Pr. 390. Kdlnmemrnts Kedwgungen: Abonnements-Prei» pränumerando: vterteljährl. 3L0 Mk.. monatl. l.loMk., wöchentlich 2S Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 PIg. SonntazS- Nummer mit illustriner Sonntag»- Vellage„Die Neue Welt" 10 Psg. PostAbonnement: 3,30 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zeitung», Preisliste für lSS7 unter Sr. 74S7. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland 3 Marl pro Monat. 14. Jahrg. Fit Znstrtwns-Srdghr deträgt für die sechsgespaltene flolonel- teile oder deren Raum»0 Psg.. für verein»- und BersammlungS-Auzetgen, sowie ArbeilSmarll SO Psg. Inserate für dle nächste Nummer müssen bi» i Uhr nachmtllag« in der Slpeditton abgegeben werde». Die Srpedilion ist an Wochentagen bi» 7 Uhr abend», au Sonn- und Festtagen bi» o Uhr vormittag« geöffnet. Erschrini täglich»ulier Dontag». Derlinev VolKsblÄtt. Irrnfprecher-«ml I, Et. IB08. Telegramm-«dreste: «So>i»ld-»,»kr»i Berlin». Dentrawrgan der sozialdemokratischen Uartei Deutsctziands. Htedaklion: 8V. Ig. Aettty-Straße 2. Sonntag, den 12. Dezember 1807. Spedition: SW. 19, Ueuty-Straße 3; Guikinns. In, Monat November gingen bei dem Unterzeichneten folgende Parteibeiträge ein: Altona, die Arbeiter der Fabrik H. P., Winklerplatz. 13,— UfcherSlebe», v. d. Genossen durch Gr. 20.—. Berlin. Beilräge der Wahlkreise: 2. Kr. 4(X>,—(darunt. O. M. 20,—, Freund Pichelsberger 3.—, C. L. 6,—, Dampsbahn Steglitz 8,—, Uebersch. v..Wnhr. Jak. 3.S2). 3. Kr. 000,—(darunter S. C. W. 3ö,—, aus Stephan' Kreise» M. Kg. SO.—), 4, Kr. Süd-Ost 1000,—(darunter S.-O. 100,—). 6, Kr., Oranienburger Vorstadt und Wedding 1S00,— (darunter G. E. 3,—, Janke- Riegel 4,20, Polarlicht 2,20) 3. Kr.. Noscnlhaler Vorstadt und Gesundbrunnen 300,—. 6. Kr.. Schönhauser Vorstadt 300,—(darunter vom platldeulschcn Genossen Schulze, Marienbuigerstr. 20,—, aller Genosse, Buchholzer ftraße 1,—. Null ouvert 6,—.) Berlin, diverse Beitrage P. S. 50,—. ZI. B. 50.—. E. G. 5.-. Dr. L. Sl. 50,- A. K. 40,—. Notbe Buchbinder, Grünstr. 5,—. Vcrgolder, Wrangelstrabe 5,—. Macheles 5,—. Von Mitglieder» der U.- Dr. Oktober- November 10,30. Fr. Engels 4,—. Ge buriSIags> Feier 1,25. Moabitcr Geburtstags- Kl. 4,35 47 Arbeiter von Echnster u. Bär l3,45. Ans Dessau 1,50. lieber schnß einer Kranzspende—.60. Bamberg, Jäcklein Viohrbach 5,. Bonn 21.33. Bernburg 10.—. Bochum, d. d. VertraiienSmann 50,— Bern, P. L. 50.—. Cotlbus, S. 10,-. Dresden-Ülltstadt. 5. säch stscher Reichstags- Wahlkreis 500,—. Ernstthal i» Sachsen C. B. anläßlich seines sünszigjährigen Ehejubiläums 15,— Erfurt 50,—. Falkenberg(Oberschl.) 2,—. Freiburg, v. badischen Ge Nossen 10,—. Grimma, von Lederarbeitern 5,—. Greiz und Um gcgend, von Genosse» 50,—. Gieße», E. K. 5,—. Gera(Reuß) 50,— Hamburg, S. K. Jiuinohr v. 1896 20.—. Hamburg, Elise Averdicksir. 5,50. Hainburg, 2. Kr. C. Tm. 10,—. Hainburg, Oskar 3.—. Hastedt, von Genosse» 10,—. Hamburg. Holzauktion, Brenierstr. 9, 4,05 A. T. R. 74. Bezirk 10.—. Th. Horn 14,25, Sa. 28.30. Hannover 1000,—. Jena, von Genosse» zur Beruhigung d..Kreiiz.Zeitung" 20,— Lüdenscheid, W. A. A 3.05. München, Waldläuser 5.—. Meinet, von Genossen 10,—. Mülhausen>. E., gesai»l»elt von Genosse» im Luxhof 4,—, Marbiirg a. L. ein Einsanier 10.—. Mannheim, von den Genossen 50,—. MUtiveida. von den Genossen 15.— Magdedurg-Buckau, Kn. 3,—. Nitzschka», verbrannte Decke 3,— Nicder-Zivönitz(19. sächs. Reichstags-Wahlkreis) von Genosse» 3,20. Oranienburg, Lederarbeiter 10,—. Oberlmigenbielari, vo» Arbeitern aus dem Eulengebirge 100,—. Osthavelländischer Wahlkreis 100,— OffeNbnrg i. B., vo» vier kleine» Sozzeu am Niklausabend 3,35. Plauen i. B. von Genossen 100,—. Rostock, von de» Genosse» 200, Remscheid, vo» zwei Metallarbeitern' A. S. 3,—, Doiinerkiehl 10.—. Sa. 13,—. Ruhla 40,—. Rudolstadt, Glanzgold—.51. Rawitsch 20,—. Rousdorf, durch den Vertrauensmann 20, Schwell» 100,—. Schüneberg, rolher Fuhrmann 3,—. Schöneberg, Bau-, Grd-». gewerbliche Hilssarbeiler 15,—. Eaarabien, ans de», Königreich Stiiinm 10,—. Seesen, von organisirleii Genosse» 15,—. Echönwalde i. M., Frisch auf! 35,55. Schwerin a. W., vo» Genossen 3.85. Beibert, v. d. Geuosse» 50,—. Weida, rolhe Hochzeil 2,50. Würlteniberg 50,—. Zwickau, 18. sächs. Wahlkr. 200,—. Unter den in der Nr. 264 des„Vorwärts" aus Erinuniischau qnitlirlen 300,— befinde» sich folgende Eiuzelbeilräge: Rolhe Kind taufe P. S. d. S. 1,50. Os. G.„Garderobe" 1,—. K. K. B. 5,— B. Uebersch. v. Faßche» 1,—. G. F. 1,—. K. K. 1.—. Rothe Hochzeit v. Os. B. 3,15. Berlin, de» 10. Dezeuiber 1897. F ü r de» P a r t e i v o r st a n d: A. Gerisch, Katzbachsir. 9 I. Bilm rngliflszeir LNasiszweiibkiiivv"" Skrviss. Unsere Genossin Eleanore Marx-Aveli ng sendet n»s eine Betrachtnng über den gegenwärtigen Stand des Streiks, über seine Anssichteu und Folgen. Sie knüpft an eine Unter- rcdnng an, die sie alsbald nach Abbruch der Konferenz mit Barnes, dein Leiter des Maschinenbauer- Verbandes, ge- habt hat. Ans die Frage: Was soll jetzt geschehen? erwidert Barnes: „Unsere Lenke werden die Bedingungen gewiß nicht an- nehmen. Rcichthlli» und Hunger inögeu uns schlagen, doch wir werde» kämpfcnd fallen. Vernichten aber ivird man uns nicht. Ricniand kann unsere Bewegung auslösche». Mögen auch die einzelnen im Kampfe fallen. Wir sind aber noch weit davon entfernt, geschlagen zu werden und wenn die englische» Arbeiter serner uns zur Seite stehen, werden wir unser Ziel doch noch erreichen. Unter keinen Umständen werden wir unsere Flagge streichen." „Giebt es schon viel Elend unter Euch?" fragt unsere Geuossiu weiter. „Ja, sehr viel," erwiderte Barnes.„Die Lage der Arbeiter ist schauderhaft. Aber ihr Verhalten ist ausgezeichnet. Der Winter ist schon eingezogen und die Kinder sind hungrig. Trotzdem sind ivir noch voller Kampfeslust, das melden Sie auch dem„Vorwärts". Dann sprach dieser Mann, dein jede Sentimentalität fern liegt, von der großartigen hochherzige» Hilfe, die ihnen aus allen Tcheilc» der Welt, besonders ans Deutschland, geworden sei, und Thräncn traten ihm in die Auge» und erstickten seine Slinunc. Wenn unsere Genossen es gehört und gesehen hätten, sie würden nicht wanken— und ich ivciß, sie werden es auch nicht— in der Unterstützung eines Kampfes, der ihrKampf ist, derKampf ihrerKlasj'e. „Und ich wiederhole nochmals; Was auch der Ausgang sein möge, der Sozialismus gewinnt i» England. Tyers und Siemens wissen nicht, wie geschäftig und erfolgreich sie dem Kapitalismus sein Grab graben Helsen. Inmitten all' dieser Qualen und Leiden der Arbeiter ist der Gedanke ein Trost, daß das Schluß- ergebniß dieser„Zersästnetterung der Arbeiterverbände" eine Zerschmetterung der Herrschast des Kapitalismus sein wird.— Aehnlich läßt sich John B u r n s aus, der sich in hervorragender Weise an der Agitation für die Streikenden betheiligt hat, indem er ini ganzen Lande Dutzende von Ver- sammlnngcn abhielt. Es wird immer klarer, schreibt Burns in einem Briefe an„Daily Chronicle", daß es den Unter- nehmern darum zu thun ist, die Gewerkschaften völlig lahm zu legen. Ten Despotismus in der englischen I n d u st r i e einzuführen, so, wie er in Deutschland üblich, Ivo der Unternehmer allein zu bestimmen hat, unter welchen Uniständen gearbeitet werden soll, das ist ihr Endziel. Dies zu verhindern haben die Maschmeubaiier den Kampf aufgenommen und seit 6 Monaten mit bewuudernsiverlher Aus dauer und Opfermuth geführt. Die Frage, ob die Arbeiter den Kampf werden weiter führen können, ist lediglich eine Frage des Geldes Wird ihnen das in genügender Menge zur Verfügung stehen? Diese Frage glaubt Burns bejahen zu können, wenn nur alle Arbeiter ihre Pflicht thun, wie ein Thcil sie bisher schon erfüllt hat. Die geplante Konferenz s ä m m t l i ch e r Gewerkschaften Großbritanniens sei nothwendig, aber diese lasse sich nicht schnell genug zusammen bringen. Tie einzelnen Gewerkschaften müßten sofort handeln. „Sehen die Unternehmer," so schließt Bnrns,„daß die gesammte Arbeiterschaft hinter den Kämpsenden steht, so ist es immerhin noch möglich, daß sie einlenken. Sie stützen sich weniger auf ihre eigene Kraft, als ans die vermeintliche Schwäche der Arbeiter." Das G e n e r a l s e k r c t a r i a t der Maschinen b a n e r hat bereits an alle Vorstände der Gewerkschaften Englands und zum theil des Auslandes ein Nnndschreibcn er- lassen, in welchem es unter v o l l e r A n e r k e n n n n g der bisher geleisteten Hilfe um weitere und noch ausgiebigere Unterstützung ersucht. Es heißt darin, daß die Arbeiter entsclilosscn seien, weiter zu kämpfen, selbst, wenn ihre Unter. stütznng etwas herabgesetzt werden müßte. Alle Gcivcrkscliastcn müßten hier znsanimenstehen; es sei nicht mehr eine Sache der Maschiueubailer, sondern eine gemeinsame Sache der g c- s a m m t e n Arbeiterschaft. Tie ö f f c» t l i el) e Meinung in England ist nach dem Bekanntwerden der von den Untcri.ehmern geftelltcu Bc- dingiingen noch mehr zu giiustcn der Arbeiter iinigeschlagen. Die Parlainentsniitgliedcr Sir Frederick M a z z i u und Sir Edward C l a r k e haben in iinzivcidcsttiger Weise ihrem Miß- fallen über die Haltung der Uiitcrnkhmer Ausdruck verliehen. L u j o B r e n t a n o' s Brief au die Streikenden, den wir gestern im Auszüge wiedergaben, hat in England einen guten Eindruck hervorgeriiseii. Von großer Bedeutung für die Kämpsenden ist ferner die glückliche Wciidnng, welche der Konflikt in der Baiiinivoll- Industrie und derjenige der Eisenbahner genonimeu hat. Tie zwei starken und reichen Ver- bände der Eisenbahner und der Banmivollspinncr werden mit ihren Zuschüssen nun nicht mehr geizen. Was die deutsche Arbeiterschaft anlangt, so hat dieselbe den Maschinenbauern gegenüber ihr S o l i d a r i täls gcfüh l in so großartiger Weise b e k n y d e t, daß wir kaum »öthig haben, hier dazu noch besonders aiifforvcrn zu müssen. Tie deutschen Arbeiter werden begreifen, daß es jetzt gilt, die bedrohten Rechte der Arbeiter zu schützen. Die Geiverkschaftsbeivegniig in England, dem klassischen Lande der Geiverkschaflen, ruiiiiren, heißt auch der deutschen Gcmcrkschaftsbcivcgiing schivercu Schaden zufügen. Die deutschen Arbeiter werden daher nicht anshöre», die tapferen Kämpser zu unterstützen— in ihrem eigenen Interesse.__ politische Mebevfichk. Berlin, 11. Dezember. LluS dem Ncichstage. Es gab eine Zeit, wo mau den Etalrediiern ans dem Zentrum mit gespainitcr Aufmcrk- 'amkeit folgte, weil man aus deren Stelliiiignahme Schlüsse ans das Schicksal vorliegender wichtiger Vorlagen ziehe» konnte. Diese Zeit ist vorbei, seit unter der glorreichen Führung des Herrn Dr. Lieber die Partei der Mitte mit ihrer oppositionellen Vergangenheit vollständig gebrochen hat Was die Zeiilrumsredner heute sagen und was die Presse dieser Partei schreibt, ist gleichgiltig. Man weiß, daß das Gros der Partei jedesmal schließlich der Regierung zu Willen sei» wird. Unter dieser Empstndiing. haben heute die Anssührniigen des Herrn Fritzen stark gelitten. Derselbe bemühte sich ersichtlich, im Gegensatz zu der Licbcr'schen Fl ottenredc, die schärfere Tonart zu markireu; er fand aber keinen Glauben dafür. Erwähuensivcrlh sind eigentlich nur die Ausführungen des Redners über den Tncllnufug in der Armee, durch welchen besonders den gläubigen Katholiken der Eintritt in das Ossizierkorps erschwert werde, und die Erklärung, daß seine Partei für eine Vcrinehrniig der indirekten Stenern unter keinen Umstände n zu habe» sei. Man wird gut thun, besonders die letzte Aenßernng sich vorzumerkeii. Ter slciegSminister v. Goßler suchte die Ducllschmcrzen des Zentrums zu beruhigen, indem er bestritt, daß in einzelnen Regimentern der Eintritt in das Ossizierkorps von der Stellung zum Duell abhängig gemacht werde. Weiter verwies der Minister auf die günstigen Erfolge des kaiserlichen Dnellerlafses, indem seit demselben nur mehr zwei Duelle unter Offizieren, und zwar in Stargard und Bremen, stattgefunden haben. Zu diesen gaben schwerste Verletzungen der häuslichen Ehre Anlaß und für solche Fälle erscheint auch dem Minister das Duell die einzig mögliche Form der Genug- lhnnug. Worin die Gcungthnuiig bestehe, wenn der Schänder der häuslichen Ebre deni Geschändeten ein Loch in den Leib schießt, darüber blieb Herr v. Goßler die Antwort schuldig. Für die Konservativen nahm heute Herr v. Leipziger das Wort. Derselbe begann seine Rede mit einem Esels- fnßtritt für den Grafen Caprivi, welcher es nicht verstanden habe, das Bismarck'sche Erbe zu erhalten, und init einem Lob auf die neueste Regierung und ihre Erfolge in Haiti und China. Sonst trug der Herr nur agrarische Gemeinplätze vor, ivoriintcr besonders die Doppelwährung einen breiten Raum einnahm. Kurz nach 3 Uhr ergriff Bebel das Wort, um dasselbe bis kurz vor 5 Uhr zu behalten. Den Inhalt der meisterhaften Ausführungen in einer kurzen Skizze auch nur andentnngs- weise wiederziigebeu, ist unmöglich. Der Redner begann damit, den Herrn Kriegsminister zu ersuchen, seinen Rath, die Ehre des Ncbeniiicnschen so zu achten, wie man die eigene Ehre geachtet wissen will, anch dahin zu richten, daß Provokatiouen großer Parteien in Ziikiinft unterbleiben und dadurch nicht Gcgenänßcrnngcn veranlaßt werden, die dann schließlich Vörden Straseichter führe». Für die Uuteistütznng der Landwirlhschaft erklärte sich Bebel iiamcns der Partei bereit, soweit dieselbe ohne Schädi- gniig der KonsiMienten möglich sei. Unser Redner wies dann auf den Umfall des Zeiihnins in der Flottenfrage hin und hob hervor, daß der Floltenbewilligniigsciser der Bourgeoisie sieb nur daraus erkläre, daß die herrschenden Klassen es bisher vastnnden haben, die Kosten von sich ab und auf die Schultern der Massen zu legen. Müßlcn unsere Bourgeois, statt in patriotischen Redensarten zu machen, einmal die Kosten für das Heer und die Marine ausbringen, dem Militarismus entstünde in jenen Kreisen eine Gegnerschaft, die weit über die Opposition der Sozialdemokratie hinaus- ginge. Bebel führte dann die Ziffern für die Wehrlasten vor zehn Jahre» und heute an, um zii zeigen, in welch' rapider Weise sie gewachsen sind. Er erwähnte dann die fortgesetzten Uinivälznngcn in der Wehr- und Waffentcchnik. durch welche immer neue Kosten und Ausgaben erstehen werde». Ei» Zwischeiirnf, daß der Schiffbau?c. doch zur Arbeiter- bcschäsiigung diene, gab unserem Genossen Anlaß zu ungemein iiilcressantcn Ausführungen über produktive und unproduktive Ausgaben. Wolle man die Arbeiter belästigen, so gebe es eine Unmasse der iiothivcndigstcii Bedürfnisse zu befriedigen, wodurch die Roth und das Elend von Millionen gehoben werden löiinte. Für solche kiillur-förderiide Zwecke sei aber kein Geld da. Zur Aissstelhuig einer iveilhvvllen Bibliothek fehlen in Preußen 400 M., für»»produktive Ätititär- und FlottenanSgabcn werden aber hnnderle von Millionen flüssig gemacht. In 1200 preußischen Schulen müsse e i n Lehrer mehr als 80 Kinder nnterrichle», während in der Armee auf 9 Soldaten ein Unteroffizier und ans 25 Soldaten ein Offizier komme. Dabei zeige der so gehätschelte Militarismus sein knltur- feindliches Gesicht überall. So sei in der Vorlage des Militär- Slrasprozssses nicht der Mensch, sondern nur der Soldat zum Wort geköiiiiiien. Bebel kam im Anschluß an diese Anssührinigen zn dxr Frage: wo die Einlösung des zweiten Versprechens bezüglich des Vereiusrcchtes bleibe? Ten Schluß der vorzüglichen Rede bildeten AussührnnKn über deu KaUipf und die Uiitcrdrückniig der Arbcitcrvrgaiiisativiie», die Zurückstaniiug der Sozialrcfvrin und die Begünstigung des Unternehinerlhunis ans Kosten der Arbeiterschaft. Ter Redner schloß unter lebhaftem Beifall unserer Fraktion. Wie die Rede auf den Bnndesrathstisch gewirkt Hatte, das beweist die Thatsache, daß trotz der vorgerückten Stilnde sich vier Minister, darunter der Kanzler, hinter einander zu Abwehrverslichen erhoben. Besonders Graf v. P o s a d o w s k y kündigte ein spezielles Eingehen auf die Bcbel'schen Anssührunge» in einer späteren Sitzung an. Dex Herr Reichskanzler suchte die ersichtlich immer fataler cillpfundene Zusage bezüglich der Vereinsgesetz-Aenderiing weg- zildcuteln, er erreichte aber nur das eine, daß aufs neue be- stäligt wurde, daß für Minister nnd Diplomaten die Worte nur da sind, um die Gedanken— vorausgesetzt, daß sie solche haben— zu verbergen. Montag, miltags 1 Uhr, Fortsetzung der Etatsdebatte. Tie Zentrnnus-Zeitnngcn haben alle Federn aiiziisetzen, nm de» Vvzwürscu entgegenzutreten, denen ihre Partei wegen ihrer Haltung zum Flvtleiigesrtz ausgesetzt ist. Dabei klingt allerdings ans einigen Artikeln dieser Presse auch ein Ton vorsicbtig verhaltener, aber doch deutlich bemerkbarer Un- zufrirdenheil mit der taktischen Sullungiiahine des Herrn Lieber. Bei der Wichtigkeit, welche das Zentrum für die Eliiwickelnng der Flottensrage behalten wird, sei wied.r- gegeben, wie das Hanplorgan dcS linken Flügels der Partei, die.Kol». Volksztg.", sich über den gegenwäuigen Stand der Frage ausläßt. Sic schreibt: „Tap HIHI die Vorlage. Ivi« sl« ist, für döS Zcnlrim au- nehnibar fei, hat»uch Dr. Lieber nicht gesagt; im Gcgcntheil,« bat dentlich«ub«»Kführlich dargethan, daß sie unannehmbar sei.... Ob eine Verständigung möglich ist, das ist eine ganz andere Frage. Herr Dr. Lieber hat allerdings einige Vor- schlage auf Abänderung zur Sprache gebracht; das sind aber vor- läufig nur hingeworfene Gedanken, und nicht etwa n a in e n K des Zentrums gemachte Angebot«, zu denen die Regierung nur Ja und Anien zu sagen brauchte, um ihre Vorlage gesichert zu haben---- Die.Vorschläge" des Abg. Dr. Lieber sind einmal noch zu wenig formulirt, daß man sagen könnte, sie beseitigten aste Bedenken gegen die Vorlage, und noch viel weniger hat das Zentrum dieselben bereits geprüft und gebisiigt. Vorerst ist aveS noch völlig i m U n g« w i s s e n. E» ist arg verfrüht, schon jetzt die Vorlage als gesichert zn betrachten, wo man doch weder weiß, was die Regierung zugestehen will, noch was das Zentrum für uöthig hält. Andererseits wäre es auch verfrüht, mit dem Scheitern der Vorlage zu rechnen.„Diese" Vorlage wird nicht Gesetz; aber es läge auch kein Grund vor, alles zu vcr- werfen, wenn die Regierung befriedigende Zugeständnisse macht. Daß eine Verständigung großen Schwierigkeiten begegnen muß, liegt auf der Hand. Das Zentrum ist gar nicht im stände, sich mit ein paar leeren Formalitäten zu begnügen, die sachlich nichts zu bedeuten hätten und die Vorlage im Wesen unverändert ließen. Man wird aber auch zugestehen müssen, daß bei den Zentnimswählern nicht durchweg ein« grundsätzliche Antipathie gegen die Flotte herrscht. Das Zentrum würde sich also der Zustimmung feiner Wähler versichert halten dürfen, wenn es die Vorlage streng sachlich prüft, und zu etwas weiterem hat es sich bisher mit keinem Worte verbindlich gemacht. Wir hoben schon hervor, daß es eine ganz« Reih« von Punkten giebt, in denen die Bedenken des Zentrums gehoben und Zugeständuiss« von der Regierung gemacht werden müßten, ehe es etwas au- nehmen könnt«. Mit alledem hat es noch weite Wege, und sich schon jetzt über die Stellungnahme des Zentrums zu beunruhigen, dazu liegt aar kein Anlaß vor." Die„Kölnische Volkszeitung" hebt, um die Angriffe gegen ihre Partei wegen ihrer Rechtsschwenkung abzuschwächen, tendenziös alle die Dinge aus der Lieber'schen Rede hervor. die den der Vorlage gegenüber skeptischen Theil der- selben ausmachen. Den Hörern gleichwie den Lesern der Lieber'schen Rede dagegen erschienen diese Einschränkungen uitd Bedenken des Zentrumsredners nur als taktischer Kniff zur Verdecknng der Schwenkung inS Tirpitzlaacr. Die„Köln. Volksztg." zitirt kein Wort von den Lieber'schen Verherrlichungen des„großen Marinewerkes", von seiner Anerkennung für das Verhalten der Regierung, von seiner Schwärmerei für die„Waffen, welche die Welt überwinden" u. s. w. Wer so wie Herr Lieber in Hurrahpatriotismus gewöhnlichster Art macht— und gerade einer besonders religiösen Partei steht dieser Hurrah- und Mordspatriotismus wunderschön zu Gesicht!—, der braucht sich nicht zu wundern, wenn man jene „Bedenken" und die geforderte„sachliche Prüfung" nicht mehr recht ernst nehmen kann. Immerhin ist eS bcmerkenswerth, daß die„Köln. Bolksztg." erklärt, die Lieber'schen Vorschläge seien nur„hingeworfene Gedanken" und vom Zentrum noch keineswegs geprüft und gebilligt. Man darf daraus wohl schließen, daß es den demo- lratischeren Herren des Zentrums doch nicht ganz geheuer ist auf den Wegen, die Herr Lieber der Partei weisen möchte, daß ihnen doch das Gewisien etwaS schlägt und die Frage ihnen Kopfschmerzen macht: Was werden unsere Wähler dazu sagen? Und die Wähler werden allerdings nicht erbaut fein. Wenn die„befriedigenden Zugeständnisse' von der Regie- rung gemacht fein werden und die Linke der Partei wenn auch ungern und nur aus den bekannten Rücksichten auf die Einheit der Partei nachgegeben haben wird, dann haben die Wähler das Wort und es wird sich zeigen, daß auch dem Zentrum eine Grenze des jesuitischen Spiels mit dem Volks- recht gesetzt ist!— Rene Gewehre. Von fachmännischer Seite erhalten die„tzam- burger Nachrichten"«ine Zuschrift, die sich wieder viil der Frage beschäftigt, ob das jetzige Gewehr, Modell 63, als veraltet anzusehen ist oder noch genügt. Der Fachmann vergeichtl zunächst das im Gebrauch befindliche Modell 33 und das auj den Mililärschießplätzen probirte neu- Modell von 6 Millimeter-Kaliber: „Wie bekannt, tragen die kleinkalibrigeu Gewehre vo» S Millimeter etwa«inen Kilometer weiter als das Modell 83. besitzen eine noch rasantere Flugbahn und daher größere bestrichene Räume und gestatten dem Manne gegen ein Drittel Munilion mehr bei sich zu führen. Ungeachtet dieser Borzüge habe» ihre ver- schiedenen erprobten und in der Erprobung begriffenen Modelle daS dl öS an Brauchbarkeit noch nicht übertroffen. Ei» Faktor, der über ihre Gefammtbrauchbarkeit enifcheidet. besteht in der geringeren Widerstandsfähigkeit ihrer Kon- struktion gogen die Zerstörungseinflüffe im Frieden wie im Kriege. Diese ist bei den probeweise verwendelen klein- kalibrigen Gewehren noch unvollkommen. Wäre daS Gegen- theil der Fall, so würde eins von ihnen voraussichllich bereits bei uns in der Einführung begriffen sein. Uttevsriplhe Nundpihatt. Platter, Julius: Demokratie und Sozialismus. (vh. 10 der Bibliothek der Sozialwissenschasten. Wigand's Verlag in Leipzig. 1337. 27« S.) Da? neue Buch von dem Züricher Professor I. Platter ist, wenn man von der stark demokralischen Gesinnung, die es durchzieht, ab- sieht, ein« wenig erfreuliche Lektüre. Die Kritik der Sozialdemokralie, die er darin zum besten giebt. ist nicht nur kleinlich-nöraelnd im Tone, sie erscheint auch inhalilich vielfach nur als der Ausdruck einer übellaunigen Snbjekljvilät, die um so lieber tadelt, je weniger sie selbst«inen klaren, in sich abgeschlossenen Etandpiintl des Urtheils gewonnen hat. Zudem ermüdet die endlose Reihe von bunt zusammengewürfelten Zitaten, die wohl zwei Drittel oder mehr des kleinen Buches sehr zum Schaden eigener Gedanken- entwickelung füllen mögen. In dem Kapitel über die demokratische Aiiflösuiig der Wider- sprüche in Recht und Wirlhfchasl stößt man auf ein Bekennliüß, nach dem man ohne weiteres den Verfasser sür einen marxistische» Sozia- listen halten müßte. Auf grund der Ansbentnng, die mit dem heutigen Wirthschastssystem innerlich verbunden ist, sagt Platter,„haben ver- schiede»« kühne und konseqnent« Denker die Abschaffung des Privateigen- thums an ProduktionSniitteln sür diejenige Maßregel erklärt, welche vor allem anderen nothivendig wäre, wenn man dem Jndividunni die persönliche Freiheit nicht blas scheinbar und formell, sonder» wirklich und maleriell zurückgeben wolle... Natürlich mußte dann in irgend einer Form Gemeineigenthnm an den ProduktionSmilleln und Produktion in großem Stile, soweit diese verivenddar und vor- theilhaft, aber nicht mehr sür den Privalnutzen einzelner, sondern sür den gemeinsamen Nutzen aller an die Stelle treten. also sozialistische oder kommunistische Wntbschaft in irgend einem Sinne und aus irgend eine Weis». Wer wirklich« Freiheit sür alle will, soweit sie denkbar ist. der kommt allem Anschein nach noih- wendig zu einem solchen Schluß" Ruch sonst tritt Platter dieser Folgerung, die er aus seinem demokratischen Prinzip zieht, nirgends direkt entgegen. Was aber ist die Sozialdemokralie anders als die politisch« Organisalion der Arbeiterklasse, die sich dieses hohen End- ziele? der prolelarischen Bewegung bewußt gewordeii und die staat- liche Macht der Gesetzgebung sowohl sür die augenblicklichen In- teressen der Arbeiterschaft als auch, wenn die Zeiten gereist find, In den gesteigerten Schußleistnngen der neuen Waffe allein kann kein Grund zu ihrer Einführung gefunden werden. Gewehre, deren Schußleistung weit über die Grenze der zilverlässigeii Beobachtung ihrer Wirkung hinaus, zum Beispiel anstalt auf 4 Kilometer aus 5 Kilometer im Maximum hinausreicht. und die Visu« bis auf 2500 Meter beziehungsweise eventuell 3000 Meter besitzen, sind hinsichtlich dieser Distanzen von sragwnrdigem Werlhe. Bei solchen Entseriiungen stellt der geringste Ziel- oder DiftaiizschätzuiigS-Fehler die Wirkung, wen» die Ziele nicht in ziemlich gleicher Höh« liegen, in Frag«. Für das Schießen auf solche Distanzen hat man sich bereils veranlaßt gesehen. Versuche mit Fernrohren zu machen, die mit Spiiinweb- fadenkreuz versehen und am Gewehre selbst angebracht sind, um das Zielen und die Beobachtung der Schuß- leistniig zu«rmogltcheu. Damit nähert man sich der Grenze des in der Praxi? des Krieges Möglichen.... Wir glauben, daß wir am besten lhun, mit der Einführung von «mm Gewehren so lange zu warten, bis«in vollkomineueS Modell hergestellt ist." Der Gewährsmann der„Hamb. Nachr." behandelt, wie man sieht, die„Geivehrfrage" ziemlich nüchtern. Er zeigt die Schwierigkeiten auf, welche die Herstellung eine?„noch besseren' Modells hat. W i r möchten wünschen, daß diese Schwierigkeiten niemals überwunden werden, daß wir mit dem„Klein- kalibrigen" für alle Zeit verschont blieben. Leider darf man sich nicht verhehlen, daß solche Wüiische nicht in Ersülluiig gehen werden. Die Mililärlechniker der„zivilisirleii" Staaten Europas sinnen unermüdlich darauf, wie die Schwierig- keilen, die jetzt noch der Einführung eines weiter tragenden und verderblicher wirkenden Gewehres enigegenfiehen, überwunden werden können. Das„Kleinkalibrige" wird früher oder später„in ganzer Boll- kommenheit" erstehen und alle Bedeukeu der„Fachmänner" werden gelöst werden. Die Völker werden eS zahlen müssen, wie sie so viele Modelle gezahlt haben! Zum Etatsrecht des Reichstags. Zu miserer der„Breslauer Zeitung" etttnoinnieneu Mitlheilung, daß«in Theil der Aufträge sür die in dem Flottengesetz geforderten Schiffe schon„in Bestellniig" sei, nimmt die„Nordd. Allg. Ztg." daS Wort. DaS offiziöse Blatt erklärt, eS könne die Behauplniigen der„BreSl. Ztg." als voll- ständig erfunden bezeichnen. Es ist erfreulich, daß die Regierung die von uns gestellte An. frage prompt bcaniworlet hat. Indem aber das Regierunqsblalt jetzt sagt:„Bevor man derartige Anschuldigungen gegen die Regie- rung erhebt, müßte mau doch wenigstens den Schein eines Beweises in Händen haben"— so inöchleii wir erwidern, daß wir erst abgeivariet haben, ob auf die Veröffenilichuiig des Breslauer Blailes«ine Er, widernng erfolge» würde. Da diese jedoch nickt«rfolglc, so war es unsere Pflicht, die Angelegenheit zu behandeln. Natürlich werden wir, da wir das Demenli der„Nordd. Allg. Zlg." gebracht haben, auch von den Gegenäiißernngen der„Brest. Zig." Noliz nehmen. Mindestens darf sich das Regiernngsorgaii nicht wundern, wen» Aeußeruiigen, wie sie die„BreSl. Ztg." brachte, in weitesten Kreisen Glanben flnden. Das Verdalten der Regierung bei der Herstellung des neiieii Ariilleriematcrials macht das Auskommen eines solchen Mißtranens überaus begreiflich.