Nr. 388. Abomttments- Zedlngungtn: Abonnement»-Preis pränumerando: «ierteljährl. 3,30 Ml,, monatl, 1,1.0 M!,, wöchentlich 2S Pfg. frei ins HauS. Einzelne Nummer 3 Pfg. Tonntag»- Nummer mit illuftrirter Tonntag»- B-ilag-„Di- Neue Welt" 10 Pfg, Post- Abonnement: 3,30 Marl pro Quartal. Etngelragen in der Post- Zetlung»- Preisliste für 1837 unter Ar. 7437. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrige Auzland 3 Marl pro Monal. 14. Jahrg. Die Inscrtlons- Gcbiihr beträgt für die fechSgefpaltens Kolonel- zeile oder deren Slanm 40 Pfg., für PereinS- und VsrfammlungS-Anzeige», sowie ArbeitSmarlt 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittag» in der Expeditio» abgegeben werde». Die Expedilio» ist an Wochentage» bi» 7 Uhr abends, an Tonn- und Festtage» bi» o Uhr vormittag« geöffnet. Erscheini liiglich ausser Mo»lag«. Vevliner Volksvlskk. Fernsprecher: Bnif I, Nr. 1508. Telegramm-Adresse: „Soiialdruiolirat Berlin". ientralorgan der sozialdemokratischen Kartei Deutschlands. Ztediiktto»: 3V. I». Nenty.Swch- S. Die �Änvelsjuven ves Keich�kttgs. Die erste Lesung des Flottengesetzcs ist beendet und der allgemeine Eindruck geht dahin, daß Herr Tirpitz die Mittel zur Durchführung seines Planes, d. i. zur Schaffniig einer Schlachtflotte, erhalten wird. Die Schivebestellung des Zentrums in dieser Frage hat heute schon den Sieg der Regierung über das Parlament entschieden. Was hat es der Zentrumspresse genützt, daß sie seit Ansang des Jahres bis in die jüngsten Tage hinein eifrig für eine Ablehnung der großen Marine- sorderungen eingetreten ist. Im Rathe der Parlamentarier des Zentrums ist eine durchaus entgegengesetzte Haltung de- schlössen worden. Man hat alle jene grundsätzlichen Bedenken, die noch im März dieses Jahres bei der Berathnng des Marine-Etats geäußert wurden, salleil lassen. Nicht nur die Nalionalliberalen, auch das Zentrum hat den Tag erlebt, ans den der Abgeordnete Bollmar hinwies, wenn er sagte, es kommt die Zeit,„Ivo dn umfallen wirst". Bei der ausschlaggebenden Bedentung des Zentrums für die deutsche Politik dürste es wohl angebracht erscheinen, diesen parlamentarischen Umschwung des Zentrums in seiner ganzen Nacktheit dem deutschen Volke und den Zentrnmsivählern sä oeulos zu demonstriren. Wir greifen dabei auf die erste Berathnng des Marine-Etats für 1897/98 im Reichstage vom 30. November bis 3. Dezember vorigen Jahres zurück. Damals forderte die Reichsverwaltnng, abgesehen von einem Aviso, nur den Ersatz für abgängige oder in Verlust gerathene Schiffe und außerdem zwei Kreuzer, die aber schon in der Denkschrift des Jahres 1889/90 enthalten waren. Trotzdem also die Forderungen nichts weniger als ausschweifcild waren, sondern im Rahmen der bisherigen Bewilligungen lagen, so erklärte doch der Ab- geordnete Fritzen im Nanien der Zentrumsparlei, daß ganz K.ideilteiide Abstriche n ö t h i g seien wenn die Marinefordernngen in der verlangten H«� �„mit qppMijch� Geiv können, wenn man nicht die. zntiise. Es niüsse einem för daüvsnden Wachsen der Marine-Ausgabciü, welches einiger- irfasjeil'ON die uferlosen Flottenpläne erinnere, dauernd Einhalt geboten verde».! Der Etal wanderte nach der ersten Lesung in die Budget- kommission, wo dann Herr Hollmann mit seiner Niederschrift so großen Schrecken anrichtete. Das Wort in der Kommission führte für das Zentrum der Abg. Lieber, der zugleich auch Referent der Bndgelkommission ist. Obgleich der Holl- maun'jche Plan bedeutend weniger Ausgaben in Ansstcht stellte wie der Tirpitz'sche, so. erschien er dem Zentrum seinerzeit doch der Abg. Lieber den Abbruch !«a t h n n g e n beantragte, da die iiedirschrist Hollmann's in eine ganz � öb'rMt sei. Und als Lieber sich von chrecken erholt hatte, da hielt er in der Budget- konimiisioii am 8. März dieses Jahres jene Rede, in der er sich als den b l a m i r t c n Europäer fühlte. Es ist nicht möglich, die heute so interessanten Anssnhrnngcn des Herr» Lieber von damals in ihrem vollen Unifange wiederzugeben. Wir greifen nur jenen Theil heraus, wo der Abg. Lieber sich gegen die S ch a s f lt n g einer S ch l a ch t s l o t t e wendet: „Jetzt dagegen— sagt der Redner— heißt es Hochsee- krieg, wenn es sein muß mit Rußland, Frankreich, selbst mit ...England. Glanben die Herren denn wirklich, wir werden diese �.Staaten in ihrer Flottenentwickelnng einholen? Das - wurden wir zur See nie erreichen. Wir sollen in eilen- rempo immer neue Typen von Schissen bewilligen, von �noch keines die Ernstprobe bestanden hat. Die großen isfe mit 25 Maschinen für alle möglichen Zwecke des * rhen Uhrwerken komplizirter Natur. Niemand Ernstfälle die Probe bestehen. Wenn auch Maschine alsdann lahmgelegt wird, kann lcichwohl bauen wir darauf los und können '' zier neue Schiffe dieser Art zu bekommen, diese kostspieligen Uhrwerke anein- Idaun alle zusammen stillstehen." Miellen Betrachtungen ein und ". im Lande, ob nicht e i n l dj c in Schrecke n ohne Werlauf der Kommissions- znng der zwei Kreuzer nur alles versagen. es nicht cüiuavti ohne zu Wissel ander gerntheii', Redner geht dank! meint, zuletzt fra Ende mit S ch r e E n d e vorzuziehen ist.„ Verhandlungen kam es ivegcn zu scharfen Auscinandersctzung'n�i bei denen auch Prinz A ren vi seinem Fraltionskollegcn eifrig sekni die beiden Kreuzer wurden a> g e l e In der zweiten Lesung in Plcnnni r die Verhandlungen in der Konmission un seiner Anssnhrnngcn den Grnnoatz ans; pllinann und Lieber, des Zentrums Snmmen für M teke Lieber über llte am Schlüsse Icht die Zahl und KgM h die Gattung der Schiffe ist die Hmptsache, sondern die Kosten Und er gelangte z» dem Sehlnsse, daß auf wankende Einnahmen keine dauernden ii 3 a a b e u-• l"! lt werden drften. Tie eigentlichen Parte iredncr V Mrn.ns in de zweiten Lesniig waren aber die Abgeordneten Muller- i,ida und Bachem. Vom stolzen Pferde der Opposition herar kanzelten sie die- ienigen Parteien ab, die die Hollmann sch, Forderungen bc- willigen wollten. Andererseits vcrwahrchi e sich anfs schärfste gegen diejenigen, die damals schon dem entrum nicht über den Weg trauten. Der Abgeordnete Müller nagelte die Abgeordneten v. Kardorff, v. Leipziger, Paaschs und deren politische Freunde ans ihre früheren Aeußernngen, die gegen die Flottenfordernngen lauteten, mit großer Nachdrücklichkeit fest und verstieg sich zu den Aeußernngen:„Ich muß ge- stehen, daß solche Forderungen seit Bestehen des Reiches noch niemals erhoben worden sind. Mau sagt, daß die Flotte den deutschen Handel schützen soll; ich habe jedoch die Erfahrung gemacht, daß gerade da der d e>l t s ch e H a n d c l am b e st c n g e d e i h t, iv o k e i il e Kriegsschiffe stationirt sind. Wir niachen es nicht so wie andere Parteien, daß wir sagen, wir werden Abstriche vornehmen und nachher doch alles bewilligen, daß wir also blos ins Land hinausreden". Und Herr Bachem schloß seine„mannhafte Oppositionsrcde:„In der ersten Lesung schien es, als ob alle Parteien einig wären, jetzt lassen Sie(nach rechts) uns allein. Aber auch Sie werden später an die Folgen des H o l l m a n n's ch e n Plans ni i t Schaudern denken, wenn es sich darum bandelt, die Deckung dafür zu schaffen Der nämliche Herr führte noch aus, daß der Schutz durch die Flotte für k a t h o l i s ch e M i j s i o n a r e ein zweischneidiges Schwert sei: sie haben oft selbst erklärt, daß sie freier dastände», wo keine Schiffe wären, daß sie sich durch Kanonen- boote beengt fühle». So die Stellung des Zentrums der im Vergleich zu dem jetzigen Entivnrfc bescheidenen Niederschrift Hollmann's gegen- über. Und am Dienstag erklärte nun Herr Lieber, daß er und seine politischen Freunde den Plan des Herrn Tirpitz mit allem Ernste prüfen wollen, ja daß sie ihm sogar bis zu einem gewissen Grade sympathisch gegenüberstehen. Alle finanziellen, mariiietechnischcn und bndgetrechtlichen Bedenken sind ge- schwnnde»; die Marineschwärmer gelangen auch in der -Zentrnmsfraklion obenauf. Darüber täuscht keine noch so " atische Wenn- und Aber-Rede des Herrn Lieber hinweg. Unischwiing der Ansichten in der Zentrnmsfraklion dyrste jedoch wenig mit den Ansichten der ultra- montanen Wähler Harmoniren, die bisher so konsequent gegen die Floltenpläne in Presse und Versammlungen Stellung genommen und an den Reden ihrer Abgeordneten im Anfange dieses Jahres großen Gefallen gefunden haben. Diesmal wird der Zentrnmsnmfall doch größeres Aufsehen er- regen, als je zuvor und Herr Bachem könnte recht haben, wenn er in seiner Rede vom 20. März dieses Jahres mit Be- ziehung ans gegnerische Preßänßernngcn meinte:„Wenn m a n d i e s l i c st, sollte man wirklich meinen, wir wären die H a n d e l s j u d e n des Reichs- tage s." Allerdings, wenn man die Haltung der Zentrnmsfraktio» zu Anfang des Jahres de» Hollniaun'sche» Forderungen gegen- über mit der Rede des Führers des Zentrums vom letzten Dienstag vergleicht, dann sollte man nicht nur m einen, sondern man gelangt ernstlich zu der Uebcrzeugnng, daß das Zentrum auch bei der Marinevorlage seine beliebte Methode des Handelns und Fcilschcns versuchen will. Herr Lieber hat ja schon seine Forderungen angedeutet und zwei Monate sind nun eine reich- liehe Zeit, in der die Zentrnmsfraktion seine Händlcr-Talcntc glänzen lassen kann. Bis dahin wird's dann soweit gekommen sei», daß der Abg.' Müller bei der zweiten Lesung wird sagen können: W i r m a ch e n e s d o ch s o wie andere Par- t e i e n, aber ein Geschäft muß dabei sein! politische Mebeessch?. Berlin, 9. Dezember. Aus dem Reichstage. In Fortsetzung der Flotten- debatte kam heute als erster Redner der Vertreter der national- liberalen Partei, Dr. H a m m a ch e r, zum Wort. Ter Herr Doktor gehört zur ältesten Garnitur unter den Parlamentariern, aber in bez»g ans Regsamkeit des Geistes und der Frische der Vortragsweise nimmt er's mit dem ganzen liberalen Nach- wuchs auf. Natürlich ereiferte sich der Redner für die Vorlage, an der er nur das eine bedauert, daß sie nicht noch größere Forderungen enthalte. Herr Hanimacher schreckt auch vor der Möglichkeit nicht zurück, daß der Flottenausban neue Stenern im Gefolge haben werde. Die„Nation" sei alle Zeit bereit, die für die Erhaltung der Wehrhastigkeit nothwendigen Opfer zu bringen. Sehade nur, daß sich der Redner über den Vorschlag des Dr. Lieber ausschwieg, die etwa nothwendigen Mehrausgabeii auf die Schultern der stenerkrästigcn Bürger zu legen. Kommt es zum Zahlen, dann werden es eben wieder die Kon- snmenten, d. h. die Masse des Volkes sein, welche für die großen Worte anfzukommen hat. Daß der Herr Doktor unserer Fraktion den Vorwurf machte, sie vernachlässige die Arbeiter- Interessen, wenn sie die neuen Schiffe nicht bewillige, ist einer von den schlechten Witzen, die ein so geistreicher Redner nicht machen sollte. In einer kurzen aber zwcifelsfreicn Erklärung legte dann der schwäbische Volksparteiler G a l l e r den ablehnenden Standpunkt seiner Partei dar. Die Antisemiten sind auch in dieser Frage, wie in allen anderen, getheilter Meinung. Für den bewillignitgslilstigen Theil sprach heute Z i in m e r- mann, doch will ersieh erst in der Kommission ganz bekehren lassen. Als zweiter Redner»»serer Fraktion nahm dann M o l k e n b n h r das Wort. Was Sachlichkeit und Vertraut- Klkpeditiütt: SW. 19, Wcttty-Str.lße 9; heit mit der Materie anbetrifft, so darf wohl diese Rede mit zu den besten gezählt werden, die in dieser Debatte zum Vor- trag kamen. Während alle anderen Reden allgemein politische Darlegungen waren und sachlich nichts neues vorbrachten, kritisirte Molkenbnhr die Vorlage in tief einschneidender, fach- licher, ans völliger Vertrautheit mit dem Gegenstände beruhen- der Weise. In ausgezeichneter Ausführungen kennzeichnete er den Widerspruch der flottenfreuudlichen Kundgcbnng der Hamburger Grobkaufmanuschaft und deren Haltung beim großen Ham- burger Streik. Treffend diente Molkenbuhr auch den marine- begeisterten Stumm, Krupp und Konsorten, wies darauf hin, daß die großen Herren in Rheinland-Wcftfalcn in materiellster Weise an der Flottcnvergrößernng interessirt seien. Herr Stumm, der nach dieser Rede in seiner kapitalistischen Nackt- heit ohne jedes patriotische Feigenblatt dastand, unterließ dies- mal die bei ihm so beliebten persönlichen Richtigstellungen gegen sozialdemokratische Reden. Unser Redner schloß mit dem Hinweis, daß unsere maßgebenden Kreise immer mehr ans Napoleonische Praxis hinauskommen, die Unzufriedenheit im Innern dadurch abzulenken, daß nian auswärtige Händel sucht und anstiftet. Als letzter Redner plädirte Graf v. S t o l l b e r g für die Vorlage, worauf dieselbe der Bndgetkommission über- wiesen wurde. Die an zweiter Stelle ans der Tagesordniliig stehende Interpellation: was die verbündeten Regierungen gegenüber den Gefahren des amerikanischen P e t r o l c n m m o n v p o l s zn thnn gedenken? begründete der Abgeordnete B a s s e r- m a»» in sehr eingehender Weise. Der Staatssekretär des Innern, Graf von Posadowsky, wies in seiner Antwort nach, daß seit dem Jahre 1890, wo die Wionopol-Gescllschaft in Deutschland festen Fuß faßte, die Petroleumpreise nicht gestiegen, sondern gefallen sind. Sollte die Gesellschaft ihre Moiiopolstelhiug zu Ungunsten der Konsumenten mißbrauchen, so sei die Regierung entschlossen, alle ihr zn Gebote stehenden Mittel zu gebrauchen, um diesen Mißbrauch abzuwehren. Morgen Mittag 1 Uhr: Fortsetzung der Debatte über die Interpellation, bei welcher Gelegenheit sich die Spiritus- interessenten wohl melden werden und dann erste Lesung des Etats.— Tcntschc Helden. Nachdem Deutschland noch vor gar nicht langer Zeit recht befreundet mit dem großen Himmels- reiche China gewesen, ist plötzlich ein großer Um- schwung der Gefühle eingetreten. Friedliche Neigung und Freundschaft verwandelten sich in kriegerischen Haß und wüthige Gebcrden. Wenn man heute die Blätter der deutschen„Patrioten"- Presse liest, so ist China ein verrnchtes Land, die Chinesen schlimmer wie die Menschen- fresser Anstroliens und die chinesische Regierung der Ansbmid aller Tücke. Und dasselbe China ist so werthvoll für den deutschen Handel, für die Bereicherung der deutschen Kauf- Herren. Also: China ist der Feind und in China muß um jeden Preis der Grund für das„größere Deutschland" gelegt werden. � Nicht zahlreich sind diejenigen, die in diesem halb berserkerischen, halb von phantastischen Halluzinationen ein- gegebenen Fcldzng gegen das große asiatische Reich ihre ruhige Besiniiniig erhalten haben und nüchtern die Dinge betrachten, die sich im fernen Osten an der Bai von Kiao-Tschou abspiele». Der„Vorwärts" hat vor allem Ausklärung verlangt über das, was dort geschieht. Die deutsche Regierung schweigt sich fast völlig ans. Kämen uns nicht Nachrichten über England z», so wüßten wir rein garnichts über die Art und die Aussichten dieses Unternehmens. Aber unsere„weltpolitische" Presse, wenn sie auch nichts weiß und nicht absehen kann, was sich daraus entwickeln mag, sie ist einverstanden mit dem Vorgehen der deutschen Regierung. Sie hat nur die eine Sorge, daß die Re- girrung nicht„energisch" genug zugreifen könnte. Sie erklärt es für selbstverständlich, daß wir in China„festen Fuß fassen"' müssen. Wer aber diese Politik nicht unbesehen mitmachen will, den überschüttet sie mit reichlichen Würfen Nnraths, wo- von sie ja großen Vorrath besitzt. So wenden sich heute eine Anzahl Blätter dagegen, daß wir im Anschluß an die Atiltheilung des militärischen'Marsches in das Binneulaud von Shantung und der Einnahme der Stadt Kiao-Tschon dieses Vorgehen als„ungerecht- fertigt und v c r h ä u g u i ß v o l l" bezeichnet haben. Und wäre es zur Belnslignng unserer Leser, wir wollen doch den milden Auslassungen dieses Uebersce-Chanvinismus ein wenig zur Wcitervcrbrcitnng verhelfen. Da schreibt die nationalliberale „ M a g d e b. Zeitung": „Ja. das Blatt(Oer„Vorwärts") geht noch weiter. ES erklärt das Vorgehe» des Tenlschen Reiches für cl'ciiso n n- gerechtfertigt wie v e r h ä» g n i ß u o l I. Wenn nicht heule oder morgen, so kömiten doch in weiterer Zukunft leicht Verwickellinge» entstehen; den„Moskowitern" dürste unsere Kon- kurreuz sicherlich nicht angcuchm sein. Mit verbimdencn Augen werde das Volk in die bedciiklichslen Siluntivucn geführt. DaZ j» die J a in in e r l a p p e n« und A n g st in e i e r p o l i l i k, die das führende Organ der deutsche» Sozialdeinokratie empfiehl c. Weil in weiterer Zukunft sich Verwickelungen ergeben könntcu, die nur das f n r ch t s n m e A» g e des sozialdemvkraiischcn Organs zu sehe» vermag, solle» wir deutsche Bürger vom chiucsischc» Pbbel abschlachte» lasse»...." Und nocy lieblicher läßt sich der fromme konservative „ R e i ch s b o t e" vernehmen: „Wie der„Vorwüriö" sich setzt in der Streitfrage mit China benimmt, das ist doch so, daß sich jeder Arbeiter dcS Blatte» schämen und seinen Nednktenre» scigen sollte, sie möchten sich Zöpfe anbinden lassen und chinesische Filzpantoffel anziehen. Wähnend jedes gesunde deutsche Empfinden sich freut über das feste Ans- treten der dentschen Flotte i» lliao-Tschvn, jammert der„Ponuärts": „Wenn jetzt die deutschen Truppen noch iveiter vorstoßen und eine chinesische Stadt olknpire», so erscheint dies als ebenso migerechlfertigl rvie verhänguißvoll." O ihr ärmsten; latzt Euch das Haupt scheren und Zöpse anbinden; verhängnißvoll sür Tenlschland könnte nur iverden, daß es eine Presse giebt und gelesen wird, welche so wenig nationales Selbstbewußtsein hat. Ungerecht? War es etwa Recht, daß die Chinesen neulich deutsche„-Offiziere und Soldaten mit Schinutz bewarfen, deutsche Misstonar« getvdlet und nicht daran gedacht haben, sich Deutschland dafür dankbar zu erweisen, baß es ihm die Japaner vom Hals« geschafft und zu einem so schonenden Frieden verHolsen hat, sondern daß sie im Gegeirtheil Teutschland brntal Und provdzirend be- bandelt haben? Doch ivir wollen mit dem„Vorwärts" nicht darüber streiten, was gerecht und ivas ungerecht ist, wir wollen nur die jammervoll« Haltung dieses Blattes auch in dieser Frage konstatiren." Da seht, diese Sozialdemokraten sind ganz feige Bnrschen und haben sogar vor den Chinesen schauerliche Angst. Zivar sind die Chinesen bekanntlich nrilitttrisÄ) so minderwerthig, daß sie von den an Zahl der Streitkräfte»Veit hinter ihnen zurück- bleibenden Japanern arg verhauen wurden, aber die sozialdemokratischen Arbeiter haben doch vor ihnen Angst. Da sind die Nationalliberalen niid selbst die sanften theologische» Jüngling« des„Reichsboten" ganz ander« Kerl«. Welche Schncidigkeit, welche männliche Thatkraft! Nun, niemand hat gesagt, China solle nicht Geuiigthnling geben für die Ermordung der Missionare. Aber China hat sich auch nicht geiveigert, dies zu thun, und kauil sich garuicht weigern. Die Chanvinisten selbst wünschen tn dem Vorgehen Teutschlands mehr zu sehen als bloße Erzielnng gebührender Gemigthnnna. Sie wollen Landbesitz, Eisenbahnen, Handels- vorlhcile haben. Auch hierüber ließe sich reden. Aber nm die Mittel drehte sich der Streit, Mit denen man vorgeht, und über den Werth dessen, was tnan mit schlechten Mitteht gewinnen will. Gerade einem»christlichen" Blatt, wie dem„Reichsboten", steht es gut an, den Tod von Missionaren, die im Dienst ihrer Ileberzetigung bekanntlich gern ihr Leben hingeben solle», zum Anlaß einer geivaltthätiaen, vortheilssüchtigen Erobererpolitik zu benutzen, die Erobcrnngspolitik, welche noch dazu, auch nach der Meinung vieler Nicht-Sozialdemokraten, zu inter- nationalen Verwickelungen fuhren können und müsse», ivelche für Deutschland allerdings eines TageS sicherlich bedenklich werden dürsten. Hiervor zu warnen, dürfte mehr»ou wahrem Patriotismus zeugen, als die Draufgängern unserer Chanvinisten. Die Geschichte lehrt, wie oft solcher Chauvinismus das Vaterland schwer geschädigt hat. Glücklicherweise iinponirt das ManlheldenthNm der„Welt- Politiker" dem deutschen Volke sehr wenig.— Für de» NbsvlntisninS brach der erste Journalist der kon- sirvativen Partei, det Reichstags- und Lnndlngs-Abgeordneie Prof. Kropats check auf dem konservativen Parteitage der Provinz Brandeilburg eine Lanze i Ein Königthum, da? vom Parlament abhänge, wollen die Konservativen nicht, sonder» ein K ö» i g t h u m, das auch mal gegen die ab iv eichende Meinung des Paria- mentl, gestützt auf da? königstreue Volk, sein«» Willen d it r ch f ü h r«. DaS ist offen, deutlich uud klar; ei ist der Umsturz von oben, den Herr Kropatscheck empstehlt t Dieser einzige Satz de? Chesredakleurs der„KkUlz-Zeitung" ist das einzig bedeiit'ilngsvolle an den Verhandlungen dieses sogenannten konservatiaen Parteitages. Höchstens wäre noch Kropalschecl's Be- merkung, daß konservativ weder gkeichbedentend Mik reaktionär oder gouveriiemental zur Erheiterung der Leser zu erwähnen. Was Herr Ring über die Agrarfrage und was über das Handiverk vorbrachle, waren olle Kamellen, Herr v. Massow begnügte sich in seinem Re- ferate über die soziale Frage mit den ödeste», uichtssagenden Geineinplätzen.— Mit Rücksicht ans die Petrolenm-Jnterpcllatio», die de» Reichstag eben beschäftigt, ist folgender Originalbericht des, Krport" aus dem Komptoir des Verbandes der Bakner Raphthapro. uze»teil von Interesse. Nach demselben betrug der Gesainmtexpvrt von Kerosin (in gereinigter und unaereiiiigter Form) sowie von Nnpblharesien aus Batnin und Noworossuisk imLanscdes Jahres ISV6 45 177 452 Pud (darunter ans Noworoffnisk 9 241 665 Pud), Nach Europa wurde» ausgeführt i» Zisternen 14 464 531 Pud und i» Blechbüchsen und Fässer» 7 449 563 Pud. Nach dem ferne» Orient ivnrden in Zisternen und Blechkisten abgefertigt 23 323 353 Pud. Die Haupt- abnehmer i» Europa waren folgende Slaate»: England 3 590 146 Pud, Bulgarien 643 909 Pud, Belgien 869 432 Pud. Deutschland 747 232 Pud, Italien 1 199 327 Pud. Serbien 190 649 Pud, Rninänien 93 713 Pud, Türkei 6 636 172 Pud. Im ferne» Orient empfinge»: Vorder-Jndien II 133 ll0 Pnd, Hinter-Jndien 1 449 864 P»d' die Snndn-Jnsel» 1 524 293 Pnd, die Philippine» 274 513 Pud; China 6156323 Pnd. Japan 2332552 Pud; Schirien über Wladiwostok und Nikolajcwsk 266 624 Pnd.— Im laufende» Jahre wird»aiiientlich in de» letzten Monaten sehr Über Mangel a n N a ch f r a g e a n s d e m A n s l a n d und geringe» Ex- p o r t geklagt. Infolge dessen sind die Preise fnrNaphlha so gefallen und dieien igen f ü r Frachten so ge- stiegen, daß Produzenten und Exporteure die größte» Verluste erleide». Die Verurtheilunge» wegen Verbrechen nnb vergehen nehmen in Deutschland beständig zu. Nach de» neuesten kriminal- statistischen Veröffenllichmigeil ivnrden wegen Verbrechen»nd Ver- gehen gegen Paragraphen des Strafgesetzbuchs im Jahre 1391 ver- urlheilt 381 816 Personen, 1396 dagegen 434 299 Personen. Das ergiebt eine Zimahme von 13,7 pCk., während in denselben Jahren die Bevölkening des Reiches mir um 5.6 pEt. gewachsen ist. Ob MIN jetzt wirklich so viel»lehr Verfehlungen gegen das Strafgesetz vorkomme», als in frühere» Jahre», oder ob die Miffethäln häufiger gefaßt werden, oder ob die Gerichte häufiger als früher geneigt sind, Vernrllieiluilgeii niiszusprechen.— das läßt stch ans de» statistischen Zahlen natürlich nicht ersehen. In den Gesammlzahle» war die Entwickelung folgende. Es wurden ver- urtheilt: 1391: 331 816, 1392: 410 828, 1393: 414 657, 1894: 427 657, 1895: 433 697 und 1896: 434 299 Pcisone». Unter det letztgenannten Zahl befanden stch 43 836 jugendliche(unter 18jährige) Personen.— Auch an de» Mittheilimgen Über die einzelnen Verbrechen, wegen deren Berurtheilmigen ersolgte». kann man manche ganz interessante Beobachtung mache». So sind die Veruttheilungen ivegen Majestätsbeleidignug in de» letzten Jahren zurückgegangen. Wegen dieses Ver- brechens wurden vernrlheut 1894: 622, 1895: 598 und 1896; 561 Personen. Wegen Aufruhrs wurden in deutschen Landen 1384 noch 124 Personen bestrast, im Jahre 1896 haben sich nur noch 88 Unglückliche dieser Missethat schuldig gemacht. Die Verurlheiliingeil wegen Verächtlichmachung von Staats- e i n r i ch t u» g e n sind sich in de» geiiännlen Jahren ziemlich gleich geblieben; sie haben jährlich 7 bis 9 betragen. Auch die Zahl der Vernrtheilnngen wegen Meineids zeigt keine er- lennbare Tendenz zum Falle» oder Steigen; sie schwankte i» de» sechs Jahren um die Zahl 800 herum. Dagegen sind fahrlässige Meineide bedeutend weniger zur Adnrtheilimg gelangt; 1691 waren eS 620, 1896 nur 385. Tie Verurtheilungen wegen Ver- brechen, die sich auf Religion beziehen, scheinen zurück- zugehen. 1894 wurden wegen solcher Delikte 455 Verurtheilungen ausgesprochen, 1895: 334 und 1396: 313. Wegen Ehebruchs erfolgten 1892: 12t Berurlheilimgcn, 1893: 123, 1894: 185, 1895: 212, 1890: 260; die Zahl ist also im soriwährenden Steigen begriffen. Auch die Verurlheilimgen wegen Zweikampfes sind ständig in die Höhe gegangen; 1393 erfolgten 66 Vernrlheitnngen. 1394: 83,1895: 107, 1896:110, Die Zahlen für D i e b st ä h l e sind die solgenden: '— 1892 1898 1894 1895 1896 82 751 71810 70 000 69 705 07558 1891 75 256 Einfacher Diebstahl. Ginsacher Diebstahl im wiederholten Rückfall 11483 Schwerer Diebstahl. 8 895 Schwerer Diebstahl im wiederhollen Rückfall 2 499 12 775 10 748 11 009 9 379 11951 9 553 11793 8811 11880 6972 2 921 2 657 2 965«075 2708 Diese Zahlen sollten ivirklich denen zu denken geben, die keinerlei soziale»nd wirthschasiliche Einflüsse ans die Kriminalität eines Volkes zugestehen wolle» und für die der Verbrecher lediglich die aus der inneren schlechten Anlage heraus handelnde Verbrechernalur Ist. Wie kommt es denn, daß die Diebstähle in den letzien wirth- jcbasiluh günstigeren Jahren zurückgegangen sind, und daß sämnitliche Kategorien von Diebstählen in dem wirthschaftlich schlimmen Jahr 1892 ihren Höhepunkt erreicht haben?