Nr. 4 Die Gleichheit 15. Jahrgang eeee Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen eeeROLERO Die„ Gleichheit" erscheint alle vierzehn Tage einmal. Preis der Nummer 10 Pfennig, durch die Post viertelfährlich ohne Bestellgeld 55 Pfennig; unter Kreuzband 85 Pfennig. Jahres- Abonnement 2,60 Mart. Stuttgart den 22. Februar 1905 Zuschriften an die Redaktion der„ Gleichheit" find zu richten an Frau Klara Zeffin( 3undel), Wilhelmshöhe, Post Degerloch bei Stuttgart. Die Expedition befindet sich in Stuttgart, Furtbach- Straße 12. Gedenket der Bergarbeiter im Ruhrrevier und ihrer Familien! Ruhrrevier. der Arbeiterinnen. Quittung. Feuilleton: Weggedanken. Von Otto Krille. Der Zollwucher. Inhalt: Der Zollwucher.- Die weibliche Gewerbeaufsicht im Deutschen pro Doppelzentner Lebendgewicht für Ochsen, Kühe, beiterfrauen in ihren Interessen schwer benachteiligt. Wie Reich. II. Von E. Burm.- Der Kampf der Bergarbeiter im Jungvieh, Kälber und Schafe, während sie jetzt von jene, so müssen auch sie mit winzigerem Gelde hausAus der Bewegung: Von der Agitation. Von den Organisationen. Die Haltung der Frauen beim Bergarbeiter- 2 Mark bis 4 Mark 50 Pfennig betragen. Von 3 Mark halten, wenn der Mann weniger heimbringt oder gar Streit. Jahresbericht der Vertrauensperson der Genossinnen von 33 Pfennig auf 9 Mark steigt der Zollsatz für Schweine, brotlos auf dem Pflaster liegt. Dresden- Land. Um den Zehnstundentag. Von Luise Ziets. deren Fleisch für die Ernährung der weniger Bemittelten Verteuerung der wichtigsten Lebensbedingungen auf Politische Rundschau. Von G. L.- Genossenschaftliche Rundschau. besonders in Betracht kommt. Frisches und gekühltes der einen Seite, Verschlechterung der Arbeitsgelegenheit Bon Simon Katzenstein. Notizenteil: Soziale Gesetzgebung. Fleisch soll fortan einen Zoll von 27 statt von 15 bis und Sinken des Verdienstes auf der anderen, das sind Gewerkschaftliche Arbeiterinnenorganisation.- Arbeitsbedingungen 17 Mart tragen, frische und gesalzene Butter, ebenso die furchtbaren Plagen, welche der Zollwucher gegen das Freiheit. Von John wie Margarine einen solchen von 20 statt von 16 Mart. Proletariat entfesselt. In ihrem Gefolge wälzt sich eine Hay.( Gedicht.) Gedanken. Von Fröhlich- Essen. Das Anziehen der Preise auf Fleisch, Speck, Wurst usw., schwellende Sorgenflut heran, schreitet Darben und das die unvermeidliche Folge dieser Zollerhöhungen ist, Hungern, der erzwungene Verzicht auf die bescheidene muß Arbeiterfamilien und ledige Arbeiterinnen schwer Behaglichkeit im Heim, ja auf eine gesunde Wohnung, treffen. Die weitaus meisten werden gezwungen sein, auf den Genuß der und jener Bildungsmöglichkeit. Mit In diesen Tagen ist der deutsche Reichstag drauf und ihren Verbrauch einzuschränken, bei ihrer Ernährung zu der Verschlechterung der Lebenshaltung aber sinkt die dran, die Rute des Bollwuchers fertig zu binden, welche fnapsen und zu sparen, weniger Fleisch oder minder- Leistungsfähigkeit, leidet die Gesundheit, die Lebenskraft, die Massen des werftätigen Volkes streichen wird, daß wertiges Fleisch auf den Tisch zu bringen, das Brot treibt die bitterste Not nur zu oft dem Verbrechen, der ihnen Hören und Sehen vergeht. Er berät über die ohne Butter zu verzehren, ja sogar den Verbrauch von Prostitution in die Arme. Handelsverträge, welche die deutsche Regierung mit Ruß- Margarine herabzusetzen. Und die deutschen Proletarier Die Schlotjunker, welche mit den Krautjunkern zuland, Österreich- Ungarn, der Schweiz, Belgien, Rumänien konsumieren nach dem gewiß unverdächtigen Zeugnis des sammen unter dem Segen der Regierung und des frommen und Serbien vereinbart hat. Die ihm vorgelegten Tarif- gut bürgerlichen Dr. Goldstein schon jetzt im Jahres- Zentrums den infamen Pack zur Auspowerung der festsetzungen schlagen fast durchweg einem der wichtigsten durchschnitt pro Kopf 32,5 Kilogramm Fleisch zu wenig, Massen geschlossen haben, werden ihrerseits nicht unter Ziele ins Gesicht, die Handelsverträge von industriell nämlich nur 40 Kilogramm statt 72,5! den Folgen leiden. Die Verteuerung der Lebensmittel entwickelten Staaten wie Deutschland verfolgen müssen. Und wie liegen die Dinge betreffs der Industriezölle? ficht Leute nicht an, deren Haushaltungskosten sich nach Sie erleichtern nicht die Einfuhr deutscher Industriewaren Diese werden insbesondere die Erzeugnisse der Eisen-, Tausenden, oft nach Zehntausenden beziffern. Und für in die Vertragsländer, sie erweitern nicht den Markt, Stahl- und Maschinenindustrie stärker belasten, ebenso den schwindenden Absatz ihrer Waren im Ausland werden den diese dort suchen müssen, umgekehrt: sie werden eine chemische Produkte, Leder-, Papier- und Textilwaren. die Herren dadurch entschädigt, daß die Wucherzölle sie Erschwerung und Einschränkung des deutschen Absatzes Der Handelsvertrag mit Rußland setzt zum Beispiel für von der Konkurrenz ausländischer Fabrikate befreien und im Ausland herbeiführen. Gußeisenfabrikate und bessere Stahlwaren fast durch ihnen damit die inländischen Verbraucher zum Weißbluten Das scheint Wahnsinn, und ist es auch, angesichts der gehends doppelt so hohe Bölle fest, als jetzt gelten. Eine überliefern. Schließlich werden sie in echt patriotischer ausschlaggebenden Rolle, welche Industrie und Handel noch größere Steigerung erfahren die Zölle auf Maschinen, Gesinnung in noch größerem Maßstabe üben, was sie für die Existenz der breitesten Bevölkerungsschichten in elektrische Apparate und chemische Produkte, für die seither schon ausgiebig getan: mittels Filialen im AusDeutschland spielen. Nichtsdestoweniger wird es harte letzteren beträgt sie 75 bis 100 Prozent. Schwer wird land über die Zollschranken hinwegsetzen. Es ist beWirklichkeit werden. Die unstillbare Raffgier der Junker- die Einfuhr deutscher Holzwaren durch ein Hinaufschrauben zeichnend, daß die Erhöhungen der Zollsätze gerade für sippe und der ihr wesensgleichen Industriefürsten hat es der Zollsätze um 10 bis 25 Prozent getroffen, die des Industrien vorgesehen sind, welche in hoher Blüte stehen so gewollt, und ihrem Willen wird Regierung und die Wollgarns durch eine Steigerung um 10 bis 15 Prozent. und deren Unternehmertum in Ringen und Trusts zur großen bürgerlichen Parteien untertan. Nur um den Die neuen Tarifverträge mit Österreich- Ungarn lassen Ausplünderung der Konsumenten und Niederknüppelung Preis hoher Zölle auf viele industrielle Erzeugnisse waren zwar die Zölle auf Roh- und Halbfabrikate der Eisen- der Arbeiter organisiert ist und über eine kolossale wirtvom Auslande die Wuchersätze auf landwirtschaftliche industrie im großen ganzen unberührt, jedoch erhöhen schaftliche wie politische Macht verfügt. Produkte, vor allem auf Getreide, zu erlangen, welche sie die Zölle auf Fertigprodukte, und zwar einzelne davon Sowohl die industriellen wie die agrarischen Zollsätze den Säckel der agrarischen Nimmersatte füllen sollen. um 20 bis 40 Prozent. Am härtesten belasten sie die der Handelsverträge tragen das Brandmal einer gemeinWarum aber die Eisen- und Textilgewaltigen zu dem chemische Industrie, jedoch wird auch manchen Textil, gefährlichen Begünstigung der Großen zum Nachteil der Schacher Ja und Amen fagten, das ist weiter unten zu lesen. Leder- und Papierwaren, die starken Absatz jenseits der Kleinen und Kleinsten. Trotzdem ist nicht zu zweifeln, Die räuberisch in die Höhe geschraubten landwirtschaft schwarzgelben Grenzpfähle hatten, ein hoher Zoll auf daß der Reichstag sie gutheißen wird. Zwar haben am lichen Zölle, besonders diejenigen auf Brotgetreide, gebürdet. Der Schweiz hat die deutsche Regierung be- 16. Juni 1903 die drei Millionen sozialdemokratischer Vieh usw. bilden das Rückgrat der Tarifabmachungen, sonders beträchtliche Erhöhungen der Zölle auf Konfektions- Stimmen ein klipp und klares Verdammungsurteil über auf denen sich die Handelsverträge aufbauen. Diese waren und Maschinen, auf Hanf-, Flachs-, Baumwoll- den Zollwucher ausgesprochen. Allein dank der WahlZölle sind ihrem Wesen nach eine schamlose Steuer auf und Jutegewebe zugestehen müssen. freisgeometrie und der Jämmerlichkeit des bürgerlichen den Hunger der kleinen Leute, denn sie belasten und Die deutsche Industrie setzte unter den geltenden Zoll- Liberalismus ist nichtsdestoweniger eine Majorität von verteuern künstlich die unentbehrlichsten Lebensbedürfnisse. fäßen einen guten Teil Produkte in den genannten Zollräubern in den Reichstag zurückgekehrt. Wäre es Der Zoll auf den Doppelzentner Roggen und Weizen Staaten ab. Es liegt auf der Hand, daß ihr Markt nach ihres Herzens Wünschen gegangen, die Handelswird von 3 Mark 50 Pfennig auf 5, bezw. 5 Mark daselbst sich verengen wird, wenn die neuen Tarife die verträge würden im Nu im Parlament durchgepeischt 50 Pfennig hinaufgesetzt; der Hafer, der zur Fabrikation Preise der Waren in die Höhe treiben. Ja mehr noch: worden sein, ohne ausgiebige Debatten, welche es der so vieler Suppeneinlagen dient, wird mit 5 Mark, um die Schutzzölle werden manche industrielle Erzeugnisse Sozialdemokratie erlauben, die Beutepolitik der agrarischen 2 Mart 20 Pfennig höher belastet als bisher. Der Mehl- Deutschlands für immer von ausländischen Märkten ver- und industriellen Schnapphähne zu kennzeichnen und in zoll soll von 7 Mart 30 Pfennig auf 10 und 20 Mark drängen helfen, indem sie die Entwicklung der Industrie ihrer tiefen Gemeinschädlichkeit den Massen zum Besteigen; Teigwaren, wie Nudeln, Maffaroni usw., werden in den betreffenden Staaten fördern. Ganz besonders wußtsein zu bringen. fünftig einen um 2 Mark höheren Zollsatz zu tragen kommen für Rußland die hohen Industriezölle als Mittel Die Regierung, welche als die gehorsamste Dienerin haben. Für frische Kartoffeln, die jetzt zollfrei eingehen, in Betracht, dem jungen, aufstrebenden Kapitalismus die der Kardorff& Co. amtiert, ist ihrer Sache in diesem ist in der Zeit vom 15. Februar bis 31. Juli ein Zoll gefährliche deutsche Konkurrenz vom Leibe zu halten und Reichstag so sicher, daß ihre Bülow und Posadowsky von 1 Mark vorgesehen, für Weiß- und Rotkohl wie ihn durch hohe Warenpreise zur Entfaltung der Kräfte nicht einmal den Schein einer ernsten Begründung der Wirsing ein solcher von 2 Mark 50 Pfennig. Es ist des Wirtschaftslebens anzureizen. Wucherzölle für nötig erachteten. Das Gerede dieser Aucheine hundertmal erhärtete Tatsache, daß der Verbrauch Was bedeutet es aber, wenn der Absatz deutscher staatsmänner erhob sich nicht über die hundertmal wiedervon Brot, Mehl, Teigwaren usw. gerade in den Familien Industriewaren im Auslande stockt, zurückgeht, aufhört? gefäuten Gemeinplätze, welche irgendein Duzendagitator am stärksten ist, die nicht mit irdischen Gütern, aber Nicht mehr und nicht weniger, als daß Tausende, Zehn- vom Bunde der Landwirte in Posemuckel vorzutragen meist mit vielen Kindern gesegnet sind. Auch die Ar- tausende der Arbeitsgelegenheit, des Brotes verlustig pflegt. Konservative und Zentrümler vermochten unter beiterinnen verbrauchen mehr Brot als etwa die Dirnen, gehen, daß andere Behntausende sich mit geringerem, ihrem schwach bemäkelnden Seufzen, nicht mehr Beute welche große Herren so oft zur Pflege des Familien- unregelmäßigem und unsicherem Verdienst begnügen für ihre Auftraggeber gesichert zu haben, kaum ihre lebens" aushalten. Die ausländische Kartoffel aber hat müssen. Unter denen aber, die dieses furchtbare Los Freude zu verbergen, so viel in die Scheunen der Zolllängst aufgehört, ein Luxusgericht für den Tisch der