— China. Offiziös wird mitgetheilt, daß die Meldung der „Times" aus Shanghai, wonach die Deutschen demnächst die Kino- Tschou- Bai verlassen und die Samsah- Bai oklnpiren würden, unrichtig ist. Die Haltung JapanS zur Kiao- Tschou- Frage soll, wie mit- getheilt wird, der japanische Gesandte am Berliner Hofe. Prinz Alhnmar dahin präzistrl haben, daß Japan gegen eine Pachlnng oder definitive Besetzung der Bucht nichts einwenden wolle, wenn diese Besetzung sich in einer Zone von 100 englische» Meilen hält. Di«„Marine-Poliiische Corresp." schreibt in echtem Draufgänger- Artikel u. a.: „Wie sehr man auch von diesem(kaufmännischen) Gestchtspunkl ans ein festes Zugreifen unserer Llegiernng ivünlcht, gehl nnlcr anderem auch aus der Thatsache dervor. daß sich bereits Ge- s e l l s ch a f t e ii zum sachgemäßen Abbau der Kohlenlager bei Wei. etwa 100 Kiloineler von der Kino-Tschou-Biicki enlserut» und zur Anlage einer diese Bai mit den Kohlenbergwerken ver- bindenden Eisenbahn, sowie zum Bau von großen Lager« Häusern und den für die Haiidclsschiffiahrl nölhige» Hafenanlage« in der Kiao-Tschon-Bnckt bilden. Zu ihrer definiliven Kon- ititnirnng wird nur die endgillige Einschließung unserer Regierung abgewartet." Man sieht, die Ermordung der Missionare wird noch goldene Früchte tragen.— I» Oesterreich herrscht nun der Absolutismus. Der Nachfolger des Badeui hat die Verhaudluugeu mit deu bürger- licheu Parteien des Abgeordnetenhauses eingestellt, weil sie nicht die von ihm erwarteten Erfolge hauen. Statt nun die einzig richtige Konsequenz zu ziehen, einem begableren Staats- manne die Lösung der für ihn zn schwierigen Aufgabe zu überlassen und zn demisftoniren, zieht es Herr v. Gantsch vor, ohne Parlament niit Nothverordnnngcn zu regieren. Diese Nothverordnungen sollen sich aber nicht auf irgend welche nebensächliche Dinge, sondern aus die wichtigsten Grund- für die Erreichung des Endzieles nutzbar inachen will? Eolern diese politische O'gnnisatio», ebenso wie die gewerkschaftliche, den Jnlei effen der Kapitalbesitzer zuwiderläuft, ist sie von von. herein und nolh- wendig Klassenkampf. Aus diesem«infachen Zusammenhang �rgiebt sich auch das ver- hältniß von Demokratie und S o z i a l i s in n s. das in dem Platter'schcn Buche nach dem Titel wenigstens zur Behandlung steht. Die Deinokralie ist die polilische Form, in welcher die ülrbeiterklasse, die, im weite, en Sinne des Morles, weitaus die Majorität in der modernen Gesellschaft bildet, durch ihr Votum die Gesetzgebung am entschiedensten beeinflnssen kann, um einerseiis negativ, die staatliche Parleinahnie zu gnnste» der Kapitalbesitzer im gewerlschastlichen Kampf« n. s. w. unmöglich zn iiiachen. und um andererseils positiv« sozialreformalorilch« Forderungen zn gunsten der aussteigenden Arbeiterklasse und iveiierdin auch zur Verwirklichung des ihr gesteckien Endzieles durchzusetzen. Und eben darum, weil die Deinokralie in ihrem Wesen so aiißerordenilich günstige Bediugnngen sür daS dem Besitz gefährlich« Emporstreben der Arbeilerklaffe bielei, darum ist der Kampf um die Demokratie in reaktionären Slaalen wesenilich selbst ein Klassenkampf. Platter thut aber nur»in paar Schritte in dieser Richtung. deren Nothwendigkeit sich ans der Anerkennung de? sozialistischen Endzieles ergicbt und in der Taktik der Sozialveniokrali« zn ibrem adäquaten Ausdruck koinmi. Mitten im Wege macht er plötzlich halt. Die Demokr/rtie, erklärt er. soll wesentlich nur die Freiheit sür die wirlhschastliche Organisationsthäligkeit der Arbeiter, für die Gewerkschaften, die Konsumvereine und die diesen sich angliedernde ge> nossenschaflliche Produkiion garanttreii, ober s t e soll nicht, oder so gut wie nicht, in positiver Weise als Zwangs- und Machl- initlel für den Emanzipatioiiskampf des ProletarintZ verwendet iverden. Ihre Rolle niüßt« nach Platter, so weit die wenig nietho- dischen Ausführnngeu sich zu einem festen Eindnick verdichten, die einer wohlivollenden Neutralität sein, Warum? Man sollte meinen, daß. wer daS Ziel der sozial- deniokraiischen Partei anerkennt, aber die postlive Benutznva der Staatsmacht für Hebung der Arbeiterklasse und für Errelchnng de» Endzieles im Gegensatz zu dieser Partei verwirst, doch auch die Pflicht Hölle, methodisch ein, sachliche Begründung diese? Standpiinkles zu versuchen. Ja, diese Begründung müßt« der Aiigelpunkt eines solchen Buche? wie d«S Platter'schen sein. Aber bei Platter sucht man vergebens danach. Daß die staatlich« Macht lagen des Staatswesen? beziehen. Herr v. Gautsch, dem so ziemlich alles zuni Bismarck fehlt, der nach leiner Seite eine originelle, vollkräftige Natur, sondern blos ein ge- schmeidiger und gehorsamer Diener seines Kaisers ist, wird nun den Ausgleich mit Ungarn, daS Budget, die Retrutenkontingente und, was ihm sonst noch beliebt, auf dem Wege der Nothverordnung festsetzen. Wie Belcredi nach Sistirung der Verfassung im Jahre 1865 ruft Herr v. Gautsch sich zu „frei ist dre Bahn". Aber wie der Belcredi'sche Versuch in den Anfängen des österreichischen KonstitntionaliSmuS nach knapp l'/i Jahren mit dem Rücktritte Belcredi's vom politischen Leben endete, so wird auch Herr v. Gautsch seine Selbstherrlichteit umso eher zu Ende gehen sehen, als heute da? gesammte Volk politisch aufgeweckt und erregt ist und von seinem Antheile an der Regierung deS Reiches nichts abzugeben gewillt ist. Die bürgerlichen Parteien veröffentlichen nun nach dem Abbruch der Verhandlungen mit dem Ministerium, folgend dem Beispiele des sozialdemokratischen Verbandes, Manifeste an die Wähler; sie kliiigen alle sehr resignirt. Die Majorität hat die Stirn«, in ihrer Kundgebung die Verantwortung für die traurige Lage der Tinge abzulehnen. Es scheint dies aber die letzte gemeinsame That der Majorität des Grafen Badeni zu sein, denn die Polen suchen schon nach ueuerz Fühlung, sie merken, daß die Jungczechen nach den Vor- gängen in Prag nicht mehr so regierungsfähig find, wie noch vor Monatsfrist. Die Ratten verlassen das Schiff..Ties zeigt auch die folgende Depesche aus Lemberg: Di« gesamnit« biestg« polnische Presse räih von der Idee einer polnisch-czechischen Verbrüderung ab, ebenso von dem Versuch einzelner Kurzsichtiger, Rassenpolitik zu treiben. Bei einer Slavistrnng Oesterreichs könne für die Pole» nichts gutes heraus- kommen. Die Jungczechen find durch die Vorgänge in Prag in den czechischen Bezirken in üble Situation gekommen, sie können nur auf die Gefahr deS Verlustes ihrer Popularität diese Exzesse vernrtheilen, ohne diese Verurtheilung erlangen sie aber vorerst die Regiernugsfähigkeit nicht wieder. Vor- läufig finden sie aus dieser Schwierigkeit keinen Ausweg. Die deutsche Bourgeoisie, deren Situation hierdurch ver- hältnißmäßig günstig geworden ist, hat sich auf die Forderung der unbedingten Aufhebung der Sprachcuverordnungen fest- gelegt, ihre Abgeordneten werden gedrängt durch die radikal- national« Richtung Schönerer und durch ihre uur-uationale Wählerschaft darin noch fester gemacht werden, als sie es wollen, so daß der zur Lösung der Sprachenfrage unausweich- liche Kompromiß zwischen den gleich unerfüllbaren Forderungen der Jiiilgczecheii und Dentsch-Nationalen nur erschwert wird. Ihr Mamfcft an die Wähler schließt die deutsche Volkspartei mit den folgenden Sätzen: Weil entfernt, zn verkennen, daß die baldige Wiedereröffnung der parlamentarischen Tbätigkeit im politischen und wirlhschast- liehen Jnlerefle des Volkes gelegen sei, ist die Partei ebenso über- zeugt, daß das Volk eher einen noch längeren Etillstaiid der versassungsniäßigeii Einnchluugen, als das Abweiche» von den Gebolen der iialionalen Pflicht und der nationalen Ehre dulden wird. Die Partei verlangt vor der Hand nichts als Wieder» Herstellung des Zustaudes vor Erlassung der Sprachenverordiuingen; sobald das geschehen sein werde, sei die Bahn sür weilere Ver- handlangen frei. AIS„ehrliche Makler" bieten sich die Vertreter deS ver- fassnngStreuen Großgrundbesitzes an. Ihr« Kundgebung klingt in den folgenden Worten ans: Die Vereinigung erwartet von der Regierung unzweideutige und energisch« Maßregeln zur Eichernng des Lebens, des Eigen- tbnnis und der staatsbürgerlichen Slellnng der Deutschen Böhmens, und wird die nolhwendig« Politik der Be- rnhignng sowie alles nnterstützen. was die Regimmg anwenden wird,»Iii die AntiiüpsuvgSpnntte zu suchen und zn finden für die Wied-rbe>sielli.iig xarlamenlanscher, verfassungsmäßiger Zn- stände. Die Vereinigung steht den denlschen Slamiiiesgenossen im Kampfe um die berechligle Stellung der Tenische» Oesterreichs treu zur Seil« una wird unablässig sür das österreichisch« Staats- bewnßtseiu uuUr Anfrechterhallung der bisherigen Prinzipien ein- stehen. Der Einfluß dieser Gruppe ist aber nicht groß genug, daS Vertrauen zu derselben so gering. daß selbst die Ehrlichkeit ihrer Absichten vorausgesetzt, ihr Streber» ziemlich aussichtslos ist. So ist die Situation in Oesterreich auch, nachdem der Badeni durch den Volkszorn aus dem Wege geräumt ist, noch überaus verworren. Eine Lösung ist nicht abzusehen. Sache des österreichischen Volkes, vor allem der Sozial- demokratie, wird es sein, Herrn v. Gautsch daS absolute Regiere» so unbequem als möglich zn machen.— eine beschränkte, daß ihr Vorgehe» von der eigenen Juilialive und der wirlhlchaftlichen Organisation der Arbeitet begleitet, hierdurch gestützt sein mich, ist selbstverständlich, gilt aber doch wahrhaftig auch in der soziald'iiiolralischen Partei als aiieikannter Gemeinplatz. Was indeß Plalier außer dem Hioweis auf die Bedentnng dieser O'ganisalioncn zur Begründung seines Slaiidpn>ck>es voibrinat, ist null und nichtig, nur der Ausdruck einer starken subjektiven Aversion. Die Demokratie, sagl er(S. 89), an einen AnSipnich des „großen Engländers" Roger» anknüpfend,„wende s i ch v o n der Politik, einem alte» halbfan len, aristo» t r a l i s ch e n Gewächs, innerlichst ab." Die relative politische Indifferenz der Massen in England, ihr«»insettig gewerk- schaslliche Richtiing gilt ihm, daS geht au? dem Znsauinien» bang» dieser Stelle hervor, als Zeichen ihrer deinokralisch-tullurellen Uederlegenheil! Die beiden Allen des Emanzipationskainpses, die im Verhältniß gegenseitiger Ergänzung zu einander stehen, den geiverkschaftlich-orgaiiisalorischen und den poliiischen. stellt er als die Alternative„Gewalt oder Arbeit"(so heißt die Ueberschrist des zweiten Tbeiles) einander gegenüber. Di« ganze Begriffslostgteii einer solchen Segenüberstellnng tritt an konkreten Beispielen am ilaisten bervor. Ein« Arbeitsvciknrznng z. B., die von Gtiverkschnfte» errungen ist. wäre etwas sehr Schönes, Resnllat der.Arbeit", dieselbe Arbeilsverkürzung aber. die von der politische«, durch die Agitation von Arl-etiei Parteien gedrängt« Macht gesetzlich dekrelirt wird, wäre«in Resultat der „Gewall" und insoiveit verderblich;«ine Arbeitslosenversicherttng durch die Gewerkschastcu höchst oiieriennenSwerth, dieselbe Aibeits- losenversichernng, ourch den Staat oder die Kotnmun« geordnet, dagegen höchlichst verdächtig«. s. w. in inünitum. Wie weit übrigens Platter die Konsequenzen seiner gefüblS- mäßigen, wohl ans frühere» inanchefterlichen Zeilen herstamuieiu m Abiteigung gegen staatliche Eingriffe selbst zu ziehen bereit ist, darüber— also itbcr die zweit« Havplsrage, die jeder, der«inen solchen Siandpnnkt einnimmt, zu deaiilwortrn verpflicklet wäre—, wird der geschätzte Leser leider ouck nicht anfgellärt. Man eut- rälbsele z. B. folgenden Satz, der nock am«besten alS eine An von AuSlirnft gelten könnte: Wo sie(die demokratisch organisirenden, ausbatienden Kräfte der Gesellschaft) in ihrer AktivilSt durch die bestehende Etaaitgewal« ehrlich und wirksam geiörderl werden,»vo also die derzeitigen Inhaber der politischen Gewall entschieden niid mit klarer Erlenntniß der Siluativu den Fortlchntt der Massen wollen, D«r deutsche Kaiser und die Vorgänge in Oesterreich- Ungar». Es ist selbstmstäilMich. daß ein Mann wie Kaiser Wilhelm IT, der mit lebhaftem Antheil dem politischen Lebe» folgt, nichr gleichgiltig bleiben kann den Vorgängen in Oesterreich- Ungarn gegenüber. Er hat sich auch darüber dem Reichstags- Präsidium gegenüber geäußert. Wir ziveifeln auch keineswegs, daß der Kaiser auch sonst mit den Personen seiner Umgebung sich über die aufregenden Vorgänge in unserem Nachbar- lande unterhalten haben wird. Dagegen erscheint eS uns schwer, zu glauben, daß der König von Preußen und Deutsche Kaiser seine in Budapest durch den begeisterten Toast auf die Ungarn schnell erworbene Popularität dazu benutzt haben könnte, um auf die Entschließungen der ungarischen Oppositionsparteien einzuwirken. Trotzdem halten wir es sür unsere publizistische Pflicht, die folgende, recht sonderbar klingende Depesche aus Budapest auch zur Kenutniß unserer Leser zu bringen: Wie behauptet wird, sei die Nachgiebigkeit der Opposition bei den Verhandlungen über die Gesetzesvorlage betreffend das Ausgleichsprovisorium mit Oesterreich daraus zurückzuführen, daß Graf Z i ch y im Abgeordnetenhause erzählt habe, der deutsche Kaiser hätte ihm bei seiner Anwesenheit in Potsdam erklärt, daß es sür Ungarn ein großer Fehler sei» würde. wenn es ebenfalls in Obstruktion ve: siele. Es würde dies die günstige Position, in welcher sich Ungarn augenblicklich befindet, stark schädigen. Wir glaube», daß diese Meldung ein rasches»»zweifelhaftes Dementi verdient, da die deutsche Reichsregierimg sich eine Ein- wiiknng des österreichischen NaiserS aus die Entschließungen der Zeutrumspartei oder des Präsidenten der französischen Republik ans die Absliinmttnge» der Elsässer entschieden verbitten dürfte.— •» « TeutscheS Reich. — Die Altgesellen der h i e si g en B äckeri n n u n g hatten im vorigen Monat an das Reichskanzler-Amt das Ersuchen gerichtet, ihre Gründe für die Beibehaltung der Bundesralhs-Ver- Ordnung dem Fürsten Hohenlohe persönlich vortragen zu dürfen. Sie rechneten umsomehr aus die Erfüllung ihres Wunsches, als vor kurzem den Meistern in' derselben Angelegenheit eine Audienz ge- »vährt worden war. Die Antragsteller haben nun folgende Autwort erhallen: Der Herr Reichskanzler sieht sich infolge feiner vielfachen anderweitigen Dienstgeschäste verhindert, Sie und den Herrn Mit- Unterzeichner der Eingabe vom LS. v. M. in Angelegenheiten der Bnudesralhs-Bekannlmachung, betreffend den Betrieb von Bäckereien und Konditoreien, persönlich zu empfangen. Ich stelle ergebenst anHeim, den Altgesellen Herrn Most hiervon zu benachrichtigen. Im Austrage: ». Woedtke. Diese Autwort muß aufS höchste befremden. Bebel nahm auch in seiner heutigen EtalSrede bereits Veranlaffnng, auf die sonder- bare Art, wie seitens des Reichskanzlers den Wünschen der Arbeiter begegnet wird, hinzuweisen, während die Unternehmer mit Recht aus ein weitgehendes Entgegenkommen rechnen konnten. Der Reichskanzler deutete in seiner Antwort gegenüber Bebel die Sache so, als ob er nur einen Unterschied ge- macht habe zwischen Beschwerdeführern, die eine bestehende Verordnung geändert haben wollen und solchen, die für ihre Beibehal- tung eintreten. DaS letztere war bei den Arbeitern der Fall, deshalbhabe er die Audienz abgelehnt. Die Erklärung wird kaum befriedigen können, vielmehr deutet auch sie nur darauf hin, daß in sozial- politischen Dinge» die Arbeiter weder gehört werden noch in ihrem langen bei der Regierung Unterstützung finden. Die Unternehmerintereffen stehen aber höher im KurS.— — Gin neuer agrarischer Vorstoß. Wie wir in Unserem Leitartikel von Nr. 2S7 ganz richtig vermulhet hatten, wird in der That die neue Aktion der Petroleum-Monopolisten dazu ausgenutzt, den nothleidenden Junkern eine wirksame Hilfe zu bringen. Wir hatten es auch gar nicht anders erwartet, als daß gelegentlich der Pekroleum-Jnterpellatio» die Regierung auf das Epiritusglüh- licht hinweisen würde, durch welches angebli» das Petrolenm-Monopol bekämpft werden könnte Die einzige Echwiengkeit liegt jedoch nicht in der technischen, sondern in der finanziellen Seile der Frage. Es giebt allerdings bereits vorzüglich funktionirende EpintuSglühlampen, aber damit eine solche Lampe mit den modernsten Petroleumglüblampen im Preise zu konknrriren im stände ist, dürfte der Liter SOprozentigen Epirituffes nicht lheurer als 6 Pf. sein. Und um die Konkurrenz mit der gewöhnlichen Petroleumlampe aufzunehmen, müßte man den Liter Spiritus für 12 Pf. im Detail- Handel kaufen können. Für diesen Preis kann Spiritus gegenwärtig nicht abgegeben werden. Kein Wunder deshalb, daß die„Korrespondenz des Bundes der Landwirlhe" sofort die Forderung erhebt, den oft- elbischen Junkern durch staatliche Liebesgaben diese Preisherabsetzung zu ermöglichen. In lakonischer Kürz» begründet die„Korrespe-ndenz� dieses Ansinnen mit den Worten: „Denn sicher ist es, vom national-wirthschaftlichen Slandl punkte, richtiger eventuell wirklich einmal eine„Liebesgabe" von wo sie Maßregeln treffen oder unterstützen, welche irgendwo und irgendwie aus Einschränkung oder Beseitigimg bei Renten- einkomnient..., aus Einschränkung oder Beseitigung deS Kampf- charaklers unserer volkswirthschafl und Ersetzung desselben durch das Prinzip der Solidarität tendiren, und das alles immer ohne wirklichen Zwang, ohne Beschränkung der Freiheit, da ist nichts einzuwenden gegen die Mithilfe der politischen Organisationen zum Neubau der sozialen." Da der Vcrfaffer es nicht fttrnölhig bält zu erklären, wie irgend ein Alt positiv in das Wirthschaflsgelriebe eingreifender Gesetzgebung(sollte er auch nur die Arbeitszeii verkürzen) auf etwas anderes als auf„wirklichen Zwang" und auf Beschränkung irgend einer Art von„Freiheit" hinauslaufen kann, so läßt sich eben bei diesem wunderbaren Satze alles und nichlS denken. Psychologisch merkwürdig ist nur, daß mit dieser ängstliche» Sorge vor„Z-vang" und„Freiheitsbeschränkung" eine solche Borliebe für das Geiverkschaftsivesen Hand in Hand geht, welches doch in seinen hoch entwickelten Formen bekanntlich mit sehr ausgesprochenem„Zwange" und sehr beirächtlichen„Frei- deitebeschräuknngen" arbeitet. Sympathien und Antipathie» scheinen sür diese Kritik das Entscheidende zu sein. Die Antipathie gegen staatliche Eingriffe als ZwangSmaßregeln findet ihre Ergänzung in der heftigen Antipathie gegen die sozial- dcmok- ntjsche Partei, die für die Zivecke des proletarischen Enianzip-ilionskanipies die politische Macht erobern und positiv aus- nutze» will, obwohl sie, wie allbekannt, darum in keiner Weise die Bedeiilnng des rein geiverlschafllichen Kampfes unterschätzt. Die z» Beginn der Bewegung so nnlürlichen Hoffnungen, durch eine Revolitlion rasch und mit diltatorischer Gewalt das neue Reich sozialer Freiheit eii-zn'ühren, Hoffnungen, welche die sozial- euivkiaiische Ai beiterparlei im Kampie mit der halten Realität, ebenso natü lich, mehr und mehr abstreift(man denke n a. a» Engels' Einleilnng zu Marx..Klaffenkäinpse" vom Jahie 1895), bieten ieiiiet seindseligen, recht»n.lqnirlen Krtitk will- koinmene Anhaltspunkte. Da er selbst den Soztalismns als das noihwendige Entwickelungsziel anerkennt, mnß er,»»> über die Sozialdemokraten als eine„Sauvatzgeiellschaft" und wie die liedlichen Ausdrücke subjektiver Berärgertheu sonst laute», ordentlich herziehen zu tön»«», natl-rlich sich mit aller Kraft an solche Aeusterlichkeiten, die für die wirkliche Taltik der Partei debeniungslos sind, antlainmern Die Stärke dieses psychische» Bedü.smsses kann man daralls.eruiessen, einige« Millionen den heimischen Produzenten zukommen zu lassen, als die doppelte und dreifache Summe als jährliche» Tribut an die goldhungrigen Petroleum-Jingos jenseits des Ozeans zu zahlen." Da jeder Steuerzahler auch Lichtkonfument ist, so heißt das z» deutsch:„Belastet mit Stenern jeden Konsumenten um so viel, als er Spiritus billiger als Petroleum bekonmlen soll; die goldhungrigeu Ostelbier brauchen das durch Steuern zusammengeicharrte Gold nöthiger als die goldhungrigeu Petroleum-Jingos." I» der that- sächlichen Wirkung wäre dann für de» Konsumenten natürlich nichts geändert. Was er am Spiritus spart, zahlt er au Steuern mehr Aber schlimmer»och! Ein gut Theil des heutigen Getreidelandes würde dem Kartoffelbau zu Brennereizwecken dienstbar gemacht werden. Je weniger Getreide im Inland« aber gebaut wird, desto höher kann natürlich sei» Preis norinirt werden; und die Agrarier erhalten einen weitere» Vorlheil mühelos noch dazu. Die Taschen zu! heißt es auch hier. Nicht im Interesse der SpiritnSprodnzenten soll die Regierung arbelten, sondern im Jntereffe der erleichterten Einfuhr von Olitsider-Petroleum. DaS Volk ist lange genug von den Agrarier» geschröpft worden— als daß durch erhöhten Spiritus konsui» der Uebernnith der Agrarier noch weiter bestärkt würde.— — De» Rücktritt deSReichstagS-Abgeordneten Freiherr« v. Langen von der Leitung der Konservative» Partei in Berlin sucht man nun in der Berliner konservativen Presse als eine» freiwilligen und nicht als einen allseits gewünschten darzustellen. Formell mag diese Demission eine freiwillige und doch allseitigen Wünsche» entsprechende sein.— DrcSdc», II. Dezember.(Eig. Ber.) Zahlreiche Petitionen um Erbauung von Eisenbahnen liege» diesmal dem Land- tage schon vor,»nd fast in jeder Sitzung werden noch neneingehende registrirt. Jetzt tritt die Regier, ing mit einer V o r l a g e an den Landtag, in welcher die Mittel für acht neue Eisenbahn Projekte gefordert werden. Die zur Ausführung dieser Bahn linie» geforderte Summe beträgt inSgesamuit 15 142 200 M.— München, 10. Dezember.(Eig. Ber.) Die PrSsidialknsiS i» der bayerischen Abgeordnetenkammer ist»unmehr glücklich beendet lind das Direktorium ist»ach der beute erfolgte» Wahl des Abg Sinzinger(Banernbd.) zum zweiten und des Abg. Beckh(kons.) znm vierten Schriflsührer wieder voll besetzt. Die Liberalen habe» de» Präsidenten, den Vizepräsidenten, den erste» und dritten Schrift- uihrer, die Bauernbündler den zweiten und die Konservativen de» vierte» Schriftführer gestellt. DaS Zentrum, das Herr» v. Waller den Präsidentensitz um jeden Preis wieder zuschanze» wollte, um damit dem würdige» Riller zu einer glänzenden Genug- lhnung für die angeblich erlittene Unbill zu verhelfen, ist mit seinem edlen Plane elend durchgefallen und hat infolge dessen ans jede weitere Stelle im Präsidium verzichtet. Die Präsidialkrisis hat dieser herrschsüchtigsten aller Parteien endlich einmal klar gezeigt, daß sie keine Mehrheit mehr für sich bildet, und sie hat diese bittere Lehre längst vollauf verdient. Die Herren geberden sich deshalb auch gerade wie toll und ergehen sich in den lächerlichsten Drohungen doch es wird ihnen schließlich nichts Anderes übrig bleibe» als sich mit der Zeil in ihre jetzige Lage zu finben Das Haus begann gestern mit der Berathnng des Gesetzentwurfs über die Fortsetzung der Grundentlastung. Der Referent Abgeordneter Kohl(Z.) leitete die Geueraldiskussion mit einem langathniigen Berichte über die AusscbußvelhaudUmgen ein, wobei er natürlich nicht versäumte, besonders seine„Verdienste" ins bestmöglichste Licht zu rücken. Heute beschwerte sich zunächst der Abg. W i e l a n d(Bauern bnnd) darüber, daß er als Antragsteller nicht zu den betreffenden AuSschnßsitzungen beigezogen wurde und daß seine Anträge der Kammer nicht gedruckt vorgelegt wurden. Diese Angelegen- heil wurde nach ziemlich lebhafter Debatte dem Geschäfts ordnungs> Ansschnsse überwiesen. Die Bodenzinfe selbst bezeichnete Herr W i e l a n d alS daS schreiendste Unrecht. das endlich einmal beseitigt werden muß, denn sonst wird man im Volke kein Vertrauen mehr zur StaatSregierung und zur Volksvertretung haben. Mit dem vorliegenden Geietzentwurle aber fei den Bauern rein garnicht gedient, hier muffe durch vollständige Abschaffung der im Jahre 1848 nur durch List und Betrug»och anfrechlerhaltene» Bodenzinfe sauberer Tisch gemacht werden.— AnS Vaden, 9. Dezember.(Eig. Bericht.) Die klerikale Presse Badens hatte sich seit dem Bekanntwerden der Marinevorlage über die Haltung des Zentrums zu den Flottenplänen der Reichsregiening nicht ausgesprochen; der Zentrumssnhrer Wacker hat sich im .Beobachter" vollständig ansgeschwiege»»nd nur sein unterlegener Konkurrent im Kampf»in die unbestrittene Hegenwnie des badische» Zeutrums, Dekan Lender, Reichstags»'Ab- geordneter des IX. badischen Wahlkreises. bat erklärt. er werde unbedingt für die Floltenvorlage eintreten. Nun hat man aber feit der Rede Lieber's im Reichstage eme Aenderung bei Situation erwartet, aber mit»»recht. Die gesmninte Zentrumspresse druckt die Lieber'sche Rede ohne Kommentar ab. Es Icheinl sich da um eine Art Generalordre zu Handel».— Karlsruhe i. B., II. Dezember.(Eig. Ber.) Der Vorsitzende der Budgelkoinnlission, H»g, wird Montag im Landtage eine Jmer pellation über die von der Verwaltung der preußischen St mts Eisen babne» angewandten Konknnenzmanöver gegen die badischen Eisenbahnen einbringe». Der E>se»»ah»»iimster Brauer hat sich bereit erklärt, die Interpellation sofort zu beantworten.— AnS Hessen, 10. Dezember.(Eig. Ber.) Landtag. Ter heutige Tag gehörte der Sozialdemokratie. Zur Debatte daß Herr Platter jene Aeußerlichkeilen, nicht aber das sozialistische Endziel als dai„Wesentliche" der„alten Sozialdemokratie" seier- lichst dekretirt und dein schweizerischen Geweikschaflstomilee, da eS i» seinem Jabresbericht von dem„naturnolhwendigen Kommen des soiialen Staat-s", vom Bedmgtsein des Forlschrittes durch die„Bildung" und durch„Kamps und Mühe" spricht, die sulminante Ebreneiklärung giebt:„Das sind keine Sozialdemokraten, mögen sie sich auch so nennen".