Ar. 294. AbsMtMtÄs■ Kedwgunge»: Abonnement«-Preis pränumerando: tZierteljährl. 3,30 Mk., monatl. 1,10 Ml., wöchentlich 28 Pfg. frei in» Hau«. Einzelne Nummer 5 Psg. Sonntag«- Nummer mit illustrtrter Sonntag«- Beilage„Tie Neue Welt" 10 Psg. Post- Abonnement: SL0 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zeitung«- Preislist« sür 1897 unter»r. 7437. Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für da« übrige Ausland S Marl pro Monat. 14. Jahrg. Die Inserllons-Gedllhr betrögt sür die fechigespaltene Kolonel- «eile oder deren Raum 40 Psg., sür BereiiiZ- und Versammlung«-Anzeige», sowie Arbeitsmarlt 20 Psg. Inserate sür die nächste Nummer mästen bi« 4 Uhr nachmittag« in der Elpedilion abgegeben werde». Tis Elpedilion ist an Wochentagen bi« 7 Uhr abend«, an Sonn- und Festlagen bi« o Uhr vormittag« geöstnet. Erscheint täglich«itster»onkag«. Derlinev VolkSblakk. Fernsprecher: Nmt I, Dr. 1608. Telegramm-Adreste: nSozisldrinostrat Serltu". Dentrawrgan der sozialdemokratischen Vartei Deutschlands. Nedalllion: 8V. 19. Neuly-Straße 2. ßrpl'dition: SM/. 19, Mettty-Straße 3. Dss Evangelium von 1897.. Bei der bekuunten Vorliebe des Kaisers für die Flotte und bei der Wichtigkeit, die derselbe schon bei Gelegenheit der letzten Thronrede der chinesischeil Angelegenheit beigemessen hat, mar zu erwarten, daß der Kaiser die Schiffe, die er als„meine Schiffe' zu bezeichnen pflegt und die er unter das Kommando seines Bruders Heinricy gestellt hat, iiiclst ohne eine oratorische Kmidgebnug entlassen würde. „Mein lieber Heinrich," so begann der Kaiser seinen Trinksprnch bei der Tafel im Kieler Schloß, und er betonte zunächst, daß er ausbauen und weiterführen wolle, was seine Vorgänger ihm hinterlassen haben, und daß es sich nm„die erste Bethätigung des nengegrnndeten und neu- erstandenen Deutschen Reiches in seinen überseeischen Auf- gaben" handle. Dann fuhr Wilhelm II. also fort: „Das Reich hat i» der stannenswerlhe» Eiilwickelmig seiner Handelsinteressen einen solchen Umfang gewonnen, daß es i»ei»e Pflicht ist, der neuen d e u l s ch e n H a n s a zu folgen und ihr den Schutz angedeihen zu lasse», den sie vom Reich und vom Kaiser verlangen kann. Tie deutsche» Brüder kirchlichen Berufs, die hinausgezogen sind zu stillem Wirken und die nicht gescheut haben, ihr Leben einzusetzen, um unsere Religion ans sremdein Boden, bei fremdem Volke heimisch zu mache», haben sich nnter meinen Schutz gestellt, und cS gilt, diesen mehrfach gekränkten und auch oft bedrängte» Brüdern für i m m e r Halt und S ch u tz zu vcr- schaffen. Deswegen ist die Unternehmung, die ich Dir übertragen habe und die Du in Gemeinschaft mit de» Kameraden und de» Schiffen, die bereits draußen sind, zu erfüllen haben.wirst, n> e s e n t l i ch die eines Schutzes und» i ch t d e s T r n tz e s. Es soll unter dem schützenden Panier unserer deutsche» Kriegs- flagge»nserem Handel, dem deutschen Kaufmann, den dentschen Schiffen das Recht zu theil werden, was>vir beansprnchen dürfen, das gleiche Recht, was von Fremden aller anderen Stationen gegen über zngestanden wird. Reu ist auch unser Handel nicht; war doch die Hansa in alten Zeiten eine der gewaltigsten Unter uehmnnge», welche je die Welt gesehen, und es vermochten einst die deutsche» Städte Flotten aufzustellen, wie sie bis dahin der breite Mecresrnrken wohl kaum getragen hatte. Sic vcisiel aber und lUttßtc verfallen, weil die eine Bedingung fehlte, nämlich die des kaiserliche» Schuhes. Jetzt ist es anders geworden, die erste Vorbedingung: das Deutsche Reich ist geschaffen, die zcheitc Vorbedingung: der deutsche Handel blüht und enlwickelt sich, und er kann sich unr gedeih- lich und sicher entwickeln, wenn er unter der Rcichsgewalt sich sicher fühlt. Reichsgewalt bedeutet See- g e>v a l t, und Seegewalt und Reichsgewalt bedingen sich gegenseitig so, daß die eine ohne die andere nicht bestehe» kann. Als ein Zeichen der Reichs- und Secgewalt wird nun das durch Deine Division verstärkte Geschwader anszntrelen haoen, mit allen Kameraden der fremden Flotte» draußen im innige» Verkehr und guter Freundschaft, zu sestem Schutz der heimische» Interesse» gegen jeden, der de» Deutsche» zu nahe trete» will. Das ist Dein Beruf und das ist Deine Slufgabe. Möge einem jeden Europäer draußen, den» deutsche» Kaufmann draußen und vor allen Dinge» den» Fremden draußen, auf dessen Bode» »vir sind, oder mit dem»vir zu thu» haben iverdcn, klar sein, daß der Deutsche Michel seinen mit dem Reichsadler geschmückten Schild fest auf den Boden gestellt hat, um dem, der ihn um Schuh angeht, ein sür alle Mal diesen Schuir zn gewähren; und mögen unsere Laudslente draußen die feste Ueberzeugung haben, seien sie Priester, oder seien sie Kauf- leule, oder»vclchem Geiverbe sie obliegen, daß der Schutz des Deutschen giciches, bedingt durch die kaiserlichen Schiffe, ihnen nachHallig geivährt»verde»»vird. Sollte es aber je irgend einer untcrnehmen, uns an nnserei» guten Recht zu kränken oder schädigen zu»volle», dann fahre d a r e i» mit gepanzerter F a u st! und, so Gott will, flicht Dir de» Lorbeer ii n» Deine junge Stirn, de» niemand im ganzen Deutsche» Reiche Dir neiden ivird!" Ter Kaiser trank alsdann auf daS Wohl des Prinzen Heinrich und auf fröhliche Heimkehr. Darauf nahm der Prinz das Wort. Er redete den Bruder an mit den Bezeichnungen: „Durchlanchligster Kaiser! Großmächtigster König und Herr! Erlauchter Bruder!" Er erinnerte zuerst an die Kindheit, die er mit dem Bruder zusammen verlebt, und sagte dann folgendes: „Eure Majestät haben die große Gnade u n d E n t- sag»mg gehabt, mir dieses Kommando anzuvertrauen. Ich danke die- Euerer Majestät ans treuestein, brüderlichem und unterthänigste»!! Herzen. Ich kenne sehr wohl die Gedanken Euerer Majestät, ich weiß,»vie schwer das Opfer ist. indem Euere Majestät»nir ein so schönes Kommando anvertraut haben, und das ist. Euere Majestät, was mich am tiessten bewegt und»peZhalb ich Euerer Majestät aufrichligst danke. I» ziveilcr llleihe bin ich Euerer Majestät tief verbunden für das Verlraueu. was Euere Majestät in»»eine schivache Person setze». Das eine versichere ich Euerer Majestät: mich lock» nicht Rubin, mich lockt»ich» Lorbeer, mich zieht nur eines: daö Et>a»gclinm Euerer Majestät geheiligter Person im Auslände zn kiiiidr», zn predige» jedem, der cö hören will, und auch denen, die cö»ich« hören wollen. Dies will ich auf meine Fahne geschrieben habe» und»vill es schreiben,»vobi» ich»liimer ziehe. Dieselbe» Gestniiungen, mit denen ich hinausziehe, lheilen mich meine Kamerade»." Ter blühende Stil der Reden des dentschen Kaisers»st bekannt und das; dieser Stil bei dieser besonderen Angelegen- heit besonders blühend ausgefallen ist, ist nicht zn verivundern. Auch»vollen»vir uns nicht bemühe», alle Einzelheiten der kaiserlichen Rede durchzugehen und auf ihre Nichtigkeit zu prüfen. Das wiirdc ctivas-veit führen; wir beschränke» uns ans einige»vichtigcre Dtomente. Ter Kaiser betrachtet Deutschland und die deutsche Ge- schichte von seinem Hohenzollerustandpunkt. Ohne Hohenzolleru kein Deutschland. Darum ist auch die alte Hansa zu gründe gegangen; sie verfiel,»veil ihr der kaiserliche Schutz gefehlt habe. Nachdem aber des Kaisers Vorgänger das deutsche Reich neugeschaffen, könne nun die„neue Hansa" guten Muthes sein, denn der Kaiser, der die Reichsgcivalt hat, eriveitcre sie zur Seegeivalt und»verde den Handel schützen. Der Historiker sieht all dies natürlich in ganz anderem Lichte an. Er»veiß, daß Kaiser nicht die Geschichte mache», sondern daß Geschichte wird und daß Fürsten nur ivinzige Rollen in dem großen Kräftespiel des Gcschichtsablanfs haben können. Der Historiker»veiß, daß die Hansa nicht»vegcn mangelnden kaiserlichen Schutzes zn gründe gegangen ist, sondern infolge der ivirlhschaftlichcn Gesamniteuttvickelnng, durch welche dix Handelsivege von Deutschland und seinen Küstenstädten fort und an den Atlantischen Ozean hingezogen wurden. Aber»vir»vollen»veder über diese bekannten Gefchichtsdinge längere Erörterungen anstellen noch über die ebenso bekannte Ursachen der Enlstehniig des neu- deutschen Reiches, die ebenfalls wirthschaftlicher Natur»varen tiild auf der Thätigkeit des ganzen Volkes beruhte». Wichtiger erscheinen die Folgerungen,»velche ans einer irrigen Geschichtsbetrachtung für die Zukunft gezogen»verde» können. Der kaiserliche Schutz, die Flottenmacht, die Seegeivalt— das sind nach des Kaifers Meinung die Garantien sür den deutschen Handel in fernen Zonen. Ueber diese Dinge ist in der letzten Zeit viel gestritten worden. Und da ist schon oft betont ivordcn, daß ein Wille, rege er sich auch noch so kräftig, gehe er auch ans von einer noch so mächtigen Stelle, nichts wäre, wenn nicht Industrie und Handel aus eigenen Kräften sich lebensvoll entivickeln. Die deutsche > Industrie und der deutsche Handel sind gewaltig empor und in die Weite gewachsen auch bisher schon, da der besondere kaiserliche Schutz, von dem der Kaiser spricht, noch nicht bereit war. Die„neue Hansa" ist geworden, ehe noch eine solche Belhätignng in überseeischen Aufgaben geübt wurde, ivie sie jetzt geplant wird, und die der Kaiser selbst als die erstmalige derartige Bc- thätigung bezeichnet. Ja, leicht können der Industrie und dem Handel schwere Gefahren erwachsen, wenn sie künstlich und mit„gepanzerter Faust" gefördert werden sollen. Und das Vorhandensein solcher Gefahren scheint uns aller- dings bei dem jetzigen ostasiatischcu Unternehmen nicht von der Hand zu weise». Wohl wiederholt der Kaiser, was schon Herr v. Bülow im Reichstag sagte: Wir»vollen nur für die ermordeten Missionare Genugthnung,»vir»vollen nur den Handel schützen,»vir»vollen nur Unrecht abivehren, wir»vollen mit den fremden Floitcn in innigem Verkehr nnd guter Freiindsichaft bleibe». Aber schon die Znsamiiieniverfnug der Handclsiiitcresseii mit der Genugthnung für die Missionare ist sonderbar. Wohl haben Fürstbischof Kopp in Breslau nnd der Posencr Erzbischof.v. Stnbleivski Telegramme nach Kiel gcsai>dt,dic„Segei'.sivünichesür den fürstlichen Seefahrer" ans- sprachen, der„nach den» fernen Osten zum Schutze des Kreuzes" zieht. Mögen diese Telegramme auch eine Art„bestellter Arbeit" sein nnd mögen die rührnngsvollen Antivorlsivorte auch auf die politische Partei, die jenen Kirchenfürsten nahe steht,»virken sollen— gegen die Genngthunng für die Uebelthat an den Missionaren braucht man sich nicht zu ereifern, und auch den fürst- und erzbischöflichen Segen kann man hingehen lassen, obschon schivcr zn verstehen ist, wie sich das Schivcrc der Gc- »valt»nit dem Tulderkrenz der christlichen Lehre ver- einen»nag. Elinas ganz anderes ist es jedoch, wenn die Missionare zur Gelegenheit werden sollten,»in»v e i t e Wettniacht- plane auzuspiirnen. Und schon faßt die Presse der Flotte»- phantastc» nnd weltpolitischen Abenteurer die Rede des Kaisers auf als Einleitniig einer„iveltgeschichtlichen Wendung," a l s „offizielle P r o k l a in i r n n g der deutschen Welt- m a ch t p o l i t i k." Diesen unverantivortlichen Phrasenren, deren unreifer Thatendraug am liebsten Teutschland in alle möglichen Welt- Händel verstricken möchte, bietet aber die Rede des Kaisers, so friedlich sie gemeint sein mag, auch mannigfache Unterstützung. Nicht die Uebcrzengnng friedlicher Abivickeliing scheint ans dem Wort von„dem Dremsahren mit gepanzerter Faust" zu sprechen.„Und, so Gott will, flicht Dir den Lorbeer»in Deine junge Stirn"— das klingt anders, als die Botschaft, welche die Missionare den„Heiden" überbringen. Tie Rede des Kaisers dürfte deshalb wohl den Marine- schivärmern gefallen; aber das,»vas eigentlich, wenn einmal eine Rede gehalten werden sollte, zu envarren war, nämlich A u f- k l ä r u n g, warum ein so mächtiges Aufgebot a n Schiffen n ö t h i g sei und»vas eigentlich Deutsch- l a n d v o ll China wirklich will, ist in keiner Weise gegeben worden. Dies ist nm so bcdaner- licher, als immer uiiersrenlicheie Aeußernuge» in der ausländischen Presse, besonders der russischen, laut werden, die beiveisen,»vie leicht große und schwere Komph- kationen ans diesem UnteriichNic» einstehen können, Kompli- kalionen, die in gar keinem Verhält,»iß stehen zn den Vor- thcilen, die bestenfalls herauszuschlagen sind. Rein sachlich ist daher die Ausbeute ans dem kaiserlichen Trinkspruch äußerst gering. Und die Angelegenheit gewinnt nicht an Sachlichkeit durch die Auffassungen,»velche Prinz Heinrich geäußert hat. Ist es schon schiver zu verstehen, wenn der Prinz, der die romantische Sprcchiveise seines Bruder noch überbieten zu wollen scheint, von der Entsagung nnd dem Opfer spricht, das der Kaiser bringe, indem er ihm das Kommando übergebe, so ist im allerhöchsten Maße eigenartig die Ankündigung von den Zielen, die er auf seiner Expedition verfolgen wolle. Ihn locke nur das eine, sagte der Prinz: „Das Evangelium Euerer Majestät geheiligten Person in» Auslande zn künde», zn predigen jede»», der es hören»vill,»nd auch denen, die es nicht hören»volle»." Was ist das»voht für ein räthselhaftcs„Evangelium", das Prinz Heinrich auch denen, die nichts davon wisse»! wollen, zn predigen gedenkt? Ist es das„Evangelium" der Reichsgewalt und Secgewalt, das„Evangelium" des „mit dem Reichsadler geschmückten Schildes" und der„ge- panzerten Faust"? Mögen Fürstbischof Kopp nnd Erzbischof v. Stablcwski und alle die andere» Prediger des Evangeliums von Christus nnd von christlicher Weltanschauung das Räthsel lösen,»vas dies neue Evangelium, das nach Ostasien getragen werden sott, bedeutet. Wir wollen mit dem Begriff des Evangeliums kein Spiel treiben. Sonst könnten»vir auch ein Evangelium aufstellen und empfehlen. Im deutschen Volke steckt viel Lebenskraft und zu großen Dingen befähigende Geistesgaben. Das deutsche Volk wünscht aber nicht seine Kraft nnd seine Gaben zu ver- schleudern in kriegerischen Experimenten nnd nbersccischcr Machtcntfaltuug. Es will sie anfwcndcn zur Kulturarbeit in icinem Innern, zu seiner materiellen und geistigen Erhöhung. So allein wird auch sein Einfluß ans fremde Völker»veitcr »oachsen und von fremden Zonen her sein Wohlstand sich mehren A)o!ittfrhe Mebvvstrlzk» Berlin, 16. Dezember. Ans dm Reichstage. Es war ein kurzes Wetter- leuchten, das heute dem Gewitter der Etatdebatte der letzten Tage noch folgte, dann wurde dieselbe geschlossen. Hervor- znheben wäre daraus noch der Versuch des Herrn Dr. Lieber, den allgemein vorhandenen Eindruck, daß er die flotten- freundliche Gesinnung des Zentrunls zn früh demaskirt habe, zu verwischen. Gelungen ist dieser Versuch freilich nicht, dazu ivar Herr Lieber in seiner ersten Rede doch gar zn deutlich gewesen. Herr P a a s ch c kam heute auf seine Auseinandersetzungen mit Bebel zurück, doch dürfte er selbst bei seinen nächsten Freunden damit keine besondere Freude erweckt habe». Herr Paasche hat sich eben in dem Streben, Lobrcdner des Kapi- lalismns um jeden Preis zn sei», in solchen Widersprüchen »nd Ncbertreibungen gefallen, daß alle seine Zungenfertigkeit ihm nicht aus der Patsche heraushelfen kann. Bebel hatte deshalb auch ganz recht, als er in seiner kurzen Erwiderung erklärteres lohne, sich kaum, dem Herrn Professor noch zn antworte». Gegen die Sympathiekimdgebnilgen sür die Deutschen in Oesterreich, welche während der Etatdcbattc mehrfach laut wurden, hielt es der Pole C e g i e I s k y heute sür augcbracht, eine Lobrede auf den„guten und edlen Grafen Badem" zn halten. Es ist gewiß ein Zeugniß für die Gutmülhigkcit des Reichstags, daß er auch diese Rede mit Geduld anhörte. Nachdem die Debatte geschlossen nnd eine Anzahl der wichtigsten Etats der dafür eingesetzten Kommission über» miesep worden waren, trat das Hans in die Berathnng der Mililär-Strafprozcß-Ordnnng ein. Kein geringerer als der Reichskanzler selbst führte die Vorlage mit einer kurzen An» spräche ein, wobei er besonders betonte, daß er mit der Vor« läge sein gegebenes Versprechen einlöse, welches dahin ging� eine Militär-Strafprozeß-Vorlage vorzulegen, welche ans den Grundlagen der modernen Rechtsanschanungen ausgebaut sei, Der Kanzler schloß mit der Bitte, an der Vorlage nicht zu viel zn ändern. Die nähere Begründung der Vor- läge wiirdc dann von dem Herrn Kriegsminister gegeben, der alle Abäudcrungsgelüste in die Kommission verwies,»vv mau sich schon verständigen werde. Ans dem Hanse nahm als erster Redner der Zentrum?« abgeordnete Gröber das Wort. Gröber spielt heute im Zentrum dieselbe Rolle, die in seinen jungen Jahren Dr. Lieber auszuführen hatte: er markirt den dcmo> kralischen Flügel der Partei. Der Führer der schwäbischen Katholiken ging denn auch heute mit eincr ganzen Reihe von Paragraphen der Vorlage fast ebenso scharf um Gericht als seinerzeit beim Bürgerlichen Gesetzbuch mit dem Hasenparagraphcn; wie aber damals schließlich das Zentrum, trotz Gröbcr'schcm Radikalismus, vor den Jnnkern zn Kreuze kroch, so fürchten wir, daß es auch dieses Mal wieder klein beigeben wird. Ließ doch der»ach Gröber zum Worte kommende v o n P n t t k a m e r- P t a n t h nicht den geringsten Zivcifel darüber, daß den Herren von der Rechten sogar diese Vorlage viel zu weit geht. , Ter Abg. Schröder(fr. Vg.) scheint an der Vorlage manche Vorzüge entdeckt zn haben»nd gab er der Hoffnung Ausdruck, daß es gelinge» ivcrde, eine Miltellütie zn sinbe». Da B a y e r u die Militärgerichtsbarkeit als eine» der vielgenannten Reservatrechre betrachtet und es deshalb einen eigenen höchsten Gerichtshof in Miiitär-Strassachen beansprucht, die Vorlage die Entscheidung über diese Frage für eine spätere Regelung offen gelassen. Der bayerische Bnudesbevollmächtigte Graf v. Lerchen- f e I d- K ö f e r i n g und der Reichskanzler gaben darauf bezügliche vorher vereinbarte Erklärungen ab und Professor H e r t l i n g beschivichtigt« dann noch in wohl- gesetzter Rede die etwa noch in den blan-iveißeil Reihen vor« handenen letzten Bedenken gegen den Eintausch der preußischen rückständigen gegen die fortgeschrittenen bayerischen In- stitutionen. Der selbständige oberste bayerische Gerichtshof— das ist der Köder, mit dem die Bayern gelockt werden sollen, auf ihre bewährten EinrichUingen in Zukunft zu verzichten. Morgen Mittag 12 Uhr Forsetzung.— Eine Reminiszenz. Jeder brave Konservative klatscht heute der Regierung Beifall, wenn sie die kaum in Gang gekomniene Sozialreform wieder zum Stillstande bringt. Wichtige Vorschriften der Gewerbe-Ordnungs-Rovelle vom 1. Juni 1391 sind heute, nach langen Jahren, noch nicht durchgeführt, weil die erforderlichen Bundesraths-Verordnungen nie zum Abschluß kommen. Wer auch nur daran erinnert, ist heute nicht mehr würdig, einer Partei anzugehören, die von Herrn Merbach in der Reichskommission für Arbeiterstatistik vertreten wird und die auf ihrem letzten Parteitage jede Bezug- nähme auf die kaiserlichen Erlasse von 1890 ausdrücklich ablehnte. Da? war einmal ander?. Besonders die„Kreuz- Z e i t u n g" höhnte über die selbstsüchtigen Aengsterlinge, die dem flotten Schwünge dcS jungen Kaisers nicht zu folgen ver- mochten. Den„Zentralverband Deutscher Industrieller" konnte das �entralorgan des Altpreußenthums nicht niedrig genug einschätzen: „Seine Mitglieder besaßen und besitzen in der Mehrheit jenen Hochinulh der Protzen und Halbgebildeten, der dem GebnrlS- Aristokraten völlig fremd ist." Ob das direkt gegen Herrn Stumm ging, wissen wir nicht; jedenfalls herrschte Herrn Ttumm's Geist schon damals im Zenrralverband. Weiter sagte die„Kreuz-Zeituug" gegen- über den Zentralverbändlern: „Thnl ihre Presse nicht jetzt, als ob die Welt an S den Angeln wäre, weil die rheinisch-westfälischen Geldsäcke in Zutun st nicht mehr in der Lage sein werden, sich ihrer Kupon- Scheer« so unbedingt als Szepter zu bedienen als bisher?" Das Arbeiterschutz-Gesetz von 1891 genügte damals der „Kreuz-Zeituug" bei weitem nicht. Der schließlich doch beliebte sozialpolitische Vormarsch sei unter den Klängen des bekannten Landsturm-Marsches vollzogen worden„aus zarter Rücksicht- nähme auf die schwachen Lungen unserer Großindustrie". Ab- schließend heißt es dann in einem Leitartikel vom 30. April 1892: „Die Klagen über die Konkurrenz des Auslandes ver- diene» angesichls der Thalsache, daß England, Oesterreich und die Schweiz in ihrer Arbeiterschutz-Gesetzgebung weiter sind als ivir, nicht die geringste B e a ch t»» g. Aus einem so umfangreichen und so vielseitig bebrüteten Ei hätte schon ein etivas ausgewachseneres Hühnchen auskriechen können. Aber wenn es auch nur klein und zart geratheu ist, man sollte die Vorsicht nicht übertreiben, init der man ihm nur nach und nach den freien Gebrauch seiner einzelnen Gliederchen gestattet. U»- desorgt, ihr Großindustriellen! Dies Putlhühnechen wird Euch nicht alle Blümchen auf dem Hos ausrupfen, wie es im Kinderverse heißt." Heute beugen sich die„Krenz-ZeituugS'-Ritter willig den, Szepter der Protzen von der Konpon-Scheere und selbst das Landsturm-Marschtempo nimnit ihnen den Athem.— Znr chinesischen Frage. Dem„Daily Telegraph" wird aus Petersburg über eine Unterredung mit einem„best- bekannten russischen Diplomaten" berichtet. Danach wird das Petersburger Kabinet alle zu seiner Verfügung stebeiiden Mittel an- wenden, um eine Verständignug zwischen Deutschland und China herbeizuführen, trotz der e r n st e n Gewitter, die in» O st e n aufzusteigen scheinen. Niemand könne umhin, den m ö g- l i ch e n Ausbruch eines Krieges mit China vorher- zusehen, deshalb sei es für Rußland nothivendig, zu versuchen, seine eigenen Eiiiflnßgebiete. seine eigene» Besitzungen klar ab- ziigrenzen, wie die Deutschlands soeben abgegrenzt worden sind. Rußland würde Deutschland freie Hand geben sür die Entwickelung seines Handels in China und den gerechten Ansprüchen der Deutschen jede Unlerslützung gewähren, während Rußland gleichzeitig Freund und Beschützer von China bleibt. Es läßt sich jedoch nicht die Thatsache verhehlen, daß die Unterhandlungen mit Deutschland wegen der kriegerischen Demon- ftration auf deutscher Seite große Schwierig- leiten bieten; gleichwohl sei das Petersburger Kabinet überzeugt, Deutschland werde besonnen genug sein, das besetzte Gebiet zu räumen, sobald es von China jene Ge- nngthniliig enipfangen habe, die es fordere. In ähnlicher Weise spricht sich das russisch-offiziöfe Organ, der „Peters b. Wjedomosti" des Fürsten Uchtronski, ans: „Es fragt sich nun: warum braucht Kaiser Wilhelm „seinen einzigen Bruder zum Opfer zu bringen" und dabei verhältnißmäßig so große Kräfte, wie jetzt gesammelt werden, im fernen Osten zu konzentriren, wenn Deutsch- land nicht im Geheimen große Erobernnaspläne hat? Für Schantnng sind sie nicht erforderlich, da die Chinesen sich ja bereils in äußerst gutmüthiger Weise zurückziehen und den furchtbaren Angriff der Feinde nicht einmal abwarten. Was die europäischen Nebenbuhler betrifft, so hindert die Deutschen ja niemand, ans dem fette» Boden Ostasiens feste Wurzeln zu sasseu. Auch in Zukunft wird es ja niemand thiin. Japan kann es zunächst nur recht sein, daß Rußland vor der Beendigung der sibirischen Magistrallinie von„irgend jemandem" Schwierigkeiten geschaffen werden. Die heraus- fordernde Handlungsweise Deutschlands ist also gerade für uns besonders interessant, da wir in ihr«ine beredte Fortsetzung jenes Jahrhunderte alten Streites, jenes immer- währende» und seinem Wesen nach unversöhnlichen Kampfes erblicken, den die verhältnißmäßig friedliche und nur im äußersten Fall zu heldenhaften Aeußerungeii unerschütterlicher Kraft emporsteigende slavische Welt und das bei dem geringsten Erfolge hochfahrende Geniianenthnni gegen einander führen.... Und in diesem Augenblick unserer frenndschastlichsten Gemeinschaft mit dem Reiche des Bogdychau»lachen die Denlschen— ausschließlich alsTräger d e r Idee der rohen Gewalt(die Genug- thuung sür die Missionare ist ein leerer Vorwand)— ihren Beutezug gegen den hilflosen Osten. Die armen Chinesen haben nur die Schuld, daß„Deutschland essen w i l l". Hierbei aber ist es wünschensiverth. daß man mit ihm über gewissen Grenze übereinkomme, indem man ihm dort carto blanche (freie Entfaltung) giebt, wo durch die Entwickelung des denlschen Handels die deutsche Industrie unter Verdrängung der Engländer Vortheil hat. daß man Deutschland in alle» seineu berechtigten und dringende» Forderungen unterstützt, zugleich aber alle jene für uns beide ungünstigen Bedingungen beseitigt, die ein gewaltsames Ver- bleiben in Kiao-Tschou unbedingt hervorruft, da eS von allen übrigen Staaten— natürlich mit Ausnahme des treuen Rußland— eine ebenso traurige Handluiigsiveise gegen China veraulafsen kann."