Nr. 7 Die Gleichheit eeee Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen es Die„ Gleichheit" erscheint alle vierzehn Tage einmal. Preis der Nummer 10 Pfennig, durch die Post vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Pfennig; unter Kreuzband 85 Pfennig. Jahres- Abonnement 2,60 Mart. Inhalts- Verzeichnis. Stuttgart den 5. April 1905 15. Jahrgang Zuschriften an die Redaktion der„ Gleichheit" sind zu richten an Frau Klara Zetkin( 3undel), Wilhelmshöhe, Post Degerloch bei Stuttgart. Die Expedition befindet sich in Stuttgart, Furtbach- Straße 12. Kunst und Wissenschaft werden sich höflich dafür bedanken,| stellung des Mannes in der vaterrechtlichen Familie und Aus Krähwinkel. II. Genossenschaft und Hauswirtschaft. Von auch in Zukunft nebenbei der Tummelplaz weiblichen das um Marktwerte feilschende Regime der GeldwirtSimon Katzenstein. Andersen. Von Fr. D. Aus dem Reiche Dilletantismus zu sein, davon abgesehen, daß heute die schaft hatten verdunkelt, daß die arbeitende Frau nicht des voigtländischen Textiltapitals. Von Pauline Göcrit. Aus tiefste Natur der Frau auch ohne den Zwang des vom Manne erhalten wird, sondern auf Grund ihrer der Bewegung: Von der Agitation. Politische Rundschau. Von Kampfes ums Dasein- nach jenem ernsten Lebensinhalt eigenen Leistungen existiert, hatten die richtige soziale G. L. Gewerkschaftliche Rundschau. zu verlangen beginnt, den die Berufsarbeit gibt. Wertung der mütterlichen und hauswirtschaftlichen TätigNotizenteil: Gewerkschaftliche Arbeiterinnenorganisation.- Weibliche Fabrikinspektion. Sittlichkeitsfrage. Frauenbewegung. Feuilleton: Der Mensch. II. Von Marim Gorti.- Lied eines Sklaven. Von Swatopluk Cech.( Gedicht.) Mascha. Gedicht in Prosa von Iwan Turgenjeff. Aus Krähwinkel. II. In seiner philiströsen Abneigung gegen das berufliche feit ausgelöscht oder wenigstens getrübt. Die BerufsWirken der Frau übersicht Genosse Fischer zweierlei arbeit der Frau hat den Blick dafür geschärft. AußerUmstände von ausschlaggebender Bedeutung. Die ver- dem und besonders: indem sie die Frau außerhalb der änderten wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse, welche Familie wirtschaftlich auf eigene Füße stellt, zerschneidet das alte weibliche Tätigkeitsgebiet im Hause zertrümmert sie das Band ökonomischer Abhängigkeit, das sie an den und umgewälzt haben. Die entsprechend revolutionierten Mann fesselt. Sie ward und ist darum die unerschütterBedürfnisse der Frau. liche Grundlage, auf der ihre privatrechtliche wie staatsDie gegen die Berufsarbeit angerufene weibliche Natur rechtliche Mündigkeit beruht. Gewiß, wir stimmen Ge hat sich zu allen Zeiten damit abgefunden und damit nossen Fischer darin zu: eine sozialistische GesellschaftsFür unseren Krähwinkler ist offenbar auch die Natur abfinden müssen, daß die Frau neben den Aufgaben, ordnung wird nicht bloß die Berufstätigkeit der Frau, des Weibes eine ewig gegebene, unwandelbare Größe, die aus ihrem Geschlecht erwachsen, produktiv tätig war. sie wird auch ihren Mutterberuf als Legitimation ihrer die von keinem Hauch der geschichtlichen Entwicklung Mehr noch: ihre produttive Tätigkeit war die wichtigste vollen sozialen und rechtlichen Gleichstellung werten. Jeberührt wird. Und damit nicht genug. Sein Blick um- Seite ihres häuslichen Schaltens und Waltens und ging doch auch in ihr bleibt das berufliche Wirken das Fundafaßt sie nicht in ihrer Totalität, in ihrem gesamten dem Wirken als Mutter vor, der bedeutsamsten weib- ment der wirtschaftlichen Unabhängigkeit des Weibes vom Wesensinhalt, er haftet vielmehr nur an dem, was dem lichen Verpflichtung. Die Frau war vor allem der Mann. Ohne ihre lebendige Macht schrumpft das VerManne zuerst auffällt, und was für den kleinbürgerlich Universalhandwerker" in der Familie. Die kapitalistische fügungsrecht der Frau über ihre Person, schrumpft ihre empfindenden Mann unserer Tage sich zum Begriff des Entwicklung, getragen von wirtschaftstechnischen Fort- Freiheit der Liebeswahl, die Möglichkeit der nötigen Weibes und seiner Bestimmung überhaupt weitet. Es schritten, hat der produktiven Arbeit der Frau im Heim und leichteren Lösung der Ehe zu einer toten Formel zuist die geschlechtliche Wesenheit der Frau. für die Familie mehr und mehr den Boden abgegraben. sammen. Kein leidlich Vernünftiger wird ihre Bedeutung für Ihre verschiedensten Zweige gehen in die Hände von Dies aber ist in der strittigen Frage vor allem das das Sein, Streben und Wirken des Weibes bestreiten. weiblichen und männlichen Berufsarbeitern über. Immer Entscheidende: das Recht der Frau auf Entwicklung und Sie bildet eine natürliche, unzerstörbare Wurzel des leib- ausschließlicher wird die Familie im Hause wirtschaftlich Betätigung ihrer gesamten Wesenheit als eines weiblichen lichen und geistigen Lebens jeder Frau. Allein sie ist zu einem bloß noch konsumierenden Ganzen. Die Ges Menschen fällt zusammen mit dem höheren Interesse der nicht seine einzige Wurzel. Die Frau ist nicht nur Gesellschaft kann jedoch nicht auf die produktiven Leistungen Allgemeinheit. Die Frau muß zu der Erfüllung der schlechtswesen, sie ist ein Mensch, ein weiblicher Mensch. der Hälfte ihrer Glieder verzichten. Die weibliche Be- Mutterpflichten im Heim die Berufsarbeit in der Welt Genoffen Fischers einseitige Auffassung zwingt uns zu rufsarbeit ist nur die den umgewälzten wirtschaftlichen fügen, weil die Gesellschaft ein Recht auf alle materiellen betonen, was banale Selbstverständlichkeit ist. Was der und sozialen Bedingungen angepaßte Form der gesell- und geistig- sittlichen Werte hat, welche Weibeskraft zu tiefsten Natur" des Weibes ziemt, was an Trieben, schaftlich nötigen produktiven Arbeit der Frau. Sie durch schaffen vermag. Die weibliche Berufstätigkeit ist eine Kräften, Betätigungswillen aus ihr emporquillt, das er den ausschließlichen Griseldisdienst am Manne und in Voraussetzung für die quantitative, aber nicht minder für schöpft sich daher nicht durch das Ausleben in der be- der Familie ersetzen wollen, hieße einer Vergeudung leib- die qualitative Vermehrung der gesellschaftlichen Kulturgrenzten Sphäre des spezifisch Weiblichen; es verlangt licher und geistiger Kräfte das Wort reden, welche die güter, denn die Frau ist dem Manne nicht mechanisch gebieterisch Entfaltungs- und Bewegungsfreiheit außer Allgemeinheit und in letzter Linie den Mann selbst wesensgleich. Aus ihrer vollentfalteten Eigenart heraus halb derselben, in dem weiter spannenden Gebiet all- schädigen würde. In der Tat: wird die Frau dem pro- prägt sie daher vielfach andere oder anders geartete gemein menschlichen Wirkens. Und dieses ihr Verlangen duktiven, dem beruflichen Wirken enthoben, so muß das Werte wie der Mann, deren die Menschheit nicht entwird nicht ungestraft in Fesseln geschlagen. für der Mann eine um so schwerere Arbeitsbürde tragen. raten darf. Was anderes aber bedeutet das, als eine Minderung der Möglichkeit für ihn, in der Familie, im öffentlichen Leben usw. sich auszuleben? Die geschlechtliche und die allgemein menschliche WesenJedennoch: Erwägungen, die in den sfizzierten Richheit der Frau liegen nicht in unorganischer Sonderung tungslinien laufen, will die Krähwinkler Furcht vor dem nebeneinander. Durch tausend feine Fäden sind sie mit Gegenstück der Zwangserziehungsfaserne nicht gelten einander verwachsen, und eine gesunde Entfaltung und In den Kreisen der Nichtbesitzenden und Wenig- lassen, die Furcht vor der Hausgenossenschaft, der entBetätigung beider Wesensseiten ist Voraussetzung für die besitzenden zwingt wirtschaftliche Notwendigkeit die Frau setzlich dräuenden Zwangswohnungs- und Zwangsgedeihliche Entwicklung jeder einzelnen von ihnen. Eine zur Berufsarbeit. Aber von diesem starken Sporn ab- abfütterungsfaserne, aus der jedes häusliche Behagen, Verkümmerung der einen wirkt nachteilig auf das Leben gesehen, drängt zu ihr und wird fünftig immer mehr zu jede Rücksicht auf„ Männchens Lieblingsspeise" fühllos der anderen zurück. Sowohl das Mannweib wie das ihr drängen, was nach Genossen