(S. 281.) Ist es auch Aerger, hat es doch Methode! Den Abschluß deS zweite», die„Kritik" der Sozialdemokratie und allerhand Notizen über die politisch-loziale Lage der Haupt- länder enthaltenden Theiles bildet die Verherrlichung der„echt modernen, freien, demokratische», alle» zugänglichen, die K l a s s e n gegen sähe in einem gemeinsamen Interesse auf- lösenden, rein gemeinnützigen, auf Solidarität beruhen den Genossenschast." Aber wie kchade, während der gläubige Leser ans Seite 272 bereits durch die Genossenschaften iveit über alleKlassengegensätze in d-is Reich der reine» Harmonie hlneingezaubert ist, erfährt er z» seinem Schreck auf Seite 274, daß„die Gewerk aste«, Konsum- und Produklivgenosseiischafte» gegen die lenle gerichtet", allein Anschein nach doch also, ebenso wie der politische Kampf, ein Ausdruck streitender Klassengegensätze sind. Es ließen sich die Beispiele solcher artigen Ueberraschunge» leicht vermehreii. So entdeckt Platter in dem Borwort, daß die deutsche Sozialdemokratie,„wenn sie sich, wie bisher, allen andere» Parteien in schroffer Feindschaft gegenüberstellt, im Grunde nur der stieaktion dient"(S IX), während ans Seite 206 mit der gleichen Unlehlbarteit erklärt wird:„Wer ein bischen demokralisches Blut im Leibe hat, ein wenig die Freiheit liebt, kein vollkommener Mameluck ist. der ninß fast in ganz Deuischland seine Stimme einem Sozialdeinokralen gebe», nicht aus spezieller Sympathie sür diese Pariei. sondern ans natürlicher Anlipalhie gegen alle andern, die iüddeuische Volkspartei etwa ausgenommen". Also:„Wer ein wenig die Freiheit liebt", mnß die Vertreter einer Partei,„die iin Grunde nur der Reaktion dient" wählen. Jedenfalls etwas merkwürdig! Und läuft nicht schließlich das ganze Platler'sche Buch auf eine ähnliche Geheimlehre hinaus, daß nämlich, wer den Sozialismus als Endziel richtig will, die Politik als Miitel zur Erreichung des End- ziele?»nd damit die Sozialdemokratie ablehnen soll? Die Quint- esse»» des Ganzen ist selbst ei»« ungelöster Wibersptuch. S. stand die Interpellation unserer Genoffen Dr. David und HaaS, die R e l i g i o n s z u s a tz st u n d e n in den Mainzer Volks- schulen betreffend. Hessen erfreut sich bekanntlich seit 1874 eines relativ fortschrittlichen Schulgesetzes, dessen wesentlichste Vorzüge die fast allgemeine Durchführung der Eimultanschnle und Beseitigung der geistlichen Schulaufsicht sind. Daß die Geistlichkeit diese Er- rnngenschast der liberalen A-ra mit offenen und versteckten Mitteln zu durchlöchern sucht, ist selbstverständlich. Und nicht ohne Erfolg. I» Mainz ist es ihr gelunge», de» Religionsunterricht wöchentlich um eine Stunde zu vermehren. Die Regierung hatte das löSS sür die oberen Klaffen gestattet: die Kreis-Schulkommissio». deren Seele der Kreis-Schulinspektor Bnlinayer ist, hatte aber diese Konzession aus eigener Machtbefugniß auch auf die unteren Klassen ausgedehnt. Abgesehen von dieser eigenmächtigen Ueb-rschreitung ihrer Befugnisse hat sie dann einen Lehrstoff- plan für diese Stirnde» eingeführt, der den Pfarrer» ein Aufsichtsrecht über die Lehrer einräumt, daS nach dem hessischen Schulrecht ganz unstatthaft ist. Außerdem wurde diese Stunde von der Geistlichkeit benutzt, um eine genaue Kontrolle über den Kirche»besuch der Kinder einznführe», eine Kontrolle, die zum direkten Zwang führte, indem man mit den jesuitischsten Kniffen den Nichtbesuch bestrafte. Der staatliche Echulzwang war damit znm staatlichen Kirchenzivang erweitert. Gen. David eröffnete die Debatte mit einer Fülle von authentischein Material, das eine durch- schlagende Wirkung üble. Der Erfolg seiner streng sachlichen Rede wurde noch erhöht durch die ganz unsachliche Art, mit der der Abg. v. Brentano darauf reagirte. Seilte im hessischen Landtag schon längst außer KurS gesetzten Tiraden von Revolution, Umsturz von Thron und Altar versehiten so gänzlich ihren Zweck, daß der Abg. Dr. Schmitt(Z) seinen eigenen FrnkUonsgenoffen desavouirte. Aber auch er scheiterte an der Unmöglichkeit, das sachliche Beiveismaterial David's zu erschüttern. Gen. Ulrich leuchtete dem Herrn v. Brentano mit solcher Wucht und einem so drastischen Mutterwitz heim, daß der neugebackene Parlamentarier gewiß a» diesem ersten Versuch, daS rothe Gespenst zu ziliren, genug hat. Gen. David präzisirte in seinem Schlußwort nochmals den von geistlicher Seite nnlernomnienen Einbruch in das Volkeschiilgesetz und der Regierung blieb nichts übrig, als die Kreis-Schulkommission preiszugeben und Untersuchung uno Abstellung der Mißstände in Aussicht zu stelle». Den schwarzen Herren dürfte durch die Verhandlungen die Lust, ihr Regiment auf Lehrer und Schüler aiiszudehncn, arg vergällt worden sein.— Auö Elsaß-Lothringe«. 10. Dezember.(Eig. Ber.) Die letzt- verflossene» Jahre haben zahlreiche Beispiele dafür gebracht, daß der alles überwuchernde Militarismus immer dreister in die Berhältnisse des bürgerlichen Lebens eingreift. Im folgenden ein neues Beispiel dieser Art. Vor einigen Wochen stand vor dem Schwurgericht zu Co l m a r der Mechaniker En gasser unter der Anklage, durch einen Schuß aus seinem Jagdgewehr den Tod eines Dragoners von dem dort in Garnison l>ege»t-en Kavallerieregiment herbeigeführt zu haben. Die Berhand- lung, deren Ausgang im ganzen Lande init Spannung erwartet worden war, endigte mit der Freisprechung des Angeklagten, da der Verlheidigimg der Nachweis gelang. daß sich die Waffe Engasser's ohne seine Schuld entladen hatte, als er den getödleten Dragoner, der im Verein mit einigen Kameraden in einer Sonntagnacht des Juni durch daS verschlossene Thor in das Anwesen des Angeklagten einzudringen versuchte, mit Gewalt hieran hindern wollte. Das freisprechende Verdikt der Geschworenen, gegen welches, nebenbei bemerkt, di» Anklagebehörde Revision beim Reichsgericht angemeldet hat, scheint nun den Beifall der Colmarer Militärbehörde nicht ge- iuude» zu haben. Dieselbe fühlte sich wenigstens veranlaßt, in recht eigenthttmlicher Weise gegen eine» der Bertheidiger Engasser's, Rechts- anwalt Dr. Behr in Colmar, vorzugehen. Derselbe ist Mitglied des dortigen Bergnügungsvereins„Erbolnng", der sich im übrigen aus den Kreisen der Offiziere und höhere» Beamte» rekrnlirt. Nach Beendi- giiiig de« Prozesses Engaffer ist nun seitens der Militärbehörde an die Bereinsleitung in dringender Form das Ersuche» gestellt worden, das Mitglied Dr. Behr ohne weiteres auszu- schließen. Die Vorstandschaft scheint jedoch diesem sonderbaren Ansinnen nicht entsprechen zu wollen, da sie der Ansicht ist, daß einem Rechtsanwalt aus der pflichtgemäße» Aus- Übung seines Berufs auch dann kein Vorwurf zu machen sei,»venu dieselbe den Jnlenlionen der Herren Miliiärs nicht enlspricht. Die Folge dieser Stellungnahme wird nun sein, daß die Offiziere in corpore ihren Austritt aus der „Erbolnng" bewerkstelligen werde».— Die Militärbehörde scheint jedoch auch noch auf andere Weise sich„Geiulgthunng" für den Fall Engasser verschaffen zu wollen. Sie hat nämlich über die Wirlhschaft„Zur Siadt Reims", in welcher E. zu verkehren pflegt, die M i l i l ä r s p e r r e verhängt, an- gedlich deshalb, weil der Inhaber des Lokals von der That Engasser's keine Anzeige erstaltete, obwohl er davon erfahren halte. Run waren aber mehrere Soldaten Augenzengen des Unglück- lichen Vorfalles, von denen zu erwarten war. daß sie denselben zur Meldung bringen würden, sodaß dem Wirlhe keinerlei Ber- pfiichlnng zur Anzeige erwuchs.— Die seltsamen Nachspiele, welche die Militärbehörde dein Fall Engaffer folgen läßt, sind gewiß in keiner Weis« geeignet, die Versöhnung der reichsländische» Be- völkerung mit den neuen, preußisch-deutschen Zuständen zn fördern, sie haben erklärlicherweise i» weiten Kreisen der Bürgerschaft Col- mar's berechtigte Entrüstung hervorgerufen. Strasburg, 8. Dezember. Einer Meldung der„Franks. Ztg." zufolge werde die Regierung dem iin Vorjahre gegebeneu Ber- sprechen, den Entwurf eines reichSländischen Preßgesetzes den gesetzgebenden Fakioren im laufenden Winter vorzulegen, nachkonmien: „Der Einwurf ist bereits fertiggestellt. Er deckt sich im wesentlichen mit dem Reichs-Preßgesetz, die abweichenden Bestinimnngen beziehen sich vor allem auf die ausländische Presse. Ob der Entwurf dem LandeSausschnß oder dem Reichslage zugehen wird, ist noch nicht bestimmt. Nach dieser Richtung kommt in belracht, daß bisher alle reichsländischen Gesetze auf dem Wege der Aeichs-Gesetzgebulig in Elsaß-Lothringen eingeführt wurden."— — Chronik der Majestät s beleidtgungS-Prozesse. Wegen Majestätsbeleidignng hatte sich, wie uns geschrieben wird, vor der Poseuer Strafkammer der Tischlermeister Ürbanski zu ver- antworte». Der Angeklagte wurde aber freigesprochen. Das Gericht nahm nämlich an, U. sei bei Begehung der That so betrunken gewesen, daß sein Zustand als ein willenloser bezeichnet werden müßte. Die inkriniinirte Aeußernng war am Biertische gefallen und die Denunziation hatte ein„guter Freund" erstattet, teielcher gleichfalls am Biertische gesessen.— Bon der Anklage der Majestätsbeleidigung freigesprochen ward in der Sitzung der Strafkammer zu Hannover vom 8. ds. MtS. der Färbermeister Otto Gerhardt aus Hameln. Derselbe sollte bei der Geburtstagsfeier des Kaisers sich ungezieinender Aeuße- rungeil bedient haben. Der Angeklagte bezeichnete die Dennn- iatio» alS Rache-Akt. Das Gericht legte denn auch den Angabe» des Belastungszeugen nicht die zur Berurtheilung nölhig« Glaubhaftigkeit bei, weshalb Freisprechung erfolgte. Wege» Majestätsbeleldignng und Beleidigimg des Gendarmen Gärtner an? Neustadt ward in der vorgestrigen Sitzung der Straf» kammer I des Landgerichts z» Hannover der Zimmerniann Heinrich Dörge ans Amendorf zu 2 Monaten und einer Woche Gesänaniß vernrtheilt.— Oesterreich. Wie», 11. Dezember. Großes Aussehen erregt hier eine an- geblich inspirirte Korrespondenz des Krakauer„Czas", worin eins rein absolutistische Uebergangsperiode für Oesterreich angekündigt und Gras Baden, als der zulü, istig« Mam, derselben bezeichnet wird. Wir trauen dem österreichische» Kaiser viel, adn doch nicht etilen solche»-- Geuieftreich zu.— Prag, 11. Dezember. Heute begannen vor dem Straf- - � Handlungen wegen der jüngsten Ausschrei luiigkir und Plünderungen. Bis Mittag wurden sechs Angeklagle wem» AuflaltfeS, öffentlicher Gewalllhaligkeit und Diebstahls zu FreiheUg« strafe» von 3 SRJc.fcn bis zu einem Jahre schweren Kerkers ver- urcheiit. Nachdem abermals in einige» Restaurants Exzesse vorgekommen stnd, wurde der Befehl erneuert, die Lokale Abends um 10 Uhr z» schließen. Ebenso müsse» auch die Bahnhofsrestaurants jetzt schon nur 10 Uhr geschlossen werde». Heute ist der gesammten Garnison in deutscher und ezechischer Sprache ein Befehl des Korpskommandos, bekannt gegeben worden, nach welchem der Kaiser unter Hervorhebung des vollen Verlranens ans die bewähite Pflichttreue aller Truppen seine Befriedigung über die ausnahmslos korrekte Haltung aller Truppenkörper ausgesprochen hat, welche berufen waren, anläßlich der jüngsten beklagenswerlhen Ausschreilungen für die Wiederherstellung der Sicherheil und Ord- nung thatkräftig einznschreilen. Der kommaudirende General Graf Gn'inne hat das Oberkommando über die beiden in Böhmen dislocirlen Korps über- nommen. lliiflftni. Budapest, 10. Dezember. Das Abgeordnetenhaus er- ledig!« in der Spezialdeballe die Vorlage betr. die Orts- und G e in e i» d e n a in e n. Der Antrag August Pnlsky's, nach welchem in Schulbüchern und in de» für die Oeffenllichkeu beslimmle» Ausgaben neben der amtlichen Benennung auch die bisher gebräuchlichen Orts- und Gemeindenamen beibehalten werden könne», wurde mit 106 gegen 70 Stimmen angenommen.— Frankreich. Paris. 11. Dezember.(„Voss. Zig.") Der Begntachlungs' Ausschuß der Kammer nahm einstininiig eine» Gesetzentwurf des Abgeordneten Flandin an, der die Blätter verpflichtet,»nentgeliliche Berichtigungen in doppelter Länge des Angriffs binnen drei' Tage». während der Wahlbewegung nach vierundzwanzig Stunden zu ver- öffentlichen, wenn sie hierzu von dem snmniarisch verfahrenden Richter verurtheilt werden. Berufung gegen das Urlheil hat keine aufschiebende Kraft. Ist die Berichtigung länger als das doppelle des Angriffs, so muß die Zeitung sie trotzdem drucken, nur muß der Heberschnß nach dem Gebnhreusaß sür gerichtliche Ankündigungen bezahlt werden. Tic radikalen Blätter bespreche» diesen Gesetzentrvnrs mit Entrüstung und hoffen, die Kammer werde ihn wenigstens mildern; ginge er durch, so könnte ein reicher Bewerber während der Wnhlbewegnng alle Blätter mit seiner Prosa ausfüllen und die Gegner vollständig inniidtvdt machen. Abg. de Beanregard gedenkt Dienstag eine» Gesehentwurs einzubringen, dessen Bestimmungen lauten: Jedem Individuum von jüdischer Abstammung ist es verboten, irgend einer öffentlichen Ber- idaltung anzugehören; jeder von nnsländischen Eltern stammende örniizose kann erst im zrvciien Geschlecht zu eine», Staalsainte ingelassen ivende».— Pariö. 10. Dezember. Der Senat nahm de» Gesctzenhvurs an, durch ivelchc» die Regierung ermächtigt rvird, sofort und bis das Parlament seine Enlscheidnng gelroffcn, durch einfache» Erlaß Zölle,» r A n w e» d»» g z n bringen, falls sie eine Spekulation in Juiporlariikelu verhindern will. Die Kammer Hai den Gesctzentivnrf bereits früher genehmigt.— Luxeinblirg. Luxemburg, 7. Dezember.(Gig. Ber.) Nachdem die Klerikalen eingesehen, daß sie mit ihre» Forderungen nicht durchdringen wüiiden, ließen sie sich mit der Regierung in ei» Kompromiß ei», demzufolge die Echullrhrer viermal wöchenilich je eine Pierleistnnde den jialechisnlns vo» den Schülern abhören sollen. Dieser Antrag wurde mit 27 gegen 16 Stimmen angenomine». Die Klerikalen märe» mit all' ihren Forderungen abgeiviesen worden, wenn nicht im letzie» Augenblicke die ehedem antiklerikale Regie- rung ihre liberalen Freunde im Stiche gelasse» und mit den Klerikalen gemeinsame Sache gemacht hätte. Sowohl Klerikale wie Regierung errangen einen richtigen Pyrrhussieg.— England. Bristol, II. Dezember. Der Schaickanzlcr Hicks Beach hiell gestern hier eine Rede, in welcher er ausführie, er glaube nicht, daß Rußland irgendwie mehr ivünsche»ach Indien einznsalle», als England wünsche einen Einfall nach Zeniral.- Asien zu mache». Bezüglich Egyptens führte der Echatzkanzler aus, wenn die Zeit dazu gekoniinc» sei, werde der Vormarsch nach Khartiim ans- gesührl werden und die Regierung werde nicht zögern, von denr Parlamente die Untcrst/itznng Egyptens bei diesen, linternehmen zu verlange». Schließlich sagte der Minister, Englands Regierung »rüssc bereit sei», seine Rechte im Anstand« manchuial selbst ans die Gefahr eines Krieges hin zu wahren, rvenn sie nur sicher sei, daß diese Rechte bestehen, und vo» dem Vertrauen getragen werde, daß sie die llnl.rstntzniig und den Glanbeu des Voiles ans ihrer Seite habe.— Jlallei«. — R ii d i Ii i ist es doch gelnugen, ein KoalitionZmiiiisterjuiii zu bilden, das die Vertretung der ineislen Gruppen der Linken umfaßt. Ossiziell ist das Kabinet noch nicht konsliluirl.— Riiiueinien. Biikalcst, II. Dezember. Der Universitätsrektor deuiissionirtc infolge der judenseindliche» Deinoustrntiouen eines Tbeiles der hiesige» Slndenteiischasi; auch der Rücktritt des Polizeipräsideiilen soll bevorstehen.— Slmevik.i. — Heber die revolutionäre V e w e g n n g in Guatemala sind in New-Uork folgend« Nachrichlen eingetroffen: Ob- wohl die Insurgenten von Guatemala geschlagen worden sind, dauert die Aufregnug in der Republik fort. Eine neue Revolution drobl nnsziibrechen infolge der gransnmeii und unmenschlichen Mittel, die der Präsident der Republik. General Reinn Bnrrios, ergriffen hat, um seine Gegner mürbe zu»lache»»»d zir schrecken. Wer von diesen in seine Hände fällt, wird ohne Erbarmen nnsgepeitscht. Täglich werden von der Polizei fast 200 Personen gestäupt. General Barrios, der unlängst den rolhen Adlerorden«.iter Klasse verliehen erhielt, gilt als ein„Freund" Dentschlai'ds. Be- sonders stolz brauchen wir ans diesen Freund nicht zu sein.— Rio de Jauciro, 10. Dezember. Der Kongreß ist heute ge- schlössen worden. Das Budget iveist einen FeisiMrag von nahezu 80 Millionen Mi kreis ans. Eine Erhöhung der Einnahrneu soll durch eine Zusatzstener erreicht werden. DAPlnmentslPiflsjesi. Tie GeschäftSorduiiiigS-kiommission des Reichstages ist ziim 14. d. M ciiiberafen worden. Sie soll die ihr vom Präsidini» über- »ragene Eiiischcidnng darüber sällen, ob das Mandat des A b g. Dr. Paasch«(»alt) durch dessen Versetzung an die Technische Hochschule in CharlolUiibnrg erloschen ist. Die neu« Slcllnng des ANg. Dr. Paasch« hat, nach der„Kölnischen Volts- zeilnng", zwar keine Gehaltserhöhung, aber«ine Rangerhöhmig(Ti) zur Folge. Der ZentriimSfiihrcr Abgeordneter Tr. Lieber ist, wie die „N. B Korr." meldet, am Toiinerstag Vormiltag plötzlich von seinem alte»»euralgische» Magenleiden wieder heimgesucht worden. Das Leiden ist diesmal mit einer solchen Heftigkeit misgetreten. daß die nähere» Freunde de» Erkrankle» ernstlich um ihn besorgt sind.— DaS sozialdemokratische Wahlkomitce für daS Herzogthnm Branuschwcig hat beschlossen, abermals eine Agilatio» zur Er- ringnng des allgemeinen, gleichen, direkien und geheimen Land- tags-Wahlrechts durch Versnminliingeii an de» einzelne» Orlen des Herzogtbums in die Wege zu leiten und damit die Agilalion für die nächsten Reichstags-Wahlen zir verbinde». Bei der Stadtvcrorduetc»- Stichwahl i« Barme« unter- lagen nusere beiden Kandidaten S t ii r m e r und Gr» b e mit IS98 Berantwortlicher Redalieur: Angnst Jacobe« in Berlin. Für den Jnsera Und 1803 Eiiinine», obwohl sie gegenüber der Hanptrvahl Sö0 bis 600 Stininren mehr erhallen halte». Gewählt wurden I Mischmasch« kandidat, 2 Freisinnige und I Kvnservativer mit 2383—4071 Stimmen. Das Zentruni ftinimte für die Freisinnigen. Für de» Mischmasch- Kandidaten, der die höchste Siimmenzahl erhalle» hat, stimmten alle drei Gruppen. Wenn es den Parteigenossen in Barmen trotz ihrer fleißigen Agitation noch nicht gelang, ein Mandat zu erobern, so ist doch das erreicht, daß die Herren im Sladtregiment künftig die Interessen der Arbeiler mehr berücksichtigen werde» als bisher. Das Vorhandensein von 1900 Bürgern, die öffentlich ihre Stimme zu g misten der Sozialdemokratie abgaben, ist eine Thaisache, die man nicht außer betracht lassen wird. Ans Johannesburg.in Südamerika wird iins geschrieben: Tie Verhandlung«» des Hamburger Parteitags haben uns nngemein erfreut. Traten auch, wie es der Fortschritt der Partei bedingt, Meiiinngsverschiedeziheite» zu tage, i» der Hauptsache sind die Vertreter einig gewesen. Mit der Hoffnung der Gegner, die Partei werde sich spalte», war es also ivicder nichts. Der Parteitag wird auch den denlscheu Sozialdemokrateil im Ausland ei» Ansporn sei», iinerinüdlich im Dienste der Internationale weiter zu wirke», nicht achtend der damit verbniidenen Opfer und Aiistreiignnge». Weckte doch der lebensfrische Zug, der durch den Hainburger Parlei- tag wehte, auch in unseren Herze» neue Hoffnung, neuen Mulh. Polizeiliches, Gerichtliches sc. — Redakleur Korn von der„S ch l e s w i g-H o l st e i n s ch e n V o l k s z e i I»>i g" wurde wegen Pastoren-Beleidigung i» Kiel zu 2 Monate» Gesängniß vernriheilt. Ge k ueek fiszttftlirijes. Berlin und lknigcbuiig. Die organisirten Stcinarbeitcr Teutschlands sandte» de» englischen Maschinenbauer» gester» als ö. Rate IS00 M. Zur Zeutralisatiou der Kraukeukasseu. Di« General- versainnililiig der Orts-Krankenkaffe des Töpsergewerbes beschloß: Der Vorstand wird verpflichict. für die Verwirklichung der Zenirnlisntio» sämiinltcher Orls-Krankenkafsen von Berlin und Um- gegeud mit aller Energie einzutrelen. Die Generalversannnlimg der Oris- Krankenkasse gewerblicher Arbeiter und Arbeiterinnen vom 5. d. Ml?, sprach sich im Piinzip für die Zeniralisation ans, beschloß aber, in anbelracht der gegen- wärligen Auffassung der Aufstchtsbehörden, sie vorläustg abzulehnen. Deutsches Reich. Ausgelöst wurde in Danzig eine Versammlung der Vereini« gn»g der Maler und Lackirer, weil a» der Versammlung Gäste theiliiahinen. Zinn Ueberfluß ivnrde das Lokal sür den ganzen Abend gesperrt und zeitweilig sogar vo» 8 bis 10 Schntzlenten be- wacht. ES unterliegt keinem Zweifel, daß hier die Behörde zu Milteln greift, die jeder gesetzliche» Grundlage entbehren. Be- zeichnend sür nusere Niechlsznsiände ist es, daß derartige Mittel nun schon wiederholt gegen den Verein in Anwendung gekommen sind, ohne daß diesem Borgehen unlerer Behörden EiuhaU gethan wurde. Tic Barbier- und Frifcurgehilfen in Bielefeld befinde» sich i» einer Lohnbeivegnng, iveshald Zuzug nach dort möglichst z» vermeiden ist.— I» Stuttgart habe» 73 Friseure den Gehilsen einen Minimallob» vo» 4 M. wöchenilich bei sreier Slnlion beivilligt, während 62 trotz der dem Pnbiikmn anserlegle» PreiSerböhnng noch nicht bewilligt haben. Die Gehilfen haben n»u an das Publiknin die Biite gerichtet, sich nur in den Geschäslen bedienen zu lasse», welche beivilligt habe». Eine gut besuchte Bergarbcitcr-Bersanimlung in OclSnitz i. Erzgeb. stellte für das Reichs- Berggesetz die Berücksichtigung folgender Foidernnge» ans: I. nchlstündige Schichtzeil; 2. Ver- iiiehrniig der Brrginspektore»; 3. Verbot der Neberschichten; 4. u»- vorhergesedene Naiurereigniffe dürfe» keine Veranlassung sein, den Betrieb einzustellen(wie z. B. in Zwickau bei dem letzie» Hochwasser); 5. Knappschafiskasse; ei» Arbeiter, auch wenn er nach§ 80 des Berggesetzes unter 1 bis II entlassen wird, darf seiner Kasscngelder nicht verlustig gehen; 6. Verbot der Frauenarbeit; 7. Regelmig der Arbeiiszeit an heißen Orlen; diese soll nicht über sechs Slunde» belrage»; 8. Haftpflicht des Unter- nebmers bei Unfällen, wenn Nachläsflgkeit der Weltersnhrnng u. s. w. nachzuweise» ist; 9. Berg-Schiedspericht; es soll eine weitere Be- rnfungsinstanz eingeführt werde»; 10. Belriebseiuslellung während der Ein» und Ausfahrt._ Äiozinlc-s. Keankenkassentvesen. Der Zentral-Kranken- und Slerbekaffe der denlscheu Wagenbauer(E. H) z» Gotha, der Zentral-Kranke»- und Sierbekafse der Tapezircr und verwandte» Bernfsgenossen Deutschlands zE. H.) zn Hamburg und dein»iiigemeine» Kranken- »crem Altoi a von 1869(E H.) ist vom Reichskanzleramt von neuen« die Bescheinigung erlbeiit worden, daß sie. vorbehalllich der Höhe des Krankengeldes, den Anforderungen deS Z 7S des Kranken- verflchernngs-GesetzeS genügen. � Ter Roibbcutschc Lloyd in Bremen bat die Zwischen- deck-Fahrpreise nach Ztew-Pork und Baltimore erhöht. Es treten nachsolgendc Preise sofort in krast:»ach New-Dork mit Schnelldampfer 160 M., mit Postdampser 140 M;»ach Baltimore mit Postdampser l40 M., mit Rolanddampfer 140 M. nach Galveston mit direkter» Dainpier 130 M. Tic Kommission deS städtischen Arbeitsamts in Stuttgart hatte beim Gemeinderath beantragt, den Arbeiislösen, die nach ans- wärts r» Siellttiig gehe» wollen, die Reisekosten zu er- setzen. Der Antrag fand Eympalhir. Es soll ei» entsprechender Betrag in den nächsten Etal etiigeklelll»nd zugleich aus ErmäHignng der Eisenbahn-Fnhrpreise hingeivirkt werden,»lngeregt wurde der Gedanke von dem Leiter des Arbeitsamts. Herr» A ltherrrr. Tic bayerische Koufcrcyz, die in München über die Zen» t r a l i s a t i o» der A r b e i t s n a ch w e i s st e l l e n beratheu soll, ist jetzt vom Ministerium des Inner» auf de» 11. Dezember einbernfen worden. „Wenn Dich die dösen Knde« locken, so folge nichi!" (Sprüche. Salonionis 1, 10.) Sitzt da vor wenigen Tage» in dem Restaurant von Streit, Nannynstraße, ein Arbeiler G.»nd sinnt Über die schlechten Zeiten nach. Ta setz! sich zn ihm ein Herr Schultz«. Schnltzc ist ein Begriff. Um klarer z» ftellen, welcher von de» viele» Echultze's gerade dieser Schultz« war, sind»och mehr Merkmale«rsorderlich. Dieser Schultz« ivar einer der Brlnstimgszenge» in dem Piozeb Auer und Ge». au? der Köllerzeit. Im Polizei-Etat simgirt derselbe Schnltze als Kriminal- beamter. Er hatte zu einigen Besprechungen über Orgaiiisalio» der Wahlvereine als„Malermeister Schnltze" sich einführe» lassen»nd ist in Berlin seit jeiicnr Prozeß Auer, i» den, fest- gestellt rvnrde. daß er nie Malermeister war, der nie einen Pinsel gesührk, sonder» mir solche gesucht hat. als der„Malermeister Schnltze" nicht gänzlich unbekannt. Besagter Schnltze beginnt mit dem Arbeiter G. ein Gespräch, traktirt ihn mit Bier, da»» mit Abendbrot, auch mit Zigarren. Zu welchem Zweck? Ist Schnltze solch' Genrüihsmeosch? I««in», Schultz- ist— Nriminalbeamler und(heilte dem G. mit, er habe schon lange die Ehre, ihn. G.. zu kennen. Er. Schultz«, sei Kriminalbeamter für die polilische Polizei. Als solcher habe er ja brillante Ver- -iitheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Drink mid Verlag von Via bindungen. Er wiffe alle?. Aber er— möchte noch mehr«iffen G. könne sich ein schön Stück Geld verdienen, wenn er ihm über ge- Heime Sitzungen von Sozialdemokraten berichte. Da G. auch verheirathet sei, so köilne ja Frart G. ein bische» über die Frauenbewegung iiiittheilen. Das renlire sich brillant. G. würde i« der erste« Woche ZV M-, i» der zweite» Woche SV M. erhalte«; eS würde ihm dann auch zu Weihnächte» eine Kneipe errichtet werden. G. lehnte dies Anerbieten für seine Frau' höflichst danleiid ab. Eo nett, intelligent und schön seine Frau sei, so resolut sei sie auch. Schnltze solle davon abstehe», ihn(G.) in seiner Wohnung zu besuche», sonst könne er für die Folgen einer Aussprache seiner Frau mit Schnitze nicht stehen. Malermeifter Schnltze meinte: das würde sich ja schon finden; zunächst könne G. ja das ihm, dem Eheman», gellende Anerbielen sich Überlegen. Er, Schnltze, kenne de» G. schon sehr lange und wisse, daß er ein tüchtiger Mensch sei.„I woher keituen Sie mich denn aber 1" Das will ich Ihne» gern sagen. Sie haben in dem Lokal von X. in einer geschlosseneii Gesell schast ver- kehrt. Mich inleressirte diese Gesellschaft im» so, daß ich durch das Guckloch, das ans einem Nebenrainne ans einen Theik dieses Zimmers blicken läßt, oft geschaut habe und da saßen Sie mir immer gegenüber. Sehen Sie, ich habe ja samose Verbiiidunge»; nieine Kollegen sind recht neidisch daraus. Ich »löchte aber»och bessere Verbiiidimgen habe», lleberlcgen Sie sich die Sache. Geld ist da leicht verdient: 30 Mark die erste Woche, 60 die zweite»nd, rvenn ich dann gut bedient werde, so wird Ihnen so um Weihnachlc» nun mich noch eine Kneipe eingerichtet. Ueberschlasen Sie die Sache: diese» Dienstag (am 7. d. M.) treffen wir nns in dem Wurst- öiestaurant Ecke Oranien-»nd Alcxandriirenflraße. Hier haben Sie auch noch ei» Dutzend Zigarre». Wir werden schon einig werden. Aber weh« Ihnen, wenn Sie mich verrathen.— Malermeister Schultz« ver- abschiedet« sich. Unser G. probirt die Zigarren, ihm dmichi, die Sache stinkt. Einigen seiner Freunde lheilt er dann den Sachverhalt mit. Am Dienstag zur bestimmten Slunde traf Malermeister Schnltze vor dem»iestaurant«in. Leider gingen just zur selben Zeit einige der i» den Prozeß Auer ver- wickelkn Genoffen ebenda vorbei— darauf verschivand der Maler- meister Schnltze.