Nr. 395. Kboimements-Kedwgvngtn: «bonnement«> Stet« pränumerando: «ierteltährl. 3,80®!t, monatl. 1,10 Ml., wöchentltch 28 Pfg. frei in« Haut. Einzelne Nummer s Pfg. Tonntag«- Nummer mir illuftrirter Sonniag»- Beilage„Die Neue Well" 10 Pfg. Post- Abonnemenl: ILO Mari pro Quarlal. Einzelragen in der Post- Zettung«- Preisliste für 1897 unter Nr. 7487. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland 3 Marl pro Monat. 14. Jahrg. Dir Insertion»-Vtbilhk beträgt für die sechtgefpaltene Kolonel» zeile oder deren Raum«0 Pfg., für verein«- und Verfammlungt-Anzetgen. sowie Ardeiitmarll 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen dt« 4 Uhr nachmittag« in der SrpedUton abgegeben werde». Die Srpedilion Ist an Wochentagen bis 7 Uhr abend«. an Sonn- und Festtagen bis o Uhr vormittag« geöffnet. Erschriui litgltch anfiel lvonlag«. Vevlinev Volksblatk. Fernsprecher: Ninl I, Nr. 1898. Delegramm- Adresse: „PoilnIdempKrat Verls»". Dentvalorgcrn der sozialdemokratischen Uartei Deutschlands. Fiednktiott: 8W. 19, N-nly-Str.lße 2. Spedition: SW. 19. Zitttty-Straße 3. Die ttttsmÄrkige DolitiK und der Meichskug. Es wird uns geschrieben: Vor einigen Tagen ging die Nachricht durch die Vresse, daß der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes demnächst ausführliche Mittheilungen über den Stand der ostasiatischen Affäre im Reichstage machen werde. Bald darauf erklärte aber der Hamburger Korrespondent offiziös, daß diese Nach- richt irrig sei. Mit Rücksicht auf die schwebenden diploniatischcn Verhandlungen lasse sich der Zeitpunkt solcher Mittheilungen überhaupt noch nicht fixiren. Es ist ein eigeuartiaes Schauspiel, das sich hier vor dem deutschen Volke abspielt. In China werden Missionare ermordet, die deutsche Regierung verlangt Genngthming, begnügt sich aber nicht mit der Vorlegung der bloßen Forde rnngen, sondern besetzt chinesisches Gebiet und entsendet außer- dem zwei Krenzcrdivisionen nach Ostasien, um möglicherweise nicht nur die Erfüllung der deutschen Forderungen zu erzwingen sonder» noch weitergehende Annexionspläne zu verfolgen Alle Welt, die internationale Diplomatie und Presse wird durch den Zwischenfall in Athem und Bewegung gehalten, man erblickt mit recht in dem Vorgehen Deutschlands eine grundsätzliche Aenderung seiner bisherigen Anslandspolitik, deren Verfolgung von der entscheidendsten Bedeutung auch für die innere Politik Deutschlands, namentlich in finanzieller Be- ziehnng, werden kann. Alle diese Dinge spielen sich ab oder bereiten sich vor— hinter dem Rücken des deutschen Volkes. Der deutsche Reichstag wird nicht befragt, er kann sich in der Frage nicht äußern, ja er will sich allem Anscheine nach nicht einmal äußern. Denn selbst der neugierige Ab geordnete Richter sagte in seiner Etatsrede: „Bezüglich China's möchte ich mir und meiner Partei jede Stellungnahme vorbehalten: Wir billigen und mißbilligen nicht, was geschehen ist. Wir können uns kein Urtheil bilden, weil wir die Verhältnisse nicht zu übersehen im stände sind; und wie ich höre, wird auch im Laufe der Debatte weiter keine Aufklärung gegeben werden.* Das ist das Bekenntniß des Reichstages: Wir wissen nichts, darum können wir uns kein Urtheil bilden. Ist es eines konstitutionell regierten Landes würdig, daß das Par- lainent in dieser Weise in wichtigen politischen Fragen der Regierung wie ein dummer Schuljunge gegenübersteht, der auf Aufklärung warten muß, bis es dem gestrengen Herrn Lehrer zu sprechen gefällt? Man wende nicht ein, die Natur der diplomatischen Verhandlungen gestatte eine offene Anfklärnng nicht. Das wäre hier die faulste Ausrede, die seitens der Regierung gebraucht werden kann. Wir verstehen sehr wohl, daß solche Dinge seitens einer Regierung mit größter Delikatesse behandelt werden müssen. Aber das bedingt doch noch nicht eine der- artige Behandlung der gesetzgebenden Körperschaft wie sie hier geübt wird. Zunächst kann die Mittheilung geschehener Dinge ohne jeden Anstand erfolgen. Der Reichstag kann aufgeklärt werden über den Anlaß der großen Aktion, über die thalsächlich er- folgten Schritte seitens Deutschlands, ihm können ferner die verschiedenen Eventualitäten vorgeführt werden, die aus dein Emitfalle sich ergeben, ihm kann zum mindesten altes das imlerbreitet werden, was die Diplomatie dritter Lander über den ganzen Handel offiziell oder indirekt bisher er- fahren hat. Es ist gar kein Zweifel, die Affäre kann dem Parlamente schon heute in einer Weise unterbreitet werden, die eine grundsätzliche Aussprache im Reichstage ge- stattete. So wie gegenwärtig die ostasiatische Frage behandelt wird, gewinnt es im Auslande den Anschein, als ob hinter der deutschen Regierung das deutsche Volk nicht stände, als ob die Regierung Pläne verfolgte, die sie dem Parlamente verheimlichen will. Ob ein solcher Schein auf den Gang der Verhandlungen nicht störender wirkt als eine Aussprache im Reichstage, das ist eine Frage, die wir nicht zu gnnstcn der Geheimnißkrämcrei beantworten möchten. Die verletzende Todtschweigetaktit unserer deutschen Diplo- matic ist um so kleinlicher, als sie ja nicht einmal konsequent durchgeführt wird. Wenn eine Erörterung der ostasiatischcn Frage gar so brenzlich wäre, so würde gciviß der Prinz Heinrich nicht in den verschiedenen Abschicdsaudienzen in Kiel Worte fallen gclaskn' haben, die vom Standpunkte der zünftigen Diplomatie sicherlich nicht den Passirschein erhallen hätten. Wozu also dem Reichstag gegenüber das andauernde Schweige- system? llnscres Erachtens ist es auch gar nicht die vorgeschobene Rücksicht auf die schivebenden Verhandlungen, die der Regierung den Mund versiegeln, sondern es ist der'Ausfluß einer wohl Überlegten Politik, den Reichstag in ans- wältigen Fragen nicht mitreden lassen zu wolle». Man will auswärtige Politik betreiben, ohne von der Volksvertretung irgendwie abhängig zu sein. Und dieser Umstand ist es, der für das deutsche Parlament tief be- s ch ä m c n d sein muß und den es sich auf die Dauer nicht gefallen lassen darf. Eine einzige Erwägung genügt, um die Unhalibarkcit einer solchen Todtschiveigcpolitik nachzniveisen. Bei ernsten Vernickelungen, ivie sie jetzt in Ostasien vorliegen, muß immer mit der Möglichkeit gerechnet werden, daß ans ihnen weittragende Konflikte, daß Krieg und Fciudseliakeitcn mit anderen Ländern entstehen. Wenn der Reichstag bei der Entstehung und Fortsetzung solcher Verwickelungen gar nichts zu sagen hat, so kann der Fall eintreten, daß er eines schönen Tages vor ein iait accornpli(vollendete Thatsache) gestellt wird, das nicht rück- gängig gemacht werden kann, dessen ganze Konsequenzen dann nicht die deutsche Regierung, sondern das deutsche Volk zu tragen hat. Diese Konsequenzen bestehen vor- nehmlich in finanziellen Lasten, vielleicht aber auch in Opfern an Leib und Leben. Für diese Opfer hat aber der Reichstag anfznkommen. Er bewilligt die Kredite, die AnSgaben, die im Gefolge eines solchen Konfliktes ent stehen. Wenn eine Affäre bis zu diesem Punkte gediehen ist, kann der Reichstag der Regierung nicht mehr links nm kehrt kommandiren, er kann nicht die ganze deutsche Diplomatie als den blamirten Europäer stehen lassen, sondern er muß wohl oder übel, dazu wird er dann durch den Gegner gedrängt, die unheilvolle Politik der Diplomaten fortsetzen, er muß die Suppe anslöffeln, die ihm die Regierung eingebrockt hat. Und weil eine solche Erwägung nicht außerhalb des Bereiches der Möglichkeit liegt, weil sie um so wahrschein- lichcr weiden muß, je geringer das Vertrauen des Parlamentes in die jeweilige Regierung ist, desto mehr muß der Reichstag zu einer Zeit Ansklärung verlangen, wo es noch möglich ist, auf die Politik der Diplomaten mäßigend und warnend einzuwirken. Und frage» wir noch: Kann das Parlament zu der heutigen Regiernng jenes Vertrauen haben, das eine Garantie gegen die Jnszenirnug hochfliegender Pläne böte? Wir glauben, die Unstctigkeit und Plötzlichkeit, mit der in Deutschland regiert wird, lassen keinen Moment einen Zweifel an der einzig richtigen Antwort auf- kommen. Die Bezeichnung Zickzack-Knrs spricht deutlich dafür, wessen alles man in Deutschland sich zu verschen hat. Ist doch im Reichstag der Regierung oft genug das Kompliment ihrer Unbeständigkeit und Plötzlichkeit so nachdrücklich und so über- etnstimmcnd gemacht worden, daß es nahezu an Leichtsinn grenzte, wenn nun ans einmal angesichts der ostasiatischcn Frage der Reichstag durch das Gewährcnlassen der Schweigepolittk sein unbedingtes Vertrauen dieser Regiernng gegenüber bekundete. . Nein, ivir sind vielmehr der Meinung, wenn einmal, so hat hier der Reichstag die Aufgabe dem Volke gegenüber, nicht ans Anfklärnng zu warten, bis es der Regierung genehm ist, sondern nachdrücklichst den Leiter der auswärtigen Angelegen- heilen zum Aufschluß über den Streitfall mit China anfzn- fordern. Andernfalls macht sich der Reichstag zum Mit- schuldigen all' der Folgen, die sich ans einem widrigen Verlauf der ostasiatischcn Verwicklung ergeben können. politische Met' erficht. Berlin, 17. Dezember. Llns dem Reichstage. Wenn man bedenkt, wie lange Jahre die Reform der Biililär-Strafprozeß-Ordnnng bereits auf der Tagesordnung steht und ivie manches Tintenfaß gerade über diesen Gegenstand schon leer geschrieben worden ist, so wird man zugeben müssen, daß die Generaldebatte, welche wir in den beiden letzten Tagen über den Gegenstand Halle», der Bcdentnng derselben wenig entsprach. Soll das davon kommen, daß die Zahl derjenigen, welche überhaupt nicht an das Znstandckommcn des Gesetzes glauben, sehr groß ist?" Sei dem, ivie ihm wolle, sicher ist, daß gerade der Verlans dieser Debatte wieder gezeigt hat, wie sehr unser politisches Lebe» im Lause der letzten 25 Jahre zurückgegangen ist und wie das liberale Bürgerthum seine einstigen Ideale im Stiche läßt. Noch zu Beginn der 70er Jahre galt es für eine selbstverständ- liche liberale Forderung, daß bei einer Reform des Militär-Strafprozesses nur mehr die rein militärischen Vcr- gehen den Militärgerichten verbleiben dürfen. Heute vertrat nur mehr unser Genosse F r o h m e diesen Standpunkt, während selbst die Redner der libecntcn Linken denselben als nnerreich- bar aufgaben. Daß wir ein ans der allgemeinen Wehrpflicht hervorgehendes VolkSheer haben, wie sonst wohl behauptet wird, darüber schwiegen die Redner von rechts und links ich ans; sie alle stellten sich auf den Boden der Vorlage, welche ihrem ganzen Inhalte nach von Voraussetzungen ausgeht, die für ein Söldnerheer passend zu wahren ssein möge». Daß neben der Disziplin es auch in der Armee noch Menschenrechte giebt, daran erinnert in der ganzen Debatte nur unser Vcr- trctcr, der allerdings in vortrefflicher Weise den mili- tärischen die allgemein menschlichen Interessen entgegenstellte. Daß der Generalauditcur Ittenbach an der Frohme'schen Rede nur Tadclnswcrthes fand, spricht nur für die Ans- ührungen Froh ine's, denn der Standpunkt, wie ihn der erste Mititär-Justizbeamte der deutschen Armee vertritt, ent- pricht, wie Fr 0 Knie treffend bemerkte, mehr einem mittel- alterlichen Profossen wie einem modernen Juristen. Nachdem Redner der verschiedensten Parteien sich noch geäußert und besonders M 11 n ck e l, als letzter Redner, das " ans durch eine geisisprühende Rede noch ein gutes halbes tnndchen gefesselt hatte, trat Schluß der Verhandlung ein. Die Vorlage wurde einer Kommission von 21 Mitgliedern überwiesen und dann das Haus, nachdem vorher noch der Herr Präsident dem Abgeordnelen Di eben zu seinem 87. Geburtstag in herzlichen Worten gratulirt hatte, bis zum Dienstag, den 11. Jannar 1898, mittags 2 Uhr vertagt.— Tie Evangeliums- Reden von Kiel werden selbst von der devotesten Presse nicht mit uneingeschränkter Freudigkeit aufgenommen. Zwar jubelt diese Presse über die„neuen Bahnen", die der Kaiser gewiesen habe, aber einiges in den Reden erscheint ihr denn doch auch etwas bedenklich. So schreibt selbst die„K r e u z- Z e i t u n g": „Die Rede, mit der Se. kgl. Hoheit der Prinz Heinrich diese begeisternde Ansprache Sr. Majestät erwiderte, ist in der Wahl d e r A u s d 1 u ck e nicht überall glücklich gewesen. Eine „Krone mit Dornen" trägt nur einer, der am Charfreitag fein Blut siir uns dahingegeben hat. und nur ein„Evangeliinn" wird uns Ciirisien„gepredigt", das ist jenes, von dem es in acht Tagen heißt:„Euch ist heute der Heiland geboren." Der Widerhall. den die Worte Sr. Majestät im Herzen seines königlichen Bruders fanden, der Ueberschwang der Gefühle des Augenblicks mögen diese inißoersländlichen Worte erklären.... Aehnlich sprachen sich auch die„Deutsche Tageszeitung" und andere konservative Organe ans. Roch unzufriedener mit dem „Evangelium von Euerer Majestät" sind die katholischen Blätter. Die ausländische Presse nimmt, soweit bisher zu sehen, die Kieler Kundgebung entweder sehr kühl oder aber ziemlich nnfrenndlich auf. Die englischen Blätter ergehen sich, wie der„Voss. Ztg." telegraphirt wird, vielfach in ironischen Wendungen und meinen, das Gepränge in Kiel solle nur zur Propaganda für die Flottenvorlage dienen. Die „Times" snrchlen, die Kieler Reden müßten zu den nn- glücklichsten zählen, die von den Lippen ihrer Urheber jemals gefallen seien.„Morning Post" mnthmaßt, der Kaiser hoffe durch eine kühle auswärtige Politik den inneren Schwierig-- keilen zu begegnen.„Daily Telegraph" erklärt von neuem, sein Berliner Berichterstatter wisse ans gntinformirter diplomatischer Quelle, die r n s s i s ch e R e g i e r n n g u n t e r st ü tz e keineswegs die deutsche Politik in China. Alle iiiteressirten Mächte, nämlich Rußland, England, Frankreich und Japan überwachten genau die Ent- wickelnng der Ereignisse und betrachteten das Vorgehen Deutschlands vom moralischen Gesichtspunkte als außer allem V e r h ä l t u i ß stehend mit dem erlittenen Unrecht. Auch russische Blätter, die bisher sich zur Besetzung der Kiao-Tschon-Bnchr fast völlig theilnahmslos verhalten hatten, beginnen Stellung gegen Deutschland zu nehmen. lieber die wirkliche Meinung der auswärtigen Regierungen weiß mau nichts. Die Diplomatie arbeitet im Dunklen. Die Völker müssen es sich gefallen lassen und haben nachher Gut und Blut zum Opfer zu bringen. Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" veröffentlicht eine Anzahl Zuschriften an den Prinzen Heinrich, in denen ihre Absender ihre Freude über das chinesische Untern iternchmen kundgeben. Solche Kundgebungen sind leicht zu veranstalten. Zum Beispiel würde ans Düsseldorf an den Prinzen Heinrich folgendes Tele-- granim abgesandt:„Ew. königl. Hoheit sendet zur Ausfahrt nach fernen Landen fröhliches Glückauf. Verein deutscher Eisenhüttcnlcnte." Hierauf wurde folgendes Dankestelegramin erlassen:'„Herzlichen Dank den deutsche» Eisenhüttenleuten! I. A. von Srckendorff." Die Begeisterung der Eisenhntten-Jndnstriellen und ähnlicher Leute ist leicht zu verstehen. Ihnen werden die neuen Cchiffsbauten reichen Gewinn bringen. Die Kirchensürslen Stablewski und Kopp mit den Baronen der Eisenindustrie Arm in Arm für Flottenvermebrung und Secinachlentsallung schwärmend— eine reizende Zusammen- stellnng!— Nochmals Herr Kontie- Ndmical Bitchsel. Herr Büchsel hat im Reichstag nnsereui Blatte, wenn auch verhüllt, den Vorwurf gemacht, wir hätten in der Wiedergabe der Ver- fügung des Marine-AinteS, welche den Werft- und Hasen- arbeilern die Lektüre des„vaterländischen"„Werft- und Hafenbote" aufzuoklroyiren suchte, einen wichtigen Passus fort- gelassen. Dieser Passus besagte, wie wir bereits mittheilten, daß eine Bccinfliissnng der Arbeiter nicht geschehe» solle. Wir hatten nnn schon darauf hingewiesen, daß das Vorhandensein dieses Passus nicht das geringste an der Angelegenheit ändere. Auch mit diesem Vorbehalt wäre die Verfügung des Marine- Amtes ein ungehöriger Gebrauch der amtlichen Machtstellung. Nnn wird uns aber nntgetheilt, daß der Vorwurf des errn Kontrc-Admirals sich überhaupt an eine ganz falsche ldresse gerichtet hat. Er hätte sich vielmehr gegen die kaiserliche W e r f t v e r w a l t n 11 g zu Kiel wenden sollen. Wie der„Vorwärts" schon ausdrücklich bemerkte, hat das Schriftstück so, wie er es v e r ö f f e n t l i ch l hat, unter den Meistern und W e r k s ü h r e r n der Werft z i r k>1 l i r t. Hat der vom Kontre-Admiral Büchsel angegebene PassnS im Original der Verfttgung des Reichs-Marine-Amles ge- standen, dann hat eben die Kieler Werftbchörde den gerade nach Herrn Büchsel so wichtigen Passus den Meistern und Werk- sührern nicht m i t g e t h e i l t. Wir sind dem Herrn Kontre-Admiral recht dankbar, daß er diesen Thatbcstand-aii's Licht gebracht hat. Das Marine- Amt hält es für gut zu verbieten, daß die Arbeiter veranlaßt werde», die Zeitung zu halten,»nd die Wcrftbehörde theilt wohl das Schreiben an die Meister und Werkführer mit, findet es aber für nöthig, diesen Passus zu streichen. Deutlicher konnte die Werft es garnicht doknmentire», mit welchen Mitteln sie die Zeitung verbreitet sehen wollte.— *• Tenisches Reich. — Das Prügel- Eh r i st e n t h>1 in in den B 0 d e l s ch wi 11 g h' s ch« 11 Anstalten sordeit nun selbst Blätter zir Kritik Hera»?, weiche gewöhnlich alles Schlechte, wenn es sich nur mit de,» religiösen Mcintelchen deckt, billigen. Die Enthüllungen des Prozesses sind aber doch zu unangenehmer Art, als daß man diese Zustände durch Schweigen oder Zustimmung beschönigen könnte. So schreiben jetzt die„Berliner Neueiten Nachrichten": „Wenn nun auch der Gerechligkeil mit der Berurthellung deS «ugetlagten genüge geschehen ist. so bedeutet die Veruriheilung des Angeklagten jedoch keinesu'egS einen vollen Sieg der betheiligteu Anstalt. Im Gegenthcil muß konstatirt werden. daß die Beweisaufnahme, selbst wenn man»ine ganze Anzahl von Zeugenaussagen als minderwerthig ausscheidet, soviel Bloß. stellendes ergeben hat, daß es erforderlich erscheint, das Treibe» in diesem der christlichen LiebeSthätigkeit dlenenden. sich von ihr aber oft weit entfernenden Institut in Zukunft einer schärferen Kontrolle zu unterwerfen. Insbesondere wird es unsere« Erachtens Sache der ressortirenden BezirkSregierungen sein, durch öftere Revisionen der Anstalt eine bessere Gewähr gegen die brutale Behandlung unglücklicher Insassen zu schaffen, als sie bisher bestanden hat. Denn daß. ähnlich wie in der Alexianer-Anstalt Mariaberg. HSuslinge schwer gemißhandelt ivorden sind und derlei rohe Gewaltakte, die sogar mittels lebensgefährlicher Instrumente begange» wurden, sich häufig iviederholt haben, ist ebenso wenig zu bezweifeln. wie daß in der Anstalt auch sonst noch viele«, sowohl i» der«er- pfiegung wie in der Verwaltung und Haltung der Häusliuge zu schwerem Tadel Anlaß bietet. Wir wollen auf die Einzelheiten der Beweisausnahme nicht näher eingehe», konstatiren aber, daß von seilen deS Oberärzte« wie auch einzelner Beamten, ja sogar des Sohues des Pastors von Bodelschwiiigh selbst Gewalt- t h ä t i g k e i t e n und grobe Verstöße gegen die Rein- lichkeit zugegeben worden sind. Ebenso ist die Anwendung der Zwangsjacke festgestellt worden, ohne daß ärztliche Auf- ficht und Prüfung stattfand: alle Dinge, die nach dem heutigen Stande der Gesetzgebung, bezim nach den miilisteriellen Vorschriften direkt alS Bergehungen zu bezeichnen sind." Dies herbe Urtheil ist um so vernichtender, alS«S von einem Blatte ausgeht, da« sonst dem kapitalistischen Ehristenlhum bei jeder Gelegenheit das Wort redet.— — Der Betrieb«. Ueberfchuß deS„Deutschen RelchS«»nd Preußischen EtaatS-Anzeigers" ist für daS Rechnungsjahr töSS auf 201 1S0 M. veranschlagt, so daß auf die ReichSkasse, welche an diesem Wirthschaflsergebuisse mit der Hälfte partizipirt, 100590 M. entfallen.— — Disziplinarmittel im Zuchthaus. Wie die „Frankfurter Zeitung" berichtet, ist e» in letzter Zeit mehrfach vor- gekomnien, daß Sträfling« sich wegen Gewaltthätigkeiten. die sie gegen Beamte im hessischen Zuchthaus Marienschloß verübte». sich vor der Strafkammer in G i e ß e n zu verantworten hatten. Am 14. d. M. fand auch eine solche Verhandlung statt, in der der Angeklagt« angab, daß er durch die ihm widerfahrene Behandlung zum Widerstand und zur Körperverletzung gegen zivei Beamte gereizt worden wäre. Der Angeklagte, ein zu Gewal tthStigkeiten neigender Mensch, erhielt eine hohe Strafe. Was aber den Hörer mit Grauen erfüllen mußte. ist die Thatsache, die auch von dem alS Zeugen vernommiiieii Direktor kühl zugegeben wurde, daß ein beliebtes Disziplinarmitlel das„Krumm schließen" ist. daß dies„Diszipliiiarmittel" v on jedem Beamten verhängt werden kann und daß eS bi« zu 12 Stunden dauern kann, ohne daß der Arzt den Delinquenten besichtigt. Der davon Betroffene wird dabei in den Keller gebracht, er verliert bald die Herrschaft über seinen Körper derart, daß„alle« unter ihn geht".„DaS ist eben eine Folge des Krummschließeiis", meint« der Direktor. Weiterer Schutz für Beran- lassung und Maß dieser grausame» Disziplinarstrafe als die Meldung an den Direktor und der Besuch des Arztes nach 12 Stunden bestehen nicht. Der Fall beweist wieder, wie dringend nothwendig die Reform deS Strafvollzuges ist. damit eine humanere uud verständigere Be- Handlung dem Strafgefangenen zu theil wird.— — Die Polizei soll nicht überall eingreifen und reglementiren. sagte Herr v. P o s a d r s k y. Wir empfehlen dem Herrn Staatssekretär die nachfolgende Polizei- Verordnung gegen die Veranstaltung von Privat- festlichkeiten, welche der Landralh des Kreises Mühl- heim a. d. Ruhr erlassen hat: „Z 1. Vereine und Privatgesellschaften, die in einem Wirths hause eine Tanzlustbarkeit verau st alten, haben davon mindestens 24 Stunden vor dem Beginne der Lustbarkeit unter An- gäbe deS Ortes und der Zeit derselben durck ihren Vorstand bei der Orts-Polizeibehörde Anzeige zu machen, ß 2. Der Anzeige ist beizufügen: 1. ein die gegenwärtigen Mitglieder«nt- haltendes Verzeichniß, sofern ein solches sich nicht bereits in Händen der Polizeibehörde befindet, und 2. ein Verzeichniß der- jeniaen Personen, welche besonders eingeführt werden sollen. Die vorstehenden Verzeichnisse niüssen den vollständigen Namen, den Beruf und die Wohnung der Mitglieder bezw. der Einzuführenden enthalten, daS Verzeichniß zu 2 auch die ausdrückliche Benennung der einzuführenden Mitglieder.§ ö. Von der Eiureichung der Ver> zeichnisse kann die Polizeibehörde auf Antrag in geeigneten Fällen entbinden.§ 4. Zuwiderhandlungen gcgeu diese Verordnnng werden an den Vorstandsmitgliedern, dem Wirth und de» an der Lustbarkeit Theilnehmendcn, in den Verzeichnissen(§ 2) jedoch nicht aufgeführten Personen mit Geldstrafe bis z» 30 M., im Unvermögens- falle mit entsprechender Haft geahndet. Allerdings ist diese Berordnung ungesetzlich, aber sie zeigt, wie eifrig die Polizei das Leben der deutschen Staatsbürger zu ordnen befliffeu ist.— — Di« Wahl de? LandtagS-Abgeordnete» Dr. WolSzlegier im Juni d. I. hat noch zu zwei p o l i t i- fchen Prozessen geführt, welche von fünf Wahlmännern. die durch ihre Stimmenthaltung dem polnischen Kandidaten zum Siege verhalfen, wegen Beleidigung angestrengt wurden. Für den polnischen Kandidaten hatte auch ein deutscher Wahlmann gestimmt, der einst mit Zuchthaus bestraft war. Nach der Wahl hatte» die Wahlmänner. welche Mitglieder desBundes der Landwirthe waren, ein gemeinsames Mittagsmahl veranstaltet, bei welchem Gutsbesitzer Mac Lean-Roschau eine Ansprache hielt und in derselben den Ans- druck gebrauchte:„Wir sind gefallen durch einen Zucht- hänSler. na, und dergleichen". Durch diesen Ausdruck fühlten sich die fünf Wahlmäniier beleidigt und richteten gegen Herrn Mac Lean«ine Klage, welche gestern zur Verhandlung kam. Der Gerichtshof nahm, wie die„Danziger Zeitung" meldet, a». daß die Worte, welche thatsächlich gebraucht worden sind, den Klägern Sewisfermaßen einen Stich beibringen uud sie verletzeii sollten. Der ierichtshof erkannte deshalb auf eine Geldstrafe von 100 M. Die zweite Klaße richtete sich gegen den frühere» Redakteur der „Danziger Allgemeinen Zeitung", Herrn v. Binz er. Die Be- leidignngen wurden in einer Depcsche vom 10. Juni und in zwei Artikeln, vom II. und 12. Juni, gefunden, in denen die Borgänge bei der Wahl in Pr. Stargard besprochen wurden. In diesen Artikeln werden die fünf Wahlinänner nicht nur„Todlengräber der deutschen Sache" genannt und als„Verräther gebrandmarkt", sondern es wird ihnen auch Aertranensbruch, Verlogenheit und Dreistigkeit vorgeworfen. Der Gerichtshof erklärt«, die Wahlmänner seien vollständig in ihrem Rechte gewesen, denn jeder kann wählen, wie er es für richtig hält. Jedoch hat der Gerichtshof alS strafmildernd angenommen, daß sich der Beklagte in Erregung befunden hat. Der Beklagte sei der öffentlichen Beleidigung in drei Fälle» schuldig und deshalb zu einer Geldstrafe von 230 Mark verurtheilt worden. Die preußische Regierung ist bekanntlich anderer Ansicht alS der Gerichtshof. Sie hat den Oberlehrer Dr. Fricke wegen seiner Stimmeulhaltung nach Westdeutschland versetzt.— — Die polnische Presse ln Preußen hat in den letzten Jabren außerordentliche Forlschritte gemacht. Politisch« Zeitungen in polnischer Sprache grebl es in 17 Städten insgesannnt 28. Die zahlreichen unpolitischen Unterhaltnngs- und Fachzeitschriften, be- sonders landwirthschastliche Blätter, wissenschaftliche Jour- nale u. f. w. werden hauptsächlich in Thorn, Posen, Beuthen und Berlin verlegt. Ferner sind noch die zahlreichen und theilweise sehr weit verbreiteten polnischen Kalender, deren es einige Dutzend giebt, zu erwähnen. Die gelesensten erscheinen in Thorn, Juowrazlaw. Gnesen, Posen, Beuthen, Königshütte. Ge- plant sind ferner seitens der Polen neue polnisch« Blätter für Breslau. Königshütte und Gleiwitz. In Gleiwitz und KönigShütte sind übrige»? auch schon in den achtziger Jahren ein paar polnisch« Zeilungeii herausgegeben worden. Die größte Auflage hat der „Katholik" in Beuthen(16—17 000 Abonnenten). Die Tages- zeitung„Wielkopolanin" in Pose» hat 10—11000 Abonnenten, der „Dztennik Poznanski" 2600. Unter den polnischen Fachzeitschriste» steht der„Poradnik gospodarezy" mit 7000 Abonnenten obenan.— — Gegen den Duellhelden Studenten Schmitz, der seiner Zeit den Studenten I a k o b i im Zweikampf erschoß. hatte das Gießener Schwurgericht am 13. d. Mts. das Urtheil zu fällen. Der Grund zum Zweikampf lag darin, daß Jakobi den Schmitz, mit dem er zusammen im Manöverquartier lag, in der Dunkelheit unabstchtlich mit dem Fuß getreten hatte. DaS Schwur- gericht sprach den Angeklagten wegen Zweikampfes mit tödtlichem Ausgange schuldig und der Gerichlsbof verurtheilt« ihn zn 2'/- Jahren Festungshaft. Die Mitglieder des Ehreugerichtsboss wurden frei» gesprochen, ebenso der Kartellträger Stammler trotz seines Geitänd- insses, die Forderung überbracht und dabei leinen Versuch gemacht zu habe», die Gegner zu versöhnen.— — Chronik der Eisenbahn» u fälle. Wie unS ein Privattelegramm meldet, überfuhr heut der Personenzug der Lübeck- Büchener Bahn den auf der Draistue(Fahrrad für Eisenbahngeleise) das GeleiS revidirenden Bahnmeister Riecke. Der Unfall ereignete sich kurz vor der Station Meiendorf und hatte den Tod des Verunglückie» zur Folge. Aus Ostpreußen, Mitte Dezember.