Fischers Ansicht sich verbannt ist. Es hieße das Wesen der Familie als einer im„ Puppenheim" spielende, schwätzende und sich puzende gegen sie empört: die tiefste Natur des Weibes. Sie, der sittlichen Einheit beleidigen, wollten wir uns mit der Weibchen ist keine Idealgestalt weiblichen Seins. Wer früher die beschränkte Idylle des Nichts- als- Heimlebens Auffassung auseinandersetzen, als wäre für sie die Speisedem Weib unter Berufung auf seine tiefste Natur das genügte, begehrt hinaus auf den lauten Jahrmarkt, auf schüssel, in welcher die Frau eigenhändig am eigenen Ausleben als Mensch wehren, wer es in den engen Kreis den tosenden Kampfplatz des sozialen Lebens. Die ihres Herde zubereitete Gerichte auftischt, das festeste ewige der Verpflichtungen bannen will, die von der Natur ge- früheren produktiven Charakters beraubten Haushaltungs- Bindemittel, der lebendig wirkende Zauber, der dem wiesene Bürden des Geschlechts sind, der verschüttet wert- geschäfte- auch wenn sie noch so vertieft erfaßt werden auch wenn sie noch so vertieft erfaßt werden- Heimleben Traulichkeit, Schönheit und stärkende Kraft vollste, unersetzliche Quellen des Lebens, welche die Kräfte vermögen immer weniger den Boden abzugeben, auf dem verleiht. der Gattin und Mutter speisen und zur höchsten Blüte sich alle Seiten, alle Fähigkeiten des Weibes betätigen Tatsache ist, daß die gesamte soziale Entwicklung den entfalten. Setzt sich sein Streben durch, so lernt der können. Und auf hundert Kanälen trägt das flutende Einzelhaushalt mehr und mehr zersetzt; daß immer mehr Mann günstigstenfalls ein Weib kennen, das vollkommen Leben Einflüsse an seine Seele heran, die Sehnsuchten, der Funktionen, welche die Frau in ihm individuell erseinem persönlichen Meinen und Wünschen von weib- Neigungen, Triebe, Kräfte wecken, welche heiß nach Ent- füllte, an moderne Industrien übergehen oder ihnen überlichem Wesen und Wirken entspricht. Fremd bleibt ihm faltung lechzen. tragen werden könnten; daß der Großbetrieb, daß die geaber das Weib, der in Harmonie und Kraft erblühte Den Spielraum für vielseitige fruchtbare Betätigung, nossenschaftliche oder gemeinwirtschaftliche Form häuslicher weibliche Vollmensch. den das Heim zu bieten außerstande ist, ihn muß die Funktionen betreffs des geringeren Aufwandes an Zeit, Genossen Fischer scheinen diese Erwägungen nicht ganz Frau nun außerhalb seiner Mauern suchen, die heutzu- Kraft und Mitteln, sowie betreffs der Leistungen dem unbegründet zu sein. Er fordert für die Frau„ Ent- tage meist mehr einengen als schützen. Unseres Dafür Einzelhaushalt überlegen ist. Das bedeutet aber keineswicklungsmöglichkeit auf allen Gebieten". Allein er knickt haltens ist es ein glänzendes Zeugnis weiblichen Wesens- wegs die Vernichtung des tiefsten Wesensgehaltes eines seine Forderung in der Blüte, indem er dem Weibe wertes, daß die Frau das dilletierende Herumnaschen innerlich gefestigten Heimes, ja das besagt nicht einmal, grundsätzlich die Berufstätigkeit versagt und ihm dafür und Herumpfuschen auf allen möglichen und unmög- daß die Entwicklung mit zwingender Notwendigkeit zur nur ein schlechtes Surrogat bietet: die Möglichkeit, sich lichen Wissens- und Arbeitsfeldern zu verabscheuen be- Hausgenossenschaft oder insbesondere nur zu ihr führen ,, neben dem häuslichen Leben" für das öffentliche Leben, ginnt und nach umgrenzter Berufstätigkeit strebt, die müsse. Die ihr als geschlossenes Ganze zugedachten Auffür Kunst und Wissenschaft zu„ interessieren". Was in gründliche Ausbildung und eine zähe Konzentration der gaben können einzeln von Großbetrieben, von GenossenKrähwinkel als Zukunftsideal erscheint, das existiert schon Kräfte, des Willens zur Voraussetzung hat, gleichwie sie schaftsbetrieben übernommen werden. Was sich allmähheute in abstoßender Gemeinschädlichkeit. Es ist die danach trachtet, die heiligen Verpflichtungen der Mutter- lich mit der fortschreitenden Industrialisierung häuslicher " höhere Tochter", die Weltdame", die sich„ nebenbei" schaft nicht mehr mit blind waltendem Mutterinstinkt zu Verrichtungen herausbildet, das ist die Grundlage für für das öffentliche Leben, für Kunst und Wissenschaft, erfüllen, vielmehr als wohlvorbereiteten und durchdachten die verschiedensten genossenschaftlichen, gemeinwirtschaftfür alles und etliches mehr interessiert", die auf den Mutterberuf. lichen Betriebe, welche Funktionen des Heimes, der mannigfaltigsten Gebieten weiblicher und menschlicher Be- Für die volle soziale und rechtliche Gleichstellung des Hausfrau ablösen: Wohnungsgenossenschaften, Speisetätigung mit der gleichen oberflächlichen Ausrüstung und weiblichen Geschlechts mit dem männlichen ist die Berufs- genossenschaften, genossenschaftliche Restaurants, Komnämlichen skrupellosen Leichtfertigkeit herumstümpert. tätigkeit von grundsätzlicher Bedeutung. Die Herrschafts- munalfüchen, Kommunalwaschhäuser usw. usw. Fällt der " 38 die kapitalistische Ordnung mit ihrem Boden- und Häuserwucher; stehen Verkehrsmittel, zentrale Licht-, Wärme-, und Wasserquellen, Puß- und Reinigungsinstitute usw. Die Gleichheit Genossenschaft und Hauswirtschaft. Nicht die weittragenden Pläne einer genossenschaftlichen Andersen. 1805 2. April 1905. Nr. 7 Nachdruck verboten. hier Andersens Märchen in dieser Verbindung lebt des I nicht mehr im Dienste engbrüftiger Privat- oder Klassen behandeln. Wie weit die Zukunft ihnen Erfüllung bringen dänischen Dichters Name in Europa, in der Welt. Er, der intereffen; zwingt die kapitalistische Ausbeutung mensch wird, mag die Zukunft lehren. Für die Gegenwart, zum Dichter so zeitlos anmutender Märchen, ist wirklich erst seit licher Arbeitskraft nicht länger, mit jeder Minute Zeit, mindeſten für die breiten Massen, wenigstens in Deutschland, dreißig Jahren tot, und wenn er nun der Schar der jedem Fünschen Kraft zu geizen: so kann sich ebensogut wird ihnen keine praktische Bedeutung beizumessen sein. Hundertjährigen, die erfolgreich in der Welt wirkten, sich zu wie die Großhausgenossenschaft, die idealisierte Miets- Wohl aber gibt es eine Reihe bescheidenerer, aber für den gesellt, so wird er einer der nicht eben vielen sein, den die faserne unserer Beit- und neben ihr auch die Garten- Arbeiterhaushalt dennoch höchst bedeutsamer Aufgaben, deren Lebenden heute in seltener Einmütigkeit überall in der Welt stadt mit Ein- und Zweifamilienwohnhäusern ent- Lösung der genossenschaftlichen Organisation zufällt. und aus allen Klassen der Gesellschaft mit innigem Danke schrecken. wickeln. Die gemeinwirtschaftliche oder genossenschaftliche Zunächst der tonsumgenossenschaftlichen. Will überschütten. Der Märchendichter Andersen in allen Organisation der wirtschaftlichen Funktionen des Haus- die Konsumgenossenschaft das Interesse der Konsumenten in zivilisierten Völkersprachen darf er reden, erzählen, befeligen, haltes läßt sich hier sehr wohl mit einer höchst individuell der Warenverteilung zum entscheidenden machen, so ergibt seit Jahrzehnten schon. Sein Leben, seine Jugend fiel in geprägten Gestaltung des Heimlebens vereinen. Davon sich als ihre erste Aufgabe die Beschaffung von unver- eine Zeit, wo die geistig Regsamen die Freuden des Gemüts zu schweigen, daß der Einzelhauswirtschaft alten Stiles verein, als Organisation der besiglosen Massen, wird sich und gar Gemütspoet war, in dieser Zeit bürgerlichen Verzu schweigen, daß der Einzelhauswirtschaft alten Stiles fälschten Lebensmitteln guter Beschaffenheit. Der Konsum für wenig wertvoll erachteten, und doch ist er, der so ganz recht sein kann, was dem Kleinbetrieb billig sein soll, nicht zur Aufgabe stellen, mit Lurusgeschäften und Delikateß- standesmenschentums zur echten Volkstümlichkeit gelangt. der nicht auf der Ausbeutung fremder Arbeitskraft be- handlungen zu konkurrieren. Seine Sache ist die Lieferung Bis in die Schichten der arbeitenden Klasse hinein! Gr ruht. Nicht der Zwang, die Einsicht in die überlegenheit preiswerter Waren in guter Mittelqualität, vor allem die selber hat als Kind Armut und Elend kosten müssen. Das