— deutsches Reick». U eber die künftige Leitung de? Kolonial- amtes scheint eine Entscheidung noch nicht getroffen zu sein. Ver MUihet wird die Verbindung des Unterstnalssekrelarials am Ans- wältigen Amte mit der Leitung der Kolonialangelegenheiteii. Sollte es nicht dazu kommen, so wird es schwer sein, einen geeignete» Beamten für den Posten des Direktors der Kolonialabtheilung zu sinden. Die Kandidatur des Freihmn v. Scheele, die von in- teressirter Seile aufgestellt wurde, scheint überhaupt nicht in Frage zu kommen.— — ReichstagSkandidaturen. Ober-Amlmann R in gk- Düppel hat die ihm angebotene konservative Reichstags kandidatur in A h l w a r d t' s Wahlkreis Friedeberg-Arnswalve ailgenommen. Im Wahlkreise Hagen werden nicht weniger als fünf Kandidaten aufgestellt. Das Zentrum, das bisher stets für Richier eingetreten war, wird diesmal einen eigenen Kandidaten aufstellen, de» es hofft in die Stichwahl bringen zu können. Die Sozialdemokraien stellen Gen. Johannes Timm ans. Ferner wird der Abgeordnete Ahlwnrdt und snr die Nationallibernleii Generalsekreiär Dr. Beniner ans Düsseldorf kandidiren. Im Reichstagewahlkreis A l z e y- B i n g e>i will man in laiidwirlhschasllichcii Kreise» dem sehigr» Llbgeordneteu und ersten Bizepräsidenlen des Sieich-Iages Schnndi-Eibcrseld den Regierungsralh Haas aus Offen lach gegen überstellen. Für den Wahlkreis Dillenbnrg haben die Chnstlich-Sozialen den Redattenr des„Voll", v. Oertzen, als Reichslngskandidalen ans gestellt.- — Die armen Nationalliberalen. Im 9. sächsischen ReichstagZ-Walilkreise, den jetzt der sleikonservaiive Bergrath Merbach vertritt, beabsichtigt man sn« die nächste W»hl den Leiler der „Deuischen Tagesztg." Dr. Oertel aufzustellen. Während der bis Herta« Abgeordnete des Kreises stets mit nationäliiberaler Beihilfe aeivählt ivnrve, geht den Natlonalliberalen deS Kreises ob ver Kandidatur des Kanitzjüngers Oertel denn doch ein Grauen an. Einen agrarischen Hnupthahn möchten sie sich denn doch nicht auf- oltrsyiren lassen. Solche Dinge sind freilich bös für die Notionallileralen. Aber Ivas haben sie besseres verdient, nachdem sie stets, und nesontesHi.» Sachsen, de» Konservativen Schnhpntzerdieiiste geleistet Hab»,»; sie jetzt mit den von ihnen selbst grpntzlen Schuhen«inen (oiiiiiien, so ist das ihr« eigene Schuld.— — Der beleidigte Herr Thielen. Aus Bresla wird telegraphisch berichtet: „Vor der hiesigen Strafkammer hatte sich der Redakteur Emil Neukirch von der soztalbemolrallsche»„Volksmacht" wegen Be- leidignng des Ministers Thielen und der KoMintssto» von Beamten zur Nnletsuchung der llevelstäude im Eisenbahnwesen zn verantworten. Neukirch halte in einem Leilartikel die Kommission scharf lrilisirt. Der Siaalkaiiwalt beanlragle neun Monate G e- f ä n g n i ß und sofortig« BerUaftnng. Ans grund der Ausführungen des VeitheidigerS, Rechtsnnwalt Hein. welcher hervorhob, daß das ganz« denlsche Volt in jener Zeit durch die sich oft wiederholenden Eiienbahii-llniälle sehr erregt gewesen sei und daß sogar streng konservative Blätter scharfe Artikel gegen die Eisenbnhn-Verwalliing geschrieben hältev, billigte das Gc richt dein Angeklagten den Schutz des§ 193 des Sira fgesetzbnchs zu und veruriheilte ihn zu 150 M. Geldstrafe, weil die Beleidigung eine äußerst gröbliche gewesen sei. Das Gericht konstatirte, daß die Erregung über die Eisenbahn-Uiifälle allgemein gewesen sei." Herr Thielen halt« vor«inigen Monaien ein« Aerfügniig an die Eisenbahii-Direktioncn ergehen lassen, sie mögen den Blättern, welche irrige Dinge über Eisenbahn-Vorkoinmnisse mitlheilen, Berichiigungen zugehe» laffe». Das war veriilinfiig und Inachie anten Eindruck. Dieser gute Eindruck gehl aber völlig verloren, sobald Herr Thielen die üble Gewohnheit preußischer Biireankralie niminum, sofort wegen angeblich„beleidigender" Ausdrücke zum Kadi zu laufen. Herr Thielen sollte sein« Zeit lieber verwenden, nm eneigisch sür �Re formen i» seinem Eiseiibahnreich einzulrelen und zur Anssertigung von Sirafanträgcn sich überhaupt nicht herbeilassen. Schwer begreiflich ist es, aber keuiizeichnend sür unsere Znständes daß überhaupt die Slellnng eines Antrages auf 9 Vionale Gesängniß möglich ist gegen einen Redakteur, der im Interesse des Publikums lluziiträglichkeite» kritisirt und dabei vielleicht in seiner Ausdrucks- weise nicht ganz höflich war. — Die beängstigende Häufung der Eisenbahn- Unfälle macht es zur Nothwendigketl, ans jede Stiinine zu hören, die aus Mißstände in der Verwaltung der Bahne» hinweist und Mittel bezeichnet, durch ivelche die Fehler und damit die Unglücks- fälle vermieden iverden köiiiilen. Eine von dein Zugführer A. Gruhl, der dreißig Jahre lang im Eisciibahndienst gestanden hat, verfaßte Schrift") bezeichnet als Hanptnrsncheii fiit die Unglücksfälle die schlechte Ausbildung dcr verschiedenen Knlegorien von Eisenbahn-BeamteN, die schlechte Bezahlung und schlechte Behnndliing der UliterbeaNilen und die Verwaltung vom grünen Tisch herunter ohne Keiintniß des praktischen Betriebes. Der geiiftiiute Beamte hält«ine Aiisbildnng der Eiatioiis- Und der oberen Verwaltnngsbeamteii im praktischen Fahrdienst für unerläßlich. Die Oberbehörden ergänzen sich nach ihm ans Personen, die entweder Iura oder das Bausach studirt haben, sie treten bei einer BeUiebsinspektio» oder gleich bei der Direktion ein und sind sofort Oberbeamte. Daß einer dieser Herren sich vorher ernstlich nni den praktischen Dienst gekümmert hätte, hat der Verfasser niemals bemerkt. Das Stationspersonal besteht fast ausschließlich ans Mililäranivärlern, so daß wirkliche Kenntnisse von denselben leider nicht verlangt werden können. Sie treten als Diätare ein und werden irgend einer Slalion über- »>iesen. Hier lesen sie«in Jahr lang die Sigiialordnnng, das Betriebs- und Polizeireglement und lernen lelegraphiren. Wenn das Jahr um ist, iverden sie vvn einem Regierungsralh und einem Betriebskoiitrolleur geprüft, obgleich der erster« nie und der letztere selten Betriebsbeamte waren. Es beschränken sich die geforderten Leistungen denn auch auf wörtliche Rntworlen ans de» Jnstrnktions- bnchcrii, einen kleinen deutschen Aussah und Rechnen. Davon, daß ei» Mililäranwärter im Examen durchgesallen wäre, hat der Ber- ") Ursachen und Wirtungen im Eisenbahnbetriebe und deren Abhilfe. Von 31. GrUpl. Selbstverlag des Verfaffers. Zu haben in der Polytechnischen Buchhandlung, Mohrenstr. 9, und bei Engen Beer, Jriebrichstr. 131c. Preis 1 Mark. sasscr nie gehört. Nacki dem Examen sind die Geprüften sofort Betriebsbcamte und in Vertretung des Vorstehers die Vorgesetzten des gesaimnten Stations- und des Fahrpersonals. Auch der Ileberlastnng und schlechten Behandlung de? Fahr- Personals wird ein Theil der Schuld au den zahlreichen Unglücksfällen zugeschrieben. So weist der Verfasser ans die auch bei schlechtem Weller vielfach nach vorn gerichteten Bremsen hin und erzählt einen Fall aus seiner Praxis, der beweist, wie rücksichtslos das Fahr- personal ost behandelt wird.„Ali einem Serbstabend war ich ge- zwiiiigeii(»achdem ich de» Slationsbemnten fast fußfällig, aber ver- geblich gebeten hatte, mit Ltücksicht auf das fürchterliche Wetter und unter Hinweis auf die Nutzlosigkeit der Besetzung einer solchen Bremse,»ine Kastenbremse einzustellen oder doch wenigstens die vor- handene drehen zu lassen), einem Schaffner eine solche Bremse an- weisen zu Aussen. Nach beendeter Fahrt erklärte mir dieser Schaffner, d'aß er von Nauen bis Wittenberge, also 4>/2 Stunden, mit voll- ständig durchnäßter Kleidung im Wasser geseffeu habe und daß diese Fahrt ihm den Tod bringen werde. In der Thal fing er»ach einigen Wochen an zu klagen, und Nach einiger Zeil mußte er, so sehr er sich auch im Hinblick ans Frau und drei Kinder hiergegen sträubte, das Fahren aufgeben. Kurz: nach einem Jahr war er tobt." Wie wenig Männer, die in solcher Weise verwandt werden, geeignet sind, aus die Sicherheit des Zuge- zu achte», liegt aus der flachen Hand. I � � ->..s rrj ftWi««M« maK .......... er in anderen Jahren wird die Zeit zu laug, lange warten, ich habe Tie erreichbare wähileisiel, wenn sämmlliche Beuiebsbeanite, und hierzu gehören das Verwaltnugs-, Slations-, Lokomotiv- und Fahrpersonal, nicht nur die Sigiialordiiuug und das Polizei- und BelriebSreglemeut genau kennen und auzuweiideii verstehe», sondern auch aus eigener praktischer Erfahrung alle Beiriebseimichlmigen und besonvers das rollende Material insoweit gründlich kennen, als es im Betriebe ge» fährlich werben kann. Hierzu irürcen bestpielsiveise gehören die Thürverschlüsse aller WagengatUingeu, die Räder imd die Achsen- lag er, die Puffer und die Verkiippelniigen, die Fnnktionsiveise de verschiedenartigen Bremsen Zc. So bis inS einzelne gehend müsile r- allem auch das Stalionspersoiial im praklischen Fahrdienst nnsgebili sein, UM dann auch schwierigen Sitnatione» gewachsen zn sein.„Zugvc spälungen ändern ofl den Geschä stsgang auf alle» folgeiidenStaii oiien und sühre» hier und da eine so lrilische Lage he.bei, die nur von einem vieleriahrenen Praktiker beherrscht werden kann. Man darf sich also nicht wundern, daß in einer solchen kriiischen Lage, wo alle An- forderungen an den praktischen Betriebsbeaniten mit größter Sicher- heit ausgeführt iverden müssen, ein unerfahrener und ungeschntter Mann de» Kvpf verliert und nun namenloses Unglück anrichtet."— — Wie die Liebesgaben für die U e b er s ch w e m m t e n Verivertbung finden. Unter dieser Spitzmarke whd geschrieben: Ans einem Bahnhofe in der Nähe von Forst N./L. kommen mehrere Waggons Kartoffeln für die Neberschweinmten der Ncißedörler an.(Die Kartoffel» iverden zu sehr billigen Preise» in de» Provinzen Posen und Preußen angekauft und frachtfrei an die verschiedenen Hilfskomitees versandt.) Hier versammeln sich also die armen nothleibenden Gemeindemiiglieder ans dem Bahnhofe, um für billiges Geld die Karlossein in Empfang zn nehmen. Ei» Bauer IHM bringt es fertig, s.ihrt mit seinen Kartoffeln vom Bahnhofe wcg in die nicht nothleidende Gemeinde und verkauft seine Liebesgabe mit erheblichem Pri-fit, weil er ja zu Hause schon mehr Kartoffeln hat, als zn ernte» pflegt. Einem Zweiten er sagt:„Ach Iva? werde ich hier so Kartoffeln genug z» Haufe", wendet sein Fuhrwerk und fährt leer nach Hanse. Da ist die Mahnung wohl angebracht, daß die Herren von de» Hilfskomitees bei der Veriheilung der Liebes- gaben etwas vorsichtiger sind, damit nicht die Wohlhabende», sondern vi«, wirklich. RAlHkcheicheu, dieselben.bekonyuen.-, - VI, c-Das- Ml«Gericht•nivirs tMMPi dfis-MedaNM«:« iffli'jVJ Ok:od« van ver Itraskotn«er wog»! VeKi iffnam<>*« slum BlSmarck durch' Abdiittr eineS ZwiegtspickichS spvisthe» �vd und. zu drei Monaten Gesängniß veruriheilt worden war.— — Ein Beitrag zur A Ii w» U d n n zj des§ fgg des Str.-G.-B. Vom Schöffengericht in Neichenbach ii; Schlesien war am 20. Oktober er. der Redakteur des„Prolelrriers ans böni Enlengebirge" zu 50 M. Geldstrafe veruriheilt worden, weil er den LnndlngS-Abgeordnete» Schoos durch eine Notiz im genannten Blatte, die sich mit dem bekannten Anitreten des Abgeordneten zn gimsten der preußischen VeceinSgesetz-Novelle beschäftigte, beleidigt haben sollte. Während nun in verschiedenen ähnlichen Prozessen der neuere» Zeit dem Angeklagten der Schutz des<5 193 des Strafgesetzbuchs(Wahrung berechtigter Interessen) zugebilligt worden ivar, war dies dem AngelkeAlcu chiex: verwiigerl. worden. Ter angetlagle Siedaktenr hntt» V-Shstb i sßco»»» mdnssi Ubshsil' erster Instanz Vernfnng eingel,�e,Me�z>ie,i�:.. die Straskammer des Laiidgenchts-. up Schwcchwtz �.l�ch«men halte. I» der Begründung des Ilrtyeils erster Instanz hcigi'«8: „Das Vorhandensein berechtigter Interessen ist dann gruNdsatzUch ausgeschlossen, wenn das Interesse, für das der Thäier kämpfte... den Thäier selbst in keiner Weise berühre." Hier setzte der Angeklagte mit der Begründung seiner Bernfiing ein und führte etiva soigendes aus: lliizweiselhast wäre er doch in seinen Interessen als Stanlsbürger auf das schwerste geschädigt worden, wen» die Vereins- gesetzGiovelle Annahme geknndeii hätte; deshalb hätte er, als er sich gegen den Abgeordneten Schoos wandle, entschieden in Wahrung berechtigter Interessen gehandelt, und er glaube dieses Ilecht NM so mehr für sich in Anspruch nehmen zn können, als in einem ähnlichen Prozeß das Landgericht in Magdeburg erkannt habe, daß der Schutz des � 193 in Anwendung zn kommen habe, wenn es sich»in Wahrung staatsbürgerlicher Rechte handle. Dem Pfarrer Thünunel sei beim Landgericht in Elbersetd dieser Paragraph cbenfchlS zu gute gekommen, trotzdem er die schwersten gegen eine Anzahl Personen gerichtet Halle. Der. v. Slnmm. der den Abgeordneten Siöcker den Val«» ,her genannt habe, habe diesetbe Wohllhat genossen. DnS. von dem Landrath v. Piittkamer-Stolp. dem Freit errii »nd dem Pfarrer Nmiinami. Er(der Angeklagte)'-ßir-.zW MLlb was diesen Herren recht sei. müsse ihm als WW�iuANNen auch billig sein. a'J.wiu;' Ter Siaatsanwailt hielt e? nicht für»cklbifl/, ein Wort zur Begründung seines Antrages ans Veiimjw« ,4� Beriffung zu sogen Das Gericht erlannte nach dem der Begründung, daß der Zlngcli hätie wahren könne», da der Zlistimmilng zn der Vereins�esei —Zur Handhab in O b e r s ch l e s i e 11 Piivatdcpesche geschild sozialoemokratischeil mitlheilen, nicht Tlraiiuschtticig, Zvezembr. e r b 0 t, stie Staatsänivalls unter berechtigten Jnlercssen ?lbgeoidneten an der iubtrt hätte.— d-e«« e r s a m m l 11 11 g S r- ch t e ,1� uuseter Nr. 285 auf Grund einer iMiedensbrnch zur Verhinderung einer kuM spielte sich, wie inir berichtigend S, sondern in Pvrcmba ab.— Das gegen die w elfischen öffentlichen Anschlag- Vereine geuchlMz' s ä u l e n z n b.e� itH e n. ist z»r ü ck g e 11 0 m ni e n wordein Dresden, 8. Dezember. ReichSgerichtsmth Sie» g lein krilisirte heute im natidnalliberoe» Reichsverein scharf die Militär- Slrafprozeß-Vorlagc Tie Bersaiiimlniig ecllärle, der Relcbslag werde hoffentlich die schweren Mängel deljeiden de- seiligen. DreSdc», 8. Dezember(Eig.Ver.)«i? waMgrtiälMSii Agrarier des Landt.'ges sangen Heu« wieder einmat-das bSkannie sc! vre Li.!» vo» der Notblage der nwwhlhfchait. Dt« Rogiernng halte ihnen drei Gesetzentwürfe vselegt. die die«iiiffchrüng einer allacmein verbindlichen S ch l a,' v i e h-..nd F l° i s ch b e s ch a u str." die staalliche S ch l 9 ckt v i e h- V e r s 1 ch e r 1. n g. imd e'.dlich die Bekämpsnng ftr R �tiiberknlvse bezwecken, und diese G IcLcnheit konnten sie nicht vorübergehen lassen, ohne der Regierung ihre zahlreichen Herzenswünsche zu offenbaren. Diese Wünsche rnchlete» sich namentlich gegen die Einfuhr minderwerthigen billigen Fleisches ans außersächsischen Orten, um die sächsischen Viehprodnzenlen nicht zu schädige». Im großen und ganze» stimmen die Konservativen den Gesetzenlunirfe» zu, nur der Entivnrf über die Bekänipfnira der Ninderlnberknlose findet bei ihnen größere Be- denken. Die Natioimllrberalen erklären ihre einmüthige Znsliinmung zu allen drei Entwürfen, namentlich auch zu dem dritten Entwurf, der auch hinsichtlich des Nutzens für die menschliche Gesundheit der wichtigste sei. Fräßdors erklärt namens der Sozialdeinokralie die Sympathie der Partei für diese Gesetzentwürfe. Die Regierung ver- ivirkliche damit nur eine alte sozialdemokratische Forderung, die Lieb- knecht bereits 138(1 im Landtage erhoben. Die Kontrolle bei Roth- schlachtuugen könne nicht scharf genug sei», denn dieses Fleisch sei zumeist für Gesinde und Dienstboten bestimmt, die Herren aber, die hier eine laxe Handhabung der Kontrolle verlangen, würden sich für den Genuß dieses Fleisches bedanken. Redner knüpft seine Zu- ftimmung an den Nachweis der voraussichtlichen Koste» Die Konservativen sträubten sich gegen den Eulivurf über die Rinder- tuberkulöse, weil sie nicht wünschen, daß die Polizei ihre Nase in ihre Angelegenheiten stecke. Sie seien aber ja siaa��mnuj�t��eAi���b�onders wenn es sich um die Nieder- nnch����Smnrn�i�r�ezielle» Interesse der Laiidwirthschast. Der NUnisler sagt, soweit nicht Zollverlräge:c. dem entgegenstehen, möglichste Berücksichtigung der konservativen Wünsche zn. Wenn Fräßdorf recht gehabt, daß diese Gesetze schon früher von der Sozialdemokratie gefordert werden, freue es ihn nur, eine gerechte Forderung der Sozialdemokratie erfüllen zu können, wie die Re- gierung überhaupt die gerechten Forderungen der Sozialdemokratie zu erfüllen bereit sei.(Znruf links: Nach 26 Jahren!) Die Zuschüsse der Regierung würden sich auf 234 000 9TI. jährlich belansen Eine große Anzahl konservativer Redner äußern sich»och über die Borlagen, ohne neues dafür oder dagegen vorzubringen. Georgi(natl.) bestreitet, daß die Sozialdemokraten seinerzeit in besonderer Weise für solche Forderungen, wie die vorliegende». eingetreten seien. G o l d st e i n(Soz.) tritt dem entgegen und meint, wenn Abg. Steiger(k.) Fräßdorf Gemeinheit vorgeworfen, so sei die Verkürzung des Wahlrechts und des Versammlungsrechts seitens der Konservativen eine»och viel größer« Gemeinheit.(Ord- nnngsruf.) Fr äß darf liest deti Konservativen»och gehörig den Text über die von ihnen befolgte„Schädigung der Volksinleressen", und wird wegen dieses Ausdruckes zur Ordnung gerufen. Die Gesetzentwürfe werden der Gesetzgebungsdeputation überwiesen.— Miiuchrn, 9. Dezember. Kammer der Abgeordneten Bei der Wahl zum V ize p r äs i d e n t en wurde der Abgeordnete E u ch s(Z.) mit 79 Stimmen gewählt, während S1 unbeschriebene tinnnzellel abgegeben wurden. Abg. Fuchs lehnte jedoch die Wahl ab. Darauf wurde mit 30 Stimmen gegenüber 52 un- beschriebenen Zetteln der Abgeordnete Ludwig v. Keller(Freis.) ge- wählt. Auch bei der Wahl der beiden Schriftführer gab das Zentrum »»beschriebene Zettel ab. Es wurde» die Liberalen Wagner und Siöcker gewählt, so daß nunmehr das Zentrum im Bureau der Kammer nicht mehr vertreten ist. Vielen Dank für diese so ungünstige Entwickelung wird das Zentrum dem früheren Präsidenten Waller nicht wissen.— Karlsruhe i. B., 9. Dezember.(Privatdepesche deS„Vor- wärts".) Die zweite Kammer kasstrte einstimmig die Wahl der Wahlmänner aus Grötzingen und Klei»- Sleinbach(Wahlkreis D u r l a ch- L a N d). Morgen wird die heute schon überaus erregte Wahlprüfung der beanstandeten Wahl im Kreise Lörrach-Land fortgesetzt.— Aus Hesse«, 8. Dezember.(Eig. Ber.) Landtag. Die heutige Sitzung brachte elne lange erbitterte Wahlprüsungs- d e b a t t e, die ein bezeichnendes Licht warf auf die Wahl- k o r r u p t i o n der bürgerlichen Parteien. Es handelt sich um die von nationalliberaler Seite angefochtene Wahl des antisemitifcheu Abgeordneten Ohl, der nnt Hilfe der Ultramontanen de» frühereu uationalliberalen Abgeordneten Lautz ans seinem Wahlsitz heraus. geschlagen hat. Nur der begreifliche und dringende Wunsch der Nationalliberaleu, ihre knappe und unsichere Majorität in der Kammer durch Zurückerobernng des verlorenen Mandats zu stärken, läßt es verstehen, daß sie, die mehr wie jede andere Partei sich durch Skrnpellosigkeit im Wahlkainpf ausgezeichnet haben, es gewagt haben, mit den im Ausschußbericht niedergelegten Gründen die Kassirung der Wahl Ohl's zn verlangen. Es ist richtig. daß die Mittel, welche von antisemitischer und ultramontaner Seile angewandt worden sind, sehr anrüchig sind. Die Freibier-Ver- fprechungen, die persönlichen Verleumdung»» des Gegeiikandidale» in Presse und Flugblättern gereicht den urteutsche» Wahl- kämpjern und ihren frommen Verbündete» nichts iveniger als znm Rtztztii«,..... All«; wer ip, wie die Nationalliberalen im Glas- . tPsP sitzt, der sollte nicht anfangen, mit Steineii zu werfen. De> : Ahtz. v. Brentenv»heilte unter andere» schlimme» Dinge» mit, daß der uiionnlliderAWkandidat einen der zn geivinneude» Wabl männer befnchte in Gesetlschaft eines Gyuniasiallehrcrs, der„zufällig" de» Sohn des betr. WahlmanueS unterrichtete. Die Abg. C r a m e r und Ulrich ergriffen die Gelegenheit, um der Regierungspartei die maßlosen Verleumdungen und Ichamlosen Pressionen ins Getächtniß zu rufen, mit denen sie die sozialdemokratische Partei und ihre Vertreter bei den Wahlen niederzuhalten versucht habe». Sie konnten mit Recht betonen, daß die Sozialdemokratie stets energisch sür anständige Formen deS Wahllampfes eingetreten ist. Sie ist die einzige Partei, die sich fernhält von den unsauberen Praktiken. durch die die Kämpfer für Religion, Sitte und Ordnung das Votum des Volkes zu fälschen fuchen. Da ei» Theil der Nationalliberalen Wbst, wohl im Gefühl ihres schlechte» Gewissens, durch den Mund -es Abg. Graf Orioln erklärte, sür Giltigkeil der Wahl stimmen zu »ollen, so ist der Ausgang des Kampfes, der in der morgigen Sitzung erfolgen wird, nicht zweifelhaft. Herr Osann und feine Freunde iverden eine neue Niederlage zu verzeichnen habe».— Mainz, 8. Dezember.(Voss. Ztg.) Dem Alldeutsche» Verband ist von der großherzoglichen Regierung mitgetheilt worden, daß der deutsch-nalionale Reichsralhsabg. Wolf aus Wien als Redner nicht zugelassen werden könne.— Ter stellveitrelende Terichtsschreiber Franz Josef Nuß hier, durch dessen Schuld der Tagelöhner Peter Wols sechs Monate vergessen in Untersuchungshaft faß, wurde heute vom Schtvnrgericht ivegcn Verbrechens Und Vergehens im Amt zu 2>/z Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust verurtheilt. Naß hat jahrelang die Gefangenen gehörige» Gelder unterschlagen und durch Urkttnbenfällchnngen alles zu verdecken gewußt. Als im April 1397 der der Nnterschlagnng beschuldigte Tagelöhner Wolf »geliefert ivnrde, nahni er dessen Baarschafl ini Betrage von neu» iark an sich und versteckte hierauf die Prrsonalakten. Erst im Iktober wurde Wols. der vollsläudig vergessen worden war, bei einer ,!evisio» entdeckt. A»S Elsaß Loihriugcn, 3. Dezember.(Elg Ber.) Nach vorhergegangenen, Wortwechsel versuchte in vergnüge e> Nacht ei» Ge- freitcr des in der Fclsenfesiung Bilsch i» Garuiso» liegenden Jnf.-Reg. Nr. 171 eine» Unteroffizier seiner Kompagnie mittels Dienügeivehres zu erschieße� Durch das Dazivifchenkommen e�������i�MMMW���enße, ne� »'allen.— rch /ch» i t t sich ein Rekrut desselben megitneuis die Halsschlagader mittels eines iviessers, ivnrde jedoch noch lebend ins Garnisonlazareth gebracht, lieber die Motive der Thal des Nttglücklichen verlautet noch nichts Be> stimmles.— Am Sonntag Morgen machte ein Rekrut des in Mörchi»ge»(nuweit Metz) garnisouirenden 14. Ulanen- Regiments in einem nahen Walde durch Erhängen an einem Baume seinem jungen Leben ein gewaltsames Ende. Auch in diesem Fall« will man an maßgebender Stelle die Beweggründe der That nicht kenne».— — Chronik der MajestätSbeleidigun gZ-Prozesse Dem„Leipz. Tagebl." zufolge wurde der„Kladderadatsch" vom 23. November nachträglich auch in der Fürstliche» Residenz Greiz beschlagnahmt.— In voller Oeffentlichkeit wurde gestern wegen Beleidigung deS Kaisers von der vierten Strafkammer des Landgerichts 1 gegen den Kürschner Klaus verhandelt. Der Angeklagte machte am S. November dieses Jahres, nachdem er eben erst eine Freiheitsstrafe verbüßt halte, in der Münzftraße Spektakel, wurde diese, halb von einem Schutzmann festgenommen, erklärte diesem, daß er wieder ins „Loch" hinein wolle, weil es ihm dort so gut gefallen habe, nur deshalb mache er einen solchen Spektakel, und fügte schließlich in bezug aus die Reifen des Kaisers eine beleidigende Aeußerung hinzu. Der Gerichts- Hof verurtheilt« den Angeklagten nach dem Antrage des Staats- anwalts wegen Majestätsbeleidiguug zu 1 Jahr Gefäugniß und wegen groben Unfugs zu 4 Wochen Haft, welche durch die Unter- suchuugshast sür verbüßt erachtet wurden. Zn derselben Zeit wurde ebenfalls wegen Majestätsbeleidigung vor der 9. Straskammer des Landgerichts I gegen den Arbeiter Paul Taube verhandelt. Auch hier fand ein Ausschluß der Oeffentlichkeit nicht statt. Taube saß angetrunken in einem Lokale mit mehreren Bekannten beim Bier, es wurde politisch gekannegießert und mit schwer lallender Stimm« that der Angeklagte die beleidigende Aeußen.ng, welche ihm 8 Monate Grfängniß einbrachte.— Oesterreich. Wien, 9. Dezember. Das offiziöse„Fremdenblatt" stellt fest daß uugeuchlet der augeublicklicheii Erfolglosigkeit der zi>> Klärung der parlamentarischen Lage geführten Verhandlungen sich zwischen den Parteien eine Annäherung in wichtige» und praktisch bedeutsame» Punkten ergeben hat, da die Deutschen soivohl wie die Ezechen bedeutend konzilianter auftreten. Wenn diese Annäherung durch die unausbleibliche weitere Ernüchterung eine Vertiefung findet, kann sich schließlich in nicht ferner Zeit für die Regierung die Mög- tichkeit einstellen, über die Differenzen hinaus, welche die Parteien zum Schluß noch getrennt haben, zur Reaktivirung desPar- l a m e ii t e s zu gelangen, welchem Ziele gewiß alle Parteien gleich aufrichtig zustreben. Wien» 9. Dezember. Seitens der Linken wurde heute ein Communiquö ausgegeben, in welchem es heißt, daß die seit dem Auitsautritte des Miiiisterpräfldeuteii Frhrn. v. Gautsch zwischen diesem und den Parteien der Linken geführten llnlerhaiidlniigen vorläufig zu keinem Ergebnisse geführt haben. Der Ministerpräsident habe dem Abgeordneten Funke mitgetheilt, daß er die Verhandlungen derzeit als abgeschlossen betrachte. Die Obmännerkonferenz der deutschen Linken, die heule nochmals im Abgeordnetenhaus« versammelt gewesen sei, hätte die besondere Wichtigkeit anerkannt, welche die W i e d e r a u f n a h m e ordnungsgemäßer Ver- Handlungen des Parlaments im Hinblick auf die politische und wirthschafiliche Stellung Oesterreichs gehabt hätte und be- da erte daher, daß das vorgelegeue Verhandlnngssnbftrat die Er- reichling des augestrebten Zweckes nicht herbeigeführt hätte. Nichts- deslvweniger seien die Obmänner bereit, die V e r h a n d- l u n g e n im geeigneten Momente fortzusetzen und mit- zuwirke» an der Beseitigung der Differenzen in Böhmen und Mähren und an der H e r st e l l u n g geordneter n a t i o- naler Verhältnisse zwischen den beiden Volksstämme» dieser Länder.