Nr. SSS JlboniuuuRtf Kedtlizmtgt«! Btonnement»«SPtriJ pränumerando: vterteliährl. 833 Mk.. monotL 1,10 m, nSchenINch 28 Psg. frei in» Hau», «inzelne Nummer« Pfg. Tonntag»- Nummer mit tllustrtrter Sonntag»- «eilage ,»ie Neu- Welt« 10 Pfg. Post- Abonnement: 330 Mari pro Quartal, Singetragen in der Post- Zeitung». Preisliste sür ISS? unier Dr. 74»?. Unier«reu, band für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, siir da» übrige Ausland S Marl pro Mona». «rfchein» läglich cuR»«»nkag«. Derliner VolKsölakk. Dentralorgan der sozialdemokratischen Vartei Deutschlands. 14. Jahrg. Die Instrttons- Gebühr beträgt sür die sechSgespaltene Kolonel» »eile oder deren Raum»0 Psg.. für verein»- und«ersammlungS-Anzetgen, sowie ArbetlSmarlt 20 Psg. Inserate sür dt« nächste Nummer müssen bi» » Uhr nachmittag» in der Erpedition abgegeben werden. Di« Expedition ist an Wochentagen bi» 1 Uhr abend», an Sonn- und Festtagen bi» o Uhr vormittag» geössnet. >,rnsprrchrr: Amt l, Nr. 1503. Delesramm- Adresse: „So,i»ldrmokrat Serlw". Aeduklio»: 8V. l9. ZZeuly-Straße 2. Donnerstag, den 16. Dezember lSv'T'. Expedition: 8V. 19. Nenty-Strnße S. Die OeffentliNzkeik des MiliMe-- Skeafseefshrens. Wir haben bei unseren Besprechungen des neuen Entwurfs einer Aiilitär-Strafgerichts-Ordilung seine allgemeine Tendenz in großen Umrissen bereits wiederholt gewürdigt. Die Bor- läge ist durchweht vom Geist der Strafrechtspflege zur Zeit des sinkenden Jnquisitions-Prozesses, dessen Kennzeichen in der prozessualen Rücksichtslosigkeit gegen den Verdachtigen liegt, gleichsam als sei er schon vor dem Urlheile zum Schuldigen gestempelt. Wir wollen uns jetzt noch einige Einzelheiten dcS Entwurfs etwas näher ansehen und zwar in erster Linie eine seiner wichtigsten Theile, nämlich die O e f f e n t l i ch k e i t des Verfahrens. Ueberall werden wir dabei finden, daß daS Charakteristikum des Eut- wurfs die Härte gegen den Angeklagten ist. Ueber die Oeffentlichkeit der Hauptverhandlung bestimnit der§ 270 des Entwurfs: „Die Oeffentlichkeit kann für die ganze Verhandlung oder für einen Theil derselben durch Beschluß des Gerichts ausgeschlossen werden, wenn sie eine Gefährdung der öffentlichen Ordnung, ins- besondere der Staatssicherheit, oder eine Gefährdung Militärdienst- licher Interessen oder eine Gefährdung der Sittlichkeit besorgen läßt. Unter welchen Voraussetzungen und in welchen Formen der Ausschluß der Oeffentlichkeit aus Gründen der Disziplin zu er- folgen hat, bestimmt der Kaiser." Die wesentliche Abweichung von dem bürgerlichen Straf- prozeß liegt hier zunächst darin, daß die Oeffentlichkeit auch ausgeschlossen werden kann, wenn sie eine Gefährdung militärdien st licher Interessen besorgen läßt. Die sonst so redseligen Motive sind an dieser SteNe merkwürdig schweigsam; sie begnügen sich mit der knappen Bemerkiing. daß diese Vorkehrung mit Rücksicht auf die militärischen Verhält- nisse geboten se,. Und doch wäre gerade hier Ausführlichkeit besonders am Platze gewesen, denn die wenigen Worte des Entwurfs sind so allgemein gehalten und von so außerordent- licher kautschukartiger Dehnbarkeit, daß damit der angeblich für Preußen neueingeführte Grundsatz der Oeffentlichkeit des militaraerichtlichen Verfahrens je nach Ermessen deS Gerichts für null und nichtig erklärt werden kann. Die Motive berufen sich sodann auf die b a y e r i s ch e Militär-Strafprozeß-Ordnung, allein sehr mit Unrecht. Während nach dem Entwurf schlecht- weg zum Ausschluß der Oeffentlichkeit jedwede militär- dienstlichen Interessen ohne irgendwelche Einschränkung genügen, ist es nach dem bayerischen Gesetz erforderlich, daß „besondere" militärdienstliche Interessen diese Maß- regel nothwendig erscheinen lassen. Sodann aber dürfen in Bayern trotz des Ausschlusses der Oeffentlichkeit der Beschädigte, ferner Militärrichter, der Kommandant und drei dem Angeklagten Nahestehende niemals ausgeschlossen werden. Diese wesentliche Kautel für die Oeffentlichkeit des Verfahrens fehlt im Entwurf und auch die Motive scheinen sie leider nicht zu kennen, da sie, ohne die Vorschrift mit einem Worte zu erwähnen, auf Bayern exemplifiziren, gleichsam als befände sich der Entwurf mit der bayerischen Militär-Strafprozeß-Ordnung in schönster Harmonie. Auch hätte der Entwurf wohl daran gethan, seine Aufmerksamkeit den außerdeutschen Ländern zuzuwenden, wie dies ja regelmäßig geschieht, wenn eine Vergrößerung der Armee angestrebt wird. Eine solche wird stets mit Nücksi6)t auf die fremden Nationen motivirt. Wir hätten auch hier gewünscht, daß eine Nachahmung der anderswo geltenden Vorschriften nicht vermieden worden wäre. So sind z. B. in F r a n k r e i ch die Sitzungen derKriegsgerichte durchweaöffentlich. Die Oeffentlichkeit ist nur ausgeschlossen, wenn dieWerhandlung die Sicherheit des Staates gefährden oder der" öffentlichen Ordnung beziehungsweise der Moral Abbruch thun kann. Die Rücksichtnahme auf die militärdienftlichen Interessen fehlt also völlig. Ebenso ist in Belgien die Oeffentlichkeit der Verhandlungen vor den Militärgerichten in demselben Umfange durchgeführt, wie vor allen anderen Gerichten, welche die Vergehungen gegen das bürgerliche Strafrecht aburtheilen. Auch unter den Mächten des Dreibundes findet sich eine, welche das Militär- Strafverfahren den modernen Rechtsgrundsätzen entsprechend organisirt hat und es vermeidet, das Volk in zwei Stände zu sondern, von denen der eine als geschlossene Kaste anderen Vorschriften unterworfen ist als der andere. Es ist dies Italien. Hier ist das Verfahren von dem tribirnals militare territoriale sogar in seinen vorbereitenden Amts. Handlungen öffentlich, um so mehr natürlich in den Ver- Handlungen vor dem versammelten Gerichtshose selbst. Jede Verletzung des Grundsatzes der Oeffentlichkeit macht das Verfahren null und nichtig. Ein Ausschluß der Oeffentlichkeit ist nnr gestattet, wenn die gute Sitte und Ordnung gefährdet erscheint. Ter Entwurf der Militär-Strafprozeß-Ordnung für das Deutsche Reich geht einen anderen, mit den zu gunsten des Angeklagten bei allen Kulturvölkern aufgestellten Garantien in schroffem Widerspruche stehenden Weg. Er läßt die Oeffentlichkeit z», wenn es den Militärbehörden angemessen erscheint, nicht hinter verschlossenen Thüren zu verhandeln, und beseitigt mit einem Federstriche wieder, wenn man nicht wünscht, daß die breiten Schichten des Volkes etwas von dem Inhalt der Verhandlung erfahren. Denn der Entwurf— darüber wird sich niemand täuschen— vermeidet so sehr jede erschöpfende Begriffsbestimmung für die Grenzen der Oeffcntlich- keit, daß in Wahrheit die Militärbehörden hierüber allein zu entscheiden hahcn. Das Gesetz selbst giebt keine Gewähr- leistung für diese höchste Bürgschaft einer zuverlässigen Recht- sprechnng. Um nun von dem kommenden Rechtszustand sich ein völlig zutreffendes Bild zu machen, muß man sich endlich vergegenwärtigen, daß der Gerichtshof in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle aus Männern bestehen wird, welche Gegner der Oeffentlichkeit sind. Man lese nur nach, was hierüber das Beiheft des„Militär-Wochenblatts" bei Pnbli- kation der sogenannten Reform des Militär-Strafverfahrens lagt. Da heißt es z. B.:„In der Armee ist man heute noch der Oeffentlichkeit der Hauptvcrhandlung d u r ch iv e g ab- geneigt," oder:„Die Gefahren einer nicht genügend be- schränkten Oeffentlichkeit für die Armee liege auf der Hand. Dem Eindringen fremder, zersetzender Einflüsse müsse vor- gebengt werden. Die bald hier bald da erfolgenden Ver- suche zur Untergrabung der Disziplin lassen sich nicht wegleugnen! Würde eine solche Oeffentlichkeit des Militär- Strafverfahrens diesen Gefahren nicht geradezu Vorschub leisten? Diese Blüthenlese wird genügen, um zu beweisen, daß das Verfahren nur d e m N amen nach ein öffentliches ist. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß einem so ge- stalteten öffentlichen Versahren gegenüber das geheim e vor- zuziehen ist. Hier weiß wenigstens jedermann, was Rechtens ist. Nichts aber ist gefährlicher, als wenn scheinbar auf dem Boden des gemeinen Rechtes in Wahrheit eine Aus- nah m e gesetzgebung bestehen bleibt. Dies aber wird das Ergebniß der praktischen Handhabung des Entwurfs sein. Hält man also den in dem Beiheft zum„Militär-Wochenblatt" vertretenen Standpunkt fest, daß„selbstverständlich jede Ab- schwächung der vorgeschlagenen Bestimmung ausgeschlossen ist", so ist der Entwurf als eine Verschlechterung des geltenden, weil wenigstens ganz klar auftretenden Rechlsznstandes un- annehmbar. Vollends aber wird die letzte Spur einer gesetzlich ein für alle Mal festgelegten Mündlichkeit beseitigt durch den zweiten Absatz des§ 270:„Unter welchen Voraus- setzungen und in welchen Fornien der Ausschluß der Oeffent- lichkeit aus Gründen der Disziplin zu erfolgen hat, bestimmt der Kaiser." Da der Kaiser in diesem Falle durch die Militär- Verwaltung oder das Kommando handelt, haben mithin diese über die Grenzen der Oeffentlichkeit nach freiem Ermessen zu bestinimen, ohne daß eine gesetzliche Schranke sie bindet. Eine analoge Bestimmung fehlt in Bayern. Man sieht auch hier wieder, daß in der Frage der Oeffentlichkeit des Verfahrens nicht Bayern dem Deutschen Reich den Weg gewiesen hat, vielmehr wird umgekehrt die Folge sein, daß Bayern den fest eingewurzelten preußischen Traditionen sich fügen muß. politische Mebeeflcht. Berlin, IS. Dezember. Ans dem Reichstage. Ein Tag der Abrechnung war es heute. Sechs Redner vom Bnndesrathstische hatten sich, ivie unsere Leser wisse», mit der Sonnabcndrede unseres Genossen Bebel beschäftigt, und fast alle Redner ans dem Hause sind auf das gleiche Thema zurückgekommen. Beweis dafür, ivelche Bedeutung Regierung und Parteien den Ausführungen unseres Genossen beiniaßen. Heute nun nahm Bebel Gelegenheit, auf all' die Augriffe und Gegenreden zu antworten, denen er in den letzten Tagen aus- gesetzt war. Bebel setzte sich zunächst mit den, Grafen Kanitz auseinander, ivelcher in der bekannten, von den Rednern der Rechten häufig beliebten hochnäsigen Weise sich über unsere Partei in einer ebenso langen als langweiligen Rede aus- gelassen halte. Bebel machte den Besitzer der geflickten Stroh- dächer darauf aufmerksam, daß das deutsche Erwerbsleben die l8/« Millionen sozialdemokratischer Wähler nicht entbehren könne, während die Auswanderung sämnitlicher Junker nirgends als Verlust, vielfach aber als Erlösung empfunden würde. Auch Herr v. K a r d o r f f erhielt für seine geschmacklose An- zapfung unserer Parteiführer auf grund der Fischer'schen Sudel- schrift eine Antwort, welche er sich schwerlich hinter den Spiegel stecken wird. Dann ging Bebel zur Kritik der Ausführungen des Herrn Paasch? über, welche sich geradezu zu einer wissenschaftlichen Vernichtung dieses Herrn Professors ge- staltete. Besonders schwer hatte der nationalliberale Schnell- redner unserem Genossen allerdings die Kritik nicht gemacht, denn Redensarten wie die: daß in Zeiten der Krisen die Kapitalisten auf die Renten verzichten, während die Arbeiter die alten Löhne fortb�ziehen, oder daß während der Krise» die Waarenproduktion steige und deshalb die Arbeiter von denselben nicht berührt werden, sind doch so haltlos, daß eben nur der Umstand, daß sie im Reichstag ausgesprochen wurden, eine Widerlegung rechtfertigt. Mit recht meinte deshalb Bebel, daß, wenn Herr Paasch? vor Arbeitern geredet hätte, diese ihn einfach ausgelacht haben würden. Ungemein treffend waren auch die Ausführungen über des Kanzlers Ver- einsversprechungen und der Nachweis, daß sogar der sächsische Minister v. M e tz s ch die Kanzlerzusagc als positiv und ohne die jetzt hinein intcrpretirte Reserve genommen habe. Ter Kanzler selbst habe übrigens am letzten Sonnabend eine ganz andere Definition zum besten gegeben wie am Montag. Der Redner ging dann auf den Wandel in der Sozial- reform ein, wobei er mit den Ministern Posadowsky und Brefeld scharf ins Gericht ging. Besonders die Ver- Weigerung der Wiederanstellung der Arbeiter in dem Saar- revier gab dem Redner Anlaß, zwischen der Begnadigung der Duellanten und den Bergarbeitern Vergleiche anzustellen. So ging es von Punkt zu Punkt weiter, immer schärfer und schnsidender wurde die Kritik. Vielleicht hat man auch am Bundesrathstische der Einsicht sich nicht verschlossen, daß trotz der sechs Redner von dort unser Redner Herr der Situation blieb. Wie wir übrigens erfahren, be- steht die Absicht, die Verhandlungen mit den beiden Reden Bebels in Broschürenform im Verlage der Vorwärts- Buchhandtnna erscheinen zu lassen. Nach Bebel sprachen noch der alldentschc Dr. Hasse, der Pole C z a r l i n s k i, der Direktor des Bundes' der Land- wirthe Dr. Hahn und A h l>v a r d t. Der letztere kam erst um sechs Uhr zum Wort, doch entschädigte er durch die Art und Weise, wie er Kraut und Rüben durcheinandermengte und so Lachsalve auf Lachsalve provozirte, das Hans dafür, daß er es noch in so später Stunde mit einer Rede heimsuchte. Zu ungemein scharfen Auseinandersetzungen zwischen Bebel und Stumm in Gestalt persönlicher Be- merkungen kam es am Schlüsse der Sitzung ans Anlaß der Erwähnung des Hilfsredaktenrs Finke an der Fischer'schen Broschüre, welchen Ehrenmann Herr von Stumm, da er ihn von seinen Rockschößen nicht abschütteln konnte, weiß zu brenne» versuchte. Bei der Beschlußunfähigkeit des Hauses konnte anch heute die Verhandlung nicht geschlossen werden; dieselbe wird Morgen 12 Uhr fortgesetzt. Mächtig ist„der Herr im Himmel", aber mächtiger auf Erden König Stumm. Di?»rot? stau tischen Geistlichen Preußens haben ebenfalls dem aufgepflanzten Geßler-Hute des Herrn v. Stumm ihre Reverenz bewiesen. Wo wäre von ihnen auch irgend welche Selbstäudigkeitsregung zu erwarten! Die vierte ordentliche Generalsynode hat es am Montag ausdrücklich in einer Resolution für„geboten" erklärt, „daß sich die Geistlichen von einer mit der Würde und den Pflichten ihres Amtes nicht zu vereinbarenden agitatorischen Thätigkeit, wie sie der Erlaß vorn 16. Dezember 1895 im Auge hat, fernhalte n." Dieser Erlaß des Evangelischen Oberkirchcnralhes von 1895 hatte„jeden Versuch des Geistlichen, maßgebend und insbesondere außerhalb seines Amtsbereiches aus die dem kirchlichen Gebiete fremden öffentlichen Angelegenheiten einzuwirken,»och mehr, jede Parteinahme sür die Forderungen des einen oder anderen Standes, der einen oder anderen Ge- scllschaftsklasse" sür schädlich und verwerflich erklärt. Die Acußerung stand in gerade»» Widerspruch zu der Kuildgcbung von 1890, worin— der damals herrschenden Stöcker-Waldersee- Strömung folgend— gerade umgekehrt die Hoffnung ans« gesprochen»var, daß eine unmittelbare Bctheiligung der Geist- licheu an sozialpolitischen Versammlungen, verbunden mit Rede und Gegenrede, Vorurthcile zerstreuen und eine friedliche Fort« entivickclung begünstigen werde. Herr v. Pnttkamcr, dereinst der Freund und Schützer Stöcker's, stellte sich natürlich, ivie im Herrenhause so auch in der Synode, ganz und gar ans den Standpunkt Stnnnn's: „Es handle sich hier lediglich darum, daß ein Theil der jungen Geistlichen in eine monströse Agitation gestürzt, in ivelcher es sich um das Banner der Emanzipation des vierten Standes handelk und das oberste zu unters» gekehrt wird. Wenn es i» dein lieben P o in m er» soiveit komme» konnte, daß ein Geistlicher sagte: Das ostelbische Jnnkerthnn» hat abgewirthschaflet, es»uch verschwinden, und die Geistliche» und Arbeiter sind berufen, das öffentliche Leben zn regenerireu", so sei das absolut unzulässig. Unsere ländliche Bevölkerung sei königstreu und der Kirche an» hängend, und»venu ihr von den Geistlichen solche Lehren gegeben werden, so müsse sie schließlich irre»Verden,»nlnentlich a» der Würde ihrer Kirche." Als im Somnier 1896 der Stumm'sche Schleifstein schrieb, es sei hohe Zeit, unsere Kirchen wieder zu reinigen von dc>» „Schacherern und Buhlern um politische Macht, von den Massen- und Klasscnverhetzern im Priesterrocke", da proteftirte noch die„Kreuz-Zeitung", und die„Deutsche Tagcszeitliug" sprach von unglaublich albernen Taktlosigkeiten. In Bälde »vcrdeu»vir soiveit sein, daß das sozialpolitische Glanbens- bekcnntniß des Herrn von Stnmm von den preußischen evan- gelischen Kanzeln herab alle Sonntage verlesen und erläutert »verde»»vird.— Tie bayerische Regierung und die Militär-Straf- prozest- Ordnung. Die„Nationalliberale Korrespondenz" theilt mit: „Gegen den dem Reichstag vorgelegten Entivurf einer Mililär-Strafprozeß-Ordnung»vird,»vie»vir höre», die bayerisch« Regiernng vor dem Reichstag ihre» ab Iv eiche»de II Stand« Punkt geltend machen. Im Bundesrath hat außer Bayer» noch «in Bundesstaat gegen dt« Borlage gestimmt." Hier liegt also einer der seltenen Fälle vor, wo eine Bundesregierung mit den Beschlüssen des Bundesraths so nn- zufrieden ist, daß sie offen ihrer abweichenden Meinung Ausdruck geben will. Seitdem der»vürttembergische Minister v. Miü- nacht gegen die beabsichtigte Weinsteuer im Reichstag sprach, was seinerzeit großes Atifseheu machte, ist ein solcher Fall nicht vorgekommeu. Also nicht einmal die Regierungen sind einniiithig für die jetzt geplante„Reform" des Militär-Strasvcrfahrens. Wie sollen da die Vertreter des Volkes sich solchen Entivurf bieten lassen! « Deutsches Reich. --„Schwerhörig." Die Miliheilungen de? Grafen Zichy über Aeußerimgen des Kaisers bezüglich China, Ungarn ni o das SSerDot deS„Nathan der Weife" sind offiziös dementirt worden. L>i.i» konnte nun neugierig fein, was Graf Zichy zu dem Dementi sage» würde. Älus Budapest wird nun berichtet, der Widerspruch zwischen den Mitlheilungen des Grafen»nd dem DeiNiNti sei wohl so zu erklären, dab der Graf sehr schwerhörig sei. Sonderbar, höchst sonderbar!— — Pastor Bodelschwingh hatte dieser Tage mit seiner berühmten Bielefelder Anstalt vor Gericht zu erscheinen. Aller- dingS nicht als Angeklagter. Ihm war, wie die Leser aus unseren Prozeßberichlen wissen, nur dl« peinliche Pflicht aufgeladen worden» als Belastnngszeug« aegen einen Man» anf�iltreten, der ihn und seine AnstaltSbrüder in einer Bro- schüre schwer beleidigt hatte. Wir wollen den Angeklagte» Vasler nicht veriheidige». Aber dt« Stras, von zwei Jahren Gefängniß, die die Bielefelder Richter über de» seelisch schiffbrüchigen Mann verhängte», diinkt unS denn doch über die Maßen hoch angesichts des Nmstandes, daß der Unglückliche selber aus eigener Anschauung und die Richter durch die Wucht gravirender Zeugenaussagen ein Stück„praktischen E h r i st e n t h u m s" kennen lernten, gegen da? im Namen der Menschlichkeit energisch protestirl werden muß. Eine nette Sorte Samariterdienst kam anS Licht durch die Aussagen d,S christlichen HausvaterS Büchner, daß er„einen Kranke», der furcht- bar priemte und dies»ichl lassen wollte", mit einer dicken Latte geschlagen habe, aber nicht auf de» Kopf, sondern nur auf die Schulter. Ein merkwürdiges Bild ist es, wenn ein Zeuge bekundet. der HauSvater Engelmann habe einen Kranken fortwährend mit dem Kopf auf die Erde gestoßen, der HauSvater aber behauptet, daß es der Kranke selber>vnr, der die schmerzhafte Prozedur an sich verrichtete, eine Vrozedur, von der er, der HauSvater, ihn fort- mährend abgehalten habe. Bezeichnend ist es ferner, daß ein AnstaltSarzt die Thalsache, daß die Grenze deS Erlaubten im Prügelauslheilen überschritten wird, mit der BtldungRosiaket« der Wärter zn entschuldigen sucht, obgleich ein vollgerttltelles Maß der Prügelschuld gerade den Hausvätern, also den höheren Chargen im Bereiche der christlichen Barmherzigkeit zufällt. Matt weiß, wie eine bestimmte Art„praktischen Christenthums" im Hofrichter- und im Alexianer> Prozeß abgeschnitten hat. Kein Mensch wird behaupten können, daß daS praktische Christenlhum nnnmehr aus dem Bielefelder Prozeß mit einem besonderen Heiligen- schein hervorgegangen ist.— — Eine Enquete von Reichs wegen über die Be- schästignng schulpflichtiger Kinder soll, wie Herr v. Posadowsly mittheilte, eingeleitet werden. Infolge von danke»?- werthen Anregungen ans den Kreise» der Vollsschullehrer sollen Erhebungen veranstaltet werden, welche sich ans das Alter der beschäftigten Kinder, die Art der Beschäftigung. die Dauer und Lage der Arbeitszeit, die Beschaffen- heit der A r b« i t ts r ä u m e, sowie auf die rechtliche Natur des Arbeitsverhältnisses und die bei Be- schränknng der Kinderarbeit in bitracht zu ziehende Höhe der Löhne erstrecke». Dabei ist wobl zn beachten, daß der BundeSrath bis jetzt noch nicht einmal von der Befugniß Gebrauch gemacht, welche ihm§ lS4 Absatz 3 und 4 der Geiverbe-Ordnung einräumt: er hat die für Fabriken geltenden Ech>itzb«sttn»n»»g«n nicht auf die Werkstältc» ausgedehnt. Aber auch die jetzt beabsichtigte Enquete ist von vornherein un- »länglich. Es soll nur die gewerbliche Kinderarbeit, oweit sie außerhalb der Fabriken geübt wird, in dt« Erhebung ein- bezogen werden,— die landwirthschaftliche Thätigkeit und verGe s i nde di e» st bleiben gänzlich unberücksichtigt. Wie nothwendig auch hier das Eingreifen der Gesetzgebung wäre, ist ja längst bekannt; zur Zeit der Rübenkampagne erlönt jedesmal der Nolhschrei aus den betreffende» Distrikte». Aber eS muß eben auch hier auf die Agrarier Rnckstchl genommen werden; die Beeinträchli- gung des Schulbesuchs, die Hinderung der körperlichen Entwickelung, die sittlichen Gefahren, die beim Rübenverziehen bekanntermaßen große sind, falle» da nicht schwer genug i» die Wagschale. Die Fragen, welche jetzt der isteichskanzler stellt, lauten wie folgt: „I. Wie hoch ist die Gesammtzahl der außerhalb der Fabriken ewerblich lhätigen Kinder unter l4 Jahren für de» taat und die größeren Aerwaituiigsbezirke? Dabei sind alS gewerblich thätig alle Kinder zu zählen, die eine aus Erwerb ge- richtete Thäligkei! anstiben, sosern es sich nicht um eine Beschäftigung in der Landwirlhschaft, dem Gartei», Obst- und Weinbau oder im Gesindedienst handelt, auch wenn sie Bezahlung für ihre Dienste nicht erhalten und in keinem BerlragSverhältniß zn einem Gewerbetreibenden stehen, sonder» nur ihren Angehörtgen bei der Arbeit helfen. 2. I» welchen Gewerb»» w«igen und mit welcher Art gewerblicher Arbeit sind die Kinder lhätig? Dabei ist das Augenmerk insbesondere ans die einzelnen zur Herstellung des Gesammlprodnkts dienenden Hilfsleistungen zu richten, bei denen die Kinder vorzugsweise Verwendung finden. 3. Wie hoch ist annähernd die Z a h l: a) der in den einzelnen GewerbS- zweige», b) der innerhalb der einzelnen Gewerbszweige mit den nach Ziffer 2 ermittelten Arle» gewerblicher Arbeit beschäftigten Kinder für den Staat und die größeren Berivaltungsbezirkc?" Bis zun» 1. Älpril k. I. sollen die Antworle» eintreffen. Selbstverständlich wird dann die Reichskoinmilsion für Arbciterstatifttt sich damit zu befassen haben und es wird dann an der Zeit sein, aus eine gründliche und rasche Untersuchung und aus ei» kräftiges Zu- greifen hinzudrängen. — Die nicht-hochschuhzöllnerischen deutschen Industriellen haben sich bekanntlich unter der Führung der chemischen Industrie zu einer„Zentralstelle für Borbereniing von Handelsverträgen" vereinigt—«iner Art Gegenorganisatio» sowohl gegen de» Zenlralverband deutscher Industrieller, wie gegen den PosadoivSky'sche» Ansschuß. In ihren soeben ver- öffentlichtcn Sahnnge» werden die Ausfnhrintereffen Deutsch- landS in den Bordergrnnd gestellt; die Zentralstelle soll hier informatorisches Material sammeln und verbreite», sie erslrebl aber ferner auch eine Einwirkung ans Handelsverträge, ans die Regelnng des Rechlsschutzes im Ausland, ans„eine der Entwickelung des deutschen Außenhandels günstige'Ausgestaltung der Zolltarife und des Verkehrswesens." Die Zentralstelle ist zwar in letzter Stunde zum Posadowsky'schen Wirthschaftsansschuß herangezogen worden. Jndeß hört man anS dem programniatische» Rnndschreibe» daS geringe Vertrauen zu der ofsttlellen Kommisston heraus:„Wir wollen unser Baterland bewahren helfen vor de» unübersehbare» Folgen, welche eine Zerreißung des Netze? unserer über den Erdball verbreiUien Absahbeziehnnge» oder jede Ein- seitigkeil der J»t«resse»ivahriiehi»u»g bei der Entscheidung Über Misere wirlyschastliche Zukunft haben»mißte. Wir erstreben Örundsätzlich die Vervollkoinmniing des Systems der Handelsverträge." lnter den Ausschußmitgliedern befindet sich auch der Abep Roestcke, was wohl ani besten den Unterschied gegen den Sluinin-Baeck'schen Zenlralvsrbaitd hervorhebt. Freihändlerisch ist, wie die Dinge in Denlschland liegen, die Zentralstelle selbstverständlich auch nicht. — Personalien. Der„Vieichs-Anzeiger" theilt jetzt mit: Der Unterstaatssekretär im Auswärtigen Amt, Freiherr v. Roten- h a n, ist von seiner bisherigen Stellung behnfs anderweiter dienst- licher Verwendung entbunden und der bisherige Direktor der Kolontal-Abtheilimg des Auswärtigen Amts Dr. Freiherr v. Nicht- Hofen zum UnterstaatSfekretär im Auswärtigen Amt ernannt. Freiherr v. Richthofe» bleibt mit der Leitmig der Kolonial- Slbtheilung bis aus weiteres betraut.