|tv. 300 Abmmtments-Drdingungen: Sbonnemenl«-Prei» pränumerando: vierleljährl> S�v Mk., monatl. 1,10 Sit.. wöcheullich 28 Pfg. frei Ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- Nummer mit illustrirter Sonntags- Beilage„Tie Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Marl pro Quartal. Eingelragen in der Post- Zeitungs- Preisliste für 1887 unter Dr. 7487. Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland 3 Marl pro Monat. «rschrinl täglich»utzrr«ontag». 14. Jahrg. Dt« Insertions-Gedöhr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel- zelte oder deren Raum»0 Pfg., für Bereins- und Bersainuilungs-Anzeigen, sowie Arbeitsmarlt 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bis l Uhr»achmltlagS in der Erpediiton abgegeben werde». Tie Srpedillon ist an Wochentagen bts 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 0 Uhr vormittags geöffnet. Devliner VolksvlAkk. Fernsprecher:»mk l, Nr. IVOS. Telegramm-Adresse: „Sozialdemokrai Serlin". Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Dentschlands. Zleduktisn: 8V. 19. ZSeuly-Straße S. KLpedition: 8V. 19. Mettty-Straße S. Gosen von Vanptzmtnvol. Die Regierung hat den vorläufig unverbindlichen Entwurf eines Reichsgesetzes betreffend die Sicherung der Bau- forderungen vorgelegt mit dem Wunsche, daß sich die Oeffent- lichkeit, insbesondere die Vertreter der betheiligten Kreise dazu äußern sollen. Zil den betheiligten Kreisen gehören natürlich nicht nur die am Baugeschäft betheiligten Handwerksmeister, sondern in vorderer Linie auch die gesammten beim Häuserbau und-AnSbau beschäftigten Arbeiter, da sie von dem Schwindel- systcm, das sich seit einer längeren Reihe von Jahren im Bau- gewerbe eingenistet hat, in empfindlicher Weise mitgetroffen werden. Namentlich die Verhandlungen vor den Gewerbe- gerichten haben ja oft genug gezeigt, in welcher raffinirten Weise die Bauarbeiter durch d,e Bauschwindler direkt be- trogen werden, oder wie sie unter den Verlusten, von denen die Bauhandwerksmeister getroffen werden, mitzuleideil haben. Den ersten Anstoß zu den jetzigen Gesetzesvorschlägen hat wohl die Bauhandwerker-(das heißt Handwerksmeister-) Be wegung gegebeil, die 1894 durch den„Fall Seeger" einen starken Anstoß bekam. Der Malermeister Seeger in Berlin hatte sich damals mit seiner ganzen Familie infolge erlittener Verluste ums Leben gebracht. Dieser Fall hatte die Oeffent- lichkeit stark aufgerüttelt und Anlaß dazu gegeben, daß sich zahlreiche Persönlichkeiten und Körperschafleil mit der Frage des systematischen Bauschwindels beschäftigten. Auch im deutschen Reichstage und in den Volksvertretungen der meisten Einzelstaat n wurde die Frage wiederholt behandelt und vielfach Ai träge an die Regierungen zur gesetzlichen Beseitigung des Mißstandes gestellt. Allerdings hatten und haben sich die Dinge in scheilßlicher Weise zugespitzt. Man eriilnere sich nur des berühmten Falles Ronacher in Berlin. Bei dieser Gelegenheit hat eine große kapitalistische Aktien-Gesellschaft einen Fischzug von Millionen Mark gemacht, während die Handwerker und Lieferanten für das ntit größter Pracht aufgebaute Ronacher-Theater um ihre rechtniäßigen Forderungen betrogen wurden.— Dabei ist das Schivindelsystem in beständiger Ausbreitung begriffen, während die Bauthätigkeit selbst zurückgeht. An Vorder- . Häusern wurden in Berlin nach den Angaben des Statistischen Jahrbuchs der Stadt Berlin gebant 1889: 1191, 1890: 802, 1891: 731, 1892: 505, 1893: 363, 1894: 497. Es zeigte sich also ein ständiges Zurückgehen der Bauthätigkeit. Die Subhastatioilen nahmen dagegen zu. Es wurden in Berlin an bebanteil Grilndstücken snbhastirt 1889: 48, 1390: 103, 1891: 143, 1892: 323, 1893: 337, 1894: 343, 1893: 335. Und eine ähnliche Entwickelung zeigt sich in vieleil deutschen Städten mit regerer Bauthätigkeit. So stieg die Zahl der Snbhastationen nach den Angaben des Statistischen Jahrbuchs deutscher Städte von 1890 bis 1893 in Breslau von 39 auf 77, in Dresden von 11 ans 41, in Leipzig von 41 ans 130. In München wurden snbhastirt 1893: 184, 1894: 167 lind 1893: 109 bebaute Griindstücke. Diese Zahlen bedeuten kolossale Verlilste der Bauhandwerker und-Arbeiter. Wie hoch sich diese Verluste im einzelnen stelleil, läßt sich natürlich alich nicht annähernd berechnen. Nach einer großen Haudivcrkerversammlung, die ans Anlaß des Seeger'schen Selbst- mordes ciubcrnfcn wordeil war, wurden beim Vorstände des Dcutscheil Bundes für Bodenbcsitz-Reforin von Handwerksmeistern mehr als 5Vs Millionen Mark Verluste angemeldet, welche Summe die Meister innerhalb weniger Jahre bei Schwindelbaute» verloren haben wollten. Im allgemeinen darf man nun die Summeii, die von deil Meistern als in solcher Weise verloren bezeichnet werden, nicht wörtlich nehmen. Denn es ist bekannt, daß die Handwerker bei den Bauten, wo ein mittelloser Balinnter- iichmer vorgeschoben ist und die Handwerker einen größeren Theil ihrer Fordernngen. kreditiren müssen, häufig Preise an- setzen, die sie von einem soliden Ballherrn, der baar bezahlt, nienlals bekommen würoeii. Werden sie dann um einen Theil der Fordernngen geprellt, so ist infolge der theueren Preisberechnung doch nicht die ganze schein- bar verlorene Summe als wirklicher Verlust zu betrachten. Jmiuerhiu ist aber kein Ziveisel darüber, daß zahlreiche Hand- werker durch das Schwindelsystem bedeutende und ruinöse Verluste erlitten haben und noch erleiden.— Was die Ver- Inste der Bauarbeiter betrifft, so kann man für diese einen Maßstab gewinnen, wenn man bedenkt, daß allein beim Ber- lincr Gewerbcgericht in den Jahreil 1893 und 1694 über 176 000 M. voll Bauarbeitern eingeklagt worden sind. Fragt man, wie es möglich ist, daß ein so wichtiger Zweig der Produktion menschlicher Gebrauchsgüter, wie der Hänserbau, einem derartigen Raub- und Betrngssystei» verfallen konnte, so sehen wir hier nichts weiter, als eine besonders widerliche Spielart der kapitalistischeii Entwickelung. Es handelt sich hier um eine besondere Methode des kapitalistischen Auf- sanguilgsprozcsses, der Vernichtilng und Zerreibung des Hand- ivcrks, der Answucherung der Arbeiter zu gunsten großer Kapitalisten oder großer Bankinstitute, deren Dividenden fortgesetzt anschwellen, und zwar in demselben Maße, wie den Opfern dieser unerhörten Gaunerei das Blut abgezapft wird. Das Charakteristische dieses ganze» Schwindels ist nämlich, daß die schließlichen Gewinner immer die großen Kapitalisten sind, während die vor- geschobenen„Bauherren", die den Schwindel ansführen müssen, regelmäßig selbst als Bankerotteure an Geld nnd Ehre ans dem Geschäft hervorgehen. Die Abwickelung dieser Raubgeschäfte vollzieht sich in kurzen Worten folgendermaßen. Der ganze Baugrund in der Umgebung größerer Städte ist längst in den Besitz von Groß- kapitalisten, Ballgesellschaften und Banken übergegangen, die mit den Grundstücken einen unausgesetzten Handel treiben, die Preise hinaufschrauben und beim Verkauf das Vielfache des Alikalifspreises herausschlagen. Dieses Hindurchjagen der Grund- stücke durch viele Sperillaiitenhände, dasiedesmaligeKlebenbleiben eines großen mühelosen Gewinnes vertheuert schon den Bau- grund so stark, daß solide Unternehmer kaum noch daran denken können, ihn für eigene Rechnung zu kaufen und mit eigenem Gelde zu bebauen. Die Bauken bedienen sich daher gänzlich oder fast gänzlich vermögensloser vorgeschobener Per- sonen. Der neue„Bauherr", nicht selten ein früherer Maurer- polier, zahlungsuufähiger Budiker, oder in das Schwindel- system hineingerissener Handwerksineister,„kailft" zu einem durch nichts gerechtfertigten hohen Preis die Baustelle. Der ganze Kaufpreis wird als erste Hypothek auf das Grundstück eingetragen. Auch die Mittel zum Bau müssen dem Bau- Herrn gegeben werden. Dieses„Bangeld" wird gleichfalls hypothekarisch eingetragen. Es wird mit dem Fortschreite» des Baues ratenweise in kontraktlich festgesetzten Summen aus- gezahlt. Da es zur vollständigen Deckung der Baukosten nicht ausreicht, vielmehr in der Regel nur in Höhe von zivei Dritteln der nöthigen Baukosten gegeben wird, so dient es fürs erste dazu, den Banhandwerkern so viel auszuzahlen, daß sie knapp die Wocheulöhne für die Arbeiter entrichten können. Mitunter gelingt es, das Haus mit starker Juanspruchnahme des Kredits der Banhandiverker fertig zu stellen und günstig zu verkaufe» oder zu vermiethen, sodaß die Betheiligten nach lind nach zu ihrem Gelde kommen. Meistens aber bricht der Krach knrz vor Vollendung des Baues oder bald nach derselbe» aus. Der Bauherr wird zahlungslinfähig, das Haus kommt zur Subhastation und wird im Bietililgsterinin gewöhnlich von den Geldgebern„erworben". Die Kapitalisten sind im recht- mäßigen Besitz eines Hauses und haben doch nur einen Theil der Baukosten dazu gegeben. Die Leidtragenden sind neben den Arbeitern, die ihre Löhne nicht bekommen, die Handwerker und Lieferanten des zahluilgsunfähigen Bauherrn. Dasjenige, was sie in das Haus hinein gebaut haben, gehört nach Lage der gesetzlichen Bestimmungen den Kapitalshyäncn. Haudiverker und Lieferanten, die, um noch zu retten, was zu retten war, eigenmächtig ihr Material aus dem Neubail zurückgeholt habe», sind schon wiederholt wegen Diebstahls bestraft worden. Gegen dieses Ranbsystem hat sich nun doch im Laufe der Jahre ein Sturm der Entrüstung erhoben, iind nachdem die Regierung anfänglich gezögert hatte, das bisherige System des Hypothekenrechts zn durchbrechen, hat sie sich nun doch ent- schloffen, gesetzgeberisch gegen den Mißstand vorzugehen. Die Regierung hat darauf verzichtet, den Handwerker- forderungen einen unbedingten Vorzug vor den sonstigen eingetragelien Hypotheken zu verschaffen. Der Grnud- gedanke des Entwurfs, dessen Inhalt wir an anderer Stelle in einem ausführlichereil Auszug wiedergeben und auf den wir vielleicht auch noch nach der spezifisch juristischen Seite hin zn sprechen kommen werden, ist folgender: Es soll landes- herrlicher Verordnung überlassen bleiben, anzuordnen, daß für einzelne Gemeinden oder Thcile von Gemeinden, wo Neubauten in größcrem Umfange zu erwarten sind, die polizeiliche Bau erlaubniß nur erlheilt wird, wenn auf dem Grundbnchblntt der Baustelle ein„Bauvermerk" eingetragen worden ist. Der Banvermerk giebt den reellen Werth der Baustelle au, und zwar nach Grundsätzen, die landcsgesetzlich oder landesherrlich ge regelt sind. Die Bangläubiger können binnen sechs Monaten nach Vollendung des Baues ihre Forderungen beim Grinidbuchamle anmelde». Von amtswege» wird dann nach Ablauf der Frist eine Sicherhcitshypolhek in Höhe des Gesammtbetrages der angenieldeten rechtsgiltigen Baufordc runge» eingetragen. Im Falle der Zwangsversteigerung haben die voreiugetragenen Hypotheken der Kapitalisten ein Vorrecht»nr insoweit, als sie den im Bauvermerk eiugetragcncn Werth der Banstelle nicht übersteigen. Ist eine Baugelder- Hypothek voreingetragen, so erhöht sich der vorweg zu berücksichtigende Banstellenwerth um den Betrag derjenigen Zahlungen, welche von dem Baugeldgeber zur Tilgung von Bailforderuugen geleistet sind.(Er würde sich also, falls er später einen solchen Beivcis führen will, dazu entschließen müssen, die Handwerker nnd Arbeiter selbst anszu bezahlen.) Tritt Zwaiigsverwaltuiig des Grnndstttcks ein, so werden aus den gewonnenen Miethen«. zuerst 4 pCt. der obigen vorberechtigteu Hypotheken bezahlt, und hiernach rangiren die durch die Sicherhcitshypothek gewährleisteten Ansprüche der Bangläubiger.— Die Ansführnng dieses Reichs gesetzcs soll der Regelung der einzelnen Buudesstaaten überlassen bleiben. Für Preußen wird beispielsweise vor- geschlagen, zum Zweck der Fcslstellnng des Baustellcnwerthes «Banschöffenämter" zn errichten. Die Bauschöffen sollen durch de» Magistrat auf mindestens 3 Jahre gewählt werden. Dies die Grundgedanken des Gesetzentwurfs. Wenn der Entwurf i» seinen Hauplzügen Zustinlulung fiildcn und schließlich als rcchtsgiltiges Gesetz publizirt werden sollte, dann wird ja voraussichtlich der jetzt geübte Bgn- schwindel wesentlich erschwert sein. Wenigstens ist schwer zn übersehen, wie die Terrainspeknlauten auch durch die Maschen dieses Gesetzcs schlüpfen oder in lvelcher §orm sie dann ihre Schiviudelpraktiten mit ebenso großen rträgnissen durchführen könnten. An Versuchen hierzu wird � es ja nicht fehlen, und auch in den Fällen, wo sich alles nach den Vorschriften des Gesetzes vollzieht, werden die Bau- Handwerker nicht vor allen Schäden gesichert sein. Trotzdem sind sie es, die mit dem Gesetzentwurf am meisten zufrieden sein können und, soweit bis jetzt Aeußerungen vorliegen, auch sind. Wenn aber der Entwurf meint, auch die W o h n u n g S- m i e t h e r würden durch diese Neuregelung bedeutend ge- winnen, weil das jetzige Schivindelsystem die Miethen vertheuere, so können wir dem nicht zustimmen. Die Miether als solche fahren bei dem heutigeil System— wenn man von dem häufig schlechten Ausbau der Wohnungen absieht— ganz gut. Es ist heute vielfach, eben infolge des Schwindelsystems, ein Uebcrangebot an Häusern und Wohnungen vorhanden, durch welches die Eigentyümer verhindert werden, die Miethspreise bis ins Ungemessene zu steigern. Auch die Nothlage der oben gekennzeichneten Bauherren führt häufig zu einem verhältniß- mäßig preisiverthen Vermiethen der auf Vorrath gebauten Wohnuiige». Gelingt es aber, das Baugeschäft vollständig zu saniren, so wird nur soviel gebaut werden, als es der Be- völkerungszuwachs gerade nöthig macht. Außerdem steht dem Miether dann kein vor dem Krach stehender Bauunternehmer gegenüber, der unter allen Umständen vermiethen muß, sondern ein kapitalkräftiger Hanspascha, der warten kann. Durch alles das wird das Verbältniß zivischen Vermiether und Miether entschieden zu Ungunsten des miethenden Publiknnis verschoben. Auch die Juteresseu der Bauarbeiter sind in dem Entwürfe nur in beschränktem Maße berücksichtigt worden. Von ihrer Seite können Forderungen nur angemeldet werden, soweit sie im direkten Vertragsvcrhältniß zu dem Bau- Unternehmer selbst stehe»,>vas öfters bei den Änsschachtungs- arbeitcr», den Maurern, Putzern:c. der Fall ist. Soweit die Arbeiter Gehilfen der am Bau betheiligten Handwerksineister sind, haben sie Ansprüche nnr an diese. Allerdings wird ihre Stellung dadurch, daß die Forderungen der Meister besser ge- schützt sind, mitverbessert. Es ist aber nicht einzusehen, weshalb nicht den Forderungen der Bauarbeiter derselbe direkte Schutz verschafft werden soll, wie den Forderungen der Handiverksmeister. Es müßte ein Weg gefunden werden, damit auch die Arbeiter ihre Forderungen direkt ans das Grundstück eintragen lassen köiiiicn, dies schon aus dem Grunde, weil auch die Bauhandiverksincister vielfach in das Schwindelsystem hiileingerisseil worden sind und sich hinsichtlich einer außerordentlich weiten Moral in nichts von dem schwindelnden Bauunternehmer Nllterscheiden. Auch dadurch könnten die Forderungen der Arbeiter, die doch in allererster Linie sichergestellt zu werden verdienen, geschützt werden, daß dem Bauberrn die Verpflichtung aufzuerlegen wäre, vor Beginn des Baues eine Kaution in Höhe der zu erwartenden Arbeits- löhne zu deponiren.— Gerade nach Seiten der Sicherstellung der Arbeitcrforderuugen hin müßte also der Entwurf noch einer gründlichen Durchsicht»lud Verbesserung unterzogen werden. Politische Mebeestchto Berlin, 23. Dezember. Eine Wcihuachtsniär. Der Papst beantwortete die Wcihuachts-Glückwünsche des Kardinalkollegiums, der Bischöfe, Prälaten und seines Hofstaates mit einer längeren Ansprache, aus der die folgende Stelle hervorzuheben ist: Der soziale Frieden sei begründet aus der Beobachlung des Gesehes und des Borbildes des Erlösers; daß ina» dieses ver- gesse» bade, sei die Ursache der Beunruhigung»ud der Leiden der heutigen Geueratio». Auch die Völker köuulen ihre» Ehrgeiz nur dadurch zügeln und das Mihlrauen»ur dadurch zerstreueu, daß sie daß Gesetz Christi wiederherstellen und dem Ruf ver Kirche folgen, die nicht nur ein religiöses, sonder» auch ein bürgerliches Werk vollführe, indem sie alle Völker zur Einigkeit im Glauben ausbiele. Wie grundfalsch diese Auffassung ist, zeigt die Erkeuntniß der Schäden unserer Gesellschaft und ein Rückblick auf jene Zeiten der Geschichte, Ivo in Mittel- und Westeuropa die Ein- hcit des Glaubens herrschte. Der Papst giebt sich den Anschein, als wüßte er nicht, daß er selbst und die glänzende, ihm huldigende Umgebung, daß die Mächtigen und Reichen, denen Mutter Kirche stets schirmend und schützend zur Seite steht, schon in ihrem äußeren Genußlebcu weit mehr von dem Vorbilde des Erlösers ab- weichen als die Armen und Elenden. Die Gewinnsucht der Kapitalisten, die Ausbeutung durch das Unternehmerthum wider- spricht doch dem wahren Geiste des Christenthnnis weit mehr als die Allflehnung gegen diejenigen, welche die heutige „Ordnung"»uabänderlich weiter erhalten wollen. Den„Frieden ans Erden" strebe» weit mehr die von den Dienern der Kirche gehaßten Sozialisten an, als diejenigen, die ihre Fahnen und Waffen mit Weihwasser besprengen lassen. Die Worte des Papstes werden ein Wohlgefallen sein den- jenige», ivelche in ihrem Denken, Fühlen und Handeln von den Lehren der Apostel weiter entfernt sind, als irgend ein Ungläubiger, sie werde» aber nicht auf Glauben und Vertrauen stoßen bei den Millionen, die unter dem Drucke wirthschaft- lichcr und politischer Kuechtung dulden, die nicht in der Rück- kehr zilr Glaubenseinheit, sondern in dem Erstreben der Er- füllung der Massen mit dem Geiste des Sozialismus das Mittel sehe», um die Menschheit höheren Zielen entgegen- zuführen.— Die Vorgangs in Ostasien. Nachdem die Mächte erst geircttcifert, durch katholische und evangelische Missionare die „Heiden" für das Christenthmn, für das Evangelium der Liebe zn gewinnen, wetteifern sie nun um das„neue Evangelium", um die Große des Bente-?l»thcils vom chinesischen Lande. Jede Macht möchte am liebsten das alles habe», worin sie sich mit anderen theilen muß. Jede Macht würde am liebsten mit Kriegsgewalt sich möglichst viel ergattern. Aber jede furchtet auch die andere und fürchtet, sie könnte Kopf und Kragen dabei riskircn. So bleibt denn alles„friedlich". Aber welch ein Friede. Mißtrauisch und voll eifersüchtigen Hasses stehen sich die„christlichen" Mächte gegenüber. Besondere Anstncrlsamkeit richtet man auf Japan. Die Meldung der„Times" ans Kode von starker Erregung im japanischen Atinistcrium und von laugen Kabinetssitznugen nimmt nicht Wunder, da Rußland sich in Port Arthur fest- setzt, das die Japaner erobert und sich im Friedensvertrag hatten abtreten lassen, das sie dann aber infolge russischer „Pcrmittclnng" herausgeben mußten. Noch weiß man nicht sicher, wohin das japanische Geschwader, das Nageseki ver- lassen hat, sich bcgicbt. Wie es heißt, hat der Kommandeur desselben versiegelte Ordre; vielleicht geht die Fahrt geraden Weges nach Wei-hai-wci, vielleicht sollen die japanischen Kreuzer— es sind neun große Kriegsschiffe und eine Anzahl Torpedoboote— sich mit dem großen englischen Geschwader in der Gegend von Shanghai vereinen. Wenn aber Japan Wei-hai-ioci dauernd in Besitz behalten will, so ivnrde es das mindestens niit demselben„Recht"— Mo ch t ist„Recht"!