— Wie», 9. Dezember. Die österreichische Delegation uahm das Marinebudget an. Vize- Admirnl Baron Spann Halle erklärt, die Verhällnifse der Marine, inbefondere bezüglich ber Panzerschiffe und Maschinen lägen ziemlich ungünstig Die österreichisch- ngarische Kriegsmarine bedürfe einer bedeutenden Verstärkung. So wirkt die Schraube ohne Ende!— Prag, 8. Dezember. In der Nacht von Dienstag zum Mittwoch sind 64 Persoiicn verhaftel worden, darnnter 24 wegen Diebstahls, fünf wegen Verdachtes der Plüiiderung und wegen des Verdachies. einige Fensterscheibe» in den, allgemeinen Krankenhaiise eiiigeschlngen zu haben. Ei» 17 jähriger Tapeziererlehrling ist verhaftet»nd dein Strafgerichte eingeliefert worden.— Prag, 9. Dezember. Kaiser Franz Josef spendete 1800 Gulden für die bei de» jüngste» Straßenunruhen in Prag verwundeten Unter- osfiziere und Mannschaste». Das Korpskommaudo hat dem Staatsanwalt die Anzeige er- stattet, daß am 1. d. M.«ine PnirouiNe des 7. Dragoner-Regimenls aus dem Feilster eines Hauses a», Allftädter Ring mit siedendem Wasser begossen wurde. lvriiun» 9. Dezember. Gestern fand hier eine Versaininlmig iadlkaler Juiigezechen stall. Nach Ecdlilb derselben wollten die Theiliiehmer au der Bersaiiimlung, nationale Lieder singend, durch die Stadt ziehen, wurden jedoch von der Wache zersprengt. Es sanden Gegenkilndgeblingeii Deutscher, nielst Siubenteii und junger Burschen, statt, die ebenfalls von der Wache zernrent wurden. 24 Personen, darunter viele Mittelschüler, wurden verhaftet. Die Kundgebungen trugen ketnen ernsten Charakler.— Nngarn. Vndapcst, 9. Dezember. Das Abgeordnetenhaus setzte die Tebaite über die Art der Verhandlung der Provisoriniiisvorlage fort. Franz Sinia tadelte die Nalwiiatparlei. daß sie in diesem Kampfe die äußerte Linke nicht»nlerstütze. Polonhi richtete die Anfrage an die Regierung, in ivelchem Slande sich die Quoteiifrnge befinde. Ob es der Opposition mit ihrer Obstruktion gelingen wird, die Verhandlung des»enen Ailsgleichsporvijorinmsgesetzes zn hinlerlreiben, kann noch nicht gesagt werden.— Budapest. 9. Dezember. Die MeimingSuerschledenheilen zwischen dem Minister für Kroation v. Jostpovich und dem Finanz- minister v. Lukacs über das Echm kregal in Kroatien sind sreuudschasiuch begliche» worden, lodaß v. Jostpovich im Amte verbleibt.— Luxemburg. Lnxcnibnrg, 8. Dezeiuber.(„Franks. Ztg.") Nach zebntägiger Debatte nahm im letzie» Augenblicke die Kammer mit 27 gegen 16 Sliiiimeii die Aenderiing des Schulgesetzes an, wonach die Mil- Wirkung der Lehrer beim Religionsmilmicht erweitert wird. Bewährte Freunde des Staaisniinisters fielen ab und stimmten gegen die Regierung, deren Slellnng, wie allgemein angenommen wird, geschwächt ist.— Frankreich. PariS, 3. Dezember.(Eig. Ber.) Echeurer-Kestner's Interpellation über d i e Drevfiis-Affärc hat einige wichtige Pniikle aufgehellt. Der Interpellant durfte, ohne von den Mlnislerit demeiitirt zu werden, die iiiizwetdcutigen Worte aus- sprechen, daß die Verurlheilung des Drcyfus einzig ans dem Borderan beruhe. Demnach sällt die von Meline im Senat wiederholte Be- haiiptung, die schwebende Esterhazy-Affäre habe mit der Dreyfiis- Affnre nichts zu thuii, in sich zusammen. Es ist eine feige und pliinipe Ziveidenligkcit zum Zwecke der Bernhigniig der von den chauvinistischen Schreiern lerrorisirten öffenilschen Meinung. Ferner erlangle Scheurcr-Kestner vom Kriegsminister die Zusicherung, daß das Bordercan einer neuen Haiidschriflcn-Experlise werde nnter- zogen werden. Und was die Betheiierilngen des Knegsnilnistcrs in bezug auf die Schuld des Dreyfus belriffl.(o schwächle Meline dieselben in einem Grade ab, daß sie nur noch eine reln formale Be- dciituiig behalten. Der Kriegsminister, meinte Meline. sei als oberster Cbef der Armee verpflichtet, die Gerechtigkeit des kriegsgerichtlichin Urlbeils aiiziierkenlieil. Schließlich hat Scheurer-Kestiier die beiden Minister ziini Gestäudniß gezwungen, daß sie in der Soniiabend- Sitzung der Kammer gelogen haben, indein sie behaupteten, von ihm keine Dokumente„bekoinmeii" zuhabe». Das Wörtlein:„bekommen" wurde absichtlich gebraucht, um sich dann herauslüge» zu können. Sie haben nur in dem Sinne keine Dokumente„bekommen", daß sie die fhnen von Scheurer-Kestner vorgelegten Dokumente nicht in Empfang nehmen wollten. Doch die Lügen der gegenwärtigen Minister sind nicht mehr zu zählen. Das ist ihre wichtigste Waffe im parlamentarische» Redekampf. Beachtenswerther ist der Gegen- sah zwischen den Aiisführungen Meliue's in der Kammer und im Senat. Dort, angesichts der stürmischen chailvinistischeii Aufregung, suchte Meline jeden Schein der Jdeengemeiiischaft mit den Anhängern der Revision des Dreysus-Prozesses abzuwehren. Hier, im Senat, wo er Scheurer-Kestner und dessen Freunden Rede und Antwort stehen mußte, hütete er sich nicht nur vor jeder Parteinahme, sondern er suchte sogar durch die erwähnte Abschwächiing der Erklärungen des Kliegsininisters die Revisionsfrennde versöhnlich zn stimmen. Ein weitere» Merkmal de» zweideutige» Verhaltens der Regierung in der ganzen Affäre... Der Senat hat einstimmig bei Enlhaltnitg der radikalen Minderheit, die Erklnrmigen der Minister, einschließlich des Eingeständnisses der Lüge, ge- billigt. Auch Scheurer-Kestner stimmte für das Vertranensvotum. Der Mann muß mit einer grenzenlose» Vertrauensseligkeit ans« gestattet sein. Die antisemitischen Studenten versuchten gestern eine Straßenkundgebnng vor dem Senat und gegen den„Figaro". Wie die Alte» sungen, so zwitschern die Jungen. Es ist ein Glanbeiis- und Piogramniarlikel der erwachsenen sranzösischeii Anti- semilen, daß Dreyfus ein Verrälher ist. Die Kundgebung mißlang kläglich. In ihren besten, d. h. vor der Polizei gesichertsten Augen- blicken zählte ste höchstens 200 Nadanniacher. Dr»»i0»t mid Roche- fort versichern aber, daß Treysas' Rehabilitation das Signal zu Barrikadenkäinpfen wäre...— Jtali«». Rom, 9. Dezember. Z a n a r d e l l i nahm das Justizportefenille an; auch Visconti Venosta erklärte sich nach einer Unlerrediiiig mit Rudini bereit, das Mimsterinm des Aeußern wieder zn über- »ehmen. Das Verbleiben der Minister di Rndini(Präsidium und Inneres), Brin(Marine), Luzzatti(Schatz) und Codronchi(Unterricht) wird für sicher gehalten. General San Marzano soll sich zur Uebernahme des Kriegsporlcfeiiilles bereit erklärt habe». Bezüglich der übrigen Ministerien dauern die Unterhandlniigen fort, doch ist noch nichts EndgilligeS bekannt. Mailand, 9. Dezember. In M o d e n a drangen gestern 400 Arbeiter ins dortige Rathhans ein und ncilangten unler Drohungen Brot und Beschäftigung. Militär wurde aus- geböte», die Lage bleibt sehr gespannt. Amerika. Rio de Janeiro.(Times.) Der fr a n z ö s i s ch-b r as il i a- nifche S ch i e d s g e r i ch t s- V e t t r a g hat die Genehmigung des Präsidenten erhalten. Ferner ist dort ein Zotiges e tz an- genoiiime» worden, weiches sür den Handel ungünstige Aeuderungen im Tarif einführt.—_ VÄvlcttnenkctzvifches. Der VniideSrath ertheille in seiner henligen Plenarsitzung dem Aus'chnß.iiilrag zu der Vorlage, beticffend den Eutwurf von Grund- sähen sür die Handhabung von Bestminmiigeil der Gewerbe-Ordnung über den Gewerbebetrieb im Umherziehen, insbesondere über die Mitfübruiig von Kindern, die Zlistiinmung, ebenso dem Aiisschlißantrag zu den Entwürfen eines Gesetzes, betreffend Acnde- rungen des Gerichtsversassungs-Gesetzes und der S t r a s p r o z« ß- O r d n u n g sowie eines Gesetzes, betreffend Aendernngen der Z i v i l p r o z e ß- O r d» u n g und eines zu- gehörigeii Einführungsgesetzes. Dir Kommission zur Vorberathnng eineS KefetzeS über die Angelegriihrite» der frritvilligeu Gerichtsbarkeit hielt .'«ster» iyie erste Sitzmig ab. In derselben wurden die ersten acht Paiagraphen im wesentlichen uiiveiändert aiigenoinmeii. Unsere Genossen in der Konimission haben eine Rrihe von Abänderungs- anträgen gestellt Von ihnen heben wir folgende drei hervor. Ein Antrag fordert A u f h e l> n n g des A n w a l l s z w a n g s für die Beschiverde-Jnstanze». Für das V o r n> n n d s ch a f t s g o r i ch t wird verlangt, daß dies mir unter Zuziehung zweier Schöffen Beschlnsi lassen dürfe. Endlich wird den bekaiiiiten Mißständen bei Abnahme von Eiden gegenüber beantragt:„dem Z l4 als zweiten Ansatz zuzufügen:„Der Eid darf nur nach beendeter Ver- nchmung abgenommen weiden. Vor der Beeidigung sind dein Zeuge» oder Sachverständigen die seiner Aussage ent- gegeiistehenden Bekundungen und dem Gericht bekannten Beweismittel bekannt zn machen. Ei» Stichler, ber diese Bekanntmachung unter- läßt oder mit der Sache in keinem Zusammenhang stehende Fragen an den Zeugen oder Sachverständigen richtet, ist wegen Anstiftung z»i» Meineid unter Anklage z» stelle». Dasselbe hat zn geschehen, wenn der Richter sich untersängt, dem Zeugen oder Sachverständigen Fragen darüber vorzulege», weich« Anstchlen eine ReiigionsgeseUschaft oder Anhänger einer politischen Partei über den Eid haben." Die nächste Sitznag der Koinmisston findet heute Vormittag statt. Nitser Züricher Parteigenosse Conrad Coiizett ist am Miltivoch, den 8. Dezember, u» Züricher See ertrunken. Er hat, wie die„Züricher Post" miltheilt, von Sorgen und Gram umnachtet, den Tod selbst gesucht. Zn geschäitlichen Mühen und Plagen kam, daß einer seiner Söhne im Militärdienste schwer vernnglückle; das Leide», dem der Sohn verfiel, beugte auch den Vater. Für die Sozialdemokratie, speziell die Züricher Parteigenossen ist Coiizclt's Tod ein schwerer Verlust. Wemi im letzten Jahrzehnt gerade in Zürich die Arbeiterklasse mehr und mehr sich der Sozialdemok.alie angeschlossen hat und diese henke zu einer achtniiggebielendeii, einflnßmchen politischen Partei nicht blos im Kanton Zürich, sondern i» der ganzen Eidgenossenschasl geworden ist» die in den Geiiieiiide- wie Regiernngs-Behördeil ihre Vertreter ebenso hat wie in den Knntonsrälhen und im Nalionalrath, so carf»m» von diesem Eriolge ein gut Theil dem agitatorischen Eiser und Geschick deS Genosse» Conzett zuschreibe». Conzett, der kanin d. s 43. Lebensjahr erreicht haben dürfte, war ein geborener Graubündner ans Chnr und von Beruf Schristsotzer. I» jungen Jahren schon zog er übers Meer nach Aineritn, wo er gar bald in die sozialistische Arbeiterbewegung hinci' gezogen wurde, in der er, enlspiechend seiner JnleUigenz wie Arbeitslust und Arbeilskraft, rasch l» die vordersten Reihe» gedrängt wurde. Er geHörle— 1878 oder 1876— zu den Gründern der„ A r b e i t e r- Z e i t u Ii g" in E h> c a g o, die damals als Wochenblatt erschien und zu deren Her- stellm g Conzett ans seinen Ersparniffen und mil Hilfe der Chicagoer Genossen eine eigene Setzerei errichtete, so daß er Setzer und Redakteur in eigener Person war. I» zahlreichen Leitartikeln, die ihrer populären Fnssnng wegen virlssch nachgedruckt wurden, propa» girte er mit großem Erfolge die Lehren der Sozialdemokratie. Ilm das Jahr 1880 herum kehrte Conzett t» seine Heimalh zurück, gniudele t» Chnr eine eigene Druckerei und gad den sozialvcinokralischen„ V o l k S f r e u n d" heraus. Unter kluger Anpassung an die kleinbäuerlichen Verhältnisse seines Hcimathkaniones und unter vorsichtiger Ausbilduug des demo- kraliichen Chai alters der dortigen Bevölkerung schuf er in verbältuißmäßig kurzer Zeit die Grundlagen einer Beivegnug, die das liberale Graubüiidener Regiment erfolgreich bekämpfte und schließlich stürzte. Seinem Einfluß und seiner eifrigen Thatigleit war es zu danken, daß der s o z i a I i st i s ch e internationale Weltkongreß, der während des Sozialistengesetzes nach Zürich einbernsen war, nn» gestört in C h»r tagen konnlc, nachdem es de» wüsten demagogischen Agitationen der Züricher liberalen»nd reaktionäre» Chauvinisten ge- lniige» war. ein vom Bniidesgericht bestätigtes Verbot des Kongresses seitens derZüricher Regierung mittels einer von ca. 30 000 Unlerschriflcn bedeckten Pelilion herbeizuführen. Anderlhalb Jahre später siedelte er nach Zürich über, übernahm die Redaktion der „ A r b e i t e r st i m in e", des schweizerischen sozialdemokralischen Zentralorgans(der srühere» Greulich'scheu„Tagwacht"), sowie der Tchweizerischen Vereins- Buchdruckerei in in deren Bering nuch der„Sozialdemokrat" dl« Leitung H o t t l n g e n, erschien. Die damaligen Verhältnisse der schweizerischen sozinldemokraiischen wie der Geiverkschaflsbewegung waren ziemlich verfahren, der finanzielle und Zlboiinenteustand der„Arbeiterstimme" keineswegs erfreulich; dem Geschick, dem Agitationseifer»nd dem persönlichen Einflnsse Conzett's gelang es, vorhandene persönliche Gegensätze zn mildern und auszugleichen und frisches Leben in die Agitation zu bringen, so daß bald sowohl der Abonnentenstand der„Arbeiter- stimme" wie die Bedeutung der Sozialdemokratie nnd der Arbeiter- bewegimg überhaupt sichtlich von Tag zn Tag stieg. Die deutsche Sozialdemokratie ist dem Genossen Conzelt noch zu besonderem Danke verpflichtet. Als es dem brutalen Drucke der Bismarck- Puttkamer'scheu Regierung, die in der liberalen nnd reaktionäre» Bourgeoisie des Kantons Zürich eine bereitivillige und einflußreiche Stütze fand, gelungen war, die Bundesregierung der kleinen Schweiz zum Einschreiten gegen den Züricher„Sozialdemokrat" zu zwingen, infolge dessen dann über unsere Geiiosse» Öemst ein, Motteler, Schlüter und Tau scher die Ausweisung verhängt wurde, da trat bis zur Uebersiedelung des„Sozial- demokrat" nach London Genosse Conzelt mit seiner Person in die Schranken und vereitelte damit die erhoffte Unterdrückung des der deutschen Regierung so unangeneluuen Blattes. Bei allem schweize- rischeu Patriotismus, von dem Conzelt durchglüht war, war er zugleich im Innersten seines Wesens überzeugter interuationaler Sozialdemokrat. I» Zürich gründete Conzett, der ein überaus umsichtiger und praktischer Geschäflsmann war, später eine eigene Druckerei(die nachher in den Besitz des Grütlivereins überging) und schritt auch nach Niederlegung der Redaktion der„Arbeiterstinnne" zur Heraus- gäbe eines für den Kauto» Zürich bestimmte» Wochenblattes, des „Züricher Anzeigers", das, ohne gerade ossiziellen Parteicharakter zu tragen, selbstverständlich der sozialdemokratische» Agitation diente und bei alle» Aktionen und Wahlkämpfen der Sozialdemokratie dieser rückhaltslos diente. Conzett war der geborene Volksredner; einfach, klar, geradezu, mit einer gesunden Dosis Mutterwitz begabt, war er, der seine» Volksgenossen im Schiveizer Dialekte oft bittere Wahrheileu sagte, trotzdem oder vielleicht gerade deshalb bei den Masse» ungemein be- liebt und durch seineu derbe» Humor jedem Gegner gefährlich nnd überlegen. Bis in die letzten Tage diente er der Partei und war er von ihrem Vertraue» getragen. Die schweizer Genossen wie die deutsche Sozialdemokratie werden das Andenken des braven«C h n e r i"(Conrad) Conzett dauernd in Ehren halten!— Bei der Stadtverordiicten-Stichwahl in Forst in der Lausitz ist es nicht gelungen, unsere» Kandidaten Delor durchzubringe». Die Belheilignng war im allgemeine» schwächer als bei der Haupt- wähl. Damals wurden für unsere Kandidaten 244-254 Stimme» abgegeben, diesmal nur 242. Noch mehr sind die Stimmen der Gegner gesunken, und zwar von 470 bei der Hanptwahl auf ca. 400 bei der Stichwahl. Daß unsere Parteigenossen, die bekanntlich zum ersten Mal au der Stadtverordnetenwahl theilnahmen, keine» Erfolg erzielten, erklärt sich aus der Scheu, die ein großer Theil der Arbeiter Forst's noch vor der öffentlichen Stimmabgabe hat. Durch sortgesetzte Wahlbetheiliguug unserer Partei wird diese Scheu über- wunden werden. Polizeiliches, Gerichtliches ec. — Der Parteigenosse W i» d h o f s, Lokalrcdaktcur der „ N i e d e r r h e i n i s ch e n V o l k s t r i b ü n e", wurde vom Düffel- dorser Landgericht als Berufungsinstanz zu 3 Monaten Gcfängniß verurtheilt. Das Schöffengericht hatte ans 100 Mark Geldstrafe erkannt, gegen welches Urtheil sowohl vom Kläger wie vom Beklagten Berufung eingelegt worden war. Die llrheber der betreffende» Notiz, die vor dem Landgericht ihre Angaben nicht hatte» beweffe» können, wurde» ebenfalls bestraft, und zwar mit 3 Monau» beziehentlich 14 Tagen Gesängniß. GemeMMzÄMiches. Berlin und Uingebung. Holzarbeiter-Bcrband. Der Werkstait-Kontrollkominisston für den Bezirk Moabit gehören nach den letzten Wahle» an! Hoff- mann, M e l i tz, N o l t« m e i e r, W o r in, Ziege, Stach, L e in b esr g und T e ß in e r. Die Branerci Patzenhofcr ersucht uns davon Notiz zu nehmen, daß sie de» Bauunternehmer Appel in Wittenberge, der, wie der„Vorwärts" am Mittwoch an dieser Stelle miltheilte, dort für genannte Brauerei neue Kellereien erbaut, nicht auf einen bestimmten Termin festgelegt habe, diese» somit auch nicht habe ver- längern können. Gleichfalls sei gestern der Bauunternehmer brief- lich benachrichtigt worden, die Forderungen der Arbeiter rückhaltlos anzuerkenneil. Deutsches Reich. Achtung, Schuhmacher! Der Streik der Zwicker bei Bnrck- Hardt u. Soh» dauert unverändert fort. Die Firma Gotthardt Enke in Zwenkau sucht i» verschiedenen Blättern Zwicker anzuwerben. Enke hat jedoch nicht die Absicht, die Zwicker>» seiner Fabrik zu beschäftigen, sonder» sie nach Leipzig zu schicke», wo sie bei der Firma Burckhardt n. Soh» Streikbrccherdienslc verrichten sollen. Es wird deshalb gebeten, den Zuzug fernzuhalten. Der Streik der Weber bei der Firma Gebr. Wallach i» A a ch e n ist beender. Wie die Zlachener Blätter berichten, wurden von beiden Seilen Zugeständnisse gemacht. Alle Ausständigen sollen die Arbeit wieder aufgenonnnen haben. Die Gründung eines Waldarbeiter-BerbandeS des Herzog- thnms Gotha wurde am Sonntag in Schwarzwald perfekt. Stach einem Referat des Genossen Bock-Gotha wurde ein von demselbc» entworfenes Statut in den Hauptzügen angenommen und ein ans 7 Personen bestehender Vorstand gewählt. Der Sitz des Verbandes ist Schwarzwald, jedoch sollen»och an verschiedene» Stellen Orts- vereine gegründet werden. Tie Handschnhmachcr der Finna Jungmann in Breslau habe» init einem theilweiseu Erfolg ihre» Streik beendet. Tie Firma bewilligte eine Lohnerhöhung von 7 pCt.. mit welcher sich eine am Dienstag abgehaltene Versainmlung der Ausständigen einverstanden erklärte. Die Arbeit wird laut Beschluß am Mittwoch, den S. Dezember, wieder aufgenommen Der Streik hat drei Wochen gedauert; über Streikbrecher war nicht zu klagen. Ju der Möbelfabrik von H a f f n e r n. S ch ö n h e r r in Treuen im Vogtlande sind Differenzen ausgebrochen. Anstelle der jetzt zehnstündigen Arbeilszeil soll die elsslündige Arbeitszeit ein- geführt werden. Der Steinarbeiterstreik in Selb(Bayern) dauert fort. Die Firma Netsch suchte die Arbeiter dadurch einzuschüchtern, daß sie ihre Arbeit a» die Firma Wölsel übergab. Die Arbeiter haben aber beschlossen, diese Zumuthnng zurückzuweisen. Ausland. Zum Kampf der euglifchc» Maschiucubaucr ist wenig Neues zu sage». Die Idee, einen Gewerkschaftskongreß ein- zuberufen, beginnt festere Gestalt anzunehmen. Es ist beabsichtigt, ein Komitee einzusehen, welches die finanziellen Slugelegeuheiten zu regeln hat. Der bekannte Arbeiterführer John Burns hat in einer am Dienstag gehaltene» Rede ausgeführt, den Maschinenbauern blieben nunmehr nur noch zwei Wege offen, entweder eine Nationalkonventio» sämmtlicher Gewerkvcreine einzuberufen, um einen wöchentlichen Streikfonds von 15 000 Pfd. Sterl. zu schaffen. damit der Streik ans weitere sechs Monate sortgesetzt werden könne, oder den Streik für beendigt zu erkläre», die Vorschlag« der Arbeitgeber anzunehmen und möglichst schnell a» die Arbeit zurückzukehren. Bnrns sagte:„Entscheidet man sich für die letztere Eventualität, so will ich mich schnell nach den Centren der Maschinen-Jndustris begeben und de» Arbeitern die Nothwendigkett auseinandersetze». Das ganze ist eineZFinanzsrage. Je eher V die Geiperkvereine den Ernst der Lage, in welcher sich die Arbeiterfrage gegenwärtig befindet, erkennen, desto besser wird es für sie sein." Ueber das Ergebuiß der Abstimmling der Mitglieder der verbündeten Gewerkvereine besteht nicht der geringste Zweifel: Verwerfung der Vorschläge der Fabrikanten mit überwältigender Mehrheit. Die Führer der Gewerkvereine sind der Ansicht, daß der wirkliche Kampf erst beginne» wird, wenn die Maschinenbauer eine Niederlage erlitte» haben und die Annahme der Vorschläge der Fabrikanten dem ganzen Gewerkvereinsthum den Todesstoß versetzt.— Der Verband der senglischen Eisrnbahubcdieusteten hatte sich, weil die Eiscnbahngcsellschaften sich auf Unterhandlungen mit ihm nicht einlassen wollten. an das Arbeitsamt des Handels- Ministeriums gewandt nnd dieses ersucht, auf die Gesellschaften ein- znwirken, damit diese lieber vor dem Streik, als nachher, sich mit den Leitern des Verbandes ins Einvernehmen setzen möchten, da ein Ausstand der Eisenbahner gewiß nicht ii» Interesse des Publikums liege. Die Direktoren der großen Eisenbahn- Kompagnien lehnten, wie wir schon mittheilten, mit der Begründung ab, daß sie nur mit Abgeordnelen ihrer Angestellten direkt verhandeln würden. Das Arbeitsmul hat es nun abgelehnt, die Vermittlung zwischen den Kompagnien nnd der Gewerkschaft zu übernehmen. I» dem Schreiben wird hervorgehoben, daß die Eiseubahndedienstele» eine ausnahmsweise Stellung einnähme». Das Parlament habe diesem Um- stand Rechnung getragen, indem es Gesetze zu gunslen der 'Angestellten erließ, durch welche die Arbeitszeit geregelt wurde. Die Eisenbahn-Regulationsakte von 1693 habe die Wege angegeben, wie Klagen wegen übermäßiger Arbeitsstunden vorgebracht werden solle» nnd zu beHandel» sind. Gemäß dieser Akte habe das Handels- anit viele Vorstellungen zu gunsten einer Reduklion der Stunde» an einzelne Gesellschasteu gerichtet. Das Handelsamt hält es für angebracht, zu erklären, daß die betreffenden Gesellschaften gemeiniglich dem im Interesse der Augestellteu gegebenen Rathe gefolgt sind. Das Handelsamt hat keinen Grund, daran zu zweifeln, daß die verschiedene» Gesellschaften mit ihren Auge- stellten alle die Interessen der letzleren berührenden Angelegenheiten zn erörtern bereit sind. Sollte ein Fall einlrele», wo eine solche freundschaftliche Zusammenkunft auf Schwierigkeiten stößt, ist das Haudelsamt gern erbötig, seine guten Dienste zur Wegränmung solcher Schwierigkeiten zu leihen. Die entgegengesetzte Politik— nämlich mit den Gesellschaften irr corxors zu verhandeln— habe gar keine Aussicht auf Erfolg. Das Haudelsamt fühlt, daß es keinen Nutzen haben würde, mit den Gesellschaften in Ver� Handlung zu treten, um eine solche Konferenz zn erlangen. Endlich erklärt das Haudelsamt noch, daß jeder Versuch, die An- spräche der Angestellten mit Gewalt durchzusetzen, mittels eines Streiks, gänzlich der ausnahmsweisen Stellung, die die Augestellteu von der Legislatur gcforderi und auch erhalten haben, zuwiderlaufen würde. Der Versuch würde eine so völlige Mißachtung der Interesse» des reisenden Publikums verrathen, daß das Handelsamt nicht glauben kann, ei» beträchtlicher Theil der Eiseubahn-Angestellten wünsche in diesem Lichte zu erscheinen. Es bleibt abzuwarten, was nunmehr die Verbandsleitung unter- nehmen wird. Die Exekutive ist bereits zn einer Sitzung zusammen- getreten— die Beschlüsse sind noch nicht bekannt. Zur BaninlvollkrisiS. Tie Nachricht von der Zurücknahnie der angedrohten fünfprozentigen Lohnreduklio» seitens der Spinnerei- besitzer von Lancashire bestätigt sich. Am Dienstag kamen die Vertreter der Nnternehmer-Verbände in Manchester zusammen. Die'Aulworten der Unlcruekmer in der Provinz aus die Frage, ob, wenn die Arbeiter auf die Lohureduzirung nicht eingehen wollleu, eine allgemeine'Aussperrung vorgenominen werden solle, waren nicht derart ausgefallen, die Leiter der Fabrikanten-Bereinigungen zn einem Vorgehe» gegen die Arbeiter zu ermuntern. Attfvvnehmev-KlU'vbiinde. Tie Maiinheim-Brciucr Pct»olcnni-Zlkticngcsellschaft von dem Vorwurf der Monopolgeliiste freizusprechen, diese undankbare Ausgabe hatte der Direktor dieser Gesellschaft, Herr Packheiser, in der letzten Pleuarversauimlung der Mannheimer Handelskammer nnternoiinneu. Er gab eine eingehende, durch ihre»aive)Drcistigkeit verblüffende Erkläunig ab, nach welcher die von seiiier Ge- sellschast gelhauen Schritte im Publikum vielfach nicht ver- standen, auch wohl seiner Gesellschaft übel ausgelegt worden seien. Die Mannheimer Haiidelskaninier hat auf diesen Scherz des Herr» Packheiser klipp und klar geanlivorlet und ihre Stellung dahin präzisirt, daß sie eine prinzipielle Gegnerin aller monopolistischen Tendenzen ist._ Sozial rs». Tie Zentralsten« für Arbeiter- WohlfahrtScinrichti», gen hielt am Millivoch eine Konferenz i» Berlin ab, zu