vollkommener sozialer Gebilde mag ihn modeln und ver- Bekämpfung der Lebensmittelverfälschung. Diese aber spielt flingt nun so in seine Geschichten und Märchen hinein, auch drängen. So braucht nicht einmal in Krähwinkel ein eine weit größere Rolle im heutigen Handel, als die meisten in seine Glückssehnsucht. In seinen Büchern lebt in naivem Ausdruck die Volksseele. Und nun muß man lesen, wie viel Zittern vor dem Verlust des alten, lieben Sofas", ein auch nur ahnen. Schütteln vor dem Einerlei der Rumfutsch- und DickVor wenigen Monaten spielte sich am Berliner Straf- Freude er fand, als er vor mehr als vier Jahrzehnten, in gericht ein Riesenprozeß gegen etwa dreißig Butter- und den Anfängen der dänischen Volkshochschulbewegung, vor erbsengenüsse den Mann vor der Berufstätigkeit der Frau Schmalzhändler ab, die Butter und Bratenfett mit erheblich Kopenhagener Arbeitern über Dichttunſt ſprechen und aus billigeren und minderwertigen Pflanzenfetten: Rokosnuß seinen Märchen vorlesen konnte; wie ihn da gerade die Was wir von den Tendenzen zur harmonischen Ver- sett usw., vermischt hatten. Der Heimlichkeit wegen vollzog seelische Wirkung reizte. Und heute haben sozialdemokratische einigung von weiblicher Berufstätigkeit und Mutterpflicht sich diese Verfälschung teilweise auch noch in recht unappetit- Arbeiterin Hamburg- auf eigene Fauſt und aus eigenen fagten, das gilt selbstredend auch von den Neubildungen, licher Weise. Und mit anderen Lebensmitteln steht es nicht Mitteln eine treffliche Ausgabe Andersenscher Märchen heraus welche die wichtigsten Funktionen der Frau im heutigen anders. So berichtet die Dessauer Nahrungsmittel gegeben! Das ist ein Zeichen, das beste Zeichen sogar, daß Einzelhaushalt übernehmen. Sie treten auf, behaftet fontrolle für 1901/02, daß von 810 Nahrungs- und Genuß- Andersen zu den Bleibenden gehören wird, denen die ver mit Schwächlichkeit und zweckschädlichen Begleiterschei- mittelproben 152( gleich 18,8 Prozent) beanstandet werden rauschenden Jahre nichts anhaben werden. Die Gegenwart wird ihm sogar günstig sein. Neben den nungen; behaftet mit allen Muttermalen der kapitalisti- mußten; von 617 Milchproben 99( 16 Prozent) wegen zu geschen Klassengesellschaft". Die Sozialdemokratie sieht ringen Fettgehaltes und 24 wegen erfolgter Wässerung oder nüchternen Verstand drängt sich wieder ein verfeinertes Ges darum der Unsumme von Schmach und Leid, von übeln Entrahmung. Das Pariser städtische Laboratorium fand fühlsleben, und ganz besonders dem Kinde, der Kindesse ele, darum der Unsumme von Schmach und Leid, von übeln im Januar 1904 von 837 Weinproben 233( 28 Prozent) ge- kommt dies fühlende Verstehen des Lebens zugute. Und und Konflikten, welche die weibliche Berufsarbeit heute fälscht und nur 110( 13 Prozent) ganz den Anforderungen dann dringt in die Menschen der Städte auch so sichtbarlich belasten, nicht tatenlos zu, in verzückter Hypnose auf die entsprechend. Von 1120 Milchproben erwiesen sich gar 1020 die Sehnsucht, die bedrückenden Einflüsse städtischer Natur fiegreiche Macht der geschichtlichen Entwicklung vertrauend.( 91 Prozent) als abgerahmt, gewässert oder sonst verfälscht widrigkeiten durch regere Hingabe an die luftreine, blickweite Ihre grundsätzliche Auffassung über das, was zur Milde- und nur 100 als völlig rein. Natur innerlich zu überwinden. Aber beglücktes Aufgehen rung dieser Übel und Konflikte geschehen kann und ge- Der ehrliche Handel" stellt„ Schokoladenpulver" her, die in der Natur, tiefstes Beseelen aus naivem Gefühl heraus schehen muß, ist seit langem geklärt. Genosse Fischer teine 10 Prozent Kakao enthalten und im übrigen aus Mehl, ist gerade Andersens Wesenszug. Es gefellte sich ihm ge lese die eingehende Erörterung der Materie in der Stärke, Kakaoschalen, Fetten usw. bestehen; neuerdings traf schwisterlich des Dichters Schauen, Erleben und Formen aus " Gleichheit" nach. Vielleicht überzeugt er sich dann, daß man sogar auf ein Produkt, das überhaupt tein Kalao- dem naiv- ernsten Fabelgeist des Kindes heraus. Wenn einer es noch wichtigere Aufgaben gibt, als offene Türen ein- pulver, dafür aber der Farbe wegen Sandelholzpulver ent- ein Helfer heutiger Bestrebungen sein kann, im Kinde die hielt. In Stettin wurde raffiniertes Rüböl als Backöl ver- Lust am Versenken in die Dinge der Natur systematisch zu zurennen oder unaushaltsam vorwärtsdrängende Ent- fauft, in Koblenz Preißelbeeren mit Stärkesirup, in Offen- poesievoller Sinnigkeit zu entwickeln, so ist es Andersen. wicklungstendenzen nach Krähwinkel zurückbremsen zu burg Leberwurst mit Weißbrotzusaz gefunden. Seine ausdauernde Frische überholt alle anderen MärchenDurch Farben gibt man Waren den Anschein dauernder dichter, und so wird Georges Brandes wohl mit dem vor Möglicherweise läßt die Lektüre ihm auch Verständnis Frische und scheut dabei selbst vor gesundheitsschädlichen mehr als drei Jahrzehnten niedergeschriebenen Worte auch dafür aufdämmern, daß die verschiedenen Richtungen Zutaten nicht zurück: Fleischwaren wird schweflig- saures in Zukunft recht behalten:" Durch die Darstellung so tief und Gruppen innerhalb der Frauenbewegung ein anderes Natrium zugesetzt zur Erhaltung der roten Farbe; Gurken, liegender elementarer und konstanter Seelenzustände wie die find als die regellosen Zufallsgebilde, die sie ihm Bohnen und Erbsen sollen durch Kupferoxyd( Grünspan) jenigen des Kindes, werden die Erzeugnisse dieser Phantasie über die Fluten der Zeit erhoben, über die Grenzen des dünken: der geschichtlich bedingte Ausdruck sozialer bei frisch- grüner Farbe erhalten werden. Landes hinaus verbreitet und ein gemeinschaftliches EigenKlassenscheidung in der Frauenwelt. Der tiefe grundtum der verschiedenen Klassen der Gesellschaft." sätzliche Wesensunterschied zwischen der bürgerlich- frauenrechtlerischen und der sozialdemokratischen Auffassung der Frauenfrage dürfte ihm dann nicht länger drückendes Gretchengeheimnis bleiben. wollen. Solche Machenschaften, die aus einem rücksichtslosen Profit interesse herstammen, werden sicherer und wirksamerer als durch polizeiliche überwachung und gerichtliche Strafen, die immer nur Einzelfälle und schwerere Mißbräuche erfassen, durch geschäftliche Einrichtungen bekämpft, bei denen jedes Interesse an Fälschung und übervorteilung schwindet, bei denen nicht das Interesse des Verkäufers, sondern das der Käufer maßgebend ist: durch genossenschaftliche Organisation der Käufer im Konsumverein. Andersen hat trotz seiner ärmlichen Herkunft das Glück gehabt, sich durchsetzen zu können. Deshalb nannte er sein Leben ein Märchen:„ Mein Leben ist ein schönes Märchen, so reich, so überaus glücklich." Schuhmacher im dänischen Die volle soziale und rechtliche Gleichstellung der GeStädtchen Odense war sein Vater. Unzufrieden mit seinem schlechter ist für die Frauenrechtlerinnen„ das Endziel", Lose, zog er schließlich den Soldatenrock an, um so unter den Napoleonischen Adlern einen Weg aus der Misere denn sie sind Angehörige der sozial emanzipierten herrUnd das gilt nicht nur für die Beschaffenheit, es gilt auch herauszufinden. Das schnelle Kriegsende zerstörte seine Hoff schenden Klasse. Für die Sozialistinnen ist sie Mittel zum Zweck, den Proletarierinnen die unbehinderte Be- für die Menge der gelieferten Waren. Ich will nicht viel nungen, und nun brach das Leben des Mannes in wenigen reden von mancherlei gebräuchlichen Kniffen, bei denen ein Tagen zusammen. Sein Knabe, Hans Christian, der viel mit teiligung am Kampfe ihrer Klasse gegen die kapitalistische Biertelpfund zu 120 Gramm gerechnet oder eine alte Elle ihm draußen im Wald und Wiese gelegen, hat wohl seine Ordnung zu sichern, denn diese sind Glieder einer sozial( 60 Zentimeter) mit der„ neuen Elle"( 50 Zentimeter) ver- tiefe Liebe zur Natur ihm zu verdanken. Er war ein ausgebeuteten und beherrschten Klasse. Die Frauenrecht- wechselt und direkt falsch gewogen und gemessen wird. Das spieliges Kind, saß am liebsten allein vor seinem Puppens lerinnen begnügen sich mit einer Reform der bürger- find