Jahre 70 000, im drillen 33 000 M. betrage». Wie der Angeklagte Maurice augiebt, hat Sternheim ihm eine» Jahresgewinn von 30- bis 40 000 M. in Aussicht gestellt. Maurice will bei Uebernahme des Geschäfts ein Vermöge» von etwa 100 000 M. besessen haben. Hiervon habe er 10 230 M. als die im voraus zu entrichtende dreimonatige Pachtsmnme zahle» müssen. Einen Betrag von 20 000 M. hatte er den Verpächtern als Kaulion zu hinterlegen, 10 000 M. gingen darauf, um den Znstand des Gartens z» verbessern, ein- gleiche Summe»ahm die Neuanschaffung von Theaterutensilien, Garderobe u. s. w. i» Anspruch, de» Rest seines Vermögens behielt er als Betriebskapital. Der Angeklagte versichert, er sei arg enl. täuscht worden. Am Tage der Eröffnung habe er eine Tages- lasse von etwa 30 M. gehabt. Durchweg schwankte dann die Einnahme zwischen 80 und 40 M. täglich. Nur des Sonntags schwoll die Einnahme anf etwa 300 M. an. Der Angeklagte erzählt. daß er der Verzweiflung nahe gewesen sei. Natürlich habe er die Pacht nach Ablauf des ersten Jahres ausgeben wolle». Iii der Zwischenzeit habe er noch nnvorhergeschenc Ausgaben gehabt, er habe eine Heizung für 900 M. einrichten und Maschinen repariren lassen müssen, was ihm 1300 M Unkosten verursacht habe. Er habe mit dem Verpächter Sternheim gesprochen, dieser habe ihm aber zugeredet, er solle den Kopf nicht verlieren, das nächste Pachtjahr bringe ja die Gewerbe-Ausstellnng, es würde» viele Besucher nach Berlin kommen nnd auch das Belle- Alliance- Theater werde Vorlheil daraus ziehe». So habe er sich denn zur Erneuerung des Vertrages entschlossen. Aber es sei ein Fehlschlag dem anderen gefolgt. Tie AnSstclliliig brachte nicht den erhofften Besuch, ein von dem Angeklagten in Szene gesetztes Attsstattungsstück verursachte viele Unkosten, bewies aber keine Anziehungskrast. Im November 1306 leistete Maurice den Offenbarnngseid. Die Pächter sahen das Unheil komme», sie sicherten sich durch einen Vertrag, wodurch der Angeklagte sich ihnen mit gebundenen Händen überlieferte. Er halle täglich eine bestimmte Summe zu zahlen, kam er dieser Verpflichtung nicht nach, so unterwarf er sich einer sofort zu vollstreckenden Ex- Mission. Am 1. Mai d. I. nahm Maurice den Mitangklagun Häsener als Gesellschafter auf. Vertragsmäßig wurde fest' gesetzt, daß Maurice 13 000, Häsener 3000 Mark einschießen sollte. Keiner von beiden kam dieser Verpflichtung nach. Maurice versprach sich damals viel von dem neue» Ausstattungsstück „Koilstantinopel". welches er voibcrcitele, er kam aber nicht dazu, die Früchte dieser Arbeit zu genießen, denn der Zusammenbruch des Geschäfts trat vorher ein, wie der Zlngcklagte behauptet, weil die Verpächter zu rigoros gegen ihn vorgegangen seien. Außer den beim Theater angestellte» Künstlern, wurde aber noch eine ganze Reihe anderer Personen in Mitleidenschaft gezogen. Es meldeten sich zwölf Personen, welche lhcils im Theater, thcils im Garten An- stellung gegen Kaution gesunden halten. Jnsgefamml hatten diese Leute 32 000 M. Kaution gestellt. Es wird nun den'Angeklagten zur Last gelagt, daß sie alle diese Leute annahmen, um deren Ersparnisse in die Fingern zu bekomme» nnd sich mit Hilfe derselben über Wasser zu halten. I» den meisten Fällen hat Maurice mit de» Bewerbern die Verträge abgeschlossen, Häsener hat dieselben als Gesellschafter nur mitunterzeichnet und will von den Abmachungen nichts wissen. Der Angeschuldigte Maurice versicherte, daß er stets vom besten Willen be- seclt gewesen sei, allen Verpflichtungen«achzukommen, er selbst habe anspruchslos gelebt nnd sich eingeschränkt, rvo er es konnte. Manchmal habe er sich eine Mark geborgt, nm das Lebe» friste» zu könne». Der Präsident erklärte, daß er dem An- geklagten glaube, daß er gehofft habe, sich ans den Verlegenheiten herauszureißen, man habe aber kein Recht, anf vage Hoffnungen hin andere Menschen zur Hergabe ihrer Ersparnisse zu bewege». Der An- geklagte hätte jeden» einzelnen reinen Wein einschenken müssen, falsche Vorspiegelungen durfte er unter keinen Umständen machen.