welcher eine große'Anzahl vv» Behörden»nd Wohllhätigkcils-Vereinen ec. eingeladen waren. Es handelte sich in der Hauptsache»>» die Er- örteiniig der Frage, wie die gegenwärtige Krästezersplitte- r» n g auf dem Gebiete der öffentlichen Wohlsahrlsbestrebungen zu vermeiden sei. Der erste Referent, Dr. B o d e aus Hildesheim, hielt »s für erforderlich, daß die Wohllhätigkeils- pp. Vereine engeie Fühlung mit einander uehiuen, damit ivichlige Frage» der Gesetz- gebiliig einheitlicher vorbereitet werden können>ind ei» Gegeiiciuander- aibcilc» der Aercine verhindert wird. Der zweite Referent, Stadl- rath Kalle aus Wiesbaden, trat ebenfalls für eine Konzenlrirutig aller Wohlfahrlsbestrcbunge» ei», da die jetzt vielfach herrschende Syftcuilosigkeit und der Maugel an Fühlung zur Kräfte- Verschwendung und zu Störnnge» führen müsse. Ter Vor- sitzende der Konserenz, Staalssekretair a. D. Dr. Herzog, stellte als Ergebuiß der Verhandlungen fest, daß die Zentralstelle für Arbeiler-Wohlfahrls-Eiurichtuiigeu, der die Herren Dr. Bode, Geheimralh v. Maffow und Landesralh Brandis als Komitee zur Seite Ircle», mit der Aufgabe betraut wurde, die vorbereitenden Maßregeln für eine Ziisanittienfassung der geineinsauitn Interessen zu treffen, mindestens jähUich eine Konferenz nach Art der heutigen Versanunlung einziibernsen und durch das Organ der Zentralstelle alle angeschlossene» mid befreundeten Verein« von Ver- sammlunge» i» bezug aus Ort, Zeit und Gegenstand in Kennlniß zu setzen. Auf der Konferenz waren u. a. vertreten: das braunschweigifche Slaatsniinifterium, das Ministerium für Elsaß-Lolhriuge», dos kaiserlich Statistische Amt, das kaiserliche Gesundheitsamt, das Rcichs-Aersichernngsamt, die Jnvalidiläts- und Altersvcrsicherungs- anstalte» von Berlin, Brandenburg, Braunschweig, die Magistrate von Hannover, Frankfurt n. Bt., Bremen, Dresden, Altona, Chemnitz, ferner mehr als 40 Vereine, u. a. der Verein für Sozial- Politik, der evangelisch-soziale Kongreß, der Verein gegen be» Mißbrauch geistiger Getränke, der Gesammtverband evangelischer Arbeitervereine, der katholische Verband Charitas n. s. rv. Die Thronrede bei Eröffnung des Reichstags schwieg sich völlig darüber aus, ob die soziale Gesetzgebung fortgesetzt werde» solle oder nicht. Meint man in Regicrungskreisen etwa, durch eine Zenlralistrnng der privaten Wohlihätigkeilsbestrebunge» um die Fortführung der sozialen Gesetzgebung herumzukorume»? Das wäre ein. verhängnißvoller Jrrlhm«. Ilm die Brosamen der Wohl- lhätigkeil verlaust tie deutsche Arbeiterschaft nicht ihr Recht aus Besserung ihrer Lage durch die Gesetzgebung. Die Wohlthäligkeiis- bcslrebuugen, deren Tendenz ja hauptsächlich dahin geht, den Unter- »ehmer» einen billigen und gcsügigc» Stamm von'Arbeiter» z» er- Halle», verrichten dem großen sozialen Uebel gegenüber nur Danaiden- arbeit. Eine Ansiiahui« dcS Bestandes säinnitlichcr Flnstfchiffc, die zur geiverbsmäßige» Frachlbesvrderuug dienen nnd mindestens 10 Tonnen(200 Zentner) Tragfähigkeit und dementsprechenden Raum- gehalt habe», sowie der P e r s o n e n d a m p f e r ivird ans An- orduuug des Buudesralhs am 31. Dezember d. I. vorgenommen. Den Schiffseignern werden zu diesen, Zwecke Fragekarte» zugestellt. Erhebungen über die Lage von Handel und Industrie, insbesondere iiber den Ar b« i l s mar k l läßt gegenwärtig die Regierung des Großherzogthmns Hessen durch die Kreisämter vornehmen. Man will namentlich wissen, wie sich die Lebenshaltung der Arbeiterbevölkerung im Jahre 1397 gestaltet hat und wie die Erwerbsverhällniffe gewesen sind. In den bisher eingegangenen Berichten wird nach Angabe der hessischen Blätter„festgestellt", daß auf allen Gebieten von Handel nnd Industrie ein Aufschwung zu verzeichnen war und daß demgemäß auch die Erwerbs- und Arbeitsverhältnisse für den größten Theil unserer- Arbeiterschaft „nur gute" zu nennen sind. DaS Wort„demgemäß" zeigt schon, waS es mit dieser Art „Feststellung" auf sich hat. Auch in den Kreisämtern Hessens könnte man wissen, daß der Aufschwung einer Industrie an sich durchaus noch nicht eine Verbesserung der Arbeiterlage im Gefolge hat, die inan mit recht als„nur gut" bezeichnen könnte. Gerichts ��eikung. Auf der Polizeiwache zu Juowrazlaw. Gegen den Redakteur der hier erscheinende» polnisch-sozialdemokratischen Zeitung „G a z e t a R o b o t n i c z a", den Parteigenosse» Schuhmacher Jgnaz Kaczmarek, wurde gestern vor der vierten Straf- kannner des Landgerichts I eine Anklage wegen Beleidigung durch die Presse verhandelt. Die Anklage betras«inen Artikel ans Juowrazlaw, der am 23. August Zeich»g erschien und in welchem ein AustrM-De) zwischen dein dortigen Polizeiwachlmcister K>rb>s und einem V abgespielt hatte, der in den Verdacht gerathen war, seiner eine Summe Geldes gestohlen zu haben. Der Verdächtigle sei zur Wache gebracht und dort durch den Wachtmeister Kirbis einem ersten Verhör unterworfen worden. Als der Geselle die That bestritt, habe der Beamte ihm zugeredet, er möge doch eingestehen, dann solle er auch eine Belohnung von 20 M. erhallen. Der Geselle habe trotz dessen geleugnet nnd nun habe der in Wuth geralhcne Be- amte ihn, den Degen aus die Brust gesetzt nnd gerufen:„Hund gestehe! oder ich steche Dich t o d t!" Der Bedrohte habe ruhig erividert:„Das könne»«oie Ihn», aber ich verstehe nicht zu lügen." Darauf habe der Wachtmeister ihm zwei S ch l ä g e mit der flachen 5t l i n g e über d e n A r m und verschiedene Fan st schlüge insGesichtversetzt. Später habe sich die Nnschiild des Verhafteten herausgestellt. Diese letztere Angabe entsprach der Wahrheit, aber die Mitlheilnnge» von de» Mißhandluugen solle» aus der Luft gegriffen sei». Wachtmeister Kirbis aus Juowrazlaw, der als Zeuge vernommen wurd-, beschwor, daß er de» Verhaflelen in keiner Weise mißhandelt halte. Der zweite Zeuge, Gefäuguißbeamler Lück, Halle bei der Zusamnieukunft vor der Zelle gestanden und das Gespräch Wort für Wort gehört.) Seine Aussage deckte sich im weseul- lichen mit der des Vorzenge». Dagegen machte der dritte Zenge, der Bäckergeselle Zahrzewski folgende Aiissage: Als der Wachtmeister zu ihm in die Zelle getreten sei, habe derselbe ihn genau in der Weise behandelt, wie in dem'Artikel geschildert worden sei. Nur habe der Beamte ihm keine Fausischläge gegeben, sondern einige Ohrfeige» mit der flachen Hand. Ter Zenge wurde dem Wachtmeister gegenübergestellt und Auge in Auge bezichtigte» sie sich gegenseitig der Unwahrheit. Staatsanivall Krebs beantragte die Per- Haftung des Zeuge» Zahrzewski wegen dringenden Ver- dachts des Meineides! Der Staatsanwalt beantragte serner gegen den Augeklagleu, der die Verantwortung für de» Artikel übernommen habe, eine Gefängnißstrafe von nenn Monaten. Der Gerichtshof kam zu einem freisprechenden Urlheil. Es könne nicht be- hauplet werden, daß der Zeuge Zahrzewski jeder Glaubwürdigkeit entbehre. Ter Vctveiö der Wahrheit müsse alS erbracht an- grsrhcn werden und der Angeklagte deshalb sreigesproche» werden. Von einer Verhaftung des Zeugen Zahrzewski wegen Ver- dachts des Meineides müsse natürlich Abstand genommen werde». Wegen Vergehens gegen 8 täZ der Reichs-Getverbc- ordnnng hatte sich auf die Denunziation eines jetzt Geistestranken gestern der Maurer Robert M i« t u s ch vor der 136. Abtheiluug des Amtsgerichts I zu verantworte». Es hatte in der Sache bereits/ einmal ei» Termin angestanden; derselbe mußte aber vertagt werden, weil der Zeuge Stunipe einen so konfuse» Eindruck machte, daß von ihm eine Nlarstellnug der Sache nicht zu erwarten war; es sollte deshalb»och«in Schutzman», an den sich Stumpe damals gewandt Halle, geladen werde». Stumpe ist in- zwischen als gemeingefährlicher Geisteskranker in eine Anstalt gebracht worden. Was die Sache selbst anbetrifft, so war zur Zeit des letzte» Maurerstreiks bekanullich ei» Arbeitsnachweis eingerichtet worden, welcher von den Streikenden gesperrt war. Am 4. August dieses Jahres begab sich der nicht streikende Maurer Stumpe in das Arbeitsnachweis-Bureau in der Kommandantenstraße, erhielt dort- selbst den übliche» Zettel und entfernte sich auf die Straße. Hier wurde ihm der Zettel eulriste»»nd es soll ihm von den Streikende» gedroht worden sei»:„Wenn Du arbeitest, werfen ivir Dich vom Bau herunter. Du Schlnnips" u, s. w. wart des Angeklagten wandte er sich �»» de». »nd erzählte diesem die Geschichte, iiidein treffenden seien iveggelanien; er machtslh'ffstmt als Thäter nicht ansnierksam, sondern Erklärte r. � wissen müsse, iver es gelha» habe. Auf den' Rüth des Schietzmanns holte sich Stumpe einen zweile» Zettel, während der Angellagl« sich cutfernl«; am Werder'schen Markt kam diesem Stunipe»ach und sagte jetzt zu ihm, er würde ihn anzeigen. Jetzt ging der Angeklagte dem Stumpe»ach. macht» ihm Vorwürfe und giebl auch zu, ihn „Lump" gescholten zu baden.— Der Staatsauwalt beantragte anS lhatsächlichen Gründen die Freisprechung des Angeklagte», da nicht seslgestcllt sei, daß der Angeklagte das Wort„Lump" als Ehr- Verletzung i» bezug aus§ 153 der Reichs Gewerbe-Ordnung gebraucht habe; ixcgen Belcioiguug aber sei ein Slrafanlrag nicht gestellt. Der Verlheidiger, Rechtsanwalt Dr. Herzfeld, bestritt, daß überhaupt eine Erriugung besserer Löhne bezweckt worden sei, wenigstens nickit direkt; vielmehr habe es sich nur um eine Sperre des Arbeitsnachweises gehandelt,§ 153 könne also gar nicht in Frage kommen. Der Gerichtshof war jedoch der Meinung, daß eine Erriugung besserer Lohnbedingunge» thatsächlich augestrebt wurde, er schloß sich jedoch in lhatiächlicher Beziehung de» Ausführungen des Slaaisaiuvalls und Verlheidigers au und erkannte aus kostenlose Freisprechung. Wegen verschiedener an Kindern begangener Si ttenverg ehe» ist gestern der hoch i» den sechziger Jahren stehende Zlrbeiler Bahn aus Spandau vom Landgericht II zu zwei Jahre» Gesängniß ver- nrtheitl worden. Doposchvtc und letzte Ztalcheichte»r. Budapest, 9. Dezember.(B. H) Bei einem in Dcbreszt« stallgejunden«» blutigen Zusammenstoß zivischcn rumäuischen in d ungarischen'Arbeitern wurden inehrere Personen gelödlel und viele schiver verivnudet. Paris, 9. Tezeniber.r»irf an. durch welche» das an'. 29. Otiober d. I. zivischcn den Staaten der latrinische» Miizizmiion getroffene. Abkommen betreffend die Vermehrung der silbernen Echeideiiiünze» genehiiiigl wird. Madrid, 9. Dezember.(W T. B.) J» einem heule ab- gehaltene» Ministerraihe gab Sagasla eine» znsainuienfassciidcn lieber blick über die SUckluugnahin�|er e�trojmische» Presse zur Bot- iii� Halte die Ver- » intervenirr». ? Rccht nnd die in ichlost seine der'Opernlioncn Friede auf de» schasl Mac Kinlcy's und belonid d�vc,. einigte» Staaten versuchen würden, st, sie die spanische Regierung bereit'siudeü w Ehre Spaniens zu verl heidigenT'Ter M.» Darlegungen mit der Erlläruirg, daß die mit Kuba zusriedeiistelleud seien und daß Philippinen bevorstehe. � SyraciiS, 9. Dezember.(B. H.)?l>lS Eiscrsnchl hat im hiesigen Theater der Orchesterdireklor Salvalore aus die Priuiadouua iltosillr eiiien Schuß abgefeuert und sich dann selbst erschossen. Die Sängerin trug Verletzungen im Gesicht davon. erantwortlicher Redalteur: Angnst Jacobey in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Drucl»nd Verlag von Max Babing i» Berlin. Hierzu S Beil., gen u. Itnterhaltnngsblait. St. 288. 14. IshtMg.| Ifildlf NeichskerA. s. E i tz u n g v o m s. D e z e m b e r. 1 u h r. Am B-mdesralhsttsche: Tirpitz. Grnf Posadowsky. v. T h, e l i» a»„. v. B ü l o w. Piäsident v. Bnol eröffnet die Sitzung nm IV4 Uhr. Auf der Tagesordnung steht die WeUerbcrathimg des F l 0 1 1 e» g e s e tz e s. Zlbg. Dr. Hnniniachcr(nail.): Meine Herren, ich bin in der ersrenlichen Lage, die Erklärung voranschicken zu können, daß meine politischen Freunde nach eingehender Be> r a l h>- n g e i 11 st i in in i g beschlossen haben, sich a u f Boden der Regierungsvorlage zu stellen. (Knills links: Aha! Beifall bei den Nationalliberalcn). Die Re- giernng stellt sich mit dieser Vorlage auf den Standpunkt, den der Vorstand der nationalliberaleii Partei selbst vorgeschlagen hat. Wir sind fest üderzengl, daß unsere gegenwärtige Flolle nicht ausreichend ist„ ihre Aufgaben zu erfüllen, weder für die Verthei- dignng der Küsten des Landes»och für den Schutz des deutschen Handels und der deutschen See- Interessen. Wir sind also bereit, die Regierung zu nntrrstiitzen, indem sie eine planmäßige, maßvolle Vervollständigung unserer Flolle verlangt. Wir halten auch die gesetzliche Regelung für um so wichtiger, als bei der Forldauer der früheren Schwankungen in der Erweilerung unserer Flotte nur Schädigungen für das Vaterland entstehen können. (Beifall bei den Nationalliberalen.) Wir sind endlich bereit, über die gesetzliche Regelung der Ersatzbauten, der Judiciisistellnng und der Besatzung mit der Regierung in Verhandlung zu treten und geben uns der Hoffnung hin, insbesondere nachdem der Vertreter des ZentniniZ. der Abg. Lieber, in so maßvoller Weise den Gegen- stand behandelt dal. etwas Gutes für das Land zu erreichen.(Bei- fall bei den Nationalliberaleii.) Wir haben auch die Bedenken, die geäußert wurden, nicht gering angeschlagen. Das starke, nationale Empfinden, das die nationallibcrale Partei seil ihrer Enlstehnng beseelt hat und niemals verlassen wird, hat er uns aber erleichtert. Über diese Bedenken hiiiwegzn- komme».— Der Vertreter der Sozialdemokratie. Abg. Dr. Schoen- lank fragt nach den Gründen, die die Regierung bewogen haben, mit dieser schweren Vorlage an den Reichstag herauzulreten. Es seien phantastische Großniachtsgelüste und Romantik, die dazu ge- trieben hätten. Eine solche Vehauptniig zeugt von einer in dcrThat fast unverautivortlichcn Voreingenomiueiiheit gegen diesen Entwurs. Meine politische» Freunde und ich erkennen darin den Ausdruck des Verantwortlichkeils- Bewußtseins vor der Geschichte.(Sehr richtig! in der Mitte.) Die Flotte hat sich nicht so entwickelt wie es hätte geschehen müssen. Wenn dereinst in einem Kriege, vor dein Gott uns behüten wolle, niisere vater- ländischen Küsten nicht vertheidigt werden können(Lachen), wenn es unmöglich stst, den Exporthandel vor wirthsckafUichen Schäden zu schützen— dann wird der Geschichtsschreiber dieser Tage sich lediglich an das Parlament halten; denn die Regierung hat ihre Schuldigkeit gethan. Ich spreche meinen Dank und den Dank meiner p 0 l i t i s ch e n F r e U n d e für d i e V 0 r l a g e aus. (Beifall bei den Nationalliberaleii.) Der Abg. Richter meinte, wir hätten schon zu viele Schiffe(Znrnf von Richter: Da habe ich kein Wort von gesagt! Heiterkeit), und Schoenlank meinte, die vorhandenen Strandbatlerien, Torpedos und so weiter seien für den Küstenschutz ausreichend; man wolle nur die armen Philister in Teutschland granlich machen. In der That finden! solche Ausführungen vielen Anklang bei den Philistern. Man beruft sich auch ans die Erfahrung während des Krieges 1870/71, die französische Flotte hätte fast gar keinen oder nur sehr geringen Schaden angerichtet. Aber ist es denn nicht be> kannt, daß sich die französische Flotte in einem durchaus unleistnngs- fähigen Znstande befand, noch schlimmer wir das Landbeer? Nur so ist diese Thatsache zn verstehen. Aber wird dies immer so sein? Ferner ist es doch der sranzösischen Flotte gelungen, den deutsche» Scehandel voll- ständig lahm zu legen. Ich wiederhole, daß auch nach unserer An- schanung der Charakter der deutschen Flotte nur der einer V e r- t heidig n 11 gsslotte sein kann; bei den Bedürfnissen und der Leistungsfähigkeit Deutschlands niüffen wir auf eine Offensivflotte verzichten. Aber die Flotte in u ß doch in der Ber- theidigung de IN Feinde offensiv entgegentreten können! Der Plan ber Regierung geht mit voller Klarheit und dem Bewußtsein der festesten Ueberzengung aus dieses Ziel los. Was sie fordert, ist vor allen Dingen nöthig zur Verhütung einer Blokade der Hafenstädte. Der Abg. Richter sprach davon, daß man doch nicht jedem deutschen Konsul ein Schiff vor die Nase setzen könne. Er zog einen Vergleich mit dem Schutzmann. Ich glaube, er hält uns selbst nicht für so naiv, daß wir das wollten. Wie der Schutz der Deulschen zum Ausdruck kommt, das zeigen die jüngsten Vor- gänge: so treibt man praktische Politik. Ja freilich, von solchen Zu- sanimenhängeii versteht Richter nichts; Imponderabilien kennt er nicht. Das, was nicht unmittelbar mathematisch bewiesen werden kann, ist von vornherein nicht für ihn vorhanden. Ich ver- zichte darauf, ihn zu überzeugen, daß ein starker unmittelbarer psychologischer Ziisamineuhnng zwischen der Machtstellung eines Staates und seiner wirthschaftlichen Entwickelnug besteht. Wie gering war der Eindruck unserer unbedenteuden Schiffe neben den mächtigsten Schiffen der sreinden Mächte in China! Und anderer- seits erinnere ich an die Verhältnisse in der Türkei und die nutz- bringende Thätigkeit der Deutschen dort. Die Entscheidung des Sultans, die Gunst der türkischen Regierung steht in unniittelbarein Zusammenhang mit dem Ansehen Deutschlands.— Und wenn früher Deutsche im Ausland sich in den Schutz freinder Konsuln begeben konnten, so können wir jetzt nicht mehr damit rechne», bei dem bedauerlichen, immer mehr hervor- tretenden Gegensatz der Engländer und Franzosen uns gegenüber.— Die bedentsamste Frage ist uns die des deutschen Exporthandels. Von allen Ländern der Welt nimmt Deutschland als Exportland die zweite Stelle ein; und die Eutwickclung des Exporthandels ist durchaus die wichtigste Frage für Deutschlands Znkunst. Doch gerade jetzt ist unser Export stark bedroht. Ein Theil unserer bisherigen Absatzgebiete beginnt, nach deutschem Muster, eine eigene Industrie sich zu schaffen, die die unserige verdrängen soll; ich nenne als die wichtigsten nur Japan und Australien: und durch Schutzzollsysteme wird unser Älbsatz dorthin vollends lahmgelegt. Vor allen Dingen aber kommt für uns die Handelspolitik von England und den Vereinigten Staaten in betracht; durch seine Kolonieen hat England eine Vorzugsstellung vor allen anderen Ländern, namentlich auch vor Deutschland, durch die Kündi- gnng des Mciftbegünstiguiigsvertrages soll der Export nach den englischen Kolonieen uns gänzlich verlegt werden. Noch gefährlicher für»ns ist die Politik der Vereinigten Staaten; diese geht darauf hin, daß alle übrigen aiiicrikauischen Staaten zusaiiiinen mit der Union eine» großen Zollverbaud gründen. Diesen Pananieriknnismus haben wir noch mehr zu fürchten als die Monroe-Doktrin.(Sehr wahr! bei den Nationalliberale»). Nun glaube ich nicht, daß in diesem Kampfe gegen den amerikanischen Bund Deutschland, oder überhaupt ein einziger Staat, eine� ausschlaggebende Rolle spielen lönnte; aber, wenn ei» einzelner Staat auch jenen Kampf nicht aufnehmen kann, so müsse» wir daraus hinarbeite», daß wenigstens ein mittelenro- päischer Zollverband zu stände kommt. Und in dieser Politik muß Dentschlnnd die Führung übernehmen; jetzt also fällt ihm die Auf- gäbe zu, rechtzeitig Machtmittel herbeizuschaffen, die die Verwirk- lichnny derselben ermöglichen. Ich habe hier von Dingen gesprochen, die erst dem kommenden Jahrhundert vorbehalten bleiben. Die Herren Schoenlank und Richter werden da wieder von romantischen Phantasien sprechen. Aber ich glaube, daß das, was ich vorgebracht, ebenso ans dem nüchiernen Boden der Wirklichkeit steht, wie das. was Herr Richter te.AwillK" gesagt. Unser Volk nimmt jährlich um 450— SOOOOO Menschen zu. Wie sollen all' diese Menschciiineiigen auf deutschem Boden unter- gebracht und ernährt werden? Es ist schon gesagt worden: wir stehen vor der Frage, ob wir Menschen oder Waaren expor- tire» sollen. Die Answandeniiig nach Amerika nimmt natnr- gemäß ab, seit dort kein Freiland mehr zu vergeben ist. Wir sind also bei der Znnahine der Bevölkerung auf stetige Ans- dehnniig des Exporthandels angewiesen. Ich weiß, daß man von solchen Dingen hier nicht mehr sprechen kann, ohne dem Vorivnrs zu begegnen, man nehme nur die I n t e r e s s e n der Unternehmer wahr. Ich halte diese Interessen für ebenso wichtig, iv ie die Interessen aller anderen bei der Industrie beschäftigten Personen. Aber ich meine auch, daß diejenigen, die das Gesetz ablehnen, sich nicht ver- dient machen um die Jndustrie-Arbeiter.(Widerspruch links.) Ich hatte von Herrn Schoenlank erwartet, daß er der Vorlage wenigstens eine wirthschafilkhe Seite abgewinnen würde. Er hat es nicht gethan und die Arbeiter werden zu der Ueberzengung kommen, daß er sie schlecht vertreten hat.(Widerspruch bei den Sozial- demokralen.) Was die formelle Seite der Vorlage betrifft, fo gebe ich Herrn Richter Recht, es handelt sich nicht um ein Septeiinat, sondern um ein Aeternat. Der Zustand der Flotte soll dauernd festgelegt werden. Thatsächlich ist auch eine Bindung des Etatsrechts vorhanden und ich verwahre meine politischen Freunde dagegen, als ob sie das Bndgetrecht des Reichstags gering schätzten. In der Praxis sehen aber die Dinge wesentlich anders aus. Wir haben im Reichstage schon ganz ähnliche Dinge gethan, wie sie in dieser Vorlage verlangt weiden. War es denn bei der Bewilligung der ersten Rate zum Nord-Oslsee-Kanal etwas Anderes? Mit der Bewilligung der ersten 10 Millionen gaben wir der Regierung das Recht, Verträge abzn- schließen, die Hunderte von Millionen in sich schloffen. Bei jedem Bahn- oder Kaseruenbau Ihnn wir bei der Be- willigniig erster Raten Aehnliches. Das in der Vorlage ver- laugte Septeiinat widerstreitet also nicht früheren Gewohnheiten des Reichstags. Der Abg. Richter hat es meisterhaft verstanden, die Beispiele und Vergleiche mit England und Italien als nnzutrcffend hinzustellen. Gewiß, wir haben keine parlamentarische Regierung. Ich wüßte auch nicht, wie bei der gegenwärtigen Zusammensetzung des Reichstages eine parlamentarische Regierung aussehen sollte. Man mag sich darüber freuen oder nicht, das ist hier eine ganz nebensächliche Frage. Das eine weiß ich: Weder in England noch in Italien würde ein solchesGesctz, das dieLandesvertheidignng angeht, im Parlament auf Widerspruch stoßen.(Bravo!) Bezüglich der finanziellen Frage theile ich die Ansicht des Abgeordneten Richter, daß nicht mit voller Sicherheit ans die Steigerung der Einnahmen in den nächsten Jahren z» rechnen sein wird. Aber die Vorlage ist zu ernst, daß meine politischen Freunde, wenn es nicht anders ginge, sich auch der Nothwendigkeit, neue Einnahmequellen dem Reiche zu erschließen, nicht entzichcn würden.(Aha! links.) In nothwendigen Dingen darf es an Geld im Deutschen Reiche nicht sehlen. Ein solcher Staat würde eine Schwäche an den Wurzeln seiner Kraft zeigen, die, Gott sei Dank, dem Deutschen Reiche noch innewohnt. Ich bitte Sie, die Vorlage in der Kommission eingehend und wohlwollend zu prüfen, damit die Vorlage mit großer Majorität, wenn auch>11 i t k l e i n e n vom Abg. Lieber bereits erwähnten Abänderungen, zu stände kommt. Der Reichstag wird dann von sich sagen können, daß er in seiner letzten Session sich wohlverdient gemacht hat nm die Ehre der Nation.(Lebhafter Beisall bei de» Nationalliberaleii und rechts.) Abg. Galler(südd. Vp.)(bei der Unruhe im Hanse schwer ver- stündlich): Wir lehnen die Vorlage ab, weil wir vor allem den Eingriff in die Volksrechte nicht gutheißen können. Wir wollen nicht ein wichtiges Volksrecht an eine Regierung preisgeben, die ein solches Vertrauen nicht verdient und nicht verlaugen kann. Die Vorlage bedeutet für uns einen Schritt weiter auf der Bahn des Marine« Absolutismus, durch den wir in eine Abentenerpolitik hineinzukommen fürchten. Die Landes- vertheidigung fällt bei uns fast ausschließlich dem Land- Heer zu, deshalb ist für uns die Entivickelung der Flotte von sekundärer Bedeutung; eine zu große Verniehrnng der Flotte könnte eher zur Schwächung als zur Stärkung unserer nationalen Wehikrast lühren. Die zärtlichen Versichernngc» für Handel und Industrie können«ns nicht rühren. Durch Kanonen kann man sich keine neue» Absatzgebiete erschließen und erschießen.(Heiterkeit.) Anbahnung von günstigen Handelsverträgen würden viel besser wirken. Die Flotte käme höchstens für den Exporthandel nach Südamerika in betracht. Dieser beträgt aber nur 8 pCt. der ganzen Ausfuhr. Ein weiterer Grund für die Ablehnung ist uns die gegenwärtige finanzielle Lage. Trotz der vom Herrn Reichs-Echatzsekretär in den Vordergrund gestellten Ueberschüsse wird das Schuldeninachen im Reiche lustig fortgesetzt. Mit der Bewilligung der Marine würde die Nothwendigkeit neuer Steuern Hand in Hand gehen. Nicht»nisonst ist in diesen Tagen die Gestalt Miqncl's am Bundesrathstisch aufgetaucht, wo sie so lange durch Abwesenheit geglänzt hat.(Heiterkeit.) Die Herren, die für die Voilage sprechen, machen gern in geränsch- vollem Patriolismus. Wenn es aber ans Zahlen geht, so überlassen sie diese unangenehme Thätigkeit huldvoll der Masse der kleineu Leute.(Bravo! links.) Die Stiminung ist im Süden trotz aller Marine- Reiseapostel der Vorlage gegenüber durchaus ablehnend. Für uns giebt es nur eine suxrowa lex, den Willen des Volkes. und den vertreten wir hier, wenn wir die Vorlage ablehnen.(Bei- fall links.) Abg. Zimmermann(Aittis.): Die Volksrcchte sind mir und meinen Freunden so heilig, wie dem Vorredner. Aber die Vorlage giebt nach dieser Richtung zu Bedenken wenig Slnlaß. Hier kommt das nationale Empfinden in erster Linie, die formelle» Bedenken der Vorlage stehen im Hintergrunde. Die Flotte muß leistungsfähig gestaltet werden und wir hallen es für nothwendig, daß die Vorlage in der Komiiiission eingehend ge- prüft wird. Wir wollen die Opfer bringen, die nothwendig sind, die Ehre Deutschlands zu wahren.