bedroht, befinden sich große Scharen von Arbeiterinnen, räuber einzuheimsen. Die Nationalliberalen jauchzten Reichen zu sein. Als Zugemüse wird sie in den letzten deren kärglicher und schwankender Lohn ohnehin schon begeisterte Zustimmung zu den Handelsverträgen, wie zu Frühlings- und ersten Sommermonaten auch in den be- gen Himmel schreit. Man erinnere sich, daß in der allem, was dem Volkswohl zuwiderläuft. Neben der scheidenen Haushaltungen verbraucht, denn die alte heimische Konfettions- und Textilindustrie vor allem Frauen fronden Sozialdemokratie trat der Freisinn mit scharfer Kritik als Erdfrucht ist dann ohne Geschmack und Nährwert, und und leiden, daß in der Papier, Leder- und chemischen Gegner der Zollerhöhungen auf den Plan. Er kann andere Gemüse sind meist teuer. Industrie die weibliche Arbeit stark vertreten ist! Und damit weder ungeschehen noch auch uns vergessen machen, wie die Arbeiterinnen, so werden durch das Schwinden daß er es gewesen ist, der durch seinen schändlichen Verrat oder die Verschlechterung der Arbeitsgelegenheit die Ar- seinerzeit den Zollräubern in den Sattel geholfen hat. " 1 Ganz bedeutend, zum Teil um das Drei- und Vierfache, sollen die Zollsätze auf Vieh erhöht werden, auf 8 Mark 20 Die Gleichheit Nr. 4 Ebensowenig kann er mit seiner Kritik an Einzelheiten des Zollwuchcrwerkes darüber hinwegtäuschen, daß ein Teil seiner Parteigänger für das ganze Schandwerk stimmen wird. Im Parlament ist das Schicksal der Handelsverträge entschieden und damit der Sieg der Zollwucherer abgeschlossen. Außerhalb des Parlaments wird die Sozialdemokratie durch aufklärende Agitation dafür sorgen, daß eines der ungeheuerlichsten Verbrechen gegen die Wohlfahrt der Massen nicht ungesühnt bleibt. Der Zollwuchcr sät Drachenzähne von Leiden für die Werktätigen, und gerüstete Kämpfer und Kämpserinncn gegen die soziale und politische Ordnung des Zollwuchers, der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen werden daraus erstehen. Der Zollwucher hat gesiegt, seine Ordnung aber wird unterliegen. Die weibliche Gewerbeaufsicht im Deutschen Reich. Von Emanuel Wurm. II. Preußen. In der Rangordnung der Bundesstaaten steht es zwar an der Spitze, bei der Durchführung der Gewerbeaufsicht bleibt es aber weit hinter vielen kleineren zurück. So auch bei der weiblichen Gewerbeaufsicht. Von den zwei Aufsichtsbezirken, in denen Assistentinnen angestellt sind, glänzt der größte, Berlin, durch völliges Schweigen! Der Bericht des Gewerberats Hartmann bringt nicht eine Silbe über die Tätigkeit der drei Assistentinnen, die in Berlin, Charlottenburg, Schöneberg und Rixdorf tätig sind. Es ist dies um so auffallender, als derselbe Gewerberat im vorhergehenden Jahre über dieselben Assistentinnen(Fräulein Kümmert, Reichert, Conradt) berichtet, daß ihrer Tätigkeit von den Arbeiterinnen großes Interesse entgegengebracht werde, man ihnen mit viel Vertrauen begegne und sie auch bei den Unternehmern sich Achtung erworben haben. Im Bericht für 1902 hatten sie auch an der Hand reichlichen Materials, das sie selbst gesammelt, sehr beachtenswerte Angaben über die Lebenshaltung der Arbeiterinnen gemacht. Aus dem zweiten preußischen Bezirk, in dem eine Assistentin angestellt ist, aus M.-Gladbach, teilt der Gewerberat Theobald-Düsseldorf Erfreuliches mit. Die„eifrigen Bemühungen" des Fräulein Schlösser fanden bei den Arbeiterinnen wachsende Anerkennung; sie besuchte fast sämtliche in M.-Gladbach vorhandenen Betriebe, in denen Frauen und jugendliche Arbeiter beschäftigt wurden. Eingehende Mitteilungen macht sie aber nicht. Bayern. Die im Jahre 189S angestellten Funktionärinnen(Bernatz und Gundelsinger)— neben den hessischen die ersten weiblichen Aufsichtsbeamten— waren im Jahre 1900 zu Assistentinnen ernannt worden. Ihre Revisionen erstreckten sich nicht nur auf Fabriken mit Arbeiterinnen und jugendlichen Arbeitern, sondern auch auf die Hausindustrie, die, wie der im vorigen Soinmer verstorbene Zentralinspcktor Karl Poellath hervorhebt, erst seit ihrer Anstellung in eingehender Weise berücksichtigt werden konnte. Die Anstellung noch eines weiblichen Assistenten wurde beim Landtag beantragt. Die Sprechstunden der Assistentinnen wurden von den Arbeiterinnen wenig benutzt. Zutreffend urteilt hierüber die Assistentin in der Pfalz, dies sei verursacht durch die„Scheu des weiblichen Geschlechtes, ohne ganz besonderen Grund amtliche Personen mit Anliegen in Anspruch zu nehmen oder aus der gewöhnlichen Zurückhaltung hervorzutreten". Der Zentralinspektor bemerkt, daß„die Assistentinnen nur in dem Maße eine ersprießliche Wirksamkeit entfalten können, als das Verständnis und Interesse der Arbeiterinnen an dem Institut der weiblichen Gewerbeaufsicht wächst". Aber dieses Interesse kommt nicht nur dadurch zum Ausdruck, daß die Arbeiterin persönlich ihre Klagen bei der Beamtin vorbringt, sondern daß sie sie überhaupt vorbringt und nicht, wie dies ja leider im überwiegenden Maße der Fall ist, mehr noch wie der Mann, stumpf und dumpf, ohne zu klagen und doch dabei furchtbar leidend alle Unbill erträgt, die ihr die Rücksichtslosigkeit der Profitgier zumutet. Manche Gewerbeaufsichtsbeamte bettachten es als eine Zurücksetzung— früher fast alle—, daß sich die Arbeiter nur durch ihre Vertrauenspersonen an sie wendeten. Allmählich haben die Beamten aber eingesehen, daß ihnen auf diese Weise die Erfüllung ihrer Aufgaben wesentlich erleichtert, ja zum großen Teile erst möglich gemacht wird, da sie ohne jene Vermittlung nichts erfahren würden. Ohne die Mithilfe der Arbeiter wird die Gewerbeaufsicht niemals das in Erfahrung bringen, was für sie am wichtigsten ist oder sein soll. Nicht eine vorübergehende Inspektion kann Aufschluß über die Arbeitsverhältnisse geben, sondern nur der dauernde Aufenthalt in den Arbeitsräumen, die dauernde Beschäftigung mit den Arbeitern und Maschinen. Die bayerischen Assistentinnen haben 11S6 Revisionen vorgenommen und dabei 652 fabrikmäßige, 342 handwerksmäßige und 162 hausindustrielle Betriebe besichtigt. Außer Hütten, Salinen, Torfgräbereien und Bauten wurden sämtliche Gruppen der Gewerbeaufsicht in die Revision einbezogen; von den Fabriken mit ausschließlich oder vorwiegend weiblicher Arbeiterschaft gelangten 46,8 Prozent zur Revision. In einer von der Wortkargheit des preußischen Berichtes und— man muß leider sagen— der Tatenlosigkeit der preußischen Assistentinnen wohltuend abstechenden Reich haltigkeit und Ausführlichkeit wissen die bayerischen Spezialberichte von dem großen Arbeitsgebiet wie von den zahb reichen Revisionen der bayerischen Assistentinnen zu melden. Ausdrücklich hebt der Bericht aus Oberbayern noch hervor: „Seitens der Arbeiterinnen findet die Assistentin bereit williges Entgegenkommen, so daß ihr eine ersprießliche Tätigkeit möglich wird." Das gleiche meldet Niederbayern. Ein Unternehmer aber geriet durch das Erscheinen der Beamtin„in gereizte Stimmung" und machte die Revistons- vornahme unmöglich; er erhielt dafür sieben Tage Gefängnis und 40 Mark Geldstrafe. Bei Besichtigung hausindustrieller Betriebe stellte Fräulein Bernatz fest, daß die Anfertigung von Rosenkränzen den Frauen einen täglichen Verdienst von k<> bis 73 Pfennigen bringt! Die Arbeitgeber dieser frommen Industrie zahlen dabei nicht einmal die Versicherungsbeiträge für ihre Arbeiteiterinnen! In der zweiten Gruppe der bayerischen Aufsichtsbezirke ist Frau Gundelsinger Assistentin. Das industtiereiche Nürnberg nahm den größten Teil ihrer Tätigkeit in Anspruch, so daß Gewerberat Kröller klagt, die Assistentin sei überlastet. Ihre Aufnahme bei den Arbeiterinnen war„zu nehmend vertraulicher". Ganz besondere Aufmerksamkeit widmete sie in Unterfranken„den Einrichtungen auf dem Gebiet der sozialen Fürsorge, welchen von dem Verein für Fraueninteressen in Würzburg, Aschaffenburg und Schweinfurt sorgsamste Pflege zugewendet wird". Gewerberat Lutz in Würzburg meint, daß„die Kenntnisnahme und ständige Verfolgung dieser Einrichtungen die beste Einwirkung auf den Verkehr der Assistentin mit den Arbeitgebern und Arbeitnehmern zur Folge haben dürfte". Die Assistentin gibt auch einen ausführlichen Bericht über die Veranstaltungen zur Ausbildung der Arbeiterinnen in Hand- und Hausarbeiten. Es werden Näh-, Flick- und Bügelkurse abgehalten, auch Kochkurse. Das wäre ganz anerkennenswert — wenn diese Kurse nicht nach einer elfstündigen Fabrikarbeit stattfänden und dadurch die müden Arbeiterinnen überanstrengt würden. Man wende nicht dagegen ein, daß die Mädchen bei diesen Kursen lustig und munter sind; das bringt die Abwechslung und die ganze Art des zwanglosen Zusammenarbeitens mit sich. Aber trotzdem bleibt die hygienisch unzulässige Tatsache bestehen, daß zu einer elfstündigen Erwerbstätigkeit, die von der Gesetzgebung als das äußerste Maß der Beschäftigung von Arbeiterinnen angesehen wird, noch eine neue, wenn auch freiwillige Beschäftigung anstatt der notwendigen Ruhe und Erholung hinzukommt. Solche Kurse sollten sogar obligatorisch sein, müßten aber, wie der obligatorische Fortbildungsunterricht, während derArbeitszeit stattfinden in Stunde», die vom Unternehmer freizugeben sind. Im Bezirk Schwaben ist das Verhältnis der Assistentin zu den Arbeiterinnen ein„erfreuliches". Diese, so berichtet Gewerberat Gäußler in Augsburg,„nehmen gern die Gelegenheit wahr, mit der Gewerbeaufsichtsbeamtin Besprechungen zu pflegen, deren Gegenstand nicht immer die Verhältnisse des betteffenden Betriebs, sondern auch Familienangelegenheiten und Mißstände in anderen Betrieben bilden". Anerkennenswert ist das Vorgehen der Assistentin,„über Änderungsvorschläge erst die Ansicht der Arbeiterinnen zu erforschen und erst nach dieser Information die Sache mit den Arbeitgebern zu besprechen". Die Beamtin erklärt, daß diese Erhebungen meist brauchbares Material lieferten. Selbstverständlich! Und nur auf diesem Wege läßt sich der Arbeiterschutz durchführen; nicht vom Bureautisch aus, sondern nur durch die Arbeiter selber vermag sich die Gesetzgebung die Informationen zu schaffen, die sie nötig hat, um Abhilfe für all die zahllosen Leiden der Arbeiter bringen zu können. Freilich vom Können zum Wollen ist noch ein weiter Weg, und auf ihm ist nächst Preußen selbstverständlich am rückständigsten das reaktionäre Sachsen. Sachsen. Im roten Königreich haben die Arbeiter schon seit langen, langen Jahren so traurige Erfahrungen mit der Gewerbeaufsicht überhaupt gemacht, daß sie auch deren weiblichen Ergänzung nicht Verttauen entgegenbringen konnten. Die sächsische Negierung glaubte dieses vielleicht dadurch herbeizaubern zu können, daß sie die weiblichen Hilfsbeamtinnen nicht als solche, sondern als Vertrauenspersonen bezeichnete. Nun, sie wurden dadurch nur noch weniger des Vertrauens der Arbeiterinnen teilhaftig, denn wer das Verttauen der sächsischen Regierung besitzt, muß sich auf Mißtrauen bei den sächsischen Arbeitern gefaßt machen. Dazu kam, daß diese Regierungs-Verttauenspersonen so gut wie gar keine bestimmten Befugnisse hatten, nur aus die Besuche der Arbeiterinnen warten mußten, selber aber keine Revisionen vornehmen durften. Nur in Dresden und Leipzig wurden sie hierzu herangezogen. Wie gering die Regierung von dieser weiblichen Gewerbeaufsicht dachte, bewies sie schon dadurch, daß sie für alle fünf Verttauenspersonen jährlich nur 2150 Mark Gehalt aussetzte, pro Person also 425 Mark! Seit 1. Juli 1904 ist an Stelle dieses ganz verfehlten Systems ein etwas besseres getreten, indem die Verttauenspersonen