(Eig. Bericht.) Lebhafte Besorgniß flöht de» Konservativen Ostpreußens nicht nur die ziem- lieh lebhafte Bewegung der Masnren ein, die eine eigene Partei gebildet habe» und eigene Kandidaten bei den nächsten Wahlen nnsstcllen wollen, sondern auch das Verhallen der lilhanischen Be- völkerung. Schon vor einigen Jahren machten sich Anzeichen bemerkbar. daß die bisher durch und durch konservativen Lilhauer mit der Ver- trctung der von ibiicn bewohnten Wahlkreise durch Konservative unzu- friede» waren. Bemühungen, eine»alioual-lithauische Bewegung auzm rege», sind nicht ohne Erfolg gewesen. I» Heydekrug und Memel bat sich' ein lilhauischer Wahlverem gebildet, der oft Versammlungen ver- anstaltel, und ein« eifrige Propaganda treibt. Wenn auch der Be» weguiig ein nationaler Anstricy gegeben ist, ist doch unverkennbar, daß sie sich haupisächlich gegen die Konservativen richtet. Man will in de» lithanischen Kreisen, wo bisher konservative Ab- geoiduete gewählt wurden, mit Ausnahme von Memel, das durch einen Freisimiigen vertreten ist, der mit Hilfe der Lilhauer in der Stichwahl gewählt ist, eigene Abgeord- uele durchzubriiigen suchen. Daß die Lithauer an Zahl viel zu gering sind, um«ine eigene nationale Politik zu treiben, scheint ihnen einzuleuchten. Neben Forderungen in der Echnlsrage. beschäftigen sie sich fast ausschließlich mit wirthschaftlicheu Fragen. Da wird besonders betont, daß man sür de» Bauernstand im Gegensatz zu de» Großgrundbesitzern eintreten müsse. Das ist ein Zeichen, daß die agrarische Politik, die von der Regierung jetzt geübt wird, und von der behaupiet wird, daß sie besonders den Interessen der kleinen Landwirthe entspricht, durchaus nicht den Beifall der lithauischen Bauern gefunden hat. Die Bewegung ist nicht« weniger als eine proletarisch«, wird aber sicher zur Ansrüttelung der ülrdeitrrbevölkmnig in der lithauischen Distrikte» beitragen. Wahrhaft herzerquickend wirkt der tiefe Groll, ja Haß gegen die Konservativen, der in den lithauischen Publikalione» zum Ausdruck kommt. So werden j>um Beispiel in einer lilhauifcheu Zeitung die Konservativen mit de» alten Ungarn verglichen. bei denen die Knecht« so gehorsam sein mußten. daß sie niit den Herren ins Grab zu gehen hallen. Die Partei der Konservativen gehe lediglich darauf aus, den Großen zu helfen und die Kleinen zu rupfen. Die Politik, welche unter Bismarck uud auch jetzt noch in Berlin getrieben wird, findet den Beifall der Lithauer durchaus nicht. So schreibt z. B. die„Neue lilhauische Zeitung" in Tilsit an einer Stelle: „Uns Lilhanern hat BiSmarck's Arbeit keinen Nutzen, sondern Schaden genug gemacht. Schon seine äußere Poliiik hat uns keinen Nutzen gebracht. Aus allen diesen Gründen haben wir den Fürsten Bismarck für nichts zu ehren, ihm sür nichts zu danke»." Ein andermal heißt es von den Konservatin-n: „An ihren Werken erkennen wir, daß die Partei der Konfer- vativc. uns gefährlicher ist. als die Liberalen und Sozial- d e m o k r a t e»." Uno in einer anderen Nummer sagt die„Neue lithanische Zeitung": „Sehen wir heute auf die sozialdemokratische und konservaiive Literatur! Die sozialdemokratische Literatur ist die, die das Volk erleuchtet und die konservative die, die das Volk verdummen läßt." Es ist unbestreitbar, daß solche Auslassungen auf«ine Bevölke- rung, bei der wir uns nur schwer Eingang verschaffen können, für nnS nicht schädlich wirken können. Die Konservativen haben alle Ursache, der Bewegung der Lithaner besorgt znznsehen. Uns werden über kurz oder lang'""theile daraus erwachse».— Saarbrücken, 16. Dezember.(Franks. Ztg.) Landgerichtsralh Knie mann miS Brauiischweia wird, nachdem sich die national- liberale Bürgerpartei und die freistniiige Partei über ein gemein- sames Vorgehe» verständigt haben, als a n t i- st u m m's ch e r Kandidat den Wählern deS hiesigen Kreises präsentirt werden. Herr K., der früher Mitglied der uationnlliberalen Partei war, hat sich neueidliigs den Nalionalsozialen angeschlossen.— — Chronik der Majestät s b e l« i d i g un g S- Pr oz« fs e. Dem Buchhändler L. Steding. in Firma Th. May' �fer Nachf., in Berlin ging heut« von der Staalsanwaltschast des Landgerichts 1 zu Berlin das folgende Schriftstück zu: „Mit bezug auf Ihre gerichtliche Bernehmung vom 8. d. Mts. werden Sie benachrichtigt, daß das Verfahren wegen Majestäts- beleidigniig gegen Sie eingestellt worden ist. DaS beschlagnahmte Bild ist der Staalsanwaltschast z» Hamburg zur Versügang nach Maßgabe des dort lchwebenden Verfahren? übersandt." Wegen Majestätsbeleidigung hall« sich heute die verebelichte Schlächiermeister und Hauseigenlhüiner Auguste Adel geb. Bogt aus Britz vor der zweiten Etiafkammer am Landgricvt II zu verantworten. Am Tage der Zenleiiarfeier wurde die Hans- wirtbiu von einer ihrer Mietheriuneu. einer Frau?chi'-ider, ge- fragt, ob sie illumiuire» werde und ob die Miether auch illuminiren sollte». Frau Adel soll daraus eine Antwort gegeben habe», die eine schwere Majestätsbeleidigung enthielt. Die Sache wäre wahrscheinlich gar nicht zur Anzeige gekommen, wen» es der Fra» Adel möglich gewesen wäre, mit ihren Miethern Frieden zuhalten. Das Gegeutheil war aber der Fall. Es knni zu Injurien- klagen und diese schürten die geg-'-seitige Erbitterung zur hellen Flamme an. Als Frau Schneider im Juli d. I. noch der Entscheidung eines Privatbcleidiguugcprozesses zu Frau Adel sag!«: „Nun lasse» Sie uns aber endlich einmal m Ruhe, Sie wissen doch. daß wir Sie auch anzeigen können!"— da erwidert« Frau Adel bissig:„Zeige» Sie mich doch an. das sage ich»och hundertmal---" und nun wiederholte sie ihre Aeußermig vom 22. März. In der heutige» Hauplverhaudlung wurde ein umfangreicher Be« und Entlastuugsprozeß angetreten, der Gerichtshof gelangte jedoch zu der Ueberzeugung von der Schuld der Angeklagten. Da abe angeiiommeu wurde, daß es sich hier nur um Weibergeschwätz handele uud die Angeklagte sich schwerlich der Tragweit« ihrer im Affekt ausgestoßeiien Worte bewußt gewesen sei, so lautete daS Urtheil für beide Beleidigunge» zusammen nur aus drei Monate Gesängniß. Am Dienstag wurde unter Ausschluß der Oeffentlichkeit vor der Dortmunder Etraskammer der Bergmann Wilh Lau aus Hörde wegen Majestätsbeleidigung zu 6 Monaten Gesängniß verurtheilt.— Oesterreich. Wien, 16. Dezember. Der Kaiser ernannte den Statthalter a. D. Geheimrath Freiherr v. Loebl zum Minister ohne Portefeuille. Damit ist erwiese», daß die Verhandlungen des Minister- Präsidenten mit de» Pole» bisher ergebnißlos waren und daß das polnisch- czechisch- klerikale Parleienbimdniß fortexistirt. Wäre das nicht der Fall, so hätie man. wie es seit Jahrzchnteu i» Oesterreich üblich ist. einem polnische» Parteiführer dieses speziell zur Vertretung der polnischen Interessen im Ministerium geschaffen« Amt übertragen. Der neu« polnische.Laiidsmann- Minister" ist eine durchaus un- politische Persönlichleit, der eine lange bureaulratische Laufbahn hinter sich hat. Bevor er Siaatthalter von Mähren wurde, in welcher Stellung er peiisiouirt wurde, war er Vizepräsident bei der Statt- hallerei von Galizien.-», Schweiz. Bern, 16. Dezember.(Eig. Ber.) Der Nationalrath hat die ihm vom Bundesralh in einer besonderen Botschaft vor» geschlagenen Gehaltserhöhungen nach dem iienen Besoldnnge- gesetz genehmigt. Die ganze Summe der Erhöhungen beträgt 2 277 000 Franks, wovon allein den Postbeanilen und Angestellten 1,55 Millionen Franks zufallen. Das ist wenigstens wieder einmal ein bischen Sozialpolitik»ach unten. Weniger befriedigend ist die Frage betreffend die Ruhetag« derZollbeamten geregelt worden, die allerdings auch mit 213 000 FranlS an den Besoldungs« «rhöhnngen parlizlpiren. Bis jetzt halten die Zollbeannen nur 12 Ruhetage pro Jahr. Unser Genosse Wul lsch leger beantragte deren 32, worin er von Herrn Curti unterstützt wurde. Bundesralh Hauser schlug 26 Ruhetage vor, da andernsalls eine starke Vermehrung des Personals noth- wendig werden würde und serner die Ruhelage nicht immer zweck- mäßig verwendet würden. Herr Curti erwiderte, daß man mit derartigen Argumenten seinerzeit auch gegen das Gesetz über die Ruhezeit bei den Transport-Anstallen gefachten habe; es wäre Ehrenpflicht des BundeS, aus sein Personal anzuwenden, was er den Privatgesellschaften vorschreibe. Wenn mau wolle, werde man auch die Wege zur Ueberwindniig der Schwierigkeiten finden. Die kompakt« radikale Mehrheit blieb aber allen Argumenten iiiizngänglich uud beschloß die vom Finanzminisler zu- gestandenen 26 Ruhelage, die immerhin gegenüber de» jetzigen 12 einen erheblichen Fortschritt bedeuten und später wohl»och weiter vermehrt werden können. worauf hinzuwirken bereits Genosse Wullsch leg er in Aussicht gestellt hat.— Bei der Behandlung der neuen Vereinbarung mit der lateinischen Münzunio» betreffend Erhöhung der Kontingent« der Silberscheidemüiizen, wo- nach die Schweiz ihre Silberscheideinünzen von 25 ans 23, Belgien von 40.8 auf 46,3, Frankreich von 264 auf 394 und Italien von 202,4 auf 232.4 Millionen Frank» vermehren werden, er- klärte der F i n a n z m i n i st« r Bundesrath H a u s e r im Nationalraih, daß diese neueste Abmachung die sich langsam vollziehende Auflösung der iulernalioiialen Mnnzkonvention bedeutet. Bor einigen Monaten sei der Bundesralh nahe daran gewesen, den Unionsvertrag zu kündigen, gegenwärtig liege aber hierzu keine Beranlassnng vor. Immerhin habe der Bnndrsrcnh einen Gesetzenlwurs betreffend die Einführung der Goldwährung aus- gearbeitet, den er sür den Fall einer Kündigung der latelnischen Müiizmiion der BundeSversa»iml»»g vorlegen werde. Das nächste Ziel der Finanzverwnltiiiig sei die Nalionalisirnng aller Silberscheide- münzen, durch welche eine langsam« Liquidation der M ü n z u n i o n angebahnt werde. Das neueste Abkommen bezeichnete er sür die Schweiz als sehr begrüßenswerth. Dieser Auffassung schloß sich auch der Nationalrath an, indem er daS Abkommen ohne Opposition annahm.— Für die 1300 in Paris ftaltsindende Weltausstellung wurden l 650000 Franks bewilligt, eine Summe, die sowohl im Etänderalhe als zu hoch beanstandet, alS auch i» der Presse kritisni wurde. Der Stäuderath bewilligte sie aber trotzdem,— Die nächste schweizerische Bolls- und BerufSzihlung wird im Dezember 1833 ftatlsiuven; die letzte wurde un Dezember 1833 vorgenommen.— Lausanne» 16. Dezember.(Eig. Ber) Im Etadtrath ist«ine schwer« Krise ausgebrochen. Bei der Wahl der Mitglieder des engeren Stadlrathes(Magistraies) durch den Großen Sladtralh wurde als erstes Mitglied Geuoffe Fauquez mit 64 von 36 Stimmen und sodan» noch der Genoffe Professor Mayer ge- ivählt i die Radikalen erhielten ebenfalls zwei und die Liberalen einen Vertreter. Nun wurde aber stall Fauquez als Vertreter der stärksten Fraktion der Radikale Gagnaux mit 48 Stimmen zum Sladtpräsidenten gewählt, während unser Geuoffe nur die 33 sozialistischen Stimmen erhielt. Darauf erklärten die Sozialdemokraten ihren Austritt aus de in Ge- in e i ii d e r a t h. Man darf auf den weiUreu Verlaus und Ausgang der Sache sehr gespannt sein.— ftfreiHkreich. Pari?, 15. Dezbr.(Eig. Ber.) Di« pananiisten- und regierungS« freundliche Minderheit der Panama-UnterfuchungS- komuiission der Kammer hat versucht, die Kommission zu sprengen. Sieben Mitglieder baden demissionirt unter dem Vor- wand, daß der Bericht des sozialistischen Abg. R o u a n e t, beireffend die Bcrwnlinng der Pauama-Gesellschaft, die Rolle deS Baron? v. Reinach und die panamiftischen Parlamentarier, von einigen Blättern auf grund der Aushängebogen aus- zugsioeise veröffentlicht wurde vor dessen Genehmigung durch die Kominission. Der Versuch ist aber kläglich mißlungen. Die Kommilsion wird nach wie vor ihre Pflicht lhun. Ebenso verfehlt sind die Proteste einiger in Ronanet's Bericht genannler Parlamen- tarier, die sich an ein paar bedeutuiigslose Versehen des Bericht- erstatters anklaiiiniern. um den ganzen Bericht zu verdächtigen. Da? alles zeigt nur. wie schwer Rouanet's attenmäßige Eiiilarvungsarbeit den panainiftischen Klüngel getroffen hat. Die moralische Brand- markuug der von der Justiz materiell verschonten regierungS- sreuiidlichen Paiiamiften ist eine becedte Einleitung zu dem am 13. Dezember beginnende» Panama-Prozeß gegen die oppositionellen Parlamentarier. Die seil vier Tagen fortgeführte DebatteüberdasBudget der öffentliche» Arbeiten gestaltet sich für die Rrgimmg zu einer wahren Folter. Ter betreffende Minister Turrel ist wo- möglich eine noch jämmerlichere Null als der Uiitmichlsmiiiisler Rnmband. Der sozialinisch-radikale Redner, Ca mille Pelletan, hat in der Generaldiskussion nachgewiesen, daß der Herr Minister die aiuilicheii Statistiken über das Verkeh.siviseu nicht kennt, bezw. in einer selbst für einen Quartaner beschäinenden Weise mißverstanden hat. Und Turrel mußt« die ihn persönlich vernichiende Kritik schweigend biuualei» ürgen. Ebenso schwieg er zu den beweiskiäftigcn Ansführiiiigen PelletanS über die Mißwirih- sehnst in der Verwaltung der öffentliche» Arbeiten. Wie in allen anderen Verwaltniigszweigen der Bonrgeois-Repnblik, herrscht auch hierein privilcgirler und«nveranlivorllicher» Bcamientlüiigel, der „Korps der Brücken und Landslraßen". bestehend ans staatlich patentirten Ingenieuren. Ter zopfige Schleubrian dieses Klüngels hat zur Folg« die Vernachlässigung der Interessen des Staates»nd des Publiluins. Die Baukosten der Eisenbahnen sind in Fiankreich'«her als überall. Die Eiilwickeltiiig des französischen Eisenbahnnetzes hinki an echster Stelle nach, hinter Belgien, England, Holland, Deutschland und der Schweiz. Die bernchtiglen Eisenbabnver.räge von 1833, die den privaten Bahngesellschafteu eine durchschnittliche Divibende von 10 bis II pCt. garantiien, haben nicht einmal die Sicherung der Heeres- Mobilisation im Kriegssalle bewiikt. Im Vergleiche mit Deutschland hat Frankreich absolut 6000 Lokomoliven und 71 000 Wagen weniger, und relativ, im Verbältinsse zur Ansdebnniig des beiderseitigen Eisenbahnnetzes, 40v0 Lokomotiven und 28 000 Wage» weniger. Die Uiizulängiichkrit des Rollinatcrials hat sich i» skandalöser Weise offenbart selbst gelegentlich der Truppen» schau von Chalons wählend des Zarei b-luci cS, wo die Osti ahn doch noch das Material anderer Aahngesellfchaften ausgiebig be- nutzen konnte.... In der Epezialdebatte heinifle Turrel Echsappen auf Schlappen ein. Eine Reihe oppositioneller Anträge auf Verbesserung des Ge- halteL der Unterbeaniten, insgesannnt um 300 000 Fr., gelangt« zur Annahme trotz des Ministers. In der gestrigen Sitzung nahm der fozialistisch-radikale Abg. Berleaux den unglitckselige» Minister gafs Nor» wegen dessen Nachsicht gegenüber den Bahngesellschaften in bezug auf die Ueberardeit des Personals und die Mastregelung organisirter Eisenbahner, die vielfach mit Hilse der staat- l i ch e u Spezialkommissare ausspionirl werden. Turrel wollte sich Wiederau, ausschweigen. Aber der sozialistische Ab- geordnete M i l l e r a» d peitschte ihn auf die Tribüne hin- auf. Seine Antwort war auch danach. Für die Ordnungs- wehrheit ist ein Turrel freilich noch innner gut genug. Sie billigle seine jäinnicrlichen Ausflüchte und Verschweigungen, trotzdem sie ihn zugleich einladen mnbte, für die Durchführung der auch von ihm der Form wegen erlassene» Rundschreiben bezüglich der Eicherheil und der Arbeitsdauer der Eisenbahn-Arbeiter zu sorgen.— Paris, IS. Dezember.(Eig Ber.) Di« Drohungen der Regierung mit einem Knebelgesetz gegen die Presse sind ein pluinpei, reaktionäres Manöver. Die sensationellen „Enthüllungen" des„Jntransigeant", der Anlaß der Drohungen, habe» eigentlich nur eine seit mehr alS«inem Jahre in der Presse kolportirte Geschickte weiter ausgesponnen. Und bezeichnenderweise ist diese Geschichte in die Presse lancirt worden unmittelbar nach Veröffentlichung im mirrifteriellen Blatte„Matin" des Faksimiles des dem Drevfus zugeschriebenen Verraths- Dokuments. Vergegenwärtigt man sich die offene Preß- kampagne verschiedener kriegsministerieller Beamten in der Affäre Dreyfns-Esterhazy, so liegt der Schluß nahe, daß die Regierung den verschiedenen„Enthüllungen", den bequemen und unbequemen, ohne jegliches Knebelgeietz hätte«in Ende machen können. Ei» solches Gesetz ist, von seiner Wrrkungslosigleit abgesehen, im gegebene» Falle ganz überflüssig. Das mit Rücksicht auf de» Zaren 1893 geschaffene Gesetz betr. Beleidigung auswärtiger Monarchen bietet ja die Möglichkeit, die durch de»„Jntransigeant" etwa beschädigte„Sicherheit des Staates" zu repariren... Dieser Ausweg wurde gestern in den Wandel- gängen der Kanimer, wo man sich mit dem angedrohten Knebelgesetz lebhaft beschäftigte, verschiedentlich angedeutet. Vorläufig fürchtet indeß die Regierung die Verwirklichung ihrer Drohungen weit mehr als die bedrohte Presse. Das freiheitliche Prestgesetz von lS8l antasten zu wollen, wäre für Meline ein hals- brecherisches Beginne», trotz seiner reaktionären und servilen Mehrheit.- Spanien. Madrid. IK. Dezember. Der Ministerrath hat infolge de? günstigen Berichtes der Behörden der Aushebung des Be- lagerungszu sta» des in Barcelona zugestiinmt. Eine in Extrablättern veröffentlichte Depesche aus Manila von gestern besagt, daß der Führer der Aufständischen, Aguinaldo, an alle Ausrührerschaaren die Weisung ergehen ließ, sick zu unter- werfen. Ferner meldet die Depesche, daß die Unteriuerfung am LS. d. M. erfolgen werde und das, sich Aguinaldo niit den anderen Mitglievern der sogenannten Regierung der Aufständischen an dein- selben Tage nach Hongkong einschiffe» werde. Anläßlich der Wiederherstellung der Ruhe aus den Philippinen find die Häuser beflaggt; abends fand ein« Jllmninalion statt. In den Straßen bewegte sich eine dicht ge- drängte Menschenmenge, welche Hochrufe auf die spanische Armee ausbrachte. Nicht zum ersten Male wird AehnlicheZ von den Philippinen gemeldet. Es ist abzuwarten, ob die Unheil verkündenden hinkende» Boten nicht bald in Madrid eintreffen.— Türkei. Konstantinopel, 10. Dezember. Der Friedensvertrag ist heute vom Sultan unterzeichnet worden. Griechenland. Athen, 10. Dezember. Deputirtenkammer. Minister- Präsident Z a t m t S legt de» definitiven Friedensvertrag vor und erklärt, die Vorlage für die Finanzkontrolle fei noch nicht zur Einbringung bereit. ZaimiS verlangt, daß der Bertrag in der ersten Lesung angenommen«erde. DelyanniS erklärt seine Zustimmung. PhilaretoS proteftirt gegen den Vertrag, welcher unbillig sei; die Urheber deffelben würden von der Geschichte und der Ratio» ver- urtheilt werden. Die Kammer stimmt» dem Friedensvertrag in erster Lesung z u. Amerika. Rew-Dork, 16. Dez.(„Franks. Ztg.") Der Gesetzentwurf für die Verwirklichung der Währungsreform- Idee des Schatz- sekretärs Gage ist gester» im Kongreß eingebracht worden. Der Schatzsekretär betonte, daß dieser Gesetzentwurf zur Kräftigung der Goldwährung und Festigung deL amerikanische» Kredits hier und in Europa nothwendig sei.— Rew-Pork, S. Dezember.(Eig. Ber.) ES sieht so aus, als ob unter der, etzig«» Bundes-Adminiftratio»«ine weiter« Beschränkung der Einwanderung ins Leben trete» werde. Bekanntlich hatte schon der vorige Kongreß ein bezügliches Gesetz geschaffen. gegen daS aber Präsident Tlevelaud ein Velo eingelegt halte. Di« Ernennung deS als enragirter Befürworter der Beschränkung de- kannten früheren„General-Werkmeisters" des Ordens der„KnighlS os Labor" Powderly zum Einwanderungs-KommissSr für den New- Iorker Hafen hat diese Meinung unterstützt; derselbe soll auch schon eine Borlage für den Kongreß enlivorfen haben, deren Bestimmungen »och über den früheren Gesetzentwurf ivou Lodge) hinausgehen. Indessen ist aus jene» Umsiand nichts zu geben. P. hat den Posten zweifellos lediglich als Belohnung für seinen Ueberlritt zur republi- kanifchen Partei und die derselbe» bei he» letzten Buudeswahlen ge- leisteten Dienste(die übrigens sehr probleniatischer Natur waren, da er in fast allen Versammlungen niedergeschrien wurde) erhalten, und ohne dahei seine Stellung zur Einwanderungsfrage in Rechnung zu ziehe»; unsere Politiker wisse» ja, daß die vo» ihnen mit einem Pöstche» bedachten Handlanger auS den Arbeilerk» eisen vo» dem Augenblick an. wo sie ei» solches erhalten, aus ihrer frühere» „Sphäre" herausgetrele» und nichts anderes mehr sind, als gehorsame Diener der resp. Pariei, die es ihnen gegeben hat. I» dieser Hinsicht haben die amerikanischen Arbeiter ja schon reich« Ersahrunge» gemacht!—_ Vsvlttnrentavipches. Der PundeSrath hat i» seiner gestrigen Sitzung dem Gesetz- entwnrs für Elsaß-Lotdringen beireffeud die anderweite Bemeffnng der Wiltwen» und Waisenpensioiien die Zustimmung ertheili; ebenso de» Vorlage» betreffend die Ausprägung von Kronen und Reicks- Silberniünze», dem Regulativ für Getreideuinklen und Mälzereien, dem Ansschußantrag betieffend de» Zwischenbelrieb in landwirih- schafiliche» Brennereien irnö dein Antrag belreffend die Wieder- aushändigrnig älterer Schiffsmcßbriefe. Die Vorlage betreffend den Entwurf zum Besoldung?- und Pensiouseiat der Reichsbank- Beamte» mit Ansuabme der Mitglieder hes Reichsbank-Direklorinins für 1898, ,v»rde de» zustäudige» Ansschüffen überiviese» und vo» der Millbeilung der Rechnungsergebinsse der Bernfsgenossenschaste» für 1896 Kenntaiß genommen. Schließlich wurde über eine Reihe von Eingaben Beschluß gefaßt. Ter Kesetzciittvnrf iibcr die Attgelegeuheiten der frei- willigen Gerichtsbarkeit ist heute in erster Lesung durchberathen worden. Entschädigung»nschnldig verurtheilter. Zum Gesetzentwurf über die Ealschädigniig der im Wiederaufnahmeverfahren frei- gesprochenen Personen hat der Abg. Dr. Rin tele»(Z.) in der Kouinlilsto» neue Aniräge gestellt, unter andmm auf Streichung des Satzes im tz 1 der Vorlage Absatz I:„Das Bei fahren muß die Uu- schuld des Berurtheilie» bezüglich der ihm zur Last gelegle» That oder ei»«- die»uberechNgle Auweubimg«»es schwereren Strafgesetzes beglündende» llinstandrs ergeben haben." Vor Fall Fink. pp. C. Fink giebt heute in der»Post" die folgende„Er- kläruug" ab: .In der ll. Sitzung de? Reichstags hat der Abgeordnete Bebel, wie aus de» Berichten der Mehrzahl der Blätter hervorgeht und die alismerksamen Zuhörer der Bebelffchen Rede gehört zu haben versicher», behauptet, ich sei wegen Wechselfälschung in Amerika verurtheilt worden und deshalb sei mir nahegelegt, ans dem Verein .Berliner Presse" auszuscheiden. Demgegenüber erklär« ich: Es giebt in de» Bereinigten Staaten von Amerika, wo ich in den Städte» Kansas City, Mo., und Chikago gelebt habe, keinen Gerichtshof, mit dem ich überhaupt, sei«S in einem Strafprozeß, sei es auch nur in einer Voruntersuchung, etwas zu thun gehabt habe. Ich fordere daher hiermit den Abgeordnete» Bebel auf. feinem Versprechen gemäß diese Behauptung öffentlich zu wiederholen, damit ich ihn wegen Verleumdung gerichtlich belange» kann. Uebrigens wild bereits im Parlamentsbericht des.Vorwärts", von dem ich wohl annehmen darf, daß er das korrigirte Steno- gra»»» des Abgeordnelen Bebel wiedergiebt, die Behauptung einer gerichtlichen Verurtheilung nicht aufrecht erhalten. In dem Berichte dieses Blattes sind die Worte.gerichtlich verurtheilt" auffallender- weise durch die Worte.sich schuldig gemacht" ersetzt worden. Der Abgeordnete Bebel scheint hiernach einzusehe», daß er die Behauptung einer Verurtbeilung nicht aufrecht erhalten kann. Genau so unbegründet sind alle anderen Beschuldigungen, die der Abgeordnet« Bebel in jener Sitzung gegen mich gerichtet hat. Zur Erklärung dieser Beschuldigungen sei hier folgendes bemerkt: In der ersten Hälfte deS Jahres 1893 habe ich in Chikago von eine», Schuldner als Zahlung der Sitte des La»deS gemäß«inen Check im Betrage von etwa 40 Dollars erhalten, den ich meinerseits weitergegeben habe. Es stellt» sich später heraus, daß der Aussteller des Checks seinen Kredit bei der Bank überschritten hatte, was mir selbstverständlich zur Zeit der Weitergabe nicht bekannt war. Es handelt sich also überhaupt nicht um einen Wechsel, weder um einen gefälschte», noch um einen echten, sonder» um eine mir vo» einer dritten Person übergeben« Zahlungsanweisung. Ich vermnthe, daß die ganz« Angelegenheit, die eigentlich die dritte Person anging, von dieser geordnet worden ist: denn ich habe von der Sache, in der mich nicht daS geringste verschulden trifft, nichts mehr gehört. Ich soll nun aus dem Chikagoer Preßklub wegen dieser An- gelegenheil ausgeschloffen worden sein. Auch dies ist eine durchaus uurichtige Behauptung. Ich bin im August.1893 lediglich wegen Nichtbezahlung der Beiträge den Vereins- statuten gemäß von der Mitgliederliste gestrichen worden, ohne je vom Verein wegen irgend«i»«S angeblichen Vergehens zur Rechenschaft gezogen worden zu sein. Gelegenheit dazu wäre aus- reichend vorhanden gewesen, da ich biS zum 18. Oktober 1393 i» Chikago gelebt habe. Was schließlich meinen Austritt auS dem Verein„Berliner Presse" anlnngt, so kann ich auch hier nur wiederholen, daß er ei» vollständig freiwilliger war, wie auch ans folgendem au mich unter gestrigem Datum(IS. Dez.) gerichteten Briefe des Vorstandes des ge- nannten Vereins hervorgeht. „Aus Ihren gestern uns übermittelten Wunsch bestätigen wir, daß Sie nicht vom Verein„Berliner Presse" ausgeschlossen worden sind, sondern selbst Ihren Austritt im September d. I. erklärt haben. Es war eine Beschuldigung ehrenrühriger Natur gegen Sie erhoben worden; ein Beweis dafür ist uns nicht geliefert worden, und wir hatten keine Veranlassung, die Sache weiter zu verfolgen, da die Untersuchung durch Ihren Austritt gegenstands- los wurde." Der Vorstand deS Vereins.Berliner Presse." I. A. Der Vorsttzende Der Schriftführer Paul Echlenther. G. Dahms. Welcher Art die„Beschuldigung ehrenrühriger Natur" ist, geht aus dem oben mitgetheilien Sachverhalt hervor. Uebcr die de- sonderen Gründe, welche meinen Auslritl aus dem Verein„Berliner Presse", der mir keineswegs vom Vorstand nahegelegt woiden ist, veranlaßt habe», behalte ich nur vor, a» GerichiSsteUe Auskunft zu erlheile», bemerke aber auch schon hier, daß keinerlei ehrenrührige Veranlassung vorlag, vielmehr rein persönliche Verhällnisse maß- gebend waren. Schließlich sei noch kurz mein Verhältniß zur Fischer'sche» Broschüre berührt. Der Abg. Bebel möchte diese Schrift gern als das Produkt eines Redakteurs der„Post" hinstelle». Sachlich w«ß er aus die Broschüre, auf deren wirkungsvolle» Inhalt sein ganzer, jetzt gegen mich gerichteter Zorn zurückzuführen ist, nichis zu erwidern. Es ist bereits im Reichstag betont worden, daß ich lediglich im Auf- trag des Verlegers eine rcdaktiouelleUeberarbeituug des Fischer'sche» Maiiuskripies, dessen Original der Abg. Bebel einsehe» kann. vorgenommen habe, und zwar ohne Wissen nud vielleicht sogar gegen den Willen Fischer's. Die vielgenannte Broschüre ist»nd bleibt ein Werk d«S Korbmachers Fischer, so unangenebm dem Abg. Bebel diese Thatsach« auch sein mag. Der Würde des Abgeordnelen hätte eS mehr«nlsproche». wenn er die Schrift sachlich bekämpft hätte, statt zu persönlichen Verdächtigungen zu greifen. Ich erwarte nun, wie schon bewerkl, vom Abgeordnete» Bebel, daß er mir Gelegenheit giebt, auch an gerichtlicher Stelle zu be- weife», daß er sich auch in diesem Falle wieder au einem Orte, wo ich ihm nicht sofort enlgegentreteu konnte und wo ihn die Jmmuniiäl der Volksvertretung schützt, zum Träger von Verleumdungen ge- macht hat. C.Fink." »» Ans die vorstehend« Erklärung habe ich folgendes zu erwidern: Die Beschuldigung, daß Herr Fink wegen Wechselfälschung i» Amerika verurtbeilt worden sei» soll, ist mir vo» vertrauenswerlher Seite milgetheili worden. Infolge der enlgegenstehenden Be- hauptungen des Freiherrn v. Stumm habe ich mich an meine Ge- ivährsmänuer gewandt, die mir folgende Darstellung gaben, mit der Erklärung, für ihre Miitheilungeu den Beweis vor Gericht erbringen zu könne»: Es handelt sich seitens de? Herrn Fink nicht um eine Wechsel- fälschung, sondern um die Uebergabe eines w e r t b l o s e» Checks als Zahlung an den Oekonomen des Chikagoer Prebklubs. Als der Oekonom des Chikagoer