flare Betrügereien, die auch mancher Kaufmann, der theater, las Theaterstücke und mußte der Mutter, einer be lichen Ordnung zugunsten des weiblichen Geschlechts. ganz ruhig gewisse Zusätze und Verschönerungsmittel" an- schränkt- einfältigen Frau, früh das tägliche Brot verdienen Die Sozialistinnen sind nicht so bescheiden, sie erstreben wendet, nicht begehen wird, so häufig sie auch vorkommen. helfen, hielt's aber nirgends lange aus, weil er überall mit zum Zwecke der Befreiung des Proletariats die Revo- Aber allgemeine Regel und anerkannter Handelsgebrauch im feinen seltsamen Liebhabereien und eitlen Schrullen und lution des heutigen sozialen Regimes, den Aufbau der Detailgeschäft ist das Brutto- für Netto- Wiegen", seinem mädchenhaften Aussehen dazu von anderen Knaben sozialistischen Gesellschaft. Sie sind überzeugt, daß in das heißt mit der Ware wird die weitaus minderwertige abstach und so zur Zielscheibe von allerhand Schabernack der bürgerlichen Ordnung die volle Gleichstellung der Verpackung gewogen, so daß der Käufer von einem Viertel wurde. Mit ein paar Talern in der Tasche machte sich der pfund Kaffee zu 40 Pfennig etwa 15 Gramm Papier als Junge schließlich auf den Weg nach Kopenhagen, um seinen Geschlechter den Boden bereitet, auf dem die" Frauen- Kaffee mitgewogen erhält, mithin etwa 5 Pfennig gleich Traum, Theatersänger zu werden, zu verwirklichen. Aber frage" verschärfte und neue Konflikte zeitigt. Erst eine 12 Prozent zu viel bezahlt. So ist es mit dem Einschlag- das Theater verschloß sich ihm, weil er zu mager und zu wenig gebildet" sei. In Spinnstuben und auf der Armenrevolutionierte Gesellschaftsordnung vermag diese Kon- papier bei Butter, mit Tüten aller Art usw. flifte zu lösen, vermag die volle menschliche Emanzipation Demgegenüber stellt der Konsumverein sich die Aufgabe, schule konnte er freilich nicht viel Wissen erworben haben. des weiblichen Geschlechtes zu verbürgen, denn sie allein Nettogewicht und volles Maß zu liefern. Seine erste Nun ging's ihm elend genug. Eine Zeitlang wohnte er gar schafft die sozialen Voraussetzungen dafür, daß die Frau Betätigung ist die Herbeiführung reeller Geschäftsgrundsätze. bei einer Dirnenmutter im schlimmen Viertel Kopenhagens. im harmonischen Nebeneinander ganz Weib und ganz Der Handel soll aus einem Mittel der Spekulation zu Be- Aber sein Wille, zu lernen und etwas zu werden, brach reicherungszwecken einzelner umgewandelt werden in ein nicht, und schließlich fand er den Zufall, den er brauchte, Mensch sein kann. " Die Revisionsleidenschaft ließ für Genossen Fischer das Mittel zweckmäßigster und gemeinnütziger Befriedigung des wenn er seine Träume verwirklichen wollte. Die Hilfe vor Die Revisionsleidenschaft ließ für Genossen Fischer das Massenbedarfes. Der gesteigerte Umsatz, der in wenigen trefflicher Menschen, deren Aufmerksamkeit er erregte, verWesen des Sozialismus und die Natur der bürgerlichen Berkaufsstellen, im Vergleich mit der alles überwuchernden schaffte ihm die Möglichkeit, die Schule zu besuchen, und als Frauenrechtelei in himmelblaue Ferne entschwinden. Und Unzahl der kleinhändlerischen Läden, sich vollzieht, ermög- er die Universität bezog, war durch ein Gedicht- Das so entging ihm, daß dort, wo alle frauenrechtlerische licht die Lieferung einer frischeren Ware. Der Bezug im sterbende Kind sein Name schon in aller Mund ge Reformweisheit aufhört, die befreiende Mission des großen und aus zuverlässigeren Quellen gewährt Sicherheit kommen. Der Dichter in ihm hatte sich früh angekündigt. Sozialismus beginnt. Seiner Meinung nach tut Klärung unverfälschter Ware. Und die Uninteressiertheit des Ver- Schon in Odense, als er noch barhaupt und in Holzschuhen und Revision des sozialdemokratischen Standpunktes in faufspersonals, das zudem unter ständiger Kontrolle der umherlief, hatten ihn die Knaben als„ Komödienschreiber" der Frauenfrage bitter not. Wir haben nichts von diesem Käufer selbst und ihrer Bevollmächtigten steht, gibt Schutz verspottet. Der berühmte Adam Ohlenschläger, das Haupt der dänischen Romantik, schrieb über ihn:„ Schon als un Bedürfnis gespürt. Doch sei's darum! Aber um des gegen Betrug und übervorteilung aller Art. Kommt dazu der Grundsatz der Barzahlung, dessen erzogener Knabe, gänzlich entblößt von Kenntnissen, zeigte er Himmels willen: er vertiefe sich zuerst in die einschlägige praktische Durchführbarkeit sich bisher allerwärts erwiesen ein wunderbares Talent, sich rhythmisch in seiner Mutter Literatur. Mit einem wohlunterrichteten Gegner im gei- hat, und der eine größere Leistungsfähigkeit des Vereins ge- sprache auszudrücken; er konnte fließende, wohlklingende stigen Turnier die Klinge zu kreuzen: ein erfrischender währleistet, indem er zugleich dem Einzelhaushalt größere Verse mit Leichtigkeit dichten, bevor er lesen und schreiben Genuß! Gegen Voreingenommenheit und Sachunkenntnis Stetigkeit, Ordnung und übersichtlichkeit verleiht, so finden konnte." Freilich, die glatte Verskunst machte den bedeutenden zu kämpfen: eine peinliche Notwendigkeit! wir eine Reihe wesentlicher Vorteile, die der genossenschaft- Dichter nicht. Es kommt darauf an, aus der Welt der liche Zusammenschluß den Haushaltungen bietet. persönlichen Eigenart heraus Welt und Leben gedichtet zu Simon Rabenstein. schöpfen, den ganzen eigenen Menschen zum Brunnquell des S S 1 f 9 C 1 1 1 C 1 S C Nr. 7 Die Gleichheit 39 dichterischen WeltbildeZ zu gewinnen. Das Publikum brachte . Andersen gleich mit seinem ersten Buche, einer parodistischen Fußreise, auf seine Seite, aber die Kritik nahm ihn jahre- , lang hart mit. Der Weg ging über Dornen, aber der Weg ' wurde gemacht: in dem Schriftsteller, der von seiner Feder leben mußte, rang sich der Dichter echt und tief ans Licht. In dem ersten größeren Werke, das seine Züge deutlich erkennen ließ, dem Roman„Der Improvisator", spiegelt ' sich Andersens echte Künstlerschaft, die sehr wohl wußte, daß � und weshalb sie über bloßen, Handwerkertum stand. Andersen � beichtet:„Das Schöne und Edle in jeder Sache riß mich hin. In ruhigen Augenblicken gedachte ich oft prüfend aller meiner ' Erzieher, und es kam mir dann vor, als stünden sie in der ' ganzen Natur und dem Weltleben, für welche meine Ge- ' danken und meine Seele nur lebten, als geschäftige Handwerker da. Die Welt selbst kam mir wie eine junge Schön- � heit vor, deren Geist, Gestalt und Gewänder meine ganze ' Aufmerksamkeit in Anspruch genommen hatte.... Mich ergreift ' � das Ganze; ich sehe wohl die Schönheit der einzelnen Teile; � allein, um euch einen Gefallen zu tun, kann ich doch weder ' Schneider noch Schuhmacher werden; mein Beruf ist, die � Schönheit des Ganzen aufzufassen. Ihr guten Männer und ' Frauen, zürnt mir und verdammt mich nicht darum."—„Es ist ihm zu niedrig und seinem poetischen Geiste nicht hoch ' genug!" spöttelten sie alle.„Kein Tier ist doch so grausan, � wie der Mensch! Wäre ich reich und unabhängig gewesen, ' hätten die Ansichten bald gewechselt. Alle waren sie kliiger, � gründlicher, vernünftiger als ich. Ich lernte verbindlich � lächeln, wo ich hätte weinen mögen, mich vor dem verbeugen, � den ich gering schätzte, das leere Geschwätz der Toren auf- merksam anhören. Verstellung, Bitterkeit, Überdruß des � Lebens waren die Früchte der Erziehung, welche die Umstände und die Leute mir aufdrangen." Andersen hatte das Schicksal des unbegriffenen, verkannten Genies zn " kosten, aber er war diesem Schicksal gewachsen. In Deutschland hat man zuerst ein starkes Bewußtsein seiner großen ' Dichterschaft gehabt, aber schließlich beugte sich auch die widerspenstige dänische Kritik. Reiseplaudereien, Dramen, Gedichte, Romane, Erzählungen, ° Skizzen, Märchen— was Andersen schrieb, füllt in der � deutschen Ausgabe nicht weniger als fünfzig Bände.„Der � Improvisator" hatte in Italien gespielt, dänischen Boden � zeichnete der Roman O. T.