Beamtinnen wurden und jährlich je 1800 Mark Gehalt beziehen. Zu einem ganzen Fortschritt konnte sich aber Sachsen nicht entschließen. Es hat der weiblichen Fabrikinspektion nicht das ihr zustehende Arbeitsgebiet überwiesen, sondern unter Zustimmung der reaktionären Kammer bestimmt, daß den Assistentinnen die Ausführung des Gesetzes über die Kinderarbeit übertragen wird, und daß sie nebenbei die Gewerbebetriebe, in denen weibliche Arbeiter beschäftigt werden, zu überwachen haben. Nebenbei eine so wichtige und umfangreiche Tätigkeit! Die Berichte für 1903 zeigen, wie unzureichend sie ausgeübt wurde! In Zwickau und Chemnitz bestand sie darin, daß die „Vertrauenspersonen" in den Sprechstunden auf den Besuch von Arbeiterinnen warteten. Sie kamen aber nicht! In Chemnitz ist überhaupt noch nie eine Arbeiterin zu der ihr staatlich empfohlenen„Verttauensperson" gegangen. Den Gewerberat Kunze„befremdet dies um so mehr, als die Vertrauensperson früher etwa 10 Jahre lang in einer Fabrik in Chemnitz zuletzt als Vorarbeiterin tätig war". Daß sich jede Vorarbeiterin gerade besonders als Vertrauensperson für Arbeiterinnen eigne, kann wohl nur ein sächsischer Regierungsrat glauben! Im Dresdener Bezirk hat die weibliche Verttauensperson, Fräulein Dose, wenigstens einige Anlagen, in denen Arbeiterinnen beschäftigt sind, besichtigt, im ganzen 45. Obwohl nun in diesem Bezirk 1546 revisionspflichtige Anlagen vorhanden sind, in denen Arbeiterinnen über 16 Jahren Beschäftigung finden, nennt der Berichterstatter, Regierungsrat Schlippe, diese 45 von der Verttauensperson besuchten Anlagen eine„erhebliche Anzahl"! Der Bericht, den Fräulein Dose selber gibt, ist sehr interessant. Sie stellt fest, daß nur 35 Personen die Sprechstunde besuchten, im Vorjahre 39, die schriftlichen Beschwerden von 19 auf 11 herabsanken, alle jedoch bis auf eine einzige Ausnahme sich als zutreffend erwiesen. Sie erklärt aber frei- inütig:„Die Arbeiterinnen scheuen sich, berechtigte und vom gesundheitlichen Standpunkt aus gebotene Beschwerden vorzubringen, weil sie hierbei Gefahr laufen, Stellung und Brot zu verlieren." Ihr Bericht bringt auch gleich einen Beweis dafür: Zwei Arbeiterinnen einer Luxuskartenfabrik hatten sich bei ihr über Mißstände beklagt; Fräulein Dose ging hin, fand die Beschwerden berechtigt, versuchte wegen einer Lohndifferenz zu vermitteln, hatte aber hierbei keinen Erfolg. Darauf wurde vvn dem Unternehmer der ganzen Abteilung von acht Arbeiterinnen gekündigt, und erst als sich die beiden Arbeiterinnen meldeten, die dem Fräulein Dose Mitteilung gemacht hatten, wurde für die anderen Arbeiterinnen die Kündigung zurückgenommen, die Beschwerdeführenden aber entlassen mit der ausdrücklichen Motivierung, es sei ihnen wegen der Beschwerdeführung gekündigt worden. Fräulein Dose bemerkt hierzu,„mit Rücksicht aus derartige Vorkommnisse scheine es sehr erklärlich, wenn Arbeiterinnen bei Anbringung von Klagen oder Beschwerden fast niemals zu einer Namensnennung zu bewegen sind". Fräulein Dose hätte noch die weitere Schlußfolgerung daraus ziehen müssen, daß es sehr erklärlich ist, wenn Arbeiterinnen— und für die Arbeiter trifft dasselbe zu— überhaupt keine Beschwerden vorbringen. Sie wird es auch dann verstehen, weshalb„die Neigung der Arbeiterinnen, bezüglich ihrer Berussinteressen sich den bestehendenOrganisationen anzuschließen und hier Verttetung derselben zu suchen, entschieden Fortschritte macht". In Leipzig wurde die weibliche Verttauensperson ebenfalls durch Beschwerden nicht belästigk. In die Sprechstunde von Fräulein Sedelmeyer, Leipzig, kamen nur vier Arbeiterinnen! Sie revidierte einige Fabriken, wobei ihr ein Rüschenfabrikant den Eintritt verweigerte mit den Worten:„Da könnte jede kommen! Sie können mir die Sachen später nachmachen." Für seine Frechheit erhielt der Fabrikant aber nicht etwa eine Anklage, sondern nur den Hinweis, daß er � � die Revision gestatten müsse. Echt sächsische Höflichkeit— den Unternehmern gegenüber!— � w R wi Ri sic zu fes ist. hö zu! sick Ko Li. ve. He sch de. Re des die Re die des sich un! Re! zw. ver Kar Kni schr ein« „M uns Pro Ma miy Ver Kan Noc Ken daß ihm sali. Ihn zwij Geg daß Kan Kra Nack Wes anu »och Der Kamps der Bergarbeiter im Nuhrrevier. er ,, Der gewaltige Kampf der Bergarbeiter im Ruhrrevier ist � beendet. Wenigstens vorläufig. Jäh wurde er abgebrochen angesichts der augenscheinlichen Unmöglichkeit, ungeachtet alles Mutes zum Darben und Entsagen s�tens der tapferen Kämpfenden, ungeachtet aller opferwilligen Solidarität"Be seitens des deutschen Proletariats und der Berufsgenossen des Auslandes, die Riesensummen aufzubringen, welche für seine Weiterführung erforderlich gewesen wären. Er hat das � protzige Unternehmertum leider nicht zum Frieden, zum Ent- gegenkommen gezwungen. Allein er ist auch nicht in wilder, �' disziplinloser, verzweifelter Flucht ausgegangen. Mit treuer � Solidarität sind die Kämpfenden in festgeschlossenen Reihen �ed zusammengestanden bis zuletzt, entschlossen, noch länger aus- Sra. zuHarren und alle Leiden des schweren wirtschaftlichen Krieges zu tragen. Nicht ohne heißen Schmerz und tiefe Erbitterung haben UM Tausende und aber Tausende die Losung zur Wiederaufnahme der Arbeit vernommen, welche die Siebenerkommission am Abend des 9. ausgab. Widerstrebend, zögernd sind sie in das alte, ungeminderte Joch zurückgekehrt, und das Unternehmertum hat obendrein in kleinlicher, provokatorischer V Rachsucht Kniffe und Pfiffe geübt, welche die Einstellung des Kampfes erschweren und die Bitternisse der Lage für �rs die Bergarbeiter verschärfen mußten. Trotz allem ist aber die �ri Parole der Führer binnen wenigen Tagen durchgeführt �re worden. Nicht zersprengte, zusammenhanglose Haufen von Geschlagenen haben sich zur Wiederaufnahme der Fron ge- drängt; ein festgegliedertes Heer von Arbeitern stellte den Kampf ein in der Erkenntnis, noch nicht stark und gerüstet.� genug zu sein, um den reisigen Feind zu Boden zu ringen.' Beif Die Geschlossenheit und Disziplin aber, mit welcher die � Gen Massen für den Äugenblick vom Kampfplatz abtraten, be- � zeugen nicht bloß die Ausdehnung und Kräftigung, welche Nr. 4 der Organisationsgedanke unter ihnen erfahren hat, sie schließen vielmehr die trotzig-stolze Drohung an den Feind in sich, daß die Massen nötigenfalls die Kampagne mit aller Energie wieder aufnehmen werden. Tie Ausbeuterclique der Grubensklaven würde nur in ihrem eigenen Interesse handeln, wenn sie diese stumme, aber beredte Drohung beherzigte. Und der schirmende„Vater Staat" der Äus- beutungsclique würde seinerseits klug daran tun, sie gleicherweise zu bedenken und, ohne sich durch scharfmacherisches Gehetze beirren zu lassen, endlich sein Wort einer Reform des Berggesetzes einzulösen, das er den Bergarbeitern seit fast einem halben Menschenalter gegeben und unter dem Drucke des Kampfes feierlich erneuert hat. Die Lohnsklaven der Grubenherren wissen es ja, daß diese Reform schäbig und erbärmlich genug ausfallen wird und weit genug davon entfernt ist, ihren berechtigten Forderungen Rechnung zu tragen. Soviel bis jetzt bekannt ist, scheint sie sich darauf zu beschränken, die Prellerei des Wagennullens zu verbieten, die Schichtdauer, einschließlich der Seilfahrt, festzusetzen, soweit dies durch sanitäre Rücksichten geboten ist, das Über- und Nebenschichtwesen zu regeln, die Strafhöhe zu begrenzen und obligatorische Arbeiterausschüsse einzuführen. Sie bringt nicht die Achtstundenschicht, sie berücksichtigt nicht die Ansprüche auf Lohnerhöhung. Aber die Kohlenbergleute wissen auch, daß sie das Wenige in letzter Linie einzig und allein der wuchtenden, heilsamen Furcht zu verdanken haben, welche ihr Kampf in die Reihen der Herrschenden und Gesetzgebenden getragen hat. Die Geschlossenheit ihres Rückzugs bürgt dafür, daß sie wieder auf dem Kampfplatz erscheinen können und wollen, wenn die Regierung in liebedienerischem Eifer vor dem goldenen Kalbe des Grubenkapitals ihr Versprechen vergessen sollte. Und dieser sichere Ausblick dürfte den späten und schwächlichen Reformeifer der preußischen Regierung mehr beflügeln, als die anerkennenswerte Einmütigkeit, mit welcher die Majorität des Reichstags dem Antrag der Sozialdemokratie entsprechend sich für ein Reichsberggesetz erklärt hat, damit ihr großes und berechtigtes Mißtrauen gegen den Willen der preußischen Regierung zur Reformtat bekundend. Es ist eine gute Errungenschaft des Kampfes, die kapital- fürchtige preußische Regierung auf den Weg der Reform gezwungen zu haben, den sie zehn lange Jahre nicht zu finden vermochte, und die Angst vor einer Wiederaufnahme des Kampfes wird sie auf dem„Tugendpfad" erhalten. Der Knüppel liegt beim Hunde. Manchen mag die Frucht des schweren, opferreichen Ringens zwischen Kapital und Arbeit eine dürftige und teuer bezahlte dünken. Die gewaltige »Meuterei" der Hörigen des Grubenkapitals gehört jedoch unseres Erachtens zu jenen Lebensäußerungen des kämpfenden Proletariats, von denen das Wort des„Kommunistischen Manifests" gilt:„Ihr eigentliches Resultat ist nicht der unmittelbare Erfolg, sondern die immer weiter um sich greifende Vereinigung der Arbeiter." Und so betrachtet, erscheint der Kampf der Bergarbeiter von einschneidender Bedeutung. Noch im November vorigen Jahres schrieb ein trefflicher Kenner der Verhältnisse im Ruhrgebiet in der„Neuen Zeit", daß der Einfluß des religiösen Bekenntnisses und der aus ihm seine Kraft saugende Gegensatz zwischen den Organisationen einen Streik der Kohlengräber wie 18S9 ausschlösse. >;hm aber hat die Erfahrung gezeigt, daß der Gegensatz Zwischen Kapital und Arbeit unüberbrückbarer ist, als alle Gegensätze der religiösen und politischen Überzeugung, und daß daher die Jnteressensolidarität alle Ausgebeuteten im Kampfe gegen die Ausbeuter zusammenschmiedet. Gleichzeitig aber beleuchtet der Ausstand noch eine andere Tatsache: daß der Massenstreik ein elementarer Vorgang des proletarischen Klassenkampfes ist, der mit naturwüchsiger Kraft aus dem Klassengegensatz hervorwächst und sich weder nach Belieben herbeidekretieren noch ausschalten läßt. Seinem Wesen nach darin der Revolution innerlich verwandt, setzt sich mit der Gewalt eines Naturereignisses durch,— und das ohne die Führer, ja auch gegen die Führer. Nun heißt es für das kämpfende Proletariat' die praktischen Nutzanwendungen dieser Lehre und mancher anderen des Kampfes �ach zu ziehen. Sie liegen in den Worten Shakespeares: »Bereit sein ist alles." Darum mit ungebrochener Energie und frischer Opferfreudigkeit an die stille, mühereiche Alltagsarbeit auf gewerkschaftlichem und politischem Gebiet. Ter Bergarbeiterverband muß gekräftigt und ausgebaut werden, muß immer leistungsfähiger, immer größere Massen zu Schutz und Trutz zusammenschließen. Der sozialistische Gedanke muß unter den Kohlengräbcrn mit Feuereifer gepredigt werden, auf daß diese sich immer mehr auf dem granitnen Boden des Klassenkampfes um das Banner der Sozialdemokratie scharen. Die geschichtliche Entwicklung birgt künftige Kämpfe in ihrem Schöße, und künftige Siege gilt es vorzubereiten. Aus der Bewegung. Von der Agitation. Im Monat Januar tagte in Köln Und Ehrenfeld je eine öffentliche Frauen- und Mädchen- versammlung, in der Genossin Zeise einen ausführlichen Bericht über den preußischen Parteitag gab. Am Schlüsse chrer Ausführungen forderte die Referentin die zahlreich anwesenden Genossinnen auf, sich lebhaft an der Agitation Und an der Verbreitung der„Gleichheit" zu beteiligen. Dies >uüsse sowohl im Interesse der proletarischen Frauenbewegung wie der Partei geschehen. Das Referat wurde mit großem Beifall aufgenommen. Die Versammlung wählte darauf Genossin Zeise als Kreisvertrauensperson, Genossin �ink als VertrauenSperson für Köln und Genossin Plog als Vertrauenspersou für Ehrenfeld Die Einnahmen Die Gleichheit unserer Vertrauensperson für 1904 stellten sich auf 646,82 Mark, die Ausgaben auf S43,43 Mark, so daß uns ein Kassenbestand von 163,34 Mark verblieb. Im ganzen waren im Jahre 349S Gleichheiten kolportiert worden. In der Versammlung in Köln wie Ehrenfeld wurden neue Abonnentinnen für unser Organ gewonnen. Den Schluß beider Versammlungen bildete eine Tellersammlung für die streikenden Bergleute. K. Wolf, Schriftführerin. Flensburg. Endlich ist von der Frauenbewegung Bresche gelegt in die Festung der Stumpffinnigkeit und Gleichgültigkeit im hohen Norden! Unser Delegierter zum Bremer Parteitag hatte den Auftrag erhalten, auch die Frauenkonferenz zu besuchen und darüber Bericht zu erstatten. Seitdem scheint Leben in die Bewegung gekommen zu sein. In der Versammlung, wo die Berichterstattung erfolgte, wurden zwei Genossinnen, die sich dazu erboten, damit beaustragt, die Vorarbeiten für eine zu veranstaltende öffentliche Frauenversammlung in die Hand zu nehmen. Diese Versammlung hat nun stattgefunden. Genossin Ziey- Hamburg referierte über:„Die Frau als Hausfrau und Staatsbürgerin" und entledigte sich ihrer Aufgabe in eingehender, mit gutem Humor gewürzter Rede zur vollen Zufriedenheit der recht zahlreich erschienenen Frauen und Männer des arbeitenden Volkes. Hoffen wir, daß die Begeisterung für die Ziele der Frauenbewegung anhält! Als unmittelbares Ergebnis der ausgestreuten Jdeensaat ist zu erwähnen, daß zirka zwanzig neue Abonnenten für die„Gleichheit" gewonnen wurden, so daß diese jetzt bei uns 70 bis 80 Leser zählt, während es jahrelang ihrer nur drei waren. Als Vertrauensperson der Frauen und Mädchen Flensburgs wurde Frau Michelsen, Friesischestraße 86, gewählt, als deren Stellvertreterin Frau Meyer, Heiligengeistgang 9. Weiter gaben noch etwa zwanzig Genossinnen die Absicht kund, einen„Bildungsverein für Frauen und Mädchen" gründen zu wollen. Um die nötigen Vorarbeiten in die Wege zu leiten, wird in allernächster Zeit von einer Genossin eine Versammlung einberufen werden. Das Resultat unserer Versammlung war also gewiß zufriedenstellend. Nun liegt es an den Genossinnen selbst, das abgelegte Gelöbnis treu zu halten, sich um ihre Vertrauenspersonen zu scharen und mit den Männern gemeinsam den Kampf gegen alle Unterdrückung und Ausbeutung zu führen. Durch Kampf zum Sieg! Den Gegnern zum Trutz, der Arbeit zum Schutz! öl. Volksversammlungen, die Stellung nahmen zu dem Riesenkampf der Bergarbeiter im Ruhrrevier, sowie zu den Greueln des russischen Zarismus, fanden statt in Wedel, Mölln, Bargteheide und Hastedt. Genossin Zietz referierte. Sämtliche Versammlungen, außer der Hastedter(zu der sehr mangelhafte Vorbereitungen getroffen worden), waren gut, ja sogar sehr gut besucht. Überall fand eine Resolution einstimmige Annahme, die scharfen Protest erhob gegen das brutale Vorgehen der Kohlenbarone und gegen die Grausamkeiten des„Friedenszaren", und die unseren kämpfenden Brüdern im Osten wie im Westen der wärmsten Sympathien versicherte. Die einstimmige Annahme der Resolution war besonders bemerkenswert in Bargteheide, dem Geburtsort der Referentin, die zum erstenmal hier sprach. Die Zuhörer waren zum größten Teile ihre Schulkameraden oder Leute, unter deren Augen sie aufgewachsen war. Außer den Arbeitern mit ihren Frauen waren auch die Lehrer, die Herren vom Gericht, der Ortsvorsteher und eine ganze Anzahl großer Bauern erschienen. Letztere folgten ebenso aufmerksam ihren Darlegungen wie die ersteren und trugen auch ihren Obolus zu der veranstalteten Tellersammlung für die Bergarbeiter bei. In Mölln und Hastedt wurden die ersten Abonnenten für die„Gleichheit" gewonnen, in Bargteheide die ersten zehn Mitglieder für den sozialdemokratischen Verein. I,. X. Am 9. Februar fand in den bei Magdeburg gelegenen Ortschaften Cracau und Prester eine öffentliche Frauen- versammtung statt, in welcher die Unterzeichnete über„Die Frauen und ihr Interesse an dem preußischen Parteitag" referierte. Besonders wies sie bei ihren Ausführungen auf die Mißstände hin, unter denen die Land- und Fabrikarbeiterinnen und deren Kinder noch zu leiden haben. Nach der Aufforderung, durch geschlossene Organisation sich bessere Arbeits- und Lebensbedingungen zu ermöglichen, wurde zur Wahl einer Ortsvertrauensperson geschritten und als solche Frau Scharschuh, Cracau, Schulstraße 8, gewählt. Um die Organisation in beiden Ortschaften vorteilhafter gestalten zu können, nahm Frau Kut, Gartenstraße 18, das Amt einer stellvertretenden Vertraue nsperson an. Seit Januar dieses Jahres haben sich die Genossinnen von Cracau und Prester auch in einer Organisation zusammengeschlossen, dem„Frauen- und Mädchenbildungsverein Cracau-Prester", der bereits annähernd 100 Mitglieder zählt. Dieselben haben es sich zur Aufgabe gemacht, Aufklärung und Wissen sich anzueignen und unter den Genossinnen weiter zu verbreiten. Zu diesem Zwecke wird auch unsere„Gleichheit", allerdings vorläufig erst in einigen Exemplaren, vom Vorstand des Vereins unter den Mitgliedern verbreitet. Für weitere Ausbildung sollen geeignete Vorträge wissenschaftlicher und unterhaltender Natur sorgen. Der Vorstand des Vereins besteht aus den Genossinnen Pänicke(Vorsitzende), Ebert(Kassiererin) und Ecke(Schriftführerin). Wir hoffen auf gutes Gedeihen der Organisation. Marie Chmielewski. Von den Organisationen. Der Arbeiterinnenverein Köln hielt am 2. Februar seine dritte Generalversammlung ab. Die erste Vorsitzende teilte mit, daß im letzten Quartal vier Mitgliederversammlungen stattgefunden haben. Seit Gründung des Vereins sind vier Filialen errichtet worden in den Vororten Ehrenfeld, Nippes, Deutz und Kalk. Im ganzen zählt der Arbeiterinnenverein 2ö8 Mitglieder. 2l Nach dem Kassenbericht, welchen die Kassiererin gab, beliefen sich die Einnahmen seit Gründung des Vereins auf 313,22 Mark, die Ausgaben auf 214,05 Mark, so daß ein Kassenbestand von 99,17 Mark verblieb. Die Revisorinnen haben die Abrechnungen geprüft und für richtig befunden, so daß der Kassiererin Entlastung erteilt wurde. Nach erfolgter Vorstandswahl wurden gemäß einem Antrag 20 Mark für die streikenden Bergleute bewilligt.— Als Vertrauenspersonen für die Beschwerden der Arbeiterinnen wurden die Genossinnen Zeise und Grafweg gewählt. Im großen ganzen ist der Stand unserer Organisation in Köln ein befriedigender, und wir hoffen auf weitere gute Fortschritte im neuen Jahre. R. Wolf, Schriftführerin. Abrechnung der Vcrtranensperson der sozialdemokratischen Frauen Elberfelds pro Einnahme: Kassenbestand 15,04 Mark, Verkauf der „Gleichheit" 333,72 Mark, Markenverkauf 28,35 Mark, Einnahme bei Frauenversammlungen 15,60 Mark, Listensammlung 19,10 Mark; Summa 411,31 Mark. Ausgabe:„Gleichheit" 255,36 Mark, Drucksachen und Annoncen 32,50 Mark, Referenten 27 Mark, Porti 3,64 Mark, Unterstützung 10 Mark, den streikenden Bergleuten 30 Mark, Volkshausfonds 20 Mark; Summa 378,50 Mark. Einnahme 411,81 Mark, Ausgabe 378,50 Mark, Kassenbestand 33,31 Mark. Elberfeld, den 19. Januar 1905. Frau Wilhelmine Ullenbaum. Revidiert und richtig befunden: Frau Selma Dröner, Frau Selma Schuch, Frau Adele Ullenbaum. Die Haltung der Frauen beim Bcrgarbcitcrftrcik ist bis zur letzten Stunde eine vorzügliche geblieben. Ohne Klagen und Murren, ohne Bitten und Tränen haben sie die Schwere des Kampfes getragen. Nirgends haben sie die Kampfesfreudigkeit der Männer zermürbt, umgekehrt: sie feuerten überall dieselben zum Aushalten an und stärkten mit der eigenen Einsicht und Begeisterung auch die der Kämpfenden. Ihr Einfluß ist ebenso wichtig gewesen für das entschlossene Ausharren der Bergarbeiter im Ausstand, wie für die Ruhe und Disziplin, welche diese allen Provokationen der Grubenprotzen, ihrer Büttel und Arbeitswilligen entgegensetzten. Unsere Genossinnen haben nach jeder Richtung hin ihre volle Schuldigkeit getan, um die Masse ihrer Schwestern aufzuklären und mit Verständnis für den großen Kampf zu erfüllen. Mit unerschütterlicher Überzeugungstreue und Arbeitsfreudigkeit hat insbesondere unsere Genossin Plum weitergewirkt. Bis zum Einstellen des Kampfes hielt sie Frauenversammlung über Frauenversammlung ab. Sie sprach unter anderem in Sporkhöfel, Röhlinghausen, Linden, Essen-West, Wengern bei Dortmund, Schüren, Hefen, Fintrop, Aachen Stadt und Land und Düren. Eine Versammlung in Eickel wurde aus„sicherheitspolizeilichen Gründen" verboten, weil„zumal mit Gewißheit Ausschreitungen zu erwarten seien". Wer den Streik im allgemeinen, die Frauenversammlungen im besonderen verfolgt hat, weiß auch, daß diese Behauptung aus den allweisen Polizeifingern gesogen ist. Das Verbot war nicht von vornherein bekannt, so daß sich vor dem Versammlungslokal eine dichtgedrängte Menschenmenge angesammelt hatte. Auch Genossin Plum erschien und wurde zusammen mit anderen vom eingeschüchterten Wirt aus der Gaststube gewiesen. In Günnigfeld wurde die geplante Frauenversammlung ebenso vereitelt. In Kupferdreh war es Genossin Plum unmöglich, Einlaß in die Versammlung zu erhalten, so daß an ihrer Stelle ein Redner sprechen mußte, überall wurden die Ausführungen der Genossin Plum mit begeisterter Zustimmung aufgenommen, in den meisten Versammlungen forderten gleich ihr andere Frauen die Männer zum Aushalten auf. In einer Frauenversammlung in Caternberg war der Andrang so stark, daß sieben bis acht Gendarmen die Hunderte von Frauen nicht zurückhalten konnten, welche die Fenster des Lokals umlagerten, in das sie keinen Einlaß gefunden hatten. Nachdem die Referentin gesprochen, meldeten sich 21 Frauen zum Wort und acht von ihnen griffen in die Diskussion ein, die Männer anfeuernd, auszuharren, bis der Sieg errungen sei.