— Deutsches Reich. — Di« Militär- E tra fp roze ß- Ordnung im Bundesrath e. Der zweite Bundesstaat, deffeu Zustimmung der Mililär-Strasprozeß-Entwurf nicht gesunden, ist der„N.-L. C."»u- folge Reus ä. L.— — Herr v. S t u in in, Freiherr v. Berlepsch und die Ablegung der Saar-Berglente. Der Handelsminister Brefeld äußerte sich am Montag, auf die Angriffe Bebel' s hin, über die Ablegung von streikenden Bergleuten in den fiskalischen Saargruben. Die Aussührung war dem Wortlaute nach unqnfecht- bar: Die formelle Verantwortung für die dauernde Ablegung Hunderter von Famtlienväteru und armen Arbeitern fällt auf Herin v. Berlepsch und dieser wird sie tragen müsse» wie so manche Folge seiner geringen Widerstandsfähigkeit gegen die inablosen Forderungen der Großindustrie im Westen. Wir haben auch gar nicht die Absicht, hier irgend etwas zu beschönigen. Trotzdem möchten wir der Meinung Ausdruck geben, daß Herr Brefeld— der doch am besten weiß, wie sehr man als Minister Sklave ist— seinen Amlsvorgänger etwas kollegialischer und freund- schastlicher hätte behandeln können. Denn«nbekannt wird es ihm wohl kaum geblieben sein, daß gerade im vorliegenden Falle die Grubeukönige seinerzeit all« Minen springen lieben, um das preußische Haudelsiiiinisterium für ihre Art der uinbarmherzigsten Klassenkaiupfführung scharf zu machen. Die Wuth der Gruben« baronie über die vermeintlich zu große Mild« der Regierung ver« stieg sich damals bis zur beleidigendsten und demüthigeudsten Zurückweisung jedes Verkehrs mit den königlichen Bergbehörden. so lauge diese nicht all« Borschristen der kapitalistischen Hetzer erfüllte». Die am meisten betheiligte Haiidelskainmer lehnte— in Preußen-Deutschland wohl ei» unerhörter Fall!— jede Einladung der Köuigl. Bergwertsdireklion zu einer Besprechuilg über den Streik ab. In stark besuchler Sitzung schlug sie der allzu arbeiter- freundlichen Regierung folgende schallende Lektion ins Gesicht: „Die Handelskammer bedauert, der Einladung nicht Folge leisten zu kSune». erklärt aber, daß Handel und Ge- werbe ihres Bezirks bereit sind, die aus einem energischen Vorgehe» gegenüber dem Bergniannsstrike sich ergebenden Kon- sequenzen und den damit verbitudeneu Kohleninaiigel willig zu tragen, falls die kgl. Berg werks-Verw alt ung mit dem bisherigen System, ihre Autorität durch den unter sozialdemokratischer Führung stehende» sogenannlen Rechts- schutzverein untergraben zu lasse», bricht und die Wieder- annähme der kontraktbrüchigen Bergleute von dem Austritt ans diesem Verein abhängig macht." Das war der offene, gewollt« Konflikt, dem sich, wie eS scheint, Herr v. Berlepsch nicht gewachsen fühlte, dem er auch kaum gewachsen war. Zur rechten Zeit von der beabsichtigien Demon- straliou in Kenntiiiß gesetzt, ließ er nur noch kleinlaut den Wunsch aussprechen,„daß eine derartige Erklärung seitens der Haudelskammer an die königl. Bergiverks-Direktion nicht gerichtet werde» möchte." Daraufhin meldet linsere Quelle— wurde zivar die Handelskammer nicht ohne Mühe dazu bewogen, von einer offizielle» Beantwortung der von der königl. Bergiverks- Direktion ergangene» Einladung Abstand zu nehme», es wurde aber beschlossen, daß eine Abstinunung über den materielle» Inhalt des Schreibens stattzufinden habe und durch das Protokoll zu veröffentlichen sei. Die Abstimmung ergab die einstimmige Annahuie der eutworfenen Erklärung. Die Handelskammer war natürlich—„meine Kamnier", die von Saarbrücken, Halberg und Neunkirchen.... In einem angesehene» Blatte lasen wir dieser Tage, Herr Stumm sei sofort»ach der Bebel'schen Erwähnung des Gruben- boykotts zu Herr» Brefeld am BundesrathStische geeilt. Wahr- scheiulich wollte er ihn inftruiren, ivie»lau in Preußen mit Be- Hörden umspringt, die die„Autorität" der Grubeukönige„unter- graben". — Ueber die Einrichtung und den Betrieb v o n B ä ck e r e i e n und Konditoreien hat der Hamburger Senat auf grund§ 120e Abs. 2 der Geiverbe-Oidnung nachstehende Borschristen erlassen: 1. Sämmtliche Arbeitsräume, in denen Bäcker- und Konditor- ivaaren hergestellt werde», sind gegen Räuine, die anderen Zwecke» dienen, abzutrennen. Die Zugänge zu diesen Arbeilsränmen müsse» verschließbare Thüre» habe».— 2. Die Arbeilsräniue müsse» min- desteus dreiundeinhalb Meter hoch und mit Fenstern versehen sein, die nach Zahl inid Größe ausreichen, um sür alle Arbeitsstellen bei Tage ohne künstliche Beleuchtung hiureichendcs Licht zu geivähre». Die Fenster siud so einzurichleu, daß sie eine» ausreichenoeu Luftwechsel und bei Fenersgefahr eine Rettung der Arbeiter ermöglichen.— 3. Die Arbeitsräume mllffeu einen seste», ebene» und dichten Fußboden, die Wände und Decken einen Anstrich von Kalkmilch haben, der mindestens einmal halbjährlich zu«rneuer» ist. Der frühere AusirieH ist vorher gut abzureiben.— 4. Die Zahl der i» jedem Arbeitsraume beschäftigten Personen ist so zu bemeffe». daß auf jede Person iuindesteiis 10 Kubikmeier Lust- räum eulfallen.— 5. Die Temperatur in de» Backstuben darf 35 Grad Celsius nicht übersteigen. In jedem Arbeilsraum(mit Aiisnabuie der Mehlkaminer) ist ein Tbeimoiueler anziibringeii.— 6. In der Nähe der Arbeitsränme ist ei» für die Zahl der be- schäftigten A> beiler ausreichend großer Ankleide und Waschraum ein- znrichlen. Dieser Raum muß von den Älibeitsräume» aus zugfrei zu erreichen und in kalter Jahreszeit geheizt sei». In dem Raum ist warmes und kaltes Wasser, Seife und«ine genügend« Anzahl von Handtücher» sür die Arbeiter bereit zu stelle»; auch sind dort Kleiderhaken und Hake» für Hondlücher anzubringen. Außer dein sogenaiinlen Brnfttuch dürfen Kleidungsstücke, ivelche die Arbeiter ivährend der Arbeilszeil ablegen, in den ZlrbeitSräuinen»ich! aufbewahrt werde». Die Körperreiuigung in den Backstuben und Mehl- kaniinern ist verboie».— 7. Die Bedürfnißanstalte» dürfe» nicht in direkter Verbinduna i»it den Arbeitsräume» stehen, müsse» aber so belegen sein, daß sie von den Arbeiter» wübrend der Arbeitszeit ohne Verletzung von Sitte und Anftaud und ohne Gefahr sür die Ge- suudbeit erreicht werden können. Die Bedürfnißanstalte» sind mit Wasserspülung und direkter Licht- und Luilzufuhr zu versehen und steis sauber z» Halle».— 8. In jedem'Arbeitsraume ist ein Spucknaps aufzustclle», welcher täglich gereinigt werden niuß— 9. In den Arbeitsränme» müssen Sitzgelegenheiten für die'Arbeiter vorhande» sein.— 10. Die Arbeilsräume sind täglich inindesteus eine halbe Stunde lang, und zwar»ach Beendigung der Arbeitszeit, durch vollständiges Oeffneu der Fenster und der nicht in Wohn-, Schlaf-, Koch- ober Vorrat HSräume führenden Thüreii zu lüfte».— 11 Die Fnß- böben der Zlrbeitsräume müssen täglich nach beendeter Arbeitszeit gründlich gereinigt werde».— 12. Die Belchäfliguiig von Arbeitern, ivelche an ansteckenden oder ekelerregend«» Kraukheite» leiden, ist verboieu.— 13. A» einer sichtbaren Stelle des Arbcilsraumes»»iß ein Abdruck dieser Bekanntmachung aushänge». Außerdem hat der Betriebsuulernedmer ein« von der Polizeibehörde bestätigte Tabelle, aus ivelcher ersichtlich ist: I. die Länge, Breit« nnd Höhe des Arbeilsraumes, 2. der Inhalt des Luftraumes in Kubilmeteru, 3. die Zahl der Arbeiter, welche demnach in dem Arbeits- räum beschäftigt werden dürfen, z» führe». Diese Tabelle ist de» revidireudeii Beauneu auf Anfordern jederzeit vorzuzeigen. — 14. Zuividethaudluugeii gegen die vorstehenden Beslimmuiigeii werden i» Geiuäßheit des§ 147 der Gewerbe- Ordnung mit Geld- strafe bis zu 300 M., im Uuvermögeiisfalle mit Haft geahndet.— 15. Bei Nenerrtchtung von Bäckereien finden vorstehende Be- sliiiuuungen Anwendung. Für bestehende Betriebe treten die Vor- schrifte» in den ZZ 1 nnd 2 bei ei»er Erweiterung oder eiiiem Um- bau der Arbeitsräume, die übrigen Bestinununae» sofort in kraft. AnSitahmen von de» Bestiiniuunge» i» den§Z 1, 2, 4 nnd 6 Abs. 1 und 2 können für bestehende Betriebe durch die Behörde zugelassen werden. Di« Verordniiug kommt einem viel empsnndenein Bedürfnis nach und enthält ein« Reibe Bestimiinmgen. die z» beachten für einen so wichtige» Zweig der NnhrungSinittelerzeuguiig>vi» die Bäckerei dringendes Gebot ist. Es wäre nur zu eiupsehle», daß der Bnudes- ralh, diesem Beispiel« folgend,«ine ähnliche Verordnung sür das ganze Reich erlassen würde. Zu bedauern ist, daß keine Uebergangs- bestiniiiiuiigeii i» der Berorduiing enthalten siud, die auch den alte» Betrieben die Verpflichtung auferlegen, die geforderten Aenderungen innerhalb eines gewissen Zeitraums auch einzufahren. >— Die freisinnige BolkSpartei hat«ine FraktionS. l sitzung, in Anwesenheit ihres geschäftsführenden Ausschuffes, abge» s halten, in der über daS Verhältniß znr freisinnigen Vereinigung be» rathen wurde. Es wurde lebhaft darüber geklagt, daß die sreisinnige Vereinigung die Einigungen gründlich erschwere.— —„D t e P o st", daS Organ des König Stumm, der sich gesiern noch mit aller Verve und ohne jede Rücksicht auf die einfachsten parlamentarischen Formen seines Parteisekretärs Fink a»ge»on»nell hat, schweigt sich über die Entlarvung ihre« Redaklenrs völlig aiiS. Gestern unterdrückte daS Blatt auch im Parlaments- berichte den Namen ihres vielseitigen Redakteurs, der gleichzeitig Parteisekretär deS Freiherr» v. Stumm und Privatsekretär des Messerstechers Fischer war. Heute bringt sie in ihrem Parlaments- bericht das dramatische Schlußgefecht Etunun-Bebel. Das Blatt hat Platz für«ine Echmutzfluth von Angriffen gegen unS, aber für kein Wort zur Berthetdigung des Herrn Fink. Man theilt uns mit, Herr Fi»! sei heute aus der Redaktion der„Post"-- ausgetreten.— — Der fromme„ReichSbote" und der Biete' f e l d» r Prozeß. Die»»angenehmen Dinge, welche im Bielefelder Prozeß aufgedeckt worden sind, geben dem„Reichsboten" Ver- anlassnng, au den Bodelschwingh'schen Austallen große Wäsche vor- zunehmen. Der„Vorwärts" habe wahrlich nicht nöihig, im Na inen der Menschlichkeit gegen das„praklische Christenthum" z» proleftire», nnd was die de» Kranken applizirte» Ohrfeigen ec. betreff», so ver- fesse man hierbei die großen nnd ziiweileu eine Engelsgeduld er- ordernden Schwierigkelten, welche die Pflege epileptischer Pfleglinge mache. Die? soll nicht verkannt werden, aber die Schwierigkeiten berech- tigen etilen Pastor immer noch nicht, die Kranken zu prügeln. Ma» sollle sich in der Bodelschiviugh'schen Anstalt gerade was die christliche Charitas betrifft, den Mann zum Muster»ehinen, dessen Worte von den Frommen jeglicher Observanz so gern in den Mund genoninie» werden. Soiveil>vir die Bibel kennen, bat der Herr Christus bei den vielen«rfolgieichen Heilungen, von denen die Evaugelisteii berichten, uteinals zu irgeud welchen Gewaltkuren gegriffen. Selbst der Matthäus 17, 15 bis 18 erwähnte Epileptiker, der ost ins Feuer und oft ins Waffer fiel, ist vom Gottessohn nur„bedroht" worden, bevor er zu der- selbige» Stunde gesnnd wurde. Bo» den Bodelschiviugh'schen Leuten verlaugt man n»u ja gewiß keine Wunderthateu, wohl aber ist die Forderung berechtigt, daß sie sich sowohl die Worte wie a»ch die Werk« ihres Gottes zum Muster nehmen. — Chronik der Eifenbahnunfälle. Der„Ober- schlesische Wanderer" bringt heute folgende amtliche Meldung der königlichen Eisenbahn-Direktio» Kattowitz: Heule Vormittag gegen 5'/- Uhr fuhr der von Morgeuroth kommende Güterzug 1814 durch das auf„Halt" stehende lttbschlußsigual des Bahnhofs Zabrze und auf de» Schluß des im Bahnhofe haltende» Güterzuges 1812 auf. Persouen wurde» nicht verletzt. 17 Güterwagen entgleiste», 10 Güter- ivage» wurden stark, eine Lokomotive und sieben Güterwage» leicht beschädigt. Infolge der Entgleisung wurden beide Hauptgeleis« ge- sperit. Der Betrieb wird über das dritte Geleise geleitet. Beide Haiiptgeleise werden voranssichilich bis morgen früh ivieder frei sein. Der Unfall ist vermuthlich durch Glätte der Schienen und dadurch verminderte Bremsstärke hervorgerufen. Jmvieiveit hierbei das Personal eine Schuld trifft, wird die sofort«ingeletlel« Unter- suchung ergebe».— Dresden, 14. Dezember.(Elg Ber.) Der Staat verlangl klingende Münze für die Hilfe, welche er durch Beordernug von Militär bei der Hochwasser-Kataftrophe den betroffenen Gemeinden zu theil werden ließ. Beispielsweise hat die Gemeinde Plaue,» bei Dresden jetzt vo» der Jiiteiidantur des sächsischen Armeekorps eine Rechnung über 403 Mark 83 Pfennige für das zur Vers ügung gestellte Hilfsto», m ando erhalten. Und so solle» angeblich alle Gemeiuden, die in Frage eomiueii, entsprechend zahlen. Dies bildet«ine nette Illustration deS „großen StaatS-Hilfswerkes".— Dresden, 16. Dezember.(Eig. Bericht.) Die allgemeine Vor- bernthung über die Reform der direkten Sienern wird fortgesetzt. t ä h» e l(kons.) plädirt für Beibehaltung der Grundsteuer als taalssteuer, da die Znsammeusetzung der Bezirksausschüsse und die Grnppirung der Wählerklassen zum Landtage hiervon beeinflußt werde», zum Schade» der Land, virthschaft. Grünberg(Soz.) konstalirt die große Zerfahrenheit unter den Majoritäts- parieie» in ihrer Haltung zu de» vorliegenden Gesetzentwürfen. Das Handwerk habe bei Einsührung der Gewerbefreiheit keine Ablösung für genommene Rechte erhalte». Seit Einführung der Grundsteuer sei der Gruudwerlh um das doppelte und dreifache gestiegen, ohne daß die Besitzer das geringste dazu beigetrage». Wälder und Haiden seien 1343 von der Gruiidstener ausgenommen, seiidem aber urbar gemacht worden, ohne zur enlsprechenden Ver» steuerung herangezogen worden zu sein. Bei Einführung der Eiiikonnnensteuer sei die Hälfte der Griiudsteiier nackigelaffen worden. Der Zinsfuß fei gegen früher um 1 pCt. ge- fallen, was wiederum dem Grundbesitz zn gute komme. Die Uederweisiing der Grundsteuer a» die Gemeiude» komme nur den reiche» Gemeinden zu gute. Der Staat solle die Grniidstiiier fort- erheben, aber nach der Schülerkopszahl an die Geineinden verlheilen, da»» sei auch den ärmeren Gemeinde» geholfen. Bei einer Pro- gression der Eiiikommensteuer bis zu 7 und 8 pEt. und Auihebllng des Schulgeldes werde auch seine Partei sür Anshebnng der Grundsteuer zu haben sei». Die Kopfsteuer, die in manchen Gemeinden noch bestehe, sei die denkbar größte Ungerechlig- keit. In de» BezirkSailSschüssen sei der Geldsack schon beule maß- gebend, dazu bedürfe es der»enen Stenern nicht erst. Die Besitzenden ivehrteu sich gegen die Progression der Vermögenssteuer bis zu 2 pro Mille, sie scheuten sich aber nicht, de» Konsuinvereiuen der Arbeiter eine Umsatzsteuer von 2 pEt. aufzubürden. G ru m b t(kons.) bringt die Schnierzeii der Globi>id>istr>e zur Sprache, die durch die Vermögenssteuer schwer getroffen»verde; iiichl das Vermögen, sondern die Rente desselben solle gefaßt werden;»ud das geschehe durch erhöhte Eiiikouiuieiislciler. N i e l h a in>» e r(iiatl.) macht i» vorgerückier Stunde noch eiste» Versuch, eine Sozialisteudebatte heraufzilbeschwöre», ohne damit viel Glück zu habe». Seitens der Partei niimnt schließlich„och Gold- st e i u das Wort. Das beste wäre eine scharfe Progression der Einkommensteuer gewesen, weil diese die einzige Steiler sei, die sich nicht abivälzen lasse. Bei hoher Progressto» der Einkommen sle»e>: würde man auch aus die Grundsteuer verzichten können. Für die Vermögeiissteuer sei«in Deklarationszivang wünschensweith. Die Erbschaftssteuer sei eine Ergäiizniig zur Vermögenssteuer n.it» sei, ivie diese, nicht abwälzbar. Die Erbschasissleuer sei swv.t »ötbig, um Steuerhiiiterziehunge» zu«utdeckeii. Die'Aiisdehniiiit, auf Ehegatte» n»d Kiuder sei gerechtfertigt, weil die Erbschaft n»ch für diese eine Bereicherung sei, allerdings feie» enlsernter« Ver» wandlschaslsgrade stärker zu belasten Der Zwist zwischen Jndnilric nnd Landwirlhschaft, die sonst immer so einig seien, trete alleiiml hervor, wenn es an den eigenen Geldbeiilel gehl.- Eine größere Anzahl vorgemerkter Redner verzichtet nuss Wort, die Debatte wird geschloffen»»id die Vorwürfe der Deputation überwiese».— Miiuchc», 15. Dezember.(Eig. Ber.) Die Abgeordneteiikamnicr beendete heute endlich die Geueraldisknssion über die B o n e>,» zins-Vorlage. Vom Zentruni sprachen»och sieben'Reiner für die Vorlage. NauienS der Pfälzer Liberale» erklärte lhvg. Dr. Andreae. daß sie. obwohl ihnen manches an dein Gesetzeiilu'nrs nicht gefalle, doch>»> allgemeinen Slaatsintereffe für deiiselben stimmen werde». Morgen wird der Referent Kohl noch das Schlußwort nehmen.— Mannheim, 15. Dezember.(Eig. Ber.) Der Einfluß der Eozialdemokrale» in der städtische» Verwaltung macht sich i» sehr wirksamer Weis« geltend. Dl« biesigei, Arbeiter habe» dadurch sche-.r manchen Vortbeil»rrungeu. Gestern hat der Bürgerausschust uurocs eine» Beschluß gefaßt, der in erster Linie den Arbeitern z»(Mi« kommt, nämlich die Aufhebung des Oktrois»uf Brot, Mehl und billige Fische. Die Aushebung deS Oktrois wurde von den Sozialdemokraten schon seit langem angestrebt, allein ihre Anträge fanden bisher den heftigsten Widerspruch der national» liberalen Gegner. Um wenigstens etwas zu erreichen, hatten die Freisinn- Demokraten einen Vermittelnngsantrag eingebracht, der nicht die Aufhebung des gesanimte» Oktrois, sondern nur des auf Brot, Mehl und billige Fische bestandenen verlangte. Dieser Antrag ivurde vo» unseren Genossen unterstützt. Prinzipielle Gegner jeglicher Aufhebung des Oktrois waren nur die N at i ona ll i bera l en. Vom Genossen Dreesbach wurden die Herren Nationalliberalen gründlich all adsurdunr geführt. Nach lä» gerer Debatte wurde schließlich die Vorlage mit großer Mehrheit angenomine». Di« günstige» Wirkungen der Aufhebung d«S Oktrois zeigen sich schon heule. Die hiesige Bäckerinnnng hat in einer noch gestern Abend stattgehabten Sitzung beschlossen, vom 1. Januar, dem Tage des Wegfalles des Mehl» und Brotoktrois, ad Ermäßigung des Brotpreises um 4 Psennige für den vierpfündigen Laib eintreten zu lassen.— NnS Elsaß- Lothringen, U. Dezember.(Gig. Ber.) DaS soeben veröffentlichte Protokoll der Verhandlungen deS Bezirks- tages für Oberelsaß, in welchen als erster Vertreter der Arbeiterschaft Genosse Reichstags-Abgeordneter B u e b- Mülhausen vor wenigen Woche» seinen Einzug hielt, erwähnt«in interessantes Intermezzo, das durch Blieb bei der Vereidigung der neu- eingetretenen Mitglieder hervorgernsen wurde. Di« vor- geschriebene Eidesfoimel lautet:„Ich schwöre Gehorsam der Verfassung und Treue dem Kaiser.- Bueb verlangte nun, zu dieset Fassung de» Zusatz„dein Zwange gehorchend- machen zu dürfen. Nachdem er jedoch vom Bezirkspräsidenten daraus aufmerk- sam gemacht ivorde» war, daß das Gesetz nicht gestatte, den Eid mit irgend einem Zusatz oder Vorbehalt zu leisten, blieb unseren Genossen nichts anderes übrig, als den Schwur in der vorgeschriebenen Fassung abzulegen. Unsere staatlichen und kommunalen Behörden geben sich äugen- blicklich all« Mühe, mit den Vorbereitungen der reichegesetzlich vorgesehenen Organisation des Handwerks zu einem gedeihlichen Ende zu kommen. Für die Interessen der Lohnarbeiterschaft dagegen scheint man an jenen Stellen sehr wenig Verständniß zu besitze»; denn in der Niederhaltung des zum Bewußtsein seiner elende» Lage erwachten Proletariates fährt man in derselbe» Weise fort wie bisher. Di« Textilarbeiter von Mülhausen haben bereits vor Jahresfrist beim Bezirkspräsidium des Ober- Elsaß die Genehmigung zur Gründung einer Fachorgani- fation nachgesucht, warten jedoch bis deute vergeblich auf Antwort. Der Bezirkspräsidcnt des Unterelsaß hat ein Gesuch der Arbeiterschaft vo» Schiltigheim und UmgebiiNg um Ge- nehmigung eines Bildnngsvereines rundwcg abgewiesen, und im Gemeinderathe von Metz habe» die weisen Stadtväter beschlossen, den Antrag auf Errichtung eines städtische» Arbeitsnachweises dem Papierkorb zu überweisen. Und dabei hat die Stadt«ine Zivilbevölkerung von nahezu 40(XX) Köpfen!— Man sieht aus diele» neueste» Beispielen wieder einmal, daß man a» maßgebender Stelle bei uiis nie zu Hause ist, wenn die Arbeiterschaft um Förderung ihrer Jnteresse» vorsprechen will. Das hält diese Leute aber nicht ab, in, Wahlkampf des nächsten Jahres wieder die beweglichste» Lieder von der„Arbeitersreundlichkeit" der herrschenden Klaffe zu fingen.— — Chronik der Majestät S b el« i d i gun g S-Prozesse. Der Schlosser Andreas Rosenfelder in Frankenihal batle in einem ganz gehörige» Rausche, den er sich i» Freinsheim holt«, in Worten gegen den deutschen Kaiser und den König von Bayern sich vergangen. Di« ganz ungeheuerliche Form des„Affen-, sowie sein guter Leumund halfen diesmal über die Klippen des bekannten Paragraphen hinweg. Unbestraft konute Rosenfelder den Saal ver- lassen.— Oesterreich. Wien. 16. Dezember. Die beiden Delegationen werden am 22. d. Mts ihre Schlußsitzungen abhalten.— Prag, IV. Dezember. Das Strafgericht verurtheilte wegen der in den letzten Tagen stattgehabten Aiisschreitmigen fünf Personen zu Strafen btS zu acht Monaten schiveren Kerkers. Zivet Personen wurden freigesprochen. Ungarn. Budapest, 16. Dez. DaS Abgeordnetenhaus nahm nnter Ab- lehnung der oppositionellen Beschlustanträge die Vorlage beireffend die Regelung der Rechtsverhältnisse der landwirthschaftlictien Arbeiter im allgemeinen an und trat dann in die Verhandlung der Provisoriums- vorlag« ein. Schweiz. Bern, 16. Dezember. Die Volksabstimmung über den Rückkauf der Eisenbahnen wird für den Fall des Znstandekommens des Referendums am 20. Februar n. I. statlstnden. Wenn der Rückkauf angenommen wird, wird die Bundesverfainmlung am 12 April zusammentreten. Die gegenwärtige Session wird am nächsten Sonn- abend geschloffen.— Bern» 16. Dezember. Die vereinigte Bundesversammlung wählte mit 133 vo» löt) Stimmen Rufsy-Waadt(radikal) zun, Bundespräsidenten für 1696 und zum Vizepräsidenten Müller-Bern(radikal).— Frankreich. ParlS, 15. Dezember. Die Panama-Kommission der Deputirten- kam,»er genehmigte den Bericht Rouanel's mit Ausnahme einiger Details.— Pari», 16. Dezember. Der„Temps- dementirt die von der „Pntrie- gebrachten Meldungen von angeblich in der Esterhazy- Affäre bevorstehenden sensationellen Verhaftungen.— England. London, 14. Dezember.(Eig. Ber.) Die Londoner Mitglieder der Jnbependent Labour Party haben gestern in einer in Exeter Hall abgehaltenen Versaminlung beschlossen, bei den nächstes Frühjahr(Ende März oder Anfang April) stattfindende» Wahlen zu in Londoner Grafschaftsrath mit 10 bis 12 eigenen Kandidaten i» de» Kampf einzutrete». In den übrigen Bezirke» sollen diejenigen Kandidaten, ohne Unterschied ihrer sonstige» Parteistellnng, unterstützt werde», die in der Frage der Erhaltung und Weilcrausbilduiig des Betriebsanits des Grafschafts- raihs die weitestgehenden Bürgschaften geben und im übrigen sollen alle Schritte geiha» werden, ein gemeinsMes Vorgehe» mit der Sozialdemokraiischen Föderation und den Gewerlschaflen herbei- zufuhren.— London» 16. Dezember.„Daily mail" meldet aus Nein Jork: Gerüchiweise verlanlet, daß die Engländer sich der Insel Glittonn an der mexikanischen Küste bemächtigt hätten. Spnuie». Madrid, IV. Dezember. Eine halbamtliche Note warnt die auswärtige Presse vor de» Uebertreibungen hinsichtlich der Lage auf Kuba, der Beziehungen Spaniens zu den Vereinigten Slaate», der Haltung der Armee und des Generals Weyler»nd fordert dazu ans, ausschließlich den aus Madrid oder Havanna stammenden Nach- richte» z» trauen. Den verlogene» amtlichen Siegesdepefchen gegenüber erscheint diese Ausforderung an die unabhängige Presse insolent. Ei» Pro- uuuciamenio von Generalen gegen die Regierung scheint nach Mel- düngen von der französisch. spanischen Grenze geplant zu sei». General Weyler tritt sowohl der Königin wie dem Ministeriui» gegenüber so entschieden auf, daß man auf Nachrichten über innere Konflikte aus Spanien gefaßt sein kann.