— Die einzelnen als Betrug angesehene» Fälle sind ohne Interesse. Es handelt sich fast durchweg darum, daß die betreffenden Geschädigten, die ihr hingegebenes Geld verloren haben, behaupten, daß sie nur „Kaulion" stellen»volllen,»vährend die mit ihne» abgeschlossenen Verträge keinen Geschäftskundigen darüber in Ziveifel lassen könne», daß das Geld als„Einlage" für Thcalerzivecke dienen, verzinst und amortisirt werden sollte. Di« Be- »veisausnahme beginnt mit der Vernehmung des Stellen- Vermittlers Alfred Schubrink. Er erklärt, daß stets der An- geklagte Maurice ihm den Austrag gegeben Habe, Leute mit Kapital für das Belle-Alliance-Thcater zu besorge», einige Male sei dies i» Gegenwart Häsencr's geschehen. Maurice habe gesagt, daß er Leute gebrauche,»velche Geld zur Geschäflssührung ein- schießen könnten. Es solle denselben ihre Einlage verzinst und täglich durch Abzahlungen von 8 bis 10 Mark amortisirt werden. Der Zeuge hat vo» beiden Seiten Entgelt für seine Bemühungen bekommen, von den Angeklagten 3 pCl. von der beschafften Summe, von den Stelleiisuchenden 3 pEt. Anf die Frage des Vorsitzenden, ob der Zeuge, der ja ein Interesse aiii Zustandekoinmen des Vertrages Halle, aus eigenem Ermesse» vo» einer Kanlio» gesprochen habe, anstatt von einer Geschäftseiiilage, verweigert der Zeuge seine Aussage. Der folgende Zeuge, Stellenvermitller Sahlke, hat vom'Angeklagten Maurice eben solche Aufträge erhalten rvie der Vorzeuge. Er behauptet mit voller Bestimmtheit, daß er de» SteNensnchende» gegenüber nie- mals von„Kautionen" sondern stets von Geschäftseinlagen ge- sproche» habe. Demgegenüber behaupten mehrere Zeugen cbenso bestimmt, daß der Zeuge Sahlke gesagt habe, das Geld solle als Kantion hinter- legt werden. Zeuge Direktor S t e r n h e i m bekundet, daß die Angeklagte» in der Erfüllung ihrer Verpflichtungen in letzter Zeit so nach- lässig gewesen seien, daß er energisch gegen sie habe vorgehen müssen. Auf die Frage des VerlheidigerS, Rechtsanivalts Morris, wie hoch das Belle- Alliance- Theater jetzt verpachtet sei, erwidert der Zeuge, daß er es jetzt allerdings zu einem erheblich billigeren Preise verpachtet habe, als früher, der zeitige Inhaber habe aber für das nächste Jahr eine Pacht zu zahlen, die der gleichkomme,»velche die Angeklagten zahllen. Die»veitere Frage, ob der Angeklagte Maurice berechtigt geivesen sei, an daS neue Stück „Konstantinopcl" bedeutende Hoffnungen zu knüpfe», erklärt der Zeuge, nicht bcantivorten zu können. Echiver belastend für den An- geklagte,, Maurice»var die Allssage des Nestaurateurs Blcitzer, welcher de» Bierausschank im Bellealliance-Thealer gegen 20 000 M. jährlich gepachtet hatte. Er bekmidete, daß Maurice ihn» z>vei Wechsel in Höhe von 1000 nnd 1300 M.»niterschlagen habe. Der Angeklagte behauptete, daß er zu damaliger Zeit so sehr habe kampse» müssen, daß er gar nicht geivllßt habe, ob er die Wechsel ausgegeben habe, oder nicht. Als Sachverständiger»vird Theatcrdirektor Marwitz darüber vernommen, ob der Angellagle Maurice sich von der Aufführung des Stückes„Konslanlinopel" besondere Versprechungen inachen konnle. Der Sachverständige verneint dies ganz entschieden. Das Stück sei nur ein ganz schivacher Abklalsch von den»,»velches mit so großen» Pomp im Oilznipia-Thealer ailfgcsührt»vurde. Der ziveile Sachverständige, Schauspiel- Direktor C a ß m a» n, ist anderer Ansicht. Er meint, das» eine Einnahme von 24 000 M. monatlich im Belle- Alliance- Theater erzielt»verde»» könne, wenn das Stück„Konstantinopcl" Glück gehabt hätte. Damit»vird die Beiveisansnahnie geschlossen. Stnatsainvalt v. U>» r u g hälr gegen den Angeklagten Häsener nichts Belastendes nbracht, er beniilragt gegen ihn die Freisprechung. Dagegen halte er den Angeklagten Maurice des»vieder- holte» Betruges für überführt und beantragle eine Gefäiignißstrafe von anderthalb Jahren. Ter Verlheidiger, Rcchlsanivall Morris, plädirte aus sachlichen und juristische» Gründen für Freisprechung beider?I»geklagte>i. Der eingeklagte H ä s e n e r»vnrde freigesprochen, Maurice »vegen Betruges i» vier Fällen zu nenn Monaten G e f ä n g- »iß vernrtheilt und»vegen Fluchtverdachts in Haft genommen. Der Haftbcschluß ist indessen anf Antrag des Verlheidigers R.