— Außer den Genossinnen haben auch Agitatorinnen der Hirsch- Dunckerschen Gewerkvereine an der Bewegung teilgenommen, nämlich die Damen Christ mann und Lüders. Es heißt vielfach, daß die Führer der christlichen Organisationen ihnen wie auch dem nationalsozialen Pfarrer Kötzke eine weit größere Toleranz entgegengebracht habe, als den bekannten Genossinnen und Genossen. Daß dies nicht Gleichberechtigung wäre, sondern Begünstigung, nicht Neutralität, sondern Parteilichkeit, liegt auf der Hand. Wie dem jedoch sei, unsere Genossinnen haben sich in ihrer Pflichterfüllung nicht beirren lassen und sind im Vordertreffcn des Kampfes und der Arbeit gestanden, während die Rolle der bürgerlichen Damen eine recht bescheidene geblieben ist. Und nicht der Frauenrechtelei und Harmonieduselei, der auf dem Boden des Klassenkampfes stehenden gewerkschaftlichen und politischen Arbeiterbewegung wird der Vorteil davon zufallen, daß der Streik die Bergarbeiterfrauen aus ihrer Gleichgültigkeit und Verständnislosigkeit aufgerüttelt hat. Pflicht der Genossinnen ganz Deutschlands aber ist es, unsere tapferen Streiterinnen in Westfalen tatkräftig in ihrem Streben zu unterstützen, fiir den Sozialismus zu ernten, wie sie es als selbstverständliche Pflicht erachten, durch weitere materielle Unterstützung die Wunden heilen zn helfen, welche der Kamps dem Proletariat des Ruhrreviers geschlagen hat. Jahresbericht der VertrauenSperson der Genossinnen von DreSdcn-Land. Im zweiten Jahre einer planmäßig betriebenen Agitation unter den proletarischen Frauen meines Kreises war die 22 Die Gleichheit Nr. 4 Arbeit eine ausgedehntere, aber auch eine leichtere und| Kraft im Dienste des Proletariats ein. An den Früchten| daß in der kürzeren Arbeitszeit nicht nur nicht weniger, sonfruchtbringendere als in der vorhergehenden Tätigkeits- unseres Wirkens wird es dann nicht fehlen. dern auch Besseres geleistet werden wird, als in der langen Marie Wackwiz, Vertrauensperson. Arbeitszeit. Das bedeutet aber für den Fabrikanten eine Stärkung seiner Konkurrenzfähigkeit. Dazu kommt noch, daß er bei verkürzter Arbeitszeit an Feuerung, Licht, Dampfkraft, Abnutzung der Maschinen usw. spart. Um den Zehnstundentag. Von Luise Zieg. periode. Die bereits vorhandenen Ansätze zum Zusammenschluß der Genossinnen in der Parteiorganisation konnten befestigt und weiter ausgebaut werden. In den einzelnen Orten gelang es, weibliche Kräfte heranzuziehen und zu schulen, die einen ganz beträchtlichen Teil der lokalen KleinWenn sich die Herren Tertilbarone trotzdem mit aller arbeit leisten, Versammlungen einberufen und vorbereiten, Kraft gegen die Verkürzung der Arbeitszeit sträuben, so ist Zeitungen austragen, die Agitation von Person zu Person Von den Textilarbeitern der Niederlausitz ward kürzlich das ein Beweis für ihre sozialpolitische Rückständigkeit und eifrig betreiben usw. Des weiteren sind Genossinnen soweit eine lebhafte Agitation für die Einführung der zehnstündigen für ihren Haß gegen die Arbeiterorganisationen. Sie wissen fortgeschritten, daß sie tüchtige Versammlungsleiterinnen, Arbeitszeit entfaltet. Und wahrlich, wenn irgendwo, so ist nämlich ganz genau, daß eine Stunde Arbeitszeitverkürzung Schriftführerinnen und Debatterednerinnen stellen, die zu in der Textilindustrie eine Verkürzung der Arbeitszeit im für die Arbeiterschaft nicht nur eine Stunde mehr Ruhe, mal in den kleineren Frauenzusammenfünften wirken, von Interesse der in Frage kommenden Arbeiterschaft dringend Erholung, Bildung, Familienleben bedeutet, sondern daß sie denen sich jedoch einige auch in öffentlichen Versammlungen geboten. auch Erhaltung der Energie, des Kampfesmuts, der Kampfeshervorwagen. Gewiß müssen wir nach weit größeren als Wie überall, wo Werkzeug- und Kraftmaschinen An- freudigkeit bedingt. Das wird sich aber vor allem in der den bereits erzielten Fortschritten streben. Aber wenn man wendung finden, die Arbeiter zu Sklaven, zu lebendigen intensiveren Beteiligung an der Agitation und Organisation, bedenkt, wie sehr für die Proletarierin die politische Aufklärung Anhängseln der toten Maschinen geworden sind, deren Be- am Klassenkampf äußern. und Schulung durch Ausbeutung und Rechtlosigkeit erschwert wegungen sie zu folgen haben, so auch, und in ganz be- Je größer der Widerstand der Arbeitgeber gegen die Verwird, so darf man immerhin mit Befriedigung auf die Er fonders hohem Maße, in der Textilindustrie. Jede Er- fürzung der Arbeitszeit ist, desto energischer muß natürlich rungenschaften des letzten Jahres zurückblicken. Die Zahl findung oder Verbesserung auf technischem Gebiet bedeutet von unserer Seite der Kampf um dieselbe geführt werden. der Frauen, welche sich am politischen und gewerkschaftlichen für die Textilarbeiter eine Erhöhung der Intensität( An- Der Erringung verkürzter Arbeitszeit dienten eine Reihe Leben beteiligen, ist eine gute und eine steigende. Immer strengung, Schnelligkeit) der Arbeit, bedeutet, daß sie in öffentlicher Textilarbeiter- Versammlungen in Rottbus, mehr, die sich früher schüchtern kaum in eine Versammlung derselben Zeit wie früher beträchtlich mehr Kraft ihres Sachsendorf, Madlow, zwei Versammlungen in Forst, wagten, sind heut hier nicht nur heimisch, sondern fühlen Körpers bei der Beschäftigung verbrauchen müssen und damit ferner je eine Versammlung in Guben, Peiz, Spremdas Bedürfnis, selbst in der Bewegung mitzuarbeiten. Die natürlich ein größeres Quantum Arbeit fertigstellen. Zwei Ideen und Bestrebungen, die zuerst von ihnen nur instinktiv Beispiele mögen das illustrieren: zugeführt. berg, Sommerfeld und Finsterwalde, in denen Schreiberin dieses das Referat übernommen hatte. In sämt als richtig, als heilsam empfunden wurden, die werden nun Karl Marx führt schon im„ Kapital" an, daß bei der An- lichen Versammlungen wurde einstimmig eine Resolution flar bewußt begriffen, die rufen lebendige Kräfte zur Be- wendung der ersten Spinnmaschine ein Spinner, der den angenommen, die eingehend die Forderung des Zehnstundentätigung. Wie die Dinge liegen, insbesondere in Berück- Bewegungen der Maschine auf und ab folgen mußte, in tags begründete. Die Resolution ist dem Fabrikantenverein sichtigung der vielerlei Umstände, welche das öffentliche Wirken einem Arbeitstag von 12 Stunden 8 englische Meilen zurück der Niederlausitz zugegangen, und es bleibt abzuwarten, wie der Frau des Voltes hemmen, dürfen wir die Leistungen der zulegen hatte. Als zwanzig Jahre später die verbesserte sich derselbe zu der Forderung stellen wird. In allen VerAgitation unter dem weiblichen Proletariat nicht bloß nach Spinnmaschine Anwendung fand, hatte der sie bedienende sammlungen wurden der Organisation auch neue Mitkämpfer der Zahl der politisch und gewerkschaftlich organisierten Spinner nicht mehr 8, sondern 20 englische Meilen zurückFrauen beurteilen. Wir müssen das berücksichtigen, was sie zulegen, soviel schneller bewegte sich die Maschine, soviel für die Schulung einer Kerntruppe von Genossinnen tut, schneller mußte der Spinner arbeiten. Und seitdem hat die die immer besser ausgerüstet an der allgemeinen Partei- und technische Entwicklung in der Spinnindustrie nicht geschlafen! Gewerkschaftsarbeit teilnehmen. Wir müssen ferner schätzen, Ebenso hat in der mechanischen Weberei der technische Ende Januar ist der deutschen Reichsregierung in allen daß sie in immer größeren Kreisen der Frauen das Ver- Fortschritt die Intensität der Arbeit gesteigert. Auf einem ihren Bedrängnissen noch zu guter Letzt ein großes Heil ständnis für die moderne Arbeiterbewegung weckt und da Webstuhl älterer Konstruktion werden 35 Schuß in der widerfahren. Sie hat auch den Abschluß des Handelsmit den Widerstand besiegt, der im Heim so oft der Minute gemacht, auf einem Webstuhl neuerer Konstruktion vertrags mit Österreich- Ungarn zustande gebracht. politischen und gewerkschaftlichen Betätigung des Mannes 105 Schuß. Das heißt: vorläufig. Fehlt noch die Ratifizierung durch entgegengesetzt wird. die Parlamente, des Deutschen Reiches hier, dort von Cisund Transleithanien. Politische Rundschau. Den Abschluß des Handelsvertrags mit Rußland haben Bülow und die Seinen den Japanern zu danken, die durch ihre Siege über die russische Raubsucht das Zaren regiment in solche finanzielle Bedrängnis brachten, daß es bereit war, für die Ermöglichung einer Anleihe in Deutsch land auch die Erhöhung der deutschen Getreidezölle sich ge fallen zu lassen. Da das an sich den Erfordernissen der Volkswirtschaft Rußlands zuwiderläuft, hätte die Getreide zollerhöhung Deutschlands unter normalen Verhältnissen nie die vertragsmäßige Zustimmung einer russischen Regierung gefunden. Der Berliner Dank an Japan, schwarzer Adler oder so was nach Tokio, steht noch aus. Der durch die technische Entwicklung bedingten Steigerung Der gesteigerten Tätigkeit entsprechend war die Zahl der der Intensität der Arbeit wissen die Textilbarone noch nachZusammenkünfte und Besprechungen mit den Genossinnen zuhelfen. Entweder durch die Art der Entlohnung, Afford, eine große, die Korrespondenz eine lebhafte. Die öffentlichen oder durch die Gewährung von Prämien bei Fertigstellung Versammlungen spiegelten die rührige Arbeit unserer Frauen- eines gewissen Quantums von Arbeit. Verausgaben aber bewegung wider. Abgesehen von neun öffentlichen Frauen- Arbeiter und Arbeiterinnen über ein gewisses Maß hinaus versammlungen fanden eine stattliche Zahl Volksverfamm- Arbeitskraft, aus ihrem Körper, mehr als sie durch Nacht lungen statt, welche speziell den Interessen der Aufklärung ruhe, Sonntagsruhe und Nahrungsaufnahme ersetzen und der Proletarierinnen gewidmet waren, und in denen außer übererseßen können, so schaden sie ihrer Gesundheit und kürzen der Unterzeichneten die Genossinnen Kähler, Zietz und mehrere die Dauer ihres Lebens und ihrer Arbeitsfähigkeit. Genossen referierten. Der Wunsch nach solchen Versammlungen, Trotzdem wollen wir der technischen Entwicklung keines nach Rednerinnen ist nie zahlreicher und lauter geäußert wor- wegs Halt gebieten, vielmehr sind wir der Meinung, daß den, als in dem Berichtsjahre, ein sicheres Anzeichen dafür, die durch sie bedingte gesteigerte Intensität der Arbeit daß immer klarer erkannt wird, daß die Frau ihre volle Be- paralysiert( ausgeglichen) werden muß durch eine stark freiung nur durch die Verwirklichung der sozialistischen Ideale verkürzte Arbeitszeit. Und es ist gewiß eine sehr be- Die Gesamtregierung von Österreich- Ungarn andererseits, die erlangen kann, daß aber auch andererseits diese Ideale nur scheidene Forderung der Textilarbeiter, wenn sie angesichts den Grafen Posadowsky schnöde abbliken ließ, wurde durch zu triumphieren vermögen, wenn die Männer und Frauen der Entwicklung in ihrer Industrie den Zehnstundentag Kossuth, den Sohn des 48er Diktators mürbe gemacht. Die der ausgebeuteten Massen vereint für sie kämpfen. Die Be- verlangen. Kommen doch jetzt in der Textilindustrie noch Unabhängigkeitsbewegung machte in Ungarn reißende strebungen der Genofsinnen, dem proletarischen Befreiungs- eine Reihe Umstände hinzu, welche die Gesundheitsschädigung Fortschritte. Der Ministerpräsident Tisza suchte ihrer Ob kampfe mehr und mehr Mitstreiterinnen zuzuführen, sind außerordentlich vergrößern. Einige derselben seien im folgen- struktion im ungarischen Unterhaus durch einen Geschäfts denn auch von den Genossen tatkräftig unterstützt und ge- den erwähnt. In Webereien, Spinnereien, Krempeleien usw. ordnungsstaatsstreich à la Gröber die Zähne auszubrechen. fördert worden. Unsere diesbezüglichen Anregungen und entwickelt sich bei der Arbeit ein starker Staub, Woll- oder Aber ihre Widerstandskraft wuchs unter der Bedrängung. Da Wünsche wurden meist berücksichtigt. Gewiß, daß es in der Baumwollstaub. Die Luft ist damit geschwängert, und das wurde die Parlamentsauflösung unvermeidlich. Alle Zeichen Arbeiterbewegung noch manchen rückständigen Mann gibt, um so mehr, je schlechter die Ventilation ist, die meist recht verhießen ein mächtiges Anschwellen der gegen die Zusammen der von der Mitarbeit der Frauen nichts wissen will. Aber viel zu wünschen übrig läßt. Dazu kommt der Dunst, den gehörigkeit mit Österreich gerichteten Bewegung. Da hat die die Zahl diefer Philister, wie Bebel sich in seiner Zittauer Maschinen, Ol usw. ausströmen, die Ausdünstungen der gemeinsame Regierung noch in letzter Minute den Handels Rede ausgedrückt hat, wird fleiner und kleiner, und schon vielen transpirierenden Menschen. Die schlechte Luft müssen vertrag mit Deutschland genehmigt, um dessen Gewicht gegen mehr als ein Saulus ist durch die Logik der Tatsachen und die überhafteten, angestrengten Textilarbeiter und Arbeite- die Lostrennungsgelüfte der Ungarn und zugunsten der das Wirken der Genossinnen zu einem Paulus geworden. rinnen einatmen. Essenspausen werden oft nicht ge- Handelsgemeinschaft der beiden habsburgischen Reichshälften Als recht erfreulicher Ausdruck des harmonischen Zusammen- währt. Das Brot wird während der Arbeit verzehrt. Reißt