— Rnstland. — Unternehmerschntz. Das folgende„geheime- Zirkular des ruisiichen Finanzniinisterinnis wolle» wir unseren Leser» nicht vorenthalte», denn das härteste Herz muß gerührt werden von der zarte» Fürsorge der russischen Regiernng für die armen Fabrikanten, welche in diesem Zirkular zum Ausdruck kommt. Finanzministerium. 2S.(IS.) September. Departement d«S Handels und der Manufakturen. Zirkular. Abth. I. Geheim. An die Herren Borsitzenden der Behörden für Fabrikangelegenheiten. Das Finanzministerium hat i» Erfahrung gebracht, daß Mit- theilungen über Strafen, welche den Gewerbetreibenden auferlegt werden für U-berlretnng des Gesetzes über das Verhältniß zwischen den Fabrikanten und den Arbeitern(§ 2, Art. b7 des Gewerbe- gesctzes) zuweilen in der lokalen Press« zum Abdruck ge- langen und daß diese Mittheilungen manchmal in den Kanzeleien der Behörden für Fabrikangelegenheite» geschöpft werden. Obwohl das Finanzministerium stets mit einer angemessene» Strenge sämmtliche Gesetzesüberlretunge» der Fabrikanten ahndet, ist eS doch der Ansicht, daß die Erschwerung der Strafe durch«ine Veröffentlichung des Beschlusses der Behörde schwerlich als gerecht betrachtet werden kann, da eine solche Maßregel(Veröffeutlichnng des Beschlusses in den Zeitungen auf Kosten der Angeklagten) auf grund der im Auslande geltenden Gesetze derselben Art, wie das oben erwähnte, als eine Ergänzungsstrafe und zwar als eine sehr schwere angesehen wird. In- folge dessen erachtete das Finanzministerium in Ueberein- stiminung mit dem Ministerium des Inner» für zweckmäßig zu beschließen, daß die oben genannten Beschlüsse der Behörden in Zukunft nicht veröffentlicht werden dürfen. Das obige theile ich Fchnen mit zwecks entsprechender Berück- sichtignng und füge bei, daß die Beamten der Fabrikinspektion von dieser Verfügung schon in Kenntniß gesetzt worden find. I» Vertretung des Finanzministers: Der Senator Jivaschtschenkow. In Vertretung des Direktors: Der Vizedirektor N. Langowoi. Türkei. Kouftailtinopek» 16. Dezember. Die Pforte hat den Antrag Griechenlands, die Frist zur Unterzeichnung de? Friedensvertrages zu verlängern, abgelehnt. Griechenland. Athen, 16. Dezember. Die Depntirtenkammer tritt heute zur Ratifizirung deS Friedensvertrages zusammen.— Narltttnenksvisches. Die Aufhebung der landesgesetzlichen Verbote deS In- verbindnugtretenö der Vereine, die politische Zwecke ver- folgen, bildete gestern eine» Gegenstand der Veraihung in der ttoininlssio» zur Vorberatbung des Gesetzenlwurfes über die frei- willige Gerichtsbarkeit. Nach 8 156 der Vorlage soll das Gericht vor der Bersüguug, durch welche über das Verlangen, gegen den Willen des Vereinsvorftandes eine Miigliederversammlnng eines Vereins einzuberufen, entschieden wird, soiveit thunlich den Vorstand des Vereins höre». Unsere Genosse» hatten beantragl, als zwsiten Absatz hinzuzufügen:„Die landesgesetzlichen Borsch, iiten, welche das Jnverbindungtrele» vo» Vereinen, welche politische Zivecke verfolge», verbiete», werde» ausgehoben.- Zur Begründung des Antrages wiesen unsere Genossen aus die bekannten Vorgänge vom Juni lSS6 hin: damals hatien Zentrum und Nationalliberale der Versicherung, die Aufhebung deS Verbotes werde alsbald landesgesetzlich erfolgen, Glanben geschenkt. In dieser Erwartung sind sie gelauscht; sie sollen nunmehr Gelegen» heit haben, ihren Jrrlhum wieder gut zu»wchen. Der innige Z»- saninieiihang des Antrages mit H 156 der Vorlage lasse sich nicht leiignen. Da Vereine dank der Jnbikatnr fast durchgehends als solche erachtet werden könne», die politische Zn-ecke veriolge», so liege es nahe, daß leichiStreitigkeite» über dieEinberlifniigvouGeneralversanimlungen in de» Vereinen, die sich ja über ganz Deutschland erstrecke» können, ans dem Anlaß enifteben können, daß in dem«inen Partikular- Vaterland eine VerbindungSfreiheit bestehe, in dem anderen nicht. Es könnte» also gar leicht politische Fragen auS Anlaß des Streits über Einberufung einer Generalversainmlung in den Gerichtssaal getragen und der Ricbter d»>ch solche Anträge geradezu überlaste! iverde». Solche Uiizuträglichteile» würben durch Annahme des Antrags unmöglich werde». Abg. Kaufmann(frs.) trat diesen Aiischauungen bei. Er wies noch darauf hin. daß ja nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch auch ein Verein Mitglied eines anderen sein könnte: es könne dann also ein reichsgesetzlich zulässiger, landesgesetzlich verbolener Zustand eintreten. Der Re- gier»ngskon»nissnr wendete sich gegen den Antrag. Die Frage be- treffe das Gebiet öffentliche» Rechts»nd gefährde, wenn sie in diesem Gesetz zum Austrag gebracht würde, das »ftaiibckoininen dieses Gesetzes und damit auch des ganze» ürgerlichen Gesetzbuches. Abg. von C u n y(nail.) be- hanptet, die nationalliberale Parlei stehe in der Sache selbst ans dem Boden des Antrages. Der Antrag sei aber hier unannehmbar, weil seine Annahme ein Hinderniß für das Ziistandekomiiie» dieses Gesetzes bilden würde, das eine» integrirende» Bestandlbeil des Bürgerlichen Gesetzbuchs bilde. Abg. Dr. Spahn(Z.) möchte den Antrag biet nicht annehinen, da hier»ur privates, nicht öffent- liches Siecht geregelt würde. Abg. Schall(k.) erklärt: Der Uwsiand, daß bei Annahme des Antrages einer Frage, die wo anders schon angeschnitte» ist, präjudizirt würde, würde seine Freiliide veianlasse», event gegen das gesaniinle Ges-tz zu stimnien.?lbg. Stadl Hagen stellt fest, daß diese Erklärniig in schroffste»! Wider- sprnch steht mit der am 27. Jnni 1896 seitens des Abg. v. Man- tenffel namens der konservativen Partei abgegebenen E'klärmig. Er freue sich feststellen zu können, daß die konservative Partei, die ja tagtäglich ohne Strafverfolgung da? Jnver- bindnngs-Verbot übertrete, nnmnehr klar erkläre: lieber das Bnrgerliche Gesetzbuch zu Fall zn bringen, als die preußischen Gesetz- gebiings'akioren z» hindern, vmmegesetzliche Fesseln der erwerbs- tbätigr» Bevölkerung anziilege». Wie wenig stichhaltig der Einwand ist, öffentliches Rrcht sei hier nicht z» regeln, zeige ein Blick auf die Regelung des V o r m» n d s ch a s t s w e s e n s und der Genchlsorganisalion— seien den» das nicht Gegenstände des öffentlichen Rechts? Collie der Antrag hier ab- gelehnt werden, so wird er an anderer Stelle wieder erscheinen. Die Konsequenz der Ablehnung des Antrags würde für weite Kreise die Ai>schaim»g sein, daß gewisse Parteien behaupten, für die Aufhebung des landesgesetzlichen Verbots zu sein, in dem Augenblick aber, wo eS in ihrer Hand liege, das Verbot zu de» seiligen, gegen die Beseitigung sti»»»en. Der Antrag wurde mit 12 gegen 6 Stimnien(Sozialdem., Freis. und Polen) abgelehnt. Er wird wiederkehren. Die 4. Abtheilung beS Reichstags hat die Akten über die Wahl des Abg. S ch u lz- Berlin(srs. Vp.), der im 1. Wahlkreis deS Regiermigsbezirks Potsdam(Westprignitz) a» stelle des z»»i Staats- sekretär des Reichspostamts ernannten früheren Abg. v. Podbielski gewählt wurde, zur weiteren Prüfung der W a h l p r ü f n n g s- kom Mission überwiesen, da eine Anzahl«ingegangener Proteste zu erledigen sind. Itorkei-'Mktchtjiifjketu Sozialdeuiokratische Partei Badens. Parteigenossen! Wie wir schon zu Eurer Kenntniß gebracht haben, wird unsere 8. Laiidesvcrsammluug in Offen bürg abgehalten. Soiiiiabend, den 6. Januar, abends 9 Uhr. tritt die Vor- versaminlung i» der Brauerei Mundniger. Gartenstraße, zusammen, »m das Bureau und die Mandats-Prüfttngskoimnission zu wählen und die Geschäftsordnung festzusetzen. Sonntag, de» 9. Januar, vormittags'/l9 Uhr beginnt in der Michel Halle die Laudesversammlnug Die Tagesordnung lautet: l. Geschäfts- und Kassenbericdt; 2. Bericht der Revisoren; 3. Die Presse(Referent: Genosse A. Geck); 4. Die Reichstagswahlen(Refe- reut: Genosse A. D r e e s b a ch); v. Ausstellung von Reichstags- Kandidaten; 6. Anträge; 7. Wahl des Vororts und des Vorstandes; 8. Ort und Zeil der nächsten Landesversammlung. Anträge, die in die gedruckte Vorlage kommen sollen, müssen längstens bis zum LS. Dezember in unseren Händen sein. Mit sozialdemolratischem Gruß Der Landesvorstand. Bei der Stadtverordneten-Stichwahl, die in Halle a. S. im 5. Bezirk zwischen dem Maurermeister Grote und unserem Parteigenossen Mittag vorzunehmen war, siegte ersterer mit 1099 Stimnien. Unser Kandidat bekam nur 279 Stimmen, während er bei der Hauptwahl 445 erhalten hatte. I« Königsberg i. Pr. hat der Partei- Vertrauensmann Krüger im abgelaufenen Verwaltungsjahre insgesammt 6661,15 M. Einnahm« gehabt. Nach Abzug der Ausgaben blieben 807 M. Kassenbestand. Der zum Bau eineS Saales angesammelte Fonds hat die Höbe von 3909.03 M. erreicht. Krüger wurde einstimmig wieder mit dem Amt« des Vertrauensmanns betraut. Zur einheit- lichen Betreibung der Wahlagitalion in der Provinz ist ein fünf- gliedriges Komitee eingesetzt. Die„BolkSstimme" i» Magdeburg wird jetzt mittels Rotationsdruckes hergestellt. Polizeiliches, Gerichtliches»e. — Auf Veranlassung des Kriegsministers v. A s ch wurde in der Redaktion und Druckerei der„M ü n ch e n« r Po st" am Dienstag eine polizeiliche Haussuchung nach dem Manuskript eines Artikels vorgenommen. Die Haussuchung war selbstverständlich erfolglos. Gewerkschslfklirszes» Deutsches Reich. Bei der GewerbegerichtS-Wahl in G r a u d e n z wurden die Kandidaten der Getverkvereine gewählt. In Osnabrück siegte die Liste des Gewerkschaftskartells. Das polnische BergarbeiterOrgan ist in einer Auflage von 20 000 Exemplaren zur Verbreitung gelangt und hat in den Kreisen der Bergarbeiler eine sehr sympathische Anfnahme gesunden. Ausland. Zum Kampf der englischen Maschinenbauer. Wie bereils mitgeiheilt, wurden die Verhandlungen zwischen den Unternehmern und Arbeitern am Dienstag Morgen wieder aufgenommen. Zu- nächst unterbreitete der Vorsitzende des Maschinenbauer- Verbandes der Konferenz das Resultat der Abüimmung über die Vorschläge der Unternehmer. An der Abstimmung haben theilgenommen 69 718 Arbeiter; davon erklärten sich nur 716 für die Annahme der Unternehmer-Bedingungen. Bemerkenswerth ist, daß selbst 5038 nicht» oiganisirte Maschinenbauer gegen und nur 75 für den Friedensschluß gestimmt hatten. Die Meldung, daß die Unternehmer sich weit entgegenkommender zeigten, als bei der letzte» Zusammenkunft, hat sich bestätigt. Colonel D y e r versuchte den Nachweis zu führen, daß die Vorschläge der Unternehmer vielfach falsch ausgelegt worden seien. Er legte de» Delcgirten der Arbeiter eine längere Erklärung vor, in ivelcher die Unternehmer Punkt für Punkt die strittigen Bedingungen zu er- klären suchen. Die Erklärungen decken sich im weseullichen mit dem von uns bereits wiedergegcbenen letzten Manifest der Unternehmer; es wird darin den Tradcs-Uuions das Zugestäadiiiß gemacht, daß sie auch in Zukunft den Weg des Kollektiv-Vertrags beschreiten können. Damit war für die Arbeiterdelegirten die Möglichkeit gegeben, weiter zn verhandeln. Die„Älmendciuenls- der Unternehmer wurden einer Sudkommission von 6 Mann(3 Unternehmer, 3 Arbeiter) zur Durchberathung übertragen. Die Verhaudlungen dauerten den ganzen Tag fort und wurden schließlich auf Mittwoch vertagt. Im ganzen herrichte, wie„Daily Chronicle" schreibt, auf beiden Seiten eine versöhnlichere Stimmung und die Anssichten auf«ine Ver- ständigmig sind— vorläufig wenigstens— wieder einmal größere. Ein Telegramm vom Mittwoch theilt mit, daß die Eubkommission nach den zweitägigen Verhandlungen zn einem vorläufigen Ueber- einkommen über die HanplstreUptinkle gelangt sei. Das Ueberein- kommen bedarf indessen noch der Bestätigung der gesammien Konferenz. Ei» großer Ncchtösicg der englische» Gewerkschaften. Ans London schietdt unser Korrespondent unterin 14. d. M.: Während im Westmtnster-Palast-Hotel Unternehmer und Ge- werkschafller parlatnenltrte», wurde im Westininster-Palast ein für die englische Gewerkschastsivclt außerordentlich wichtiger Prozeß zur'Entscheidimg gebracht. Er drehte sich um die Frage, ob es strafbar ist, wenn ein Gewerkschaflsvertreler Uiiternehmern erklärt, seine Genossen würden aus der Arbeit treten, falls nicht bestimmte Arbeiter, die nach ihrer Ansicht zu ttn- recht eingestellt seien, entlassen würden. Der betreffende Fall spielte sich vor drei Jahren aus den Glengalt Iran Works in London ab. Der VcrUeler des Bereins der Kesselschmiede, T. Allen, verlangte von der Firma die Entlassung zivoier Schiffs- ziinmerer, William Flood und Waller Taylor, weil die ihnen zugeiviesenen Arbeite» Kesselschiniede-Arbeit seien. Anderensalls würden sämmlliche Kesselschmiede die Arbeit niederlegen. Die Firma, die hauptsächlich Kesselschmiede beschäftigt, gab dem nach. Die Ent- lasse»«» verklagten daraus Allen wegen bösivilliger Schädigung und erzielten auch in erster Instanz eine Verurtheilung, worauf Allen Berufung einlegle. Der Prozeß„Allen versus Flood" ist seitdem durch verschiedene Gerichtshöfe gelaufen, die Gewerkschaflen haben es sich viele tausende vo» Pfund kosten lassen, ih» bis zur allerhöchsten Instanz, dem Obergericht des Hauses der Lords, zu bringen. Dort ist er heut zur endgtlligen Entscheidung gekommen, und während alle btsherigeu Justanzen für die Kläger entschieden hatten, hat das höchste Gericht mit 6 gegen 3 Stimmen für Allen, d. h. die Gewerkschast der Kesselschmiede, entschieden. Allen's Haiidlnugsweise wurde für nicht ungesetzlich erklärt und ihm das Recht der Berusnng und auf Rückerstattung aller Kosten zugesprochen. Das Unheil wird in der englischen Gewerkschaflswelt die größte lSenugthuung hervorrufen. Seine bedeutende Tragweite liegt auf der Hand. Ucber dir Ausstände und Anösperrnngen, die im Jahre 1696 in England stattgesuuden haben, verösfentlicht das britische Handelsamt soeben einen ausführlichen Bericht. Nach diesem kamen 1896 überhaupt 1021 Arbeitsstreiligieite» vor, welche 198 687 Arbeiter derührten. Durch diestlbe» gingen 3 741525 Arbeitstage verloren. 89,5 pCt. der Streitigkeiten endigten zu aunsten der Arbeiter, 33,4 zu gunsten der Arbeitgeber, durch Vergleich wurden eiledigt 27,1 pCt Die Zahl der durch die Streitigkeilen außer Arbeit geratbenen Arbeiter war 1896 bedeuteud geringer, als i» frühere» Jahren. 1893 betrug die Zahl der verloren gegangenen Arbeiislage über 31 Millionen, 1695 ö>/s Millionen." Bei dem Bau der elektrischen Hochbahn in Berlin hatten sich, wie Herr Regierinigs-Banraih Gier im Architekleuverein mittheilte, die großen Brückeubau-Anstalten zusamniengeschlossen, um bei Vergeben der Eisenkonstrnktion, bei der es sich um 16 000 Tonnen handelte, auf die Preisbildung einzuwirke». Die Absicht mißlang aber, da die Firma Siemens u. H a l s k e ihre Lteferunge» mit andere» außerhalb des Konsortitims stehenden Firmen abschloß. Tie Freie Vereinigung der Berliner Piaiiofortefabrikmiten »nd verwaiidtc» Vcrufögcuossc» hat in ihrer Monalssttznng ein- stimmig beschlossen, die Fabriken von solchen„Elemenlen". die sich als Agitatoren erwiese» hällen, unnachsichtig zu säubern. Unter „Agitaioren" verstehen die Herren Fabrikanten natürlich alle Ar» beiter, die sich nicht bedingungslos ihrer Diktatur unterwerfen. Der Verein deutscher Fahrrad-Fabrikantc» zu Dresden hat an sämmtliche deutsche Handelskammern ein Rundschreiben gerichtet, in welchem darum gebeten wird, sich„der Interessen der schwer bedrängten F a h r r a d- I n d u st r i« mit allen zu Gebot» stehenden Mitteln und dring« 1 1 et) ft anzunehmen." Dnbei wurde«n den Berhaudlungs» der Handels- und Geivcrbekammer zu Zitlau, wo das Schreiben jüngst zur Sprache kam. festgestellt, daß diese Unternehlne» eine durch- schnittliche Dividende von L2 bis 24 pCt. abwerfen. Ein Fahrradwerk in Dresden hat in den letzlen Tagen die Auszahlung einer Dividende von 18 pCt. bei großen Abschreibungen und Gründung eines S p e z i a I- Reservefonds beschlossen. Es wurde da auch ausdrücklich fest- gestellt. daß der Geschäftsgang ein ganz vorzüglicher ist. Auftrage für das kommende Geschäftsjahr waren schon in Höhe von 900000 M. vorhanden. Neubauten hat man vorgenommen und alles mögliche. Es wurde zum Ueberfluß noch festgestellt, daß die Konkurrenz der amerikanischen Fahrräder vollständig überwunden ist: kurz, Aussichten, wie sie günstiger nicht gedacht werden können. Trotzdem verlangt man Nepressivmaßregcln und lehnt die be- scheidensten Forderungen der Arbeiter ab. Rheiuisch-Westfälischeö Kohlcufyudikat. Nach dem in der Zechenbesitzer-Bersammlung vom Vorstand erstatteten Monatsbericht betrug der„Rhein.-Wefts. Ztg." zufolge die Förderung im Oktober 3 640 606 Tonnen. Das Ergebniß ist als ein günstiges zu bezeichnen angesichts des herrschenden starken Wagenmangels. Anerkannt wurde, daß in letzter Zeit es der Eisenbahu-Verivaltung gelungen sei, in bezug auf die Wagenstellung bessere Verhältnisse zu schaffen. Der Absatz betrug 3 603 083 Tonnen. Der arbeitstägliche Versand betrug im Oktober 12 648 Doppelwaggons gegen 12 347 Doppel- Waggons im September 1397 und 12 142 Doppelwaggons im Oktober 1896. Die Einschränkung für den Monat November hat nach einer vorläufige» Berechnung 3.44 pCt. betragen. Ätach kurzer Berathung wurde sodann dem Vorschlage des Beiraths gemäß die Entschädigung für Minderförderung und Abgaben für Mehrförderung auf 50 Pf. pro Tonne festgesetzt gegen 1 M. in diesem Jahre, die Strafe für verschuldete Nichtlieferung auf 2 M. pro Tonne. Sozmles. Der Maxiiual-Nvbeitstag im Bälkevgcwcrbe. Di« Kölner Bäcker-Juuuug giebt in der„Köln. Volks-Ztg." das Ergebniß einer von ihr veranstalteten Umfrage über die Wirkung des Maximal-Arbeits- tages bekannt. Wir finden da einige recht interessante Zusammen- stellunge». Die Frage, ob den Gesellen die ununterbrochene Ruhezeit von acht Stunde» gewährt würde, wurde mefft mit Nein beantwortet und damit auch die Jnuehnltuug der zivölsstttndigen Arbeitszeit als „unmöglich" bezeichnet. Es wird also hier wieder einmal konstatirt, daß die Bestimmungen der Bundesraths- Verordnung ganz offen übertrete» werden, ohne daß die Behörde energisch eingreift. Es muß überraschen, daß bei den Revisionen, die die Polizei vornahm, keine einzige Uebertretung zur Anzeige kam, wie die Umfrage bei de» 222 Meistern ergeben hat. Und nach der Beantwortung der Fragebogen ist in 27 Betriebe» einmal. in 122 zweimal, in 36 dreimal und in 17 viermal die polizeiliche Revision ausgeübt worden. Gegenüber solche» Ergebnissen wird wohl schwerlich der Staatssekretär v. Posadowsky behaupte» können, daß jemand den Eindruck zu gewinne» vermöchte, als sei es den Herren gar so ernst mit der Sozialrefori». Auf die Frage, wie viel Ruhezeil die Bäcker durchschnittlich, auch wenn diese unterbrochen wird durch Brodausbacken, Ansehen u. dergl., de» Gesellen und Lehrlingen täglich gewähren können, wurde folgendes geantwortet: 13 Meister konnten 3 Stunden. 14 Meister 9, 43 Meister 10. 21 Meister II, 84 Meister 12 Stunden und mehrere sogar nach Umständen bis z» 14 Stunden Ruhe ge- währen. Jedoch würde diese ein oder zwei Mal unterbrochen. Also 13 Meister sind wirklich so freundlich, ihre» Gesellen eine achlstündige Ruhepause zu gewähren; aber mit der Einschränkung. daß diese Ruhepause noch ein- oder zweimal unterbrochen wird! Die übrigen Herren sind freigebiger. Aber jeder verständige Mensch wird zugeben, daß selbst eine Ruhepause von 12 Stunden bei zweimaliger Unterbrechung iverthlos ist und die Bezeichnung Ruhe nicht verdient. Treffender kann wohl die Rücksichtslosigkeit gegen den Arbeiter- stand nicht illustrirt werden, als durch diese Uiiternehmerbckenntnisse. Wenn je so ist hier der Beiveis geliefert, wie nothwendig die strenge Inn ehaltung der Bundesraths-Ver- o r d n u n g im Interesse der Arbeiter verlangt werden muß. Er- ivähut sei noch, daß angeblich die Kölner Bäckergesellen in einer Versammlung beschlossen haben, an de» Bundesrath die Bitte zu richte», die Verordnung voin 4. März 1396 abzuändern und statt deS Maximalarbeitstages einen Wochenturuus von 72 Stunden im Bäckergewerbe einzuführen. Wir bezweifeln, daß hier ei» Urtheil vorliegt, dem die Mehrzahl der Geselle» beitrete» ivürde, und vermulhen sehr stark, daß auch hier die Einwirkung der Meister eine Rolle gespielt hat. Im übrigen ist dieses Aorkommuiß ei» Beiveis, ivie wenig das Zentruin die sozialpolitische Erkenntuiß in Arbeiterkreisen, die ihr bisher Gefolgschaft leisteten, zu fördern vermochle. Arbeitcr-Risiko. Von den Perscueu, die bei dem Erkereinsturz auf dem Neubau an der Ecke der Lindwurm- und Daiserstraßc in M ü n ch e n verletzt wurden, ist eine Tagelöhnerin gestorben. Der Bau hat nun im ganzen zwei Menschenleben gefordert. 9 Arbeiter liegen noch krank, lieber die Ursachen des Einsturzes verlautet, daß das zu dem Erker verwandte Material viel zu wenig wuchtig und deshalb leicht zu seitlichen Verschiebungen geneigt erscheine und daß es nngenägend ver- ankert worden sei. Weiter wird augegeben, daß während der kalten Witterung in voriger Woche gemauert wurde; als dann warme, regnerische Witterung eintrat, sei der Mörtel anfgelhaut und die Steine wären bröselig geworden. Der Baumeister Karl L e ch l e i t e r und der Polier G e o r g E d e r sind auf An- ordnung des Untersuchungsrichters in Hast. In der„Münchener Post" wird ausgeführt, das Unglück wäre bei regerer und strengerer Baukoulrolle sicher vermieden worden; die jetzigen Kontrollorgane seien aber mit Bnrean-Arbeiten so sehr überlastet, daß ihnen zur Bnukvntrolle zu wenig Zeit bleibe. Auch dieses Unglück zeigt also deutlich, wie nothwendig es ist, zur Baukontrolle auch Vertreter der Arbeiter heranzuziehen, was von den Gewerkschaften der Bauarbeiter seit Jahren verlangt wird. Aus London wird telegraphirt. daß am Mittwoch in A y r e ei» Gerüst mit zehn darauf befindlichen Arbeitern eingestürzt ist, wodurch drei Arbeiter getödtct und drei schwer verletzt wurden. Zur„Beförderung des Arbeitcrwohnnngöwcscns" in der N h c i n p r o v i n z ist auf einer Koiiserenz in Düsseldorf, die durch zirka 40 gcnieiiinützige Banverciue«. beschickt war, ein Verein gegründet worden. Man war ursprünglich, schreibt die „Kölnische Volksztg.", von der Idee ausgegangen, lediglich einen Verband der bestehenden gemeinnützigen Banvcrcine zu be- gründen; es ergab sich indeß die Nothwendigkcit, weiter zu gehen: nicht nur einen Verband von- Bauvereinen zu erstreben, sondern einen Verein zu begründen zur plan- mäßigen Zusammen fassuiig aller gemeiniiiitzigen Bestrebungen im Arbeiter-Wohmingswesen überhaupt. Landeshaiiptmann Dr. Klein. der der Konferenz beiwohnte, theilte mit, daß die Alters- und In- validitäts-Versicherungs- Anstalt und der Provinzial- Verband des Rheinlands zum Zwecke der Erbauung von Arbeiterwohnhäusern an Gemeinden und gemeinnützige Gesellschaften Darlehen im Betrage von 3 Millionen bewilligt haben; er hoffe, daß diese Körperschaften noch mehrere Millionen zu deniselben Zweck hergeben würden. Die Mnffenvevhastnngcn, die von der r u s fischen R e- gierung in diesem Jahre in verschiedenen Städten Rußlands vorgenommen worden sind, haben unter den davon betroffenen Ar- beitern und ihren Familien große Roth erzengt. Viele Arbeiter sind mit ihren Familien noch vor Beendigung ihres Prozesses ausgewiesen worden, und da ihre Pässe von den Behörden zurückgehalten werden, so finden sie keine Beschäftigung und müssen Hunger leiden. Die Unterstützung der Nothleidenden legt der russischen Arbeiterpartei große Opfer auf. Allein in einer kleinen westriissischen Verantwortlicher Redalleur: Angnst Jacobey in Berlin. Für den Jnsei Stadt müssen monatlich 6— 700 M. aufgebracht werden. Es ver- steht sich, daß die drakonische Verfolgung der vorgeschrittenen Ar- heiter den erstrebten Erfolg nicht haben wird. In dem Maße, als die Verfolgungen znnehmen, wird die Sympathie für die Ver- folgten wachsen und die Zahl der Anhänger des Sozialismus sich vergrößern. Nach Johannesburg in Transvaal werden durch Zeitungs- annoiiceii j u n g e M ä d ch e n a l s M ä g d e, Aufwärte rinnen w. gesucht. Der südafrikanische Generalkonsul in Brüssel warnt vor diesen Stellenangeboten, da ihnen sehr häusig unlautere Absichten zu gründe lägen. Bei dieser Gelegenheit sei darauf aufmerksam gemacht, daß in der Südafrikanischen Republik und speziell in Johannesburg seit einem halben Jahre so große Arbeitslosigkeit herrscht, daß europäischen Arbeitern nur aufs dringendste ab- g e r a t h e n werden kann, dorthin zu reisen. Gerichts ikunK. Zur Slffiirc von Pnttkamer wird aus Hamburg gemeldet, daß das dortige Landgericht das Geiieralkonimando in Metz ersucht hat, gegen den Preniierlieutenant v. Puttkamer, der bereits eine eiiinionatige Haft verbüßt hat, weitere drei Monate zn voll- strecken, weil er der gerichtlichen Aufforderung, das seiner Ehe- galtin zugesprochene Kind auszuliefern, nicht nachgekommen ist, das Kind vielmehr unter Beihilfe driller Personen andauernd ver- borgen hält.