— thnn, wie Deutschland von Kiao-Tschou Besitz ergriffen hat, so würde es aber zum«n. mittelbaren Nachbarn Deutschlands in Shautnug werden. So würden diese gegensätzlichen Interessen scharf aneinander rücken. Bctnerkcnswerth ist, daß Japan gerade in diesem Augen- blick den Konflikt, dm es mit den Vereinigten Staaten wegen H a>v a i hatte, friedlich beizulegen sich beeilt hat, wie die „Frankfurter Zeitung" meldet. Die Vereinigten Staaten halten sich»och sehr rescrvirt. In Washington soll man, wie das„Renter'sche Bureau" tclcgraphirt, all- gemein annehmen, England würde aktive Schritte der Ver- einigten Staaten, die darauf abzielen, den Fortschritt Deutsch- lands und Rußlands Schach zu bieten, günstig ausnehmen. Bekannt sei ferner, daß China ein Vorgehen der Vereinigten Staaten ivillkommen heißen würde. Die Haltung der Vereinigten Staaten dürste die sein, daß Amerika, da es an dem in China jetzt vorsichgehendcn Gebietserivcrb nicht interessirt ist, keine Trnppenabtheilnngcn in chinesischen Häfen landen läßt, sondern sich ans die Wahrung seiner feststehenden Interessen beschränkt. Weniger glaublich erscheint eine Pekinger Meldung der „Times", der zufolge der r n s s i s ch e Geschäftsträger in Peking die Entlassung der englischen Ingenieure an den chinesische« Eisenbahnen und ihre Ersetzung durch Russen fordere. Danach sollen auch alle deutschen militärischen I n st r u k t e u r e entlassen und durch Rnssen ersetzt werden. DaS klingt nicht wahrscheinlich, denn es ist nicht anznnehmen, daß Rußland in so grober und plötzlicher Weise England und zugleich den„lieben und treuen Nachbarn" Deutschland bruskiren ivollte. So plump arbeitet die russische Politik denn doch nicht. Soviel aber scheint allerdings sicher, der Pekinger Hos steht völlig unter russischer A n f s i 6) t und Herr- s ch a f t. Rußland fühlt sich so sehr Herr der Situation, daß eS den Chinesen 120 OOO Gewehre unter sehr günstigen Zahlungsbedingungen angeboten hat, welches Anerbieten auch bereits angenommen sein soll.— Dcr Mißerfolg der Engländer im indlschcn Grcnzkricg wird jetzt auch in den anglo-indliche» Zeitinige» osfeu zugestände». Wie das„Nenlcr'sche Bureau" meldet, krtlisirt der„Allahabad Pioneer" die Führimg im Feldzuge»ach Tirah auf das schärfste. Die Ojsiziere hätte» die in sie gesetzien Er- Wartungen getäuscht. Der Stab könne jetzt reduztrt und diejenige», welch« sich als«»tauglich erwiese» hätte»,«utferut werde». Fälle guter TruppenfÜhrniig seien nur vereinzelt. taktische Fehler dagegen zahlreich vorgekommen. Bei de» Gefechte» der Nachhut hätle» häufig einige hundert Mau» verzweifelt zu kämpfe» gehabt, während Tauseudt ihrer Kameraden,»ur zivei bis drei Meile» culsernt, sich uuthätig verhielten. Tie Afridis hätte» Erfolge erzielt, iveil die Eugkäuder sich gegenüber der Sicherheit der Nachhut gleichgillig verhalte» hätten. Wenn der nmnnehr beginnende zweite Theil des Feldznges erfolgreich sei» solle, wüpten dt« Ope- raliouen in ihren Details geschickler gehandhabt werden. Wa? das Blatt mit dem„mnunehr beginnenden zweite» Theil des F.ldznges" meint, ist nicht ganz deutlich. In den Bergen der Asridi's können die englischen Truppen im Winter unmöglich etwas ausrichten. ES verlautet dagegen, daß mau den Versuch machen will, den von den Eingeborene» gesperrte» Chaitcr Paß, den wichtigsten Nebergang aus dem Pandschab nach Afghanistan, frei zu machen. Die Engländer werde»»och ein heißes Stück Arbeit mit den jreien Bergvölker» a» ihrer Nordostgreuze haben.— »» Tenifches- Reich. — Das Koalitionsrecht im Reiche des Herr» T i r p i tz. Aus Wilhelmshaven wird uns unterm 22. d. M. geschrieben: Die neue NrbeitSordnnng für die kaiserlich« Werft zn Wilhelms- baue», von welcher der„Vorwärts" neulich berichlete, daß sie de» WohlsahriSausschiisse» zur Begutachtung vorliege, scheint von dort schon verabschiedet zn sein, den» sie hat ihre A n w« n d u n g schon gesunden. Gestern ivnrde dem Dreher R. von der Masch>»e"b.ui- Werkstatt der Torpedowerft gekündigt. Aus dessen Frage nach dem Grund der Kündigung wurpe ihm niitgetheilt, et habe sozial- demokratisch» Agitation getrieben. Diese Agitation besteht aber nun darin, daß er in G e w e r k s ch a f t S- B e r- s a»> in l u n g e n gesprochen hat und selbstverständlich einer Gc- werlschasl, dem Metallarbeiler- Berbanv, angehört. Politische Agitation hat er absolut nicht getrieben. Wie die„ge- eignete Weise" beschaffen ist. ans welche sich die Werft die Nachiveife beschafft, ob einer ihrer Arbeiter sozial- demokratischer Agitator ist, so hat der„Vorwärts" in seinem Artikel aanz recht gehabt, wenn er meinte, daß die AuSlnnslsstelle d i e Polizei sei» werde und das, sich Polizei»nd Marinebehörde Hand in Hand arbeilen. Borige Woche wurde nämlich R. von einem Wachtmeister der von der Weift unterhaltenen Sehntzuiannschast verhört über sein Thn» und Lassen außerhalb der Werft. Leider hat R. es nicht abgelehnt, dem Beamte» Red» mid Autivort zu stehen. Bei dieser Bernehmnug zeigt« sich, daß die Werstbehörde Kennlniß hatte von einem vieferat. das der nunmehr Gcmaßregelt» in Bremerhaven in«iuer Versammlung des MelaflarbeUer- Ver- bandeS, allerdings rein gewerkschaftliche» JuballS, gehalten halte. Ferner halte sie Kennlniß von einer Elalsstik über die Lage der hiesigen Arbeiter, die R. ausgeführt hatte. Wege» dieser rein gewerkschaftlichen Bethcilignng also ist der Arbeiter gcmaßregelt worden. Der§ 152 der Gewerbe-Ordinnig exisiirt also nicht für die Ar- beiter der Tirpitz'schen Musterbetriebe!— — Der Vundesrath und der Zug nach China. Den Reichstag fragt man nicht, wenn man auswärtige Angelegen- heilen von großer Tragweite iuszcnirt, oder tvie steht es mit dem Bundesrath? Nach der Neichsverfassung be- steht beim Bnndesrath ein besonderer Ausschuß für alle auswärtigen Angelegenheiten, dessen Vorsitz Bayern führt. Bayerische Blätter erheben nun die Frage, ob die chinesische Angelegenheit diesem Ausschuß unterbreitet gewesen sei. Wenn keine klare üUiskimst erfolgt, will man die bayerische Regierung im Landtage befragen. Der Ansschttß für nnswärtige Angelegenheiien bat allerdings nie von seiner Wirksamkeit etwas Besonders vernehmen lassen. Er hat aber die Aufgabe, fortdauernd Kennlniß von dem Gange der politischen Ding« zu nehmen»nd durch Anträge an den Bundes- rath oder Bemerkungen gegenüber dem Bundespräsidinm auf die Behandlung der Politik einen Einfluß zn üben. Man kann ouerding? neugierig sein, wie dieser Ausschuß über die ostastalischen Dinge denkt und wie weit er versucht hat, Einfluß auf dieselben zu nehme».— J — Ein« Stiftung des Kaiser?. El» Kieler Bericht- erstatter der„Köln. Ztg." lheilt mit: „Eine interessante wettere Beleuchtung der Anffaffnng, die der Kaiser persönlich von dem Zuge seines Bruders hat. ist man ge- neigt daraus abzuleite», daß der Kaiser»ichl nur seine Zeichnung vom deutsche» Michel, sondern auch die vielbesprochene frühere, mit der Unlerschrift:„Völker Europa'?, wahret eure heiligste» Güter!" an Bord der„D e« t s ch l a n d" geschickt und für die Oifiziersniesse gestiftet hat." Die Völker Asiens, deren heiligste Güter von den«uropälschen Mächten und Kaufherren jetzt wenig respektvoll behandelt werden, werde» sich über dies« Widmung für die deutsche Flottenexpeditiou baß verwundern!— — Heber den Stand der Ret ch?- Versicher nngs- frage ist die„D. Versichernngsztg." in der Lage, auf grnnd znver- lässiger Miltheiliingen milzutheilen, daß die Kommissio» der von de» Bundesstaaten zu ernennende» Sachverstaudigen, der der Gesctzeutwurs zur Kenntnißnahme uuterbrcilet werden soll, im Laufe des Januar nächsten Jahres gebildet sein, und daß diese dann sofort, spätestens aber im Lause des Februar, mit der Prüfung des Eulwurss be- ginnen wird. Die Sachverständigen-Kommission wird ans 20 Mit- gliedern bestehen. Nach Beendigung dieser Arbeit wird das gesamniie Matertal dem Versicheruugsbeirathe vorgelegt und dessen Gntachlen eingeholt werden. Die Aussichten auf daS endliche Zustandekommen eines Reichs-Versichernngs-GesetzeS sind, wie die„Deutsche Versicheriiugszeituug' hinzufüal, günstiger alS je, da sich fast alle Bundesstaaten grundsätzlich mit dem Eni- wuri einverstanden erklärt haben. Wenig sympathisch stehe» nur die Hausaslädte einer reichsgesetzlichc» Regelung des Versichernngs- wcseus gegenüber. An de» maßgebende» giegiernngsslelleu hofft man, längstens in zwei Jahre» den Gesetzentwurf durch alle gesetz- gebenden Jnstauze» durchgebracht zu haben.— — Heber die kommende lex A ronS dringt nun einiges in die Oeffenllichkeit. Einer Vlätlermeldimg zufolge soll die Disziplinargewalt über die Privatdozcnten in erster Instanz durch die Fakultäten, in zweiter Juflanz durch einen Disziplinar- gerichishos ausgeübt, verde». Es scheint also, daß die Disziplinar- gerichtsbarkeit für die Privatdozenten in ähnlicher Weise wie für die Aerzte geplant wird. Der Schwerpunkt der Disziplinargewalt soll offenbar in die zweite Instanz verlegt werden; zugleich aber dürste dafür gesorgt werden, daß in dem Disziplinargerichtshof der Einsiuß des Ministers entscheidend ist. Dadurch, daß gegen das Hrtheit der Fakultäten an den Disziplinargerichtshof appcllirt werden kann, nnlertiegt dies Hrtheil einer dauernden Kontrolle durch den Gerichts. Hof, der somitdiediszip'inargerichtlichen Anschauungen derHniversiläle» nach seinem Ermesse» z» regeln halte.— — Heber die g e p l a n t e n P o st r e f o r m e n soll tu der Etatkommission des Reichstags Mi.lheilnug gemacht werden.— — Bon den deutschen Schiffen. Der offiziöse Draht hatte, wie die„Voss. Ztg." schreibt, berichtet, eS werde in England alS eine seemännische Leistung erste» Ranges betrachtet, daß die deutsche» Kriegsschiffe im Nebel unbeobachtet in Spilbead ein- getnuse» seien. Diese Behauptung findet Widerspruch i» der „Westn'instcr Gazelte": „Sowohl die„Deutschland" wie die„Gcfion" haben fünf eng- lische Meilen vom Nab-Leuchlschiff einen Lotse» an Boro genotinnen. Das Welter war ziemlich klar»nd die beiden deutschen Schiffe be- fände» sich noch mehrere englische Meilen vom Zlukcrgrund, als sie schon vom Dockhof ans in Sicht kamen."— Aus Hongkong wird gemeldet, daß der Kreuzer„Kaiserin Angnsta" dort cingelrossen sei. Das Schiff hat die ülusreise in etwas länger als einem Monat auSgesühri; am 10. November verließ es Kauea und die Mitlelnueestatioii, wo es seit dem Frühjahr infolge des griechisch-türkischeu Krieges stationirt war. Rtit ihrer Aukuuft in Hongkong ist die„Kaiserin Augusta" in den Verband de« Kreuzergeschwaders unter dem direkten Befehl des Vizeadmirals v. Dicderi�S getreten.— — Bezüglich der pädagogischen Bibliothek des Professors Jürgen Bona Meyer in Bonn lheilt heute die„tziordd. Allg. Ztg." mit, daß die Büchersanimlnng kann, SWWM. werth war und keine seltene» Werke enthalten bat. Da die Regierung aus —— prinzipiellen Gründen die Errichlnng eines pädagogischen Seminars in Bon» nicht wünsche, war sie nicht in der Lage, die Bibliothek zu criverbeil, da sie die Hiera» gestellt« Bedingung nicht erfüllen konnte.— ~ Noch ein Staatsanwalt mehr Reichsgerichtsrath! Der Staalsauwalt bei dem kgl. bayerischen Oberlaudesgerichl in München, Kolb, ist an stelle des i» den Ltnhestand tretenden Herrn Dr. Slenglein zum Reichsgerichtsralh ernannt worden.— — Vom preußischen W a h l s y st e m. Aus Lennep wird geschrieben: Das Wort von dem elendesten aller Wahlsysteme hat sich wohl selten in solcher Weise bestätigt, wie bei der hiesigen Stadtverordnetcmvahl. Von den steuerzahlenden Bürgern der Krus- stadt Lennep sind in der ersten Abtheilnng nur ganz« drei Man» ivaklberechiigt, zn denen noch zivei Ehrenbürger kommen. Die beide» zur Wahl eingeladene» Ehrenbürger waren am Erscheinen verhindert, von den übrigen drei Herren war inzwischen einer gc- storben, der zweite war krank, der andere aber ging und„ernannte" — den dritte» Theil der Slad.oerordnelen!— — W! e verständnißvoll�die unteren Ver- w a l t u ii g s- B e h ö r d e» den Wünschen politisch einflußreicher Leute gegenüberstehen, schildert recht drastisch der Bericht über ein BerwaltirngSstreil- Verfahren, dem wir folgendes enlnehmen: Der Ziegeleibesitzer Dr. Peters in Schierstein Halle beim Landralh dcS Landkreises Wiesbaden zwecks Erbauung eines Familienhauses snr Ziegelei-Rrbeiter die Ansiedelnngs• Genehmigung für diese Arbeiter nachgesucht. Nachdem sich Graf Herbert Bismarck, der Nachbar des-jiegeleibestyers dagegen ausgesprochen hatte, wurde die Genehurigung versag». Ans die hiergegen erhobene Klage bei», Bezirksausschuß hat mm der Lanbrath erklärt, die Er- richlung von Ziegeleien außerhalb der Ortschasle» mit dem Bestreben der Hnternehmcr, ihre Arbeiter in Aibeiierhäusern auf der Belriebestätle nnterzubringen, nehme immer größere Ausdehnmig an; es erscheine im Interesse der Gemeinbeu wie im allgemein polizeiliche» Interesse geboten, derartige'Anlagen nicht weiler zn begünstigen.„Notorisch" entstammte» die Zjegeleiarbeiler den unterstell Volksschichten, seien vielfach sittlich verroht lind z» allerlei A n s s ch r« i t» n g e n geneigt, so daß sie gerade einer fortgesetzten polizeilichen Aufsicht unterworfen sein»lüstten; eine solche werde immer schwieriger und kostspieliger, je weiter«»tsernt solch« Anlagen von den Orlen seien. Graf Bismarck»rat diesen Ausführungen bei und nieinte, besonders nachls seien auf seine» Feldern Diebstähle zu erwarten; auch würde durch die Ausiedelimg sein Grundstück als Banlerrai» an Werth verlieren. Der Bezirksausschuß entschied demgemäß zu Ungunsten deS klagenden Z'egeleibesitzcrS. Das O b« r- B e r w a l t u n g S g e r i ch t, vor welches alsdann der Slreilsall gebracht wurde, erkannte unter Aushebung der Vor- entscheidimg zu guusten des Ziegeleibesitzer s. Damit wird gewiß dem allgemeinen Nechtsbeivußlsein mehr enlsprochen sein. Jnleressant bleibt aber an der Cache, welche hohe Leachiung dem Herrn Landralh und der Bezirksousschnß den gefährdeten Nutzen des Herrn Grafen zn theil werden lasse». Auch die sittliche und moralische Einschätzung der Ziegelei- Arbeiter ist in ihrer'Allgemeinkeit durchaus zurückzuweisen, sie bestätigt aber nur, daß Bnndesraths- Verordnung nicht ohne weitergehenden Schutz dieser Arbeiter- kategorie verlängert werden durste; hier konnte dem Hebel gesteuert werden.— Dresden, 23. Dezember.(Eig. Ber.) Etwas Neue? hat jetzt wieder die hiesige Behörde ausgeklügelt. Dem sozialdemokratischen Verein ist von der Polizeibehörde aufgegeben worden, zu einem am ersten Weihnachtstag arraugirlen Familienabeud in» höchsten Falle 1000 Personen einzulassen. Der belreffende Saal faßt für solche Veranstaltungen aber bequem ISOO Personen. Es wurde übrigens versichert, daß es sich um keine einseilige Maßnahme handele. Das kennt man!— Aus der Pfalz, 21. Dezember.(Eig. Ver.) Die Kandidaten- frage im fünslen pfälzischen Wahlkreis gestaltet sich zu einer immer heilerenMahikoinödie. Nachträglich werde» jetzt Einzelheiten bekannt über die Art, wie»lau in der Laudstnhler Verlrauensmä»ner-Ver« sammlung die Kandidatur Lücke durchgedrückt hat, und aus den eigenen Kreisen heraus erhebt sich eine Gegnerschaft gegen die Kandidatur Lücke. Der Wahllreisvorsitzcude de» Bundes, Laudlags-Abgeordveter Schmitt, macht die Bauern selbst gegen die Kandidainr Lucke'c scharf, indem er gegenwärtig im Walsskreis herumreist und die Kaudidalnr v. Fischer empsiehlt. Dieser hat eiklärt, nur daii» die Kandidatur anzunehmen, wen» Lücke freiwillig zurücktritt oder dazu veranlaßt wird. Letzteres ist nun bis jetzt noch nicht geschehe»; aber ber Hmstaud. daß Herr Lücke in einer am Sonntag i» Göllheim ftallgesimdene» Versammlung mit keinem Wort auf seine Kandidatur zu sprechen gekommen ist, deutet daraus hin, daß er„och uneiitschieden ist, was er zu ihn» b-absichligt. Nimmt er die Wahl wirtlich an oder beharre» die Büiidter überhailpt ans einer eigenen Kandidatiir, so giebt es einen heftigen Kanipf zivische» den Bündlern und de» Nalimialliberal«», dessen Folgen noch gar nicht abzusehen sind. In einer vor einigen Monaten abgehalienen Delegirlen- versmnnilung der pfälzische»»alioualliberale» P...tei bat der Reichs- tags-Abg. Ober-Laiidgerichlsrath Brünings das Gelöbniß gethaa, daß die Nalionalliberalen versuchen werden, ei» Einveiständniß mit dein Bunde der Laudwirlhe zn erzielen, daß sie aber de» Kamps auf- nehmen und niit aller Macht durchführen werden, falls der Bund glaube, die Ruthe über die naiioualliberale Partei schwingen zu könuen. Durch die eigenmächtige Ausstellung der Kaudidalnr Lücke scheint dieser Fall eiugelrctcn zu sein, mid so wird die Ersatzwahl in Homburg. Kusel wahrscheinlich zu einer Kraftprobe zwischen de» Nalionalliberalen»nd den Bauern- bündlern. Denn wird durch die Vorgänge im Wahlkreis Homburg bei der»iiterliegenden Partei eine Verstimmung hervorgsiufen, so wird diese sicher auch auf die übrigen Reich-tags-Wablkreise der Pfalz nicht ohne nachtheiligen Einfluß sein auf d.n iiolluvendigeii Zusammenschluß der nalionalliberalen Partei mit dem Bund der Landwirlhe. Der lachende Dritte werden dann im Wahllreis Speyer-Ludwigshafen die Sozialdemokraten, in den Wahlkreisen Pirmasens-Zweibrücken und Bergzabern-Germersheim daS Zentrum und im Wahlkreis Kaiserslauleru-Kirchheinibolanden die Demo- kralen sein. In die nationalliberale„Hochburg" wäre damit eine gründliche Bresche gelegt. Bei dieser Sachlage wird man eS begreiflich finden, wenn die Nationalliberalen alle? daran setzen, um in letzter Stunde noch eine Verständigung zu erzielen. Allerdings, in dem Hauplorgan der Nationalliberalcn wird i» den letzten Tage» ordentlich scharf gemacht gegen den Blind der Landwirlhe. Und wenn Herr Lücke gar„abgesägt" werden sollt«, so»vird er an den Nalionalliberalen schwere Rache nehme». Uebrigens verlanlet jetzt, daß auch daS Zentrum mit einer eigenen Kandidainr auf dem Plan erscheine» will. Das kann heiter werden.— AnS Baden, 22. Dezember.(Eig. Ber) Die Kanimerdebalt« über die b n d i s ch> p r e u ß i f ch e n E i s e n b a h ii b e z i e h u ii g e n und besonders die energische Erklärung des Eisenbahnministers v. Brauer haben für die nächste Zeit wenigstens die Wirkung gehabt, daß Preußen gegenüber der Maiu-Neckar-Bahn augenblicklich etwaS sanftere Saiten aufzieht. Di« bisher beliebten Verkehrsableukuugen in der Siichtuiig Dauustadt-Veusheiin hören seil einiger Zeit auf und eS ist zu hoffen, daß dasselbe bald auch mit den Ablenkungen in der Richtimg nach Mamcheini geschieht. Obwohl die Blätter diese Hat- liing Preußens gegenüber den badischen Staatsbahnen anerkenuend bespreche», ist man doch nicht im Zweifel darüber, daß es sich bei Preußen vorerst mir um eine Berdanungspanf« handelt »nd daß die Absicht Preußens, nach der hessische» Ludwigs- bahn auch die badifche Main- Neckar- Bahn dem preußischen Eisenbahnnetz einzuverleiben, nicht ausgegeben ist. Großes Aufsehen erregt gegenwärtig ein in den zwei Kullurkainpfdebattcn des Landtags gelegenllich der Kassirung der Wahl von Lörrach-Land erwähnter und jetzt im Wortlaut vor- liegender Brief, in ivelchem der Freiburger Donikapitnlar Dr. Schmitt de» Vikar Schofer von Bonndors unter allerlei gottseligen Er- inadiinngeii auffordert, seinen eigenen Vorgesetzten, den Stadtpfarrer von Bonndors nuszuspitzel» über seine Lebeiissühriingen nnv seine politischen Ansichte» u. s. w. und darüber an das Domkapitel zu berichte». Der Brief ist eine Musterleisliing frommer Denknngsart.— — Die Entscheid ii n g im badische n Landtags- Wahlkreise Lörrach-Land, wo heute nach der Hngiltig- leitserklärnng der Wahl deS Nattonalliberalen Dreher eine Ersatz- wähl stntlsand, ist z» gunsten des Kandidaten der Opposition, deS Freisinnigen Hagist. ausgefallen. Somit hätten den National- liberalen alle ihr« Wahlmachenschaslen schließlich doch nichts ge- fruchtet.— AnS Clsaß Lothringen, 21. Dezember.