— -»- Die Gesetzentwürfe betreffend dt» Sicherung der Banforderungen werden im„Reichs-Anzeiger" mit einer Begründung zugleich mit einer Zusnittnienslelluiig der bisherigen Vorschläge zur Sache und einschlagender amerikanischer Gesetze ver« öffentlicht. Nach dem ersten Eniivnrf von LS Paragraphen wird die Regierung ermächtigt, durch Verordnung für einzelne Gemeinden oder Theile von Gemeinden, in welchen die Errichtung von Neubauten in größerem Umsange zu erwarten ist, ans unbebauten oder nur mit Gebäuden untergeordneter Art besetzten Grundstücken die Bau- erlaubniß nur unter der Bedingung zu crtheilen, daß ans dem Grundbuchblatt derBaustelle ein Bauvermerk eingetragenwird. Alsdann können binnen sechs Monaten nach Erlbeilnng der Banerlanbniß die Bau- gläubiger ihre Banforderungen bei demGrnndbnchamt anmelden und wird für dieselben von Amts wegen«ine als Bauhypolhek zu bezeichnende SicherungShypolhek in Höhe der Anmeldungen eingetragen. Solche Banforderungen haben unler sich gleichen Rang; anderen Rechten gegenüber bestimmt sich der Rang nach der Eintragung deS Lau- Vermerks. Bei derZwangsverstetgmmg geht jedoch die Bauhypolhek vor eingetragenen Rechten in Ansehung des den eingetragenen Bau- stellenvermerk übersteigenden ThelleS des MeistaebotS vor. Während dieser erste Gesetzentwurf alS ReichSgefetz gedacht ist, Ist der zweite Gesetzentwurf als Landesgesetz gedacht. Derselbe ordnet in denjenigen Gemeinden, in welchen«ine Sicherung der Bauforderungen stattzufinden hat, di» Errichlung von Ba»- Schöffen» änitern zur Feststellung deS Baustellenwerths an. Die Mitglieder des Amts werden nach einem Orlsstatnt von den Gemeinden im Ehrenamt gewählt. DaS Bauschöffenamt hat für die neuen Bau« bezirk««ineu dem durchschnittlichen Werth« entsprechende» Einheitssatz für den Quadratmeter der Baustelle sestzusetze». DaS Amt ertheilt danach die im Reichsgesetze erwähnte Bescheinigung über die Höhe deS BanstellenwirtheS. Wir werde» auf diese Entwürfe noch des näheren zurück- kommen. — Her« Kontreadmiral Büchsel hat hente im ReichS- tag bemerkt, der„Vorwärts" habe Im Abdruck der Verfügung des Marine-AmleS, welche die neu«„vaterländische" Zeitung„Werst- und Hafenbote" empkahl, den PassuS weggelassen, der verbietet, die Arbeiter zn beeinflussen, die Zeitung zu halte». Wir habe» die Abschrift der Verfügung wortgetreu veröffentlicht, wie sie nn» zugegangen ist. Wenn jener PassuS I» der Bersügung auch enthalten war, so änverl daS a» dem ganzen Each- verhall nicht daS geringste. Im Gegentheil, dieser PassuS klingt fast wie Ironie. Was ei»« so warine Empfehlung von Seiten des Marine-AmleS und eine so eifrig« Propaganda für das neue Blältchen unter den Meister» und Werksührern bedeutet, ist jedem klar.— — Berliner Kaufmannschaft undFlottengesetz Daß Aeltesteukollegimn der Berliner Kaufmannschaft Hai sich, wie wir neulich mltlheilten, mit der Frage zu beschästigen gehabt, ob ei sich amtlich an einer Kundgebung zu gnnsten der Flotten- vorlagt betheiltgen solle. Di« Antwort ist jetzt erfolgt. DaS Aeltestenkollegium hat»iiistimmig beschlossen, von«iner Stellung- »ahme zu der Flottensrag« als einer rein politischen Angelegenheit, die nicht z» feiner Zuständigkeit gehöre, abzusehen, also einer Ein- ladnng zur Theilnahme an der geplanten Kundgebung keine Folge zu geben.— — Politische Landraths- Propaganda. Herr St übe»rauch, Landralh im Kreise Teltow veröffentlicht folgende Bekanntmachung: Im Monat Dezember werden im Kreise Teltow eine Anzahl von Vorträgen uuter Leitung deS Herrn O b« r a m t m a n n Ring über landwirthschaftliche Frage» staltfi»deii. Die Vor- träge beginnen stets nachmittags um 2 Uhr und finden statt... (folgt die Angabe der einzelnen Versammlungen, in denen n. a. das Thema:„Der Kleingrundbesitz und die Ge- treidepreise" erörtert werde» soll.) Da eine möglichst zahl- reiche Betheiligimg erwünscht ist, ersuche ich di« Herrn G»- metnde-Vorsteher, fämnitliche Landwirlhe ihrer Gemeinve fiiervon zu benachrichtigen und die im KreiSblatt enthaltene Ein- adnng von Haus z» Hau? z» diesem Zwecke zirkuliren zu laffen. Der Landralh. Stiibeurauch." So arbeitet schon jetzt der amtliche Apparat für die Wahlen im agrarischen Interesse.— — Der Zar auf Reisen. Man schreibt der„Frkf. Ztg.": Während gewöhnlich bei Hofzügen die größtmöglich« Fahr- geschwindigleil festgesetzt wird, war bei der letzte» Fahrt de? Zaren- paare« von Darmstadt nach Koburg der Befehl gegebe» worden, daß der betreffende Hofzng möglichst langsam zu fahren habe Es wurden auch thalsächlich zur Zurücklegung der verhältnibmäßig kurzen Strecke Darmstadt-LichtenselS-Kodurg zwölf Stunden gebraucht. 'Ans der ganzen Strecke war die Bahn a n ß e r g e iv ö h n l i ch stark bewacht, und anch sonst waren alle möglichen Vorsichtsmaßregeln getroffen. Im Zuge befanden sich 20 mit Revolvern bewasfneie Leibkosaken, die fortwährend die Gänge der Waggons abpalronillirte»; ein russischer Oberingenieur untersucht« dir Maschinen und Koppelnngen der Wagen und für jede» Wagen war ein eigener russischer Wagen- wärter neben dem deutschen Personal in Thätigkeit. Der Herrscher aller Reußen muß sich recht migemüthlich in seiner Zareiihant fühlen, wenn er solche ängstlichen VorstchtSmaß- regeln für erforderlich hält.—> Von der Saar, IL. Dezember.(Köln. VolkSztg.) Die nächst- jährigen Reichstags- und Laudiags-Wahlen verursachen im Kreis« Saarbrücken wie auch im Wahlkreise Ottweiler-Sl. Wendel-Meis-n- heim, nach den bekannten Elnmm'söhen Vorgängen und ihren Folgen, schon heute«ln« rege Thäiigkeit hinter den Koulifse». namentltch auch mit bezug ans die Kandidaten-Frage. Von der Lösung der letzteren vängt denn auch in beiden Kreisen für die in detrachl kommend«» Parteien außerordentlich vieles für den Ausgang ab. Besondere Ueberraschnnge» in dieser Frage, nach Sluinm'schen Sinne, dürfen nicht zu erwarten sei» und gilt es nach der heutigen Elimmung im letztgenannten Kreise für ausgeschlossen, daß Herr v. Stumm, selbst wenn er anch ans daS Dränge» eines kleinen Hänsleins Getreuer hin, seine» Enlschluß, nicht zn kandiren, aufgeben sollte, hier geivählt würde. Daß man im Kreise Meisenheim, der hier stets den Ausschlag gegeben, von H e r r n v. S l u m m n i ch t« m e h r wissen will, haben wir schon früher an dieser Stelle ausgeführt.« Den Saarbrücker Kreis a»lange»d, dürste die„St Joh. Ztg." recht haben, die gestern im Anschluß an einen Artikel der„Franks. Ztg." schrieb, daß dort m i t einer Kandidatur, die auch nur im leisen Ver- dacht S t u m m' s ch e r Beeinflussung oder Unter- st ü tz u n g steht, kein Geschäft zu machen ist; dafür ist der Palrlolenkrieg gegen evangelische Pastoren und Haudwerkervereine noch in zn lebhafter Erinnerung. Für den KreiS Saarbrücken haben schon verschiedeinliche Versuch« zur Kandidalengewiniiimg in iialionalliberaleni be- ziehuugsweis« freikouservalivein Sinn« stallgefnude», di» jetzt jedoch für diese Parteirichtnng ohne Resultat. Für den AnSgaug der Wahl dürften hler erilstlich in Frage kommen die Zenirums- partei nnd die Abschwenkiliig biStieriger Nationalliberalen mit sozialem Programm, denen sich wahrscheinlich die Freisinnigen an- schließen werbe». Außer diesen Parteien werden noch die um „Stumm", d.h. dt« greikoiiservaliv-Stationalltberalen und die Sozial- demolraten auf de» Plan treten. Gleiwist, IS. Dezember,(„voff. Ztg.) Der Streit zwischen den beiden hiesigen Bürpemeistern ist beigelegt. Oberbürgermeister Kreidet dal die Amtsgeschäst« in vollem Umfang wieder aufgenommen. Dieser Streit hatte, wie wir meideteii, zu nicht weniger als sieben Dncllsorderiingen geführt. Was geschieht aber mit dem ranflustigen Stadtoberslen? Dresden- IS. Dezember.(Eig. Ber.) Der Landtag nahm heute di, erste Lesung der Gesetzentwürfe Über E i n f ü h r n n g et Ii er Vermögenssteuer und Verschärfnng der Erb- s ch a f t S- und S ch« n k u n g S st» u« r vor. Gleichzeitig stand die erst« Lesung des GesetzentwiirsS über Gehaltserhöhung der VolkSschullebrer und Uebernahme der Altersznlagen für dieselben von den Gemeinde» auf den Staat auf der TageSordnnug. Die Konservattven erklärten sich mit einer Erhöhung der Lehmgebälle« einverstanden, wollen aber die Grenze der Vermvgensfte»» über 10 000 Mark hinanSrückcn. Für die ErbschastSsteuer wünsche» ste«ine Abschwächung der Progression nach unten und ein« Erhöhung derselben nach oben. Eine Minderheit in der Partei ist für eine Kapitalrentenstener und verwirst die Vermögenssteuer. Der Nationalliberale Georgt be- merkt, daß seine Partei für die Einkommensteuer in der vor- geschlagenen Form sei, einige seiner Parteifreunde aber eine stärkere Progression wünschen. Die Vermögenssteuer müsse modiflzirt werden. Namens der Fortschritller erklärte Streit, daß et»« Pro- gression bei der Vermögenssteuer und eine größere Schonung der kleineren Vermögen unbedingt erforderlich sei, ebenso müßten die kleineren Erbschaslen geschont werden, iveiin seine Partei den Eni- würfen zustimmen solle. Nach vierstündiger Sitzung erhält für unsere Partei Fräßdorf das Wort. Die Mehrheit sei sich über diese Sleuervorlagen uneinig, weil man«ininal di« besitzenden Klassen treffe» wolle, während bei den indirekten Steuern die Besitzlosen gelroffen würden. Für erhöbt« Progression bei der Eiulommensteuer sei die Sozialdemokratie immer gewesen. Die Vermögenssteuer ist im Prinzip gut, aber in der Aussührung unvollkommen, und die Mehrheit werde sie noch unvollkominener »lachen. Ausfällig sei, daß di« Akliengesellschasten von der Vermögensstener befreit bleiben sollen. Auch das Kirchen- vermögen und der Besitz reicher Gemeinden könne herangezogen werden. Das Vermögen des königlichen Hauses werde auch leider von der Vermögenssteuer m>sge»ominm. Luxuriöse Hauseinrich- tungen repräsentirten auch«in Vermögen, das nach der Vorlage der Sleuer entzogen sein. Die Steuerhinterziehungen seien bei de» Be- sitzende» nichts tlngewöhttlicheS.deShalbmüffe ver Staat möglichst scharfe Maßiiahmen treffen, damit er zu seinen Steuern komme. Die Re- gierung solle sich durch den Theaterdonner der Besitzenden nicht abschrecken lassen, sondern fest zngreisen, denn hier sei»och etwas z» hole». Die Ueberschüsse aus der VernlögenSsteuer könnten zur besteren Be- zahlung der Eisenbahn-Arbeiler und zur Beseitigung des Schulgeldes verwendet werden. Wenn die Deputation die Vorlage» nicht allzu sehr verschlechtere, werde seine Partei zustiinmen. Hierauf wird die Sitzung vertagt. MIluche», IS. Dezember.(Elg.Ler.) In ber Abaeordneten- kaminer sprachen heule die Bauernbüiivl» Dr. S I g l und Dr. Ratzing er zur BodenzinS- Borlage und erklärten sich sowohl gegen den Reglerimgsentwurf, als auch gegen die Anträge des AusschnsseS. Beide Redner stimmten darin überein, daß die Boden- zinfe heul« keinerlei Berechlignng mehr haben und deshalb so rasch alS möglich beseitigt werde» müssen. Der vorliegende Gesetz- entwnrf würde aber nur eine Veilängerliiig der Bodenzins- frist bedeuten und ein weiteres Vorwärtsschreiten nur erschweren. Dr. Ratzinger protestirte auch noch in sehr eut- fchiedener Weise gegen di, Art der Behandlung, wie sie vom Ministertische an? gegenüber dem Abg. Wieland beliebt wurde. Minister v. Riedel unternahm«lnen schwachen B-rsuch der Er- widernng, die er mit der Bitte um Genehmignng der Vorlage schloß. Der„freisiuntge" Abg. EartorinS gab für seine engeren polilischen Freunde die Erklärung ab, daß sie zwar die von unserem Genossen Ehrhard vorgebrachten Bedenken gegen dle Vorlage thcilen, nichts- desto weniger aber dafür stimmen werden. Die Kammer der ReichSräthe hat sich gestern noch zu einer weiteren befreiende» Tbat aufgerafft. Sie lehnte nämlich de» von der Kammer der Abgeordneten angenommenen Antrag des Zentrums auf Erhöhung der Stenern für den Hanflrhandel mit Druckschrisle» von 24 auf 00 M. ab und nahm lediglich die im Regieriings- enlivmfe vorgesehene erhöhte Besteuerung für Betriebs- nnv Normal- anlagen mit 30 M. an. Di« hauptsächlich anS Ultramoiitanen bestehende Mehrheit im Hause der Gemeinen ist also sogar den „hohen" Herren schon zu reaktionär. Gewiß kein Kompliment für solche„Volksvertreter" wt« Pichler und Konsorlen. «nS Waden, 14. Dezember.(Eig. Ber.) Die Zentrums- presse Badens bricht nun endlich ihr langes Schweigen zu der Lieber'fchen Flottenred«. Der„Beobachter", da» Organ de? Zentrums- führer» Wacker räth zum„Abwarten", und meint, das Endergebniß werde schwerlich»inen Widerspruch zwischen Fraktion und Preff« bringen. Einen Entwurf zur Einführung de» direkten Landtags- Wahlrecht? soll, wie dt» immer sehr mit unter- richtete„Elraßbnrger Post" zu melden weiß, dt« badische Regierung einzubringen geneigt sein.— — Chronik der MajestätSbeleidigungS-Prozesf«' Gegen den„Kladderadatsch" soll außer der Anschnldigmig der Majestätsbeleidignng wegen deS BildeS, das Alexander, Leonidas, Friedrich II.:e. als Soldaten nnd Christen betrifft, noch«ine zweite Untersuchung wegen gleichen Vergehens in derselben Nummer eingeleitet worden sein.— — Koloniale». Aus Kapstadt wird den„TimeS" gemeldet, daß di« erste Sektion der deutschen(etalividrigeu!) Bahnlinie nach Windhoek in Damaraland eröffnet worden ist.— Oesterreich. Prag. 14. Dezember. Heute sind drei weitere Personen wegen Betheiligung an den letzten'AnSschreitungen zu Strafen von fieven Tagen Arrest bis sieden Monaten schweren Kerkers vernrtheilt worden.— Wegen Beschimpfung eines Mililärpostens beim neuen deutschen Theater wurde heute«in junges Mädchen, und wegen Ein» mengung in«ine Amtshandlung der Vater desselben verhaftet. Ungarn. Budapest, IS. Dezember. Abgeordnetenhaus. Aus eine Anfrage Franz Kossulh'S Über die S0 jährige Jubel- feier der 184Ser Ereignisse, wobei der JuterpeUanl für den Fall, daß die Regierung an einer Feier des ll. April feit- halten, aber ven IS. März nicht feiern wolle, einen besonderen An- trag ankündigt, erwidert der Ministerpräsident Baron Banffy. daß di« Einbringung eine? Antrages nicht nothwendig sei, da eS da» ernste Bestrebe» der Regierung fei, die fünfzigste Jahreswende des 11. April 13 48, als deS Tage? der Sanktionirung der 1848er Ge- fetze, feierlich zu begehen. Er(Redner) habe zur Zeit keine Veranlassung, an dieser se>er schon früher abgegebenen Ecklärmig etwas zu ändern.— W Rgrain, 14. Dezember. JmkroatischenLandtage wiederholte» sich heute die gestrigen Tumulte. flraukrelch. Pari», 14. Dezember. Deputlrteiikammer. Im Lauf« der Verathnng des Budgets des'ArbeilSmlnifterimns inlerpellirl« der Radikale B e r t a u x in betreff der U e b e r b ü r d n n g der E t s» ii b a h n- A» g e st« l l t« n. Der'Arbeitsmimster T u r r« l lählle die Maßnahmen aus, welche gelroffen seien, um eine Ueber- bürdnng zn verhindern,«nd erklärte, di« ReglemenlS wüiden befolgt Die Kammer billigt« mit 322 gegen 141 Stimmen die Er- klärmigen Turiel's. Siebe» Mitglieder der von d«r Depnlirtenkammer gewählten Panama. Kommission legten heul« ihr Amt nieder, weil die Kommission es abgelehnt hatte, sich darüber tadelnd auszusprechen, baß von ge- wissen der Komniission vorgelegten Dvkmnenlen der Presse Millyeilnng gemacht worden ist.— Paris, Iv. Dezeniber. Der Minister der Kolonien Lebon er« klärte auf Befrage», die dem Ministerium zugegangene» Nuauickilen über die französische Nil» Expedilio» unter Major Marchand be- stätigen in keiner Weise die von Brüssel ans verbreileleu Gerüchte von der Niedernietzelung eines Theiles dieser Expedition.— Italien. Rom, 10. Dezember. Wie di«„Agenzia Stefani" meldet, ist das Paria m e nt zum 20. d. M. eiuberusen.— Tänemark. Neue Siege der Sozialdemokraten in den Gemeinden: Bei der Armeu-Kassenwahl in JaksildNölcr wurden 4, bei der GeilieiiiderathSwahl in Nörring ebenfalls 4, bei der Armen-Kasseiiwahl in Trige-Oelsted 2 sozialdemokralische Kandi- baten gewählt. In der Gegend um A a r h u s besitzen die Sozial- demolraten nun bereits Sö M i t g l t e d e r in den Genieinderäthe». Türkei. Konstautinopel. 14. D�zenib-r. Infolge der neuen jung turkiichen U»ler»«yinu>lgen ist ein sehr streng gehaltenes Jrade des Sultans erlassen worden, welches allen türkischen Beamten Kon- slautinopels den Besuch öffenllicher Kaffeehäuser, Konzerte und Theater verbietet. Es soll hierdurch der Berkehr der türkischen Beamte» mit Ausländern erschwert oder ganz verhindert werden.— Konstautinopel, IS. Dezember. Griechenland ließ der Pforte ein Gesuch um Aerlängerung des Termins für die Ratifikation des Friedensvertrages um einen Monat überreichen. In diplomatische» Kreisen ist man hierüber sehr erstaunt; in den Kreisen der Pforte wird dieses Berlangen, welches in der Versammlung der Botschafter besprochen wird, für ungerecht- fertigt und unerfüllbar erklärt.— Asten. — vom indischen Kriegsschauplatze. AuSKalkutta wird heute gemeldet: An der Grenze hat wieder ein ernstes Gefecht stattgefunden. Dle Nachhut des vom General Westmacott befehligten Zuges wurde von Eingeborenen angegriffen; bei dem Kampfe wurden aus englischer Seite vier Offiziere und 40 Mann ge- tödtet und verwundet.— Amerika. Washington, 14. Dezember. Di« republikanischen Mitglieder des Budget- und Finaiiz-Ansschusses für Mittel und Wege sind darin einig, keine Aenderung in den Zoll-Bestiuunungeu der Dingley-Bill i» der gegenwärtige» Session einzuführen; sie sind der Ansicht, daß uia» au dem Tarif nicht herumbessern dürfe.— — Einfuhr amerikanischerPferde nachDeutsch« l a n d. In L o n d o n ist eine aus drei Personen bestehende Kom Mission des AckerbauministeriumS der Vereinigten Staaten einge troffen, ivelche in den verschiedenen Ländern Europas und besonders in Deutschland Ermittelunge» über den Bedarf an Kavalleriepferden anstellen soll. Die»ordamerikanische Negierung beabsichtigt von Staats wegen die Zucht aller derjenigen Pferderassen zu unlerstühen, welche in Deutschland, Frankreich und England im Heeresdienst ge braucht werde». Die Kommission wird Ende Januar in Deutschland eintreffen und eine mehrmonalliche Studienreise durch alle Theile des Reiches unternehmen.— Z�arlctmvnkavifiszrs. Ter Eeniorenkonvcnt deS Reichstages trat heute nach der Plenarsitzung zusammen und inachle sich dahin schlüssig, daß nach Erledigung der ersten Lesung der Militär-Slrafprozeß-Ordnung die Ferien beginnen sollen. Man hofft Freilag, späleslens Sonnabend diese Vorlag« a» eine besonder« Kommission z» verweisen. Die erste Schung im neuen Jahre wird auf den 11. Januar anberaumt. Zur Verhandlung soll alsdann die Novell« zur Zivili prozeß-Ordnung gestellt werden. Tie Bndgctkommission hat in ihrer gestrigen Sitzung be> schlösse», die Berathuug deS Marinegesetzes zurückzustellen und zunächst die Etatsberathung vorzu nehmen. Von Seite» der Flottenheißsporne war beantragt, die Mariuevorlage zuerst in Angriff zu nehmen, weil dieselbe im Mittel Punkt des politischen Interesses stehe und auch auf die Feststellung des Etats erheblichen Tinfluß ausübe. Gegen diese Auffassung, die von den Konservativen beider Richtungen nnd den Nationalliberale» vertreten wurde, wandten sich die Vertreter des Zentrums sowie die Freistiliiigen und Sozialdemokraten unter Betonung der Roth wendigkeit, die eingehende und gründliche Prüfung deS Etais nicht unter der, vorauSstchtltch sehr lange dauernde» KommisstonSberatbung über daS Marinegesetz leiden zu lassen. Die überwiegende Majorität der Kommission entschied sich dafür, die TtatSberathung vorweg zu nehme». Die Vertheilung der Referate für die Kommission wnrde in üblicher Weise vorgenommen. Die nächste Sitzung der Kommission findet am 12. Januar, vor- mittaaS 10 Nhr, statt. Auf die Tagesordnung sind die EtatS des Reichskanzlers, der Reichskanzlei und deS ReichsamtS d-S Innern aesetzt. Zu Referenten wurden bestellt für die Etats des Reichs- kanzlerS die Herren Baffermann und Krefe, für das Auswärtige Amt Prinz Arenberg und Dr. Haffe, für das ReichSamt des Innern V.Leipziger nnd Ging er, für das Reichsheer Graf Roo» und Freiherr v. Hertling, für das Extra-Ordinarium des Militäretate Gröber und v. Massow, für den Marine-Elat und das Floltengeseh Dr. Lieber und v. Leipziger, für die Eisenbahnen Galler, für Zölle nnd Verbrauchssteuer» Dr. Paaschs nnd Dr. Müller- Sagau, für Post-»ud Telegravheuverwaltung Dr. Paaschs und Dr. Lingens. für den Reichs-Jnvalidcnfouds und die Allgemeine Finanzverwaltung Müll-r-Fulda. I» der RctchStagSkommiffion für das Gesetz über die An- gelegenheiten der frei willigen Gerichtsbarkeit wurde heute zunächst der zweite Abschnitt,«ormundsschaslssachen. erledigt. Dem Z 56 wurde auf Antrag des Abg. v. B u ch k aKii.Tarif« sind Verhandlungen Mit den meiftbelheiligten Bundesregierungen eingeleitet. Ein Gesetzenlivurf über die Regelung der Vorspaun-VergütungS- sätze ist i» der Vorbereitung begriffe». Es hat eine erneute«iugeheude Prüfung unter Betheiligung aller Obcr-Postdireltionen darüber staitgefnnden. ob und wie die An- inahme und Bestellimg gewöhnlicher Packete an Sonn- nnd Feier- s tage» sich aus Eilsendungen werde beschränke» lassen. Nach dem Ergebnisse der Prüsung erscheint eine solche Beschränkung indeß nicht durchführbar. Die Erhöhung deS MeistgehaltS der Landbriefträger hat sich deshalb als unthunlich erwiesen, weil die Ausbesserung der Besoldungen der Unterbcamten vorläufig als abgeschlossen zu betrachten ist, und die Zulassung einer Aus- nähme zu unabsehbaren Konsequenzen führen würde. Es sind umfangreiche Ermittelungen darüber angestellt worden, ob die Erhöhung des Maximalgewichts für einfache Briefe an- gängig ist. Die bezüglichen Ermittelungen sind noch nicht beendet. Es ist beabsichtigt,«inen Gesetzentwurf über Unsallverstcherung der Gefangenen eiiiznbringen, sobald anderweite Novellen zu den Unfallversichernngs-Gcsetzen vorgelegt werden könne». In betreff der Jmpffrage hat der Bundesralh den Reichskanzler ersucht, nach Benehmen mit den Bundesregierungen eine Kommission von Sachverständigen behufs der Berathung darüber zu berufen, ob und inwieweit etwa nach dem jetzigen Stande der Wissenschaft und der auf dem Gebiete des Jmpfwesens gemachten praktischen Erfahrungen «ine Sievision oder Ergänzung der zum Vollzüge des Jmpfgesetzes ergangenen Bestimmungen angezeigt erscheint. Die Einleitungen de- huss Bmifnng dieser Kommission sind getroffen. Die Forderung, daß die Wahlkomniissanen keine amilichen Er hebuiige» über die politische Parteistellnng der zur Wahl gestellten u»d gewählten Kandidaten anstellen sollen, wird mit der Bemerkung abgelehnt, daß nach einer von jeher bestandenen Einrichtung die Wahl kommissare in den, de» Landesregierungen und den betheiligtsn Reiche behörde»(Reichsamt des Inner» und kaiserl. Statistisches Amt) über das Ergebiiiß der Reichstagswahlen zu erstattenden Anzeigen u. a. auch die Parteistellung des Gewählten und de» Haiipt-Gegeiikandidaten ailzilgedeii haben. Schon im Interesse der Vollständigkeil der Wahl stalistiken, welche dem Reichstag unter Angabe der auf die einzelnen Parleigiuppen entfallenden Stiinmenzahl periodisch vorgelegt werde», kann auf jene Einrichtung nicht verzichtet werden, und es wird angenomme», daß auch dem Beschlüsse des Reichstages eine solche Absicht nicht zu griinde liegt. Eine Vorschrift, wonach die Parteistellung des gewählten Abgeordneten auch in die zu den Wahlakten gelangende polizeiliche Anzeige über die Wählbarkeit des selbe» auszunehmen ist, besieht nicht. Die Resolution gegen das Duellwesen hat der BnndeSrath dem Sieichskanzler überwiesen. Daraus sind die Bestimmungen vom 1. Januar d. I. zur Ergänzung der Einführungsordre zu der Verorvnniig über die Ehrengerichte der Offiziere im preußische» Heere vom 2. Mai 1874 erlassen worden. Weiter ist seitens des königlich preußischen Jnstizministers an die Beamten der Staats- anwaltschaft unter dem 16. November d. I. eine Verfügung über die strasgerichtliche Behandlung der Duellvergehen»nd der Beleidi guagen gerichtet worden, welche den außerpreußischen Bundes- regiernngen mit dem Anheiinstellen eines entsprechenden Vorgehens »nlgetheilt worden ist, DaS Zentrum hat dem Reichstag einen Antrag betreffs A b- ändern»g der KonkurSordnung»ugehe» lassen. Derselbe gleicht den Beschlüssen der 10. Kommission derI2. Sesston der neunten Legislaturperiode(98/84) fast völlig. In Hastedt, einem bremischen Dorfe, eroberte die Eozialdemo- kratie bei den Wahlen zum Gemeinde- Ausschuß abermals ei» Mandat, so daß wir nun 9 Vertreter haben, und zwar 6 Mielher und 8 Eigenthümer. In Dortmund hat bei der Stichwahl, die in der 8. Ab theilnng des I. Sladtverordneten-Wahibezirks vorzu»eh»ie» war, der nationalliberale Kandidat Dr. N e o e l u n g mit 1272 Slimmen über de» Zentriliiiskaiididaten und bisherigen Sladlverordnele» Dr. B i ck Hofs gesiegt. Letzterer, für dessen Wahl bekanntlich auch daS sozial demokratische Wahlkomitee eingetreten war, erhielt 1180 Stimmen. Die„Mcckleuburgischc BolkSzeitnug" in Rostock bat das Postadonneilieni von 1.20 Mk. vierteljährlich auf 95 Pf. herabgesetzt, damtt die ländlichen Arbeiter, die an die Post 25 Pf. Bestellgeld be ,ahlen müsse», das Blatt ebenso billig frei ins Hans geliefert be- komme», wie die städtischen Arbeiter. Ans Italien.