P-eßklubS die Werth- losigkeit des Checks erfuhr und Herrn Fink darüber zur Rede stellte, bat dieser ihn flehentlich, nicht gegen ihn vorzugehen, woraus geschlossen werden mußte, daß Herr Fink sich der Werthlosigkeit des CheckS bewußt war. Meine Angabe, daß Herr» Fink der Austritt auS dem Verein Berliner Presse nahe gelegt wurde infolge von Miltheilungcn eines amerikanischen JournalistenvereiuS(deS Chikagoer Preßklubs), balte ich gegemiber der Ablengnung des Herrn Fink in vollem Umfange ausrecht. Diese meine Angabe wird durch die oben ab- gedruckte Erklärung des Vorstandes deS Vereins Berliner Presse nicht widerlegt. Die Behauptung deS Herrn Fink, der Austritt auS dem' Verein sei ihm keineswegs vom Borstand des Vereins nahegelegt worden, ist eine leere Ausrede. Dieser Wink ist ihm vo» Vorstandsmitgliedern ertheilt worden. In beziig auf die Milarbeiterschast des Herrn Fink an dem Fischer'schen Pamphlet erklärte der Freiherr von Stumm im Reichs- tage, Herr Fink habe sich nur„in stilistischer Beziehung be. müht, eine Revision vorzunehmen!" In der oben abgedruckten Er- klärnng spricht Herr Fink aber geradezu von einer„ r e d a k t i o- nellen Ueberarbeitung". Der Unterschied in diesen beiden Deutungen springt in die Augen. Zum Ueberflnß zeigt auch ein vergleich mit Etil und Inhalt des unten abgedruckien Briefes deS pp. Fischer mit dem Stil und nhalt„seines" Pamphlets, in welch hohem Grade Herr Fink dieses amphlet„redaktionell überarbeitet" hat. Berlin, den 17. Dezember 1897. A. Bebel. »» Der pp. Fischer erläßt in der„Post" die folgende „Erklärung": „Der Abg. Bebel hat Wort gehalten, was der„Vorwärts" vor einiger Zeil schrieb, mich im Reichstage zu bekämpfen. Die Redefreiheit des Reichstags wird dazu benutzt, mich in den Staub zu ziehen und die Strafe» vorzuhalten, die die Lehre der Sozialdemokratie hervorbringen muß. Die Sozialdemokratie ist die Verbrecherin an mir, sowie an tausend anderen Familien- vätern; aber sobald ein Arbeiter erwacht und diese Partei als solche kennzeichnet, können die Herren Führer in ihrer Ohnmacht nur mit ganz niedriger Gesinnung und man bedenke im Reichstag, wo ihre Anschuldigungen nicht sofort widerlegt werde» können, ant- warten. Als ich meine Akten Herrn Bebel einschickte und den Vorfall, den mein« Broschüre enthält und jetzt von Bebel Mefferstecherei genannt wird, erklärte, da blieb ich sein„Wcrther Genoffe", wie mich die Herren Auer, Fischer und Singer nannten, weil sie von meiner Unschuld überzeugt waren, gestern nennt mich mein„werther Genosse Bebel" einen Burschen. Ich betone, der Sozialdemokratie ist jeder Verbrecher angenehm, so lauge er zu ihr gehört und erinnere Herrn Bebel an einen Ernst Kunze, der Zuchthausstrafen bis zu fünfzehn Jahre wegen der ge- meinsten Verbrechen verbüßte, und, trotzdem man es wußte, unter dem Sozialistengesetz Bertrauensmann der Partei und ein Busen- freund Bebel's war. Dies zur Charakteristik deS Herrn Bebel. Ich will mich ja eben vor der Oeffeullichkeit reinigen und gehe mit meinen iutimsteii Verhältnissen vor, weil ich mich nicht zu schämen brauch«, ich bin kein Verbrecher. Ferner hat Herr Bebel auf meine Anklagen in meiner Broschüre weiter keine Worte, alS, ich hätte dieselbe nicht geschrieben. Ich betone, daß ich Wort für Wort geschrieben habe und sogar sehr un- gehalten war, als ich ersuhr, ein Herr Fink hätte meine Arbeit redigirt. Weiter betone ich, daß ich eine zweite Arbeit ausführe und lade Herrn Bebel ein, sich davon zu überzeugen. Auch sei Herrn Bebel gesagt, daß hunderte alte Bekannten mich begrüßten und ausriefen:„Wenn sie doch auch soviel Talent hätten, sie würden dasselbe thun." Ich will damit sagen, daß es viele giebt, die Bebel und sein« Freunde besser kennen, als sich selbst. Meine Broschüre entspricht Wort für Wort der Wahrheit und daß selbst ein Bebel keiner Widerlegung fähig ist, ist der best« Beweis... ... Herr Bebel will einen Brief von dem in meiner Broschüre erwähnte» Schwager besitzen und hat einige Brocken zum Besten gegebe». Ich erkläre es für unwahr, jemals einen Erpressmigs- versuch uuteruomnien zu haben. Berlin, den 16. Dez. 1897. Ernst Fischer." Gegenüber dem pp. Fischer sehe ich mich zu keiner weiteren Richligüellung veranlaßt, als daß I. sein Schwager ihn auch in einem neuen, vom 16. d. M. an mich gerichteten Brief als einen in jeder Beziehung bedenklichen Charakier qaalifizirt; V Fischer's Behanptilng, ein gewisser Ernst Kunze fei ein Busen- srennd von mir. eine dreiste Univahrheit ist, denn der Ernst Kunze ist mir nicht einmal bekaniil; 3. die Angabe, daß ich ihn in«inem Briefe mit„Werth« Genosse" anredete, ans dem Umstände beruht, daß er der mir gänzlich unbekannte Mensch in einem Briefe an mich die Anrede„Werther Genosse gebrauchte, worauf ich in dem Glauben, es mit einem Genossen und anständigen Menschen zu thun zu haben, ihm unter derselben Anrede antwortete. A. Bebel. Vavkei-"Machvirtzksn. AlS Reichstags- Kandidat für den S. schleswig-holsteinischen Wahlkreis Norder- und Süder-Dilh morschen wurde ans einet Parteikonferenz zu Itzehoe wieder der Parteigenoss» M a r t i k k e ans Hamburg aufgestellt. Im 3. olde ii burgische n Wahlkreise kandidirt auf Beschluß einer Parteikonferenz zu Delmenhorst der Parteigenosse Fritz Eberl ans Bremen. Die Parteikonferenz für den Wahlkreis ArnSivalde- Fricdcberg wird am 27. Dezember(dritten Weihnachtsseiertag) vo.. Mitlag iL Uhr an im H e i n r i ch' schen Lokal in Driesen ab- gehalten. Der Vertrauensmann. In Wittenberge wurde der Parteigenosse Kindermann in das Siadlverouiielen-Kollegium gewählt. Für ihn stimmten, wie bürgerliche Blätter angebe», auch die Freisinnige». Betheilignng an de» Gemeindctvahle» beschlossen die Partei« genossen in S a a l f e l d in Thüringen. Als Kandidaten wurden aiss lestellt: Buchdrucker Arthur H o f m a n n und Tischler A l b i n T h i e r o l f. Aus der Schweiz. Das seit drei Jahren erörterte Projekt eines sozialdeinolratischen Tageblattes in Zürich soll jetzt verwirklicht werden. Der Verwaltungsrath der Preß' genossenschaft hat die Herausgabe deffelben auf den 1. April 1893 beschlossen und als Redakleure Brandt und Seidel in Aussicht genoinnien. Ein« ans de» zweiten Weihnachls-Feiertag einberufene Generalversanimlnng soll definitive Beschlüsse fassen. Der Garantie- ,oiids beträgt zur Zeit 17 000 Fr.; man hofft ihn biS zum 1. April auf 20 000 Fr. zu dringen. In Trieft wurde im Monat August von privater Seite ein den Namen„Avanti" führendes Wochenblail gegründet, das sich ebenfalls als sozialdemokraiisch bezeichnete. Ein« Mitiheilung der Wiener„Arbeiter-Zeitiing zufolge hat dieser Triester„Avanti"— der, beiläufig bemerkt, nicht mit dem sozialdemokratischen„Avanti" in Rom verwechselt werden darf— mit der sozialdemokratischen Partei garnickts zu thnu, sondern dem Blatte dient der Sozialismus nur als Maske, um die italienischen Arbeiter für den nationalen Chanvinismiis einzusaugen. Unsere Partei hat in Trieft selber ein italienisches Organ. Es führt den Titel„Jl Lavoratore". Polizeiliches, Gerichtliches»c. — Redakteur Vahle von der Magdeburger„Volks- stimme" wurde voai Landgericht daselbst wegen Mililär-Beleidi« gung zu 3 Monaleu Gefängniß verurtheilt. — Der Parteigenosse Karl Brandt in Halle a. E. hat am Freilag das Gefängniß nach 27wöchiger Haft verlassen, die ihm als veranlworllichern Redakleur des„VolksblatieS" in mehreren Preß- Prozessen auittlegt worden war. — In einer Bersammluiig deS BolksvereinS für Hohenstein- E r n st l h a l in Sachsen wurde am L2. Jniit über den Antrag ver- bandelt, einen gemeinsamen Spaziergang zu iinteriiehnien. Hierbei fragte ein Theilnehmer der Versammlung, in welcher„Uniform" der Verein ausrücke. Der Weber Pawera rief hierauf:„Im Genharmerie-Rock." Hierdurch fühlten sich die die Versammlung überwachenden Gendarmen beleidigt, und die Aintshauptinaiin- schaft zu Glauchau stellte als ihre vorgesetzte Behörde Slrafautrag gegen Pawera. Das Schöffengericht in Eriistlhal erkannte jedoch aus Freisprechung, da dem eingeklagten nicht nachzuweisen sei. daß er die Aeiißernng, die übrigens keinen chrverletzenden Charakter habe, in der Absicht gethan habe, die Geiidarmen zu beleidigen. Das Landgericht Zwickau dagegen, das vom Amtsnnwalt angerufen war, verurtheilt« Pawera zu L Monaieii Gefängniß. Ans der Thatsache. daß Pawera mehrmals wegen Beamteiibeleidigung und einmal wegen Ma» jestätsbeleidigung bestrast worden ist, zog es den Schluß, daß er den Poltzeibeamten feindlich gesinnt sei, und da die beide» Gendarmen ausgesagt hatten, daß Pawera bei seiner Aeußernng sich höhnisch lachend nach ihnen umgeschaut hätte, so meinte das Gericht annehmen zu müssen, daß Paivera's Aenße- rung keinen anderen Zweck hatte, als die beiden Beamten dem Spott der Anwesenden preiszugeben. Dieses Urtheil ist vom Oberlandesgericht in Dresden bestätigt worden; Paivera's Re- Vision ivnrde verworfen. Zwei Monate Gefängniß»nd beträchtliche Kosten sind dem Weber Pawera also aus einer Aeußernng erwachsen, die, wenn auch unpassend, so doch keinesfalls wirklich beleidigender Natur gewesen ist. Da wird in, Deuischen Reiche und namentlich im protestantische» Sachsen über den hetfigei» Rock vo» Trier gezetert. Nun, ma» hat alle Ursache, vor seiner«igeiien Thür zukehren, wenn schon eine nicht ganz ehrfürchtige Erwähnung deS Gendaruienrockes inil zw.t Monaten Gefängniß bestrast wird. — In P a r ch i m in Aierklenburg hielt der Parteigenosse B. G r o s s e ans Hamburg in einer Volksversammlung einen Aorlrng über das Thema:„Die derzeitigen wirlhschaftlichen Verhältnisse und die Aufgaben der Arbeiter." Als der Redner vo» den Unternehmern als„liberaler Groß- bonrgeoisie" sprach, drohte der überwachende Beamte mit der Aushebung der Versammlung, und als dann Grosse ausführte, daß m a» ch e V a u k d i r e k t o r e u ein höheres Gehalt als ein M in ist er bezöge», löste der Beamte die Ver- sammlung ivirklich auf. Der Beamte hat wohl befürchtet, daß durch die Fortsetzung des Vortrags die mecklenburgischen Minister zum Streik um Gehaltserhöhung„ausgereizt" werden könnten? GemevKMÄfklitfjezs. Berlin und ttnigebnng. Deutscher Holzarbeiter-Berband, Bezirk W. n. SW.,uinhtteii in die Werkstatt-Kontrollkommission: Wagner, Hirle, Bartels, Hah», Bublitz, Krüger und Eßman». Als Beitragssammler für die Zahl- stelle v bei Werner, ist Wiemers, für Zahlstelle 35 bei Kitziug, ist Kunze bestimmt.— In der Versanunlung des Bezirkes Ost und N o r d- O st wurde» Weber nnd Lcckoiv als Beitragssammler gewählt. Dcntschcs Reich. Der Ausstand der Manrer bei der Firma Apelt in Wittenberge ist zu gunsten der Arbeiter beendet. Die Arbeiter erhalten 30 Pf. Stundenlohn und werden fämmtliche Ausständige eingestellt. Tie Schneider der Firma Karstadt in Lübeck haben wegen Lohndifferenzen die Arbeit niedergelegt. Ruf der königliche» Werft in Magdeburg ist»ach- stehender Anschlag zu finden:„Den Arbeitern der köuigl. Werft wird hiermit bekannt gemacht, daß das Bedrohen ihrer Mitarbeiter durch Worte oder Handlungen sowie das Verächtlichmache» ihrer Mitarbeiter durch Worte oder Handlunge» mit fosortiger Entlassung geahndet wird. So lange die Arbeiter auf der von mir geleiteten Werst beschäftigt sind, stehen sie nuter meinein persönlichen Schutz, welchem ich nölhigenfalls mit polizeilicher Hilfe Iiachdruck verschaffen »verde. Kgl. Regierungs-Baumeister Hank e." Unser Partei-Organ in Magdeburg bemerkt hierzu: Gründe für diesen eigenartigen Anschlag hat die Verivallung nicht angegeben. So viel wir wissen, ist nicht ei» einziger Arbeiter bedroht worden. Unwillig sind dieselbe» nur über das Deniinziantenlhui», das sich in letzter Zeit auf der Werst sehr bemerkbar gemacht hat. Einen Strafbefehl in Höhe von 30 M. erhielt Redakteur Banmüller von der„Magdeburger Volksstimme", weil er in de» letzten drei Monaten vor dem 2. Dezember Quittungen über Gelder für die englische» Maschinenbauer sowie einen Anfruf zuFdere» Unterstützung publizirt hat.— Eine ganze Reihe von Strafthate», die die Magdeburger Wvlizei und Staatsanivaltschast im geiverkschastlichen Kampf der Arbeiter ausfindig gemacht Halle, stände» dieser Tage vor den Magdeburger Richtern zur Abnrlheilung. Genosse Vahle hatte ein Strafmandat in Höhe von 15 M. erhalten, weil er angeblich eine unerlaubte Kollekte betrieb. Vahle wurde vom Schöffengericht sreigesproche», da die Liste», die zur Ausgabe gelangt sind, nur an organisirle Tischler verabfolgt waren, mithin die Listen in einem bestimmten Kreis zirkulirten und die Merkmale einer öffentlichen Kollekte fehlten. Eine andere Anklage, die inhaltlich denselben Gegenstand betraf, richtet sich gegen de» Vertrauens- mann der Metastarbeiter, Gärtner, den Vertrauensmann der Steinarbeiter, Schulz, und de» Redakteur Vahle. Die An- geklagte» nrnrdeu hier zu je 15 M. Geldstrafe verurtheilt, weil hier die Listen in andere Berufskreise gelangt waren und somit das Gericht den Thalbestand einer öffenllicheir Kollekte für vorliegend erachtete. Vahle traf die Strafe, weil er in seiltet» Blatte die eingegangenen Gelder quittirte. Die drille Anklagesache behandelte das Thema des groben Unfugs. Der Sehneider Heck sollte sieh dieses Vergehens dadurch schuldig geinachl haben, daß er durch Plakate und in der Zeitung den Streik über eine Schneiderwerkstatt bekanntgab. Nach Amiahme des Staatsanwalts sollte hier der Thalbestand des groben Unfugs vor- liegen, iveil zur Zeit der Bekanntgabe des Streiks die Arbeiter ihr Arbeilsverhältniß erst gekündigt halten, mithin von einem Streik keine Rede sein könne. Die Bekanntgabe dieser unwahre» Angabe mußte in der Bevölkerung Beuurnhigung hervorrufen. Der Gerichtshof erkannte jedoch ans Freisprechung. Der Vorsitzende hielt einen Streik nicht nur für vorliegend, wenn die Arbeiter sofort die Arbeit einstelle», sondern auch, wenn sie den vereinbarten Arbeitskontrakt beachten und gesetzmäßig ihr Arbeits- verhälttiiß lösen. Eine vierte Verhandlung gegen den Schneider Hardge, gleich- falls wegen groben Unfugs, endete mit der Freisprechung des Angeklagten. Hardge hatte in einer Versammlung einen Antrag zur Abstimmung gebracht, der die Sperre über eine Werkstatt ver- hängte. Ausland. Zum Kampf der englische» Maschinenbauer. Nach drei- tägiger Konferenz sind, wie wir bereits gestern in einem Theil der Auflage unter Depeschen inittheille», die die Vorschläge der Unternehmer erläuternden Erklärnugeu von den Vertretern der Arbeiter mit einer einzigen Austtaktne als annehmbar bezeichnet worden. Diese Aus- »ahme bezieht sich auf das Prinzip kollektiver Kontrakt- a b s ch l Ü s s e, welches den Arbeitern bei dem Stücklohn-System kaum durchführbar erscheint und bezüglich dessen ihre Vertreter de» Arbeitgebern bereits mündliche Abänderungsvorschläge gemacht haben. Daraus ist zu ersehen, daß eS sich noch um einen für die Gewerkschaften recht wichtigen Punkt handelt. Gerade Über diese Frage, die der Kollekliv-Verkräge, hak dieser Tage ein hervorragender Gewerkschaftssührer, Mr. Kuight, der Generalsekretär der Kesselschmiede, in englischen Tageszeitungen Ausführnnge» gemacht, die tvir unser» Lesern glauben mittheile» zu sollen. Unser englischer Korrespondent schreibt uns darüber folgen- des: Kuight, der einer der stärksten englischen Geiverksehasten vor- steht, führt a»S, daß seine Gewerkschasl stch i» der Praxis davon über- zeugt habe, daß neben den kollektiven Festsetzungen de» persönlichen Vereinbarungen ein ziemlicher Raum gelassen tverden müßte.„Die Anwendnug des Prinzips der kollektive» Abmachttugen bei der Fest- setzung der, allen Arbeitern eines Distrikts zu zahlenden Stücklöhne, ist," schreibt er,„außerordentlich schtvierig, und dies besonders im Maschittettgewerbe. Der Grund ist für jeden klar, der einigertnaßen Einblick hat in die große Mattnig- falligkeit der Arbeiten, die Verschiedenheit der Arten von Maschine» und die Verschiedenheit der Maschinen, die für die- selbe Arbeit in de» verschiedenen Werkstätten im Gebrauch sind. In der Gewerkschaft, der ich angehöre, haben wir sowohl kollektive wie individuelle Abtuachttngeti. Wir haben kollektive Abmachungen für allgemeine Lohnsteigerungeu und Lohtiherabsetzunge», wir habe» ferner kollektive Abmachitttgen für zwei Zweige unseres Gewerbes: Vernieier und Kalfaterer, der Arbeite», die im großen und ganzen in allen Distrikten gleich und, soweit hier von ihnen die Rede, von der Maschine unabhängig sind. Aber wir haben es mit ganz anderen Fragen zu lhun. wenn tvir zu zwei anderen Ztveigen unseres Gewerbes übergehen, nämlich Plattiren und Krempen. Mit bezng auf sie müssen tvir vieles der individuelle» Abmachung überlassen. In diesen ztvei Abtheilunge» finden wir es unmöglich, Tarife aufzustellen, die in allen Werkstälten und Werk- Plätzen maßgebend sei» sollen, weil die Maschinenanlagen sür die An- ferlignng der Arbeiten nnd eine Masse anderer Dinge, die den Arbeiter je nachdem begünstigen oder benachtheiligen, in den verschiedenen Werkslellen bedeutend dtfferiren." Heber diese Schwierigkeit könne nur die Praxis und gegen- seitiges billiges Eutaegeukommeu hinweghelfen. Auf grnnd jabre- langer Erfahrung seien in den einzelneu Werkstätten entsprechende Sonderlarise ausgearbeitet wordeti, auf grund deren die Löhne dort berechnet würden,»nd ans diese Tarife würden die jeweilig all- gemein attsbedttttgeneu Lohnerh Hungen aufgeschlagen bezw. von ihnen Lohuherabfetzttttgen abgezogen." *• Gift nnd Galle speit das Organ des ZentralverbandeS deutscher Industrieller, die„Jndustrie-Zeitung", ans über den Brief des Professors L u j o Brentano an die Maschinenbaner. Durch die Ans- führunge» Brentano's ivürde die Kluft, die zwischen den Männern der Praxis(gemeint sind Stumm u. Gen. Red. d.„Vorw.") und den der Wissenschast schon besteht, noch erweitert. Arg verschnnpst hat die Aeußeruug Brentano's, die Vorschläge der englischen Maschinen- Fabrikanten machten den Eindruck,„als ob sie von unserem großen Hütten besitz er Baron Stumm e n t w o r f e n wären". Und nun folgt eine Belobigung des„großen und wohlwollenden Arbeitgebers" Stumm ob seiner Hallung den Professoren und Pastoren gegenüber. „In dem Kampfe, den der geitainite Herr mit der Sozial- demokralie und dem Sozialismus der Professoren und Pastoren führt, steht der übergroße Theil der deutschen Industrie hinter ihm und der Zenlralverband hat ihm für sei» mannhaftes, zielbewußtes Vorgehen öffentlich den wohlverdienten Dank ausgesprochen."— Wie wär's mit einem kleinen Disziplinarverfahren gegen Brentano, oder reicht i» München der Einfluß Stnmm's nicht soweit, als in Berlin?,_ Attkevnelzmov�Vovbiindo. Der neueste Schachzng der Petrolenm-Monopolisten. Die „Mannheimer Volksstimme" schreibt: „Bekanntlich hat ein Vertreter der Mannheim-Brenier Petrolenm- gesellfchaft dem Staatssekretär Posadotvsky die biedermännische Ver« sicherung gegeben, daß die Gesellschaft fernerhin nicht mehr auf dem Abschluß der famosen Knebeliiugsverträge bestehen werde. Sie scheint auch ihre Versicherung halten zu wollen, aber frage man nur nicht wie. Diejenigen Grossisten, welche den Vertrag unter- zeichnet haben, erhalten das Petroleum zu 17,20 M., diejenigen aber, welche sich den Vertragsbedingungeu nicht unterwarfen, müssen 18,70 M. bezahlen. Das ist das System des Zuckerbrotes und der Peitsche, das über kurz oder lang die widerspenstigen Petroleum- Grossisten zivingen wird, sich„freiwiltig" in die Sklaverei der Söhne der Standard Oil Company zu begeben, wenn ihnen nicht die Konkurrenz der Pure Oil Company Lust schafft. Denn auf die Dauer köniien sie mit ihren begünstigten Konkurrenten im Detailpreise nicht Schritt halten, wenn sie nicht Geld zusetzen wollen. Sie gehen zu gründe oder müssen sich dieselben Vortheile zu ver- schaffen suchen wie die Hörigen der Mannheim-Bremer Gesellschaft und der Preis für diese Vortheile wird in dem„sreimilligeii" Ein- gehen des Hörigkeitsverhältnisses zu den amerikanischen Monopolisten bestehen. Auf diese Weise halten die ehrlichen Monopolisten ihr Wort und erreiche» dennoch ihren Zweck." Sozialos. Die jugendlichen Fabrikarbeiter nnd die Fabrik- arbeiterinne». Das Kaiserliche Statistische Amt hat zusammen- gestellt, wieviel jugendliche Arbeiter und wieviel Arbeiteriniten im Jahre 1896 iu den Fabriken der verschiedenen Geiverbegrnppeii im Dentschen Reiche vorhanden waren. Danach arbeiteten im genannten Jahre Kinder i»i A l t e r von weniger a l s 14 I a h r e n 5312, gegen 4327 im Jabre zuvor. Also eine bedeutende Steigerung der hygienisch, pädagogisch und nach verschiedeueti anderen Richtungen hin durchaus verwerflichen Kinderarbeit! Junge Leute im Alter von 14 bis 16 Jahren arbeiteten in Fabriken 239 543, gegen 217 422 im Jahre 1895. Das macht eine Steigerung von Über 22 000. Kinder und junge Leute waren am zahlreichsten beschäftigt in den Fabriken der Textilindustrie, nämlich 62 409; es folgte die Metallverarbeitung mit 31515, die Industrie der Steine und Erden mit 29 576, die Maschinen- und Werkzeugfabriken mit 25 247, die Industrie der Nahrnngs- und Geniißmittel mit 23 968, Bergbau, Hütten- und Saliuenwesen mit 20 553 ee. Im ganzen waren an jugendlichen Arbeitern beiderlei Geschlechts bis zu 16 Jahren in Fabriken beschäftigt 244 360, gegen 221 749 im Jahre zuvor, macht eine Sletgeruitg von über 23 000. U e b e r 16 Jahre alte Arbeiterinnen wurden de- schästigt 699 579, also fast dreimal so viel als jugendliche Arbeiter. Gegen das Vorjahr ergab sich eine Vermehrung der in Fabriken beschästigten Frauen um über 35 000. Die Hälfte der Arbeiteriniten war in Tcxlilfabrikeii beschäftigt, nämlich 335 172. Tie nächst höchste Zahl bietet die NahrrnigS- und Geniißmittelbranche mit 93 317 Arbeiterimien; es folgt die Be- tletdungs- und Reiiiigungsinditftrie mit 58 004, die Papier- und Lederindustrie mit 46 085, die Judustrie der Steine und Eiden mit 41913, die Metallverarbettung mit 35 356, die poligrapdischen Ge- iverbe mit 19 844 Frauen ic. Am wenigsten Frauen(4153) waren in der Jttditstrie der Heiz- und Leuchtstoffe thätig. Die Zahl der Fabriken, die überhaupt jugendliche Arbeiter beschäftigten, betrug im Deutschen Reiche 40 399; sie war gegen das Vorjahr fast um 3000 getvachseti. liebet 16 Jahre alte'Arbeiterinnen wurden beschäftigt in 32 823 Fabriken; das macht eine Sleigertttiz von 2600 Fabriken gegen das Jahr 1895. Neber die Konferenz zur Zeutralistrung der öffeutlicheu RrbeitSuachweise Bayerns, die vom Ministerium des Jntieni auf beii 11. Dezember»ach M ü n ch e n einberufen war, wird berichtet: Die Konferenz war von Vertretern der Städte München, Straubing. Nürnberg. Würzbnrg und Bamberg besticht. Es handelte sich dartint, auf grnnd der von den größeren Arbeitsämtern Bayerns gemachten praktischen Erfahrungen festzustellen, nach welchen Grundsätzen eine Ansgeftaltung der von verschiedenen bayerischen Städten ein» gerichteten Arbeitsvermitteluug erfolgen könne. Die bayerische 3ie- gierung will dadurch, daß sie die jetzt rein örtlich wirkenden Arbeits- nachweise in gegenseitige Verbindung setzt, die Einrichlnug der Arbeitsvermitlelung auch ans weitere Entfernungeii für den Ausgleich von Angebot und Nachfrage auf dein Arbeitsmarkt nutzbar machen. Die Vertreter der auf der Konferenz vertretenen Städte erkannten das Bedürfniß einer solchen Zentralisation an und sagten zu, die dadurch erivachseiide Mehrarbeit zu übernehmen. Ans Staatsmitteln wird nur den Zentralen sür den auswärtigen Verkehr eine vanschale Vergütung zufließen. Es ist beabsichtigt, für jeden Regierungsbezirk eine Zentralstelle zu. schaffen. Ein Verlehr der Zentralen unter einander soll jedoch nur dann stattfinde», wenn eine Zentrale nicht in der Lage wäre, die bei ihr eingelaufenen Angebote zu befriedige». Alljährlich sollen Vertreter der verschiedenen Zentralstellen im Miiiifteriiim des Innern zu München zusammenkomme», um gegenseitig ihre Ersahrungen ans- zutaiischen. Baderäume sind, wie ein Berichterstatter meldet, in einem neu erbauten Volksschiilgebände in Oppeln eingerichtet worden. Jede Klasse kommt einmal in der Woche an die Reihe. Das Baden ist nicht obligatorisch. Fast alle Kinder benntzeu aber die Badegelegenheit sehr gern. Zur Statistik der Pcrsoncubeförderung auf Eisrubahue». Nach dem soeben erschieueti Jahresbericht der b a d i s ch e n Staatseisenbahnen wiesen die Züge sür Persoiienbefördernug im Durchschnitt 10,01 Sitze l. Klasse. 30,96 II. Klasse und 105,01 III. Klasse auf, die iu I. Klasse von 0,37, iu II. Klasse von 6.93 und in III. Klasse von 25,70 Personen besetzt waren. Die Ein- iiahmen daraus belieseti sich für die I. Klasse auf I 106 996 M., für die II. auf 5 275 242 M. und sür die III. auf 10 238 450 M. Im Jnlandsverkehr ergaben sich für die betr. Wagenklasseu Eoinabtneti von 274 629 M.. 2 597 212 M. und 7 852 333 M. Noch giößere Differenzen ergebe» sich ans der Benutzung der Kilometerbeste. Nach den im Jahre 1896 verkauften 87 032 Heften sind I. Kl. 639, II. KI. 20 726 und III. Kl. 65 717. Die Eiiiitahmeti hierfür betrugen 37 772 M. 616 743 M. und 1 618 556 M. Unter den Zeilkarten gar befitiden sich neben 2 Karlen I. Kl. und 527 Karten II. Kl. 15 681 Karlen III. Kl. Die Presse desehästigl sich eingehend mit diesen Zahlen. Ter demolrallsche„Landet bole" zieht ans'ihnen folgende Koiiscqueuz: � Daß unter solche» Umstände» die Forlerhaltiiug der I. W' en« klaffe kein Geiviiiu sür die Bahnverwalluiig sein kann, l»gd auf der Hand, insbesondere, iveim mau auch noch in Rechnrn-g zieht, daß bei dem Dnrchschnittsiverlh eines badischen Peiiorn f- wagens vo» 8580 M. ein Wage» t. Klasse sich auf 14 442 M., e.n solcher 1.»nd 2. Klasse ans 11402 M., ein rein 2 Klasse ans 9570 M. lliid ei» solcher nur 3. Klasse auf 6861 M. sieh beiverthet. Dabei haben die 1446 badischeu Persoiientvageu iliattt» für 3885 Platze 1.. 