(Eig. Ber.) Der Ge- nieinderalh der Stadl Colmar hat mit lö gegen 13 Stimm«» den Erlaß eines Oi-sstatnts beschlossen, nach welchem der von de» Ar- b e i t e r n unter IS I a h r« n verdiente Lohn nur nach Be- scheiniginig der Eltern oder Voimüuder über den Empfang der letzten Lohnzahlung unmittelbar au die Minderjährigen ausbezahlt werden darf. Gegen diesen Schlag ins Gesicht der Arbeiterschaft Colmar'« bat diese in einer starkbeluchten versamiiiluug ge- ha rnischten Protest eingelegt und eine Refolntioii volirt, in weicher die Maßregel der Stadtverinallung als eine Bevormundung der Ar- beiler getemizeichiiet wird, die durchaus unpraktisch sei und nur zu Strelligkeilen innerhalb der Famiiien führen müsse. Die Familien- väler lehnen die verlangie Hiilerscheift in den Lohnbücher» ihrer Kinder ab alS einen Eingriff in ihre ureigenen Rechte und sprechen der städtischen Behörde ihr offenes Mißtrauen aus. Die klerikale Presse hatte das vo» einer totalen Verkennuiig ihrer sozialvolitischen Ausgaben zeugende kurzsichttge Vorgehen der Stadlverivaltmig mit' alle» Millelu unlerftntzt»nd nur die sozialistische und eulschieden demokratische Presse war demseiben entgegen- getreten. Es wurde von dieser Seite niit recht darauf hingewiesen. daß die Angehörigen der bcsttzendeii Klassen den Versuch der städtischen Behörden, sich um das Taschengeld ihrer Sprößlinge zu kümmern, mit Entrüstiiiig zurückweisen würden. Dem ,D e n t s ch e ii A d e l s b l a t t" war eS vorbeh ckten, in der Frage der Gcrinaiiisation Elsaß- Lothringeus den Vogel abzu- schießen. Dasselbe macht»änilich allen Ernstes den Voriwlag, die Regiermig möge die i» den Reichslaiiden zum Verkauf kouimeuden Güter zu Eigenthn»» erwerben und sie veravschiedelc» Oisizieren auf Lebenszeit zu Leben geben, damit der wachsenden Hnzusriedenheit und B-rärgerung in diesen Kreisen ein Ziel ge'etzt werde. Daß der geniale Plan des biaublütigen Preßorgnns hierzulauve mit dem gebübreuven Hohn ausaenomnieu wird, braucht wobl nicht erst bemerkt zn'Verden. Denn die VorsteUung vom ostelbischen Junker als Pionier des Deutsch- lhiinls in Elsaß-Lothriiigen ist doch etwas gar zu kühn. Vom 1. Januar k. I. ab soll hier ein n e u e S katholisches W o ch« n d l a t t erscheinen unter dem Titel„Straßburger Wochen, blall". Als aeistiacr Leiter desselben nennt man einen hiesigen OcfäiißniSgcifllklien und«inen ReligionSlehrer am Hagenaner Gyllinastum. Beide gehöre» de»» jüngeren, entschiedener demo» kralische» Flügel der kalholischen Laudespartei an.— — C h ronik der MajestätsbeleidigungZ-Prozesfe' I» R atibor irulrde der 16jährige Bäckerlehrling Paul Wolf wegen Majestälsbeleidigung und llnierschlagung verhaflet. Wegen Majeftäisbeleidigniig wurde der Hanptlehrer, Kantor und Organist Hugo E. miS©eiifch von der G l o a a u e r Slrafkamiuer zu drei Monate» Eefäugnih venirihejlt. D»« Verhandlung fand unter Ausschluß der Oeffeullichkeit statt.— Oesterreich. Wie», 23. Dezember. Die parlamentarische Kommisston deS Czech.nklubs bezeichnet die Gerüchte von dem angeblich bevorstehen- den Erlaß eines neuen SpracheugesetzeS für unbegründet.— Wien. 23. Dezember. Wie das„N. W. T." erfährt, steht die Schließung des Reichsraths unmittelbar bevor. Damit ist die R«gier>lng das ihr unbequeme Prästdium los; ob damit die Wahrscheinlichkeit eines Znsaiumentritls des Reichsralhs im Februar größer»vird. lassen wir dahingestellt.— Graz. 23. Dezember.(„Magdeburg. Zeitung.") Gegen ISO Reserve-Oifiziere, meistens Studenten, die im Zivilanzng der Beerdigung des Opfers der jüngsten Straßenkundgebungen bei- ge>voh»l haben, wurde ein ehreuräthliches Versahren eingeleitet, um sie aus dem Offizierkorps auszustoßen.— Prag, 23. Dezember. Heute Nacht richteten Exzedeuten einen Aug, ist gegen das Schulgcdäude in Wrschoivitz. Ein Wachmann schritt ein und zerstreute die Exzedenten. Drei Personen wurden verivnndet.— Prag, 23. Dezember.„Politik" zufolge liegt im Finanzministerium ein ausgearbeiteter Gefetzenlivurs gegen das Saccharin vor. Sollte derselbe nicht auf dem parlamentarischen Wege erledigt»verde» können, dann soll die Regierung entschlossen sein, das Gefetz im Verorduuiigswege in kraft treten zu lassen. Die Mindereinnahme an Zuckersteuer» infolge des Saccharin-Jmporls für daS Jahr 1897 »vird aus drei Millionen Gnlde» geschätzt. Man steht, daß daS Regieren mit Nolhverordnungen den» Ministerium Gautsch keineswegs verwerflich erscheint.— Reichenberg in Böhmen, 23. Dezember. Die„Reichenberger Zeitung" meldet, in der Leilmerttzer Mililär-Etrafaiistalt sei auS Prag ein Zugsührer ausgeliefert worden, der zu zehn Jahren Festungshaft verurlheilt»vorden sei,»veil er während der Prager Revolte auf den Befehl eines Offiziers, die Menschenansammlung zu zerstreue», erwidert hätte, der Offizier möge den Befehl auf Ezechisch ertheiien,' da er nur Ezechisch verstehe.— Ungarn. Budapest, 23. Dezember. Wie in Regierungskreisen verlautet, wird,»vei'u die Bemühnuge» Banffy's zur Herbeiführung eines Kompromisses nicht von Erfolg sein sollten, der Reichstag»och vor Ende dieses JahreS aufgelöst, um einerseits den Berordnungsweg zur Roth- »vendigkeit zu macheu, andererseits bei Neuivahle» die Obstruk- tionisten»och»veiter zu fchivächen, um sie beim Volke zu dis- krediliren.(?) Budapest, 22. Dezember.(Franks. Ztg.) Mittels TageSbesehIS wurde der Mannschaft der Budapester Garnison der Besuch zahlreicher, von Sozialisten frequentirte» Gast« und Eaföhänser strengstens verboten. Die»»»mittelbare Veranlassung des Ver- bots ist nicht bekannt.— Ffrankreich. Pari», 22. Dezember. Tie Depntirtenkammer bewilligte mit 478 gegen 73 Stimme» zwei provisorische Budget- Zwölftel. Lebhafte Debatte rief ein Jlnlrag Hubbard hervor, biS zun» 31. Dezember die im Budget vorgesehenen St«nerhöh»tngen, durch»velche die Grundst»uer>EntIastnng der kleinen Grundstücke ausgeglichen»Verden soll, zu beschließe». Der Antrag, gegen den sich Finanz, ninister Cochöry aussprach, wurde mit 324 gegen 233 Stimmen abgelehnt.— Paris» 23. Dezember. In der HeereSkommisston der Deputirten- kammer sprach sich heute der KriegSminifter General Billot über de» Gesetzentivurf betreffend die Niederlegung de? Theiles der Pariser Festungsmauer zivifchen Point du Jonr und Pantin ans. Der Minister empfahl die Annahme des Gesetzentwurfs und hob hervor, daß die zu erbauende» detachirte» Forts diesen Theil der Festnngs- »naner vortheilhaft ersetze»»vürden. Die Veräußerung der frei- »verdende» Terrains»verde etiva ISO Millionen Franks erbringen. von denen 60 zum Bau detachirter Forts, der Rest zur Verbesseriing der HeeresauSrüstnng dienen solle. Die Konnnissio» sprach sich ein« stimmig für de» Gesetzentivurf auS.— Niederlande. Haaa, 23. Dezember. Die ziveile Kammer nahm den Gesetz- entwurf betreffend Abschaffung der Export-Zölle auf Java-Zncker an.— Slniftcrdam, 28. Dezember.(Franks. Ztg.) In der heutigen Sitzung der Ziveiten Kannner theille der Minister für Handel und Industrie, Lely, mtt, daß er noch im lausenden Geschäftsjahr ein ermäßigtes Telegrammporto für die Presse»inznsühre» gedenke. In Schweden besteht schon seit langem diese EinriiMnng, ans die man im Deutschen Reiche wohl noch sehr lange»vud warten müssen.— England. London, 22. Dezember.(Ein P r e ß p r o z e ß.) vor dem Boivstreet-Polizeigericht fand heute eine Verhandlung gegen«inen Russe», namenS Wladimir Bnrtzess, und einen gewissen Clen>e»t Wirzbecki statt. Beide stände» unter der Anklage, zur Er- mordung des Zaren Nikolaus durch Flugblätter aufgereizt zu haben. Wie eS heißt, ist Bnrtzess dieseibe Person, welche die russische Polizei in Koustantinopel ohne Erfolg an Bord eines englischen Schiffes zu verhafte» suchte. Burtzcff ivnrde seinerzeit im britischen Museum verhaflet. In feinem Besitze wurde ein von ihm verfaßtes Buch, das den Tjtel führte:„Ein Jahrhundert politiscke» Lebens in Rußland von 1800 bis 1896", und niekrere Nunimer» des Blattes„Narodo Voietz" vorgefunden. Die erste Verhandlung in dieser?>ngelege»hcit, welche sich Haupt- sächlich niil der Person Burtzeff's beschäftigt, hat bereits am vorigen Donnerstag stattgefunden. I» der heutigen Sitzung wurde festgestellt, daß Wirzbecki die Flugblätter für Bnrtzess druckte Wirzbecki er- klärte, er verstehe kein Russisch»nd kenne de» Inhalt der Flugblätter nicht. Burtzeff ivnrde schließlich in da? Gesangniß zurückgebracht. Wirzbecki aber gegen Bürgschaft entlassen. Hierzu wird ferner an? London gemeldet: Die Verhandlung gegen den wegen versuchten Zaren-Attentals unter Anklage gestellten Wladinnr Burtzew und seine» Komplicen Wirzbecki ist abermals ver- tagt worden, weil für den letzteren erst ein Bertheiviger bestellt werden niuß. Die bisherige Verhandln g hat unter anderem er- gebe», daß die russische Regierung wiederholt versucht hat, Burtzew in ihre Gewalt zu bekomme».— Italien. Rom» 22. Dezember. Der Senat genehmigte in geheimer Ab- stiiumung mit 64 gegen 7 Stimmen die Vereinbarung betreffend Vermehrung der Silderscheidemünzcn, welch« von den der lateinischen Münzkonvenlion angehörende» Staate» am 29 Oktober in Paris unterzeichnet wurde. Der Senat vertagte sich sodann bis zum 13. Januar.—- Spanien. Madrid, 22. Dezbr. Die Auslösung der Kammern wird am 20 Januar«rsvlgr; die Nenwalilen werde» an, 20 Fe- brnar stattfinden und die Kammern alsdann am 10. April znsammealrelen. Eine Depesche an? New«Jork besagt, Ruiz sei gehängt, nicht füstlirt worden; diel« Nachricht hat die Entrüstung über die That »och gesteigert. Gerüchtweise verlautet, es seien noch zwei weitere Führer der spanischen Armee unter ähnlichen Umständen von de» kubanischen Aufständischen gelödlet worden.— � Rnsiland. Petersburg, 20. Dezember. Die AnSsöhnnng deS Polenthums mit Rußland gab seit dem Besuche des Zaren in Warschau de» Zeitungen unaufhörlich Stoff zu Erörterungen, wobei den Polen alle möglichen schönen Dinge versprochen wurden. Die„Mirow Osg" läßt sich nun ein- gehender über die Mittel zur Versöhnung der Polen vernehmen und sagt: „Man müsse die Frag« der Umbildung des Polen aufwerfen, natürlich nicht einer Umbildung in de», Sinne, daß ans dem Polen ein Russe gemacht werde» solle. Die Umbildung habe sich keineswegs aus die nationale» Eigenthümlichkeiten zu beziehen, sondern auf die Ueber- zeilgnng und Gefühle, auf die schlechten Eigenschaften, welche bei de» Pole» häufig feie», wie Großthuerei, Selbstüberhebung, Hochmuth, Jesuitismus und Fanatismus. Der Einfluß durch die Schule würde selbst bei Internate» nicht ausreichend sei». Da die Polen dein Einflüsse der Geistlichkeit sehr zugänglich seien, so müsse man auf letzter« ganz besonders das Augeinnerk rickte»; die kalholischen geistlichen Seminare müssen in radikaler Weise reformirt und nnter staatliche Kontrolle gestellt werden. Ferner würden von Nutzen sein die Gründung russischer Theater und Klubs in Pole», die Stärkung der russifchen Presse und die Be- einflussnng der polnischen Presse im Sinne der wahren Interessen der Pole»; man könnte sogar ein i» polnischer Sprache erscheinen- des, jedoch die russische Staatsidee vertretendes Preßorgan be- gründen. Eine Vermehrung der in Polen lebende» Russe» wäre ebenfalls erwünscht; man könnte zu diese», Zwecke den im West- und Weichselgebiet dienende» Beamten bei ihrer Verabschiedung nicht wie bisher erhöhte Pensionen, sondern statt dessen Landstücke anweisen; bei der Anstellung von Beamten in Pole» wären die Großrussen zu bevorzuge». Auch die MissionSthätigkeit unter den Uniaten müsse eine bedeutend energischere iverden." Bei diesen Vorschlägen werde» die noch ehrlich nationalen, aber an eine Versöhnung mit de», Zarenlhum glaubende,, Polen, wieder „Hamb. Corr." bemerkt, die Empfindung haben, alS ob sie«ine kalte Douche erhalle» dätten. Wie der„Warschaivski Dnjewnik" meldet, ist„auf Anordnung des Herrn Landeschefs" die Heransgabe der Warschauer Zeitung „Gazeta Polska" eingestellt worden. Den Anlaß zu dieser Ans- sehen erregenden Maßnahm« des Fürsten Jmeretinski soll ein Ar- tikel des genannten polnische» Blatte? gegeben haben, worin die in letzter Zeil angeblich sich häufenden Messeraffnren in Warschau und Umgegend besprochen und daran die Bemerkung geknüpft wurde: wenn man Mörder» Denkmäler errichte, so sei es kein Wunder, daß Rohheil und Gewaltthätigkeit in den niederen Volksklassen überhand nähmen. Der Zensurbeamte, welcher die Anspielung anf das Milrawjeiv-Tcnkmal hatte durchschlüpfen lassen, hat sofort V Tage Arrest erhalten.—_ Die VesirlzMTe der lehken SeNZon im Rorchskage. Seit dem Jahre 1872/73 werden dem Parlament— nach eine», Antrag Ackermann und Gcnossen— die von dem Bnudesraih ge- faßlen Enlschließunge» über Reichstags-Gesetzeutivürfe und-Aniräge „spätestens bei», Beginn der nächsten Session in schriftlicher Form »litget heilt. Diesmal hätte der BundeSratb schon vor einem Jahre dazu Anlaß gehabt. Da jedoch durch die Vertagung die Session über ein volles Jahr welterlics, so hat er sich die nicht immer angenchnie Arbeit erspart. Der Reichstag hat einen enlsprechenden Wunsch auch nicht geäußert. So hat die Ueberficht»»»mehr einen migewöhu- lichen Umfang angenommen und zum lheil berührt sie Fragen, die in „»serer raschlebigen Zeit bereits wieder mehr in de» Hinlergrmid getreten sind. Im große» und ganze» bestätigt sie, was man aus andere» Quelle» scbo» wußte oder doch»ach de» heute i» Regierungskreisen vorherrschenden EI,ö»»»ige» erwarte» konnte. Zunächst find»alürlich alle Forderungen freiere» und unab- hängigeren politischen Lebens im Reiche nach wie vor de», Papier- korbe überiviesen worden. Selbst die Früchte der heutigen unvoll- kommeneil Bewegungsfreiheit der Masse» schmecken de» Regierenden zu bitler. So fiel i», Bnndesrathe der Antrag, zur größeren Sicherung des Wahlgeheimnisses einzilführe»: gleiche Wahlzettel. Abgabe derselbe» in amllich abgestempelten Umschlägen, eine Ver- läugerung der Wahlhandlung bis 7 Udr abends, eine Gcheii»ka»»»er nebe» dem Wahlralime. damit jeder Wähler»»gesehen seinen Zettel i» den Umschlag stecke» kann. Das sechste Mal Hai der Bundesrnth beschlossen, dem Gesetzentwurf die Zustimmung zu versagen, obwohl die gesammle Linke, das Zenlrni»»nd selbst die Nation,,»iberalen dieser Bekämpfung des Uiiternedmcr- und Beamten-Ter,», ismns zugestinimt hatlen. In der gegen inärtigeu Tagung ist der Gesetz- e»l,v»rf abermals, zum siebente» Male, von den Freifinnigei, ein- gebracht. Ein milderes Regiment in Elsaß-Lothringe» hält der BundeSrath heute, inehr wie ein Vierleljahrbnndert nach der Er» obcrung der Provinzen, noch immer für aefährlich— wahrbafiig kein gutes Zeichen für die preußische Verwaltiingskunst! Ein Gesetzentwurf, die Wablen zum Landesansschnß de» Bezirkstage» und Genieinde- Bertrellingen zu entziehen»nd auf das direkte, allgemeine und geheime Wadlrecht der Masse» zu gründen, hatte im Parlament in drei Leinnge» An- nähme gesunden.„Die Beschlußsassung des Bimdesrmhs ficht noch aus", heißt es mehr höilich wie deutlich in der Ueberficht. Ein dem Sinne nach gleicher Vermerk erledigt die Forderung, das Reichs- preßgesetz anf Ellaß-Lolhringen auszudehnen. Auch diese beide» An- liegen sind sofort in Jniliaiivauiräge» der Fraktionen wiederholt worden.— Alle sonstigen Anträge zur Herstellung normaler öffent- licher Verhältnisse in de» Reichslanden waren infolge des starken Andranges anderer parlainenlarischcr Äuigaben schon im Reichstage stecken geblieben, so der sozialdeniokralische Antrag weg«» Aushebung der außerordentlichen Gewalten des Slaitballers und wegen Einführung der ReichL-Gewerbe-Ordnung. Die erste Forde, nng ist i» dieser Session sowohl von uns wie von den Elsaß-Lothringer» erneuert worden. Das Roth Vereinsgesetz, das in einer Session nicht weniger wie zweimal in dritter Lesung im Reichstag durchging— angeregi durch de» Gesetzentivurf Auer und Genofie», dann als'Antrag Basserinan»»nd endlich als Anlrag Rickert— ist„den zuständigen Ausschüssen überwiesen, die Beschlußfassung steht»och aus". Uu- heilbare Optimisten könnte» danach»och immer an der Hossuuug festhallen, der Bundes, ath gedenke reaktionären Landtagen lind Emzelstaats-Regierunge» das Handwerk z» erschweren, wen» nicht Hoheulohe's Erklärung beim Etat dem Faß de» Bode» ans- geschlagen bälie. Ter Abgeordnete Basserina»» hat seine» Noib- Paragraphen wieder vorgelegt, die Anträge Auer und Pachnicke- Röstcke stecken die Ziele ans dem Gebiele des Koaiitions-, Vcceins- imb Bersaiiimliiiigsrechtcs noch viel weiter. Eine Besserung tön»«» hier vnr die Wahle» herbeiführen. Die nnter Nmständen sehr wichiige Peliiion de? Vereins deutscher Zeitungsverleger, die Berjährungssrist bei Preßvergehen a»S- drückiich aus sechs Monate„vom ersten Verbreituugsakte" ad festzii» setzen, wurde de», Reichskanzler zur Erwägung überwiesen. Der Bundesralh will dem Wunsche keine Folge geben. Zum zehnten Male, diesmal mit 179 gegen 49 Stimmen, halte sich ferner der Reichslag für die Zahlung vo» Tagegelder» und Reisetosten an die Abgeordneleu aus ReichSmittel» au?. gesprochen. Der Bundesrath, dessen Mitglieder selber Diäten empfange», bleibt dabei, de» jetzigen, sogar von den Bauernbüudler» als ganz„nhallbar bezeichueten Zustand weiter zu verlängern. Man hat anscheiueiid die Spekulation noch nicht aufgegeben, einmal eine Reichstagsmehrheil zu finden, die durch die Zusicherung regelmäßiger Bnareinuahnieu sich z» reaktionären Gegeuleiftungen auf dem Felde des Bersassuugs- und Wahlrechtes bestechen läßt. Die immer ärgere und ärgerlichere ewige Beschlnßniifähigkeit des Reichstages wird bei der Etatsberaihung»weisellos das alt« Be, langen aller Parteien. mit Aninahine der Konservative»»nd weniger Nntionallibernler, noch schärfer wie sonst betonen lassen. i Dem Ersuchen,„mit allen zu Gebote stehenden Mitteln dem mit den Strafgesetze» in Widerspruch befiiidlicheu D u e l l w e s e n mit Entschiedenheit entgegenzuwirken", glaubt die Regierung, wenigstens für Preußen, durch die Bestimmungen vom I. Januar 1897 über die Ehrengerichte der Offiziere und durch die letzte Versügung des Justiz- „Iii, isters(vom 16. November) an die Etaalsanwallschasten genügend »achgekomiue» zu sein. Bein, Etat hat sich daran bereits eine längere Debatte geknüpft, bei der sich nirgends eine Befriedigung mit den erzielte» Erfolgen kundgab; zudem waren die Reden des Knegsministers wahrhaftig nicht geeignet, die Duellrowdy'S ein- zuschüchleru. Judeß auf dem Papiere und in den Akten ist etwas geschehen. Die Erörterungen wegen Umgestaltung deS bestehenden Post- ZeiluugStarifS, unter Berücksichtigung deS Gewichts der zu be- fördernden Z-itungSnummern, sind»och immer„im Gange", jedoch nicht abgeschloffe». Ueber die Erhöhung deS Höchstgewichtes ei»- facher Briefe sind wieder einmal umfangreiche Erwägungen angestellt. aber»och nicht beendet worden. Eine Beschränkung der Annahme und Bestellung von Packeten an So,»,,- und Feiertagen(mit Aus- »ahme der Weihnachtszeit vom 18. biS 30. Dezember) auf Eil- send,»igen wird rundweg das eine Mal alS„nicht durchführbar", das andere Mal trotz abermaliger eingehendster Prüfung als„nicht ausführbar" abgelehnt. Auch die Landbriefträger finden sich infolge der Doppel- sessio» zweimal erwähnt. Am 2l. Februar 1896 halle der Reichstag auf grund mündlichen Berichts der Budgetloininisston ersucht, das Meistgehalt der Laudbriefträger auf 1000 Mark zu erhöhe».