„Lotta di Clafse", da? bisherige Zentral orgau der italienischen Sozialdemokratie, hat mit der Nnininer vom 12. d. M. aufgehört, als solches zu erscheinen. Das Blatt bestehi iveiler als Organ der Parteigenossen vo» Stadt nnd Provinz Mai- l a n d. Durch den Beschluß des Kongresses in Bologna ist der in Rom erscheinende„St v a n t i" zum Zentralorgan erklärt. Polizeiliches, Gerichtliches te. — Wegen Beleidigung der Nüinderger Geineindekollegien ist unser alter Parteigenosse Redakteur G a b r i e l L ö>v e» st e i n in Fürth vom Schivurgericht zu 2'/» Monaten verurtheilt. Er wird diese Strafe deiunächst anlreten müssen, da das Reichsgericht seine Revisio» verworfen hat. Möge das Bewußtsein, daß er die Synr vathien der deutschen Soziaideiuokralie für sich hat, ihm über das Mühsal des Kerkerlebens hinweghelien. — Ferner verwarf das Reichsgericht die Revision, dl« Redakteur Vahle vo» der Magdeburger„ V o l k s st> m ni e" gegen ei» Eckenntniß des dortigen Landgerichts eingelegt halte, das ibn wegen Bcleidignng des preußischen Staalsministermms zu 500 M Geldstrafe verurlheilte. '— Gegen den Redakteur der„Pfälzischen Post" in L u d w i g s h a s e u ,Z Otto Z i e l o w s k i, halt« wegen Mit- lheilnngeii über die Behandlung eines kranke» Soldaten der Assistenz- arzt Dr. Heinrich Schmitt vom 2. Pioiiier-Bataillon Privat- Beleidigungsklage angestrengt, desgleichen das Siadtraths-Milglicd Daniel Herbei in Speyer, dem irr xunto der„freien Liebe" die Leviten gelesen worden waren. Die beiden Klage» kamen vor dein Schöffengericht i» Speyer zur Verhandlung. Die Klage des Assis>e»zarztes Dr. Schmill endete mit einem Vergleich; Zi, laivski»ahm die gegen den Kläger gerichtete» Vonvürfe, die aus falscher Information beruhten, zurück und erklärte sich zur Zahluiig oer Koste» und zur Publikalion des Vergleichs bereit. I» der ziveilen Sache erkannt» das Gericht aus Freisprechung Zietowski's »iid bürdete dem Stadtrathsinitglied Hertel- alle Koste» auf, weil es die vom Bcllagie» aufgestellten Behauptungen als erwiesen er- achtete._ GetveMsrhaf Deutsches Reich. Bei der Gcwerbegcrichtöwahl in Jena siegte in der Klaffe der Arbeiinebmer daS GewertschaflskarleU mit großer Majorität. Ter Streik in der Kammgarnspinncrei zu Gautzsch- Leipzig, ist in vergangener Woche»ls beendet erklärt worden. Wie mitgeiheilt wird, sind aber sämmiliche Abmachungen, die zwischen dem Vorstand des Leipziger Geiverkschafiskarlells und der Direktion der Ganyscher Spinnerei getroffen wurden, vo» letzterer bisher unbeachlet gebliebe». Alles blieb nach bei» Streik beim allen. Auch ist ei» ganz beträchtlicher Theil der Arbeiter noch nicht ivieder ein- gestellt worden. Obivohl die Direktion dem Kartellvorstand ver- sprach, keine fremveii Arbeiter einzustellen, bis sämmiliche Aus- ständigen ivieder beschäftigt feien, hat sie doch wieder Spinner von misivärls.'eingestellt. Angesichls dieses Verhallens ist es im Interesse der Arbeiter geboten, den Z»z»g von Textilarbeitern»ach Gautzsch streng zu vermeide!!. In Speyer haben 50 Steinarbeiter auf dem Bau der Kirche ivegen Lohnabzüge in Höhe von 10 pCt. die Arbeit niedergelegt. Der Textilarbeiter-Streik in Meerane danert bereits die dritte Wocke, ohne daß von den Streikende» jemand wankend ge- worden wäre. Vor einigen Tagen hatte der Gewerbe-Juspeklor ans Zwickau mit dem Streiktomitee eine Besprechung, die aber erfolglos verlief, somit wird der Streik fortgesetzt. Die Kohlenarbeiter der Firma Kraus nnd B ü h l e r in Mannheim haben die Arbeil eingestellt, weil sechs ihrer Kollegen gemaßregelt wurden. Die Polirer der Nähmaschinenfabrik von Dietrich in Alten» bürg besinden sich wegen Lohndiffcrenken im Ausstand. Die Maurer in Landsberg a. W. haben beschloffen, ihren Meistern einen Lohntaris zu unterbreiten. Verlangt wird eine zehn- stündige Arbeitszeit, Bezahlung der Ueberstnnden mit 25 pCt. und der Sonntagsarbeit mit 50 pCt. Lohnzuschlag und Auszahlung des Lohnes auf der Baustelle. Einige andere Forderungen bezwecken die Beseitigung sanitärer Mißstände. Wahrscheinlich wird es im Frühjahr zum Ausstand kommen, da die Unternehmer den Forderungen sehr abgeneigt sind. Sächsische Versammlungsfreiheit. In S ch a d e w i tz bei Zwickau wurde eine Versaminlniig der Porzellandreher auf grund des Z 5 deS sächsischen Vereinsgesetzes verboten, weil die Behörde annimmt, daß der Referent Redakteur F r e h s e in seinem bis- herigen Auftreten zu Gesetzesübertretungen geneigt mache. Bisher hat Frehse im Bezirk ungehindert reden können. WaZ die Behörde zu dieser«rleuchteten Erkenntniß auf einmal brachte, ist nicht zu enträthseln. Ausland. haben, wie nicht anders Unternehmer mit über- die Annahme fanden sich Die englischen Maschinenbauer zu erwarten, die Bedtiiguiigen der wältigender Majorität abgelehnt. Für nur 530 Stimme», dagegen wurden 53,413 Stimmen äbg-v--.-.., kaum 1 Prozent der Abstimmenden erklärten sich also f ü r die Bor- schlüge. Die Konferenzen haben am Dienstag im„Westminster Palace Hotel" zu London wieder begonnen. Einer Wolff'schen Depesche zufolge sollen die Arbeitgeber von einem etwas versöhn- licheren Geiste durchdrungen sein. Trifft dies zu, dann dürfte es lediglich dem Eingreifen der öffenilichen Meinung und der kampfessrendigen Hallung der Arbeiter, wie sie in den Abstimmungen zu Tage tritt, zu danken sein. Die Verhandlungen würden voraus» sichtlich bis Ende der Woche dauern. Inwieweit diese Meldungen sich bestätigen werden, bleibt abznwarten, sicher ist, daß in London allgemein erwartet wurde, die Verhandlungen würden nur von sehr kurzer Dauer sein, da beide Theile fest entschlossen waren, von ihrem früheren Standpunkte doch nicht abzugehen. Der„Daily Chronicle" zufolge soll bei einer größeren Anzahl Firme» die Absicht bestehen, »ach Abbruch der Verhandlungen weitere Aussverrungen vorzu- nehmen.— Dem Generalsekretariat der Maschinenbauer sind wieder eine Anzahl Zuschriften vo» anderen Gewerkschaften zugegangen, in denen größere Uiilerstützungen zugesichert werden. Die Stuckateure, die bereits feit 12 Wochen pro Woche 3 Pen« zum Unlerstützungsfonds der Maschinenbauer zahlen, theilen mit, daß sie diese Beiträge ans 6 Pen« pro Mann und Woche erhöht haben. Mr. B u r t, Mitglied deS Parlamenis, schreibt, daß die durch ihn vertretene Union der Northniiiberland-Berglente ihre wöchentlichen Zuschüsse erhöhen werde; dasselbe stellt die Vereinigung der Typo- graphen i» Aussicht. Verschiedene englische Eisenbahn-Gcscllschaften haben, wie bürgerliche Blätter inelde», ihre» Angestellten freiwillig Ziigeständiiifse eingeräumt. So solle» auf der Midlandbahn alle i» Tnnnels be- schästigle»'Arbeiter forta» nur 50'/s Stunden die Woche im ganzen Jahre arbeiten, Denjenigen Angestellten, die von ihrem Wohnort entfernt arbeite» müssen, soll die Zeit vergütet werde», die vo» ihrer Abfahrt von der Eisenbahnstation bis nach ihrem Bestiittinniigsort veirinnt, und das sowohl für Hinfahrt, ivie Rückfahrt. Alle Angestellte», die von ihrem Wohnsitz entfernt ivohnen müssen, solle» 1 Schilling die Nacht erhallen. Allen Maschinist»» soll am Sonntag ö1/» Stunden Arbeit als anderthalder Arbeitstag angerechnet werden; die Zeit für Mahl- zetten soll jedoch nicht darunter fallen. Auch die London und South Western- Eisenbahngesellschaft hat«ine ganze Anzahl Zu« geständiiisse gemacht. Nach dem 1. Januar k. I. sollen alle An- gestellte» ohne Unterschied Sondervergütung für Sonnlagsarbeit er- hallen. Die London, Brighton u. South Coast-Eiienbahngesellschaft ivill ihren Lokomotivsührern und H-izer» Erleichterungen ver- schaffe».— Und was geschieht für die Eisenbahner im Staate der Sozialresorm?_ Soziales. Die Dresdener Bäcker- Innung hatte, wie wir seinerzeit inittheitlen, ihre Miigtleber durch Slaliil verpflichtet, ihr ganzes Personal, gleichviel, ob es einer freien Hilfskasse angebürte oder nicht, >» der Jiinnngs- Kraiilenkasje zu versichern. Die Kreishauptinann- schast hatte diese dem Gesetz ividersprechende Bestiniiiiung des Slaluts genehmigt! Die freie Hilfskasse der Bäcker beschwerte sich beim Ministerium; erst nach 24 Woche» traf der selbstverständliche Bescheid ein, daß die erwähnte Bestimmung des Jnunngs- Statuts ungesetzlich sei und man der Innung auf- gegeben habe, das Stalnt zu ändern. Die Innung hat ni»! die Aenderung in folgender Weise vorgenoniine»: „Die Jnnnngsinitglieder sind verpflichtet, nur solches Personal ein- zustelle», welches einer»ach 8 75 des KraukenverstchernngS-Gesetzes in der Fassung vom 10. April 1892 zu beurtheilende» freie» Hilfs- lasse nicht angehört, ferner denjenige» wieder zu kündigen, welche nach dein DienftautritI einer solche» Kasse beitreten und infolge oeffe» aus der J>inil»gs-Kranke>ikasse auszuscheiden verlangen," Die Kreishauptiuaiinschaft hat diesen ausdrücklichen Boykott der Mitglieder der freien Hilfskassen genehmigt. Sie meint vielleicht, daß i» Sachsen der B oykott von Arbeitern durch die Unternehmer selbst dann kein grober Unfug sei, ivenn es sich darum handelt, den Ar- beitern reichsgesetzlich geivährlei stete Rechte zu >1 e h IN e n, was in dem vorliegende» Falle Absicht der Bäcker-Junung ist. Ob das Ministerium, dessen Entscheid von der geschädigten Arbeiierklasse abermals a»gerusen ist, die Beschwerdeführer wieder 24 Wochen lang aus Antwort warten lasse» wird? Arbeitcrrisiko. Von den bei der Grubenkatastroph« in F r a n k e n h o l z in der Rbeinpfalz verunglückten Bergleuten be- finden sich noch 23 in ärztlicher Behandlung. Die Aerzte hoffe», sie sämintlich am Leben z» erhallen, iven» auch einzelne als bedauerns- werlhe Kinppel. Die Zahl der Tobten beträgt jetzt 43. Die Arbeiten ans dein Flötz 10 der Sohle 7, wo das schlagende Wetter seine Ver- heer-u»geii anrichtete, si"d ivieder aufgenommen worden, lieber das Resultat der eingeleiteten U»tersuchn»g verlautet, wie die„Münch. Poll" miltheill, noch immer nichts bestimmtes. Ob der Schuldige diesinal gefunden wird, bleibl abzuwarten. Ans der K ö t s ch a» e r Grube bei Lützen wurde durch herab- stürzendes Erdreich ein Bergmann getödiet und«in anderer schwer verletzt._ Der Zentralverbnnd deutscher Uhrengrossisten hat die Schwarzwälver Uhrenfabrik Gebr. Jung Haus in Schräm- b e r g veranlaßt, zwei gesetzlich geschützte Wecker in Dentschland vorerst mir an Uhrmacher zu einein einheitlichen Preis zu liefern, wogegen die Uhrmacher gehalten sein sollen, diese Wecker nur inner« halb einer gewissen Preisgrenze zu verkaufen. Der Zweck dieser Vereinbarung soll sein, den Uhrmachern den Waarenhäusern und Versandtgeschäften gegenüber ein Monopol zu schaffen und gleich- zeilig zu verhüten, daß sich die Schieuderkonknmnz dieser Artikel, die vor ähnlichen Fabrikaten gewisse Vorzüge besitzen sollen, be- mächtigt. VerbandSbilduna im westfälischen Kleineisengewerbe. In den Kleisen der Kleineisenindnslrie ist eine Bewegung zur Schaffung einer Interessenvertretung im Werke. Unmittelbare Veranlassung dazu hat der Umstand geboten, daß für den Zollbeirath Unter- richtungsstosf gesammelt werden muß. Eine größere Anzahl der be- deutendsten Firmen von Hagen und Umgegend ladet zur Gründung eines Verbandes der märkischen Kleineiseuindusirie ein, der sich dann nicht nur mit der erwähnten Frage der Handelsverträge befassen soll, sondern mit allen Gegensläiideii, die für diesen Erwerbszweig von Bedeutung sind, wie ,, B. Versicherungswesen, Zahlungswisen, Ver« dingnngen. Tarif« und dergleichen mehr. Wie die Zlllgcniei»e OiiinibilS- Gesellschaft mit ihre» Schaffner» umspringt. Der frühere Oinnibusschaffiier E»ül Riebe Halle gegen die Rentnerswiltive Bertha K a b l i ck eine Privalklnge wegen uerlemndorischer Beleidignng angestrengt, welche gestern vor der 148. Zlblheilung des Schöffengcrichls zur Verhandlung gelangte. Durch die Beweisaufnahme wurde folgender Sachverhalt fest- gestellt: Am 3. Oktober fuhr Riebe mit einem Wagen der Allgemeinen Berliner OmnibnS- Gesellschaft die Strecke Anhalter Bahn— Greifswaldcr Straße. In der Anhallstraße bemerkte er. daß eine Fran laut schreiend hinter dem Wagen her- lief. Trotzdeur Riebe, der sich gerade auf dem Verdeck des Wagens befand und Fahrscheine anstheilte. sofort hallen ließ, erging die Fran sich in lauter Weise darüber, daß der Schaffner„eine halbe Stunde lang" auf dem Verdeck Vortrage halte, es sei das flegelhasie Benehmen eines dummen Menschen, sie brauche ihrem Manne nur ein Wort zu sagen, dann fliege er heraus.(Dabei ist die Dame Wittwe.) Der Schaffner ermahnte sie zur Ruhe, als die Dame aber nicht aushörte z» skanvalisircn, forderte er sie auf, ihni ihren Namen zn nennen. Als ihm dies verweigert wurde, rie er am Alexanderplatz einen Schutzmann heran, der die Dame zur Wache sistirte, als sie auch ihm gegenüber die Namens- nennung verweigerte. Hierüber empört, ging die Dame am folgenden Tage nach dem Bureau der Gesellschaft, schilderte dein Bnreanvorstehcr Wehniger gegenüber das Verhalten des Schaffners und die ihr widerfahrene Unbill in den schwärzesten Farben. Der Aurea»Vorsteher entließ daraus den Schaffner, ohne ihn vorher gehört zu haben, da dessen Benchnien als„frech und unverantwortlich" zu be- zeichnen sei. Dein Schaffner Riebe gelang es erst zum 15. November, wieder Stellung zn erhallen. Er suchte Genugthnnng auf dem Wege der Privatklage gegen die Wittwe Kabllck. In der Verhandlung bekundeten die übrigen Fahrgäste, welche dem Anftritl beigewohnt halten, übereinstinnnend, daß der Privalkläger sich eines durchaus zurückhaltenden und artigen Benchniens befleißigt habe, bis die Beklagte ihn durch ihr fortgesetztes Lärmen zu energischen Schritte» veranlaßt habe. Der Vorsitzende konnte nicht umhin, den Bnreanvorsteher Wchniger aiif seine oigenthüinliche Handliingsivcise hinzuweisen, w o r a u f d i e s e r erwiderte, baß es sich ja„ uur"»in ciuen Schaffner gehandelt habe, und wohin sollte die Gesellschaft kommen, iveini sich jeder Schaffner gleich großartig be- l e i d i g t fühle» würde. Der Vertreter des Klägers, Rechtsanwalt Dr. Lubszynski, geißelte in schärfster Weise diese Ans- drücke sowohl wie das willkürliche Verhalten der Gesellschaft, die ans die einseitige Bezichtignng der verletzten und zunächst interessirten Dame hin einen ihrer Angestellten a n s B r o t u n d L o h n s e tz e. Gegen die Beklagte beantragte der Vertheidiger eine empfindliche Geldstrafe. Der Gerichtshof vernrtheilte die Beklagte zu LS M., wobei der Vorsitzende das Betragen derselben als höchst dreist und uiiangemessen bezeichnete, während der Kläger sich durchaus korrekt benoininen habe.— Ob die Verkehrsangcstelltcn aus diesem Stück skandalöser Arbeilerbehandlnng endlich die Lehre ziehen werden, daß es eine persönliche Ehrenpflicht ist, sich gegen eine so rücksichtslos handelnde Gesellschaft zn organisiren? Eine empfindliche Strafe ist der Kausmannsfrau Slöhr zn- diktirt worden, weil sie eine ihrem Sohne widerfahrene Mißhandlung mit gleicher Münze heimzahlte. Der Hergang, welcher der 3. Straf- kanuner am Landgericht II als Berufungsinstanz unterlag, ist folgender: Die Pastorin, jetzige städtische Lehrerin Zlpitz stand im vergangenen Sommer einer Ferienkolonie in Nieder-Schönhauscn vor. Eines Tages weilte sie mit de» Kindern der Ferienkolonie ans der Ctrauchwiese, wo sie die Kinder damit unterhielt, daß sie die- selben vorgesprochene Lieder»achsagen ließ. In der Nähe halten sich eine Anzahl Kinder des Ortes angesunden, rvclche Fran Apitz dadurch ärgerten, daß auch sie sich an dein Hersagen der Lieder betheiligten, und zwar in ungezogener Weise. Fran Apitz, durch diese Unart gereizt, griff aus den, Hanfe» den Sohn der Fran Stöhr heraus und schlug ihn. Ans das Geschrei des Knabe» kam dessen Mutter herbei, gab in ihrer Erregung der Fran Apitz eine Ohrfeige und belegte dieselbe mit Bezeichnungen, die nicht salonfähig sind. Die Staatsanwaltschaft hielt ein Lssent- liches Interesse für vorliegend und erhob wegen dieses Vor- ganges die Beleidigungsklage gegen Frau Slöhr, welche vom Schöffengericht wegen ihrer Schlag- und Zungenfertigkeit mit einer Geldstrafe von 3 M. belegt wurde. In der Bernfnngs- instanz plädirte der Vertheidiger auf ein erheblich niedrigeres Straf- maß, indem er daraus hinwies, daß das Schöffengericht in analoge» Fällen, wenn von privater Seile geklagt werde, ans Geldstrafen von höchstens 33 M. zu erkennen pflege, und daß es doch nicht ge- rechtfertigt sei, ein so ungewöhnlich hohes Strafmaß scstznfetzen, weil die Beleidigte eine Lehrerin sei, die unberechtigter Weise den Sohn der Beleidigerin geschlagen habe. Der Gerichtshof ver- warf die Berufung. SchaniloS. Wegen wissentlich falscher Anschnldignng wurde am Dienstag der Schlächtergeselle Willibald Jakobs zu 4 Monaten Gcfnngniß vernrlheilt. Er sprach an einem Okloberabend ein junges Mädchen in der Zlckerstraße an und blieb, trotzdem sie sich die Belästigung verbat, an ihrer Seite. Er Halle sogar die Frechheit, an der Ecke der Brunnenstraße von einen, Schutzmann die Sistirnng des jungen Mädchens zn verlangen, dnS ihn belästigt habe. Der Beamte nah», beide mit zur Wache, dort schränkte Jakobs seine Anschnldi- gung dahin ein, daß daS Mädchen Vorübergehende belästigt habe. Zum Glück wohnte die Sistirte in demselben Revier; da ihre An- gaben in betreff ihrer Personalien leicht ans ihre �Wahrheit hin z» prüfen waren, ivnrde sie nach einer Viertelstunde entlassen. Jakobs hatte sich nun wegen ivissentlich falscher Anschnldignng und Freiheits- bcranbnng zn verantworten. Er legte ein reuiges Geständnis, ab und gab an, daß er sich wegen der ihm gewordene» Abweisung habe rächen wollen. Es habe ihm schon leid getha», als er ans der Wache war und er würde die Bezichtigung nicht wiederholt habe». wenn der Wachtmeister ihn nicht gewissermaßen dazu gedrängt hätte. Der Staatsanwalt beantragte gegen den'Angeklagten eine Gcfängniß- strafe von sechs Monate». Die Fälle, daß schutzlose Frauen ans der Straße derartigen Nnbilde» und Belästigungen ausgesetzt würde», hätten sich in letzterer Zeit i» auffallender Weise gemehrt, cs müsse entschieden mit strengen Strafe» dagegen eingeschritten werde». Der Vertheidiger wies darauf hin, daß der vorliegende Fall doch ungleich milder liege, als der kürzlich zur Verhandlung gelangte; der An- geklagte habe fich auch wcnige Tage nach dem Vorkommnis! zn der Zeugin begebe» und um Verzeihung gebeten. Der Gerichtshof trat noch zweimal in die Berhandlnug ein, um den Thatbcstand nach allen Richtungen hin zn ergänzen und erkannte dann: Der Richter- Habe das iveibliche Publikum, welches sich ans der Straße anständig bewege, zn schützen— auf vier Monate Gefängniß. Ter Zcnge Tattmaun. Als ei»„klassischer" Zeuge offenbarte sich der Schuhmacher D a l l in a n», welcher gestern in einem Straf. verfahren gegen den Schuhmacher Emil Schaas vor der 133. Ab- theilnng des Amtsgerichts I. eine wenig beueidenswcrlhe Rolle spielte. Schaas sollte den Zeugen Dallmann am 4. November d. I. Mittags durch die Worte„Lump, Streikbrecher"». s. w. beleidigt und ihn am Abend desselben Tages gemißhandelt habe». Der Thal- bestand war folgender: Der Angellagle sowohl wie Tallmaii» arbeiteten in der Schuhwaarenfabrik der Gebrüder Simon, in welcher im Oktober d. I. ein Streik ausbrach, welchem sich beide anschlössen. Nach etwa zwei Tagen überlegte sich jedoch Dallman» die Sache, wurde ein Streikbrecher und nahm die Arbeit in jener Fabrik wieder ans. Infolge dessen zog der Angeklagte, welcher bei Dallmann in Schlasstelle gewohnt Halle, von ihm weg. Stach einiger Zeit wurde der Streik bei Simon beigelegt und auch der Sln- geklagte nahm die Arbeit am 4. November d. I. wieder auf. Dall- mann, welcher ebenfalls anwesend war, durchsuchte ans Aeraer darüber, daß der Angeklagte von ihm fortgezoge» war, dessen Sachen—»in zn sehen, ob Schaas nicht auch etwas mitg-nounne» habe.— Der. Angeklagte stellte ihn deswegen zur Rede und es kam zu einci» Wortwechsel, in welchem der Angeklagte den � Lcrantivortlicher Redaktenr: Angnst Jacobey in Berlin. Für den Jnsci Zeugen Dallmann durch die Worte„Lump, Streikbrecher" u. s. w. belerdigt habe» soll; schließlich soll, nach Dallmann's Beknudung, der Angeklagte ihn auch noch mit einen» Messer gedroht haben. Ter Angeklagte, welcher nicht>»ur schlecht hört, sonder» auch körperlich ivenig entwickelt ist nnd im Gegensatz zu Dallinann eine» schwach- lichen Eindruck macht, will dagegen zuerst von Dallmann beleidigt worden sein; auch habe nicht er, sondern vielmehr Dallmann ihm mit einem Messer gedroht; das könnte» alle Kollegen beknilde». Der Gerichtshof lehnte jedoch eine weitere Beiveisausnahme für diesen Pnnkt ab. Als sich nach Schluß der Zlrbcitsstiinden der Angeklagte nach Hanse begab, soll er—>vie Dallmann zunächst behauptete— diesen mit einem Schlüssel eine» Stoß versetzt habe», sodaß der Zeuge eine Verletzung am Handgelenk erhielt. Die Verletzung gicbt der Angeklagte zn, er will aber in Nothwehr gehandelt haben. Durch die Beweisaufnahme»vurde denn auch erwiesen, daß Dallman» nach Schluß der Arbeitsstunden in dein Thorweg ivartete; als der Angeklagte vorbeigegangen, stürzte der Zeuge Dallmmm ihm»ach, faßte ihn — ivie gesagt ivnrde—„am Wickel", zog ihm das Jacket über den Kopf nnd„»vinkte ihm ei» paar" auf den Kopf. Der Angeklagte ivollte sich losmache» nnd nahm hierzu allerdings irgend einen Gegenstand ans der Tasche, da er von Dallmann recht nnsanft hin nnd her gestoßen worden war. Um einer Anklage gegen sich zuvor- znkoinnien, lief Dallmann dann sofort zur Polizei. Er blieb zunächst im Termine dabei, daß der Angeklagte ihn angegriffen habe; nach Vernehmung eines anderen Zeuge» erklärte er jedoch plötzlich, er wisse, daß man ihn meineidig machen wolle; man möge ihm einen Eid nicht abnehmen, er veriveigere die Aussage darüber, ob er zuerst geschlagen, dagegen könne er beschwöre», daß er i» der Mittagsszene zuerst geschimpft worden sei u. f.»v. Der Staatsanwalt hielt de» Angeklaglcn trotzdem für glaubwürdig nnd beantragte»vegen der Beleidigung 30 M. Geldstrafe, dagegen wegen Körperverletzung mangels'Ans- klärnng die Freisprechung. Der Verlheidiger, Rechtsanwalt Dr. Löivenstein, charakterisirte den Zeugen Dallmann in trefflicher Weise,»vies aus dessen Vorstrafe»»vegen Sachbeschädigung und Widerstandes hin und beantragte die Freisprechung»vegen Körper- Verletzung und, vegen der Beleidigung mindestens Kompensation, anßerdein beantragte er, den»„klassischen" Zeuge» Dallman», der in frivoler Weise oder mindestens grob fahrlässig die Anzeige erstattet habe, die Koste» des Verfahrens und der Verlheidigung aufzuerlegen. Der Gerichtshof lehnte zivar diese» Antrag ab, erkannte aber in» übrigen nach den Anträgen des Vertheidigers. Ter Prozeß wegen dcS Verkaufes ungekochten kranke» Fleisches ans der Talke'schcn Kochanstalt auf den» Schlachthofe, welcher kürzlich nach mehrstündiger Verhandlung der Vertagung versiel, scheint eine»veit größere Ausdehnung anzunehmen als bisher. Die Akten sind der Staatsanivaltschaft zurückgegeben, und die Cache ist in das Stadium des Vorverfahrens zurückversetzt»vorden. Es handelt sich zur Zeit um Ermittelnngen i»»veit mehr Fällen, als die Anklage zuerst annahm. Die erneute Verhandlung dürfte, ivie die „Allgemeine Fleischer-Zeitung" mittheilt, kauin vor Februar oder März des nächste» Jahres stattfinde» und mancherlei Ueberraschungen zn tage förder». Milchhandel und Wandcrgeiverbcschcin. Der Milchhändler Külper in Alteniverder schickt täglich Milch mittels Wagen nach 'Altona, ivo bestimmte Kunden die Waare von seinen» Kutscher entnehmen. Gelegentlich erschienci» am Wagen auch andere Leute »nd kauften Milch. Zur besonderen Besteuerung gemäß den» Gesehe über die Bestellerung des Handels im Umherziehen vom 3. Juli 1876 hatte Külper diesen Handel nicht angemeldet,»var also auch nicht in» Besitze des Mandergc»verbescheius, der zugleich als Quittung für die in belracht kommende Steuer gilt. Er wurde beschuldigt, sich hierdurch gegen das genannte Gesetz vergangen zu haben, da der Verkauf von Milch an Nichtknnden in Altona mit seinem Einvcrständniß erfolgt sei. Die entscheidende Bestiinmnng in» Gesetz lautet:„Wer außerhalb seines Wohnsitzes ohne Be- aründnng einer geiverblichen Niederlassung und ohne vorherige Be- stcllnng Waare» irgend einer Art mit Ausschluß der selbst- gcivonnenen Erzeugnisse der Land- und Forstivirlhschast feilbieten will, unterliegt der Stener�voi» Geiverbcbetriebe i»i» Umherziehen." Ter Angeschuldigte berief sich ans ß 50 der Geiverbe- Ordnung,»vonach eines Wander-Gciverbescheincs nicht be- dürfe,»ver selbstgewonnene oder rohe Erzengnisse der Landivirlhschaft feilbiete. Das Schöffengericht sprach ihn auch frei, jedoch verurtheille ihn das Landgericht als Bernfungsinstanz zn einer Geldstrase von 36 M. Tie Strafkammer führte anS. die Milch sei allerdings ei» Roherzeugniß der Landwirthschast und könne darum vom Angeklagte» auch außerhalb seines Wohnsitzes nnd des Sitzes seines stehenden Geiverbcbctriebes seilgeboten»verde», ohne daß er hierzu des Wander-Geiverbescheines bedürfe. Indessen»verde durch den§ 59 der Gewerbe-Ordnung nicht die oben zitirle Be« stinimiing des Gesetzes von» 3. Juli 1876 angelastet. Die Slcnerpflichl von» Geiverbcbetriebe im Umherziehen bleibe bestehen nnd deshalb hätte K. de» Gciverbcschci» doch lösen müsse». Ans die Revision des Aerurlhcillen hob das K a>» in e r g e r i ch t die Vorentscheidung auf nnd»vies die Sache nnter folgender Begründung in die Vorinstanz zurück: Soiveit das Gesetz von» 3. Juli 1876 zur Bestenernng des Geiverbe- betricbcs in» Umherziehen verpflichte, sei es durch§ 59 der Gewerbe- Ordnung nicht anfgchoben nwiden. In der zitirle» Beslimmnng, die Sleuerpflicht betreffend, heißt es aber»vörllich:„wer.... feilbieten»will", der Wille z n in Feilbieten werde also vorausgesetzt. Der in einzelnen Fällen tbatjächlich erfolgte Verksinf an Fremde spreche für dies,» Willen noch nicht. Auch setze der Begriff des FeilbietenS geivifse positive Veranflaltniigen voraus. Ob solche, znni Beispiel ein direktes Anbieten, vorlagen, sei uachzu- prüfen._ Vevssttnmlttttlgen. Eine öffentliche Ttudentenversaninilung tagte am Dienstag Abend in Keller's Festsäle», in der'Adgeordiicter Angnst Bebel über das Thema„Akademiker und Sozinlismns" sprach. Die Aer- amnilnng war von 2500—3000 Personen— meist Slndenle» nnd onsliges akademisches Publik»»»— besucht nnd schon lange vor Bcginn polizeilich gesperrt. Den Vorsitz führte Cnrt B a a l e. Genosse Bebel führte ans, es könne vielleicht seltsam erscheine», daß er als Philister zu de» Studenten komme. Er hoffe auch keineswegs, diese, soweit sie nnscrcr Partei fernstehen. plötzlich zn überzengtcn Sozialdemokraten machen zu können. Es ge- »üge ihm,»veun die Studenten angeregt»vürden, sich ernstlich mit den, Sozialismus, der ivichligsten Knltnrfrage des Jahrhundtrts, zn beschästige». Der Redner bezeichnet es als sebr»vlnischens- »verth, daß der Student wenigstens ein Semester in einer größere» Ilniversilätestadt zubringe,»n» dort Arbeiter- Ver- saiinnlttngen besuchen nnd die soziale Lage der A>bciterklassc kennen lernen zn können. Es sei durchaus falsch, den Slndenle»» von aller Politik fernhalten zu»vollen. Politische Tendenzen treten schon ans der Schule»ud besonders i» de» akadeinischen Vorlesungen an den Slndenten heran; aber gerade von der Bcschäsligung mit den Ideen deS Sozialismus wünsche ma» ihn zurückzuhalten: aus Politik. Solcher einseitigen Ans- bildung müsse man entgegen zu tretci» suchen. Daß wir heute so viele unverständliche gerichtliche Urtheile erlebe», hänge damit zusammen, daß die Richter in den soziale» Vornrlhcilcn ihrer Klasse befangen und oft nicht in der Lage seien, die soziale Lage der'Angeklagten nnd deren politische Denkweise z» verstehen. Auch die henligen Stndenlen»vürden später Beamte, Richter, Staalsanivälle, höhere Lehrer er. mit mehr oder»renigcr großen» Einfluß ans da? öffentliche Leben. Da sei cs denn eine be- dcutungsvolle Ausgabe, die Studenten zur vorurtheilsfreien Bolrach- tung des Lebens nnd der sozialen Ströninugen unserer Zeil zu ver- anlassen, damit sie die so geivonnene Kenntniß im späteren Leben verwenden können. Von diesem Gesichtspunkt ans giebt der Redner eine anssühr- liche Geschichte der sozialistischen Bcwegnng. Die Bewegung ging stets im Znsainnicnhang niit der ivirthschastlichen Enlivicklnng nnd halte in dieser ihren Ursprung. Man denkt eben nicht,»vas niau itcnthcil veranNvorllich: Th. Glocke in Berlin. Druck»nd Verlag von B,' »vill, sonder»»vas man muß. Alis die akademische» Verhältnisse wirke der Niedergang des Mittelstandes dadurch ein, daß jetzt viele kleinbürgerliche Familien das Letzte zusanlinenrassen, um den Sohn stndiren zn lassen und ihm dadurch der Sphäre des niedergehenden Mittelstandes zu entrücken. Dadurch aber»verde das heutige Ueber- angebot an gelehrter Arbeit und daS Stndirlenproletariat geschaffen. Den Auseinandersetzungen über die Gestaltung der»virthschasllichen Verhältnisse folgte eine Darlegung der Ziele der sozialdemokratischen Partei nnd ihres Programms. Ter Sozialismus will, das alle Kuklminittel der Gesammtheit zu gute kommen sollen. Jeder soll Rechte»md Pflichten habe», aber keiner Rechte ohne Pflichten(Beifall). Um diese Ziele zn erreichen bedürfe, man keiner Rcvolnlioii oder Gcwalt. An diese denke die Partei nicht; sie sei nicht möglich, aber auch nicht nölhig. Die Herren Slnnini nnd Krupp seien die besten Revolillionäre. Man baue heule sehr viele Kirchen, aber man baue»och nichr Fabriken, und hier eben»vürden die Sozialdemokralen geschnffe». Tie Sozialdemokraten haben das Ideal, der Menschheit zn nützcn. Schaffen Sie sich auch Ideale, um ihnen in» späteren Leben nachzustreben. Mit einer Anspielung ans das baldige Weihnachtsfest schließt der Redner, indem er die Slndenle», ermahnt, dafür zn sorgen, daß das Wort„Friede ans Erden und den Menschen ei» Wohlgefallen" zur That nnd zur Wahrheit»verde. Branseuder, wiederholter Beifall lohnte den packenden Vortrag. Ii» der Diskussion sprach zuerst Herr v. Egidy. Er glaubte, daß wohl alle Anweseiiden den Zielen des Redners mit Herz nnd Sinn znstiinniten. Diese Gesinnung solle man sich als eine Religion beivahrcn. Er»varnt � aber davor, sich konfessionell an die Glaubenslehren der Sozialdemokratie zn binden. Es sei doch sehr fraglich, ob die Zentralisirniig der ganzen Volkswirthschaft nolhivendig sei. Auch freie Genossen- schaften könnten zun» Ziele sührcn. Die Hauptsache sei: Ter Ent- »vickelnng die Bah» frei!— Pastor F a b e r»vendet sich gegen eine Aeußerung Bebel's„Roth lehrt denke»",»vnhrend die Christen sagen: „Roth lehrt beten". Das stände nicht miteinander in, Wideispri-ch. Er sei auch ein Mann des praltischen Lebens nnd habe soeben ein Patent ans eine neue Setzinaschine bekomme». 'Aber er»Visse doch das Christenthnn» zn schätzen nnd wisse, daß nur ein verknöchertes Christenthitin das freie Denken ver- hindern»volle.— Studiosus Dahlie hält eine Unigestaltnng des Volkslebens nnd eine Theilnahnie der Massen an den Kulturgütern für nölhig. Um dies zu erreichen, müsse das Volk aber erst fähig »verden. ans andern als persönliche» Gründen große Ideen z» vertreten. Wir brauchten bessere Menschen, bevor es beffer»Verden könne, nnd diese können nur durch Erziehung gewonnen werden. Das sei der Fehler der Sozialdemokratie, daß sie die Restcklate voriveg nehmen»volle, bevor die geeigneten Menschen da seien.— Dr. Friedeberg macht darauf anfinerksan», daß ja keiiie Partei so viel sür die Erziehung Ihne, wie schon jetzt die Sozialdemokratie. Tie zahllosen öffentlichen Versnininlnngen, die ganze Geiverkschaflsbewegnng wirken auf die Erziehung der Mensche» hin. Der Redner geht näher a»f das physische Elend des heutigen Proletariats ein nnd fordert die Sludenlen ans, ihre Auge» für das Sehen von Roth und Elend zu übe» und im späteren Leben für die Ideen der Menschlichkeit einzutreten.— Nachdem noch Dr. B e n t l e r ebenfalls gebeten hat, ans dieser Versammlung eine ernste Anregung mit»ach Hanse z» nchnien, ergreist Bebel zu einer kurzen Schlußrede das Wort. Herr v. Egidy müsse sich doch nun bald von dem Jrrthuu» seiner Bestrebungen überzeugen. Er kämpfe sür seine Ideen seit einer längeren Reihe von Jahren Unter großen persönlichen Opfer», habe aber so gut ivie nichts erreicht. Egidy warne vor der Zentralisirung; das Individuum an sich sei aber nichts und nur in der Vereinigung»»it ander» eine Macht. Was die Aenßerunge» des Pastors Faber betreffe, so sei das offiziell« Kirchenthuu» eben anderer Meinung über das freie Denken, als Herr Faber. In allen großen Kulturbeivegnngen der letzte» Jahrhunderte hat das Chrislenthn»» ans der Seite der Vvlksgcgner gestanden und wa» der Repräsentant alles Rückschritts. Der Redner gehl noch auf die irrthüniliche Geschichtsn»ffassu»g des stuck. Dahlke ein und legt« dar, daß die Sozialdemokratie i» ihrem Programm auch jetzt schon der Schule die höchste Aufgabe zuiveise und verlange, daß die ge. samniten Erziehnngekoste» von der Volksschule bis zur Universität vom Staate gelragen iverden sollen. Man solle nur dafür sorgen. daß diese hohen Ideale bald in die Wirklichkeit umgesetzt iverden können.- Tic Wcihnachts- Nnniniern des„Wahren Jakobs" und und des„S» d d e u l s ch e n P o st i l l o n s" liege» vor. Beide habe» sich bemüht, textlich ivie in Beziehung ans den Bilderschmuck etivas Besonderes zil biete». Ter„Wahre Jakob" bringt»l. a. Gedichte von Arno Holz und zahlreiche zun» theil sehr an- sprechende Jllnstrationen. Der„Süddeutsche Postillon" enthält neben anderem eine an kräftige» Tönen reiche Schilderung des Magde- burger„Bildersturms" und zivei große Bnnldr»ickbildec, von denen das eine,„Aiichels Traun» i» den z»völf Nächten" darstellend, den meiste» Beifall finden»vud._ und letzte Ntrrfjvutzken. Kick, 15. Tezemb.r.(B. H.) Der Kaiser ist mit dem Prinzen Adalbert heute Nachmittag 3 Uhr 10 Minuten hier eingetroffen. Er fuhr in einer Salonpinasse der„Hohenzollern" an Bord� des Kreuzers„Gcsion",»velcher die Kaiserstaudarle hißte. Die Schiffe gaben den Salut. Etiva 10 Minuten verblieb der Kaiser ans den»„Gesion". Er hielt eine Ansprache an die Mannschaften, in der er die Bedenlung der bcvvlstehende» Reise hervorhob und die Ermahnnng an sie richtete, sich tapfer zn halten und stets ihres Fahneneides eingedenk zn sein. Morgen Vormittag 9 Uhr erfolgt die Abfahrt dcs Geschivadcrs durch den Kaiser Wilhclrn-Kanal. Agram, 15. Dezember. In der heutigen Sitzung des Landtages ivnrde nach einer Reihe großer Lärmszenen die Ausschließung des 'Abg. Potocnjak für 70 Sitzungen beschlossen. Weiterer Lärm entstand, als bei der Verlesiing der Eingänge die Verlesung der von dein im« garischc» Reichstage zugesandte» Schlnhrechnin gen vcilangt irnrde nnd der Präsident erklärte, daß dieselbe» i» ungarischer Sprache ab- gesaßl seien. Die ganze Opposition erhob sich mit den Rufen: „Zurück damit! DaS ist eine Beleidigung des kroatischen Volkes; wir protestiren gegen diese Jiisaiiiie!" Die Sitzung wurde sodann nnlcr großer Erregung geschlossen. Paris, 15. Dezember.(B. H.)„P.ilrie" kündigt an, daß das Kriegsgericht sich mit der Untersitchnng Esterhazy's befasse» wird. Der Untersiichiiiigsrichler ist bereits ernannt. Aufsehe» erregende Verhaftungen stehe» bevor. Anttvcrpc», 15. Dezember.(B. H) Der Dampfer„Punz Albert", der mit einer Erzlndiiiig auS Bilbao nulerwegs, und ein mit Getreide beladener Dreimaster kollidiru» 70 Meter vom Kanal entfernt,»»teiuaiider. Tcr„Prinz Albert" sank inueihalb eines Zeitraunirs von drei Mtnnleii. Der giößte Theil der Mannschaft konnte sich»clle», ei» Ingenieur, ein Heizer und ei» Matrose sind umgekomine». Haag, 15. Dezember.(W. T. B.) Die Zweite Kammer nahm mit 46 gegen 4l Stilinnen ein'Amendement zum Marinebndgel an, durch welches die für den Bau eines neuen Kriegsschisses geforderte ©limine abgelehnt wird. Der Marinemiiiister beanlragle hierauf, die wcilcre Beralhung auszusetzen. Kvpcnhagc», 15. Tczbr.(W. T. B.) Das Land»virthschi»fls- miiiisteiini» erließ aus'Anlaß von Fällen der Maiik- und Klauenseuche in Schwede» ein Einfuhrverbot für Klanenvieh aus Schwede». Tiontheiin, 15 Dezember.(W T. B.) Ein Abgesandter der Regierung der Vereinigten Staate» von Nordamerila ist hier ein- getroffen mit dem Austrage, ransend Rnmthicre anznlansen und hundert Männer anzuwerben sür eme Enlsetznngsexptdilio»»ach Klondyle. Ncw-Dork, 15. Dezember.(W. T. B.) Eine hier ans Valparaiso eingetroffene Tcpesche meldet, daß das chilenische Kabine! demiffionirt hat. ix Babing in Berlin. Hlrrzn L Brilagc»»i. llnlcrhaltnngoblatt. ilt.293. 14. m-w.! KcilM Ks Jotmätls" Jrtlinct üolblilalt. Meichskag. 11. Sitzung com Mittwoch, den 15, Dezember 1897, 9lm Tische des Bundesraths: Gras P o s a d o w s ky, von G o p l e r. Piäsideiit v. Buol eröffnet die Sitzimg um l'/e Uhr, (Sin schleuniger Antrag des Abg. R i ck e r t wegen Einstellung eines Strafverfahrens gegen den Abg, Tr, Pachnicle beim Landgericht in Stargard wird debatlelos angenommen. Darauf wird die erste Lesung des Etats fortgefetzt. Abg, Graf Kunitz(k,) ivendet stch gegen die Ausführungen des Abgeordneten Nichter über die Börsenfrage. Ich bestreite, daß das Börsengesetz uns Landwirthen Schaden bereitet hat. Der Abg. Richter hat darauf hingetmesen, daß ein Posten Getreide nach Frank- reich ausgeführt worden ist: das ist früher auch geschehen, um die Preise auf dem Berliner Markte zu treiben. Die Aushebung des Terminhandels ist ein erfreulicher Schritt zur Gesundung unseres Börsenhandels.— Stände der Preis im Ausland höher als im In- lande, dann würde kein Getreide eingeführt werde». Es ist aber Getreide eingeführt worden und zivar in steigenden Mengen, Diese Thatsache beweist, daß unser Preis nicht so schlecht steht gegenüber dem Auslande, wie Abg, Richter es behauptet. Das ist doch eine günstige Folge dieser Gesetzgebung. Der Versuch, die Termingeschäfte in das Ausland zu verlegen, was immer in Aussicht gestellt worden ist. ist als mißglückt anzusehen. Durch die Aussprüche der Abgg. Richter und Rickert, es müßte der Getreideterminhandel wieder ein- geführt werden, werden Hoffnungen genährt, die ganz un» erfüllbar sind. Die bisherige Haltung des preußischen Handelsministers ist mir eine durchaus sympathische Ich halle es nicht für nöthig, wie andere i»»nferen Kreisen, daß man verlangt, daß auch noch gegen andere Veranstaltungen der Börse vorgegangen wird. Redner wendet sich weiter zu der Frage der Ent- völkerung des platten Landes, Die Polonisirung hängt damit eng zusammen. Wir müssen versuchen, den deutschen Arbeiter in den östlichen Provinzen seßhaft zu machen: dann würde die Polonisi- rung aufhören. Da ich Mitglied des Bolkswirthschaftlichen Ausschusses bin, muß ich mir in der Besprechung der Handelsverträge Reserve ans- legen. Ich muß aber den Abg. Richert daran erinnern, daß der russische Handelsvertrag nur init einer ganz geringen Majorität durchgebracht ist, und zivar mit Hilfe der Eozialdemokrale», Die Hebung des Wohlstandes ist ausgeblieben. Das jetzige planlose System der Handelsverträge muß aufhöre»; an die Stelle müssen autonome Tarife treten, auf deren Grundlage für jedes Zugeständniß auch ein solches von dem anderen Staate gemacht wird. Gründlicher aber muß die Vorbereitung der künftigen Verträge fein als die der jetzt laufenden, Abg. Richter stellt sich den Zlbschliiß eines Handelsvertrages mit Amerika viel zu leicht vor. Speziell Amerika gegenüber müsse» wir sehr vorsichtig sein und nicht allzu viel Werth auf die Reprozitäls- llausel des Dingley-Tnrifs legen. In Amerika spricht man es offen aus, die Neprozitälsklansel ist der reine Schwindel, man hofft aber, daß Deutschland doch auf den Humbug hineinfällt. Wenn bei der Revision der Handelsverträge nicht vorsichtig verjähre» wird. wird der Zersetzungsprozeß in der Landwirthschasl noch gefördert werden. Roch ein paar Worte zur Flotte»vorläge. Sie wird ja schließlich zu stände kommen, wenn sie auch der Eine mit schwererem, der Andere mit leichlerem Herzen aiinehmen wird. Wir brauchen die Flotte zum Schutze der Verproviaiitiriing. Man darf sich aber nicht zu sehr auf die ausländische Zufuhr verlassen, der deutschen Landwirthschafl wird doch im Kriegssalle die Ausgab« der Ernährung des Vaterlandes zufalle». Die deulsche Landwirthschast ist deshalb noch wichtiger für die Wehrkraft des Vaterlandes als die Flotte, Möchte diese Erkenntnis! sich»och mehr in der Regle- rung Bahn brechen,(Beifall rechts.) Abg, Bebel(Soz.): Graf Kaniy hat sich i» seiner Rede vor- nehnilich mit der freisinnigen Partei beschäftigt. Rnr einmal erwähnte er uns Sozialdemokraten, als er sagte, der russische Handels- vertrag sei mit ganz geringer Majorität und nur mit Hilfe der Sozialdemokrale» zu stände gekommen. Aus dem Tone, in dem er das sagte, und'ans dem Beifall seiner Parteisrennde war zu schließe», daß er unsere Stimmen so zu sagen als minderwerthig einschätzte, Unsere Stimmt» sind aber genau so viel werlh, wie die Stimme» der Konservativen, ja in gewissem Sinne noch mehr werlh, denn hinter unseren Stimme» stehe» 1 797»ov Wähler, hinter de» Konservativen kaum 1 Million. Unsere Stimmen kommen vor- wiegend ans Arbeiterkreisen, die der Staat nicht entbehren kann, ivährciid dem Staat nicht nur kein Schade, sondern sogar ein Ge win» entstände, iven» ihm die 15 oder LOOOt) Jnlikerjamil,»,, verlöre» gingen,(Bravo links. Unruhe rechts) Auf grund meiner Rede bl» ich von sechs Ministern und von zwei Redner» aus dem Hanse atlakirt worden. Selbstverständlich werde ich heute auf die Haupteinwände antworten und zwar zuerst auf die � der Abgeordneten von Kardorff und Paasch». Herr v. Kardorff hat sich auf die Broschüre eines gewissen Korb- lnachers Fischer berufen und gemeint, wenn nur der zehnte Theil der heftigen Angriffe darin gegen uns wahr wäre, dann stünde es »in die Moral der Führer der Partei sehr schlecht. Wer im GlaS- Hause sitzt, sollte sich hüte» mit Steinen zu werfe», Herr v, kardorff, er sollte sich vor allein hüten, sich bei seinen Angaben auf eine Persönlichkeit zu stütze», ohne sich vorher zu vergewissern, mit welcher Sorte von Menschen er es eigentlich zu Ibun hat. Dieser Fischer ist nun ei» Mensch, der wegen gemeiner Vergehen schwer bestraft ist. Er ist wegen Körperverletzung und Angriffe ans eine» Beamten in Ausübung seines Amtes zu zwei Monate» Gesängnist »»d dann wegen Messerstecherei zu einem Jahr Gesängniß ver- urlheill worden.(Hört! hört!)«später ist er noch wegen Vetrngs bestraft worden. Was für ein Barsche er ist, zeigt auch der Eipressungsversnch, den er an seinem Schinager verübt hat. Er schreibt in einem Bneie, den dieser uns zur Berfügnng gestellt hat, folgendes:„Weißt Du Lnnip»och, daß Du mir armen Menschen vor dem Palais des Kaisers senden ivolltest,»»> dort eine Dynamilbombe zu werfen? Mir armen Mensehen ivolllest Du zum Werkzeug Deiner a»archist!sche» Pläne benutzen. In Brnndeiiburg a. d, H. hast Du Lninp Deine Wohnung zu geheimen sozialdeniokralische» Versn»»»l»»ge» hergegeben. Dich Luiiip bringe ich ans das Znchlhaus.(Hört! hört!) Aus dein Slil iind der Onhographie des Briefes geht hervor, daß Fiseher gar»ich! sähig war, die Broschüre gegen uns zn schreiben, Er hat eine» Eideshelfer dazu gesucht»»d der stellte sieh ihm i» der Person eines Redakteur? des Organs der Herren v. Kardorff und Stnmi». Es ist ein gewisser Fink. Ich mache nur darauf ansmcrksam, daß diesem Fink von dem Vorstände des Ver- cinS„Berliner Presse' auf grund ehrenrühriger Handlungen der Rath ertheilt worden, er möge seinen Austritt sreüvillig nehmen, (Hört l hört!) Herr Fink ist daranfhi» ans dem Verein ausgeschieden,(Hört! hört!) Ueber die moralische Qualifikation der beide» Personen, auf die sich Herr v, Kardorff stützt, brauche ich kein Wort»lehr zu verliere»,(Sehr richtig! links.) Ich erwarte ruhig das Urlheil des Hauses. Run zn Herr» Paasch«, Er ist einer der Professoren mit großem Worlrcichthnm, aus die das Wort Roons ans Gneist paßt: Der Man» kann alles bclveisc».(Heiterkeit links). Man denkt bei ihm auch an das Wort ans der Paulskirche: Hmiderldreißig Professoren, Vaterland, du bist verloren,(Heiterkeit links.) Er ist gestern als lautester Lobredner des Kapitalismus anfgeirelen und hat ihn mit einer Kühnheit verlheidigt, die selbst Herr v. Stumm nicht auf- zubringen vermocht hätte. Seine Rechtfertigung der indirekte» Steuern ist durchaus falsch und uiihallbar. Bismarck, der für den Abgeordneten Pansche sicherlich eine Autorität ist, hat am 22, November l37s die indirekten Stenern als Stenern aus die Luxusgegenstände der große» Masse bezeichnet. Auch die Zentrumsredner Fritze» und Lieber haben anerkannl. daß die indirekten Steuern die arbeitenden Klassen besonders belasten. Herr Paasch« aber kanzelt uns. ausgerüstet mit der ganzen Wissenschaft. von oben herab ab(Heiterkeit) und beruft sich dabei ans die Statistik, aus der er auch beweist, daß die Zahl der selbständigen Existenzen in der Zunahme begriffe» ist Die Zahl der selbständigen Landwirlhe beträgt 2 S76 ovo, die Zahl der Wirthschastsbeamlen SS 173, Unter diesen selbständigen Land- wirthen sind aber eine sehr grobe Zahl von solchen. die i» ihrer Lebenshaltung gar nicht anders als Arbeiter angesehen werde» können, deren Einkommen eher noch niedriger als das vieler unselb- ständigen Arbeiter ist, Diese zn den selbständige» Unternehmern rechnen zu wollen, ist doch verkehrt. In Industrie und Ge- werbe sind dagegen t 774 4SI selbständige Geschäftsführer und Leiter und 263 747 Auisichlsbeamti. Auch unter diesen sind eine Anzahl kleiner Leute, die in ihrer Lebenshaltung um ke>»Jota besser stehen als die Arbeiter. Der Beweis dafür ist, daß sich elne große Zahl unter ihnen zu den Sozialdemokraten zählen, Bezüglich der Lage der Handwerker hat uns die Slatistit Ausknnst gegeben, die uns vor einem Jahre vorgelegt ivurde, Sie giebt allerdings nur Rechen- schaft über 69 Theile des Dentschen Reiches, aber über solche, die als maßgebend angesehen werden können. Sie umfaßt KI 299 Handwerker, nicht weniger als 37 949, also iveit über die Halste, hatten nicht eine Hilssperson, nicht einen Lehrling eingestellt. Sie sind in der Hauptsache nichts wie Tagelöhner, die kaum als Unternehmer gezählt werde» können. Wie steht es aber in bezng auf das Einkommen? Darüber giebt»ns Ans- kunft eine Statistik, die Prof, Bücher vor einem Jahre in Leipzig über 5K17 Handwerker aufgenommen hat. Leipzig ist eine der wohl- habendsten Städte in Deutschland, so daß diese Handwerker stch also nicht in einer Art besonderer Nolhlage befeinden. Und ivie lautet das Resultat? Nicht iveniger wie 2341 oder rund 42 pCt, sind unter diesen, die ein Einkommen von 309— 959 M, haben(Hört! Hört!) KK.S pCt. habe» weniger als 1259 M. Einkommen. Solchen That- fachen gegenüber, die nicht von Sozialdemokrate» aufgestellt sind, denen gegenüber man den schwärzesten Verdacht haben könnte, son- der» von mehr oder iveniger interessirten Leuten, haben»vir alle Ursache, uns so zn verhalten, wie wir es gethan haben. Bei dieser Gelegenheit möchte ich über die Lage des kleinen Gewerbes auch ans anderes hinweisen, Ich sagte neulich, es gäbe Betriebe, die von 18S2 bis 1695 bis zu 59 pCt a» selbständigen Hand- iverkcr» eingebüßt haben. Das war noch zu günstig. Nun- mehr habe ich mich überzeugt, daß von den selbständigen Spinnern, die 1882 noch vorhanden ivaren, 1895 K7 pCt. ver- schwunde» sind, ebenso von den Diuckern nur noch 5S pCt,, von den Weber» SK pCt,, von de» Nngelschmiede» 65 pCt., von den Bürste»- »inchern 45 pCt. u. s w. Die Mühlen, die 1682 sich»och auf 42 255 bezifferte», sind 1695 ans 39 K35 zurückgegangen, 14 629 kleine Mühle» sind also in de» 13 Jahre» versehwniide» und dies bei einer Bevölkerungszimahnie von 7 Millionen! Dabei ist doch die Produklio» deswegen nicht gehemmt; sie ist vielmehr riesenhaft gewachsen! Die Zahl der Brauereien hat in diesem ZeUranm um 4999 abgenommen, aber die Bierproduklion ist von 17 biS 18 auf 31 Millionen Hektoliter gestiege». Die Zahl der selbständigen Unternehmer»ur ist rednzirt, die Zahl der>» diesen Betrieben beschästigte» Arbeiier aber hat zu- genoinine». Damals habe ich in den allgenieine» Ansführunge» nach- jnweisen versucht, daß bei dem rapiden Zusammenbruche der Gesellschaft in der Industrie, im Verkehr. Handel und Gewerbe, bei der riesenhaften Vermehrung des Proletariats es nothiv endig sei, daß die Interessen der Arbeiter in ganz anderen, Maße berücksichtigt iverde» müsse», als es bisher geschehen ist. Das ivar die Kardinalfordernng. Wir wollen dasselbe Maß von voller Gleichbercehtignng gegenüber de» Arbeiter» wie gegenüber de» anderen Klasscii der Bevölkerung haben Ich habe dies begründet mit dem Hinweis auf die Thaisache, daß einerseils die Masse des Proletariats riesenhaft znniuimt und ans der anderen Seile Sie die Mitwirknng der Arbeiter bei alle» Unter- »ehinungen mit Nolhwendigkeu brauchen,(Zuruf bei den National- liberale»: Das haben wir je» garnicht bczivcifelt,) Das habe» Sie gestern alleidmgs stark bezweifelt,— Weiler bab« ich rnigesühit. daß die Zahl dieser Selbständigen, worunter eine große Zahl nur sogenannler Selbständiger ist, 2 389 999 beträgt. Diese» stehe» i» Eiimnia 6 299 999 Arbeiter gegenüber, also die dreifache Zahl! Habe» denn diese Arbeiier keine Aiigehörige»? Znrnf bei de» Nalionalliberalen.) Tie Siatislik beweist das, daß die Angehörigen der Arbeiter, ihre Kinder, Familiemingehönge, die der Unternehmer an Zahl übertreffen. Ii» Handel n»d Verkehr habe» wir 643 999 Sclbitändige; eine große'Zahl derselben steht vor den» Unter- gange; die großen Riesengeschäfte,>vie sie von Werlheim»nid anderen in Berlin begründet ivcrden, mache» Zehntanseiide in ivenigen Jahren kapnt. De» Selbständige» stehen 292 999 Mann Koinptoiipersvnal und 1 233 999 anderes Personal gegen- über, also auch hier fast doppelt so viel wie selbständige Unlernehiner, wobei eine große Zahl kleiner Bemnlen, die auch nnr ein proletarisches Einkomme» besitzen, ebenfalls mit zur Last der indirekten Steuern herangezoge» weiden. Dr. Paasch« und Gras PosadowSly haben»»n darauf hingewiesen, daß in einer Reihe deutscher Staaten die direkten Steuer» erlassen seien, in Preußen, >n Hamburg bis 999 Mark, in Sachsen bis 499 Mark. Aber ich ivriß ans meiner Thätigkeit im sächsischen Landtage, daß die nnlersten Eteiierstufen bis 699 Mark kaum mehr ergebe», als die gesammten Erhebiingskoften. DesHaid ist man in verschiedene» Staeilen. auch in Pieußen, dazu übergegangen, diese unterste» Klassen von de» direkte» Stenern ganz zu befteien, Sie müsseii deibei eiber festhalten, daß man infolge der Tendenz, möglichst große Verpflichtung ans die Gemeiiide abzuivätzen. m der Gemeinde von einer Steuerbesreiuiig gar keine Rede sein kann. Es giebt Ge« meindeu i» der Nähe von Berlin, in denen Leute mit 799—899 Mark Einkomintn mehr als 19 bis 29 Marl Einkoinnieiisteuer bezahlen müssen! Ich wende mich nun zn den weiteren Ansführungen deS Abg. Paaschs. Was er da an Anschannngen»nd Behaiiptiingen vor- gebracht hat, das mar mir im höchsten Grade befreindtich. Ich kann sagen, er hat eigentlich in allem, was er über die wirthschastliche» Verhältnisse gesprochen hak. die Wahrheit direkt ans den Kops gestellt. Ich glaube nicht, daß irgendwann und irgendwo ein Professor der Nalionalökonomie, selbst Herr Professor Wolff nicht, den Ei«>» gerade als Sozialistenlödler»ach Deutschland berufen haben, der- artige Anschauungen unterstützen wollte. Was Sie über daS Wesen der Krisis alles nicht wissen, das grenzt ans Unglaiibltche, Sie haben nie von dem Zustande gehört, in der die Waarenprodnklion einen solchen Umfang angenommen hat, daß die Woaren keinen Absatz mehr finden können, indem die Waarenzhk»lalio» gestört ist, das Blut des Gesell- schaslskörpers durch die Ueberfülternng flockt. Es häuft sich eine große Menge von Waarcn auf, die unverkäuflich sind; der Unter- nehmer ist gezwungen, seinen Belrieb zn verkleinern, eine Menge seiner Arbeiter zu entlasse», die Arbeitszeit im Jahre einznschräiiken, Die Jiidiistrie deS betreffenden Zweiges liegt darnieder, die Arbeiter werden drotloS. Und da spricht Herr- Paasch« noch von der günstige» Lage der Arbeiter im Falle einer so vergrößerten Produklton. Wenn Herr Pansche diese seine Ansichten, diese Ae»ßer»»gen nalionnlökononiischer Weis- heit nicht hier i» diesem hohe» Hause vorgetragen hätte, wenn er nach unseren Jiidnstnegegend«», nach Barmen-Elberfeld oder dem Bogtlande, oder auch nach KoltbiiS gegangen wäre, und dort das vor Arbeitern gesagt hätte: die ganze Versammlung hätte ihn einfach ausgelacht.