— Dieser Vorfall ans der jüngste» Zeit beweist, daß mit den Versuchen, Spitzel unter anständige» Menschen z» werben, nicht aufgehört wird. Das kolossale hohe Angebot berveist, daß Malermeister Schnltze oder ein anderer in Nöthen ist. Derartige Anerbietungen»rüffen»olhweridigerweise Lumpen dazu führen, geheime Berschwörrnige», geherme Verbmdrmge»». dgi. aus Lager zu arbeite». Wann soll von diesem Loger Gebrauch gemacht werde»? Reize» die Schlappen in den Prozessen Arier, Lockert sc. zn neuen Niederlagen der politischen Polizei? Uns scheint, daß das Geld der Steuerzahler besser als sür solche nutzlos« Experimente ver- iverthet werden könnte. Gevlchks-Iettung. TaS Anfsnchc» von Waarenbeftcllunge» bei Privaten betrifft«ine wichtige Enlscheidnng de« N a in in« r g e r i ch t k, die z» erfahren um so mehr im Jniereffe der Betheiligten liegt, als sie dem Äußeren Anschein nach mit einer vor etlichen Wochen von im? veröffentlichten Kammergerichts-Entscheidung in Widerspruch siebt. Die Novelle zur Geiverbe-Ordunng. die am 1. Januar des laufenden Jahres ihre Rechiskraft erlangte, bestimmt folgende?: Bestellungen von Waarr» dürfen ohne vorgängige ausdrück- iiche Zlufforderirng nur ausgesucht iverden bei Kaufleute». in deren Geschäftsräumen» oder bei solche» Personen, in deren Geschäjlsbelriebe Waareii der angebotenen Art vorhanden sind. Wegen Vergehens gegen diese Bestimmung wurden«in Geschäfls- inhaber und dessen Reisender angeklagt. Der Reisend« erschien eines Tages im Austrage seines Chefs bei Privatleuten und bat sie. ityn ein mitgebrachtes Schriftstück zn unterschreiben, rvorirr die Unlerzeichueien das Ersuchen aussprechen, der Kaufmann möge seine» Reisende» nril Waare» beziehungsrveise Wnareiiproben zu ihnen senden. Sowie die Lenie die Unlerschrisl geleistet hallen, legte ihnen der Reisende sein« Artikel zur ge- fälligen Auswahl vor. Schöffengerrchl und Landgericht ver- »riheillen deswegen sowohl de» Reisenden wie sei»«» Chef zu Geldstrafen von je 96 M. Die Gericht« nahmen»n, daß Kier eine vorgängige Anfsordernng im Sinne dcs Gesetzes nicht vorliege. Das Gesetz ivolle das Publikum vor den Beläsligmige» der iHeisenden schützen und dieser Zrveck werde durch Fälle wie der vorliegende verhindert. Die Angeklagten legleri!)ievi>io» ein und mächte» gellend, das Gesetz sei vo» ihnen nicht verletzt worden. Aber auch das Kamniergericht e»«schied ,»> ihren U»g»»sten.— In dem oben erivähute» Falle war die Fieisprechniig der Angeklagten, auch eines KanfmanneS»nd seines Reisenden, erfolgt. obwohl die in belracht gekommenen Privatleuie ebenfalls von dem Kausniann veranlaßt worden waren, ei» Formular zu unterzeichne», worin er nrisgesordert wurde, ihm» seine»'Reisenden zn schicken. Das Formular war jedoch den Leuieii v 0 r dem Besuch des ttleisendei,»nd vor seine» Angeboten zugegangen und retonrnirl worden. Die Rechtsinge ist also die, dnn die GeschästSleute selbst die Anffordernng j»»> Besuch des Reisenden veranlassen d ü r s e n. daß dies aber grsclrebea muß. bevor der Steijcnde die Wohnungen der voraussichllichen Kunden betritt. Dopesrizeu und letzte Nercheichten. PnriS, II. Dezember. Der Richter Rempler, dem der srühere Jystizminisier Ricard seinerzeit die Niiiersnchnng der Panama, und Südbahn-Affäi- enizogen Halle, hat heute ia einem Anfalle vo» Schwermiith seinem be» ein Ende gemacht, indem er sich ans eine»» Fenster des Jiiflizpalnstes hinabstürzte, PariS, 1� Dezember.(W T. B.) Die balbamilichen Blätter «rkläreiy daß die Engländer die vo» dem Major Jenkinfvn an» >7. November besetzte Stadt Buna, an der Grenz« der Elsenbein- küste, würden räumen»rüffen, da Buna»iislriilig Frantreich g höze. Brügge. II. Dez.(W.T.B.) Das Schwurgericht sprach heul« nach medrlägiger Verhandl»ng de» Major der Bürgergarde, Van» derauwera ans Ostende, iveletier ayf anonyme Anzeige» hin angeklagt war, seine Frau vergiftet zu kabe», frei. Prikar cst, l l. De,.(W. T B.) Infolge eines PreßsireiteS kam es ziviscbe» dem Dircklor der„Epoca", Frlipesco,»nd dem Direktor der„Jntöpendance Ronmaine, Lahov.iry, zu einer» Tegendncll, i» iveleben, Lahovary gelödlel wnide. Evmv. 11. Dezember.(B. H) Bei einer Entenjagd ans denr Laga maggiore kippie ein Bool mit fünj Jägern in»; drei da on erlranken, darunter der bekannle Mailänder Advokat Dr. Faumi. Tariiopol, II. Dezember.(B. H) Ber Krzyive entgleiste«in Lastzug. 14 Waggon» wurde» zertrümmert. Havaua» 11. Dezember.(M.T.B.) Während der lctzttn zebn Tage hatten die Rnsiiändische» eine» Veriiifi von 113 Todte» n»d 33 Gefangene»; 348 Ansiläudische nnlecnmrs«» sich. Die Sv»»ier hatte» 14 Todte und 121 Betwnndet«. Niivas Rivera, der Nach- folger Maceos, ist als Gefangener a» Bord eines EchiffeS gebracht worden,»,n nach Cadix geschafft zn werden. x Babing in Berlin. Hierzu 4 Beilagen». UnlerhaliniigSblatt. Jt. 290. Ii IchMg. 1. Jitiliiit Ks„ Soittilag, l2. Dtjcmbtt i8S7. NeLchstttg. v. S i tz u n g v o in S o n» a b e n d, d e n II. Dezember. Au, Bundesraihstlsche: Graf P o s a d o w s l y, v. Goß! er, � i h, v. T h i e l in a n», v. B ü l o w. Prcistdent v. Bnol eröffnet die Sitziing um V/i Uhr. Gin schleuniger Antrag Auer(Soz) auf Einstellung eiues gegen den Abg. Horn(Sachsen, Soz.) beim Landgericht Dresden schwebenden Sirasverfaljreus wird deballelos angenommen. Tagesordnung: Eiste Lesung des Etats. Abg. Fritzen(Z.): Ter Slaatssekrelör hat uns gestern eine durchaus sachgeniasi« Darstellung der Geheiinuisse unseres Reichs- Hanshalls gegeben. Ich bin im allgeuieineii mit ihm ein- verstanden und habe nur wenige Ausstellungen zu machen. Ich stimme mit ihm überein, daß die Verhandlungen der anderen Länder über die Znckerprämien abgewartet werden müsse». Dann bin ich erfreut über die Errichtung einer Zentralbehörde in Zollsachen. Der Schahsekrelär sagte weiter, er würde gern eine» Gesetzentwurf»in- br.»gen, der eine noch höhere Schnldenlilgnng vorsieht, vorausgesetzt, daß wir die Aiatrikularbelträge nicht erhöhten. Das wäre ein Weg zu der von uns iviederholt abgelehnten Finanzreforin. Wir könne» uichl garan- tuen, daß wir die Malrilularbeiträge nicht erhöhen, denn sie sind unser bester Schlitz gegen neue Stenern, sie zwingen auch die Finanz» inlnister der Eiilzelftnaten aus den Reichshanshalt ein Augenuterl zu haben. Der Gedanke der Finaiizreforni ist in seiner Tendenz ini höchsten Grade partikularistisch. Die gestrige Rede des Schatz. selrelärs war nicht so rosig angehaucht, wie die Schilde- rung der Finanzlage bei Gelegenhett der Marinevorlage. Tie Finanzlage ist in der Thal nicht mehr so günstig un vorigen Jahre. Die Sch»ldenlilgimg wird dieses Jahr eine bei weitem geringere sein inüssen. Ich will !>»» noch einige Bedenken vortragen, den Mar ine. Etat aber nicht mehr berühren. Das Ftottengesetz ist der Koininissiou über- wiesen, wir werden die Ergebnisse ruhig abwarten, ehe wir uns schlüssig machen. Das letzte Wort ist noch lange nicht gesprochen und wird sobald noch nicht gesprochen werden. Ich will für meine Person der Hoffnung Ausdruck geben, daß eine Einigung erzielt wird. Vielleicht, daß die eine Seite in der Form, die andere Seite in der Sache entgcgenkoinint. Was den Etat des Auswärtigen Amts betrifft, so begrüße ich die Summe für Unterstützung deutscher Schtileti im Anstände. Die Schitleii müßten aber genau angegeben werden. Bei dein Etat von Oslafrika ist mir der Reichszuschuß für die Usainba'er Eisen- bahn aufgefallen. Diese Eisenbahn scheint doch ein verkrachtes Unternehinen zu sein. Für die Eisenbahn von Swakopinund- Windhoet ist eine Million gefordert. Wir bitten um den Nach- weis, daß die Eisenbahn nothweudig ist. Die au sich geringe Summe würde» wir dann gern betvilligen. Auch bezüglich der Hafen- anlage in Swakopinund erbitten wir nähere Rusknnst in der Kon» uiission. Ehe ich den Etat des Auswärtigen Amts verlaffe, will ich noch auf eine Aeußeruug des Grafen Limburg Sliruni zurückgreifen. Er sagte, die Leitung der Auswärtigen Angelegenheilen hat im Ans» laude an Ansehen eingebüßt. In dem Moment, wo für uns in Ostasieu so große Interessen ans dein Spiel« stehen, war diese Aeußerimg unangebracht, selbst wenn sie sachlich berechtigt gewesen wäre. Ich theile diese Ansicht aber auch sachlich ganz und gar nicht.(Sehr richtig! im Zentrum.) Ich komme jetzt zu dein R e i ch s a m t des In n'e r n. Da werden wir zunächst die Einnahnteti an dem Nord-Ostsee-Kanal genau prüfen inüffen und untersuchen, ob es nicht möglich ist, die Einnahmen zu heben; jedenfalls werden wir uns einstweilen damit zufrieden geben müssen, daß die Betriebskosten gedeckt werden. Die Mehrforderung von 200 VM M. zur Unlerstützuiig der H o ch s e e- f i s ch e r e i findet unsere volle Billigung. Es wird serner ein Zuschuß zum I n v a l i d e n f ou ds in der Höhe von 23,ö Mill. gefordert; wir haben eS hier inil einer daneruden Ausgabe zu thuii, die jedes Jahr um 2— S Millionen wächst. Der Staatssekretär hat uns mit- Setheilt, daß die Novellen zum Unfall, und I n v a l i d i t ä I s- >esetz in diesem Jahr« nicht wieder vorgelegt werden sollen; wir haben aber den dringenden Wunsch, daß die Vorlage» weiiigflens im nächsten Jahre an den Reichstag gebracht werden. Wir hoffen ferner, daß dem dringenden Wunsch des Reichstags, betreffend die Aushebuug des Verbindungsverbo'ts endlich Folge gegeben wird. Wir müssen immer wieder besonderen Nachdruck aus die Sozialpolitik legen. Im Kreise meiner Freund« herrscht bereits Mibstimniung darüber, daß die Sozinlresorin wieder verschoben ist. Die soziale Frag« wird wohl noch sehr lange auf der Tagesordnung stehen. Und so lange sie besteht, giebt sie den Umsturzbestrebungen beständig neue Nahrung. Den Umsturz können wir aber nicht durch'Aus- nahmegesetze bekämpfen, auch nicht durch Polizei- chikane» und strenge Handhabung des Vereins- g e s e tz e s. Es giebt vielmehr nur ein einziges Mittel: unser Bestreben muß darauf gerichtet sein, die Lage der weniger bemittelten Klasse» thunlichst zu verbessern. Im M i l i t ü r- E t a t finden wir Mehr-Ausgaben, die zum großen Theil unsere Billigung finden; vor allein die Verbesserung der M a n u s ch a s t s k o st(8,2 Millionen), ferner 13—14 Millionen s-ir Naturalleistungen, infolge der Preissteigmig der landwirlhschaft« licheii Produkte; doch kommen diese Ausgaben schließlich der Land- ivirlhschaft zu gute und haben daher unsere Sympathien; sie tragen ja auch bei zur Lösung der Agrarfrage. Mit großer Freude erfüllt hat uns die Befferstellnug der M i l i t ä r» A e rz t«; in dieser Hinsicht hat der Kriegsminister seine Zusage prompt erfüllt. Die sonstigen Posten iverden noch in der Kominission näher erörtert werden' hier will ich nur einzeln« herausgreiseu. Die Manöver» kosten haben dieselbe Höhe wie im Vorjahre, nämlich 2 Millionen. Damals wurde uns aber in Aussicht gestellt, daß die Frage der Flurentschädigung in Erwägung gezogen werden wird; wir haben bis jetzt davon nichts gemerlt. Es fragt sich aber überhaupt, ob der Kosteuaufwaud bei den großen Manövern im Verhältuiß steht zu dem erzielten Nutzen.(Sehr richtig! im Zentrum und links.) Ich komm« nunmehr zu der Duellfrage. Da ist uns wohl die Frage an den Kriegsminister erlaubt, ob er uns hier oder auch in der Kommission Mitlheilungen darüber inachen kann, ob die Kabinetsordre über das Duell bereits zu erheblichen Ergebnissen ge- führt hat. Achtung vor dem Gesetz ist besonders in einer Zeit nolh- wendig, in der die destruktiven Elemente am Werke sind, die Grund- lagen des Staates zu untergrabeu. Das Duell ist eine vorsätzliche Negation von Recht und Gesetz. Das Recht ist aber nur eines; die im Staate gellende Rechtsordnung bildet ein einheitliches Ganze. Man kann nicht in einrin Punkt die Rechtsordnung negiren und sich aus der anderen Seite als Vorkämpser derselben hinstellen. Das ist ein Widerspruch tu sich.(Sehr richtig!) Der Anhänger des DuellS steht auf demselben Boden wie der, der das Ptivateigenthum verletzt. In diesem Punkte stehen die verschiedenen Konfessionell erfrenlicherweise im großen und ganzen aus demselben Boden. Nun bin ich weit ent- fernt, zu glauben, daß die Anschauungen über den Zweikampf— welche übrigens, wie ich besonders hervorheben will, nicht aus der ritterlichen Zeit des deutschen Mittelalters auf un» ge» kommen sind, sondern wie v. Below nachgewiesen hat, zu uns aus Frankreich herübergekomme» sind, auS der ver- kommeuslen Zeit der französischen Gesellschaft.— in unserer Armee mit einem Schlage zu de» seiligen sind. Dazu gehört Zeit und Geduld, recht viel Geduld.'Aber eins muß man fordern: daß die- jenigeu. welche treu dem Gesetz und treu ihrem Gewisse» sich im Prinzip gegen das Duell aussprechen, nicht aus der Armee ausgeschlossen werden, in der Linie so wenig wie im Reservestand.(Sehr richtig im Zentrum und links.) In der hayertfcheii Kniumer hat der Kriegsimiiister eine dementsprecheitde Erklärung abgegeben; auch nnser Kriegsminifter hat sich entgegen- kommend geäußert. Aber auf eins mache ich aufmerksam: die unteren Behötden, namentlich die BezirkskominandoS, gehen ihren eigenen Weg. Junge Leute iverden von ihnen deshalb nicht an- genommen, weil sie Gegner des Dnells sind.(Sehr richtig!) Die Folge ist, daß große und vornehme GeseNschastsklaffen ihre Söhne vom Heere zurückhalten und sich der Armee feindlich gegenüberstellen und das ist aufs tiefste zu bedauern.(Sehr wahr! im Zentrum.) Nun zum P e n s i o n s e t a t. Er hat wieder eine Vermehrung er- fahren. Doch besteht das Plus wesentlich in Jnvalidenpcnsiotten vom Feldwebel abwärts. Das Plus an Offizierspensionen ist nur unwesentlich gewachsen, das will ich ausdrücklich betonen. Im vorigen Jahre haben wir zur Uiiterstntznng unserer alten Kriegsveieratten au? allen Feldzügen 600,000 M. in den Etat eingestellt. Leider können auch jetzt noch nicht alle Veteranen berücksichtigt iverden. Noch immer erhalten etwa 3000 Leute keine Unterstützung, obwohl sie sie dringend brauchen. Mit 3—400,000 M. ließe sich diese Unter- ftühnng ermöglichen. Wo uns so groß- Ausgaben für ander« Zivccke zugeinulhet werden, sollten wir nicht kargen mit dieser geringen Summe.(Ziistimmung links und im Zentrum.) Einige kurze Bemerkungen zum P o st e t a t. Die Ernennung des Herin v. Podbiclski ist von den Postbeamten selber mit sehr ge- lheilten Gefühlen nufgeuommett worden. Das Mißtrauen scheint aber jetzt im Schiviude» begriffen zu sein. Hoffen wir, daß der neue Staats- sekretär der Post die dringenden Resorme», von denen so viel die Rede ist, auch wirklich zur AuSführiiug bringt. Er bat so oft hier im Reichstag mit uns für die Sonntagsruhe der Postbeamten gestimmt; möge er sie nunmehr auch einführen!(Bravo!) Ich bedauere, daß unsere Resolnlio» vom vorigen Jahre, die eine Besserstellung der Po st- Unterbeamten und Land» Briefträger ver- langte, in diesem Etat keine Berücksichtigung gefunden hat. Grunde dafür sind uns nicht mitgetheilt worden, vielleicht geschieht es noch. llm so mehr muß ich diese Unterlassnug bedauern, wenn ich sie mit der Erhöhung des GeHalls der Unterstaatssekretäre zusammeuhalte. (Sehr richtig! im Zentrum und links.) Auch die gl«Präsentatio nskosten de? Reichs- kanzlers sind um 64 000 M höher eingesetzt. Unsere Sitten sind nicht mehr von puritanischer Einfachheit, von spartanischer Strenge, wo die schwarze Suppe genügte, um Diplomaten zu bewirthen. Allen- falls mag die schwarze Suppe für diälenlosc Reichstags-Abgeordnete bekömmlich sein(Heiterkeit), aber nicht für die Gäste des Reichs- kauzlers. Doch wollen wir die Mehrsorder ung gernbe- willigen, wissen wir doch, daß sie Fürst Hohenlohe nicht für seine Person, sondern für sei» Amt foideit.(Beifall im Zentrum) Ich ziehe nun das Schlußergelmiß des ganzen Etats. Daß wir auch in diesem Etat nur mit Hilfe einer Anleihe auskommeit können, liegt im wcseiitlicheu an den großen Bedürfnisseil für Heer und Marine. Sie sollten nach meiner Auf- s a s f Ii n g aus den laufenden Einnahmen gedeckt iverden. Jetzt haben wir einen Anleihebedarf von 54 Millionen, von denen 9 llstillionen als wirkliche einmalige Ausgabe» für den Bau von Rcichs-Eiseiibahne» gelten lö..nen. Das Ideal einer gnle.i Etats- führiing würde die Balatizirmtg ohne Anleihe sein, und nnser Be- mühen muß dahin gehen, diesen Pitnkt zu erreichen, um so mehr, als wir auf die Tauer nicht ans eine gleiche Steigerung der eigeneii Einnahmen des Reiches wie in den Vorjahren rechnen köimen. Schon zeigt die Oltober-Eimtabme einen Stillslaiid. Wie sind unsere w i r t h f ch a s t l i ch e n Aussichten? In der Textilindnslrie babcn wir schon heute eine Krise. Der Kohlenbergbau tvcist noch glänzende Resultate ans. aber i» der Eisenindustrie scheint mir der Höbcpiiiikt erreicht zu sein. Die Vemühiiiigeii der Eisenindustrielleu, durch Kartelle die jetzige Position zu balle», deuten daraus hi», daß sie selber bereits den Rückschlag fürchte». Tritt er aber ein, dann sinken die Löhne, der Konsuln geht zurück, die Einnahmen ans den Zöllen satten imd die tteberschnjje ans Post- und Reichseisenbahnen vermindern sich. Daher ist es»»sere Pflicht, schon jetzt bei den Ausgaben die größte Sparsainkcti walte» zu lassen. Nm das Defizit in schlechten Jahren zu decken, würden neue indirekte Sleuern vorgeschlagen werden, die gerade in der Zeit des Siiedergattges der Jndnstiie die größte Entrüstung im Volke erwecken würden,«in« Entrüstung, lue ans die Urlieber der Steuern zurückfallen würde. (Sehr richiig! links.) Dr. Lieber hat mit Zitstiimmmg aller unserer politischen Freunde bereits eiklärt, daß das Zenlmm«ine weitere Ausdehnung der ittdirelteu Stenern, die schon jetzt über 700 Mtll. Mark betragen, unter keinen Umständen will.(Sehr richtig! im Zentrum.) Herr Dr. Lieber hat nun direkte Reichs st eu er n vor- geschlagen. Denen stehen aber große Bedenken cnlgcgen. Einmal widersprechen sie dein föderativen Charakter des Reich?, dann sind sie bei der Verschtedenarligkeit der Slenersysteine in den Einzelstaaten schwer zu erheben und dann machen sie den direkte» Slenerii in den Einzel- staaten direkt Koiikurrenz. Mit einer neuen ReichSstener scheint mir also vorläufig nichts zu sein! Zwei Wege würden uns also nur übrig bleiben: Erhöhung der Matrilularbeiträge, oder neue R e i ch s s ch n I d e n. Ganz rosig liegen die Dinge also nicht. Wir brauchen nicht nur ein schlagfertiges Heer, eine schlagfertige Flotte, sondern anch starke Finanzen. Wenn wir das Unglück hatten, in«inen europäischen Kneg verwickelt zu werden, dann müßten für das Aufgebot von Milliotmi von Soldaten Milliard-rn von Mark zu ihrer Erhallnng bereit sein. ES ist unsere patriotische Pflicht, unsere finanziellen Kräfte nicht in tiefem Frieden so anzuspatmen, daß sie im Krieg« versagen!(Lebh. Beisall im Zentr.) Kriegsminifter Ii. Goßlci: Ich bin dem Herrn Vorredner dankbar für die wohlwollende Betirthetlrnig des Mililär-ElalS. Er hat aber eine Frage hier berührt: die D u« l l s r a g e. auf die ich ihm antwortcu muß. Auf prinzipielle Erörterungeu lasse ich mich nicht ein. Die Sachlage ist klar: Erstens ist das Duell strafbar; zweitens sprechen religiöse Rücksichten dagegen; drittens ist der oberste Kriegsherr und die Militärverwaltung gewillt, die Duelle zu verringern, so weil es irgend möglich ist. Jeder Fall liegt aber verschieden und muß verschieden bettrlheilt werden. Berichligend will ich erwähnen, daß niemand, der Offizier werden will, gefragt werden darf, wie er sich zum Duell stellt. Ich begreife eine solche Behauptung, da gerade hier bestimmte Erlasse des obersten Kriegsherrn vorliegen, die allen Behörden mitgetbeilt sind. Wenn solch« Fälle geschehen, so muß man sich an die Stelle, wo sie ge- schehen. um Remedur wende». Was die Wtrknng der kaiserlichen DneU-Verordnnng vom l. Januar 1887 anlangt, so war sie in der That ausgezeichnet. Nach meiner Kenntiiiß sind nur 2 Fälle vor- gekommen, wo aktive Ossiziere bei ein«,» Duell betheiligt waren. E? sind dieS die Fälle in Slargard und Bremen. Die Untersnchmig ist »och nicht abgeschlossen, aber die vortänfigen Ergebnisse lasse» erkennen, daß in beide» Fällen schwere Berletzttttgen der hänslichen Ehre vorgekommen sind, also Beleidigitngen schwerster Art, die ich von meittem Standpunkte und vom Eiandpttnkte des gesammten Offizierkorps nur anss tiefste bedauern kaiiii. In solchen Fällen, wo es sich um die Verletzung der häuslichen Ehre Handell, meine ich. muß man es den betreffenden überlassen, welche Schritte sie wählen. In ineine» Angeu ist die häusliche Ehre das höchste Gut Wenn ein Einbrecher ins Hnus dringt, benutze ich jede Waffe, um ihn abzuwehren; der Berletzer der häuslichen Ehre muß nach meiner Ansicht mit seinem Leben dafür haften. Wir haben eine Reihe von Fällen, wir können es nicht ändern, in denen unbedingt zugegeben werden muß, daß die Ehre höher steht als das Leben. Das wird einem Soldaten niemals erspart werden und darf ihm nicht erspart bleiben. Ich will diese Fälle nicht spezialistreti und kann es nicht. Was nun die gesetzliche Grundlage betrifft, so gebe ich»». daß die Duelle zweifellos strafbar sind. Der Art. 61 der Reichsversassung hat den zweite» Theil der Verordnung sür die Ehrengerichle vom Jahre 1643, die die Dnellsrage regell, sür ganz Teutschland eingesührt. Dieser zweite Tdeit ließ sich nicht ausrecht erhallen, nachdem das deutsche Strafgesetzbuch die Strafen in anderer Weise geregelt Hai; deshalb mußte die neue Verorduiing erlassen werden, die im günstigsten Sinne gewirkt hat. Die Duelle babe» sich thalsächlich vermindert. Prmziptell muß ich sagen: es ist Pflicht jedes Offizierkorps und jedes gebildeten Mannes, die gute Sitte zu wahren und die Ehre eittcS anderen eben so hoch zu stellen wie die eigene. Daun verschwinden derartige Streitigkeiten ganz von selbst. Abg. v. Leipziger(k.): Wenn Graf Limbnrg-Slirum gesagt hat, das Ansehen der Auswärtigen Politik Deutschlands sei seit dem Abgang des Fürsleu Bismarck gesunken, so ist»tan wohl in weilen Kreisen der Meiuttitg, daß die Wahrung dieses Ansehens am aller- wenigsten von dem direkten Nachfolger des Ft'irsten Bismarck, dem Reichskanzler Grasen Caprivi erreicht worden ist. Was nun den Etat betrifft, so sind wir mit den finanziellen Erfolgen der letzten Jahre zufriedener, als wir es haben erwarten können. Befriedigt find wir besonders darüber, daß eine Anleihe nicht uölhg war, daß im G.genlheil Schulden getilgt iverden konnten. Der Vorschlag des Schahsekretärs, die Ucberschüffe nicht vor- zutragen, sondern zur SchtckdctiUIguttg zu verwenden, hat viel für sich. Vielleicht beschließen wir demgemäß in der Kotumissioti. Ten vorliegenden Etat glaube ich nach jeder Richliing hin günstiger be- nrlheilen zu können, als den vorjährigen.'Auch der Wunsch meiner politischen Freunde ist es, das Extraordittarinm so weit als möglich zu entlasten. Die Beaiiitenzngänge werden in der Kommission genau geprüft iverden müssen. Beim Kolontaletal ist es erfreulich, daß jctzt endlich mehr Ausgaben für wirthschaftliche Dinge auSgeivorsen werden. Meine Freunde sind abweichend vom Vorredner nicht nur für die Eisenbahn, sondern für die Hafettanlage Swakopinund. Was nützt tttts die Eisenvahn, wetiti wir mit unsere» Schiffen nicht an die Kolonie herattkomnten können. Das Kanalamt ist unser Schmerzens« kind. Das Anlagekapital der Kanäle verzinst sich nicht. Deshalb kann vor kostspieligen K a n alba u t e n, iiaitientlich in P renken, nicht gcnng geivarut werden. Die bisherige Ausschmückung des Reichstages entspricht nicht allen Wünschen. Die Reichstags- Baukommission sollte doch da ein Wort mitzusprechen haben. Im Militäretat befriedigt uns vor allem die Verbesserung der Manuschaflskost. Die Steigerung der Preise sür die Naturalien im Mckitäretal gab dem Abg. Fritzen Veranlassmig. seine Freude über die Vesscrung der Lage der Landwirlhschasl anszusprechen. Diese Verbesserung entspricht aber noch keineswegs der anfgewendeten Mühe und Aibeit. Die deutsche Landwirlhschafl katm nur noch bei mtstömmlichen Getreidepreisen bestehen. Wenn die Vereintgnttg im Nordosten, der Bntteriiverein Nordost, sagt, am Körner- bau hätte» nur die Großgrundbesitzer Interesse, für den Kleinbauerit seien die Viehbestände viel nächtiger, so dient der„Nordost" dein Kleitibaitern gewiß nicht, wenn er sür jede Oeffnung der Grenzen zur Viehetitftthr eintritt. Die„Freisinnige Zeitung" des Herrn Richter hat den Nagel ans den Kopf getroffen, als sie schrieb: Die Herren treiben Baltenifang sür die Wahlen. Die Gctreidepreise müssen aus mittlerer Höh« erhalten iverden. In Frankreich geschieht viel mehr für die Nolh der Landwirthschast. Die Wirkimg der Handelsverträge war der Landwirthschast schädlich, wir müssen bei den neuen Handelsverträgen die imglücksetige Verkoppelimg mit den Meistbegnnstigungsverträgen beseiligen. Wir wissen ja nach de» vorjährigen Äussühruttgen des jetzigen Staatssekretärs des Jniiern, daß der Wind sür die Landwirlhschafl günstiger weht. Wir sehen vertraue nsvoll ans de» Grasen v. Posado wsky. Die Interessen d e r L a n d w i r t h s ch a f t werden von l h m hoffentlich meljv berücksichtigt wer den. Ich will ans das Verhältuiß v orn Gold zum Silbe, kurz eingehen und sagen, es ist ein schädliches. Tie Frage kann nur international geregelt werde», hoffentlich steht aber unsere Re- gierung der Frage jetzt etwas günstiger gegenüber atigesichts der starken Beivegnng, die sich in Amerika sür die Doppelwährung kunb lhut. Es wird immer so viel von Zucker- und Brannttvein-Liebes« gaben geredet, aber von den Liebesgaben, die den Groß- müllcrn und Großhändlern von Getreide mit den Zollkrediten gewährt werden, redet niemand. Die Herren links vertreten ja auch nicht das Interesse der Probtizenlen, sondern nur das der Kon« fnmenten. An dem Getreide-TerminhandelS-Verbot halten wir fest. Die von Herrn Richter prophezeite Schädignitg ist nicht«ingetreteii, kein Landwirth wünscht die Aushebung des Verbots, da die sprungweise Aenderitug der Preise aufgehört hat. Di« Nolirnngen durch die Lattdn'irlhschafts-Kammern sind besser, als es die Skotirungen der Börse waren. An der Wiederherstellung der Börsen hat die Landwirthschast kein Interesse mehr. Von der Re» giermig verlangt sie aber strikte Durchführung des Börsengesetzes, damit nicht die alten Geschäfte verkappt weiter gemacht werten. Zum Marine-Elat will ich nur ganz kurz bemerken, daß wir Ein« w e n d n n g e n nicht zu machen haben. Die Mehrzahl meiner Freunde wird sich sür die Beivilligung des zweite» DockS«r- lläre» inüffen. Ich kann die Besprechung des Etats nicht verlassen ohne des Untergangs des Torpedoboots 8 26 zu gedenken. Wir wollen beim Etat äußerste Sparsamkeit beobachten und rechnen besonders ans Eiuschränkung beilPoslneitbaulen. Was den Post-Z«ttu»gStaris anlangt, so ist der Wunsch nach einer Resort» »och ebenso rege bei uns. wie im vorigen Jahr. Wir hoffen, daß der neue Staatssekretär des R e i ch S- P o st a m tS uns bald einen neuen P o st- Z e i t ii ii g S t a r i f vorlegen wird, bei dem daS Gewicht der Zeitungen berücksichtigt wird. Auf die sieben fetten Jahre iverden nnbedingt wieder sieben magere Jahre folgen. Für diese Zeit müssen wir heute schon sparen, sparen, spare».(Beifall rechtö.) Abg. Bebel(Soz.): Meine Herren, soweit wir uns hier mit speziellen Fragen zu beschäftigen haben, werden wir bei der speziellen Berathnng Anlaß haben, Stellung zu nehmen. Zunächst muß ich auf die Erklürnngen eingehen, die der Kriegsminister vorhin in beziig aus das Duell gemacht hat. Diese waren so gehalten, daß sie nicht gerade auf den Beisall deS Reichstags rechnen konnten, daß auch nicht eine einzige Stimme sich beifällig bemerlbar machte. Ich muß auch hervorheben, weil es charakteristisch ist, daß wir seil Jahren von dieser Stelle gehört habe», das höchste, wosür der deutsche Offizier sein Leben«inzusetze» habe, sei die tnililärische Ehre; heule aber kam ein zweiter Gesichts- pnnkt hinzu: die Wahrung der häuslichen Ehre. Freilich will eS das Unglück, daß in so und so vielen Fällen, in denen Ossiziere zur Wahrung ihrer Ehr« sich duellirt haben, derjenige gefallen ist. de, sich zum Rächer seiner Ehre ausgeworsen. Das weitere iverden wir bei der Frage deS MilitärelatS zu erörtern haben. Der Kriegsminister schloß seine AnSsührungen mit den Worten: „Möge zeder bestrebt sein, die Etzre des ander» so hoch zu halten, wie seine eigene." Jawohl, meine Herren, ich möchi« wünschen, daß der Herr Kriegsminister seinen Einfluß dahin auf- biete, daß gewisse Reden nnterlassen würden, die geeignet sind, die Ehre eines Menschen zu kränken. Ich meine die Reden, in denen man von vaterlandslose» Gefellen gesprochen, oder von einer'Rolle von Menschen. die nicht werth ser. den Namen Deutsche zu tragen. Das sind Bemerkungen, die selbstverständlich de» Widerspruch heraus- fordern, dann aber in den Ma>estälsbeleidigu»gs- Prozessen ihre Sühne finden. Ich würde den Herrn Kriegsminister bitten, nach dieser Seite hin seinen Einfluß gellend zu machen.