(1836), die Geschichte eines im � Zuchthaus geborenen Knaben, dem ein Sträfling die beiden � zweideutig Geburtsstätte und Namen andeutenden Buch- � staben eingebrannt. Und auch der dritte große Roman„Nur � ein Geiger"(1837) führte in das Landleben auf den dänischen � Inseln. Die Romane sind in ihrer Handlung durchaus dichterische Selbstspiegelungen: überall der Kampf des unter schlimmen äußeren Umständen geborenen Talents, das um � sein Lebensglück ringt. Im Geiger steht der Aufschrei: 7„Lasset das wahre Talent nicht irdisch zugrunde gehen!" � Das Wort, das Andersen vom eigenen Leben gelernt, könnte '' allen drei zum Motto dienen. In den Romanen— auch 2 in der kürzeren Erzählung„Glückspeter"— steckt eine Fülle � Andersenscher Selbstbiographie, und weil der Dichter in die � Kampfzeit seines Lebens, in die Zeit der Entbehrung und . der unerfüllten Wünsche griff, mußte ein Zug in die Romane kommen, den jene Ära der dreißiger und vierziger Jahre, " die für das Elend der unteren Schichten Augen bekam, als '' sozial empfand. Politische Züge von etwelcher Schärfe weist das Bild " Andersens nicht auf. Der Dichter verkehrte viel mit aller- � Hand Fürstlichkeiten— er hatte viel Gutes vom dänischen � Königshause erfahren und galt in Deutschland, namentlich � in Weimar, als intimer Freund— irgendwer in diesen � Kreisen nannte ihn einmal„einen lieben, braven Poeten, mit ' dem man aber nicht von Politik spreche". Die dänische � Kritik hatte ihn weidlich wegen seines„Hofdienstes" oer- " spottet, aber es wäre doch falsch, ihn einen Höfling zu � nennen. Er hat gerade die Höflingsdemut, Unwahrhaftig- � keit, Unnatur mit deutlichem Spotte gegeißelt, und zwar in ? seinen— Märchen. Man lese nur Des Kaisers neue Kleider, ! Die Nachtigall, Der Schweinehirt, Der Springer! Es ist ein gutes Wort: seine Märchen seien gleichsam mit dem Munde � eines Kindes unter 12 Jahren für große Kinder über 24 � Jahren erzählt. Was heute nun freilich matt erscheint, das ' wurde damals immerhin als Stich empfunden. Die großen � revolutionären Ereignisse seiner Zeit— Polenaufstand, Juli- ' revolutton, Februarrevolution— ziehen in Andersens Werken und Briefen nur schwache Spuren. Er stand den lauten � Dingen der Welt fern, und es paßt ganz und gar zu seinem Bilde, wenn sein dramatisches Spiel Ole Luköje, das 18S0 � auf die Bühne kani, den Wert materiellen Reichtums bestritt 7° und einen genügsamen, gesunden Sinn als das wahre Glück � pries. Andersen war auch nicht ein großer Menschenkenner, � wie der geringe psychologische Gehalt seiner Romane zeigt. � Nur wie die Dinge der Welt sich in der Seele des Kindes � spiegeln und wie die ganze weite Natur sich in kindlicher � Märchenlieblichkeit beseelt und verlebendigt, das weiß er, und nun lese man in seinem von den Reizen stiller, zarter Schön- � heit erfiillten„Bilderbuch ohne Bilder" jenes wundervolle ' Blatt, das da verrät, was ihn an dem Barrikadenkampf der Pariser Julirevolution so besonders tief ergriff. Das Bilder- � buch gibt kleine Lebensvorgänge, die der vielbewanderte pl Mond einem Maler erzählt. Also: Gestern, fing der Mond an, blickte ich auf das bewegte el Paris nieder; mein Auge drang in die Gemächer des Louvre. r- Eine alte Großmutter, ärmlich gekleidet— sie gehörte den � geringeren Klassen an—, folgte einem der untergeordneten Bedienten in den großen, leeren Thronsaal; dieser war es, den sie sehen wollte, sehen mußte; es hatte ihr manches � kleine Opfer, viele Worte gekostet, ehe sie soweit gelangte. � Sie faltete ihre mageren Hände und blickte andächtig umher, als befände sie sich in einem Gotteshause.„Hier war es!" sagte sie,„hier!" und sie näherte sich dem Throne, von dem der reiche, mit goldenen Fransen besetzte Sammet herabhing. „Da!" rief sie,„da!" und sie kniete nieder und küßte den Purpurteppich— ich glaube, sie weinte.„Dieser Sammet war es aber nicht", sagte der Bediente, und ein Lächeln spielte um seinen Mund.„Aber hier war es doch", erwiderte die alte Frau,„so sah er doch auch aus."„So, und nicht so", antwortete er,„die Fenster waren eingeschlagen, die Türen ausgehoben, auf dem Fußboden floß Blut!— Sie kann doch sagen: Mein Enkel ist auf dem Throne Frankreichs gestorben."„Gestorben!" wiederholte die alte Frau.— Ich glaube nicht, daß weiter etwas gesprochen wurde, auch verließen sie bald den Saal. Die Abenddämmerung verschwand und mein Licht bestrahlte doppelt hell den reichen Sammet auf dem Throne Frankreichs. Für wen hältst du wohl die alte Frau?— Ich werde dir eine Geschichte erzählen. Es geschah in der Julirevolution, am Abend des glänzenden Siegestages, als jedes Haus eine Festung war, jedes Fenster eine Schanze;— das Volk stürmte die Tuilerien. Selbst Frauen und Kinder befanden sich unter den Kämpfenden, sie drangen in die Gemächer und Säle des Schlosses. Ein armer, halberwachsener Knabe in Lumpen kämpfte mutig unter den älteren Kriegern; tödlich verwundet von mehreren Bajonettstichen sank er zusammen; das geschah in dem Thronsaal; man legte den Blutenden auf den Thron Frankreichs, wickelte den Sammet um seine Wunden, sein Blut strömte auf den königlichen Purpur! Das war ein Gemälde. Der prächttge Saal, die kämpfenden Truppen! Eine zerbrochene Fahne lag auf dem Fußboden, die dreifarbige Flagge wehte über den Bajonetten, und auf dem Thron saß der arme Knabe mit dem blassen, verklärten Gesicht, die Augen gen Himmel gerichtet, während seine Glieder im Todeskampf zuckten; seine nackte Brust, seine ärmliche Kleidung, halb bedeckt von dem reichen, mit silbernen Lilien gestickten Sammet. An des Knaben Wiege war prophezeit:„Auf Frankreichs Throne wird er sterben!" Das Mutterherz träumte von einem zweiten Napoleon.— Meine Strahlen haben den Jmmortellenkranz auf seinem Grabe gekiißt, meine Strahlen haben in dieser Nacht die Stirn der alten Großmutter geküßt, während sie träumend das Bild erblickte, welches du hier zeichnen kannst: der arme Knabe auf dem Throne Frankreichs. Niemand hat wohl den auf der Barrikade der Freiheit gefallenen Kindern ein schöneres Denkmal gestiftet als der Dichter Andersen. Es ist wohl wahr: wäre er ein Reaktionär gewesen, dieses Blatt des Ruhmes wäre seiner Dichterschaft nicht ergrünt. Er war von jenem kleinbürgerlichen, vor- märzlichen und stockdänischen Typus, der überhaupt noch nicht zur Politik erwacht war und in dessen Leben die empfindsame Gefühlssaite mit kindlich religiösem, moralischem Grundklange am stärksten schwang. In der Hinkehr zur Natur konnte sich der ideelle Inhalt solchen Lebens zu seiner höchsten Höhe erheben und erschöpfen. Ein Grundzug seiner Märchenphantasie ist, daß sich ihr alles— Tiere, Pflanzen, selbst die leblose Natur— menschlich beseelt. Aus der Liebe zur Güte und aus den Sinnen des Kindes heraus, die überall Wunder formen und sie ohne Staunen als das Selbstverständlich-Natürliche nehmen. Andersen ist in den Märchen kein Romantiker, der in eine farbig-seltsame Vergangenheit zurückversetzen will; er ist in seiner Weise Realist: alles hat bei ihm den Atem gegenwärtigen Lebens. Mit dieser Eigentümlichkeit ging Andersen über die Romantik hinaus, ein bedeutsames, literarisches Verdienst, und nicht zum wenigsten wegen seiner Unmittelbarkeit saugt ihn jedes kindliche Leben so intensiv auf, und das Aufgenommene wird Lebensgut. Als Andersen diesen Märchenzug seiner Seele dichterisch schaffend begriff, konnte er sein Weltbild geben und nun der große Dichter werden, den wir in ihm verehren. Ein Wort des natursinnigen deutschen Poeten Karl Mayer, der dem Kreise um Uhland und Mörike nahestand, mag zum Schlüsse das Charakterbild Andersens durchleuchten. Mayer nannte den dänischen Dichter einmal einen Menschen aus dem goldenen Zeitalter, da noch Löwe und Lamm zusammenspielten. k'r. 0. Aus dem Reiche des voigtländischen Textilkapitals. Arbeiterinnen der Reichenbacher Textilindustrie, organisiert euch! Diese Mahnung.rufen uns wichtige Vorgänge im Orte laut zu. Die Herren Fabrikanten, die sich stolz unsere Brotgeber nennen, aber in Wirklichkeit unsere Brot- nehmer sind, haben sich bekanntlich in dem„Jndustrieverein für Reichenbach und Umgebung" zusammengeschlossen. Durch die Macht der Vereinigung wollen sie den bescheidenen Forderungen der Arbeiter und