„Die Erhöhung des Meistgehaltes— lautet die Antwort der Regjeruuge»— hat sich deshalb als nnthunlich erwiesen, weil die Aufbessernug der Besoldung der Uiiterbeamtei, vorläufig als abgeschlossei, zu betrachte» ist und die Zulassung einer Aus- »ahme zu unabsehbare» Kousequenze» führe» würde." Dan» sprach sich der Reichstag am 26 Mai 1397 nochmals dafür auS, für die Uuterbeaniten der Klasse 2S der Post(28 47S Briefträger, Postpack- meister jc.) einheitlich die Besoldung auf 900—1500 Mark, für die l? 600 Laudbriefträger auf 700-1000 Mark festzusetzen. Darauf wird erwiedert, daß die Erörterinige» i» der Angelegenheit»»ch nicht zum Abschlüsse gelaugten. Vielleicht wartet man. biS die fetten Finanzjahre ganz vorüber sind. Eiliger bat man es hiiigege» mit einem Gesetzentwurf, der— einem Wunsche des Reichstages entsprechend— die Vorspann- v e r g ü t u„ g S sähe für die auf Märschen, in Lagern oder in Kanlonnirungen befindlichen Truppeuthelle erhöhen soll. Der Eni- wurf ist bereits in Vorbereilirng. Etwas langsamer rückt die Neu- regeluiig der Umzngskosten der Gesandte,, und koilsularischen Beamten vorwärts, die durch die rasche» Persoualäuderungeu und starken Etalsüberschreitilugeu der letzten Jahre dringend nöthig er- schien. Hier.schwebe,, noch Erwägungen". Ueber die Ermäßigung und V-reinfachiiug der Personen-, Ge- väck- und Güter tarife der Eise»bahne» sind wieder einmal Verhandlniigeii mit den meistbetheiligten Bundesregierungen ein- geleiiel. Der lctzle Anlauf fiel ja wohl noch in die Maybach'sche Zeit. Die Jmpffrage soll zwar nicht, wozu der Reichstag neigte, von einer freie» Kommission ans„Vertretern und Gegnern der Impfung»nd des Zwanges dazu", jedoch von einer Kommission von„Sachverständigen" berathen werden. Die Berufung der Kom- Mission soll nahe bevorsteben. Auf eine zur Berücksichtigung überwiesene Petition ans Hildes- heim erwidert die Regierung, daß sie ein neues Triinkiuchtsgesetz nicht vorzulegen beabsichtige; der alte Entwurf von 1392 ist be- kauiitlich niemals zur Berathung gekomme». Ueber die Aichung der Bierfässer soll bei der nächste» Abänderung der Maß« undGewichts- ordiinug mit entschieden werden. Damit hätten wir wohl dl« Fragen, soweit sie ein rein politisches Interesse bieten oder anf dem Gebiet« bei Verkehrs und der Wohlfahrtspflege im allgemeinen liege», erschöpft. Nur daS Schicksal einer Forderung»och ist für die ganze politisch« Eitualion bedeutsam: die Aushebung des I e s u i t e n g e s e tz« S. Hier„steht die Veschliiftfassuiig des BilndesratheS noch auS". Auf die Behandlung der sozialpolitischen und agrarischen An- träge lommen wir in anderem Ziisaimuenha.ig zurück. Als RcichStagSkandidat für de,»»»tersräukischen Wahlkreis Lohr wurde vo» einer Vertranensniänner- Zusammenkunft in Gen milden eiustimiuig der Parteigenosse D e j u„ g aus Frankfurt a. Mai» aufgestellt. Der Konferenz wohuie auch ein Kleinbauer bei; er schilderle in schlichieu Worten die Lage der Kleinbauern und gab Winke, wie die für diese Bevöikeriiugsklasse bestimmten sozial- demolralischen Schrillen gehalten sei» müßten. Im Wahlkreise Bromberg in Posen kanbidirt wieder der polnische Parteigenosse Janiszewski auS Berlin. Bei der Wahl im Jahre 1893 erhielt er 2475 Stimmen; der Kandidat der polnischen Nationalpariei 5377, der Kandidat der deutschen Reichs- Partei 4773 und der Klindidat der Freistnnigen Vereiiiigmig 42ii5 Slimineii. I» der Stichwahl siegte der Kandidat der National- polen, viitlergutsbesitzer v. Czailiuski, mit 8388 Slimnie» über den Kandidaien der deutschen Reichipart-i, der 7142 Stimme» erhielt. AuS Oesterreich wird uns geschrieben: Während der Weih- nachtsfeiertage tritt m den Räume» des Iieuerdaiite» Arbeilerheims zu Brün n die erste Konferenz der s o z i a l d e», o- k r a i i s ch e n c z e ch i s ch e n Frauen zusammen. Trotz der besiialiichen Nniionalitäieiihetze, trotz der geschmack- und sinnlosen Anfeindnngeii von Seile der bürgerliche» Parteien wächst die Zahl unserer Anhänger. Die Konferenz, deren Zweck die Organisation der czechischen Sozialdemvtraiiiinen ist, ist ein mächtiger Fortschritt der czecho-siavischen Sozialdemokratie. Die Tagesordnung der Kon- serenz lautet: I. Prinzipien-Erkläruiig, 2. Organisation, Agitation und Tallik, 3. Presse, 4. Verschiedenes. Polizeiliches, Gerichtliches ee. — Wie im Jahre 1896, so ist auch im Jahre 1897 die Magdeburger„Volks st im nie" Gegenstand der hesligsten Vcisolgung gewesen. Ueber ihre Redakteure wurden insgesaiumt 12 Monate Gesäagniß' und 715 M. Geldstrafe» verhängt und drei- mal wurde daS Blatt beschlagnahmt. In zwei Fällen mußte auf Freisprechung erkannt und i» ebenso viel Fällen das Verfahren eingestellt w-rde». Unerledigt sind»och die Prozesse irege» Beleidigung des Zahnarztes Kämpfe, wegen Beleidigung de? preußischen Landlages, wegen Beleidigung v. Puttkamer'S, wegen Beleidigung des Magdeburger Magistrats und wegen Veröffentlichung vo» Quittungen. Von de» im vorige» Jahre erknmiteu Strafen sind 10 Monate Gefäugniß verbüßt, von den in diesem Jahre erkannte» sind 5 Monate Überstauden. Noch z» verbüßen sind im ganzen 9 Monate Gefäugniß. Außer der „Vokksstimme" ivar auch die Buchhandlung Gegenstand der Ver- folgiing; wie bekaiiiit, hat sie polizeiliche Bervachung erhalten. Es ist wohl keine Uebertreibuiig, wenn wir sagen, daß keine andere Partei, selbst nicht das Zenir»»,, derartige Berfolgnnge», wie sie nicht nur die Magdeburger„Volksstimme", sonder» die sozialdemokratische Presse und die sozialdemokraiische Partei überhaupt fortgesetzt z» erdulden hat, ertrage» köuute. Jede andere Partei würde entweder zu gründe gehe» oder ihre Grundsätze mehr oder weuiger preisgeben müssen. Daß die Sozialdemokratie dennoch und— wie Magdeburg wieder zeigt— gerade bei der härteste» Verfolgung blüht und gedeiht, das ist vor allem daraus zu erklären, daß sie eine gule nud gerechte Sache verlritt und daß ihre Bestrebunge» mit dem Willen der Volks- »lassen i» Einklang stehen. — Wegen„öffenllicher" Verbreitung von Drnckschristen, angeblich begange» durch Verbreitung von Flugblättern in Gasthöfen und Läden im Kreise Waldenburg in Schlesien, sind, wie f. Z. be- richtet, zwei Genosse» zu je einer Woche Haft verurlheilt worden. I» dem mehr als bedenklichen Urtheil hieß eS:„Bei der Slras. zu.nessung hat der Gerichishos mit Rücksicht auf daS gemeingefähr. liche Treiben der beiden Angeklagten, welche sich offen als Sozial» lemokrate» betaunt haben, sowie darauf, daß gerade t» letzter Zeit in hiesiger Gegend mehrfach die Sozialdemokraten ihn umstürz» ' lerischen und jede staatliche Autorität mißachtenden Ideen durch A»S. »Heilung von Flugblättern zu verbreiten versucht habe», aus eine Hast- slrase von einer Woche gegen jeden Angeklagten erkannt/' Die ver- »irthellten Parteigenossen haben gegen diese Entscheidung des Schöffen- gerichts in F r i e d l a n d Berufung eingelegt, weshalb sich am 21. Dezember die Waldenburger Strafkammer mit der„umstürzleri- fchen" Thätigkeit der Genossen zu beschäftigen hatte. Die Berufungs- instan, sah nun aber in der Flugblaltvcrtheilung durchaus kein »gemeingefährliches Treiben" und erkannte auf kostenlose Frei. s p r e ch u n g. — Bom Schöffengericht in Borna i. S. wurden fünf Partei- genossen, die in einige» Dörfern bei Lansigk einen Agitations- Kalender in den Wohnungen verlheilt hallen, wegen„groben Unfugs" zu je lS M. Geldstrafe oder 3 Tagen Haft verurtheilt, weil der Inhalt des Kalenders geeignet sei, die unserer Partei Ent- gegenstehende» in ihren Empfindungen zu verletzen und zu belästige». Was man sonst nicht bestrafen kann, sieht man als groben Unfug an. GemevkfchKfkliches. Berlin und Nmgebiiug. EettenS des VcrtranciiömaniicS der Berliner Metall- arbcitcr sind bis jetzt 13 600 M. an die englischen Mnschme„bauer abgeführt worden. Einem an denselben von dem Generalsekretär G. N. Barnes aus London gerichteten Schreiben, dalirl 21. De- zember, entnehmen wir das folgende: Wir sind außerordentlich dankbar für die gleichmäßige Unter- stütznng und werden erfreut sein, wenn Sie Ihre» Gewerkschafls- niitgliedern nnsern Dank für ihre fortgesetzte Hilfe in der Ver- »heidigung des Rechtes auf Bereinigung mittheile» wollen. Wir habe» abermals mit den Dieistern koufcrirt, aber nicht mehr erreicht, als eine Veränderung in den Worten des ursprüng- lichen Vorschlage?, welcher mit 100 Stimme» zu 1 abgelehnt wurde, und ist deswegen die Annahme nicht wahrscheinlich. Wir sind aus unsere Aufforderung wohl Ihre großmülhige Unter. stütznng gewahr geivorden in dieser Zeit, aber in Zlussicht auf die Fortsetzung dieses Kampfes zu einem erfolgreichen Ausgang sind wir gezwungen, an Sie zu appelliren, für fernere finanzielle Hrlse bis zu diesem Ende eiuzutreten. I» ähnlicher Weise äußert sich auch der Genosse Kreipe, welcher nach Deutschland delegirt war. indem er schreibt: Nachdem die Meister durch die letzte Abstimmung gezwungen waren, in»eiie Verhandlungen einzutreten, haben dieselben es uerftanden, dieselben Punkte, welche zur ersten Abstimmung vorlagen, auch zur neuerliche» Abstimnnnig vorzulegen. In» Wortlaut sind dieselbe» jetzt so ausgebaut, als ob sie unseren(der Arbeiter) Forderungen entsprechen; bei Licht besehen, sind es dieselben nichlswürdlge» Forderungen vom ersten Vorschlage, ebenso ist die Stuudensrage ausgelassen worden. Daß die Abstimmung glänzend ausfällt, um diese Anträge zurückzuweisen, steht fest. Daß jedoch der Streik beigeleg« wird, daran ist gar nicht zu denken; denn es wäre unverantwortlich, nach halbjährigem Kampfe Bedingungen anzunehmen, welche dem Trades-Unionisinus ganz und gar entgegen sind, also den Trades- UnionismuS auflöse»(zerschmettern) wollen.— Angesichts der scharf zugespitzte» Situation in der englischen Maschinenindustrie fordert der Sekretär des intcrnalionalen Bureau der Metallarbeiter durch Zirkular sämmlliche Korrespondenten (in Berlin O. Rüther) zur sofortige» Beantwortung folgender Frage» ans: I. Ist Ihre Organisation gewillt, z» einer im Januar nnzuberanmenden internationalen Konferenz Vertreter zu sende»? 2. Welche finanzielle Hilfe können Sie bis dahin gewähren? deutsches Reich. Die Gelverbegerichtörvahlc» in Oldenburg endeten am Donnerstag mit einem vollständigen Sieg der«rganifirle» Arbeiterschaft, die Hirsch-Dnncker'sche» Geiverkvercinler, welche sich in früheren Jahren noch stets a» den Gewerbegerichtsivahle» betheiligt hatte». ober immer unterlagen, zogen es vor. diesmal leine Kandidaten aufzustellen. Schichmachcr! Bei dem Ausstände der Schuhmacher der Firma Götze n. Fischer in G r o i tz s ch bei Leipzig ist eine Aendernng der Lage bis jetzt nicht eingetreten. Alle Arbeiter und Arbeiterinne» stehen nach wie vor fest und treu zur Sache und sind entschlösse», die Arbeit nicht eher wieder miszimehme», bis von der Firma an- nehmbare Zugeständnisse gemacht sind. Die Anssländige» ersuche» daher, sie zu unterstützen und de» Zuzug zu vermeide». Alle Anfragen n»d Sendnngcn sind zu richte» an Roberl Pauli, Groitzsch, Alles EchützenhauS. Wie die Polizei das VercinSgesetz handhabt. I» Tilsit tagte am 19. d. M. eine Milglieder-Versaminlnng des Verbandes der ungelernten Arbeiter. Als der Punkt der Tagesordnung: Ver- schiedencs, verhandelt wurde, wies der Vorsitzende auf die Schwierig- leiten hin, die den Organisationen bereitet iverdc». Er führte besonders eine Anzahl von Fälle» a», wo die Polizeibeamten eine recht befremdende Auslegung des Vereinsgesetzes vor- genommen habe». So wurde in Stollbeck die Zusannnenknnft einiger Leute, die gar nicht daran gedacht halte», eine Besprechung öffentlicher Angelegenheiten vorznnehnie», in dem Augenblick auf- gelöst, als einer der Anwesenden ein Gedicht vortrug. Die Leute hatten ruhig in der Wohnung eines Arbeiters gesessen und waren nicht wenig erstaunt, als plötzlich der Gendarm in Begleitnug des. eine Laterne tragenden Gemeindediencrs in ihrer Milte erschien. Da sie keine Neigung hatten, der Aufforderung, die Wohnung zu verlassen, Folge zu leisten, nolirte der Beamte einige von ihnen und enlsernte sich dann. Ein ähnlicher Fall kam kürzlich in Tilsit vor, dort wird der Eigcnthümer der Wohnung Beschiverde führe». Als der Vorsitzende dann»och über das Verhalten einiger Tilsiter Polizeibeamten Vc- inerkungen machte, löste der überwachende Beamte die Versammlung auf. ES ist dies die vierte Mitglieder-Versammlung, die von dein Polizeibeamten aufgelöst wird, ohne daß nach dem Vereinsgcsetz das Vorgehen als berechtigt anerkannt werden kau». Der Zuzug von Former» nach Zeulenroda ist, da Lohn- slreitigkeitc» ausgebrochen sind, fernzuhalten. Die Lohttbcwegung der Gerber in Netersen hatte de» Erfolg, daß der Wochenlohn von IS aus IS M. erhöht wurde. Den Herren Gerbermeiftern scheint aber ihr Verspreche» lcid geivorden zu sein, den» jetzt habe» zwei derselben ihre Zulage zurückgezogen und wolle» nur de» alten Loh» bezahlen. Die Gerber haben»im in einer Versamnilnng beschlossen, sich den Lohnabzug nicht gefalle» zu lasse», und sind sie eveut. gewillt, in den Streik einzntrele». Die Leipziger Maurer haben bekanntlich in ihrem Ausstand eine Nnterbrechnng eintreten lassen»nd war i»> Frühjahr». I. die Forlsetzung des Sireiks geplant. In einer sehr gut besuchten Ver- amuilung, die ani Dienstag tagte,»»lerbreitele der Maurer I a r o b «inen Berufskollegen eine Zuschrift des Banarbeitgeber-VerbandcS, n der den Gesellen der Vorschlag gemacht wird, gemeinsam mit einer Kommission der Arbeitgeber über die noch strittige» Punkte zu verhandeln. Nach längerer Debatte, in der mehrfach eine Abweisung deS Anerbietens empfohlen wurde, erklärte sich die Versammlung zu Verhandlungen bereit und wählte vier Mann, die mit der Kommission der Arbeitgeber in Verbindung treten sollen. Der Anöstand in ver Haarschneiderei von Bloch n. Hirsch in Urberach bei Offenbach, an dem 70 Arbeiterinnen betheiligt waren, ist durch einen Vergleich mit der Firma beendet. Strcikpostaistrhc»— keil« grober Unfug. Der Versuch derPolizei, die Ausübung des Koalitionsrechts pnrch den groben Unsng-Para. graphen, diesem juristischen Mädchen für alles, einzuengen, kam vor- gestern vor dem Eleltiner Schöffengericht zur richterlichen Prüfung. Die Polizei hatte an eine größere Anzahl Streikende der Slöwer- fchen Fabrik und einige Maurer Strafmandate von je'20 M erlassen, weil durch Postenstehen grober Unfug verübt sei» sollte. Das Gericht sprach nach eingehender Bcrathnng fäinmtlich« Angeklagte aus folgenden Gründen frei: 152 der Gewerbc-Ordnnng gewähre das Recht der Arbeltseinstellung behufs Erlangung besserer Lohn-»!i>d Arbeitsbedingungen; damit sei auch das Recht zum Etrcikpofteustehen gegeben, um etwaige zu- reisende Kollegen aus den stattfindenden Streik aufmerksam zu machen. Durch die regelmäßige Ablösung der Posten sei die Führung des Streik in geordnete Bahnen gelenkt worden und es habe keine Veranlassung zur Beunruhigung der Gemüther vor- gelegen. Als eine Belästigung könne es nicht angesehen werden, wenn einmal jemand zufällig angesprochen werde, der kein Arbeiter sei, um nach seinem Slaud zu fragen; die Streikenden kennen meistens ihre Leute. Wenn man keine großen Streiks haben wolle. dann dürfe man keine großen Fabriken bauen. Unser Stettiner Parteiorgan bemerkt hierzu: Wir wollen hoffen, daß zu dieser ver« uüufttgen Ansicht sich alle Richter bekennen. Ausland. Den englischen Maschineubaner» sind in den letzten Tagen die Gelder>» recht reichlichem Maße zugeflossen. Am Dienstag kamen allein 2000 Pfund Sterling ein, wovon 1000 Pfund von de» Maschinenbauern von Australien. Die Steinsetzer, die seit vielen Wochen regelmäßig 300 Pfund Sterling beisteuerte», haben jetzt ein Darlehe» von 10 000 Pfund Sterling, also 200 000 M. angeboten,— De» am Kampfe belheiligten Arbeitern liegen jetzt zwei Fragen zur Abstimmung vor. Erstens haben sie sich darüber auszusprechen, ob sie für oder gegen die letzten Vorschläge der Unternehmer sind, zweitens müssen sie sich zu der Frage der Arbeitszeitverkürzung äußern. Die Arbeitervertreter hallen aus der Konferenz den Borschlag gemacht daß die dl Sluuden-Woche eingeführt werde, und mit dieser Kon- zession zusammen wollten dann die Arbeitervertreter die Vorschläge der Unternehmer provisorisch annehmen. Die Unternehmer lehnten bekanntlich jede Konzession in bezug auf die Arbeitszeit ab. Bis jetzt sind Resultate von Abstimmungen nicht bekannt, Mr. BarneS, der Generalsekretär der Vereinigten Maschinenbauer, glaubt jedoch aus den ans der Provinz ihm zugehenden Briefen entnehmen zu sollen, daß die Vorschläge wiederum ab- gelehnt werden.— Das Londoner Zentral-Slreikkomitee, das aus Telegirten der 25 Londoner Distrikts- Streikkomitees zusammen- gesetzt ist, hat, nachdem die Delegirten von der Konferenz Bericht erstattet halten, eine Resolution angenominen, in welcher erklärt wird, daß die Mitglieder eittstimmig der Meinung seien, daß die Vorschläge der Unternehmer bezüglich der Leitung der Betriebe»n- annehmbar sind. Eine Verständigung. die auf seile» der Arbeiter allgemein befriedigen solle, müsse in sich schließen die Einführung des Achtstundentages in London.— 112 englische Gewerkschaften haben bis jetzt auf die diesbezügliche Anfrage Barnes sich dahin ge- äußert, daß sie sich an einer allgemeinen Gewerkschastskonfereiiz betheiligen würden. AuS Rußland. Der erfolgreiche Kampf, den in B r e st in Westnißlaiid�dieses Jahr die Schlosser. Tischler, Schneider, Schneiderinnen und Sattler um Durchführung des Zehnstuudentages geführt habe», hat dewirkt, daß die Unternehmer, der Rabbiner, die Gen- darmerie und die Polizei— sich sämmtlich vereinigten, um die „Sozialisten" auszurotten. Am 21. Noveniber machte die Polizei den ersten Anlauf: cS wurden vcrhaslet eine Hebamme und eine Schneiderin; bei dieser letzteren sind drei sozialdemokratische Broschüren in jüdischer Sprache gefunden worden; außerdem be- dachte man noch acht Arbeiter mit Haussuchungen Am 27 Stovcinber wurden noch verhaftet ein Hauslehrer, drei Tischler, ein Schneider, und bei fünf Arbeitern»ahm man Haussuchungen vor. Mttkovnrlimev�Vevbiinde. Berbände in der Eiscuiudnstric. Der„Franks. Ztg." wird von einem Fachmanne geschrieben:„Bei dem gegenwärtigen Be- streben, die Berbandsbildung in der Eisenindustrie weiter auszn- dehnen, ist es von Interesse, zusammenzustellen, wie weit heute Ver- bände schon bestehen. Der mächtigste Verband solcher Art, der für die Eisenindustrie mittelbar große Bedeutung hat, ist das Kohlen- S y II d i k a t, das bisher mit außerordentlichei» Erfolge sunktionirl; ihm zur Seite steht das Kokes-Syndikat. Stehen diese beide» Syndikate auch außerhalb der Eisenindustrie, so hängt letztere doch in so großem Maß« von ihnen ab, daß sie an dieser Stelle mit er- wähnt werde» müssen, zumal hauptsächlich von ihnen aus die weitere Verbandsbildung vor sich gegange» ist. Für das nächste wichtige Rohmaterial, Erze, besieht zroa/Teiit Syndikat, aber Preis- kouveutionen, die bei flottem Geschäftsgänge in der Eisenindustrie mit der Zeit um 50 pEt. erhöhte Preise zu stände gebracht habe». Für gtoheisc» besteht das Syndikat, daneben der Verein zum Ver- kaufe von Siegerländer Roheisen und der Verein zum Verlause von Luxemburger Roheisen. Diese Vereinigung»» habe» seither mit be- sondeiS günstigen Verhältnissen zu lhun gehabt, denn der Verbranch von Roheise» war so gestiegen, daß,»»» den Bedarf zu befriedigen, der Import verstärkt werden mußt«. Ein außerordentlich wichtiges Produkt für die Stahlwerke ist Pnddelfchlacke, die zum größte» Thcii importirt werden muß, weil der Pnddclbeirieb durch die Flnfteisen- prodnllioii mehr und mehr verdrängt ist und erst in neuerer Zeil »'jeder a» Uiufang zugenommen bat. Der Verkauf geschieht frei- händig. Zum Bezüge von Alteisen, da? besonders für die Marlinbetriebe wichtig ist, haben die konsnmirende» Werke sich zu einem SchroteiNkailss-Koinpioir vereinigt; anfangs stieß das aus großen Widerstand bei den Schrolhändler», inzwischen sind aber die Händler zum große» Theile mit dem Einkaulslomploir in Verbindung getreten»nd machen den Zwischenhändler zwischen dem Komploir»nd besonders den kleineren Walz- iveile». Die für die Walzwerke bedenlsamste Vereinigung ist de' Halbze.igvcrbnnd, also der für Stadlblöcke, Knüppel und Platinen, eiue Preisvereinignug, oic Minimnlprcife festsetzt und sicher funktionirt. Zu Beginn dieses Jahres hielten sogar die Werke ihre Verkaufspreise meist 3 bis 5 M. per To»«« über den ver- abredeten Minimalpreisen. Für Luppen besteht«ine Preisverab- rednng, die aber nicht überall als bindend gilt. Bis zum Walzprodnk! ist danach alles mehr oder minder fest zusammengeschlossen, eine große Zahl von Walzwei ke» ist aber mit Werke» verbnnde». die noch eigene Kohle». Erze. Hochöfen und Stahliverl« haben; bei diese» ist es also niehr«in Rcchniingsgeschäst, ob sie am Roh, Produkt»nd Halbfabrikat oder an dein Walziverk-produkr verdiene». Eine llieihe von Walzwerke» hat außerdem»och Betriebe aus