11423 2.»nd 44 352 Plätze 3. Klasse. Alledieso Zahle» dränge» darauf, die erste Wageuklasse abzuschaffen ober sie zum mindeste» sür de» Biuileuverkehr zu beseitige». Ans der Fraiicubcweguiig. Ei» Fräulei» Dr. phil. Maikki F r i b e r g iu Helsittgfors hat beim Senat von F i» t a u d»m Ansteltuiig als S ch u 1 1 ii s p e k t o r i» petitioiiirt. Eine Frauen- Korrespondenz berichtet hierüber: Das fiuischo Gesetz spricht, iveun von Advokaten, Lehrern in den Knabenschulen. Aerzleu?c. die Rede ist, immer nur vom Manu. Deshalb ist die eigeiithümliche Bestimmung ge- troffen worden, daß Frauen, die»läniiliche Aemter und Austellungeii wünsche», erstß.Dispens von ibremGeschtechte"iiachsuche!i müssen. Trotz- dem sich iinn'Frt. Dr. Maikki Friborg von ihrem Geschtechte hat dis- peiisire» lassen, ist ihr Gesuch doch abgeschlagen worden, weil es nicht angängig sei, daß eine Dame sogar Knabenschnlen inspizire unb so auch in die Lage käme, inäiinliche Lehrer zu koiitrollireii und Aiiincrkungeu Über ihren Unterricht und ihr Leben zu machen. iH'vJamml it«gon. Der deutsche Holzarbeiter-Verband hielt am Mittwoch eine dichtbesetzte Vertrane»smä>iner-Versa»iml»»g bei Cohn, Benihstraße, ab. Der Vorsitzende Glocke referirte über die vom Verband ein- zunehmende Slellmig bei Streiks und Differenzen in solchen Vo- trieben, in welchen Mitglieder verschiedener Organisationen beschäftigt sind. Bei verschiedene» Werkstattstreiks sowohl im vorigen als in diesem Jahre haben sich Uuzuträglichkeiten herausgestellt, die hervorgerufen werden dadurch, daß z. B. Möbelpolirer und Maschinen- arbeitsr entweder die Arbeit ohne vorhergehende Besprechung über die Nothwendigkeit eines solchen Vorgehens mit ei»- gestellt halten, ober aber sie waren unschlüssig, welche Haltuug von ihnen eiuzuuehmeu war. Die Frage hätte nicht auftauchen köiiueu, wenn von den versckiedencu Branche» der Holzindustrie die Beschlüsse des allgemeinen Geiverk- schafts-Kongresses sowie des Holzarbeiter-Kongresses in Kussel, zi» Jndusirieverbäiidetl sich zusammenzuschließeu, ausgeführt worden wären. Es müßte nun augenblicklich mit der Thatsache gerechnet iverde», daß noch Organisatione» verschiedener Branchen der Holz- indttstrie bestehen, und demgemäß sei von der Ortsverwaltnng gemeinsam mit Vertreierti der Maschinellarbeiter über ein einheit- liches Vorgehen bei Streiks Stellung genoiumeu. Der diesbezügliche Vorschlag gehe dahin, daß iu Zukunft bei Streiks und Differenzen die Gruppe, weiche gezivungen ist, iu einen Streik einzutreten, die Leiter der Branchen, welche in Mitleidenschast gezogen werde», zu einer Sitzung einzuladen hat, in welcher eine Verständigung über die einzuschlagende Taktik der verschiedenen Gruppen herbeigesiihrt werden muß; so lange jedoch eine derartige Besprechung nicht stattgefunden hat, habe» alle anderen Branche» weiter zu arbeiten. Redner erläutert sodann, welche Vortheile naed Festteginig der Taktik die einzelne Branche resp. Organisatio» dabei genießt; jede einzelne Branche würde erst dann in den Streik mir eintreten, wenn die betreffenden Arbeiten von dem Unternehmer am nothwcudigsteii gebranchr werde». Nach kurzer Diskttsfioti wurde ein dahingehender Beschluß gefaßt und die Ortsverwalluiig beauftragt, die dazu nothiveudigeu Schritte eiiizuteiteu. Kollege Kunze erläuterte sodann die in der Versammlung ausgegebenen Fragebogen für die für das Jahr 1897 aufztinehmeude Slalisti: über Lohn-»nd Arbeitsverhälinisse der Holzarbeiter. Redner weist noch auf den Werth der Statistik für die Lohukämpse der Arbeiter hju und ersucht die Anwesende», dafür einzutreten, daß sämmtlsch« Arbeiter in den einzelnen Betrieben die Personen-Fragebogett an-- siitlen, da nur dann oas Ergebuiß der Statistik de» wirklichen Ber- hättnissen entspreche. Ferner wurde beschlossen, am WeihnachtS» Heitigabend und Syluefter auf den Zahlstellen nicht kassire» zu lasse», doch sollen die Vertrauensleute dafür sorgen, daß Sorniabenr', den 18. Dezember, als dem letzten Zahltag dieses Jahres. die Mitglieder ihre Beiträge bis Schluß des Jahres begleiche?:. Slatistit-Fragebogen werden von den Kommissions-Mitgliedern am Sonnabend auf den Zahlstellen an die Werkstellen ausgegeben. welche nicht vertreten sind. Die Zurückgabe der Fragebogen mutz bis 9. Januar erfolgen. Am 3. Weihnachtsfeiertag findet das Weihtiachlsvergtuige» des Verbandes mit Kinderbeschenimg statt. Die nächste Zentrnms-Vertranensmäntier-Versanimlung findet Mitt- woch, den 12, Januar, bei Cohn, Beuthstr. 20/21 statt. Die Möbelpolirer(Bezirk Norden) bestimmten in ihrer Ver« fammlung vom 13. d. M den Sonnabend als Bibliolhekstag, au welchem Tage auch Beiträge entgegengeuommeti werden. Als Bei- sitzer wurde Petrasch gewählt. Das Versammlungslokal, jetzt Sivinemünder Gesellschaftshans, soll verlegt werden. Depeschen und tetzke Mschvichken. Berlin, 17. Dezember.(„Berliner Korrespondenz".) Z»r Be- seitigung mehrfach hervorgetretener Zweifel hat der Minister des Innern bestimmt, daß den zur Eutlassung kommenden mittet- tosen Untersuchuitgsg-faiigeneii, ebenso wie den betreffenden Sirafgrfaitgenen ztuti Zwecke ihrer Znrückbeförderung in die Heimath der sür die Fahrkarten ersordertiche Betrag und eine angemessene Reisennterstütziing gewährt wird. BreSIan, 17. Dezember.(B. H) Ein Echadenfetier äscherte. wie der„Breslatter General-Anzeiger" meldet, einen großen Tbeil der Marktbuden des eben eröffneten Christmarktes ein. Die alten Holzbnden»nd die darin ansgestapetten Waare». welche giößtentheils ärmeren Leuten gehörten, boten dem Fetter, ivelchcs durch Explosion einer Petroleumlampe entstanden war, reichliche Nahrung. Bei A t, kaust der Feuerwehr standen bereits drei lange Btidenreihen in Flammen. Auch das Rathhans war ge. fährdet, indeß gelang e« in mehrstündiger Arbeit, eine wettere Verbreitung des Brandes zu verhindern. WittielmShaveii, 17. Dezember.(B. H) Der Dampfer „Darmstadt" mit dem Marinebalailloti an Bord ist um 4'/s Ilyr »ach China iu See gegangen. Frankfurt a. M., 17. Dezember.(B. H.) Der„Frank- furler Zeitung" wird ans Straßvurg gemeldet: Heute Nich- mittag fand zwischen Schletlstadt»nd Ebersheim ein Znsanimen- stoß zwischen einem Güter- nnd einem Personenzuge statt. i)l c u u E t s e ii d a h n- A n g e st e l l t e wurden l h e i l w e i s e sehr erheblich verletzt. Der Malerialschadeu ist bedeutend. Ziel Lokomotiven nnd mehrere Wagen wurden zerirünimert. Der Verkehr erlitt eine wesenttiche Störiing. Die Züge aus der iliichtung Sehleltstadt nnd Strahbiirg hatten größere Beispätimgcn. Frankfurt a. M-, 17. Dezember.(B. H) Der.Frankfurter Zeilitug" wird ans Dortmund telegraphirt: Ans der Zeche „Monopol" wurden drei Bergleute durch schlagende Weiler getöctec PariS, 17. Dezember.(38. T. V) Tie in der Panama- ?litgelegeichkit Bcschiildigleii Laisa»!, Ptanteun, Gaillard und Boyex, welche vorläufig in Freiheit belassen worden iväre», sind heute Abend veihaslet wo, den. Die Paiiania-Angelegenheit kommt morgen vor dem Schwurgericht zur Verhandlung. London, 17. Dezember.(38. T. B.) Wie verlautet, hat ber Unteransschiiß der Maschinenbauer- Konferenz sich nicht über den dem Plenum der Koiiserenz vorzulegenden Bericht einigen lönneu. Sofia, 17. Dezember.(W. T. B) Die Sobruuje nahm das Budget. welches sud in den'Ansgalen und Einnabmeti mit 84hg Millionen das Gleichgewicht hält, im nllgeiueiuen an. New Uotk, 16. Dezember.(„Franls. Ztg.") Tie beiden Hün'cr iiahinen die Bill an, welche eine Hilfsaliion sür die Goldsucher In Nlondyke bezweckt. Baiparaiso, 16 Dezember.(W.T.B.) Das Kabinet b>l demissivnirt. Pedro Moull ist mit der Sßi'dnug eines neiicii Kabiue.s betraut. Vertag von Max Babing in Berlin. Hierzu Ä Brilagru. Verantwortlicher Redakleur: Aitgust Jarolru in Berlin. Für den LiiferateiitdeU verautworllich: 21). E locke in Berlin. T ruck und >i. m. K. im--, i. DIU Ks Jorniiitls" Dlintt lolfeHutt.»«•">.«■ NeichskÄg. 13. Sitzung. Freitag, 17. Dezember 1897. Aia Bundesrathstische: v. Goßler, Graf Posado wsky. Präs. v. Büol eröffnet die Sitzung um 12>/4 Uhr. Eine Reihe kleinerer R e ch n u n g s s a ch e n iveredn debattelos angenommen. Darauf folgt die Fortsetzung der ersten Berathnng der Militär-Strafgerichtsordnnng. Abg. Bafserman«(natl.): Wir müssen anerkennen, daß im allgemeinen die Vorlage einen großen Fortschritt gegenüber der bisherigen Gesetzgebung bedeutet und zeitgemäßen Forderungen Rechnung trägt. Natürlich haben wir bei einer so umfang- reichen Materie im einzelnen auch Bedenken. Wir sind zwar nicht gewillt, Vorschläge zn befürworten, die die Disziplin zerstöre» könnten; aber wir müssen doch besonders hinsichtlich des Umfangcs der Militärgerichtsbarkeil und der Oeffenllichkeit weitergehende Forderungen machen. Eine wesentliche Frage ist für uns doch auch, daß nicht eine zu große Entfremdung zwischen dem Militär und der übrigen Bevölkerung cinlrele. Ich vermag auch nicht anzuerkennen, daß die Gerichts Herrlichkeit ei» Ausfluß der Kommandogewall ist. Im ganzen bat sich das Institut des Gerichtsherren im preußischen Verfahren bisher bewährt. Eine andere Frage ist es aller- dings, ob die Macht der Gerichtsherren nicht einzuschränken ist. Die Unabhängigkeit der Gerichte ist meiner Meinung nach vollständig garantjrt, mehr als in» bayerischen Versahren. Wir werden ferner dafür eintrete», daß mehrere Delikte, z. B. der Widerstand gegen Beamte, � nicht den Standgerichten, sondern den Kriet/ gerichten überwiese» werde. Wichtig scheint mir da vor allem die Frage der Ständigkeit. Was das bayerische Reservatrecht anlangt, so haben mich die gestrige» Aussührunge» des Abg. v. Herb ling nicht überzeugen können. Die Grundsätze des mündlichen Ver fahrens bedeuten einen wirklichen Fortschritt und sind in dieser Hin- sicht von weitaus größerer Bedeutung als die Oeffenllichkeit.— In der Frage der Ausschließung der Oeffenllichkeit stimme ich im wesent« liche» Herrn v. Pnttkamer-Plauth bei.— Anzuerkennen ist, daß in der Vorlage das System der freien Beweisführung vollkommen durchgeführt ist, dagegen kann ich mich mit de» Bestimmungen nicht einverstanden erkläre», die das Znstandekommen des Urtheils regeln; hier bin ich doch dafür, daß nur Zweidrittel- Majorität entscheidet.— Was die Zulassung der Rechtsanwälte anlangt, so bin ich dafür, daß man das System umdreht und daß man sie im allgemeinen zuläßt und nur in Älnsnahmefällen zurückweist. Ebenso habe ich Bedenken dagegen, daß die Verlheidigung vor Erhebung der Anklage, beim Ermiltelnngsverfahren, unzulässig ist.— Ich komme schließlich zu den Kosten des Verfahrens; ich bin dagegen. daß diese unter allen U m ständen von der Staatskasse getragen werden; der wohlhabende Angeklagte kann sie sehr gut allein tragen.— Zweifellos ist in dem Entwurf vieles zn loben, manches zu tadeln; man darf hier den Bogen nicht mehr spannen; es kann hier nur unsere Aufgabe sein, die Grund lagen eines einheitlichen Verfahrens zu finden. Das Gesetz ist lange ersehnt, und wenn auch nicht alle Wünsche erfüllt sind, so wollen wir doch dafür sorge», daß in diesem Falle das Beffere nicht der Feind des Guten ist.(Beifall bei den Nationalliberalcn.) Abg. Frohmc(Soz.): Meine Herren, viele Bedenken sind bereits von de» verschiedensten Seiten gegen den vorliegenden Enb nmrf geäußert worden. Ich habe indessen noch eine Reihe von Ein- Wendungen zu erheben, die weit darüber hinansgehe». Zmiächst habe ich hierbei einige Bemerkungen zu machen über den U m fang der Militärgerichtsbarkeit, wie ihn der Entwurf festlegt. Dieser scheint mir viel zu weil gezogen. Es sind eine ganze Reihe von Personen, die nach meinem Ermessen durchaus nicht der mill tärischen Gerichtsbarkeit zu unterstellen sind, vor allem die zur Disposition gestellten Offiziere, die Schiffsjungen, so lange sie eingeschifft sind, die in militärischen Anstalten versorgten invaliden Offiziere und Mannschaflen. Daß alle diese der Militär gerichtsbarkeit mitunterstellt find, läßt sich wohl nur daraus erklären, daß der militärische Geist seinen Einfluß mög- lichst weit geltend zu machen sucht. Weite Volkskreise empfinde» dies als eine auch aus Gründen der Disziplin nicht zu rechtfertigende Anmaßung des militärischen Geistes. Es ist mir durchaus uner« findlich, mit welchem Anschein von Beweisführung die Schiffsjungen der Militärgerichtsbarkeit unterworfen werden solle». Diese jungen Leute durften kaum ein genügendes Verständniß für die Strenge der militärischen Gesetze haben. Was haben ferner die invaliden Oifiziere und Mannschaften mit der Disziplin z» ihn»? Wie kommen sie für diese überhaupt noch in betracht? Dann sollen iveitersogar nllePersonen, die in irgend einein Vertragsverhältniß mit der Armee stehen, der Militärgerichtsbarkeit unterworfen sein, z. V. also Personen, die Krankenpflege im Kriege geleistet haben. Das sind Zivilpersonen, von denen man voraussetzen darf, daß sie zumeist mit den drako- Nischen und recht diffizilen Bestimmungen dieser Gesetze sehr wenig oder gar nicht bekannt sind und sich aus Unwissenheit, Unbedachtheit Vergehen zu Schulden kommen lassen, die nach den militärischen Gesetzen als große Verbrechen erscheinen. Dann bleiben auch Beamte als Militärpersonen diesen Gesetzen unterworfen. Es mag ja sein. daß unter dem Gesichtspunkt der Disziplin manches zn gunslen des Verbleibens der Militärbeamten unter der Militär-Gerichtsbarkeit geltend gemacht werden kann. Aber ihre Thätigkeit hat nichts mit der militärischen Disziplin zn thnn, und ihre etwaigen Vergehen finden bei den bürgerlichen Gerichten nicht minder Ahndung. Es macht ferner eine» seltsamen Eindruck, daß selbst die Militär- und Marinegeistlichen der Militär-Gerichtsbarkeit unterworfen werden solle». Es sind das doch Leute, die lediglich der Secl- sorge, der Verkündigung der Religion sich widmen solle». Nehmen solche Geistliche es ernst mit der Verkündigung der Nächstenliebe, so können sie unter Umständen schwere Gefahr laufen. Nehmen wir an, es würde ein Mächtiger, ein Repräsentant der höchsten militärischen Macht zu den Söldaten sagen: Wenn Euch befohlen wird, ans Vater und Mutter, Bruder und Schwester zn schießen, so habt ihr unweigerlich Folge zn leisten. Wie stimmt das mit der Religion? Habe» ivir nicht in der letzte» Zeit auch gehört: Wer ein guter Christ ist, wird auch ein braver Soldat sein? Wen» nun ein treuer Christ sagen würde: Ueber dem Gebote der Mächtigen dieser Erde stehe» die Gebote Gottes und in diesen steht: Du sollst Vater und Mutter ehre»! Das echte C h r i st e n t h u m, darüber besteht unter vernünftigen Leuten kein Streit, v e r e i n b a r t f i ch nicht mit dem Geist des Militarismus. Wenn nun ein Geistlicher seiner Würde und seinem Beruf wirklich genügt und sich entgegen den Anforde- rnngen des Militarismus auf die Lehre des Christenthums stützt, dann wird er alle Augenblicke in die allerhärteste Kollision mit dem Militärgesetz komme». Es würde viel besser sein, wenn man die Seel- sorge in der'Armee unabhängig machte von diesem ganzen System. Auch die M i l i t ä r- i!l e r z t e wünsche ich nicht der Militär- gerichlsbarkeit unterworfen zn sehen, sie können auch durch Erfüllung ihres Bernfes mit Anforderungen der mililärischen Disziplin in Konflikt kommen. Ebenso ist es mit den Personen des Beurlaubten- standes. Es handelt sich hier namentlich um die zur K o n t r o l l- v e r s a m m l n» g einberufenen Leute, die nach geltendem Recht den ganzen Tag über nnter Militärgerichtsbarkeit stehen. Diese Be- ftimmüiig greift schwer in das ganze bürgerliche Rechtsleben ein und ist schwer begreiflich. Der Akt der Kontrolle ist doch kein militärischer Dienst, der das Herausreißen des Mannes aus dem Zivilverhältniß recht- fertigen könnte. Es sind in neuester Zeit für die zur Kontroll- versamniliing befohlenen Personen zur Bekämpfung der Sozial« demokralie Borschriften erlassen, welche es dem Manne, wenn sie strikt ausgeführt würden, unmöglich machen, an diesem Tage seiner Uebeizeugnng, ja auch seinem Berufe zu leben.(Sehr richtig! links.) Er darf keine sozialdemokratische Versammlung besuchen, er darf noch weniger an diesem Tage seinen Beruf als Redakteur einer sozialdemokratischen Zeitung ausüben. Solange man nicht mit Gründen einer guten vernünftigen Disziplin diese Bestimmung rechtfertigt, werden wir gegen dieselbe stimmen. Es sind alles jugendliche Leute, die an der Kontrollversammlung theilnehmen, da ivird mal ein Glas über den Durst getrunken, es komnit vielleicht zu Ausschreitungen, die dann vom Militärgericht sehr hart bestraft werden, während sie ein bürgerliches Gericht sehr milde benrtheilen würde. Die Duell vergehen von Offizieren des Beurlanblenstandes sollen nun auch den Militärgerichte» überwiesen werde». In der Begründnng wird gesagt, es handele sich da meistens um die Offiziersehre und in solchen Fragen müßten Standesgenossen Richter sein. Man komme doch nicht immer mit diesem besonderen Begriff der Offiziersehre. Ich fürchte, die Militärgerichte werden Duellvergehen noch mildev be- iirlheilen. als heute die bürgerlichen Gerichte, und die leisten darin doch schon das menschenmögliche. Ich komme nun zur Ausdehnung der Militärgerichtsbarkeit ans alle Militärpersonen. Es spielen dabei nicht unbedeutende politische Erwägungen mit hinein. Die Ab- grcnznng zwischen militärischen und bürgerlichen Realen ist durchaus nicht schwer, aber das Bestreben geht offenbar dahin, den Soldaten unter völliger Auflösung seiner bürgerlichen Rechtspersönlichkeit ganz unter Militärrecht zn bringen. Das geht weit über den Begriff der Wehrpflicht hinaus. Im eigentlichen Waffendienst soll der Soldat der Disziplin unterstehen, aber darüber hinaus soll der Soldat Bürger bleiben und für bürgerliche Reate der bürger- lichen Rechtsprechung unterstehen.(Sehr richtig! bei den Sozial- demokraten.) Aber die Herren verstehe», in den militärischen Ein- richlnngen einen förmlichen Staat im Staate zu bilden. Wenn man beständig darauf verweist, daß das Heer ein Volkshecr sei, dann sollte auch der militärische Geist aus dem Volksgeiste schöpfen, dann sollte auch bei der Trennung der bürgerlichen von den militärischen Bergehen dem öffentlichen Rechtsbewußtsein genügt werden. Der Herr Abgeordnete Schröder bat behauptet, es gebe keinen Gegensatz zwischen Heer und Volk. Wenn es nur so wäre! Er hat wohl noch nie Gelegenheit gehabt, ihn in seiner ganzen Schärfe kennen zu lernen. Ich erinnere nur an die Ungeheuerlichkeit der Strafen der Militärgerichte, an die Rllcksichts losigkeit, womit bestimmte politische Ueberzeugungen im Heere ver- folgt werden. Das sind Erscheinungen, die von einem unttberbrück baren Gegensatz zwischen Heer und Volk sprechen. Von einer wirk- lichen Reform kann so lange nicht die Rede sein, als nicht auch eine Reform des drakonischen Militärstrafrechts im Geiste der Humanität erfolgt.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Ich verlange auch für den Bürger im Waffenrock, den man den Rock des Königs nennt, obwohl das Volk ihn bezahlt, Anerkennung seiner politischen und religiösen Ueberzeugungen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) So lange der Soldat dem Dienste obliegt, untersteht er den Militär gesehen. Von da ab aber ist es nicht richtig, daß der Soldat unter einer unerhörten und menschenunwürdigen Behandlung bleibt... (Glocke des Präsidenten.) Präs. v. Bnol: Ich muß diesen Ausdruck entschieden tadeln. Abg. Frohine: Zumal ein Sozialdemokrat im Heere wird gekennzeichnet als ein Mensch, der besonders streng zu beobachten und nnter das Mililärstrafgesetz zu stellen ist.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Dafür nur ein paar Beispiele. So ist ein Unteroffizier zu 6 Jahren Gefängniß und mit Eiilferniing aus dem Heere bestraft worden, nicht etwa, weil er zu seine» Unter- gebene» gesagt hat: Wir wollen uns die unwürdige Behandlung durch die Offiziere nicht länger gefallen lassen, nicht weil er Vor- gesetzte angegriffen hat, sondern nur, weil er eine Anzahl sozial- demokratischer Zeitungen in die Kaserne mitgenommen und sie anderen gezeigt hat.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Das Kriegsgericht hat selber festgestellt, daß in de» Nummern nicht die geringste Anfreiziuig enthalten war, aber es hat gemeint, es hätten ebenso gut auch aufreizende Artikel darin stehen können.(Hört! hört! bei den Sozialdemo- kraten), und deshalb ist der Mann vernrtheilt worden. Mir sind derartige Tendenzprozesse bekannt geworden in solcher Fülle, daß wir Tage und Tage brauchten, um das alles bekannt zu geben. Mit brutaler Rücksichtslosigkeit wird gegen politische Ueber- zeugung vorgegangen; die Soldaten werden direkt aufgefordert zum Kampf gegen die Sozialdemokratie; dann kann es wohl vorkommen, daß ei» junger Mann, der Sozinldeniokrnt ist, mit recht empört wird über die Verdrehungen und Entstellungen, die er da erlebt; er sagt dann wohl zu seinen Kameraden:„Ihr müßt das nicht alles glauben, die Leute verstehen ja nichts von der Sozialdemokratie; diese ist nicht der Ausbund von Gemeinheit und Schlechtigkeit, sie hat hohe und edle Ziele." Nun, und das kommt dann an die große Glocke und der Mann ist der schwersten Verurtheilung verfallen. Und warum? Weil er der Lüge und Verleumdung cnrgegengelreten ist. Ich will da nur einen Fall anführen: In einer Versammlung wird hergezogen über die Sozial demokratie, in der Art der famosen Broschüre, von der Ihnen vor- gestern erzählt ist; es werden da Bebel und Liebknecht auf das gemeinste beschimpft, und alle Sozialdemokraten als Schufte und Lumpen gekennzeichnet. Ein junger Mann empört sich da, und er sagt:„Nein, Kameraden, so liegen die Dinge nicht; Bebel und Liebknecht sind ehrenhafte Leute, und die Sozialdemo- kraten sind nicht lauter Banditen." Was er da gesprochen, in dem war auch kein Wort, das da gegen die militärische Disziplin ver stoßen Härte. Und deshalb erfolgte die Verurtheilung des Mannes zn drei Jahren Gefängniß, weil er es nicht über sich gewinnen konnte, seine Kameraden in der brutalsten und dümmsten Weise düpirt zu sehen. Unsere erste Forderung muß daher sein: Freiheit der politischen und religiösen Ueberzeugnng! Man sagt uns immer: diese Forderung ist unvereinbar mit der Disziplin in der Armee. Nun, meine Herren, wir sind weit davon entsernt, die militärische Disziplin untergraben zu wollen; so lange eine militärische Organisation bestehe, so lange muß auch die militärische Disziplin bestehen. Aber die Grundlage der Disziplin darf nicht sein ein Kadaver-Gehorsam. Das Bewußtsein, im Dienste des Vaterlandes seine physischen und geistigen Kräfte aufzuwenden, das muß sein die Seele der Disziplin. Und dann, meine Herren, die Grundlage jeder Rechtsprechung ist die absolute Gerechtigkeit nach allen Seiten; die militärische Gerichtsbarkeit aber kennt Unterschiede bedenklichster Art; es ist Usus, daß die Höherstehenden recht milde behandelt werden, während man gegen die Untergebenen die volle Härte des Gesetzes malten läßt; für geringfügige Vergehen wird jähre- langes Gefängniß über sie verhängt, während Offiziere, wenn sie den Mord eines Mitmenschen begangen haben, einfach ans die Festung geschickt werden, wo sie wie der liebe Herrgott in Frankreich leben. Ich aber glaube, die militärischen Gerichte hätten weit mehr Ursache, mit äußerster Strenge gegen Vorgesetzte vorzugehen, als gegen Untergebene; das gerade liegt im Interesse der militärischen Disziplin. Das wären so die hauptsächlichsten Gesichtspunkte, die bei dieser Frage in Betracht kommen. Nun gehen wir auf einige Punkte noch ei», zunächst ans die Unabhängigkeit der Gerichte. Eine Organisation, die so voni Geiste der Unterordumig ausgeht, wie die militärische, wird immer in mehr oder weniger großer Abhängigkeit sein von den Entschließungen der maßgebenden Persönlichkeiten. Daß Unter- offiziere und Gemeine zn den Gerichten nicht herangezogen werden sollen, betrachten wir einfach als Ungerechtigkeit. Man kann zwar sagen, daß die Untergebenen vielleicht vor- eingenommen sind und nicht die nöthige Objektivität hätten. Die Offiziere bieten auch nicht durchweg die Gewähr, daß sie nüchterner, vorurtheisfreier urtheilen als die Gemeinen. Will man den Geist der Selbständigkeit erweitern, so muß das ganze System geändert werden, es muß dem Prinzip der Selbständigkeit mehr an- gepaßt werden. Die Herren auf der Rechten scheine» die Vorlage eher scheitern lassen zu wollen, als daß sie den hier laut gewordenen Wünschen Rechnung tragen wollen. Freilich kann ich mich auch des Eindrucks nicht erwehren, daß man auch sonst in maßgebenden Kreisen die Ablehnung der Vorlage nicht ungern sehen würde. Um so mehr wird die Kommission daraus Bedacht nehmen müssen, daß dem öffentlichen Rechtsbewnßtfein mehr als es in der Vorlage geschieht. Genüge geleistet wird. Die Mahnung des Herrn v. Pnltkamer-Plauth hat der Sache den denkbar schlechtesten Dienst erwiesen. Wir verlangen eine Militär-Strasprozeß-Ordnung, die dem entwickelten öffentlichen Rechtsgefühl und den geläuterten Anfor- derungen der Humanität in allen Punkten entspricht. Sollte die Regierung aber der Mahnung des Herrn v. Puttkamer Folge leiste» wollen, dann glaube ich, verlohnt's sich kaum der Mühe, in der Kom- Mission nach der einen oder andern Seite Anstrengungen zn machen. (Beifall bei den Sozialdemokraten.) Generalandilenr Ittenbach: BeiAnsarbeitungdes Gesetzentwurfs ist uns auch niemals der Gedanke gekommen, eine Strafprozeß- Ordnung zu schaffe», die die Sozialdemokratie befriedigen konnte. Wenn nun Herr Frohme den Entwurf so abfällig beurlheilt hat und kaum ein gnies Haar an ihm gelassen hat, so läßt mich das sehr kalt. Auf diesem Gebiete werden wir uns wohl mit der Sozial- demokratie nie verständigen. Unsere Ansichten über Disziplin gehen entgegengesetzt auseinander. Was Sie(nach links) unter Disziplin verstehen, sind Redensarten(Oho! links), wie das die Ans- sühriingen des Abgeordneten Frohme bewiesen haben. Er hält es mit der Disziplin für vereinbar, wenn ein Untergebener den Vorgesetzten in gewissen Fällen einfach niederschlägt.(Abg. Frohme: Ich habe nur von Nothwehr gesprochen.) Ja, über den Begriff Nothwehr sind die Ansichten oft sehr verschieden. Wir ver- stehen unter Disziplin die unbedingte Hingabe an den König, die »»bedingte Treue z»»> Kriegsherrn, unbedingten Gehorsam und echte Kameradschaft. Ohne Zucht und Ordnung fällt das ganze militä- rische Gebäude zusammen, verschwindet die militärische Tüchtigkeit. So lange die Disziplin im Heere besteht, so lange fürchte» wir nicht, daß Ihre Träume sich verwirkliche». Sind erst Ihre Pläne verwirklicht, dann ist eine Militär-Strasprozeß-Ordnung nicht mehr nothwendig. Dann habe» Sie eine Gesellschaft, in der die summarischeste und kürzeste Justiz die gründlichste sein wird. Kein Staat hat so humane Grundsätze im Militärgerichts-Verfahren als der deutsche. Ich will Ihnen ein Urtheil ans den Vereinigten Staaten von Nordamerika miltheilen. Urtheilen Sie, ob es sehr human ist. Es lautet wegen Desertion auf Kahlscheeren des halben Kopfes, Einbrennen des Buchstabens v aus die linke Lende und Einschließung zu harter Arbeit ans sieben Jahre. Ich meine, wir preußischen Militärbarbaren sind da doch»och bessere Menschen. (Heiterkeit.) Der Entwurf wird an eine Kommission gehen und die Regierung ist bereit, dort auf alle Anfrage» Auskunft zn geben. Ueber einige grundlegende Fragen möchte ich mich aber schon hier äußern. Der Entwurf sieht die Einbeziehung der Militärbeamten in die Militär- gerichlsbarkeit vor. Der Reichstag hat sich schon früher dafür aus- gesprochen und wird es hoffentlich auch diesmal thnn. Herr Frohme beklagte deshalb die Schiffsjungen, Geistlichen und Aerzte. Die Schiffsjunge» stehe» nicht materiell guter der Militärgerichtsbarkeit, sie sollen nur dem Disziplinargesetz verfallen und nur wenn sie auf Bord der Schiffe sind. Daß hiergegen Widerspruch erfolgen würde. hätte ich wirklich nicht geglaubt. Was nun die Milttärgeistlichen betrifft, so kann ich den Slbgeordneten Frohme vollends beruhigen. Ich bin schon sehr lange Auditenr, mir ist aber»och kein Fall vor« gekommen, daß ein Militärgeistlicher bestraft ivorden wäre.(Abg. Knnert: Camillo Gräfe!) Das müßte vor meiner Zeit gewesen sein. (Abg.Kunert: Nein, in allerneuester Zeit!) So? Na.wennesvorgekommen sei» sollte, dann sind es jedenfalls nur ganz seltene Fälle gewesen. Wenn der Abg. Frohme es mit der Würde der Sanitätsoffiziere nicht vereinbar hält, daß sie der Militärgerichtsbarkeit uuterstehcn, so unterliegt dies doch am besten der Veurtheilung der Sanitäts- offiziere selbst, die ihren Stolz darein setzen, völlig dem Militär gleichgestellt zn werden. Auch über die Gendarmerie scheint er sich nicht genügend orientirt zu habe»; sonst würde er wissen, daß es reichsgcsetzlich darüber keine Bestiimnunge» giebt. Es ist vollständig der Landesgcsetzgebung überlassen, ob sie die Gendarmerie militärisch organistren will wie es in Preußen der Fall ist oder nicht.