(Beifall rechts.) Die wirtbschaftliche Bedentung der Vorlage muß aber genau geprüft werden. Die schlimme Lage des Bauern- und Handwerker- standes zwingt uns dazu, zu prüfe», ob überhaupt oder in dem ver- langten Umfange die Vorlage bewilligt werden kann. Für die Bauern und Handwerker ist die Regierung bis jetzt mit sehr viel schönen Worten, aber mit wenig Thaten eingetreten. Auch die Flottenvermehrung soll ja vornehmlich der Großindustrie zu gute kommen. Die Bauern und Handwerker sind aber die wahren Stützen von Thron und Altar und müssen vor allem gestärkt werden. Dieser Schutz erscheint uns noch nothwendiger. als die Verniehrnng der äußeren Machtinittel des Staates. Wir sind Gegner einer Politik, die den Wohlstand des Voltes in erster Linie bastren will auf die Export-Jndustrie mit ihrer Krisengefahr. Wir wollen im Jnlande Verbranch und Produktion in ein inneres Gleichgewicht bringen, iiin vom Auslande unabhängig zu sein. Gegen eine Neiiansiage des Caprivisnius müssen wir entschieden protestiren. Ein deutscher Bauer schreibt mir, der Großhandel solle doch die Kosten für die Marinevermehrniig selbst aufbringen. Solange dein deutschen Bauer nicht geholfen werde, sei er Gegner der Flottenvermehrnng. Das ist ein Bild für die Mißstiminung im Lande, die durch die verkehrte Regiernngspolitik herbeigeführt worden ist. Dieser Verdruß im Volke macht es nicht geneigt zu neuen Beivilligungen. Diese allgemeine Stiminung ist besonders verursacht durch das ablehnende Verhalten der Regierung zu Reichstags- Beschlüssen. Der Reichstag würde also«ine schwere Verantwortung auf sich laden, wenn er der Vor- läge zustimmen würde, ohne daß ihm bestimmte Garantien gegeben wären. Zu diesen Garantien rechne ich vor allein den Lieber'schen Fttiiez, 10. DkMbtt 1897. Vorschlag, daß die Geldansgaben maximal festgelegt werden. Zweitens müssen die Kosten ans die leistungsfähigen reichen Schultern gelegt werden. Hierbei fürchte ich, wird die national- liberale Par'tei versage». Voraussetzung für unsere Zu- stiminung für die Vorlage ist, daß die rechten Männer an der Spitze der Regierung stehen.(Lachen links. Ruf: Ahlivardt.) Unsere Bedenken find durch die Aussührnngen des Staats- sekretärs v. Bnlow, wie ich zugebe, sehr g e in i l d e r t w 0 r d e n. Unser Wohlivollen für die Vorlage wird so groß sein, wie das Wohlwollen der Regierung für den dentscheii Bauer. Wir stimmen für die Kominifsionsberathung und ich hoffe, daß die große Mehrzahl meiner p 0 l i t i f ch e n F r e N n d e f ü r eine durch die K 0 m m i s s i 0 n s b e r a t h n n g geläuterte Vorlage st i 111 111 e 11 wird, die uns vor uferlosen Flotlenplänen bewahrt.(Beisall bei den Antisemiten.) Abg. Hilpert(Banernbnnd): Wir haben seinerzeit für die Militärvorlagen gestimmt, gegen die Flottenvermehrnng hegen wir aber doch ernste Bedenken. Verlangen Sie von eine»! Vertreter lnndwirthscbaftlicher Interessen nicht unbedingte Znstiinuiung hierzu. Schon die Beschafsnng des Menschenmaterials für die Flotte wird Schwierigkeiten machen. Durch die nnglückseligen Handelsverträge verschenken wir 40 Millionen jährlich ins Ausland, da wird es schwer sein, die Mittel für die Flottenvermehrnng auszubringen. Im Volke herrscht große Mißstimmung gegen die Regierung wegen der Handelsvertragspolitik und der Ablehnung des Antrages Kunitz. Was das Volk fordert, wird imitier zurückgestellt. Es sind zwar einige neue Männer in die Regierung hineingekommen, aber das System scheint doch das alle geblieben zu sein. Doch be- halte ich mir meine s ch l i e ß l i ch e Stellung zur Flotte u vor läge vor, wenn die K 0 in m i s s i 0 n s' b e r a t h u 11 g e ii vorüber sind. Abg. Molkcnbnhr(Soz.): Meine Herren, ich hätte gewünscht, daß bei den ganzen Sieden nicht so sehr die patriotische Begeisterung in den Vordergrund gedrängt, sondern daß man mehr auf die Sache eingegangen wäre und mit kühlem Verstände die Sachlage geprüft hätte. Es ist ja eine schöne Sache, dieses starke nationale Empfinden, wie der Abg. Hammacher sich ausdrückt, es hilft ihm unter Umständen ohne Apparate über die allerschtvierigsten Sachen hinweg. Aber ich denke, man hat die Vorlage doch von einem etwas anderen Standpunkte ans z» betrachten, als lediglich von dem, was wünschenswerth ist, daß wir die allergrößte Seemacht sein köiniti», oder Gott weiß, was sonst noch alles, was der eine oder der andere wünschen mag. Es ist schon eigeiithümlich, daß man diese Vorlage ganz verschieden behandelt. Während sie selbst in ihre» Motiven wie in der Begründung durch die Marineverwaltung wesentlich darauf abzielt, die Panzerschiffe zu vermehre», also die Macht für einen Krieg in den heimischen Gewässern zu erhöhen, steht man, daß bei der Agitation i in L a n d e w e s e n t l i ch d a s H a n d e l s i n t e r e s s e in den Vordergrund geschoben wird. Nun, diese letztere steht ja der Marineverwaltung nicht so ganz fern. Das ministeroffiziöfe Bureau theilt die Ziffern mit und hat auch in der Denkschrift die Seciittercssen Deutschlands so recht in den Vordergrund geschoben. Aber gerade in dieser Denkschrift haben Sie uns noch nicht nach- gewiesen, welchen Aniheil eigentlich die Marine an der Entivickelung des Seehandels gehabt habe, ferner wie und wo die Marine zur Hilseleistnng aufgefordert ist, wie oft diese versagt werden mußte, und aus welchen Gründen. ob vielleicht die nöihigen Schiffe fehlte» oder ob die vorhandenen zu anderen Zwecken, sei es repräsentative», sei es Paradczwecken oder sonst irgendwo gebraucht worden. Es scheint bei diesen Reden fast, als sei unsere Marine so schwach, daß sie dem Handel nicht den iiölhigen Schutz angedeihen lassen kann. Nun haben wir aber gerade vorgestern in Hamburg in der gewiß unparteiischen Verfaniinlnng eines ehrbaren Kaiismaniis «ine unparteiische Stimme gehört. Der Präsident der Handelskammer, Herr Laeisz, befürwortete eine Resolution, in der die Vermehrung der Flotte gefordert wird, und hat über de» Schutz, den unsere Flotte bisher dem Handel hat angedeihen lassen, gesagt, daß während des Bürger- krieges in Chile und auch im brasilianischen Bürgerkriege deutsche Kriegsschiffe den dortigen kaufmännischen und Rhederei-Jnteressen krästigen Schutz durch ihr energisches und taktvolles Eingreisen ge- währt haben.„Gerade in Brasilien sind damals durch die An- Wesenheit deutscher Kriegsschiffe Uiisttinnieii gerettet morden und allseitig ist bekannt, daß die sranzösischen und eng- lischen Staatsangehörigen an die Regiernng ihres Landes mit der Klage sich gewendet haben, daß ihre Interessen bei weitein nicht so wie die der deutschen Firmen geschützt worden seien." Also die Hamburger Kanfleute wissen sehr gut, daß die deutsche Marine die Interessen der deutschen Kausleute in Brasilien besser zu schützen imstande war, als dies selbst bei de» Engländer» der Fall war. Die Gründe, iveshalb dies der Fall war, will ich später erörtern. Freilich fordert Herr Laeisz eine erhebliche Vermehrung dcr Flotte; es läge der Schiffsbau im Interesse dcr Industrie. Es hat de» Wunsch, daß den deutsche» Werften recht bedeutende Aufträge zu theil werden; das ist sicher: an dem Schisfsban sind sehr viele aus der Versammlung des ehrbaren Kaiismaniis betheiligt; außerdem, meint Herr Laeisz, hat jeder Rheder ein Interesse daran, daß die deutschen Werften immer leistungssähiger werden, denn dadurch wird auch der inländische Schiffsbau den Rhedern mehr zu gute kommen. Nu», wenn jene Herren sich wirklich so sehr für den detttschen Schiffsbau interessireii, warnni lassen sie immer noch einen großen Theil ihrer Schiffe im Auslände herstellen? Warum geben die Herren i»it dem starken nationaleii Empfinden noch immer so viel Aufträge nach England, die gnt in Denlschland ausgeführt werden könnten?(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Herr Laeisz spricht von dem Unglück, das entstehen würde, von den Un- snininen, die es kosten würde, wenn einmal die Häfen blockirt werden würden. Ja, waren es nicht dieselben Herren, die im vorigen Jahre durch ihr brutales Auftreten eine Monate lange Blockade des Hamburger Hafens geschaffen haben? Damals schrieb Herr Laeisz: ich könnte zwar bewilligen, aber es fällt mir nicht ein. Damals konnten die Herren einen blockadeähnlichen Zustand ertragen. Nun aber, heißt es, treten an unsere Flotte andere Aufgaben heran; namentlich der Herr Staatssekretär Graf v. Posadowsky hat sich am Montag nach dieser Richtung hin geäußert. Aber einzelne Fälle hat der Gras nicht angeführt; und wenn solche vorläge», so hätten die Herren vom ehrbaren Kaufmann selbst sie genannt. Mir freilich sind Fälle bekannt, in denen an die Flotte Fordernnge» gestellt sind, denen aber nicht entsprochen wurde. Ich erinnere an einen Fall ans dem Kriege zwischen Frankreich und Dahoineh; damals wurden einer deutschen Firma, die an Dahomeh Gewehre lieferte, dieselben konfiszirt; damals hat die deutsche Hilfe versagt und Herr v. Marschall mußte Frankreich recht geben, daß er die deutschen Faktoreicn geschlossen hat. Wir hätten, wenn wir um Hilfe angegangen wären, keinen Finger gerührt. Jetzt wird immer gesagt, es könnten große Fordernnge» an unfere Flotte herantreten und durch die Schutzzollwälle wäre eine ganz veränderte Basis für den Handel geschaffen. Ich möchte nur fragen: Soll mit der bis- herigen Taktik gebrochen werde»? Ob und in welcher Weise soll denn die Flotte helfe» gegen de» Schutzzoll? Ten Konkurrenzneid der anderen Produzenten kann man doch unmöglich mit Panzerschiffen bekämpfen.(Sehr gut! links.) Und weiter sagt man, wir müßten die Freiheit und das Leben der im Auslande lebenden Deutschen schützen. Gewiß halte ich das für angebracht; aber dann sollte man auch weniger Anlaß gcben dazu, daß sich im Ausland die Ansicht verbreitet: In Deutschland gilt das Leben und die Freiheit eines Menschen nicht viel. Zu gleicher Zeit mit der früher erwähnten Versammlung eines ehrbaren Kanfmnmis wurde wenige Schritte davon im Kriminaljustiz.Gebäude auch ein Stück Kolonialpolitik verhandelt. Es war eine Anklage gegen den Herrn v. Elbe, der wegen Rohheitsvergehett bestrast ist, der 1894 bei einer Fahrt von Groß- und) Klempopo einen Mnlntten wegen eines Diebstahls eines Bambusrohrs bedroht halte, sodaß dieser in seiner Angst ins Wasser sprang. Bald darauf wurde eine von Krokodilen angefressene Leiche eines Mulatte» anfgesunden. v, Elbe wurde ivegeu fahrlässiger Tödlniig angeklagt und— freigesprochen, weil die Identität sder Leiche mit dem Mulatte» nicht nachgewiesen werden konnte, obwohl zwei Weiber die Leiche als die des Mannes iviedererkannlen. Ich erinnere an die Urtheile über Leist, Wehlan, Peters, die doch auch ziemlich leidilsimiig mit Menschenleben umgegangen sind und trotzdem zu so minimalen Strafen vernrlheilt wurden. Da darf man sich doch nicht wundern, daß die Neger infolge dieser Erziehung auch dazu komme», leichtsinnig mit einem Menschenleben umzugehen.—. Nun ivar ja auch in Haiti die Freiheit eines Deutschen verletzt ivordeu. Haben wir in Dentschlaud nicht auch so manche Verletzung der Freiheit aufzuiveisen? Ick) habe füns Monate wegen der Marotte eines Staatsanivalts unschuldig in Nntersuchungshast sitzen müssen; da find keine Kreuzer nach Altona gekommen.(Heiterkeit.) Was soll nicht alles auf dem Spiele stehen! Z. B. das bekannte Schwimm- dock von Bloos ii. Voß, extra fettgedruckt in der Denkschrist, als sei eine besondere Gefahr, daß es von den Engländern oder sonst wein gestolxlen werden könnte! Ebenso die Hafenanlagen von Hamburg und Bremen. Diese können viel besser geschützt werden, als durch große Panzerflotte». In den 180 Kilometer, die Hainburg von der Elbeinündnng trennen, sind sehr viele Punkte, wo ei» feindliches Schiff auffahren kann. Ein Versuch, hier eiiizudriiigeu. wäre ebenso kühn, wie eine Attacke von Infanterie auf Artillerie in geschützter Stellung,»in» mag in bestimmten Kreisen derartige Kriegsthaten recht hübsd) und romantisch finden, in der Praxis sind sie unausführbar. Nu» wird gesagt, unsere Flotte sei zu schwach. Ich habe vorhin das Nrtheil des Herrn Laeisz angeführt, der unsere Flotte für sehr wohl fähig hält, die Haiidelsintercsseii Deutschlands zu schütze», selbst besser als England die seinen Woher kommt das? Es wird uns sofort klar, wenn wir einen Blick auf das Verhält n iß der Kriegsflotte zur Handelsflotte in England werfen. England hat allerdings eine große Kriegsflotte, nach dem Gothai- scheu Hoskalender Lö4 neue und 213 ältere Schiffe, insgesaninit 487. Demgegenüber müssen wir doch bedenke», daß die englische Handelsflotte des Mutterlandes 20 600 und in den Kolonie» lüOOO Schiffe hat. England hat also für je 76 Handelssd>iffe, die in de» Kolonie» registrirt sind, je ein Kriegsschiff zur Verfügung. Deutschland hat ca. 3600 Handelsschiffe; wir würden also bei 00 Kriegsschiffen bereits für je 39 Handelsschiffe ein Kriegsschiff haben, also' für 17 000 Registertons Ladefähigkeil ein Kriegsschiff, während England für 22 000 Registertons Ladefähigkeit ein Kriegsschiff zur Verwendung hat.(Hört! hört! links.) Lasse» wir aber die Schiffe i» den Kolonien ganz außer be- tracht, auch die wesentlich im Binnendicnst in England thäligcn Schiffe, so bleiben in England immer noch 16 103 Schiffe, die im Mutterlande beheimathet sind, und die wesentlich sür den Seedicnst in Frage kommen. Würden wir hier eine ähnliche Rechnung ans- stellen, dann könnten wir auch nicht so ohne weiteres, wie das i» der Denkschrist geschehen ist, die ganze» 3600 Schiffe, die im Hand- bück) aufgeführt sind, als Seeschiffe betrachten. Sobald Sie das Handbuch der Handelsmarine in die Hand nehmen nud bei de» Registerschiffen nachsehen, so finden Sie, daß das erste dort an- geführte Schiff ein Kahn ohne Mast ist(Heiterkeit links); der kann dock) aber nnmöglid) als Seeschiff gelten. Ei» sold)er„Kahn ohne Mast" wiederholt sich mehr als hiiiiderlmal im Handbuch.(Hört! hört! links.) Dazu kommen eine große Anzahl versclffedcner Schiffe, die lediglid) im Vinnendienst in Frage kommen. Zieht man diese alle ab, so erhält man noch 23 841 Schiffe. die entiveder als Handelsschiffe oder als Fahrzeuge für die See- sischerei in Frage kommen. Wir finde» hier also, daß England 16100 Schiffs hat mit 8 861 000 Registertons Ladefähigkeit und 240 486 Mann Besatzung. Da kommt also je ein Kriegsschiff aus je 34,5 Handelsschiffe oder auf 18 976 Registertons Ladefähigkeit. In Deutschland aber kommt ein Kriegsschiff ans je 25.8 Handels- schiffe oder 15 633,9 Registertons Ladefähigkeit. Scheu wir uns nun die Besatziiug an. Die englisdie Kriegsmarine hat 97 052 Mann Besatzung. Auf je 100 Man» Be- fatzung der Handelsmarine koininen also etwa 40 Mann der Kriegsmarine. Bei uns in Deutsdflmid kommen auf je>00 Mann Besatzung der Haudelsniarine 62 Manu der Kriegsmarine.(Hört! Hört! links). Sie sehen also, daß im Vergleich zur Handelsmarine bei uns die Kriegsmarine erheblich stärker ist, als selbst i» England Nn» wird uns zwar immer gesagt, Tcnlschland wäre erheblich leistmigsfähiger. Das hätte man etwas eingehender begründen sollen. Geiviß, es würde z. B. die Textilindustrie nock) sehr viel mehr Tuch für Flaggen liefern können, als wir Schiffe anzufertigen vermögen. (Heiterkeit links.) Älnd) die Eiseniiidnstrie würde so viel Material liefern können, daß wir 500—1000 Panzerschiffe in einem Jahrzehnt liefern könnten. Darüber werden die Herrn Krupp und v. Stumm gewiß Auskunft geben. Gewiß könnten wir eine Panzerflotte baue» und Parade» damit aufführe», wie sie die Welt»od) nicht gesehen hat. (Heiterkeit links.) Auch der Schiffsbau ist t>ad> Beliebe» leislungs- sähig. An den Wasser» können Wersten, wo noch keine vorhanden sind, mit Leichtigkeit errichtet werden. In einei» Jahrzehnt könnte der Schiffsbau 100 Panzersdstffe herstellen. Gewiß wäre die Eisenrndustrie bereit dazu, mit besonderem nationalen Patriotismus bereit(Sehr gut! links), wenn sie auch bei der Bestellung der Eisen- und Rohprodukte etwas international gesinnt ist, und um .billigere Arbeiter zu haben, Arbeiter aus Rußland und Gott weiß woher kommen läßt.(Sehr ridstig! links.) Auch die Unkosten fürchten diese Patrioten nicht. Sic haben sie ja immer ans die Aermste» abzuwälzen verstanden.(Sehr richtig! links.) Das ist Ihme» immer gelungen und deshalb fürdite» Sie sich and) indzt, ,vei»!i Dr. Lieber sagt: wir wolle» die tragfähigen Schultern belasten. Wenn es hernach z» den Tbatsachcn kommt, werden doch die untersten Schichte» belastet. Und sie wissen ja auch, daß Sie auf den Sd)utz der Regierung rechnen dürfen, wenn die Arbeiter durck) Streiks ihre Löhne aufzubessern versud>e». Da3 Kapital ist immer gedeckt.(Sehr richtig! links.) Gerade die patriotische rheinisch- westfälische Montaniudnstrie maßregelt ihre Arbeiter aufs sdiounngsloseste.(Sehr richtig! links) Wo aber sollen die Leute zur Besetzung der neue» Schiffe hergenommen werden? Erforderlich ist hierzu ein guter Stand au'seemänirischer Bevölkerung. Nu» liefert die deutsche seemännische Bevölkerung jährlich 1750 Schiffsjungen. Sehr viele davon komme» aber nidst zur Stellung, weil unsere Rheder durch sdflechte Heuer die besten Leute ins Ausland treiben.(Hört? links.) Nock) eins kommt hinzu: es niüssen Seeleute im Auslände bleiben, die dort gar nicht bleibe» ivolle». Es war das vor einigen Jahren mit dem Handelssd>iff„Siegfried" der Fall, wo sich der Konsul niißbilligenv darüber aussprach, daß es kein Mittel gäbe, weldies die Rheder zwinge, die Mannschaft»ad> Deutschland znrückzubefördern. Der Seemann bleibt dann vielfach im Ausland und läßt sich von Sdffffeu fremder Nationen anmustern. Also aus der rein see-i »läunischen Bevölkerung können die Mannschaften nicht ans« reichen, denn sdio» nach dem vorliegenden Etat brauchen wir an seemännischer Bevölkerung für unsere Marine in der Malrosendivision 9303 Mann und auf de» Torpedo- abtheilungeu 1213, also 10 513 Mann, die also aus de» 1700 Schiffs- jungen schon garnicht rekrutirt werden können; i»a» muß zur halb- seemännischen und viertelseeniän»isd)en Bevölkerung greifen. Wie groß ist aber ihre Zahl? Nad, der letzten Volkszählung sind z. B. in der Binnensdfffffahrt insgesaninit 3251 Mensche» im Alter von 18-20 Jahren beschäftigt und in der Fisdierei in Binnengewässern 618. Dann habe ich die Zahl der Seefischerei mit hineingesetzt, obwohl sie in den angeinllsterte» Schiffsjungen mit vorhanden ist; ich habe aber die Zahl mitgenommen, weil unler Umständen einige nicht als Schiffs- jungen angemustert sind und weil die Baggereien nicht besonders in der Bernfszählnng geführt sind, es mögen also vielleicht ebenso viele sei», es sind 337 Schanerlentc, Markthelfer und Packer sind es 658. Da aber der weitaus größte Theil nickit auf das Wasser geht, habe id) nur die Hälfte. 329, in Anschlag gebracht. Bei der Schiffsbefrachtung sind 144, bei», Hafen- und Sdilensend,enst 59, also insgesanunt 4774, also für den einzelnen Jahrgang 2337.« Rechnen Sie dazu die 1750 Schiffsjungen, so haben Sie 4137 Mann. Von den Schiffsjungen gehen aber durchschnittlich 265 ab, bleiben 3872 für den einzelnen Jahrgang oder für die drei Jahre 11616 Mann, also ungefähr so viel, wie gegenwärtig er- forderlich sind, vorausgesetzt, daß fast sämmtliche sür die Marine brauchbar sind. Gegenwärtig könnte vielleicht der Bedarf gedeckl werden, weil für die nicht Branchbaren noch 4jährig Freiwillige oder die ausdenSchiffsjuiigen-Abtheilungeii angenommenen Leute ausreichen könnten, das Manko zu decken. Wollen Sie aber das Gesetz annehmen, so müssen Sie in die Matrosendivision 12935 und an Seeleuten a»f den Torpedos 1483 Mann einstellen, insgesaninit 14 463 Mann. Das sind 3000 Mann mehr, als Sie hätten. wenn sämmtliche am Wasser beschäftigten Personen sür die Marine brauch- bar wären. Wie soll das Manko gedeckt werden? Denkt man vielleicht daran, die Sdffffe mit reinen Landratten zu be- manne». um hier eine» Ausdruck, der an der Wasserkante üblich ist, zu gebrauchen. Dann würde die Qualität mindestens um so viel zurückgehen, als die Quantität zunimmt. Deshalb kann von einer Verstärkung der Märine trotz der Vergrößernng gar nicht ge- sprechen werden. Oder wollen Sie mit der allgemeinen Wehrpflicht brechen nud geivorbene Soldaten. Berufssoldaten ein- stellen? Dann hätten Sie auch im Etat die daraus erwachsenden Mehrkosten in Ansatz bringen müssen, weil dann die gesaminten Grundlagen des Marinewesens geändert worden wären. Diese Fragen wären bei der Begründung absolut erforderlick) gewesen und man hätte die Sachlage anders beurlheilen können, man brauchte dann nicht mit patriotischen Gefühle» über derartige Kleinig- leiten hiiiiveggehen. Man sagt, der Handel hat die Flotte»öthig. Ich meine, der Handel kann auch mit anderen Milieln gesdiützt werden. Durch internationale Verträge könnte dem Seeraube in Kriegszeiten ein für alle Mal ein Ziel gesetzt werden und das Privateigenthum und das Leben fried- licher Seeleute sicher stellen. Damit wäre dem Handel mehr gedient als mit K r i e g s s ch i s s e n. die recht viel Handels- schiffe in den Grund bohren und redst vielen friedlichen Seeleuten das Lebe» nehmen. Gerade in unserer Zeit der Friedens- verstchernngen wäre die Gelegenheit günstig, eine» der- artigen internätiona'e» Schutz anzubahnen. Dan» wäre ja vielleicht den vcrsd>iedeiien seefahrenden Nationen ei» ganz erheblicher Theil ihrer Unkosten, die sie heule zu tragen haben, erspart. Ter Abg. H a m in a ch e r»lachte uns den Vorwurf, daß w i r den Arbeitern s ch l e cki t e D i e n st e e r iv e i s e n, wenn wir die Vorlage abweise». Für die Arbeiter kann ans andere» Gebiete» viel besser gesorgt werde». Warum hat die Regierung z. B. nock) nicht die im Jahre 1391 besdiloffcne Abänderung der Gewerbe- Ordnung in vollem Umfange in kraft treten lassen? Ick) meine dock), die Regierung hat vor den K a p i t n l i st e n k a p i t u l i r t.(Sehr gut! bei den Sozial- deinokraten.) lind weshalb stimmt nun gerade einmal das Denke» der flicgiernng mit dein überein, was die Großkapitalisten— ursprünglich ist es Herr v. Stumm allein in der Kommission, später ist es der Zentralverband deutscher Industrieller durd) ihren Kommis, Herrn Bneck— in ihren Gründen jdarlegten? Aus einmal er- scheine» genau d i e s e l b e n G r ü n d e in o e n ofsiziösen Blättern, die sich diese Gründe zu eigen»lachen. Sie haben also thalsächlid) vor den Kapitalisten kapitulirt. Anfangs wollten Sie iiiiter der Flagge des soziale» K ö n i g t h n in s s i d) populär mache» und da stieß man ans den Wider- stand der Kapitalisten. Man Halle deren Macht n n t e r s d) ä tz t. Schließlich sah man sich durch die Verhältnisse ge- zwungen. die Handelsverträge abzuschließen. Da stießen sie ans den Widerstand der Großgrundbesitzer desJiinkerlhunis.nnd soisteineSitua- tion gesdiaffen, eine II n z u s r i e d e n h e i I im Lande, in i e s i e vorher niemals dagewesen ist.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Für diese Unzusriedenheil sudst man einen Ab- leilcr und befolgt das alte Rezept Napoleon III., der das Land i» auswärtige Händel verwickelte, um d i e Unzusriedenheil dem Ausland auszuladen. Bei uns sind es die Chinesen und die Negcrrepnbliken, in nächster Zeit werden es vielleidst andere sei», mit denen ivir in Händel gerathen. So will man eine Basis vielleicht für eine Welt- Politik haben oder zum mindesten ei» Dekorationsstück, hinter welchem man die innere Schwäche verberge» kann.(Sehr richtig! bei den Soziald.) Bei einer solchen Weltpolilik, wie sie von vielen Leisten, vielleicht auch von unserem Kollegen Haffe geplant wird, der die Welt neu anslheilen will— ich sage, wir wissen alle, was bei einer solchen»cne» Slnstheilmig herauskommen wird Sehr viel Opfer an Geld und Mcnschen werde» gebrandst, ohne daß man im stände ist, irgend ein Volk glücklich zu mache». I st diese Welt Politik, die getrieben werden soll, das treibende Element bei d e r' g a n z e» F l o t t e n v o r l a g e, dann haben iv i r aus diesem Grunde 11 r s a d> e, sie abzulehnen, oder soll sie mir ein Dekorationsstück sein, das die innere Sd)wäd)e verbergen iv i II, so lehnen mix s i e ans diesem Grunde ab. Ter Handel ist hinreichend gesdiützt, das erkennen selbst die Großrheder nn und wenn die sich nidst einmal beklagen, da»» habe» wir gewiß alle llrsadze anznnehme», daß das, was sie beredstigt sind zu verlangen, geschehen ist. Zu unberechtigten Ansorderiingen würde aber über- Haupt kein Mensch seine Znstiinnning gebe».