— Eine für die Zichorienfabrikation wichtige Frage beschäftigte am Dienstag die 133. Abtheilung des Schöffengerichts. Der lang- jährige Prokurist der bekannten Wesenberg'schen Zichoriensabrik, Schröder, hatte sich wegen wissentlichen Verkaufs ge> fälschter Nahrungsmittel zu verantworten. Das Vergehen wurde darin gefunde», daß in einem Packele Zichorien aus der Wesenberg- scheu Fabrik 3,6 pCt. Sand gefunden worden waren. Nach dem Gutachten des chemischen UntersuchnngsamteS der Branden- bnrgischen Landivirthschafiskainmcr, welche den vorliegenden Fall zur Anzeige brachte, soll nur ein Höchstgehalt von zwei Prozent Sand gestattet sei», wie dies auch im Großherzoglhum Baden bestimmt ist. Der Angeklagte er- klärte, daß die ihm unterstellte Fabrik in technischer Beziehung aus der Höhe stehe und ebenso ihre Erzeugnisse. Zichorien ohne irgend eine Beimischung von Sand lasse sich garnicht her« stellen, da der den Wurzeln anhaftende Sand sich durch Waschen nicht völlig ciitserneil lasse. Er berufe sich hierüber auf die Gut- achtendes Kaiismanns Gründler.des Leiters der allrenoiiimirten Resag- scheu Zichoriensabrik, nnd des Gerichtschemikers Dr. Bischoff. Der letzterefbcgntachtete, daß eine einzelne aus einer Verkaufsstelle entnommene Probe nicht einen Schluß auf das gesammte Fabrikat zulasse, wenn sie 3,6 pCt. Sand enthalte. Ein anderes Packet enthalte vielleicht so viel weniger. Es komme auch ganz auf den Boden an, auf welchem die Zichorienwurzel gebaut sei. Die Berliner Fabriken pflegten Wurzeln ans der Magdeburger Gegend z» verarbeiten, die lehmige Erde, welche den Wurzeln wie eine Knolle anhafte, sei schwervollständig zu e»t- fernen und er halte dafür, daß eine Zichorie, die 4 pCt. Sand enthalte, immer noch als eine zuverlässige und gute Waare anzu- sehen sei. Der zweite Sachverständige Herr Gründler schloß sich diesem Gutachten an. Ueber dasselbe Thema sollte der vom Vertheidiger geladene Gerichtschemiker Dr. Bein ver- nommen werden. der Gerichtshof hielt indessen die beiden abgegebenen Gutachten für ausreichend. Der Chemiker Dr. Wolny, als Vorsteher der chemischen Untersnchuiigsstation der Landwirthschafts- kanimer, vertrat einen anderen Standpunkt. Was in Baden an- gängig sei, müsse sich auch in Preußen durchführen lassen. Die Zichorienwurzel verlange überall denselben Boden; die lehmige Erde. ivelche ihnen ivie ein Kloß anhafte, müsse sich durch zweckentsprechende Waschungen so weit entfernen lassen, daß die Zichorie nur höchstens 2 pCt. Sand entHalle. Der Staatsanwalt gab dem letzt vernoininenen Gutachten den Vorzug, er hielt den Angeschuldigten aber nur einer Fahrlässigkeit für schuldig und beantragte dieserhalb gegen ihn eine Geldstrafe von 60 M. Der Gerichtshof folgte indessen den Ausführungen deS Verlheidigers Rechtsanwalt Genuerich und sprach den Angeklagten frei. Die Angelegenheit wird voraussichtlich den ganzen Instanzenweg durchznniachen haben. In Offenbnrg(Baden) mußte sich am 16. Dezember der Bau- leiler H o f»i a n n vom dortigen Kasernenbau nebst einem Maurer wegen Körperverletzung verantworten. Der Bauleiter Hofinann halte in Gemeinsamkeit niit seinem Komplizen den Parteigenossen Landtags-Abgeordneten Adolf Geck nächtlich überfallen, weil Geck die Interessen mehrerer Bauarbeiter dem rohen Patron gegenüber erfolgreich vertreten hatte. Hosmann kam mit der geringen Strafe von 14 Tagen Gefängniß davon. Wie kommt cS, daß Arbeiter mit Ehrgefühl die ostclbische Behandlung nicht aushalten können'f Die Antwort a»f diese Frage giebt vielleicht eine Freisprechung, zn der kürzlich die Straskainnier Liegnitz in einer Verhandlung wegen gefährlicher Mißhandliing und Freiheitsberaubung gekomnien ist. Der Angeklagte, Wirthschafts- inspektor P. Müller vom Domininin Seichau, Kreis Jauer, der zugleich das Amt eines Gutsvorsieher-Slellvertreters versieht, befehligte eine Anzahl g a l i z i s ch e r A r b e i t e r, die am Sonntag, den 22. August, ihren Lohn ausgezahlt erhalten nnd dann entlassen werden sollten. Hierbei lam es zu Differenzen zwischen Herrschaft nnd Arbeitern und als Wortführer der letzteren trat ein gewisser Snri ans, der als„Aufwiegler" betrachtet wurde. Um den gefährlichen Menschen unschädlich zu machen, sperrte ihn der Inspektor in einen dunklen ikeller, schloß ab und ging zum Mittag- essen. Später sah der Inspektor den Snri. der ans seinem Gefängniß ausgebrochen war, wieder frei umherlaufeii; er packte ihn deshalb am Arme und brachte ihn in seine Stube, die er abschloß und den Snri darin aNein ließ. Ein Vogt mttßte vor der Thüre Wache halten. Silz Müller mit dem Essen fertig war, begab er sich mit dem Vogt in die Stube zn dem Gefangenen, dem er mit der Reitpeitsche Schläge über die Schenkel versetzte. Als Suri sich diese Behandlung nicht gefallen lassen wollte, sich zur Wehr setzte und auch a»f einen Wirthschafts-Assistenten eindrang, machte Müller wiederum von seiner Reitpeitsche ausgiebigen Gebrauch, so daß die Peitsche entzweiging Jetzt wurde Suri wieder in das dunkle Gewölbe eingesperrt und zwar etwas dauerhafter als das erste Mal. Diesmal dauerte nämlich die Einsperrung von nachmittags 2 Uhr bis abends gegen 10 Uhr, währenddem der Inspektor gemüthlich fortgeritten und einen Wächter in der Person des Wirthschafts- Assistenleii wiederum vor das i»iprovisirle Gefängniß postirt hatte. Tiesmal hatte Snri nicht ent- weichen lönnen, zumal zwei Gesängnißthüre» sich hinter ihm geschlossen hatten. Abends 10 Uhr gab dann der Inspektor, nachdem er die eine Thür mit dem Spieß des Nachtwächters aufgebrochen hatte, seinem Gefangenen die Freiheit wieder. Suri beschwerte sich zwar beim Nintsvorsteher, da er aber nur die Worte herausbrachte„Nix deutsch, Inspektor nix Geld." so verstand man ihn nicht. Er zeigte aber seine Achsel,"die mehrere blaue und grüne Striemen aufwies. Der Keller, in welchem Suri eingesperrt war, soll noch einen zweiten Aus- gang gehabt haben, von dem der Gefangene offenbar keine Kenntniß hatje. denn er wurde von einem Diener von außen angerufen, heraus zukommen, worauf er sich dahin verständlich machte, daß er ja ein- geschlossen sei. Der Angeklagte Müller erklärte, er habe den Suri ein- gesperrt, damit er die anderen Leute nicht aufwiegeln könne. Suri ist inzwischen fortgewandert und ist nicht niehr aufzufinden gewesen, doch wurde der Sachverhalt wie vorstehend festgestellt. Der Staats- anwalt beantragte drei Wochen Gefängniß. Der Gerichtshof erkannte ans— Freisprechung. Es war angenommen worden, daß dem Angeklagten bei den Freiheitsberaubungen daS Bewußtsein der Rechts Widrigkeit gefehlt habe; ferner sei nicht gefährliche. sondern nur einfache Körpervcrlitzung erwiesen, zu deren Versolgung aber der E t r a s a n t r n g des Verletzten fehle. itcntlieil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Truct und Verlag von D, Wie es einem preußischen Richter ging, der sich Respekt verschaffen wollte. Aus Köln wird der„Voss. Ztg." gemeldet: Das jüngst gemeldete Vorkommniß am Kölner Schöffengericht, wobei der Vorsitzende ersuchte, nicht in erregtem Tone fortzufahren und der Staatsanwalt alsbald den Saal verließ, trotzdem daß noch zwölf Sachen zur Verhandlnng standen, hat eine eigen- t hü ml i che Wendling genommen, die in juristischen Kreisen großes Aussehen hervorrust. Der Vorsitzende Assessor Froehlen wurde im disziplinarischen Wege wegen seines Verhaltens „ r e k t i f i z i r t" nnd gegen den Vertheidiger Rechtsanwalt Mertz wurde ein Verfahren wegen Beleidigung der in jener Ber- handlnng als Zeugen vernomineiieii Schutzleute eingeleitet.— So mußte es kommen! An stelle des zum Landgerichts- Präsidenten zu Bromberg er- nannten Landgerichts- Direktors Rieck ist der Landgerichts- Direktor Röseler, der Vorsitzende der dritten Strafkammer, mit der Leitung der Präsidialgeschäfte in Vertretung des Landgerichts- Präsidenten Angern betraut worden. Ueber das Jndenthum im Richtcrstande und den getauften Juden Friedberg bringt die„Berk. Ztg." folgende Notiz: Der Landgerichts-Ralh Münk vom hiesigen Landgericht I ist an stelle des verstorbenen Direktors Bielefeld zum Landgerichts-Direktor bei dem Landgericht I Hierselbst ernannt worden. Benierkenswerth ist diese Ernennung insofern, als Herr Münk unseres Wissens der erste Jude ist, der in Preußen zum Landgerichts-Direktor, also zum Vorsitzenden eines Gerichtskollegiunis, ernannt wird. Unter den Oberlandes- gericht-Räthen, die den Landesgerichts-Direkloren im Range gleich- stehen, giebt es zwar drei oder vier jüdischen Glaubens; sie stammen aus der Zeit des Schelliiig'schen Ministeriums. Unter dem getanfien Juden Friedberg kam die Beförderung eines jüdischen Richters über- Haupt nicht vor. Weihnachtsabend des vorigen Jahres war es. Bei dem Agenten M. wurden die Vorbereitungen zur Bescheernng getroffen. Der Hauch von Glückseligkeit, der an diesem Abende alle Menschen erfreut, war auch in die M.'sche Familie eingezogen. Diese Stimmung erfuhr bei dem Oberhaupte der Familie einen jähen Umschwung. Es klingelte. Der Eintretende war der Gerichts- Vollzieher. M. hatte rückständige Steuern zu zahlen. Wenn er hierzu nicht im stände war, sollte er gepfändet werden. Am Weihnachtsabende! M. erklärte dem Beainten, daß er gegen die zn hohe Veranlagung Einspruch erhoben habe, der Gerichtsvollzieher erwiderte, daß die Entscheidung hierüber noch ausstände, einstweilen müßten die einmal veranlagten Steuern ent- richtet werden. M. befand sich in arger Verlegenheit. Er hatte zwar noch Geld im Haufe, doch dies hatte er für eine der von ihm vertretenen Firmen eingezogen, er sollte mit derselben zu Neujahr abrechnen. Nach kurzem Besinnen entschloß er sich, das fremde Geld anzugreifen. Er hoffte, bis zum Abrechnniigsteriiiin noch soviel Geld anderweitig einzubekominen, daß er für rechtzeitige Deckung sorgen konnte. In dieser Hoffnung sah er sich getäuscht. Das neue Jahr brachte ihm langwierige Krankheiten, M. konnte lange Zeit hindurch nichts verdienen. Gestern stand er wegen Unterschlagung vor der dritten Strafkammer des Landgerichts I. Er wies dem Gerichtshofe nach, daß er bereits mit monatlichen Abzahlungen an die geschädigte Firma begonnen halle. Der Staatsanwalt beantragte eine Gesängnißstrase von sechs Wochen. während der Vertheidiger, Rechtsanwalt Blaschkauer, mit Wärme dafür eintrat, daß der Gerichtshof es bei einer Geldstrafe belassen möge. Wie der Vorsitzende bei der Urtheilsverkündigung erklärte. hätte mit Rücksicht ans die ganze Sachlage der Antrag des Ver- theidigers in Erwägung gezogen werden können, wenn der Angeklagle nicht wegen Betruges mit einem Monat Gefängniß vorbestraft worden sei. Es habe deshalb auf eine Freiheitsstrafe erkannt werden müssen. Diese sei auf einen Monat Gefängniß bemessen worden. Für Gastwirthe ist eine Entscheidung von erheblicher Wichtig« keit, die das K a m m e r g e r i ch t gefällt hat. Der Gastwirth Z. war ans griind des s 147 der Gewerbe-Ordnuiig angeklagt worden, weil er den selbständigen Betrieb eines stehenden Gewerbes, dessen Beginn einer Konzession bedurfte, nämlich der der Schankwirthschaft, ohne diese Erlanbniß uitterii otzimen habe. DaS Schöffengericht nahm folgenden Sachverhalt als festgestellt an. Z. betreibt in der Schön- Häuser Allee eine Schankwirthschaft. für die er die behörd- liche Konzession besitzt. Ganz in der Nähe, nur durch den Damin der Verbindungsbahn davon getrennt, hat seine Frau einen kleinen Garten gepachtet, in dem sie nach Art der Laubenkolonisten ihren Kohl baut. Eines Tages fanden sich nun im Lokal des Angeklagten Mitglieder eines ArtistenvereinS ein, die einen sogenannten Landivehrtopp, fünf Glas baierisches Bier in einem großen Weißbierglase, bestellten. Das Bier wurde den Leuten vorgesetzt, sie tranken es aber nicht im Lokal, sondern ent- fernlen sich sofort nach dem erwähnten Gärtchen nnd ließen sich das Bier vom Sohn des Angeklagten nachbringen. Im Garten wurde cs verzehrt. Das Gericht vernrtheilte Z. z» einer Geld- strafe, indem es annahm, er habe sich gegen die 8Z 33 und 147, I der Gewerbe- Ordnimg dadurch vergangen, daß er die Konzession, die sich nur ans sein Lokal erstrecke, über- treten habe. Der Angeklagte hätte es nicht dulden dürfen, daß das Bier in den seiner Berfügniig iiiiterliegenden Garten getragen nnd dort getrunken wurde. Das Landgericht bestätigte die Entscheid», ig. ivoranf Z. Revision einlegte. Er machte geltend, der Garten sei ja von seiner Fra» gepachtet worden, habe also nicht feiner Versügung unterlegen. Auch bestritt der Angeklagte, daß mit seinem Wissen und Willen das Bier im Garten getrunken worden sei. Das Kaiinnergericht wies indeffen die Revision als«„begründet zurück. Die ß§33 und 147 der Gewerbe-Ordnung seien ohne Rechts- irrthlim angewandt worden. Der von der Ehefrau gepachtete Garten habe der Versügniigsgeivalt des Mannes unterlegen. Wenn er nun. wie festgestellt sei. geduldet habe, daß der Garten zur Berzehrungs- stelle für sein Bier benutzt wurde, dann habe er in diesem Garten seine Schankwirlhschaft betrieben, und dazu sei er nicht b-sngt gewesen._ Depepchen und letzte Vnrfjeidjken. London, 16. Dezember.(W. T. B.) Die Maschinenbauer- Konferenz hat heute den die Vorschläge enthallenden Bericht an- genouinien, welche nach Ansicht der Arbeitervertreter mit einer einzigen Ansnahme den Arbeitern als annehmbar erscheinen dürften. Diese Ausnahme bezllht sich auf das Prinzip kollektiver Kontrakt- abschlüffe, welches den Arbeitern bei dem Stücklohn- System kaum durchführbar erscheint und bezüglich dessen ihre Bertreler den Arbeitgebern bereits mündliche Abänderuiigsvorfchläge gemacht haben. Rendsburg. 16. Dezember.(W. T. B.) Wie es hier heißt, trifft der Kaiser heute Abend 7 Uhr zum Besuche des Fürsten BiS- mnrck in Friedrichsruh ein und nimiiil daselbst einen einftiiiidigen Aufenthalt. Frankfurt a. M., 16. Dezember.(B. H.) Der„Fils. Zig." wird aus Gießen telegraphirt: Das Schwurgericht sprach heute den Angeklagten Schütz wegen Zweikampfs mit tödllichem Ausgange schuldig und der Gerichtshof vernrtheilte ihn zu 2>/- Jahren Festungs- hast Die Mitglieder des Ehrengerichts wurden freigesprochen, ebenso der Karlellträger Slamniler. trotz seines Geständnisses, die Forde- rung überbracht und dabei keinen Versuch gemacht zu haben, die Gegner zu versöhnen. Prag, 16. Dezember-(B. H.) Die polizeiliche» Beschränkiiiigs- maßregeln sind infolge der Unlerredniig, ivelche die Reichcralds- Abgeordneten von Prag gestern beim Miiiisterpräsideiiten Gauisch hatten, etwas gemildert worden Von heule ab dürfen die Wohn- gebäude abends bis 9 Uhr und die Gast- nnd Kaffeehäuser biS 11 Uhr geöffnet bleiben. Barna, 16. Dezember.(B. H) Nach ans besonderer KonstanUnopeler Quelle stainiiiendeii Meldungen besiätigl cs sich. daß ans den Sulian ein von den Jimglürken angestisletes Attentat versucht wurde. Der Zllteiiläler, Oberst Mehmed Bey, ist mit noch drei höheren Palastbeainlen verhasiet worden. x Babing in Berlin. Hierzu 2 Beilagen u. ilmerhaluiiigsMait. i..* u. ,.w» i, ifiliijt jotniiitfs" DM» Idbihrtt. im"■«. Veichskag. ' 12. E i � u n g. Donnerstag. IS. Dezember I8S7. 9l>» Bnndesralhstische: von G oßler, Dr. Schultz, der Reichskanzler, Untcrstaatssekrelär Frhr. v. R i ch t h o s e n. Präsident v. Bnol eröffnet die Sitzung um 12�/« Uhr. Aus Antrag der Kommission fiir die Geschäftsordnung wird das Mandat des Abg. Paaschs infolge feiner Berufung zum elatsmäßigcn Professor an der technischen Hochschule zu Berlin als nicht er- loschen erklärt. Der Entwurf eines Gesetzes, betreffend die Kontrolle des Reichshaushalts, des Landeshaushaltes von Elsaß-Lothringeu und des Haushalts der Schutzgebiete für das Jahr 18ö7/98, wird in erster und darauf sofort auch in zweiter Lesung angenommen. Darauf wird die Berathuug des R e i ch s h a u s h a l t s- Etats fortgesetzt. Präs. v. Bnol macht darauf aufmerksam, daß die Etats- beraihung nun schon den sechsten Tag währt und vor den Ferien noch die erste Lesung eines umfangreichen Gefetzentwurfs z« erledigen sei. Abg. Dr. Förster(wild- antisemitisch) bedauert, daß der Bandesrath den Resolutionen des Reichstags auf Einführung eines Q.uebrachozolles und Erhöhung der Jnvalidenpensioneu keine Folge gegeben habe, ivird aber vom Präsidenten darauf auf- merksam gemacht, daß Besprechungen über die Entschließungen des Bandesraths auf Beschlüsse des Reichstags nach der Geschäftsordnung schriftlich beantragt und auf die Tagesordnung gesetzt werden müssen Der Redner befürwortet dann eine Erhöhung des Gehalts der Land- briefträger und legt der Regierung nahe, der Vivisektionsfrage und der Revision des Jmpfgesetzes näher zu trete». Er nimmt für de»'Reichstag das Recht in Anspruch, die ausivärtige Politik behandeln zu dürfen und stellt sich ganz auf den Stand- pnnkt der Abgeordnelen Hasse und Zinnnermann. Die deutschen Bruder in Oesterreich ständen uns so nahe, wie nur irgend ein Vaterlaadsgenosse, und Deutschland müsse sie moralisch unterstützen, da der österreichische Kaiser es nicht thue. Die Lemberger Rede des früheren deutschen Reichstags-Abgeordnete» v. Koscielski sei hoch- verrätherisch gewesen.(Beifall bei den Antisemiten.) Präsident v. Bnol erklärt die Aeaßernng gegen Herrn v. Koscielski für unzulässig. Uaterstaalssekretär im Auswärtigen Amt Frhr. V. Nichthofcn: Ich kann mich nur auf die Erklärung beziehen, die mein Chef, der Staatssekretär des Auswärtigen Amts schon neulich hier abgegeben hat. Wir müssen" es dem Taktgefühl der einzelnen Abgeordneten Überlassen, wie weit sie österreichische Verhältiiisse hier erörtern wolle». Von dieser Stelle ans kann keine Einmischung in die internen Verhältnisse des uns besreuudcten Nach- barreiches erfolgen. Ganz entschiedene Verwahrung aber möchte ich gegen die Angriffe einlegen, die der Vorredner gegen die Person des österreichischen Monarchen, des treuen Verbündeten und Freundes Sr. Majestät des deutscheu Kaisers gerichtet hat.(Lebhaster Bei- fall rechts.) Abg. Dr. Lieber(Z.): Die Herren Abgg. Bebel und Richter haben in der Flotlenfrnge einen Gegensatz zwischen meinem Freunde Dr. Fritzen und mir konstruirt. Als alle sturmerprobte Parka- inenlarier iverden sie von uns, die wir doch auch nicht mehr parla- »icntarilche Rekruten sind, nicht erwarten, daß wir uns durch der- artige Manöver aus Miseren Verschanzungen herauslocken lassen werde».(Heiterkeit links.) Es ist von uns allen ehrlich ge in eint gewesen, daß wir die Flottenvorlage noch genau prüfen werden und unsere Stellungnahme bis nach dem Ergcbniß der Kommissionsberalhung vorbehalten. Das sei der Oeffentlichkeit gegenüber festgestellt.— Die laute» Verwahrungen bei gewissen Ausführungen des Staatssekretärs Posadowsky beim Abg. Bebel und auch auf der linken Seite des Hauses haben bewiesen, daß man diese Ausführungen so verstanden hat. daß die S o z i a l g e s e tz g e b u n g ins Stocken geratheu sollte. Ich richte deshalb eine Anfrage an den Herrn Staatssekretär, ob diese Auffassung etwa richtig ist. Meine politi- fche» Freunde sind nicht geneigt, die Fortführung der sozialen Gesetzgebung versumpfen k« lassen und sie haben einen hochwichtigen sozialpolitischen Antrag dieser Tage bereits eingebracht. Wir geben uns zur Zeit noch der Hoffnung hin, daß alle die Vefürchtungen und Erwartungen, die man an die Worte des Staats- sekretärs geknüpft hat, noch keinen Grund haben.— Gegenüber den Ausführungen der Abgg. Zimmermann und Dr. Haffe betr. die Angelegeuheilen in. Oesterreich muß ich konstatire», daß diese nicht als die Anschauungen des Reichstages im Auslande gelte» dürfen. Der deutsche Reichstag ist nicht der Platz für solche Sympathie- kundgebunge».(Sehr richtig!) Wir dürfen uns nicht in die iniiere» Angelegenheiten eines fremden Staates mischen, was wir uns selbst nicht gefallen lassen würden, umso weniger, als es sich um einen eng besreundelen Staat handelt.(Sehr richtig!) Ich darf wohl auch betonen, daß selbstverständlich bei den Volks- thmnskämpfcn in Oesterreich die Sympathien des Einzelnen von uns auf seilen der Deutschen stehen. Aber als Parlamentarier stehen wir auch nicht an zn erklären, daß wir gegenüber den- jenigen parlamentarischen Mitteln, welche die Deutschen zur Ver- theidigung ihres Volkslhums in Anwendung gebracht haben, im Interesse des Parlamentarismus starke Bedenken haben. Wir be- zweifeln auch, ob wir gegenüber der Revolution, im Parlament sowohl als auch ans der Gasse, jemals Sympathiekundgebungen abgeben dürfen, oder ob eS recht ist, hier von einer Prager Bartholomäusnacht zu spreche». Wir halten fest zum Drei- band und müssen uns hüten, irgend wie die Leiter der Regierung irgendwie in Verlegenheit zu bringen. Vor allem aber sollten die- jenigen ani wenigsten sich beeilen, wegen eines unterdrückten Volks- lhmns große Worte zu machen, die dabei sind, ein hier in u n s e r m V a t e r l a n d e lebendes V o l k s t h n in mit Füßen zu treten. Sie haben so schöne Worte gefunden für unsere deutschen Brüder in Amerika, die von den Nativisten arg bedrängt werden, dieselben Herren Hekalistc», die gegen die Polen bei uns mit solcher Härte vorgehen. Und sie erheben diese Klagen um die Deutschen in Oesterreich in dem Augenblick, wo heute noch deutsche 3! e i ch s b ü r g e r des Rechtes beraubt sind, in Deutschland zu leben und zu sterben. Wir erinnern uns nur zn gut/ was uns vor IS Jahren von Ihnen zu theil ge- worden ist: Sie haben unsere Bischöfe, unsere Geistlichen, Männer, die ihr Vaterland so liebten wie nur irgend einer von Ihnen, über die Grenze gejagt, uns alle als Vaterlandsverräther. als llieichs- feinde mit allen Mitteln bedrängt! Verschonen Sie uns mit Ihren Sympathien!