-A. Morris gestern Abend»vieder ailfgehoben»vordcn. Tie beleidigte BerilfSgciiossenschaft. Ein Strafprozeß, der für das Berhältniß, das zwischen Berufsgenossenschast und versicherien Arbeiter» theiliveise herrscht, in gciviffen» Sinne als Illustration dienen kann, hat sich gestern vor dem Schöffengericht abgespielt. Wege» Beleidigung des Vor- standes und der Verwaltnngsbeainten der nordöstlichen Bau- gewcrks- Berussgenossenschast batle sich gestern der Zimmermann Franz Kortmann von der l34. Abtheilnng des Amlsgerichls I zu verantworten. Der Angeklagt« hatte seinerzeit das Unglück gehabt, in seine»» Geiverbebetrieb eine» schwere» Oberschenkel- "rnch zu erleiden, der ihn für lange Zeit arbeitslos machle. Er»vandte sich»m Geivährung einer Unfallrente an die nordöstlich« Bangewerks- Berufsgenoffenschaft,»velche seinem Gesuche entsprach und die ihm zustehende Rente aus 662/z pEt. fcstsetzle. Später setzte die Berufsgenossenschaft die Unsallrcnte jedoch ans 33>/e pCl. herab, da eine»vesenlliche Befferung des Verletzten eingetreten sei. Dieser legte Bernsnng an das Schiedsgericht für Unfallsache» ein und erstritt aiich einen Sieg über die genannte Berussgeiiossenschaft; denn das Schiedsgericht erhöhte die Unfallrente»vieder aus 66�z pEt. Auch vor den» Reichs« Versichernngsaint blieb der Ver- letzte Sieger; der Rekurs der Genossenschaft»vnrde znrückgeiviesen. Weniger gut ging es den» Angeklagicn gestern vor den» Slrafrichter. Er Halle nämlich als Berniunzeschrist a» das Schiedsgericht eine Eingabe eingereicht, in»velcher dem Vorstande nnd den Verivallnugs- beainten der Genoffenschast u. a. Mangel an Kennlniß vorgeivorscn ivurde; es hicß dann serner in dem Schrislstück, der Vorstand bandele willkürlich»nd nehme sich Anmaßnngen»vider Gesetz nnd Recht heraus; er sei schamlos, von grenzcnloscv Geivissenlosigkeit, setze Machinationen»i»i> Maßregelungen inS Werk, daS Faniilien- glück der armen Krüppel werde von ihm sl>steuialisch untergrabe» w. Diese Eingabe,»velche die Nervosität nnd Zerfahrenheit des Verfassers deutlich zeigt,»vnrde z»v e ck s»v eiterer Ver.- a» l a s s u» g den» V o r st a n d e der V e r u f s g e n o s s e»'- s cd a f t übermittelt,»vorauf dieser gegen Kortinann S t r a f a» t r a g stellte; nnterzeichiiet»var letzterer nur vo» einen» stellvertretende» Direktor. Der Angeklagte gab zn, die Eingabe theiliveise selbst ge- schrieben zu habe»,»vährend der größte Theil derselben einen schrist- kmidige» Kaufmann znin Verfasser habe. Er(der Angeklagte) habe da»» die ganze Eingabe durchgelesen»nd unterschrieben.— Ter Staatsanwalt beaulragie mit Rücksicht auf die Gröblichkeit der Ve- leidigiinge» gegen den bisher vollständig»»»bescholteiieuAngeklagtendvei Monate Gefängiiiß!'Rechtsanwalt 3! olh als Verlheidiaer des Angeklaglc» bemängelte zunächst den Slrafantiag, der nicht foringerecht gestellt sei. Es gehe ans dcnisclben»veder hervor,»ver beleidigt sein soll, noch von»vcn», für»von oder»vegen»»'elcher Beleidiginig er gestellt ist. Es hüllen alle Vorstandsinilgliedcr den Slrafanlrag unter- zeichnen müssen, das»verde vom Gericht allgeinsin angenommen. Ans formellen Gründen niüsse daher das Verfahren eingestellt »verde»; eventuell aber,»venu sich der Gerichtshof dieser An- schaunng nicht anschließen sollte, verdiene der'Angeklagte, der i» Wahrnehmung berechtigter Interesse» gehandelt habe, die mildeste Beurlheilnng seitens des Gerichtshofes, ninsomehr als es notorisch sei» dürste, daß gerade die Arbeiter infolge des l a n g>v i e r i g e». aufreibende» in» d oft s r n ch t l o s e» Kampfes»im ihre gtente nervös»verde». Der Gerichtshof be- jahte die Frage nach der Rechtsgilligkeit des Strafantrages. Beleidigt sei die Berufsgenossenschast, die durch den Vorstand vertreten »vird. Der Angeklagte habe zivar in Wahrnehmung berechtigtcr Interessen gehandelt, aus der Fori» gehe jedoch die Absicht der Beleidigung hervor. Unter Berücksichlignng aller Monienl« für»nd »vider lautete das Urtheil auf 2 Wochen Haft. Ob»in» die Berufs- genossenschast befriedigt ist? Von» Koalitioiisrecht der Arbeiter. Der Maurer Zagert traf am 23. Juni d. I. morgens, als er zur Arbeit ging, vor den» Neubau des Maurermeisters Carl zivei ihn, bekannte Maurer,»velche ihm sagten, daß sie bei Carl anfange»»vollten. Zagert