(Bravo! bei den So- zialdemokraten.) Abg. Graf Tkollbcrg-Wcrnigcrodc: Im vorigen Jahre sind die leidenschastlichsten Debatten um ein paar Kreuzer geführt worden, in diesem Jahre, wo es sick) um eine viel»insangreichere Vorlage handelt, wird sachlich und ruhig debattirt. DaS kommt daher, daß die floltenfrcundliche Stiinnuing im Lande um vieles gewnchseu ist. Dann hat and) die wohlthuende sympalhische ülrt der Be- gründniig durch Herrn Tirpitz viel dazu beigetragen»nd die nationale Temperatur ivohllhnend erhöht. Für mich stehen drei Fragen zur Bcantwortnng: l.Jst die vorgeschlagene Vers! irknng in diesem Maße nothwendig, 2. können unsere Finanzen die Mehrbelastung des Etats vertragen, 3. ist die vorgesdstagene Organisation eine richtige? Was die erste Frage anlangt, so ist die handelspolitische Bedcntnng der Frage sd)on hinreichend erörtert worden, ich wende mich aber and) gegen den Abg. Hilpert und sage, auch die Landwirlhschaft hat ein indirektes Interesse nn der Flottenvermehrung. Sie nützt der Industrie, und die Landwirthschast ist ans eine kaufkräftige Industrie ebenso angewiesen, wie umgekehrt die Industrie auf eine kauskräftige Landwirthschast. lieber die gemeinsame» Interessen zwischen Industrie und Landwirlhsckiaft ist man sich in Frankreich schon feit 200 Jahren klar und daher stammt nicht zum wenigsten der fran- zösisdje Nationalwohlstand. Von den Gegnern der Flotte wird ge- sagt, die Entscheidung im Kriegsfälle liegt beim Landhcer. Das ist gewiß richtig. Aber man muß mit der Möglichkeit eines längeren Krieges red>ncn und kann nicht die Daner des letzten Krieges als allgemein gilligen Maßstab annehme». Bei einem längeren � Kriege ist aber die Flotte von Wichtigkeit wegen der Lebensniillclzufnhr zc. Ich habe noch niemals gehört, daß ein Land sich durd, zu große Ausgaben sür Heer und Marine ruinirt hätte. Aber das ist schon vorgekommen, daß ein Land sich ruinirt hat, weil es seine Nüstungen vernachlässigt hat. Deshalb null ick) natürlich»id)t dem Phantom einer Flotte ersten Ranges nachjagen. Davon kann bei uns gar keine Rede sein. Ist nun die Organisation ridstig? Ich hätte lieber eine größere Anzahl von Kreuzern geschc». Aber ich bin nur Laie und beuge mid) dein sachverständigen Urtheil des Staatssekretärs. Bndgetrechtlich habe ich keine Be- denken g e g e n d i e V o r l a g e. I ch g l a n b e, w i r k ö n n e n die Vorlage mit vollem Vertrauen annehmen. Sollte die Regierung im Laufe der Jahre die 11 e b e r- z e ii g il» g gewinnen, daß sie sich in der Organisation geirrt hat. so ivird sie diePflichthaben, eineAenderung des Flottenplans zu bcan tragen und jeder Reichstag wird ihr zustimmen müssen. Am liebsten würde mir die Annahme der Borlage in der vorliegenden Faffnng sein. Sollte aber in der Kommisfion durch Aendernngen der Zweck der Vorlage, die Verstärkung der Flotte und die Sicherstellung der Organisation nicht beeinträchtigt werden, so würde ich auch diesem zustimmen. Ich schließe'mit dem Wunsch, daß in dieser wichtigen Frage eine Einigung erzielt werden möge.(Beifall rechts.) Die Diskiifsion wird hierauf geschlossen. Die Borlage wird dein Antrag Lieber gemäß an die B u d g e t k o m in i s s i o n verwiesen. Es folgt die Interpellation B a s s e r»i a n». weldst Maßregeln gedenken die verbündeten Regierungen zu er- greifen, um den auf Monopolisirnng des deutschen Petroleum- Handels gerichteten Bestrebungen der Standard Oil Company enlgegenzulreten? Staatssekretär Graf Posadowskt) erklärt sich bereit, die Interpellation sofort zu beantworten. Abg. ivasscrniaun(natl.) begründet die Interpellation und giebt zunächst eine Darstellung der Entstehung des amerikanischen Rockefeller'schen Trustes. Die unabhängigen Elemente in Amerika habe» sich vergebens gegen die Unterdrückung durd> das Privatmonopol gewehrt. Die Rockefeller'sche Compagnie, die inzwischen eine Weltmacht geworden war, gewann den Sieg. Auch die aineri- konische Gesetzgebung versagte gegen den Petroleumlrust. Der sieg- reiche Kamps, den er führte, wird durchweg charakterisirt durch brutale Rücksichtslosigkeit und brutale Energie, die vor keinem Mittel zurückschreckt. Der Kampf in Deutschland ist sür die Standard Oll Company von entscheidender Wichtig- keit, denn Deutschland fft ein großes Absatzgebiet für amerikanisches Petroleum. Das Bestreben der Kompagnic. Deutschland ganz in die Hand zu bekommen, ist seit langer Zeit vorbereitet. Die selbständigen Exporthändler, die srühcr in den Hansastädten vorhanden waren, sind nad) und nach verschwunden. Entweder wurden sie aufgekaust, oder durch llntcr- bietnng ruinirt. oder in den Kreis der Organisation der St. Oil. C. einbezogen. Zwei Firmen waren bei Beginn der 90er Jahre noch übrig geblieben! Phil. Poth in Mannheim und Raffow, Jung«. Co. in Bremen. Gegen sie richtete sich der Kampf der Kompagnie. Das Mittel war sehr einfach; man sudzle sie durch llntcr- bieluiigen mürbe zu machen. und sdstießlich wurde der Zweck auch erreidst. Nunmehr sind die beiden Firmen aufgegangen in der Dentsch-Amsrikamschen Pelroleum-Gesellschaft. Im Osten ist das Privatmonopol bereits d»rd)gesllhrt; dort hält sich die Standard Oil Company schadlos für die Kampfpreise, die sie an andern Stellen noch zur Unterbietllng der Konkurrenz»öthig hat. Wieder- holt hat sid) der Reichstag mit der drohenden Gefahr des Privat- monopols im Pelroleiiiiihnndel beschäftigt. Auch die Vertreter der Regierung haben die Größe der Gefahr anerkaiint. Am 2. Dc- zeniber 1896 erNärte Herr v. Böttickier, daß die Erwägungen der Regierung, welche Mittel gegen das Privatmonopol zu ergreifen seien, einen befriedigenden Abschluß geflinde» hätten. Was nun die heutige Sachlage anlangt, so geht die Nockesell«r'sd>e Kompagnie niliimehr gegen die selbständig gebliebenen Händler vor und sud>I sie allerorts z» veranlaffeu, in ihren Dienst zu treten. Die Kontrakte, die sie ihnen zu diesem Behufe vorlegt, sind glücklicherweise öffentlich bekannt geworden. Z 1 dieser Kontrakte schreibt dein Händler vor. daß er seinen gesaminten Bedars von der Standard Oil Company bezieht.§ 2 setzt das Quantnni fest, das ihm maximal geliefert wird und giebt an, in welchem genau begrenzten Gebiete er es verkaufen darf. Z 3 enthält die Preisfestsetzung; auch die Preise iverden von der Kompagnie vorgesd)nebcn. tz 4 besagt, daß der Händler außer dem Ersatz seiner Auslagen pro Barrel Oel 1 M. Provision erhalten soll, tz 5 schreibt die Abrechnung zu bestiininleu Moualstermine» vor und giebt der Gesellsdzaft das Recht, die Bücher der Händler beständig zu kontrollirc». Dieser Vertrag charakterisirt sick) von selbst; er hebt die Selbständigkeit der Zwischenhändler vollständig aus und verwandelt sie in Agenten, in Beamte der Standard Oil Company. Es ist klar, daß diese Verträge große Erregung hervorrufen mußten. Es haben Versammlungen stattgesunde», die Handelskammern habe» sich damit beschäftigt, die sozialdemokratische Fraktion hat i» der badischen Kammer eine Interpellation eingebracht, ein Händler- konsortiuin hat eine Eingabe an den Reichskanzler gerichtet. Die Standard Oil Company geht wieder so brutal und rücksichtslos vor, wie in Amerika, sie schreitet erbarmungslos über niedergetretene Existenzen hinweg. Gelingt ihr Plan, dann wird der gesammte Kleinhandel von den Amerikanern abhängig und die Petroleum- preise werden von den Verkaussbnreaus der Gesellschaft diktirt. Schon jetzt müsse» dieDetaillisten ihrPetroleuin direkt von derSlandard Oil Company beziehen, weil kein anderes Petroleum zu haben ist. In Saarbrücken. Kaiserslantern, Zweibrücken und anderen Städten haben sich die selbständigen Händler bereits unterworfen. Das Ziel der Kompagnie ist die.völlige Ausschaltung des Zwischenhandels, 1901 oder 1905, wen» die Kontrakte abgelaufen sind, werde» von ihr überall Zentral- Verkaufsstellen zum direkten Verschleiß des Petro- leums nn die Konsumenten errichtet werden. Die Compagnie arbeitet mit Zuckerbrot und Peitsche. Das Zuckerbrot ist, daß sie den Händlern, die große Onanlitäten Petroleum aus Lager haben, die Differenz zwischen dem Einkaufs-»nd dem jetzigen Preise heranszahll und ihnen außerdem Gratifikationen gewährt. Es wird nu» behauptet, die Koiisnnientcn hätten kein Interesse daran, sür die Zwischenhändler einzutrete», weil die Petroleumpreise jetzt niedriger seien, als früher. Die Er- llärung des derzeitigen Preisstandes ergiebl sich daraus. daß die Standard Oil Company die Konkurrenz der Pure Oil Company, die in Haniburg Tankanlagen errichtet hat. nickit aus dem Felde schlagen will. Ist aber erst einmal von der Standard Oil Company ein völliges Netz der Verkanfsorganisation über Deiitschland ausgespannt, dann wird es für die Kon- kurrenz schwer fei», wieder ins Geschäft zu kommen. Dann ist die Preisbildung völlig in den Händen des Privatmonopols nud damit tritt das Interesse der Konsumenten in den Vordergrund. Der ganze Zivcck des Trustes ist es natürlich, hohe Dividende zu er- ziclen, nud cs ist nicht abzusehen, warum er sich in der Preissteige- rnng Mäßigung auferlegen soll. In den Ländern, ,vo daS Privat- mouopol schon herrscht, sind die Pctrolenmpreise bereits jetzt um 25—28 pCt. höher, als anderswo. Daß die Konkurrenz des Gases und der Elektrizität Preissteigerungen verhüten wird, ist dock) and) nur sehr bedingt rickztig; zudem wird das Petroleum nod) wickfliger, als Bclriebskräsl für Motore. Sdion jetzt heimst der Trust hohe Dividenden ei». Die deulsdie Pelroleum-Gesellsd)ast wird 40 pCt. jährlich verdienen. Sobald das Monopol herrscht, hören die Preis- »otirnngen ganz auf. und der Konsument ist ganz im Unklaren. Der russische Import ist fliid)lartig znrückgewiche». vielleid)!, weil die russisdie Gruppe sich mit der amerikanischen verständigt hat. Galizicu kommt nicht in belracht; auch sind die Frachten zu hoch. Was ist»nn hier zu thn»? Es wird dem einzelnen Abgeordneten schwer fallen, bestiniinte Maßregeln vorzusdilagen, und noch sckiwierigcr wird es sein, soldze Maßregeln ivirklid) zu ergreifen, nachdem die Entwickelung der Gesellsdinft bereits einen so grcßcn Umfang angenomuie». Die Interpellation soll aber vor allem den Zweck haben, die sd)ivanke>iden Elemente i» ihrem Kampfe gegen die Gesellschaft zu stärke». Und als e r st e s n n d wichtigstes Prinzip ivürde ick) ausstellen: die Be- f ö r d e r n» g des russischen Importes. Freilid) steht dem manckierlei im Wege. Das russische Petroleum ist schwerer als das amerikanische; der Tetailleur sährt daher schlechter, wenn er das russisdie Petroleum eiiikaust; nian müßte also bei dem russischen Petroleum den Verkauf nach Maß— statt nad, Gcivid)t— ein-. führen. Eine sold)e Maßregel ist nicht neu; sie ist z. B. bereits in Frankreick) mit Erfolg angewandt. Ferner aber: das rnssisd)- Petroleum enthält 75 p C t., das a in e r i k a u i s d, c 50 p C t. gutes Leucht-Oel; es wäre daher der Vorschlag in Erwägung zu ziehen, dieses K c r n v l i m Petroleum in eine m bestimmte» Maße zu verlangen. Eine ähnliche Maßregel ist in England bereits durchgeführt. Solche und ähnliche Vorsd>läge sind nmi vielfach bei nns gemacht und von fachmännischer Seite empfohlen worden; in dem Berid)l der Berliner Aeltcsteii an den Rcid)Stag ist auch aus diesen Gesichtspunkt hingewiesen. Man hat ferner gesprochen von den Sdiwierigkeilen, die das russische Petroleum beim Brennen in den bei nns eingeführten Lampen mad)en werde. Nach dieser Rich- tung hin habe» die prenßisdien Eisenbahnbehördcn Versuche aiuu» stellen begonnen. _ Dann ist weiter vorgeschlagen worden, man mSge daZ deutsche Zoll- systsm ändern und eine Differcnzirung zwischen Rohöl und Rassinerie- Ocl eintreten lassen. In Frankreich ist diese Differenziirung in der Zollbehandlung auch bereits vorgenommen.— Endlich ist sehr in Erwägung zu ziehen die Frage der Gesetzgeb tlng gegen solche Kartelle überhaupt. Oesterreich ist mit einein solchen Gesetz über Karlelle vorangegangen. Dem Gesetzentwurf vom Juni 1S97 sind unterstellt die Kartelle, welche auf Beseitigung des freien Wettbewerbs abzielen; sie sind zu untersagen, wenn die Preise in einer die Stetier- oder die Kons um kraft der Bevölkerung offenbar schädigenden Weise durch sie gesteigert werden. Diese Gesichtspunkte sind erwägenswerth. Ebenso ist das Reichsgericht in der Frage der Wirksamkeit solcher Verträge in einer Entscheidung IS97 zu durchaus vernünftigen Konsequenzen gekommen. Die Syndikate und Kartelle sind nach dieser zweisellos segensreich für die Volkswirthschaft durch die Festsetzung und Regelung der Produktion; anders läge die Sache aber, ivenn die Kartelle bestimmt sind, durch Monopol eine ivucherische Ausbeutung der Konsumenten herbeizuführen, oder diese thaisächlich herbeigeführt wird. In diesem Moment sei die Nichtigkeit dieser Ver- träge ohne weiteres gegeben. Der- Zweck der Interpellation ist der, die Elemente, die im Kampfe begriffen sind, zu stärken und den Reichstag auf die drohende Gefahr aufmerksam zu machen. Wohl wird mancher sagen: Dies alles wird doch nichts Helsen; die Standard Oil Company ist zu mächtig; aber die Ber- I ä n g e r u n g des Existenz- und Konkurrenzkampfes auf Jahre hinaus wäre, wenn auch nur diese erreicht würde, auch werthvoll. (Beifall.) Staatssekretär Graf PosadotvSkh; Die vorliegende Frage ist eine sehr schwierige: ans der eine» Seite befindet sich ein mächtiger Produzent, welcher gleichzeitig Besitzer eines großen Theils des Roh- Materials ist, auf der anderen Seite deutsche Käufer, welche in einem privatrcchtlichen Vertragsverhältniß mit der Standard Oil Company leben. Ist die Gesetzgebung in der Lage, einem solchen privaten Vertrage gegenüber einzuschreiten? Würde sie es tlm n, so würde man wohl betonen, daß die Staatsregierung sich nicht einzumischen habe.— Seit Begründung der Deutsch-Ameri- kanischen Petroleumgesellschaft bewegt sich die Preisgestaltung f a st fortgesetzt in a b st e i g e n d e r L i n i e. 1390 war der Durch- schniltspreis per Dezember: 13,3 M., 1891; 12,6 M., 1892: 11,1 M., 1893; 9,5 M. und 1894: 9,7 M. Dann kam das berühmte Jahr 1895, wo hier die ersten Debatten gepflogen wurden; es ist noch nicht aufgeklärt, ob es sich um eine Spekulation der Standard Oil Company handelte, oder ob diese nicht über das nöthige Rohmaterial verfügte. Die Deutsch-Amerikanische Petroleumgesellschaft hatte jeden- falls keinen Nutzen, sondern erheblichen Schaden. Der Durchschnitts- preis des Jahres 1895 war danach 13,5 M.. 1896; 12,4, 1897(Jan- Okt.): 10,2. Das Sinken des Preises erklärt sich ans der Konzentration, andererseits aus der ausgezeichnet geschickten Art, in der denkbar bequemsten Weise alle» Abnehmern das Petroleum zuzuführen.— Ein Vertreter der D eut s ch- A m erika n i sch e n Gesell- f ch a f t hat mir erklärt, er habe den Auftrag gegeben, daß keine weiteren der angefeindeten Verträge mehr abgeschlossen werden, und dasselbe habe er bei der Mannheim- Brem er Aktiengesellschaft vorgeschlagen.— Bereits 1890 ist bei der großen Preissteigerung erwogen worden, ob es möglich ist, mit Mitteln des illeichs oder der Einzelstaaten die deutschen Outsiders zu stützen. Dazu müßte man große Kapitalien aufwenden, unr große Tanks zu errichten. Wer garantirt aber, wenn wir solche Verantwortung übernchmen, daß die Standard Oil Company nicht den Outsiders solche Angebote machen würde, daß sie sich anschließen und so unser Kapital nutzlos verwendet wäre?— Ein Weg der Unter- stützung besteht in der Begünstigung des russischen Petroleums. Wir sind diesem auch schon entgegengekommen durch die Abnahme des Zolls nach Volumen und nicht nach Gewicht. Trotzdem ist die Einfuhr nicht gewachsen, wenn man auch nicht von einem fluchtartigen Zurückziehen sprechen kann. Es scheint, daß man in Rußland nicht den Werth legt auf de» deutschen Markt oder daß man mit dem amerikanischen Petroleum nicht konkurriren kann. Man hat bisher noch keine geeignete Maßregel gewinnen können, die sich nur gegen ein bestimmtes Petroleum richtete. Wollte man gesetzlich festlegen, daß man nur nach Gewicht verkaufen darf, so würde damit der ambulante Verkauf ganz erschwert, wenn nicht unmöglich. Vielleicht könnte man die Raffination nach Deutschland verlegen.(Das wäre eine Maßregel gegen die Standard Oil Company.) Dann müßten wir eine Zoll- differenz eintreten lassen zwischen Roh- und rasfinirtem Petroleum. Außerdem hat es w-ch das Bedenken, die Raffination nach Deutsch- land zu verlegen, weijl wir dann den Nebenprodukten in der Braun- kohlen-Jndustrie eine« gefährliche Konkurrenz bereiteten. Die Er- fahrungen in FrankrZeich sprechen auch nicht dafür, denn dort hat die Standard Oil sCompany in de» Naffinerien ihre Hand im Spiel. Ein anderes Weg ist der, die Eisenbahnkosten für die Ein- sührnng russischen �Petroleums herabzusetzen. Es sind darüber schon Erivägnngen im preußischen Eisenbahn- Ministerium gepflogen ivordcn. Ein noeiterer Weg würde sein, den Zoll aus amerikanisches Netroleuin zu erhöhen. Hoffentlich kann die Konkurrenz der deutschen Landwirthschaft mit ihrem Spiritus hier eintreten, f Je thcnrer das anierikanische Petroleum wird, um so eher wird der deutsche Spiritus konkurriren können. Gegenwärtig freilich kann sie den lOOgrädigen Spiritus noch nicht für l26 Pf. liefern. Wäre die Konkurieiizinöglichkeit da, so ivürd« das idie glücklichste Lösung der deutsche» Agrarfrage sein. (Große Heiterkc it.) Ich meine.!, wir haben gegen Mißbränche der Standard Oil Koinpany zu �kämpfen und sogar zeitweilige finanzielle Opfer nicht zu scheuen. Piir werden alle hier angedeuteten Mittel energisch und rücksichtslqis und sofort ergreifen. Gleichzeitig geben wir den russischen PZetroleumprodnzenten und den ninerikaiiischen Outsiders den Rath', die Konkurrenz mit der Standard Oil Conipatty nicht anfzugebens. Wir werden ihnen in diesem Kampfe alle Er- leichterungen iin>>. Unterstützungen zu theil werden lassen, die zu ge- währen uns nur»Möglich ist.(Lebhafter Beifall.) Auf Antrag de-s Abg. Dr. Barth wird eine Besprechung der Interpellation und zugleich eine Vertagung dieser Besprechung be- schloffen. Der Präsident(heilt mit, daß Gesetzentwürfe betr. die Abänderung des Gerichtsvcrsassdingsgcsetzcs, der Straf- und Zivilprozeßordnung eingegangen sind u nd schließt die Sitzung. Nächste Sitzung Freitag 1 Uhr.(Tagesordnuiig: Besprechung der I n l e r p e l i! a t i o n B a s s e r m a n n und erste Lesung des Etats. Schluß 5'/« Uhr. Nommunsses. Stadtverordnete»- Bersammlnng. Oeffentliche Sitzung v o m Do u n e r st a g. 9. Dezember nachmittags 5 Uhr. Dem Andenken des verstorbenen Stadtv. W u n d e r widmet der Vorsteher Dr. Laugerhans ehrende Worte. In der Woche vor Weihnachten soll die Plenarsitzung ausfallen; zwischen Weihnachten und Neujahr wird am Mittwoch eine Sitzung staltfiuden. 'Auf der Tagesordnung steht heute u. a. auch die Wahl euies Stadtschulraths. Es werden bei der Wahl 117 Stimmzcltel abgegeben; von diesen lattien 71 auf den bisherigen Siadtschulralh Bertram, welcher sonach wiedergewählt ist. Außerdem werden 46 u n- beschriebene Zettel gezählt. Die Verkündigiing des Resultats wird mit Beifall von der'einen, mit Zischen von der anderen Seite anfgenonimeii. 'Der Sladlv. Kyll», an» hat mit der Unterstützung von 34 Mitgliedern den Antrag eingebracht, de» Magistrat.'nszusordern, in gemischter Deputation mit der Versammluug über die A u f n a h m e e i n e r A n l e i h e zwecks schnellerer Durchführung von Straßen er weite- r u» g e n zu berathen. Stadtv. Kyll mann als Antragsteller führt aus, daß der Schwerpunkt seines Antrages nicht aus der Anleihe ruht, sondern daß er, entsprechend dem allgemeinen Verlangen nach Aufstellung eines festen Planes für die städtischen Straßcnerweilernngen, die Beralhung in gemischter Deputation zur Verständigung über einen solchen Plan beziehungsweise um die Reihenfolge der Ausführung der verschiedenen Projekle verlangt. Bisher stoße jedes derartige Projekt aus die Feindschaft aller anderen und auf das Velo des Kämmerers. Man denke nur an die Charlottenstraße, die Wallstraße, die Schicklerstraße, die Spandauerftraße, das Scheunenviertel, die Uferstraß« heute, wo der allgemeine Verkehrsplan aufgestellt sei, fei es auch an der Zeit, diese Frage generell zu ordnen. Wegen der Finanznicksichteii empfehle sich die Niedersetzung einer besonderen gemischten Deputation. Stadtv. N e i ch n o w beantragt, in dem Antrage statt„über die Aufnahme einer Anleihe" zu sagen„über die Beschaffung von Mitteln"; der Antragsteller erklärt sich damit einverstanden. Stadtv. Jacob» spricht sich bezüglich des Antrags Kyllinaiin sehr skeptisch aus. Aus der früheren Anleihewirthschaft sei man doch glücklich heraus, und er verspüre keine Lust, zn ihr zurückzukehren. Auch das Tempo der bisherigen Straßen- erweiterniigen habe nichts zn wünschen übrig gelassen. Mit dem Eingehen ans den Antrag würde man die fiiianzivirthschaftlicheii Traditionen der Stadt völlig verläugne». Redner bittet danach um Ablehnung des Antrages. Stadtv. W o h l g e m n t h ist ebenfalls kein Freund des Antrags Kyllmann. Auch Stadtv. H e i l m a n n tritt dem Antrage, der blos Be- gehrlichkeit und Speknlatio» Heraussordern würde, entschieden e»t- gegen. Stadtv. Singer: Ich kann der allgemeinen Verurtheilnng der Aufnahme einer Anleihe nicht zustimme». Die Majorität ist auch gar so spröde dagegen nicht gewesen, denn wir bauen ja auch unsere Brücken aus Anleihen. Zweifellos dauert die Wirksamkeit solcher Anlagen weit über die gegenwärtige Generalion hinaus; mit dem bloßen Wunsche, ein freier Mann bleiben zu wollen und nicht der Genehmigung des Ministers unter- morsen zu sein, kann man also die Ablehnung einer Anleihe nicht begründen. Es liegt mit diesem Wunsche so, wie mit Ihrer Furcht, den Etat der Genchmigniig des Ministers unterbreiten zu müssen; man markirt damit blos den seslstehendcn Entschluß, überhaupt nicht über 100 pCt. Eilikonimenstener hiuaus zu gehen(Widerspruch). Die Konsequenzen dieses Standpunktes führen in Berlin zu Krähwinkeleieii (Widerspruch), so in der Bülowstraße und namentlich in den Arbeiter- vierteln(vielfache Rufe: Aha!), Rosenthaler-, Holzmarktstraße, wo geradezu skandalöse, für eine Großstadt nicht haltbare Znstäiidc vorhanden sind. Wir müssen Straßeiiverbreiieruiigen haben auch des elektrischen Bahnverkehrs wegen; in der Leipzigerstraße könne» wir auch mit der elektrischen Bahn nicht auskommen, wir müssen andere Linien haben, und die können wir nur bekommen, iveun wir andere Slraßenzüge verbreitern. Der Antrag ist uns um deswegen sympathisch, weit er versucht, einer Wirchschaft ein Ende zu machen, die ich auch für Berlin nicht für passend er- achten kann. Wir dürfen bei Straßeiidurchlegungeii nicht von der Hand in den Mund leben. Ülllcrdings hat der Antrag eine Art Gründerbeigeschmack; der wüstesten Spekulalion wird dadurch Thür und Thor geöffnet werden(Ziistiiiiiniuig); aber es ist eine Art Nemesis, die dann eintritt, daß die begeistertsten Anhänger der heutigen Wirchschastsweise Anregungen geben iiiüffen, bei denen das Wohl der Sladl nicht mehr bestehen kann. Kollege Kyllinaiin ist aus einem arüiiderfreuiidlicht» Saulus plötzlich ei» Städteregie-freimdlicher Paulus geworden.(Sehr gut!) Ans Konsequenz ivird Herr Kyllmann sicher dazu komme», die Slraßen- durchlegungen in Zilkunft mit unverbrüchlicher Enlschlosseuheit i»ir in städtischer Regie durchführen zn lassen. Dann brauchen wir die städtischen Millionen nicht mehr den Privaliiiileriiehmern in den Rachen zu werfen. Diese Auffassung, wird sich nolhiveudiger Weise auch der Mehrheit schließlich aiifdräiigcn. In diesem Sinne werden wir für de» Antrag stimmen. Die Selbstverwaltung ver- langt, daß bei allen solchen Fragen die Vertretung der Bürgerschafl von Anfang au mit zum Worte kommt; darum stimmen wir dein Gedanken der gemischten Deputation zu. Kämmerer Maaß: Ich stehe persönlich auf dem Standpunkte der Herren Jacob und Heilmann und riihme mich dessen. Mi> Herrn Singer eiupfinde ich an dem Antrage einen gewissen Gründer- beigeschniack. Das Gefährliche an dem Antrage ist der Plan; der fördert die Spekulalion in der tollsten Weise. An- leihen bekommen wir ohne Kostenanschläge für ganz be- stimmte Straßenerweiterrnigeii vom Minister nicht ge- nehmigt; wenn wir diese Anschläge gemacht habe», köiiuen sie nicht geheim bleiben, die Spekulalion wird losgehen, die Schluß- scheine»verde» wie Pilze ans dem festen Boden hervorschiehcn. Die Straßeuverbreileriiugen für Berlin halte ich für wieder- kehrende Ausgaben.(Sehr richtig!) Thalsächlich sind auch, abgesehen von der Kaiser Wilhelnistraße, die zahl- reichen Straßenverbreiternngen der letzleu Jahre ans lanseiiden Mitteln bcstriticn worden. Lassen wir es dabei. Die Brücken bauen wir auch nur insofern a»s Anleihen, als sie Ersatzbanle» für die vernachlässigten, uns vom Staate überkoniinenen Brücken darstellen. Die Spandanerstraße— mir gefällt sie(Große Heiterkeit); sie stellt bei dem Engpaß noch ein gut Stück All- Berlin dar. Kommen wir aber einmal zn dem Entschluß, sie zu verbreilern, nun, das wird die Well ja»och bezahlen können, ohne daß wir Anleihen dazu brauchen. Die neue Anleihe, welche wir jetzt aiifziiiiehiiien beabsichtigen, erfordert für die nächsten vier Jahre 67 900 000 Mark. Wir wollen es gerade vermeiden, uns für eine Reihe von Jahren festzulegen, den» wir kenne» unsere Pappen- heimcr hier in Berlin auch! Nachdem noch Sladlv. R e i ch n o w für seinen ZlbKndernngs- antrag eingetrclen ist, tritt im Schlußwort der Antragsteller vor allem dem Vorwurf entgegen, daß sein Autrag der wüsten Spekulation Vorschub leisten würde. Aus Verkehrs- und hygienischen Jnleresse» sei ein Plan, wie er ihn erstrebe, eine Nothwendigkcit sür die Stadt. Der Antrag in der Fassung Reichnow wird darauf abgelehnt. ES folgt die BerichierstaUniig über die Vorlage», betreffend die Entwürfe zniu Neubau einer V o l k s b a d e- A n st a l t und eines Wohnhauses in der D e n n e w i tz st r a ß e 24 a,— einer Volks- bade-Anstalt in der B ä r w a l d st r a ß e— und einer Volksbade- Anstalt in der O d e r b e r g e r st r a ß e 57—59. Den Bericht erstattet Sladlv. K a l i s ch. Der Ausschuß hat den iiingearbeilelcn speziellen Entwurf sür die Anstalt in der Dennewitz- slraße, desgl. die beiden anderen Vorlagen mit großer Richrheit ge- nehmigt»iid dem Widerspruch gegen die von einer Minderheit als unnütz und verschivenderisch bezeichnete Anlage von Schwimmbassins keine Beachtung geschenkt. Stadtv. Wallach beantragt, von der Anlage von Schwimm- bassins bei den Anstallen abzusehen(Unruhe) und die gesaiiiinlen Vorlagen einem anfangs 1898 zn ivählendeii Ansschiisse von 15 Mitgliedern zur weiteren Vorberalhuug zn übergeben. Die Kosten für die neuen Badeanstalten seien viel höher als damals erwartet; man habe nicht mehr als 500 000 M. sür jede Anstalt bewilligen wollen und jetzt kämen 700 000 M. heraus, und die Berthenerung rühre Haupt- sächlich von den Schwimmbassins her. Daß die Privatbadeanstalts- Besitzer geschädigt werden(Aha!), könne man doch nicht leugnen. Für die Oderbergerstraße sei ein Theil seiner Freunde das Schwimm- hassin zu bewilligen bereit. Stadlbaurath H o f f m a n n bestreitet, daß man hier von Luxus- bauten sprechen könne. Bei den früheren Badeanstalten, Thurm- und Schillingstraße, seien keine Wohnhäuser lind städtischen Depots vor- Händen, wie bei den neuen. Diese Unterschiede seien wohl zu be- achten. Nach dem Einheitssatz stellten sich die nenen sogar billiger. Die Kosten für'Anlagen ohne Schiviimnbad würden nicht geringer, sondern höher sei». Und das Publikum wünsche gerade die Anlage von vielen und großen Schwimmbassins.