(Lebhafter Beifall im Zentrum.) Abg. Graf v. Liinburg-Stirnm(f.) wendet sich gegen die Aus- sührungen des Abgeordneten Bebel bezüglich der Haltung der 3ke- gierung bei dem Wasserschaden in Schlesien; Herr Bebel verkennt, was alles in punklo Wasserbauten von seilen der 3iegicrnng erwogen ist. Man ist aber zu dem Resultat ge- kommen, daß da einfach nicht viel zn mache» ist. Was Herrn Dr. Lieber betrifft, so bin auch ich der Ansicht, daß die Verhältnisse in Oesterreich-Ungarn von hier aus nicht zu beurtheilen sind und nicht bcnrthcilt werden können. Die Sympathien für unsere Volksgenossen in Oesterreich habe ich auch. Aber ich meine, sie leiden nnter den Sünden der vergangenen Politiker, die die übelste» Blüthen des Gründerthnins begünstigt habe». Slaalssekrctär Graf Posadowsky: Was Herr Abg. Lieber über die Versumpfung der sozialpolitischen Gesetzgebung und meine Haltung zn derselben gesagt hat, das kann ich nur als absichtliche Verdrehung bezeichnen. Ich habe ausdrücklich gesagt, daß die sozialpolitische Bewegung lünslig nicht eingeschränkt werden wird, daß es aber zunächst darauf ankommt. die bestehenden Gesetze auszubauen und zu vertiefen, da weit- Kreise der Bevölkerung durchaus zu dem Ver- langen berechtigt sind. ebenfalls unter den Schutz dieser Gesetze zu gelangen. Ich erinnerte an die große Zahl der handwerksmäßigen F e u e r a r b e i t e r. Ich sagte nur, daß es außerordentlich bedenklich ist. s ä m m t l i ch e Erwerbszweige polizeilich zu reglementiren, daß es ebenso bedenklich ist, Verordnungen zu erlassen, die in ihrer Ausführung gar nicht kontrollirt werden können. Zudem kann diese beständige staatliche Bevormundung den sozialen Frieden aufs schwerste gefährden. Ich bin der Meinung, daß zwischen Unternehmern und Arbeitern nicht ein rein rechtlicher Bertrag bestehen soll, sondern ein Pietäts-Verhältniß. Doch wiederhole ich: es ist gar nicht daran zu denken., daß die 3iegieruiig, der ein aus allgemeinen Wahlen hervorgegangener 3ieichstag zur Seite st e h t, einen absichtlichen Stillstand der sozialen Gesetzgebung eintreten lassen könnte! Es sind meinerseits Erhebungen veranlaßt über die gewerbliche Verwendung von Schulkindern, ferner über die Arbeiterverhältnisse der Bauarbeiter, ebenso über die Lage der Handels- a u g e st e I l t e n, Erwägungen über geeignete Schutzvor- s ch r i f t e n für die'Arbeiter in T h o m a s s ch l a ck e n- Mühlen, ebenso zur Bekämpfung der Milzbrand- gefahr in den 3ioßhaar. Spinnereien, Pinsel- und B ii r st e n f a b r i k e n, der V e r g i f t n n g s g e f a h r bei der Blei- und Z i n k f a b r i k a t i o n. Ferner steht es außer Zweifel, daß die gegenwärtige Jnvaliditäts-Ver- sicher u n g unbedingt wird abgeändert werden m ü s s e u; es wird dem folgenden 3keichstage eine Novelle zum Jnvaliditäts-Gesetze zugehen, und wenn wir für sie keine Majorität bekominen sollten, so werden wir in Preußen gezwungen werden, ans a d m i n i st r a t i v e in Wege vorzugehen. Vor allem aber handelt es sich um die Herstellung eines friedlichen Verhältnisses zwischen Arbeit- g e b e r und Arbeitnehmer. Es i st durchaus nicht ein Zustand w ü n s ch e n s w e r t h, in dem der Arbeiter des abends mit der Polizei zu Bette geht und morgens mit ihr aufsteht. Abg. Rickert(frs. Vg.) verzichtet aufs Wort, um die Debatte abzukürzen. Allseitig besteht der Wunsch, morgen nach Hause zu fahren. Abg. y. CcgiclSki(Pole) polemifirt gegen die Abgg. Zimmer- mann und Hasse. Ich mache die Ansicht des Herrn Hasse zu meiner eigenen: Mir ist der kleinste, ehrliche polnische Bauer lieber, als der gebildetste deutsche Kulturkämpfer, der gar nicht Gras zu sein braucht, Herr Professor Hasse. Die angebliche hochverrätherische Aenßerung des Herrn v. Koscielski ist im preußischen Abgeordnetenhause wieder- holt klargestellt worden. Es ist unerhört, das der hochverdiente edelgesinnte Staatsmann B a d e n i, der allen Völkern Oesterreichs nur gleiche Rechte verschaffen wollte, einer Minderheit weichen mußte. Redner sagt dem Abg. Lieber für seine Worte Dank. Abg. Professor Pnasche(natl.): Meine Hiebe müssen doch ge- sessen haben, sonst würde Bebel nicht erwidert haben.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Der Abg. Bebel hat mir reinen Uusinn in den Mund gelegt.(Widerspruch bei den Sozialdemokraten.) Freilich, dieser Papst der Sozialdemokratie(Heiterkeit bei den Sozial- demokraten), der nicht blos ausgerüstet ist mit dem Wisse» dieses, sondern aller früheren Jahrhunderte(Große Heiterkeit bei de» Sozialdemokraten), verträgt überhaupt keinen Widerspruch. Er hat mich in der gehässigsten Weise angegriffen und nicht nur mir. so»- dern selbst einem Minister Unkenntniß der Vestrebungen der Sozial- demokratie vorgeworfen.(3inf bei den Sozialdemokraten: Da hatte er sehr recht!) O, meine Herren(zu den Sozialdemokraten), wir kennen Ihre Bestrebungen zu genau, zu genau für Sie. Ein gut Theil Ihrer Anhänger würde von Ihnen ab- fallen, wenn ich den Schleier lüften wollte(Ruf bei den Sozialdemokralen: Thun Sie es doch!)... Dazu fehlt mir heute die Zeit!(Lautes Lachen bei den Sozialdemokraten.) Ich will mich nur verwahren gegen die persönlichen Unterstelllingen Bebel's. Ich habe nur gesagt, daß eine ganze Anzahl Einnahineii des Reichs nicht auf die Schultern der Arbeiter abgewälzt werden können. Ich habe weiter gesagt, daß viele Millionen nicht eigentliche Arbeiter sind, sonder» halb Unteruehmer, halb Arbeiter. Wenn ich meine Dienstmädcbcn beköstige, sg bezahle ich die indirekten Steuern für die Koiifnmartikel dieser Personen. Herr Bebel behauptet schlankweg, die Arbeiter haben durchschnittlich mehr Kinder, als die bleichen. Das stimmt statistisch nicht. Mit solchen Schlagworten kämpft Herr Bebel.(Bebel: Das habe ich gar nicht gesagt.) Beim großen Bebel passirt es immer, daß man ihn iiiiswcrsteht. Als ich sagte, der kleine Bauer hat es oft schlechter als der Judustrie-Arbeiter, schlug der Abg. Vogtherr ein Gelächter an, als hätte ich keine größere Dummheit sagen können. Gestern bat Bebel dasselbe gesagt, da hieß es i» Ihren(nach links) bieiheu Sehr richtig. Die abfällige Kritik Bebel's über meine wissenschaftlicheu Qualitäten wird mich nicht von meiner Ueberzengnng abbringen. Was mir Herr Bebel über die Krisen in den Mund gelegt hat, habe ich nicht gesagt. Ich sagte nur, von den Unternehmern wird die Wirkung der Krisen gemildert, dadurch, daß sie die Arbeiter nicht sofort enllasssn, sondern bei großen Opfern weiter beschäftigen. ES ist— damit will ich schließen— eine maßlose Nebertreibung, daß die Arbeiter fast allein die Lasten des Reichsheeres und der Marine zu tragen haben. Abg. Bebel(Soz.): Herr Paasch« sagte, ich sei gehässig gegen ihn gewesen; gehässig bin ich gar nicht gegen ihn, mein Gefühl gegen ihn ist ein ganz anderes. Er hat dann so gethan, als wenn er gewissermaßen aus Schonung für unsere Personen unsere Schand- thaten nicht der Oeffentlichkeit preisgeben wollte.(Heiterkeit.) Solche 3!ücksicht beanspruchen wir gar nicht und die Parteigenossen des Herrn Paaschs sind mit böswilligen Angriffen gegen uns immer zuerst bei der Hand. Wo irgend ein Schmier- oder Schmutz sink, wie der gestern von mir charakterisirte Fischer, eine Broschüre oder ein Pamphlet gegen uns schreibt. Da wird es in hunderttauseuden Exemplaren in ganz Deutschland, ja über die Grenzen Deutschlands hinaus von Ihren Parteigenossen verbreitet. (Ruf bei den Nationalliberalen: Doch nicht aus unsere Kosten!) Doch ans Ihre Kosten. Denn der Arbeiter wird doch solchen Schund nicht bezahlen.(Heiterkeit links.) Redner wendet sich iiiinmehr gegen die Ausführungen des Abg. Paasch« über die Stellung der kleinen Unternehmer. Ich habe gestern ausgeführt, wie dürftig das Einkommen sebr vieler kleiner Hand- werker und ebenso der kleinen Bauern ist. Herr Abg. Paasch« gicbt sogar selbst zn, daß die große Mehrzahl der selbständigen kleinen Landwirthe ohne Nebenarbeit in der Industrie gar nicht leben könnte, und daß diese einen großen Theil ihrer Arbeitszeit darauf verwenden müssen. Diese dürften doch mehr als Arbeiter z» gellen haben. Die Darstellung, die Herr Paaschs nicht nur von den kleinen Bauern, sondern von der gesammten Klasse der Unternehmer in seiner ersten Rede machte, mußte auf unserer Seite Heiterkeit erregen. Wenn ich, wie er sagt, übertrieben hätte, darin, daß ich die Arbeiter als Hanptlräger der Wirthschaft darstellte, dann ist er jedenfalls in den entgegengesetzten Fehler in weit höherem Grade verfallen. Auch wenn er heute sagt, daß in der Kobleniiidustrie die Unternehmer nur 1 pCt. Ertrag hätten, so ist doch zn bemerken, daß die Unlernehmer es bei einein derartigen Ertrage garnicht ans die Dauer aushalten könnten, dann müßte der Bankrott eintreten.— Wenn Proseffor Paaschs glaubt, mir mit der Anführung der Schriften Schmoller's impouiren zu können, so irrt er sehr. Auch dieser hat ja ein gewisses Interesse daran— mag auch seine Ueberzeilgling damit übereiiistimmen— die Lage so günstig wie möglich zn schildern. Und auf der andern Seite haben die Ergebnisse der Statistik, die von Professor Bücher veranstaltet worden ist, unsere'Anschauungen vollkommen gerechtserligt.— Was Professor Paasche heule gesagt hat. habe ich im wesentlichen gestern wider- legt; ich brauche es also nicht zu wiederholen. Heute hat er auch behauptet, daß die Aktiengesellschaften auch in Perioden rückgängiger Konjunktur die Produktion vergrößerten und die Arbeiterzahl ver« mehrten. Das mag in Ausnahmefällen einmal vorgekommen sein; aber die Ausnahme bestätigt doch nicht etwa die Regel. Es müssen in diesem Ausnahmefall auch Ausuahmeverhältuisse'vorhanden sein. Die Aktionäre wurden sich schön gegen eine solche regelmäßige Praxis wehren. Abg. Förster(wilder Antisemit): Ich muß als ehrlicher Mensch bezeugen, daß unser Nnftreten von der großen Mehrheit des Hauses vernrlheilt wird. Wir hatten das auch garnicht anders erwartet. Es stehen sich hier eben zwei Mächte einander gegenüber, die Ver- treter des Bestehenden und die des Werdenden, Zukünftigen. Ich bestreite, daß.die Angelegenheiten des deutschen Volkes auch über die Grenzen des Deutschen Reiches hinaus nur innere Angelegenheiten derjenigen Staaten sind, in denen die abgesprengten Theile unseres Volkes sich befinden. Müßten der Staatssekretär und der Unterstaatssekretär des Aus- wärtigen Amtes nicht ihrer Stellung wegen so sprechen, wie sie ge- sprochen haben, so würden sie als deutsche Männer nur so sprechen können, wie ich es gethan habe. Die Debatte wird geschlossen(Bravo!) und die Mehrzahl der Einzeletats in üblicher Weise an die Budgetkommission verwiesen. Es folgt die erste Lesung der Militär-Strasprozeß- O r d n u n g. Reichskanzler Fürst z» Hohenlohe: Im Mai v.J. habe ich an dieser Stelle die Vorlegung eines Entwurfs einer Militär-Straf- prozeß-Ordnung angekündigt. Ich sagte, daß der Entwurf vor- behalllich der durch die militärischen Einrichtungen bedingten Be- sonderheilen auf der Grundlage der modernen 3iechtsanschauimgen aufgebaut sein sollte. Er führt im Gegensatz zu dem bisherigen Untersuchnngsprozeß ei» mündliches, uiimittelbarcs Verfahren ein; er trennt die Aufgaben des 3tichters von denen des Anklägers und des Vertheidigers; er giebt dem Richter das 3!echt der freien Beweiswürdigung; er gewährt das Rechts- mittel der Berufung und der Revision; die Gerichte entscheide» selbsiständig über Thatfrage und Revision; die Ständigkeit der Gerichte ist gewährleistet; die Vertheidigung ist im hohen Maße zugelassen; die Hauptverhandlung ist grundsätzlich öffentlich. Wie im bürgerlichen Gerichtsverfahren kann die Oeffentlichkeit nur ans- geschlossen werden ausGründen des öffönllichenWohls. Hierzu trittnoch ein anderer Grund, das Interesse des militärischen Dienstes, Ais- besondere der militärischen Disziplin. Ein oberstes Militärgericht sichert die übereinstimmende Auslegung und Anordiiiing des Gesetzes. Alles das berechtigt uns, zu sagen, daß der Entwurf den Grundsätzen moderner Rechlsanschaumig entspricht. Eine weitere Anlehnung an das bürgerliche 3icchtsverfahren verbietet sich mit Rücksicht auf die Einrichtungen der Armee und die Aufrechterhaltnug der Disziplin. Die Disziplin ist der Grundpfeiler, aus dem die Tüchtigkeit eines Heeres beruht. Eine Militär-Strafprozeß-Ordnung muß die Disziplin stützen und darf keine Bestimmung enthalten, die sie zu gefährden geeignet ist. Die verbündeten Regiernngen glauben die richtige Lösung in dem Entwürfe gefunden zu haben. Möge die Schaffung eines einheitlichen Militär-Gerichtsverfahrens ein Gewinn für die deutsche Nation sein. Ich bitte das hohe HauS, die Vorlage mit Wohlwollen zn prüfen. Mögen Sie sich dabei gegenwärtig halten, daß die Vorlage nicht zn stände kommen konnte. ohne daß die Kontingentsherren auf bedeutende Rechte ver» zichteten. Ich setze voraus, daß Sie dem Zustande- kommen des Gesetzes kein Hinderniß durch Wünsche in den Weg legen werden, die nicht erfüllt werden können. Kriegsminister von Goßlcr: Es sind über den Gang der Ver» Handlungen über die Militär-Strafprozeß-Ordniing sehr viele falsche' Nachrichten verbreitet worden. Namentlich eine hohe Stelle außer- halb des Hauses ist ungerechtfertigt in die Preßerörternngen gezagen worden. Ich habe mir überlegt, ob ich diese falschen Nachrichten berichtigen soll, habe aber schließlich davon Abstand genmmnen, weil ich mir sagte, die einzige Stelle der ich 3icchenfch«st zu geben habe, ist der 3ieichslag. Das will ich heute thnn� und Sie werden mir gestatten, daß ich Ihnen den Ber-i lauf der Berathungcn in chronologischer Folge mittheile. Die Frage einer Militär> Strafprozeß- Reform' ist seit 1877 im Flusse, 20 Jahre hat sie bedurft, um auf den heutigen Stand zu gelangen. Es haben verschiedene Jmmrdiat- Kommissionen gelagt, ein Slbschluß wurde aber nicht erreicht, weil! an maßgebender Stelle nicht mit unrecht die Meinung vertreten wurde, es sei besser, die alte preußische Militär-Strafgerichts-Ord> nung zu reformireu, als eine völlig neue Grundlage zn schnffen.� Auch von anderer Seite wurden Bedenken geäußert. Fürst Bismarck! befürchtete, daß sich politische Schwierigkeiten ergeben würden. Ich! will hier die Vergangenheit verlassen und zu der Zeit übergehen/ in der ich in meine heutige Stellung berufen wurde. Als Seine Majestät die Gnade hatte, mir diese Stellung anzuvertrauen, erhielt ich den Befehl, auf diese Zl N g e l e g e II h e i t III e i II. Hauptaugenmerk zu richten. Ich fand ein großes Arbeitsfeld vor. Der Etat mußte noch erledigt werden, damit war die Neu-Organisation der Infanterie verbunden, es mußte das neue! Servisgesctz bearbeitet werden, die Feldartillerie-Reform in die Wege geleitet werden. Zn alledem trat das Schwergewicht der Militär- Strafprozcß-Ordiimig. Das war keine leichte Arbeit, Es lagen damalsi drei Entwürfe vor, ich wählte den meines Herrn Amtsvorgängcrs� Es fehlten aber noch das Einführnngs» Gesetz und das! Disziplinargesetz. Ich erhielt den strikten Befehl, den Gesetzentwurfi bis zum vorigen Herbst fertig zn stellen und dank der treuen Mit- arbeiterschaft der Osfizierc ist es mir gelungen, das Versprechen ein, zulösen. Ende September übergab ich den Entwurf dem Reichs-! kanzler, der den Entwurf sofort an den Bnndcsrath gelangen ließ.,' In den Berathtingeii wurden so zahlreiche Aendernugen, wenn auch nicht prinzipieller Natur, vorgenommen, daß sich die Angelegenheit verzögerte. Dazu kam die politische Schwierigkeit des siieichs- Militärgerichts, die Bismarck vorausgesehen hatte. Bayern machte daraus aufmerksam, daß es aus griind des Versailler Vertrages daö 3iecht eines eigenen obersten Landesgerichtshofs habe. Es ivnrden Verhandlungen eingeleitet, die im bnudesfreundlichsten Ton gehalten! waren. Da die Sache an dieser Frage nicht scheitern sollte, be« schloß man sie schließlich vorläufig zu eliminiren. Die R e s o r m wird vor 1 9 0 0 j a sicher nicht i» kraft treten, bis dahin hoffen wir eine Einigung in der Frage des obersten Gerichts- Hofes geschaffen zn haben. Die Ausschüsse des Bundes- ralhs konnten mit der neugestalteten Vorlage erst An» fang Mai befaßt werden. Es wurde eine zweite und dritte Lesung nothweudig, letztere konnte erst Ende Mai stattsinden und so hätte der Entwurf erst im Juni an den 3Zejchstag gelangen können. Zn dieser Zeit konnten wir das hohe Hans aber nicht mehr mit dieser schwerwiegenden Materie belasten. Ans diesem Grunde wurde die Vorlage des Entwurfs bis jetzt vertagt, ßllle Hindernisse sind ans die Jniiiative deS Kaisers hiniveggeräumt worden. Gegen den Chef des Militärkabinels sind A n g r i s s o gerichtet worden, die jeder Begründung entbehren. Herr 3i!chter hat also nicht recht, wenn er sagt, dieses Gesetz solle! als Vorspann für die Flotlcnvorlage dienen. Daß die Vorlage bei der Armee nngclheille Begeisterung wecken wird, glaube ich nicht. D i e A r m e e ist konservativ, hält gern am alten fest und läßt sich auf etwas völlig neues nicht gern ein. Ich bin aber der Ueberzengnng, daß durch die neuen Grnndlagsn die Gut- Wickelung der 3!echlspflcge in der Armee nicht leiden wird. Werden diese Grundlagen des Entwurfs aber verschoben, so wird sich d i e Sl r m e e diesen» c n c u Grundlage» gegenüber streng ablehnend v e r- kalten. Die Verantwortung des hohen Hanses ist groß, ein falscher Schritt, der hierbei gethn» wird, ist schwer wieder gut zu machen. Hoffentlich wird das Haus an de» Entwurf mit freundlicher Obfektivität herangehe». Ich bitte Sie, den Entwurf möglichst der Politische» Seite zu entkleide» und bei der Beralhung auf ch i e militärischen Fragen das Hauptgewicht zu leg�in. Der Entwurf wird einer Kommission überwiesen werden. Ich bitte Sie. nicht nur Juristen, sondern auch Männer, die dem uiilitärischc» Leben etwas nahe stehen, hiueiuzusenden.(Heiterkeit.) Wenn Sie die Frage zum Heil der Armee lösen, werden Sie sich ei» dauerndes Denkmal setzen.(Beifall rechts.) 3[bg. Gröber(Z.): Das H a n p t h i n d e r n i ß für die Militär- Strafprozeß- Ordnung beruht in de» 9l n s ch a u u n g e n der M i I i t ä r k r e i s e, die sich sehr unterscheiden von denen der bürgerliche» Kreise. Ich gebe zu: die Bor- läge ist klar und in sich abgeschlossen. Es ist aber die Frage, ob Abweichungen von den bürgerlichen Strafprozeß- Ordnungen, soweit sie nicht militärlcchiiischcr Natur sind,»othwendig sind. Es ist die Gefahr vorhanden, daß die innerliche E n t- .f r e m d u n g der militärischen und bürgerlichen Anschauungen»och vergrößert wird. Der gute Wiste war bei der Festlegung der Prinzipien ja sicher vorhanden, aber die That blieb hinter ihm zurück. So werden noch viele Punkte deP A e n d e r u n g dringend bedürftig sein. Herr S t e n g l c i n, der Verfasser der bayerische» Militär- Strasgerichls-Ordnung, spricht selbst von der E» t t ä u s ch u n g, die ihn bei dem Studium des Militär-Slrasprozeß-Entwurfs ersaßt habe. Und wir wollen doch eine Ordnung für das ganze Deutsche Reich .geben, einschließlich Bayerns, das ohnehin auch jetzt modernen An- \fchaumige» huldigt. Wir können daher der Vorlage nur »unsere Z» st i m m u n g geben, wenn eine Reihe von .Prunkten abgeändert»vird. Gehen»vir zu den einzelnen Punkten über: Vor allem meine sich den U m fang der Militär- Strafgerichtsbar keil. Wir haben freilich nicht gehofft, daß diese nur aus militärische Ver-gehen beschränkt»verde»»vürde, obgleich das das einzig richtige»väre. Aber mindestens können»vir doch verlangen, daß nicht noch über den jetzigen Umfang der jetzigen Militärgerichtsbarkeit hinausgegangen»vird. So sollen »ad) der Vorlage in Zukunft auch alle Vergehe» gegen die Landes- und Polizeigesetze, ferner auch die Vergehen, die' vor dem Eintritt in das Militär begangen sind, und solche, die nach den, ülustritt erst begangen sind,»vie Körperverletzung. Herausforderung oder Beleidigung eines früheren Vorgesetzten»c. vor das Forum der Militärgerichtsbarkeit gebracht»verden, und die Hineinbeziehung der S t e u e r a n g e l e g e» h e i t e n der Offiziere! Wohin soll das sühre»? Sind denn die Zivilgerichte so besonders viel schlimmer als die Militärgerichte? I» Zukunft soll auch das Kartelltragen, nicht nur das Duell selbst, vor das Militärgericht gebracht'»verden. Alle Angelegenheiten des 'Duells sind aber Verletzungen des bürgerlichen Gesetzes und sie sind»ach diesem z»» beurtheile». Noch schlimmer aber ist, daß auch die Behandlung derjenige» strafbaren Handlungen,»velche vor dem Eiirtritt in das Militär verschuldet sind, in die Kompetenz der Militär- gerichte gezogen»verde» sollen. Die Anschauungen in militärischen Kreisen sind ja andere als in den bürgerliche»; soll nun der Schuldige für sein Vergehen vor dem Dieusteintritt nach de» An- schanlmgen, die bei den Militärgerichten darüber herrschen, behandelt »verden? Aber auch nach dem Dienstaustritt sollen diejenigen, die sich gegen ebnen früheren Vorgesetzten vergehen oder aus'Slnlaß des Dienstes sich etwas zu schulden komme» lassen, bcurtheilt iverden »ach den Gesetzen der Militärgerichtsbarkeit, und zivar könnte» A»- gehörige der Reserve oder der Landwehr bis zum 4l. Lebensjahre auch noch vor das Militärgericht gezogen werden. Die Gerichtsbarkeit selbst»vird nnsgeübt von dem .G e r i ch t s h e r r n. der ein Laie ist. Das ist eine Erinnerung aus sehr alten Zeiten. Er hat soivohl staatsanivaliliche Funktionen, als auch soll er Richter und»vomöglich auch noch Vertheidiger sei». Das ist eine gan� gewaltige Ucberlastung. Im bayerischen Gerichts- verfahre»» steht diese Sache viel günstiger. Die Hauptfrage dabei ist rrber die Ziveckmäßigkeitsfrage. Der Gerichtsherr soll dein Jiiristeii Anweisungen geben können,»nie die Untersuchung geführt»verde» soll. Soll sich der sachverständige Jurist von dem Laien belehren lassen? Der Gerichtshcrr hat ferner die Entschei- diing, ob das Ermittelungsverfahren eingeleitet»verde» soll und dann auch, ob Zlnklage erHobe» werden soll. Berufung gicbt es nur an.einen vorgesetzte» Gerichtsherr», also»viedcr an einen Laien. Eine Nebenklage ist in dem Entivnrf nicht vorgesehen. Im b ärger- lichen Verfahren ist doch die Nebenklage des Zliigellagte» zugelaffe». Wir m ü s s e n aiich hier öffentliche Unters» ch u n g durch unabhängige, s a ch v e r st ä n d i g e U n t e r s u ch u» g s- richte-r fordern. Nun die erkennende:'. Gerichte. Für Bayern ist ein oberster Militärgerichtshof nicht vorgesehen. Meine Freunde erkennen das Verharren Bayerns auf seinem R e s e r v a t r e ch t e vollkommen an. Bei de» erkennenden Gerichten überiviegt das L a i e n e l e m e n t; das ist mir, cinein aufrichtigen Freunde des Laienelements in der Recht- sprechung, doch zu viel. Im Kriegsgericht, dem»vichtigste» der erkennenden Gerichte, nur ein Jurist und vier Laien, das geht nicht. Die Beseitigung des bayerischen Schivnr- gerichts im Militär-Strafverfahren hat nieine Billigung, nicht aber die Ausschließung der Unteroffiziere und Soldaten vom Richteramt. Das Vertranci» der Soldaten zur Rechtsprechung»väre größer,»vcnn ihre Kameraden mit unter den Richtern säßen. Bei den Stand- gerichten ist nicht ei» einziger Jurist vorgesehen. Das ist ein schiverer Fehler.; es handelt steh bei den Standgerichten häufig um sehr k o in p'l i z i r t e Rechtsfragen. Zu den Kriegsgerichten müssen niindestens 2 Juristen zugezogen iverden,»vie es inWürtteinbergivar. Die .Neigung der Juristen, sich zu»vidcrsprcchen, trägt viel zur 3lnf- hellnng bei. Bei den Kriegsgerichten kann mit 3 S t i in m e n über schivere Vergehen, die mit Zuchthaus bestrast»verde», ent- schieden»verdkn. Das ist eine ,v e i t e r e Verschlechterung der Lage des Zln geklagten. Die periodische Nach- prüsimg der Urtheile kann den Fehler nicht beseitigen, der durch die Zusammensetzung der Militärgerichte begangen»vird. Die S t ä n d i g k e i t der Gerichte ist von h ö ch st e r B e- deutung. Bei den Standgerichten sollen zivei Offiziere ständig sein, der dritte nicht. Den Grund vermöge» wir nicht einzusehen. Ebenso liegt es beim Kriegsgericht und beim oberste» Kriegsgericht. Selbst dein» Reichs-Militnrgericht dauert die Ständigkeit der Bei- .fitzer»ur zivei Jahre, als ob es nicht alle Generäle genug geben würde, die lebenslänglich ernannt werde» könnte». .Den Fortschritt in der Unabhängigkeit der Ge« r i ch-t e erkennen»vir freudig a». Aber da findet sich eine Bestätignngsordre, die etwas anderes bedeute» soll, als die Bc- stätigung. Man kau» sagen, das ist eine ungefährliche Bestimmung, aber schön macht sie sich nicht. Und die Herren iverden es»ns nichl verübel»,»venu»vir das Gesetz so schön als möglich machen »vollen.(Heiterkeit.) Leider fehlt ein unabhängiger Untersnchungs- richter, nur die erkennenden Gerichte sind unabhängig. Das Slblehnungsrecht der Richter ist den, Sliigeklagten nur für die Haupt- Verhandlung genztkyrt. Stenglein nennt das»nit recht 3l n n u l» l j r u n g des Sl b l e h n u n' g s r e ch t e s. In der Mündlichkeit des Verfahrens sind gegenüber dem »vürttembergischen Verfahren Fortschritte gemacht. Slnders steht es mit der Oeffcntlichkeit. Da ist als SInsschließungs- grund die Gefährdung militärischer Interesse» genaniit. Darunter kann die Militärbehörde eigentlich alles bringen.