enviderte, dort sei nicht beivilligt. Die beiden erklärte», das hätten sie nicht geivnßt, da»vnrden sie selbstverständlich nicht an- fangen. Zagert sagte dann noch,„ivenn Ihr anfangt,»verdet Ihr ans dem Verband herausgeschmissen". Gleich darauf»vnrde er festgenommen. Der Maurermeister Carl, der Zeuge des Ge- sprächs»var, batle einen vor den» Bau postirtcn Schutzmann auf- gefordert, de» Zagert festzunehmen,„iveil er Maurer von der Arbeit abgehalten habe", und dieser Beamte leistete solcher Aufforderung Folge. Zagert stand an» 30. November wegen Vergehen» gegen 8 133 der Geiverbe- Ordnung vor der ziveite» Strafkammer des Land- gerichls I hier. Es»vnrden die Thalsache»»vie oben angegeben bekundet. Namentlich bezeugte» auch die beiden Maurer, daß sie als Mitglieder des Verbandes gar nicht daran gedacht hälte», unter 60 Pf. Stnndenloh» anzufangen, daß sie geivnßt hätten, daß Streik- bruch de» Ausschluß ans dem Verband« nach sich ziehe, und daß Zager's Mitlheilung auf ihre Entschließung ganz einflußlos geivesen wäre.— Der Angeklagte beantragte seine Freisprechung, da eriviesen fei, daß er sei»« beiden Kollege» nicht bestimmt habe, der Vereinigung der Maurer, durch Arbeitsniederlegung 60 Pf. Stunden- lohn zu erlange», Folge zu leisten. Außerdem liege weder eine Ehr- Verletzung noch eins Drohung vor. Es sei sein gutes Recht und nicht rechtsividrig, seine Verbandekollegen auf die Folgen des Streik- brnchs bezüglich ihrer Mitgliedschaft iin Verbände ausmerksam zu mache». Das Gericht bernrtheilte den Angeklagten zu einer Woche Gefängiiiß! Einen ursächlichen Znsaiiimeiihang zivischen der Aenßerung des Angeklagte» nnd der Handlung der Angeredeten er- ordere der 8 133 Geiv- O. nicht, da er auch de» Versuch unter Strafe stelle. Daß die Aeußerung:„Ihr»verdet ans dein Verband herausgeschmissen", eine Ehrverletznng sei, ergebe sich aus deren Form. Sie stelle sich aber aiich alS eine Drohung dar. da sie den Verlust der Ansprüche,»velche die Mitgliedschaft beim Zentral- verband der Maurer Teiiischlnnds gegen diesen gebe, in Änssichl. stelle.— Mehr kann das U»lir»ehme»th»m doch»vüklich nicht verlange»! Tie Berliner NnSstellnng internationaler Kunst- und Jndustrie-Erzeugiilsse, welche schon mehrfach die Gerichte beschäftigt hat, gelangte gester»»viederum vor dem Schöffen- gerichte zur Erörterung. Ii» Seplember vorige» Jahres erschienen in verschiedenen Berliner Blättern gleichlautende Nolize»,»vorin mit- gelheilt»vurde, daß die Sianlsanwallschafl»»»»»ehr gegen den Kauf- mann Hugo Bloch,»velcher Schiviiidel-AnSslellnngcn ins Leben r>ife, einen äusgedehnie» Handel mit Nusstclluiigs-Medaillen betreibe nnd die deutsche Geschäftsivelt diskreditire ilnd in ungeheurer Weise ausgebeutet habe, einschreilen»verde. Gester» halle» sich die Redakteure Scroivoniiek vo» der„Berliner Morgenzeilung", Keller vom„Berliner Tageblatt" u»d G r o b>» a n n von der„Berliner Zeitung" vor der 143. Abtheilnng des Schöfscngerichls unter dem Vorsitz des AintsgerichtSralhs Haack»vcge» der Artikel zu veranlivorlen. Die Beklagten traten de» BeivciZ der Wahrheit a» niid beriefen sich auf das Gntachlen des Geh. Koinnierzieiiralhs Goldberger darüber, daß die betreffende Ausstellung so gekennzeichnet sei,»vie sie es verdiene. Der Gerichtshof kam auf grnnd dieses Gntachtens in Ver- bindnug mit der übrigen Zengenvernchmuug zu der Ansicht, daß der Beiveis der Wahrheil gelnugeii sei. Der Kläger»vurde daher mit seiner Klage kostenpflichtig ab- geiviese». Tor„falsche Erzherzog" frcigclassci». Ans Essen a. R. wird telegraphüt: Der falsche Erzherzog B>h»e»dt»vnrde gester» aus der Hast entlassen. Marie H»ema»n hat ihre» Slrafanlrag zurück- gezogen und das Verfahren»st»»»folge dessen«ingestellt»voiden. VerfnutmlunZett. Ter Wahlvcrci» für den zweiten ReichStagS-WuhlkreiS hielt am Dienstag bei Znhlke i» der Dennewitzstraße eine Versa»»»»- lung ab,»vo Reichstngs-Abgeordiieler R. Fischer über die volitische Lage und die Ausgabe» des Wahlvercins sprach. Der Redner unterzog zunächst die Vorgänge in Oesterreich einer krilischen Betrachtung und ging dann anf die dem denlschen Reichstage für diese Session überiviesenen Vorlage» ei», deren»vichligsle, die Marine- vorläge, er