— Herr Abg. Bassermann hat angefragt, wie es in Zuknifft gehalten werde» sollte mit den strafbaren Handlungen, die vor der Einstellung i» den Dienst begangen worden sind. I» Preußen gilt bisher darüber die Bestimmung, daß die Untersuchling sür die Militärzeit nur dann zu stände kommen soll, wenn die zu erwartende Strafe eine sechswöchentliche Frciheils- strafe nicht überschreitet. In de» Entwurf ist eine ähnliche Bestimmung nicht aufgenonimen; sie soll i» die Wehrordnnng kommen. Danach sollen diejenige», die Verlust der bürgerliche» Ehren oder eine Freiheitsstrafe über 6 Wochen zu erwarte» habe», garnicht eingestellt werden, und wenn sie es sind, weil die strafbare Hand- lnng erst nach der Einstelliing bekannt wird, so sollen sie ent- lassen werden. Eine Elörniig in der Ansbildnng bis zu 6 Wochen wäre allenfalls»och zn überwinden; dauert aber die Freiheilsstrafe länger, so ist sie mit den Interessen des militärischen Dienstes nicht mehr vereinbar. Eins der»vichtigsten Bedenken, die namentlich gestern hier ge- äußert wurden, bezieht sich auf die Stellung der Gerichts- Herren. Als ich 1884 Generalauditenr wurde, kam ich ebenfalls mit vorgefaßte» Bedenken gegen die Gerichtsherrlichkeil in die neue Stellung hinein. Ich habe Gelegenheit genug gehabt, in dieser Be- ziehung Erfahrungen zu machen; in diesen 13 Jahren find weit über 70 000 Fälle durch meine Hände gegangen, und alle sind der pflichtniäßigen Nachprüfung im Generalauditoriat unterzogen ivorden. Das Resultat dieser Bcobachliingen ist, daß ich, selbst Jurist, mit der vollsten Ueberzeugnng sür die preußischen Gerichlshcrren eintrete. Der'Abgeordnete Gröber hat ihre Unparteilichkeit auch völlig anerkannt und nur bezweifelt, daß sie als Laien die nöthige» Eigenschaflen besäßen, um diese Thätigkeit aiiszuübe». Bei den Standgerichten sind die Sache» innner einfach, und die Gerichtsherren haben ihre Aufgabe» in der gewissenhaftesten und nicht zu beanstandende» Weise erledigt. In den Kriegs- gerichte» aber hat der Gerichtsherr beständig die Unterstützung eines Juristen, des Anditeurs. Die beiden stehe» ja in einer etwas eigenlhümlichen Stellung z» einander, die der Ziviljnrist nicht so leicht versteht; aber es haben sich bisher keinerlei Unzuträg- lichkeiten herausgestellt, es herrscht das größte Einvernehmen auf beide» Seiten. Der Jurist respektut die militärisch-technischen Keilntnisse seines Gerichtsherrn und dieser hört die juristischen Bor- träge seines Anditeurs an, Meinungsverschiedenheiten werden in der freundlichsten Weiseausgetrage». Vorallem ist ein rasches undenergisches Eingreife», wie es der Militär- Strafprozeß unbedingt erfordert, und eine rasche Erledigung»ölhig. Diese Gesichtspunkte sind mit maßgebend sür die Organisation. Gerade die bayerische Straf- prozeß-Ordnnng, auf die wiederholt als auf ei» Vorbild hin- geiviese» worden ist, hat hierin ihrer Aufgabe nicht vollständig ent- sprochen,>vo es am»olhwendigsten gewesen iväre, im Kriege 1370.71. Die bayerischen Gerichte sind hinsichllich ihrer Ziiständigkeit territorial abgegrenzt, so daß in dem'Augenblick, wo die Armee marschirt, für die Feldgerichte hinsichtlich der Zuständigkeit Schwierigkeiten entstehen. Die Geschworenengerichte versage» dann natürlich völlig. Die preußische und sächsische Militär-Strasprozeß-Ordnung halten da ihre Vorzüge. Die Gerichte inarschiren mit der Armee. Wir haben die Erfahrung gemacht, daß»vir bei de» Stand- gerichten ganz gut ohne Juristen fortkomme». Deshalb ist daran festgehalten ivorden. IFehkgriffe sind vorgekounnen, aber nur bei schivierige» juristischen Feststellniigen. Den Standgerichten sind deshalb nur ganz einfach und klarliegende Fälle zur Entscheidung gelassen worden. Im Kriege könnten die Standgerichte doch nicht ihre Juristen niitsührei». Es ivird»veiter gellagt, daß bei den Kriegsgerichten die Juristen dem Laienelement nachstehen. Der Abg. Schröder sah darin ein Mißtrauen gegen die Jnriste», ich sehe darin das Vertrauen zu dem Einfluß der Juristen, auch>ve»» sie in der Minderzahl sind. Den als Richtern mitwirkenden Juristen werden die Offiziere sehr gern folgen, wenn es sich nur Kompetenzfragen handelt. Unser Oifizierkorps ist das gebildetste aller Armeen. Ich glaube, die Offiziere können sachlich ebenso gut entscheiden, ob ein Mann schuldig ist oder nicht, wie Schöffen oder Geschivoreue.(Sehr richtig! Im Interesse der Unabhängigkeit des Richterspruchs ist auf die Mitwirkung der Unteroffiziere und Gemeinen verzichtet worden. Zu einen, unabhängigen Richterspruch gehört eine geivisse Selbständigkeit des Urtheils den Offizieren gegenüber. Unteroffiziere und Gemeine würde» unwillkürlich eine», gewisse» Einfluß der Offiziere bei öffenl- licher und mündlicher Verhandlung unterliegen. Die Beschränkung der Vertheidigung findet sich in den meisten Militar-Strafprozeß-Ordnungen. Auch in Belgien, Oesterreich, Eng- laud, Rußland wird der Vertheidiger erst zugelassen, wenn die Vor- Untersuchung beendet ist. Das ist uöthig, denn kein Verfahren ver- trägt so wenig die Verschleppung wie grade das Militär-Slraf- verfahren. Wir wolle» jeden Vertheidiger zulassen, von dem wir überzeugt sind, daß er das Militär-Strasprozeß-Verfahren nicht dazu miß- braucht, Unfrieden in die Reihen der Armee zu trage». Der Abg. Gröber hat selber zugegeben, daß infolge der freien Advokatur ' besonders in Berlin in die Reihe» der Rechtsanwälte Elemente einge- drangen sind, die solche Befürchtungen auskommen lassen. Grade dgs öffentliche Verfahren kann dazu gemißbranchtwerden, um Tendenzenstn die Armee einzuschmuggeln, die wir bisher ängstlich auszuschließen be- müht waren und die die Zlrmee nicht vertrage» kann, wenn ihre Disfiplin nicht untergraben»Verden soll. Die Gerichtssäle unserer Militärgerichte sollen nicht Hörsäle für sozialdemokratische oder anarchistische Propaganda werde».(Lachen bei den Sozialdem.) Sie lachen, meine Herren, Ihne» würde es ja sehr behagen, wenn wir die Rechtsanwälte, die sich zu Ihre» Lehren bekennen, ohne weiteres dort Bei theidigungsredcn im Genre der Rede des Abg. Frohme halten ließen. Was die Mißhandlungen betrifft, so werde» sie stets so bestraft werden, wie sie es verdienen; es wird da höchstens auf Uebercilung infolge einer momentanen Aufregung Rücksicht genommen werden. Dazu brauchen wir nicht die»nbeschränlte Zulassung von bürgerlichen Rechtsanwälten. In welcher Weise die Auswahl getroffen»verde», soll? Das ist freilich eine schivierige Frage. Wir denken, an» einfachsten geht es vielleicht noch so, daß die Gerichtshöfe sich mit de» Ainvaltskämmern in Verbindung setzen, um die Zlinvalte zu bestimmen,»velche zu- zulasse»» sind. Wenn Sie einen andere» Vorschlag»visse», so»verde» »vir Ihne»» dankbar sei».— Was die Oeffentlichkcil des Verfahrens anlangt, so»var ich stets für dieselbe;»vir haben nichts zu ver- bergen; freilich, die Möglichkeit der Ausschließung muß uns natür- lich gegeben sein. Wein» da gesagt»vurde, daß � man die Gerichte nur in Kasernen abzuhalten brauchte, um mit den» dienstliche» Interesse die Ausschließung der Oeffentlichkeit zu rechtfertigen, so sage ich Ihnen: beivillige» Sie doch die Mittel, um anständige Gerichtslokale bauen zu lasse». So lange»vir uns mit diesen elenden Räumen behelfen müffe», können Sie natürlich nicht verlangen, daß man jederinann in die Kasernen und Arrestlokale läßt. Vielleicht aber könnte man eine Arisivahl i» der Zulassung treffen.(Aha! links.) Sie müssen anerkennen, daß»vir Ihne» ziemlich»veit entgegen- gekoinmen find. Die Abiveichnnge» von» bürgerliche» Rechte mußten mil Rücksicht auf die militärische Disziplin getroffen»verde»; und daran»miß von feite» der Armee unbedingt festgehalten»verde». (Beifall rechts.) Abg. Graf Bcrnstorff-Lanenburg(Rp.): Wir erkennen das Bedürfniß nach einer solchen Vorlage entschiede» an. Wir könnten keiner Borlage zustimme», die auch nur irgendivie die Disziplin der Arinee gefährdet. Tie Einzelheiten»verde»» besser in der Kommission besprochen»verde».'Im Prinzip können»vir auch mit der Bevorzugung des Laienelements einverstanden sei». Fraglich ist nur, ob sich die Ausdehnung der Militärgerichtsbarkeit ans Personen cinpfiehlt, die nicht mehr der Armee angehören. Die Militär- geistlichen brauchen keine Belehrung des Abg. Frohme darüber, »vas Christenthun, ist. Abg. Beckh(frs. Vp.): Es»vird hier immerfort die Wahrung der Disziplin als das»vichtigste hingestellt, aber nicht die Disziplin, sonder» die Rechtsprechrmg ist das erste. Ich gebe ja zu und»veiß es aus eigener Erfahrirng. daß es eine Schivierigkeir ist, von einer Grundlage, an die man sich geivöhnt hat, abzukommen und sich an eine neue zu ge- »vöhnen. Aber»vir müssen doch den Fordernngen der moderne» juristischen Anschauungen»nehr Rechnung trage». Neber die Frage, ob die gemeinen Verbrechen und Bergehen den inilitärischcn Gerichten entzogen»verde» sollen, werden»vir ja z» einer Eini- gling nicht kommen. Ueber sie haben»vir uns oft genug ausgelassen. Im wesentlichen stiunne ich niit de»» Allsführungen des Kollegen Gröber überein. Vor allen» bekämpfe ich die Jnstitnlio» des Gerichts- Herrn, dein sich die übrigen Richter füge» müsse». Von einer Nu- abhä»rgigkeit der Richter kann da keine Rede sein. Die Zurück- dränguug des juristischen Elementes ist zu bedauern, ebenso die Beschränkungen der Beiveisaufnahine und Vertheidigung. Die Oeffentlichkeit erscheint in dem Entivurfe nur noch als eine Aus- »ahnie. Die Besorgniß, daß Ainvälte die Disziplin in, Heere untergraben könnten, ist total»mgercchtfertigt. Der Vorsitzende hat es ja jeder Zeit i» der Hand. Ausführungen, die nicht zur Sache gehören, abzuschneiden. Anivälte von Ansehen»verde», sich die Durchsicht ihrer politischen Neberzeugung nicht gefallen lassen. Ich »vill hoffen, daß der Entivurf aus der Kommission in einer Fassung herauskommt, die dem modernen Rechtsgesühl entspricht. Je mehr er der bürgerlichen Strafprozeß-Ordnung entspricht, um so zusricdener »vird das deutsche Volk damit sein. Abg. Werner(Reform-P.) polcmisirt gegen den Abg. Frohme, der sich diesmal so vaterlandsfreundlich geberdet habe. Von sozial- demokratischer Politik n»uß das Heer freigehalten»verde». Die Rede des Abg. v. Puttkamer-Plauth'lvar nicht sehr volksfreundlich und entsprach nicht dem öffentlichen Rechtsbeivnßlsein. Die Vorlage ent- hält einige Verbesserungen gegen de» jetzigen Zustand, dahin ge- hört die Treininng der Zlnklagcbchörde von der Vertheidigung und der Nacheid. Die beschränkte Zulassung von Advokaten ist nur dankbar zu begrüßen. Es giebt Rechtsanivälte, die de» Stand geradezu schänden. Andererseits»vird die Oeffentlichkeit der Ber- Handlungen den sozialdeinokratischen Agitationen den Boden«livas «»»tziehen. Wir»verde»» nur einem Entivurf zustimmet», der die Aiisrechterhaltung der Disziplin im Heere gewährleistet. Abg. Lcriio(Z.): Ich bin der Vorlage»vohlwollend gegenüber- geillten, aber ich habe nur»venig Lichtseiten und viele Schatten- feiten entdectr. Die eine Lichtseite ist die Einführung der Beruf'mg, die dem bayerischen Strafprozeß noch fehlt. Unan- »ehinbajT lsr für uns die Ausdeh»l»ig der Militärgerichtsbarkeit auf Duellvergehe». Den. Duellunivesei»»vürde dadurch nicht gesteuert »verden. Dann ist auch die Bestiminung unannehmbar,»vouach die Militärpersonei» noch zivci Jahre»ach ihrem Austritt aus dein Dienst der Militärgerichtsbarkeit unterstellt»verde», sollen. Vedenken Sie, bei uns in» Süden gebrauchen die Leute oft drastische Al»s- drücke. Es bekommt ein Mann mit seinen» frühere» Unteroffizier, den er auf dem Strich hat. Streit und die beiden koninien dann, obivohl sie dem Beurlaubtenstande angehören, vor das Militärgericht. Das wäre ein ganz bedanerlicher Zustand.(Sehr richtig! links und im Zentrmn.) Den Gerichten muß größere Unabhängigkeit geivährleistet »verde», die Oeffentlichkeit des Verfahrens innß ausgedehnter fein. Jetzt habe Herr Steuglcin titecht,»veiu, er fragt,»ver bleibt denn eigentlich übrig zu»» Zuhören? Mit der Bestätigung ist es auch eine mißliche Sache. Die Bestätigung mißliebiger Urtheile»vird einfach ver- »veigert und damit das Vertrauen in die Rechtsprechung erschüttert »verden. In der Frage des obersten Gerichtshofes stehe ich auf dem StandpilUkt, daß Bayern ein Reservatrecht besitzt. Gegen Herrn Baffermann führe ich die Autorität des Fürsten Bismarck ins Feld. Ein bayerischer oberster Gerichtshof»vird die Rechtseinheit nicht schädigen. Abg. Muiickel(frs. Vp.): Ich hätte mich nicht zu»» Wort ge- meldet, iveun in meinem Kollege» Beckh aus meiner Fraktion nicht nur ein Süddeutscher gesprochen hätte. Wir stehen der Vorlage kühl, ohne heiße Wünsche, aber auch ohne radikale Abneigung gegenüber. Wir, verden ja in der Koinmission sehen,»vie»vir uns endgiltig zu entschließen haben, und»verde» uns auch nicht im voraus aus unseren Verschanzungen drängen lasse».(Heiterkeit.) Ich»veiß ja, »vie gern Sie hier juristische Details hören(Heilerkeit), deshalb nur einige prinzipielle Veinerkuugen. Die Vorlage»vird geeignet sein, als Unterlage für Verhandlungen zu dienen. Damit sage ich nicht, daß mir der gesan»mte Geist, der aus ihr spricht, gefiele. Mein Nachbar zur Rechten(Generalauditeur v. Ilten- dach) hat heute eigentlich ohne besondere Veranlaffung das Evangelinin der heilige» Disziplin gepredigt.(Heiterkeit.) Ich ver- mag nicht einzusehe»,»vahrscheinlich aus dem Mangel an eigener Anschauung,»vie die Verivirklichung der Gerechtigkeit jemals mit der Disziplin in irgend eine» Ziviespalt gcralhen könne.(Sehr richtig! links.) Gerechtigkeit scheint mir doch die stärkste Grundlage der Disziplin.— Die Militär- Strafprozeß- Ordnung ist ei» Nolhbehelf. Wenn»vir könnten,»vürden»vir die Brüder im Wassenrock genau»vie auch sonst die Menschen von» einfachen sittlichen Standpunkt benrtheileu. Muß aber eine Militär- Strafprozeß-Ordnung existiren, so exislire sie in» bescheidensten Umfange, den man nur denken kann! Nur die niilitärischen Ber- gehen militärisch thäliger Personen seien ihr»»uterstellt! Daß das für jetzt unanssührbar, nicht durchsetzbar ist, weiß ich. Wir»verden also»venigstens versuchen, die Zuständigkeit der Militär- g e r i ch t e m ö g l i ch st e i n z u f ch r ä nk e n, jedenfalls sie nicht irgendivie zn eriveitern. Selbst ans den Motiven ist mir das Be- dürfniß der Eriveiterung nicht hervorgetreten. Vor allen» sollte man sie nicht auf Kartellträger ausdehne». Die Aneignung der Kompetenz in bezng aus das Kartelllragen der Offiziere»vürde eine neue Glorifizirung des Duells bebeute», gegen das dieser Reichstag eiumüthig sogar mit einem geivisseu Erfolg Stellung ge- nommen hat. Wenn die Sanitätsoffiziere so stolz darauf sind, der Militärgerichtsbarkeit zu unterstehen, so dürfen»vir doch nicht helfen, diesen Begriff vornehmerer Vergehen gesetzmäßig zu stärken. Ich habe es schon immer getadelt, daß das Duell ein vornehmes Ver- gehen ist,»veil es in einem der ersten Stände gepflegt»vird. Weil sie auch vornehm sein»vollen, machen die Thoren in anderen Städten es»ach. Sie sehen aber den Offizieren ab,»vie sie sich räuspern und»vie sie spucke».(Heiterkeit und Beifall.) Stellen»vir das Kartelltragen»»»» auch noch unter eine höhere Gerichtsbarkeit, dann ist die Wirkung nur die, daß»vir eine Thorheit und eine Lächerlichkeit gesetzlich noch mehr anerkennen.(Beifall.) Man hat hier aufgezählt,»vas der Gerichtsherr alles»var. Ich habe nicht alles behalten.(Heiterkeit.) Ich habe dabei auch an unsere ehemalige Patriinonial-Gesetzgebung gedacht. Die Erinnerimg kommt einem ganz iialürlich. Sie ruhe in Frieden! Wir haben schon manches Beispiel erlebt, daß»vir uns an die mannigfache» Fossilien in unserer Zeit geivöhne». Wir versöhnen uns damit,»vir finden sogar Interesse daran. Solche einmal in der Gesetzgcbling zu haben, kann ich als Jurist verantivorleu, besonders»venu es sich nicht um die Justiz, sondern um die Militärjustiz handelt(Heiterkeit). Das sind zivei ganz verschiedene Dinge. Soiveit die Bedenke» materieller Natur sind, werden»vir nachsehen müssen, »vie»veit man»och genöthigt sein dürfte, den» Gerichtsherrc», der nicht blos Staatsamvalt, sondern auch Anklage- und Beschluß- kamnier ist,»venigstens einen Theil seiner Rechte zu entziehen. In- dessen ganz abtödte»»vill ich ihn nicht.— Zu der Frage des Ver- f a h r e» s»vürde ich sagen, daß man an» besten die bürgerliche Strafprozeß-Ordnung zun» Vorbild nehmen sollte,»venn die nur leider nicht schlecht»väre. Hier hat die Vorlage sogar noch einen Vorzug vor ihr in der Berufung, den die bürgerliche Straf- prozeß-Orduung nicht hat. Etivas mehr Jurisprudenz möchte ich doch gern in die Stand- und Kriegsgerichte hineinhaben. Das Gc- richt besteht aus einem Kriegsgerichlsralh und 4 Offizieren. Aber cs gehl doch nicht, daß dieser Rath a» die fünfte Stelle gehört, gleichsam nur so als Anhängsel beigegeben ist. Etivas mehr Juris- prudenz! Die Vorlage bedeutet überhaupt ebenso einen Beiveis des Vertrauens zu den Juristen, als nach Dr. Lieber die Einbringung der Marinevorlage einen Beiveis des Vertrauens der Regiernng zn diesen» Reichstage.(Heiterkeit) Ich bin nicht für fliegende Anditeure, auch nicht für fliegende Kriegsgerichtsräthe, die schon ihres langen Namens ivegcn nicht fliegen können.(Heiterkeit). Die armen Vertheidiger koinmen sehr schlecht weg. Einer der Redner aus dem Hause»»einte, es sehe so ans. als hätten die Offiziere Singst vor den Advokaten. Unsere Offiziere fürchten sich vor nichts, an» ivenigsten vor»iismir.ei». (Heiterkeit). Mir»vürde ja eine Ablehnung kann» ividerfahren, selbst wenn ich die Militärgerichte zu Hörsäle» für fort- schritlliche Tendenzen»lachen»vürde.(Heilerkeit.) Aber ich »verde mich nicht nielden,»veil ich mich nach»»einer Berufung vielleicht schäme» müßte vor Kollegen, die abgelehnt »verde,».(Sehr gut! links.) Man»vird, glaube ich, nicht viele Rechtsanwälte finde», die sich in das Register, eine Art juristisches Börsenregister, eintragen lassen.(Heiterkeit.) Die Vestätig»ings- ordre des Kontingenlsherri» erfüllt ailch mich»nil Bedenken. Ein bloßer Bestätignngsverinerk im Sinne des Beslätiguugs- Vermerks, den im bürgerlichen Verfahre» der Gerichtsschrciber erlheilt, ist sie jedenfalls nicht. Sie soll also mehr bedeuten, aber»vas? Der Abg. Lerno hat schon darauf hingnvieseu, daß die Ordre zur Aufhebung des Urlheils führen konnte. Wenn der Kon- lingentsherr ein freisprechendes Urtheil nicht bestätigt, dann dauert die Untersuchungshaft fort. Das darf nicht sein. Ei» rechts- kräftiges Urtheil innß ein rechtskräftiges Urlheil bleiben, es bedarf keiner Bestätigung.(Sehr richtig! links). Nur dam» kann von einer Sicherheit der Rechtsprechung die Rede sein.(Beifall links.) Die Oeffentlichkeit des Verfahrens steht i» dem Ent- »vurfe lediglich auf dem Papier. Gründe der Die- zipli», militärische Rücksichten finde» sich iminer, und gerade dann am»»eisten,»venn den» Pnbliknm an» meiste» an def Oeffentlichkeit liegt.(Sehr gut! links.) Es hat geheißen, Leute, die Soldatenmißhandlungen an die Oeffentlichkeit bringen, seien gefährliche Menschen. Nn», gefährliche Menschen»verde» die Militärgerichte nicht sein»volle».(Heiterkeit.) Man hat überhaupt Scheu vor der Oeffentlichkeit. Als ich mich im Falle eines Premierlientcnants v. Putlkamer»ach den» Urtheil erkundigte, »vurde mir voin Kriegslniiiisteriim» geantivortet: Das Verfahre» gegen ihn ist abgeschlossen. Wie es aber abgeschlossen ist,»var nicht zn erfahre»..(Hört, hört!) Wir müssen die Garantie der Ocffenl- tichkeit. die Bayern besitzt, auch für»ins verlangen. Mit diesem Programm gehen»vir in die Kommission, und»venu es der Re- gierung ernst ist n»it dein Zustandekommen des Enlivurfs, dann »verde»»»vir uns über das Maß schon einigen.(Bravo links.) Damit schließt die Diskussion. Persönlich bemerkt Abg. Frohme(Soz.), daß er nicht,»vie Generalauditeur Ittenbach behauptet, gesagt habe, daß der Unter- gebene ohne»veilcres von seiner Waffe gegen den Vorgesetzten Gebrauch machen soll. Er habe nur dasselbe Nothivehrrccht, das nach bürgerlichen» Siechte der Staatsbürger befitzt, für den Soldaten gefordert.(Sehr richtig! bei den Sozialdeniokrate») General- nndilenr Ittenbach habe ihm vorgeworfen, daß er»nir„Redensarten" über die Disziplin gemacht habe. Wollte er i» demselben»»»höflichen Tone erividcru, so ivürde er sagen: Der Herr Generalaiiditeur hat [ich hier so geäußert,»vie ei» mittelalterlicher Geueralprosoß! (Heiterkeit bei den Sozialdeinokraten.) Die Vorlage»vird hierauf an eine Kommission von 21 Mit- gliedern veriviese». Präsident Frhr. v. Bnol: Ehe ich schließe, habe ich eine hm»?- liehe Obliegenheit zu ersüllen. Das,»vie ich sagen darf, allseitig beliebte Mitglied des Hauses, der Abg. Diebe», der wiederholt unser Alterspräsident»var, feiert heute seinen 87. Geburtstag. Ich bin allseiliger Uebereinstiiniining geiviß,»venn ich»hin im Namen des Reichstages herzlich gratulire nnd ihm wünsche,»och lange gesund und vergnügt an de» Arbeiten des Hauses theilzunehmen.(Lebhafter Beifall.) Nächste Sitzung: Dienstag, den II. Januar 1898, 2 Uhr. Tagesordnung: N o v e ll e zur Z i v i l p r o z e ß- O r d» n n g. Schluß S Uhr. Kommunales» Die Berathnngen der Einzel- Etats zur Feststellung des Stadt-Haushaltselals für das Verivaltungsjahr 1893/99 haben in der gestrige» Sitzung des Magistrats- Kollegiums ihren Anfang ge- nommen. Die B r a u m a l z st e u e r ist»nit dem Betrage von 875 000 M. in den Etat, und zivar gegen den laufenden Etat»in 2S000 M. höher eingestellt. Die W a n d er l a g e r st e u e r ist in gleicher Höhe»vie im letzten Etat und zivnr mit S00 M. eingesetzt. Die Hundesteuer ist in Einnahme i»it 434 339 M. und in Ausgabe niit 289» M., also mit einem Ueberschuß von 481 530 M, d.h. 10000 M. höher als im lausenden Etatsjahre eingestellt. Die B e- soldun gen der Magi st rats Mitglieder sind auf 197 535 M. angesetzt. Der S p e zi a l e t a t der Standes- ä n» t e r erfordert einen Zuschuß von 255 300 M., er ist in Ein- nähme n»it 32 400 M. und in Ausgabe mit 237 700 M. festgestellt. Der Spezialetat Berechtig u» gen: Waagegebühren, herrenlose Erbschaften, Stältegeld auf de» Marktplätzen ist mit einem Ueberschuß von 58 962 M. und zivar in Einnahme mit 80 000, i» Ausgabe mit 21 033 M. eingestellt. Ter Spezialetat: Grundsstücke in der Stadt schließt ab in Einnahine mit 445 645 M., in Ausgabe mit 63 103 M.. also mit einein Ueber- schlisse von 332 542 M. Der Spezialetat der ländlichen G r»» n d st ü ck e mit Einschluß des Gewiunanlheils der Stadt aus den Rüdersdorfer Kalksteinbrüchen schließt ab mit einem Ueberschuß von 151060 M., es sind in Einnahme gestellt 185 623 M. und in Ausgabe 34 563 M. In bezug aus den Geivinnanlheil der Stadt an den Rüdersdorfer Steinbrüchen»st zu bemerke», daß die Ein- nahmen aus denselben»nit 5100 M. geringer angesetzt sind infolge des seit einigen Jahren festgestellten stetigen Rückganges des Gewin nanlheils. An» letzten Sonntag»var die Einspruchsfrist auch gegen die sünf eiigeren Wahlen zur Stadtverordnete n-Bersamm- l u n g abgelaufen, ohne daß von irgend einer Seite ein Prolest gegen die in der Gesamnitzahl von 47 Wahlen(42 ordentliche und 5 Stichwahlen) erhoben»vorden»väre. Es steht»»»mehr nur noch, nachdem auch seitens des Magistrais keinerlei Beniängelunge» gegen die ordnungsmäßige Vollziehung der Wahle» erHobe»»vorbei, ist, die Prüfung derselben seitens der Stadtverordnete» ans,»velche dem- nächst durch den für diese» Ziveck eingesetzte» Wahlprüsungsausschnß erfolgen»vird. Vcrkehröfragcit. Der Sonderausschuß für die Vorarbeiten zum projektirte» Großschisffahrtsivege von Berlin nach S t e l t i n hat de» hiesigen Magistrat zur Theilnahme an seinen Berathnngen eingeladen. Das Magistralskollegium hat beschlossen, zn den im Monat Januar n. I. flatlfindenden Konferenzen des Ausschusses zwei seiner Mitglieder zu entsenden.— Der Grund- besitzer-Verein der Königstadt nnd der angrenzenden Stadt- theile hat sich mit der Bitte an die städtische Verkehrs- Deputation geivendct, der Großen Berliner Pserdeeisenbahn- Gesellschaft die Geuehmigiing zur Anlage der sogenannten Aushilsslinie: Potsdamer Platz— Voß st raße— Haus- v o i g t e i p l a tz nur unter der ausdrücklichen Bedingung zn ertheilen, daß über dieselbe eine der auS de»» Westen der Stadt kommenden nnd jetzt ans den» Alexanderplatz be- ziehungslvcise dem Molkenivarkt endigenden Linien durch die Neue König- und Greissivaldeistraße bis zur Tanzigerstraße durchgeführt »vird. Die Aktiengesellschaft Siemens n. H a l s k e hat jetzt dein. Magistrat die Entivürse a) zur Haltestellen- Anlage der elektrischen Hochbahn in der Gitschinerstraße an der Priuzenstraße, nnd b) für die Strecke derselben Bahn von der Slralaner Allee(Oberbainn- brücke bis zur Rudolfslraße zur Genehmigung unterbreitet. Der Berliner Ncttnngsgcsellschaft»st der Rixdorfer Aerzte- verein geschlossen beigetreten. Er beabsichtigt, zu Anfang des nenen Jahres eine öffentliche Versauunlung«inzubernsen, in»velcher über de» Ziveck und die Ziele der Reltungsgesellschast Ausllärung gegeben »verde» soll._ Uoltnles. Tie Frage der Erlvcrböarbcit schulpflichtiger Kinder ist. »vie»vir berichtet haben, kürzlich im Verein für gesundheilsgemäße Erziehung der Jugend erörtert»vorden. Die Frage ist im Rothe»» Hans belanntlich erst durch das Vorgehen der sozialdeinokratischen Fraktion in Fluß gebracht»vorden nnd»vird augenblicklich in einem Ausschuß der Stadtverordneten- Versaminlung beralhen. Es»vurde nun mehrfach daraus hingeiviese», daß genauere Zahle» über den Umfang der Eriverbsarbeit schulpflichtiger Kinder nicht bekannt seien, nnd dics trifft insofern zu,.als die Berusszählunge» brauchbare An- gaben nach dieser Richtung hin bis jetzt»»cht ergeben. Immerhin sind aber doch infolge des Vorgehens einiger Lehrerzeitungeu und der Verhandlungen aus den Lehrerversaniinlnngen i» mehreren Städten Erhebungen über diesen Gegenstand angestellt»vorden, so daß man»venigstens ein vorläufiges nnd nngesähres Bild von dem Mißstand geivinne» kann. So»vurde ermittelt, daß von je 100 schulpflichtigen Kinder» errverbsthätig»vare» in Hain- bürg 9.57, in Altenburg 33,59, in Leipzig 16,55, in Rixdors 18,36, in Charlotlenburg 8,86, in Berliner Vororte» 9,30, in Hannover 9, in Brandenburg 12,14, in Slolp>. P. 8,06, in Gera 13,40, in Schmölln i. Thür. 40,87. Daneben»vurde», soiveit sich die Er- niiltelnnzen aus Einzelheiten erstreckten, ganz krasse Mißslände auf- gedeckt. So begänne» von Charlottenburger Frühstücksträgern im Winter ihre Arbeit 95 zivische» 4 nnd 4Vs Uhr, 76 zivische» 4>/i und 5 Uhr, 99 zivische»» 5 und öVe Uhr, 65 zivische» 5>/2 und 6 Uhr und 73 nach 6 Uhr. Solche Ausivuchernng der kindlichen Arbeits- kraft ist den aufinerksamen Beobachlcr» der soziale» Zustände des Proletariats zwar nichts Neues. Aber für Gesetzgeber und Stadt- väter, die dem arbeitende» Volke ja häufig serner stehen, sollten solche Ermittelungen doch Anlaß geben zn energischem Vorgehen auf diesen» Gebiet. Schätzt»na» doch, daß allein in Berlin gering gerechnet 15 000 schulpflichtige Kinder(etiva 10 000 Knaben und 5000 Mädchen) den verschiedenen Erlverbsarbeiten nachgehe» »nüsse»! Auch Sozialpolitiker nnd Pädagogen, die mit der Sozial- demokratie nicht das geringste zn thn» habe» nnd die die Kinder- arbeit nicht gänzlich nulerdrücken»vollen,»vollen dock» einen tiefe» Schnitt in diese Wunde thun. Sie verlangen, daß die Beschäftigung, die Unlerrichtszeil»nit eingeschlossen, nicht über 3 Stunden dauern dürfe; daß sie»veder morgens vor Beginn der Schule, noch abends nach 6 Uhr stattfinden dürfe, und somit den Kindern genügende Zeit zu Spiel und Schlaf bleiben müsse; der Lohn solle ein der Arbeit angemessener sein. Ferner ist,»in der Alisbentung kindlicher Arbeitskraft entgegenzutreten, die Ausdehnung der Gewerbe-Aussicht auf die Hausindustrie unerläßlich. Frühe Kinderarbeit bedeutet Un- ivissenheit nnd körperliche Degeneration. Und diese find nnr allzu häufig die Ursache sür spätere Hilflosigkeit, Verarmung, Verbrechen und Gesängniß. Bon» LchrliiigStvcscu der Innungen. Von den 63 Innungen, die Ende 1896 in Berlin bestanden, beschästigten 63 mit znsanimen 18 087 Mitgliedern insgesainmt 6961 Lehrlinge. Ans je 10 dieser Mitglieder kaniin also iiiir rund 5 Lehrlinge. In den einzelnen Jnnunge» ivar jedoch das Verhältniß der Lehrlingszahl zur Mit- gliederzahl sehr verschiede». In manchen blieb es noch hinter dem oben angegebenen zurück, in anderen ging cs darüber hinaus, in einige» sogar recht bedeutend. Die vcrhältnißmäßig in eiste» Lehrlinge hatten folgende Innungen: auf je 10 Mitglieder käme» bei den Töpfern rund 13 Lehrlinge, bei den Messer- schmieden 15, bei den Bau-, Maurer- und Zinimermeistcrn 15, bei den Schloffern 20, bei de» Sleinsehcr» 24, bei den Gelb-, Knust- nnd Metallgießer» 27, bei den Steinnietzen 27, bei den Feileuhaueni 28, bei de» Buchdruckern 44(absolut aus 129 Mitglieder 573 Lehr- liuge), bei den Mnfikiiieistern 153(absolut auf 13 Mitglieder 285 Lehrlinge). Man sieht, es giebt Jnnnngsmcisler, die sich vor- trefflich aus das„Lehrlingsausbilden" verstehen!