Arbeiterinnen Trotz bieten, wollen sie als„Herren im Hause" die Arbeitsbedingungen der Fabriksilaven so festsetzen, wie es ihren Geldsackswünschen und Machtgelüsten entspricht. Die Bedürfnisse der Arbeiter, der Arbeiterinnen und ihrer Familien wiegen dabei für sie nicht eine Feder. Was das heißt, kann man ermessen, wenn man bedenkt, wie schlecht die Arbeitsbedingungen der Textilarbeiterschaft im allgemeinen sind, und wie sie insbesondere auf den Frauen und Mädchen lasten, die für billigen Lohn unter ungesunden Verhältnissen lange Stunden fronen müssen und daheim noch die Bürde der häuslichen Arbeit zu tragen haben. Die bleichen, verhärmten Gesichter der Textilarbeiterinnen, die skrofulösen, schwächlichen Gestalten der Kinder reden herzzerreißend davon. Die Errichtung eines Arbeitsnachweises, der seit dem 15. Februar besteht, ist seitens der Fabrikantenorganisation als ein Hauptmittel gedacht, die Arbeiter und Arbeiterinnen in Unterwerfung zu halten und jede Forderung ihrerseits niederzuzwingen. Zu diesem Zwecke führt er eine geradezu büttelmäßige Kontrolle über die Arbeiter ein, verpflichtet die Mitglieder des Jndustrievereins, nur Arbeitskräfte mit einem Arbeitsnachweisschein einzustellen, und untersagt ihnen, in den Lokalblättern nach Arbeitern und Arbeiterinnen zu inserieren. Dadurch ermöglicht er, die„unruhigen",„unzufriedenen",„verhetzenden" und sonstigen mißliebigen Elemente auszuscheiden, zu kennzeichnen und der Arbeitslosigkeit, der Verdienstlosigkeit zu überantworten. Auf Schleichwegen meuchelt er also die Bestimmungen der HZ Iii und 113 der Gewerbeordnung, welche es verbieten, auf Entlassungspapieren, Arbeitsscheinen und Arbeitsbüchern Zeichen anzubringen, die den Inhaber als„mißliebig" verfemen. Dannt nicht genug. Der Arbeitsnachweis hat auch die gleich arbeiterfeindliche Aufgabe, im Falle von Lohnbewegungen Streikbrecher von auswärts zu liefern. In der Geschäftsordnung heißt es, daß die Nachweisstelle verpflichtet ist, bei Arbeitermangel geeignete Arbeiter von auswärts herbeizuschaffen. Die Unternehmer, welche gegen die Bestimmungen der Geschäftsordnung verstoßen,„vorsätzlich oder fahrlässig", werden in jedem einzelnen Falle der Zuwiderhandlung mit 3 Mark gesttaft. In dieser Bestimmung zeigt sich der gleiche„Terrorismus" gegenüber dem einzelnen Fabrikanten, wie in den Satzungen des Jndustrievereins überhaupt. Denn nach diesen verfallen Mitglieder, welche eine statutengemäß beschlossene allgemeine Aussperrung in ihrem Bettieb nicht zur Durchführung bringen, in eine Strafe, die für jeden Tag der Zuwiderhandlung eins vom Hundert der in dem letzten Jahre der Berufsgenossenschaft gemeldeten jährlichen Lohnsumme beträgt. Man stelle sich die Entrüstung der Unternehmer und die Schärfe des behördlichen Einschreitens vor, wenn eine Gewerkschaft durch eine ähnliche Bestimmung ihre Mitglieder zum Streiken zwingen wollte. In Reichenbach und Umgegend ist jetzt schon die Möglichkeit, Arbeit, vor allem aber lohnende Arbeit zu finden, recht gering. Man stelle sich nun vor, wie die Dinge sich gestalten müssen, wenn der Arbeitsnachweis Arbeitskräfte von auswärts heranzieht. Das Herabsinken der Löhne auf das denkbar niedrigste Niveau ist die Folge davon. Offenbar soll der Arbeitsnachweis jede Bewegung für bessere Arbeitsbedingungen im Keime ersticken. Unter den Textilarbeitern von Reichenbach und Umgegend gärt es, nicht bloß, weil eine Verbesserung ihrer Lage dringend nötig wäre, nein, weil ihre Arbeitsbedingungen in manchen Betrieben noch verschlechtert worden sind. So hat zum Beispiel der Besitzer einer Färberei und Appreturanstalt eine Fabrikordnung ausgehängt, welche die bis jetzt geltende vierzehntägige Kündigungsfrist abschafft. Des weiteren bestimmt sie, daß die Arbeiter— sobald im Bettieb etwas abhanden gekommen ist— sich einer Visitation durch den Portier unterwerfen müssen. Die Arbeiter empfanden das als einen Schimpf und wurden vorstellig. Welche Antwort erhielten sie vom Unternehmer?„Na, wer nicht unterschreibt, der kann gehen. Wenn ihr streiken wollt, so streikt nur! Ich gehe in den Arbeitsnachweis, und da kriege ich Leute, so viel ich brauche." Ein kleiner Webereibesitzer, welcher der Forderung der Arbeiter nach Verkürzung der Arbeitszeit um eine halbe Stunde gern entgegengekommen wäre, erklärte, daß er in punkto Arbeitsbedingungen nicht sein eigener Herr sei, sondern sich nach den Beschlüssen der Unternehmerorganisation richten müsse. Der Verband der sächsischen Textilindustriellen habe beschlossen, die Einführung der zehnstündigen Arbeitszeit mit der Begründung abzulehnen, die Regierung möge diese Reform gesetzlich festlegen. Die Regierung, die bekanntlich die gesetzliche Einführung des Zehnstundentags unter den schäbigsten, fadenscheinigsten Vorwänden von Jahr zu Jahr verschleppt! Die Regierung, welche die Arbeiter und Arbeiterinnen mit Enqueten abspeist, die an erster Stelle zeigen, daß die Regierenden als gehorsame Diener der herrschenden Klassen nicht einmal den Willen zu bescheidenen Reformen haben! Die Unternehmerorganisation soll ferner beschlossen haben, daß ihre Mitglieder nicht mehr Lohntarife aushängen dürften. Wie die Dinge in Reichenbach liegen, gilt es, Zuzug von auswärtigen Arbeitskräften fernzuhalten und die Organisation der Textilarbeiter zu stärken. Erfreulicherweise scheint es, daß die Textilarbeiter von Reichenbach und Umgegend die Sprache der Tatsachen verstehen. Sie begreifen, daß aus ihrer Haut breitere Riemen geschnitten werden sollen. Und das Vorgehen der Unternehmer stößt sie mit der Nase darauf, was sie zu tun haben, um sich gegen den Egoismus und Übermut der Herren zu schützen. Sie müssen sich gleich ihnen zu Schutz und Trutz fest zusammenschließen. Die Mitgliederzahl des Verbandes ist in den letzten Wochen bedeutend gewachsen, Arbeiter und Arbeiterinnen sind ihm beigetreten, die bis dahin indifferent beiseite standen. Aber freilich, noch immer fehlt es nicht an Lauen und Flauen, an Törichten, welche gegen ihre ureigensten Interessen sündigen, indem sie der Organisation fernbleiben. Sie durch Aufklärung aus ihrer Gleichgültigkeit, aus ihrer Hoffnungslosigkeit und ihrem Sklavensinn aufzurütteln und dem Verband zuzuführen, ist mehr als je Pflicht aller Männer und Frauen, die schon zur Erkenntnis ihrer Lage gekomnien sind. Insbesondere müssen die Genossinnen mit aller Kraft dafür tätig sein, daß die Arbeiterinnen erfahren, was für sie auf dem Spiele steht. Schließen auch die Arbeiterinnen sich in Massen der Organisation an, betätigen sie sich als treue, aufopfernde Gewerkschafterinnen, so werden die Fabrikanten trotz Arbeitsnachweis und anderer Kniffe und Pfiffe zur Knechtung der Arbeitenden, den Interessen der Ausgebeuteten mehr Rechnung tragen müssen. Arbeiterinnen der Reichenbacher Textilindustrie, es steht bei euch selbst, ob ihr euer trauriges Los noch 40 drückender gestalten laffen oder ob ihr es verbessern wollt. Auch ihr seid eures Glückes, wie eures Unglücks Schmied. Bedenkt das! Lernt, organisiert euch! Pauline Göckrig. Aus der Bewegung. Die Gleichheit Nr. 7 großen Emanzipationskampf der Arbeiter teilzunehmen.