(Beisall bei den Eozialdeinokraten.) Der Abg.».Leipziger hat wieder seine Wünsche in bezttg auf den B i m e t a I l i s in u s vorgebracht. Ich niuß mich wundern. daß die Herren von der konservattvett Partei angesichts der heutigen wtrlhschafiltchen Entwickelimg überhaupt noch den Gedanken hcgen können, daß auch nur die geringste Aussicht auf die Berivirklichmig ihrer Träume vorhanden sei; daß diese Rnssührnngen die Ver» anlassitng werden, desondere Konserenzen zu veranstalte», auf denen diese Fragen in einem ihnen günstigen Sinne beantwortet iverden, darüber iverden sie sich keiner Hoffnung hingeben. Hinsichtlich der von deinselden Redner in die Debatte gezogenen Erklärung des Abg. Dr. Barth, daß die freisiimige und die sozial» demokratisch« Partei in allen Fragen die Jitlereffen der Kon« f u m e h t e n lunfjte, ist z» bcmerte«: Das ist bisher von feiten der sozialdemokratische» Partei in Steuer fragen stets so gehalten worden� Ilnsere Stelwngnahine darin ist bisher stets so offenkundig gewesen, dast man sich doch nicht mehr darüber zu verwundern braucht. Daß 1896 nicht weniger als 142 Millionen an Getreidezölle» ein- genommen sind, beweist doch, daß die deutschen Getreide- Produzenten nicht genug Getreide liefern konnten, so daß eingeführt werde» ni»bte, um die stetig zunehmende Bevölke- riiiig zu versorgen. Wir werden jederzeit bereit sei», die Land- wirthschast durch legitime Mittel zu unterstützen,(Hört! hört! rechts.) in allen Einzelstaaten find wir jederzeit sür solche Mittel eingetreten. Aber gegen alle Maßregel», die in ihrer Wirkung die Konsumenten belaste», wie höhere Getreide-, Fleischzölle ec., werde» Sie auf unserer Seite den fanatischste» und rücksichtslosesten Widerstand finden. Und Sie können überzeugt davon fein, daß die ungeheure Masse der deutschen Arbeiter hinter uiis steht; das werden die nächsten Wahlen Ihne» beiveiseu. Die Thronrede,>vie die Ausführnngen des Staats- sekretärS haben im allgemeine» die Finanzlage mit einem gewissen Rechte rosa in rosa gemalt. Aber so wenig ich sonst mit Herrn Fritzen einverstanden sein kann, darin stimme ich ihm bei, daß wir den Höhepunkt bereits erreicht haben. und wir uns darauf gefaßt machen müssen, daß es allmälig wieder bergab geht. Die Periode der geschäftliche» und industriellen Prosperität, die wir seit einige» Jahren haben, hat ihre» Höhepunkt überschritten; die Periode der Krifis muß nun herankommen: ihre Daner kau» kein Mensch bestimnien; sie muß sich bemerkbar machen in der Entlassung von Arbeiter»; das Rcichsbudget ist aber zu nenn Zehnteln ans Ein- nahinen aufgebaut, die allein von den Arbeitern aufgebracht werde». Di« indirekten Steuern: die Branntweinsteuer(die allein 99 Mill. ein- gebracht hat), die Znckersteuer. die Salzsteuer k„ ferner die Petroleum-, Kaffee» und Getrcidezölle u. s. w.». s. w., alle diese Einnahmen werden in dem Maße verringert, wie die Konsum- sähigkeit der breiten Massen sinkt. Das Reich ist dann genöthigt, neue Einnahmequellen sich zu erschließen, auf grnnd der indirekten Steuern. Daß- das natürlich einmal seine Grenze hat, liegt ans der Hand. Ich hoffe auch, daß später Wort gehalten»vird init dem, was Herr Fritzen mit dem denkbar größten Nachdruck heute erklärt hat: daß, wenn künftig die Finanzlage neue Einnahmequellen erheischt, er und seine Freunde dafür sorge» werden, das; dies nnr auf dem Wege der direkten Stenern geschieht. Dieser Weg ist von den Freisinnigen nnd Sozialdeinokrate» oft präsentirt worden; er ist der einzige, der vernünftig und gerecht ist.(Bravo! links.) Alle die Ausgaben kommen in allererster Linie und nochmals und nochmals den Interessen der besitzenden Klasse zu gute.(Zuruf rechts: Den Arbeitern doch auch!) Ja, darüber werde ich später rede»; in erster Linie sind es die niaßgebenden Interessen der besitzenden Klassen, derer, die bei jeder Gelegenheit mit ihrem Patriotismus prahle», und»ns Mangel vaterländischer Gesinnung vorwerfen, die sich aber sehr hüte» würden, auch einmal in den eigenen Beutel zinn Schutz dieser Interessen zu greifen.(Widerspruch rechts. Beifall links.) Bis auf den heutigen Tag ist es der Arbeiter, der die Steuern zahlt. Angesichts dieser Thatsache ist es endlich einmal an der Zeit, wenn wieder nene Einnahmen geschaffe» werden müssen, daß alsdann nicht wieder der Arbeiter bluten muß, sondern daß Sie selbst einmal die Millionen zusammen- schießen. Wenn etwas geeignet sein kann und wird, dem rapiden Steigen unserer Militär- und Marine-Ansgaben entgegenzuwirken, dann zwingen Sie die Besitzenden, die Kosten aus der eigenen Kasse zu zahlen. Da werden sie einen anderen Maßstab anlege», da werde» Sie A n g r i s s e er- leben, noch viel schlinimer, als jetzt von den Sozialdemokraten. Hätten Sie es versucht, mit einer Einkomnten- und Vermögenssteuer die Marine- forderungen zu decken, ihr Todes nrtheil wäre in; Augenblick besiegelt.(Sehr richtig!) Das ist außer- ordentlich wichtig; es charakterisirt scharf die Tendenzen, von denen Sie bei ihrer Bewilligung geleitet worden. Es, liegt in; Wesen der bürgerlichen Gesellschaft, Produktionsiniltel in kolossalem Maß- stabe zu schaffen und zu verbessern, bis eines Tages niemand n;ehr das Bedürsniß an Waare» ermessen kann, bis die Ueberprodnktion sich bemerkbar niacht. Da ist die Krisis unvermeidlich, und diese dauert in dem Maße länger, wie die Produktionsmittel erweitert ivorden sind. Das ist der Znstand, in den wir mit Nothwendigkeit in den nächsten Jahren hineingerathen. Bei den Verhandlungen über die Marineforderungen hat man den übrigen Etat nur so gestreift, besonders den Miliiärelat. Ich kann aber diesen Haupt- nnd Kernpunkt nicht nnberllcksichligt lassen, weil doch nur in Verbindung mit ihn; die Finanzlage in das recht« Licht gesetzt werden kann. Das Bild wäre doch nicht vollständig, wenn wir nicht pie Ausgaben, die zu gleicher Zeil sür das Militär gemacht wurden, in Verbindung bannt brächten. Diesen Vergleich halt« ich jetzt sür nothwendig. Ich denke nur an die letzten zehn Jahre, also an die Zeit des sogenannten nenen Kurses, von 1688/89 bis zum laufenden Etatsjahr. Ich führe Ihnen zunächst die reget- mäßigen Ausgaben vor Auge». 1333/89 waren es an dauernden Ausgaben: 363 Millionen, im laufenden Jahre: 493 Millionen. also ein Mehr von 136 Millionen, eine Steigerung von 85 pCt., während die Bevölkerung wahrend derselben Zeit nnr 19 pCt. zugenommen hat. Ganz ähnlich war es beim Marine-Etat: 1838/89: 36�/e Still., im laufenden Jahre: 59>/2 Mill., also LL'/e Mill. Mehrausgabe oder 60 pCt.! Ziehen wir die noth- wendigen Pensionen mit in betracht, so betrugen diese 1388/89: 27 Mill., im laufenden Jahre 58 Mill., also 3t Mill. oder IlS pCt mehr! Dazu kommt vor allein noch die Reichsschuld- Verzinsung: 1838/39: 29 Mill., im lausenden Jahre 743/4 Mill., also. 158 pCt. mehr. Es kommen also ganz fabelhaste Snnnnen heraus, innerhalb dieser Jahre an dauernden Ausgaben für das Heer 4334 Mill., serner für Marine 189 Mill., zu- sammen also 4864 Mill. Dazu kommen die einmaligen Ausgaben in; Betrage von 1807 Millionen, sodaß wir für Heer nnd Marine 6672 Millionen in den letzten zehn Jahren ausgegeben haben, und rechnen wir die Ausgaben für Friedenspensionen(4l9 Millionen) und die Verzinsung der Reichsschnld(128 Millionen) hinzu, so er- giebt sich, daß im ganze» 7SS7 Millionen in diese;;; Zeit- räume ausgegebeu sind. Dann haben wir für das lanfende Jahr nicht weniger als ans jeden Kopf der Bevölkerung ca. 16 M.; und das ist noch dazu«ine Ausgabe, die sich auf die Dauer niehr und mehr steigern wird. Ich bestreite entschieden, daß die Ausgaben sür die Heeresverwaltung eine sinkende Tendenz angenommen haben. Eine Reihe von Andeutnngen geht durch die Presse, daß es auch im stehenden Heere nicht bei dem gegenwärtigen Zustande bleiben wird. Ein neues Jnfanteriegewehr wird geprobt, doch wohl nicht zu»; Spaß; bewährt es sich, dann werden wir bald vor einer Neubcwaffnung derJnfanterie stehe». Man spricht auch von einem neuen Geschütz, das in Frankreich eingeführt sein soll, daß daher auch bei uns die Militärverwaltung bereits an die Einführung eines nenen Ge- schützes denken soll; auch soll die Absicht bestehen. Maximal- Schnellfenergeschütze einzuführen, nnd zwar, weil die russische Artillerie vermöge ihrer neuen Organisation 38 Batterien mehr ins Feld stellen kann, als die deutsche. Ja, man denkt an eine Ver- stärkung des stehenden Heeres; der Gedanke, der 1890 oder 1891 «rwogen wurde, daß der letzte waffenfähige Mann unter die Fahne „nisse, soll jetzt in nächster Zeit zur Ausführung gelangen. Run hat auch die Frage der technischen Verbesserung eine Hauptrolle gespielt bei der Frage der Marineverwallung. Ich bin etwas erstaunt darüber, daß das Zentrum im Gegensatz zu seinen früheren Aeußerungen in dieser Hinsicht garnichls hat verlauten lassen. Es ist zweifellos, daß der Redner des Zeil- trums, Dr. Lieber, diesmal«ine Haltung eingeuommeu hat, die eine vollständige Frontverändernng der Zentrnmspartei bedeutet, eine Frontverändernng von solcher Stärke und solcher Bedeutung, daß selbst die in Frontveränderungen starke nationalliberale Partei eine solche i» ihrer Geschichte kaum ausweisen kann. Die Ausführnngen in bezug auf den Hollmann'schei; Plan, die im März dieses Jahres von feiten der Ze»tr;»iisrediier gemacht wurden, stehen im denkbar schneidendsten und schroffsten Gegensatz zu dem, was der Redner dieser Partei am Dienstag gesagt. Lieber hat damals gegenüber den; Hollmann'schei; Plane mir Recht hervorgehoben, daß es sehr fraglich ser. ob die neuen Panzer sich auch im Ernstfalle bewähren würden. Und haben wir nicht erst vor wenigen Tagen es erlebt, daß im Großen Bclt infolge einer unruhigen See zwei unserer besten Schiffe ans einander getrieben wurden und sofort nach dem nächsten Hafen flüchten mußten, um Reparaturen vorzunehmen. Von der Marine- 3l»»dschau erscheint keine Nummer, ohne daß eine neue Einrichtung und Verbesserung angezeigt wird. Und nun denken Sie erst an den neuen Luft-Torpedo, der ans eine Eni- fernnng von 15 Seemeilen hin den stärksten Panzer in die Luft sprengt. Es unterliegt sür mich keinem Zweifel, daß der neue Mariueplan nicht drei Jahre zur Ausführung kommen wird, ohne daß Ver- änderungen der Technik zu tage treten werden, die ihn über den Haufen werfen werden. Eine Verschiebung der Flottenstärke unter den einzelneu Nationen wird durch das neue Gesetz nicht eintreten. Denn sowie wir neue Schiffe bauen, werden England, Frankreich und SHußland ihre Flotte in demselben Maße vermehren. Ein Kontreadmiral Plüddemann verwirft ja schon heute den Flotten- plan der Regierung. Er verlangt 32 Schlachtschiffe statt der 17, statt der 32 Kreuzer 60. Der Herr stellt natürlich nur solche unerhörte Forderungen, um die Forderungen der Regierung als nicht zu hoch erscheinen zn lassen. Meine Herren, haben Sie sich denn schon eimnal die Frage ernsthast vorgelegt, wo Sie in; Falle eines Krieges mit Rußland u n d Frankreich die Kosten sür das Landheer nnd die Marine hernehmen werden? Ich habe>a zn dem Patriotismus der Herren hier in; Hause das allergrößte Zutrauen, sie werden ja mit ihren; Geldbeutel alle in der kolossalsten Weis« eintreten. Aber es«verde;; enorme Mittel flüssig gemacht werden müssen. Nnd an der künftigen Opserwilligkeit unserer Bourgeoisie habe ich nach den Erfahrungen von 1379 die allererheblichsten Zweifel. An einen solchen Erfolg wie 1866 und 1879 ist bei einem künftigeu Kriege nicht zu denken. Taufende von Millionen werden wir das nächste Mal nicht bekoinine». Wir werden froh sein, wenn wir das bewahren, was wir haben. An das Einstreichen der Millionen ist garnicht zi« denken. Wir werden sür die Hinterbliebene» unserer Gefallenen nnd unsere Verwundeten selbst sorgen müssen, ohne daß uns französische Milliarden dabei helfen werden. Was Herr Hammacher für die Vorlage in; Interesse des Handels vorgebracht hat, spricht eher dagegen. Für den Handel mit den europäische» Ländern nnd Nordamerika brauche;; wir keine Schiffe. Der Export nach andern Ländern beträgt für uns aber kann« 299 Millionen, die sich auf eine Unmenge kleiner Staaten nnd kleinster Stätchen vertbeilen. Da sind zwei oder drei Kreuzer einmal nothwendig, um einen solchen Staat zur Raison zn bringen, aber keine Verstärkung der Kriegsflotte. Auch die übrigen Gründe des Abg. Hammacher für die Vorlage waren nicht stich- Hallig. Frankreich hat von seinen Schiffen 1379 so gut wie keinen Gebrauch mache» können. Die Panzer wurden in die Häfen zurückbeordert nnd die Mannschaften zur Verstärknug der Landarmee herangezogen, wo sie anch lhntsächlich gute Dienste geleistet haben. An unsere Küsten kann sich kein fremdes Schiff heranwage». Der Admiral wäre ein Thor, der mit einen; fremden Kriegsschiff die deutsche Küste zn besetzen versuchen sollte. Er wäre in 2«nal 24 Stunden n«;t seine»; Schiffe in den Grnnd gebohrt oder;»it der Mannschaft gesaugeu. Eine Vermehrung der Marine halte ich des- halb für besonders schädlich, weil sie nnr auf Kosten des Landheeres erfolgen kann. Hat doch selbst Fürst Bisnmrck sein Bedenken aus diesen; Grunde gegen den Flotlenplan geäußert. Sie werden n»s also niemals überzeugen könne», daß die V e r st ä r k u;; g der Flotte nothwendig ist. Die Flotte wird ja kommen, nachdem das Zeutru»; die Frontverändernng nüt- gemacht hat. Das Zentr;»;; hat die Nationalliberalen einmal eine Regierungspartei sans phrase genannt. Das Zentrum ist jetzt eine Regierungspartei avse phrase geworden.(Große Heiterkeit) Es sind ja bei der Flottenverniehrnng große mächtige Interessen betheiligt. Ich will Herr» Hammacher gewiß nicht den Vorwurf machen, daß ihn persönliche materielle Interessen zur Befürwortung der Flottenvorlage geführt haben. Herr Hammacher bat soviel, daß er mehr kann; noch brauche» kann(Heiterkeit). Aber die Herren identifiziren zn leicht die allgemeinen Interessen mit ihren persönliche» Interessen.(Abg. Kardorff: Arbeiterinteressen!) Ja, Sie kommen immer mit den Interessen der Arbeiter. Arbeiter sind überall nothwendig, beim Schisssbau wie beim Kasernenban und der Gewehrfabrilativn. Wollten wir die Konsequenz aus Ihren Argumenten ziehen, dann müßten«vir einfach alle militärischen Forderungen bewilligen und sagen: Baut Kasernen soviel Ihr wollt, wir haben nichts dagegen, da ja auch Arbeiter beschäftigt werden. Aber daß die Bortheile, die einer kleinen Gruppe von Arbeitern zu gute kommen, von allen anderen Arbeitern bezahlt werden nüissen, das vergessen Sie. Giebt's de»;« aber nicht anch viel bessere?lr'beils- gelegenheit? Denken Sie doch an die Bodemnrlioratiouen. Wenn wir Grnnd und Boden mit all de» Mitteln, die Technik nnd Wissenschast bieten, verbesserten, er könnte viel leistungsfähiger werden, nnd wir könnten unseren Getreidebedars selbst decken. (Sehr richtig! rechts.) Das muß aber zurückstehen, denn alles Geld brauchen«vir für Militärzivecke. Im Osten, Süden nnd Westen Deutschlands giebt es noch große Strecken, die nrbar zn machen sind. Zehnlausende und aber zehntausende von Bauernfamilien könnten da ihr Brot finden, groß« Arbeitermassen da beschäftigt werden. Ist es nicht ein geradezu beschämender Zustand, daß die Unwetter in Schlesien und Sachsen zehnlausende von Familien an de» Bettelstab bringen konnten? So wenig wird für die Siegnlirung der Flüsse gethan. Man hat die Sommerinonate ins Land gehen lassen, ohne den Leuten zu helfen. Jetzt hat der sächsische Landtag ein paar Millionen bewilligt, der preußische wird die Frage erst noch später behandeln. Es ist kein Geld da sür Kulturaufgaben. Schiffe nnd Kasernen sind viel wichtiger. In Oberschlesien giebt es Schulen, in denen sür achtzig Schüler nur ein Lehrer vorhanden ist. Ist das Nicht eine Schmach und Schande für«inen Staat, der sich Kultnrstaat nennt? Wenn für je sechzig Schüler ein Lehrer angestellt werden sollte, müßten in Oberschlesien allein 1590 Lehrer«»ehr angestellt werden. Die Schulstnben in Oberschlesien sind elende Baracken und die Kuhställe unserer ostelbischen Junker können dagegen Paläste genannt werden.(Sehr richtig! links.) 3—9 erwachsene» Männern geben Sie in der Armee in Gestalt des Unterosfiziers einen Lehrer und 25 Männern in der Gestalt eines Offiziers einen Oberlehrer.(Heiterkeit.) Aber die Schule auf gleiche Stufe zu bringen, ist nicht möglich. Wenn wir anderen Ländern ökonomisch überlegen waren, so kam das daher, daß trotz alledem unsere Schul« noch besser war, als in anderen Ländern.— Das ist nun auch vorbei. Lafsen Sie sich aber von der Militärverwaltung sagen, wie wichtig für sie intelligente Soldaten sind. General Sauer in München hat erst neulich an- erkannt, daß den bäuerlichen Rekruten der»veite Blick fehlt, der den städtischen eigen ist. Sie müsse» die städtische Bevölkerung lobe», wo die bitterbösen Sozialdemokraten sitze», die ja auch nach dem Zeugniß des Generals v. Caprivi die allerbesten Soldaten sind. Noch andere Kulturaufgaben«verde» vernachlässigt. In Deutschland giebt es IVz Millionen Lungenkranker. Wenn diese armen Menschen in Heilanstalten untergebracht werden könnten. man würde sie der Familie und dein Gemeinwesen zum großen Theile erhalten können. Also geben Sie nur das Geld her. gebraucht wird es sür die allernützlichsten Kultnrzwecke.(Beifall.) Wir ver- langen Rücksicht aus die Arbeiter. Sie sind die Grundlage sür die gesellschaftliche Pliramide. Ein Rilck dieser Grundlag« nnd Sie liegen alle am Boden. Handel und Gewerbe«vürden ohne den deutschen Arbeiter nicht blühen. Deshalb verlangen»vir u»ehr Be- rücksichtigung der Arbeiter auch in der Armee. Es muß ihnen dort wenigstens eine gute Gerichtsbarkeit gesichert sein. Die einfache Menschenpflicht gebietet das, wo die Menschen- Pflicht nicht von« Soldaten erdrückt ist, müßte man doch das ein- sehe». Statt dessen konnnt man uns mit dieser Jaunnergeburt der Militär-Stra f p r o z e ß-R e so r m, von der auch HerrStcnglein gesagt hat: Sie taugt nichts. Die Armee ist eine Volksarmee nnd wir müssen dafür sorgen, daß dem Volke in Waffen dieselben Rechtswohllhalen zu theil werden, wie dem übrige» Volke. So steht es niit der Einlösung des einen Versprechens deZ Fürsten Hohenlohe, wie steht es init dem zweiten Ver- sprechen des Reichskanzlers, der Aufhebung des Koalition sverbotes der Vereine. In Preußen sind reaktionäre Maßnahmen vorgeschlagen ivorden, man hat dort cin kleines Sozialistengesetz eingebracht, die de»; Reichstag in seiner Mehrheit»nd anch den; Willen des Volkes direkt wider- sprochen. Das nennt man. sich um ein gegebenes Ver- sprechen hcr»n«zu— begeben, um»«ich parlamentarisch auszudrücken.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Die Vereins- gesetzlichen Zustände in Deutschland sind derart, daß Sie sie nicht eine Stunde länger dulde» dürsten, wen» Ihnen wirklich die Ehr« der Nation a»n Herzen läge,«vie Sie sagen. In England, der Schweiz, Frankreich und Dänemark würde»«an über solche Vereins- gesetzliche.Beslintinnngen einfach lachen. Ich meine, was die Ar- beiter jener Länder für sich in Anspruch genommen haben, das hat der deutsche Arbeiter mit seinen Leistungen,«nit seiner Arbeit reichlich verdient. In Sachsen sind jetzt die Reaktiv- näre,«velche die preußischen vielleicht»och übertreffen, beuiüht, neben der Aushebung der Koalitions- Verbotes noch einige reaktionäre Bestimmungen in das sächsische Vereinsgesetz zn bringen, das schon jetzt das reaktionärste aller V e r e i n s g e s c tz e ist. Die Regierung hat bisher noch ausweichend geantwortet, wer aber das reaktionäre Herz des Herrn v. Metzsch kennt, weiß, daß sie den Konservativen schließlich nach- geben«vird. Die Frauen sind ans den politischen Ver- sa mm Inn gen ausgeschlossen und was wird nicht alles für politisch erklärt! Sachsen ist das größte deutsche Industrieland und gerade iiu- seiner Industrie«verde«; die meisten Frauen beschäftigt. Mehrere hunderttausend Arbeilerinnen s i n ö also an der Gestaltung aller sozialen und w i r t h s ch a f t l i ch e n Verhältnisse in« höchsten Maße i n t c r e s s i r l. Die armen Wesen, die von der heutigen Gesellschaft schon ihres Geschlechtes wegen schwer bcnach- theiligt sind, müssen wenigstens das bischen politische Rechte er- halten.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Das Vereins- nnd B e r s a n;»; l u n g s r e ch t muß r e i ch s g e s e tz l i ch g c- r e g e l l«verde»,«vie das Preßrecht. Das eine ergänzt das andere. Wir«verde«;«ncht aushören, ein Reichs-Vereinsgesetz innner nnd immer wieder zn fordern. Die Reichstagslribüne ist der Ort.>vo wir die Regierung zur Vcranlivorlnng ziehen können. Gerade ans dem Gebiete der Koalition, der Lohnkämpfe haben wir jetzt anch ein klassisches Zeugniß dafür, daß die ein- s a ch st e n V e r e i n s g e s e tz- B e st« m»u n n g e» von feiten der d e n t s ch c» B e h ö r d e n u n d P o l i z e i o rg a n e i n d e r a l l e r>v i l l k ü r l i ch st e». ungerechtesten Weise zu g n n st e n d e r Unternehmer g e h a n d h a b t«verde». (Sehr wahr.) Es ist dies das frühere Sllilglied der deutschen Regierung, Freih. v. Berlepsch, der in der vorletzten Nnmuier der „Sozialen Praxis" äußert: Darüber kann gar lein Zweifel fein, daß die deutschen Arbeiter gegenüber den« Unternehmer in der schmählichsten Weise behandelt«verde».(Sehr richtig.) Zn bedauern ist nur, daß Herr v. Berlepsch nicht seinen Einfluß als Minister geltend gemacht hat. daß diese Ungerechtigkeiten eiuigerniaßen aufhören! Heute,>vo«vir in einer Periode des größten ivirthschastlichen Ansschwungs sind,«vo ins- besondere unsere Kohlenindustri« blüht,«vo Dividenden und Prosite eingesackt werden,«vie seil Jahrzehnte» nicht, da ist die traurige beschämende Thatsache zn loustatireu, daß von den Männer», die vor 4 Jahren im Kohlenrevier sich am Streik betheiligten und aus den Werkslälleu des Staates herausgeworfen«vurde», immernoch eine größere Anzahl vorhanden ist, die keine Arbeit habe»! Als sie sich meldeten, erklärte ihnen die Bergverwaltung: Für Enä; ist keine Arbeit da! Psni, sage ich. das nennt sich ch r« st l« ch e r Staat! Ja, meine Herren vo» der Regierung, daran solle» Sie denken, daß diese scheußlichen Zustände einmal beseitigt«verde». Im Bergbaubetriebe sind von 1387 bis 1896 nicht iveniger alS 9742 Arbeiter getödtet, über 1690 schwer nnd 17 999 leicht ver, ivundet. Allein in« Jahre 1895 sind nach der Statistik der Berufs- genosseuschaste» nicht weniger als 6448 Arbeiter getödtet«vorden. Das ist ein Schlachljeld der Industrie,«veit fürchterlicher als daS im Kriege! Und da veriveigern Sie den Arbeitern ihre natürlichen Rechte! Und noch mehr: In diesen Tagen hat in Ohlan eine Ver- fammliina vo» Agrariern verlangt: Beschränkung der Freizügigkeit der Arbeiter, viermöchenlliche Kündigung, Bestrafung des Kontrakt- braches niit Arbeitshaus, Errichtung von Findelhäuser»,— von Findelhänser», meine Herren, in die man die armen Würmer hinein- »ecken«vill,»>» die Mütter desto ungenirter ausbeuten zu können. Das ist die Sozialpolitik des 19. Jahrhundeits! Das ist christliche Sozialpolitik! Gras PvsadowSky hat ineiiiei» ParUigenossei« Schvenlanl gegenüber erklärt: die Sozialiesorm sei in der Thronrede deshalb nicht erwähnt,«veil diese Session zu bepackt sei. Glaube» Sie, daß die Arbeiter aus diese Phrase» etwas gebe»«ver'de»? (Große Unruhe). In de»» Februar- Erlaß«vnrde den Arbeiter» gesetzliche Gleichberechtigung versprochen. I» England ist sie etwas sclbstverständtiches; da erhielt eine Deputation von Gewerlvereiulern von den« Minister des Inner» die Mit- ivorl:„Ich hoffe ans den Tag, wo es in England keine» Arbeiter mehr giebt, der nicht organisirt ist." Würde man in Deutschland ähnlich vorgehen, Herr v. Stumm nnd Genoffen würden sich ans den Kopf stelle». Die Reickskommission für Arbeiterstalislik hatihreArbeite» fast voll ständig eingestellt; im nächsten Jahre werden auch die paar tausend Mark, diqetzt im Etat stehen, nicht niehr gebraucht werden. Acht Tage vor Beginn der Reichstags-Sessivn tritt sie einmal zn- sammen, um zu zeigen, daß sie doch noch existirt. Bon ent- sprechenden Maßregeln im Gastivirlhs-, im kansinüniiischeii Gewerbe, i» der Konsellion hört man aber nichts. Das einzige, was bisher geschehen ist, ist die B ä ck e r e i- A e r v r d n n n g; dieses bischen Ärbeiterfchntz nennt man schon Sozialreform, nnd doch ist die stte- giernng bereits bereit, sie zu modisizireii! Wir werden ja darüber noch«in Wörtchen rede». Die inleressirleii Kreise habe» ihre Ge- «offen ja geradezu anfgesordert, durch lügnerische Aussagen die Regierung zu täuschen. Die Bäckermeister ivnrden vom Reichskanzler empfange»; als aber auch die Gesellen eine Audienz nachsuchten, da hieß es, er sei nicht zn Hanse. DaS ist die Gleichberechtigung zwischen Unternehmern und Arbeitern. Für die niedergetreleiien ansgemergellen Arbeiter hat man leine Zeit, hat man etwas Wich» tigeres zu thun. Die K o n f e k t i o n s v e r o r d n n n g hat, was ich vorausgesagt habe, schon jetzt eine B e r in e h r u n g der Hans» i n d u st r i e zu r Folge gehabt: vor der Heiligkeit der Familie aber macht der Geiverbsinspektor Halt. Wenigstens um de» Schein zu wahren, hätte die Regierung die sozialpolitischen Gesetze einbringen sollen, wenigstens das Unsallversicherniigsgesetz. Die ganze Arbeiterfreundlichkeit zeigt sich auch in den Maßregeln, die darauf hinauslaufen, die noth>v e n- d« g e n Lebensmittel zu v e r t h e n r r n. das Schweine, Einfuhrverbot, das Verbot der Einführniig von Schmalz und Speck. Maßregeln, durch die auch die kleinen Landwirthe, die Bauern ans das schwerste geschädigt werden. Mittel, wie die Hand werkervorlage und das Mar- gar;»eye setz, sollen daz» dienen, den Mittelstand zn retten. Das ist nach meiner Auffassung ein Schlag ins Wasser. Die Zahl der Proletarier wächst init der Entivickelniig der bürge- lichen Gesellschaft. Deshalb ist es eine Nothwendigkeit, daß sich die Staalsregierung dem Interesse dieser ständig ziinehinendeu Mass« zuwendet»nd ihnen das gewährt, was die klaffenbewußle Arbeiter- schast fordert. Bei jeder Gelegenheit aber werden?le»ßern»geii gethan von dem i» n e r n Feind, gegen den in erster Linie die Armee ansziibielei; ist. Wenn man doch endlich eimnal aufhören wollte, solche Reden zu halten, wenn iiia«; doch begreifen wollte. daß nia«; geradedas Gegen theil damit erreicht vo» dem, was mau»vill. Glaubt man uns damit zn impouiren,«inzi«, schüchtern? � Dann, ach, dann sollte man einmal hören,«nie «vir uns darüber nnlerhalten.