(Sehr richtig! links.) Ich glaube, daß die natürliche Entwickelung der Dinge die Militärbehörde zu einer , veiteren Zulassung der Oeffentlichkeit bringen»vird. Slnders steht es mit dem Absatz 2, der von der militärischen Disziplin und von dienstlichem Interesse als Ausschließungsgrund der Oeffentlichkeit spricht. Die Bestimmung ist so unklar, daß die Militärbehörde» dieVer- Handlungen nur„ach den Kaserne», zu verlegen brauche»,»in, dann zu erklären, daß die O e.f f e n l l i ch k e i t im dienstlichen Interesse ausgeschlossen»verden muß. Diese Be- st i m m u n g muß also geändert werden.(Sehr richtig! links.) Eine weitere sehr bedenkliche Bestimmung ist die. daß Militär- Personen geringeren Ranges von der Theiluahme als Zuhörer an den Verhandlunge» ausgeschlossen werden sollen, ivenn gegen Militärpersonen höhere» Ranges als sie verhandelt wird. Denken Sie an die zahlreiche» Verhandlunge» gegen Unter- ofsiziere ivegen Soldalennnßhandlung. Da sollen, weil das dienst- liche Ansehen geschädigt iverden könnte, die einfache» Soldaten«ns- geschlossen sein, selbst der Verletzte. Höher als das Dienst- ansehen aber steht die Gerechtigkeit, und die Ge- rechtigkcit erfordert, daß der Verletzte erfährt, wie über den abgenrtheilt wird. der ihn verletzt hat. Wenigstens d e in Verletzen muß das förmliche Recht gegeben iv e r d e», der Verhandlung beizuwohnen. Ein»veiterer überaus wichtiger Punkt bezieht sich aus die B e- iv e i s s ü h r u» g. Das Gericht soll nicht gebunden sein, wie iveit es diese zulassen will.. Das bedeutet eine außerordentliche Gefahr für den Angeklagten, der dadurch in seinen Anträgen zur Beweis- sührung sehr beschränkt iverden kann. Die Frage, wie die V e r t h e i d i g u n g gestaltet werden soll. ist für mich und meine Freunde»veitaus die allerivichtigste. I» Bayern ist der Angeklagte jederzeit in der Lage, vor jeden» Gericht einen Vertheidiger hinzuzuziehen. Der Enlivurs aber läßt diese erst z», nach de in die Anklage erhoben werden soll, also das Erniittelungs- verfahren schon geschlossen ist. Ein bürgerlicher Nechtsauivall darf dann aber auch nur bei bürgerlichen Vergehen zugelassen werden, vorausgesetzt, daß er bei dem Gerichte selbst im allgemeinen zu- gelassen ist. Hat»lau denn in militärischen Kreisen eine so siirchl- bare Angst vor den» bürgerlichen Juristen, daß diese Mißbrauch von der Vcrtheidignug mache» könnten? Man möchte sich wohl am liebsten ans Rechtsanivalte beschränke», die Reserve-Ofsiziere sind? Zum mindeste» muß bei bürgerlichen Vergehen die Beschräiiknug der Vertheidignng sallen. In den» Rechtsmittel geht der Entivnrf sogar über das bürgerliche Recht hinaus, indem die Bernsnng zugelassen ist, leider aber»vieder mit zu großen Einschränkungen. Das sind nicht alle Bedenken, aber schon über genug, die»vir haben. Das Argument, das mau als das erste, als das zweite, als das dritte»nd immer»vieder in den Motiven des Entivurss anführt, ist die D i s z i p I i n, die gewahrt werde» müsse, die überall gefährdet sein soll, und zivar Disziplin im Sinne einer mechanischen Ein- »virkung ailf die Soldaten. Wahre Disziplin aber bafirt vor allem ans der g e i st i g e» Autorität der Vorgesetzten und ans Gehorsam ans Pflichtgefühl ans Seiten der Untergebenen, nicht auf der Furcht vor Strafe. Diese sittlichen Motive, auch noch ganz andere Imponderabilien, begründen sie besser als die mechanische Besirnsuiig des Schuldigen. Ich erinnere Sie au ein Wort auS einer Rede unseres Kaisers:„Wer ein braver Christ ist, ist auch ei» braver Soldat!" Das ist eine andere Anffassnug als die Motive der Vorlage sie zeigen. Eine solche Disziplin zu erzeugen, sind geistige Mittel nothivendig, ist vor allem nothivendig die feste Ueberzcugung des Angeklagten von der absoluten Gerechtigkeit des Verfahrens, die den Untergebenen nicht schutzlos läßt. In dem bürgerlichen Strafprozeß pflegt man Schutzniaßregeln wenigstens gegen irrende Richter, gegen die Unvollkonunenheiten der Rechtsprechung zu treffen. Wenn man hier solche Garauticei» für eine möglichst gerechte Urtheilsfiudung schafft, sollen etwa beim Militär- Strafprozeß höhere Garantien gegeben sein? Sollen die Laie»»ind die»venigcn zugelassenen Juristen etwa eher im stände sei», die Wahrheit zu finden als die bürgerlichen Jnristc»? Nein, es sind hier ebensolche Garantie» nothivendig wie im bürgerlichen Strafverfahren! Wir»vollen ei» Gesetz schaffen, das nicht nur gegenüber der preußischen Mililär-Strafprozeß-Ordnung einen erwünschte» Fortschritt bedeutet, sondern»pir stellen uns die viel idealere, höhere'Ausgabe, das möglichst Beste zu schaffen. Wir »vollen es nichl zulassen, daß die Söhne des Vaterlandes, ivenn sie des Königs Stock tragen, unter de»» Verdacht stehen, schlimmer daran zu sein als»venn sie nicht»n des Königs Rock stecke». Deshalb verlangen wir eine gründliche U m a r b e i t u n g. Wir betonen, daß»vir mit dein größte» Wohlwollen an die Prüfung der Vorlage herantrete». Wir erkenne» an, daß ein guter, recht guter Wille der Vorlage zu grnnde liegt und»vir haben die sichere Hoffniing, daß es gelingen»vird, eine Verständigung zivischeu der Regierung und den Parteien herbeiznführeu. Ich habe im Austrage»»einer Partei die Ueberweisung der Vorlage au eine Kommission zu beantrage». (Lebhafter Beifall im Zentrum.) Abg. v. Puttkanicr-Planth(k.)»vendet sich gegen die Ans- sührunge» des Abg. Gröber, der nicht das rechte Verständniß für die besondere» Aufgaben dieses'Entwurfs hat. Eine bedeutende Verschlechterung dieses Entivurss iverden»vir nicht billigen. W i r h a b e» die Hoffnung, daß die Regierung sich nicht darauf einlassen»vird. der ö f f e n t l i 6) e n Meinung allzu viele Konzessionen zu mache».(Bravo! rechts.) Dazu ist das Objekt zu wichtig. Die öffentliche Meinung ivird von wenigen Parteiführern gemacht, die Volksseele weiß nichts davon.— Uns wäre es j a lieber gewesen, wenn die V o r I n g e überhaupt nicht gemacht wäre �(Lachen links). Wir werden sie aber, nachdem sie eingebracht ist, objektiv prüfen. Es ist ja eine sachverständige tüchtige Arbeit, aber bei meinen Freunden sind noch! große Meinungsverschiedenheiten über diese Sache vorhanden. Wir haben schwere Bedenken gegen die Oeffentlichkeit des Verfahrens,«vir befürchte» von ihr nene Angriffe ans die Disziplin der Armee, in denen ja seit Jahren Methode liegt. Den Ausschlnß der Oeffentlichkeit müssen wir jedenfalls dem Ermesse» der Gerichtsherren überlassen, im Ent- würfe sind darüber Bestiminungen entbehrlich. Die Mündlichkeit des Verfahrens ist ein großer Fortschritt, ebenso begrüßen wir die Treiiiinng der Funktionen des Anklägers und Vertheidiger?. Bedenken haben wir gegen die neue Bestinimnng, daß llnter- ossiziere und Gemeine nicht von ihresgleichen abgenrtheilt werden sollen. Sollte die Linke hier Aeiiddrnngen beantrage», so werden wir znstimme». Ungerechtigkeit hat auch bisher nicht in der Armee existirt, sonst wären die Tugenden i» der Arinee. die Hingebung an de» allerhöchsten Dienst nicht so große. Ich sehe in dem Entwurse nur eine Konzcssion an die sogenannte öffentliche Meinung und die Rede des Kriegsmiiiisters hat mich darin bestärkt. Auch er schciiil mit dem Herzen nicht recht bei dein Entwurs zu sei». Das militärische Element»nd Interesse muß in allen Fällen die Oberhand haben. Wenn das Herr Gröber verkennt, so versteht er eben die eigenartigen militärischen Verhältnisse nicht. Bei der„Zu- lassnng" der Anwälte uinß es bleiben. Ob nur Reserveoffiziere zugelassen werde» sollen, weiß ich nicht. Ich würde nichts dagegen habe», wenn auch sonst einivandsfreie Anwälte zugelassen iverden. Was den obersten Gerichtshof anlangt, so wollen wir keinen Bundes- staat vergeivaltigen. Besteht ei» solcher Staat ans seinem Recht, so soll er seinen obersten Gerichtshof behalten.(Sehr richtig! rechts.) Wen» die Vorlage so gestallet werden sollte, daß das Militär- gerichtliche Verfahre» adäquat dem bürgerlichen Verfahren wird, so sind ivir für die Sache nicht zu haben. Abg. Schröder(freis. Vg.): Wir werden mit voller Objektivität »nd auch mit einem großen Maße von Resignatio» an die Vorlage herangehen. Wir nehmen eine vermittelnde Slellnng ein. lln- erfreulich war mir die Rede des Vorredners. Sie bestand in glatter Negation. Meine Freunde haben einige Bedenken gegen die Vorlage, doch will ich bei diesem Stadium der Verhandlungen nicht in die Details eingehen. Gröber's Kritik aber geht zu weit. Zwischen Disziplin und Rechtspflege besteht eben- sowenig ein Gegensatz, wie zwischen Volk und Heer. Dagegen bin ich mit den Einweudungen des Abg. Gröber über die Zusammeii- setzung der Gerichte einverstanden. Das juristische Element ist i» der That zu wenig berücksichtigt. Auch die Behandlung der Ver- theidigung ist offenbar von Mißtrauen gegen die Juristen erfüllt. Bayerischer Bevollmächtigter zum Bundesrath Graf li. Lerchen- feld: Mas die Verhandlungen mit Bayern betrifft, so hat Bauern den Anspruch, in den Entivurf eine Revisionsinstanz«inzuführen, im Bundesrath aufrecht erhalten. Er ist im Bundesrath nicht ge- striche», aber auch nicht anerkannt! man hat vielmehr die Aushilfe gesunde», daß die Frage vertagt und die Regelung derselben sür� Bayern besonders vorbehalten ist. Der Entwurf berührt in einer Reihe von Punkten das bayerische Reservalrecht. Es ist darin festgesetzt, daß der Gesetzentwurf für Bayern nur»ach" Maßgabe der allgemeinen Bestinunungen über das Reservatrechl Anwendung findet. Herr v. Puttkamer wie Herr Gröber haben sich zu meiner Freude für das Reservat aus- gesprochen. Ich glaube, daß diese ganze Erörterung gründlicher und Keffer in der Konunisfion behandelt wird, und will mich daher ans wenige Benierkuiigeii beschränken. Dem König von Bayern wird in dem Entwnrs die volle Militärhoheit garantirt. Wir folgern daraus, daß in Bayern kein anderes Gericht als das des bayerischeil Königs Recht sprechen kann. Es ist von unserer Seite durchaus nicht übersehen worden, daß Bayer» seine Militärgesetz- � gebung nur behäli bis zu einer reichsgesetzlichen Negelung. Das Reich ist durchaus berechtigt sestziistellen, wie der oberste Gerichtshof für Bayern gestaltet werden soll, auch für die unteren Organe die Rechtsnorme» festzusetzen! aber es kann die Gerichtsbarkeit nicht selbst ausüben. Diese kann nur im Name» des Königs vo» Bayern geübt werden. Reichskanzler Fürst Hohenlohe: Im Buudesrath ist zu der Frage des bayerischen Reservalrechtes noch nicht Stellung genommen. Die preußische Regierung hegt den lebhaften Wunsch, die obwaltenden Meinungsverschiedenheiten in freundlicher Weise ans« zngleicheii, und in diesem Wunsche stimmt sie mit den übrigen ver- bündeten Regierungen überein. Unter diesen Uinständen kau» ich mich jetzt i» eine Erörterung der Gründe für und gegen das bayrische Reservalrecht nicht«inlasse». da eine solche die Regelung der Sache nicht fördern könnte. Auch der Reichstag würde gut thun. in eine Diskussion dieser schwierigen Frage noch nicht ein zu- trete», sondern die Frage als eine offene zu behandeln. Abg. Frhr. p. Hertling(Z.): Ich verhalte mich der Vorlage gegenüber nicht vorwiegend ablehnend, aber ich brauche mich nicht ans die öffentliche Meinung berufen, fondern auf das, was in der bayerischen Arinee seit langen Jahren besteht. Mit vollem Recht hat der Kriegsministcr betont, daß die Kriegstüchtigkeit der Armee nicht iii Frage gestellt werden darf. Aber ist denn die bayerische Armee nicht kriegstüchtig? Noch in diesem Sommer hat sie ihre Kriegstüchtigkeit bewiesen. Sie steht keiner anderen nach»nd ich glaube nicht, daß eine Anlehnung des Entwurfs an das bayerische Verfahren die Armee schlechter machen wird. Es wird freilich nicht möglich sein, einfach das bayerische Verfahren für das Reich einzusührcn. Aber es ivird sehr genau z» prüfen sein, welche Normen des bayerischen Verfahrens in den Entwurf zu übernehmen sein werden. Wir halten i» dci» Entwnrs die Heranziehung des richterlichen Elements und die Stellung der Vertheidignng für unzulänglich. Die Frage des bayerischen obersten Gerichtshofs ist für de» Bnndcsrath noch eine offene. Für uns Bayern steht das Reservat- recht fest. Wir halte» es nicht für gut, wen» der Entwurf verabschiedet werde» sollte, ohne daß die Frag? geregelt wäre. De» Verniitlelungsvorschlag, das oberste Gericht nach Leipzig z» verlegen, weisen ivir ab. Bayern hat sich schon bei der Errichtung des Reichs- gerichtes gegen sede Schmnlernng des Militär- Rejervatrechts ge- wehrt. Siäatsrcchtslehrer haben sich schon lange, ehe hier die Frage zur Diskussion kam, für das Reservat- recht Bayerns erklärt. Ich stehe aus dem Etandpunkl des Grasen Lerchenseld und die Gutachten von gegnerischer Seite haben mich nur in diesem Standpunkt bestärkt. Diese Gut- achte» stelle» auch alle de» Zweckmäßigkeitsgrnnd in den Vorder- grund. Anch das stleichsgericht hat nicht die ivisseuschasilich« Be» deutung erlangt, die es hätte erlangen müssen. Auch das Steichsgericbl hat nicht imnier einheitlich geurlheilt. Die juristische Wissenschast kann bei zwei obersten Gerichtshöfen nur gewinnen. Man sollie also diefe prinzipielle Frage nicht nach Zweckmäßigkeilsgründeu ent- scheiden. Nächste Sitzung: Freitag 12 Nhr. Tagesordnung: Fortsetzung der Berathinig der Mililär-Slraf- prozeßordnnug. Vorher kleine Vvrlagcu und!1!echui»>gssache». Schluß Nhr._ Mommunttles» Stadtverorducte»- Vnsaninilnng. O e f s e u t l i ch e Sitzung vom Donnerstag, 16. D e z e m b e r» n a ch m i I t a g s 6 ll h r. Stadtschulralh Bertram hat die Wiederwahl zu diesem Posten auf weitere 12 Jahre a« g e» o m»> e u. Zu dem generellen Entivurf zum Neubau des IV. städtischen Krankenhauses a» der S e« st r a ß e liegt solgender Antrag Spinola- Kalisch- Meyer vor, der iusgesainint 41 Unter- schrisle» trägt: Das spezielle Banprogramm»nd de» Vorentwurs zu ge- „ehniigen, dabei aber die Erwartung auszusprechen, daß es bei der Ansarbeiliing des spezielle» Eutivurfs und der speziellen Kostenanschläge gelinge» wird. eine wesentliche Herabinindernng der vorläufig aus 13 166 666 M. berechneten Gesammt-Bansiinime, wonach jedes der 1656 Krankenbetten durchschnittlich den ungewöhnlich hohe» Betrag von fast 8666(genau 7939) M. kosten würde, zu erzielen. Stadl». Dr. Zadek freut sich, daß die Vorlage endlich da ist.»nd hofft, daß die Ausführung des Baues nicht so viel Jahre wie der Entiviirs i» Anspruch nehmen wird. Als Fortschrittie von großer Bedeutsamkeit bei diesem Bau be- zeichnet Stcdner die beabsichtigte Errichtung einer größeren Station für geschlechtskranke Männer und Frauen, die Errichtung einer Enlbindungsanstalt in Verbindung mit einem Wöchiierinnrnasyl, wosür das Bedürsniß besonders groß sei, die Schaffung einer eigenen städtischen Pflegeriniienschule und die Einführung von Spezialisten für die Krankenbehandlniig. Damit sei ein Anfang zu einer wesentlichen Reform der städtischen Krankenpflege gemacht. Mail hätte es aber dabei nicht bewenden lasse» sollen. Nach wie vor sollen 4— 566 Kranke einem einzigen dirigireuden Arzte unterstellt werden, wenigstens ans der inneren Ablheilnng. das sei ganz nngehenerlich. ES wäre doch nicht so schwierig ge- ivesen. besondere Abtheiliingen für Nervenkranke u. s. w. einznrichle», sodaß man z» kleineren Abtheiliiiige» vo» höchstens 266 gclomincn wäre. Die Frage der Trennung der ärztliche» Thätigkcit der dirigireuden Acrzle von der Berivallnng sei immer noch nicht be« sricdigend gelöst. Man sollte doch endlich eine» ärztlichen Ver- waltnugsdirellor nnstcllcii, der mit der Krankenbehandlniig Über- hanpt nichts zu thun hätte, oder eiuen ärztliche» und eiiicu uichiärziliche« iiebcueiuauder, wie es i» der Charitce der Fall- sei. Für jede Baracke zu einige» dreißig Bellen seien zivei Märleriniien niid eine Oberwärlerin vorgesehen. das sei außerordeuilich wenig, zuiiial die Dienstzeit, soivohl der Tages- wie der Nachischicht 14 Stunden betrage» solle. I» London rechne man aus drei bis vier Kranke eine Wärlcri».(Vorsteher L a» g c r h a n s ivcist den Redner darnns hin, daß es sich hier blos Ilm de» Ba» handelt.) Der Antrag Spinola dürfe nicht dahin führe», daß auf Koste» der Kranke» geknappst ivird. Herr Spinola gehe von den Verhältnissen der Charitee ans, die bekanntlich besonders schlechte seien.(Heiterkeit.) Hoffentlich werde sich auch der Stadt- Bauralh von dem öde» Stascriienslil der Charitce bei der Aus- führuiig des Baues scr» halten. Stndlralh S t r a ß m n u»: Neber die Verivaltungsorganisalion ist noch keine cndgiliige Entscheidung erfolgt. Der bchanplete Mangel an Wärterpersonal ist nicht vorhanden; gerade für die Nachischicht ist besonders reichlich vorgesorgt; die Besorgnisse des Vorredners sind also nicht gerechtfertigt. Siadiv. S p i n o l a weist daraus hi», daß der generelle Plan zn diesem Krankenhaiisc schon 1893 von der Vcrsammlnng anfgesteltt ist. Es sei keine Rede davon, daß einem einzigen dirigireuden Arzt 566 Kranke»iiterstcllt werden solle». Auch die Befürchtung, daß im Kasernenstil gebaut werde» solle, sei grundlos. Weiiu auch in, Kostenanschlag«: die Summe von Millionen für daI JnfeNions- krankheilen-Jnstitut inilenlhalten sei, so seien doch die veranschlagten Kosten enorm. Für das Krankenhans am Urban habe das Bett nur 6000 M. gekostet. Die Vorlage wird angenommen, desgleichen die Resolution Spinola. Sodann erstattet Stadtv. Schwalbe den Bericht über die Slil-schuvberathnng der Anträge B o r g IN a n n u. Genossen betreffend 1. die Anstellung von Schulärzten zur Untersuchung und Ueber� wachung des Gesundheitszustandes der städtischen Schüler und die Ausbildung der Lehrer in der Hygiene; 2. den Erlaß einer Polizei- Verordnung, durch welche gewerbliche Beschäftigungen von Schulkindern vor Beginn der Schulzeit, insbesondere das Austrage» von Milch, Backwaare und Zeitungen verboten ivird; 3. die Herbeiführung des obligatorischen Besuchs der Fort- b i l d u» g s s ch u l e seitens der männliche n Arbeiter unter 13 Jahren. Der erste Antrag ist nach den Ausschnßverhaudlungen dahin zusammengeschrumpft, daß die Versammlung de» Magistrat ersuchen soll, in Erwägung zu ziehe», in wieweit eine Zu- ziehung von A e r z t e n in weiterem Umfange als bisher zur Erledigung der Aufgaben der Schulverwaltnng g e- boten und zweckmäßig erscheint, und über das Ergebniß der Berathmigeu der Versammlung Mittheilung zu machen; ferner ferner dafür Sorge zu tragen, daß in Verbindung mit de» schon bestehenden Kurse» für Fortbildung der Lehrer auch eine Liethe von Vorlesungen zur Ausbildung von Lehrern und Lehrerinnen in der Hygiene gehalten werden. Der zweite Antrag hat im Ausschuß ebenfalls keine besondere Gnade gefunden. Alles, wozu man sich dort aufschwingen konnte, war die Annahme einer Resolution, wonach der Magistrat ersucht werden soll, mit dem Polizeipräsidium durch kommissarische Ver- bandlungen festzustellen, wodurch die übermäßige gewerbliche Beschäftigung schulpflichtiger Kinder, namentlich vor Beginn des Unterrichts und im Hausirhandel ans der Straße, zu beseitigen ist. Ten dritten Antrag hat der Ausschuß kurzerhand mit alle» gegeir die zwei Stimmen der Antragsteller abgelehnt. Ohne Debatte tritt die Versammlung den Ausschußanträgen bei. Ter zur Vorberathung der Vorlage betreffend die Kranke»- und Unfallversicherung der in Kommunalbetriebe» und im Kommunaldienste beschäftigten Personen, eingesetzte Ausschuß hat einstimmig beschloffen, der Versammlung zu empfehlen, dem s. Z. von der Gewerbedeputation dem Magistrat unterbreitete» Antrag ans Erlaß eines Ortsstatuts zuzustimmen,. wonach die Vorschriften des ß 1 des Krankenversicherungs-Gesetzes auf alle von der Stadt beschäftigten Personen erstreckt werden, die der Kranken- Versicherung noch nicht theilhaftig geworden sind. Das � Ortsstatnt soll am I. April 1398 j» kraft treten. Den nicht dem Unfall- versicheruugsgesetz unterliegenden Personen soll nach Machgabe der Vorschriften dieses Gesetzes eine Unterstützung gemährt werden, deren Höhe der Magistrat auf Vorschlag der Verwaltungsabtheilung fest- setzt, in deren Bereich der Unfall eingetreten ist. Stadtv. Preuß bemerkt im Anschluß an eine Aeußerung des Referenten Goldschmidt, daß auch dieses Ortsstatut wieder die Roth- wendigkeit einer endlichen Regelung der Bureau- Hilfsarbeitersrage nahe legt. Stadtv. S t a d t h a g e n: Die Frage der Bureau- Hilfsarbeiter hat mit dieser Vorlage gar nichts zu thnn, und die Eingabe der Hilfsarbeiter an uns aus diesen» Zlnlaß geht von ganz unrichtige» Boraussetznngen ans. Beamte fallen nicht unter die Krauken- Versicherung. Nicht jeder Hilfsarbeiter ist Beamter; dazu gehört eine Reihe anderer Voraussetzungen. Aber für die»venige» unter ihnen, welche nicht Beamte sind, soll eben auf diesem Wege gesorgt werden. Wie nothiveudig das ist, dafür veriveise ich immer»vieder ans den Fall jener Wärterin,»velche von Krauken fchiver verletzt wurde, aber noch bis hcilte ans städtische Almosen angeiviesen ist. Ter Autrag bezüglich des Orlsstaluls ivird ohne Dtsknssion angenommen. An dem Ausschußanlrag bezüglich der Unfallversicherung bemängelt Stadtv. E s in a n n, daß man hier eine„gesetzliche" Ver- Pflichtimg schaffe, die er nicht anzuerkennen geneigt ist. Sladlv. Singer: Wenn der Vorredner mit dein materiellen Inhalt einverstanden ist, muß er es auch mit der Forin fei», der Ausschuß will nämlich als Liege! hinstellen, was bisher der Magistrat im einzelnen Falle bereits gethan hat. Auch ist der vorgeschlagene Weg nicht neu, sondern vom Magistrat schon bei der Regelung der Verhältnisse der Fachlehrerinnen betrete» worden. Der Ailsschußantrag wird unverändert angenoniinen. De» Antrag des Magistrats auf Uebcrlassung von alten P f l a st e r st e i n e n an die Adjazenten der S i m e o n st r a ß e, einer Privalstraße, zilin halben Taxpreise lehnt die Versaniinlnug entsprechend einem Ansschußantrage ab und ersucht den Magistrat ,»n eine Vorlage wegen Uebernahnie dieser Straße in städtische Ver- waltung unter der Voraussetzung, daß die Anwohner mindestens einen Betraa von 63 S00 M. zahlen. Schluß»ach'/z8 Uhr. » Die März-Gefaklcne» und die Stadtverordiieten-Versainin- lniig. Die neue Fraktion der Linken der Sladtverordneleii-Ver- saiiimlung hat beschlossen, folgenden Llntrag in der Versaunnlnng einznbriiigen: Die Stadloerordneten-Versanunlung wolle beschließen: „auf dem städtischen Friedhofe der März-Gefallenen in, Friedrichshain einen würdigen Denkstein zu errichte» mit der Jnschrisl:„Dem An- denken der an» 13. März 1343 Gefallene», die Stadt Berlin." Erfolge der sozialdemokratische»» Fraktion in» Nöthen Hanse. Den forldauernden Bemühungen unserer Genossen im Ltothen Hanse ist es i» der gestrigen Stadtverordneteu-Versaunnlnng endlich gelungen, wie aus»»isere», Bericht des nähere» ersichtlich ist, einige weitere Erfolge auf de»» Gebiete des Schnlivesens und auf dem Gebiet sozialpolitischer Fürsorge in unversicherlen Fälle» von Krankheit und Unfall zu erringen. Rcnc Gcmciudcschillcn. Der Ausschuß der Stadtverordnete»- Versaiuinlnug zur Vorberalhnng der Magistratsvorlage, betreffend die Entivürse znni Neubau je einer Gemeinde- Doppclfchnle in der Wckuisstrnße. in der Glognnerslraße, i» der Oderbergerftraße und in der Dunckerstraße hat unter Vorsitz des Sladtv Reichnoiv und in Aiiweseuheit drs Stadtbauraths H o f f»> a n n soivie des Stadt- ralhs S ch a e f e r beschlossen, der Versaunnlung zu empfehlen, den vorgclcglen Entwürfen mit der Maßgabe zlizustimine»: 1. daß bei der Schule i» der Wilinsfiraße n»d der Gloganeistraße die W a r in iv a s s e r- H c i z u n g für Koaks- seuernng eingerichtet werde und a» stelle der für die Amts- und Kousereuzziinincr noch besonders vorgeseheneu Kachelöfen, Gas- ösen aufgestellt»verde», 2. daß in dein Schulgrirndstiick � sii der Glogauerstraße die Einrichtung einer Lesehalle vorgesehen, 3. daß in den Schulen in der Oderbergerslr. 