(Lebhafte Zu» stimmnug.) Stadlv. E ß m a n n tritt gleichfalls für die Ausschußvorschläge und für die von dem gesammten Ausschnsse sür vorzüglich an- erkannten Pläne des neuen Stadtbmiraths ein. Unter großer Heiterkeit der Versammlung zieht Stadtv. Wallach seinen Antrag zurück. Sladlv. B o r g in a n n: Nur wegen der Erwähnung der Privat« anstalten seitens des Herrn Wallach bemerke ich, daß wenn deren Besitzer glauben, durch die beffer eingerichleten städtischen Anstalten geschädigt zn werden, ihnen doch nichts im Wege sielst, auch ihre Anstalten beffer einzurichten; wenn sie aber ans Konkurrenz- riicksichten fordern, daß die Stadt ihre Bade-Anstalten so dürftig einrichtet, daß niemand hineingeht, so ist das eine Un- verfrorenheit, gegen die wir energisch Protest erheben müsse». Mit der Annahme der Vorlage erfüllen Sie ein Bedürsniß der breiten Masse der Bevölkerung!(Beifall.) Sladlv. S p i n o l a erklärt, daß seine Freunde den Bau von Paläste» für Bade- Anstalten für Millionen nicht sür gerechtfertigt erachten können, sondern eine Mehrzahl kleinere einfache Anstalten vorziehen. Die Privatanstalten müssen thatsächlich zu gründe gehen; möge also der Magistrat ivenigsteus nachher bei der Normirung der Tarife so verfahren, daß diese nicht ganz ruinirt werde». Aus eine Anregung des Stadlv. Leo erklärt Stadtralh Straß mann, daß Schwimmbäder absolut nicht gesnndheits- nachtheilig sein können.(Beifall.) Stadtv. Singer: Mir ist versichert worden, daß das Waffer in den Schwimmbassins viel sauberer als das Spreewasser ist. Der Anregung des Herrn Spinola bezüglich der Feststellung der Tarife sür Wannenbäder bitte ich nicht zu folgen. Bei diesen Fragen kann nicht das Interesse einer kleinen privalen Gruppe entscheiden. Sollen die städtischen Anstalten eine wirklich nützliche Institution sein, so»inß die Benntzung so billig wie möglich sein. denn nur dann könne» die Massen den gewünschten Gebrauch davon machen. Die Vorlage»»verde» darauf nach den AnsschußantrSge» an- genommen. Die Berathung der Ansschiißbcrichte über die Anträge Borg- mann»vegen Anstellung von Schul-Aerzten u. s. w. wird von der hentige» Tagesordnung abgesetzt. Die Vorlage wegen M i e t h u n g von Räumen für das städtische Meldeburean geht an einen Ausschuß. Schluß'/eO Uhr. «* * TaS Ergcbuiff der gcstcr» im Rothen Hause vor- genommeiici, StadtschiilrathS-Wahl war: Bertram's Namen eut- hielten 71 Zettel, die übrigen 46 abgegebenen Zettel blieben»»- beschrieben. Mithin ist zwar Bertram formell gewählt. Die gegen seine Wiederwahl prolcslirende Minderheit ist aber so bedeutend— sie übersteigt ein Drittel aller Etadtverordiieteu— daß vielfach die 'Ansicht gehegt wird, Bertram werde mit Rücksicht aus die enorm hohe Zahl nicht aus ihn gefallener Stimmen die Aniiahnie seiner Wiederwahl ablehnen. Wir gehören zn diesen Hoffniiiig-frcndigei» nicht. Wer im Aller von fast 72 Jahren ans fernere 12 Jahre zum Schulnionarchen Berlins gewählt wird, würde bei einer derartige» kleinen Mehrheit die Wahl allerdings ablebucn, wenn er den An- forderuuge» der Allgemeinheit volle Rechnung zn tragen be- strebt ist.'Aber gerade weil Herr Bertram's VerwallungS- iiiaxiliie die der Stagnation ist und die des rechthaberischen 'Alters zn werden droht, wurden ja weiße Zettel abgegeben. Die Stagualion im Berliner Volksschnlweseii ist ja nicht allein Folge des Systems des Sladlschulralhs Bertram, vielmehr folgt dies System wesenllich ans der rückschritilichen Natur unseres Berliner Kommnnalfrcistniis.— Wie pfahlbiirgerlich ängstlich die Sladt- verordneleiiinehrhcit auf jedem Gebiet sich Anregungen entgegen» stemmt, die dem Interesse der Allgemeinheit dienen, dem Privat- betrieb aber einen Damm setze», zeigte die uachsolgcnde Debatte über die Ausstellnng eines Planes zur organischen Durchführung der Erweiterung unserer Slraßen. Der Pl»ii fiel, wiewohl(oder weil?) Genosse Singir dargelegt hatte, daß durch Uebernahnie der Aus- sübrnngen in städtische Regie jeder Privalspeknlalion der Boden ciitzogen sein würde._ Uoltttles. Acht,«ig, zweiter Wahlkreis. In der am Sonntag, abends 6l/j Uliv, bei Zubeil, Lindenstr. 106, staitsindeuden öffentlichen Ver- smiiniliiiig wird Genosse Dr. Borchardt über die Werthlheorie von Karl Marx sprechen. Nachher folgt gemnlhliches Beisammensein. Die Bertraueusperson. Tic..Freie Polksbiihuc" beginnt am Sonntag. 12. Dezember. »achi». 3 Uhr, die vierte Serie ihrer Borstcllungen im Lessing- Theater. Max Halbe'-„Jugend", ein Liebes- D r a m a in drei A n f z n g e n. gelangt im Dezember zur A» f s» h r n» g. Die Hauptrollen befinden sich iu Händen der Herren'Adolf Klein als Kaplan Gregor v. Schigorski, Pfarrer Hoppe: Karl Waldoiv, Aunchen: Frl. Milli Krause.— Sonnlag, den 12. Dezember: I. Abtheilnng. Der Vorstand. I. A.: G. W» n k l e r. Zur Rnsdehnnng der Kranken- und Ilnsallversichcriiiig auf alle in kommunale» Betrieben beschäftigten Arbeiter bringt der neueste Gewerdedcputalions-Bcrichl(pro 1896/97) eine eingehendere Darstellung der Sachlage und der Thätigkeit ber Depniatio» in dieser Angelegenheit. Die Sladlverordiieien-Ver- smnnilung hatte auf Antrag Stadlhagcn und Genossen durch Beschluß vom 16. Januar 1898 den Magistrat um Ausknilst darüber ersucht, wieweit für die in städtischen Betrieben beschäfligien Arbeiter bei Erkrankungen und Unfällen gesorgt sei. Zur Bcmitworliing dieser Frage hat die Depiilalion ein Verzeichnih aller im städtischen Dienst und in städtischen Betrieben Bcschäfiigie» mifgeslcllt. aus dem sich hinsichtlich der Kranke»-Ver- s ich er nn g folgendes ergiebr. Als ZwaiigSmitglieder bei Orts- oder Betriebs-Krankeukassen waren(zur Zeit der Ans« ftellung) 6975 männliche, 714 weibliche, znsaiiiinen 7659 Personen gemeldet, bei denen dieSlabl ein Beitrags-Dritlel zu trage» hatte. 370 männliche. 270 weibliche, ziisaninien 640 Personen erhielicn in Krankheitssälleii von der Stadt die im Gesetz vorgesehenen Mindest- leistunge». ohne daß eine Gegenleistung von ihnen beansprucht wurde.>393 männliche, 452 weibliche, znsmniiien 2350 Personen waren nicht unter Milwirkimg der Sladlgenieinde versichert, trugen also, soweit sie elwa freiwillig versichert waren, die gesaniiiiie» Koste» selbst. Diese niigleichartige Behandlung beruht im weseiit- liehen darauf, daß»ach§ l des Versichcrungs-Gesetzes die Angestellten städtischer Betriebe nur dann zu versichern sind, wen» es sich um Fabriken, Bauten oder gewerbliche Betriebe handelt oder Dmnps- kesscl bezw. durch elementare Kraft bewegte Triebwerke verwendet werden. Es ergäben sich aber Ziveifel, sagt der Bericht, ob Markt- hallen, Badcniistallcn u. s. w unter den Begriff„Gewerbe" fallen, ob ein Fahrstuhl in einer Marklhalle die Versichcrnngspsticht zur Folge hat, ob die Beschäftigte» im Dienste der Stadt oder dritter, von der Stadt befchnsligter Personen stehen. Die in» Kreise Niedcrbarnim Beschäfligien sind aber säuinillich versichert. weil hier durch statutarische Regelung die Versicherungspflichc bereits ans den im Koininnnaldienst Beschäftigten ausgedehnt ist. Die Geiverbedepniation hat eine gleichmäßige Behandlmig aller dieser Personen für billig gehalten und hat zur'Ansdehming der Krankeii- verstcherilng auf alle in städtischen Betrieben Beschäftigten ein Orls- statnt empfohlen, das jetzt, wie bereits mitgelheilt»vnrde, in dem zur Beralhung dieser Frage eingesetzten Siadtverordnelen-Ausschuß ein- stimmig angeiioinmen worden ist. In belracht kommen, wie oben an- gegeben, 2350 Pers., und das von der Sladt zu tragende Beitrags-Drittcl beträgt rund 23300 M., denen jedoch Ersparnisse an Lohiiforizahliingeii. besondere» Unterstütznnge» bezw. am Armenetat gegenüberstehen würden. Von der Errichtung einer besonderen Belriebs-Kraiikenkaffe für die städiischen Angestellten verspricht sich die Deputation weiteie erhebliche Ersparnisse. Hinsichtlich der U» sa l» ver sich e c a ü g bestehen ebenfalls Zweifel, wo eine Verstchernngspflicht vorliegt und wo nicht. Das Gesetz bietet aber hier vorläufig keine Handhabe zur statutarische» Ausdehnung der Versichermigspflichh Die Deputation hat hier Gleichstellung der nicht Versicherungspflichtige» mit den Versichernngspflichligen vorgeschlagen. Die Vorschläge sind von dem erwähnte» Ausschuß jetzt ebenfalls angenommen morden und werden rnit den die Krankenversicherung betreffenden der Stadtverordneten- Versammlung zur Annahme empfohlen werde». Im Falle der Annahme werden tausende von Arbeitern künftig als ihr 3i e ch t zu beanspruchen haben, was ihnen bisher im gunstigsten Falle ans Gnade und Barmherzigkeit gewährt worden ist, wenn es überhaupt gewährt wurde. Die städtischen Betriebe sollen Muster- betriebe sein, aber der bisherige Znstand war alles andere eher als„musterhast". TaS Olhinpia-Nicscnthcatcr ist nunmehr glücklich am Mitt- »voch eröffnet worden, nachdem ein bei der Herrichtung der Bühne eingetretenes Malheur zweimal die Verschiebung der bekanntlich recht lebhaft angekündigten Premiere erforderlich gemacht hatte. Fast schien es, als sollte man auch vorgestern noch nicht zu Rande kommen, denn der zu 7>/e Uhr angesetzte Beginn der Vorstellung ließ fast dreiviertel Stunde» auf flch warte». Das zahlreich herbei- geströmte Publikum blickte mittlerweile verwundert im Räume umher. Es stak etwas Solides, Behäbiges im alte» Zirkus Renz. Der ausgedehnte Bau war im Gegensatz zu anderen In- stituten dieser Art ans Mauerwerk errichtet, und der Gediegenheit der Grnndvesten entsprach die innere Ansstattnng, die nicht allein eine auf die Jahre berechnete Eleganz aufwies, sonder» auch ans das Auge fast harmonisch wirkte. Dieser anheimelnde Eindruck ist durch den Umbau völlig zerstört worden. Die südliche Hälfte des Zirkus ist zur Bühne umgewandelt, welche nicht allein durch Vor- hang und Orchester, sonder» auch durch einen breiten Wassergraben vom Zuschauerrann, getrennt ist. Die Manege hat man zum Parkett gemacht, dessen erste Stühle so weit von der Bühne entfernt stehe», wie in einem anderen Theater die letzten Reihen. Die befremdende Wirkung dieser Neuerungen verwandelte sich in ei» gewisses Unbehagen durch das häufige Flimmern der wohl etwas unfertigen elektrischen Beleuchlung, durch das lange Warte» und nicht zu», geringsten durch die empfindliche Kälte, die den früher so wohlgeheizten Naum durchzog. Endlich, nachdem der Kapell- meister sich vergeblich bemüht hatte, die Ungeduld des Publikums durch einige Musikstücke zu beschwicktigen, ging der Vorhang in die Höhe. Was jetzt geboten wurde? Mancher Leser wird das vor- jährige Olympia-Theater besucht haben. Wen» nun hervorgehoben wird, daß die Kostüme womöglich noch schillernder waren als damals, und an Balleleusen, Statisten, Akrobaten und Viehzeug noch weniger gespart wurde, so ist so ziemlich alles gesagt. Daß das Stück Konstantinopel hieß, war nebensächlich, es hätte ebenso gut»ach einer andere» in unserem Erdlheil liegenden Hauptstadt gelauft werde» können, und was die in einem Textbuch beschriebene Handlung betraf, so war diese ebenso gleichgillig. Zwei oder drei Kerle, die als angeblich handelnde Personen mit Namen genannt sind.- liefen oder ritten auch zniveilen recht störend durch die Sphärenharmonie der Ballekgruppirungen hindurch und fuchtelten mit den Händen umher. Meistens aber verhielten sie sich ruhig in irgend einem Winkel und sahen de» Tänze» z». Was diese betraf, so waren i» der That wahre Wunder an farbenprächtigen Bilder» geschaffen worden. Alle Sichtung vor dem Mann, der in eine so grandiose Masse von leichtfüßigen Weiblein Ordnung und Harmonie zu bringe» wußte. Aber zieht man das Fazit der auf eine Bühne von 42 Meter» Länge verlheilte» Mnssenschaustellung, so muß gesagt werde», daß sie auf die Daner von beinahe vier Stunden— so lange währte die allerdings von zwei fast halbstündigen Pausen unter- brochene Vorstellung— ermüdete und in ihrem Einerlei von Ballet und wieder Ballet die Nerven abspannte. Mit wirklicher Bühnenkunst steht das Olympia-Theater natürlich in keiner Beziehung; das Ganze ist als ein Stück kolossaler Barbarei zu betrachten, das vielleicht mit den glänzenden Schauspielen, an welchen asiatische Fürsten sich ergötzen solle», in Verwandtschaft gebracht iverden kann. Im nerven- tödtenden Banne des Kapitalismus mußte die Mehrzahl der Menschen schließlich für höheren Kunstgenuß mehr und mehr unempfindlich werden und nach einem Ergötzen verlangen, bei dem die Deuh funktionell unnöthig sind. Dem kommt man nun folgerichtig mit üppigen Geschmacklosigkeiten der hier skizzirten Art entgegen. Berliner Asylverein fiir Obdachlose. Im Monat November lS97 nächtigten im Männerasyl 20SV3 Personen, wovon 10 647 badeten, im Fraucnasyl 3281 Personen, wovon 191 badeten. Arbeits- Nachweis wird erbeten für Männer Wiesenstraße SS— S9, für Frauen Fttsilierstraße ö. Zur Bcachtnugl Zwei in dürftigen Verhältnissen lebende Parteigenossen in Lauscha und Steinheid offeriren ihre selbst- gefertigten Erzeugnisse in C h r i st b a u in f ch»> u ck( G l a s- w a a r e n). Der Genosse Zubeil, Lindenstr. 106, hat de» Berkaus dieser Glassacheu bereitwilligst übernommen. Unter dem Hinweis, daß die Verkaufsobjekte zum Selb st ko st en preise abgegeben werde», bitte» wir um geneigte Unterstützung des Unternehmens. Zahlreiche Kriminalbcamte stehen augenblicklich im Innern der großen Berliner Geschäftshäuser auf Posten, weil dort alljährlich um diese Zeit nnglanblichl viele Gegenstände entwendet werden. Bisher ist nur in solchen Fällen die Strafanzeige erstattet worden, wo es sich um geiverbsmäßige Diebereien handelte oder abgefaßte Gelegeuheitsdiebe obendrein den Entrüsteten spielten und womöglich Schadenersatz für den in ihre Redlichkeit gesetzten Zweifel verlangte». In Zukunft wollen aber die Geschäftsleute nicht weiter Milde walten lassen, da die Diebstähle überhandnehme» und trotz aller Wachsamkeit die meisten Diebe mit der Beute entkommen. Jus- besondere soll auf die berühmte„Kleptomanie", welche gerade zu Weihnachten epidemisch wird, nichts mehr gegeben werden. Natürlich kommen gelegentlich auch Fehlgriffe der Beamten vor, was dann stets zu äußerst peinlichen Szenen führt. I» der Marie Thiclc'sche» Mordsache verdichten sich! die Verdachtsmomente gegen den, wie mitgetheilt, verhafteten Schuh- macher Hardtke immer mehr, so daß es wahrscheinlich gelingen wird, ihn dieser That überführen zu können. Namentlich belasten ihn die Aussage» zweier unter sittenpolizeilicher Kontrolle stehenden Mädchen, die Hardtke in der Mordnacht zwischen 10 und II Uhr in der Hannoverschenstraße in unmittelbarer Nähe des Hauses, in dem die Thiele ihr Absteigequartier halte und ermordet wurde, ansprach. Er fragte sie, ob sie allein wohnte», und ging auch mit der einen in ein Hans hinein. Zlls aber noch andere Leute dort erschiene», verschwand Hardtke so schnell wie möglich. Er leugnete auch bei der Konfrontation, bei der ihn die Mädchen mit vollster Bestimmtheit ivieder erkannten und versuchte einen Alibibeiveis an- zutreten, der aber vollständig mißlang. Wahrscheinlich dürfte es auch gelingen, dem Hardtke, dessen perverse Neigungen wir bereits ermähnten, die Berübung niehrerer Ranbanfälle, die im Thiergarten gegen einzelne Frauen und Mädchen abends und nachts ausgefiihrl ivurde» nachzuweisen. Dagegen ist es noch nicht gelungen, irgendwelche Beweise dafür zu erbringen, daß dem Hardtke der Mord der Hedwig Nilsche zur Last zu legen ist. Die Länge der seit der That verflossenen Zeit und die seither eingetretenen Veränderungen in örtlicher und persönlicher Hinsicht, auf die wir bereits Hingewiese» haben, erschweren die Fcstslellttnge» in sehr erheblichem Maße. Tie Berliner RcttniigSgesellschaft ist jetzt unter Amt I 60 an das Fernsprechuetz angeschlossen. Im Nachtrage znnr Thcil- nehmer- Verzeichniß wird sie demnächst nicht als Berliner Reitlings- gesellschast, sondern einfach als„Rettuugsgesellschast" aufgeführt werden. r Der Gtadtverordnctc Fabrikant Wunder ist am Mittwoch nach längerem Leiden im 63. Lebensjahre gestorben. Er war seit Anfang April 1387 Mitglied der Stadtverordneten- Versammlung, gewählt von der zweiten Abtheilung im 3. Bezirk und im Jahre 1894 bis 1399 wiedergewählt. Ein Opfer der Deuuiiziatioilöseuche. Furcht vor Strafe wegen Majestälsbeleidiguug und häuslicher Zivist haben den 36 Jahre alten Dreher August Schulz aus der Pappelallee 33 in den Tod getrieben. Schulz lebte seil acht Jahren in unglücklicher, kinderloser Ehe. Wiederholt wohnten Mann und Frau ge- trennt von einander, auch in den letzten acht Tagen wieder. Vor zwei Monaten hatte Schulz mit einem Gast in einer Schankwirthschast in derKastanienallee einen Streit, in dessenVerlauf er sich einer Majestäts- beleidignng zu schulden kommen ließ. Sei» Gegner lief damals sofort zum Schutzmann und zeigte ihn, obwohl die Beleidigung noch dazu in der Trunkenheit gefallen war, an. Die Absicht, nach Slmerika, wo er früher schon gelebt hat, auszuwandern, konnte er nicht ans-' führen, weil ihm die Mittel fehlten. Außerdem hatte ihm seine Frau gedroht, daß sie, wenn er sie verließe, feine Flucht sofort der Polizei melden werde. Zu gestern war wegen der Majestälsbelei- diguug Verhandlung angesetzt. Schulz war in den letzten Tagen, in denen er bei einer verheiratheten Schwester wohnte, sehr nieder- geschlagen. Vorgestern morgen machte er einen erfolglosen Versuch, sich seiner Frau wieder zu nähern. Als dieser Versuch sehlgeschlagen war, erschoß er sich in seiner Wohnung. Bollstiindig niedergebrannt ist letzte Nacht die allgemein im Norden der Stadt bekannte Sommerbühne von., S e i d e l' s Kleinem V o l k s g a r t e n", Badstr. 60. Das ans unbekannter Ursache entstandene Feuer fand an den dort anfgestapellen Garten- möbeln reiche Nahrung, so daß es beim Eintreffen der erste» Lösch- züge bereits eine» große» Umfang angenommen halte und in erster Linie ans den Schutz der benachbarten Gebäude hingewirkt werden mußte. Obgleich sofort drei Rohre in Thätigkeit traten, konnte das Theatergcbäude nicht gehalten werden. Erst nach 3>/s stiiudiger Arbeit konnte die Wehr wieder abrücken. NahrungSsorge» haben den 3S Jahre alten Klempner Emil Peglow, der in der Chausseestr. 28a in Schlafstelle wohnte, in de» Tod getrieben. Peglow war schon seit längerer Zeit ohne Beschäf- tigung und hat wohl keinen Ausweg ans seinen Sorgen mehr ge- sehen. Am Mitlivoch fand ihn seine Wirthin, die Wittwe Hoffmaun, in der Stube erhängt auf. Wegen fortgesetzter roher Mißhaudlnng seiner Ehefrau, die den Tod der letzteren zur Folge gehabt hat, ist der Kolberger- straße II wohnhafte, bereits mehrfach wegen Körperverletzung vor- bestrafte Bohrer Emil W. festgenommen und der Staatsanivallschasl vorgeführt worden. Wie Zeugen bekundet haben, hat der Fest- genommene seiner Ehefrau unter anderem mehrfach Fußtritte gegen de» Unterleib versetzt und ihr siedendes Schmalz in das Gesicht gegossen. Am 4. d. MIs. stieß er seiner Frau so heftig mit dem Euß gegen den Leib, daß die Gemißhaudelte an einer Bauchfell- ntzündung erkrankte und starb. Telbstinord auf der Polizeiwache. Auf der in der Char- lottenstraße belegenen Wache des 33. Polizeireviers erschoß sich der 22jährige Handlungsreisende Ludwig St., der wegen Verdachts der Unterschlagung von vier werthvollen Ringen festgenommen worden war, während der von einem Beamten ausgeführte» Leibesvisitation. St. wohnte hier in einem Hotel der Friedrichstadt und war in Geld- Verlegenheit gerathen. Da ihm von seinem Geschäft ein erbeteuer Vorschuß nicht bewilligt wurde, so beauftragte er eine» Dienstmann, ihm vier Brillantringe zu versetzen, und versprach ihm für seine Bemühungen zehn Mark. Dem Dienstmann kam jedoch die Sache verdächtig vor, er brachte daher die Ringe statt zum Pfandleihhause auf das Bureau des 33. Polizeireviers und theilte hier mit, was für eine Bewandtniß es mit ihnen hatte. Der Reviervorstand gab ihm zu dem mit St. verabredeten Stelldichein einen Kriminalbeamten mit, und dieser führte de» Kaufmann auf die Wache, damit er sich über den redlichen Erwerb der Ringe ausiveise. Bei der Durchsuchung seiner Sache» wußte St. einen Augenblick zu benutzen, um einen Revolver aus der Tasche zu ziehen und sich eine Kugel in die rechte Schläfe zu jagen. Er brach sofort todt zusammen. Fcnerbcricht. Mittwoch Abend 3 Uhr war M u l a ck st r. 26 ein Zimmerbrand zu löschen, der Betten und Wäschestücke zerstörte. Donnerstag Abend 6 Uhr erfolgte I m ni a n u e l k i r ch st r. 9 eine Lampenexplosion, wobei verschiedene Gegenstände vom Feuer er- griffen wurden, das aber noch vor Ankunft der Wehr gelöscht werden konnte. Kurz vorher halte Wrangelstr. 114 ein Posten Dekorationswatt« in einem Schuhladen Feuer gefangen, doch brauchte die alarmirte Wehr hier ebenfalls nicht in Thätigkeit zu treten. Die Dcntschc Gesellschaft fiir volksthiimlichc Naturkunde hielt ihre letzte diesjährige Sitzung im Museum für Völkerkunde ab. Trotz der schlechten Witterung hatte sich der große Hörsaal bis auf den letzten Platz gefüllt, stand doch auch ein hochinteressanter Gegen- stand auf der Tagesordnung:„Die Anwendung der Photographie in der Krlminaljnstiz", der von einem Vortragenden zur Darstellung gelangte, welcher selbst vor etwa 20 Jahren die erste» bahnbrechen- de» Arbeiten auf diesem Gebiete geliefert und dasselbe seit jener Zeit mit rastlosein Eifer und dementsprechendem Erfolge zum Schrecken des Verbrecherthnms iveiter ausgebaut hat. Die Reihe von Photogrammen, welche Herr Dr. I e s e r i ch ans seiner ausgedehnten Praxis auf dem Projektionsschirm seinen Zuhörern vorführte und welche den Ziveck halten, die dunklen Wege des Verbrechens aufzudecken, erregten stellenweise geradezu Sensation. Der Nachweis von Blut, die Unterscheidung menschlicher Haare. die Kenntlichmachung verschiedener Tinten bei Fälschungen von Wechseln und Urkunden, das Wiedersichtbarwcrden der durch Rasur oder auf chemischem Wege entfernten ursprünglichen Schriftzeichen, der Bctrug im Falle Nelly Kneebs, die Geheimnisse des Löschblattes. die Fälschung der Lutherbibeln u. s. w., sie alle hielten die Zuhörerschaft fortwährend in Spannung. Daß die Ver- brecherwelt sich ebenfalls die Fortschritte der Wissenschaft zu Nutzen zu machen bestrebt ist, um sich vor Entdeckung zu schütze», auch dafür wurden Beiveise vorgeführt, ihr ist aber, wie der Vortragende bemerkte, die Wissenschaft immer noch„über" und ivird sich auch redlich bemühen, ihr„über" zu bleiben. Lebhafter Beifall wurde dem Herrn Vortragenden zu theil. Theater. Im Schiller-Theater wird nächsten Sonntag Nach- mittag als 6. Vorstellung im Schillcr-Zyklus„WallensteinS Tod" gegeben. In der Sonntag-Abendvorstellung kommt«Kyrttz- Pyrits" in der ersten Be- sctzung der Hauptrollen, also mit den Damen Gallus, Werner, Meyer und den Herren Schmasow, Laurence und Eybcn, znrAusführung.— Wir werden ersucht, darauf aufmerksam zu machen, daß die Vorstellungen im Olympia- Riescntheater nicht, wie irrthümlich in der Annonce steht, um 7>/z, sondern um 8'/, Uhr abends beginnen. Ssiis den Nnchbarortett. Der Borstand der JuvaliditätS- und AlterSversichernngS- Anstalt der Provinz Brandenburg hat gestern einstimmig beschlossen, eine H e i m st ä t t e für l u n g e n k r a n k e F r a u e n zu 30 bis 100 Bette» bei K o t t b u s zu erbauen und wurden hierzu LOO 000 M. bewilligt. Der Magistrat von Kottbus giebt 40 Morgen Grund und Boden unentgeltlich dazu her. Nach Gntachten der Sachverständige» ist die Lage dort eine sehr günstige. Bei de» Charlottenburger Btichwahlc» im zweiten Wahl- bezirk der ziveiten Wähler-Ablyeilung siegten die drei»»politischen Kandidaten Maurermeister Koch, Direktor Rostock und Stadt- verordneter Stoeter. Hundcbratc». Eine etwas eigenartige Aufklärung haben die vielfache» Hnndedicbstähle gefunden, welche in letzter Zeit soivohl im Norden Berlins als auch in den nördliche» Vororten verübt worden sind. Es sind nämlich drei Burschen dingfest gemacht morde», welche dabei betroffen worden sind, ivie sie sich auf freiem Felde, auf Reinickendorfer Gebiet, am Bahndamm der Nordbahn, drei feiste ennde ansschlachlete», die sie geständigermaße» gestohlen habe». hier Bekundung nach habe» sie im Auftrage eines Gastwirlhs ge- handelt, welche» sie angeblich schon längere Zeit hindurch mit billigem „Hammelbraten" versorgten. Die beschlagnahnite Lieferung sei für ei» Familienfest des Betreffende» bestimmt gewesen. Inwieweit die Aussagen der Hnndeschlächler aus Wahrheit beruhen, muß die eingeleitete Untersuchung ergeben. Aus alle Fälle werden die Bursche» wegeu Eigeulhiimsvergehens zur Verantiportung gezogen werden. Ei» grancnhaftcs Bcrbrechc» ist i» dem uckermärkische» Dorche Meichoiv verübt worden. Das 17jährige Dieiistmädchell Martha Däh» wurde von ihrem Dienstherrn, dem Schweinehändler Marggraff, ermordet. Beide hatten sehr vertraulich mit einander verkehrt, und dieser Berkehr blieb nicht ohne Folgen. Marggraff der verheirathet ist, fürchtete sich vor öffentlicher Bloßstellung und bot dem Mädchen eine größere Geldsumme, damit sie schweige. 