| Herr des Stillen Ozeans werde durch seine Generale und Reicher Beifall dankte der Rednerin. Genoffin Baumann Admirale die Sache bald wieder einrenken. Zum Trofie erstattete darauf Bericht vom preußischen Parteitag. Eine wurde ihm versichert: Rußlands Trauer ist Deutschlands interessante Diskussion schloß sich an. Nachdem die genannte Trauer! Deutsche und französische Börsianer suchten noch Genossin noch ihren Jahresbericht als Vertrauensperson immer eine Ehre darin, große und fleine Rapitalisten zur gegeben, entschied die vorgenommene Wahl darüber, daß sie Hergabe von Geldern an das Zarenregiment zu verleiten. ihren Posten auf ein weiteres Jahr bekleiden solle. Rüstig Doch merkwürdig! Es kam nicht zu der erwarteten Wendung Von der Agitation. Um die proletarische Frauenbewegung und begeistert werden die Genossinnen im neuen Jahre durch Gottes Fügung. Als dann gar die Panzerschiffe des L. Baumann. Herrn des Stillen Ozeans ruhmlos im Hafen von Port Arthur im 6. schleswig- Holsteinischen Wahlkreis zu fördern, weiterarbeiten. hat die unterzeichnete Vertrauensperson der Genossinnen seit Karlsruhe. Seit kurzer Zeit regt sich hier und zwar zerschossen wurden wie Ratten in einem Loch, als die Festung Oftober eine planmäßige Agitation unter den Proletarierinnen hauptsächlich unter den Genossen des Stadtteils Mühlburg selbst fapitulierte, da wurde schon dem siegreichen gelben in die Wege geleitet. Es fanden zunächst, wie bereits gemeldet, das Streben, eine proletarische Frauenbewegung in Fluß zu Heiden Nogi die Gleichwertigkeit attestiert mit dem weißen Versammlungen statt in Pinneberg, Ottensen, Elms bringen. Den Bemühungen einiger Genossen ist es bereits Christen Stößel. Als dann der gelbe Oyama die letzten horn, Stellingen, Langenfelde, Lockstedt, Glück gelungen, eine Anzahl Frauen der politischen Organisation Hoffnungsfunken der russischen Weltherrschaft bei Mulden stadt und Barmstedt. Genoffin Baader referierte zuzuführen. Die Genossinnen haben nun beschlossen, in eine zertrat, da schwieg zwar die nachbarliche Höflichkeit, aber und die Unterzeichnete erstattete Bericht über die Frauen- fräftige Agitation unter den Frauen des arbeitenden Volkes die europäischen Börsen stöhnten um so lauter, und der Zar konferenz zu Bremen. Eine zweite Agitationstour erstreckte einzutreten und mit aller Energie dafür zu wirken, daß konnte selbst in Paris nichts mehr gepumpt kriegen. Graf sich auf die Orte Wedel, ütersen, Elmshorn, Stel- unter ihnen der Sozialismus immer mehr Anhängerinnen Bülow aber beeilte sich, als ehrlicher Makler den Japanern lingen, Lockstedt, Glückstadt und Barmstedt. Genosse findet. Leider stehen jedoch einige führende Genossen diesen zuzurufen: Kommt und pumpt bei Michel! Michel macht Eichhorn referierte über„ Die neuesten Ereignisse auf wirt Bestrebungen wenn auch nicht gerade hindernd, so doch miß alles! Der nette kleine Japaner ist jetzt hochgeachtet und schaftlichem und politischem Gebiet", Genossin Wartenberg trauisch und gleichgültig gegenüber. Wir sind der Meinung, gerngesehen. Man bemüht sich um seine Freundschaft und über„ Die Verschlechterung der Lebenshaltung durch die daß die Genossen dankbar begrüßen sollten, wenn die Frauen Kundschaft. Bei dem Erbfreund an der Newa lohnt sich das Zölle". Von wenigen Ausnahmen abgesehen, waren die gewillt sind, ihnen im Kampfe für unsere Ziele zur Seite zu nicht mehr recht. Doch noch eine andere unerwartete Wirkung hat die LehrVersammlungen gut, zum Teil sogar sehr gut besucht. Auch stehen, davon abgesehen, daß sie durch unsere Grundsätze in vielen Dörfern unseres Wahlkreises fanden Versamm verpflichtet sind, alle Ausgebeuteten, ohne Unterschied des tätigkeit von Togo, Oyama und Nogi ausgeübt. Die Weltlungen statt, an denen die Frauen in steigender Zahl teil- Geschlechts, zum Kampfe für ihre Befreiung zu sammeln herrschaft war vordem in höfifchen Kreisen ein brünstig ge nahmen. Die entfaltete Agitation hat sich nicht darauf be- und zu schulen. Man gibt sich bei uns Mühe, die Jugend pflegtes Ideal. Hineinzugreifen mit gepanzerter Faust in schränkt, Aufklärung unter die Frauen der werktätigen Massen zu organisieren und für die sozialistischen Ideale zu gewinnen. Die Händel der Welt, das galt als eine Ehrenpflicht für den zu tragen, sie wurde vielmehr seitens der Vertrauensperson Will man aber dieses schöne Ziel erreichen, so ist es un- Michel auf seinen weltpolitischen Pfaden. Allen Leuten, die mit einer rührigen Hausagitation verbunden, welche der bedingt notwendig, daß man die Frauen über den Sozialis- es hören wollen und nicht hören wollen, sollte mit dem sozialdemokratischen Partei weibliche Mitglieder und der muß aufklärt. Haben wir die Mütter, so bekommen wir Kanonengebrüll der Panzerschiffe das Evangelium deutscher " Gleichheit" neue Abonnenten warb, sowie zur Aufstellung auch die Jugend, denn die Frau übt im allgemeinen einen Weltpolitik gepredigt werden. Welche andere Melodie vernehmen wir jetzt! Von„ öder weiblicher Vertrauenspersonen führte oder die Aufstellung tieferen Einfluß auf die Kinder aus als der Mann. Die solcher wenigstens vorbereitete. Fast in allen Orten, die gesunde, zielflare proletarische Frauenbewegung bereitet den Weltherrschaft" will Kaiser Wilhelm II. nichts mehr wissen. oben genannt sind, hat unsere Zeitschrift neue Leserinnen Boden für das Heranwachsen einer sozialistischen Jugend. Ihm schwebt irgend eine Weltherrschaft im Reiche der Geiſter gefunden, zuſammen mehr als 320; in Ottensen ist ihre Zahl Niemand wird ferner bestreiten, daß die Genossinnen mit aller vor. Weshalb gerade die Hohenzollern zu dessen Begründung von 55 auf 160 gestiegen. Nach dem bei uns geltenden Kraft dafür sorgen müssen, daß die Arbeiterinnen der Ge- auserforen sein sollen von der Vorsehung, ist nicht ganz preußischen Vereinsgesetz dürfen bekanntlich Frauen nicht werkschaftsorganisation zugeführt werden. Aber damit sind klar. Aber nur Geduld! Der Knackfußpinsel wird uns das Mitglieder politischer Vereine sein. Immerhin können sie ihre Aufgaben durchaus nicht erschöpft. Ebenso wie der demnächst schon allegorisch darstellen. Nur eins ist bedauerlich. Ganz rein in die Praris hat durch freiwillige Beiträge ihre Zugehörigkeit zur Sozial Proletarier nicht bloß ein guter Gewerkschafter, sondern demokratie bekunden. Die Möglichkeit haben in unserem auch ein treuer Parteigenosse sein soll, so muß auch die sich die neugewonnene Erkenntnisfrucht noch nicht durch Wahlkreis fast 500 Frauen ausgenutzt, in Ottensen selbst Proletarierin im gewerkschaftlichen wie im politischen Kampfe gesetzt. Der Besuch in Marokko muß vom Auslande so ge mehr als 300 gegen 70 im Vorjahr; auch in einem Dorfe ihre volle Schuldigkeit tun. Dazu kommt noch, daß viele deutet werden, als wolle Deutschland eventuell auch in besitzen wir zahlende Genossinnen. Im Laufe der letzten Proletarierinnen nicht gewerblich, sondern nur in ihrem Haus- Maroffo, wie einst in China, mit der Panzerfaust ſich ein vier Jahre haben die Genossinnen von Ottensen durch frei halt tätig sind, mithin der Gewerkschaft fernbleiben. Die Stück aus dem Kuchen herausklauben. Schon gegen die willige Beiträge, Sammlungen usw. nicht bloß die Kosten Genoffinnen können sich daher nicht darauf beschränken, nur Möglichkeit müssen wir entschieden unsere Stimme erheben. ihrer Agitation bestritten, sondern auch 190 Mark an die Kasse für die gewerkschaftliche Organisierung der Frauen zu ar- Wir haben gerade genug Kolonialunglück am Halse. Es der Partei abgeführt. Nuzen nun die Genofsinnen des ganzen beiten, sie müssen diese auch politisch aufklären und organi- wäre ein Verbrechen am deutschen Volke, wenn unter Vor Kreises die Möglichkeit aus, die sozialdemokratischen Ziele fieren. In Baden haben die Frauen das Recht, Mitglieder einer schiebung irgend eines Vorwandes der afrikanische Sand auch materiell durch freiwillige Beiträge zu fördern, so erhalten politischen Organisation zu sein. Es muß genutzt werden. im Norden mit deutschem Blute getränkt würde. Handel, wir einen ungefähren überblick über die Betätigung der Durch fleißige, geschickte Mitarbeit in der Bewegung müssen ja, Handel mit aller Welt, auch mit Nordafrika! Aber sonst Proletarierinnen am politischen Leben und ihre Leistungs- die Genossinnen die Vorurteile überwinden, die sich hier muß es für uns heißen: Hände weg von Marokko! Es ist des Unglücks genug, was wir in Südwestafrika fähigkeit. Dadurch wird mancher Genosse, der, von Vorurteil und da gegen sie geltend machen. Darum an die Arbeit! befangen, unserer Frauenbewegung bisher gleichgültig oder Zeigen wir, daß wir fest entschlossen sind, an der Seite der auszubaden haben. An die 300 Millionen wird uns der gar ablehnend gegenüberstand, aus einem Saulus zu einem Männer unserer Klasse zu kämpfen. Der Sozialismus ver- Krieg dort kosten und Tausende von Menschenleben. Und Paulus. Wir verzeichnen es als einen guten Erfolg, daß heißt auch der Frau volle Gleichberechtigung, volle