57/59 und in der Dunckerstraße Gasheizung eingeführt»verde. Zugleich soll die Ver- saiinillung den Magistrat ersuchen, er möge in Erwägung ziehe», ob es nicht möglich sei, schon bei der einen oder bei andere» dieser vier Schule» Einrichtungen zu treffen für Kindergärten. Ferner soll der Magistrat ersucht»verde», die Baudepntation zu beaustragen, bei den» Bau später nolhivendig werdender Schulhänser Rücksicht darauf zu nehinen, daß darin ein Volkslindergarten und zivei Kinderhorte, womöglich auch eine Hauehaltuugsschule Platz finden können. Endlich soll die Verfamnilnug den Magistrat er- fachen, Maßnnhiuen zur Beseitigung der bisherigen Uebelstäude auf oen Schulhöfen bei Einsuhr von Kohlen und Abfuhr von Müll zu treffe». Es ist noch zu bemerken, daß die Fayadcn speziell an den Schule» in der Wiluis-»lud Glogauerstraße»icht wie bisher üblich in Rolhziegelbau, sondern i» Zementpntz hergestellt werde»». Uoksles. Achtung, zweiter Wahlkreis. In der an» Sonntag, abends K>/2 Uhr, bei Znbeil, Lindeustr. 106, stailsindendeil öffentliche» Ver- sannulung wird Genosse Redakteur P ö tz s ch einei, Vortrag hallen über:„Wer bezahlt Heer und Flotte?" Nachher folgt gemnthliches Beisaniiiiensein. Di« Vertraue»sperfo». Tie Freie Volksbühne bringt an» Sonntag, de» 19. Dezeinber, für die II. Abtheilung um 3 Uhr Max Halbe's„Jugend", ein Liebes- drarna in 3 Aufzügen, zur Aufführung. Die Vorstellling beginnt um 3 Uhr. Die Verloofung der Plätze um 2 Uhr. Pünktliches Er- scheinen zu den Vorstellimgen ist dringend erbeten. Naichzügler anderer Abtheilunge» können nur einen Stehplatz erhalten, soweit Raum vorhanden»st. Die Vorstellung für die III. Abtheilnng ist am 25. Dezbr., die für die IV. Abtheilung an» 1. Jan., nachmittags. D i e 8. Serie der Vorstellungen beginnt a»> 2. Januar im Lessing-Theater mit Phillip Langniaini's Drama:„Bartcl Turascr" unter Regie Carl Waldow's und in folgender Besetzung der Hauptrollen: Bartel Tnraser: Adolph Klein; Albine Tnraser: M e t a Illing; Kleppl, Färbermeister: F r a>, z H a i d; Marie Zelber, Jenny Groß; Klein Bartel: M i l l i K r a n s e. A»> Sonnabend, den 26. März 1393, findet aus all- gemeines Verlange» in der Brauerei Friedrichshain der zweite Konzert- uiid Rezitations-Abend mit durchweg künstlerische»» Pro- gram»» statt iliid machen»vir die Mitglieder besonders a u f n» e r k s a in, daß auf g r u» d d e s letzten z e n s n r- polizeilichen Eingriffs nur»och Mitglieder Zutritt haben gegen Vorzeigung ihrer Mitglieds- karte, d. h. Billets überhaupt nicht ausgegeben »verde». D e r V o r st a n d. I. A.: G. Winkler. DaS»Berliner Gewcrbcgcricht als Einigungsamt. In der Zeit von» 1. April 1396 bis 31. März 1897 sanden in Berlin 50-60 größere oder kleinere Lohnbewegungen statt. Das Gewerbegericht konnte jedoch,»vie es in seineii» Bericht pro 1896/97 inittheilt,»nr bei 13 davon mit den interessirten Arbeitgebern und Arbeitnehmern Fühlung geivinnen. Als Einigungsamt an- gerufen»vurde es von beiden Seiten bei 4, von einer Seite(den Arbeitnehiiier») bei 2, von keiner Seite bei 12 dieser 13 Lohn- beivegungen. Die meisten Loh»be>vegungen bezweckten nur Besserung der»virth schaftlichen Lage durch Er- höh»»0 des Lohnes. Verkürzung der Arbeitszeit, Abschaffung der Akkordarbeit, Einsührnng eines Mindestwochcnlohiis;„nur wenige," sagt der Bericht,„verbände» mit diesen Ve- strebungcn den Ziveck, Machtfragen zum Anslrag zu bringen, wie Eiiiinischnng in die Geschäftsleitung dadurch, daß erzwungen werden sollte, bestimmte Arbeiler zu enllasse» oder einzustellen, ferner Anerkennung und Freigabe des I. Mai als Feierlag." Der Bericht bezeichnet es als„charakteristisch", daß jeder Streik, in dem diese Machtfragen aufgestellt ivaren, zu uugunsten der Slrbeiter verlaufe» sei; doch»vird»icht gesagt, ob das für das Unberechtigt« der Arbeiterforderunge» oder für die Protzenhasligkeit!des Unternehmer- thunis„charakteristisch" sein soll. Hervorgehoben werde» die Er- folge des GeiverbegerichtS als eines Einigungs- a>» l s,»velche glänzend zu nennen seien und in anbelracht der direkten und indirekten inaterielleii Verluste, die jeder Streik aus beide» Seiten nach sich ziehe, von beiden Seite» stets als»vohllhuend und segensreich einpfunde» würden. Bedauert»vird nur, daß das Geiverbcgericht trotzdem so selten von beiden Theile»— denn»nr dann darf es als Eiiiigungsaint in Funktion treten— angernsen »vird. Vielfach handle es sich blos»»»» eine gewisse Hartnäckigkeit; Neigung, friedliche Bahnen zu beschreiten, fei fast iminer voryande». Daher sei der Vorschlag, die Anrufung des Eiuignngsaintes bei Streiks obligatorisch zu mache», kräftig zu unlerstütze». Ein Arbeitgeber, der Mißstände in seine»» Betriebe beseitigen»volle, brauche nie die Oesfenttichkeil zn scheue», und den Arbeitern könne das Ltecht zu Bestrebungen, durch die sie ihre wirthschaftliche Lage mit gesetzlichen Mitteln bessern wollen, nicht verkürzt werden. Arbeitgeber»vie Arbeitnehmer»verde» den Segen einer A n r» f u n g s p s l i ch t in gleichem Maße enipfinde».— Wir verinissen an dieser Stelle ein kräftiges Wort gegen diejenigen Zl r b e i t g e b e r, die, wenn sie sich schon zur Anrufung des EiuigungsamlS bcgueinc», doch die gc- t r o f s e n e n A V n> a ch u n g e» hinterher sehr rasch »vieder vergessen. An einer andere» Stelle des Verichls ivird der Schiedsspruch in Sachen des 5t o n s e k t i o n s a r b e i t e r- Streiks, dessen eudgiltige Beilegung erst in das Berichtsjahr fiel, samiut den Enlscheidungsgründe» im Wortlaut uiitgclheilt. Die Er- fahrunge», die in jener Lohnbewegung gemacht»norden sind(und auf die in den Entscheidnugsgrnuden bezug genommen wird), be- weisen, daß die Arbeitgeber die Thätigkeit des Einigungsaints keineswegs iinmer als„wohlthnend und segensreich" c»>- pfinde». Ii» ganzen»vollen die Arbeitgeber überhaupt viel iveniger von dem Einigungsamt wissen, als die Arbe.it- nehmer. Sie sind eben viel weniger zu friedliche» Verhandlungen geneigt,»veil sie die Arbeiler grundsätzlich nicht als Gleichberechtigte ansehen. Wie es uin diesen Punkt steht, das könnte au» Eiide auch dem Verfasser des Gewerbegerichts-Berichts längst bekannt sein. Wenn i» der letzten Zeit auch die Arbeite r weniger oft das Einignngsamt angernsen haben, so ivird ma» nicht fehlgehen, wenn man annimint, daß die W o r t b r ü ch i g k e i t der Unter- n e h m e r sie vorsichtiger gemacht hat. Zu»» Falle klöppci» erklärt das Polizeipräsidium, daß„die wegen Verdachts der Gewerbsunzucht der«Sittenpolizei zum ersten Male eingelieferten und ihr noch nicht bekannten weibliche» Personen einer ärztlichen Untersuchung niemals und nnter keinen Umständen unterzogen werden, ivenn sie selbst in Abrede stelle», außerehelich ge- schlechllichen Verkehr gehabt zu habe»; auch die erstinalig ein- gelieferlen Personen, die solchen Verkehr zugebe», werden im Falle der Weigerung nicht einer ärztliche» Zivangsuntersnchnng nnter- worsen..." In dein amtlichen„Zivciten Verivallnngsbcricht des königlichen Polizeipräsidiunis szu Berlin 1381- 1390"(erschienen 1892) ist Seite 356 über den Geschäftsgang der Sittenpolizei zu lesen:„Die znin Zwecke der Anlocknng von Männer»»«»her- schweifende» Dirnen iverdcn von Palronillcn nach den» nächsten Polizeirevier s i st i r t, am folgenden Tage in den Die n st rä u m e n der Sittenpolizei ärztlich unter- sucht, und ivenn sie krank befnnden werden, sofort nach der Charilee gebracht, nndernfalls den» Richter vorgeführt, oder ivenn sie noch nicht eingeschrieben sind, entweder mit Verwarnung entlassen oder nnter 5ko»trolle gestellt. Die Befuguiß der Polizeibehörde, liederliche Frauenspersoue» in silteiipolizeilichein Interesse zur Polizeiwache zu sistire», auch wenn die Voraussetzungen der Polizei- liche» Feslnahme nicht vorliegen, ist i» der reiehsgerichtljchen E»t- scheidung von» 11. Januar 1831 anerkannt worden. LNißgriffe bei Sistirungen kommen äußerst selten vor." Es ist Sache de» Polizei- Präsidiums, so bemerkt die„Vossische Zeitung" hierzu, den Widerspruch zwischen seiner von uns in der Nnmmer von» 15. Dezember veröffeiillichtei» Darlegung lind Schilderung des Verfahrens i» seine»»„Verivaltungsberichle" anfznkläre». Denn die in dieser Darlegung als„wegen Verdachts der Gewerbsunzuchl z»i» ersten Male Eingelieferte" bezeichnete» weiblichen Personen gehören zu den„Dirnen ,. die zum Zivecke der Anlockung von Männern»»»herschiveisen". von denen in»„Aerwallnngsberichte" die Rede ist. Sicher wurde in» Falle Köppcn das betroffene junge Mädchen dazu gerechnet. Bemerkt sei noch, daß sich ei» Blatt gefunden hat. welches den Mnth besitzt, die Polizei in dieser peinliche» Angelegenheit zu vertheidigen. Dies Blalt ist natürlich der „L o k a l- A nz« i g e r". Alle andere» Berliner Zeilunge» ergehen sich in»»ehr oder minder herber Kritik, schon weil das Un- glück, von de»» Frl. Köppen betroffen»vorden ist, ebensogut einer Gehciniralhstochtcr passiren kann. Nach der Frequenz in den hiesige» Geuicindeschule» an, 1. November beslehcn gegemvärtig in B-rli» 217 Gemeindeschulen n»it zusammen 3770 Klassen(einschließlich 87 fliegende). Die Ge- sanimtzahl der verfügbaren Klassenzimnier ist 3709, davon sind 26 unbesetzt. Die Zahl der sogenannten fliegenden(d. h.»iberzähligei») Klassen ist 87, es»vird also im ganzen in 3770 Klaffen»»nterrichlet. Die Dnrchfchnitlsbcsetznng einer Klaffe belrng am I. Mai 1397 — 52,23, am 1. November= 52,15. In den Gemeindeschulen ivaren eingeschult: am I.November 196 561 Kinder(97 771 Knabe», 93 790 Mädchen), an, 1. Mai 193 763 Kinder(96 307 Knabe», 97 256 Mädchen), daher am l. November gegen den 1. Mai 1897 mehr 2793 Kinder(1264 Knaben, 1534 Mädcheu). Die Zahl der fliegeuden Klaffe» verminderte sich in» lausende» Winterhalb- fahr un» 23. Armutl, und Ehrlichkeit sind zivei Begriffe,»velche der heutige»„Gesellschaft" mit einander zn verbinden fast unmöglich erscheint und deren Verbindung, wenn sie ihnen einmal vor. Augen kommt, als ein höchst»vunderbares, bemerkensiverthes Ereignih er- scheint. So erhält die„Voss. Ztg." aus ihren» Leserkreise ans Lem Westen Berlins eine Znfchrist, ivelche die rührsame Geschichte einer mit fünf Kinder» hungernden Wiltive behandelt,»velche»» ihrer größten Verzweislung auf der Straße ein geldstrotzendes Porte- monnaie findet»»d als»veiteren Inhalt eine Visitenkarte der glück- lichen Verliererin, ivelche der armen Wittive es ermöglicht, den ge- machten Fund derselbe» durch deren Diener sofort»vieder zustelle» zu lassen. Tie„Gnädige" beeilt sich darauf, der armen Finderin den gesetzlichen Finderlohn in Höhe von 10 Mark anshändigen z» lasse»,»velches Kapital der arme» Wittive ermöglicht, ihren hungernden Kindern Lebensmitlel zu kaufen. Diese kleine Geschichle ist in der That recht lehrreich in ihren Gegensätzen. Auf der einen Seite die hungernde Wittive»>lt füiif ebenfalls hungernden Kinder», auf der anderen «Seite die im Ueberfluffe schwelgende Dame der Gesellschaft; auf der eine» Seite die ehrliche Arme, aus der anderen Seite die knauserige Reiche, welche sich damit abfindet, die in de» Augen der„Gesell- schast" so wiinderbare Ehrlichkeit der Armuth durch den„gesetzlichen" Finderlohn zu belohnen! Welche der beiden Fraue» hat nun wohl a», edelsten gehandelt? Welcher von beiden gebührt die»leiste, oder besser gesagt, einzige A»erkeii»u»g? Diese Frage dürste nicht schwer zu beantworten sein. Die Pflege dcS Patriotismus läßt sich, gleichwie die der Religiosität, die Schule ganz besonders angelegeii sein. Zu den Dingen, welche den Patriotismus in den Herze» der Schnlkinder aiizuregeii»nd zu pflegen geeignet erscheineii, scheint man auch daS an der Schloßfreiheit errichtete„National- Denkmal" a»sers«hen zn habe». Weiiigsteils kann man jetzt des Oeftnen bemerkeu, wie eiiizelne Schnlklassen nnter Führung ihrer Lehrer eine Besichtigung des Denkmals vor»ehi»e». Ob die kleinen Knaben und Mädchen beim Anblick der vielen hübschen Figuren, welche das Denkmal ziere», wirklich patriotische Gedanke» hegen? Ob durch derartige Besichligiiiige» in Wahrheit Palriolismus erzielt wird? Wohl in demselbe» Maße, wie die Frömiiligkeit im Heere geförderd ivird da- durch, daß die«Soldaten zur Kirche kommaiidirt iverden. Unter de» Logenschließern»ud Bittctkontrollenrcn der hiesigen Theater»»acht sich neuerdings eine berechtigte Mißstiurmung geltend.«Seit einiger Zeit sind eine Reihe Direktoren bemüht, diese Angestelllcn alliiiSlig zn beseiligen, und zwar geschieht dies infolge einer Konkurrenz, die sich von ganz beftimmler Selte aufgedrängt hat. Die in belracht kvunnenden Personen werde» diirchschnittlich mit einer Mark siir den Abend entlohnt. Das ist gewiß schon ein sehr klägliches Entgelt. Neuerdings aber bieten sich immeiitlich Museiliiisdiener. Subalterne aus Ministerien u. s. w. fast inassenhast den Direktionen für eine» Lohn von iiinfzig Pfennigen an, und manche Theaterleitiingen ergreife» mit Eiser die Gelegenheit, ihrer Kasse diesen schädigen Profit zn sicher». So wird niis ans ver- schicdenen Thealern berichtet, daß die frühere» Aiigestellteil beinahe fäinintlich durch Kräfte ersetzt worden sind, die ihr sestes Brot haben und auf derartigen Nebenverdienst»veit eher verzichten lönnte» als andere Leulc. Dir im porigen Monat abgehaltene Ansslelluiig für Volks- ernährillig hat einen vorlänfige» Betrag von 9384 M. ergeben, der der Volkshcilstälte des Liothe» Krenzes am Grabowsee zugedacht ist. Die Inhaber von Eisenbah»- Familien- Monatskarte» zu erniäßiglen Preise» seien darauf aufmerksam gemacht, daß, wenn die Beibehnltniig der Nebenkarten beabsichtigt wird, zum Beginn des nenc» Iknleiidcrjahres die polizeilichen Bescheinigungen der Haiisstaiids- Zugehörigkeit erneuert iverdcn müssen. Ei» dreister Einbruch ist von zwei Dieben gester» Vormittag i» Moabit im Hanse Pauistraße 19 verübt worden. Dort wohnen im drilten Slock die Bochcr'schen Eheleute, welche sich augenblicklich nili einer Geschäftsreise in Amerika befinde». Von dieser Thatsache müssen die Einbrecher Kennlniß gehabt habe». Nachdem sie vorerst in der Wohnung angeklingelt,»in sich genau zu vergewisser», daß sich ilicniaiid in ihr befindet, haben sie die Entrcethür mittels Dietrichs gewallsäin geöffnet und i» der Wohnung selbst arg gehaust. DaS Büffet, soivie mehrere Spinde» haben sie erbrochen, zertrümmert und den Inhalt hcransgerisse». Durch do.S hierbei enistehende Geräusch wnrbeii die Bewohner der 2. Etage ansrnerksai» imd benachrichtigten den Portier, welchem es»och gelang, die Einbrecher bei der Arbeit z» überraschen. Während der eine cnlkai», glückle es den» Portier, den zweilen Dieb nach hefliger Gcgemvehr z» beivältige» iind der Polizeiwache ziiznsnhreii. Hier bezeichnete er sich als Dachdecker- geselle Max Krüger ans Flatow in Westpreuße». In seinem Besitze fand man verschiedene Dicbsivcrkzeuge. Ob der entflohene Ein- brccher Gegenstände aus der Wohiiung mit sich genommen hat, loiinte bisher»och»ichl festgestellt werden. Daß die bcriihmtcii Segnuiige» der Soziqlrrform gar oft mich nicht eillfernt ausreiche»,»»> ei» im Diensie des Kapilals ver- krüppoltcs Mcnschenlebc» vor dein Elend zn schützen, lehrt ein lies- trauriger Vorfall, der die in der Hornstraße II wohnhaft geivesene Arbeiierin Grundinann zu eine»» verzweiflungsvolle» Schritt getrieben hat. Das 21 Jahre alte Mädchen verunglückle vor vier Monate» in einer Waschanstalt in Steglitz und lag bis vor acht Tagen im katholischen KranlenhauS. Die Ülerzte wolllen ihm die zerquetschte rechte Hand almehmen, die Verunglückle aber veriveigerle dazu ihre Zlistiiiiinnng. Die Hand heilt- iiilii zwar wieder, blieb aber vollständig verkrüppelt, sodaß sie zu keiner Arbeit mehr zu gebrauche» war. Die Verunglückte, die zuweilen auch noch heftige Schmerzen halte, grämte sich über ihr Mißgeschick sehr und wurde schwei mülhig. Gestern Abend ging sie mit ihrem zmölsjährigen Bruder zur llnfallkasse, um 2 M. z» er« lieben. Auf dem Heiniwcge riß sie sich dicht vor der Möckernbrücke von dein Bruder los n»d slürzle sich von der Brücke i» den Kanal hinab. Als Schiffer sie nach kurzer Zeit ans dein Wasser hcrans- zogen, war sie bereiis tobt. In» Laufe der Woche hatte sie sich zwei- »ml erhängen wollen. Ein Wrihnachtöbild. Vor Hunger nnd Erschöpsung brach gestern vor einem Hanse der Kleinlicercnstraße ein anständig ge- kleidelcr, 30 Jahre aller Mann ohninächlig zusaiume». Mitleidige Hansbeivohner»ahinen sich des Acrmste» hilfreich an»»d stärkten ihn, iiachdem er wieder zu sich gekoinmen war. init Speise und Trank; auch drückte ihm mancher ein paar Piennigc in die Hand. Der Nu- glückliche legitjmirte sich als ein in der Weydingerstr. 5 ivohnhafler M i» s i k e r Robert P r i tz k o iv uiid erzählte thränende» Auges, daß er vor einigen Wochen aus de», K r a>i k e n h a n s e e»t- lasse» worden sei, in ivclchcin er eines Nerveiilcidciis wege» habe zubringe»»inffeu, und daß er bis jetzt keine B e s ch n f t i g n» g habe sinden können, so- daß er mit seiner aus Frau und drei Kindern beslehendei? Familie der größte» Roth ausgesetzt sei. Selbstmord. In einer Konditorei i» der Potsdainerstraße ver- suchte sich vorgestern Abend der 17jährige Schüler Fritz R. a»S Schöneberg durch einen Schuß i» die Brust zn lödten. Nach An- legung eines Verbandes a»s der Unsallstalio» VII erfolgte seine Ueberführung in die Charilee. Mit Nutifebrin hat sich hcnle der 24 jährige Kanfmaiin Adolf B. a»S der Sydelstraße, der bei seinem Onkel in Stellung ist, vergiftet. Nach einer durchschiväriiiten Nacht»ahm er mehrere Messerspitzen des Arzneimittels, das in dieser Menge lödtlich wirken iiinßte. Er wurde in schwer krankem Zustande nach der Unfall- statioil V eingeliefert, die ihm die erste Hilfe leistete nnd ihn dann mittels ihres Krankenwagens»ach dein Krankenhans am Friedrichs- Hain bringen ließ. Der Zustand ist sehr bedenklich. Ob sich der Verletzte Erleichterung durch Einnahme des LinderuiigSmiltelS verschaffen wollte, oder ob ei» Selbstniordversuch vorliegt, ist«och nicht aufgeklärt, Hurch die Verwechselung zweier Flaschen ist wieder einmal «n Menschenleben vernichtet worden. Der 17 jährig« Robert MeweS ans der Neue» Königstr. 37 war bei dein Malermeister Schrettler in einer Ortschaft bei Fiirstemvnlde in der Lehre. Sei» Lehrmeister beging vor einigen Wochen die Unvorsichtigkeit, eine Bierflasche zwischen andere Flaschen, die Farbstoffe und dergleichen enthielte», zn stellen. Als nun der Lehrling das Bier trinken wollte, griff er aus Versehen«ine Flasche mit Kalilauge und verbrannte sich mit der ätzenden Flüssigkeit die ganze Speiseröhre. Obwohl dem Ber- «nglückten in Berlin ärztliche Hilse zu theil wurde, ist er doch gestern seine» Berletzunge» erlegen. Eine Mordgcschichte» die in der Gegend des Kollbuser ThoreS viel Aufsehen erregt, hat sich ei» hiesiges Lokalblatt aufbinden lassen. Danach soll in einer zahnärztlichen Poliklinik eine Patientin nach der Narkose tobsüchtig geworden sein. Diese Nachricht ist, wie uns von glaubwürdiger Seite initgetheilt wird, erfunden; die einzige Poliklinik in der Gegend hat nie eine Patientin in Behandlung gehabt, bei der auf eine Operation störende Folgen dieser Art ein- getreten wären. Die Meldung„Mittelfeuer" rief Donnerstag Abend einen großen Theil der Berliner Feuerwehr noch Voltastraße 4 6. Hier war, wie angenommen wird, i» der Mälzerei der Arendt'schen Brauerei durch heiß gelaufene Transmisfionsriemen ein Feuer ausgebrochen, dag bei seiner Entdeckung bereits großen Umfang an- genommen hatte und bei den dort lagernde» großen Malzvorräthe» mit rasender Schnelligkeit sich ausbreitete. Im ersten Stock des frei- stehenden Fabrikgebäudes befanden sich 3 Darren(Hürden) mit je 90 Ztr. Malz und auf dem darnbcrliegenden Boden lagerten noch über 600 Zentner, während in einem angebauten Speicher gegen 6000 Zentner Gerste a»fgeschüttet waren. Beim Ausbruch des FenerS waren säinmtliche Arbeiter in de» unteren Fabrikräumen beschäftigt. Auf de» Ruf: Feuer! stürzte ein Maschinist nach dem Maschinen- räum, um die Transmission abzustellen. Im selben Augenblick wurde eine eiserne Thür durch den Druck der Hitze gesprengt und die herein- brechende Stichflamme verletzte de» Maschinisten im Gesicht und am Halse. Di« spät alarmirle Feuerwehr war mit 3 Hand- und 5 Dampfspritzen und zwei mechanischen Leitern herbeigeeilt»nd ging mit lv Schlanchleitnngeu, darunter S Dampfspritzenkaliber, vor. Es konnte jedoch nicht verhindert werden, daß das Gebäude vom zweiten Stock bis zum Dach vollständig ausbrannte. Die Löscharbeil nahm zwei Stunden in Anspruch. Der«utstandene Schaden ist hoch. Die Urania versendet gegenwärtig das Programm der von Weihnachten ab in den nächsten Monaten in der Abtheilung Jnvalidenstraße staltfindeuden interessanten Vorträge«nd Kurse ans dem Gebiete der Elektrizitätslehre, der Chemie des täglichen Lebens, der Biologie, Erdkunde und Astronomie. In dem Urania- Jnstitnl in der Jnvalidenstraße wird von Weihnachten ab auch der große Caal, der mit Apparaten und Sehenswürdigkeiten wieder ausgestattet ist, dem Publikum geöffnet sei».— Im wissenschaftlichen Theater i» der Taubenstraße veranstaltet die Urania am Freitag, Sonnabend nud Sonntag die letzten Borsührnngen des„Wunderlandes der neuen Welt" zn ermäßigten Preisen. DaS Institut bleibt dann einige Tage geschlossen, um am 2S. Dezember mit dem neuen dekorativen Vortrage:„Der dunkle Erdlheil", von Dr. Georg W e g e n e r. wieder eröffnet zu werden. Theater. Das Schiller-Theater bringt heute zum ersten Male „Die wilde Jagd", Lustspiel in 4 Aufzügen von Ludwig Fulda, in den Hauptrollen wie folgt bcietzt: Ferdinand Krustus Max Laurence, Ernestine Agnes Werner, Mila Grete Mcner, Melanie Dalberg Hedwig Pauly, SaiiitätSrath Liebenau Julius Enden, Helene Paula Leverman», Dr. Max Wciprecht Albert Patry, Baron Troll-Felsenstein Eduard von Winterstein, Paul Krüger Mar Reiinaiin, Dr. Barr» Will? Frdbös«, Strnve Alfred Schnrasow.— Den Wünschen zahlreicher Familien entsprechend soll der Kiiidcrwclt im Luisen-Theater am nach sie» Sonntag die Gelegenheit geboten werden, sich an deni Weihnachtsmärchen„Fröhliche Weihnacht" zu erfreuen. Kinder in Begleitung Erwachsener zahlen ans allen Plätzen nur die Hälfte(I. Parauet 50 Pf. u. s. w). Die VorsteNiirrg beginnt um 7 Uhr und endet um 10 Uhr.— Da die Direktion des O st en d- Th e a t e rs gezwungen ist,„Christinchen", ctrr Weihnachtsmärchen von M. Günther, zur Aufführung zu bringen, so wird daffelbe am Sonntag, Dienstag, Mittwoch und Donnerstag in Szene gehen, und hat jeder Besucher das Recht, ein Kind frei mitzubringen.— Am Montag geht das beliebte Voilsstüik„Leben imd Lieben" zum 25. Mal in Szene. Vom I. Feiertag ab bleibt dieses Stück wieder beständig auf dem Repertoire. SluS den Nachbarorten. Bestrafung hagcstolzer Lehrer. Di« Stadtverordneien-Ver- saminlung von Charlotlenburg hat dem Antrage des Magistrats zugestimmt, de» unverheiralheteii Gemeinde-Schullehrern uur zwei Drittel der Miethseutschädiguiig von 4S0 M. zu bewilligen. Ebenso wurde das GeHall und die Alterszulage sür die Lehrer nach dem Antrage des Magistrats festgesetzt. Angeschossen wurde am Dienstag auf einer Feldjagd bei Neucnhage» bei Erkner ei» Arbeiter N., welcher sich bei dem Treiben belheiligte. N. erhielt von einem Berliner Industriellen eine einem Hasen zugedachte volle Echrotladung in beide Beine und wnrde so erheblich verletzt, daß er nach einem Berliner Krankeuhause gebracht werden mußte. Abgesehen von dem Schmerzensgeld für den Ber- wnndetcn bat der ungeschickt« Jäger gegenwärtig auch noch die Familie des Angeschossenen zu unterhalten. Hoffentlich geschieht dies in anständiger Weise. Die MicthSkniidignngen in Charlottenbnrg zu Ostern k. I. haben bereits sehr zeitig begonnen. Die Boten der Packetfahrt de- sorgen die eingeschriebenen Briefe von Etage zu Etage und alsbald verbreitet sich dann die Nachricht in der Nachbarschaft. Dabei komme» seltsame Dinge zum Vorschein. Ein Miether. der vor einem Jahre seine Wohnung von einem Verwalter miethete, der im Auf- trage einer Bank die Kontrakte ausfüllte und nnlerschrieb, empfängt die Kündigung von demselben Verwalter, aber jetzt im Namen eines ganz anderen Besitzers des Hanfes. Von dem Besitzwechsel hat der Mielher nie etwas erfahren. Da es dem mit aller Rücksichtslosig- keit austretenden Miethswucher gegenüber kein anderes Mittel gicbt. so sind einige der betroffene» Miether entschlossen, die Rechtsgillig- keit dieser Kündigung im Prozesse entscheide» zu lassen. ««Htnet Arb»tt«r»»»tret«r• gtrrin tagt leben TIenfwg nach dem ersten Im Monat bei B» Z!e, Srenadierstr. 