eingehend besprach. Möge die letztere nun Anlaß geben zur Auslösung des OieichSiagcs, oder möge derselbe sein nalürlichcs Ende erreichen, anf jeden Fall würden die nächsten Reichslagswahlen von großer Bedeutung sein,»veshalb nnsere Parteigenossen bei Zeile» an die Wahlagitation denken müßten. Insbesondere hüllen die Mit- glieder der Wahlvereine die Pflicht, sich zum Zweck der Azilalion über die bei dem Wahlkampf in Frage kommenden polilischen Ge- sichtspunkte z» nnterrichten, sowie auch als Hilfskräsle des Bei lrauens- inannes sich bei Zeiten auf die praktischen Arbeiten in» Wahl- kämpf vorzubereilen. Eine Diskussion entstand nicht. Der Vor- sitzende, Genosse Lankow, schloß die Versammlung mit einem Hoch auf den Wahlverein. Tie Kiirschnerbranche hielt am Montag eine von Arbeitern und Arbeiterinnen mäßig besuchte Versammlnng ab, in der Genosse Millarg über das Unfallversicherniigs-Gesctz referirle. Der Vor- trag bot einen guten Uebcrblick über die Grnndzüge des Gesetzes; bei Besprechung der Lücken und Mängel des Gesetzes bclenchtele der Redner speziell die für die Kürschnerbranche wichtige Frage der Hansindustrie. In der Debatte wurde besonders anf den Wider- spruch hingewiesen, in dein die Gewerbe-Ordimng mit dem Unfall- versicherungs-Gesetz steht, insofern es Betriebe giebt, die Motoren anivcnde» und vnsichernngspflichiig sind, aber nicht der Fabrik- inspeklion unterstchen. Wie Uniernehnier»nd Behörde» vielfach die Arbeilcrvertreler behandeln, dafür führte Peter zwei bezeichnende Fälle a». In einem halte der Bevollmächtigte der Krankenkasse sich bcmiibt, die Unfallstelle in Augenschein zn nehmen, damit er auch das Protokoll mit gutem Gewissen nulcrschreiben könne; der be- lreffende Fabrikant verweigerte aber den Zutritt zum Arbeilsranm. Ii» zweiten Falle wurde der Zutritt gestatlet; der Bevollmächtigte liqmdirte dann für die Zeitversänmniß bei der Besichtigung und der Wahrung des Termins 1,30 M. Das erschien der Berufs- genossenschast der Kürschnerbranche zu hoch und die Polizei war ihr auch gleich zu Diensten: Sie fragte anf der Arbeitsstelle des Peter's nach, ob er denn»virklich so viel Arbeitsverdienst eingebüßt habe! Nach»vei terer Debatte»vählte die Versammlnng zu Revisoren der Jahresabrechnung Molden hau er. Zielte und Keller. Daß die Veitranenspersone» de» streikenden eiiglischen Maschinenballeri, 100 M. zugewendet habe», wurde vo» der Versammlung einstiminig gutgeheißen. Z»»I>,it«r-Kll»ii,!(»«>il»!l». Jns-INr. 10, v.-Tr. Mlllwoch: National' Skonoinie lArundbegrtffe der Nationalökonomie: Dr. Eonr. Schnitdt)- Donnerstag:» cfchichie» r e a n. Teltsiv-Bteskoiv-Chttlsttellbmg Sonntag, 5. Dezember, nachmittags l'/j illlir, im I-okal von Knbell, Berlin SW., I.lndenatrasse IVO: Oeffentliche Kreiskonferen;. TageS-Ordnung: 1. Rechnungslegung. 206/8 2. Berathung event. Annahme eines OrgantfationS-StatutS. 3. Wahl eines Kreis-Vertrauensmannes, etneS StestvertteterS und der Revisoren. 4. Wahl von zwei Mitgliedern zur Preßkommission. 6. Wahl eines Obinamics der Lokalkommissioist 6. Erneiiiinng eines Wahlkomitees. 7. Verschiedenes. Jeder Ort hat bis drei Delegirte in öffentlichen Versammlungen zu wählen und die Gewählten mit Mandaten zufcuersehen. . WU" Die Konferenz wird pünttlich eröff et."MW Ter Einberufer: Fr. Zubeil, Mitglied des Reichstages, Berlin, Lindenstraße 100. ftiir bot Inhalt her Inserate übernimmt hie Nehakiian bcin Publik»!» gegenüber keinerlei Beraniivorinng. Donnerstag, L.Dezember. LpernHanA. Lavolleria ruslieana. Der Barbier von Sevilla. An- lang 7 Uhr. Schanspielhans. Das neue Weib. Anfang 7>/2 Uhr. Deutsches. Das Käthchen von Heil- bronn. Anfang 7'/, Uhr. Berliner. In Behandlung. An- fang 71/2 Uhr. choeihe. Circusleule Ans. 7V2 Uhr. ilessing. Hans Huckebei». Anfang 7>/z Uhr. Schiller. Wallenstein's Tod. Auf. 8 Uhr. Neues. Lieb' im Spiel. Aschermiit- worh. Anfang 7l/z Uhr. Be»e-?lllianee. Feudalherren. An- sang 8 Uhr. Residenz. Torina. Vorher: Vieo versa, Anfang 7�2 Uhr. linier den Linden. Blaubart. Anfang 7>/z Uhr. Central. Berliner Fahrten. Anfang 7'/2 Uhr. Thalia. Berlin über Alles. Bitte recht freundlich. Anfang 7r/, Uhr. Luife». Othello, der Mohr von Venedig. Anfang 8 Uhr Friedrich> Wilhelinsiadlisches. Die Königstochter als Bettlerin. Ansang 8 Uhr. Ostend. Leben und Lieben. An- fang 8 Uhr Zllexanberplah. Das Liebesdrama einer Sängerin Auf. 7>/z Uhr. Urania. Tanbenstrafte 48—49. Naturkundl. Ausstellung v. 10 Uhr vormittags ab Abends 8 Uhr Wissenschastl. Theater. Jnvalidenstraste S7VK2. Täglich tauber Sonntags und Mittwochs) abends 8 Uhr: Wiffenschastliche Vorträge. Reichshaven. Spezialitäten. An- sang 8 Uhr. Ameriean. Spezialitäten. Anfang 7-/- Uhr. lklpoNo. Spezialitäten. Anf.?