(Heilerkeit.) Sie können den inneren Feind aus eine sehr«insache Weise loswerde», indem Sie die kapi« talistische dntwidelimg nnshcben und Zuflände herbeiführen, wie sie vor Ivo oder nuch»och 50 Jahren bestanden. Da brauchten Sie keine» ktanipf gegen den Uinstnrz, keine Ansnahmegesetze. Die Sozialdemokratie ist das nothivendige, naturgemäße Produkt der moderne» kapitalistischen großindnstriellen Entnickelung. I» dein Maße, wie sie freie Bahnen schafft, in dem- selben Maße werde» die Sozialdemokraten wie die Zähne des Kadmos aus dem Boden wachsen. Wie können Sie eine» Krieg fuhren gegen Rußland oder Frankreich ohne die Hilfe der Sozialdemokratie? Sie können ohne die Hilfe unserer Mannschaften keine einzige Schlacht schlagen! Dann sorge» Sie auch für die Rechte der Arbeiterklasse! So lange der Arbeiter- klaffe nicht ihr Recht wird, w e r d e n w i r g e g e n d e n Etat st i m m e n.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Präsident V. Bnol: Der Redner hat in seiner Rede den Aus- druck„Pfui!* gebraucht, den ich in diesem Hause als unbedingt unzulässig bezeichnen muß. Er hat ihn zudem nach Ausweis des Stenogramms gegen eine Maßnahme einer staatliche» Behörde an- gewendet. Ich muß ihn deswegen zur Ordnung rufe»! Reichskanzler Fürst Hohenlohe: Der Abg. Bebel hat die Person des Kaisers in die Debatte gezogen. Ich kann ihn» darin nicht folgen, weil es inkonflitutionell ist, die Person des Kaisers hineinzuziehen. Ich muß mich darauf beschränken, seine Aeußeruugen zurückzuweisen.(Beifall rechts.) Abg. Bebel hat ferner die Aushebung des Koalitionsverbots der Vereine zur Sprache gebracht. Ich muß mich dagegen verwahren, daß es sich dabei um die Einlösung eines feierlichen Versprechens handelt. Ich habe nichts anderes gethan, als der Zuversicht Ausdruck zu gebe», daß in verschiedene» Bundes- staaten das Koalitionsverbol für politische Vereine aufgehoben werden würde, und hinzugefügt, daß es in der Absicht der Regie- rung steht, diese Aufhebung herbeizuführe». Mehr konnte ich nicht in Aussicht stellen. In Preußen handelt es sich um die verschiedenen Faktoren der Gesetzgebung. Nur die allgemeine Revision der vereinsgesetzliche» Vorschriften konnte ich in Aussicht stellen; was das Resultat sein würde, war'nicht vorher zu sage». Deshalb habe ich auch dem Abg. H a u ß m a n n in der betreffende» Reichstagssitzung« i ch t widersprochen. U e b er de» vom Reichstage a n g e n o m m e n e n Antrag auf Erlaß eines Vereinsgesetzes wird sich bei späterer Gelegenheit reden lassen.— Die Bäckergesellen habe ich nicht empfangen, weil die Aushebung der Bäckereiverordnung, deren A u s r e ch t e r h a l t u n g sie wünschen, gar nicht in Frage kommt.(Lachen links.) Kriegsminister v.(Soßler: Der Abg. Bebel hat sich mit einer Acußeruug von mir einverstanden erklärt. Ich habe auf diese An- erkennung nicht gerechnet. Er hat gleichzeitig damit auch den Rath verbunden, diese Aeußerung an anderer Stelle zu wiederholen. Bei der Unterstellung, die in seine» Worten lag, muß ich diesen Rath ablehnen. Die Ausführung eines derartigen Auftrages wäre meiner Stellung unwürdig. Im übrigen hat der Abgeordnete Bebel eine große Un- kenntniß in militärischen Dingen verrathen. Was er da auf grund von Zeitungsgerüchte» über bevorstehende Neusorderungen, über die Anschaffung neuer Gewehre, über die Ausstattung der Kavallerie mit Maximgewehre», über die Aushebung des letzte» Mannes gesagt hat, alle diese militärischen Details sind vollkommen salfch. Er maeht sich, was die Aushebung des letzten ManneS anlangt, einer Jnkonsequenz schuldig. Das Programm seiner Partei verlangt die allgemeine Volksbewaffnung. Den Herren ist die Armee noch nicht annähernd stark genug. Sie fordern, daß der letzte Mann eingezogen wird. Die Herren sind ja mit ?ahlen immer sehr vorsichtig, so daß man sich keine rechte Vor- ellung von de» Masten dieses Aufgebots machen kann. Bei der .Festsetzung der jetzigen Präsenzstärke der Armee hat aber Bebel dies Bolksheer auf S'/e Millionen Mann berechnet. Ich habe mir nun ausgerechnet, was feine Armee ungefähr koste» würde. Sie würde pro Monat 420 Millionen Mark erfordern(Heiterkeit rechts), allein der Verpflegungsbedarf im Kriege würde 855 Millionen verschlingen(Heiterkeit rechts) und an einmalige» Ausgaben bätlen wir 2 Milliarden aufzubringen.(Heiterkeit rechts). Daraus geht hervor, daß die Herren von der mili- türischen Organisation nicht die leisest« Vorstellung haben. Ich kaim mir gar nicht denken, wie solche Masse» ver- proviantirt und zusammengehalten werden sollen.(Sehr richtig! rechts.) So war eine ganze Reih« von Bebel's Ausführungen in militärischer Hinsicht vollkomme» unzutreffend, und ich kann nur rathen, in solchen Mittheilungen etwas vorsichtiger zu fein. Bebel hat weiter darauf hingewiesen, daß wir doch eigentlich auf die Sozialdemokratie in einem künftigen Kriege angeiviesen seien. Ich sehe die Zukunft des Staates nicht so schwarz an, wie Bebel. In meinen Augen ist die Sozialdemokratie eine Krank- Veit, die sich ausgebildet hat(Lachen bei de» Sozial- demokrate»); sie hat ihren Höhepunkt aber bereits überschritten.(Erneutes Lachen bei den Sozialdemokrale»; Bebel: Warten Sie es doch ab!) Daß wir mit der Sozialdemo- kratie jemals paktiren müssen, kannich fürmeincPcrsondurchaus nicht an- erkenne». Ich glaube, daß wenn die Bevölkerung zur richtige» E»kenntniß gelangt, die Sozialdemokratie ver- schwinden wird.(Große Heiterkeit bei den Sozialdemolrate». Bravo! rechts.) Staatssekretär der Marine Tirpih: Der Abg. Bebel glaubt. daß Fürst Bismarck gegen die Flottenvorlnge sei. Ich freue mich, dem Reichstag das Gegentheil mittheilen zu können. Ich habe vom Fürsten Bismarck einen Brief erhalten, worin er sagt, wen» er im Reichstage wäre, wurde er für die Vorlage stimme».(Bravo! rechts.) Staatssekretär des Innern, Graf Posadotvöky: Der Abg. Bebel hat eine solche Fluth von Beschuldigungen gegen die Regirrung gerichtet, daß ich mich verpflichtet Halle, ihm eingehend zu antworten. Dazu ist heut« die Zeit zu weit vor- gerückt. Nur auf eine Behauptung will ich sofort erwidern; es ist eine persönliche Bemerkung. Er hat gesagt, ich hätte hier Phrasen gemacht bezüglich der Nichtvorlcguug der sozial- politische» Gesetze i» dieser Session. Ich bin zu höflich, in einer so angesehenen Versammlung, wie der deutsche Reichstag es ist, i» gleichem Tone zu antworte». Bebel hat selber gesagt: Wir missen, daß die Session zu sehr bepackl ist mit anderen Gesetzen, aber die Regierung hätte wenigstens den Schein ivahren sollen. Nun, uns sind die Forder Uli gen der sozialen Frage viel zu ernst, als daß wir sie als AgitationSmitlel benutze» wollte», wir wollen sie in langsamer Kulturarbeit fördern. (Beifall rechts.) Gerade in diesen sozialpolitischen Dingen diffcrire» tue Auschauungeu so außerordentlich. Bei der Resorm der N n fa ll- versicherungs« Gesetzgebung müssen wir auf die freudige Mitarbeit der B e r u f s g e n o s s e n s ch a s t e» rechne». Tie Vorstände der Aerufsgenosseuschasten haben aber e r n st e und eingehende Einwendung gegen die R e i ch s t a g s b e f ch l ü s s e erhoben. Um einen akuten Gegen- satz zu ihnen zu vermeide», haben wir von einer Vorlegung in dieser bepackten und gesetzlich kurzen Session abgesehen. Herr Bebel hat »och ein hartes Urlheil über eine preußische Bergiverks-Verwallung gefällt. Die Dinge liegen 4 Jahre zurück, ich kann nicht sofort ant- Worten, versichere ihm aber, daß ich ihrn die Antwort nicht schuldig bleiben werde.(Beifall rechts.) Darauf wird die Weiterberalhuiig auf Montag 1 Uhr vertagt. Schluß 5'/s Uhr._ Nvitt Donlnnttl füv die Msivz-Gefalletten? Die gemischte Deputation zur Vorberathung über die Errichtung eines Denkmals für die am 18. März 1848 G e f a l t e» e n hat gestern unter dem Vorsitz des Oberbürgermeisters Zelle getagt. Aus der aktenmäßigc» Darstellung der Angelegenheit ergab sich, daß aus der Bürgerschaft die Anregung a» de» Magistrat gelangt ist, die Zustände auf de», März-Friedhof im FriedrichS- hain zu verbesser» und den Gefallene» ein Denkmal zu setzen. Der Magistrat hat eine Kommission eingesetzt; bevor diese zedoch Bericht erstatten konnte, ist von der Stadtverordneten-Ver- faiiimlung das Verlange» auf Berathnng der Angelegenheit in ge- mischter Deputation ausgesprochen worden, dem der Magistrat zu- gestiniint hat. Auf Anfrage aus der Deputation wurde festgestellt, daß»»mittelbar»ach der Revolution ei» Fonds zu eine», Denkinal gesammelt wurde, dessen Betrag sich aus etwa 2500 Thaler belief, die bei der Stadtkasse hinterlegt wurde». Später wurde dieser Fonds als herrenloses Gut der Justiz und Pensionskasse überwieseid Außerdem existirte zur Unterstützung' der Verwundeten und der Hinterbliebene» der Gefallenen ein Fonds, der vom Magistrat verwaltet wurde und dcffe» Erträge i» Höhe von 22 800 Thalern»weckgemäße Verwendung fanden. In der Diskussion ergab sich vollständige Uebireinstinnnung darüber, daß der Friedhof verwahrlost sei und daß derselbe anständig hergerichtet und fortan gut im Stande gehalten werde» müsse. Zu diesem Zwecke wurde beantragt, ein schmiedeeisernes Gitter mit schönem Portal aufzustellen und die Gräber in Stand setzen zulassen Hiermit sei aber auch — so meinten einige Mitglieder der Deputation— die Aufgabe der Stadt erfüllt. Die Errichtung eines Denksteins habe«ine politische Bedeutung. Dazu könne sich die Stadt nicht hergeben, weil man eine Revolution nicht verherrlichen dürfe. Auch würden die Gefühle der nicht liberale» Bürger verletzt werde», wen» den März-Gefallene» ein Denkmal gesetzt ivird. Berlin, in dessen Mauern daS K a i s e r W i l h e l>»- D e» k in a l stehe, könue nicht von der städtischen Verwaltung mit einem März- Denkinal geschmückt werden/ In Regieriingskreisen würde das als eine politische D e m o n st r a t i o n aufgefaßt werde», was zu vermeiden sei. Die Mittel der Steuerzahler dürften für einen solchen Zweck nicht verwendet werde», zumal die Ansicht verbreitet sei, daß am 18. März 1848 nicht die Berliner Bürger, sondern Franzose», Polen»» d Jude» den Ausstand veranlaßt hätten. Von den Stadtverordnete» vertraten diese» Standpunkt namentlich die Herren Epinola und Kyll man», denen sich vom Magistrat der O b e r b ü r g e r m e i st e r soivie die Stadträlhe Weise und H a a k, wenn auch nicht in allen Einzelheiten, anschlösse», indem sie ausführte», daß alles, was an ei» Gedenken des Revolntionstages anftreise, von den städtischen Veranstaltungen fern gehalten weide» müsse. Nach Ansicht der Magistratsuiitglieder soll die Stadt den Friedhof reuoviren, nur den Eingang allenfalls noch mit einer Jnschrist versehe» lasse». Einen durchaus entgegengesetzten Standpunkt vertrat der Slv. Singer, der dagegen Wideispruch erhob, die fünfzigste Wiederkehr des Ber- liner Revolutionstages nur durch die Justandfetzung des Friedhofes zu begehe». Man solle nicht Halbheiten und Schwachheiten begehen, sondern, die Verehrung und Dankbarkeit für die März-Gefallene» in einer der Stadt angemessene» Weise ziiin Ausdruck bringen. Die Volkserhebung gegen Reaktion und Absolutismus, der Kampf für die Freiheit, der die Märztage des Jahres 1843 beherrschte, solle den Lebende» durch die Errichtung eines Denksteines ins Gedächtnis, gerufen werten. Das sei heute mehr wie je nöthig und die Stadt mache sich zum Gespött der ganzen Welt, wenn sie für die Erinneriing an einen solche» Tag nicht mehr zu Ihn» iveiß, als ei» Gitter n»> den Begräbniß- platz zu ziehen. Diejenige» Kreise, aiif deren Gefühle man so schonend Rücksicht nehmen»volle, müßte» sich eben damit a b- finde», daß die n b e r g r o ß e M a j o r i l ä t der Bevölkerung das Bedürsniß empfindet, den Märi-Gefallenen ein Zeichen des Dankes zu widmen. Bei dem Kaiser W i l h e l»>- D e» I»> a l seien nuch die Gefühle von Hunderttausende» nicht angenehm berührt worden, ohne daß man danach gefragt habe. Die alten 48er Barrikadenkämpfer Dr. Langer- Hans, L a n g e» b» ch e r, Saniiälsrath Dr. N e» in an», sowie die Sladtv. P e r l s und L a d e w l g traten ebenfalls warm für die Errichtung eines Denksteines aus dem Märzfriedhof ei», indem sie, die Singer'schen Ausführungen ergänzend, hervorhoben, daß ihnen eine Provokation anders Denkender fernliege, daß sie aber den 13. März 1848 als eine» für die politische Entivickeliiiig des Volkes hervor- ragend wichtige» Tag betrachten itud die für dss Volkes Recht und Freiheil gefallenen Helden i» einem der Sache und der Stadt Berlin würdigen Denkinal ehre» wolle». Nach einer kurzen Auseinandersetzung zivische» dem O b e r b ü r g e r>» e i st er und dem Stadlv. Singer, der die Bemerkung des Herr» Zelle, wonach ja jetzt nur die Sozialdemokraten den 13. März feierte» nnd der Liberalisnius sich gar nicht niehr darum küminere, damit beantwortete, baß dies nur die Folge der Versumpfung nnd Greisenhaftigkeit des Libera- lisiiius sei, der seine einstige» Ideale jetzt selbst der Reaktion opfere, wurde zur Absliininung geschritten. E i» st i in»> i g wurde beschlossen, den Gemeindebehörden zu empfehle», de» März-Friedhof in Stand setzen»»d denselben mit einem eiserne» Giller und schönem Portal versehen zu lassen. Bezüglich des Denk- steines wurde in einer Vorabslimninng mit 8 gegen 6 Slimme» der Beschluß gefaßt, einen Denkstein»>it der Inschrift:„Dem An- denken der am 18. März 1843 Gefallenen" aufstellen z» lasse». In einer weiteren Abstiinuiung wurde der Antrag, der Inschrift hinzuzufügen,„gcivid..let vo» der S'adt Berlin", mit 7 gegen 7 Slimnic»(der Vorsitzende gab den Ausschlag) abgelehnt. Nachdem hierdurch festgestellt war, daß die Deputation es ab- gelehnt hat, die Stadt Berlin als Spenderin des Deulsieines zu nenne», stiunnle ein Theil der ersten Majorität de, der definitiven Abstiinuiung gegen einen Denkstein mit einer der- artig verslüiiiinelten Jnschrist, so daß die Errichtung eines Denk- steines aus dein März-Friedhof ans Anlaß der süufzigjährige» März- Feier nicht statisinden ivird— wenn die Deputation Recht behält. Nur. hat die S t a d t v e r o r d u e t c»- V e r s a m in l u u g das Wort. Uolmles. Tie eiste der öffentlichen Beisamuilnugen, die die sozia- listischcn Akademiker Berlins in diesem Winter veranstalte», mit dem Zweck, die Sludireude» für die Idee» des Sozialismus zu gewinne», wird Dienstag, den 14. Dezember, statlfiude». Genosse August Bebel wird über:„Akademiker und S o z» a l i s m u s' sprechen. Die Versainnilung findet in K e l l e r's F e st s ä l e ii. Noppenstr. 2S, statt. Der Beginn ist auf 8 Uhr sest- gesetzt. Arbeiter-Bildnngöschiile. Wir machen die Parteige»ossii»len und Genossen...if den heute Abend 7 Uhr in de» Ariuinhalle», Komuialidauleustraße 20. staltfindeiide» Vortrag des Genosse» Dr. Zadel über: Schulhygiene" aufincrksa»» und bitten um zahl- reichen Besuch. Die Theililehmer an den Unterrichtsfächern Geschichte»»d Gesetzeskunde werden daraus ausmerksani gemacht, daß die nächste Uulerrichtsstnude i» Geschichte am Dienstag, de» 14. d. M. und in Geseheskunde am Donnerstag, den 16. d. M. stattfinde. t muß.— Da in dieser Woche die Uuterrichtskurse zu Ende gehe», werden die Mitglieder gebeten, die Bibliotheksbücher in dieser Woche abzuliefern oder z» verlängern. Die Bibliothek bleibt wie bisher a» drei Abende» i» der Woche von 8— S Nhr geöffnet. Der Vorstand. Die Genoffen deS zweiten ReichStagS-WahltreiseS werden auf die am Dienstag, den 14. Dezember, abends 8>/a Uhr, statt- findende Bersaunnlung des WahlvereiuS ausmerksai» gemacht; der Reichstags- Abgeordnete Remtsanwalt Haas«- Königsberg wird über„Die Begehrlichkeit der Junker i» Ostelbien" reseriren. Zahl- reiche». Besuch sieht entgegen Der Vorstand. Achtung! 4. Wahlkreis Osten! Die Versammlung deß Wahlvereiiis findet diesen Monat nicht statt, da am Dienstag Genosse Bebel bei Keller spricht und die Zeit vor dem Fest z» kurz ist, um die.Versaminlung später abzuhalten. Der Vorstand. Achtung! lV. Wahlkreis Süd-Ost. Tie Genossen werde» hierdurch erslicht, zahlreich in der am Dienstag stattfindende» Mit- gliederversa»»»l»!'g obigen Vereins zu erscheine». Genosse Förster referirt über„Die Militärstrafgesetz-Novelle im dentschen Reichstag." Ferner kounne» in dieser Virsainmlung die Urania- Billets zum 27. Dezember zur Ausgabe.(Siehe Inserat.) Der Vorstand. Die Parteigenossen und Genossiniien im 6. Reichstags- Wahlkreise werden auf die heute Abend 6 Uhr im Kösliuer Hof, Köslinerslraße 6, stattfindende öffentliche Versammlnng aufinerksa», gemacht. De» Vortrag hält Genosse Vogtherr. Ltachher folgt gemüthliches Beisamineusei». Der V e r t r a n e n s m a n». Die Frage der Firrsorge für die erwerbsthätigen Kinder wurde am Freitag im„Verein für g e s» n d h e i t g e»> ä ß e Erziehung der Jugend" erörtert. Stadtv. S ch>v a l b e be- richtete über die bekaunten Verhandlungen der st ä d t i s ch e n Behörden in dieser Sache,»amentlich über de» bezügliche» A»- trag der sozialdemokratischen Fraktion der Stadt- verordneten-Versaunnlung, mußte sich aber ein näheres Eingehen auf die Verhandlungen des zur Berathnng des Antrages eingesetzten A u s s ch» s s e s versagen, weil die Berichterstattung vor dem Plenun» der Stadtverordnelen-Versaiumliing noch nicht staltgesunde» hat. err Sckw. erkannte die Schädlichkeit einer zu augestreugte» rwerbsarbeit für Gesundheit, Schnlleistniigeil nnd Sittlichkeit der Kinder a», glaubte aber, die gewerbliche Beschäftignng im Hause, die oft i» einem bloße» Mithelfe» bestehe, mit inilderem Auge ansehe» zu niüssen. Ueber die Voischläge zur Abhilfe äußerteer sich ziemlich skeptisch. Der Ermittelung des Unifanges deß beklagten Mißstandes und seiner Abstellung ständen mannigfache Schwicrigkeitcu entgegen. Dennoch müsse mau ivenigstens die Aus- w ii ch s e zu beseitigen suche». Z» diesem Zwecke forderte Herr Schw., die gewerbliche Beschäftigung vor dem elften Lebensjahre („außer bei kräftigeren Kindern") ganz zu beseitigen und Isie auch nach dem elsle« Jahre des Morgens im Sommer nicht vor>/sS, im Winter nicht vor Va7, ferner des Abends(mindestens für das Hausir- geiverbe) im Sommer nicht»ach 8, im Winter nicht nach 7 zuzu- lassen(mit Zlus»ah»»e besonderer Zeiten, z. B. der Zeit vor Weih- nachten). Der Vortragende streifte auch die Frage der Anstellung vo» Schulärzte». Vo» einer ärztlichen Kontrolle sei für die Bekämpfung des Uebermaßes der Kinderarbeit Nutzen zu erwarte». Zum Schluß— ebenso, wie am Anfange seiner Ausführungen— versicherte Herr Schw., daß die ganze Angelegenheit nichts S o z i a l d e>n o kr a t i s ch eS, überhaupt nichts Sozialpolitisches, sondern nur eine reine Frage der Humanität sei. Wenn trotzdem, fügen wir Hinz», solche nnd ähnliche Fragen nicht eher in weiteren Kreisen Beachtung finden, als bis sich d i e S o z i a l d c m o k r a t i e ihrer a„ n i ni m t u n d s i e ni i t Nachdruck vertritt, so beweist das ivicder einmal, daß die bürgerliche Klaffe i» ihrer Mehrheit den Hnmanitätsbestrebungen keineswegs so freundlich gegenübeistcht und so bereitwillig nähertritt, wie manche Leute Ihn». Der Satz, die Fürsorge für die erwerbs- thätigen Kinder sei etwas Sozialdemokratisches, ist auch gauucht vo» sozialdemokratischer Seite aufgestellt worden. Er ftaunnt von de» Gegner» dieser Fordernug, die>h» nach bekaiiiilein Rezept als Schreckgespenst benutzen, u»> die enbgillige, der bürgerlichen Klaffe durchaus unerwünscht« Lösung der Kinderarbeüsfrnge zu hiutertreiben oder doch möglichst hinauszuschieben.— An der D i s k n s s> o n über den Schivalb-'sche» Vortrag beiheiiigle sich uuler anderen Lehrer Agahd(Rixdorf), der durch sein selbständiges Vor- gehen i» Sache» der Kinderarbeit und durch die von de» Rixdorfer Grundbesitzer» deshalb gegen ihn betriebene Hetze bekannt geworden ist. Herr A. wandle sich unter Ausührung mchrercr krasser Fälle von Kinderarbeit gegen Schw.'s Rachsichr gegenüber der Hausindustrie, die, auch weini die Arbeil leicht sei, bei langer Daner stumpssiuuig mache. Besonders gefährlich sei die künstliche Steigerung der Arbeitskraft, die durch das auch bei Kinder» angelvandle A k t o r d s y st e ni bewirkt werde. Leider werde übrigens ei» Theil deS Verdienstes oft vernascht, für Spielereien ausgegeben ic. Herr A. forderte noch weiter gehende Beschränkungen der Erwerbstbäligkeit der Kinder, vamcullich völlige Beseitigung vor dem Unterricht, ivenigstens im Winter. Dr. Jakusiel wollte die Frage zunächst lokal für Berlin gelöst wissen, unabhängig von der jetzt vom Zcutrui» aufgeflellleu Forderung einer Lösung für daS ganze Reich. Eine«iilfprccheude Resolution, die eine bezüg- liche Statistik für Beilm und schon vorher ei» Verbot der Nachtarbeit erwerbslhäliger Kinder fordert, wurde angenommen. I» de» Kreisen der bürgerliche» Fraiuubewegnug will man die Augelegcuheit der Sistiruug und sitlenpolizeiliche« Uniersuchung eines anständigen Mädchens weiter verfolgen. Zu einer besonderen Versammlung, die sich zwischen Weihnacht»ud Neujähr mit dein Fall befasse» soll, werden„Männer und Frauen aller Stände" ein- geladen werde». Außer dem Verein„Frauen wohl", der am Freitag eine Petition an daS Polizeipräsidium beschloß, haben>>»» auch der „Berliner Finueuvereiu", der Verein„Jugendschutz", der„Verliner Hausfrauen> Verein" Pelilioue» an das Polizeipräsidium»ud an andere Behörde» abgesandt. Ob diese Aktion mit irgend ivelcheur Nutzen ansläust. muß dahingestellt bleibe». Immerhin wird sich zeige», was die Polizei alles verirage» kau», wenn sich der Unwille der Bevölkerung gegen ihre Jiistilulio»«» kehrt. Die Aiiiiitiigeu BeiliuS, deren Zahl seit längerer Zeit m>- verändert 68 nun, weiden vielleicht nächstens UM eine»eriuehil werden da die hier bestehende„Freie Vereinigin-g selbständiger Fleischer» meister" beantragt hat. ihr die Rechte einer Innung z» verleihe». Ten 68 Innungen gchö'le» Ende 18b6, nach Angabe des neiiesten, das Jahr 1890/97 behandelnden Berichts der Gen erbedeplitation, >7 269 männliche nnd 1173 weibliche, zusammen 18442(Vorjahr: 17269) Mitglieder au. Die Uuierscheillnig der Mitglieder in mäiiiiliche und weibliche(iinmlich Will»«») findet sich in diesem Beeichle zum erste» Male. Die»»eisten' kvlitg'ieder Halle»: die Schuhmach««.- 2311, Schneider 1403, Tischler 1355, Barbiere, Friseure und Perrückrumacher 1227, Weber und Wirker 1055; die wenigsten: die Schivertseger 8, Ziuugießer 5, Bcirathcr in Rechtsangelegenheiteu« Tie Zahl der weiblichen Dlit- g lieber war im Verbällniß zu der der niännliche» besonders groß: bei den Buchbindern 62 weibliche gegen 345 männliche. Drechslcrii 47 gegen 330, Fischer» 11 gegen 42, Gürllen» 61 gegen 177, Haudschichnlacher» 32 gegen 81, Korbmachern 53 gegen 206, Posamenliren»»d Seidenknopsmachcrn 32 gegen 114, Sammet- nnd Seidenivirker» 30 gegen 23(also mehr weibliche als»iämiliche). Schlossern 122 gegen 577, Tischlern 243 gegen 1112, Töpfern 28 gegen 181, Tiichmache»» 50 gegen 133, Webern»nd Wirker» 120 gegen 935. Seit gestern morgen sieben Uhr versagt wieder die e l e k> r i s ch e Bahn der große» Berliner Pserdebahn-Gesellschaft aus der Strecke mit»nierirdischer Elromzufüyrung von» Dönhoffsplatz bis zur Ecke der Ritter- und stindenstraße. Die Wage» der drei Linie» Schlesisches Thor-, Treptow- nnd Gloganerstraße— Dönhoffsplatz laufen daher nur bis zu dieser Straßenecke. Hier»iüsseu die Fahrgäste»msteige», ii», mit Atkumulatorenwagen»ach dem Dönhoffs- platz weiter befördert zu werde». Wcgc» vclsnchtc» TodtschkageS wurden die Brüder Albert und Gustav Gebhardt ans Pankow t» Untersnchuiigshast geudinine». Die Brüder weilte» gestern gegen Abend u» der Schankiviithschast von L., Schönhauser Allee 79, wo sie eine Zeche von 50 Ps. machte». Geld halten beide Brüder nicht bei sich. nnd da der Wirth sie«»*: vom Sehe» kannte, wollte er ihnen auch nicht mehr kreditfren, viel- mehr ivies er beide aus dem Lokal hinaus. Die Brüder begaben sich nun nach Hanse, holten sich ein Tcschiiig nnd eilten damit»aeh dem L.'sche» Lokale zurück. Der jüngere der beide». Albert Gebhardt. »ahm vor dem Eingang zum Lokale Ausstellung und feuerte einen Schuß auf L. ab; glücklicherweise ohne>h» zu treffen. Er flüchtete. ivnrde aber i» der Rähe der Kaiser Friedrichslraße eingeholl und festgenounne». Gustav G, der zunächst entkeim, wurde später in seiner Wohmtng verhastet. Die gcrichtöärztlichc Nntersnchnng der drei Opfer deZ Familiendramas in der Uhlandstraße zu Charlottenbuig hat gestern stattgesnnde», und die Leiche» sind für die Beerdigung freigegeben worden. DaS drille Kind der Familie Etebert befindet sich jetzt PoHfUnbJfl außer Lcd«n?gefahr m,b wird wohl in„Schfler Woche «»s dem städtischeu Kraiikenhans« zu Eharlottenbnrg enllofse» werden können. Feiierdericht. Freitag Abend 7 Uhr verrannte Ekali Herst raße 79 ei» Wnschespind. Sonnobcnd früh 1>/s Uhr erfolgte Alarm nach F r a n se ck i st r a ß e 4� Hier hatte der Fußboden Feuer gefangen. Gegen 4 Uhr nachmittags wurde die Wehr nach Wilhelmstraße 22» gerufen, wo Lumpen im Keller brannten. ■ballemage und Schaldecke wurde» stark beschädigt. Zu gleicher Zeit stand D r e s d e u e r str a ß e I3B das Schaufenster eines Schuh- waarenlagers i» Flammen. Eine Stunde später war im Maschinen- hause von Rudolph Hertzog, Eingang Scharrnstraße, durch Kurz- schluß Feuer entstanden, das das Schaltspind zerstörte und de» Maschineninspektor erheblich an der rechten Hand verbrannte, so daß dieselbe durch die Samariter der Wehr verbunden werden inußte. Der Brandfall ist. wie nachträglich festgestellt wurde, darauf zurück� zufuhren, daß der elektrische Messer durch Ueberlastung ans- gebrannt war. Im ltrania-Theater(Jnvalidenstrqße, Lehrter Stablbahnhos) wird Sonntag Abend 8 Uhr der Vortrag:„Arn�d Böcklin" von Franz H. Meißner .®0rtl"5nniR zahlreicher farbiger Lichtbilder zu«rmäßigten Preisen (Parket 9,59 M., Loge 1 M.) wiederholt werden. Urania in der Tanvcnstraße. Bon Weihnachten ab wird imter dem Titel„Der dunkle Erdtheil" eine Btlder-Rcihc ans Afrika init sehr inhalt reichen und anziehenden Schilderungen vorgeführt werden. ?ltts de» Nachbarorte». Tcmpclhof, Maricudorf nnd Umgegend. Wir ersuchen die Gesinnungsgenossen in der am Dienstag, den 14. d. Mts., abends S'/e Uhr, bei Gerth in Tempelhof, Dorfstraße IS, stattfindenden Versammlung recht zahlreich zu erscheinen nnd dem genannten Verein beizutreten. Der Genosse Dr. Wehl hält einen Vortrag über„Hyp»o- tismus". Es nehme» auch Beitrittserklärungen jeder Zeit entgegen in Tempelhof: M. Müller, Berliuerftr. 41; in Marien- darf: H. L« h M a n n. Bergstraße 7.— Ferner gelangt in der Versammlung für die Mitglieder, ivelche mit ihren Beiträgen nicht im Rückstände sind, die Broschüre„Jesus von Nazareth" zur Gratis. Ausgabe. Die Mitgliedsbücher sind zwecks Revision mitzubringen. Der Borsland. I» der letzten Sitzung der Rlxdorfer Gemeinde Vertretung wurde auf Antrag unseres Genosse» Thomas beschlossen, an das Abgeordnetenhaus um Aufhebung der gesetzlichen Bestiminnngen zu petilioniren, nach welchen Lehrer und Beamte von der Komuiunal steiler befreit sind. Die Abfassung der Petition wurde einer Koni iiiiffioii übertrage», welcher auch Genosse Thomas angehört.— Der geplanten Abzweigung der Gemeinde Britz von dem Amts- bezirk lltixdorf wurde die Znstimmnng erlheilt.— Die Einsührnug des obligatorischen Forlbildungsschul-Unterrichts wurde abgelehnl da die Gemeinde die erforderlichen Mittel nicht auszubringen vermag die Regierung aber sich nicht bereit erklärt hat. die Koste» zu über- nehme».— Betreffs Anlegung einer Straße zwischen Berg- und Hermannsiraße soll der Gemeinde-Vorsteher mit den Adjazente» in Verhandlung treten.- Die bisherige Umsatz-Stener-Ordming wird ans weitere 3 Jahre genehmigt. Mhettkev. Wocheu-Spielplan der hiesigen Bühnen. Opernhaus. Sonntag:„Mignon". Montag:„Pon Giovanni-'. Gäste: d Andrade, Lilli Leh- maim. Cremonini. Tomascheck Dienstag:„Tannhäuscr". Mittwoch:..Von Giovanni".