9111 sie daraus nicht einging, lockte er sie i» den Stall und erivürgte sie; um einen Selbmord des Mädchens wahrscheinlich zn machen, hängte er die Leiche am Halse auf. Hierauf begab er sich nach dem benach- barten Gramzoiv anss Polizeiamt und zeigte den angebliche» Selbst- mord a». Einige Kratzlvunden, welche die Ermordele dem Marz- graff beigebracht hatle, sührlen zu der Entdeckung, daß er der Mörder sei. �_ GvvirhtS�Seikung. Ter Prozcst gegen Dr. Benno Wille ist, wie ans Graz berichtet wird, gestern beendigt worden. Dr. Wille wurde vom Ver« brechen der Religionsstorung sreigesproche», dagegen wegen Ueber- trelung des§ 303 des Sirasgesetzbnchs(Herabwürdigung von Lehren, Gebränchen und Einrichtungen einer vom Staate gesetzlich an- erkannten Religionsgenossenschast oder Kirche) zu achliägigcm Arrest vernrtheilt! Sind die Pfarrgiitev von den Beiträgen z» den Land- wirthschaftSkammcr» frei? Diese Frage hatte gestern das O b c r- V e r w a l t il n g s g e r i ch t zn cnischeideli. Eine katholische Kirchengemeinde i» Westpreußeii und ein Pastor in der Provinz Sachsen beantragten die Freistellung von diesen Slbgabe», indem sie sich auf§ 775 II, 11 des Slllgeineinen Landrechls lllld aus§ 18 des Gesetzes über die Landwirthschaftskaunner» vom 30. Juni 1894 beriefen. Der drille Senat des Ober- Verwaltungsgerichls erkannte aber gestern zu ihren nilgunsten. Zur Begründuiig ihrer Abweisung führte der Vorsitzende Rommel aus, es ergebe sich klar aus dem Gesetz vom 30. Juni 1894 und seinen Motiven, daß die Beiträge auch von Pfarrländereien zu zahlen seien, ivie ja anderer- seils die Nießbraucher dieser Ländereie» auch das Wahlrecht für die Landwirthschaftskaininern hätten. Daß sie das Landrecht von de» Gemeinde-Abgaben befreie, sei hier gleichgillig. VerNurnnruttgen. „Die sogenailiite sozialpolitische Gesetzgebung" war das Thema, über welches Dr. Friede berg in einer am Mittwoch 9lbe»d in der Moabiter Kronenbrauerei, zum allergrößten Theil von Frauen besuchten Bersaninilung sprach. Nachdem der Vortragende die seitens der herrschenden Klassen anläßlich der Inauguration der in Frage kommende» Gesetze, nämlich des Krankenkassen-, Unfall-, sowie des Jnvaliditäts- und Slllersvcrsicherungs-Gesetzes, kolporlirle Phrase vom sozialen Köuigthum als ein heuchlerisches Märchen ge- kennzeichnet und gezeigt hatte, daß alle diese Gesetze nur der immer mehr zunehmende» Macht des Proletariats ihr Dasein verdankten, besprach er in klarer Weise alle drei Gesetze, zeigte an der Hand eines reichen statistischen Materials ihre Wirksamkeit und belenchtele eingehend ihre Mängel, zugleich ans die nothwendigsten Slenderunge» und Verbesserungen hinweisend. Indem er erläuterte, ivie gerade das weibliche Geschlecht am allermeisten unter den Schäden der heutigen kapitalistischen Gesellschaftsform und so auch unter den Mängeln der ganzen sozialpolitischen Gesetzgebung leide, empfahl er den Anwesenden, sich niit den betreffenden drei Gesetzen ja recht vertraut zu machen, um sich wenigstens die geringen Vorlheile dieser Gesetze rechtzeitig zu sichern, und forderte zum Schluffe namentlich die Frauen auf, sich dem Sozialismus anzuschließen und durch eifrige Slgitatiou dafür zu sorgen, daß auch auf diese»» Gebiete die berechtigten Forderungen des Proletariats erfüllt»vürden.— 9luf eine Diskussion»vurde verzichtet und die Versammlung seitens der Leiterin mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie geschloffen. Die HandlnilgSgehilfeu»ud-Gchilfinucn nahmen in einer am 3. Dezember in den„9lr», inHalle»" stattgehabten, schwach besuchten öffentlichen Versammlung den Kassenbericht der Slgitations- kommisston entgegen. M a a ß berichtet, daß dieselbe in der Zeil vom IS. Juli 1396 bis 5. Dezember 1397, einschließlich eines über- nommcnen Bestandes von 32,2S M., eine Einnahme von 336,05 M. gehabt habe, der 330,16 M. Ausgaben gegenüberstehe», sodaß ein Be- stand von 5,89 M. verbleibt. Die Revisoren beantragen Erlheilung der Decharge,»velchcm Antrage die Versannnlnng zustimmt. T h i e l e r erstaltet den Bericht der Pr-ßkommisston. S>v i e n t y tadelt, daß die Agitationskoinmission nichts geleistet hat und beantragt, die beide» Kommissionen i» Zukunft zu einer Körperschaft zu verschtnelzen. Simmel erklärt die Uuthätigkeit der Kommission damit, daß es an Mitteln und Personen zur Agitation gefehlt hat. Derselbe, sowie auch Breslau er, Friedländer und M a a ß erklären sich gegen den Slntrag Swienty,»voraus derselbe abgelehnt wird. In die'Agitationskoinmission iverden sodann geivählt: E. S i in in e l, Fräulein Haas'eH Friedländer, Kalisk» und Schmidt; i» die Preßkoinmissioi»: S i m m e'- A. und I. C o h n. Frau Gubela macht auf die Verhälinisse in Zwei Geschäften auf- nierksam: Orauienstraße Nr. 24(Konfektion) Nid Dresdenerstraße (Damaschke, Mehlgeschäst); beide Fälle werde» der Agitations- kommissio» überiviesen. A> beiler- SI lduiio« Mulle. ZnselNr.>o, v.»Tr. M'ttwoch: National. S ton omte(gUundbegiiffe der Nationalötonointe! To Eonr. Tchmtdl) Tonnerstaq: Geschichte«Die vorgeschichtliche Zeit und pe ersten geschichtlichen Ueberlieferungen! Dr. Georg Seppler). Freitag, w e s e y e 8 tu n de. sAlbcttSvertrag, die sozialpolitische Liesetzgebung, Strasi echt,«ewerbliche« Hon- zksstonsivescn. Eherecht, MicthKrecht, Erb- und Vormundschill/recht, össemNche» Lieck»! LiechlSanivalt Wolfgang Heine). Die Bibltotiel ist von o— g Uhr geöffnet. Mitgliedsbeitrag monatl. Ys Pf., Kursus sio SlbeiWO i M. pro Fach. Theilnehmcr weide» aufgenommen lnder Schule»nd in folg. Sti"?11: Wollsr. Schulz, Lldmtraistr.«rn; Lleul, Barntmslr.«-; Schiller, Vlosenlhaltrstr. sr; Gleinert, Miillerstr. 7a; Paul Mucke, Manieusfclflr. Iii»! H. König«. Dieffenbachsle. ZU. Lllle Zuschriste» st»d an den«orfttzenden Paul M ticke jr., SV. Man- teiifselstr. las, Seldsettdungeti an den Kasstrer H. Königs, S DteffStthachstr. so, zu senden...... Herllner Kra»li»n-U»t«rstiit»»ig«. und K»ariib»iß>>"'el» kur Lranrn »nd Nlädchr».(Gegründet 1802.) Heule, abends 7-9 lpr. bei Mehrniald, Alt« Jakobstr. St— 88, Zaylabcnd. Daselbst werden auch jedepea Nene Mtlglteder aufgenommen. perrin für Körper» u»b!li»t»rh«ill>»»de Adnisraürnße>80, Im Mckr- tischen Hof, abends sx Uhr: Projelitons-Lichtbilder-Vortrch über Augen- und Ohrenleide» vom pratüschen Naturheiltandigen Srundman» Briefkasten der Redaltinn. Die jurislischc Tprechstnude finbet om M»tag- Freitag und Sonnabend von k bis 8 llhr abends statt. I. B. 100. Die Berliner Feuerwehr hat eine Nnsikkapelle. A. D. 10. Ist uns nicht bekannt. Wenden. Sie sich an Dr. Brahlii, den Dircltor deö„Deutschen Theaters". Ungläubige. Werden nicht aus der Haft entlassst- Richtcrs Flottenrede. Septennat heißt BiudiuZ des Reichstags auf 7 Jahre, Aetemat eine solche auf ewig. Herrn Wetter-Prognose fiir Freitag, 10. vzcinber IbH»7. Ei» wenig kälter, zeilwcife heiler, vieltch ivolkig mit Nieder» schlügen uiid frischen westlichen Wiude». B e r l i n e r W e t l e r b n r e a li. «eranlwortlicher Redakteur: Angnst Jncvbcy in Berti». Für de» Jnserateutheil verantwortlich: Th. Glvcke in Berlin. Druck und Verlag von Max Badin in Berlin. Hr. 288 it. w...» 2, KilU drs Jwmilrts" Fttitus, 10, Dtfliubtt 1897. Der Wnlilvcrrin für de» ersten Berliner RcichStagS- Wahlkrcis l>iell ni» Miltivoch eine Bcrsninmlung bei 5iohn, Beulh- strape. ab, in der Genosse Calwer über:„Flolteiiplfiiu»nd Marine- Technik" referirte. Tem Vortrag folgte eine interessante Debatte, in der als erster Redner der Zluhängcr der„national- sozialen Partei" Herr Migalski in längeren Zlnsführnngen für eine Versinrknng der Flotte eintrat. Dieser Redner begründete seine An- schannag iin wesentlichen dainit, das> Deutschland infolge der Thntsache, dar oie bisher industriell wenig entwickelte» Staaten bereits in der letzten Feit mit ihren Jndnstrieprodnklen anf dem Wcltninrlt erscheinen, gezwungen sei, sein Absatzgebiet, das auch durch die Schnhzollgcsetze der verschiedenen Staaten und die nicht sehr günstigen Handels- beziehungcn Tcnlschlands überhaupt gesährdet sei, durch Gewinnung von neuen Kolonien zu erweiter». Das sei aber nur möglich durch eine Achtung gebietende Flotte. Das! dies eine Eroberungspolitik sei, gebe er zu, die aber bedingt sei durch den Selbstcrhaltuugslrieb, de» berechtigten Egoismus. der jeder Ratio» zu ihrer Selbsterhaltnug innc wohnt. Deutschland müsse uwsomehr auf eine Erweiterung seines Absatzgebietes denken, als es nicht im stände sei, zumal die Be- völkerung jährlich ganz bedeutend znuehme, die»othivendigc» Lebensmittel zu prodnzircn und solgedessc» ganz entschieden aus die Einfuhr derselben angewiesen ist und diese nur durch eine» be- dcntcudcn Export der Jndustrieprodukle ivicdcr decken kann. Die Lasten einer derartigen Flotte will der Redner allerdings auch nicht wieder den Arbeitern aufgebürdet wissen, sondern diese sollen durch die Ueberschüsse der Einzelstaaten, durch eine progressive Einkommen-, Vermögens- und Erbschaslsstcuer auf- gebracht worden. In seineu weiteren Ausführungen setzt sich der Redner in recht drastischer Weise über die Einwendungen unserer Parteigenossen, daß die fortwährenden Nüslniige», trotz Beiheiiernng der Friedensliebe der Regierungen seitens der verschiedenen Staaten eine Schraube ohne Ende sei, hinweg und meinte:„daß die Schraube doch ein Ende habe, und zwar dann, wenn die wirlh'chaslliche Leistungsfähigkeit der Völker vollständig erschöpft sei". I» recht treffender Weise erörterte Genosse T ä l e r o w hieraus die internationalen und auf dem Menschcnthui» basireuden Anschauungen der Sozialdemokratie, die dem ganzen gegenwärtigen System des Militarismus schroff gegenüber steht und durchaus keine Ursache hat, sich für Flotte und Kanone», deren Kosten durch indirekte Steuern und Belastung der noihtrcudige» Lebensmittel der errverbsthatigen Bevölkerung aufgedrungen werden, zu erwärmen. Flotte und Kanonen sind keineswegs geeignet, die friedlichen Handelsbeziehungen zu stärken, sie haben demDentschlhui» die Achtung, insoweit diese vorhanden ist, nicht verschafft, sonder» dies ist der Intelligenz des Deutschen inr allgemeinen zu verdanken. Nur eine bestimmte Jnteressenkliqne hat Vortheile zn erwarten und kann sich auf Kosten der großen Masse die Taschen füllen, während andererseits der Großmachtskihel, dem zum großen Theil der Plan entsprungen ist,, gesmdert wird und durch eine derartige Politik Konflikte heraufbeschworen werden, bei welchen wieder die Arbeiterklasse ihre Haut zn Markte zu tragen hat. Schutz der nationalen Arbeit in dem Sinne, daß die schrankenlose Aus- bcntung der nrbeileuden Bevölkerung eingeschränkt werde und Urbar- machung des»och vielfach brach liegende» Bodens, sowie die Juan- griffnahme von den Arbeiten, die einem Kultnrzwecke culsprcchen nud die Begünstigung der produktiven Arbeit bieten allein die Gewähr der Machtstellung einer Nation; das wäre eine nationale Politik, der auch die Sozialdemokratie zustimmen würde. In der weiteren Diskussion wiesen die Genossen Bohne, Oppel, Stabernack und Felgentreff darauf hin. daß die Sozial« reform vollständig ins Stocken gcrathe» ist, daß die Ueberschüsse in de» einzelnen Refforls zum großen Theil anf Kosten der Arbeiter und Unterbeamte» erzielt werden, daß alle Mittel durch den Mili- larismus verschlungen werden und für kulturelle Zwecke einfach nichts vorhanden ist, daß auch die Einzelstaaten die Ueberschüsse nicht der Slllgemeinhcit dienenden Einrichtungen zuwenden, trotzdem die Lasten für die arbeitende Bevölkerung immer drückender werde» und das ganze Steuersystem der besitzenden Klasse ansehnliche Borlheile ge- währe. Bon diesen Rednern wurdegleichfalls derAnsicht.daßdieGetreide produzirenden Staaten ihre Grenzen absperre» und Deutschland kein Getreide niehr bekommen würde, sehr treffend entgegen getreten. Wie vom Referenten, der in seinem Vortrage speziell' die technische Frage bei den Marineforderungeu erörtert hatte und in seinem Schlußwort die Aussührungen des Herrn Migalski noch kritisch beleuchtete, so wurde auch in der Debatte von mehreren Rednern außer der prinzipiellen Stellung der Sozialdemokratie zu allen derartigen Forderungen auch diese Frage behandelt.— Trotz dieser sehr auS- gedehnten recht sachlichen Debatte, wurde ein Antrag angenommen, die Diskussion abzubrechen und eine weitere Versammlung einzuberufen, zn der Herr Migalski sein Erscheinen zugesagt hat, »m die Debatte zwischen den Anhängern der national-soziale» Partei und unseren Parteigenossen fortzusetze». Nachdem der Vorsitzende noch zum Anschluß an den Wahlverein aufgefordert und aus den am Sonntag Vounittag stallfindcndc» Uraniabesuch hingewiesen halte, erfolgte der Schluß der Versammlung. Achtung! Maurer. Achtung! Freitag, den lO. Dezember, abends 8 Uhr: Oeffeutl. Versammlung der Vaudeputirten im Lokale des Herrn Buske, Grelmdierstraße 33. 1. Die Saildhabilllg der AbßeliwlNg der Söimnefforteii. t SitllMMericht. Es ist Pflicht, daß stch die Kollege» jedes Baues durch etilen Dclcgirten vertrcicn lassen.— Zur Erleichte- rimg der Abstempelung rathen wir den Kollegen, dah die Karten vom 13, Dezember ab möglichst bantenweisc»ach dem Bureau gebracht werden. Um dies zu ermöglichen, ist es nothwcndig, dag die fehlenden Marlen am Sonn- abend in den Zahlstellen resp. aus der Sammelliste des Baues nachgctnust werden. Karten, auf denen Marken oder der dieselben crscycndc Kommissionsstempel fehlen rcip. der Nachweis über die Nichtiglcit der Karte nicht beigefügt ist, können laut Bersamnilmigsbeschlnst nicht den Schlnßstcmpcl erhalten. l>ie L,olink<»iiiiiiissIuii._ Verein der»unstfrcnnde. Sonntag, den IS. Dezember, unchmittagö 4 Uhr, im Lokale des Herr» Ol, st. Schöncberg, Grunewaldstrasie lIOj Mitglieder-Versammlung."HW T a g e s- O r d n u n g: I. Bortrag bcS Herrn I»»-. Bovclmvckt. 2. Jahresbericht. 3. Wahl dcS Vorstandes. 4. Kaflenbericht. Mitgliedskarte lcgitimirt. Gäste, durch Mitglieder eingeführt, haben Zutritt. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht 206/8_ Ter Borstand. Große öffentliche Dersamminng für alle in der Dolzbrancht beschiistigirn Wktter. wie: Tischler, Bildhauer, MObelpollrer, Drechsler, Baschlnenarbcltcr u. s. w. tun Sonntag, den 12. Dezember 1897, vormittags ll'/j Uhr, in Keller s großem Saal, Koppenstraße Nr. 29: Tagesordniliig: Der Streik und Vergleich vor dem Einigungsaint betreffs der Möbelfabrik von Eberhard, Michaelbrücke Nr. 1 und die Nichteinhaltung der Vereinbarungen. 154/10 Herr MagistratSaffessor v. Schulz als Vorsitzender und die Herren Fabrikant Weigert, Kaufmann Bry, Tischler Klittger, Tischler Ahrens als Beisitzer, sowie Herr Eberhard sind schriftlich eingeladen. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht _ Der Einberufcr: Carl Lederhause, Krautstr. 51. Ielllr»1'?erbsol! der Zimmerer Deutsclilands (Zahlstelle Berlin). Am Sonntag, den 12. Dezember, vormittags 10% Uhr, im Lokale „Artniiihnllen", Konimandantcnstrasie Nr. 20: General VevsÄmntlunlg. Tages-Ordnung: I. Berichterstattung über die Verhandlungen der EinigungSversuche. 2. Verschiedenes. Um recht zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersticht Der Vorstaad. I. A.: H. Knüpfet, Schöncberg, Kolonneustrage 52._ TifickileL-VeLoin. Sonnabend, den 11. Dezember, abends«Vz Uhr. Molchiorftr. 15: General- Versammlung, Tagesordnung: Wahl des gesammten Vorstandes für das Jahr 1808. 100/14_ Mitgliedsbuch legitimirt. Der Vorstand. DU'sdlti t!!ltl/ Blatt 50 Keule»nd glückcn 70 und 80 Pfg.' üaion v. 2,75 M., Kaninche» 80 Pf. A!«w-w.AchU,stIPs. Wild- und Geflügelhandlniig L Rilsclil, Dresdenttstr. 61. Mehl bestes 000 k Pfd. 15 Pf., Auszug 17 Pf. Wiener Mehl 22 Pf. Erbsen 10 Pf. I-r graue Erbsen 2 Psd. 35 Pf. Schäl- Erblen 15 Pf. Linsen 10 Ps. Bohnen lO Pf. Hirse 15 Ps. Haferflocken 18 Pf. Backobst, gemischt 25 Pf. Malzgcrste 15 Ps. Gries 15 Pf. Granpen 13 Pf. Borzügl. gebrannten Kaffee von 80 Pf. au. Rohkaffee von 00 Pf. an. Zucker 2 Pfd. 45 Pf., empfiehlt 3tö9Ö* E. Ifoffmsmii, 155 Juvaiidenstr. 155(Teiephon: III, 5059) und 95 Koppeuftr. 95, Versend von 3 M. an frei Haus. Harzechöhl-li.Aiilgel-RM' tourcnreiche Sänger, versendet fl Stück 0, 8, 10, 12 Mk. Weibchen mit Hahn l Mk. Vers. geg. Nachnahme. Jeder Käufer erhält ein Buch über Zucht u. Behandlung gratis beigelegt. Garantie für leb. Aiilnnft. Umtausch gestattet. Packung frei. Bei Bestellung über 23 M. rechne ich kein Porto au. 2250b W. Schöndorf, Zigarrenardeiter in Holzhansc» bei Pyrmont. Freie Vereinigung der Bauarbeiter Berlins and Tlniß-ejxend. Sonntag, den 12. Dezember, vormittags 10V, Uhr, im Lokale des Herr» Wilke, Nndrcasstrasic 26: Mitglieder-Versammlung. Tagcs-Ordnililg: 1. Vortrag über:„Freie Gewerkschafts-Vercinigimg und lokale Streik- fonds." Referent: D'rlt� Hinter. 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegen- heilen und Verschiedenes.— Neue Mitglieder werden aufgeuommc». 31/15_ I. A.: FrltK Krüger. Stellmacher! Sonntag, de» 12. Dezember, nachm. 2 Uhr, in de» Arminhallen, Komma»daiite»stras«e 20: (veiffontl. VeLlnininlnng. 1. Vortrag des TageS-Ordnnng: -tadtverordueteii Th. Zletsner über:„Das neue Haudwerlergesetz." 2. Abrechnung und Neuwahl der Agitations-Kommissiou. 3. Bericht und Neuwahl des Gewerlschafts-Delegirteii. 4. Gewerkschaftliches. Da der Saal von 0 Uhr ab auderweitig vergebe.» ist, so ersuchen wir pünktlich zu crscheiueu. Die ÄgitationS-Kouiuiissio». L>uKHIVS>N ausgezeichnet ä Liter 1,20 Mk., 5 Liter 5,50 Mk.. 10 Liter 10,- Mk. ..m Eugeo rjeumann& Co/.«" Komptoir u. Gesnmmt Kellerelei:: Berlin 03, Lini'enftr. 16/17. — Detail-Berlaufslädeu: Belle-Alliancc- Platz 6«, Amn IV 3079.— Nene Friedrichstr. 81.— Ornnieustr. 190.— Geuthitiierstr. 29.— (tzrüiicr Weg 56.— Kommandantcnstr. 67.— Wilsnaiterstr. 25.— Echöneberg, Hanptstr. 129.— Charlottenb., Kais. 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Deutscher Holzarbeiter-Verband. htt Schneider. Unser Mitglied 1289/5 H e B I w i«g ist am 7. d. Mts. verstorben. Die Beerdigung findet am Freitag Nach- mittag um 4 Uhr von der Leichen- halle des Urban-Krankenhauses nach dem Neuen Jalobi-Kirchhos in Britz statt. Die Lotalverivaltung. Seirneiller- und Schneiderinnen-Verband Unser langjähriges Mitglied, Kollege Hellwig ist am 7. d. M. im Kranlcnhauie am Urban gestorben.[102/19 Die Beerdigung findet Freitag Nach- mittag 4 Uhr von der Leichenhalle des Krankenhauses nach dem neuen Jakobi- Kirchhof in Britz statt. Die Bevollmächtigten. (Zahlstelle Berlin.) Heute, Freitag, abends 3 Uhr, bei Cohn, Bcuthstr. 20/21: [272/11 Sitzung der Orts Verwaltung. Bürste«-«. Pinselniacher. Sonntag, den 12. Dezember, vormittags 10 Uhr, Im _ Englischen«arten. Alcxanderstr. 27c:_ Branchen- Versammlung.-HW Tages-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Berichterstattung der Kommtssion und Neuwahl derselben. 4. Verschiedenes.— Es ist Pflicht eines jeden Kollege», m dieser Versammlung zu erscheinen. Emi'etzev. Tonntag. 12. Dezember, vormittags 11 Uhr, Alte Jakobstr. 83: HÜT' U e r s a m nt i u u g. Tagesordnung: Wahl der Koinmüston. Es ist Pflicht eines jeden Verbandsmitgliedes, zu erscheinen. ANg. Arbeiter- u. Arbeiterinnen- Berein Alt-Glienickr. Allen Genossen zur Nachricht, daß unser Mitglied 2204b HVllhelm Ldegncr verschieden ist. Beerdigung Freitag 3 Uhr. Um rege Betheiligung bittet Der Borstand. Achtung! Stoekarbeiter. Achtung! Montag, den 13. Dezember, abends 8% Uhr, im Lokale des Herrn Wilke. Andrrasstratze 26: Yersammlung des Verbandes der Siockarbeiter. Tag es- O r d n nu g: 1. Vortrag des Genossen Wilke. 2. Disülsston. 3. Werkstatt- angelegenheiteu. 4. Verschiedenes. Es findet am betreffenden Abend Abrechnung der Urania- Billels statt. 175/15 Der Vorstand. Graste öffentliche Versammlung der DreDler, Ksrbmlllhtr, Piirstelllüachtr«»!> Kimuimchtt «m llontag, den 13. Dezember, abends 8 Uhr, im Uoknl Englischer Garten, Aloxanderstrusse 27c. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Genoffeu Th. Ml etzner über: Arbeitnehmer- und Arbeitgeber-Verbäude". 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Die Kollegen der Kammmachcr-Werkstellen von Kretschmann, Blumen- straße 74, und Meifel, Bcrnauerstr. 79 sind hierzu ganz besonders cinge- laden._(272 10 j_ Der Ulnbernker. Otto Wetze!& Co. median. Schuhfabrik mit Dampfbetrieb empfehlen ihre vorziigllchen Fabrikate zn enorm billigen Preisen. 3,90„ Kerrenzuystlefel, Damen- Schuhe, L'tzz%T' � 3, 60 Verkaufsstellen für Berlin: 33. liand�berger�trasse 3Ä. 114. Wrangel�tra�se 114. 22. Kleiststrasse 22. Ifiinnil 7nlinn1 CA ftfl Plomben 1 M. Zahnziehen frei. Zahn I1uD8II.ikDDDD ItzBlI �.ärztliche Klinik, Manteuffelstr. 4S, 1, Ecke ' Oranienstraße. Spr. 8—10 und 1— 3 Uhr. Hektroteclin. Verein Berlins und Umgegend. Sonnabend, den II. Dezember, abends 8V2 Uhr, im Bereinslokal, Schillingstr. 30: V ersaiiAmIüHK mit Vortrag. Ausnahuten finden alle in den elek- irischen sowie verwandten Branchen beschäftigten Herren, welche praktisch ausgebildet sind. 2205b Der Borstand. W. Sawitzky, Wasscrthorstr. 70. Der Gesangverein Hand in Hand 1 fordert hierdurch Panl Glomm auf, seinen Verpflichtungen so schnell wie möglich nachzukommen. 2207b Der Borstand. Die Beschuldigung des Genossen Weimann,„er habe mich wegen Majestäts- Beleidigung dcnunzirt", nehme ich hiermit zurück und erkläre denselben für einen Ehrenmann. 22666_ J. CoUin, Dp. SchapephuftÄ'f" hoinOop. Arzt.' Potsd. Brücke. Spczialarzt f. Bant- u. Harnleiden, Frauenkrankheit. Sprechst. 9-1, 4-7. Sonntags 9-1. Betten, Steppdecken, Gardinen spottb. Ncandcrstr. 0, Pfandleihe.[0/9 P reiswerthe 5 Pf.- Zigarren Zigarrenladen Mariannenstr. im 11. Dompfaffen, Hänflinge, Stieglitze, Zeisige, Finken btll. zu verk. Rehfeld, Swinciniinderstr. 48, Restaurant. Stellmacher! Die Werkslclle von W. K 0 Ii I• h a r d t, Chaussecstrassc, ist wegen Lohnkürzung und Bor- längerung der Arbeitszeit gesperrt. 209/3 Die Agitationokoni uiission ! Vauunschläger! Der stlrbeitsnachmcis der „Freien B e r e i» i g n n g" be- stndct sich vom 15. Dezember 1897 ab nicht mehr bei Kämmerer, Nene Pro- mcnade 7, sondern bei[54/13 DUring, Nene Schöiihauserstr 9, Telephon; Amt III, 2287. Der Vorstand. T.elirmiidchen suchen Blnmenfnbrik I.evln n. Venfeld, Rilterstr. 45._ 22636 Anstiindigc Herren erhalten lohnende Beschästigung. Offerten unter W. 707 an Rnd. Moffe, Potsdamerstr. 59._ 7/12* Hohen Nebenverdienst können sich Leute jeden Standes ver- schaffen event. festes Gehalt. Offerten suh M. 4 Exped. d. Ztg._ Tücht. Bergolderin Verl. H. Bergc- niann, Wrangclstr. 68. 22S0b Nur de» Inhalt der Inserate ukerhiMint die Redakttvi,«cm Pndllkitni isehettäver keinerlei Z'erantNiartnna yteitag> 10. Dezember. Vt'eeiihnus. DiwS. Anfang 7� ilhr Tchnnspielhans. Wie die Alien snilgen. Ansang?>/- Uhr. Dcntschcö. Mädchentranin. Anfang 7V- llhr. Berliner. In Behandlung. An- fang li/z Nhr. Goethe. ZirtnSlcuie. Anfang 7V- Uhr. Lessing. Hans Huckevel». Anfang USr. Benco. Die LogenbrNder. Anfang TV. Uhr. Tchitler. Helnig'funden. Anfang 8 Uhr. Belie-Alliance. Devorah. Anfang 8 Uhr. Residenz. Dorina. Attfang 7>/z Uhr Itntcr den Linden. Orphens in der Unterwelt. Anfang 7>/, Uhr. Central. Berliner Jährten. Ansang 7'/- Uhr. Dhalia. Bitte recht frenndlich. Hierauf Berlin über Alles.?Infang7>/, Uhr. Luisen. Frühliche Weihnacht. An- fang 8 Uhr. griedrich- WilhelinsliidiischeS. Joachim Grenimling. Ansang 8 Uhr. Ostend. Lebelt und Lieben. An- fang 3 Uhr. Rlexanderplnh. Die Verführerin. Anfang 8 Uhr. Urania. Tanvenstrast« 48—40. Naturtundl. Ausstellung v. 10 Uhr vorniittags ab. Abends 8 Uhr Wisscnschafll. Theater. Jnvalidenstraste K7/KL. Thglich (auher SonntagS und Mittwochs) abends 8 Uhr: Wissenschaftliche Vorträge. «elchshnllen. SpezlalitSt-ii. Anfang 8 Uhr. American. Spezialitäten. Anfang 8 Uhr. Apollo. 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AbendS 8 Uhr: Zum 2. Male: Whliche Weih, lacht. Zaiibcrinärchcn mit Musik in b Bildern von L. Ottomeyer. Musik von Frih Krause. Sonnabend: Benefiz für Arthur Winkler:„Fröhliche Weihnacht«. Vorher:„Bor ÄS Jahren.« Sountag, den 12. Dezember, nach- mittags 3 Uhr: Bolks-Borstellnng unter Regie von d»N»s Türk: I»l« Raiiber von Fr. Schiller. Billetö h 00 Pf. in den bekannten Verkaufsstelle». Vol ks- Theater Im Wclt-Itcstnnrant 07. D r c ö d c» e r- S t r a st e 07. Kerlin bei Uncht. GefangS-Posse. Die kleinste Contorsionisttn der Welt LVl.HMe Elsa.'W Auf vielseitiges Verlangen: O diese Radier! Im vorderen Saale: Tyroler Sänger Alois Ebner. Wiifititit* SonntagS 6 Uhr. 2UI|U1I!). Wochentags V/, Uhr. W. Noack's Thealer II r n ii n o n- S t r a« s e 10. Heute, Freitag, den 10. Dezember: Grober Erfolg! Grober Erfolg! Madame Potiphar. Charakterstück mit Gesang und Tanz in sechö Bildern von Carlos Duchow. Sonnabend, zum 1. Male: Weihnachts Wünsche oder: Ein Traum in der Christnacht. 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