in die Wagschale werfen zu können. Aber auf einen so arbeitens von Frauen und Männer in der modernen Ar- ein Faden, so wird es aus der Hand gelegt, damit der durchschlagenden Sieg Kossuths, der Tisza die Ministerschaft beiterbewegung verdient hervorgehoben zu werden, daß an Faden angedreht werden kann. In der Weberei legt man fosten muß, war man weder in Wien noch in Budapes den Versammlungen der Genossinnen, welche der Heimarbeit das Brot auf den Webstuhl, während man den Schaden gefaßt. Jetzt kann es kommen, daß das ungarische Parla und ihren Schäden galten, auch Vertreter der Gewerkschaften repariert. Rückt der Webstuhl weiter, so fällt das Brot ment den Handelsvertrag mit Deutschland verwirft, um teilnahmen. Hoffentlich wird das gute Einvernehmen zwischen herunter in den Woll- oder Baumwollstaub, der den Fuß- gleichzeitig Ungarn völlig von Österreich losreißen zu können Genossinnen und Genossen bei der gewerkschaftlichen wie boden bedeckt. Der gesundheitsschädliche Staub gelangt Nur die Personalunion, den gemeinsamen Monarchen, lassen politischen Arbeit auch im neuen Tätigkeitsjahr fortbestehen also nicht nur beim Atmen in die Atmungsorgane, sondern die Herren Magyaren vielleicht gnädig noch bestehen. und das Wirken der einen wie der anderen erleichtern und er wandert auch mit der Nahrung in den Magen. Die Für das ungarische Proletariat bleibt es sich gleich, ob Tisza erfolgreicher gestalten. Arbeit in der Textilindustrie ist ferner außerordentlich Kossuth oder Andrassy: Alle diese Führer und ihre Parteien Zum Schlusse ein Wort an die Genossinnen, welche so nervenzerrüttend. Ein ungeheurer, ohrenbetäubender vertreten die Interessen der Junker und der Bourgeoisie fleißig, so treu mit mir zusammengearbeitet haben. Wohl Lärm herrscht namentlich in den mechanischen Webereien. Das Proletariat, die Sozialdemokratie, ist einflußlos auf die jede einzelne von ihnen hat einen schweren Kampf mit des und Arbeiter und Arbeiterinnen müssen bei der Arbeit die Zusammensetzung einer Volksvertretung, die sich auf ein Lebens Not zu bestehen, muß neben der Bürde der häus- Augen und die Fingerspitzen besonders brauchen. Der Um- raffiniertes Bensuswahlrecht stützt. Nur 700 000 Wähler lichen Pflicht das Joch der Berufsfron im Dienste des Kapitals stand, daß die Arbeit nur im Stehen verrichtet wird, trägt gibt es unter den 17 Millionen Einwohnern Ungarns. Das tragen. Nur unter Betätigung des höchsten Opfermuts ist nicht wenig zur Bildung von Krampfadern, Plattfüßen und ungarische Wahlrecht ist also fünfmal so beschränkt wie das es ihnen möglich gewesen, Zeit, Kraft, Mittel für den Dienst Unterleibsleiden bei. Meldet sich aber eine Arbeiterin krank deutsche. Der Sozialismus steckt noch in seinen Anfängen der Bewegung zu gewinnen. Die heiße Liebe zu der heiligen und wünscht erwerbsunfähig geschrieben zu werden, weil die er hat in dem schwach industriellen Lande seine Hauptstüt Sache des Proletariats hat diesen Opfermut entfacht, hat Krampfadern entzündet sind, so gibt es noch Ärzte, die er- im Landproletariat. Aber vielleicht bringt die Aufwühlung die Genossinnen auch zur ausharrenden Geduld erzogen flären( wie jüngst in Rottbus):„ Ach, wenn wir alle Frauen, der Leidenschaften auch dort unserer Bewegung Förderung gegenüber all den Schwierigkeiten, welche sich ihren Be- die entzündete Krampfadern haben, erwerbsunfähig schreiben indem die eine oder andere der Bourgeoisieparteien sich ge strebungen entgegentürmen. Sie wird sie auch dazu ge- wollten, hätten die Arbeitgeber bald keine Arbeiterinnen mehr." nötigt sieht, einen Versuch zur Gewinnung des Proletariat wöhnen, einander immer besser verstehen zu lernen und Alle die kurz angeführten Übelstände werden natürlich durch Erweiterung des Wahlrechts zu machen. mehr Nachsicht entgegenzubringen. Nicht jedes ungeschickte außerordentlich verschärft durch die chronische Unterernährung, Wort, das fällt, ist bös gemeint. Bei gutem Willen welche die Folge der miserablen Entlohnung der in der Entwicklung in Ungarn mit Genugtuung, weil sie von eine bleibt manche Reibung, manches Mißverständnis zwischen Textilindustrie Beschäftigten ist. Für die weiblichen Arbeiter Trennung der beiden Reichshälften sich Vorteile für di denen erspart, die alle für das gleiche Ideal leben und ar- aber kommt noch die verlängerte Arbeitszeit hinzu, welche die heimische Entwicklung verspricht. Bei den jetzigen Zuständer beiten wollen. Wenn die Genossinnen die Tätigkeit ihrer Pflichterfüllung in der Familie mit sich bringt. Eine Stunde hat das ungarische Transleithanien den Löwenanteil der Vertrauensperson so verständig und opferfreudig unterstützen Arbeitszeitverkürzung würde für die gequälten Lohnsklaven Macht, das deutsch- slawische Gisleithanien den Eselsantei wie bisher, wird das neue Jahr der proletarischen Frauen- etne kleine Verminderung ihrer Qualen bedeuten und dem der Kosten. Das erkünftelte Gleichgewicht der beiden Reichs bewegung in Dresden- Land neue Erfolge bringen, die greif- Arbeitgeber absolut keine Opfer auferlegen. Im Gegenteil. hälften in der Beschlußfassung über gemeinsame Angelegen bar darin zum Ausdruck kommen müssen, daß die Zahl der Die Wissenschaft lehrt und die Erfahrung bestätigt, daß die heiten verschafft obendrein den absolutistischen Gelüsten de weiblichen Parteimitglieder bald auf 400 steigt. Seßen wir Arbeitsleistung nach Qualität und Quantität im umgekehrten Hofburg einen stetigen Einfluß. Alles das macht in de alle in treuer Ideen- und Kampfesgemeinschaft unsere volle Verhältnis steht zur Länge der Arbeitszeit. Das heißt also, österreichischen Sozialdemokratie den Ruf„ Los von Ungarn Die österreichische Sozialdemokratie begrüßt di 1 a r 11 0 t T e Nr. 4 Die Gleichheit 23 mehr und mehr populär. Die Hofburgelique wird ihrerseits Eine großartige Entwicklung hat die genossenschaft-| Herrschenden nicht mehr an Reformen erwarten dürfen, als alles aufbieten, um für die Krone wenigstens die militärische liche Produktion in Großbritannien, zumeist auf der ihre eigene Macht diesen abzutrogen vermag. Stärkung der Einheit, die einheitliche Gesamtarmee zu retten; weit leichteren Grundlage des organisierten Konsums, genommen. Im gewerkschaftlichen und politischen Organisation des Prole= Herzens wird sie der Zerreißung des bisher einheitlichen Jahre 1903 belief sie sich insgesamt auf rund 312 Millionen tariats muß ihre Losung sein. Mögen das insbesondere die österreichisch- ungarischen Wirtschaftsgebiets zustimmen. Was Mart, wovon auf die Großeinkaufsgesellschaften 1124 Mil- Proletarierinnen beherzigen, sie, die doppelt und dreifach aus diesem t. t. Herenkessel herausbrodeln wird, ist un- lionen Mark, auf die einzelnen Konsumvereine 112 Mil- unter den Schäden der langen Arbeitszeit leiden und als berechenbar. lionen Mark, auf die Produktivgenossenschaften, einschließlich Mütter besonderes Anrecht auf deren Verkürzung haben. In Deutschland darf die Regierung mit einiger Sicher- der landwirtschaftlichen, 87 Millionen Mark entfielen. Über heit auf die Annahme ihres siebenfach verfilzten Handels- 160 Millionen Mart, also mehr als die Hälfte der Gesamtvertragsrattenschwanzes rechnen. Den Agrariern liefert er produktion, entfiel auf Mehl, Brot und sonstige Lebensmittel. das arbeitende Volt zur Ausbeutung aus, und die Vertreter In der Produktion beschäftigt waren 43427 Arbeiter, wovon der Industrieunternehmer sind durch die Drohung mit einer 27 Prozent weibliche. vertragslosen Zeit so eingeschüchtert, daß sie nach bewährter Bourgeoismanier vor den Henkern zu Kreuze friechen und murrend zwar, aber mit Anstand, die industriefeindlichen Handelsverträge schlucken werden. Unbedingt feindlich zieht nur die Sozialdemokratie gegen die brotwucherischen Handelsverträge zu Felde. Gewerkschaftliche Arbeiterinnenorganisation. Der Gewerkverein der Heimarbeiterinnen umschließt Der im Jahre 1866 in Puteaux bei Paris gegründete nach seinem Organ„ Die Heimarbeiterin" in 23 Gruppen Konsumverein" Revendication"( Rückforderung), einer der 3000 ordentliche Mitglieder. Bekanntlich trägt der Verein, ältesten Frankreichs, hat eine Krankenkasse, eine Klinit eine christliche Gründung, mehr den Charakter einer Wohlund eine Apotheke ins Leben gerufen. Die Apotheke tätigkeitsinstitution, als einer gewerkschaftlichen Organisation nimmt niedrige Preise( 25 bis 30 Prozent über dem Selbst zur Verbesserung der Lage der Heimarbeiterinnen aus eigener kostenpreis) und hat eine prächtige Entwicklung. Sie be- Kraft. schäftigt bereits fünf Angestellte und hat einen täglichen Umsatz von etwa 130 Mart. Der Beitrag für diese Einrichtungen( 1 Gentime pro Tag) wird aus der Rückvergütung bestritten. Die revolutionäre Bewegung in Rußland hat seit Die Zahl der in Verbänden organisierten ungarischen threm Beginn mächtig die Geister aufgewühlt allüberall in Arbeiterinnen betrug Ende Juni vergangenen Jahres 1354 Deutschland. Wo nur klassenbewußte Proletarier an dem gegen 1286 am 1. Januar 1904. Nur drei zentralisierte Gewerk Werke der Volksbefreiung wirken, haben sie die Lehren der schaften wiesen mehr als 100 weibliche Mitglieder auf, nämEreignisse in Rußland erfaßt und sie hinausgetragen unter Im Wiener Frauenklub vertrat Frau v. Sprung in lich die der Buchbinder mit 600, die der Buchdrucker mit ihre Leidensgenossen, um sie zu Kampfgenoffen zu erziehen. einem Vortrag die Forderung der Vertretung der 398 und die der graphischen Arbeiter mit 215 Arbeiterinnen. Mag die Bewegung in Rußland zeitweise zurückebben; sie Frauen in der Verwaltung der Konsumvereine. Sie Von den Arbeiterinnen des Schneidergewerbes waren wird auch wieder vorwärts fluten; unterdrücken läßt sie sich betonte mit Recht, daß der Verein hauptsächlich von den 36, von den Hutmacherinnen 34, den Eisen- und nicht mehr. Emporfluten wird sie aber- und abermals, bis Frauen getragen wird, und erwartet von der Teilnahme der Metallarbeiterinnen 30 organisiert; bei den Schuhmacherinnen eine zweite, eine dritte Flutwelle den morschen Absolutismus Frauen die Gewähr, daß der Verein auch aus dem Gesichts- 21, den Handlungsgehilfinnen 15, den Arbeiterinnen in der hinwegschwemmt. An seinen ungeheuren Verbrechen geht punkt der Hausfrau geführt wird. Im Deutschen Reiche hat Sattlerei 5. Insgesamt umschlossen die gewerkschaftlichen er zugrunde. Er kämpft jetzt nur noch den verzweifelten man mit der Zuziehung von Frauen im ganzen gute Er- Landesverbände Ungarns am 30. Juni letzten Jahres 44758 Todeskampf, und sein Totengräber ist das Proletariat. G. folge erzielt. Simon Rabenstein. Mitglieder. Die ungarische Gewerkschaftsbewegung ist noch jung und hat mit besonders großen vereinsgefeßlichen Schwierigkeiten zu kämpfen. Genossenschaftliche Rundschau. Notizenteil. Soziale Gesetzgebung. Einen Verlust an weiblichen Mitgliedern hatten die englischen Trade Unions 1903 zu verzeichnen. Die Der Genossenschaftstag des Zentralverbandes Zahl der in ihnen organisierten Arbeiterinnen ist von 122210 deutscher Konsumvereine und die Generalversamm- Über die gesetzliche Einführung des Zehnstunden- in 1902 auf 119416 gefallen, das ist um 2,3 Prozent. Hauptlung der Großeinkaufsgesellschaft werden vom 16. bis tags für alle erwachsenen Fabrikarbeiter verhandelte der sächlich sind es die Textilarbeitergewerkschaften, welche weib23. Juni in Stuttgart stattfinden. Auf die Tagesordnung Reichstag fürzlich auf Grund einer Interpellation, welche liche Mitglieder eingebüßt haben. Auch die Zahl der männkommen unter anderem die mit dem Zentralverband