Weiler- Verarbeitung, Brücken bau-A» stallen, Kesselschmiede, Schiffswerste», Drahlziebcrei, Drahtstiften- und Springfedersabrikalio», wogege» eine dritte Gruppe aus reine» Walziverken besteht. Diese Berschiedeuartigkeit der Betriebe und dainit auch der Interesse» hat die Vereinigung der Walzwerk« sehr erschwert.?l»i leichtesten wäre»»och Schienen, die »nr von de» größten Werke» gewalzt werden, zu vereinigen, es besteht deshalb auch lange schon die Echieuen-Vereiiiigung, die seineizeil mit der Preußische» SInatseiseubahn-Verwalliiiig das langstchtige, da- wals vielfach angesochlene. heute zuui Nutze» des Staates a»s- gefnltene Abkommen grschlosseu hat. Für Kleinbahn- und G r» b e» s ch i« n r n besieht keine Vereinigiiiig, ihre Vildnag siiider aber neuerdings eine Reibe von Fürspreclrerii. Für S t a b e i s« i> bestand bis in de» Spätsommer eine Preiskonveiition, bei der aber einzelne größere Werke nicht vertreten ivacen. Die Konkurrenz hat zunächst zu Kampspreisen und dann zur Syndikalsbildiing geführt, die allerdings noch nicht ab- geschloffen ist, aber gute Aussichten hat. Für Träger und schweres Fornieiseii besieht im Saarrevier ein Syndikat, dessen Preise auch durch Konvention sür die rheiiiisch-westfälischen Werke bindend sind. Für Bandeisen bestand eine Preie-lonventioii, die gekündigt wurde; das hat dann Schritte zur Syndikatsbildung veranlaßt, die aber erfolglos zu bleiben scheinen. Für Walzdraht besteht ein Syndikat, dem alle deutschen Merke angehören, seine Errichtung hat Bestrebungen zur Gründung eines D r a h t st i f t e n- S y n d i- k n t s gezeitigt, das ins Leben treten soll, sobald der am Schlüsse erwähnte Exportverband gegründet sein wird. In bezug auf Grob- bleche besteht ein Syndikat für Deutschland mit Berkaufsslelleii in Berlin und Essen, dem aber nicht all« Werke angehören, weshalb es mit Kampspreisen arbeiten muß. Die Fabrikanten von Fein- blechen haben sich vielfach bemüht, eine Vereinigung zu schaffen, bis jetzt ohne Erfolg; man ist deshalb mit der Bildung eines Einkausskomptoirs vorgegangen, dem sich aber größere Betriebe fernhalten? die Aussichten für eine verkaufS-Bereinignng sind gering. Im R ö h r e n geschäft sind gußeiserne große WaflerteitungSrohre durch Preiskouoention, SaS- und Siede- röhre durch Syndikat verbunden, eine Vereinigung wird auch für Velo-(Fahrrad) Röhre angestrebt, der Erfolg ist aber heute noch»weiselhaft. In der Kleinessen- Industrie besteht der Fitscheu verband, eine Preiskouvention für Schrauben und Muttern, eine solche für Nieten; auch in der Händlerwelt finden sich Vereinigungen in der Schweiz, Süddeulschland und Westdeutschland. die mit einander in Verbindung stehen und sich zu gewissen Ver- einigungen der Industrie in Gegensatz gestellt haben. Während des guten Jnlandsgeschästs ist vielfach der Export zurückgegangen, weil mit den hiesige» Roh- und Brennmaterial-Preisen der Kampf aus dem Wellmarkte für die deutschen Interessenten Nieder- läge auf Niederlage brachte. Inzwischen ist durch Betriebs- crweiterungen die Produktionsfähigkeit der Werke gewachsen, das Inland liefert auch nicht mehr so reichlich Arbeit, wie in den letzten Jahren. Dies hat den Gedanken eines Exporlverbandes erzeugt, der Leben zu gewinnen scheint, da nach der am 17. d. M. abgehaltenen Kölner Versammlung die prinzipielle Uebereinstimmung besteht; eine Kommission wurde mit Eiitwerfung der Statuten be- auftragt, aber freilich haben sich schon so oft erst hierbei die Schwierig- leiten herausgestellt In den interesstrte» Kreisen hofft man diesmal bestimmt, auch darüber hiilivegzukommen." Soziales« Von der königliche» UnivcrsiiätS-Attgcukliuik i» Halle a S. ist au auswärtige Ortskrankenkasscn, darunter auch aueine in Reußj.L., der Entwurf eines Vertrages verschickt worden, worin es heißt: „Die königliche UniversitätS-Angenklinik erklärt sich bereit, alle der Orlskrankenknsse angehörigen Augenkranken unentgeltlich z» behandeln. Soweit es fich um leichtere Erkraiiknngcn handelt, haben die Patienten die Hilfe der Poliklinik in Anspruch zu nehmen. Schwerer Erkrankle finden jederzeit i» der Klinik Aufnahme gegen Zahlung des staatlich festgesetzten Ver- pflegnngssatzes. Di« Krankenkasse verpflichtet sich, alle Augenkranken. die nach der Erklärung des Kassenarztes klinischer Behandlimg be- dürfen, der königlichen Universitäls-Augenklinik zu überiveisen." Die„Voss. Ztg." wendet sich dagegen, weil durch das Vor- gehen der hallischen Universttätsklinik die Kassenärzte geschädigt würden. Weiter bemerkt daS Blatt:„Für die öffentliche Gesund- Heilspflege ist ganz wesentlich, daß im ganzen Lande zer- streut A» g e n k l i n i k e ii bestehe»; denn die Fürsorge snr das Aug« ist ein wichtiger Theil der öffcnilichen Hygiene. Gerade den Krankenkassen muß wegen der schweren geiverblichen Augenverletzungen daran liegen, daß angenärzlliche Hilfe schnell erreichbar ist. Ties hört aber auf, wenn die wenigen provinziale» llniversitäls-Angenkliniken die Behandlung der Augenkranken an sich ziehen." Da es durchaus nicht in allen industriellen Orten wirkliche Augenärzte giebt, will dieser Einwand der„Vossische» Ztg." nicht gerade viel besage». Daß durch die Einrichtung der kgl. UniversitätS- klinik in Halle Kassen und Patienten Bortheile haben würben, dürfte kaum zu bestreiten fein. Andererfcils ist begreiflich, daß sich die Acrzle gegen diese Konkurrenz des staatlichen Instituts wehren. Aber dann mögen sie sür die Verstaatlichnng des Aerzlewesens eintreten; hierin werden sie die Synipalhien der Arbeiter haben, sonst nicht. Zinn Thema der Ncbcranftrcngima deS EifenbahuperfonalS ticfeit die„Rheinische Zeitung" cincn Beitrag ans Wanne. Ein ans dieser Station nugestclllcr Hilf-bremser ist in der Zeit vom 3. bis 12. Dezember insgesammt nur s2>/z Stunde dienstsrei gewesen, also in 24 Stunden durchschnittlich nur 42/3 Stnnden. Es bedarf keines Nachweises, daß mit solcher Dienfidauer lleberaiistrengnng verbunden ist. Die Sicherheit des die Eisenbahnen benutzenden Publikums erfordert aber eine derartige Regelung der Dienstzeit, daß das Fahrpersonal sein« Thätigkeit ohne körperliche Ennattniig MlSznübe» vermag. Nur dadurch wird es möglich werden, Unglücks« fällen mif den Eisenbahnen ersolgreich vorzubeligen. Arbeiter Risiko. Bei dem N e» b a n des Bürgerlichen Brau- Hauses i» Ingolstadt stürzle ein Gewölbe ein, wobei 2 Arbeiter getödlet und 5 verwundet wurden. In Kopenhagen kamen durch eine Kesselexplosion nichi cre Arbeiter mns Leben. Der Heizer, der daS Unglück durch Unachlsamkeit verschuldet halle, lödtcte sich ans Verzweiflung. Ter Ansteiihandrl der Pcreinigtcn Staate» bon Amerika betrug in der Zeit vom I. Januar bis 30. September d. I. 583,7 Millionen Dollars bei der Eiiisnhr und 746,2 Millionen Dollars bei der Ausfuhr. A» der Einfuhr waren betheiligt mit Millionen Dollars folgende Gruppen: Lebensmittel und lebende Thier« 175,1, Roh- stoffe sür heimische Industrie 191.4, Fabrikate zu Veredeliingi» zN'ccke» 57,7, Fabrikate znm Verbrauch 100�3. Lnxnswaaren ic. 64,0. An der Einsicht war Europa mit 332 3 Millionen Dollars becheiligt, davon England mit 133.2. Denlschland mit 61,1; an dritter Stelle steht Frankreich mit 53,6 Millionen. An der A» s j» h r waren betheiligt mit Millionen Dollars: die Landwirthschast mit 466,6, die Industrie mit 212,4, der Beigbau mit«4,7, der Wald mit 32,4. die Fischerei mit 3,2, diverse anvere Exporlgebiel« mit 3.0, Transita aareu mit 13.6, Nach Europa gingen Waare» im Betrage von 563,8 Millionen Dollars, davon für 320 Millionen nach England, snr 85,6 nach Teuischland. sür je 44 Millionen nach Holland und Frankreich und für 30 Millionen »ach Belgien._ und letzts Muchvichken. Berli», 23. Dezember.(W. T. B.) Nach telegraphischer Meldung ans Sidncy ist der Forschnngsreiscnde Professor Wilhelm Jöst ans Köln am 25. November ans der Insel Santa Cruz am Herzschlage gestorben. In weiteren Llreisen wacht« sich Professor Jöst durch sein« tendenziös russeii» freundliche» Cchitdeningen Sibiriens bekannt.— Wien, 23. Dezbr.(W. T. B) Wie vas k. k. T.legr.-Torr-sp.« Bureau aus Kanca von heule»leidet, h il eine Anzahl Mobaineoaner bei Aruiiro ans Rache 14 christliche Bauern ans Malevisi, welch« mit einem Lebcnsmitlel» Transport ilnlerwegs waren, gelödlct und die geraubte LadU"g nach Kandia gebrocht. Pariö.'23. Dezbr.(B. H.) Zwischen dem Bankier Martin und dem Advokaten Nnnicd, die st.h während.ec gestrigen Sitzung des Panaina-ProzesseS heftig stritten und schließlich prügelten, wir« ein Duell statlfindc» PariS, 23, Tezenwer.(M. T B,) Im Panama- Prozesse wurde henie wäb'end der ganzen Verhandlung das Zcngeaverhör festgesetzr. Gegen Schluß der Sitzung ereignele sich ein beuierkeuS« Werth«" Zivischeufall,'Als nämlich die Milangektagten Arlon's diesen alS einen ruchlosen Verleumder hinstellten, gaben drei Geschivo-en« Zeichen ihres Beifalls. Man glaubt, daß dieser Vorfall Anlaß zur Kassation des Verfahrens werden könne. PariS, 23. Dezember.(W. T. B.) Der Senat genehmigt« nach Erklärung der Dnnglichleir den Handelsvertrag mit Japan »nd nahm sotann, edeiisnlls nach ersolgler Drt»glichk«ilkerklai»ng, ohne Debntie das Abkommen mit dem Dcuiichen Reiche betreffen!» die Krenzfeststellung im Togolande an. Sodann verlas der Justiz» minister Milliard ein Dekret, durch welches die Session geschlossen wird.— Paris, 23. Dezember.(W. T. B) Der Kreuzer„Pascal" ist im Begriff. Toulon zu verlassen, um sich mit dem Geschwader im äußerste» Osten zu vereinigen. Kalkutta, 23. Dezember.(W T. B.) Tie Handklskammer von Bengalen führt in einem Schreibe, an die Regierung ans, daß sto die Zeit zur Einführung der Goldwährung für gekommen balie. Seit dein Schluß der indischen Münzen seien vier Jahre Verstössen und es gäbe gegenwärtig in Indien kein Münzsyften». Dieser Schwebezustand schädige den Handel erheblich. Verantwortlicher Redaltcur: Zliiguft Jacobcy in Berlin. Für den Jnseratemheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag vv» iviax Babing ui Berlin. Hierzu 2 Beilage« u. lliitrrhnltnugSblatt. jr soo. i4. mmn. i Ktilllge des„MrMs" Kerliner KlksblM. Fttiw.Z4.WMM7. Gin nruvS GvttbonttngNick. Kaum hat sich die Gruft über den Opfer» der Grubenkatastrophe in Franken holz geschlossen, und schon wieder hat eine große Anzahl von Berglente» auf dem Schlachtfelde der Industrie ihr Leben lassen müssen. Aus Dortmund wird telegraphirt, daß auf der Zeche K a i s e r st u h l II durch schlagende Wetter 16 Arbeiter getödtet und 7 schwer verletzt worden find. Ob sich noch mehr Verunglückte in der Grube befinden, konnte bis z>u» Abgang der Nachricht noch nicht festgestellt werden. Es ist fast gleichgiltig, was die Untersuchung als Ursache des Unglücks ergeben wird� Die Häufigkeit der Grnbenkntastrophen gerade in der Zeit des denkbar besten Geschäftsganges der Berg- werke zeigt schon, daß die eigentliche Ursache der Grnbeukatastrophcn in der Art und Weise liegen muß, wie die Bergiverke jetzt betrieben werden. Darüber schreibt z. B. die in Dorlmnnd erscheinende„Rheinisch- Westfälische Arbeiter-Zeitung":„Die Klagen über die Ueber- schichten im Bergbau beginnen schon wieder. Die Unter» uehmer scheinen den Schaden, den sie durch den W a g e n m a n g e l erlitten haben, und den ihnen durch A r b e i t e r m a n g e l ent- gehenden Profit auf Koste» der Gesundheit und Sicherheit der Bergleute durch massenhafte U e b e r s ch i ch t e n wieder weit machen zu wollen. Wie ist's mit der Intervention der Berg. behörde», die ja noch kürzlich ihrer Absicht Ausdruck gaben, dem Ueberschichtenunivesen zu steuern? Soll die Unfallziffer e r st einmal in e r s ch r e ck e u d e r W e i s e st e i g e n? Man bedenke, daß viele mit den hiesigen Bergbauverhältnisseu unerfahrene Arbeiter eingestellt worden sind. Die noch durch überlauge Arbeits- zeit stumpf und unvorsichtig mache», heißt die Gefahr besonders hoch steigern." Es erscheint, wie gesagt, fast gleichgiltig. was die Ursache des Unglücks auf Zeche Kaiferftnhl II ist. Eine alte Forderung der Bergleute ist die. daß Vertreter von ihnen. die sie s e l b st g e iv ä h l t haben, mit in die Gruben» i n s p e k t i o n berufen werden sollen. Die Nützlichkeit dieser Forderung noch darzuthu», hieße Wasser ins Meer tragen. Dre fiskalische Berg.Bnreankratie. ans deren Urlheil der Staat zunächst augewiesen zu sein glaubt, hat hierzu innner noch nicht Stellung genommen, um der Forderung der Bergleute Geltung zu verschaffen. Wie wenig die Bergbehörden geneigt sind, auf die Wünsch« der Arbeiter einzugehe», zeigt eine weitere Mittheilung der„Rheinisch- Weilfäl. Arbeiler-Zeitung". Am Sonnabend war in Dortmund der Gesammt»Ausschuß des B e r g» G e w e r b e g e r i ch t s ver- sammelt auf grund eines von 33 Beisitzern gestellten An- träges. Verhandelt wurde über folgenden, von den Arbeiter- beifitzern ausgehenden Autrag:„Endesunterzeichnete Beisitzer des Berg-Gewerbegerichts beantragen bei dem königl. Ober-Berg- a m t e, ein Gutachten einzufordern über Aufhebung der jetzt besteheiiden Arbeitsordnung anf den Zechen und Einführung einer einheitlichen Arbeitsordnung unter Anhörung eines Arbeitern nsschusscs, welcher von den Arbeitern frei gewählt wird." Bergmann Wallner begründete den Antrag während Generaldirektor Schulz- Briefen demselben entgegen- trat. Nach längeren Debatten ließ der Vorsitzende, Berghauptmann Täglichsbeck die Abstimmung vornehme», welche die Ablehnung des Antrages ergab, da B e r g h a u t m a n n Täglichsbeck ,» i t seiner Stimme den Ausschlag gegen dm Antrag gab. Dazu sagt die„Rheinisch-Westfäl. Arb.» Ztg.": Die jetzigen Arbeitsordnungen sind seinerzeit noch knapp vor dem Termin, von dem vorgeschrieben ist, daß bei Erlaß solcher Ordnungen die Arbeiter zu hören sind, von de» Zechenverwaltuuge» erlassen worden. D i e Z e ch e» w o l l t e n d i e A r b e i t e r nicht hören, wollten von deren Beschwerden und Wünschen nichts wissen, deshalb damals die Eile. Würde jetzt eine neue Arbeitsordnung erlassen, so müßten die Bergleute gehört werde» und ihre Einwendungen m ü ß t e n der Bergbehörde mit- getheilt werden. Dieser Gefahr ist nun vorgebeugt durch Ablehnung des Antrags. Und das Vorgehen der Bergbehörde hat dafür den Ausschlag gegeben. Solange noch die Bergbehörden in solcher Weise gegen die Bergleute verfahren könne», blüht der Weizen der Grubenbesitzer und Grubenverwaltungen. Eine Hoffnung nur blüht de» Bergleuten: f« muffen sich faiiimt und sonders der beruflichen Organ is-!.''�» antchließe» und auch ihre politische» Rechte nach einer und derselben Siichtuug hin ausnutzen, gleichviel ob sie sozialdemokratisch oder katholisch oder sonst was sind. Nur wenn sie wirklich stark organisirt sind, nur dann werde» die Unternehmer wie die Bergbehörden ihren Wünschen Folge geben._ MommunÄles. In der DenkmalchAngclcgenhcit der Märzgefallenen hat das Magistrats- Kollegium beschlossen, der Etadtverordneten-Ver- fannnlung in Vorschlag zu bringe», daß am Eingänge zu dem Friedhofe im Friedrichshain ein massives Eingangslhor mit eiserner Pforte errichtet werde. Die Decke, welche über der Pforte zwischen den beiden Pfeilern augebracht wird, soll die Inschrift tragen: „Ruhestätte der in den Märztagen 1348 in Berlin Gefallenen". Dem angeblichen Ucbclstande und Schaden, welcher den Elandinhabern der Markthallen durch die„fliegenden Händler" erivächst, beabsichtigt das königl. Polizeipräsidium, wie bereits kurz berichtet, durch eine Polizciverordnung entgegenzutreten, deren Entwurf dem Magistrats» Kollegium zur Zustimmung unter- breitet ist. Dies« Polizeiverordnnng soll anf grund des Gesetzes über die Verwaltung vom II. März lköll und des Gesetzes über die Allgemeine Landcsverwallnng vom 30. Juli 1883 erlassen werden und lautet: Z 1. Jeder Straßeuhnndel mit Gegenständen des Wochenmarktverkehrs ist auf den nachstehend be- zeichneten Straßen, beziehungsweise Slrnßentheilen verboten: I. Die Straße„An der Stadlbahn" von der Straße„Au der Spandauer Brücke" bis zur Königftrnße(Alexanderplatz), die Panorama-, Gontard- und Neue Iriedrichstraße von der Straße „An der Spandaucr Brücke" bis zur Königstraße, die Alexanderstraße von der Kleinen Alexanderstraße bis zum Alexanderplatz, die Straße Am Königsgraben, die Kalandsgasse, die kkailer Wilhelmslraße vom Neuen Markt(Südseite) bis zur Münz- straße, die Nochstraße, die Königstraßc vom Alexanderplatz bisJüden- strafte(Hoher Steiuweg). II. Die L i n d e n st r a ß e von Belle- Alliauceplatz bis zur Markgrnfenstraße, die Friedrichstraße von Bellc-illlliaueeplatz bis zur Ziinmerstraße, die Z i n>»> e r st r a ß e von der Wilhelmstraße b:s zur Fricdrichftraße, die Krausen, und Schützenstraße zwischen Mauer- und Friedrichstraße. III. Die Dorotheenstraße und das Reichstags-Ufer von der Neue» Wilhelm- bis zur Neustädtischen Kirchstraße, die Schadow- straße. IV. der Pappel-Platz, die Juvalidenstraße von der Garte»- bis zur Brunnenstrahe, die Ackerstraße von der Invaliden- bis zur Elsasserstraftc, die Brunnenstraße von der Veteranen-(In- valideustraße) bis zur Elsasserstraße(Lothringerstraße), die Elisabeth- kirchstraße. V. die Oranie» straße vom Moritzplatz bis zum Oranicn- platz, der westliche Theil des Oranienplatzes, die Dresdenerstraste von der Buckowerstraße bis zum Oranienplatz, die Buckowerstraße, das Luise»-Ufer vom Oranienplatz bis zur Buckowerstraße. VI. Die B l n m e n st r a ß e von der Markus- bis zur AndrcaSstraße, der Grüne Weg von der Markus- bis zur Koppenstraße, die Andreas- straße von der Kleinen Andreas- bis zur Großen Fraukfurter» straße, zdie Kraulftraße bis zur Großen Frankjnrterstraße. VII. Die M ü l l e r st r a ß e von der Chaussecstraße bis zur Ring» bahn- Ueberführung an der Lynarstraße, die Chauffeestraße von der Müller- bis zur Liesenstraße, die Schulzendorscrstraste, die Kunkelstraße von der Schnlzendorfer- bis zur Dalldorferslraße, die Dalldorferstraße, die Fennstraße von der Müller- bis zur Reinickendorferstraße, die Ravenostraße, die Neinickendorferstraße vom Neltclbeckplatz bis zur Müllerstraße, der Nettelbeckplah, die Lindowerstraße von Nr. 11—13 und von 14—16, die Gerichtsstraße von L7— 33 und von 50—60, die Parkstraße von 1— 3s. und von 54—56.§ 2. Zuwiderhandlungen gegen die Bestimmungen werden mit Geldbuße bis zu 30 M., au deren Stelle im Unvermögensfalle entsprechende Haststrafe tritt, bestraft. DaS Magistrats- Kol l e g i u nr hat dieser Verordnung seine Zu- st i m m u n g e r t h e i l t. In bczng anf die Markthalle anf dem Gesundbriiiinen, deren Frequenz eine äußerst schwache ist, so daß dort trotz der bc- deutenden Herabsetzung der Standpachtgelder in derselben eine Be- lebnng des Geschäftes nicht zu erzielen ist, hat das Magistrats- Kollegium den von uns bereits mitgelheilten Beschluß der städtischen Markthallen-Deputalion, die Markthalle vom I. April n. I. zn schließen, genehmigt und wird hierzu die Zustimmung der Stadt- verordneten-Versammlung nachgesucht.— Zur Vorbereitung einer gemeinsamen Betheilignng der deutschen Städte an der im Jahre 1900 stattfindenden Welt- a u s st e l l u n g in Paris ist bekanntlich aus Anregung des Ober- Bürgermeisters von Stuttgart, Herrn Rümeli», eine Kommission unter Leitung des Ober-Bürgermeisters Zelle zusammengetreten. Da aber der größte Theil der Städte dem Plane gegenüber sich sehr kühl verhallen hat und überdies der deutsche Ausstellungskomniissar erklärte, daß er außer stände sei, den Städten einen ausreichenden Raum zur Verfügung zn stellen, so hat das Magistratskollegium be- schloffen, von einer Kollektivbeiheiligung der Stadt Berlin an der Ausstellung Abstand zu nehmen und den Ober-Bürgermeister Zelle zu ersuchen, de» Borsitz in der betreffenden Kommission nieder- zulege».— Das ist im hohen Grade bedauerlich. Der Direktor der 7. Realschule(Mariannensiraße 47) Dr. Michaelis ist nach Magistratsbeschlnß an die 1. Realschule, Alexandrinenstr. 