— Die Auf« Wendungen der Jmiiiugei» sür das Lehrliiigsivesen sind äußerst bescheiden. Während 56 Jnnunge» ans de»» Lehrlingswesen 27 717,75 M. eiunkhmen, machten nur 45 dafür be« ToubmJ N»?gaben im Gesnmmlbetrage von SS 076,S8 M. dnvon 20 321.91 M. für Fachschulen und 7754,37 M. für Lehrlings- Vvüfungen und Lehrbriese, Die Ausgaben wurden jedoch bei LI Innungen durch die Einnahme» gedeckt, sodaß nur 24 aus eigene» Mitteln für das Lehrliugswesen zusteuern mußte». Der Gewerbedeputatious Bericht pro 1896/97 weist darauf hin. daß von der Gesammthcit der Innungen für diese ikre wichtigste Aufgabe thatsächlich nur 28 076,28—27 717,75= 358,53 M, aus Jnnungs- nütteln beigesteuert seien, doch koimne auch»och«in Theit der allgemeinen Berwaltnugskosten und die nn- entgeltliche Thätigkeit der ehrenamtlich beschäftigten Mitglieder dem Lehrlingswesen zu gute. Natürlich hat manche Funung allein schon mehr Zuschuß geleistet, als dieser Gesannntzuschuß beträgt, während dafür andere noch einen be- deutenden Ueberschuß erzielt haben. Die höchste Ausgabe sür das Lchrliugswescu stellte sich aber doch nur auf 2789 M. bei den Bau-, Maurer- und Zinnilermeistern, die nächsthöchste auf 2431 M. bei der„Bnckeriunnng zu Berlin". Den höchsten Zuschuß leistete» die Bau-, Maurer- und Zimiuerineister mit 1873 M., nächstdem die Gastwirthe mit 1121 M.»nd die„Bttckerinnung zu Berlin" mit 1005 M. Den höchsten Ueberschuß erzielten die Tapezirer mit 1047 M., die Tischler mit 1668 M, die Schlosser mit 28831/- M. Die Tagezirer vereinnahmten aus dem Lehrlingswesen 21S4>/!! M »nd gaben nur 1I07'/e M. dafür aus, die Tischler nahmen 3144 M. ein»nd gaben 1476 M. ans, die Schlosser nahinen 3260 M. ein und gaben 376>/e M, aus. Für solche Innungen i st die Lehrlingsausbildung doppelt einträglich. Der Weihnachtsmarkt ist anfgcbant, doch ist er seit einigen Jahren nicht mehr wie früher der Tuminelplatz sür alle Gesellschasts- klasseu. Der neue Kurs drängte ihn hinaus nach dem Osten und Norde», wo er das kümmerliche Dasein alleS Absterbenden fristet, Die konsequente Scheidung zwischen Volk und Aristokratie, zwischen Arbeiter und Unternehmerthum hat auch das zuwege gebracht, und so ist denn der Weihnachtsmarkt für die meisten nicht mehr vor- banden, Ihr Weihnachtsmarkt ist in den eleganten, lichtdurchflulhelen Verkanssstraße». Die Bruchstücke, die von dem eigentlichen Weihnachts- markte auf dem Schloßplatze und im Lustgarten übrig geblieben sind und die aus dem Promenadenweg der Frankfurter Allee und auf niehreren Plätzen im Norden ausgebaut nmrden, haben denn auch ein gut Theil von ihrer romantischen Poesie eingebüßt. Raum daß sie abends, wenn Petroleumlampen den bunten Kram beleuchten, noch ein wärmeres Gefühl erzeugen. Die Kinder allerdings sind , leicht zufriedenzustellen und sie durchziehen auch jetzt mit dem näin- lichc» Interesse, wie ihre Eltern die Budenliadt ans dem Schloß- platze, die Bndengaffen in Gruppen und Reihen. Hier und dort bleiben sie stehen und schauen den hämmernden und sägenden Männern zu, die die Verkaufsstände zusammenzimmerten. Um große, offen- stehende Kisten drängten sie sich Morgens Kopf an Kopf und beobach- tete» aufmerksam das Anspacken und Aufstellen der Herrlichkeiten. Schuhwaaren, Wollsache» und sonstige nützliche Gegenstände reizten sie allerdings nicht. Die Kinderauge» blicke» nun einmal lieber nach dem armseligsten, bunte» Spielzeug. Die Nützlichkeit hat noch keinen großen Raum in de» romantischen Kinderköpsen, Aber die Händler ienuen de» Werth der Nützlichkeit. Di« Entseruung von ihren alten Standplätzen hat so manchen unter ihnen aufgerüttelt, sie sind moderner geivorden. Mit Kleinkram lassen sie sich nicht niehr«in und so findet man zwischen Buden mitSpielzeug undsolchen mitMagdeburgerHonigkuchen und gebrannten Mandeln Standplätze, auf denen Emaillgeschirr in Massen aufgeschichtet ist. Daneben sind Tische mit Tasse», Glasern und Porzellauspielzeug, alles von einer Sorte, aber in Masse». Auch in Süßigkeiten und anderen Raschiverken macht sich der moderne Zug zur Spezialität und zur Masse bemerkbar. I» einigen Buden giebt's nur eine Sorte Honigkuchen,„Steinpflaster", fünf Stück für 10 Pfennig, nebenan bekommt man Kokosnüffe, die Portio» schon für 5 Pfennig. Und wenn das Geschäft im ganze» auch nicht recht geht, das Nnschwerk dürste kaum alt werden; dafür finden sich schon jetzt Liebhaber. So mancher der Kleine» geht allerdings fröstelnd vorüber und lugt vergebens nach den Süßigkeiten.-- Woher stamme« die Berliner Arbeiter? Zur Lösung dreien Frage ist das Quittuugskarten-Material der Berliner In- validiläts« und Altersverforgnngs- Anstalt im Jahre 1895 nach dieser Richtung einer Prüfung unterzogen worden. Diese Prüfung ergab, daß— wen» man von der Provinz Brandenburg, die schon infolge der Berliner Bororte an der Bevölkerungsbewegung stels am meisten betheiligt ist, absieht— die meisten Zuzüge von Arbeitern nach Berlin aus Schlesien stamme», nämlich etwa der zehnte Theil aller. Es folgen die Provinzen Sachsen und Pommer» mit je 6.2 pCt. und Ostpreußen sowie Pose» mit je 5 pCt. aller Zuzüge von Arbeitern. Unter dem ostpreußischen und pommerschen Zuzug überwiegen die landwirlhschaftliche» Arbeiter. Bon den Dienst- niädchen zogen am meisten, 14,6 pCt., aus Schlesien zn; es folgen mit den nächsthöchsten Zahlen Pommern, Ostpreußen und Posen. Die Richtung der Forlzüge aller Arbeiter geht in de» meisten Fällen, mit je 4,5 pCt, nach Schlesien. Pommern und Sachsen. Die weiblichen Arbeiter und Dienstmädchen bevorzuge» bei de» Fortzügen meistens ihre Heimathprovinzen. Die Zuzüge stammen also, wie man sieht, in der Mehrzahl der Fälle »us den östlichen preußische» Provinzen. Es sind dies diejenigen Provinzen, in denen die Arbeiter die schlechteste Behandlung zu er- dulden baben und dabei die niedrigsten Löhne empfangen. Der orls- übliche Tagelohn für erwachsene männliche Arbeiter beträgt in Schlesien 1,02 M., in Ostpreußen 1,17 M., in Weftpreußen 1,26 M., i» Posen 1,09 M. In Berlin dagegen beträgt der sogenannte orts- übliche Tageloh» für die gleiche Kategorie von Arbeitern 2,40 M. Da können sich die ostelbischen Junker eben nicht wundern, daß ihnen die Arbeiter davongehen. Denn das Sprichwort„Bleibe im Laude »nd näbre dich redlich" hat zur Voraussetzung, daß ein auskömm- licher Lohn eine redliche Ernährung im Lande zuläßt. Freilich finde» die Zlrbeiler infolge der lheureren Preise auch in Berlin nicht da» gesuchte bessere Land, wie den Arbeitern innerhalb der be- stehenden Gescltschaftsordniing menschenwürdige Zustände über- danpt nicht geboten werden, weder aus dem Lande, noch' in der großen Stadt. Das Philistor-Schlaguxu't vom„arbeitsscheue» Gesindel" erhielt gestern in der Wärmehalle eine entsprechende Korrektur. Ein Obersteiger ans Hessen erschien gestern in der Wärmehalle und fragte bei dem Inspektor an. ob ihm nicht einige beschäskigungslosc Leute zu bergmännische» Arbeite»»ach seiner Hcimalh folgen würden. Auf. die Aufforderung des Inspektors meldete» sich sofort eine ganze Anzahl jüngerer Leute, aus denen der Obersteiger sich 22 aussuchte. und die er bereits auf de» nächsten Tag nach de»! Bahnhof Alexanderplatz bestellte. Dort sind auch alle 22 pünktlich erschienen und haben die Reffe angetreten. Hoffentlich werden sie nicht zu Lohndrücker- oder Streikbrecherdiensteu mißbraucht. Ans den Reihen der Schuhmacher und Schneider, die die Wärmehalle besuchen, hat die Leitung>vie in jedem Jahre mehrere cngagirt, welche den Okdachlose» unentgeltlich Schuhe»nd Kleider auszubessern habe», und die dafür von der Direktion pro Tag 2 M. n»d freies Essen erhallen. Wege» angeblicher Beleidigung von Militärpersone», Ver- nchllichiuachnug von Staatseinrichtnugeii und Widerstandes gegen die Slaalsgnvalt wurde vor dem Rathhanse zu Schöneberg ein Mau» festgenommen, der früher Soldat war und jetzt dem Militär- verbände als Laudwehriuaun angehört. Er hatte auf dem Wilhelms- platze zwei Bezirksfeldivebel angetroffen, sie»ut Redensarten be- läsligt und ihnen sonst noch auf inanuigfache Weise seffie Verachtung kuudgelha». Den Schutzleuten sehte der Ruhestörer Widerstand e»t- gegen,»nd es bedurfte eines großen Aufgebotes von Bcainten bei der Verhaftung. Ter Nngliickliche wird das wahrscheinlich in der Trunkenheit begangene Vergehen schwer zu büße» habe». Ter prcnstische Fiökus nud der Milchausschauk. Zur Frage der Schanksteucr für Milchausschauk hat umunehr auch der Finanzininrster Herr v. Miquel Stellung geuommem Der Verein Berliner Molkereibesitzer halte, nachdem bereits früher- in einem Prozeßverfahren die Nnzulässigkeit der Er- Hebung der Schankiteuer in einem bestimmten Falle gerichtlich an- erkannt worden war, sich mit einer Anfrage über Znlässigkeit der Gebühr an den Finanzminister gewandt. Nunmehr ist aus dem Ministerium eine Antwort eiugelaule»; dieselbe lautet dahin, daß Milch in Gläsern an Kranke resp. Rekonvaleszenten verkaust werde» darf, ohne de» Ausschankbestimmunge» uuterivorfen zn sein, daß da- gegen für den Verkauf der Milch als Geuußmittel zum sofortigen Trinken eine Schanksteuer im Betrage von 15 M. zu zahlen sei. In der Versammlung des Vereins Berliner Molkereibesitzer, in welcher dieses Autwortschreibe» zur Verlesung kam, vermochte ein hiesiger Molkereibesitzer auch nntzutheilen, doß ihm von der Hanptsteilerkaffe die seinerzeit bei ihm erhobene Schanksteuer wieder zur Verfügung gestellt worden sei. Wie stellt der Minister sich denn die Kontrolle über die kranken, rekonvaleszenle» und gesunden Milchtriuker vor? Muß der Milchhäudler etwa von jedem Knuden ein ärztliches Attest verlangen oder genügt es, wenn die Polizei ihm seine Milchkur- Bedürftigkeit bescheinigt? 1Z Millionen Stück Kartenbrief« sind seit dem l. November d. I. von der Reichsdruckerei den Postaustalten auf deren Bestellung geliefert worden. Nach der letzte» Statistik der englische» Postver- waltung sind während des ganzen Jahres 1896 nur 11'/, Millionen Kartenbriese im vereinigten Königreich abgesetzt worden. Mit Ablanf dieses Jahrcö verjähre» in Preußen folgende Forderunge» ans dem Jahre 1895: 1. Der Fabrik- »uternehlner, Kauslente, Krämer, Künstler und Handwerker für Waaren und Arbeite», sowie der Apotheker für Arzneimittel, jedoch mit Ausnahme solcher Forderungen, welch« in bezug auf den Ge- werbebetrieb des Empfängers entstanden sind; 2. der Arbeitgeber wegen der an ihre Ardeiter gezahlte» Vorschüsse; 3. der Schulen und Erziehungsanstalten aller Art; 4. der Lehrer für Honorare; 5. d e r Fabrikarbeiter, Gesellen u u d H a n d a r b e i t e r wegen r ü ck st ä» d i g e n Lohnes; 6. der Fuhrleute und Schiffer wegen Fuhrlohns, Frachtgeldes und sonstiger Auslage»; 7. der Gast- und Speisewirthe für Wohnung nnd Beköstigung. Ferner verjähren mit Ablanf dieses Jahres folgende Forderungen ans dem Jahre 189Z: Die Forderungen 1. der Kirche, Geistlichen und KircheubeamteM ivegcn der Gebühre» für kirchliche Handlungen; 2. der Anwälte, Notare und Medizinalpersonen, der Anktions- Koni- missäre nud Makler; 3. der Hans- und Wirthschaflsbeamten, der Handlungsgehilfen und des Gesindes an Lohn, Gehalt»nd anderen Bezügen; 4. der Lchrherren ivege» Lehrgeldes; 5. rückständige Zinsen von M i e t h s- und Pachtgelder», ferner Rückstände von Pensionen, Besoldungen, Alimente» und Renten, soivie von Wege- und Brückengeldern; 6. Forderungen anf Erstattung ausgelegter Prozcßkosten von dein dazu verpflichteten Gegner, schließlich 7. Forderungen auf Nachzahlung der von Ge- richten, Geiicralkommisstouc», Ncvistonskollegieii und Verwaltuugs- bchörde» gar nicht oder zu wenig eingeforderten Kosten und Ge- bühren. Unterbrochen wird die Verjährung nur durch Anerkennlniß und dadnrch, daß noch in diesem Jahre Zahlungsbefehl oder Klage dein Schuldner zugestellt wird. Bereits ausgeklagte Forde- rungen verjähren erst in 30 Jahre». In derselben Zeit verjähre» Darlehnsforderunge». Die Disziplinarsache gegen den Kriminalkommissar v. Tausch wird am 5. Januar verhandelt werde». Die eutschei- dende Disziplinarbehörde erster Instanz ist im vorliegenden Falle das Polizeipräsidiuin. Herr v. Tausch wird sich nicht vertreten lasse», sondern sich selbst vertheidigeu. Die Verhandlmig, ivelche im Gebäude des Polizeipräsidiums stallfindet, ist nicht öffentlich. Unter den Spielern in der Görlitzer Klassenlotterie hat die abermalige Verlegung des ziim 15.— 18. Dezember festgesetzien Ziehungsteruiiiis beträchtliche Entrüstung erregt. Die Ziehmtg der zweile» Klasse soll nunmehr erst am 7., 8.»nd 9. Februar stattfinde», weil sich sür die 185 000 Loose der Lotterie immer noch nicht genug Abnehmer gesunde» haben. Es scheint mehr gescheidte Mensche» in der Welt zu gebe», als nianche Leute hoffen. In Sache» der Mißstände bei der Packet-Annahmestelle In der Spandanerstraste hat die Oberpostdirellio» ans die Ein- gäbe eines Kreises von Jnteressenle». welche n. a. auch die Er- richtung einer zweiten Annahmestelle in der Nähe des Haupt- postanits befürwortete, ablehnend geantwortet. Der Bescheid lantel: „Die' Verhältnisse bei der Packel-Aiiuahniestelle des Hofpostamts sind bereits seit längerer Zeit Gegenstand eingehender Er- wäglingei». Hierbei hat sich herausgestellt, daß die Packkammer- ränine des Hofpostamts den Verkehrsbebürsniffen entsprechen>md mehr als ausreichend wäten, wenn die Auflicsernng der Mehr- zahl der Packele nicht bis in die letzten Abendstunden ver- schoben würde, wodurch unvermeidlich ei» übergroßer Andrang erzengt wird. Da es nicht gelungen ist, ans eine frühzeitigere Auf-' liefernng der Massenpackete hiuzuwirlen, so sind andere Maßnahmen angeordnet morden, die eine wirksame Entlastung der Hauptpost- Annahmestelle von 6 Uhr abends ab herbeiführen und dem Andrang steuern werden. Zur Offenhallung des Eingangs II vor 6 Uhr und zur Errichtung einer Packetannahinestelle am Neuen Markt kann zur Zeit ei» Bedürsniß nicht anerkannt werden." Bonl WeihuachtSkuchc». Im Auftrage der vereinigten Bäcker- mcister im Norden schreibt der Schrislsiihrer 91, Hahner der „Voss. Ztg.":„Den Hausfrane» Berlins kann in diesem Jahre die liebgewordene SUte des Festknchenbackcns zn einer Quelle arge» Verdrusses werde», wenn sie die nölhige Vorsicht bei 9Inka»s des zum Kuchen zn verwendenden Mehles außer acht lassen. Wie be- kannt, ist infolge laug anhallenden Regens während der Ernte viel Getreide ausgewachsen u»d das daraus erzengte Mehl sehr klebean» und daher nicht backfähig. Kuchen, aus solchem Mehl znbcreitel, ist meist ungenießbar und unverdaulich. Wie wir in Erfahrung bringen, wird gegenwärtig hier Mehl im Dctailverkauf zu so aus- fallend billige» Preisen angeboten, daß es sich thalsächlich nur um »linderwerthige, sonst nicht verwendbare Weizeinnchle handeln kann, und dürfte deshalb Vorsicht beim Einkauf dringend geboten sei»." Ei» schwerer Unglücksfall ereignete sich vorgestern 9ibend auf dem Stadtbahnhof 9llexnnderplatz. Gegen 8 Uhr stet der Käusinan» K. ans der Zeughofftraße beim Verlassen des Bahnsteiges infolge eines Fehllritls die Treppe nach dem Vestibül hinunter»nd blieb am Fuße derselben besinnungslos liegen. K. hat schwere innere Ver- letziingen erlitte». Nene Füiifpfcnnlg-Thcilstrccken werden auf verschiedene» Omnibnsstrecke» geplant. So wird zunächst vom morgige» Tage a» die Linie Frankfurter Allee(Thaerstraße)— Potsdamer Bahnhof über denseibcn hinaus durch die Link-, Flotlwell- und Denneivitz- siraße»ach dem Dennewitzplah, Ecke Büiow-, Manstein und Göbenstraße verlängert niiler Einführung von solgcnde» vier Fünf- pfennig-Theilsirecke»: Dennewitzplatz— Potsdamer Tbor, Potsdamer Thor— Spittelmarlt, Spiltelmarkt— Holzmarktstraße(Ecke Langestraße), Holzmarklstraße(Ecke Langestraße)— Thaerstraße. Die Gcflügclcholcra unter dem Federvieh des Architekten Gallus, Havelbergerslr. 5, ist erloschen. Auf die Weihnachtsbäume hat eS eine Diebesbande ab- gesehe», die sich de» Norde» und Nordosten zum Feld ihrer Thätig- keit gewählt hat. Die Diebe„arbeiten" mit der größte» Ungenirl- heit; sie komme» in später Nachtstunde mit einem Wage» vor die den Weihnachtsbauinhändlern eingeräumten Plätze gefahren und lade», von den Passanten, die sie sür die Eigenlhiimer der Bäume halten, ungehindert, ihre Beute auf. Einzelnen Weihnachtsbaum- Händlern am Areonaplatz, am Fricdrichshain u. f.>v. wurde aus diese Weise ihr ganzer Waarenvorrath iveggeführt. In der Frank- furter Allee wurden von de» Dieben auch verschiedene Weihnachts- Verkaufsbude» erbrochen und theilweise ihres Inhalts beraubt. Anf der Brandstätte in der Boltastraste hatte die Jener- wehr bis gester» Racbmiltag �'/zUhr mit de» Aufränmilngsarbeiten zn thiui. Im Laufe des Vormittags mußte man ans einem Hydranten noch wiederholt Wasser geben. 9lnch die mechanische Leiter mußte man»och einmal gebrauche», um Steine, die durch einen Träger in der Höhe des dritten Stockes gelockert worden waren, herunter zu holen. Der östliche Theil des thnrinartig hohe», im Viereck ausgeführten Gebäudes ist vollständig ausgebrannt. Der Maschinist Liepke, der durch«ine Stichflamme im Gesicht, am Hals und an den Händen verbrannt wurde, ist nicht lebenSgesährlich ver« letzt, wie man anfckngS befürchtete. Beim Waschen seiner Handschuhe hat sich das Dienstmädchen Zechart in der Louisenstraße 65 so schwer mit Benzin verbrannt, daß es in ein Krankenhaus gebracht werden mußte. Die Po» dem Tischler Eichert entwendeten Theater- kostiime oder vielmehr deren traurige Ueberreste sind von der Besitzerin. Frau Nuscha Butze, der zukünftigen Direktorin des „Neuen Thealers", im Polizeipräsidiiu» rekognoszirt worden. Die „Umarbeilung", welche von der gefälligen Frau Lange, der Schwägerin des Einbrechers, an den kostbare» Roben ausgeführt worden war, hatte dieselben natürlich vollständig entwerthet; aber auch abgesehen davon, würde die Künstlerin niemals ihr Besitzrecht an diesen Stücken gellend gemacht haben, welche ihr einst als das „Rüstzeug ihrer Kunst" thener waren und nun in schmählicher Weise profanirt morde» sind. Der Spitzbube- war in ihrer Abwesenheit i» die in der Jorkstrabe belegene Wohnung eingedrungen und hatte dort die gesanunten Kostüme der Schauspielerin ans den wohl- verschlossenen Schränken und Koffern entwendet. Renn Schränke hatte Frau Nuscha Bntze mit werthvollen, ihrem Repertoire an- gemessenen Garderoben belegt. Da diese aber nicht ausreichte», de» Schatz zn bergen, so waren noch viele ihrer Koffer mit den prächtigen Stücke» vollgepackt. Durch Ausschneiden der Schlösser gelang es dem Eichert, die Kostüme in die Hand zu bekomme»; in Körbe verpackt, wanderte» sie dann vorbei an dem Portier, dem ahnungslose» iiter des Hauses, z» den Hehlern. Frau Nuscha Butze hatle ihren chaden seinerzeit auf 25 000 M. veranschlagt. Als Frau Butze von der Kriminalpolizei die Pholographie Eichert's vorgelegt ivurde, er- klärte sie sofort, daß ihr der Mann bekannt sei. Bcrinistt wird seit Dienstag der 24 Jahre alte Student der Medizin Otto Stnhlmann ans Hamburg, der hier in der Johannis« straße Nr. 5 bei dem Schneidermeister Bastmann wohnte. Er hatte sich wegen seines lüderlichen Lebenswandels i»it seinem Vater über- worfe». Selbstmorde. Drei Personen habe» sich vorgestern durch Er- hängen de» Tod gegebe»: Morgens wurde die verehelichte Schlosser Rosina H. in ihrer Wohnung Wollinerstraße. vormittags der Handelsmann August W. in seiner Wohnung i» der Exerzier- straße und abends ei» unbekannter junger Mann auf dem Abort des Potsdamer Bahnhofs erhängt aiffgefniiden. Fencrbcricht. Mittwoch 9lbe»d 6 Nhr mußte F o r st e r« straße 39 ei» Ziinmerbrand beseitigt worden, der verschiedene Möbel und Teppiche zerstörte. Kurz nach 8 Uhr erfolgte Linien« straße 113 ein Bodenbrmid. Kleidungsstücke und Wäsche gingen hier in Flammen anf. Um 9 Uhr erfolgte gleichzeitig 9llarin»ach Usedomstr. 11»nd»ach Köpenick. Im ersten Falle brannten verschiedene Fässer, im letzten Falle handelte es sich um Hilfeleistung beim Brande der Zichoriensabrik von Allingsfeld. Eine Stunde später ivurde die Wehr nach R a t h e» o w« r st r. 79 gerufen,>vo verschiedene Möbelstücke in Flamme» standen. Donnerstag früh 3 Uhr hatle die Wehr längere Zeil Beschästigung B r i tz e r st r. 3. Der Trockenraum eiyer Tischlerei halte hier auf noch nicht aufgeklärte Weise Feuer gefangen. Nach einstündiger Löscharbeit konnte die Wehr wieder abrücken. Ei» Kellerbrand rief kurz nach 6 Uhr nachmittags die Löschmannschasle» nach K n r a s s i e r st r. 10. Schal- decke und Balkenlage wurden dort stark beschädigt. Viel 9lrbert machte der Wehr»in 7'/s Uhr K u r f ü r st e» st r. 23 ein Brand in einer Tapezirerwerkstatt. Die brennenden Wergvorrälhe entivickelten einen gewaltigen Rauch, so daß mit dem Rauchhelm zum Brand- Herde vorgedrunge» werden mußte. Das Feuer selbst konnte mit einem Rohre abgelöscht werden. Kurz darauf erfolgte 9llarm nach K r e»z b e r g st r. I, wo der Fußboden und mehrere Koffer mit Wäschestücke» vom Feuer zerstört ivurde» und auch das Haus»och sonst erheblichen Schaden erlitt. Endlich mußten kurz»ach 9 Uhr noch zivei Löschzüge nach Reinickendorf ausrücke». Hier ging Relidenzstr. 106 ein Heuboden in Flammen auf. Von da au bis Freitag Abend hatte die Wehr Ruhe, da innerhalb dieser Zeit keine einzige Alannirmig erfolgte. Das Reichshallcn- Theater hat in diesem Monat ei» recht vielseitiges Programm aufzniveise». Vor allem ist die hnmorvolle Soubrette Frl. Roberli zu»euiie», deren Vorträge Zeugniß davon ablegen, daß man auch ohne seichte Pikautcrien sein Publikum unter- halle» kann. Mit gutem Erfolg tritt gleichfalls der Humorist Jacobi anf, und ebenso erregt das Fautochestheater von Herrn n»d Frau Wievecke lebhafte» Applaus. Als Mnsilphantasten bieten die Gaetono 9l(lo»s das n>e»scheumögliche ans, um ihr Publikum zu erheitern; das Renardlrio, soivie die Lnstkünstlerin 9llberli»e sind i» akrobatische» Künsten vorzügliche Kräfte. Der Excelsior-Biograph zeigt hübsche und originelle lebende Photographie». Theater. Ii» S ch i I l e r- T h e a t e r ist heute Nachmittag eine Kinder- Vorstellung. Zur Ausführung koiiiint„Der Verivnnschene Prinz", Herr Rei- in an» spielt die Titelrolle, das Evchen wird durch Fräulein WannoviuS, Mutter Nosel durch Frau Werner dargestellt. Im vierten Bilde aus dem Weihnachtsmarkt singt Herr Laiircuce das WeihnachtSIicd aus dem„Heim- g'suude»". Abends wird Fulda's Luslspict„Die wilde Jagd" wiederholt. —„Leben und Lieben", das Vollsstück von OSc. Klein, wird vom 1. Feiertag ab im Ostend-Theater wieder täglich das Nepertoir beherrschen. Am Montag findet die 2K. Anssühnnig statt. Aus de» Nachbavorte». Beim Nangircu verunglückt ist auf dem Rangirbahnhof Tcnipelhof vorgestern Nachmittag ein dort bedienstet gewesener Eisen- bahnbeamter. Die Leiche des Verunglückten tvnrde von Kollegen auf den Schienen der große» Bahnhossanlage gefunden, ohne daß man von dem Unglückssall selbst etwas bemerkt, einen Schrei ge- hört oder den Beamten auch nur vermißt halte. Bei de» gestrige» Wahlen der Vertreter für die„Allgemeine Gesellen- und Gehilscii-Krankcnkasse" in Span da» siegle in der ersten Abtheilung mit ungeahnt großer Majorität die Liste der orgaiiisirten Arbeiter; der V o r stand hatte in rührender Sorgfalt »in das„Blühen und Gedeihen" der Kasse, gleichfalls eine Liste von Verlrctern, die natürlich»ach seinem Herze» sind, aufgestellt, doch nur eine einzige Stimme lohnte seine Liebesmühen. Iii der zweite» Abiheilnng wurden n n r für die Liste der orgamsirte» Arbeiter Stimmen abgegeben. Der Vorstand halte sich in der- Zwischenzeit seit der auf unsere» Prolest hin aufgehobene» Wahlversai»i»l»»g gm 2. d. M. jedenfalls recht eiiigchend mit dem Kasseiistalnt beschäftigt, denn dtesinal»nlerbliebe» die vo» den denksähige» Kassenmitgliedern gerügten Verstöße und alles ging korrekt seinen Gang. Mit diesem Wahlsteg scheint ims die bisherige jahrelange Gleichgiltigkeit der Arbeiter gegen die Krankcnkassen-Wahle» ei» für alle mal vor- abschiedet zu sei»;»nd auch die Versicherten der übrigen Kassen werden bei den nächste» Wahlen ihr möglichstes thn», tu» die bisherige Kassenleitmig„abzulösen". A»S Spandan. Weil sie als Zeugin vor Gericht vernommen iverben sollte, erhängte sich am Millivoch die über 60 Jahre alte Näherin Dorothea Nösecke; ferner machte der begüterte Maler« ineister Pergande am Donnerstag seinem Leben durch Erschieße» ein Ende; über die Ursache der That hierzu kursiren uukontrollirbare Gerüchte. Zur LehrcrgrhaltSfrage. Die gestrige Charlottenburger Stadtverordnetcii-Versammlmig folgte, wie die meisten preußische» Städte, einer Anregung der Regierung und beschloß im Sinne des Magistrats: 1. die Gleichstellung der städtische» Oberlehrer mit bei» staatlichen, 2. eine Zulage von 240 Mark, 3. die Nachzahlung der Gehaltserhöhung vom 1. April 1897 ab. Die Stadt BccSkow will sich AcetylengaS> Beleuchtung zulegen. Sittcuverbrecher. Das plötzliche Verschwinden des Gärtnerei- besitzers B.. der in Pankow mehrere Ehrenämter bekleidete, erregt großes 91>lfsebcn. Gegen B. ist ivege» Verbrechens gegen die SiU- lichkeit(§ 175 St.-G.