(Sehr richtig!) Meine Herren, die Theorie, die vor nunmehr 59 Jahren zuerst im kommunistischen Manifeste niedergelegt ist, hat durch die Gewalt der Thalsachen sich als iinnmstößlich erwiesen: In dem Maße, wie die kapitalistische Produktion durch die Ent- ivickelung sich vervollkommnel, nähert sie sich mehr und mehr einem Znstande. in dem sie außer stände ist, die Prodilklions- millel iinlerz'.'.brlngen, die sie produzirt hat. wo sie ein« fach nicht weiter kann: wir sehen den Lauf dieser Ent- Wickelung an der Textilindustrie, Die Textilindustrie gehört zu den am meisten entwickelten Produktionszweige» in alle» Kulturländern; und wir sehen überall die Erscheinung, daß sie ihrer Produklio» nicht mehr Herr werden kann. England hat sich durch die indischen Bnuniivollspinnereien in Kalkulla, Bombay noch eiue Konkurrenz im eigenen Lande geschaffen, die sie nicht mehr los wird. Aehntich steht es in Amerika!c. Die Textilindustrie ist die erste, die diesen Prozeß durchmacht, die Eisenindustrie wird die zweite sei». Und so vollzieht sich diese Entivickeluiig in alle» Punkten, Herr Abgeordneter P a a s ch e. Sie habe» davon gesprochen, daß die Finanzlage jetzt durchaus günstig stehe, diese günstige Finanzlage ist doch, nur dem Umstände z» verdanken, daß wir seit 2 Jahren uns in einer Periode der Prosperität befinden, die die arbeitende Klasse in die Lage setzt, ihre Konsumtion zu erweitern. Kommt nun die Krisis— und nach einem Jahre werden Sie ja die ersten Anzeichen sehen— dann ist die Einschränkiing dieser Konsumtion natürlich wieder nothwendig; und ihre erste Wirkung wird sei» eine Verininderung der Einnahmeposten des Reiches. Was Sie da gesagt haben, Herr Paasche, das heißt doch einfach das Blaue vom Himmel herunter- streiten; das sollten Sie schon um ihres guten Rufes als Prosessor willen unterlassen,"(Heilerkeit,) Was nun Herr Paafches von der Entivickeluiig der Kohlen- Industrie gesagt hat, das war derart, daß selbst auf unserer Seite, bei de» Sozialdemokrate», sich e»> leises Mitleid mit de» armen Kohlenbaroiieii regte. Nur V2 pCt, Dividende hätten sie bekommen; da ist ja freilich der Enlbehrnngslohn viel zu klein, als daß die Unternehmer ihre Arbeit iveiter aufwenden könnten. Nur wird dabei übersehen, was sich die guten Leute, um de» Anschein ihrer wenig glänzenden Lage hervorzurufe», alles an Abstrichen leisten, I» keinem Zweige hat die Konzentrntio» so zugenoinnien, wie in unserer Kohlen- Industrie. Abgesehen vom Jnlandskoiism» ist der Absah im Anstände ein enormer; so groß, daß man im Ansland für unsere Kohlen viel- fach billigere Preise zahlt, als bei»ns. Ich kann sage»: die deuischen Kohlenbarone haben in den kehle» Jahren ausgezeichnete Geschäfte gemacht. Und darum erheischt die überaus traurige Lage der i» der Kohleiiindnstrie beschästigte» Arbeiter auch eine ganz andere Fürsorge, als bis jetzt.(Beisall.) Ich komnie nun zn dem, ivas der sächsische Bevoll« »> ächtigte Gras Hohen that gesprochen hat. Er sagte in der Etnleitimg seiner Rede, er spreche nur ans Achtung vor diesem hohen Hause, das ihm mohl übel»ehmen würde, ivenn er schwiege; ich glaube, es hat ihm viel mehr übel genommen, daß er gesprochen hat,(Große Heiterkeil,) Der Herr Gras Hohenthal hat vielfach das aiigkgrisfe», was»ch garnicht gesagt habe. Ich habe gesagt: in Schlesien und Sachsen seien tauseude vo» Familie» durch die W a s s e r S n o l h geschädigt worden, ohne daß die Regierung für genügende Abhilse gesorgt hat; ich habe zugegeben, daß ma» in Sachsen bereits durch eme Vortage an die Linderung der Roth herangeireie» ist. Aber das genügt eben nicht. Man ist eben a» diese Sache nicht mit der Einsicht, mit der Energie herangetreten, die die Regierung in andere» Fragen, z, B. bei der Mililärvorlage, ansgeivandt Hai. Man hat weder in Sachsen»och in Preußen an die sofortige Bewilligniig einer größeren Summe gedacht. Freilich, Herr Hohenthal hat sich darauf bezöge», und auch Herr Posadowsly hat es mit gehobener Stimme verlüudet, daß der preußische Staat, nachdem 2 Millionen bereits aus Privatmitteln aus- gebracht ivaren, weitere 2 Millionen bewilligt hat. Nun, da hat sich wieder etlunal der preußische Staat in seiner ganze» Knickrigkeit gezeigt, die man an ihm gewohnt ist. Nicht 2 Millionen, 29 Millionen wären da nothwendig geivese» Jene Distrikte sind von jeher durch die Ueberschweimnungen schwer geschädigt worden; da hätte man bereits vor zwei Jahrzehnlen ausgiebige Wasserbauten herstelle» und die anderen Schutzmaßregelu gegen die drohende Gefahr treffen solle». Wenn voi» den sür die Flotte ausgeivorfenen MtUione» nnr 59 Millionen für Schlesien verwendet würden, dann tännten ganze Existenzen gerettet, Steuerzahler erhalten iverden. Dazu ist aber kein Geld da, das ist nur sür neue Zerstörnngsmittel von Mensche» vor- Hände». Der sächsische Bevollmächtigte hat mir ungerechte Angriffe auf seine Regierung vorgeworfen. Ich habe aus das korrekte Ver- halten seiner Regierung in Sache» der Aufhebung deS Koalltionsveihotrs hingeiviesen, aber allerdings aus einen Zuruf meiner Freunde hin hinzugefügt, ich zweifle, daß es bei dem reaktionären Herzen des Herrn v. Metzsch nicht dazu kommen würde, daß die sächsische» Konservativen Recht behalten und das sächsische Vereinsrecht sogar in seiner heutigen Gestalt noch verschlechtert wird. Ich gebe zu, daß»ach der Rede des Herrn v, Metzsch. die ich jetzt gelesen habe, die leise Hoffnung besteht, daß er dem Dränge» der sächsischen Konservativen widerstehe» ivird, aber nur eine leise Hofsnung. Wie wenig sie i» Sachsen unter ineint» Parteigeuvsse» getheilt wird, beiveist der Umstand, daß vo» ihnen jetzt im Lande eine große Protestbewegung gegen die Verschlechterung deS Vereinsgesetzes eingeleitet wird. Sehr inter- essanl aber bleibt, daß Herr v. Etnmm das jetzt geltende sächsische Vereinsrecht für reaktionär genug hält, um auf weitere Korrelate verzichten z» können. In, übrige» halte der sächsische Bevollmächtigte gar keine» Grund zu erklären, er werde sich durch meine Reden ic. nicht abhatte» lassen, dem Gesetze Geltung zu verschaffen. Gesetze möge» so reaktionär sei», wie sie wollen. Bestehen sie einmal, da»» müsse» sie auch besolgl werde». Und gerade die Regierungen haben die Pflicht, aus strenge Beachtung der Gesetze zn dringen. Nun hat aber der Minister des Innern i» Sachse» selbst zugegeben, daß beim Vereinsrecht mit zweierlei Maß gemessen werde. DaS ist das Gegentheil von Achtung der Gesetze. Von der konservativen Partei und anderen ist das Verbot des Jnverbtndnilgtrclens offenkundig oft i» Sachsen gebrochen worden, ohne daß dagegen eingeschritten worden wäre, Ich kann nur wünsche», daß jetzt in der That die Gesetze beachtet werden und gegen Sozialdemokraten nicht anders angewendet iverde» als gegen Liberale und Konservative. Nun noch einmal das Verspreche» des Reichskanzlers. Er hat jetzt erklärt, daß er die glatte Allfhedung des Konlitioiisverboles nicht in Aussicht gestellt habe, er habe wohl den Wunsch gehabt, aber nicht die Hoffnung. Hätte der Reichskanzler damals dies erklärt, dann mürde die Mehrheit anders gestimmt haben. Der Reichskanzler hat also etwas verschwiegen, was er schon damals gewußt hat,»m nns in falschem Glauben zn erhalten.(Sehr richtig, links,) Neben der Erklärung des Reichs- kanzlerS kommt aber auch die Erklärung des Herrn v. B ö l t i ch e r in betracht. Dieser rieth von der Annahme des Antrags Auer ab und meinte, die Erklärung des Reichskanzlers sei rechtlich und politisch unanfechtbar. Kann man sich klarer ausdrücke»? Herr v, Bölticher fügle hinzu: Es liegt kein Grund zur Besorgniß vor, sämmiliche Regierungen der Biiiidesstaaten, in denen ein solches Verbot besteht, haben sich anheischig gemacht, dieAnshebungdieses Verbots zn bewirken, Ist das abernochkcin schlagender BeivciS. so will ich noch die offizielle Rede des Herrn v, Metzsch im sächsischen Landtag verlese». Er sprach von einer Eiklärung, die der Reichskanzler im Namen deS sächsischen Bundes- sinales»nd anderer Bnndesstnaien im Reichstage abgegeben hat (Hört, hört! links) und fügte hinzu, die sächsische Regierung müsse nn» erfüllen, waS sie versprochen habe.(Hört, hört! links) Das Versprechen war eben die glatte Slnfhebung deS Koalitionsverbotes und so ist es überall aufgefaßt worden. Der Reichskanzler hat die Sache am Sonnabend noch anders dargestellt, wie am darauffolgenden Montag. Am Sonnabend sagte er noch, er hätte de» Wunsch, aber nicht die Hoffnung aus eine glatte Aufhebung gehabt, am Montag sagte er, er hoffe aus eine Äcrständiguug in Preußen, also auf die Bepacknng mit den sogenannten Korrelaten. Bei solchen Widersprüchen des höchsten Beamten im Sieiche innerhalb dreier Tage darf man sich nicht n undern. wenn das Ansehen der Regierung im In» und Aus lande schwer diskreditirt wird. Gras Posadowslq sagte, die Arbeiter brauchten die Aushebung des Ver- bots nicht so nothwendig, sie hätten ja das Allgemeine Wahlrecht. Herr Posadowsky hat den größten Theil seines Lebens in den östlichen Provinzen zugebracht, wo die F e l d a r b e i t e r noch Heloten und Parins sind(Sehr richtig! links) und kein Koalitionsrecht haben; für die Anfordernngen und Bedürfnisse des industriellen Arbeiters hat er gar kein Berständniß, er fühlt nur agrarisch und hat nur Mitgefühl mit den Junker», »löge» diese noch so anmaßend sein.(Beifall links.) Wenn die deutschen Arbeiter weder die Aufhebung des Koalitions- Verbotes, noch das Koalitionsrechr nöthig haben, dann heben Sie doch die jetzt bestehende» Bestimmungen der Gcwerbe-Ordnung auf, dann schaffen Sie doch klaren Tisch! Daun wissen wir wenigstens, was wir zu erwarten haben, dann täuschen Sie uns nicht länger! Dann ist aber die schwärzeste Reaktion da!(Be- wegung.) Freilich, schon nach den Verhandlungen der letzten Tage wissen die deutschen Arbeiter, ivas sie von dieser Regierung und von diesem„Minister für Sozialreform", vom Grasen Posadowsky zu erwarten haben!(Lebhasle Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Der Reichskanzler hat dann zu erklären versucht, warum er die B ä ck e r e i- A r b e i t e r nicht empfangen habe. Er sagt, weil die Aufhebung der Bäckereiverordnung gar nicht in Frage kommt. Die Antwort hat inich denn doch sehr venvunderl. Weiß denn der Herr Reichskanzler nicht, daß die Regierungensseit Monate» Erhebungen über die angeblichen Schädigungen der Bäckermeister durch die Bäckereiverordnung veranstalten? Und hat der Reichskanzler nicht selber der Bäckermeister-Deputation möglichste Berücksichtigung ihrer Wünsche zugesagt?(Hört! hört! links.) Ich wäre ja sehr zufrieden, wenn die Bäckereiverordinmg aufrecht erhalte» bliebe. Aber ivarum hat das der Reichskanzler nicht der Gehilfendepiitation»ntgelheilt?(Sehr richtig! bei de» Sozialdemokraten.) Die armen Leute geriethe» geradezu in Verzweiflung, als sie nicht empsangen ivurden. Sie faßten die Abweisung so auf, als sei nun ihre Sache ganz verloren. Als gesagt wurde, die Bäcker und Schlächter seien»ach den Ergebnissen der Statistik von I8SS von der kapitalistischen Zertrüniinerung des Handiverks am wenigsten berührt, sie könnten daher am ehesten die Leistungen der Sozialrcforin trage», was erwiderte da Graf Posadowsky?„Ja, sagte er, damals 1835 war die Bäckereiverordniiiig auch»och nicht da." Er hat damit sage» ivollen: Möglicherweise hat die Bäckereiverordnung ruinirt, >vas der Kapitalismus nicht ruiniren konnte! So beurtheilt dieser Minister die Verordnung. Und dabei steht sie doch blos aus dem Papier, sorgen die Polizeibehörden doch nur ,nit»»- verantwortlicher Lässigkeit für ihre Durchführung.(Sehr richtig! bei bei» Sozialdemokraten. Direktor im Reichsamt des Innern Wödtke schüttelt mit dem Kopf.) A» Ihne»(zu Wödtkc) haben die Unternehmer die Hauptstütze, von Ihne» erivarien die Arbeiter garnichts. In einer Petition der Bäckermeister wird zu- gegeben. daß die Verordnung täglich überschritten wird lind daß die Bäckermeister nur solange nicht verfolgt werden, als ihre Ar- bester sie nicht angeben. Noch nie ist so offen eingeslande» worden, daß eine bestimmte Unternehmerklasse absichtlich ein Reichsgcsetz zum Schade» der Arbeiter fort und fort übertritt. In einer Jnnungs» zeitung für Bäckermeister sind Musterantworten auf die Fragen der Regierung nach den Wirkungen der Verordnung initgerheilt. Da . heißt es als Antwort auf Frage l: Seit Bestehen der Verordnuiig muß meine Magd- viel mehr Arbeit leiste» und ich ihr eine» höher» Loh» zahlen, weil mein Lehrling in der beschränkte» Zeit die Arbeit nicht mehr leisten kann. Aus Frage 2 soll geantwortet worden sein: Seil Einführung der Verordnung sitzen meine Gehilsen mehr im Wirthshaus als früher und leisten schlechtere Arbeit. Aus Frage 3 wird die Autwort vorgeschrieben: Ich habe jetzt einen größeren Wechsel der Gehilfen als früher, weil ihr ganzes Trachte» jetzt darauf geht, früher fertig z» iverdcn. Ausdrücklich wird hinzugefügt:„Wir habe» durch diese Benntwortungeu nichts zu fürchten, da die Namen der antwortenden Bäckermeister nicht bekannt gegeben werden.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Es ist einfach eine Anweisung, wie ma» die Behörden am besten belügen und beschiviudelu kann!(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) In Osnabrück fand in diesem Sommer ein Bäckereiineisterlag statt. Bei dem Festesse», das bei solchen Veranstaltungen ja immer die Hauptsache ist(Heiterkeit), wurde folgendes Festlied gesungen: „Die erste Regel muß es sein Zu backen stets das Brot recht klein; Je kleiner's Brot, je größer dann Am Brote der Verdienst daran. Bei kleinem Lohn und kleinem Brot Da leidet nie ein Bäcker Roth! Er mästet sich, wird kugelrund, Fast jeder wiegt 200 Pfund!" (Stürmische allseilige Heiterkeit.) Und diese Leute behaupten, sie gingen an der Bäckereiverordnung zu gründe! Im komme nun zu den Anssührungen des Herrn Handels- in i n i st e r s. Zunächst hat er mir Ausführungen zugeschoben, die ich in dieser Weise gar nicht gemacht habe. Ich habe nur versucht nachzuweisen, wie nothwendig es sei. daß die Reichs- resierung und Gesetzgebung sich mit dem Schutz der deutscheu Arbeiter in den Bergwerken beschäftigen. Ich habe zur Charakterisirnng der Pflichten der Sozialreform des christlichen Staates angeführt, ivie nöthig es sei, sich mit dieser Frage zu be- schäftigen, beweise der Fall, daß mehrere Hunderl Slrbcilcr nicht wieder in Staatsbetrieben beschäftigt wurden, weil sie 1893 an dem großem Streik theilgenommeu haben. Diese Mittheiluiig hat im Reichstag erheblichen Eindruck gemacht, sogar bei dem Staatssekretär Graf Pofndoivsky. Er hat ausdrücklich er- klärt, auch diese Mittheilung werde berichtigt werden. Er hat sie aber nicht berichtigt; er konnte es einfach nicht. Er hat dafür das Geschäft der Erklärung jenes Vorgehens seinem �Kollegen, dem Handelsminister, überlassen. Und dieser hat es vor dem Reichstag, vor der Welt, damit zu rechtfertigen gesucht, indem er aus den Vorgänge» im Jahre 1393 deducirte, daß solche Dinge, wie sie da vorkamen, es nöthig gemacht hätten, daß diese Leute nicht mehr in Staatsbetrieben beschäftigt würden. Meine Heroen, was der Herr Brefeld nicht gesagt hat, das ist, daß die Arbeiter damals durch die Maßregeln der Verwaltung zur Arbeitseinstellung gereizt worden sind. Nach de» Erklärungen des Herrn v. Berlepsch ist damals ausdrücklich anerkannt worden, daß die Bergverwallung den grundlegenden Arbeitslohn von 3,30 auf 3,70 M. herabgesetzt hat. daß ferner die neue Arbeitsordnung einen großen Theil der Arberter a»fS lebhafteste empörte. Ich ko»> statire auch, daß in jenem Revier, wo damals so gut wie gar keine Sozialdeniokratie existirte, die Arbeiterfrauen sich in einer Weise an den Versammlungen betheiligten, wie wir es bis dahin und später noch niemals in Deutschland erfahren haben— ein Beweis, daß auch sie von der Nothwendigkeit des Streiks überzeugt waren. Daß bei solchen Gelegenheiten Dinge vorkomme», die nicht zu billige» sind, das ist doch menschlich. Vom menschlichen Standpunkt, gnrnicht z» sprechen vom christlichen, sollte dann doch endlich Verzeihung für so kleine Vergehen gewährt werden. Haben diese Leute gesehwidrige Dinge begangen, Fenster eingeworfen u. s. w., dann sind sie auch auf grund der Gesetze be- straft worden. Und wen» einer bestraft ist, dann ist Sühne ein- getrete» für sein Vergehe», und dann soll ein anständiger Mensch und eine Staatsverwaltung, die drei Jahre vorher de» Erlaß be- kam: Die Bergwerke solle» Musterbetriebe werden! in erster Linie verpflichtet sein, eine solche Nachsicht zu üben, namentlich wo jetzt Arbeitskräfte selbst aus dem Gesängniß heraus geholt worden sind.(Sehr richtig! links.) Ich meine denn doch, wenn die kaiser- liche Gnade insbesondere den Duellanten, die einen Nebenmenschen aus einer frivolen Ursache ermordet haben, zu theil wird, wenn Polizeibeamte, die wegen der schwersten Gewattlhätigkeiten zu langen Jahren Zuchthaus verurtheilt sind, nach wenige» Monaten begnadigt werden, wenn hochstehende sittliche Verbrecher nach kurzer Zeit, die sie im Gesängniß verbracht haben, begnadigt werden,— dann, meine ich. soll man auch diesen Arbeitern die Begnadigung zu theil werden lassen, indem man sie wieder in Arbeit aufnimmt.(Sehr richtig!) Giebt's etwas, das das zweierlei Maß charaklerisirt. mit dem man heute nn Deutschen Reich und nameutlich in Preußen die besseren und oberen Klassen und auf der anderen Seile die Arbeiterklasse behandelt, so ist dies hiermit inZder aller erklärlichsten Weise gethan.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Die Ausführungen des Herrn Kriegsministers werde ich bei dem Militärelat beantworten; es betrifft besonders seine Darlegungen über das Volksheer. Der Herr Kriegsminister hat sich mir gegen- über als schlechter Stratege gezeigt; ich hoffe nicht, daß er einmal im Kriege ein ebenso schlechter Stratege sein wird. Ich habe in meiner ganzen Rede kein Wort von der Volkswehr gesprochen. Er hat vermuthet, ich würde darüber reden, und sich seine Rede vorher zurechtgelegt.(Heiterkeit links.) Die Rede mnßte an den Manu gebracht werden, und so hörten wir denn die wunderbaren Summen. v!u», in demselben Augenblick verumthlich habe auch ich meine Privatstunden benutzt, die Kosten der Einrichtung der Volkswehr zu berechne». Da bin ich zu ganz anderen ßiesultaten gekommen und habe die Absicht, diese in Form einer Broschüre zu veröffent- liche»; und wen» der Herr Kriegsminister es erlaubt, werde ich ihm ein Exemplar dediziren.(Heiterkeit.) Jedenfalls werde ich die Hauplresullnte bei Gelegenheit des Militär- Etats vorbringen. Dagegen hat es mich augenehm berührt— angenehm nur in einer Beziehung—, daß der Herr Kriegsminister gestern eine neue Artillerievorlage in Aussicht stellte. Am Sonnabend schien dies noch nicht der Fall zu sein. Die neue Artillerievorlage kommt; sie bedeutet eine erhebliche Verstärkung der Artillerie, sie bedeutet also auch einen erheblichen Posten für einmalige Verwendung und eine Steigerung der regelmäßigen Ausgaben. Sehr angenehm und dankenswerth, vaß diese Mittheilungen gemacht werden in einem Momente, da die neue.Marinevorlage bevorsteht und ein Theil des Reichstages sich den Kopf zerbricht, woher künftig die Steuern kommen sollen. In der Thronrede wurde ferner gegen das Ende hin mit Gcnugthuung konstatirt, daß die Beziehungen zu den fremden Mächten die allerbesten sind, daß also Aussicht bestehe, daß der europäische Friede erhalten werde. Ich erinnere mich ferner, im Sommer eine Reihe von Reden gelesen zu haben von europäischen Fürsten in Petersburg, Budapest, in Ham- bnrg>>. f. w.; da hat mir insbesondere eine Rede außer- ordentlich imponirt, jene in Petersburg, in der es hieß: Wenn der Friede gestört werden sollte, dann werde ich an der Seite Eurer Majestät(des Kaisers von Rußland nämlich) mit meiner g e s a m m t e n Macht stehen, den Friedensstörer niederzuschmettern.— Ja, das ist ein schönes Wort; aber wenn die Sache so ist, wenn überall die Häiiptcr der Großstaate» davon überlaufen, daß sie den Frieden erhallen wollen: woher komme» denn die fortgesetzten kolossalen Rüstungen, wie können Sie die noch rechtfertige»? Wer ist denn eigentlich der Friedensstörer? Ist es etiva das Volk? Bisher habe» diejenigen, die an der Spitze der Völker stehen, die Kriege provozirt, und wenn die nun alle entschlossen sind, den Frieden ausrecht zu halte».— ja, meine Herren, dann brauchen wir leine Flotlenrüstungen, keine»ene Arlillerieforderungen mehr, dann können ivir viel leichter an das Abrüsten denken! Es sind eben hier die unlösbaren Widersprüche, die ja in dem bei uns herrschenden System in der krassesten Weise zu tage treten. Graf Posadöivsky hat namenllich sehr heftig meine Ausfüh- rungen i» bezug ans die NichtVerwirklichung des Unfallversicherungs- gesetzeö bekämpft. Zum Schein hätten Sie die Vorlage allerdings nicht einbringen wollen. Ich konstatire ausdrücklich, daß in der Kommission über die.Unfallversicherung, deren eiste Lesung, wen» ich nicht. irre, am I. April begann, in der Zwischenzeit zwischen der Mehrheit der UiifaUversicherilngs- Kommission und den verbündeten Regierungen Abinachmige» getroffen wurden über die Punkte, die in der ziveiten Lesung geändert werden sollten, daß die so in der zweiten Lesung zu stände ge- kounnene Borlage dem nächsten Reichstage vorgelegt werde, damit er verhältnißmäßig leicht über sie hiinvegkonnuen könne. In diesem Glauben ist die Unfallversicherungs- Kommissio» auseinander- gegangen. Daß wir diesem so zu stände gebrachten Gesetz schließlich nicht zngeslinunt haben würden, das hat mit der von ims an dem Verhalten der Regierung geüblen Kritik nichts zu thu». Ich konstatire daß die Regierung darauf diese Vorlage den Unfallgenossenschaste» zur Benrtheilung unterbreitet hat, d. h. eine Vorlage, die der Reichs- tag bereits erörtert hat, ist nachher Gegenstand der Erörterungen insbesondere im Zentralverei» der Großindustriellen gewesen. De» Berathungen dieser Herren legt die Regierung solchen Werth bei, daß sie zehn Regierungskonimissare hingeschickt hat.(Hört, hört! links.) Tie Großindustriellen sind freilich keine Bäcker- gesellen. Ans der Antwort der Großindustriellen ans die Vorlage iverdcn Sie den Grund ersehen, iveshalb die giegicrung mit der Borlage nicht mehr a» den Reichstag kommt. Ich werde Ihnen einige Sähe verlesen:„Das Streben der Reichsbehörden, Mängel zu beseitige», hat der Zentralverband seinerzeit dankbar anerkannt, er hat aber weiter erkennen müssen, daß jeder dahin zielende Versuch von der Sozialdemokratie und den in dieser Beziehung und in Feind- seligkeit gegen die Betriebsunternehmer gleich oder ähnlich gesinnten Parteien dazu benutzt worden ist und wohl auch künstig benutzt.werden wird, das ganze Gesetz in seinen grundlegenden Bestimmungen in einer weit über die Ab- sichten der verbündeten Regierungeii hinausgehenden Weise zu ändern. Daher hält es der Zentralverband für wünschenswerlh und besser, so lange diese Gefahr fortbesteht, daß aus einen Versuch gänzlich verzichtet werden möchte, die Mängel zu beseitigen, durch ivelche ja die Wirksamkeit der Gesetze sür die versicherten Arbeiter in keiner Weise beeinträchtigt worden ist." Die Mitglieder der nationalliberalen Partei habe» ihre Zu- stinnnung in der Kommission zu dem Entwurf gegeben(hört! hört! links) und jetzt sagt mau, daß die vereinigle» Sozialdemokraten Feindseligkeiten gegen die Niiternehinerklasse im Schilde hätten. Wenn diese Herren maßgebende» Einfluß ans die soziale Gesetz- gebung erlangen, dann ist es im Deutschen Reiche weit gekommen. Dagegen protestiren wir. Diese Herren haben ja auch Herrn Liösicke, der doch wahrhaftig kein Sozialdemokrat ist, ans den Beruss- genosjenschaslen hinansgedrängl. Herr Rösicke ist diesen Leuten zu radikal. Mau spricht immer von den ungeheuere» Lasten der Industrie bei der Versichermigsgesetzgebnng. Die Profite der deutschen. Unternehinerklasse und namenllich der Sin- gehörigen des Zentralverbandes der Großindustriellen haben aber eine Höhe erreicht, wie sie seit 1370 nicht da war.