5/6, versetzt ivorde». DaS Magistratskollegiuiu hat beschlossen, die von der Stadt- verordnete»- Versammlung angenommene Regelung der Lehrergehälter, welcher der Magistrat bekanntlich beigetreten ist. dem königl. Provinzial-Schulkollegiutn zur Genehmigung einzureichen. Das Magistratskollegium hat den dirigireuden Arzt im Krankenhause am Friedrichshain, Professor Dr. Fürbrtuger, dessen Wahlzeit demnächst abläuft, aus die Dauer von sechs Jahre» wieder- gewählt. Tie Freie Volksbühne bringt am I. WcihnachtSfeiertag Nachmittags für die III. Abtheiluug Max Halbe's„Jugend", ein Liebes- Drama in 3 Aufzüge», zur Aufführung. Die Vorstellung beginnt um 3 Uhr, die Verloostuig der Plätze um 2 Uhr. Pünktliches Erscheinen zu de» Vorstellungen ist dringend erbeten. Mitglieder anderer Abtheilungen können zu d i e s e r V o r st e l l u n g l e i n e n Zutritt erhalten, da sänimlliche Plätze für die III. Abtheiluug gebraucht werden. Die Vorstellung für die IV. Abtheilung ist am 1. Jan. Die 8. Serie der Vorstellungen beginnt am 2. Januar im Lessing- Theater mit Phillip Langmann's Drama:„Bartcl Turaser" unter Regie Carl Waldow's und in folgender Besetzung der Haupt- rollen: Bartel Turaser: A d o l p h K l e i n; Albine Turaser: M e t a Illing; Kleppl, Färbermeister: F r a n z H a i d; Marie Zelbcr, Jenny Groß: Klein Bartel: M i l l i K r a u s e. Am Sonnabend, den 26. März 1838, findet auf all- gemeines Verlangen in der Brauerei Friedrichshain der zweite Konzert- und Rezitations-Abend mit durchweg künstlerischem Pro- gramm statt und machen wir die Mitglieder besonders aufmerksani, daß anf grund des letzten zensur- polizeilichen Eingriffs nur noch Mitglieder Zutritt haben gegen Vorzeigung ihrer Mitglieds- karte, d. h. Billets überhaupt nicht ausgegeben werden. D e r V o r st a n d. I. A.: G. Wiukler. Ter Arbeiter- Gesangverein„Bruderherz"(M. d. A.-S.) veranstaltet am 27. Dezember, dem 3. Feiertage, abends 7 Uhr, in de» Festsälen der„Königsbank", Gr. Franksnrterflr. 117, eine größere Abendnuterhaltnug, verbunden mit Tanz. Ihre gütige Mitwirkung haben zugesagt der Arbeiter-Gesangverein„Vorwärts"(M. d. A.-S.) und der Dirigent des Ardeiter-Sängerbundes Herr Blobel. Auch werde» einige humoristische Sache» vorgetragen. Der Ueberschuß ist für den Schuhmacher Rufs, welcher am 4. Januar eine ö'/ejahrige Freiheitsstrafe wegen Vorbereitung zum Hochverrath ver- büßt hat, bestinimt. Der gute Zweck der Veranstaltung und der niedrige Eintrittspreis von 25 Pf. läßt eine» zahlreichen Besuch erwarten. Der V e r t r a u e u s m a n». Zur Kritik der jonrualistischcu Oekonomie. Aus Musiker- kreiseu wird uns geschrieben: Herr Paul Moos, seit etwa 2 Jahre» Musikkritiker der„Berliner Neueste» Nachrichten", hatte über eine Sängerin in seinem Mannskript ein relativ ungünstiges Nrtheil ge- fällt. Die Chefredaktion wandelte dieses Urlheil zur höchsten Ueber- raschung des vorher davon nicht verständigten Kritikers in ein günstiges»»:, setzte aber wie sonst seine Chiffre unter die Kritik. Es folgte ein Brief des Kritikers an den Chesredaktenr, in eineni To» gehalten, dcsseu Mäßigung eigens bemerkt zu werden verdient. „Für den Fall, daß ähnliche Korrekuireu... mir auch in Zukiinst zugedacht sein sollten, ziehe ich es vor, das Referat sofort in Ihre Hände zurückzugeben." Die darauf erfolgte Autwort des Chef- rcdakteurs berief sich u. a. darauf, er sei kurz vor Eintreffe» des Referats„von einer der Dame wie der Zeitung gleich » a h e st e h e n d e n Seite" gebeten worden, auf das opferwillige Einlrcteu der Dame in eine Lücke des Konzerts Rücksicht zu nein»«». „Im übrigen muß ich Sie darauf aufmerksam machen, daß für' jeden MilarbcUcr der Zeitung, ohne jede Ausnahme, der Chefredakteur die maßgebende Instanz ist, deren Urlheil er sich, sobald es für das Blait angemessen ist, zu füge» hat." U. s. w. Aus der Fort- setzuug dieses Briefwecbsels, die de» sachliche» Ernkt und zugleich die Bescheidenheit jenes Kritikers in das beste Licht setzt, sei insbesondere erwähnt der Hinweis des Chefredakteurs aus den Fall, daß es sich neben angeblichen Verstößen gegen die„Einheitlich. keil" des Journals„noch u nr ernstere Interessen d e r Zeitung handelt". Die Sache endete mit der Nkderlegung der Kritikcrstelle seileus des Mitarbeiters. Dieser Vorgang wurde i» einer Wochenschrist veröffeut licht, der.Ethische» Kultur". Ter Titel dieses aklenmäßig gehallenen und nur wenig Kommentar hin- zufüg.uden Artikels war:„Kritiker oder Lohuschreiber■?" Damit ist allerdings das Kind beim rechte» Raine» genannt. Um Lohn soll geschrieben, um Loh» soll also auch Ucberzcuguug verleugnet werden. Was für ein Gesicht würde sonst die„der Dame wie der Zeitung gleich nahestehende Seite" machen; welchen Schaden würden sonst die„noch ernsteren Interesse» der Zeitung" erleiden! Die danach weit weniger ernsten Jnleresscu der Zeitung, nüuilich die, eine schlimmstcufalls irrende, aber jedenfalls tüchtige und der Verantwortung sähige Kritik zu be- sitze», müsse» zurücktreten. Das gleiche zeigt sich auch i» dem Um- stand, daß von diesem das Wohl unseres Journalismus, unseres Publikums und zugleich der Kunst so nahe angehenden Vorfall unsere führenden Zeitungen mit einer oder der anderen Ausnahme bisher nichts haben verlaute» lassen. Bezüglich des Schadens, den sich eine Zeitung durck ein derartiges Vorgehen selber zufügt, verdient loeuig- neus ein Punkt nachdrücklich hervorgehoben zu werden. Was der Mitarbeiter seiner Zeitung bringt, sofern es über untergeordnet« Notizen hinausgeht, und zumal, sosern es mit dem Name» des Schrift- stellers oder wenigstens mit seiner in alle» betreffenden Kreisen bekannten Chiffre erscheint, ist eine individuelle Leistung, die vielleicht manche Unvollkommenheit enthält, die aber jedenfalls dann geradezu nn- brauchbar wird, wenn dieser einen arbeilenden Persönlichkeit nicht die Freiheit gelassen wird, so zu arbeiten, wie sie es vor sich und anderen verantworte» kann. Jedes Hineingreifen eines Zweiten bringt etwas Schlechteres zn Wege, als selbst im Fall gewisser Unvollkommen des Einzelnen durch seine geschlossene Arbeil zi: stände gekomme» wäre. Wenn das kein Mittel ist, unsere Literatur, unsere Kunst und das öffentliche Kimsturtheil zu gründe zu richleu, so köimeu wir uus zu solche»»luverwüstlichen Besttzthümer» Glück wünsche». Anderswo vermag dieVerwandliing der Handarbeit in Fabrikarbeit, des Kleinbetriebs iii Großbetrieb, der ältere» Wirthschaftsformen in kapitalistische trotz alles Fluchs für die meisten betheiligte» Personen doch iveuigstens der Leiftimg selber nicht zn schade» oder oft vielmehr sogar zu nütze». Ganz anders bei literarischen und knnstlerischcn Dinge». Hier läßt sich, was z. B. die ortsbekannte Bezeichnung P. M. trägt, uliseitwege» tadeln, aber keinesfalls ilnter jene„Einheitlichkeit", d. h. unter Fabrikformen bringen. Versucht mau es doch, so beraubt mau sich dessen, anf ivas man selber an- gewiesen ist: tüchtiger literarischer Leistungen. Der„Mehrwerlh", de» hier die Zeitung aus dem vermeintlichen Lohnschreiber heraus- schlägt, und der diesmal so feiiisimiig de» Name»„ernstere Jnter- essen" erhalle» hat, wird zum Minderiverth der Leistung, oder, um „ernster" zu spreche», der Waare. Was aber das Publikum nach- gerade einer minderiverthigeu Waare gegenüber zu thuil pflegt, das mögen die„der Dame wie der Zeitung nahestehenden Seiten", deren geradezu selbst bedaucrnswerther Vertreter der Chefredakteur ist, bei ihre» Kollege» von anderen Fabrikbctriebe» erfragen. Für dir Berliner Ncichstagöwnhlen sollen von ko»servaliver Seite, so will die„Volks-Ztg." ersahreu haben, vertrauliche A»- »äheruugsversnche an freisinnige» Stellen in Berlin gemacht sein, um ein Kompromiß zur Bekämpfung der Sozialdemokratie herbei- zuführen. Man will die Freisinnigen in den Wahlkreisen IV. und VI. von seilen der Konservativ-Nationalliberalen unbedingt unterstützen, welche Kandidaten man auch ausstellen würde, wenn s) im Wahlkreise I und III je ein Freisinniger von möglichst wenig hervorstechender Art, b) im Wahlkreise II Herr v. Egidy oder ein National-sozialer, e) im Wahlkreise V ein Nalionalliberaler aus- gestellt würde. Die„Volks-Zeitnng" und„Freisinnige Zeitimg" polemisiren sehr entschiede» gegen eine» solche» Vorschlag, nnd so scheint wohl die Sache nur von einigen Heißspornen eingefädelt zu sei». Uebrigens uns gefällt der Vorschlag recht gut. Die Plämiir«»g Trcndicneuder im Droschketifnhrgetverbe in Gestalt der Gewährung von Weihnachtsgratifikaltone» an solche Kutscher, ivclche länger als 10 Jahre bei einem Fuhrherrn in Diensten stehen, ist i» mancher Hinsicht interessant»nd lehrreich. Was zu- nächst das Resultat betrifft, so ist dasselbe folgendes: Zur Prämiirmig angemeldet waren insgesammt 40 Droschkenkutscher, von welchen Meldungen indessen nur 33 den gestellten Anforderungen entsprachen und demzufolge Berücksichtigung fanden. Von den Prämiirten er- hielt 1 Kutscher 30 M. für eine 27jährige Dienstzeit bei einem Ffthr- Herrn z 4 erhielte» je 20 M. für eine ca. 20jährig« Dienstzeit, die übrigen erhielten je 10 M. Insgesammt gelangten zur Vertheilnng 390 M. Bemerkenswerlh ist, daß dieses Geld nicht etwa den Tasche» der Fnhrherre» entflossen ist, o nein! Die Anregung nnd die Mittel zu dieser Prämiirnng gingen vielmehr vom Deutschen Thierschutzverein aus. Die Fnhrherre» selber hatten weiter nichts zu thuu, als die„Treudienen- den" anzumelden. Bezeichnend für das Interesse, welches Fuhr« Herren a» ihren Kutscher» nehmen, ist es nun, daß manche derselben es gar nicht der Mühe für werth gehalten haben, ihre prämiirungs- berechtigten Kutscher anzuzeigen. Möglicherweise hat auch die Furcht, durch die Bekanntgabe vielleicht mit zn den Kosten herangezogen zu werden, bei dieser Unterlassung eine Rotte gespielt. Thatsächlich würde die Zahl der prämiirten Kutscher eine klein« Erhöhung er- fahren habe» nnd die Zahl 40 vielleicht erreicht worden sein. Immer- hin ist diese Zahl selbst doch eine verschwindend kleine angesichts der wehrere» tausend Droschkenkntscher», welche Berlin aufzuweisen hat. Nur einer, der 27 Jahre bei einem Fuhrherrn fährt, nur vier, die gegen 20 Jahre bei einem Fuhrherrn fahren und nur 28, die über 10 Jahre bei eineni Fnhrherre» thätig sind! ES ist dies ein deutlicher Beweis dafür, daß das vielgerühmle„patriarchalische Verhältniß" zwischen Fuhrherrn nnd Kutschern längst zu bestehen aufgehört hat. Vom Standpunkt des Thierschntzvereins ist die veranstaltete Prä- miirnng gewiß anerkennenswerth, doch tranrig ist die Thatsache, daß gewiß allen der Prämiirten durch die erhaltene Weihnachtsgabe momentan«ine Hilfe gebracht worden ist— trotz ihrer langjährige» „treuen" Dienstzeit im Jnlcresse ihres„Brotherrn". Der deutsche Thierschntzvcrein hat durch die veranstaltete Prämiirung aber— allerdings»»beabsichtigt— den Berliner Droschkenlutscher» im all« gemeinen eine» noch größern Dienst erwiesen als den einzelnen von ihnen: er hat ihnen iverthvolles Material verschafft zum Nachdenken, welches wesentlich mit beizutrage» vermag, ihnen die Augen zn öffnen über ihre soziale Position, nnd die Erkenntniß zn förder», daß sie vo» de» Fnhrh-rren heute nichts mehr zu erwarten, vielmehr nur ihrer eigenen Kraft zu vertrauen haben. Der Berein Mädchenhort, der es sich zur Aufgabe gestellt hat, den Töchtern solcher Eltern, die außer dem Hanse ihrem Erwerb nachgeben müsse», i» der schnlsreien Zeit Obdach zn gewähren«nd sie zn beaufsichtigen, hat jetzt seinen Jahresbericht für 1397 heraus- gegeben. Nach diesem Bericht hat der Berein im laufenden Jahre über 600 schulpflichtige Mädchen beivirthel. Trotzdem mußten»och viele Kinder zurückgewiesen werden. Das beweist wohl am besten, wie durch unsere heutigen wirlhschasllichen Verhältnisse die Familie zerrissen wird. Mit dem Schleier der Privatwohllhäligkeit will man diese chronische» Schäden zudecken, nnd es ist gewiß bezeichnend, daß Angehörige derselben Gcsellschnfisllasse, die bei alle» offiziellen Ge- lcgenhciten für die Erhaltung der Familie eintritt und de» dreimal gefährlichen Sozialdcmokrnte»»achsagt, daß sie die Familie zcr- trünunern wollen, hier rundweg zugeben, daß die wirthschaftlich« Nothlage der Elter» dafür sorgt, daß so viele Kinder unbeaus» sichligt sind und kein belehrendes, erziehendes Wort aus dem Munde der Eltern hören können. In dem Jahresbericht wird eingestanden, daß zum Beispiel im Norde» noch dringendstes Bedürsniß nach einer Anstalt vorhanden ist. Interessant ist serner, daß diese Anstalten ihre eigenen Aerzte haben, die den Leileriuiin, beraihend zur Seite stehe», so daß unter anderem i» einer Anstalt eine ansteckende Slusschlagskrnnkhcit, von der mehrere Kinder befalle» worden waren, bald geheilt werden konnte. Ei» praktisches Beispiel, welch'«in Segen tie Anstellung von Schnlärzten sein würde.— Die Kinder wurde» meist»nit Milch- snppe oder Malzkaffee verpflegt, besonders schwächliche Kinder erhielten Milch nnd Haferkakao. Mittagessen wurde in vier Anstalten ver- abrcicht. Auch war es nölhig, eine größere Anzahl von Freitischen zu gewähre». Im ganze» verbrauchle der Verein 15 000 M. Den zehnte» Theil dieser Summe spendete der Magistrat. Der Bericht schlieftt mit folgende» Worte»:„Unser Arbeitsfeld wächst von Jahr zu Jahr mit der Ansdehi ung unserer Riesenstadt, die noch imincr Taufende von aufsichtslose» Kinder» in ihren Mauern birgl." Das Bekcnntniß ist ehrlich— aber der Schleier der Privatwohllhätigkeit wird nie so dicht werden, daß er alle Schäden und ihre Ursachen verhüllt. Ilm bei dem bebot stehende» Jahreswechsel eine beschleunigte Uebermitleluiig dcr Ortsbriese zn erziele», werden am 31. De- zember in de» Schnltervorräumc» der hiesigen Postämter besonder« Brieskaste» nnsgesiellt werde», die»um Einlege» der„Ortsbrieje" bestimmt sind. Dem Pnblikum wird deshalb im eigenen Interesse empfohlen, sich znr Auflieferung der in Berlin verbleibenden Briefe der„Briefkasten für Ortsbriefe" zu bedienen. Gleichzeitig wird dgrauf hingeiviesen, daß die in früheren Jahren bestandene Ein- richtung. wonach die Neujahrsbriefe bereits vom 26. Dezember ab eingeliefert werden konnten und bei den Postanstalle» bis zur Be- stcllnug nin I. Januar aufbewahrt wurde», wegen der dainit ver- knüpflen betriebstechnischen Schwierigkeiten aufgehoben worden ist. Die Briefe gelangen jetzt allgemein alsbald»ach ihrer Auflieferung zur Bestellung. Bei der Kasse deö Berliner Gcwerbegerichts waren für 1896/37 an G e r i ch t s k o st e» zu zahle» 10 147,86 M.(einschließ. lich 224 M. Strafen für unentschuldigtes Ausbleiben oder Ungebühr). Diese Summe vertheilte sich auf 4S6o Posten, wovon 2123 auf Arbeitgeber und 2442 auf Arbeitnehmer kamen. Auf den Kosten- schuldner kamen durchschnittlich 2.22 M.. doch ging ziemlich die Hälfte aller Kostenbeträge, 2047 Posten, nicht über 1 M. hinaus. Außerdem restirten aus den Borjahren noch 1010,42 M. in 414 Posten. Das gesammte Einnahme- Soll betrug somit 11 158,28 M. in 4979 Posten. Es ginge» aber nur ein 6134,43 M. (einschließlich 209 M. Strafe») anf 3275 ganz oder lbeil- weise bezahlte Posten, und zwar pro 1896/97 5873,98 Mark auf 3119 Posten, pro Rest aus den Vorjahren 310,45 Mark auf 156 Posten; außerdem noch 58,77 Mark ans bereits niedergeschlagene Beträge aus den Vorjahren. Die ganz oder theilweise unbezahlt gebliebenen Posten wurde» entweder als Reste auf das Rechnungsjahr 1397/93 übernommen, 898,34 M. in 337. Posten, oder vorläufig bezw. endgiltig niedergeschlagen. 4075,51 M. in 1462 Posten. Von diesen 1462 niedergeschlagene» Posten kamen 260 mit 699,97 M. auf Reste aus den Vorjahren und 1202 init 3375,54 M. auf 1896/97; von letzteren 1202 Posten kamen 291 auf Arbeitgeber. 911 auf Arbeitnehmer. Von 2722 Zwangs- Vollstreckungen, die 1396/97 vorgenommen wurden, richteten sich 1270 gegen Arbeitgeber und 1452 gegen Ar- beitnehmer. 1389 hatten Erfolg, während 1333 erfolglos waren.— Die Verwallungsberichte über das Berliner Gewerbe- gericht pflegen in dem Abschnitt über die Kostcneiuziehnng»eben diesen Gesammtzahlen für zwei Kammern noch die speziellen Zahlen mitzntheilen. für die Kammern III(B a u g e w e r b e) und IV (Holzbearbeitung). In der That beanspruchen diese beiden Kammern wegen des B a u s ch w i n d e l s, mit dem sie sich vielfach beschäftigen müssen, ein besonderes Interesse. 1896/97 kamen von den obengenannten 4565 Kostenbeträgen 1298 auf Kammer III und 342 anf IV.(Leider fehlt hier in dem Bericht die Unterscheidung in Arbeitgeber und Arbeitnehmer.) Bon 1202 Niederschlagungen kamen ans Kammer III 432(118 Arbeitgeber, 314 Arbeitnehmer), anf IV 91(15 beziv. 76). An 2722 Zivangsvollstreckungen war Kammer III mit 773(339 bezw. 439), IV mit 200(96 bezw. 104) betheiligt. Die Eittfiiht'ntig nnd Verpflichtung der neu- und wieder- gewählten Stadtverordneten wird vom Oberbürgermeister Zelle in der ersten Sitzung der Stadtverordneten-Versammlung»ach Neujahr, am 6. Januar n. I., stattfinden. Herr Tappert hat dem„Kleinen Journal" die Bitte um Eni- lassung eingereicht. Ganz folgerichtig ist von der Leitung des Blattes diese Bitte abgelehnt worden, was durchaus in der Ordnung ist. Im„Kl. Journal" wäre eine Verleugnung des Herrn Tappert nichts als eine überflüssige Komödie geivesen. Für die Umwandlung deS PfcrdcbnhnbetricbeS in elektrischen Betrieb ist nunmehr die kaiserliche Genehmigung ertheilt worden. Für die Parket-Niinahtile hat auf dem Hauptpostamt eine bc- mvkenswerthe, prinzipielle Theilnng Platz gegriffen. Es ivird dort jetzt unterschieden zwischen Auflieferungen von einem und zwei Packeten und Auflieferungen von drei und mehr Sendungen. Für die ersteren ist eine besondere Abtheilnng geschaffen, so daß der Privatmann unabhängig von dem große» Verkehr der Geschäfte seine Sendiuig der Post übergeben kann. — Ucber die SoimtagSrnhe an den Wclhnachtöfcicrtagen bestehen folgende polizeiliche» Bestiinmnngen: Im Handelsgcwerbe in offenen Verkaufsslellen ist die Beschäftigung von Gehilfen, Lehr- lingen nnd Arbeitern nnd der Handel gestattet: Am erste» Weih- nachtsfeiertage: a. der Handel mit Milch, mit Back- und Konditor- waaren und mit Konfitüren während der Zeit von 5—10 Uhr vormittags und von 12—2 Uhr nachmittags; b. mit Fleisch- waaren während der Zeit von 5—10 Uhr vormittags; c. mit Kolonialwaaren, mit Vorkostivaaren, mit Brennmaterialien, mit Bier und Wein, mit Tabak und Zigarren während der Zeit von 3—10 Uhr vormittags; ä) mit Blumen während der Zeit von 7—10 Uhr vvrmittagS und von 12—2 Uhr»achinittags; o) die Zeilungsspedition während der Zeit von 4—9 Uhr vormittags. Am Sonntag, den 26. d. M., dem zweiten Weihnachts-Feiertage, finden lediglich die allgemeinen Vorschriften über die Sonntagsrnhe im Handelsgewerbe Anwendung. Wegen der äußeren Heilighaltung der Weihnachtstage bestimmt der ß 12 der Holizeiverordnnng vom 10. Oktober 1396: Am ersten Weihnachts-Feiertage sind verboten: u) öffentliche und private Tanzlustbarkeiten und Bälle; b) Musik- aufführnngen, Vorstellungen in Cafe chantants(Tingel-Tangeln) nnd in Marionetten-Theatern; o) Mnstkaufführnngen, Gesangs- und deklamatorische Vorträge. Schaustellunge» von Personen und thea- trälische Vorstellungen i» Schanklokalen, falls nicht der ernste, den Feiertagen entsprechende Charakter gewahrt wird. Am Vorabend vor Weihnachten, dem heilige» Abend, sind öffentliche und private Tanzlustbarkeiteu und Bälle verboten. Von privaten Tanzlust- barkeilen und Bällen sind infolge einer Kammergerichts-Entscheidung diejenigen mich an den„verbotenen" Abenden gestattet, die nach außen hin nicht bemerkbar nnd nicht geeignet sind, durch das mit ihnen verbundeneHGeränsch beim Publikum Anstoß nnd Aergcrniß zu erregen nnd die Feiertagsruhe nach außen hin zu stören. Der Bereitt aller Tabaksiutcresscnteu von Berlin und Um- gegend hat dem Kriegsminister