-B.) Strafanzeige erstattet worden. Der wegen schwere» Diebstahls verfolgte Maurer Griese ist gester» in Schöneberg vo» einem Gendarme» verhaftet worden. Die Fortfiihrima der Kleiubahu Friedebera Ostbahw Hof—»tadt in der Richtung aufAlt-Libbehne(Slruswnlde— Berlinche») über Brunnsfelde, Falkensteiii, Breitenstein, Seegcnfelde bis zur Kreisgrenze ist von» Friedeberger Kreislage«instiimnig beschlösse» worden. Wege» angeblicher Nufrelziing, begangen durch eine Verfamm- liingsrede in Magdeburg, ist gegen den anarchistischen Schriftsteller Landauer in Pankoiv Anklage erhoben ivorde». Der kürzlich zu 10 Monate» Gesängniß vcrurtheilte Anarchist Schlosser Weisheit ist für die Polizei unauffindbar, man hat deshalb einen Steckbrief gegen ihn erlassen. Zu gunften des aus dem Zuchthaus heimkehrenden Schuhmachers Rufs merden Festlichkeiten veranstaltet. Gev ichks-Zeikmrs. Ein Berliner Strastenbild wurde in einer Verhandlung vor Augen geführt, welche gester» vor der dritten Strafkammer des Landgerichts I stattfand. Der Fnhrherr Max Lehmann war der Beamtenbestechung, Thierqnälerei und der Nebcrtretnng der fahr- polizeilichen Vorschriften beschuldigt. Am 19. September er. bemerkte der Schutzmann Hinze, daß der Angeklagte mit einem Einspänner durch die Luckauerstraße in übertrieben schneller Gangart fuhr. Bald daraus stürzte das Pferd. Lehmann und sei» Kutscher brachten das Pferd durch Schläge und Fußtritte wieder auf die Beine. Dann fuhren sie in rasend schneller Weise rveiler. Wiederum stürzte das Pferd. Es halte sich viel Publikum angesammelt, welches sich in lauten Ver- wüuschnngen gegen den Angeklagten erging und den hinzu- kommenden Schutzmann aufforderte, dem Aergerniß erregenden Auf- tritt ein Ende zu machen. Als der Beamte dem Angeklagten er- öffnete, daß derselbe ihin zur Wache folgen müsse, sprang dieser in eine gerade vorübergehende Droschke. Er wurde von dem Beamten aber wieder herausgeholt und nun zur Wache gebracht. Unterwegs bot der Angeklagte dem Schütz- »ranne eine Mark und zwei große Weißen, wenn derselbe von der Erstattung einer Anzeige Abstand nehmen wolle. Im Verhnndlirngs- terinine entschuldigte der Angeklagte sich damit, daß er Geivohnheits- trinker sei und sein Aussehen ließ diese Behauptung glaubhast er scheinen. Sein Bertheidiger, Rechtsanwalt Pincns, erzielte denn ailch, daß ihm mildernde Umstände zugebilligt wurden und er mit einer Gesammtstrafe von 70 M. davonkam. Die Inhaber«ineS hiesigen landwirthschaftlichen Stellen vermittelungsbureauS, die Kanfleute Franke und Krieg, wurden, wie wir derzeit mittheilte», vor etwa vier Monaten wegen Verdachts dcS fortgesetzten Betrugs in Hast genommen. Es ist jetzt Anklage wider dieselben erhoben und ein umfangreiches Belastungs- Material beschafft worden. Die Angeklagten sollen das„Personal", welches sie ihren Auftraggebern zusandten, größtentheils ans dem Asyl für Obdachlose entnommen haben. Kamen die Leute au ihrem Bestimmungsorte an, so wurde dem Gutsbesitzer bald klar, daß dieselben von irgend welchen landwirthschaftlichen Arbeilen keine Ahnung hatten, er mußte sie auf seine Kosten wieder zurück- schicken. Die Angeklagte» versandten die Leute bis iu die ent ferntesten Gegenden Deutschlands, es sind über 60 Separat Aktenstücke angefertigt worden, welche die kommissarische Ver- nehmnng der Zeugen enthalte». Die Verhandlung dürfte erst im Februar n. I. stattsiude», die Angeklagten beabsichtigen durch ihre Bertheidiger, Rechtsanwälte Dr. Schwindt und Werthauer, einen umfangreicheil Entlastungsbeweis anzutreten. Der Stadtrath Flcsch, der bekannte Sozialreformer, und zwei andere Herren aus Frankfurt am Main waren beschuldigt worden, in ihrer Eigenschaft als Borstand der„Aktiengesellschaft für kleine Wohnungen" das Stempelsteuer> Gesetz übertreten zu haben. Sie hatten im Jahre 1896 eine Reihe kleiner Wohnungen vermicthel und nicht innerhalb der gesetzlichen Frist das Miethsverzeichniß beim Hauplsteueramt eingereicht. Gegen den Strafbefchl erhoben die Beschuldigten Einspruch und machten gellend, sie seien überhaupt nicht verpflichtet, das Miethsverzeichniß einzureichen. Die von ihnen vertretene Gesellschaft sei eine gemein- uützige Anstalt im Sinne des Gesetzes und sei deshalb von der Stempelsteuer befreit. Sie bezweckt den Bau von Häusern mit kleinen Wohnungen und die Bermiethuug der letzteren an Minder- bemittelte zu billigen Preisen. Die ev. zu verlheilende Dividende dürfe 3>/z pCt. des Nennwerthes der Aktien nicht übersteigen und für den Fall der Auflösung der Gesellschaft solle der Neberschuß a» die Stadt zu gemeinnützigen Zwecken übergehen. Das Schöffen- geeicht schloß sich dem an und sprach die Angeklagte» frei. Das- Landgericht verurtheilte sie jedoch zu einer Geldstrafe, und das Kammergericht hat jetzt die eingelegte Sievision verworfen. Zur Begründung wurde ausgeführt: Die Gesellschaft sei allerdings als gemeinnütziges Unternehmen anzusehen und genieße darum die persönliche Stempelsteuerfreiheit. Daraus könne n»» aber nicht geschlossen werden, daß auch die Miethcr von der Stempel- steuer frei seien. Diese hätten die Hälfte zu entrichten und seien davon nicht durch das Borrecht des Vermiethers befreit. Da nun aber gesetzlich der Vermiether verpflichtet sei, die Miethsverlräge zur Besteuerung einzureichen, so seien die Vertreter der Gesellschaft straf- bar trotz ihrer Befreiung von der Stempelsteuer. Eine der Blutthatru des letzten Sommers wird am Heuligen Sonnabend das Schwurgericht am Landgericht I beschäftigen. Der Angeklagte ist der Tischlergesclle Wilhelm S e e g e r, der am 17. April seine in der Rudersdorferstr. 41 wohnende Braut, die un- verehelichte Luise Kaiser wegen verschmähter Liebe erschossen hat. Secger hatte sich unmittelbar nach der That selbst in den Mund geschossen und wurde als Schwerverletzter nach dem Krankenhause am Frisdrichshain gebracht. Nach seiner Wiederherstellung hat er sich nunmehr auf die Anklage des Mordes zu vertheidigen. Die Erschossene wohnte bei denselben Vermiethern, wie der Angeklagte. Sie hatte um die Weihnachtszeit des vorige» Jahres mit diesem ein Verhältniß angefangen, welches aber etwas gelockert wurde, sodaß das Mädchen ihrem Liebhaber mehrfach andeutete, daß sie sich aus ihm nicht mehr viel mache. Der erst 21 Jahre alte eifersüchtige Mann hatte dann wohl mit allerlei dunklen Drohuuge» geantwortet und zu ver- stehen gegeben, daß er sie keinem anderen gönnen und sie umbringen würde, falls sie die Absicht haben sollte, ihn zu verlassen. Am LI. April früh hatte das Liebespaar mit seinen Wirlhsleuten den Morgenkaffee eingenommen; als darauf das Mädchen sich in die Küche begab, folgte ihr Seeger und jagte ihr plötzlich aus einem Revolver eine Kugel in die Schläfe. Das Mädchen war sofort todt, der Thäter machte unmittelbar darauf, wie schon erwähnt, einen verunglückten Selbstmordversuch. Er wird im Hauptverhandlungs- termin durch den Rechtsanivalt Hahn verlheidigt. Eiu grobes Versehe» bei der Bereitung eiueS Rezepts hat dem geprüften Provisor Max Konrad Ludwig Braune eine An- klage wegen fahrlässiger Körperverletzung eingetragen, welche gestern vor der zweiten Strafkammer am Landgericht II zur Verhandlung kam. Der Angeklagte ist In einer Charlottenburger Apotheke an- gestellt und hatte dort im Mai d. I. ein Rezept zu bereiten, welches für einen Patienten bestimmt war, der an Mast- darin- Entzündung litt. Der Arzt hatte 0,2 Belladonna verschrieben. Diese Dosis sollte auf acht Snppositorien vertheilt werden. Der Provisor las das Rezept nur flüchtig und verwandte zu jedem Supposttorium 0,2 Bella- donna. Darin lag eine doppelte Fahrlässigkeit, denn erstens hätte der Augeklagte das Rezept genau durchlesen müssen, und zweitens wußte er als geprüsier Apotheker, daß die MaximaldosiZ für Belladonna 0,5 ist, während er insgesamn.t 1,6 verabfolgt bat. Zum Glück für den Augeklagten ist das Leiden des Patienten durch diesen Mißgriff nicht verschlimmert worden, nur das Allgemeinbcsinden desselben wurde für kurze ZeiMverschlechtert. Unter Berücksichtigung dieses Umstandcs lautete das Urtheil auf 80 M. Geldstrafe. Ei» agrarisches Kultnrbild. Einer von den zahlreichen Bränden, von denen in jüngster Zeit der Kreis Rieder-Baruim heim- gesucht wurde, beschäftigle bereits gestern die zweite Strafkammer am Landgericht II. Der 17 jährige Bauernbursche August Friedrich Lamprecht hat am S. November dieses Jahres seinem Dienstherr», einem Bauer in Höpen bei Liebenwalde, die gefüllte Scheune angezündet. Der Junge hat von Anfang an ge- standeu, daß er sich an dem Bauer habe rächen wollen, weil dieser ihn oft verhauen habe. Ein anderer Knecht habe ihm das geralhen, weil derselbe es auch schon einmal so gemacht und dafür„nur" sechs Monate Gefängniß erhalten habe. Dieses Geständniß hielt der Angeklagte auch vor Gericht auf- recht, er machte dabei aber de» Eindruck eines Idioten. Sein Vater sitzt wegen Sittlichkeitsverbrechen im Zuchthause. Der Junge hat nie die Schule besucht, im Sommer hat er Kühe gehütet, im Winter hat er die Schule geschwänzt. Er kennt weder das Einmaleins, noch einen Buchstaben, vielweniger noch die Gebote. Unter diesen Umständen hielt der Gerichtshof die Sache noch nicht für spruchreif. Es wurde beschlossen, den Angeklagten auf seinen Geisteszustand untersuchen zu lassen. Versa tnmlamgern Im Wahlberei» für den dritte» NeichötagS-Wahlkreiö sprach Genosse Wolsgang Heine am Mittwoch über das Thema: Die Sozialdemokratie und die Todesstrafe. Der Redner ging die von theologischer und philosophischer Seite vorgebrachten Gründe für Beibehaltung der Todesstrafe durch und wies deren Un- zulänglichkeit nach. Er hob weiter hervor, daß gerade die Fach- juriste», auf dem Standpunkt der StaatSantorität stehend, meistens die eifrigsten Bertheidiger der Todesstrafe waren und sind. Der Einwand, die Todesstrafe habe von jeher bestanden und müsse daher weiter bestehe», sei hinfällig. Man müsse sich viel- mehr die Frage vorlegen: Woher stammt die Strafgewalt der Gesellschaft und welchem Zwecke soll sie dienen? Von allen nach dieser Richtung gegebenen Erklärungen habe die soziologische allein wissenschaftlichen Werth; sie besagt: Der Mensch ist, wie andere Lebewesen, vom Selbsterhaltungstrieb beseelt. Diese erzeugt — beim Menschen wie beim Thier— die Abwehr gegen de» An- greiser und die Rache für erlittene Rechtsverletzungen. In uralten Zeiten war die Privatrache das Mittel, durch welche sich der Einzelne Recht verschaffte. Als sich dann zwischen den Menschen gesellschaftliche Beziehungen herausbildeten, als ein Gesellschastsleben entstand, da trat an die Stelle der Privatrache der Schutz des Einzelnen durch die Gesammtheit. Das Recht bildete sich und nahm im Laufe der Zeit immer höhere Formen an. Die Ge- sellschast suchte ihr Rechtsgut gegen Verletzungen zu schützen. Das ist der Grund der Strafe. Es wird nicht gestraft, weil gegen das Gesetz verstoßen worden ist. sondern damit Verstöße gegen das Gesetz verhindert werden. Das Strafgesetz will zunächst, indem es Strafe androht, vor Gelegenheitsverbreche» zurückschrecken, ferner aber die Gewohnheitsverbrecher, soweit dies noch möglich ist, bessern, und end- lich, wo eine Besserung ausgeschlossen ist, den Verbrecher unschädlich »lachen, ihn an der ferneren Ausübung von Verbrechen hindern. Außer den angeführten Gesichtspunkten kommt noch in betracht, daß die Strafe der Schivere des Verbrechens angepaßt und je nach Lage des einzelnen Falles abgestuft werden muß. Von diesem Gesichtspunkte aus ist die Todesstrafe ein sehr bedenkliches Strafmittel. Einer der stärksten Gründe gegen dieselbe ist aber der Umstand, daß sie im Falle einer irrthümlichen Vcrurtheiluug nicht wieder gut gemacht werden kann. Daß die Todesstrafe auch keine abschreckende Wirkung hat und keineswegs eine Verminderung der mit dem Tode bedrohten Verbrechen herbeiführt, das lehrt die Erfahrung, und die Staiistik beweist es. Der Redner belegt diese Be- Häuptling mit einigen historischen Thatsachen und geht dann über zu einer Darlegung der Verbreitung der Todesstrafe, welche erst im 15. und 16. Jahrhundert mit dem Emporkommen der Mon- archie und der Ausbreitung des römischen Rechts auf eine größere Anzahl von Verbrechen gesetzt wurde, er bespricht die verschiedenen seit dem 17. Jahrhundert datirenden humanen Bewegungen für Ab- schaffung der Todesstrafe, welche auch z» Ende des vorigen und zu Anfang dieses Jahrhunderts theiliveise» Erfolg hatten. 1343 be- schloß die Nationalversammlung zu Frankfurt, die Todesstrafe ab- zuschaffcn, was auch in einigen Kleiustaaten geschah, aber nicht in Preußen, wo sie jedoch aus wenige Fälle be- schränkt und sehr selten ausgeübt wurde. Als 1370 die Liberalen zur parlamentarischen Macht gelangt waren, hatten sie innerlich nicht mehr die Kraft, bei der Berathung des deutschen Reichs-Strafgesetzbnches die Abschaffung der Todesstrafe dem Willen Bismarcks gegenüber durchzusetzen. Der damalige Jnstizminister Leonhard verhieß zwar eine baldige Beseitigung der Todesstrafe, die Liberalen erklärten sich damit zufrieden, nnd es wurde nicht mehr davon gesprochen. Gegenwäriig wird wieder mehr hingerichtet als früher. Jetzt sind wir Sozialdemokraten die einzigen, welche für Ab- schaffung der Todesstrafe eintreten. Unsere Gefühle regen sich gegen alle Scheußlichkeiten, also auch gegen die Todesstrafe, welche etwas Unnatür- liches ist. Zwar sind Gefühle keine wissenschaftlichen Beweismittel, aber für die Praxis haben sie eine große Bedeutung. Wenn auch unsere Partei auf dem sicheren Boden der Wissenschaft steht, so können wir doch die Ideale nicht entbehren. Unser Ideal ist das der Menschlichkeit und kein Doktrinarismus soll uns auf den Stand- punkt der Bestialität zurückführen. Wir sind die Vertreter des menschlichen Ideals.— Der sehr anregende Vortrag wurde mit Beifall aufgenommen, eine Diskussion entstand nicht. Arbeiter- Kild»»«»kuI«. Jns-INr. 10. v. e Tr. Die Bibliothek ist geöffnet MUIwockis, Donnerstags und Freitags, abends von S— 9 Uhr, mit Ausnahme der Borabends am erste» WethnachtS- F-lertage und des NcMahrStageS. Wiederbeginn der U n t e r r i ch t S k u r f e in R s d e- U e b u n g am Montag, den :o Januar, Dr. s. o nr. S ch IN id«: in N a t t o II a l ö r o n o I» t e(Die wlrlh. fchafillch: Enlwickelnng: Grohbetrieb und Handwerk: Karlettwcsen. ArbeitSmarkt und Arbeitsnachweis: die Aufgaben der Äewerkschastin) am Mittwoch, den ig. Januar, Schriftsteller Richard Talwer: in A es ch t ch I e fHella« nnd Rom) am Freitag, den l«. Januar. Dr. A. B e r t h o l d.— MttglicdSbettrag monatlich 25 Pf.. Kursus(10 Abende) l M. pro Fach. Theilnehmer werden aufgenommen tu der Schule und In folgenden Stellen: iSoilfr. Schulz,«dmiral- straste eoa: Meul, Barnimstr. 48; Schiller, Ro senihalerstr. 67: SUeinert, Müller- straße 7Z, n. in den SonutagS-Bersammlungen. Borstbender: Paul Mucke jr., SV. Manteuffelftr. 1S8, Arbeit.>-Sn»oeii'>ind Kerlin» und der Ilmgegend. Borsttzender Ad. Neumann, Brunnenstraste im. Alle Aenderunaen im BereinSlalender find zu richten an Friedrich Korturn, ManiciiffelNraste 50, v. 2 Dr. Sonnabend, adends 9-li Uhr: NedungSstunde und Aufnahme neuer MUglieder.— Lnrania. Landsberger Allee>55 bei(Soebei.— Sanges- Echo, Naunynslrasts e, Restaurant Scholz.— Im»i«rg rü n, Tegel, Spandauer- straste iz bei C. Rentner.—Stück zu, Badftr. 10, Wis' Salon.— Hand in Hand II, Friedrichsbcrg, Friedrich Karislrabe ll bei Heinecks.— F r t ich auf I, Friedrichs bsrg, Wartendergftr. 57 bei Lange.— Weiße Rose ll, Wcistensee, Strastburgerstr. 55 bei Sorrer.— E in ir a cht Z, Teliow. Zehlendorfer- straste 5 bet Derg— Sstng orlu st, Luckenwalde, Beelitzerstraße»4 bei Schulze.— Einigkeit 2, Webernraste 42 bei Lange.— Ar b e i ter-S e fan g v e r c t n Luckenwalde(gemischter Chor), Luckenwalde, Busseftrasts 20 bei Bäcker. Arbeit-r-Ra«chrrb»nd Kerlin» und der Dlmgegrnd. Aenderungen lm BereinSfalender sind zu rtchtsn an Hermann Braunfchwetg, DreSdensrstr. so, "of. Sonnabend: Unverzagt N. Mameuffel- Ecke MuSlaueistr. bei Homuth. in gl er I, Zimmerstraste 55 bei Ruppert.— Havana IT., RowaweS-Reucn- dorf, Lindenstr. 51.— Glück Auf, RüderSdorf-Kalkbergs, Hcinigstr. 27 bei Sreve. — Kuba, Brandenburgstr. 54 bei Pöniy.— Bolldampf, Werder a. H., Kugclweg 68 bei Mariin.— Bürgerheim, Friedrtchsberg, Frankfurter Chaussee 50 bei Kupfer.— Unverzagt, Lebuserstr.>9 de! Haupt.— Pappel, Buchholzerstr. 5 bei Dahmle.- Frisch gewagt, Memelerstr. 61 bei Häusler. Snnd der gefeUige» Arbeitervereine Krrlin» nnd der Hlnigegend. Vorstyender: P. Senr, DreSdenerstr. m/s. Aenderungen den Bercinsfalender betreffend find zu richten an H. Bendix, Alexandrinenfir. loo. Sonnabend. Theater- und VcrgnügungSverein Hand In Hand, Seorgenlirchstr.«s bei Späth.— Thealer- und Bergnügungsvsrein Renatsfance, Schiefisch-str. zs bei Pauk«.— BergnügungSviretn Berglstmetnntchl. Rügensrstr. 2» bei Hostmann. Arbeiter- Turnerbnnd. Kvnnabend- Turnverein Fichte, Berlin. abends von 8 bis 10 Nhr: l. Männer- Abthetlung Frtedenstr. 37.— 8. Männer- Abthl. Boeckhstr. 21.— 2. LshrlingS-Ablh. Sfalttzerflr. 55— 55.— 4. Lehrlings- Abihl. Siephaiiftrasts«.— Freie Turnerschaft Johannisthal abends von 9— 10 Nhr bei Herrn Senftlibsn. «»fang-, Nur»- nnd grsellige I>»rrl>i». Sonnabend. Thealerverein B o h c m i a, Beleranenftraste is bei Schul,.— Bühnenverband R o r in a n t a, jeden letzten Sonnabend im Monat Sr. Frantfurterstraste tis bei Höhne.— BergnüguugSvercin Helgoland II., jeden Sonnabend nach dem l. im Monat Lüdbenerstr. s bei Lehmann.— Elatkiub Fortuna, Hutlsnstr. l bei Kratzai.— Rauchllub Dornröschen, Fennstraste 3 bei Krüger.— Thcaterverein Nordstern, Tunckcrstr. so bei Schulz.— Privat-Thealergefellschast Alpen» r o s e, Badstr. 85— so, Restaurant Marienbad.— Bereinigung der Turn- freunde, von«f« bis lojj Uhr abend«, D-mmtncrstr. 55-57— Turnverein O fle n, Turnhalle Blumenftr. 68a, von s!(— l» Uhr abend« Männer-Ablhetlung.— Zitherllub E r i la, Hefsilche- und Hannoverfchestrasts- Eck« im Restaurant Müller.— Theaterveretn Othello 1. Manteuffelstr.« bei Nowack.— Slaillub i Surr ah, Lübbenerstr. 28 bei Schneider.— Thealerverein Thalia, Küilriner- latz s bei Pause.— Kegelllub Kalte Neune, Holzmarttstr. 72(»önigstadt- Kasino). SUdu«ig«»ml»..Mehr Zicht",«ibliothelslund- von t bis 10 Uhr abends. Mollcnstr.>2 bei Gärtner...., Dansk Forening Freja, har Mödeasten hver Lbrdag KI. 9, Komman» dantensirasse 72(Neues Klubhaus). Böhmisch-slawischer Bildungsverein Hawlischel, Beuthstr. 21, Restaurant „Zur neuen Post", heute Abend 9 Uhr Milgliederversammlung. Krntschrr soiioldeniolirotischrr Zefenlnb in pari«. Rue St. Honore 814, Cafe du Lion de Bclfort. Jeden Eonnabend öffentliche Bersammiung: reiche Bibliothek, Zeitungen, französtscher Unterricht. Kondon. Ter einzige hiesige sozialdemokratische Berein Londons, der alle, von Karl Diarx und Friedrich Engels 1845 milbegründete Kommunistische Arbeiter- Bildungsverein befindet sich nach wie vor 49 Totteuham Street, Toltenham Court Rd.. W. London. fierein porwärt», Johannisbnrg(Transvaast. BereiuSlokal Progreß- alle, Corner of Marfhnll and Emall Street. Altgemrine Kranken» und Sterbekaffe der Metallarbeiter(E. H. 29. Hamburg.) Filiale Berlin 8. M l t g l t- d sr- V e r f a NI IN l u n g s n am Sonnabend, den is. Dezember, abends 8� Uhr, Manteuffelstr. 47.— Filiale Berlin 4, abends 8!,' Uhr bei SBilte, Anvreasstr. 2«.— Filiale Berlin«, abends 9 Uhr bei Köpitn, Loihringerstr. 5». Deutsche igeleUfchaft für ethisch» Kultur. Sonnabend, den lg. Dezember, abends s'/«Uhr, Ziegelstr. lo/ii. Gruppe für elhifchs Bildung: Vortrag des H- rn Br. Behrendt: Ueber demokratische und aristokraiische Sirömungen unserer Zeil- Dtslussion. privat-Kheater-veseUschast..Immer lustig". Heul«, abendS Uhr, bei Ruhl, Chorinerstr. 58: Sitzung. Lrcirrligiös« Gemeinde. Sonntag, den 19. Dezember, vorm. 9 Nhr, im groben Festsaal der Berliner Ressource, Komniandanlenstr.«7: Versammlung. Freireligiöse Aorlesung. Um II Uhr vorm. ebendaselbst Bortrag de« Herrn Wilhelm Bölsche:„Der Himmel des Freidenker«" Gäste willkommen. Arbeiter-Kildungoverei»„Zukunft-' in Neiniiiiendorf. Sonnlag, den 19. Dezember, präzis, nachm. 8 Uhr, im Restaurant„Seeschiöstchen", Markiir. Ij2: Bcrsammlung. Genosse Dr. W oll he im wird über„Raturerlennlnist und Welt- forlschrttt" referiren. Gäste willlommen. pergniigungoverei»„igintracht". Sonntag, den 19. d. M, nachmittags 5 Uhr, tu den„Franlsurler Bterhallen", �Brosts Franlsurterstraße ss: Gsselliger Abend._ � Vevmissrlzkes vour Theodor M o m m s e n hat, wie das„B. T." erfährt, den ihm zum 80. Geburtstag angebotenen Exzellenz- Titel abgelehnt.— — y. Im Altmerdinger Jagdrevier bei B u r g d o r f(Hannover) wnrde eine weiße Ricke erlegt. Das Thier genoß seil Jahren Schonung. Jetzt hat es ein Sonntagsjäger niedergeknallt.— — Am Donnerstag früh wurde in N o r d h a» s e» ein Meteor von der halben Größe des Vollmondes beobachtet.— — Amerikanische Butter ist unlängst ans dein H a m- burger Markt erschienen. Das Pfund wnrde mit 24—26 Cents (1 M. biS 1,09 M.) bezahlt. Dieser Erfolg der Einfnhrfirinen hat Haniburger Geldleule veranlaßt, i» Neiv-Iork große Bulterbestelltlugen zu machen.— — In Lllbetzko bei Lublinitz kam vor einigen Tagen ein Bräutigam mit seiner Braut in Streit. Plötzlich zog er einen Revolver und feuerte ziveimal auf das Mädchen. Beide Schüsse trafen die linke Schläfe. Das Mädchen liegt hoffnnngslos dar- nieder.— — In O b r a(Posen) wurden am Mittwoch sieben durch Kohlend nn st betäubte Personen anfgefunden. Eine Frau von 64 Jahren war bereits todt, die übrigen schweben in Lebens- gesahr.— — Milder Winter. In den geschützten Thälcrn des Siebe»gebirges tragen Haselstauden völlig entwickelte Kätzchen; das Geißblatt zeigt fingerlange Triebe, und die Welt der Moose steht im schönsten Frllhlings-Wachsthnm.— — Eine Aklieiigesellschaft für Luftschifffahrt hat sich in Stuttgart gebildet. Die Gesellschaft soll die Mittel zum Bau eines Luftschiffes nach dem von Graf Zeppelin schon vor mehreren Jahren konstruirte» Modell beschaffen.— — y. In der an der holländischen Grenze gelegenen Ortschaft B u r t a n g e prügelten sich zwei junge Burschen auf der Straße. Schließlich zog einer ein M e s s e r und stieß es seinem Gegner in die Brust, der sofort t o'd t zu Boden stürzte. Nun warfen sich die Umstehenden auf den Thäter und schlugen mit Knüttel,» solange auf ihn ein, bis er kein Lebenszeichen mehr gab.— — Eine D e ni o» st r a t i o n gab es am Dienstag bei der „Faust"-Aufstihruiig im Wiener Burg-Theater. Die Stelle: „die Kirche hat einen g ll t e n Magen", wurde mit stürmischem, minutenlangen Beifall aufgenommen.— — Zwischen G e n t s ch a ch und Birnbaum im Lessachthale (Kärnten) wurden zivci Knechte, welche zwei Pferde führten, von einer Schneelawine ersaßt und in eine Schlucht ge- schleudert. Einer der Knechte kam mit leichten Kopfwunden davon, der zweite starb bald nach seiner Ausgrabung. Die Pferde waren todt.— — In D r o n t h e i m ist ein Abgesandter der Regierung der Vereinigten Staaten von Nordamerika eingetroffen mit dem Auftrage, 1000 N e n» t h i e r e anziikailfe« und Hundert Männer anzuwerben für eine Entsetznngsexpedition nach Klondyk e.— — A l p h o n s e Daudet, der berühmte französische Roman- schriststeller, ist am Donnerstag Abend völlig unerwartet am Herz- schlag gestorben, während er im Kreise seiner Familie in heiterer Slimmung zu Abend speiste.— Wir bringen im nächsten „Unterhaltungsblatt" eine«ingehende Würdigung des Dahin- gegangene».— — London, 16. Dez. Der Schauspieler William Terris. welcher heule Abend im Adelphi-Theater die Hauptrolle in dem Drama„Leeret: serviee" spielen sollte, wurde beiin Eintritt ins Thealer e r d o l ch t. Der Thäter ist, wie es heißt, ein ehe- maliger Angestellter des Theaters.— — Für die im nächste» Jahre von London unter Leitung des »orwegilchen Polarreisenden Borchgreivink abgehende Süd- p o l- E x p e d i t i o n ist das norwegische Walfischfang- Schiff „Polliix" angekanft worden. Die Expedition tvird auf Kosten des Engländers Sir Georges Stewnes ausgerüstet, der 300 000 M. zur Verfügung gestellt hat.—__ Briefkasten der Redaktion. Wlr Mite», bei jeder ülufvafle eine Chlssre(zwei BiichNod!» oder elne Zahl) anzugeben, unter der die Anlwort eriheill werden soll. Die juristische Sprechftnndc sindct am Montag, Freitag und Tonnabeiid von< bis 8 Ilhr abends statt. J.B.IVO. B. hat eine Kirche und eine Miisilkayelle für fein Personal errichten laßen. Von der SchenliingSgeschichte wissen wir nichts. Briese an S. wollen Sie an die Redaktion obicjnvcu. .f). 100. Der» st e r r e i ch t s ch-» n g a r i s ch e H i l f s v e r e i n. Bor- sitzender: v. Külley. k. k. Kousitl, Behrenstr. 43/44. Verein der Oestcrreichrr. Bereiitslolal: Mittelstr. 57/58. Bersamm- luna: Montags 8 Uhr. H. S. 1. Hinterlegen Sie die Miethe und benachrichtigen Sie die Be- thetligten von der Hinterlegung. 2. An das Landrathsamt.— M. G. Es könnte nur eine Klage aus Abrechnung seitens des Vorstandes angestellt weiden. WItternugSiibersschl l>om 17. Dezember i�i»7, 8 Uhr morgens. Veranlwortlicher Redakteur: August Jnrobey in Berlin. Für den Juserateutheil verantwortlich: Th. Glocke u, Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin. i".m h. i.)w 2. KilU i>ts Jwirttts" Ktllim JnlMlPlt. i".»� UrkevKrip�ze Kttndfckikru. I. Toldstciir, V e r u f s g l i e d e r u n g und R e i ch t h u m. Ibltnsilchiliigc» über de» Einfluß der Veränderungen i» der Berufsgliederung aus Reichlhuu» und Staatsniachl. Stull- gnrl 1807. VI, 171 S. Diese Schrist stammt von einem Schüler Brentano's und beivegc sich in der Nichliiiig, die Brentano neuerdings mit Vorliebe einschlägt. Sie stellt für England durch eine fast über- mäßige Fülle statistischen Materials dar. melche Folgen sich an das iiiimer stärkere Ueberiviegen der industriellen Produktion über die L a» d>v i r l h s ch a s t geknüpft haben. Vom Ende des 17. Jahrhunderls ab werden die Details gcsainmcll über die Be> volkernngsvcrschiebung zwischen industriellen und landivirthschaftlichen Bezirken, zwischen Sladt und Land, über den verschiedenen nalürlichen Be- völkernngsznwachs(lleberschnß der Geburten über die Sterbefälle) in den Industrie' und Ägrikulturdistriklcn. Daun folgen Ziffern über die trog aller Unheilsprophezeinngcn rapid gestiegene Ko»su»ilio»sfähig- keil des englischen Volkes, über die finanziellen Leistungen der industriellen und landwirlhschafilickien Eiwerbskreise für Staat und Gemeinde, über die trotz der steigenden gewerblichen Enlwickeluug sremdei Länder steigende Auifuhr Englands sowohl der Dlenge wie dem ilverlhe nach.„Mag im übrigen die industrielle Eulivickelnng»och so viele Jiachtheile mit sich gebracht haben, sie hat doch jene unerläßliche Vorbedingung— den großen Reichlhum— geschaffen und dadurch die M ö g l i ch k e i t geboten, durch eine ansglcichendere Verlheilung des Reichthnms den stsnäarä ok Irls großer Volks- »lassen zu heben.... Man darf auch nicht vergessen. daß der Staat und die Kommunen, die früher bei ungeregelten Finanzen und dürftigen Einkünften nur ein äußerst armseliges Dasein fristeten, nunmehr durch die Entwiclclung der Industrie in einer für frühere Jahrhunderte unerhört glänzende Lage versetzt wurden. Demi dadurch ist ihnen die leider nicht immer benutzte und leider auch nicht innner in Anspruch genommene Möglich- krit geboten, ihrerseits durch Aufwand großer Mittel die geistige Bildung der Volksmassen zu fördern und die Lösung sonstiger früher nnlö-barer Kulturausgaben anzubahnen." Auch die großen Vortheile, die einzelne Ziveige der Landwirthschafl(Milch- und Flcischproduktio», Gärtnerei) von dem Aufschwung der In- dnslrie und der Städte haben, werden statistisch beleuchtet. Dr. Goldsteiu will ähnliche eingehende Üntersuchnngen über Frankreich und Deutschland folgen lassen. Sie können viel dazu beitragen, die Vorurtheile zu zerstreuen, an welche die agrarische Agitation so gerne sich wendet.