der das Zentrum eingebracht hatte. Sie lautete:„ Kann erwartet lichen Mitglieder hat in dem Berichtsjahr einen Rückgang Handlungsgehilfen getroffene Vereinbarung über die werden, daß die verbündeten Regierungen noch im Laufe erfahren, und zwar von 1925000 auf 1902000 oder um wesentlichen Anstellungsverhältnisse des kaufmänni- der gegenwärtigen Session dem Reichstag einen Gesetzent- mehr als 1 Prozent. schen Hilfspersonals, das heißt hauptsächlich der Ver- wurf vorlegen, durch welchen die regelmäßige Arbeitszeit Bei der letzten Generalversammlung der amerikanitäuferinnen, und der endgültige Vorschlag der Kommission, der Arbeiter über 16 Jahre in Fabriken und diesen gleich- fchen Arbeiterverbände in San Francisco nahm zum betreffend die Fürsorgekassen für die Angestellten gestellten Anlagen auf höchstens zehn Stunden täglich be- erstenmal eine Frau das Wort: Frau Mary Kenney und Arbeiter der Konsumvereine. Die moderne" schränkt wird?" O'Sullivan, die Delegierte der FrauengewerkvereinsGenossenschaftsbewegung beweist, daß es ihr ernst ist mit Die Begründung erfolgte durch Herrn Trimborn, der liga. Sie rief den Beistand des großen Gewerkschaftsden sozialen Aufgaben auch dem Personal gegenüber. Be an reichem Material nachwies, wie dringend nötig und wie bundes für die in Fall River streifenden Arbeiter und dauerlich ist freilich, daß noch immer nicht wenige Konsum- durchführbar der gesetzliche Zehnstundentag sei. Sein ver- Arbeiterinnen an und entwarf ergreifende Schilderungen von vereine sich auf den engherzigen Krämerstandpunkt stellen gleichender überblick über den Stand der einschlägigen Ge- ihrer Notlage. Mit bestem Erfolg, denn der Gewerkschaftsund, wie in den Monatsblättern der Lagerhalter berichtet seizesbestimmungen im Ausland zeigte, daß so ziemlich alle bund verpflichtete seine Mitglieder zur Unterstützung der wird, sogar sich weigern, die Schiedsgerichtseinrichtung an- größeren Industriestaaten Europas Deutschland betreffs der Kämpfenden. zuerkennen, die auf einem Abkommen zwischen den Ver Festlegung des Zehnstundentags, wenigstens für die Arbeitebänden der Konsumvereine und der Lagerhalter beruht. rinnen, vorangegangen sind. Wie eine bittere SelbstverDer moralische Druck der fortgeschritteneren Vereine, vereint höhnung nahm sich angesichts dieser Feststellungen die hoffmit dem der Angestelltenorganisationen, wird mit der Zeit nungsselige Zuversicht aus, die deutsche Regierung werde in auch dieser Rückständigkeit Herr werden. dieser Session schaffen, was sie seit Jahrzehnten in gewissen losester Weise verschleppt hat, und zwar unter treulicher Mit schuld des Zentrums. nicht zu anworten geruhten. Welch herzerquickendes Beispiel von der väterlichen Fürsorge, die hohe Regierungen dem Wohl der ausgesaugten Lohnsklaven widmen! Arbeitsbedingungen der Arbeiterinnen. 0. B. Die Arbeitsbedingungen der Arbeiterinnen in der Fischindustrie, über welche der Bericht für Arbeiterstatistik Die Großeinkaufsgesellschaft, das Großhandelsorgan Erhebungen vornimmt, werden durch die nachstehenden Ander Konsumvereine, hat in dem abgelaufenen Geschäftsjahr gaben beleuchtet. In Ottensen sind Hunderte von Frauen ihren Umsatz von rund 26 auf 33 bis 34 Millionen Mark Posadowsky antwortete denn auch der wißbegierigen in den Fischräuchereien und-bratereien beschäftigt, wo sie gesteigert. Das ist eine Zunahme von nahezu 30 Prozent. sozialpolitischen Unschuld vom Lande, wie sie es verdiente. für 2 Mart Tagelohn 12 bis 13 Stunden bei der ungesunden Zum erstenmal konnte sie fast alle Waren gegen bar ein- Nämlich damit, daß er statt des erhofften Gesetzentwurfes Arbeit stehen. Oft verlängert sich ihr Arbeitstag bis nachts kaufen, ein Beweis für ihre befestigte, wenngleich ihren weitere Erhebungen ankündigte. Und dies angesichts 1 Uhr; Sonntags wird in Wechselschichten gearbeitet. Die großen Aufgaben noch lange nicht genügende Kapitalkraft. der Ergebnisse, welche vor zwei Jahren die offizielle Enquete Arbeiterinnen, die an den langen Tischen stehen und die Fische Die Gesellschaft besteht jetzt beinahe elf Jahre und hatte in feitens der Gewerbeaufsichtsbeamten geliefert hat, Ergeb- ausnehmen, werden natürlich bei aller Vorsicht schmutzig ihrem ersten Geschäftsjahr( April- Dezember 1894) nur rund nisse, welche seither durch die amtliche Statistik über die und naß. In der Braterei eines sehr großen Unternehmens 540000 Mart Umsatz. Also eine mächtige Entwicklung, die Regelung der Arbeitszeit durch Tarifverträge bestätigt und sind die Exhauster so unpraktisch eingerichtet, daß die an den hinter der englischen in deren ersten Jahren nicht zurück ergänzt worden sind. Verzeichnet sei, daß von 26 Bundes Pfannen stehenden Frauen den Luftzug nicht aushalten steht, von der schweizerischen aber übertroffen wird. staaten, welche zu Zwecken der Enquete befragt wurden, 18 können und die Grhauster abstellen. Fettqualm und Dunst Dort verzeichnete die Zentralstelle des Verbandes 1904 einen müssen sie die lange Zeit über einatmen. Wie die Lungen Umsatz von nahezu 6 Millionen Mart, im Verhältnis zur darunter leiden, kann man sich vorstellen. Die Arbeiterinnen Bevölkerung mehr als das Dreifache des deutschen Ergebder Ottenser Fischindustrie sind leider schwer zu irgend einer tnisses. Es bleibt also noch viel zu tun, um auch die Ent- Genosse Fischer ging sowohl mit der Reformfaulheit der Organisation heranzuziehen. Daß die Gesetzgebung zu ihrem wicklung bei uns in gleich fräftiger Weise zu fördern. Regierung wie mit der plump gemimten Reformheuchelei Schutze eingreift, insbesondere die überlange Arbeitszeit Verschiedene deutsche Konsumvereine haben die Gewährung des Zentrums unerbittlich ins Gericht. Insbesondere be- regelt und für sanitäre Verhältnisse in den Betrieben sorgt, von Sterbegeld eingeführt, um ihren Mitgliedern weitere tonte er, daß bei der heutigen industriellen Entwicklung das, ist dringend nötig. Vorteile zu bieten und deren Interesse an ihrem Verein zu was das Zentrum in arbeiterfreundlicher Pose erslehe, für heben. Voraussetzung ist dabei die Einzahlung des Ge- große Schichten der Fabrikarbeiter einen Rückschritt statt schäftsanteils( gewöhnlich 30 Mark), die größtenteils durch eines Fortschritts bedeute, und daß der Zehnstundentag nur Stehenlassen der zu verteilenden Rückvergütung erfolgt, und die Erreichung eines bestimmten Umsatzes, der auch von der Seit Anfang Januar bis 10. Februar gingen bei der ärmsten Familie erzielt werden kann. So gewährt der KonUnterzeichneten für den Agitationsfonds der Genossinnen fumverein Hagen bei einer Warenentnahme von mindestens ein: Berlin Genossin N... 1 Mark, durch Genossin 300 Mark ein Sterbegeld von 30 Mark für Erwachsene, von Jakob ges. 6,45 Mark, eine dankbare Russin in der Ver10 bis 20 Mart für Kinder. Die Mitglieder haben dafür Nachdrücklich befürwortete der Pole Rulersti den Zehn- sammlung vom 9., Wiclefstraße, 20 Mart; Klein- Auheim keine besonderen Beiträge zu leisten. Unter den gleichen stundentag, dem noch etwas lauere Verteidiger in dem Christ- durch Genossin Klein 10 Mark; Essen- West durch GeBedingungen zahlt der Konsumverein Dessau ein Sterbe- lichsozialen Burkhardt und dem Freisinnigen Pachnicke nossin Deuper 15 Mark; Post Crengeldanz durch geld von 30 Mart aus. Diese Neuerung, die durch ein ein erstanden. Der Konservative Schickert und der National Genossin Stöter 11,60 Mark; Leipzig durch Genossin wandfreies Mittel das Geschäftsinteresse der Mitglieder an- liberale Lehmann bekämpften dagegen die bescheidene H. Zeiler Rückzahlung 50 Mart; Burg durch Genossin stachelt, dürfte rasch weitere Verbreitung gewinnen. Viel Reform im Namen der persönlichen Freiheit, der Sittlichkeit Such y 1,50 Mart; Quedlinburg durch Genossin Lüdke leicht kommt man auch noch dazu, eine Unfallversicherung und anderer idealer Güter, deren Namen die hartgesottenen 5 Mart; Chemnitz durch Genossin Riemann 75 Mark; einzuführen; die Vermittlung der Lebens- und Bolts Sachwalter schäbigster Ausbeuterinteressen im Munde zu Bremen durch Genossin Bosse 25,50 Mark; Wittenversicherung durch Konsumvereine wird bereits seit längerer führen pflegen, wenn sie den kapitalistischen Profit bedroht berge durch Genossin Hernowsky 14,30 Mark; 2uckenDi Beit erörtert. fühlen. Der Zentrümler Erzberger suchte den Eindruck walde durch Genossin Tabert 16,35 Mart; Halberstadt Eine Druckerei auf konsumgenossenschaftlicher Grund- der sozialdemokratischen Ausführungen durch persönliche durch Genossin Ziegenberg 10 Mark; 3wößen a. Elster i lage ist in Dessau errichtet worden. Der Überschuß wird Lümmeleien abzuschwächen, der gebildetere und besser unter- 5 Mart; Meeranei. S. durch Genossin Fiedler 10 Mark; vom Betrag von je 100 Mart an den Kunden zurückvergütet, richtete Posadowsky durch sentimental entrüstete Beteuerungen Magdeburg durch Genossin Chmielewski 12,50 Mark; deren hauptsächlichster der Verlag des Volksblattes für An- über das unbefleckte Reformherz der Regierung. Wer nach Hamburg durch Genossin 3ies 10 Mart; Eisenhalt ist. Die Zahl der Mitglieder beträgt über 1000, die dem Verlauf der sozialreformlerischen Tat" des Sentrums berg i. S. gesammelt in der Besprechung mit Genossin Höhe der eingezahlten Geschäftsanteile, die mit höchstens auch an die baldige gesetzliche Verkürzung der täglichen Ar- 3ie B 4,30 Mark; Hattingen durch Genossin Bechstein 4 Prozent verzinst werden, einige 30000 Mart. Das Gebeitszeit glaubt, verdient zur Strafe in die berühmte Berliner 10 Mart; Baat durch Genossin Straatmann 17,80 Mart. bäude nimmt zwei Stockwerke auf einer Fläche von 400 Denkmalsallee versetzt zu werden. Ihr einziges fchäzens- Summa 331,30 Mark. Quadratmeter ein und ist mit den neuesten Maschinen und wertes Resultat bleibt, den ausgebeuteten Massen wieder Dankend quittiert: elektrischem Antrieb ausgestattet. 11 e. ie in er 78 30 19 g e zer en per eil 11 Der De พ่ noch als Etappe zum Achtstundentag in Betracht kommen könne. Der gewerkschaftliche und politische Klassenkampf des Proletariats werde die Verbesserungen der Arbeitsbedingungen erringen, welche Regierung und ausschlaggebende Parteien den Werktätigen vorenthalten. Quittung. einmal mit Blitzeshelle gezeigt zu haben, daß sie von den| Ottilie Baader, Berlin S 53, Blücherstr. 