eine Resolution übergeben, die in der letzten Versammlung des Vereins gefaßt wurde nnd sich gegen die Monopolisirnng der Zigarrenlieferung für die Kasinos nnd Kantinen durch das Institut„Pro patria« wendet. Die Resolution bezeichnet das Vorgehen der Firma„Pro patria, Zigarrenmagazin für Heer und Marine, in Aufsicht: königlich preußischer General a. D. v. Baczko", die den gesammten Zigarreneinkauf der Kasinos nnd Kantinen an sich zu ziehen sucht, als ein solches, das den in der Zigarren- uiid Tabaksbranche bestehenden Begriffe» über die zu- lässigen Mittel des Wettbewerbes nicht entspricht. Warum die Feuerwehr zur Parade antreten muffte. Eine Parade der Feuerwehr fand gestern früh um 9 Uhr auf dem Hofe der Hanptfenerwache in der Lindenstraße ans Anlaß der Verleihung einer größeren Anzahl von Centenarmedaillen und siamesischer Orden statt. Etwa achtzig dekorirle Feuermänner konnten vor die Front treten. In Berlin soll im Laufe der Monate März und April künftigen Jahres eine A c e t y l e n- F a ch a n s st e l l u n g stattfinden, und zwar unter der Leitung des„Deutschen Vereins für Acetylen und Carbid", dessen Vorsitzender Herr Eisenbahn-Direktor Bork ist. Unter de» Pachtlnstigc» für das WirthshauS Huudekehle im Grunewald befindet sich anch, wie jetzt bekannt wird, der tbealer- müde gewordene Hofschanspieler Blencke. Er erfreut sich der be- sonderen Gunst des Kaisers und soll darum die größte Aussicht haben, Witth in Hnndekehle zu werden. Noblesse der„Groffeu Berliner". Ein hiesiges Blatt berichtet: Die Angestellten der„Großen" Berliner Pferdebahn-Gesellschaft find, zum theil wenigstens, von ihren Weihnachtsgratifikationen wenig befriedigt. Viele von den Kutschern und Schaffnern, die auf einen „Goldfuchs" gerechnet hatten, sind leer ausgegangen. Es haben alle diejenigen Schaffner nnd Kutscher, die noch nicht drei Jahre im Dienst der Gesellschaft stehen, nichts erhalten. Die Gratifikationen für die Kutscher betrugen 15—40 M., und zwar erhielten diejenigen, welche 10 Jahre und mehr fahren, den Betrag von 40 M. aus- gehändigt. Für die Schaffner waren Beträge von 15—75 M. aus-I geworfen. I» zahlreichen Fällen wurden von den Weihuachts- gratifikationen die Strafen abgezogen. Kutschern, denen Zusammen- stöße passirt waren, und Schaffnern, über die Beschwerden seitens der Fahrgäste eingelaufen waren, wurde» entweder. bedeutende Abzüge gemacht oder die Gratifikationen ganz entzogen. Nnment- lich unter den Kutschern herrscht aus diesem Grunde arge Miß- stimmnng. Die Berliner Sittenpolizei. Zum Fall Koppen veroffent- licht das„Berliner Tageblatt" folgende Zuschrift:„Vor kurzem hat ein Fall in den betheiligten Kreisen ebenso großes Aufsehen erregt, wie die Behandlung der Elise Köppen anf dcm Polizeipräsidium Die Sache lag folgendermaßen: Ein Brautpaar fuhr in einer Droschke zu den Schwiegereltern. Der Droschkenkutscher bemerkte, daß der Bräutigam gegenüber seiner Verlobten zärtlich war. Er fuhr daher die jungen Leute nach einem— Polizeibnreau nnd zeigte sie dort wegen Sitllichkeilsvergehens(!) an. Nach Feststellung der Personalien sollten der Kutscher und der Bräutigam entlassen wer- den, während der Dame von dem dienstthuenden Polizeibeamtin bc- deutet wurde, daß sie erst ärztlich untersucht werden müsse. Der Bräutigam trat diesem Ansinnen so energisch entgegen, daß man nach einigem Zögern anch die Dame entließ. In diesem Falle ist der Denunziant gleichfalls mit einer Gesängnißstrafe belegt worden." Die Bebauung der Südseite der Hascuhaide ist infolge der verhältnißmäßig milden Witterung der vergangenen Wochen jetzt so- weit vorgeschritten, daß sich anf dem ausgedehnten Terrain des ehe- inaligen Vergnügungsparks, und zwar ans der westlichen Hälfte desselben, bereits eine ganze Anzahl vierstöckiger Miethshänser er- heben, die im Rohbau vollständig fertig sind. Aber auch aus dem östlichen Theile des Vergniignngsparks ist die Banthätigkeit schon seit einiger Zeit in vollem Gange. Halb erfroren wurde gestern Morgen auf den Feldern bei Rixdorf in der Nähe der Ringbahn ein 12 jähriger Knabe auf- gefunden, der sich, nachdem ihm ärztliche Hilfe zu theil geworden, bald wieder erholte. Wie sich herausstellte, ist der Kleine, der Sohn eines in der Dresdenerstraße wohnenden Privalbeamten, ein kleiner Vagabond, der sich seit drei Wochen in der Umgebung von Berlin unihertrieb. Der Bursche war ans Furcht vor Strase seinen Eltern entlaufen nnd hat sich«ine zeitlang im Grunewald aufgehalten. Die ganzen drei Wochen hindurch nächtigte er in Scheunen und Neu- bauten nnd verschaffte sich hauptsächlich durch Leeren von Frühstücks- beuteln Nahrungsmittel. In der vorgestrigen Nacht hatte der Knabe ein schützendes Obdach nicht finden können, und er wäre zweifellos erfroren, wenn er nicht durch einen Passanten zufällig entdeckt worden wäre. Der jugendliche Durchbrenner wurde durch die Rixdorf-»' Behörde seinen Eltern zugeführt. Zluf der Straffe wurde gestern Abend der 21 Jahre alte Buch- binder Willy Wrede vom Tode ereilt, der in der Buchdruckerei von Horn n. Raasch beschäftigt war. Als der junge Mann auf dem Heimwege mit einem Arbeitsgenoss-n über die Friedrichsbrücke ging, brach er plötzlich zusammen. Ein Schutzmann wollte ihn in ein Krankenhaus bringen; als er hier mit ihm ankam, war Wrede aber bereits todt. Bei einem Besuch km Kraukeiihanse wurde gestern Mittag die 63 Jahre alte Frau Auguste Giedeck ans der Schwedterstr. 235 vom Schlage gerührt. Die Greisin wollte ihren kranken Sohn be- suchen. Während sie sich mit mehreren anderen Besuchern im Vorraum befand, brach sie plötzlich, vom Schlage gerührt, zn- sammen, so daß sie nun selbst als Patientin im Krankenhause bleiben mußte. Ein Opfer bcrschniiihter Liebe ist vorgestern am Hafenplah ans dcm Landwehrkanal gclandel»wrd-n. Das Dienstmädchen Zlgnes Tschoepc hatte ein Liebesverhältuiß mit einem Bierverleger, welcher seiner Braut bald untreu wurde. Tie Verschmähte suchte darum den Tod im Wasser. In der Urania wurde gestern vor einem Kreise geladener Per- sonen ein neues Zlnsstattungsstück„Der dunkle Erdtheil" aufgeführt. Dem Vortrage lag der Gedanke einer Durchqnernng Asnka's von Norden nach Süden zn gründe; mit Kairo beginnend, führten Maler und Rezitator den Zuschauer den Nilstrom hinauf durch den Sudan in Tentsch-Ostafrika hinein und von da durch die Diamantgruben am Kimberley znr Kapsladt. Siebzehn Bilder sollten von der Kunst des Dekorationsmalers Zeugniß ablegen. Der recht anssührlichc Vortrag des Herrn Dr. Wegner füllt in dem von der llrania herausgegebenen„Textbuch" volle 70 Seite». Die AnSstatlungsstücke in dem neuen Institut der Gesellschaft sind in ihrer Art bekannt, nnd die Basis, auf der sie sich bewegen, ist ja. trotz aller ihrer Mannigfaltigkeit im Wesen die gleiche. Wenn der gestrige Vortrag eine besondere Aufmerksamkeit herausforderte, so lag dies an dcm Umstände, daß er gewissermaßen das Debüt der neuen Direktion darstellte. Soweit wir uns entsinnen, sind alle bis- herigen Vorträge von dem früheren Direktor des Instituts, Herrn Dr. Wilhelm Meyer, verfaßt worden. Herr Dr. Meyer war sozu- sagen der Erfinder der wissenschaftlichen Ansstattungsstücke nnd ina» muß gestehen, baß er die glückliche Gabe zn benutzen verstand, die Wissenschaft mit der Phantasie zu einem meist recht harmonischen Ganzen zu verknüpfen. Wir erinnern an die in der Unendlichkeit schwelgenden und doch das Gebiet des Tbatsachlicheii nie außer acht lassenden Reisen durch das Weltall oder in die Vorzeit unterer Mutter Erde. Dieser durchaus be- währten Lebhaftigkeit gegenüber nahm sich der gestrige Vortrag etwas nüchtern aus. Er mocht? wissenschaftlicher gehalten sei», als die rühere», aber er wirkte, wenigstens nach unserer Empfindung, nicht o plastisch packend, wie die Ansarbeitnngen des bisherigen Direktors. WaS sich von dem Vortrage an sich sagen läßt, trifft auch auf die AuSstaltnng zn. Mit einer Ausnahme bestand sie in einfachen, zu- weilen nur in Mondscheindämmernng oder in die Morgenrölhe gerückten Dekorationsbildern. Der frühere Gegenständlichkeit, welche den Schein des Wirklichen so prächtig hervor- zauberte, fehlte fast völlig nnd ebenfalls wurde die Ab-- wechslnng der Wandelbilder vermißt. Es inag ja sein, daß das Vortragsthema etwa diesen Mangel bedingte, aber dem gegenüber hätte die Direktion immerhin bedenken sollen, daß das Publiknai. welches durch die srüheren Vorträge verwöhnt worden ist. sich so leicht nicht in einfachere Sitten fügen wiro. Di- Wissenschaft mr „großen Urania" will nun einmal in möglichst prunkvollem Gefäß kredenzt sein, und die Leitung der Anstalt kann nur wählen zwischen poetisch verklärten und etwnS phantafiebefchwingten oder— gar keine» Ausstatlungsvorträgen. Im Olympia-Ricscn-Thcakcv find die technischen Mängel, die wir an der ersten Ansstellnng zu rügen hatten, jetzt beseiligc worden und man muß gestehen, daß die Vorstellung des AnS- stattungsstückes„Konstantinopel" nnnniehr einen wesentlich besseren Eindruck macht, als zu Anfang. Von einigen Tänzen nnd Gruppirungen darf sogar behauptet werde», daß sie nicht allein mit dem Scharsblick des Technikers hergerichtet sind, sonder» daß ancl, das Auge des Poeten a» ihnen einigen Antheil hat. Der Aafenthalt im Zirkus Renz ist durch die neuen Heizeinrichtnngen bedeutend behaglicher geworden. Fe»erbericht. Donnerstag früh 4'/- Uhr entfland Manteuffel- st r a ß e 104 in einem Knrzwaarengeschäft ein größeres Schadenfeuer, das die Wehr fast eine Stunde beschäftigte. Der entstandene Schaden ist beträchtlich. Gegen 7 Uhr erfolgte Flemmingsteaße 5 (Moabit) ein Dachstuhlbrand, der angeblich auf Unvorsichtigkeit zurück- zuführen ist und einen Theil der Dachkonflrnktio» zerstörte. Um 12 Uhr erfolgte Alarm nach D i e f f e n b a ch st r. 56. Brennende Sägespäbne im Keller waren die Ursache. Eine Stunde später war Krantstr. 15 ein Pferd in ein Schanfenster gerannt, doch brauchte die alarmirte Wehr nicht mehr einzugreifen, da bei ihre», Eintreffen das Thier bereits befreit war. Um 4V, Uhr endlich war D r e s- denerstr. 72 ein Ziminerbrand abzulöschen, bei dem verschiedene Möbel zerstört wurden. AnS den Nachbarort«». Di« Schöueberger Partcigcnosscu machen wir darauf auf- nierksm», daß am Montag(3. Weihnachtsfeiertag) bei Klinge»- berg in Wilmersdorf. B-rlinersiraße, der fünft, D i ch t e r a b e n d des„Vereins der Kunstfreunde" statt« findet. Der Vorstand erhofft auch diesmal eine recht rege Bc« lheilignng, uinsomehr als die Darbietungen als gute zn bezeichnen sind. Gedichte von Richard Dehmel. tzarlleben. Arno Holz, Dellew v. Liliencron kommen zur Dellamation. Den einleitenden Vortrag: „Ucber moderne Dichter" hält Herr Dr. L» x. Der Beitrag beträgt diesmal 15 Pf. nnd haben Gäste, durch Mitglieder eingeführt, dies- mal Zutritt.(Siehe auch Inserat.) Durch die Umsicht eincS LokoinotibfiihrcrS ist. wie eine Lokalkorrespondenz nachträglich erfährt, am letzten Sonnabend ein schwerer Eisenbahn-Unfall verhütet worden. An dcm genannten Tage war der vom Stettiner Bahnhof in Berlin nachmiltags 3 Uhr 36 Minuten abgelassene Personenzug Berlin— Stralsund bis in die Nähe der Station Borgsdorf gelangt, als der Lokomolivführer trotz der bereits stark hereinbrechenden Dunkelheit bemerkte, daß gerade ans einem vor der Station befindlichen Geleisübergange sich ein mit Laugholz schwer beladener Wagen festgefahren hatte. Der Lokomotiv- führer gab sofort Gegendampf und zog die Bremsen anfs schärfst» an, wodurch es ihm gelang, den Zug noch kurz vor dem Hinderniß zum Stehen zu bringen nnd somit ein Eisenbahn-Ungliick zn ver- hüten. Nach einiger Zeit konnte der festgeklemmte Wagen wieder flott gemacht werden und der Zug seine jäh unterbrochene Fahrt fortsetzen. Ter StenerfiSkiiS hatte im letzten Sommer feine Hand bis zu den Schülerausflügen ausgestreckt, von denen er die neuerdings in Schwang gekommene Vergnügungssteuer erhob. Nunmehr ist aus eine Beschwerde hin für die Provinz bestimmt worden, daß Ver- anstaltnngeii dieser Art abgaben- und stenipelfrei sind. Die nvurlte SpszutzmannsthAt. Was einem jungen Mädchen in Berlin passtren kann, wurde erst kürzlich durch eine Gerichtsveihandlmig klargelegt; eine gestern vor dem Schöffengericht geführte Verhandlnng muß den Titel führen: „ W a s e i n e r a n st ä n d i g e n F r a n i n B e r l i n p a s s i r e n kann!" Wieder bildete ein haarsträubendes Abenteuer mit eine in Schutz m a n n den Mittelpunkt der Verhandlung. In der Friedrichstraße 131(1, Ecke der Karlstraße, be- treibt der Bnchdrnckereibcsitzer Sch. seit einer großen Reihe von- Jahren in einem von ihm gemielheten Qnergebäude ein ausgedehntes Drnckereigeschäst und ist in der dortigen Gegend allgemein bekannt und hochgeschätzt. Seine Gattin hatte am Sonnabend, 6. November, ein neues Dienstmädchen er- halten und gcstnttele demselben, schon am nächsten Tage anszugehe», mit der Weisung, vor 10 Uhr wieder zn Hanfe zn sein. Die Zeit verging aber nnd als es 10'/« Uhr geworden war, begab sich Frau Sch. im Negligee, d. h. im Morgenrock nnd Morgenschuhen und ohne Hut znr Hansthür, weil sie sich ängstigte, ob das Mädchen auch ins Haus hinein könnte. Als sie aufgeschlossen halte, sah sie das Mädchen mit einem Kerl— wie es in der gestrigen Verhandlung immer hieß— vor der Hauslhür stehen. Sie forderte das Mädchen auf, in die Wohnung zn kommen, der fremde Mensch aber erhob Wider- fpruch nnd erklärle, daß er das Mädchen mit sich nehmen ivürde. Zufällig ging der anf Patrouille besindliche Schutzmann Olto W e i n e r l(25 Jahre alt) vorüber und wurde nun von Frau Sch. aufgefordert, den Namen des fremden Menschen festznstelle». Ter Schutzmann zeigte dazu keine rech!« Lust und verlangte zu wissen. ans welchem Grunde dies geschehen solle. Fron Sch. behauptet, geantwortet zn haben:„Dies ist mein Dienstmädchen, und der fremde Mensch will fie entführen"; der Schutzmann dagegen will gehört haben:„Das geht Sie gar nichts an." er muß aber selbst zugeben, daß er erwidert hat:„Wenn das Ihr Dienstmädchen ist, dann habe ich gar keinen Grnnb znr Feststellung." Ob dieser Weigerung ist Frau Sch. in eine begreifliche Er- regung. gekommen und soll nun nach der Vehanptnng des Schutzmannes mit lanicr Stimme gesagt haben: „Sie sind ein schöner Schutzmann! Zu was sind Sie denn da?" Frau Sch. bestreitet die§ inid beruft sich aus einen Augen-»nd Ohrenzengen dnsnr, daß diese Bemerkung ans der Milte des Pribliknms gekommen sei, welches sich nach nnd nach an- sammelte. Der Schutzmann trat nn» dicht an die Frn» heran nnd gebot ihr nachdrücklichst, sofort ans der Thürnische heraus»nd ins Hans zn gehen. Die Frau ließ sich dies nicht ohne Widerrede bieten und so kam es denn, das, der Schutzmann sie plötzlich in strengem Tone aufforderte, ihm z n r W a ch- zu folgen. Die hierüber entsetzte Fra» erklärte, daß sie ja im Hanse wohne nnd unmöglich barhäuptig und im Negligee znr Wache folgen könne. Sie bat, nach oben gehen zn dürfen— um- sonst; der Mann der Ordnung erklärte, jetzt sei es zu spät, jetzt müsse sie mit z u r W a ch e. Die Fran erklärte, daß sie dann wenigstens das Hans verschließen müsse, da sie ihre Wohnung offen gelassen habe. Aber auch die? wurde nicht gednld-'t. Als sie sich am Schloß zn schaffen machte, sprang der Schuhmann hinzu, packte sie»in die Taille nnd riß sie g e iv a l t f a m a n s die Straße. Dann packte er mit großer Gewalt ihren Arm und schob sie vorwärts. Ter Auftritt an einer äußerst belebten Ecke, Sonntags abends bei Schluß des Theaters halte begreiflicherweise einen großen Auflauf verursacht und ans der Milte der empörten Menge wurde manches Wort der D r o h u n g und E m p ö r>' n g laut. Fran Sch. behauptet, daß dieS den Schutzmann zu der Bemerknng veranlaßt habe:»Na, warte» Sie, dafür sollen Sie mir büßen!"— Als dann eine leere Droschke vorüberkam, bat Frau Sch., ihr doch die Schande zn ersparen, vor der gaffenden Menge in diesem Ans- znge znr Wache gehen zn müssen; sie sprang i» die Droschke nnd forderte den Schutzmann ans, sie zum Polizeibnrcau in der Johannis straße zu fahren. Da kam sie aber schlechi a»! Der Schntzmann riß sie mit solcher G e w a l i ans dem Wagen, vnß ihr Kleid zerriß und sie an vcrschirdcnrn Stcklc» dcS Körperö blutniitcrlaiifcne Flcckc» davon trug, deren Vorhandensein später in einem ärztlichen Allest festgestellt worden ist. Sie mußte zu Fuß znr Wache. Dort traf anch sehr bald ihr EhcmnNn ein, der mit Enlsetzen gehört halte, was seiner Frau ivider» fahre» war. Ans der Wache wurde er gefragt, was er wolle nnd als er erklärte, daß die Sistirle seine Frau sei. wurde er nach seiner Behauplung barsch mit de» Worte» angefahren:„Schecreu Sic sich hinnnö oder Sic ivcrden clngcspcrrt!" Die Fra» ist übrigens aus der Wache lediglich nach Namen und Wohnung gefragt nnd dann sofort wieder entlassen worden. Das Salyrspiel solgle später: Die so schwer Gekränkle wurde anch noch wegen groben Unfugs, Uulerlafsung der Befolgung polizcilicherAnordnttngen undBeleidignng desSchuhmanncs angeklagt! Sie hat nämlich, als sie der Schutzmann die Straße entlang riß, in höchster Erregung zu diesem gesagt:„Mensch.>vas denken Sie eigentlich von mir?"— Die gestrige Verhandlung stellte de» soeben geschilderten Thalbestand fest, wclcher sowohl den Staatsanwalt als anch den Vorsitzenden zn scharfen Kreuz- und O.uerfragen an den Schutzmann W e i n e r t veranlaßle. Dieser konnte den Behanpiunge» der Frau im großen und ganzen nicht viel gegenüberstelle», blieb aber dabei, daß die Frau ihn i» lauiciu Tone beleidigt und einen Auflauf verursacht habe, so daß er sie zur Mache habe mitnehmen müssen, um den Auflauf zu beendigen. Allseilig ivurde ihm ciitgegengehalten, daß er die Fran da»» doch viel richtiger in ihre Wohnung hätte zurückkehre» lasse» können. Nach der Be- kundling des Hansivirlhes, der den letzte» Theil des Vorfalles mit angesehen hatte, innß man anch annehme», daß der Auflanf über- Haupt nicht durch die Fran, sondern durch das Verhalten des Schutzmannes h e r v o r g e r n s e n ist.— StantSanivalt Oehlfchläger betonte, daß er nicht in der Lage sei, dieses Verhallen des Beamten irgendirie zn billigen, da derselbe sich nach seiner Ansicht durchaus nicht korrekt benommen nnd die von Fran Sch. unter den obwaltenden Iluisländen ver- langte Feststellung des fremde» Mensche» zn Unrecht abgelehnt habe. Trotzdem lasse sich die Ueberlretniig nicht fortbringen, sie liege aber so milde, wie nur denkbar, nnd deshalb beantrage er ivege» der Nichlbesolgung der polizeilichen Anordnung 1 M. Geld- strafe und wegen der Beleidig>l»g;„Sie sind«in schöner Echuhmnnn, wozu sind Ei« denn?« eine Geldfirofe von drei Mark. In der weiteren Bemerkniig:„Mensch, was denken Sie eigentlich von mir" könne eine Beleidigung nicht gefunden werden, denn wenn einer Fran so übel mitgespielt werde, wie in diesem Falle, so überschreiten diese Worte nicht die Grenzen des Zulässigen. Der Angriff des Schutzmanns sei recht grob gewesen und zu einer Festnahme der Angeklagten habe absolut keine Beranlassnng vorgelegen. Mit der Behauptung, daß die Festnahme erfolgte, um den Anflans zn überwinden, stehe die Thatsache iin Widerspruch, daß die Angeklagte sofort wieder entlasten worden sei. Jeder Grnnd zur Festnahme sei mit dem Augenblicke beseitigt gewesen, als die Fran sich bereit erklärte, in ihre Wohnung zn gehen. Es sei ein außerordentlich rigoroses Verhalten, daß der Beamte die Fran so anpackte und ihr nicht gestattete, unter den ob- wallenden Verhältnissen zur Wache zu fahren.