33, abends sff Uhr. Unentgeltlicher Nach wirb«rlheill: Im Norde» Perline; Für Unfall-, JnvalidiiäiS- und AUsrS-Bersichmmg, abends vo» 7—» Uhr; A. D a e h n e. Temminerstr. 3«. v. 3 Tr. K. G u I h s i i. Miesenstr. ssa, von S— S Uhr abends. F. Ptefchel. Garlensir. 35, v. i Tr. V.Sin>a»owS!i,«avienfir. 78, Portal 2, 2 Tr. M. S tu h l m a»n, Oderberger- ftvniie37, 4 Tr., von»-o Uhr abends. Si. T a in in, H»sf»e»slr s, von s— s Uhr abends. A. Vo igt, Wiesenslr. 41-42. S. Warnil, Kolbergerstr. 7. von S- 7 Uhr abends.— Nur sür Jnvaliditäts-»nd Altersverstcherung t F. Blume, Etreliherirr. 38. P. Rei ma nn. Bellermannitr. 83. F. Trapp, S6>ulsir. 39, vo» 7—8»hr abends. W. Mohs. Swine»lünderstr. M tvorn Unter Ausgang). — Nur sür Uusallverslcheriiug: I. Kraus«, Garteustr. iz. jm©Ben: Nur sür Juvalidiläls- und Nltersverstcherung! E. Bader «r. Frautsu.lerftr. 34. v. 4 Tr. z,» piid-©ften: Für Unfall', Invalidität«- und Altersversicherung! S ch a l I h 0 s s, Michaelttrchsir.>8. Jn> Kiiden! Für Unfall-, Fnvalidiläls- und Altersversicherung: F. S t ü g e I- maler, Sriuimstrasie 39.— Nur für Juvalidiläls- u»d Allereuersicheruug. P.«eller, Rildors, Panlerstr. 58, Hof part. Di» SiiU'&UeRc»: Nur für Uusallversicherung:®. Hä n e l, Solinssir. 44 $n> Nded-Zpelle» � Nur iur Uusallveisicheruug: I Kraule, WilSuaiter straße 1». R. Siepha». Leistngür. 34. Kni Zentrum: Nur für Ilufallverstchernng: s. Lölller,«lofterilr.»I, Bei iämmilicheu vo>geuan»len Personen, bei denen hter leine Sprechzeit an- gegeben, ist dieselbe Wochentags von 7—9 Uhr, Briefkasten der Redaktion. Die juristische Sprechstunde beginnt heute und morgen um sieben Uhr abends. L. 64. Ucberwiegend Fichten. Aber keine Berliner„Fichten". Der Baum, den der Berliner„Fichte" nennt, heißt in der Bolamt Kiefer oder Föhre. C. K. 80. Das neunzehnte Jahrhundert endet mit dem 31. De- zember 1900.- TViuc»uiigSiibei ficht Horn 16. Tezeniber 1897, 8 Uhr morgcnS. >5 I n I i o n m. Stvlnenlünde Hamburg, Berlin., Wiesbaden. München, Wien... Haparanda, Petersbnrg. Eork... Aberdeen.. Paris... Wctter-Prognose für Freitag, 17. Dezember 1897. Mild und vielfach heiter, zeitiveise nebelig bei schwachen snd« lichen Winden; keine oder unerhebliche Niederschläge. Dentschcr Mckllllrbeiter-Mllllh. (Verwaltungsstelle Berlin.) GToves- Anzeige. Am Mittwoch, den 15. Dezember, starb unser langjähriges Mitglied, der Kunstgießer Oskar Möllmer. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Freitag, den 17. Dezember, nachm. 3 Uhr, von der Leichenhalle des Jernsalemcr-KirchhofS, Bergmanilstmße, aus statt. Um rege Bethciligung ersucht 102/10 Die Ortsverivaltung. Hierdurch die traurige Mittheiluug, daß heute, Donnerstag, früh iL/. Uhr unsere liebe Tochter nud Schwester It.»-4»„ach kurzem, schwerem Leiden entschlafen ist. 23Zgb Die Beerdigung stndet Sonntag Nachiiitttaa 3»/« Uhr von der Leichenhalle dcS St. Thomaskirchhofes, Her- inanilstrake, ans statt. csr! Seiiöving, Kchvirth nebst Frau u. Tochter, Küpnickcrstr. GS Verlag von IlanM Kanke, Berlin 8., Cith-Paffage._ In kurzem erscheint m meinen« Verlage eine auiorisirte Ucbcr- setzmig der Broschüre: 2338b Leopold II. von Belgien v. Louis Bertrand, Abgeordneter und Redakteur am„Pcuple". 64 Seiten. Preis 20 Pf Colporteiire und Buchhändler wollen Bestellungen umgehend 6(8 zum 20. d. M. aufgeben, da ich für später einlaufende eine Garantie für Lieferung nicht vbcmehm. dum. Warne hiermit jeden, meiner Tochter Minna Mönkc geb. Kersteu auf memem Namen etwas zu borgen, da ich für nichts aufkonimc. F. Kcrstcn, Birlholz. Biilig: Croßer Fllllg. Billig: Niemand lasse sich durch falsche An- gaben iiiciuer Waare irreführen; täglich frisch geräucherte Flickbücklinge, gespalten, lOPsdk. 2>/, M., Fctibück- linge, 10Psdk. 2 M., frische grüne Heringe, 10Pfdk. N/z M., In. 4 Ltr. Bismarckh. ohne Gräte 2,20 M., 4 Ltr. Delikates)- od. Hering i. Gclüe 1,80 M., 4 Ltr. TafelrollmopS b. 1v0Si. 1.80M.. 4 Ltr. ruf!. Sardinen 1,80 M., 4 Ltr Brath. 1,80, ohne Kopf 2 M., 4 Ltr. Salzfett- oder Bollhering, sehr schön, 1,80 M., 8 Ltr. obg. Kanserven 4 M., 4 Ltr. OstseelnchS Gelee 4>/2 M., 4 Ltr. Seeaal Gelee 3«/- M., in ILtr.-Dos. sortirt, 4 ein Kolli. VU-iVi M.. V-Ltr.-Dos., 7 ein Kolli, 4-4>/z M., gebe auch 2 Ltr. ab. Versand gegen Nachnahme. Emil Kopp, MiSdro», Ostiee. Koilscrv-Fabr._[101/15* Deutscher Holzarbeiter-Verband. (Zahlstelle Berlin.) Heute, Freitag, abends 8V» Uhr, bei Cohn, Bcuthstr. 20/21:[272/15 Sitzung der Ortsverwaltung; Die Kollegen von Olm, Köpenickerstr. 127, werden ersucht, in dieser Sitzung zu erscheine». DÄF" Zar Benchtane! Weihuachisheiligabend und Sylvester wird auf den Zahlstellen nicht kassirt. Wir ersuchen deshalb die Kollegen, morgen, Sonnabend ihre Beiträge bis Schlnst des JahreS z» ent- richte». Ferner werde» Ttatistik-Fragebogen auf den Zahlstellen vo» den Komuiissionsniitgliedern für diejenigen Werkstellen aus- gegeben, welche bis jetit«och keine in Empfang genonii» e n habe». Deutsch. iietallarheiter-Vcrhaull (Vcvwnltnngantellc Berlin). Sonntag, den 19. Dezember 1837, vormittag« 9'/a Uhr: Atttzerordentliche Getteralversammlttttg im„Feen-Palaat", Borg- und St. Wolfgangstr.-Ecka. Tages-Ordnung: Mahl vtnes VevollinÄchtigken. AM- Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Kollegen! In der letzten Generalversammlung wurde die Kandidaten- liste wieder eröffnet und Kollege S i e g r i st daranshln zum 2. Bevollmäch- tigten gewählt, worauf unser bisheriger Bevollmächtigter Li tfin erllärte, daß ihm die Wahl keine Erleichterung seiner Geschäfte bringe, so daß er nunmehr gezivungen sei, sein Amt iiiederznlegeii. Wir inttsseil aus diesem Grunde zur Neuwahl schreiten. Bei der außerordentlichen Wichtigkeit, die die Wahl des Leiters der Organisation für jedes Mitglied hat, ersucheil wir alle Kollegen, in dieser Verjammlnng zu erscheinen und für den Besuch derselben recht rege zu agitiren. 102/18 AlleS Nähere erfahren die Mitglieder in dieser Versammlung. Die Bibliothek befindet sich Jüdenstr. S» und ist geöffnet täglich, mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, von TVj— 9 Nhr. ___ l>le Ortuverwaltnn/j. Freie Volksbühne. (Sonntag, den 19. Deaember 1807, nachmittags 3 Uhr, IL Abtbeilnng. DlC Lessing-Tlieater. Ein Liebesdrama in 3 Aufzügen von Max Halbe. Heft IV der„Freien Volksbühne" sowie Kartenumschläge und Programme vom Winterfest sind hei den Ordnern zu haben. 299/19 onntag, den 19. Dezember: Vorstellung für die II. Abtheilung. Der Vorstand. A.: G. Winkler. Swinemiinder Gesellschafts-Haus Swinemünderstrasse 4%. Sonntag, 26. Dezember(2. Weihnachtsfeiertag) Große Matinee m Resten der englischen Maschinenbauer arrangirt vom zebeiter- l>e8angvereio„Hora"(�itgl. lies jl.-8.-D.) Anfang 12 Uhr mittags.— Billet 30 Pf.(Programm gratis). In Anbetracht des guten Zweckes(der Reinertrag wird voll abgeliefert) wird rege Betheiligimg erwartet. vor Vorstand. BilletS sind im VereinSlokal Bnmnenstraße 150 bei Neumann, und an folgenden Stellen zu haben: R. Burgold, Schwedterstr. 23/24; L. Berthels, Ruppinerstr. 49; Dicke, Ackerstraße 123; Seidel, Gerichtstraße 19; Brinkmann, Prinzen Allee 21; Augiistin, Kastanien-Allee 11; Bachgänger, Swinemünder- straße 90; Hildebrandt, Swinemünderstr. 42; H. Stelnike, Borstgstraße 28; Bahn, Vnmnetiftr 89; Witrol, Swinemünderstr. 88._ 68/1 5 Kur M. 4.S60£ feftrn unsere berübmlen.,Conceri" Zieh harmonika». Großes Forma,, cn. 20X35 cm, 10 Taften, 2 üifjitier, 2 Bässe, 2 Zn, ftaller. ossene Glaolalur. 40 prima Tlimmen. ff. Aideldesching und Belgjchaiiee«», da. her unverwüftiich. 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Dezember, vorm. iO>/, Uhr, bei Buske, Grenadlerstr. 33: |p|r~ Tersammluiig;. . T a g e«- O r b n ii it g: 1. Aufitahme neuer Mitglieder.— 2. VerclnSangelegenheiten.— 3. Verschiedenes und Fragekaste». Die Mitglieder werden auf§ 9 aufinerksam gemacht. S9~ Ter ArbcitönachweiS befindet sich seit dem IS. Dezember bei Biirlngc, Nene Schönhauserftr. 9 34/14___ Telephon Amt in 2287. Oer Vorstand. Alwng! jjiniiierer. AMnug! Sonntag, den 10. DcBcntber, vorm. 10 Ihr, In Oohn'a VcstsMlcn, Benthstrasse 20-91: Außerordentiiche Generai- Versammiung des Vereins der Slii, mierer Berlins iinel Viiigcgend. TageS-Ordnung: I Fortsetzimg der Dlsknsston über die Eiiiigimgsfrage. 2. Bericht über die Kameraden, die de» Pflichten der Organisation gegenüber nicht nach- gekommen sind. 3. Vereinsangelegenheiten. 258/1 Um zahlreichen Besuch bittet Der Borstand. J. A.: Otto Hoppe, Schöneberg, Maxstr. 5. Vkrl»l«d der SllNN«.TWMtt. Sonnabend, den 18. Dezember, abends 8 Uhr, im„Englischen Garten", Silexandcrftraftc S7e: WF" Vevskttttinlnirg."Wß Tages-Ordnung: 1. Vortrag.— 2. Diskussion.— 3. Verschiedenes. 158, Idle Ortsvenvaltang. Lau-, Erd- und gewerbliche Hilfsarbeiter Deutschlands. 4®««. Sonntag, den 19. Dezember, nachm. l'/z Uhr. bei Obst, Gr»»ewaldstr.10: Mitgllkder- Vklsilmmlmlg. Um zahlreiches Erscheine» ersucht Tie Ortsverwaltting. Nossen theile ich hierdurch mit. daß ich das Lokal Leibnibstr. 1 von W. Sommer übernommen habe und bitte um gütigen Zuspruch.[22876 Carl f.cngys. 3« Weih«Hts-We»km geeiguct:[ssso* Fahrriider Stets großes Lager erstklaff. Fabri- täte zu billigsten Kaffapreisen aus TheilzahSuny zu d. konlaittest. Zahluiigsbedingungeii. Mmeit& Landau, Kothringer-Straße 48, dicht am Rosenthaler Thor. Nefer's leiMn, BrockhauS, Brehm s Thierleben und andere Werke kauft Baaneinann, Berlin, Kochftr. 5(>. Fcruspr. IV. 895. 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Dcr sozinldemokratische Wahlvcrci» siir den bicrtc» Berliner Rcichstagö-Wnhlkrcis hielt am Dienstag eine gut be- suchte Vcrsainnilnng ab, in der RcichStags-Abgeorl netcr Genosse Förster über die Militär-Strafgesctz. Novelle rcfcrirte. Nach einer längere» Erläuterung über das Zustandekommen und die Ursaäzen dieser Vorlage behandelte dcr Redner i» eingehender Weise die Tendenz der Militnr-SEafgesetz-Novelle, wie ste dem Neichslag unterbreitet worden ist. Von dem. Versprechen des Reichskanzlers, ein modernes Militär-Slrasvcrfahren' zu schasse», konnte man er- warten, daß eine Vorlage zu stände kommt, die sich dem Inhalt nach wenigstens mit dem bürgerlichen Strafverfahren deckt, dcr schließlich anch' die Sozialdemokratie zustimme» konnte. Ter Form nach hat»s auch den Anschein, soweit die ver- schiedencn Instanzen in Frage konunen, die ungefähr dem Schöffen-, Land- und Reichsgericht ähnlich sehen,' als hätten sich die Aersasser dieser Vorlage an daS bürgerliche Gerichtsverfahren angelehnt, was aber dinchans nicht dcr Fall ist. Ter Redner verweist auf die eigenartige Zusaminensetznng dcr Gerichte, die nur ans Offizieren, wobei allerdings sehr sorgfältig die Nangstnsc derselbe» in betracht gezogen ist, aber zu denen keine gemeinen Soldaten hinzugezogen 'verde» sollen, bestehen. Er verweist ans die verschiedene» Bc- st immun gen,»ach welchen die Ocffcntlichkeit ausgeschlossen werden kann und deren Begriffe so dehnbar sind, dast mit Gewißheit an- genommen werden mnk!, daß der Ausschluß der Ocffentlichkeit die Regel und die Oeffenllichkeit des Verfahrens die Aus- nähme bilden werden, zumal man weiß, daß man sich mit vielem Widerwillen überhaupt eist zu dieser Vorlage verstanden hat. Die ungeheuren Machtbefugnisse des„GerichtSherrn", die bedeutende Beschränkung dcr Vertheidigung des Augcllagle» besonders dadurch, daß der event. Rechtsanwalt, wen» sich überhaupt einer dazu hcrgiebt, erst nm seine Zulassung«inkommcn muß und voraus- sichtlich in de» meisten Fallen abschlägig bcschicde» werden ivird, so daß sich dcr Angeklagte mit einem Militär als Verlheidiger, der naturgemäß in dcr Vertheidigung nach jeder Richtung hin gehindert ist, begnügen muß, machen im weiteren die Vorlage nnanuehmbar. Außer den Nationalliberalen, die überhaupt aus dcr Begeisterung nicht mehr herauskommen, wird die Vorlage bei keiner Partei Be- geisternng finde», auch de» Reichstag nicht befriedigen und es hat den Anschein, als wäre sie nur eingebracht, damit sie abgelehnt wird, um die Regierung gewissermaßen von ihrem Versprechen zu entbinde». Die bescheidensten Erwartungen, die daran gcknüpst waren, wurden getäuscht, so daß»ielzt zu erwarten ist, daß sich für diese Vorlage im Reichstage eine Majorität finden wird. In seinen weiteren Ausführungen macht der Redner darauf aufmerksam, daß nur deswegen, weil das Volk seinen W>llen nicht in der»olhwendigen Weise kund giebt und eine große Masse theilnahmslos den Dingen zusieht, es noch möglich ist, daß sich die Reaktion nicht nur ans diesem Gebiet, sonder» auch ans allen anderen so gebärden kann und die berechtigtsten Forderungen des Volkes ignorirt. Dem mit stürmischem Beifall aufgeuommenc» Vortrage folgte eine kurze Diskussion, in der G r ö p p l e r sich gegen die Vorlage ausspricht. Unter Vereinsangelcgcnbeiten wurde bekannt gegeben, daß am 3. Feierlag ein Besuch dcr Urania stattsiudet und noch Billels zu habe» sind. Tie unverkauftc» Billels müssen bis zum 22. Dezember zurückgegeben sein. Böhm ersucht, recht rege für die Verbreitung des..Vorwärts" zu agilir'cn und P e t e r e i t wünscht, daß bald in die Wahlagttatio» eingetreten wird und zu diesem Zweck seitens des Wahlvereins Versammlungen niit entsprechender Tagesordnung ver- anstallet werden. Der Vorfitzende Scholz lheilt zum Fall Goecke mit, daß die genaue Untersuchung erwiese» habe, daß der Genosse Goecke nicht, wie das Gerücht lautete, bei den Stadtverordneten- wählen für de» Liberalen, sondern für unsere» Kandidaten gestimmt habe. Nachdem er dann noch darauf hingewiesen, daß in de» ersten Tagen im Januar mit dcr diesbezüglieben Agitation begonnen werden wird und im warmen Appell die Genosse» zur recht rege» Thäligkeit für die Sacke der Sozialdemokratie aufgefordert hatte, erfolgte der Schluß der Versammlung. Ai deitr»-LUi>»«oosi1>»>e. JnscMr. 10. v. 2Tr. MNImoch: Nattonal- ökonornte sG'- nnvbcgitffo der RaUoualökononne; Tr. Conr. Srbintdl) Tonne, slaq: ffi c t ch i ch I c iTle vorgeschlchlüche Zeit und die eisten geich chllich cn Neberllcserunoc»; Tr. Georg Zepvler). g, eiiag: E e I e st e S l»>> de lA'beNsvcrirgg. die soziaipolilislbe Weiepgebung. Slrasrcch,, gewerbliches Kon- zeistonsivese», öl,.recht, m>cU>«>ccht, S>b- und Vormnndichgstsrecht, öffe»»ich-s R.chl t Mcchlsanwalt Wolsgang Heine). Die Bibltotbel ist von S- S Nhr geöfsnet. Milgticdsbetlrag inonatl. 25 Pf.. Kurins(10»ibcndc) i M. pro Fach. Th. ilnehnrer werde» anfgcnonnnen i» dcr Schule und ln folg. Stellen t Gottsr. Schulz, ?!r>niralstr.«oa, Menl. Parniinflr.«e t Schiller, vfostnlhalerfir. 57: SNeincrt, Wnltcrftr. t.i; Paul Mücke, Mantcnffctflr. ics: H König». Ticffcnbnchslr. so. Alle gnschrlftc» sind a» den Poifiücndc» Panl Mücke jr.. i-V. Man- tensfctstr. les, Ecldfcndungcn an den Kaffirer H. König», L. Ticffenbachstr.»o, zu senden. xekr- ,„>d x>I«l!>iti,l!l»b». Lrcilag. Aufrlärung, abend» 9 Uhr, Sebaflianstr. 72 bci Fcrger.— D l e b g e n. Wiefenstr. 39 bei Frls Schiöder.— Karl Marx, Maricndorferflr. 5 bei Grube. Arbeitrr-Kiiiigrrbnnd Kerli»» n»d der Zliiisegend. Parsttzender Adolf Ncniiian», Brunncnstraste I5V.— Alle Acndcrnngcn in, BereinSkalender find zu richten a» Fried. Korlum, PtanteuNelstr, 50, v. 2 Tr. Lreitag. NebuugSstunde abend» 9 bis Ii Nhr. Aufnahnie von Mitgliedern.— K aifer'scher Männer chor. Echwedterstr. n'u bei Werna».— Nord, Brunnenstrabe ,60 bei Ad. Neunrann.— Unverzagt I, Melchtorstr.>5 bei Etchmann.— Treu und Einigkeit, Rixdoif, Vergfir. 2» bci Wühler.- B» ch b i» d e r- Di ä» n e r ch o r, Sövnickcrstr. 53 bei Schöning.— Vereinte Sangcsbrnder Moabit», Pultlihstr. 10 bei I. Pfarr.— W e l l e n r u f, Nolenthalnstrabe 57 bei Schiller.— M a i g l öctd, s». Lindoiverstrabe 26 bei Cach».- G- mü I h lich kett(Putzer), Seydelstr. so bei Krüger.- Morgenroth II, Eharlotteuburg. Bismarckstrabe 7t bei Krause.— Tnpographia, Beuthstraße 20 bei Cohn.— Weorgtna, Worlttzer- firabe 52 bei Vogel.— Vorwärts III, FriedrichSfelds, Friedrichsfeldei Prtnzen-Allee 30 bei Bube.— m h e i n g 0 l d, W-instr. 11 bei ffelndt.— Nokenthaler B 0 r ft a d«, Ufedomstr. SS bci Olboter.— Melodia, Nirdorf, Bergstr. 152 bei Thomas.- Iris, Naunnnstrabe SS bei Streit.— Branden burger M ä n n er- G e s a n g v e r e i n, Brandenburg a. H.. Berg- ftrahe 6, MengerU» BollSgarten.— Libertt, Wrangelstr.»« be, Nedanz.— Brüderschaft(Hausdiener), Alte Jakobstrabe 5t/55 bei Mehrwald.— Freie Liedertafel, Elraußbergerstr. 3 bei Wwe. Nöll. N 0 r d w a ch t, ilhausseestr. 72 bci Meibncr.— Sängerkreis(Neu-Weibens-e). Lang- han»i,rabe ss bci Ncudenbcraer. Geselligkeit, Hennigsdorf, Bohmert s Gasthaus.— Eintracht Iis, Eberswalde. Eiscnbahnstrabs 5S bei Hagewald.— V ölt erfrüh liug(Etulfateure), Oranienstr 109 bci Greifer.— Nene Zeit, Aammlerstr. 2S(Ecke Ewiucmitnderstr.) bei Schmidt.— Liederkranz, Brandenburg a.H., Be>gstr. s(M-ngerl'S Bolfsgartei».- Fr e t h e i l s g 1 0 ch e 11. Mörlherftr. ss bei rBuchholz.— K l i n g 1» ü l l e r' f ch e r Männerchor, Weibenfcc, Friedrichs,. tl bci Leuchlcnberger.— Treher'fcherGesang- verein, Weidenwcg-2 bci Fialkowskr,.— S ch 0r III. Z-HI-ndorf. Machnower- strabe 5 bei Tohrmann.— Karthaus'fcher Gesangverein, Landsberger Allee 165 bei Söbel.— Bruderherz, Bsrnaucrst,. IS bei Laulfch. Arbeiter- Iluucherbund Kertino imd der jinigegend. Aenderungen im Bereiuskaleudsr find zu richten an Hermann Braunschweig, Drcsdenersir. SO, 2. Hof. Lreitng. Südost, Wicnerstr. vz bei FelSIe. Kund der aeleli ige» Arbeiterverein« Kerii»» utid jimgegend. Vorsitzender P. Gent DreSdeneistr. 107/lo». Aenderungen den Vercinslalcuder betreffend sind zu richte» an H. Bendix. Alexandrinenftr. 100. L'rritag! Skat- llnb E i n i g k e i t, Wolltnerftr. 45 bei Zugowski. «claug., Sur», und g-ielligl»Icr-inr. Lreltag. Athletenvercin Felsenfest, Kraulstr. s bei Böttcher.— Tanzlehrc, verein S 0 l i d a r t t ä l. Jnfclstr. 10 det Stabe,»ach.— Musilverei» Tusch, Ucbuugsflunde jeden Freitag, AereinSsitzung jeden Tienstag nach den, l. Langes, r. I0S bei Nebelin. Nanchklub Ohne Zwang, Wcinstr. 2S bei Spät.— T» r n v e r- i n G e j»„ d b rn n» e n. Abends von s>.— loij Nhr: l. Manne, ablheilnng Panlflr. s-xo.— Turnverein Osten. Blunicnfträbe 63a, s�-io Uhr(LchrlingSablheiluIig)— Zilherkluv Frohfi»», Grünerwcg 29 bci Zimmermann.— Nadfahrerklub Gloria, Manleuffelftr. s bei Stowach.— Mufikveret» Allegrell 0, Blücherstr ss. Arbeiter Sur,>r>b»»d. Kreitag: Turnveie», Fichle, Berit». AbenbS von s— 10 Uhr; 2, Männer- Ablheilnng Ekalitzsrstrabe 55—50.«. Männer- ablheilnng Slcphanstrabe s. s. Männerabihcilung Ackcrstrab- S7.«. Männer» ablheilnng Slallfchieiberstrab- 6«. 1. Lehrilngsabih-Uung Fri-d-nstrnb- 87. 3. Lehrlingsablhcituug Bocchhstrabe 21. I. Tanienabihetlung Martannen- Ufer la.— Arbette-Turnverein(Adlers Hof) von S!j—iO)( Uhr abend» i» Köpenick, Rudowcrstr- bet Scheel.— Fr° t e T» r n e r f ch a f r, Nlxdorf, Britz, s. Schüler-Ablb. van sx-sij, s. Männer- und LehrlingS-Ablh. von «)(— lojj Uhr abends bei Haffmami, Bergstr. 151/152. Graste öffentlich,, ziolll». U-rfninnilnng. Freitag, den 17. Dezember, abends Uhr. bei LipS, Braueiei an, Friedrichshaln 22-20 Tagesordnung: DasMärz-Denkmal eine Ehrenschuld der Berliner Bürger- I ch c. f l und d e r V e r l i» e r M a g> st r a l. Nefelentei,: Die Herren Hein, Krüger und Dr. JuUüSMofcS. Stadtverordnete und Magistrat sind zu der Berfauinilüng eingeladen. Arbrit-r-0tc»ovrapI,ei>vcreIn..Sialfe", Llndenstr. los im Restaurant Fritz Zubeil. Uebungsstimde 8-11 Uhr abends. Unterrichtsstunde jederzeit. Gäste erwünscht. Krrlinrr Kranlil»-lUnterstiibiinga-»»d Segräbnistvereiu siir Fr»»,»» «IIb yiiidchtn.(Scgründ-r 1892.) Heule, abends 7—9 Uhr, bei Mehrwald, All- Zaladstr. 54—56, Zahladcnd. Daselbst werden auch jederzeit neue Mitglieder aufgenanune». Kür den Inhalt dcr Inserate «bcriiinimt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Vernntwortung. �szvAtev. Freitag, 17. Dezember. Opernhaus. 4. Symphome-ASend. Anfang 71/2 Uhr. Schauspielhaus. Das neue Weib. Anfang 7'/, Uhr. Deutsches. Mädchentraum. Anfang 7V2 Uhr. Berliner. Die kleinen Vagabunden. Anfang 7'/z Uhr. Goethe. Das HauS bcS Majors. Anfang 7'/, Uhr. ReueS. Die Logenbrüder. Ansang 71/2 Uhr. Schiller. Die wilde Jagd. Anfang 8 Uhr. Belle-Alliance WcihnachtSzauber. Ansang 8 Uhr. Lessing. Bartel Turaser. Ansang 7-/2 Uhr. Residenz. Le Fiacre 117. Anfang 71/, Uhr. Uuter de» Linde». Orpheus in der Unterwelt. Ansang 7'/, Uhr. Eeutral. Berliner Fahrten. Anfang 7>/, Uhr. Thalia. Bitte recht freundlich. Hierauf Berlin über Alles,«»fang 71/, Uhr. Luise». Fröhliche Weihnacht! An- sang 8 Uhr. Friedrich- WilhelmsiädlischcS. Im Lichte der Wahrheit. Anfang 8 Uhr. Osteud. Leben und Lieben. An- fang 8 Uhr. SllexaudcrPIast. Die Versührerin. Anfang 8 Uhr. Itrania. Tanbenstraste 48—4«. Naturkimdl. Ausstellung v. ll> Uhr vormittags ab. Abends 8 Uhr Wisseilschaftl. Theater. Juvalidenstraße 57/62. Täglich (außer Sonntags und Mittwochs) abends 8 Uhr: Wissenschaftliche Vorträge. Reichshalleii. Spezialitäten. An- fang 71/2 Uhr. America». Spezialitäten. Anfang 8 Uhr. Apollo. Spezialitäten. Ans. 7>/, Uhr. Fecn-Palast. Spezialitäten. Passage> Pauoptikun». Wiener Tanz- und Operetten-Gesellschaft. Unonia TeuilKenstl-aBK» 48—40. Katurkunäl. Ausstellung täglich geöffnet von 10 Uhr vonn. ab. Eintritt 50 Pk.— Abends 8 Uhr: Wissenschaft!. Theater. InYaIi(leii9(trasseNo.57/6S: Täglich(ausser Sonntags und Mittwochs) abds. 8 Uhr: Wissenschaftliche Vorträge. Näheres die Tagesanschläge! Passaye-Panoplicum. WieneF v Tanz- und k OpereKen- k' Gesellschaft. Zum Schluß: lllustl'ii'tes yuodlihet m.Gssang».Tanz vsstsn's kgooptieum. Friodrichstr. 1G5. Indiucli- Iiindusta- nfsiclie G a n k 1 e i* — und— klangen- IteMchivörcr. Das BÄRENWEIB. Centrai-Theater Alte Jakobstr. 00. Direktion Iticlmi-d Sclmlt». Freitag, den 17. Dezember 1897, £inil Tlionius a. G. Zum 104. Male: BSenSinen k'stknten. Burleske AusstattmigSpoffeiuit Gesang und Tanz in 0 Bildern von Julius Freiiitd»ud Wilhelm Manustädt. Musik von J»l. EinödSH ofer. Aufaug V-L Uhr. Morgen und folgende Tage: Bcr- lincr Fahrte». LoueerwauL l.eIz»2'.>gei-»t»-.lV«.48. UP- Täglich: Hoffmann's Quartett «ub Humoristen. Allkglltl' Sonntag 7 Uhr Wochcnt. 8 Uhr.' -Alle fUnf 1t ari-l s o u 8. Zum 246, Male: Ueno, lirbe Ueno. W. Moack's Thealer ■( v 11 11 n c n- 8 i r a s 8 o IO. Täglich: Weihnachts wünsche oder: Ei» Trauiii in der Christnacht. Weihnachtsmärchen mit Gesang in l! Alten van Jacobson«. Girndt. Jeden Sonntag und Donnerstag nach dcr Vorstellung: T a l» z k r ii» z ch e 1». Täglich abends 8 Uhr Neues 1�5%. 's 0j>. /oJ) Schilloo Dhontev (Walliier-Thcatcr). Freitag, abcudS 8 Uhr: Zum ersten Male: Tic Ivildc Jagd. Sonnabend, nachm. 4 Uhr: Kinder- Vorstellinig: Der verwunschene Prinz.- Abends 8 Uhr: Die wilde Jagd._ Luisen-Theater 34. Reichenbergetsiraße 34. Abends 8 Uhr: Mhliche Weihtillcht. Zauberniärchen mit Musik in 5 Bildern von L. Otto meyer. Musik von Fritz Krause. Sonnabend: Fröhliche Weihnacht. Direkte Verbindung mit dem Theater: Elektr. Bahn: Dönhoffplatz— Neichen- bergerstraße in 10 Minuten. Osiettd-Theater. «r. Frankslirterflr. 132. Dir. C. Weiss. Zunl 21. Male: Lebe«» und Liebei». Bolksstück mit Gesang in 5 Akten von O. Klein. Musik von G. Wanda. Ans. 8 Uhr. Im Tunnel von 7 Uhr ab: — Frei-Konzert.— Sonntag, zum l. Male: Christin- che«. Weihuachtsmärchen mit Gesang von Günther Brauer. bi�MPiA Riesentheater (Circus Eenz.) Karlstrasse. 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