49, Hof II. 24 Die Gleichheit Nr. 4 Weggedanken. Von Otto Krille. Die Wintersonne guckte bleich durch die knarrenden Gipfel der Föhren, über den frisch gefallenen Schnee ging ein Flimmern von tausend Sternchen. Von den Zweigen fielen mir auf Hut und Mantel reichliche Flocken des weißen Segens, und die Brust sog wachsend die herbe Luft in kräftigen Zügen. Mein Eichenstock knirschte auf dem harten Boden des Waldweges. Winterwandenmg in der Waldstille. Wie die klare, kalte Luft wird da unser Denken, durchsichtig, fernenweit. Der Eishauch drängt die Flammen der Leidenschaften und Zweifel zusammen und erstickt sie zu einem winzigen, glühenden Aschenrestchen. Groß, rein und krystallklar wird unser Wollen, wie die Winterluft, wie der jungfräuliche Schnee. Der lag in glücklicher Keuschheit ausgestreut, und meine Augen schmerzten, wenn sie nach ihm blickten. War es seine blendende Helle? War es der Schmerz, daß unsere Reinheit so schnell vergeht und wir bald Staub tragen an unseren Schuhen und Kleidern von der Straße des Lebens? Wer aber will entscheiden, was heiliger ist, der zartkeusche Kinderfuß oder der staubbedeckte Fuß des Lebenskämpfers? Und die Evangelien erzählen von einem Weibe, das einem göttlichen Dulder die Füße wusch. Heiligt der Lebensweg die Füße, die ihn betreten? Auf dem Waldweg vor mir hoben sich vom Schnee graue Fußspuren ab. Irgend einer hatte diese wunderbare Stille genossen, vorauseilend meinen Schritten. Und wie ich länger die Zeichen menschlicher Nähe betrachtete, da kam mir ein Bild der Vergangenheit vor die Seele. Weite, flimmernde Heide, dazwischen nur niedrige Wacholderbäume, schwer mit Schnee beladen. Ich allein, wie ein Ungläubiger in einem Tempel, scheu und staunend, neugierig und lächelnd. Und ein halbvergessenes Gedicht von dem kleinen Ereignis kam mir wieder in den Sinn. Lag die weite Heide tief verschneit, Rings ein sonnenfunkelnd Leben nur. Im erstarrten Schnee der Einsamkeit Fand ich eines müden Schrittes Spur. Schneesturm peitschte Mantel mir und Hut. O wie fröhlich wurde da mein Sinn, Und wie brauste mir das Wanderblut, Frischen Mutes köstlicher Gewinn! Doch verweht war schnell der Brudertritt, — Meinem Herzen kam's wie Abschiedsgruß— Lenkte Heimatssehnen seinen Schritt, War's des Wahrheitssuchers irrer Tritt? Weiter ging ich übers stille Land. Wehe Kenntnis raunte für und für, Nimmer schwieg sie, wenn ich Schritte fand, Die nicht führten zu verttauler Tür. Wie wenig doch zuweilen das Wort Künderin des Gefühls sein kann. Verlorene Spuren! Wenn ein lieber Freund uns entschwunden ist, untergegangen im Lebensmeer, ohne daß auch nur eine Welle von ihm erzählt.— Das schmerzt! Ein unerklärlich banges Weh, nicht die stille Wehmut um einen Toten. Wanderer, die vom Ziele irren, Schiffe, die den Hafen nicht finden--! Tragödien! Nicht weniger schmerzlich, weil sie alltäglich sind. Ach, und sind wir nicht Segler auf dem Meer des Lebens, nicht Wanderer zu den Höhen der Zeit? Sind wir nicht Schwertträger für ein hohes Ziel? Und viele sind uns vorangeschritten in trotziger Kraft. Plötzlich aber waren sie nicht mehr, und ihre Spur ward verwischt von den anderen. Aus Blut und Tränen ihrer Tage sproßte uns die Gegenwart. Und ihr Lohn war ein Mosesblick ins umstrittene Land. Furchtlos aber und unerschütterlich im Erkennen des Heute und im Glauben an das Ziel sind sie ihren Weg gegangen. Durch die Rosenbüsche, dran sie vorüberschritten, pfiffen die Kugeln ihrer Feinde. Aber sie kämpften. Der Acker der Zukunft ist steinig und hart, und in die Scholle tropft der Schweiß des Pflügers. Wo aber Tausende ackern, da muß das Erdreich fruchtbar werden. Und ihr Schwachen, wenn euch die Kraft fehlt, den Pflug zu führen, könnt ihr nicht die Pflugschar schärfen? Es gibt kein seigeres Wort wie die bängliche Frage: �Werde ich auch die Ernte erleben?" Dummheit, Faulheit und Feigheit mögen auf ihm ruhen und ihre Brüder verraten. Zu ihnen werden sich die Blinden gesellen, welche das Wachstum der jungen Saat nicht sehen können. Wir aber, Genossen des gleichen Zieles, wollen die Lust des Pfliigens und Säens genießen, die edelste Freude des Lebens, ob die Ernte einst unseren Namen preist oder die reifen Ähren sich über unseren Hügel neigen. Und ihr Frauen! Euch hat man gesagt, daß ihr nur da seid, Tränen zu trocknen und Wunden zu heilen! Man hat euch betrogen, schmählich betrogen um die Wunder des Schaffens und die Wonnen des Strebens. Wie hat man eure Seelen gefangen gehalten! Eure Herzen gezähmt, um mattbrüstigen Duldern die Füße zu waschen. Nehmt teil am Werke der Zeit, am Kampfe gegen die Armut, die eure Schönheit zerstört, die euren Lieblingen die Wangen bleicht, und ihr werdet fühlen, wie ein Ich in euch entsteht, das untergegangen war in der Sklaverei des Alltags. Nur ein Schritt ist's bis zur Bahn. Ein Schritt nur. Das Geschehnis hat wunderbare Gewalt.---- Heiho! Schnee stäubte mir ins Gesicht. Ein eisiger Wind stachelte meine Wangen. Heulend pfiff er zwischen Stämmen und Asten, daß ich gegen ihn ankämpfen mußte. Wie die Muskeln sich strafften! Wie die Kraft jubelnd erwachte! Das ist des Sturmes göttlichste Wirkung, daß er die schlummernden Kräfte und Worte wachruft. Alle Gewalten des Geistes und Körpers löst er. Und dieses ist die fröhlichste und tröstlichste Wahrheit: „Wir wachsen, wenn wir kämpfen!" Der Kleinste wird groß, wenn er sich einem hohen Ziele weiht. Wer im Kampfe fällt, fällt in der Größe. Mit Eishauch und Schneesturm brach das neue Jahr herein. Wollte es kommende Kämpfe verkünden? Aber aus den stürmischen Wettern tönte zugleich laute Zukunftsfreude an das Ohr des einsamen Wanderers. Am Waldrand faßte mich der Sturm mit doppelter Wucht. Kämpfend gegen den rauhen Gesellen erreichte ich die Stadt, wo sich sein Grimm an Giebeln und Dächern brach. Dort aber umbrauste mich der Strom des Lebens. Wie Gefängnisse drohten die Fabriken. Aber eine neue Weise klang mir entgegen. Aus den Fabriksälen schallte der Lärm der Maschinen. Dazwischen Stimmengewirr, Hammerschläge, Feilen, eiü betäubendes Durcheinander. Die Menschen hasteten und fieberten, ruhig aber und gleichmäßig scholl der Chorus der Räder, wie der Schritt der Zeit, stetig, unablässig, unabwendbar. Und mir klang's wie ein Hymnus auf die Zukunft. -W-° Freiheit,«s- Von John Sah. Wer dürfte wohl zu sagen sich erkühnen: „So, so allein soll mir das Meer erscheinen?" Sei's, daß es liegt in stiller Friedenspracht, Die Erde küssend und des Himmels Blau, Rings widerstrahlend von smaragdner Flut; Sei's, daß vom Wind bewegt, auf reiner Brust Es unsre weißbeschwingten Boten trägt Zu Zielen blut'gen Ruhms und ernster Not; Sei's, daß gepeitscht vom Sturme, es sich beugt Der Macht der Elemente, brüllend schlägt An seiner Felsen Kerkermauern; wild Lebend'ger Wesen Blut voll Mordlust trinkt Und seinen Stand mit Trümmern übersät: Stets ist's das Meer, und alle beugen sich Vor seiner schrankenlosen Majestät. So auch umsonst versucht der feige Mann, Der Freiheit enge Grenzen aufzubauen. Denn schrankenlos zu sein ist ein Gesetz, Das sich die Freiheit schuf, und das im Sturm Und Frieden gleich sie unentwegt befolgt. Verachtet sie drum nicht, wenn sie im Schlaf Gleich einem Leuen ruht, indes ein Schwärm Von Übeln sie umflattert harpyiengleich. Noch zweifelt, wenn sie in verworrner Zeit Des Schreckens Fackel schwinget und ihr Ruf Durch alle Länder bebt, wenn in des Kriegs, In der Empörung Wut ihr Riesenleib Erscheinet aus dem Richtplatz, wo das Beil Als Grabgeläute der Tyrannen tönt: Denn stets in deinem Aug', o Freiheit, Erstrahlt ein hehres Licht, der Welt zum Heil: Ob du uns tötest auch, vertraun wir dir. Gedanken. Von Fröhlich-Essen. Es ist ein Uhr nachts. Ich sitze und arbeite an meiner Selbstbildung. Buchführung will ich lernen, damit ich das Amt, zu dem mich das Vertrauen meiner Genossen berufen hat, auch ausfüllen kann. Wie schwer hat's doch ein Arbeiter! Tagsüber in der Fabrik schwer schaffen, das ganze Denken auf die Arbeit konzentrieren. Abends müde und abgespannt, mißstimmig über diesen oder jenen Fehlschlag, noch über den Büchern sitzen, weiter sorgend, weiter schassend. Und Sonntags, morgen ist Sonntag?, heißt's wieder: Gewerkschafter, Genosse, sei auf dem Posten, tue deine Pflicht! Arbeit, immer Arbeit. Ich bekam ordentlich Mitleid mit mir selbst. Da plötzlich schreit in dem nebenanliegenden Schlafzimmer mein jüngstes Kind hellauf. Gleich höre ich, wie meine Frau aus dem Bett springt und in beruhigendem Tone auf die Kleine einredet:„O, hast du träumtchen, kleine Mäus, o, o bist du bängchen, Mama ist ja bei dir. So, so, so, schön schlafen." Durch das Geschrei sind aber auch die übrigen Kinder erwacht(ich habe fiins), und es gibt bei dem einen und andern zu beruhigen und Wünsche zu erfüllen. Eins will trinken, und so kommt meine Frau zu mir in die Küche. „Bist du noch auf?" fragt sie.„Es ist schon ein Uhr durch!" Und mir übers Haar streichend:„Bleibe nicht so lange sitzen, du verdirbst dir sonst die Augen."... Jetzt können mich Debitoren und Kreditoren nicht mehr halten. Meine Gedanken schweifen ab und beschäfttgen sich mit der Frage: Was hat denn eine Arbeiterfrau von ihrem Leben, etwa mehr wie der Mann? Nein, weniger, viel weniger, besonders wenn sie Mutter mehrerer Kinder ist. Morgens früh heraus. Der Mann muß zur Arbeit, die älteren Kinder müssen zur Schule, die kleinen wollen besonders gewartet und gepflegt sein. Das Mittagessen soll zur Zeit fertig stehen, denn der Mann muß wieder zur Arbeit, er darf nicht warten. Nachmittags heißt's reinigen und flicken, aus alten av- gekagenen Kleidern der Großen neue für die Kleinen zurechtschneidern. So geht's tagaus tagein bis in die späte Nacht, und auch nachts gibt's keine ungestörte Ruhe für die Frau. Bei allem Mühen, Sorgen und Schaffen freundliche Worte für den Mann, liebevolle und belehrende für die Kinder. Wie unrecht hatte ich doch mit meiner Antwort, als ich einst in der Schule gefragt wurde: Wer ist das höchste Wesen? Jetzt weiß ich es: Das höchst zu verehrende Wesen, welches die Welt trägt, ist das Weib eines Arbeiters, ist die Mutter seiner Kinder. Wie turmhoch, wie himmelhoch erhaben steht sie über jenen Frauen, deren Lebenszweck darin besteht, sich zu putzen, von einem Vergnügen zum andern zu eilen und mittels raffiniertester Toilettenkunststückchen die Männer zu fesseln. Wie viel nützlicher für die Menschheit ist doch die arbeitende Frau als jene, welche, dem Ausspruch aus sogenanntem hohen Munde folgend, nicht schreiben und sich geistig betätigen, weil durch die gebeugte Haltung beim Schreiben und durch die Falten, welche sich bei ernstem Nachdenken im Gesicht bilden, die Schönheit leidet. Denn, so hieß es weiter, die Schönheit zu pflegen und zu erhalten sei die höchste Aufgabe des Weibes. Stundenlang sitzt die Proletarierin gebeugt über ihrer Arbeit. Oft, beinahe immer, liegt ihr Gesicht in ernsten Falten. Wo bleibt ihre Schönheit? Braucht der Arbeiter vielleicht keine Schönheit um sich, meint man etwa, er besitze so wenig Sinn für sie, daß er Frauenanmut nicht zu würdigen verstehe? Schönheit allerdings, die sich nur durch Nichtstun und Künsteleien erhalten kann, braucht er nicht, auf die verzichtet er. Sie gleicht der Pracht des Pfaus, der durch sein herrliches Gefieder glänzt, aber niemand nützt.... Und nichts, gar nichts hat die Arbeiterin, die arbeitende Frau von ihrem Leben? Doch, flüstert's mir ins Ohr. Etwas hat sie mit ihrer reichsten Schwester gemein, die Liebe. Die Liebe? Kann in unserer von Klassen- und Kastengegensätzen zerrissenen Gesellschaft wirklich von Liebe die Rede sein? Von Liebe gar für die Armen, die Unterdrückten? Wenig, sehr wenig.... Weib, greife zu, verlange Liebe, reine, leidenschaftliche Liebe. Heißt's da nicht gleich: Ist er, dem deine Liebe zufliegt, mit dir eines Glaubens? Welchen Beruf hat er? Kann er eine Familie ernähren? Und wenn alle diese Fragen befriedigend beantwortet werden, könnt ihr euch lieben. Nein, noch nicht, erst muß der Standesbeamte, womöglich noch der Herr Pfarrer gesprochen haben. Erst wenn die Liebe gesetzlich genehmigt, fein säuberlich in Paragraphen eingewickelt ist, dann dürft ihr euch lieben. Und später!.... Die Misere des Lebens tritt an die Frau heran, Krankheit, schmaler Verdienst sind vielleicht ständige Gäste. Häufig, leider zu häufig, flieht dann leise weinend die Liebe zum Hause hinaus. Frau Sorge nimmt breit und behäbig ihren Platz ein, und nur ab und zu gestattet sie der Verdrängten einen kurzen Besuch.... Aber halt, eines besitzt die Arbeiterfrau, und eines kann ihr niemand rauben: das ist die hehrste Achtung jedes wahrhaftigen Menschen. «eranUvorMch für dte Nedaklton: Fr. Klara ZeMn(Zundel),WtlheI>nShöh« Post Tegerloch bei Stuttgart. Druck und Verlag von Paul Singer in Stuttgart.