>/, Uhr. Feen'Palast. Spezialitäten. Passage- Panaptikni». Wiener Tanz- und Operetten-Gesellschaft. Schill ev-Tlzrater (Wallner-Theater). Donnerstag, abends 8 Uhr: Wallen- ftein's Tod. Freitag, abends 8 Uhr: Banina Banini. Sonnabend, abends 8 Uhr: Deutsche Schwanke. Central-Ttieater Alte Jakobslr. 30. Direktion Richard Schnitz. Donnerstag, den 2. Dezember 1897, £mll Thomas a. A. Zum 89. Male: venlinen fsknien. und Tanz in 8 Bildern von Julius Freund und Wilhelm Mannstäd t. Musik von Jul. Einödshofer. Anfang>/-8 Uhr: Morgen und die folgenden Tage: Berliner Fahrten. I-lliseu-VIieater 34. Reichenbergerstrastc 34. Abend» 8 Uhr: O t h v 1 1 o, der Mohr von Venedig. Trauerspiel in 5 Auszügen von William Shakespeare. Freitag: Der graße Wohithäter. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: VolkS-Borftellniig zu kleinen Preisen Regie: dniiu'» Tttrh. Othello, der Mohr von Venedig. Billets k 60 Pf. in den belannten Verkaufsstellen. Ostettd-Theater. Gr. Frankfurierstr. 132. Dir. C. Weist. Novität! Zum 7. Male: Novität! Leben und Lieben. Volksstürk ulit Gesang in b Akten von O. Klein. Musik von G. Wanda. Auf. 8 Uhr. Im Tunnel von 7 Uhr ab: — Frei-Konzert.— Morgen und folgende Tage: Leben und Lieben. Sonntag, nachniittags 3 Uhr, halbe Preise: Am Altar. V olk�- Tlieater Im Wclt-Kee«tanrant S7. Dresden er-Stra st e 97. Die Vtveuzottrv. GesangS-Posse. Die kleinste Contorsionistin der Welt MT Little Elsa.'WS Auf vielseitiges Verlangen: O diese Radler! Im vorderen Saale: lyolel' Sänger Alois Ebner. Unknna» Sonntags 6 Uhr. AllsUIig. Wochentags 7'/, Uhr. lZovevrtksuL U.cipzixcrntr.h'o.48. SC Täglich:"WS Hoffmann's Quartett und Humoristen. ÄWitß t Wochcnt 8 Uhr. Dame« vom Kältet. Zum 223. Male: JTeite, liebe Dene. Urania Tanbenstrassc 48—40. Naturkundl. 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Beschlußfassung über die von der Lohnkommisston zu machenden Vorschläge in vezug auf Abstempelung der Sammelkarten und den Schlußtermin für Sammeln zum Streikfonds der Maurer Berlins und der Umgegend im Jahre 1807.- 2. Gewerkschaftliches. 298/10 Die Wichtigkeit der Tagesordnung erfordert die Anwesenheit aller Maurer Berlin? und der Umgegend. Die Lohnkommission der Maurer Berlius und der Ningegend. ü eichshallen- Theater. Leipzigerstrasse 77. Das neue Dezember- Programm. The Gactuno Olloms. Dacchns Jacoby. Fdelstein- Quintett. Jlax Franklin-Tronpe. Melanie Robert!. 26 KunstkrUTte 1. Ranges. 1 Anfang des Konzerts TV, Uhr, der Vorstellung 8 Uhr. ZM- Entree 50 Pf. Im Reichshallen-Tunnel: Dax Graf-Konzert | Regimentsmusik des 2. Garde- Regiments in Uniform. niiaPfTc Wände ville- uuary» Theater. Grand Hotel Alexanderplast. Z. Von Tag zu Tag Z 'S. bewahrheitet sich die Zug-« G kraft der beiden Novitäten f) <2 N Das Armband von Müller Das Modtll von H a s k e l V oiehr und mehr. Nicht o S endeiiwoNende Lachstürme K und enorme Erfolge be- 3 •" gleiten diese Schlager der U Saison.& u Vorzugskarten-c. Ä gelten. iiiiiii Ouarn's Grand Hotel Alexanderplast. Naedr'sTdoaior Granienstrasse 24. pgr Theater- n. Spezlallttiten- Vorstellung. Wo v i tüte n-Pro granim. Jlcii!lr. 8ih),Ä"»,'to! mit feinen Wunderhuiiden. Neu! Ter Klingeljunge von Bolle, Bolksstück. Riesen-Erfolg! A»sg„g» Wochentags 8 Uhr. Zt»|UliI!. Sonntags 8 Uhr. Preise wie gewöhnlich. Heue Wen*™ . Haseuhalde 108. Inhaber A. Fröhlich. JedenSonntag: Spezialitäten- Borstellnng und Ball. Empsehle»»eine beiben Säle(mit Theaterbühne) zu Winterfestlich- ketten jeder Art. Einige Sonn- abende sind noch frei. Bestellungen für Sommerfeste werden schon Alcazar VaridtÄ-Theater I. Ranges. Dresdenerstraße 52/53(Ctth-Passage) Aiiiienstrabe 42/43. Direktson Richard Winklet. Voniehmster Familien- Aufenthalt. Mit durchweg neuer Ausstattung: Tolle Reriiner Fahrten. AusstattungS- Burlesk« mit Gesang und Tanz.