(Sehr richtig! liiils.) Graf Posadowsky sagt, jeden Tag wird eine Million sür die Arbeiter ausgegeben; jawohl, aber die Hälfte wird von den Arbeiter» selbst bezahlt.(Sehr richtig! linkö.) Die Arbeiterschasl hat 134 Millionen, die Unternehmer habe» 157 Millionen beigetragen. Am Lohn bemessen, betragen die Mehransgaben für die Unternehmer kainn 5 pCt., andererseits sind zahlreiche Lohnerhöhungen mit dem Hinweis aus die Versichernngslasten den Arbeitern abgeschlagen worden. Gras Posadowsky' hat dann die Verhältnisse der Arbeiter auf dem platten Lande berührt. Er hat die ungünstigen Verhältnisse geschildert, die darin bestehen, daß- die Landwirlhe so schiver unter Arbeitermangel zu leiden haben. Er hat sich mit seine» Ausführungen gewiß die Herzen der Agrarier in hohem Maße gewonnen. Er hat nach dieser Richtung hin mit einer Klarheit und Bestimmtheit gesprochen, wie es schon lange nicht vom Regierungstisch geschehen ist. Ich habe in meiner letzte» Rede schon ausgeführt, daß die Arbeiterzustände auf dem Laude so ungünstig sind, daß der Trieb nach den großen Städte» ganz naturgemäß ist. Nach den Anssührungen des Grafen Posa- dowsky müssen wir mit neuen Agrarzöllen, also auch mit höheren Lebensmittelpreisen rechne». Damit werden Sie die gesammte industrielle und gewerbliche Arbeiterklasse und auch die gesammlen Kleiuunternehmer gegen die Agrarpolitik in die Schranken rufen. Und»och eins: In dem Maße, wie durch hohe Zölle agrarischer Art die Grenzen gegen das Ausland geschloffen werden, in demselben Maße werden die- jenigen Staaten, ans deren Zustimmung Sie bei den Zoll- abmachungen rechnen, bei der Einfuhr»nserer Industrie- Artikel für eine Zollermäßigung nicht zu haben sein. Die Folge wird eine schwere Schädigung des deutschen Handels und der deirtschen Industrie sei». Aus die Dauer kann das Agrarier- thum nicht herrschend bleiben, dem widerspricht die Zunahme der indiiftriellen Bevölkerung. Daß die Zustände auf dem Lande die Arbeiter mit aller Macht i» die Judustriebezirke treiben, werden Sie nicht bestreiten können. Welcher Mensch, der halbwegs Anspruch daraus macht, als Kulturmensch behandelt zu werden, läßt sich die Gesinde-Ordnung gesallen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Der zehnstündige Normalarbeitstag ivird nicht blos von uns auch für das Land verlangt, sondern auch von anderen Leuten, die sich mit den Verhältnissen dort vertraut gemacht haben. So hat ein Pastor Wagener in seinem Buche einen solchen zehnstündige» Normalarbeitslag gesordert, der in der Erntezeit aus zwölf Stunden ausgedehnt, in der Wintcrzeit auf acht Stunden vermindert werden soll. Wenn wir aber solche Forderungen stellen, dann heißt es, es ist unmöglich. Die Kost ans dem Laude ist schlecht, die. ganze Lebensweise viel schlechter als die städtische. (Sehr richtig! links.) Das sagt der Pastor Göhre. das sagt auch sein Freund von Gerlach in seinen Schriften. An der polnischen Grenze wohne» zahlreiche Familien in förmlichen Erdhöhlen, die nur ein paar Luftlöcher haben. Da dürfen Sie sich nicht wundern, wenn die Arbeiter nach der Stadt ivollen. So lange Sie(nach rechts) nicht den Arbeitern ihre Heimath angenehm und zufrieden machen, so lange werden Sie aus keinen grüne» Zweig komme».(Bravo links.) Was nun die Schriften des Herrn Hülle betrifft, so will ich Sie nicht damit ermüden, Stelle» daraus vorzulesen. Ich kann nur sagen, die i» diesen von Herrn von St»»»» empfohlenen Schriften auf die Sozialdemokralie enthaltenen Angriffe sind geradezu skandalös und gemein. Es scheint aber jetzt, als solle die ganze Arbeiterklasse nur mit ossiziöser und offizieller Literatur beköstigt iverdcn. Die Regierung benutzt die Machtstellung, die sie als Arbeit- geber auf die Arbeiter hat, dazu, um eine Art geistigen Terrorie»ms auszuüben.(Sehr richtig! links.) Im„Vorwärts" war gestern das von Herrn Tirpitz erlassene Zirkular abgedruckt, vom 26. November 1897 datirt, in dem ein Blatt sür die Marine-Arbeiter empfohlen ivird. das sie zu vaterländischer Gesinnung erziehen soll. Wo kommen die Kosten sür dieses Blatt her? Etiva aucii aus dem Marine-Preßfonds? Wo stammt aber dieser Prcßsonds her? Darüber bitte ich n»i Aufklärung. Ich iverde i» der Budget-Kommission noch darauf zurückkommen. Es könnte ja schön werden, wen» der Kriegs- minister, der Minister der Post, der Eisenbahn, dem Marine- minister in dieser Richtung folgen ivürden. Da sind es Zeitungen, hier Zeitschriften, hier wieder Flugblätter und Flugschrifien. Dazu hat die Regierung aber gar kein Rechl, dazu ist sie gar nicht autorisirt.(Sehr richtig, links.) Zum Schluß muß ich noch ans die Schlußbeinerkiiiigen eingehe», die Graf Posadowsky in seiner Rede gegen mich gemacht hat. Er zitiite die von mir in Hamburg gesprochenen Worte— ich freue mich, daß die Herren meine Reden so genau gelesen habe»—(Heiter- kcit.):„Vom Profit raucht der Schornstein!" Er folgerte aus diesem Satz, daß ich mich von meinen alten Ansichten losgesagt habe. Nach meiner vorgestrigen oder heuligen Rede wird er wohl an einen Canossa- gang meinerseits nicht mehr glauben.(Heiterkeit.) Die Worte wurden gebraucht bei Gelegenheil einer Opposition nieiiierseils gegen das Verlangen meiner Freunde, recht viel Partei-Unternehmungen z» gründen. Ich sagte: Wenn Ihr glaubt, daß solche Unlernehmunge» viel Gewinn einbringen können, so irrt Ihr Euch. Denn wir müssen bei nus viel höhere Löhne zahlen, als es der Privatunleruchmer heule lhut. Die Löhne sind»in 20 pCt. höher, als die höchsten Löhne in Privaigeschäslen. Von großen Gewinnen kann also schon deshalb keine Siede sein. Das waren ineine Darlegungen. Und ich habe hinzugefügt: Wenn wir bei einem Unternehmer unsere Zeitungen drucken lasse», ivie es z. B. mit dem„Vorwärts" ge- schieht, dann verlangt der Manu selbstverständlich seinen Profit. denn ohne Prosit raucht kein Schorusteiii. Wie man das nun dazu benutzen tan», als hälie ich etwas gesagt, was gegen die sozial- demokratische Anffaffung sei, oder gar eine SIrt Umkehr von meinen sozialistischen Idee», das beweist nun einmal wieder, wie»ngeheuer unwissend diese Herren in beziig ans die elementarste» Anschauungen der Sozialdeniokrale» sind, sonst wäre es ganz unmöglich, solche Behauptimgen ailfzusiellen. Er sagt iveiter, ich hätte geäußert: alle unsere Uniernehmungen mit Ausnahme deS Hamburger Unier- nehmens seien gescheitert. Das habe ich nicht gesagt. Ich habe nur gewarnt: Wir sind nicht über den Berg; glaubt nicht, daß nicht noch einmal die Zeit kommen kann, wo man mit Aiisnahnie- gesehen gegen uns vorgeht, und was dann geschieht, daS habe» wir im Jahre 1378 erlebt. Da sind alle unsere Unter- nehmungen, mit Ausnahme des Hamburger Unlernehmens gescheitert, zu griinde gegangen durch die Maßregeln der Behörden. So bat der Satz gelautet, und nicht, wie der Graf Posadowsky es dargestellt hat. Er hat noch mit besonderer Genuglhunng hinzugesiigt, n»ch in Frankreich seien solche kolleklivistischeu Unternchinniigen seil den Staatswerkställen von Louis Blaue bis zu de» Glas- bläsereien von Aldi gescheitert. O, über diese Weisheil! Unglaublich, daß ein deutscher Minister am Ende des neunzehnten Jahrhunderts, 50 Jahre nach dem Znsammcn- bruche von Staatsiverkslätte», die mit dem Sozialismus gar nichts zu thnn halten, solche Unkenntniß verrälh! Ich rathe dem Grasen Posadoivsky, einmal die kleinen Aussätze von Lassalle nachzulesen, da wird er Aufklärmig über die Bedentung dieser Werkstätten sinden, die 1843 nach der Februar- Revolution vom Bürger- Ministerium ins Leben gernsen ivurden,»m die Arbeiter zu ködern und damit den Sozialis- »ins zu bekämpsen, daß nian dem Unternehmen eine Gestalt gab, in der es mit Nolhweudigkeil zu gründe gehen mußte. S o z i a l i st i s ch e U n t e r n e h in Ii u g e n sind a u f dem Bode» der b ü r g e r- liche n Gesellschaft überhaupt nicht ins Leben zu rufen. Wer so etwas versuchen ivürde, den erklärten wir für verrückt, dem sagte» wir: Du bist kein Sozialdemokrat, Du weißt nicht, was die Sozialdemokratie erstrebt. Die Konsuln- und Prodnktivgenossenschasten aber, die es i» Deutschland giebt, beruhen ans dem Genosfcnschaflsgesctz, das Sie gegeben haben. So- weit Arbeiter ihre kleinen Mittel dazu zusammengelegt habe», haben wir ihnen seinerzeit gesagt: Täuscht Euch nicht, bei de» große» Mittel» der bürgerlichen Genossenschaslen seid ihr nicht in der Lage, solche Unternehmen halten zu können, insbesondere, wenn ihr darauf angewiesen seid, daß auch bürgerliche Ldanfleule, daß auch Eeschäftslente die Artikel in diesen Läden abkaiisen; sie werden Euch nicht nnlerstützen, iveil sie ihre eigenen bürgerlichen Genossen- schaften heute vorziehen. Und daran sind auch die meisten Genofsen- schafleu zu gründe gegangen. Worin bestand 1363 Lassallc's Opposition gegen Schnlze-Dclitzsch? In dem Nachweise, daß die Produktiv-Genossenschafteu i» gar keiner Meise den Arbeiter» Helsen können. Weiler hat Graf Posadowsky geäußert, mein Ausspruch hätte ihn sehr überrascht, daß die Zurückjührung der kapitalistischen Gesell- schaft in die Znslände des Mittelalters mit ihren Frohnde», ihrem Zunftzwang, ihrer Hörigkeit und ihrem Bannrechte unser Ideal sei. Wenn der Herr Graf eine Idee vom Sozialismus hätte, dann hätte er sich sagen können, das kann Bebel nicht ge» sagt haben, denn dann wäre er ja ein Thor. Der Herr Gras zitirl mich:„Tie schwierige» Zustände des MiUelstandcZ beruhten ans dem Kapital." Was für eine Ausdrucksweise! Ist mir gar nicht eingefallen. Ich habe gesagt. die schwierige» Zu- stände, in denen sich heute der ganze Mittelstand befindet, entstehe» aus den Wirkungen, welche die kapitalistische Prodnklionsweise erzeugt hat. Es ist mir, auch nicht eine» Augenblick lang, der Wunsch beige- kommen, man solle, nm diesen armen Mittelstand zu retten, wieder ins Mittelalter zurückkehren. DaS ist eine furchtbar billige Polemik, die sich Graf Posadowsly gestattete, wen» er mich folcheu Unsinn sagen laht. Ich habe gesagt: die kapitalistische Wirlhschastsweise ruuiirt die Mittelstände; diese kapitalistische Wirthschaftsweise sind Sie weit entfernt zu nnterbinden. im Gegentheil, bereit zu unter- stütze». Die Kapitalisten sind die tonangcbendenMächte. Beiveis.das Ver- halten derRcgierunge» demZentralverband der Industriellen gegenüber. Beiveis das Wort des Herrn v. Bvtlicher: Meine Herren, wir arbeiten nur für Sie!(Abg. Hahn: So war es nicht gemeint.) Doch, so war es gemeint; wir haben es wiederholt Herrn v. Böttichcr gesagt: das kam aus seines Herzens Innerstem heraus. Genug! Was sind d i e R e g i e r u n g e n anders, als der V e r w a l t u» g s. a u s s ch u ß der besitzenden Klassen! Als ich das vor sieben Jahren einmal im Reichstage hier sagte, saß ei» Herr so nahe bei mir, wie jetzt dieser Herr da ans der Tribüne und meinte: Sehr richtig! Und das war der Verwaltungs- rath Herr v. Bötticher. Die besitzende» Klassen einmal, die be- sitzenden Klassen ziveimal, die besitzenden Klassen zum dritten Male und dann erst die Arbeiter. So steht es! Als rolher Faden ist durch die Ausführungen de? Grafen Posa- dowsky der Gedanke gegangen: Wir müssen>nit der Sozial- rcform sehr langsam und vorsichtig vorgehen. Davon sind wir überzeugt. In de», Augenblick, wo ich i» der Zeitung las. das, au die Stelle des Herrn v. Vvtticher Graf Posadowsly getreten sei, wußte ick, was die Uhr geschlagen. Ich hätte sehr geivünsckt, er wäre im Reichsschatzamt geblieben, wo er ganz gut hinpaßt(Heiter- keil), aber er paßt nicht ins Reichsamt des Innern. Das habe» seine bisherigen Reden gezeigt. Die Sozialreform i Ii s o gut,>v i e eingesargt. Wir werden allerlei kleine s o z i a l r e f o r m e r i s ch e M i t t e l ch e» bekam»t e n. auf sozialreformatorische Maßregeln müssen wir verzichte». Das wird und kann nicht so bleiben. Wenn Sie nicht wollen, dann zwingen Sie die Arbeiter dazu. Schon regt es sich auch unter den Arbeitern des Zentrums. Der Aachener und der bayrische christlich- soziale Textilarbeiter- Verband wollen a» den Reichskanzler um 10 beziehenll. lO'/estündige vdn Gesetzes wegen eingesiihrle Arbeits- zeit einschließlich der kleinen Pause» appellire». Kein Mensch init offenen Auge» kann auch nur eine Minute darüber im Zweifel sein, daß die Massenproletarisirung mit jedem Tage zunimmt, daß die Maffe der Arbeiter mehr und mehr die un- geheure Mehrheit in unserm Slaalswcse» bildet, und der Staat und die Gesellschaft bei Gefahr ihrer eigene» Existenz genölhigt sind, diesen Arbeitern gerecht zu werde»!(Lebhaftes Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Prof. Hasse(natl.): Der deutsche Reichstag legt sich in ansn'ärtige» Angelegenheiten eine Zurückhaltung auf, die der Wurde einer großen konstitutionell regierten Knlturnatiou nicht entspricht. Tie Kämpfe des Deutschlhnms in Oesterreich gegen das czcchische und polnischeVolk müssen hier besprochen werden. Ich hoffe der Zustimmung derMehrhcit aller Parteien sicher zu sein, wen» ich erkläre, daß unsere Sympathie unser» dentscken Volksgenossen gehört, die bis IS66 mit uns vereint waren. Meinem deutschen Empfinden steht der letzte deutsche Arbeiter und Bauer, ja der rotheste Demokrat näher, als der hochgeborene polnische konservative Gras oder czechische Fürst. Gegen die Beschimpsung, die unsere österreichischen Bruder gestern von welfischer Seite erfahren haben, prolestire ich. Die Deutsch« Oesterreicher sind ebenso wenig wie wir für Annexion. Wir verlangen kein Einschreiten unserer Regierung, höchstens insoweit, als die Sicherheit deutscher Reichsangehöriger in Frage kommt, die in der Bartholomäusnacht in Prag vom czechischem Pöbel bedroht war, zu dem ich auch den Bürgermeister von Prag rechne. Den Toast des deutschen Kaisers in Pest hat eur ungarische» Ministerial- rath im„Pesti Hirlap* so ausgelegt, daß Millionen deutscher Volksgenossen im Osten dem nationale» Untergange preisgegeben werden solle». Dagegen sollte der Reichskanzler protestire». Abg. v. Czarlinöki(Pole): Wenn die Polen die Recht« in Preußen hätte», die die Deutschen i» Oesterreich haben, würden sie sehr zufrieden sein. Direktor im Reichs-Marineamt. Contre-Admiral Biichsel: Die Thatsache ist richtig: der Staatssekretär der Marine hat in d e r T h a t d e n A r b e i t e r n eine Zeitung empföhle u. Er hat bei den heutigen Zuständen der Arbeiter- literatnr das Recht und die Pflicht, eine Zeitung zu empfehlen, die die Interessen der Arbeiter der Schiffs- industrie vertritt und ans dem Boden der bestehenden Gesellschafts- ordnung stehend in vaterländischem Sinne redigirl ist.(Bravo! rechts.) Für die Herstellung und Verbreitung des Blattes giebt der Slaalssekrelär aber keinen Pfennig aus.(Bravo! rechts) Abg. Dr. Hahn(wildk.) dankt den Abgg. Hasse und Zimmer- mann für ihre nationalen Aeußeruugen in der Oesterreicherfrage. Man werde ihnen in Oesterreich dafür dankbar sei». Was die Re- giernng nicht thu» dürfe, dürften die Abgeordneten lhnn. Er bringt dann den Fall einer Mißhandlung eines dentschc» Lehrers in Brä- silien zur Sprache, der nichts anderes gelhan habe, als bei einem Ausflüge der Kinder neben der brasilianischen auch eine deutsche Fahne mitgeführt zu haben.' Schließlich bespricht er die deutsche Handels- Bertragspolitik. Er giebt dem Landwirlhschaflsminister den Rath, die Grenze» gegen die Einfuhr von Schweine» und Gänsen zu schließen und sich besser über die Rolhwendigkeit von Erlassen von Onaranlänenmaßregel» zu informircn. Die de» große» Ge- lreidc-Jmporthäudlcr» vom Reiche gewährte» Zollkredite seien wahre Liebesgaben. Wenigstens in diesem Punkte sollte die Regierung den Wünschen der Laiidwirthschaft entgegenkomme». Es scheine so. als hebe man diese Liebesgaben nicht ans, um den Großhandel in guter Stimmung für die Flotten- vorläge zu erhalten. Die preußische ötegierung sei zu spät an die Anssührnng des Börsengesehes herangegangen. Sie habe einen schweren Fehler gemacht, daß sie die Börse nicht als Einheit aufgefaßt habe. Effektenbörse und Produktenbörse hätte» gcmeiiisain der Neuordnung unterworfen werden müssen. Tie Regierung müsse wie gegen den Feenpalast auch gegen die Frühbörse und die Klosterbörse vorgehen. Das Ober-Verwaltnngs- gerächt werde hoffentlich die Entscheidung des Bezirksausschusses aufheben. Bei der Verhandlung vor dem Bezirksausschuß scheine der Regicrnngsvertreter durchaus ungenügend informirt gewesen zu sein.(Sehr richtig! rechts.) Der Getreide Terininhandel besteht in Berlin in der alte» Weise fort, obwohl er durch daS Gesetz verboten sei. Die Gelreidepreise seien nickt zurück- gegangen, sie feien bei uns ebenso hoch wie in Neiv-Dork und Chicago. Die Beseitigung des Getreideterminhandels habe eine sprungweise Preisbewegung verhindert. Im Zentralkornilee des Schutzverbandes gegen agrarische Uebergriffe sei mehr als die Halste Inden, deren Interesse dem der Landwirthschast schnurstracks zu- widerlänft. Ihre Interessen liegen bei den großen internationale» Spekulationen, lieber Hohe Schutzzölle schreien diese Herren dann Sich und Weh oder An und Weih, je»ach dem Stamm«, dem sie angehören. Abg. Ahlwardt(Antis.)(Heiterkeit): Ich hätte nicht geglaubt. daß ich bei der vorgerückten Zeit und der Ermüdung im Hause hier auf der linken Seite init solchen, dem Thierrcich entstammenden Tönen empfangen werden würde.(Heiterkeit.) Ich kenne dieses uaturgeschichtliche Konzcrt ja schon.(Heiterkeit.) Ich bitte um Entfchuldigniig, daß ich noch so spät rede, aber ich habe da- Wort nicht eher bckonime» und da ich's. einmal habe, gebe ich's nicht her.(Große Heiterkeit.) Nun läßt'Ahl- warbt eine oft von Heiterleitsstürmen unterbrochene Kritik aller Parteien folgen. Ans seinen weiteren Anssührungen heben wir die folgende» Stellen hervor: Dem Mittelstände kann nur Mit energischen Mitteln geHolsen werden.(Allseitiges Lachen.) Die Großindustrie muß so belastet iverden, daß sie dem Mittelstände nicht mehr gefährlich werden kann. Deshalb schlage ich vor eine möglichst große Umsatzsteuer, die ihr vor allem die Neigung nehmen wird, möglichst viel und inöglichst billig zu produziren. Zweitens ist die Ansgestallung des Kreditivesens nniungänglich»othwendig. Durch eine Verstaatlichung der Rcichsbank hoffe ich eine Aenderung. Die Laiidwirthschaft hat geiviß mein besonderes Jntereffe. Ich stehe auf dem Boden(Heiterkeit), daß eS darauf ankommt, daß die produzircnden Landwirthe für ihre Produkte mehr bekommen, während doch der Konsument nicht mehr zu geben hat.(Große Heiterkeit.) Warum sollte in Teutschland nicht«ine Vergesellschaftung des Getreidchandels möglich sein! Durch Ausschaltung der Mittkerpersonen, des Handels, würde der Landwirthschast außerordentlich genützt werden. Hierauf läßt Ahlivardt seine be- kannte Autiseinitenrede folge», der die folgende» Sätze entnommen rie»: Die Inden sind als Gäste»ach Denischland gekommen, und jetzt haben sie nach einer Schätzung die Hälfte des ganze» National- reichthums. Die Inden bilde» eine Organisation im Staat, sie drängen sich in alle Kreise. Glaube» Sie, daß Herr Singer ans Liebe zu de»'Arbeitern mit seine» Millionen zu ihnen gekommen ist? Nein, um ihre Bewegung so zu dirigiren, daß sie dem Jndenthnm nützlich werden. Die Juden niste» sich überall, also auch in der Arbeiter- bewegung ein. Präsident v. Bnol unterbricht den Redner und fordert ihn auf, sich an den Etat zu halten. Abg. Ahlwardt schließt seine Bemerkungen mit einem Hinweis darauf, daß er geglaubt habe, wen» von der Landwirthschast, von Zuckersteuer, vom Börsengesetz:c. die Rede war, auch von den Jude» spreche» zu dürfen. Darauf wird die Verhandlung vertagt. Zur persönlichen Bemerkung: Abg. Freih. v. Stumm(Rp.): Der Abg. Bebel hat hier den Herr» Fink schwer angegriffen und meinen Namen in nn- mittelbaren Zusammenhang damit gebracht. Ich darf koiistatiren. daß dieser Herr die Behauptungen des Abg. Bebel für unwahr erklärt, nicht nur darin, daß er bei der Abfaffnng der er- wähnten Schrift nicht mitgewirkt, sonder» sie lediglich ans Ans- sorderung des Verlegers in stilistischer Beziehung einer Prüfung unterzogen hat, vor allen Dingen ist auch unwahr die ganze Geschichte in bezng aus den Verein„Berliner Presse". Herr Fink ist freiwillig, wie er sagt, aus dem Berein ansgetrrte», und niemals ist ihm«ine Auffordernng zugegangen. Ich fordere den Abg. Bebel auf, wenn er seine Behanplungen ausrecht halten will, dies in einer Form zu thu», welche es dem Herrn Fink gestattet, die Wahrheit a» anderer Stelle festznstellen. Abg. Singer(Soz.): Der Abg.'Ahlwardt hat sich erdreistet. mir zu insiuuire», daß ich aus materiellen Motive» der Sozial- demokratie beigetrete» sei. Ich halte es nicht für nöthig, meine» Parteigenossen gegenüber ein Wort darüber zn sagen, ich Halle es überhaupt snr überflüssig, idiotischen Ausführungen gegenüber eine Abwehr zn brauche». Präs. v. Buol erklärt den AnSdruck„idiotische Anssührungen" für»»zulässig. Abg. Bebel: Da Herr v. Stumm seine Bemerkung damit ein- leitete, daß ich einen Ehrenmann hier gewohnheitsmäßig angegriffen dätle, darf ich tonstatiren, daß es mir nicht eingefallen wäre, Herrn Fink zu erwähnen, wenn nicht der Abg. v. Kardorff die Gelegen« heit ergriffc» hätte, die Broschüre Fischer's in die Debatte hincinziiziehen. Daß Herr Fink die Broschüre im Austrag« des Verlegers redaktionell korrigirt hat, ist zugegeben. Damit ist alles zugegeben, was ich zu diesem Punkt gesagt habe. Auch das übrige halte ich ausrecht. Es ist dem Herrn von dem Verein„Berliner Presse" nahegelegt worden, ans dem Verein nusznschcide», weil er vor einigen Jahren sich in Amerika der Wechselsälschung schuldig gemacht hatte und dies von einem New-Iorker Jonrnalistenverei» festgestellt wurde. Wesßalb nun sich Freiherr v. Stumm-mit ganz besonderem Interesse dieses Herrn annimmt, erklärt sich auch daraus, daß er nach eigener An« gäbe seit 4 Wochen Geschäftsführer der sieikouservativen Partei ist und deren Korrespondenz leitet. Frhr. v. Stumm: Es gehl doch ivohl nicht an, jemand wegen stylislischer Korrekturen als Eideshelser zu bezeichnen. So lange der Abg. Bebel der Auffordernng. die ich an ihn richtete, nicht nachkommt, ist, da Herr Fink diese Behanplungen absoluta Verleumdungen nennt, hier niemand in der Lage, die Wahrheit festzustellen. Und ich halte es für eine Verleumdung und halte es um so mehr dafür, als ich de» Herren ins Gedächtnis! zurückrufen will, daß bei de» Verhandlungen des Mitiläretals, wo der Abg. Bebel Militäruiißhanvlnngeii zur Sprache bracht«,>viedcr- holt hier klargestellt ist, daß die Behauptung wider besseres Wissen völlig aus der Luft gegriffen ist. Abg. Ahlwardt: Ich habe nur behaupten wollen, daß der Abg. Singer hauplsächlich ivohl arbeite, um die sozialdemokratische Bewegung so zu führen, daß sie den Interessen der Juden diene. (Zuruf bei den Sozialdemokraten: Noch gemeiner!) Ob das noch gemeiner ist, ist eine Sache für sich. Dan» möchte ich sagen: Ich glaube. die llicdcwendung„idiotische siede" und die Drohung inil der körperlichen Züchtigung bcdanern die Herren selbst. Sie sind ihnen nur im Augenblick der Erregung entfahre». Präsident p. Bnol stellt fest, daß der Abg. Ahlivardt nicht die Absicht gehabt, zu beleidigen und empfiehlt, diese Sache atS erledigt zn betrachte». Abg. Bebel: Freiherr v. St»»»» bat behauptet, ich bälte ver- leumdet, ja daß ich überhaupt Berleuinder sei und Unwahres wider besseres Wissen wiederholt behauptet hätte. Herr Freiherr v. Stunim! Verleumdung bedeutet: Etwas wider besseres Wissen behaupten, und wenn Sie dieses Wort ausrecht halte», erkläre ich Sie für einen gemeine» Mensche». Präsident v. Bnol klingelt. 