(Gäste wie am Montag.) Donnerstag:„Carmen'. Freitag: 4. Symphonie-Abend der Königl. Kapelle. Sonnabend: Theätre pavo. Ouvertüre„Euryanthc".„Hosterwitz." Festspiel von Ernst von Wilden- druch. Zum 609. Male:„Der Freischütz". Sonntag. 19. Dezember:„Hänsel und Gretel".„Die Puppenfee".- Schau spielhans: Sonntag:„Das neue Weib". Montag: Hebbels Todestag:„Maria Magdalena". Dienstag: „Das Buch Hiob".„Die Philosophie".„Meister Andrea". Mittwoch; „Das neue Weib". Donnerstag:„Coriolan". Freitag:„Das neue Weib". Sonnabend:„Der GwmenSwurui". Sonntag, 19. Dezember: „Der Verschwender". Montag, 29. Dezeniber:„König Lear".- Neues Königliches Opern-Theatcr(Kroll). Sonntag:„Phtlippiuc W e l s e r". Sonntag, 19. Dezember:„Die Journalisten".- Im„Deutschen Theater" erscheint Max Bernsteins neue Bllhiiendichtimg„Mädchen- traum" in dieser Woche sechsmal auf dem Spielplan, und zwar allster dem heutigen Sonntag Abend noch am Montag, Dienstag, Freitag, Sonnabend nnd nächstfolgenden Sonntag Abend. Am Mittwoch kommt„Die ver- sunkene Glocke" zur Ausführung, am Donnerstag„Jiigeiibfrcunde". AIS Nachmillags-Borstellung wird am heutigen Sanntag„Mutter Erde" ge. geben, am nächsten Sonntag die„Versunkene Glocke".- Jni Lessing- Theater wird Philipp LangmaunS Drama„Bartel Turaser" am Sonntag Dienstag und Freitag wiederholt, während der Schwank„Hans Hucke- dein" am Montag, Mittwoch, Doiinerstag, Sonnabend und nächsten Montag gegeben wird. Eine öffentliche Nachmittagsvorstellung stnbet wedcr an diesem noch am nächsten Sonntag statt.— Die Direktion des B e r- ltner Theaters gicbt folgenden Wochenspielplan aus: Die Novität „Die kleinen Vagabunden" wird diesen Sonntag, Montag, Freitag und nächsten Sonntag gegeben. Von„In Behandlung« finden Dienstag, Mittwach und Sonnabend Wiederholungen statt. Donnerstag geht Faust I. Theil mit Otto SoinmerStorf, Terestna Gestner und Ludwig Stahl in Szene. „Domröschen" wird außer Mittwoch und Sonnabend Nachmittag, auch nächsten Sonntag zur Auffsthrung gelangen. Diesen Sonntag Nachmittag „Renaiffance«.—„Dorwa" gelangt im Residenz-Theater Sonntag zum letzten Male zur Darstellung, da bereits am Montag das Gastspiel Marcelle Jossets uod ihrer sranzöstschen Gesellschaft beginnt. Die übliche Nachmittagsvorstellung fällt im Nesidenz-Theater Sonntag wegen der Mattnee der„Dramattschen Gesellschaft"(Felix Donuaun s„Ledige Leute") aus.— Im Neuen Theater wird das Repertoir der kommenden Woche ausfchltcstlich der Schwank„Die Logenbrüder" von Carl Laufs und Cnrt Kraatz bilden. Sonntag geht„Trilby" mit Marie Reisenhofer in der Titelrolle und Josef Jarno als Svengali in Szene.— Im Goethe-Theater wird Montag Gömer's beliebte Weihnachtskomödie„Aschenbrödel" zum ersten Male in Szene gehen. Der Wochenspielplan lautet im übrigen wie folgt: Diesen Sonntag gehen„Die Journalisten", Dienstag„Zirkusleute in Szene.„Othello" wird Mittwoch und„Ein Sommernachtstrallm", mit Auguste Prasch-Grevenberg als Puck, am Donnerstag gegeben. Freitag findet die Erstaufführung von„DaS Haus deS Majors", Lustspiel in 4 Akten von Oskar Walther»nd Leo Stein und Sonnabend, sowie Sonntag die crstenWiederholnngcn statt. Nachmittags-Vorstellungen: Diesen Sonntag„Der Pfarrer von Kirch- seld": MitNooch, Sonnabend und nächsten Sonntag„Aschenbrödel".— Im Schiller-Theater wird Sonntag Nachmittag als 6. Vorstellung im Schiller- Zyklus„Wallenstcin'S Tod" gegeben. Abends 8 Uhr tomuit die Posse„Kyritz-Pyritz" von Wilkcn und Justinus zur Ausführung. Don Mon tag bis Domierstag finden Wiederholungen der Wicuer Wcihnachtskomödie „HeimLsunden" von Anzcngruber statt. Für Freitag ist die erste Aufsühriing des Fulda'schen Lustspiels„Die wilde Jagd" angesetzt. Sonnabend Nach- mittag geht die Kinder-Varstellung„Der verwunschene Prinz" in Szene. — Da„Orpheus in der Untcttvelt" im Theater Nute r d e n Linden andguernd seine Zugkraft ausübt, so bleibt die lustige Operette auch in der kommeuden Woche aus dem Repertoir und wird erst in den Weihnachls-Feicrtagcn durch„Die Prinzessin von Trapezimt" abgelöst, welche als achter Abend des Offenbach-ZyNns in Szene geht. Heute Nachmittag wird„Der Obersteiger" gegeben.— Der Wochenspielplan des Belle-Alliance-Theaters bringt als Novität für Sonntag, 12. Dezember:„Weihnachtszanber", Weihnachtsmärchen von G. H. Schneibcck. Die gleiche Vorstellung wird am Montag, Freitag und Sonntag, 19. Dezember, außerdem des Nachmittags zu halben Laffeupreisen für Kinder am Mittwoch nnd Sonnabend wicdeihalt. Je zweimal erscheint das Lustspiel„Feudalherren" und das Volksschauspicl„Dcborah". Am Mittwoch wird„Das GlaS Waffer" und als NachmittagSvorsteNnng für Sonntag, 19. Dezember„Die Grille" gegeben.— Der Wochcn-Spiclplan des Lnt sen-Theaters ist folgendermaßen festgesetzt: Montag„Fröh- liche Weihnacht"; Dienstag„Fröhliche Weihnacht"; Mittwoch„Othello" (Adalbert Matkowsky); Donnerstag bis Sonntag„Fröhliche Weihnacht".— Ja> F ri e d rich- W i t h e l m st ä d t tich e n T h e a t er gelangt Sonntag Abend Kleist s romantisches Schauspiel in süns Alten„Das Käthcheu von teilbronn" zur Darstellung, am Nachmittag um 4 Uhr gebt zu kleine» reisen„Der Hüttenbesitzer", Schaufviel in süns Akten von George Ohnct, in Szene. Montag findet eine Ausführung der„Jungfrau von Orleans" mit Frl. Elsa Tauma als Gast in der Titelrolle statt.— Im Alexander- platz-Thcater gelangen Sonntag nachmittags 4 Uhr als Kinder- Vorstellung„Dornröschen", Zaubermärchen in fünf Akten, und der„Ratten- fänger von Hameln" zur Darstellung. Abends 8 Uhr geht daS sünsaktige Sittenbild„Die Versührerin" von Adalbert v. Arnim in Szene.— Die Sonntags- Vorstellung von„Leben und Lieben" im Ostend- T h e a t e r beginnt um 8 Uhr; die NachmittagS-Borstettimgeli fallen vor dem Fest aus. Die Neue freie Volksbühne bringt Sonntag, den 12. Dezember, nachmittags 3 Uhr, die Nenbeit„Barbara Hölzer", Drama in drei Akren von Clara Viebig, im Thalia-Theater zlir Ausführung. Die Regie hat Claudius Merten. Die Hauptrvlleu sind durch hervorragende Kräfte hiesiger Bühnen besetzt. Wegen Bekeidtgung deS ZlnikSanlvaltS Mix in Finster- walde war unter Parleigenosse Jahn ans Berlin vom Landgericht Koltbns zu 29 M. Geldstrafe vernrtheilt worden. Jahn Halle eine Berfaminlnng mit einem Hoch auf die Arbeiterbewegnug geschlossen nnd war dafür mit einem auf 14 Tage Haft lautenden Slrasbefehl bedacht worden. Diese juristische Thal des Stgatsanivalts hatte Jahn als unerhört bezeichnet nnd daher ivar Anklage und Der- nrtheilnng gekommen. In der gestern vor dem Reichsgericht verhandelten Revision bestritt Iah», daß es richtig sei, das Wort unerhört in der Bedentung als„»»sinnig« auszulegen. Auch das Landgericht habe jenen Zirasbefehl als ungerechifertigt bezeichnet und es sei auch bisher keine Vernrl Heilung wegen des Hochs erfolgt. Iah» beantragte Freisprechung oder zum mindesten Znrückiveisnng oeS Urtheils an das Landgericht I Berlin. Der Gerichtshof er- kannte aber aus Vcrwersiing des Revision. Tic bcrsiichte Bcranbmig der Gcrichtskasse im Kriuiiual- gerichtö Gebäude, ivelche besonders aus dem Grunde Aussehen erregle, weil ein im Gebäude angestelller Beamter der Thäter ivar, erfuhr gestern das gerichtliche Nachspiel vor der 2. Straskammer »es Landgeiichts 1. Aus der Uutersuchnngshast wurde der 23jähriae Knnzleigehilfe Franz Alex vorgeführt, welcher erklärte, ein offenes Gesländniß ablegen zu wollen. Er rä.ime ein, sich des einfachen nnd dcs ve»s»chte» schwere» Diebstahls schuldig gemacht zn habe». In betreff seiner Personalien gab der Angcklogle an, daß er als Kanzleigehilfe ei» EinkSninit» halte, welches sich aus IdO bis 169 Vi. monatlich belief. Er sei verheiralhet»ud besitze zwei Kinder. Durch leichtsinniges Leben sei er i» Schulde» gerathen, die ihm zuletzt über de» Kopf gewachsen seien; seine Gläubiger fingen an, ungestüm zu drängen, nnd er habe nicht geivußt, wie er sich Helsen soliic. Da fei ihm die«nglnckliche Idee gekommen, sich durch«in Verbrechen von den Verlegenheiten zu befreien. I» der Nacht zum 12. November d. I. fei er zur Ausführung gtfchritte».— Der Ber« wahrnngsranni befindet sich im Keller des Kciminalgerichts- Gebäudes. Hier wußte Alex sich einzuschleichen. Da der Angeklagte geständig war, war es nur nölhig, den Sekretär, dem die Verwaliung der Verwahrnngsstelle obliegt/zu vernehmen. Dieser bekundete, daß der Schrank, an ivelchem der Angeklagte sich zu schaffen gemacht, zn damaliger Zeit gegen 19 999 M. enthalten habe; in einem der anderen Schränke hätten sich gegen 29 999 M. befunden. Der Staalsamvalt hielt es nicht für angezeigt, mildernde Um- stände zuzubillige»; er beanlragle zwei Jahre Zuchthaus. Der Gerichtshof erkannte unter Ziibillignng mildernder Umstände wegeu versuchten schweren Diebstahls auf zwei Jahre Gesängniß. Auf den ZiichtigungSpuragraphen in der Gesindeordnnng berief sich vor der Straskamliier in Pose» der Riltergulsbesitzer Kiehn aus Zalesie, der wegen Körperverletzung angeklagt war. Derselbe hatte am 7. Juni d. I. die Kinderfrau Heinrich mißhandelt, indem er sie ohrfeigte und bald darauf anf eine Bemerkung der miß- handelten Heinrich, daß sie eine derartige Behandlung ihm nicht zugetraut hätte, mit einem Stocke auf sie einschlug, so daß die H. blutige Berletziinge» davontrug. Dos Schöffengericht in Schnbin eikannte anf Freisprechung des Angeklagte», indem es den Angaben des Augeklagten, er habe sich in der Nothwehr befunde». Glauben schenkte. Gegen dieses freisprechende Urlheil legte der Zlmtsamvalt Berufung ein. Seinen Einwand, er habe sich in der Nolhivehr be- smiden, und den Hinweis auf das ihm nach der Gesindeordnniig zustehende Züchtigungsrecht ließ der Gerichtshof nicht gelte», sonder» erkannte gegen den Angeklagte» auf 199 Mark Geldstrafe. Für Tchläi.,.rr dürfte ein Strafverfahren, das durch eigen- lhümliche Umstände veranlaßt ivnrde, von Bedenlung sei». In Lüneburg besteht, wie in vielen andere» Slädte», ein Regulativ, wonach außerhalb des öffenllichen Schlachthauses nicht geschlachtet werden darf. Dem Schlächlermcislcr Böhlke wurde voigeivorfen, sich hiergegen vergange» zu haben. Er hatte nämlich einen Haininel im eigene» Hanse geschlachtet. Der An- geschuldigte erklärte, dazu ans folgenden Gründen durch- ans berechtigt gewesen zn sein. Besagter Hammel sei eines AbendS, als das Gemeinde- Schlachthaus bereits geschloffen war, so matt geworden, daß B. geglaubt hübe, er könnte in kurzer Zeit eine Leichc sei». In seiner Angst, daß das Vieh den nächsten Tag vielleicht nicht mehr erlebe, habe er es schnell ge- schlachtet, um sich vor Schaden zu bewahren. Ein Noihstand habe ihn also zn seinem Vergehen gezwungen»nd er müff« deshalb straflos ausgehen. Boni Schöffengericht wurde B. denn auch frei- gesprochen. Es schloß sich seiner Meinnng an. Auf die Be- riisung des Amtsanivalts vernrtheilte ihn jedoch das Landgericht zu einer Geldstrafe, indem es ansführle, daß hier von einem Nothstande nicht die Rede sein könnte. Ei» Noihstand im Sinne des Strafgesetzbuches würde nur vorliegen, wenn Leib und Lebe» des Angeschuldigte» oder seiner Familie m Gefahr gewesen wären. Ter Haininel sei ja allerdings erkrankt, wo B. das öffcnlliche Schlacht-Zstis nicht zur VerfügMig stand. Deffen ungeachtet hätte er aber doch nicht zn Hanse schlachte» dürfen, sondern die Bestimmungen des fiaglichen giegnlativs befolge« müssen, selbst wen» er dadurch i» seinein Bermögen ge- schädigt worden wäre. B. gab sich init der Entscheidung nicht zu- frieden. Er wollte die aufgeworfene Rechtsfrage im Jntereffe feiner gesammten Kolleg-nschast in Preußen prinzipiell entschied«» haben nnd legte darum noch bei», Kairnnergericht die Revifion ein. Zur Begründung führte er aus, er habe zu einer berechtigten Selbsthilfe seine Zuflucht genommen»nd könne nicht bestraft werden. Die Frage, was ei» Noihstand sei, habe das ReichS-SIrafgesetzbuch nicht erschöpfend erörtern, vollen. Nicht nur ivenn Leib»nd Lebe» gefährdet seien, habe man es ansschließiich mit einein Nothstande zn Ihn», ei» solcher sei auch bei der Gefährdung von Vermögens» bestandtheilen anzunehmen. Das Kumniergericht wies aber die Re- vision mit der Begründung zurück, B. habe das Regulativ nicht übertreten dürfen. Stehe»»r das Lebe» eines Hammels in Frage. dann sei das kein Nothstaud. Eine» solchen könnten event. große elementare Ereignisse begründen. Briefkasten der Redaktion. wir dlile», bei>«d«r»inlrafie»in««diffr«(zutl vnchflobni oder«M» gah« ai>du««b,». unter der vi« Anlwoct iriheill werden soll. Tic juristische Sprechstiiudc siudet am iviontag, Freitag«nd Sonnabend von 6 bis 8 Illir abends statt. T. O. Ein großer Theil der Freiligrath'schcn Bedichte ist in dem Werke„Gesammelte Dichtungen"(13.09 M.) enthalten. Das Carlyleffche Werl heißt:„Die französtsche Revolution". Beide Bücher können Sie durch die Buchbavdlnng Vorivärts beziehen. W. Bö. Versuchen Sie es mit einer Auftage beim Reichs-Schatzamte. Wetter-Prognose für Touutag, IT. Tezember 1807. Ein wenig wärmer, voriviegend trüb« mit Rftderschlägeu und irischen südwestlichen Winden. Berliner Wetlerburea«. locke«» Ain�olg:«. Allen Freunden, Genoffen und Kollegen die traurige Nachricht, daß am 11. d. M., früh 3'/, Uhr, meine Frau Auguste Glashagen nach längerem Leiden verstorben ist. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 14. d. M., nachmittags 2i/, Uhr, von ber Leichenhalle des Begräbniß- Platzes der Heiligen Krcuz-Geineinde in Mariendorf statt. Oovl Cllashagen, 23906 Velle-Allianccstr. 85. Freitag, den 10. Dezember er. entriß uns der Tod nach kurzem, schwerem Leiden nnleni gelicbicn Gatten. Vater und Großvater, den Zigarrenfabrilanten Herrniann Mehner!. Die Beerdignng findet heute, Sonntag, nachmittags 3 Uhr, vom Traucrhause Wörtherstr. 43 aus nach dem Begräbnißplatz der Freireligiös. Gemeinde statt. Die 2305b 1 traueruden Hiuterbliebeneu. Dr.StoPttlÄÄ Spezialarzt f.Hantu. Harnleiden. 10-2, 5-7. Sonntags 10-12, 2-4. Kanartenhähne u. Weibchen verkauft Eniil Beiicker. Schönhauser-ANce 40a. Douipsassen, Hänflinge, Stieglitze, Zeisige, Finken vill. zu verk. Rehfeld, Swineiniinbcrsir. 48, Restaurant. Kauiirieuhähue u. Weibchen verk billig Mengel, Putbuserstr. 7 Sfl. I. Kanarienhähne, Harzer Stamm, rein, «ndreasstr. 9 lV. r.__ 2291t Kanarienhähne von 3 Mark an Bett. Baum, Chorinerstr. 34, Qucr- gebäude 3 Tr. Auch abends. 2979b Kanarienhähne, gut singend, solide Preise. Krebs, Köpnickerstr. 154a, IV. Kanarienhähne u. Weibchen, guter Stamm, verk. Beisert, Benffelftr. 40. Grofte Matinee »i» Sonntng, den 19. nczeKiIier, mittag« UV» Uhr, In Keller' o Fcstaaicn, Kop�enntr. Lö, zmn Besten der engl. MitWnendaner, veranstaltet von der fr.Vei'einiWg d. Zivil-Berufsniusiker Berlins u.Umg. ausgeführt van einer ca. SO Slann«tarken Kapelle unter Leitung des Herrn ftavtinann. unter gütiger Mitwirkung des Knnuaer'aehen Quartett«(Dirigent: Herr Rud. Kummer) und des Gcsangshumaristcn Herrn väkar Kacktke. für Aufführung gelangen n. a.: Ouvertüren kVelaehiit� von t.». Weber, Roliesplewe von Littolss; Spielmannslied von Weidt für Vtolin-Solo, Bariton-Solo. Männerchor und Pianoforte- Beglcitting; Transsttiplion über das Lied:„Kommt ein Bogel ge- flogen" von S. Ochs; 8 clrwiegervater u.(Schwiegersohn. komische Szene. Rillet« A 25 Pf. sind in den mit Plakaten belegten Hand lungeii zu haben. Des guten ZiveckeS wegen wird zahlreicher Besuch erwartet 09/19]>er Vorstand. Bau arbei ter Cliarlottenburgs. Große öffentliche Verfamuilung am Sonntag, den 12. Dezember, nachmittags 4 tthr, im' Lokale Rismarckshühe, Wiliuersdorferstr. 39. Tagesordnung: 1. Die Thätigkcit der Gewerbcgerichte. 2. Diskussion. 3. Aufstellung von Kandidaten für die Gewerbcgenchtswahlen. 4. Verschiedenes. Nachdem: tüemtithllche« Rclsninincnscin. Zahlreichem Besuch sieht entgegen 2288V Der Vertranenamann. Phrenologifcher Bortrag mit grosten Lichtbilder» über Schädellehrc und Gestchtsausdrucksknnde von Herrn Glrnnckinann u. Conrad Montag, den 13. Dezember, abendS 8i/, Uhr, W Rieft'S großem Saal, Weberstraste Nr. 17. Männer und Frauen willkommen. Eintritt 20 Pf, Verein für Körper- und NaturheilKunde, Alexanderstr. 8. _ Sprechzeit v. 11—1, 0—8. Sonntags 11— 12. Cigarrcn, Cigaretten 1 in verschiedener Packung und größter Auswahl zu Weihnachtsgeschenken empfiehlt 385ZL» Pank Rettehen, Pankow, Wollcmkstr. 115. Für eine zweimal wöchentlich erscheinende Partei-Zeitung für Halber- stadt und Uingegond ein Neoaktcur gesucht. Agitatorische Kräfte bevorzugt, sofortiger Antritt erwünscht. Offerten mit GehaltSansplüchen bis 29. Dezember d. I. an 38478- »„,11 Härtel«. 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I. erschien in Bielefeld eine von dein Maler Pnßler, genannt Kaduttr, verfaßte Broschüre unter de», Titel:„Die Wahrheil über die Anstalt Beihel und ihre Dependenzen bei Bielefeld." In dieser behauptet der Verfasser, ein ehemaliger Pflegling der Anstalt„Bethel"». a.: Ehe der Leiter der Anstalt, Pastor D. v. Bodelschwingh, seinen Pfleglingen das Abendmahl reiche, nehme derselbe eine Ohrenkeietne vor. I» lehlerer sei Pastor D. v. Bodelschwingh bemüht, mit den sanftesten Worten der Liebe nnd Nachsicht, nnd unter Legung der feinsten dialeklischen Fallstricke, von den Beichtenden etwas heraus zu horchen, um dies alsdann als Waffe gegen dieselben z» benutze». Ferner wird in der Broschüre behauptet:„Das Gesammlverinöge» der Anstalt beträgt ungefähr l6 Millionen Mark. Dieser Besitzstand ist unler dem Name» der „armen Kranken" gesammelt ivordeu. Es wäre vielleicht konsequent, wenn die Nutznießung desselben den armen Kranken wenigstens zum theil zu pule käme. Allein die Kranken sind in der Anstalt„Bethel" nur Mittel zum Zweck. Sie zahlen ihre� Pension, erhalten eine ungenügende, selbst dem geringsten Pensionssatze nicht entsprechende Kost und müssen auch außerdem diese Kost durch harte Arbeit selbst verdienen. Wie hoch sich der Gewinn der Anstalt aus der Arbeit der Kraulen im Jahre stellt, läßt sich nicht genau angeben, dock? gestalten die sehr niedrig ge- stellten Ziffern— 1000 Arbeiter täglich auf etwa 200 Arbeitstage im Jahre— eine gewisse Vorstellung. Die ärmere» Kranken muffen arbeite», ivas ihnen aufgegeben wird, den reichen entlockt man ihre Arbeiten ans Schmeichelivcgen. Kein Kranker genießt die Frucht seiner Arbeit, alle Erträgnifl« gehöre» der Anstalt. Die Baar- einnahmen, für welche kein genauer Nachweis existirt. de- tragen mehrere Millionen Mark im Jahre, abgesehen von dem, was die auswärtigen Agenten für ihre„Liebesmühe" be- balien oder bekommen. In de» Kanzleien der Pastore» sitzen ganze Stäbe von Sekretäre», Hilssschreiber» nnd dergleichen, welche mit ihren Chefs etwa 100 000 M. jährlich erhalten. Also die bloße» Verivaltungskoste» einer„armen",„elenden" Gemeinde von etwas über dreitausend Seelen betragen jährlich e i n m a l h n n d e r t- tausend Mark. Diese Summe ist nicht erstaunlich, wenn man bedenkt, daß einem hochbesoldeten Pastor für die jährliche »cht- oder vierzehntägige Badereise MO Mark, für die Nenherausgabe eines Posannenbuches 400 Mark ausgezahlt werden. Das Pastoreumaterial rekrutirt sich zum theil ans i Individuen, welche in freier Thätigkeil auf dem Lande oder in der Stadt unmöglich geworden sind und sich hierher ziehe», um eine unerhörte veranlwortnugslose Gewaltherrschaft zu übe», lnxnriös gehaute eigene Häuser mit freier Beleuchtung, Heizung ic. zu bewohnen nnd theilweise Besoldungen wie ein reicher Stadtpfarrer zu beziehen." Im weiteren heißt es i» der Broschüre:„Im Monat einmal erscheint der Arzt, läirt sich das Buch vorlegen und schreibt »eben die Name» mit vermehrten Ansällen eine» Löffel Bromkali mehr, neben die Name» mit vermindertcn Ansällen einen Löffel iveniger. Sonst sieht der Arzt die Kraulen überhaupt nicht. Ja den entlegenen Häuser» erscheint der Arzt etwa einmal im Jahre. In einem derselben stellte es sich bei näherer Umfrage heraus, daß von den etwa 70 Insasse» kau»! 7 oder 8 Bromkali einnahmen; die anderen verzichte» wegen der gar zn deutlichen Verwässeruug darauf und iverde» überhaupt nicht behandelt." An einer anderen Stelle heißt es:„Auf welcher Stnse einer der Pastore» steht, erhellt ans seinen Predigten. So klagte derselbe am Lntherfeste die„elende Regiernng" an, daß sie die evangelische Kirche unterdrücke. In der Fesipredigt der Jahrhundertfeier für Kaiser Wilhelm I. erklärte dieser Pastor von der Kanzel: er könne über Wilhelm I. nichts sagen, weil er nichts von ihm wisse. Wilhelm I. sei nämlich erst in seinen letzte» Lebensjahren kirchlichgesinutgeivorden." In einer anderen Predigt habe derselbe Geistliche eindringlich davor geivarnt, den Glauben an Hexen aufzugeben,„die es gewiß, vielleich auch unter uns, giebt, die aber leider nicht mit voller Bestimmibeit zu erkenne» sind." Ei» anderer Passus der Broschüre besagt:„Was mit diesen S,e Millionen geschehe» ist, entzieht sich äußerer Keuutniß, allein wo auch dieselben gcbliebe» sei» mögen: die Forderung muß erhoben werden, daß endlich einmal dem Kollektennuwesen ein Ende gesetzt und so ungeheure Summen aus den entfernteste» Gegenden des Reiches nicht de» wahrhaft Bedürftigen nnd Leidende» entzogen werben, um in den Schränken eine» Millionen verschließenden Geld- i n st i t u t S zu verschwinden." Ferner wird in der Broschüre er- zählt:„Ein in der Anstalt arbeitender Mann hatte abgelehnt, „Bruder" zn werden und trotz Schmeicheleien sich geweigert, seine Ersparnisse und ei» kleines Erbtheil der Anstalt zur Verwatlnng zu übergehen. Der Mann sei auch finanziell in der'Anstalt betrogen woiden und hätte sich nicht gescheut, gelegentlich einer künstlichen 'Aufreizung den dafür paffende» Ausdruck zu gebrauchen. ES galt deohatb de» Mann aus der Anstalt zn entfernen. Eines Tages öffnete sich die Thür der Arbeitsstube nnd mit dem Rücken voran schob sich, die'Augen ans das Gesicht des nachfolgenden Hausvaters gerichtet, einer der Anstallsboten in das Zinnner und brach in das Geschrei aus:„Das ist er. das ist er, ja, der hat es getha», er hat mich geschlagen, mit einem Stock geschlagen." Bis dahin hatte der Schreiende keine» Blick i» die Stube gelhan und keiner der dort arbeitenden Leute wußte, wer gemeint sei. Der Hausvater kam dem nnbehol,enen Menschen zn Hilfe nnd zeigte mit dem Finger auf de» vorerwähnten Mann, der sich weigerte.„Bruder" zu werde».„Das ist er, nicht ivahr", fragte der Hausvater. Ja, ja, das ist er, der mich ge- schlagen hat, rief der Anstaltebote wiederholt. Der Angeschuldtgle stellte den Mann energisch zur Rede. Letzterer bezeichnete jedoch ein Haus, vor dem das Schlagen staltgesunde» haben soll nnd berief sich aus«inen Austaltsbruder als Zeugen. Nach etwa zwei Stunden erschien dieser Austaltsbruder und sagte dem An- gcschuldigtcn auf den Kopf zu. er habe gesehen: Der Angeschuldigte habe den Slnslaltsbole» vor etwa einem Jahre i» der Koblenzerstrabc mit einem Stock auf den Arm geschlagen. Das von den, angeblich Geschlagenen bezeichnete Hans liege aber im Anslalls- viertel, während die Koblenzerstraße in der Stadt Bielefeld liege. Durch derartige Manipulationen habe der Hausvater versucht, de» Beschuldigten ans der Anstalt zn entfernen.— Endlich wird in der Broschüre behauptet: Ein Hausvater zanke sich vielfach mit seinem leiblichen Bruder, der in der Anstalt unentgeltlich wohne. Die beiden Brüder lhim so, als wären sie die ärgsten Feinde. Die Pfleglinge beklagen sich deshalb bei dem Bruder über die ihnen zu theil werdeifde Behandlung, schimpfen auf denMausvater, die Aerzte und Pastoren. Die Feindschaft bestehe aber nur zun» Schein. Die Brüder zanken sich nur, damit die Pfleglinge dem Bruder vertrauensvoll ihre Herzensgeheimnisse mittheilen. Letzterer habe nichts Eiligeres zn Ihn», als alle Aeiißerimge» brühwarm seinem Bruder, dem Hausvater, zn berichten.— Der Inhalt der Broschüre, der theils erlogen, theils entstellt sein soll, veranlaßt« den Leiter der Anstalt. Pastor 0. v. Bodelschwingh, sowie die Pastoren, Aerzte nnd Hausväter der Anstalt gegen den Verfasser der Broschüre, Maler Paßler nnd den Kaufmaü» Schinna»», Inhaber der Buch- drnckerci und Buchhandlung„Volkewacht" in Bielefeld, der die Broschüre gedruckt und verlegt hat, ans grund der ZEj 185 und 186 des Strafgesetzbuches Slrafantrag z» stellen und die vorläufige Beschlagnahme der Broschüre zn beantragen. Diese» Anträgen ist stattgegeben worden. Ans diesem Anlaß hatten fich Paßler und Schumann wegen Be- Häuptling nicht eriveiilich wahrer Thatsachen, welche geeignet sind, die Beleidigte» verächtlich zu inachen»nd in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen, vor eingangs bezeichnetem Gerichtshof« zu verantivorte». Maler Paßler, genannt Kabnär, heißt mit Vor« »amen Franz Albert. Er ist am l. ZIpril 1859 zn Odenburg in Ungar» geboren und katholischer Konfession. Schumann heißt mit Vornamen Bruno. Dieser ist am 10. August 1364 zn Greiz geboren nnd evangelischer Konsession. Di« Angeklagten»vollen, dem Ber- nehmen nach, i» vollem Ilmfange den Beweis der Wahrheit führen. Vertheidiger der Angeklagten ist Justizrath Bock-Biclefeld. 2000 Stuck Wollene Damen-Kletdersfoffs zur vollständigen Räumung tzemst.ßWkleideMe S 6 Mtr. M Kltid 90 w. Karr.u. gemß. HMchbr'A K Mtt. dasMiii t,-« m. Mgr.NoM-WtttW breü K Mtr.hsls.Aeid 1,™»». Miir-Wltke f. Hauskleider K Mtr. dasAeid 2,"> M. Neueste Herbjt-Ztojfe d°pp«lwr-itk Mtr. dasAeid 2,»««. Neiuivolleiie EhcviotS Mtr. daöAcid 2," m. id 1,50 5W. Reiuiv. Wert V°ft K Mtr.das Aeid 2,»»-». Crepes W k Mtr. das Kleid 3,«« m. 400 Stuck Seidenstoffe zur vollständigen Räumung Reiilseidene geinusterte Stoff IL Mtr. dasAeid 6,00*1. Chaugeant Seideustoft S" IL Mtr. das Kleid 7>M. OniZM Posten fertiger Unterrocke. 1 Piirtie Tuch-Nnterrolke, w» 9«� 1,2s a». 1 Partie Moire-Uuterröcke».« Volant 2,00*1. Seidene Uuterrölke,»«•n gestm-rt 3,00*1. Für Brautausstattungen! Bedeutende Gelders|iarniss! 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Ahtiva. vilsnx September 1897, Pg�iva. An Waaren-Conto(Waarenvorräth» „ Jnventar-Conto...... Abschreibung... » Gespann-Conto..... Abschreibung. , BetriebS-Unlosten-Conto: Borrath an Holz zc.,. » Gespann-Unkosteu-Conto: Vorrath an Fourag«.. , Cassa-Conto(Bestand)...... .«ffelten- Conto(Anschassungswerth) Wik. 366,30 66,30 HSTg,- 376,- Pcr Conto pro Diverse(Creditorcn).... Conto der Genossenschaster(Anthetle).. Lohu-Reservc-Conto(noch nidit bezahlte Löhne sür 4 Tage v. 27. bis 30. Scptb.) Stencr-Reserve-Couto(für Stenern, die auf den Gewinn pro 1896/7 noch zu zahlen sind) Meserve-FondS-Coilto........ Gewinn- und Bcrlust-Conto... 7172,36 Abichretbimg auf: Jiiventar-Conto. Mk. 66,30 Gespaim-Conto..»76— 442,30 m. 6730,05' Ueberwetsnng an ReservefondS-ContoTOO,— Gewinn-Saldo-Bortrag. Mk. «42,30 «6.- 200,- 600,- 700,- 6030,05 8367,35 � 8367,35 Verbacken wurden im Laufe des AeschästSsahreS tiisgesammt 45S2 Sack mtt 45g 200 Kilogramm Roggenuiehl, im Betrage von 82 252,25 M. Der Kasseinimsatz stellte sich aus 114 801,20 M., worin 113115,23 M. Einnahmen für Backwaaren enthalten stnd. Berlin, den 11. Dezember 1897. Her Toretand: Richard Khlm, Kasflrer. Karl Petertohn, Geschäftsführer. Wir sagen allen unseren Genossen und Freunden unseren verbindlichsten Dank für daö Wohlwollen, welches sie unserem Uilternehmen entgegengebracht haben. ES wird auch im nächsten Gefchäftssahre trotz der steigenden Mehlpreise unser Bestreben sein, nicht wie die»leisten Bäckereien durch Verwendung von minderwerthew Roggen- und Weizenmehl das Brot zu verschlechtern, foliveril von dem besten Roggenmchl, welches es auf dem Markte giedt, hergestelltes Brot unserem«»udeilkreiS zuzuführen. Di« Zubereitung des Brotes geschieht auf das sauberste. Bei Entnahme von Brot achte man gmau aus unsere Schutzmarke, welche jedem Brote ausgeklebt ist. Der Borstand. Alhwg! 