— Lorher: Junge Männer«. alte Weiber. Lustspiel in 1 Akt von Th. Apel. Austreten säimntl. Kuiist-Spezialltäte». U»kai,a» Wochentags 8 Uhr. Alt»dg. SoniilagS 8'/. Uhr. SC Entree 80 Pf.-MW Reservirter Platz 50 Pf. OZR'VUIS IZfflSvlR (Raiinhof Rür«e). Donnerstag, 2. Dezember 4897, abends U/, Uhr: Extra-Vorstelluttg. Erstes Auftrete» der Gebr. Horst«. Erstes Auftreten der lustigen Chinese» v. Gmantelo u. Rodrigirez. Zum 1. Male: Aigir, ostpreuß. Hengst, i» kurzer Zeit dresstrt und geritten von Herrn Foottit-Bnrghardt. 12 ung. Fuchshengste, neu dresstrt vom Dir. Busch. Dt Bolero, geritten von Sign. Eorradini und Frl. Helene Corra- dini. Austreten des berühmten Clown Engen Beldeman». Nach Sibirien. DaS großart. aller Mandgen-Schaust. Morgen 7V2 Uhr: Elite-Vorstellung. Fiir Vereine! Alle Tage noch zu haben: Saal m.Bühne, Vereinszimmer in. Piano, Kegelbahn, Abend 2,50M. Invaliden- ftraße 146 bei Wilb. Weist. SS70L» volltsedor Holzarlieiter-Verband. (Zahlstelle Berlin.) Freitag, den 3. Dezember, abends 8'/, Uhr, bei Cohn, Beuthstr. 20/24, I: Sitzung der Ortsverwaltnng mit der Werkstatt- Kontrollkommission. Für die englische»» Masch inendauer gingen folgende Beiträge ei»: Tischlerei Equitz, Gr. Frankfurierstr. 125, 3. Rate 8,85. Tischlerei Spohn, Adalbertstr. 72, unter Ausschluß von 6 Jndisierenten, 3. Rate 5,—. Tischlerei T. A. Treue, Wienerstr. 44, 4. Rate 5,75. Drechslerei von Marzahn, Bergmannstr. 91 3,15. Pianosabril A. Herbst, Zossenerstr. 10, bis auf einen 13,—. Tischlerei Peyel u. Kraft, Wildenowerstr. 10, 10,—. Parkettbvdenleger durdi B. 13,—. Bautischlerei Klempau, Wrangelstr. 28, 7,70. Tischlerei Joneleith u. Psaff, Krautstr. 52, 2. Rate 7 10. Tischlerei Gebr. Trebs, Rüdersdorserstr. 28, 5. Rate 5,50. Möbelfabrik Groschkuß, Gollnowstr. 18/19, 3. Rate 21,45. Tischlerei Böhnke u. Co., Reichenberger- straße 114, 3. Rate 6,55. Tisdilerei Bülow, Grtmmstr. 7, 5. Rate 4,65. Piauosabrik Jaschinsky, Dieffenbachstr. 33 5,—. Durdi G. Fuchs, 4. Rate 5,70. Klaviatursabrik Sühriug, Elisabeth- User 11, 4. Rate 4,80. Tischlereien Spohn, Adalbertstraße 72 5,15. A. Krüger, Britzer- straße 7 10,70, Richter, Blumenstraße 30 4,25. Kieseling, Waldemarstrabe 52, 5. Rate 7,10. Maisch u. Walter, Waldemar- straße 14(außer einem Unverheiralheteii), 3. Rate 10,00. Klug, Frucht- straße 31/32, 4. Rate 24,95. Fork, Kretschmar u. Komp., Barnimftr. 13 13,70. Pignofabrik Pfeifer, Wassergasse 4 8,00. Ttschlcreien: Lennig u. Gatzki, Rüdersdorserstr. 3, 3. Rate 18,05. Schröder, Jenisalemerstr. 88, 3. Rate 4,35. Perlinuttsabrik Manassc, Blumenstr. 24, 5. Rate 4,75. Pianofabrikeii: Laurynath, Wassergasse 9, 2. Rate 17,00. Zerbst, Zossenerstr. 10(außer einem) 12,30. Stillvergnügt 1,00. Pianosabril C. Otto, Liegnitzerstr. 3, 8. Rate 9,30. Drechslerei Wegeleben, Andreasstr. 32, 3. Rate 3,75. Möbel- fabrik Seifert u. Wotf, Fruchtstr. 36, 3. Rate 17,80. Drechslerei Bredow, Schönhauser Allee 187a, 5. Rate 3,80. Pianosabril Siewert, Urban- straße 102 7,25. Möbelfabriken: H. Pfaff, Saal l Nr. 65 12,85. Kümmel ». Friedrichsen, Borksir. 43 4,85. Bautischleret Stiebitz u. Köppchen, Thun»- straße 70 4,50. Tischlerei Zelder u. Plathen, Königsbergerstr. 26/28 22,20. In Summa 354,00 M., bereits quittirt 2566,91 M., Gesamuitsumm« 2920,91 M. Weitere Beiträge werden entgegengenommen auf dem Arbeitsnachweis Annen ftr. 39._ Abschrift. Bekantttmachnng. In Sachen betreffend den Ausstand der Tischler. Bildhauer, Drechsler und Polirer der Firma E. Eberhardt wird in Gemäbheit des§ 88 des Ge- setzes, betreuend die Gewerbegerichte, vom 29, Juli 1890 und ß 75 deS OrtSstaiuts für die Sladt Berlin, betreffend das Gewerbegericht zu Berlin, vom � Oktober hier- ' 2. November durch öffentlich bekannt gemacht, daß in der Sitzung des sowohl von den Inhaber», ats and> den ausständigen Arbeitern der Finna E, Eberhardt als Einigungsamt angerufenen Ge- Werbegerichts vom 24. November 1897, an welcher theilgenommen haben: 1. Magistrats-Assessor von Schulz als Vorsitzender, 2, Fabrlkani Weigert t-».bettaeber 8,«ausmann Bry i