'Abg. Bebel(sortsahrend): In der Sache selbst habe ich mich auf Thatsache» nnd Angaben gestützt von Lenlen, die genau imterrichlet sein konnte». Ich werde diesem Ehrenmann Herrn Fink Gelegenheit gebe», zn thu», ivas er verlangt. Daß der Freiherr von Stumm die Vertheidigung so weit treibt, daß er versucht uns glauben zn machen, daß sich an die Redakiion der Broschüre nicht«ine Mitarbcitcrschast anschloß, zeigt, daß er die Urlhcils- sähigkcit des dcnlscke» ReichslageS sehr niedrig einschätzen muß. Abg. Frhr. p. Stnium(Np.): Ich würde dem Abg. Bebel nichts erwidern, denn jede Beleidigung meiner Person durch ihn, ist für niich eine Ehre, wenn ich nicht dein Hause gegenüber die Verpflichtung suhlte, zn erweise», daß ich mich nicht un- parlamentarisch ausgedrückt habe. Ans meinen Worte» war der Vorwurs der persönlichen Verleumdung nicht heraus- zulescn. Ich habe nur gesagt, Herr Fink behauptet, Bebel habe ihn verleumdet und ich habe gesagt, Herr Bebel habe flch auch schon bei Besprechung von Soldatenmißhandlungen zuin Träger von Berlcmndungen gemacht. Präsident v. Bnol: Die Aeußerung dcs Herrn v. Stumm gegen ein Mitglied des Hauses, jede Beleidigung die es ausspreche sei eine Ehre für ihn, involvirt eine Beleidigung dieses Mitgliedes. Ich rufe deshalb Herrn v. Stumm znr Ordnung. Abg. Bebel(Soz.): I» diesem Hause glaubt es kein Mensch, daß Herr Fink bei der Broschüre nur die Korrektur gelesen hat. Herr v. Stumm hat mir direkt dc» Borwurf persönlicher Berleuin- dang gemacht. Präsident v. Bnol verliest da? Stenogramm, aus dem hervor- geht, daß v. Stumm gesagt hat, Fink nenne die Behauptung Bebel'S eine Verleumdung. Abg. Bebel: Ich bitte auch daS Stenogramm weiter zn ver- lesen, bis zu der Stelle, wo von Verleumdung«» des Militärs die Rede ist. Präsident v. Bnol: DaS Stenogramm liegt mir bis zu dieser Stelle»och nicht vor. Ich»verde es prüfe» und enentuell morgen auf die Angelegenheit noch einmal zurückkommen. Hierauf ivird die Sitzung geschlossen. Nächste Sitzung Donnerstag 12 Uhr.(Tagesordnung: l. Antrag der Geschäftsordnungs-Konimission betr. das Mandat des Abgeord- neten Paasch«(natl.). 2. Fortsetzung der Etatsberathung. 3. Erste Lesung der Militär-Strafprozeß-Resonn. Noknnlttnalesi. Mit dem sitteuuolizeilichei»„Mißgriff", der in den letzten Tagen so viel böses Blut erregt hat, wird sich demnächst auch die S t a d t v e r o r d n e t e n» B e r s a in»r l u n g zn beschäftigen haben. Bon dem Stadtverordneten Cassel und noch 41 Stadtverordneten ist folgender Antrag bei der Stadtverordnete»- Versammlung eingegangen:„Die Stadtverordneten- Versammlung beschließt. den Magistrat zu ersuchen, in Verhandlungen mit dem königl. Polizeipräsidiui» über geeignete Maßnahmen und Anordnungen zu trete», durch welche die siltenpolizeiliche Untersuchung und vorherige Verhaftung unbescholtener Frauen und Mädchen in Zukunft ver- hindert wird." Ferner hat der Stadtverordnete PcrlS i» Gemeinschaft mit noch 21 Stadtverordnelen nachstehenden Antrag in der Stadtverordneten- Versammlnng eingebracht:„Die Stadtverordnete»- Versammlung wolle beschließen, den Magistrat z» ersuchen, beim Polizeipräsidimn dahin zu wirken, daß eine größere Gewähr geschaffen werde gegen un- gerechtserligte polizeiliche Sistirnng und Festhaltung, sowie für eine würdigere Behandlung von Polizei-Arrestanten, ferner auch eine Reform der Sittenpolizei dein Polizeipräsidium zu empfehlen". Als vor gut Jahresfrist die Neformbediirftigkeit der Kriminalpolizei an einer Anzahl nnentdeckter Morde, die sich um den Fall Werner-Grosse herumgruppirten, ganz besonders grell zu tage trat, wurde lebhast die Reorganisation dieser polizeilichen Einrichtung verlangt. War etwas von einem Erfolg zu spüren? Man hegte damals»och verschiedentlich den Glauben, daß in der politischen Polizei gcivandte Leute vorhanden sei» müßten, und verlangte, daß diese Spezies sich durch die Jagd auf unentdcckte Mörder nützlich machen sollte. Der Leckert- Lützow- Prozeß, sowie der Tausch- Prozeß haben aber dargethan, daß die politische Polizei selbst noch i» weil höherem Grade reformbedürftig ist als die Kriminalpolizei. Wer weiß aber etwas von einer Reform zu berichten? Jetzt kommt gleichermaßen die Reformbedürsligkeit der Sittenpolizei ans Tageslicht. Wer hofft in diesem Falle? Unsere Meinung ivar von Anfang an, daß die preußische Polizei gar nicht anders sein tan», als sie jetzt ist, nnd daß eine Aenderung i» unseren Sicherheitsznständen erst eintritt, wenn das heutige System sein natürliches und wohl- verdientes Ende gesunden hat. Die Herren Cassel und Perls ver- dienen für ihren Eifer gewiß alle Zlnerkennung. al aus einen ernsthasten Erfolg werden sie sich wohl selber nicht g.ck inachen. Tu ztvischr» der Schillingsbriicke»»d der Oberbainn brück« eine feste Verbindung der beiden Spree-Ufer bis jetzt fehlte ist die städtisch« Baudepntation znr Zeit mit einem Projekte beschäftigt, nach welchem im Zuge der Eisenbahnstrnße und in der Verlängerung derselben eine massive Brücke nnd im Anschluß daran die Eisenbahn- straße znr Mühleuslraße sortgesührt werden soll. Bo»� dein Er- gebniß der Berathungen der Baudeputation wird es abhängen, ob nicht ein bereits in früherer Zeit aufgestelltes Projekt zur Ver- wirklichling gelangt, nach welchem die Mauteuffelstraße über die Köpnickcrslraße hinweg bis znr Spree durchgelegt und in der Ver- längcrnng dieser Straße bis znr Mühlenslrnße unter Erbauung einer Brück« durchgeführt werden soll. Es würde bei Anssührnng dieses Projektes ein durchgehender Verkehr von der Kottbnser Brücke resp. dein Kottbnser Ufer nach dem Küstriner Platz und weiter nach der Frankfurter Allee und nach der Friedenstraße geschaffen werden. Lixft Alses. Ucbcr die Dicilstmädchen- Verhältnisse in Berlin enthält die Schrift des Dr. Hirschbcrg über die soziale Lage der arbeitende» Klassen in Berlin mehrere ganz lehrreiche Angaben. Die Zahl der i» Berliner HausbaUunge» angestellten Dienstmädchen veranschlagr er ans 63 000. Trotzdem nun die Zahl der Dienstmädchen gleich bleibt, oder richtiger, mit der zunehmenden Bevölkerung alljährlich «tivas steigt, findet fortwährend eine sehr starke Zn- und'Abivandernng der sich als Dicnstinädchcn meldenden Personen statt. Im Jahre 1893 wurden über 43 000 als zugezogen in Berlin gemeldet,»nd 34 000 wurden nach außerhalb abgemeldet oder schieden durch Heirath an? der Klasse der Dienstmädchen aus. Was das Alter der Mädchen betrifft, so war von je 1000 erst 12 bis 14 Jahre alt: eins, 14 bis 16 Jahre alt waren von>000 Dienstinädche» 47, 16 bis 18 Jahre waren von 1000 93. 13 bis 20 waren 131, 20 bis 30: 322. 30 bis 40: 123, 40-30: 48. 30-60: 23, 60—70: 8, über 70 Jahre alt waren von je 1000 Dienstmädchen nur 2. Man steht also, daß die jünger« Altersklassen sehr stark überwiegen. Ueber 40jährige Dienstmädchen sind nur noch spärlich vertreten. Wenn die Mädchen bis etwa zun» 40. Jahre ihre Arbeitskraft verlauft haben, dann finde» sie nur noch sehr schwer Stellnng, nnd denjenigen, die nicht Gelegenheit zu anderem Erwerb oder zn einer Herrath gesunden habe», bleibt dann meistens nichts übrig, als wieder ihre heimathliche» Dörfer und Städte auszusuchen, um dort das Dasei» z» beschließe». Auch hieraus erklärt sich der oben»achgeiviesene starke Abzug von Mädchen und dos fortwährende Zuströmen frischen Nachwuchses. Die jungen Dinger kommen in Schaarcn mit allen Hosfnnngen der Jugend i» die große Stadt hinein, nrn diese dann, wenn die Hoffnungen nnd Wünsche langsam z» Grabe getragen sind, all nnd abgearbeitet wieder zn verlassen,— günstigen Falls mit einigen hundert Mark ersparten Geldes. Wenig erbaut sind die Berliner Droschkenkutscher von der Nachricht, daß noch ei» neuer Taxainetcr-Apparat znr Einführung gelangen soll, trotzdem bereits sünf verschiedene Konstruktionen hierorts im Gebrauch sind. Tie sechste Konstrnktio», welche wiederum verschiedene Bcrbessernngeu ausweise» soll, stammt von einer Dresdener Firma. Das ist des Guten entschieden zu viel, und die Droschkenkutscher werden Mühe baben, sich i» all dem Taxaineter« wnft schließlich nusznkennen. Dazu kommt»och, daß z» jedem Apparat eine Beschreibung erforderlich ist. welch« die Kutscher sich zumeist ans eigene Kosten beschaffen müssen. Dies« sind demnach gezwungen, sich mit sechs Beschreibungen zn versorgen, da sie bei dem hänsigen Arbcitswechsel die Bekanntschaft mit allen sechs Taxameter> Konstrnktione» machen. Daß die Fahrgäste zum theil kein besonderes Gewicht auf die Fahrpreis-Anzeiger legen, beweisen die Fälle, i» denen die Kutscher aus aiisdrücklichen Wunsch der Fahrgäste de» Apparat nicht einschalten. Daß dies unter Nmständen nicht strafbar ist, hat die Gerichtsverhandlung gegen dc» Kutscher Albert Lorenz bewiesen. Das Gericht sprach denselben frei, weil derselbe von seinem Fuhrherrn die ausdrückliche Erlaubniß halte, ans Wunsch von Fahrgäste» auch ohne Taxameter, d. h. ohne den Apparat einzuschalten, als gewöhnliche I. Klasse zn fahre». Um nun den vielfachen Denunziationen wegen Betruges anf grund voil Fahrten mit»ichleingeschalteten Apparaten zn ent» gehen, liegt es in der Absicht der Droschkenkutscher, diese Erlaubniß allgemein vo» ihre» Fnhrherren zn erwirken. Die Entbindung einer Prinzessin ist ein Ereigniß, das in patriotischen Kreisen mit Jubel begrüßt zu werden pflegt, während der weniger patriotische Theil der Bevölkerung theiluahmslos da- neben steht. Heule haben wir aber eine Ausnahme zn ver» zeichnen: die Tochter eines norddeutsche» Fürsten, die Enkelin eineS regierenden Staatsoberhauptes, hat einem Kind de? Volkes das Leben geschenkt. ES handelt sich dabei nicht um ein Wunder, sondern um eine»'lalürlichc» Vorgang, für den aller- dingS die fürstlichen Hansgefctz« keine Fürsorge getroffen haben. Erfreulich ist es immerhin, daß man endlich auch in den höheren Regionen einen Boden für das Zusamnienn'irken mit Proletariern gesucht»nd gefunden hat. Der Vater des Kindes soll sich übrigens erboten haben, für dieses z» sorgen, ein weiteres Zeiche» dafür, daß das Volt mehr an feinen Gebietern hängt, atS man im allgemeine» annimmt. Vielleicht trug zu diesem SInerbieten besagten Vaters der Umstand bei. daß die Prinzessin„es" besohle» hatte. Wer hätte gedacht, daß Prinzessinnen so befchlShabcrisch sein könne». AnS der Gegend der Haseithaide. DaS mnsangreiche Gelände. welches vo» der Bärwaldstraße, Bergmann-, Kaiser Friedrich- und Gneisenaustraße begrenzt wird, ist vom Fiskus für de» PreiS von 3 000 000 Mark an den Komme L-icnralh Lüdecke verkauft worden. Derselbe hat mit der Parzellirung dieses Terrains bereits begonnen nnd es werden in nächster Zeit dort Miethskasernen errichtet. Gleichzeitig mit der Parzellirnng wird auch die südliche Hälft« der ©«eifcimufh'ftjje zwischen Vilrmaldftraße und Kaiser Friedrich-Platz, foivie die Verbindungsftraße zwischen Gneisenau- und Bergmann- strake, nach einem mit der städtischen Bau-Deputation getroffenen Abkomme», vom Kommerzienrath Lüdecke ans seine Kosten«ndgiltig regulirt worden. Nach Spaudan auf die Festung gebracht worden ist am Montag der Vorsteher der Mtliläreisenbahn-Station Cunsdorf, Sergeant Borscheit von der 2. Betriebskompagnie des Eisenbahn- Regiments Nr. 2. Borscheit soll zu einer langen Freiheitsstrafe verurlheilt worden sein, und zwar wegen Beleidigung eines Vor- gesetzte». Welcher Art die Beleidigung und der ganze Vorgang war, ließ sich nicht ermitteln. Die Direktion der Pahcuhofer Brauerei theilt unS mit, daß unsere Annahme, die Brauerei werde»ach Verschmelzung mit der Echloßbcauerei Fürstenivalde die Mälzerei nach Fürstenwalde ver- legen, nicht zutreffend ist, vielmehr soll in dem bisherigen Betrieb keine Aenderung eintreten. Auch sonst ist in de» geschäftlichen Unter- nehmungen keine Aenderung geplant. Polizeibefchl an daö Gesinde. Folgendes kulturhistorisches Dokument giebt das Polizeipräsidium zum besten: Nach der Gesinde- Ordnung soll das Gesinde, wenn der Tag des Dienstantritts auf einen So»»- oder Festtag fällt, an dem letztvoraufgehenden Werktage onziehen. Da der 2. Januar 1898, an welche»! gesetzlich der Dienst- antritt erfolgen soll, auf einen Sonntag fällt und der 1. Januar ein Festtag ist, so muß das Gesinde beim bevorstehenden QuartalSwechsel bereits am 31. d. M. umziehen. Fiir die hohen Holzpreise bei den jetzigen Holzversteigerungen in den Forsten der Berliner Umgebung werden besondere Gründe angegeben. Der Holzbedarf Berlins ist bisher vorwiegend aus den Ostprovinzen gedeckt ivorde». Die Waldbesitzer dieser Provinzen haben nun aber neuerdings einen Ring zur Erzielung höherer Holz. preise geschlossen. Dein gegenüber haben die großen Holzsirmen in Bertin beschlossen, vorläufig aus den Provinzen Ost- und West. preußen und Polen kein Holz zu beziehen, sondern ihren Bedarf aus der Provinz Brandenburg zu decken. Durch ihren Milbewerb sind, wie die„Boss. Ztg." schreibt, natürlich hier die Preise sehr schnell in die Höhe gegangen. In Tegel mußten kürzlich sämmllichc Bielungs- lustige abziehen, ohne überhaupt ein Gebot abgegeben zu haben. weil einer der Berliner Großhändler den ganzen Einschlag vorher aufgekauft hatte. Ei» Opfer deS„ElfindcrgeistcS" ist der Arbeiter Karl Volkmann geworden, der in einer Fabrik der Elromstraße de- schäftigt war. Volkmann sann allerhand Erfindungen nach und grämte sich, daß er aus Fabrikarbeit angciviesen war. Gestern Abend warf er sich in der Gegend der Sickingerstraße vor einen Eisenbahnzug der Hamburger Bahn, der den Kopf vom Rumpfe trennte. Vo» dem seit Nnfang November verschwundenen Friseur Kuh» vom Potsdamer Platz 4 konnte bisher noch keine Spur auf. gefunden werden. K. ist zuletzt in Zehlendorf gesehen worden. Auf dem Bahnhofe erklärte er einem ihm bekannten Stationsbeamten, daß er nach seinem Grundstück in Zehleudorf sich begeben wolle, um sodann mit dem nächsten Zuge die Rückfahrt nach Berlin anzntreten. Er verließ den Bahnhof und ist nicht wieder zum Vorschein ge- kommen. Die ursprüngliche Annahme, daß an ihm ein Verbrechen verübt ivorden sei, erscheint hinfällig. Die genaue Absnchung des gesammten Grunewaldes nnter Benutzung von Schweißhunden ist ohne Ergebniß geblieben. Es bleibt nur noch die Vermulhnng übrig, daß K. sich bei dem am fraglichen Tage herrschenden Nebel während eines Spazierganges durch den Grunewald verirrt hat und in einem Wasserloch verunglückt ist. Fenerbericht Dienstag Abend erfolgten gleichzeitig zwei Alarmirungen. Einmal Handelle es sich K a st a n i e n< A I l e e 2 um«inen Schaufensterbraud und dann Elsasserstraße 73 um einen Gardinenbrand. Gegen 8 Uhr abends mußte Alexander- st r a ß e 66 ein Kellerbrand gelöscht werden, der die Wehr längere Zeit beschäftigte. Stroh und mehrere Kellerverschläge gingen hier in Flammen auf. Endlich erfolgte Mittwoch Abend 7>/s Uhr nach U r b a n st r a ß e 7 noch ein Alarm. Hier handelte es sich um einen Zimmerbrand, der verschieden« Möbel zerstörte, aber durch die Feuer- wehr noch rechtzeitig beseitigt werden konnte. Ziheater. Dt« WeihnachtskomSdie des Pasfage-PanoptikumS „Ein iltustrirteö Quodlibet" mit Gesang, Tanz und lebenden Bildern, aus- geführt von der Wiener Operettcn-Gescllschast, wird zum ersten Mal am Freitag, den 17. d. M. gegeben.— Das Olympia-Theater theilt uns mit, daß eS seine Heizaulagen verbessert habe. AttS den Nachbarorte». Nicht in der Artillcriewerkstatt zu Spaudan. sondern in der dortigen Geschützgießerei besteht der vorgestern erwähnte Mißstand, daß die Arbeiter ihre» Lohn erst drei Stunden nach Beendigung der Nachttour ausgezahlt bekommen. Das Ersuchen um Abänderung muß daher an eine andere Adresse gerichtet werden, was hiermit geschieht. Sieben Arbeiter ertrunken. Auf dem frisch geschütteten Damm der im Bau begriffenen Eisenbahn Kremmeu-Neuruppin- Wiltstock am Ruppiner See ivar eben ein Sandzug mit zwölf be- ladenen Lowris von der Maschine aus den großen Arbeilskahn geschoben worden, von dem aus die Schüttung erfolgt. Ob nun der Kahn ungenügend verankert war, oder wie es sonst gekommen fein mag, der aus dem Schiffe liegende Schienenstrang hatte sich nach der Seite hin verschoben; der Kahn verlor, als der schwere Zug hinauf fuhr, das Gleichgewicht und neigte sich stark nach der einen Seite; vier Lowries stürzten in den See. Aus der schmalen Galerie, die am Boot entlang führte, stand eine Anzahl Arbeiter zur Entladung bereit. Sie wurden in die Flulheu hinabgerissen. Einigen gelang es, sich zu retten, mehrere ivurden nnter verzweifelter Anstrengung in Sicherheit gebracht; vermißt werden noch sieben, die wahrscheinlich, von den nachrutschendeu Erbmassen begraben, auf dem grund des Sees liegen. Die Unglücksstelle ivurde sofort polizeilich abgesperrt, weil der An- drang der Betheiligle» und Neugierigen ein sehr starker war. Herz. zerreißend war der Jammer der Frauen der Arbeiter, die in ihrer Ungewißheit über das Schicksal ihrer Männer am See schreiend auf und nieder liefen. Ei» Arbeiter hatte erst am Sonntag Hochzeit gemacht. Dk- Uorgitnge In der Kodelschwwgh'schen Anstalt vor der Strafkammer Kielefeld. In der Verhandlung vom Dienstag erscheint alS erster wesent« licher Zeuge der Gärtner S ch ü r m a n u: Ich habe einmal gesehen, als auf„Klein Tabor' ein Kranker bei der Arbeit in Krämpfe fiel. Ali dieser wieder zu sich kam, setzte er die Arbeit fort, er wurde aber schließlich so schwach, daß er eine» Eimer, den er trug, wieder hinsetzen mußte. Infolge dessen zog Bruder Schneider den Kranken derartig am Ohr, daß er demselben daS Ohr einriß. Der Kranke lief unter großem Geschrei in die Station. Bruder Schneider lies dem Kranken»ach und schlug ihn heftig mit einem dicken Stock auf den Kopf und auf den Rücken. Ich habe infolge dessen den Bruder Schneider zur Rede gestellt. Dieser antwortete:„Die KerlS niüffen gezüchtigt werden". Ich ging infolge dessen mir dem Kranken zu Herrn Pastor v. Bodelschwingh, um unS dort zu beschweren. Wir wurden aber von der Pförtnerin ab- gewiesen. Wir begaben nnZ daher zu dem Hausvater Bnker und verlangten, daß der Fall angezeigt werde. Hausvater Büker lehnte aber die Anzeige ab. In einem anderen Falle kam ich gerade hinzu, als Bruder Lauterbach einen Kranken miß- handelte. AIS ich den Bruder zur Rede stellte, sagte dieser: Wenn die Kranken nicht arbeiten, wollen, dann müssen sie durch Schläge dazu gezwungen werden. In einem dritten Fall habe ich gesehen, wie Bruder Koch einem Kranken«in paar Ohr« feigen gab. Im weiteren habe ich gesehen, wie Bruder Engel- mann«ine» Kranken mißhandelte. Als ich diesen Kranken nach der Ursache der ihm gewordenen Mißhandlung fragte, sagte 1 I dieser: Ich soll arbeiten, bin aber zu krank und zu schwach. Ich habe schon g e st e r n nichts zu essen bekomme» und heute auch nichts. Der Kranke, der über heftige Schmerzen klagte, erzählte, daß er sich bei Herrn Dr. Huchzermeyer oder bei Herrn Dr. Noelluer,! das kann ich nicht mehr genau sagen, beschivert habe. Der betreffende Arzt habe ihm aber geantwortet: Die Kranken beschweren sich oft- mals ohne Grund.— Sanitätsrath Dr. Huchzermeyer erklärt, daß ihm ein solcher Fall nicht bekannt sei.— Vertreter der Neben- klüger, Justizrath Huchzermeyer: Weshalb gingen Sie von der Anstalt fort?— Zeuge: Weil ich in der Anstalt zu wenig ver- diente.— S t a a t s a n w al t: Sie sollen gesagt haben. Sie seien deshalb von der Anstalt fortgegangen, weil Sie mit dem Pastor Sie- bold, der Sie beschuldigt, daß Sie Sozialdemokrat seien. Streit bekamen?— Zeuge: Allerdings. daS war auch ein Grund mit.— Rechtsanwalt Dr. ii l a s i n g: Sind Sie nicht der Anstalt noch etivas schuldig?— Zeuge: Jawohl, ich habe aber eine Gegenrechnung.— Der folgende Zeuge ist Hansvater B ü k e r von der Station Klein-Tabor: Ich erinnere mich, daß einmal der Gärtner Schürmann mit einen» jungen Menschen zu mir kam. Schürmann erzählte mir: Bruder Schneider habe den Jungen heftig am Ohr gezogen. Ich untersucht« das Ohr und fand, daß es etwas wund sei.— Präs.: Machte es den Eindruck, als ob das Ohr eingerissen war?— Zeuge: Keineswegs.— Präs.: Was machte der Kranke sttr eine» Eindruck?— Zeuge: Ich glaube, es war ein Epileptiker, er machte eine» blöden Eindruck.— Präs.: Haben Sie den Fall zur ZInzeige gebracht?— Z e u g e: N e i», ich hielt den Fall für unerheblich. Ich habe den Bruder Schneider allerdings zur Rede gestellt. Dieser sagte mir, er habe den Kranken nicht geschlagen, sondern ihn blos am Ohr gezogen, weil er ihm häufig entlausen sei.— Bruder Schneider: Geschlagen habe ich den jungen Mann nicht, ich habe ihm blos mit dem Stock gedroht. — Präs.: Haben Sie deshalb eine Rüge erhalte»?— Zeuge: Jaivohl.— Präs.: Aon wem?— Zeuge: Von dem Hausvater Büker und vom Vorstand.— Präs.: Wer von» Vorstand hat Ihnen die Rüge erlheilt?— Zeuge: Das weiß ich nicht,' die Rüge geschah schriftlich.— Präs.: Bnker, haben Sie dem Zeuge» ein« Rüge ertheilt?— Zeuge: Das ist möglich.— Präs.: Haben Sie die Sache zur Anzeige gebracht?— Zeuge: Das glaube ich nicht. Genau eriiiner» kann ich mich nicht mehr, es ist schon zn lange her.— Präs.: Schürmann haben Sie de» Fall angezeigt?— Zeuge: Ich habe es»nr dem Hausvater Bülcr angezeigt.— Präs.: Büker, woher mag der Vorstand von der Sache Kenntniß gehabt haben?— Büker: Es ist möglich, daß ich Jemandem den Vorfall erzählt habe.— Vertreter der Nebeiikläger, Rechisanwalt Dr. K l a s i n g: Können Sie es auf Ihren Eid nehmen, daß Sie den jungen Mann blos an dem gesunden Ohr gezogen und ihn nicht geschlagen, sonder» ihm nur mit dem Stock gedroht haben?— Zeuge: Jawohl.— Gärtner S ch ü r in a n«: I ch bleibe bei ni e i» e r B e- h a» p t u n g, daß der junge Mann mindestens zwanzig Minuten in Krämpfen gelegen hat. Als er zu sich kam, begann er wieder zn aibeilen. Er wurde aber bald so schwach, daß er nicht weiter arbeiten konnte. Daraufhin riß Binder Schneider de» Zeugen derartig am Ohr, daß daS Obr eingerissen war und dem jungen Mann das Blnt zum Rock herunterlief. Der junge Mann lief nun, laut schreiend, nach der Station, n»» dort Hilfe zu suchen. Bruder Schneider lief dem junge» Mann nach und schlug ihn mit e i n'e n» dickenSlock heftig aufKopf und Rücken.— Bruder Schneider: Das ist nicht wahr.— S ch ü r u> a n n: Das ist doch wahr, Bruder Schiuider. Der junge Mann lief zn errn Pastor v. Bodelschwingh, um sich bei diesem zn beschweren. ch lief dem jungen Mann nach und traf ihn gerade vor den» Garten. Die Pförlnerin wies uns aber ab. Ich ging min mit dem jungen Mann zn dem Hausvater Bükcr. Dieser bat dem jungen Mann das Ohr verbunden; meine Aufforderung, die Sache zur Anzeige zn bringen. lehnte B ü l e r jedoch ab. Ich habe darauf den Vorfall dem Hausvater Rispel erzählt. letzterer zuckte jedoch mit den Achseln.— B ü k e r bemerkt: Er erinnere sich nicht, daß er dem jungen Mann das Ohr verbunden habe.— Der folgende Zeuge ist Arbeiter Schäfer: Ich habe gesehen, wie Leute mit blutigen Köpfen aus der Badewanne kamen.— Präs.: Sie haben gesehe», wie Leuie mit blutigen Köpfen ans der Badewanne kamen?— Zeuge: Einen habe ich bestimmt gesehen. — Präs.: Wie können Sie aber alsdann von einer Mehrzahl sprechen. Zeuge, Sie stehen hier unter dem Eide und ich ermahne Sie, sich jedes Wort zu überlegen. Also sagen Sie, was haben Sie gesehen?— Zeuge: Ich habe einmal gesehen, wie ei» Kranker mit blutigem Kopfe aus der Badewanne kam. Hansvater Büker lief hinter dem Manne her und s ch u g ihn fortwährend heftig n» i t einer dicken Latte auf den Kopf. Präs.: Weshalb mag das geschehen sei»?— Zeuge: DaS weiß ich nicht.— Der Zeuge bekundet i», weiteren auf Be- fragen: Ich habe außerdem noch mehrfach gesehen, daß Kranke in der Badewanne geprügelt wurden. Ich habe ferner einmal gesehen, wie Hansvater Büchner einen Kraulen mit einem dicke» dreikantigen Knüppel heftig auf de» Kopf schlug. Frau Büchner rief ihrem Mann zn: Laß doch de» Mann gehen. In einem dritten Falle habe ich gesehen, wie ein Bruder einem Kranken, der in Krämpfen lag,«i» paar O h r s e i g e n gab.— Präsident: Wer war dieser Bruder?—Zeuge: Ich kannte diesen Bruder nicht, ich weiß nur. daß er eine» schwarzen Vollbart hatte. Ich habe außerdem einmal gesehen, wie Hausvater Büchner einen Kranken auf einem Neubau heftig schlug.— Es erscheint danach alS Zeuge Pastor Mörchen. Der Angeklagte Paßler hat behauptet: Pastor Mörcke» fei wegen eines Sittlich- keitsverbrechens auf dem Disziplinarwege seines geistlichen Amtes entsetzt worden.— Pastor Mörchen: Die Behauptung des Angeklagten sei vollständig erfunden. Es wird Frau I ü n g st als Zeugin in den Saal ge- rufe». Bekanntlich behauptete der Angeklagte Paßler, daß ihn Frau Jüngst zur Begehung deS Ehebruchs habe verführen wollen, während die Frau daS Gegentheil behauptet. Frau Jüngst erklärt auf Befragen, daß sie ihre Aussage verweigere.— Der Staatsanwalt beantragt jedoch: die engin unter?l»Sschluß der Oeffentlichkeit zn vernehmen.— Der erichtshof beschließt dementsprechend. Auch die Vertreter der Presse müsse» de» Saal verlasse». Nachdem die Oeffentlichkeit wieder hergestellt ist. wird Zeichner Kopp alS Zeuge aufgerufen. Dieser bekundet aus Befragen des Präsidenten: Er habe an Epilepsie gelitten nnd sei deshalb mehrere Jahre in der Anstalt gewesen. Er habe einmal gesehe», wie Hans- vater Engel mann in» Hanse„Mamre" einen Kranke» furchtbar mißhandelt habe. Der Kranke lag am Boden und HanSvater Engelnianii schlug den Kranken, der heftig schrie. fortivährend mit dem Kops auf den Fußboden und zaust« ihn an den Haaren.— Präs.: Weshalb mag daS wohl geschehen fein?— Zeuge: Das weiß ich nicht.— Präs.: Geschah diese Prozedur vielleicht ans Fürsorge, etwa um den Kranken zn beruhigen?—- Zeug«: Diesen Eindruck konnte ich nicht gewinnen. HanSvater Engelmann war furchtbar erregt und schlug heftig den Kops des Kranken auf den Fußboden. Pfingsten dieses Jahres begegnete ich in der Nähe von Paderborn zweien Kranken ans „Mamre". Da diese sehr betrübte Gesichter machten, fragte ich sie, ivas ihnen fehle. Die Kranken antworteten mir: Hausvater Engel- mann schlage sie häufig mit einem dicken Riemen. Die Kranke» zeigten inir auch die ihnen dadurch verursachten Striemen. I» einem dritten Falle habe ich gesehe», wie ein alter, kranker Man» im Lazareth heftig geschlagen wurde, weil er des Nachts sein Bett genäßt hatte. — Präs.: Wer hat diesen altti» Mann geschlage»?