2. Wahlkreis. Achwg! Toiintng. Vi.?r«z«mber, abdS.«V, Uhr, b. Lindenstr.IVS: Mevsammlung, Tages-Ordnung! ~■ It Vortrag deS Genossen vr.«orvdsrai Ma über:»Die Werththeorie von arl Marx. "!ach dem BorKage: Gcmiithliches Beisammensein und Tanz. 212,1» Tie BertraueuSperso«. Sozialdemokratischer Wahlverein für de» zweiten Reichstags-Wahlkreis. Dienstag, de» 14. Dezember, abends Pünktlich 8V- Uhr. bei.ficrnt Härtens, Friedrichstrafte 886: "Versa m m l u n g. Tages-Ordnung: 239/6 1. Die Begehrlichkeit der Junker m Osielbicn. Referent Reichstags- Abgeordneter Rechtsanwalt Hunse(Königsberg). 2. Diskussion. Gäste willkommen. Der Vorstund.. SomIdemokraMer Mahlverew für den 3. gniiiicr Relchstags- Wahlkrels. ?)kittwoch, den 1s. Dezember, abends 8>,z Uhr, Inder»erllner Ressonree, Kommandantenstr. 57: DM" Versal» m! n« g. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Rechtsanwalt IVoIlxanx llvine über: „Die Sozialdemokratie und die Todesprase". 2. Diskusston. 241/9 Z. Vereinsangelegenheiten. Gäste haben Zutritt. Der Vorstand. I�vKtung 2 Achtung! IV. Wahlkreis(Südosten). Dienstag, den 14. Dezember, abends SVi Uhr. im Vereinshause „Sitd-Ost", Waldemarstrafte 75: Große Mitglieder-Uersammlnng. neter TageS-Ordnun! l. Tie Militärstrafgcseft- Novelle. Referent: Reichstags- Abgeord- Genosse Förster. 2. Diskussion. 3. BereiuSangelegenheiten. Die Mitglieder werden aufgefordert, zahlreich in dieser Ver- stwuulung zu erscheinen. In dieser Versaunulung werden die BilletS zur .Urania" am 3. Weihnachtsfeiertag ausgegeben. 244,1 Der Vorstand. Sozialdemokratischer Mahlverein M den 6. Berliner Reichstags- Wahlkreis. Dienstag, den 14. Dezember, abends 8V, Uhr: ZttteL NevsQMNtlurlgen. För Lrllüienburger Dorstadt und Uedding i«„Wtilbrodt'S Festsälen", Miillerstraßc Nr. 7: Tages-Ordnung: 1. Die Nochwendigkett politischer Organisation. Referent Reichstag?- Abgeordneter Voetherr. 2. Diskussion. 3. Bereinsangelegenheitcn. pflP' Für Moabit"WG im Ntoabiter Klubhaus, Beusselstraste N Tages-Orduung: 1. Vortrag d«S Reichstags-Abgeordnetcu Max SchiPPel. 2. Di«- tllsfion. 3. Vereinsangelegenheiten. 247/8 Zahlreiches Erscheinen erwartet_ Der Vorstand. tr.». Alhtllllg! VI. VaMkreis. Achtung! Sonntag, den 18. Dezember, abends 6 llhr, im„Cttsllner Hof", Söslinerstraft« 8:"MM Gr. öffentliche Versammlung für Männer nnd Frauen. TageS-Ordnung: 1. Vortrag de« Reichstags- Abgeordneten Vogtherr. 2. Diskussion. Z» recht zahlreichem Besuch, nanientlich auch seitens der Frauen, ladet ein 221/14« Der Vertrancnsmann. Nach der Versammlung: Gemüthliches Beisammenseitt. Vvnlsvltvr Voknrliöiter-Verllllllck (Zahlstelle Berlin.) 2? Branche der Korbmacher. 272/12 Soaatag, den I» d. abends 6Vj Uhr, Im Rngllschen Garten, Alexanderstr.»7o: Vevlttnrnrlnnn mif Stameit geSordnung: 1. Bortrag des Augenarztes Herrn Dr. IVnr Wnrm über: «Die Erhaltung der Sehkraft, nitt Demonstrationen an lünstlichen Augen." 2. Diskussion und Mittheilungen. Nach dem Vortrage: Gesellige? Beisammensein und Danz. Eintritt 10 Pf. Gäste willkommen. Tanz 30 Pf Bürsten- und Pinselmacher. konntag, den IL. Dezember, vormittags IG IJhr, Im Englischen Garten. Alexanderstr. Ji7c: Branchen- Versammlung."HZI Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Berichterstattung der Kommission und Neuwahl derselben. 4. Verschiedenes.— Es ist Pflicht eines jeden Kollegen, tn dieser Versammlung zu erscheinen. Bezirks- Versammlungen Montag, den 13. Dezember, abends S1). Uhr. Wedding-Gesundbrunnen:"" 1. Vortrag über: Die Ueberstundenarbeit und deren iible Wirkung. Referent Kollege Fendcl. 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegenheiten. Die Kollegen werden ersucht, recht zahlreich zu erscheinen. Westen unk Südwesten«*« znbeu, Lin»-«�»� iv«. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Wahl eines Bezirks- führer«, Ersatzwahl der Werkstatt-Konttollkommission u. der Betttagsammler. 4. Verschiedenes. Kollegen! Da tn dieser Versammlung die Wahl von Kollegen stattfindet, welche in Eurem Interesse arbeiten sollen, so Besuch dieser Versammlung.— Hi stellen von Prächtel, Krausenstt. Meier, Schützcnstr. 73—74. Osten und Nordosten �*1.1«!,»g.. Tagesordnung:? Vortrag des Genossen Grempr über: SIcherhettS- Vorrichtungen zum Schutz für Leben und Gesundheit der Arbeiter. Mit Demonstration an Sicherheitsapparaten. 2. Diskussion. 3. Werlstatt und Verbandsangelegenhciten. 4. Verschiedenes. Die Kollegen von Kell er,«önigsbergerstr. 4. sind hierzu eingeladen. — Gäste haben Zutritt._ Verband aller in der Körschnerei besiljästigten Arbeiter und Arbeiterinnen Berlins und Nnwpd. Montag, den IS. Dezember, abends 8»/. Uhr, im Rest. Feind, Weinstr. 11: Mitgliedfr-Bersammlung. D-O.: I. Vorttag des Genossen Jahn. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Gäste wtllkomnien. 93/19 Der Borftand. äedwllg! IV. Mahlkrew. �btlwg! 8 o uiltag, äsll 12. vssemdsr 1S97: Qrs Skinier-Vergnügen m Lese-Klub„Leopold Jacoby" IN Stecliert's Andreas-Festsäle, Andreasstr.?1, unter Mitwirkung der Hanshapelle, des Gesangvereins„I.ledesfrelhclt" und der humoristischen Gesellschaft Ktruelenles. Anfang 4 Ehr. Entr�e 85 Pf. Tranrinno mne Dukaten, ge» l lilUlIllffv stemp 980 2 Dukat. 22,30 M. U/z Dukat. 17,50 M. Kronengold gestenip. 900. 7 Gramm 20,50 M. Gramm 15,50 M. Alle anderen Goldsachen ebenso reell. s2724d Ilngo Eemelre.Auguststr.tllpt. nahe d. Oranienburgerstr. Gegr. 1840. Puppen-Doktor Otto Kreyssig, Brunnenstt. 119. Reparaturen u. Neuanfertigung. Aclitnng! Kein l aden. Nur eigene Fabrikation, 25 Cigarren 1 Mark. Garantie rein amerikanische Tabake. Rippentabak 2 Pfd. 60 Pf. H. F.»inslage,[3008S* Mottbuserstrafte 4, Hot parterre. Arbeiter-Bildimgsschule. Sonntag, den 18. Dezember, abends 7 Uhr, In den Arniiuhallen, Kommandantenstrasse Xo. SO: Vortrag des Gen. Dr. Zadek Ober:„Schulhygiene!' — Nachdem; Ocmlithllches Beisammensein nnd Tanz.— Eintritt 10 Pf._ Garderohe 10 Pf. Mitglieder und Gäste sind höflichst eingeladen. 6/16 Um zahlreichen Besuch bittet Der Vorstand. Arbeiter-BildnngsTerein fnr, Frledrlchsberg u. Fnig. Mitglieder-Versammlung im Lokale des Herrn Doser, Lichtenberg, Dorfftr. L. Tages-Ordnung: l14/13s I. Vorttag des Genossen Dr. WoIIhelm über:„Naturerkenntnih und Weltforlschritl". 2. Diskusston. 3. Wahl des Schriftführers. 4. Ver- schiedencs. Pimttlichcs Erscheinen cnvünscht._ Ter Vorstand. Freie Volksbühne. Sonntag, den 18. Dezember 1S97, nachmittags 3 Uhr, 1. Abtheilnng MlC J Lessing-Theater. Ein Liebesdrama in 3 Aufzügen von Max Halbe. Heft IV der„Freien Volksbühne1' sowie Kartenumschläge und Programme vom Winterfest sind bei den Ordnern zu haben. Sonntag, den 19. Dezember: Vorstellung für die II. Abtheilung. 299/17_ Der Vorstand- I A.: G. W i n k 1 e r. Metallarbeiter! Montag, 13. Dezeniber, abends 8 Uhr, bei Obst, Tchöneberg, Gruuewaldftr. 110: Orffentliche Versammlung. Tagesordnung: 170/17 1. Der Riesenkampf der englischen Maschinenbauer um den Achtstundcn- tag. 2. Wie fördern wir am besten die Interessen der Organisation in Schöneberg und im Westen? Der Bertranensman» der Berliner Metallarbeiter. __ Otto Naether, N., Anllamerstr. 44. Verein deutscher Schuhmacher. !s SSn V ersanuiilnn�en Itontag, beit 13. Dezember, abends 81 a Uhr Zahlstelle I vel Feind, Wemstr. 11: Vortrag, v. Wen. Fr. Rohrlack über: Volks-Slberglauben. Zahlstelle II bei Lange, Dragonerftr. 15; Vortrag. Zahlstelle III bei Dttller, Johanmsstt. 20: Vortrag. Zahlstelle IV bei Boll, Adalbcrtstt. 21: Vortrag. 286/13 Zahlstelle V(Schäftebranche) bei Schiller, Rofenthalerstr. 57 Zahlstelle SchOneberg bei Obst, Gruneivaldstr. 110. Zahlstelle Friedrichsberg Um zahlreichen Besuch bitten Obst, Grunewaldstr. bei Fnebs, Frankfurter Allee 49. Die Bevollmächtigtes. Große ösfentliche Verfnmutluttg der Drechsler, Korbmacher u. Kanimmacher an, Montag, den IL. Dezember, abends 8 Ubr, im Eobal Engllseber«arten, Alexanderstrasse 87e. TageS-Ordnung! 1. Vorttag des Genosse» Tb. Metzner scher:„Arbeitnehmer- und Arbeitgeber-Verbände". 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Die Kollegen der Kaminiuachcr-Wertsiellen von Kretschinann, Blumen- strab« 74, und llsteisel, Vernouerstr. 79, sind hierzu ganz besonders einge- laden. s272/10s Der Elnbemfer. BiAnOerck„Mehr Licht!" Tonntag, 18. Dezember, abends 7 llhr, Alexanderstrafte 87 c (grober oberer Saal): Tersaiiiinliiiig. T.-LI: Vortrag über!„Berufsttankheite» und Gewerbehhgienc." Ref. Herr Dr. Weyl. Diskussion.— Darauf: tScselligcö Beisammensein nnd Tanz.— Gäste stets willkommen.— Enttee 10 Ps. Garderobe 10 Pf. Nächsten Tonntag: Besuch des Hygienemuseums. 57/19 Ä Achtung! �|jg||f Achtung! zu allen Privat- und Vereinsfcstlichlciten vom Ulavler bis zum Orchester. Prompt? Ausführung. 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Andererseits sriib abet einzelne, nicht hinreichend begründete und be- züglich ihrer Ansuchten nicht genügend überlegie Arbeitsniederlegungen ersolglos gewesen. Die Kommission rälh den Kollegen, falls nicht zwingende Ursachen vorliegen, Bausperrcn einstweilen nicht zu ver- hängen, vielmehr das Hauptaugenmerk ans Heranziehung derjenigen Kollegen zn richten, die bisher den gewerkschaftlichen Bestrebungen gleichgiltig gegenüberstanden. In der Disknsston wurde uuter anderm auch erwähnt, daß ans einem Bau in der Petersburgerstrnße die bestehenden Unfallverhülungs-Vorschriften insofern außer acht ge- lassen werden, als die daselbst arbeitenden Sleinträger gegen etwa herabfallendes Material nicht genügend geschützt sind. Eine Wcrkstätten-Bersaminlnng der Metallarbeiter der Firma Gebr. Dopp nahm durch das Eingreisen des einen der Herren Dopp einen recht ungewohnten Verlauf. Die Arbeit war schon um eine Stunde früher beendet worden, damit alle Arbeiter sich daran betheiligen könnten. Liachdem der Leiter der Besprechung den Ziveck derselben dargelegt, meldete sich der Vertreter der Firma zum Wort, aber nicht, wie allgemein erwartet wurde, um den Arbeitern mitzutheile», daß etwaige Beschwerde» geprüst und die Miß- stände, wenn angängig, abgestellt werden würden, sondern er machte vielmehr bekannt, daß jeder entlassen würde, der eine„ungerechte" Beschwerde vorbringt. Er verlangte auch, daß eine genaue Rednerliste geführt werde, damit er jeden, der etwa die Firma beleidigt, der Staatsanwaltschaft übergeben könne. Der Herr sah indeß sehr bald ein. daß seine Unlernehmer-Äntorität nicht so weit reiche, die Versammlung nach seinem Wunsche dirigiren zu können, und so verließ er da? Lokal. Ein Kriminalpolizist, der später erschien.— ob von Herrn Dopp geschickt, bleibe dahin- gestellt—, fand die Verhandlungen bereits abgeschloffen. Im Verbände der Graveure, Ziseleure Zahlstelle Berlin, sprach Herr Dr. B e r n st« i n am Dienstag, den 7. Dezember, über:„Geisteskrankheiten." Unter Vereinsangelegenheite» wurden den englischen Maschinenbauern SO M. überwiesen. Im weiteren wurde bekannt gemacht, daß die Ortsverwaltung sich veranlaßt ge- sehen habe, 21 Mitglieder wegen rückständiger Beiträge aus dem Verbände auszuschließen und werden die Kollegen aufgefordert, die Beiträge pünktlich zu entrichten, da dieselben bei einer Restirung von acht Wochen laut Statut ihrer sämmtlichen Rechte verlustig gehen. Die Freie Vereinigung der Zivil-BerufSmnstkcr hielt am Dienstag, den 7. Dezember, eine außerordentliche Generalversammlung ab. Vor Eintritt in die Tagesordnung ehrte die Versammlung das Andenken des verstorbeneu Kollegen Robert Merker durch Erheben von den Plätzen. Nachdem wurde als 1. Vorsitzender Kollege Alb. Hoch wiedergewählt. Verband der Mvbelpolirer. Die Zahlstelle R i x d o r f be« schäftigte sich in ihrer letzten Versammlung mit de» Werkstätten der Großunternehmer; Händel hielt das einleitende Referat. Be- sonder« Klag« wurde geführt gegen den Werkführer der Firma Laborenz, mit Nanien S ch e l l h o r n. Dieser Herr soll gegen Organisirte besonders streng vorgehen und sie womöglich zur Eni» lassung bringen. «»»In d«u«M,er Och»I, macher. Montag, den I». Dezember, abends er Uhr: Zahlstelle l bei F-indt, Wetnslr. ll. Zahlstelle II bei Lange. Dragonersir. IS. Zahlstelle III bei Müller, JohanniSstr 20. Zahlstelle IV bei Noll, Adalberlstr. 21. Zahlstelle V & rÖ o m S-i <03 •S O Herren-Stiefel DS" früher 7,50 8,30 9,20 11,00 MQT jetzt 4,50 5,50 6,50 8,35 Mk. dieselben sind mit Schaft und C "t M o taf ei {=• CD es o* «v G. cc ca r-V o es ea. cs st» es in St Sonntags geöffnet von 8—'IJO vormittags und von'!g1—'!z9 Uhr abends. I Bufmerkfam lese»! avquvs kaKseli BepliN. Fabrik-, Versand- nnd I. Kaufhaus An der Spandauer Brücke No. 2 II. Kanfhans III. Kaufhaus IV Kaufhaus Potsdamerstr. 106a, Ecke Steglitzerstrasse. Grüner Weg; 31, Ecke Andreasplatz. Jerusalemcrstr. 50/51, Ecke Zliumcrstrasse. 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Die Nnukttttg i»vv nngoeisifzett Dnudnebeitre.� Tie intensive Erregung, die sich in den eisten Wochen des Sonnners des laufenden Jahres i» den Kreisen der landwirthfchaft- lichen ZIrbciter in, ungarischen Ticslande offenbarte, zu schier zahl- lose» partiellen Streiks von kürzerer oder längerer Dauer Stiilah gab und den Landbesitzern den Vorgeschmack eines allgeuieiuen Erntcarbcitcr-Strciks bot, hat das so sorgfältig gehütete und von gedankenlosen politischen Vielredncrn so oft aus- gelochte Märchen von der Jnteressenharnionie und dein patriarchalisch- wohlige» Verhältnisse zivische» den ungarische» Lntifnndienbesitzern und landwirthschastlichen Arbeitern in Nichts verfliegen lassen. Der letzte Sominer hat diese Mythe vollständig zerstört und den Interessengegensatz zwischen Landbesitzer» und Land- Proletariern gründlich offenbart. Der Verlaus der Laudarbeilerbeivegnng iin Tieslande durfte»och in allgemeiner Erinnerung sei». Ein Theil der Streikenden war in der günstigen Lage, sich bessere Arbeitsbedingungen zu erzwinge»; ein anderer Theil der Streikende» war, weil niittlerweile die vom Landwirthschastsininisler anfgcdnngenen slovakischen und rnthenischen Streikbrecher zur Feldarbeit eingestellt wurden, von der Arbeit überhaupt ansgeschloffcn; die übergroße Masse der Feldarbeiter jedoch hat unter dem Drucke der in den ungarischen Staats- gcstntcn angesammelten Streikbrecher, wenngleich widerwillig, sich ins Unvermeidliche gefügt und die Ernte-Arbeiten zu de» ihnen diktirten Bedingungen vollführt. Die übermüthig gewordenen Landbesitzer konnten die Arbeiter ungestraft verhöhne», die Arbeiter mußten das Getreide für den »blichen Bettellohn einheimsen. Der Staat, der ohne Zandern die Partei der Ausbeuter ergriff, hat sich mit allen seinen, ihm zu Gs- böte stehenden Machtnnlleln als stärker erwiese», als die theils schwach, theils mangclhasl oder noch gar nicht organisirten Land- arbciler. Die Ausbeuterklasse hat trinmphirt! Anläßlich der Beantwortung von zwei Interpellationen iin ungarische» Parlamente hat der Landwirthschafts-Minister bereits im Hochsommer angekündigt. daß der Staat sich nicht blos ans die in ausgreifendem Maaßc rn Anwendung gelangte» Retorsionsinaßnahnieil beschränken unrd, fondern auch in die besprochenen Verhällnisse regelnd und ordnend eingreisen wird. An die Zusage des Ministers wurden in sozialpolitischen Kreisen keine zu weitgehende» Erwartungen geknüpft; die Bestimmungen des nun dem Abgeordnetcnhause vorgelegten Ent- Wurfes haben jedoch selbst diese geringen Hoffnungen enttäuscht und miss neue bewiesen, daß die ganze Slaalsweisheit der i« Ungarn herrschenden liberalen Negicrung und ihres ganzen Anhanges sich blos ans Maßnahmen polizeilicher Natur beschränkt und selbst in so eminent sozialpolitischen Fragen, wie es das Verhältnis! zwischen Landbesitzern und Feldarbeilern ist. über das Auffassungsvermögen eines Polizcilienlenants nicht hinwegkommt. Tie von den ungarischen Feldarbeilern ansgeivorfenc» und besonders im Tieslande hochwichtige» Forderungen des Lohnminimuins, der Verkürzung der Arbeitszeit, des Rechts ans Arbeit, des Koalilionsrcchls der Arbeiter, sind an den Verfassern des Entwurfes ganz spurlos vorübergegangen. Die Tendenz deS in 60 Paragraphen zerfallenden Gesetzentwurfes beschränkt sich hauptsächlich darauf, die Bestimmungen der im Jahre 1675 geschaffenen und an die Zeilen ') Wegen Ranmmangels veffpätet. nach den ungarischen Bauernkriegen gemahnende» Gesinde-Ordnung formalistisch noch mehr zu detailliren und noch mit derartigen Rechten zur Zurückweisung der Arbeilerforderungen zu ergänzen, wie sie bisher nach landhänsigen primitive» Rechtsbcgriffe» über- Haupt nicht statthast waren. Die ökonomische Lage der ungarischen Feldarbeiter wird und kann nicht verbessert werden, durch die gesetzliche Verfügung, daß die Landarbeiter von seilen der Wohngemeinde unt Zlrbeilszertisikaten ansznslalten sind. Zur Besserung der Verhältnisse könnte wohl die projektirte Bestimmung beitragen, daß die Arbeitsverträge vor der Gcmeinde-Vorstehnng abzuschließen, diese den Arbeitern zu erklären sind»nd endlich in diese der Pauschallohn in einer fixen Geld- summe oder in einer fixen Quantität von Produkten anszubedingen, falls jedoch— ivie dies allgemein übl>ch ist— der Arbeitslohn in einem gewissen Theil des Grnnderträgnisses besteht, so muß dieser auch in einer Geldsumme scstgesteltt oder doch das Minimum der Produkten- menge bestimmt sein, ivobei dem Arbeiter die Wahl zwischen den beiden freisteht. Diese Bestimmungen könnten die Feldarbeiler zur Geldcntlohnung hinüberführen und könnten denselben auch für jene Fälle entschädige», wo Hagelschläge oder andere Elementar-Ereignisse die Ernte vernichteten oder bedeutend verminderten. In diesen Fällen wurde der Landbesitzer von de» Versicherungsgesellschaften bisher zivar vollkommen schadlos gehalten, die landivirihschastlichen Arbeiter hatten aber bei der bisherigen Entlohnung einen be- deutenden Entgang am Verdienst, ohne daß ein Regreb-Ansprnch irgendwo geltend zu machen gewesen wäre. In dieser Richtung wäre demnach eine Besserung möglich. Loch dürste nach aller Vor- nnssicht der überaus traurige Znstand der ungarischen Gemeinde- Verwaltung die gehegten Erwartungen enttäuschen. Der Entwurf verbietet ferner das Trucksystem, er will ferner den Arbeitslohn von wucherischen Leihgeschästen freihalten. Doch werden diese Verfügungen, welche übrigens einen tiefen Einblick in das Ausbeutungs-Systcm der ungarische» Latifnndienbcsitzer ge- währen, wohl nur auf dem Papiere stehen bleiben. Das ungarische Gcwerbegesetz hat vor 13 Jahre» das Trucksystem auch abgeschafft, trotzdem blüht diese Ausbcntungsmethode in den ungarischen Fabriken nach wie vor. Warum sollten die Lalisundicu- besitzcr, oder die administrative Kontrolle besser sein als die Fabrikanten oder die gewerbebehördliche Rechtsprechung? Mit diese» Besliinmungcn sind die Lichtseiten des Entwurfes crschöpst. Ter Rest der 60 Paragraphen bietet jedoch eine Unmasse von Schattenseitc». Die von den Landbesitzern so beliebte, von den landwirlhschaft- lichen Arbeitern so gehaßte„Robol"-A>beit, d. i die Gralisarbeit aus dem Felde und iin Wirthschastshose— eine Ursache liesgehender Unzufriedenheit der Slrbeiterschäst,' bleibt vom Gesetze unberührt und bleibt ein gesetzlich unzugängliches Heiligthum im Juteresse der Herrn Landbesitzer. Im Sinne des Eulwurfes ist her Landbesitzer berechtigt, den Arbeitsvertrag zu lösen jenen, Arbeiter gegenüber, der den Arbeit- geber, eines seiner Familieumitgliedcr, oder seinen Wmhschafis- beamlen lhällich beleidigt, in seiner Ehre verletzt hat; in analogen Fällen steht den Arbeitern kein Recht zu, de» Vertrag zu lösen. Man ersieht serner, daß der Entivurf den aus Landbesitzerkreisen in den vergangene» Monaten so emsig lancirlen Vorschlägen betreffs Reaklivirnng der Prügelstrafe sehr sympachlsch gegenüber steht. Der Entwurf kennt keine Arbeitseinstellung»ach erfolgtem Vertragsabschlüsse,»nd niobilisirt die Polizcigeivalt zum Austrieb der Arbciler! Im Lause der Erutearbeiten giebt es überhaupt keine Verhandlungen und alle Beschwerden sind verboten; der Arbeiter hat zu arbeiten und nichts anderes als zu arbeiten! Verläßt ein Arbeiter das Feld, wird er von Gendarmen zurückgebracht und der bewährte Gewehrkolben wird ihm schon seine aparten Rechtsbegriffe auslreiben. Die Arbeit des landwirthschastlichen Tagelöhners wird von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang im Entwürfe fixirt; dafür wird ihm eine Mittagsstunde und vom 15. April bis 30. September eine halbe Stllnde vor- und nachmittags eingeräumt. Ein schier endloses Kapitel ist den überaus zahlreichen Straf- bestimmungcn gewidmet, natürlich sind diese nahezu fast alle aus die Feldarbeiter gemünzt. Ans der Menge wollen wir blos einige hervorheben. Im Sinne dieses Kapitels begeht eine lieber- lrclung und ist mit Haft bis 60 Tagen zu bestrafen jener Arbeiter, der ans dem Arbeitsplatze freiwillig nicht erscheint oder nachdem er dort freiwillig erschienen oder hinauseskorlirt morde» war, die Arbeit nicht beginnt, nicht ununterbrochen sorlsetzt, oder absichtlich schlecht ausführt. Weder jene Verabredungen besitzen Geltung, mit welchen die Arbeiter bezwecken, durch gemeinsame Arbeitseinstellung die Arbeitgeber zur Gewährung eines höhere» Arbeitslohnes zu zwinge» und ihnen überhaupt Vortheile zu entringe», noch jene Vereinbarungen, durch welche die Nnlerstützung jeuer, die bei den erwähnte» Verabredungen beharre», die Schädigung aber jener bezweckt wird< welche die Verabredung brechen. Eine llcberlretung begeht und mit Hast bis zu 60 Tagen und mit einer Geldstrafe bis 340 M. ist zu bcstraseu wer: a) behufs Zustandebringeus. Verbreitung oder Vollzug solcher Verabredungen. Vereinbarungen die Arbeiter, Tagelöhner in der Geltendmachung ihres freie» Willens durch Drohung oder Beleidigung hindert, oder zu hindern trachtet; K) behufs Zustaudebringens, Verbreitung oder Vollzugs solcher Verabredungen unter den anfgenommenen Arbeitern falsche Nachrichten verbreitet, Geld sammelt, mit den a» f g c» o in m e» e n Arbeitern eine Z u- f am m e mk ii n f t hält, zu Zwecken einer solchen Zusämmenkunst fein Lokal überläßt, und an einer derartigen Z» s a m m e u- k u n f t t h e i l» i m m t. Dieselbe Slraie trifft auch denjenigen, der — unter andern— de» verlragsbrüchigeu Arbeiter, Tagelöhner, Dienstboten, öffentlich belobt, oder zu dessen gunsten Spenden sammelt. Wie ersichtlich, war Draco im Vergleiche zu diesem Gesetz- entwürfe ein Sentimentalitäteu zuneigender: wahrer Gesiihlsmeusch. Es dürfte wohl keinem Zweifel unterliegen, daß die Absichten des Entwurfes hauptsächlich daraus ausgehen, für die Erntezeit im uu- garischcn'Tieflande einen Ausnahmezustand zu schaffen, der die weitestgehenden Handhaben bieten soll, zur Unterdrückung aller Be- strebungen, welche darauf abzielen, die Arbeitsbedingungen der Arbeiter zu verbessern und deren Lage erträglicher zu gestalien. Ob da wohl ein Resultat erreicht werden wird? Der Entwurf ist mit aller Kraft bestrebt, den Fetdarbeitcr während der Feldarbeit a»f einen schier unzugänglichen Jsolirschcmel zu slellcn und ihn von allen Beeinflussungen, die von auswärts konimen könnten, sernzu- halten. Nach aller Voraussicht wird das Gesetz die tiefgehende Unzusriedenheit der Landarbeiter nicht beheben, aber auch deren Ausbrüche nicht hintanhallen können. An behördlichen Uebergriffen aller Art ist das Landprolelariat des Tieflandes bereits seit 7-8 Jahn» genügend gewöhnt. Auch dies«, sehr weitgehenden Verfügungen werden den Feldarbeitern die Auffassung, als ob ihr Beginn«» nurichtig wäre, nicht einpauken können. Das neue Gesetz wird die Landarbeiter nur noch mehr ans sich selbst anweisen, sie energischer machen in ihren Bestrebungen zur Befreiung ihrer Lage.. Sie werden sich inniger zusammenschließen, und dann wird das Gesetz das einzig gute Resultat zeitigen, nämlich die Organisation der Feld- arbeiler in'Ungarn gefördert und gefestigt zu haben. roigends reizende Weihnachte�Seschenige Für 1 Mark. Für 2 Mark. Für 5 Mark. Hauskleid, 6 M<"" dÄÄ in elegantem Karton. 1 Tllßcgedeck mit 6 Servietten. 1 Tuch-Unterrock. 1 plüschartige Tischdecke, 145/145 cm gross. 1 Gohellll, französisches Gewebe. t Stl'.KSCPllklpid 6 Mtr- Chev,iot' rein» 1 Oll claatlllUtJlU, Wolle, in elegantem Karton, mit Seidenbesatz. 1 grossesJmit. 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Zum bevorstehenden 2058b Meihnachlsfeste «Nipfehie meinem geehrten Kundenkreis Tpiel- u. BöttihmMim'il, v«. ©. lMlchelchen, 1. Geschäft: Kottbuser Dam», 92. 2.. Dresdenerstr. 15. � Höchst beachte, lswerth! 3188C. Wer bei der bevorstehenden Winter- Saison sein Geld für Herren- und Knabcn-Gnrderoben nicht fortwerfen will, decke feinen Bedarf nicht In sogenannten Reklame- oder AnSverkanf-Geschästen. Die marktschreierischen Ankündiglingen dieser Art Geschäfte erwecken den Anschein, alS würde die Waare fast verschenkt: tndeß sind sie nur auf Täuschung des Publikiims berechnet. Jeder denkende Mensch wird zugeben müssen daß lern Geschäft ohne Nutzen arbeiten resp. bestehen kann; daS ist aber gerade der Zweck marktschreierischer Reklame: unter allen Um stand en Käufer anzulocken. Das„Gesetz wider den uiilauteren �Wettbewerb" hat in dieser Hinsicht wenig geändert, denn in allen Stadtgegende», besonders aber im Süd-Osten, liest man nach wie vor derartige- Anlimdigungen, die schon jahrelang vor sich gehen und so lang« andauern als— Pardon— die Dummen nicht alle werden. Leute, die ans derartige schwtndelhafte Anpreisungen hineinfallen, inachen nach sehr kurzer Zeit die trübe Erfahrung, daß sie die auö verlegener nnd Ramschwäare bestehenden Gegenstände mit dein so„fabelhast billig" erscheinenden Kaufpreis weit über ihren wirklichen Werth bezahlt habe». Wer sich daher vor Schaden bewahren will»nd auf wirklich reelle Bedienung Anspnich macht, meide solche Gesdiäfte und besorge seine Einkäufe nur bei soliden Firmen, denn die Preise sind angostchts des heutigen, oft fast schmutzig zu»ennenden Konkurrenz- kampfes in: eigenen Interesse aufs billigste gestellt. Gestützt auf den langjährigen guten Ruf nietneS Haufes,— eine Folge der geivissenhasten Bedienung meiner wetwerbreiteten Kundschaft— darf auch ich getrost mein Geschäft z» de» bestrenommirtesten der Herren- nnd Knabeii-Gorderoben-Branche am hiesigen Platze zählen. Die Besichtigung meines reichsortirten Lagers in fertigen Anzügen, Paletots. Mänteln:c. ist auch Nichtkänsern gern gestattet und besonders jetzt nach Eingang der Sien Helten für die Winters als on sehr zu empfehlen. Einige der recht geschmackvollen Muster find t« meine» 5 großen Schaufenstern ausgestellt. Die Preise sind streng fest, an jedem Gegenstand deutlich in Zahlen vermerkt und in anbetracht der vorzüglichen Qualität der Stoffe und besseren Ausführung billiger als wie sie die sogenannten Reklamegeschäste zu bieten im stände find. 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