At°etigeber 4. Ti-chier K.n.ger j Zeitnehmer als Beisitzer nachstehender Vergleich geschlossen worden ist: 1, Das Holz vom Holzplatz bis zur Hobelbank soll in Zukunft auf Koste» der Firma von den von ihr an- genommenen Arbeitern befördert werden, 2. Die Finna stimmt für ihre» Be- trieb der Bildung eines Arbeits- ausschuffes zu. Die näheren Be- stimm»»««» über die Wahl des Ar- beltsansschusses»nd seiner Befugnisse werden innerhalb zweier Monate sest- gesetzt durch Zusatz zur Arbeits- orduuiig, welcher den gesetzlichen Be- Kimmungen gemäß nach Anhörung der Arbeiter zu erlasse» ist, 3, Die Forderung auf Einstellung der entlassenen drei Drechsler wird als eine nicht gerechtfertigte und der Sachlage nicht entsprechende von den Arbeitern fallen gelasien. 4, Die Arbeiter erklären, daß„ihre Forderung der Einlassung der setzt beschästigten, für die Streilenden ein- gestellten Arbeiter, so weit diese Eni- lassung möglich ist", eine nicht ge- rechtsertigte ist, 5, Dagegen erklären die Arbeit- gebet, von de» zur Zeit ausständigen Arbeitern 20 innerhalb einer Woche und den Rest'von 14, so weit er noch ohne Arbeit sein wird, nach Möglich- keit und Bedarf, jedoch bevor andere, sremde Arbeiter zur Arbeit angenommen werde», wieder einzustellen. Die ein- gestellten Arbeiter sind nicht zu maß- regeln. 8. Die Arbeitgeber werden ferner darauf hinwirken, daß das Berhalten de8 Werkmeisters Ruft den Ar- beiter» gegenüber in Zukunft ein an- gemessenes ist. 7. Die wieder einzustellenden Ar- better verpflichten stch, ihre Mitarbeiter, welche mährend deS Streiks gearbeitet haben, dieserhalb weder durch Worte noch That innerhalb oder außerhalb der Werkstätte nahe zu treten oder zu beleidigen. gez. C. Arndt, W. Schulze, W. Hein, Albert Eberhardt, Eugen Hellriegel, v. Schulz, O. Weigert, Brp, Robert Ahrens, Otto Klinger. MeliFmemnLoliltonM. Am 29. November verstarb unser Kollege und langjähriger 4. Vorsitzender Rieimra Hartmann. Derselbe war allezeit ein treueS nnd thäiigcs Mitglied unserer Ver- eimgung und werden wir ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren. Die Beerdigung findet heute Nach- mittag 3 Uhr von der Leichenhalle des Städtischen Friedhofes in Friedrichs- selbe aus statt. Um rege Betheiligung bittet 2182b Der Verstand. V. lioack's Theater Rrminen-titrasae 16. Heute, Donnerstag, den 2. Dezember: Ken! Wen i Madame Potiphar. Charakterstück mit Gesang in 6 Bildern von Carlos Duchow. Nach der Vorstellung Tanztränzchen. Freitag: Von Stufe zu Stufe. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß unser langjähriges treues Mitglied, Hiehanl Hartmann, nach kurzem Krankenlager ver- schieden ist. 217gb Arbetter-Gesangverein Bineta. Danksagitng. Für die uns erwiesene große Theilnahme und zahlreichen Blnmenspenden, insbesondere dem Verein zur Wahrung der Interessen der Gast- u. Schank- wirthe Berlins u. Umgegend, ebenso demGefangverein Nord- deutsche Schleife bei der Be- erdigung unseres licbenMannes und Onkels, des Schankwirths Emil Grolh sprechen wir hiermit allen unseren Freunden u. Bekannten den herzlichsten Dank aus. Berlin, 1. Dezember 1897. Die trauernde Wiitwe u. Nichte AugusteGroth geb.Markward. Atttraiiktilkasse der Gürtler. Die Arbeitgeber, welche für vou, ihnen beschäftigte Kassenmitgliedcr Beiträge aus eigenen Mitteln zahlen, werden zu der am Sonntag, den 8. d. MtS., vormittags 10 Uhr, Waiinynstrasse£7, stattsindenden Versammlung zur Wahl vou 87 Vertretern hierdurch eraebenst eingeladen. Die grosijährigen Kafieumit- glieder werden zu der am Sonntag, de» 3. d. MtS., vormittags 10 Uhr, Wannynstrasso 947, stattfindenden Versammlung zur Wahl von 179 Vertretern hier- durch eraebenst eingeladen. 2183b Onittungsbnch legitimirt. Berlin, den 2. Dezentber 1897. Der Borstand. G. Kneifs, Vors, Für 3« Mark fertige feinen Winterpaletot n. Maaß, für 38 M. ff. Anzug nach Maaß, für 8—12 M. ff. Winterhosen nach Maaß. Mdn nberzenge sich im Riesenstofflager. Krausenstr. 14, 1, kein Laden. Achtung, Töpfer! Gute Töpsersteine bei Fourmond, Lokal Lindolverstr. 18, Bahnh. Wedding. Oürl Scotts? ' Clgarrcn, Clgarretten u. Tabake-98 derMüll Lindowerstr. SS an üllerstr. 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