— Zeuge: Das weiß ich nicht, entweder war e?«in Kandidat oder ein Bruder. — Präs.: Womit wurde er geschlagen?— Zeuge: Ich glaube, mit einen, Stock, eS ist aber auch möglich, daß eS ein Riemen war. — Beisttzender, Landrichter Quincke: Daß der Geschlagene ein alter Mann war. habe» Sie gesehen, nicht aber mit welchem Gegen- stände geschlagen wurde?— Zeuge: Nein, ich kann nicht gen in sagen, ob es ein Stock oder ein Riemen war.— Vertreter der Nebenkläger, Rechtsanwalt Dr. K l a s i» g: Haben Sie diese Mit- Iheilmigen zur Anzeige gebracht?— Z e u g e: Nein.— Rechts- anwall Dr. K l a s i n g: Weshalb nicht?— Zeuge: Herr Rechtsanwalt, wenn man jeden e i» z e l n e n Fall hätte melden iv o l l e n, dann>v ä r e ni a n aus den M e l- d n n a e i» nicht mehr herausgekommen. Es kamen täglich mehrere Mißhandlungen vor. Ich selbst wurde mehrfach mißhandelt. Man wird schließlich gegen diese Mißhandlungen g l e i ch g i l t i g und abgestumpft. Hansvater E n g e l in a» n sagt ans: Ein Kranker in„Mamre" habe sich immer auf den Erdbode» geworfen und mit dein Kopse auf deiiselben geschlagen. Er habe daher den Kranken an dcr Schulter festgehalten, konnte aber nicht verhindern, daß der Kraule t en Kopf nnanshörlich aufhob nnd senkte und dadurch mit dem Kopf auf den Fußboden schlug. Einen anderen Kranken, der eine Thür demolirt halte, habe er allerdings mit einem kleinen Strick geschlagen. Hansvater Büchner: Die Kranken gehen häufig auf einander los. Es ist in diesen Fällen meine Pflicht, dazivischen zu treten und die Kämpfenden auseinanderzubringen. In solchem Falle»rnß ich selbsiversländlich die Kämpfenden scharf angreifen, nnd wenn sie nicht gehorchen wolle», auch schlagen. Ich habe auch einmal einen Kranken, der furchtbar priemte und dies trotz allen Verbots nicht lassen ivolllc, geschlage».— Präs.: Sie sollen den Kranke» mit einer dicken Latte ans den Kopf geschlagen haben.— Zeuge: Ans den Kons nicht, nur ans die S 6; u I t e r.— Präs.: Haben Sie den Kranken dabei ver- letzt?— Zeuge: Nein.— P r ä s.: Haben Sie deshalb vom Vorstand einen Veriveis erhallen?— Z e» g e: Jaivohl.— Auf ferneres Befrage» bekundet der Zeuge noch: Er habe niemals einen Kranken' in der Badewanne geschtagen, dagegen komme es hänflg vor, daß die Kranken sich gegenseitig mit Holzschuhen bearbeiten.— Hausvater Koch bestreitet, einen Kranken geschlagen zn haben, er müsse allerdings die Kranken oftmals scharf anfassen, nm sie auseinander zn bringen. Diakon Glogau, der danach als Zeuge erscheint, wird von dem Zengen Schäfer als derjenige erkannt, der einem Manne, der einen Krainpfanfall hatte, ein Paar Ohrfeigen gegeben haben soll.— Diakon Glogau. bestreitet das.— Schäfer: Das ist doch wahr. Sie haben einem Manne, der in Krämpfen lag. links nnd rechts ein Paar kräftige Ohrfeige» gegeben. Ich sagte Ihnen noch: DaS ist nicht schön von Ihnen.— Tiako» Glogau: Das bestreite ich. Sie kounlcn das ja so genau gar nicht sehen.— Schäfer: Ich stand ja ganz dicht dabei.— Glogau: Ich bestreite das.—Schäfer: Und ich halte m e i n e A n s s a g e a li f r e ch t.— Maurer S ch i l d c r m a n n: Er habe einmal gehört, daß ein Kranker infolge Unvorsichtigkeit in eine Wanne mit kochendem Wasser gefallen sei nnd sich derartig ver- brüht habe, daß er nach einigen Tagen gestorben sei.— Arbeiter S ch i r m e r: Er habe einmal gesehen, wie Hausvater Büchner einen blödsinnigen Kranke», weil derselbe nicht arbeite» wollte, mit einem Stock heftig geschlagen habe. Ter Kranke sei infolge dessen eiitlanfen nnd habe seine Holz- schuhe fortgeworfen.— HanSvater Büchner bestreitet das.— Maurermeister Wolf bekundet: Schäfer, der bei ihm längere Zeit beschäftigt war, sei«in ganz vortrefflicher Arbeiter; er fei aber früher stark dem Trunk ergeben gewesen.— Diakon E r z i g k e i t bestätigt das. Schäfer sei jetzt kein Trinker mehr, sonder» gehöre dem„blauen Kreuz" an.— Es wird darauf ans dem Handels- register festgestellt, daß die Firma Echitmaitii it. Co. an? mchrerei» Inhaber» bestehe.— Redakteur Hoffmann, der hierauf als Zeuge erscheint, bekundet: Schumann habe das Anerbieten Paßler's, ihm für 500 M. das Manuskript abzukaufen, von vorn- herein abgelehnt. Dieser habe wohl kaum vier Seiten ge- lesen, sodaß derselbe von dem Jnbalt der Broschüre keine Kenntniß hatte. Dagegen habe er(Zeuge) das Mannskript durch- gelesen»nd in Gemeinschaft mit Paßler verschiedene Stellen lheils geändert, thcils gestrichen, so daß seiner Meinung nach alle Beleidigungen ausgemerzt waren. Er habe deshalb zu Schumann gesagt: Diesmal werden wir eine Broschüre drucke», die nicht angeklagt werden kann. Zn seinem Bedanern habe er sich darin geirrt. Die Broschüre fei in 5000 Exemplaren gedruckt worden. Schumann habe ans seine(des Zeuge») Befürworlnng nur den Druck übernommen, den Verlag aber entschieden abgelehnt.— S ch n- m an»: Er habe vor dem Druck den Paßler gefragt, ob er eine» dunklen Punkt in seinem Vorleben habe. Dies habe Paßler ver» neint. Hätte er das Vorleben Paßler's gekannt, dam» würde er auch den Druck der Broschüre abgelehnt haben.— Ans Befragen Paßler's bekundet noch der Zeuge Hoffmann: Wenige Tage vor dem Er- scheinen der Broschüre sei der Hausvater Rösel zu Paßler in die Wohnung gekommen und. habe diesem in vcrsteckler Weise gedroht, ihn wegen Entwendung einer Matratze anzuzeigen.— Hausvater Rösel bestreitet, irgend eine versteckte Drohung ausgesprocheii zu habe». Auf Slntrng des Staatsanwalts beschließt der Gerichtshof, den Zeuge» Hoffmann wegen dringenden Verdachts der Theilnahme nicht zu vereidigen. Aertheidiger Jnstizrath Bock stellt nmimehr den Antrag: den KreiSphysiknS Dr. Nünninghoff, der der ganzen Verhandlung bei- geivohnt, über den Gcifteszustaiid seines Klienten Paßler zu ver- »chmcn. Paßler, der sich überall von Grheimagenten verfolgt wähne, leide ziveifellos am Größenwahn. Dafür sprächen auch noch verschiedene Briefe desselben.— Der Staatsanwalt und die Ver- treter der Nebenkläger erklären, daß sie zn den» lüntrage nichts zn erklären habe».— Der Gerichtshof beschließt nach längerer Berathnng: den Antrag deS Verlheidigers abzulehnen, da der Gerichtshof aus den» Verhalten deS Angeklagten Paßler die Ueber- zengiuig gewonnen habe, daß derselbe weder zur Zeil der Tl>at, noch augenblicklich sich in einem Geisteszustände befindet, die seine freie Wtllensbestimmnng ausschließt. Ans Antrag des Rechtsanwalts Dr. K l a s i n g bemerkt Re- giernngSralh Feig eil: Die Unterfuchnngskommission babe ver- schieden« 5irnnke gefragt, ob sie eine Beschwerde haben. Es kaben sich einige Kranke beschivert. Die nähere Untersuchung habe jedoch in allen Fällen ergeben, daß diese Beschwerden vollltändig unbegründet waren und die betreffenden Kranken a» Hallttzinaiionen litten. Die Verhandlung wird aus Mittwoch, vormittags 9 Uhr, vertagt. Am Mittwoch wurde die Verhandlung zu Ende geführt. Das Urtheil lautet gegen den Slngeklagleii Paßler auf zwei Jahre Gefängniß n»d spricht dem 5Uäger die Publikalions- defngniß durch das„Berliner Tageblatt" nnd die„Kölnische Zig." zn. Schumann wurde freigesprochen. Briefkasten der Redaklion. Wir bllten, det jeder Stutvage eine shtffr« fjroel Buchtlaben ober«In, gabt) aiiingeden, nnter der dt« AnNdorl«rthettl werden sott. lvle juristische Sprechstiinde findet am Montag, Freitag und Sonnabend von K bis 8 Uhr abends statt. F. T. lvv. I. Garbaty-Rosenthal, Zigarrmfavrit, N., Schönhauser Alle- 66 � park L u. II. C.®. SS. Sic würden zur Zahlung verurtheilt werden.— W. W. IVO. 1. Ende 1898. 2. Die Möbel würden trotz Verschreibung hasten.— LSartenbcrg. Schriftliche Antwort ertheilcn wir nicht. Zur Sache selbst: Der Vater hat»ach zutreffender Ansicht auch im Gebiet des Landrechts das Recht, feine über 21 Jahre alte Tochter, die sich selbst ernährt, in sein Oaus zurückholen zu lafsen, nicht.— Li. W. 1. In 30 Jahren. 2. Sie müssen beim Amtsgericht eine richtige Darlchnsklage in zwei Exemplaren ein- reichen. Formulare hierfür erhalten Sie in der Buchhandlung Vorwärts. A. H. Uns unmöglich.— N. N. UiO. 1. In 5 bis 10 Jahren. 2. Sticht überall in Deutschland. 3. Der Vormund.—#9. Bi» Bereits erledigt. Wetter-Prognose f»r Donnerstag, Ist. Dezember k8v7. Mild und vielfach heiter, zeitweise wollig mil etiva» Rege», und mäßigen südwestlichen Windei». Berliner W e t t e r b u r e a n. Berantivortlicher Redakteur: Angnst Jarobry in Berlin. Für de» Jnseratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin. ilr. 29B. U. 2, Ctilanc i>ts.Mmiirts" f ftlintt MlisdlR>««'-»>»» VevlÄittmsunsett. J»> Wohlvcrein für dc» scchstru Rrichst�gS Wahlkreis refertrle an, Dicuslag Reichslags-AbAeordueler Genosse Voalherr über die Noth,vendigkeit politischer OrAanisali�i. Nnler Würdigung des Unistandes, das, die Hilse der Partei bei geiverkschastlichen Kämpfe» oft in?I»spinch genommen ivird, forderte der Redner, auch die Geiverkschastler sollte» politisch ihre Schuldigkeil lhu». Zins seiner Thäligkcil im Parlament Hobe er die Erfahrung gcivonnen, dag es für jede Partei ei» Lebensersordernih ist, in steler»nd enger Fühlung mit deo Wählern zu bleiben. Den Sozialdemokraten gegen- »der sind unablässig Einflüsse thälig, die versuchen, die Abgcordnele» von den, ursprünglichen Klassenstandpunkt abzudrängen: da sei es uolhivendig, durch die politische Organisation die Äbgeorduelen in ununterbrochener Verbindung mir den Massen zu erhallen. Das Wachethum der Partei brachte auch eine Steigerung der Anforde- rnngeu— das ist ein weiterer Grund, unsere Organisation anszu- bauen. Ten Schlns, der jltede bildete eine Betrachtung der gegen- wärtigc» politische» Lage mit den, Zlusblick aus die Reichslags- rvahlcn; die illusforderung.Wirkew für die Organisation fand lebhaften Beifall. In der Debatte machte Kröhn die mangelhafte Organisation für den Ausfall der Siadtverordneien-Wahl in Moabit verantwortlich. Er meinte, auch von den Berufen, die gern die Parle! in Anspruch nehmen, gehören»ur wenige dem Wahlverein au. Kiesel und G u t t in a u n betonte», gegenüber der Agitation der National-Sozialen sei eS jetzt doppelt uolhivendig, die Wahb vereine zu stärken. Zun, Schlüsse wurde noch mit wenige» Worten der Antrag Bebel betreffend Landtagswahlen berührt; man will vorläufig eine abwarteudc Stellung einnehmen. Tic Holz- und Vrctterträgcr hielten am 7. d. M. eine Agitationsversaminlung ab, in der T b. M e tz n e r reserirte. Die Anwesenden verpflichteten sich. Mann für Mann, soiveit dies»och nicht geschehe», dem Fnchvcrcin der Holz- und Brelterl'äger bei- zulrete». Ju Treptow Vanmschulcnwcg fand am II. d. M. in dem Lokal von Speer eine gntbesuchte össentliche Volksversammlung stall. Dr. Joel reserirte über den„Kampf um de» Nordpol". Ter bei- fällig ansgenommene Vortrag dehnte sich bis zur Pvlizcisiunde aus, so das, die anderen Punkte der Tagesordnung nicht mehr vollständig erledigt werden konnten. Charlottcnbnrg. Am 12. Dezember fand im Lokal von Lehder eine össentliche Versammlung der Delegirten gur Charlotten- burger Gewerkschaslskommission behufs Stellungnahme zu den am Sonntag, dc» 19. Dezeinber. flatlfindende» Delegirtenwahle» der Charlottenburger Allgemeinen Ortskrankenkasse stall. Es wurde all- seilig als nolhwendig anerkannt, daß auch Leute da hinein beleg, rt werden müssen, welche anck) die Interesse» der Kassenmitglieder energisch vertrete». Unter„Gewerkschaftliches" beschließt die Ver- säunnlung, dem Vertrauensmann eine Anzahl Gesetzesbücher zn ver- schassen.— Sammelliste» für die streikenden englischen Maschinenbauer sind beim Vertrauensmann Otto Fleinmmg Schlülerstr. 71 zu entnehme». �- A.l..t,...S»».i»o»Ma>l.. Znselsir.>o, v.-Tr. Mittwoch- Natloilat- ö k o»°>» t° tE'>au>l'kg> ih- der Nalionalökonoinie; Dr. C o» r. S ch m t d l). Tonneistag: w esch tchle lTie vorgeschtchiliche Zeit und die ersten gelchichilich en Ncbrrlieserungen! Dr. Georg Zepvler). ��>og: Gcleyeslunde. iZUl'.-iisvcrirag. die foziolpolilische Gesetzgebung. Slrasrechl, g-w-rblich-s Kon- ,cIstoi-S»'ef.n. tiherccht, Micttisiicht, Erb- und Vormundichafikrechl. osleniliche« Nlchi I NechiSanwoli Wolfgang Hetnei. Tie Biblioihei ist von s— S Uhr gcöstnei. WUigliedsbelirag monall. 2b Af., Kursus(10 Abende) l M. pro Fach. Th- tluebniir weiden aufgeuvinnien in der Schule und in folg. Sielte»: Golisr. Schutt, Sld»>ira>str. 40a; tzlcul. Varntinstr. 42: Schiller, Ltosenihalerstr. 67; Gleiucu, Müllnstv. 7a; Paul Mütte, Manteufselstr. I2S! H. Königs, Diesfenbachstr. Sv. Ali--iuschrisle» sind a» de»»orsttzendcn Paul M u che r. LO Man- icnstclstr. ILS, Ccldseiidungen a» de» Kassirer H. Königs, L. Dieslenbachstr.»0, ZeMralxerei» der S»r«an- Angestellten D-utschland»(Mlgltedschafl Berlin) Donnerstag, den IS. Dezember, abends Sit Uhr bei Schiller, Nofenihaler- fnahe-s?; Sitzung. Vortrag. Gäste willlommen Barbier-, Friseur«. Heule, den 1°. Dezember, abends 10% Uhr. Ver- sawinlunge» bei Wille, Andrcasstr.-s und bei Velltn, Brunnenstr. Z4. kriir dc» Inhalt dor Jttscrato iibcriiiiiiMt die Rcdallioii dein Piiblikiiiii gegruüber keinerlei Acraiitwortiiitg. Thenkev. Donnerstag, 1ö. Dezember. Opernhaus. Carmen. Ansang 7V- Uhr. Schanspielhans. Coriolan.. Anfang 7'/- Uhr. Deutsches. Jugcudfremlde. Ansang 7-/2 Uhr. Berliner. Faust. I. Theil. An- fang 7 Nhr. Goethe. Ein SonimernachtStraum. Anfang 7l/z Uhr. Scfiiiig. Hans Huckcbein. Anfang 7'/2 Uhr. Neues. Die Logenbrüder. Anfang 7'/2 Uhr. Schiller. Heimg'simden. Anfang L Uhr. Vcllc-Zllliance. Dcborah. Anfang 8 Uhr. Nesidciiz. vivorgous. Ailfang 7l/2 Uhr. ttntcr dc» Linden. Orpheus in der Unterwelt. Anfang 7>/z Uhr. Central. Berliner Fahrten Anfang 7>/- Uhr. Thalia. Bitte recht freundlich. Hieraus Berlin über Alles, hliisang 7'/, Uhr. Luisen. Fröhliche Weihnacht! An- fang 8 Uhr. Friedrich- Wilhclmstädtlschcs. Fm Lichte der Wahrheit. Ansang 8 Uhr. Ostend. Leven und Lieben. An- fang 8 Uhr. Nlexanderplast. Die Vcrsührerin. Anfang 8 Uhr. Urania. Tnnbeiistrasjc 48—19. Naturluiidl. Ausstellung v. 10 Uhr vormittags ab. Abends 8 Uhr . Wiffenschastl. Theater. Jiivalidcnstrasje 57/62. Täglich (außer Sonntags und Mittwochs) abends 8 Uhr: Wissenschaftliche Vorträge. Rcichshaltc». Spezialitäten. An- fang 7-/, Uhr. American. Spezialitäten. Anfang 8 Uhr. Apollo. Spezlalliäten. Ans. 7'/, Uhr. Fecn-Palast. Spezialitäten. Passage< Panoptikum. Wiener Tanz- und Operctten-Gesellschaft. Sitz i ll e lz e L» te v (Wallucr-Theater). Donnerstag, abends 8 Uhr: Heim- g'fnnde». Freitag, abends 8 Uhr: Zum ersten Male: Die wilde Jagd. Sonnabeiid, nachm. 4 Uhr: Kinder- Borstellimg: Der verwunschene Prinz,— Abends 8 Uhr: Die wilde Jagd._ Central-Iheatei' Alte Jakobstr. 30. Direktion IUcIiuimI ScIiiiKz. Doiinerstag, den 16. Dezember 1897, Emil Tliomais n.®. Zum 103 Male: Berliner Fahrten. Burleske Aiisslattiiligsposs- mit Gesang »nd Tanz in 6 Bildern von Jiilitts Freund»nd Wilhcli» Mannstäd t. Musik von Jnl. Einödsh ofer. Anfaiig l/i8 Uhr. Morgen und folgende Tage: Ber- llner Fahrte». Ostend-Theatev. Gr. Fraiilfnrlerstr. 132. Dir. C. Weist. Zum 21. Male: Lcbe»«i«d Liebe«. Volksstück mit Gesang in b Akten von O. Klein. Musik von G.Wanda. Ans. 8 Uhr. Im Tunnel von 7 Uhr ab: — Fr-i-Konzert.— Sonntag, zilin 1. Male: Christin- che». Weihnachtsmärchen mit Gesang von Günther Brauer. Iis- Theater im IVelt Itcstanrant 07. D r c s d e» e r- S t r a st e 97. Mit vollen Segeln. Lebensbild in 3 Abth. von H. Schulz. Hauptrollen: Aiignst Schneehiihn: Rudolf Schauß. Wilhcn» Schneehuhn: Otto Mendt. Marie: Ella Richter. Die kleinste Conto rsionisti» der Welt LittBe Elsa.*«! Im vorderen Saale: I�'Llöi' Laiigöi' Alois �bnep. Kl»tNIIK* Svnntagö 0 Uhr. AlljUilfl. Wochentags Uhr. Uran! Taiiibcnsf rassc 48—40. ■NftturlmiKll. Ausstellung; täglich geöffnet von 10 Uhr vonn. ab. Eintritt 50 Pf.— Abends 8 Uhr: „ tVjs�en�eliaCU., Tliezitar.. YnvnliOeustrassc A'o. 57/02: Täglich(ausser Sonntags und Mittwochs) abds. 8 Uhr; Wissenschaftliche Yorträgro. TkähereS- die Tagesansenlägo! Passage-Panoplicum. Wiener Tanz- und Operellen- Gesellschaft, Neues Programm "■ Castan's 08 Fanopticum. Friednchstr. 165. Indisch- I»ia«I»nta nischc Gaukler — und— Schlange n- Beaehwtfrcr. Das BÄREN WEIB. Luisen-Theater 31. Ncichenbergerstraste 34. Abends 8 Uhr: MHIichc Wriljiunlit. Zauberniärcheii mit Musik in 5 Bildern von L. O ttomeper. Musik von Fritz Krause. Freitag: Fröhliche Weihnacht. Diieltc Berbiildling mit dem Theater: Elcktr. Bahn: Dönhofsplatz— Ziclchen- bergcrsiiahc in 10 Mimitcii. Apollo-Iliealer. llezkvelill-eisiii!» Otto keutter ' & � "V X liglich abends 8 Uhr — Neues OLYMPIA Riesentheater Xe (Circus Renz.) Uolossy Klrnlfj s „Coiistantiiiopel� An Sonn- und Feiertagen S Vorstellungen, nachmittags 4 Uhr. abends Alcazar Varietd- Theater I. Ranges, Dresdenerstraßc 52/53(Citp-Passage) Ainienstraße 42/43. Direktion'Richard W i n k l e r. Bornehmsler Fainilieil- Anfenihalt. Reu! Novität! Neu! kosen aa»I>I!ill!I. Sonntags«>/- Uhr. Eutree 30 Pf. Reservirt. Platz 50 Ps. VorzugSkarten haben Giltigkeit. Sonntag, den IS. Tezember 1807: gNp- Letzte Borstelliiilg vor Weihnachten. Naehr'sTheater Ora»ien«tra«*>e 24. Donnerstag, den 18, Dezember: j Abschieds-Benefiz fttr Charles Brunow. Theater- a. Spcz.inlltüten- Torsttciliing. Neu! Ein toller Abend. Neu! Posse. Neu! Ein Echltrltt. Neu! Charakterbild. Nr. Willy, Jongleur a. d rollenden Kugel und Drahtseilkünstler. Wochentags 8 Uhr Sonntags 6 Uhr. Preise wie gewöhnlich. BllSCli (Kalialiot* BSörse). Donnerstag, 10. Dezember 1897, abends Ühr: Wohsthljtigkeits-Borstellmlg für das XIII. KouiNlissariat des Nationaldanks für Veteranen. In der Tanzftittide, gr. Quadrille. Die vorzügllchsten Freiheitsdressiireil des Dir. Busch. Pferd»nd Elefant, Original-Dressur des Sign. Corra- dtni. Der neu dresfirte Elefant, hödsst kom. Episode. Maria Tore ä la Cavalier, auf dem oftpreilß. Hengst ..Petronius". Mr. Airic'Mariaiio. Kopf-Eqnilibrist a. fliegelidem Trapez. Außerdem iämmtliche Clowns: Eugen Veldemanu, Freies Bcrgerc, Ema- nuelo& Rodrigirez, Boganowsch, Cyrillo und Magrini Zum Schluß die letzten 3 Akte aus der Panlominte Nach Sibirieu. Das großart. aller Manegeu-Schaust. Morgen 7V2 Uhr: Elite-Abend. Concerthaus I.e i jiail gers t r. X«. 4 8. |)ä?~ Täglich:"SEQ Hoffmann's Quartett und Humoristen. Itfiifniirt» Sonntag 7 Uhr Alllttllg. Wochent. S Uhr. Alle fünf 1t a r r i s o u 8. Zum 245. Male: Veno» liebe?5ette. V. Hosek's Iltesler 11 r»« 1» e a- 8 i. r a»« e 10. Täglich: Weihnachts wünsche oder: Ei» Traum in der Ehriftnacht. Weihnachtsmärchen mil Gesang in 3 Akten von Jacobson u. Girudt. Jeden Sonntag und Donnerstag nach der Vorstellung: T 011 z k r ä 11 z ch c 11. Mm! ffieiirer. Aliit»ng! Isvcikng, den 17. Dezenrbev, nbends 8 Mtzv» in dev .»i�ontznllv"» Iseiedeichflrntze Me. U2: Grosze öffentliche Maurer-Versammlmig Tages-Ordnung:..... 1. Die Eiuigiingfffrage beider Organisationen event. ErgänzungSivahI der Einignngskommission. Abstempelung der Saiuiiiellarten. 3. Gewcrksdiaftliches. in dieser Versannnliing anwesend z» sein. 2. Die 297/2 IGebrüder Herrnfelds! I. Original- da pester' l'osscn- u. Opevetten- Xheater Kaufmann's VariStö. Heute Anfang 8 Uhr. Gewöhnliche Preise. jEin Abend imWinteroartenf und die unvergleichliche Situationskomödie B m Atelier. Hauptrollen: Anton und Donat Herrnfeld. Ausserdem die { Virtuosen des Hnmors{ Georg RUsscr, William Schüff, i Gesell« ister Melnhold. 1 f Die neueste Sehens- u, Hörens-] wiirdigkeit, das Unikum von lllumoristcn-Wettstreit| zwischen Dr. Stelnitz und William Schllff. iMorgen: Dieselbe Vorstellung! Pflicht" aller�Kolwgen"'»vÄchVd so wichtigen Tagesordnung zu würdigen wissen, ist es, ..«'.'--an„nlilng anweseild zu sehn___ Die LoHnkomiulssion._ Das Marz Denkmal! Freitag:, tlen 17. Dezember, abends 8 z Fbr, In Fips iSranorel, Am Fricaplclishain �2—29: GrchtijBitl.WUlsMNilmig Das läi'i�ciifiiial, diic Ehrevsihİier Berliner Börger- schast, tiiid der Berliaer Magistrat. Referenten die Herren Heia» lirleger und I>r. I ulins Moses. Es gilt, den Wünschen der Bürgerschaft, daß den Todten des Jahres 1848 endlich der schuldige Tribut der Dankbarkeit abgetragen und ihnen eine in jeder Hinsicht würdige Ruhestätte bereitet wird, Ausdruck zu geben. Wir hoffen, daß die Bürgerschaft ihr Berständniß für die Sache be- weisen und durch zahlreichen Besuch der Versammlung bethätigen wird. Das Comltö asnr Errichtnng eines Denkmals für die M«-,? Gefallenen. 23206 Wäschemangeln von 25 Mark an, Wringmaschinen von 10 Mark an — empftehlt als beliebtes WeihnachtZ-Geschenk—I E. Krieg, W. Leipzigerstr. 112; Knrfiirstendamm«1». SO. Skalitzerstr. 136._* Berlin, bh ! wat sagste nu!?! 'Täglich erzielen in fU-n n-fc Vandeville-Tüaaler, yiidlg Gr.- Hotel Alexandcrvl Das Armband von Müller, Das Modell von Haskel, einen Erfolg. 1 aber«ich zu bnapp ITiel.Nrigiiial-Btidavesttt (Eantzky& Spitzer.) Borzugskarten gelte». Reichshallen- Thcater. Leipzigerstrasse 77, Das grossartige Moustrc-l'rogramm! Die drollig. Musik-Phantasten Gaetano-Olloms. Der brillante Imitator und Original- Humorist Bacchus Jacob y. Der Berliner Liebling nelanic Itobertl. Das unerreichte Franklin- Quartett. 26 Kunstkräfte 1. Ranges und der Excclsior-Mimograph. Anfang des Konzerts 71/2 Uhr, der Vorstellung 8 Uhr. Entree 50 Pf. ISKi Im Reichshallen-Tunnel; I Gr. RUlltär-Eonzert in Uniform. Feen-Pala st 22 Itnrgstr. 22. Dir.: Winkler& Frtfbcl. Sonntag, den 19. Dezember: Eetzte Vorstelinng vor Weihnachten. Auftreten des gelammtcn ßhltinstler- 1" er so nalsj in den besten Glanznammern. Um 872 Uhr die erfolgt Posse Eine nette Weihnachls- bescheernng. Lebende Photographien tc. I Anfang 77z Uhr. Eutree 30 Pf Am zweiten Weihnachtsfesttag mittags 12 Uhr: Extra- Fest- HatinHe jdes gesamuite» Künstler-Personale unter Mitwirkung von BSilhelin Fröbel. Den Parteigenossen des vierten Berlin. BCichstags- Wahl- kreises(Osten) zur Nachricht, daß unser altbewährter Partetgenosse, der Tlichlcr Marl Mlose nach lurzcui aber schwerem Kranken- lager verschieden ist. 216/17 Die Beerdigung findet am Donners- tag. den 16 d Mts., nachm 2 Uhr, vom Traiierhanse, Pallisadenstr. 17, aus nach den, Jcrufalemer Kirchhofe, Hcrmanilstraße, statt. Um rege Be- theiltgung ersuchen Die Bertraneuspersonen. Meine Frau s23Z4b MatI, Ilde Beppien ist am 14. d Mts., früh 2 Uhr. saust entschlasen. Die Beerdigung findet Frenag Nachm 2 Uhr vom Trauer- hauie. Swincmünd.erstr 54, nach dem Georgenlirdihos, Landsberger Allee, statt. Carl Reppien, Heute Mittag 12 Uhr 15 Min. ent- schlief nach kurzem, schwerem Leide» »User lieber Bruder. Schwager und Oulel, de, Modelleur u. Kunstgießer Oscar Möllmer im 48 LebeuSsahre. L332b Berlin den 14. Dezember 1897. Die tiesbcrrübten Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet Freitag, den 17 Dezember, nachm. 3 Uhr, von der Leichenhalle des Jerusakemer Kirch- hoseS. Bergmaniistraße, auS statt. K hanesPt" Sanssouci Kottbiifer Strasse Nr. 4a. Dir. H. Piere». Artistischer Leiter Jos. Aschinger. Mi! vollen Segeln. Lebensbild mit Mnstk in 3 Abtheil. von H. Schulz. Gr. Spezialitäten-Programm. Anfang des Konzerts: Wochent. 7 Uhr, Sonntags 5 Uhr. Ansang der Vorstellung: Wochent. 8 Uhr, Sonntags 6 Uhr. IS,,t««p. Wochentags 30 Ps. vlltllt» Sonntags 50 P f. Wochent. Rasse-partouts gillig. Voranzeige. Sonntag, den 19. Dezember: ÜV Letzte Borstellung vor Weihnachten. Freitag, den 31. Dezember: Grosser SMslei'-fgmilien-käll. Aasscrordeatliche lZeneral-Versarnrnlung der Mitglieder dn Alltstilitiiitil TttrMnst'e für Mülliler Nd ßriliieil z n Berlin (ehem. Sterbekasse der Maschinenbau' Arbeiter k.) Sonntag, de» 19. Dezbr. 1897, vormittags 10 Uhr, im Englischen Garten, Alexander- straße 27b(oberer Saat). Tages-Ordnung: t. Bestätigung der vom Vorstand ge- wählten Kassenheamten, laut Z 23 des Statuts. 2. Wahl eines Revisors. 3. Antrag des Vorstandes über einen Zusatz zu Z 16 des Statuts. 4. Antrag Heese u. Genossen aus Neu- wähl des Gesammt-Vorstaiides und der Revisoren. Das Oiiitruiigsbnch resp. Quittung der Sterbetasse legitimirt. Der Vorstand. Th. Mledzlnski, stellvertr. Borsttzender, Wajdemarstr. 56. !�B. Mitglieder, von denen die Bei» trüge noch nicht abgeholt sind, wollen ihre Adresse und Buch- Nummer im Kassenlolal, Kransnickstr. 10, baldigst angeben. L33tb Ünterstihuilgs-Ptttin der Allpserslsimitde Delltschlauds. Filiale Berlin. Sonnabend, den 18. Dezember 1897, abends 9 Uhr, in Felnd's Salon, Weinstraße II: Versammlung. 101/12_ Der Borstand. Mir 36 Mark fertige feinen Winterpaletot n. Maaß, für 36 M. ff. Anziig nach Maaß, siir 8—12 M. ff. Winterhofen nachMaan. Man iiberzettge sich im Rieseiistofflllger. Xi'guseusli'. 14. 1. Itfiu Latlen. irifd)flfifiö.!liÄn,f!- Siciite unb Rücken 70 und 80 Psg' ftnfoit_'"'kh gespickt 3,50, ffiiwßiinle 45, 50�. Wild- und Geflllgelhandliing z. Hllsedl.Dresdellttstr. Kl. Gründung 1867. Ferdinand Meumann Berlin SW., Leipzig erstrasse 51, Ecke Dönliofplatz. 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