— ins. Bufchmauu, Nicolaus, Dr. der Staatswissenschasten. Die Ar- beitslosigkeit und die Berufsorga ni- s a t i o n e n. Ein Beitrag zur Lösung der Arbeits- I o s e n- F r a g e. Berlin 1897. Verlag von Puttkammer u. Mühlbrecht. Der lllutor will zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Er befürwortet die Arbeilslosen-Versicherung durch die Gcwerkschaste», doch will er den letzteren gleichzeitig Staatszuschüffe und Unter- Nehmerbeiträge verschaffen, weil die Gewerkschaslen für sich allein die Rosten nicht aufbringen lönueii. Aon dieser schnurrigen Idee abgesehen, ist die Schrist bei weitem ernster und gründlicher, als die etwas phrasenhasle, oben besprochene. Der Verfasser giebt eine anssührliche Schilderung und Kritik der bisher auf dem Gebiet der ArbeitsloscinVersicherung unternonilnenen praktischen Versuche und der hierhergehörigen Vorschläge. Es folgt eine Darstellltng der Entwicklung der Gewerkvereine und der Gciverk- schasten und dann die sehr gründliche und werlhvolle Darstellung deffen, was bisher durch Gewerkvereine uiid Gewerkschaslen auf dein Gebiet der?lrbeilslosen-Unlerstütztt»g geschehen ist. Dieser de» zweiten Abschnitt der Schrift bildende Theil ist eine verdienstliche und fleißige Monographie über den gedachten Gegenstand. Weniger glücklich und zum theil recht unglücklich ist der dritte Abschnitt, der den Reforinvvi schlag de» Herrn Dr. Buschiuau» enthält. Der Verfasser betont die Nothwendigkeil der Arbeitslosen-Ver- sichernng durch die Geiverkvereine weniger eines Prinzips wegen, als weil er meint, daß die Kommunen oder sonstige öffentliche Körperschaften für die Durchführung der Versicherung weniger gut geeignet seien, als die Gewerkschaften. Höchstens für die Ver- sichernng ungelernter Arbeiter will er öffeulliche Köiperschaslen gelten lassen. Aber gelernte Arbeiter können sich seiner Ansicht nach bei den Gewerkschaslen billiger inid besser ver sichern. Die Gciveik- schaflen seien über ganz Deutschland verbreitet, und die Mitglieder könnte» an jedem beliebigen Ort die Wohllhaten der Versicherung oeuieße» Tie Berufsvereine köniile» sich auch gegen Ausbeutung und Simulanlen beffer schützen, als andere Körperschaften. Doch nun müssen wir zilireu: „Die genannten Vorzüge, welche die Bernfsvereine für eine Ne- gclung der Arbeitslosen-Versicheruiig a»fzuiveisen haben, müßleu allein schon genügen, um den Staat zu vcraulassen, dem Gedanken einer Lösung der Arbeilsloscnfrage durch diese Organisationen, wenigstens insoweit, als die gelernten Berufe in betracht kommen, wohlwollend näher zu treten... Der Staat würde die Unzufriedenheit der Arbeiter mit den heuligeu wirthschaftlichen Verhälluissen in hohem Maße beseitigen Helsen und sich ihre Sympathie erobern, wenn er ihnen die Lösung dieser flagranten Frage anverlrante und sie dabei selbst mit fiuanzielleii Mitietn unterstützte. Er würde feiner da- durch, daß er die gelernten Arbeiter auf die Bernfsvereine hinwiese und sie zum Bcitriit zu denselben geradezu ausmuuterte, die bisher ganz in sozialistische»! Fahrwasser segelnde» Gewerkschaften mit ruhigeren, besounercn Elementen durchsetzen und dadurch der Sozial- demokratie eine gefährliche Waffe gegen die heutige Gesellschaft nach und nach entreißen... Schließlich ist er auch, wenn er den Berufsvereinen durch die genannten Maßnahmen die Möglichkeit verschafft, eine rationelle Arbeilsloscnvcisichcrung durchzuführen, dnichaus berechtigt, sich von den Organisationen Gegen- k o n z e s s i o n e n machen zu lassen. Dahin gehört vor allem die, daß er den Vereiiien die Verpflichtung auferlegt, bei Differenze» zwischen ihren Mitgliedern und deren Arbeitgebern zur Schlichtung derselbe» die Entscheidung unparteiischer Schiedsgerichte anzurufeu." Dem Staat— wohlgeinerkt, den heutigen Regierungsmänneru des Deutscheu Reiche?!— wird also in aller Naivetät die Nolle zu- getheilt, die Arbeiter zum Eiutrilt in ihre Organisation zu ver- anlassen, diesen Organisationen Anziebungskraft zu verschaffen und ihre Kassen zu stärke»!— Man darf der Komik dieses Ge- dankeus nicht durch lange Kritiken Eintrag thlln. Als ganz so naiv, wie Herr Dr. Buschiuann, dürfte sich ja der„Staat" nicht eriveisen. Er wird die alten Pfade iveiterschreiten und vorläufig darauf verzichten, der modernen Arbeitcibeiveguug hilssbereit unter die Arine zu greisen.— Und ebenso absurd ist die Zumuthung a» die organisirten Arbeiter, finanzielle Unterstützung vom Staat und den Unternehniern anzunehmen. Dazu schätzen unsere Gewerk- schasten doch die Selbständigkeit zu hoch, um sich durch Annahme von Unterstützungen— sei es auch zum Zweck der Arbeitslosen- Versicherung— in vertragsmäßige oder moralische Abhäugigkeit von Staat und Unternehmerlhum zu bringen. M. Pf. Lötz, Dr. W., Univ.-Prof. in München. Die Börse nrefor m. Vortrag, gehalten in der Gehl- Slislung zu Dresden am 12. Dezember 1896. 40 SS. 8°, Dresden. Lötz, Prof. Dr. Walthcr. Der Streit um die Verstaat- l i ch u n g der R e i ch s b a n k. LS SS. gr. 8». Preis öl) Pf. München und Leipzig 1897. G. Hirlh's Verlag. Zwei kurze klare, die spinfivdigen Fragen nicht behandelnden Schriften, die aber zur Belehrung über die vielen unserer Leser sremden, aber hochwichtigen und auch politisch gegenwärtig gerade sehr bedeutungsvollen Gegenstände empfohlen werde» können. So manches Vorurlheil und so manche schiefe Ansicht wird durch das Lesen dieser kleinen Schrisle» korrigirt werde». Lötz ist einer der genauesten Kenner unseres Bankwesens und der Börse. Die Gefahren des Börseuspiels, die Mängel des Börsengesetzes, die bei der Berstaallichung der Reickisbauk in Frage kommeudcu Juler- esse», vor allem die der bimetallistischen Agrarier und der bayerischen Bauernbüudler, werde» scharf beleuchtet. Wen» wir auch nicht mit allen Ansführungen einverstanden sein können, so hält uns dies von der Empfehlung der Echriflcn doch nicht ab. n. Hoffmauu, Georg, und Groth, Ernst, Deutsche Bürger- k n n d e, kleines Handbuch des politisch Wissenswerthen für jedermann. Zweite vermehrte Ausgabe. Vit l». 360 Seiten kl. 8°. In Leiucnband 2 M. Leipzig. F. W- Grunow. In eng gedrängter, aber trotzdem klarer, leicht lesbarer und allgemein verständlicher DaisleUui g behandeln die beiden Verfasser, Landgerichts- Direktor Hoffmann und Oberlehrer Groih, alle Gebiete, die zu kennen für de» llleichsangehörigcn und den in de» Grenze» des Reiches verweilenden Ausländer»ölhig ist. Der Stoff wird übcrsickillich in folgende Kapitel getheilt: Gemeinde, Staat und Itcich; Kaiser, Bundesrath und Reichstag; Reicliskanzler und Reichsbehörden; die Gesetze; die Gerichle; Heer und Marine; Landwirthscliaft, Handel und Gewerbe; Verkehrswesen uud Kolonien; Finanzen, Steuer» und Zölle; Kirchen und UnterrichtSwesen; Soziale Gesetzgebung. Eine llebersicht der Zentralbehörden. Lande?- Vertretungen und Verwaltungsbehörden in den deutschen Bundes- staaten und ein sehr eingehendes, die Benutzung des nützlichen Büchleins erleichterndes Sachregister schließen das nützliche Büchlein ab. Die«lnzelneu Kapitel sind wieder in Abschnitte gegliedert und in Viesen ist durch am Rande gedruckte Spitzmarken das Auffinden der gesuchten gesetzlichen Bestimmung sehr erleichtert. Warum die tHrbeilerschiitz■ Gesetzgebung im Kapitel Landwirlh« schast, Handel und Gewerbe und nicht dort, ivo mau sie doch zuerst und mit recht suchen muß, unter Sozialer Gesetzgebung behandelt ist, verstehen wir nicht. Dieser Nebenninstand vermindert aber nicht den Werth der fleißigen Arbeit.— u— Krafft, Rudolf, früherer bayerischer Premierlieutenant, Wider I u» k e r t h u m und Pickelhaube! Bilder aus dem neuen Deutschen Reich. Nürnberg 1897. Druck und Verlag von Wörlein u. Ko. Der Verfasser hat sich vor einigen Jahren durch die Veröffent- lichung der Schriften„Glänzendes Elend",„Kaserneuelend" und „Fürnehmer Geist" bekaiint gemacht. Tie vorliegende Broschüre ist von dem Gesichlspunkl aus geschrieben, das„Preußenthum" von seiner schlechten Seite zu zeigen und dadurch der Gefahr der Ver- preiißuug Bayerns entgegenzuwirken. Nicht nur in Berlin, sondern auch in den höheren bayerischen Regionen liebe man das bayerische zur Demokratie neigende Wesen nicht. Grade dies aber wolle sich das bayerisch« Volk erhallen und pflegen. Unter diesem Gesichts- punkt behandelt der Verfasser das preußische Junker- thnm, die Bchandlung der Dienstboten und die Gesinde- Ordnung; er giebt Bilder aus den Gauen östlich der Elbe, Schilde- rungen schlechter Wohuungs- und sittlicher Zustände und glossirt in den letzten Kapiteln preußische Gerichts- und Gefängnißverhällnisse. Das Material zu seinen Anklagen hat der Verfasser durchweg den Tageszeitungen der letzten Zeil, Leitartikeln, Gerichtsverhandlungen und dergleichen entnoinmin, und so kann er dem Leser weniger Neues bieten, als in seinen Schilderungen aus dem Militärleben. Durch die Zusanimenhäufniig krasser Fälle n»d die etwas über- triebe»« Generalisirung erscheint das„Preiißenthum" zudem doch in etivas gar zu schlechtem Licht. Auch sind solche Zustände und Vor- kommnisse ja leinesivegs ans Preußen beschränkt, sondern siuden sich auch andersivo.— Immerhin enthält die Zusaninienstellung für solche, die die sozialdemokratischen Zeitungen des letzte» Jahres nicht gelesen haben, viel interessantes Material. w. Charnay, Maurice, Alrnanach Socialiste illustre pour J898. Quatrierne annee Paris Librairie socialiste. 122 S. 16 0. Unsere der französischen Sprache kundigen Leser werden mit großem Interesse diesen lieiuen von bekannten sranzösischen Partei- aenosse» versaßten Kalender lese», und die der Sprache unseres Nachbarlandes nicht Kundigen werde» sich auch trotz der uiangelhasteu Ausführung über manches Portrait und nianches satirische Bild freuen. b. Politische Ansichtskarten dürften natürlich im Zeilalter deS Postkarten- Sports nicht fehlen. Jetzt sind auch im Verlag von Wartend erg. Franksurt a. M., solche zur Erinnerung an die 1848 er Ereigniffe erschienen. Tie Köpfe von Marx, Jacoby, Blum, Struve, Hecker und Kossulh sind von revoluiionären Episoden- Darstellunge» umrahmt. Wären die Postkarten schön und geschmack- voll hergestellt, so könnte man vielleicht die sinnlose Zusaminenstellung der Personen und Eieignisse verzeihen. Was hat Marx z. B. niil dem Angriff auf die Frankfurter Koustabler- Wache, mit dem Barrikadenkampf in Franksurt und mit der Paulskirche zu thu»? Was Jacoby mit der Hinrichtung Blum's? Was gar die nationale Erhebung Ungarns und Kvssulh's mit den Wiener Märzereignisse»? So aber sind es geschmacklose Farbeutlecksereie», die, wie wir zu Ehren unserer Genossen annehmen, von deren gutem Geschmack zurückgewiesen werden._ x. Eingelaufene Druckschriften. Bon der„llcittu(SUiltfiott, I. H. W. D> e tz' Vertag) ist soeben da» >2. pcsi dt» 16. Aalngang» erschlencn. Sin« dein HnliaU heben wir hervor: Sin Sirdci tiag dc» ttonimuntSmu».— Mas ist ein Kompiointtz? Eine Nachlese zur Dtsliilsion über die piensiilchcn Landlagsivahlcn. Von K. KainSiy.— Ter «rinprcmib b.i den badilchcn Landiaasivahlen. Von WUH Kolb.— Zwei Bücher zur Vlhchoiogte des Weide». Bon Helene Simon.— Zur Prarts de» Sneilbeschlusses Bo» Br. Pocisch.— Tie sächsiichc Taiidstetii-Jndulirte. Bon Hermana Fleifiner.— Literarische Rundschau.— Feuilleton: Der gelbe Domino. Roman von Marcel Prevosl iForisehinig.) ücHtiilig. Bildhauer! Stiii Freitag, den 17. Dezember, vormittags 8 Uhr, verstarb nach kurzeni aber schwerem Leiden, unser treues Mitglied»ud jetziger Vorsitzende, im 26. Lebensjahre, der Bildhauer Carl Schmidt. Seine aufopfernde, nachahmeiiswerthe Thätigkeit verbürgt ihm ein dauerndes Sliideiilc». Die Beerdigung findet am Montag, nachmittags 3 Uhr, vom Krankenhaus Betbanicu(Mariaiuien- platz) aus, nach dem Thomaskirchhof in Ripdorf statt. Um zahlreiche Bc- thciligung bittet Der Borstand deSZentralvercinö der Bildhauer. Ihrem Freunde u. Genossen gratnliren herzlich zum heutigen Wiegeuseste die Genossen der Zahlstelle Wilhelinsberg.[234Sb Aclitmig;! Achtung! Stnckatenre! Montag, den 20.Dezbr., abdS. S UHr, bei BilSkc. Grenadicrstr. 33: Filia!- Versammlung. Wichtige Tagcsordiiiing. Der Bevollmächtigte. Christbanmschmttck für Händler. Billigste Einkaussqnelle. Große Auswahl. Templiucrstr. 6.* l>aiiksagnng. Fiir die vielen Beweise ausrichtiger Theilnahme und die zahlreichen, prachtvollen Kranzspenden bei der Beerdigiuig iiieincs lieben Mannes, unseres Vaters, des Tischlers Karl Klose sagen wir hiennit allen Freunden u. Bekannten, den werthen Chefs u. Kollegen der Firma Krause u. Koriller, den Vcnvalluiigc» G, B, C der Zentral-Kranke»- u. Stcrbekassc der Tischler, dem deutsch. Holzarbeiter Verband, den Genossen des 4. Wahl- kreises und des Wahlvereins unsere» herzlichsten Dank. 23506 Die tranernde Wittwe u. Kinder. __ Achtung!_ zeMl-Kmken- k. Sterbe- ffljjc der Tischler «. anderer gewerblicher Arbeiter. (Verwaltung Berlin B.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß am Weihnachts-Heiligabend keine Bei- träge auf den Zahlstellen cutgege»- genoiiimen werden. Die nächste Zah- lung der Beitröge findet am Svlvcster- abend statt. Die Ortsverwaltung. Verbaud der irer. Bloutag./i tlhr. Andreasstr. 26: WM" Versaimiiluiig'."WW Tages-Ordnung: 1. Welche Vorthcile entsiehcn den Mitglieder», wenn sie 50 Pf. Beitrag zahlen? 2. Wahl. 3. Berschicdciics.— Eröffnung der Bibliothek um 8 Uhr, bis dahin müssen auch die Uraniabillcts zurtiltgcgcben sein, oder sie werden als verkauft betrachtet.— Der Zahltag am 25. Dezember er. fällt aus, dafür werden heute Zlbend von 8 bis 1« tthr in sämmtlichcn Zahl- stellen Beiträge entgegen genommen. 154/12 Der Vorstand. Perlmad der in Buchbindereien, der Papier- und Leder-Gtilmiteriewaaren-Jndustrie beschnft. Arbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands. (Zahlstelle Berlin.) Zlontag, den SO. Bezcmbcr 1807, abends 8>/, Uhr, In l enersteln« Festsftlen, Alte Jakobstr. 75: Mitglieder-Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Die Bedeutung der Bolkswirthschaft für die arbeitenden Klaffe». Referent Kollege B. Jahn. 2, Abrechnungen der Bcr- gnngungö-Koinmission. 3. Verbandsangelegenheiten. 49/5 Um zahlreiches und Pünktliches Erscheinen wird dringend gebeten. Der Bevollnihchtlgte. Aug Weiss- .Günther, und Bairisch-Bierlokal nebst gr. Berciuszimmrr. 33S3L" __ Am 24. und 31. Dezember sind die Zahlstellen geschlossen. Anstalt dessen werden am llontug, den 3. Janaar 1898 sämint- liche Zahlstelle» zur Entgegeiinahmc von Beiträgen geöffnet sein. Diejenigen Mitglieder, welche mit ihren Beiträgen im Rückstände sind, werden ersucht, dieselben in der obigen Bersammlung oder am Montag. den 3. Januar in den Zahlstellen zu begleichen. ZM" Die nächste Mitglieder-Bersammluug findet Montag, den 10. Jannar 1808 statt. Freitag, den 81. Dezember, In Stechert'B Fcstshlen (frUhcr Joel), Andreasstrasse\o. 21: Sylvester-Feier 1=� bestehend in Grossem Yokal- und Instrumenlal-Konzert. — Von 11 Uhr an— Großer Sylvester-Ball. Anfang des Konzerts 81/, Nhr. Eintritt 80 Pf. Btllets find heute in sämmtliche» Zahlstellen, am Montag in der Versammlung, und im Bureau. Annenstr. 30 bis zum 31. d. M. zu haben. Das Comlte. Mechaniker, Uhrmacher itni) vermMe Geiverbe! Sonntag, den 19. Dezember 1807, vormittags von 9 bis 11 Uhr, findet die Wahl der Delcgirte» zur Orts-Kraukeu- kaffe in den Arminhallen, Kommandaiiteiislraße 20, statt. Um de» Mitgliedern des Metallarbeiter- Verbandes Gelegenheit zu geben, ihre Stimme abgebe» zu können(weil am 19. Dezember auch General- versaniinlung ist), ist die Wahl von 9 bis 11 Uhr angesetzt. Da es nun ini Interesse sänimtlichcr Kassenmitglieder liegt, solche Delcgirte zu erhalten, ivelche auch ibre Jiitercficn voll und ganz vertreten, so ist es Pflicht eines jeden, pünktlich zu erscheinen, weil Punkt II Uhr der Wahlakt ge- schloffen wird. 170/18 Der Vertranensmann. Verein der Maschinisten, Keizer nnd Bernfsgenosten Berlins nnd Timgegend. Sonntag, den IS. Dezember, nachmittags 5 Uhr. Orattienstr. 51: IfST Tagesordnung wird in der Versammlung bekannt gemacht. 139/10 Der Vorstand. Für dir englischen Mnschinenbnner gingen folgende Betträge ein: Bautischlerei Werth, Glcdttschstr. 26 6,—. Tischlerelen CourtoiS, Schivedterstr. 258, 6. Rate 4,—. Hoop, Adniiralstr. 16, 3. Rate 3,60. F.?l. Treue, Wienerstr. 44 13,90. Tollkün, Friedenstr. 52 2,-. Möbel- fabrik W. Kümmel, 3. Rate 30,—. Tischlerei Elsholz, Krautstr. 52, Saal 2, 6. Rate 5,40. Gesangverein„Borax" 12,—. Modell- und Fabriktischler aiii 1. Dczbr. durch Bogel 3,60. Möbelfabrik I. C. Pfaff, Zeughofstr. 3, Saal 1, 3. Rate 14,90. Möbelfabrik Groschkus, Gollnowstr. 18/19 außer Werkstatt 3, 7. Rate 17,-. Möbelfabrik Wolter. Büschiugstraße 7. 2. Rate II,—. Klaviaturfabrik Schwols u. Co., Köpntcker- straße 154 a, 3. Rate 11,20. Tischlereien Hellmich, Bergstraße 37 7,55. Walz, Stralsunderstr. 7 3,—. Fabrik F. R., Br»nnenftr. 196 19,—. Sämmtliche Drechsler, Bandsägenschneider mit Werkführer und 2 Schleifer, Berliner Onix- und Marmorfabrik, Ritterstr. 40 4,75. Tischlerei Spohn, Adalbcrtstr. 72, 6. Rate 4,70. Tischlerei Hoop, Adniiralstr. 16, 4. Rate 3,25. Paiil Lehmann's Nachfolger, Adniiralstr. 18 b 11,80. Pianofabrik Otto, Liegliitzerstr. 3 9,—. Pianofabrit Sievert, Urbanstr. 102, 7. Rate 7,10. Möbeltischlerei Kiesling, Waldemarslr. 59 6,35. Pianofabrik Pseisfcr, Wasscrgasse 4 11,35. Gebr. Gcisler, nebst Budiker außer einem 11,20. Tischlerei Mctzer, DreSdenerstr. 2 7,—. Pianofabrik Neilfeld, Boeckhstraße, 2. Rate 5,—. Pianofabrik Schröder, Jerusalemerstraße 4,40. Tischlerei Poock u. Schacht, Waldemarstr. 55, 3. Rate 7,30. Möbelfabrik Fork, Kretschmer u. Komp., Barnimstr. 13, 5. Rate 25,15. Tischlerei Schlepp u. Ritter. Adniiralstr. 18k, 5. Rate 14,05. Pianofabrik Hirschseid, 5. Rate 6,50. Bau- tischlere! Sawatzky, Belle-Alliancestr. 84, 7. Rate 7,10. Drechslerei Wege- leben, Andreasstr. 32, 7. Rate 3 25. Möbelfabrik Seifert u. Wolf, Frucht- straße 36, 4. Rate 17,70. Pianofabrik Herbst, Zoffcncrstr. 10, 4. Rate 10,50. Fraiserei R. A. Roller, außer 3, 2. Rate 4,70. C. Schönemann, Mliller- strahe, 3,90. Pianofabrik, Maybach-User 5, 5,50. Von H. Sch 1— Tischlerei Elsholz, Krautstr. 52, 7. Rate 4,80. Tischlerei Maisch u. Walter' Waldemarstr. 14, 7. Rate 10,—. Tischlerei Peuckert, Elisabethstr. 11 5 80 Tischlerei Courtois, Schwedterstr. 258, 7. Rate 3,60. Simeon u. Comp. Haidcstr. 55/57, 2. Rate 14,25. Holz- und Metallarbeiter, durch Vogel! 5. Rate 4,—. In Summa 394,45 M., bereits quittirt 3370,31 M., Gesamnitsumme 3764,76 M. Weitere Beiträge nimmt entgegen der Arbeitsnachweis für Holzarbeiter Annenstr. 39. ben Julxilt der Inserate iiberiiimint die Nedaktiaii den- Piiblikniii gegenüber keinerlei Aeriiiitwortnng. �hrQtov. Sonnabend, 18. Dezeinber. Opernhaus. Hosterwih. Der Frei- schütz. Anfang 7>/2 Uhr. Schauspielhaus. Der G'wisscns- wurm. Anfang 8 Uhr. ibentsches. Mädchenttaum. Anfang 7V, Uhr. Berliner. In Behandlung. Anfang ?>/, Uhr. Nachm. 3 Uhr: Dornröschen. Goethe. DaS Saus des Majors. Ansang 7'/, Uhr. Nachm. 3 Uhr: Aschenbrödel. Pienes. Die Logenbrüder. Anfang _ 7t/, Uhr. Schiller. Die wilde Jagd. Anfang 8 Uhr. Nachm. 4 Uhr: Der verwunschene Prinz. Beile-Alliauee. Die Grille. Anfang 3 Uhr. Nachm. 3 Uhr: Weihnachtszauber. Lesslug. Hans Hntiebein. Anfang 7»/, Uhr. Residenz. Kurprieo du Divorco (Madame Bonivard). Anfang ?'/. Uhr. Unter deu Linde». Pariser Leben. Anfang 7Vj Uhr. Central. Berliner Fahrten. Anfang 71/2 Uhr. lAhalia. Bitte recht freundlich. Hierauf Berlin über Alles. Anfang 7>/, Uhr. Luisen. Fröhliche Weihnacht! An- fang 8 Uhr. Friedrich- WilhelnistndtischeS. Tor Sonnenaufgang. Ansang 8 Uhr. Ostend. Leben und Lieben. An- fang 3 Uhr. Alexanderplatz. Die Verführerin. Anfang 3 Uhr. Urania. Dandeuftratze 48-4S. Naturkundl. Ausstellung v. 10 Uhr vormittags ab. Abends 8 Uhr Wissenschaftl. Theater. Jnvalidenftrafse S7/0S. Täglich (außer Sonntags und Mittwochs) abends 8 Uhr: Wiffenschasiltche Vorträge. Reichshallen. Spezialitäten. An- sang 7t/z Uhr. American. Spezialitäten. Anfang 8 Uhr. Apollo. Spezialitäten. Ans. 7'/, Uhr. Feen-Palaft. Spezialitäten. Passage> Panoptikum. Wiener Tanz- und Operetten-Gesellschaft. (Wallner-Thcater). Sonnabend, nachm. 4 Uhr: Kinder- Vorstellung: Der verwunschene Prinz.— Abends 8 Uhr: Die wilde Jagd. Sonntag, nachm. 3 Uhr: 7. Borstellung im Schiller-ZhkluS: Wilhelm Dell. Abends 8 Uhr: Nyritz- Pyritz. Montag, abendS 8 Uhr: Die wilde Jagd. Ostettd-Theater. Gr. grankfnrlerstr.löL. Dir.«.Weih. Zum 24. Male: Lebe» und Lieben. VolkSstück mit Gesang in ö Alten von O. Klein. Musik von G. Wando. Ans. 8 Uhr. Im Tunnel von 7 Uhr ab: — Frei-Konzert.— Sonntag, zum 1. Male: Christinchen. Weihnachtsmärchen mit Besang in 6 Bildern von M. Günther. Musik von C. Mengewein. Anfang 8 Uhr. Jeder Besucher dieser Märchen-Aus- führungen hat das Recht, ein Kind frei mitzubringen._ Gentral-Theater Alte Jakobstr. 80. Direktion Kichanl So.IiuU». Sonnabend, den 18. Dezember 1897, £nill Thomas a. G. Zum 105. Male: Berliner Fahrfen. vurleSke AuSstattungspofse mit Gesaug und Tanz in 6 Bildern von Julius Freund und Wilhelm Mannstädt. Musik von Jul. EinödShoser. Anfang t/,8 Uhr. Morgen und folgende Tage: ver- liner Fahrten.__ Lnisen- Theater 34. Reichenbergerstrahe 34. AbendS 8 Uhr: Whllcht Weihnacht. Zaubermärcheu mit Musik in 5 Bildern von L. Ottomeyer. Musik von F r i tz K r a u s e. Sonntag: Fröhliche Weihnacht. Anfang 7 Uhr. Kinder in Begleitung Erwachsener zahlen halbe Preise. (1. Parquet 80 Pf.) Direkte Verbindung mit dem Theater: Eleltr. Bahn: Dönhoffplatz-Neichen bergerstrahe in 40 Minuten. Ntden Sie nicht.» ich weiß, was Tie sage» wolle». Sie wollen sagen: In Vgiiklsvlll«-Thotter, yUdlg Gr.- Hotel Alexanderpl. haben die 1. Lrigiilal-Vüdllpester mit ihren Original- Novitäten Das Modell von Leonhardy Haskel, Das Armband von M. Müller, einen Hauptkeffer gemacht. Urania Tanbenstraaae 48—49. Naturkundl. Ausstellung täglich geöffnet von 10 Uhr vorm. ab. Eintritt 50 Pf.— Abends 8 Uhr; Wissenschaftl. Theater. InvalldenstrasseSio. 57/62: Täglich(ausser Sonntass und Mittwochs) abds. 8 Uhr: Wissenschaftliche Vorträge. Näheres die Tagesanschläge! Passage-Panopücum. Wiener Tanz- und Operetten- Gesellschaft. Zum Schluß: lllusMes m.Gesang u.Tanz F8™ Casian's" Panopticum. 1• Friednchstr. 165. Indiach- hindusta- nische Gaukler — und— Schlange n- BeschwOrer. Das BÄREN WEIB. N lebrüder Berrnfeld'si I. Original- lüVB u d a p e s t er-�s Possen- u. Operetten- Theater Kaufmann� Yartttä. Heute Anfang 8 Uhr. Gewöhnliche Preise. Ein Abend im Wintergarten und die unvergleichliche Situationskomödie Im Atelier. Hauptrollen: Anton und Donat Herrnfeld. Ausserdem die Virtuosen des Humors Georg RUsser, William SchUff, Geschwister Heinhold. Die neueste Sehens- u. Hörenswürdigkeit, das Unikum von Humoristen-Wettstreit zwischen Dr. Stelnitz und William Schllff. Morgen: Dieselbe Vorstellung, Concertiiaus liCipKigerstr.Xe.48. Täglich:"WG »cftmann'a Quartett und Rnmorislen. ««ftmiiirfia Alle fünf Barrlsons. Zum 247. Male: Vone. liebe L�ene. Reichshallen- Theater. Leipzigerstrasse 77. Das grossartige Monstre-Programm 1 Die drollig. Musik-Phantasten Gactano-Olloins. Der brillante Imitator und Original-Humorist Bacchus.1»< ob y. Der Berliner Liebling Heia nie Robertl. Das unerreichte Franklin- Quartett. 26 Kunstkräfte 1. Hanges und der Excelslor-Hflmograph. Anfang des Konzerts 71/2 Uhr, der Vorstellung 8 Uhr. MM- Entree 56 Pf.-ML Im Eeichshallen-Tunnel: Heute: Fideler Abend mit Blllltttr-Konizert, Gratis- Präsentvertheilnng, Stangenklettem, Verloosung u. s. w. Maehr'sTheater Ornnlenstrassc 24. w Täglich Theater- u.«pcalailtUten- Vorstcllnng- Neu! Ein toller Abend. Neu! Neu! Ein Fehltritt. Neu! Charakterbild. . Wochentags 8 Uhr. i?tll|(tl(jj. So»» tags 6 Uhr. Preise wie gewöhnlich. Vom 10. bis inll. 24. Dezember bleibt das Theater �esdiloffen. Ä IsQSI»-Pal»st 32 Burgwtr. 22. Dir.: Wlnkier«t Fr üb ei. Sonntag, den 10. Dezember: Letzte Vorstellung vor Weihnachten. Austreten des gesammten Hünstler- Personal» in den besten Glanznummer». Um 8'/, Uhr die ersotgr. Poffe Eine nette Weihnachts- bescheernng. Lebende Photographien»e. Anfang Uhr. Entree 30 Pf. Am zweiten WeihnachtSseptag mittags 12 Uhr: Extra- Fest- Hatlu�e des gesammten Künstler-Personals unter Mitwirlung von Wilhelm Fröbei llss kestllursut Steglitz, Sehloss-Str. 74 vermiethen wir sofort unter günstigtnBedingmtgen. Böhmisches Brauhaus, Berlin. 8/'* Landsberger Allee 11—16. Volks- Tli eater Im Welt-Restanrant 97. Dresden er-Slra he 97. Mit vollen Segeln. Lebensbild in 3 Abth. von H. Schulz. Hauptrollen: August Schneehuhn: Rudolf Schauß. Wilhelm Schneehuhn: Otio Mendt. Marie: Ella Richter. Die kleinste Contorfioliistin der Welt svLittle Elsa.-w Im vorderen Saale: Tyroler Sänger Alois Ebner. Wtlfrtltir Sonntags 6 Uhr. 21 Ii! null. Wochentags 7'/- Uhr. W. Noack's Theater Itruiinen-Ktrasse 16. Täglich: Weihnachts wünsche oder: Ein Traum in der Chriftnacht. Weihnachtsmärchen mit Gelang in 3 Akten von Jacobson u. Gimbt. Jeden Sonntag und Donnerstag nach der Vorstellung: T a» z k r ä» z ch e». Apollo-Tbeater. Desroches-Bianca Otto Reutter Carmen Faur F» Foy's Feuer- n.Flainmentanz ferner: 32 Kunstkräfte 1. Ranges. Kasseneröfihung 6V2 Uhr. Anfang 7V- Uhr. KhnaHCsPt' Sanssouci »ottbnser Sltraste Nr. 4 a. Dir. H. Plerrtz. Artistischer Leiter Jos. Rschinger. vollen Segeln. Lebensbild mit Musik in 3 Abtheil. von H. Schulz. Gr.«pezialitäten.Programm. Anfang des Konzerts: Wochent. 7 Uhr, Sonntags 5 Uhr. Anfang der Vorstellung: Wochent. 8 Uhr, Sonntags ö Uhr. Wochentags 30 Pf. 61111"» Sonntags 50 Pf. Wochent. Passe-partout« giltig. Voranzeige. Sonntag, den 19. Dezember: DM- Letzte Vorstellung-MM »0« Weihnachten. Freitag, den 31. Dezember: Grosser Schester-Mlen-Ball. Deutscher Holzarbeiter- Verband. (Zahlstelle Berlin.) Montag, den 27. Dezember(3. Weihnachtsfeiertag), bei Keller, Koppenstr. 29 Weihnachtsfeier,«(fÄÄW Grosses Konzert ausgeführt vom„Neuen Berliner Konzert-Orchester" unter Leitung des Kavellmeisters Rud, Uetz. Auftreten des Herrn Windisch-Horst von den Norddeutsche» Sängern. aus dem Französischen unter Mit- bedeutender hiesiger Bühnenkräste. Leitung Herr Panl Friedrichs. ©iwjfcv Vnll."TW3 Herren zahlen 50 Pf. nach. Anfang präzise 4 Uhr. Jedes Kind erhält ein LooS am Eingang gratis. Anlang präzise 4 Uhr. Billets k 30 Pf. sind heute, Sonnabend, auf allen Zahlstellen des Verbandes zu haben. 272/16 Bas Koiuitee. Verlobung bei der Laterne. S?, Leitung Herr Paul Frledrlcl Grofte Matinee 1 am Sonntag, den 19. Dezember, mittags 11'/, Uhr, In Keller'« Festsaien, Koppenstr. 20, !itm Mkn der engl. Walchinciibaucr. veranstaltet von der Er. Vereinigung d.?ivjl-Derufsmus!ker Berlins u.Umg. ausgeführt von einer ca. 59 Bann starken Kapelle unter Leitung des Herrn Gartmann, unter gütiger Mitwirlung des Kumiuer'sehen Quartetts(Dirigent: Herr Rud. Kummer) und dcS Gefangshmnoristen Herrn Oskar Radtke. Zur Aufführung gelangen u.a.: Ouvertüren Freischiit» von C. M. v. Weber, Robespierre von Littolff: Spielmannslied von Wcidt für Violin-Solo, Bariton-Soio, Männerchor und Pianoforte- Begleitung; Trausslription über das Lied:„Ronimt ein Vogel geflogen" von S. Ochs; Vchwlegervater u. Schwiegersohn, komische Szene. Billets a 25 Pf. sind in den mit Plakaten belegten Hand- lungen zu haben. Des guten Zweckes wegen wird zahlreicher Besuch erwartet 60/11 Der Vorstand. Alcazar Varists- Theater I. Hanges. Dresdenerstrahe 52/53(Cich-Paffage) Anneiistrah« 42/43. Direltio» Richard W t» I l e r. Bonlehmster Familieu- Aufeulhalt. Neu! Novität! Neu! Roseu aus dem 8Uden. Grohe Ausstattuugs- Posse in 1 Akt von W. Göricke.— Borher: Elue nette Bescheerung. Lustspiel in 1 Alt von L. Angely. Auftreten sämmtlicher»«»st-Dpczialttätcu. Ulltällä« Wochentags 8 Uhr. »Ilslllig. Somiiags 6'/, Uhr. Entree 30 Pf. Zieservirt. Platz 50 Pf. Vorzugskarten haben Giltigkeit. Sonntag, den 19. Dezeinber 1897: KM- Letzte Vorstellung vor Weihnachten. Cli'cus Buscli (Bnlinhor Börse). Sonnabend. 18. Dezember 1897, abends 7'/, Uhr: Gr. Parade-Glllll-Lcrsttllnng Vor einem Tentcnnium. Die 8 Ungarn mit ihren Vollblut- Springpferden. U. a. a) Der Vollblut-Wallach Scivsi, Sprung über eine 7 Fuß hohe Barriere mit Reiter, b) Der Sprung des Boll- blutpfcrdes La Folie über einen Lau- daner mit Insassen, c) Der berühmte Sandorsprung über drei grobe Pferde. Austreten der Gebrüder Haste. Eon- versano II, echt Lippizancr Schimmel- Hengst, dressirt u. geritten von Herrn Fomtit-Burghardt. Auftreten der be- rühmten Schulreiterin Maria Dorö auf dem ostpr. Hengst ANegator. Die vorzüglichsten Freiheitsdreflurcn des Dir. Busch. Austreten des berühmten Clown Engen Veldemann. Die Eliie-Alrobatcn Gebr. Borghctti. Zum Schluß die letzten drei Alte aus der Pantomime Nach Sibirien. Morgen: 2 große Vorstellungen, nachm. 4 Uhr und abends 7'/, Uhr. I'sppivk« mit kleinen Webefehlern, Sopha- und Salongröße, 5, 6, 8, 10. 12-100 M. Läuferstoffe 40, 50, «0. 70-150 Pf. kurcHueu. Portieren, Tischdecke». Steppdecken. Bett-Vorleger zu erstaunlich billigen Preisen. A. Michaelis. | Berlin, Friedrichstratze Nr. 7. Künstliche Zähne. F. Stessens. 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