— Rechtsanwalt Lcop. Meyer schloß sich dieser Kritik mit scharfen Worte» an. Das Verfahren des Schutzmannes sei geradezu unbegreiflich. Anstatt pflichtgemäß dem Verlangen der Angeklagten nach Feststellung des sremden Menschen zn genügen, habe er gegen die Frau Parteige- »onnnen und selbst den Auflauf verursacht, zn dessen Uebcrwindung eS wahrhaftig nicht der Abführung der Frau zur Polizeiwache und noch dazu in so kräftiger Form bedurft hätte! Der Schutz- mann habe der Dame eins auswischen und ihr die Schande anthun wollen, von ihm zur Wache geschleppt zu werden. In der bedauer- lichsten Weise habe er sie dann aus der Droschke herausgerissen, obgleich zur Sistirnng nicht der geringste Grund vorgelegen habe. Wenn ein grober Unfug verübt worden, s o habe ihn der Beamte verübt, dein gegenüber die als Beleidigungen aufgefaßten Worte nur sehr milde Rede- Wendungen seien. Die Frau habe annehmen dürfen, daß der Schutzmann gar nicht berechtigt war, sie von der Thüruische, in der sie stand, fortzuweife». ihr sei in einer Weise mitgespielt worden, die aller Beschreibung spotte, und sie könne daher völlige Frei sprechnng verlangen.— Das Schöffengericht(Vorsitzender Amts richlcr Von hoff) kam nicht zn der Ueberzengung, daß sich die Angeklagte nach Lage der Sache irgendwie strafbar gemächt habe. Dem durchaus inkorrekten Verfahren d«S Schutz nianneZ gegenüber habe sie in der Wahrnehmung berechtigter Interessen gehandelt. Wenn sie so thätlich angegriffen und miß- handelt werde, wenn der Beamte gegen sie ein Verfahren einschlage, wie es kaum einer Dirne, geschweige denn einer anständigen Frau gegenüber angemessen sei, so könne bei den Bemerklmge» der An geklagten von einer deleidigrnven Absicht keine Rede sein. Der Schutzmann habe den Auflauf selbst verursacht, sein Verhalten sei durchaus zu mißbilligen und das Gericht sei nicht in der Lage, den Bekundungen dieses Beamten erheblichen Werth beizumessen. Es erfolgte daher die Freisprechung. GevUfzkS-Iettttng. grobe Unfugöparagraph gegen Arbeiter. Ein« weitere Ausdehnung sollte der so dehnbare Paragraph vom groben Unfug in einer Verhandlung erhalte», welche gestern vor der 146. Ab« »Heilung deS Schöffengerichts stattfand. In der Eberhardl'schen Fabrik in der Holzmarktstraße war im vorigen Monat ein AiiS� stand ausgebrochen, es waren nur noch 12 Arbeiter in der Fabrik thätig. Als Ersatz versuchten die Inhaber Arbeiter von aus' wärt? heranzuziehen. Der Arbeiter Tautenhan hatte einen dieser ? fremden in der Nähe der Arbeitsstelle gestellt und versucht, dein elben zu überreden, an dem Streik theil zu nehmen. Der Werk führer der Fabrik hatte dies beobachtet. Nachdem er erfahren hatte, was Tautenhan von dem fremden Arbeiter gewollt halte. brachte er ihn zur Anzeige, worauf Tautenhan ein Strafmandat in Höhe von sechs Mark wegen groben Unfugs erhielt. Er beantragte hiergegen richterliche Entscheidung. Der Staatsanwalt beantragte die Freisprechung aus thatsächlichen Gründen, weil das Gespräch leise geführt worden und deshalb nicht geeignet gewesen sei, bei dem Publikum irgendwelche Belästigung oder Beunruhigung hervorzurufe». Der Vertheidiger führte noch Rechtsgründe an, aus denen die Freisprechung er- folgen müsse. Der Antrag ans richterliche Eutscheiduug sei nur gestellt, um dem in einer neuen Form erfolgte» Angriff auf das durch den§ Iö2 der Gewerbe-Ordnung gewährleistete Koalilionsrechts iine Abwehr entgegenzusetzen. Nuter keinen Um ständen laste sich daS Verhalten des Angeklagten als grober Unfug kennzeichnen. Der Gerichtshof trat den Ausführungen des Vcr- theidigers bei und fällte ein freisprechendes Urlheil. Gcge» de» sRedattenr der„Staatsbürger-Zeitung" Johannes Wilberg, wurde gestern vor der 9. Etrafkainmer des Landgerichts I eine Anklage wegen Beleidigung durch die Presse verhandelt. Am 8. September d. I. erschien in der„Staatsb. Ztg." ein Artikel, welcher darauf bezug»ahm, daß z. Z. eine Notiz die Zeitungen durchlaufe, wonach der neue Staatssekretär v. Podbielski es liebe, »»gekannt in den' verschiedenen Postämtern zu erscheinen, um z» revidircn. Der Ober- Postdirektion zn Berlin sowie den Vorstehern von Postämtern scheine dies Verfahren unbequem zu werden, man Halle diese Harun al Raschid-Rolle des Staatssekretärs nicht für angezeigt, den Ziveck zu erfüllen, denn diese Besuche könnten die Bezeichnung einer Revision nicht ver- dienen, zumal es vorkommen könne, daß der Staatssekretär v. Podbielski sich an untergeordnete Personen wende, um eine Auskunft zu erhalten. Tie„Slaaisbürger-Ziitnng" knüpfte hieran dieredaktiouelle Bemerkung. d.ch sie es für sonderbar halte, daß eine Behörde sich eines Bericht- crslatlers bediene.»)» Maßnahmen ihres obersten Chefs zu krili- sircn. In diesem Znsatz fand die Öber-Postdireklion eine Beleidigung. Ter Augeschuldigie erklärte, daß der Artikel, auf ivelchen Bezug fiN'iunie» worden sei, in verschiedenen Berliner Blättern niaiicue» und nicht beanstandet worden sei. Der Ver- lbeidiger, ittechlSamvalt Ulrich, stellte unter Beweis, daß thalsächlich der Ober-Postinspektor Bade im Austrage der Ober- Posldircktio» bei dem Berichterstatter Lange erschienen sei und dem- selben die Informationen zu dem fraglichen Artikel gegeben habe. Allerdings habe der Ober-Postdirektor Griesbach den Inhalt des Lange'sche» Artikels als unwahr bezeichnet, Lange habe ihn aber deshalb wegen Beleidigaug. verllagt und schwebe dieser- halb das Verfahren. Er beantrage die Ladung des Staats- fekrelärs v. Podbielski, des Ober- Postdirektors Griesbach, des Ober-Postinspeklors Bade, der Redakteure Dr. Lange und Voll- ralh und des Bcrichterstatlers Lange. Ferner beantrage er zum nächsten Termine die Vorlegung der'Akten in der Beleidigungsklage Lange gegen Griesbach. Ter Gerichtshof glaubte, diese» Anträgen im volle» Umfange stattgebe» zu sollen und vertagte zu diesem Zwecke den Termin. Ein Kulturbild bezeichnendster Art entrollte eine Verhandlung vor der 2. Strafkammer des Landgerichts II. Der SLjährigc. bereits ivege» Diebstahls und Unterschlagung vorbestrafte Arbeiter Fritz Hennig aus Nixdorf hatte sich abermals wegen Diebstahls zn vcr- antworten. Der Staatsanwalt beantragte gegen den rückfälligen Eigeuthumsverbrecher eine Straf« von 2 Jahren 3 Monaten Zucht- bans. Der Augeklagte bat flehentlich um eine mildere Strafe, welche Bitte von dem Offizialverlheidiger unter Hinweis auf de» jämmcr- lichen Zustand des Angeklagte», dessen rechter Arm vollständig gelähmt sei, während er a» der linke» Hand eine offene Wunde habe, die niemals zuheile, uuterstlitzt wurde. Der Angeklagte sei infolge dessen völlig erwerbsunfähig und seine Straf- thaten ei» Ergebniß seiner bitteren Nothlage infolge der gänzlichen Erwerbsunfähigkeit. Der Gerichtshof nahm an, daß allerdings im Hinblick ans die Arbeilsiinfähigkeit des Angeklagte» Nothlage der Beweggrund zu dessen Strasthaten gewesen sei. Unter Zubilligung mildernder Umstände erkannte der Gerichtshof ans eine Gesängniß- strafe von 1 Jahr und 9 Monate».— Gehören solche Leute wirklich ins Gesängniß oder gat ins Zuchthaus? Ei» amtliches M-asscnblntbad wird demnächst in A g r a m veranstaltet werden.-Voir dort wird gemeldet: In dem Prozeß rvegen der Ermordung von Beamten in Sjenicska(Bezirk Pisaro- vina) wurde Mittwoch Nachmittag das Urtheil gefällt. Von den 36 Angeklagte» wurden II zum Tode verurtheilt, 2 z» 3 resp. 2 Jahre» schweren Kerker mit Fasten und Einzelarreft am Jahres- tage der That. 2 Rädelsführer erhielten 10 Jahre schwere» Kerker, 4 wurden wegen Diebstahls zu 2 Jahren bis herab zn 10 Monaten Kerker verurtheilt. Gegen einen Angeklagten war das Verfahre» eingestellt worden, 16 Angeklagte wurden freigesprochen. Ter gemeingefährliche Adebahr. Aus Brau»schweig wird der„Boff. Ztg." berichtet: Eine iuteressante Storchjagd- geschichte schwebt hier vor dem Strasseuate des herzoglichen Ober- Landesgerichts. Der Rittnieister a. D. Doninier hat in» Mai d. I. i» seiner Jagd ans der Feldniark Vorsfelde eine» Storch getödtet und w»rde dafür mit einem polizeilichen Etrasbesehl bedacht, der auf erhobene» Widerspruch vonr Schöffengericht Vorsfelde lediglich bestätigt worden ist. Herr D. legte Berufung beim hiesige» Land- gericht ein und hatte de» Erfolg, daß die hiesige Strafkammer ihn im Oktober d. I. freisprach, weil zwar der Storch nicht als jagdbares Thier, wohl aber als Jagdräuber den Jagdberechtigten preisgegeben sei. Nun legte die Staatsanwaltschaft Revision beim hiesigen Ober- landesgerichte ein, das sich gestern mit der Angelegenheit zn be- schästigen halte. Die Staatsanwaltschaft vertritt die Ansicht, daß der Storch nicht zn de» jagdbaren Thieren zu rechne» sei; denn einmal habe der erlegte Storch keinen Nutzen durch Wildpret oder Federn, und dann biete auch die Nachstellung nach ihm keinen be- sonderen Jagdgcnuß. Niemals habe eine besondere Jagdarl ans den Storch bestanden, er sei im Gegentheil immer„als eine Art ge- heiligter Vogel" angesehen worden. Habe aber das Gericht die An- ficht, der Storch sei doch ein jagdbares Thier, so gehöre er zweifellos zu den Snmpsvögeln, und da diese im Mai und Juni Schonzeit haben, so sei der Angeklagte schon ans diesen, Grunde strafbar. Im weiteren habe aber auch das braunschweigische Landesgesetz eine Erlaub- »iß zur Tödtung eines Storches nicht gegebe», also sei das Abschießen strafbar. Der Angeklagte sah von der Frage der Jagdbarkeit ganz ab, stellte sich vielmehr einfach auf de» Standpunkt, daß er seine Jagd vor de» überhand nehmenden Störche», diesen nichtsnutzigen Jagdräubcrn, habe schützen müssen und daß er sich nach dem§ 5 des Reichsgesctzes über den Vogelschutz dazu für berechtigt halte. Der Schade», den die Störche in der Jagd durch Tödtung der jungen Hasen und Hühner, sowie durch Ausrauben der Siester anrichten, sei außerordentlich bedeutend. Die Staatsanwallschast gab zu, daß die Störche die nichtsnutzigsten Jagdräuber seien, die es gäbe, aber vor- läufig stände» eben noch die gesetzliche» Bestinununge» dem Ver- sahreu des Angeklagten entgegen. DaS Gericht verkündete nicht so- gleich den Urlheilsspruch, sondern vertagte die Entscheidung aus den 6. Januar. � Briefkusten der Redaktion. wir itlten, de! Irtur 5ti\(rone eine Uuftve tzwet vnchsiaden oder eine gnhl) a»i»acben. unter der die Mniivor,«rldeUt werde» loN. Die juristische Dprechsiunde findet am Montag. Freitag und Sonnabend von k bis 8 Uhr abends statt. Die Tprechstundc am SS. d. M. fällt anS. P. W. 1. 1. Nein. 2. Ja. 3. Ja. R. 58., Siemcnsstraste. Wir haben die Mittheilung dem Genossen Mahle, Prinzenstr. 8, tibcrwieien. C. H. SO. Sic ivenden sich an, besten an das hiesige BeztrSkoimuando, wo man Ihnen alles Nähere»üttheile» wird. H. S. IVO. Erbschaftsstcner wird vom ErVschaftsstener-Amt, nicht vom Schulzen eingefordert»nd abgeholt. In Ihrem Fall handelt es sich wohl nur etwas Anderes: vielleicht un, eine dorsgcrichtliche Taxe? K. M. 84. Die Bcrslignngen sind unanfechtbar. Nur kann»ach dem Tode bei der Erbschastsrcguliruug Eiurechiumg der Mitaist beziehentlich des Gnmdstültö auf das Erbthcil begehrt werde».— N. E., Gothenstraste. Anwalt ist nicht erforderlich. Die Aussicht deS Rechtsstreites ist wenig günstig für Sic. Nur weirn anzunchmen Ware, daß die Thicrc uiwcrtilgbar oder daß ausdrücklich Abwesenheit der Thiere als Bedingung der Giltigkeit des Kaufs gemacht ist, würden Sic gewinnen.— M.K.I. 1. Die Elten, haften nicht. 2. Sie können sich an daS BormnndschnftSgericht wenden. — O. V., Falkenstelnstraste. L. 43. I. Beim Amtsgericht zn klagen. 2. Fünf Worte'U Pf. 3. Am 31. Dezember 1900; er besteht überhaupt nicht, wenn nicht innerhalb 3 Tagen Anzeige vom Funde bei der Polizei gemacht ist. 4. Borlänfig wegen geringfügiger Körperfehler znrückzilstellen. — N. St. Die von, Kammcrgcricht entgegen der Anslegiuig der Ver- fasiung für ailtig erachtete Oberpriisidial- Berordmnig vom Ollobcr 1896 verbietet Todteiifonntago- Berfammliinge».— G W. 100. 1. Mit Erlaubiliß der Militärbehörde: Ja. 2. Hier. 3. Nein.— — Moristplast 5 pCt. 1. Ja. 2. Nein.— 2 Wettende 100. L. niußic feine Strafe antreten; sonst wäre er verhaftet worden.— B. W.. Schönebcrg. I. Sic»msfen ans Aufhebimg des Vertrags klagen. 2. Wenden Sic sich an das Voriimildschastsgericht mit den. Antrage auf Entziehung des llrzichimgSrcchts.— Nr. 77. I. O.-sie sind im Jrrthum; solche Bestimmung besteht nicht.— Aiignststr. 0. Sie sind zur Zahlung nicht verpflichtet, falls Sie Ihre Befürchtungen beweisen könne».— N. S. Ja. — F. F. 1. BiS zum zurückgelegten 42. Lcbcusjahrc wäre er gewärtig, nachdieiien zu müsse».— Rother Tenfel. 1. Der Antrag wcge» der Kosten kaim fortbleibe», darüber ist von Amtswcgen zu erkemieu. 2. Zunächst müßte die GerichtSkasse zur Freigabe aufgefordert cveiilucll verllagt werden.— G. O. 12. 1. Nein. 2. Ja.— O. I. I»2. Nur wenn Sie den Hund.aufbiete» lasse» würden— das wäre sehr kostspielig— könnte der Hmid. Ihr. Eigeuthum werden.— 100 Zl. Ob in einer offenen Mahnnug. eine Beleidigung liegt, ist von Fall zu Fall zu entscheiden: in Ihrem Fall würde die Frage voraussichtlich verneint werden.— 90. Jchrs Frau, nicht aber Sie, sind verpflichtet.— O. M. Nein. — F. S. 1. In Zivilsachen beträgt die Berusungsfrist gegen ei» amts- gerichtliches Urtheil eine» Monat. Die Berufung ist durch einen Anwalt ciiizulcge». 2. Der Antrag auf Bestrafung wegen Beleidigung»i»b iimcr/ halb drei Monaten feit KeuiiMiß von der Beleidigung bei der Staats- anwaltschaft oder beim Gericht gestellt sein. Ein Sühueteniiiu beim Schicds- mann nniß der Privatllage vorangehen, wenn beide Parteien in derselbe» Gemeinde-wohnen---- E. L. St. l. Nein. 2. Durch die Buchhandlmig Vorwärts könne» Sie alle Bücher beziehe,,.— G. G. 101. 1—4: Nein. — Giirsrh. 11. 3. Ohne Einsicht in das Testament ist die Frage nicht zu beauttvorton.— L. W. 14. Sie müssen erscheine», sonst wirh die Klage abgewiesen.— M.»0. Von jeden. Tage a».— F. 58. 24. Leider ja; nur wird das„Auslagen" genannt.— O. 100. I» Breslau. — M. Nggel. I. Ob.efnc ausgehängte Arbeitsordnimg in einer Fabril mit wcingcr. als 20 Apbeitcr» als ein vereinbarter Theil des Arbeits- Vertrages gilt, hängt' von den Umständen jedes einzelnen Falles ab. Es muß bewiesen werden, daß der Arbeiter Keiintiiiß vv» der Arbcitsordnimg. hatte, als das Arbeitsverhältnis; begann. Einseitig, ohne Znstiiniiuing des anderen, lau» leine Partei ihre Vertragsbedmgiiiigci, ändern. Wohl, iixrd. aber häufig angenommen, daß ein Arbeiter, der der ilmi bekannte» Arbeitsordnung oder solchen Abänderungen nicht widerspricht, sein Einverständuiß erklärt habe. 2. Grnnd zu dieser Befürchtung liegt nicht vor. Enthält einv Arbeitsordiimig den Ausschluß einer KündigiiilgSsrist, so ist eine Ab- aiidenmg dieser Beftimmmig nirr mit Ziistlmmnng beider Theilc giltig. Vorsicht der Rechtipicchung gegenüber gebietet, das Nichteiiiverständiiib auszudrücken. — Ripdorf 58. I. Es gilt der erste Vertrag. 2. Sie müssen die Kün." digungssrist einhalte,!, die im Micthsvcrtrag sestgcsctzt ist. Ist im Mietbs- vertrag seine KündigiingSsrisl festgesetzt, so»inb spätestens am 3. des Quartals gekündigt werden, mit dessen Ablauf der Vertrag sein Ende erreichen soll.' 3. Wer eiiien Kündigungsbrief nicht annimmt, laiii, dadurch die Wirksamkeit der rechtzeitig erfolaicn Kündigung nicht hindern.— R. 44. Leider iietn.— F. F., 2 Wettenve. Gewiß: ein Mädchen hat auch dann Anspruch auf Sechswocheiilosteii, ihr Kind auf Alinmite, wenn das Mädchen sich weigert, mit dem Schwängerer in den Ehcstnild zu ürctbii. 101. Erbschaststbeiliiiigeu, bei welchen ein Minderjähriger bctheiligt ist, sind mir mit Zustimmung des Vonnimdes und mit Genehmigung Heer Vormundschafts- Gerichts giltig.— E. R. 22. Kochzucker enthält der- artiges nicht. Es kann also nur durch irgend ein Versehen hineiugerathcn sein. Allzu üble Nachthcile hätte der Genuß nicht gehabt.— M. L. 77. Das hängt alles von de»,»ns unbekannten Wortlaut der Eintragung db. Sprechen Sie mit demselben gelegentlich in der Sprechstunde vor.— Muhl- heim. Sie dürfen den Kreis der Thcilnehmcr nicht so erweitern, daß tlas Vergnügen als öffentliches ausgelegt werden kann. Es ist ja iMschwcr, den Aiisordcrungcn der Verordnung zu genügen.— Wanderschaft 16. Nicht nothwcndig, aber zweckmäßig ist ein Paß.— S. 31. S. Nach zutreffender Ansicht ja, sobald die Heimarbeiter nur für einen Arbeitgeber arbeiten.— H. T.. Wollinerstr. 21. 1. Ja. 2. u. 3. New/ — D. W. 130. 1. Die Frage, ob und inwieweit jemand berechtigt ist, eine Photographie ohne Einwilligung der photographirten Person oder des Eigenthmiierö des photographirten Gegenstandes aufzunehmen und zu ver- kaufen, ist sehr bestritten. Nach Lage der Gesetzgebung ist die Frage zu- treffend dahin zu beantworten: eine Person ohne deren Emwilligung zu photographiren ist unerlaubt, auch wenn behördliche Organe die Amateur- photographen sein sollten. Daß der V e r k a u s solch unerlaubt aufgenommener Photographien eine strafbare Handlung ist,»nterstcht keinem Zweifel. Anders liegt die Rechtslage bezüglich der Photographien von Gegenstände» (z. B. Häusern): diese sind gegen Photographien nicht geschützt, ebenso ist der Verkauf solcher Photographien nicht als unerlaudt zu erachten. Da» Gesetz betreffend den Schutz der Photographien gegen unbefugte Nachbildung von» 10. Januar 1876 entscheidet d i e Frng-e, ob jemand ein durch Photographie hergestelltes Werk verwenden darf, dahin, daß eine Nachbildung nicht vorliegt, wenn in der Verwendung die Hervor- bringung eines neuen Werkes liegt. In Ihrem Fall scheint demnach un- befugte Vervielsältigung und»nbesugter Verlaus vorzuliegen. 2. Ja.— 48. 1. Wenn kein Zwang s vergleich vorliegt: ja. 2. Nein.— 31. N. Ja: Sie müssen aber innerhalb spätestens drei Monaten seit der Hcirath den Antrag auf Rückerstattung stellen. Formulare zu solchem Antrag hat die Buchhandlung Vorwärts.— P.. Reinickcndorferstrafie. Ja. — 1888 31. G. Wenn der Zahlungsbefehl vollstreckbar ist, waS wahrscheinlich, so tritt erst im Jahre 1923 Verjährung ein.— St. St. 11. 1 Ja. 2. Nein. Sie können aus Herausgabe gegen Zahlung Ihrer Schuld Nagen. — I. I. Dagegen läßt sich nichts machen.— Sch. St. Da eine öffentliche Aufführung vorliegen würde, so bedürfen Sie polizeilicher Genehmigung. Solche ist nur dann nicht erforderlich, wenn die Aussühnmg in einem ans b e st i m m t e Personen begrenzten Kreis stattftndet.— E. F. 34.„Ich schiebe den, Beklagten den Eid zu" oder„Beweismittel: Eid" ist richtig. — Otto Böttcher. Das Dulden von Glücksspielen ist ohne Rücksicht auf die Höhe des Einsatzes dem Wirth verboten. Poker und Vierblatt werden als Glücksspiel erachtet, Skat nicht.- Stadtpark 36. 1 und 2.§ 3?» des Krankcnversicherungsgcsetzcs spricht zu Ihren Gunsten. Der Magistrat ist zur Androhung von Ordniliigsstrafen nach§ 45 desselben Gesetzes K» rechtigt. Im vorliegenden Fall dürfte er, auch ivenn seine Ansicht zutreffen sollte, nur das Ernennungsrecht(Z 39) haben. Gegen die Strafandrohni-z steht dem Betroffenen das Recht der Beschwerde zu. 3. Nein.— Soldiner- straste 37. Der Friedrichsselder Kirchhof ist der Gcmcindekirchhos. Auf ihm werden in, allgemeinen auch die von Ihnen Bezeichneten beerdigt. - R. F. Ja: Die Subhastation hat nicht die Aushebung der bestehenden Miethsvcrträge ohne weiteres zur Folge, berechtigt aber den Ersteher(nicht auch den Miether) den Vertrag zu kündigen. Diese Kitndigting muß über spätestens in den ersten drei Tagen des dem Zuschlag folgende» QnartalS erfolgen. Der Miether ist verbünde», mit Ablans eines Vierteljahre?, van, Ablauf des Quartals ab zn räume», in dem der Zuschlag erfolgt ist. ES steht ihm aber frei, w e n n der Ersteher kündigt, schon mit Ablauf d e S Quartals, in dem der Zuschlag ersolgt ist, zu kündigcw—<4. 64172. Er müßte sich an den Magistrat mit der Anfrage wenden, a u S w e I ch e in E run d e er nicht in die Wählerliste ausgenoinmen ist und müßte recht- zeitig bei Auslegimg der Neichstags-Wahlllstcn nachsehen, ob er eingetraaet, ist.— H. B. Die Form des Eides ist die zutreffende! darüber, ob der Betreffende den Eid leisten kann, kölmen wir nicht urtheilen- das muß er allein wisse».- R. M. Briefliche Antwort ertheilen wir nicht. Bcsorgniß zur Einziehung liegt nicht vor. — P.