Befreiung. nichts, aber auch gar nichts winkt uns dafür als Ersatz, wir schon manche Voreingenommenheit niedergearbeitet haben, Die kapitalistische Ordnung hat nur Ausbeutung, nur Knecht aber neues Unheil in dunkler Zukunft! indem wir durch unsere Tätigkeit bewiesen, daß wir nicht schaft für sie. Das winkende Ziel ist der Opfer wert. Unsere Eigenbrödelei treiben, sondern nur als Genossinnen unsere heiligste Pflicht ist es, unter den Frauen des Volkes zu Pflicht so gut wie die Genossen im Dienste der großen prole- agitieren und zu werben, damit sie als überzeugte Sozia tarischen Sache tun wollen. Wir hoffen weitere gute Resultate listinnen in Reih und Glied treten. Der Rapitalistenklasse unferer Bewegung. Unermüdlich sind die Genossinnen am und ihrem barbarischen Militärstaat zum Truß, der Arbeit J. E. Werke, den Acker zu pflügen und zu besäen. Die Frucht zum Schutz. ihrer Arbeit wird nicht ausbleiben. Wenn eine reiche Ernte in die Scheuern der Sozialdemokratie geborgen werden kann, so dürfen unsere Frauen ihr Teil Verdienst daran beanA. Wartenberg. spruchen. Politische Rundschau. Gewerkschaftliche Rundschau. G. L In unserer diesmaligen übersicht können wir von einer größeren Anzahl Lohnbewegungen und Ausständen be richten, an denen Arbeiterinnen in größerer Anzahl be teiligt waren. über die Bewegung in der Seidenhutbranche, die wir schon letthin erwähnten, und ihre Erfolge lesen wir im Zur Kennzeichnung unserer verehrten Zeitgenossen in der Fachblatt der Hutmacher interessante Einzelheiten. Die Lohn Vom Verband der Textilarbeiter ist eine große bürgerlich- feudalistischen Gesellschaft wäre es eigentlich recht bewegung erstreckte sich auf eine ganze Anzahl Städte und Agitation in Sachsen organisiert worden, die insbesondere nett, wenn ein beschaulich veranlagter Pädagoge sich einmal brachte außer einer Stücklohnerhöhung von 12 Prozent auch die Arbeiterinnen für die Gewerkschaft gewinnen soll. daran machte und eine Schrift schriebe über Togo, Oyama auch Arbeitszeitverkürzungen mit sich, jedoch nur für die In der Zeit vom 10. März bis zum 20. April finden mehr und Nogi als Erzieher. Wie malte sich noch vor kurzem Arbeiter, die Arbeiterinnen gingen leer aus. Wir monierten als fünfzig Versammlungen statt, in denen die Genossinnen in den Köpfen der deutschen Weisen, Schriftgelehrten, schon in unserem früheren Bericht, daß anscheinend die Ar Grünberg und Kähler referieren. Die Tagesordnung Staatenlenker und Künstler das Bild der ostasiatischen beiterinnen bei Stellung von Forderungen nicht bedacht lautet für alle Versammlungen:„ Der Kampf um das Recht Kultur aus! Der Pinsel des großen Allegoristen Professor worden seien. Das findet jetzt seine Bestätigung. Doch nicht der Menschenwürde". Zu imposanten Rundgebungen haben Knackfuß stellte uns die gelbe Gefahr dar als ein scheusäliges etwa, weil die Organisation mit den Arbeiterinnen der Branche sich einige der bis jetzt stattgehabten Versammlungen ge- Götzenbild, inmitten zuckender Flammen thronend mit orien- teine Fühlung hatte, unterblieben Forderungen zu ihren staltet. So in Wolkenburg, wo der Genossin Grünberg talisch untergeschlagenen Beinen, während der mit Recht Gunsten, von 190 in Betracht kommenden Arbeite das Wort entzogen und die sehr zahlreich besuchte Versamm wegen seines Panzers so sehr beliebte Erzengel Michael rinnen sind 100 organisiert, ein erfreulich hoher Prozent lung aufgelöst wurde. Zu Stollberg schien die ganze Be- ein paar züchtigen Jungfrauen, voran das sanfte Rußland say! Die Arbeiterinnen wurden vielmehr übergangen, wie völkerung auf den Beinen zu sein, um den Vortrag einer und das ihm liebevoll sich anschmiegende Deutschland, warnend es in dem Bericht heißt:„,... weil sie sich der Bewegung ferngehalten haben". Das müßte unserer Ansicht nach doch Frau zu hören. Der Saal des Schützenhauses war schon zuruft: Völker Europas, wahret eure heiligsten Güter! lange vor Beginn der Versammlung polizeilich abgesperrt. Diese engelhafte Warnung wurde denn ja auch gar bald mit dem Teufel zugehen, wenn Arbeiterinnen, die in so ver Hunderte und aber Hunderte hatten sich vergebens auf sehr angemessen aus dem Allegorischen in das Praktische hältnismäßig großer Anzahl die Notwendigkeit der gewerk Sen Weg gemacht, sie konnten feinen Einlaß finden. 1200 übertragen, indem die edlen Jungfrauen zunächst einmal den schaftlichen Organisation erkannt haben, auf jede Lohn Personen waren im Saale zusammengedrängt. Man ließ scheufäligen Gelben eine Portion ihrer heiligsten Güter, erhöhung und Arbeitszeitverkürzung verzichten sollten! Wozu die Frauen und Mädchen sißen, die Männer standen in Städte und Provinzen, raubten. Der treuherzigen Jungfrau sind sie denn in der Organisation? An anderer Stelle wird dichten Reihen hinter ihnen. Brausender Beifall unterbrach Germania blieben sogar die astronomischen Instrumente gesagt:„ Die Arbeitszeit der Arbeiterinnen ist eine halbe oft die Ausführungen der Referentin. Ihre ernste Mahnung, der Sternwarte von Peking an den Fingern fleben. bis anderthalb Stunden länger wie die der Arbeiter. Die die Arbeiter und Arbeiterinnen müßten ihre traurige Lage Das edle Rußland konnte sich gar nicht genug tun in Fabrikanten erklären, es sei unmöglich, für die Arbeiterinnen durch die Macht einer starken Organisation verbessern, wurde Wahrung der heiligsten Güter. Aufopferungsfähig, wie dieselbe Arbeitszeit einzuführen wie für die Arbeiter." Det beherzigt. Sehr viele der Anwesenden traten dem Textil nun einmal die Zarenregierung ist, blieb sie trotz aller Ab- Bericht begnügt sich dazu mit der Bemerrung, daß die arbeiterverband bei. H. G. machungen in der Mandschurei und schickte sich auch Meinungen darüber geteilte seien. Jedenfalls ist nicht In Altona tagte im Februar eine von 300 Frauen be- an, Korea noch dazu in Verwahrung zu nehmen. Das energisch versucht worden, den Fabrikanten ihre rückständige suchte öffentliche Versammlung, in der Genoffin Steinbach wollten sich die gelben Teufel von Japanern nicht gefallen Ansicht auszutreiben unter dem Hinweis darauf, daß ihre über das Thema referierte:„ Der nächste Weg in die Sack lassen. Sie setzten sich zur Wehr. Da bereitete man sich in Ausrede in vielen anderen Gewerben schon längst ad absurdum gaffe". In trefflichen Ausführungen fritisierte die Rednerin Petersburg und Potsdam auf große Siegesfeiern vor, all- geführt worden ist, und daß die Unternehmer dort ge scharf die Politik der Regierung, die durch die Handels- dieweil doch bekanntermaßen nur ein guter Christ ein guter zwungen wurden, gleiche Arbeitszeit für männliche und weib verträge in eine Sackgasse hineinsteuert. Sie ist auf den Soldat sein kann. Und Professor Knackfuß hatte sicher liche Arbeiter einzuführen. Uns mutet dieses Verhalten einer Massenkonsum der steuerpflichtigen Artikel angewiesen, macht schon den allegorischen Pinsel angesetzt, um im Stile der Gewerkschaft gegenüber Arbeiterinneninteressen sonderbar an diesen aber gleichzeitig den Arbeitern unmöglich, indem sie illustrierten Modejournale die Siege Kuropatkins zu verherr- Es bleibt uns unverständlich, daß gerade die Arbeiterinnen durch die Zölle die Preise künstlich in die Höhe treibt und lichen. Als es nun schief ging mit den christlichen Waffen der Hutbranche in betreff der Wahrnehmung ihrer vitalsten die Arbeitsgelegenheit verschlechtert. Der Vortrag schloß zu Wasser und zu Lande, da glaubte man zunächst nur, eine Interessen soviel Gleichgültigkeit besitzen sollten. Bei Ar mit der Aufforderung an die Frauen, ihrer Verpflichtung rasch vorüberziehende Unglückswolfe habe die strahlenden beiterinnen in anderen Branchen ist das doch nicht beobachtet eingebent zu sein, die Organisationen zu stärken und am allerchriftlichsten Waffen des weißen Zaren überschattet, der worden. 1 e 1 S S e S 1 S I Nr. 7 Die Gleichheit 41 Beim Weißenfelser Schuhmacherausstand, der seit Mitte Februar dauert, haben sich die Dinge wenig verändert. Beide gewerkschaftliche Organisationen(Verband deutscher Schuhmacher und Hirsch-Dunckerscher Gewerkverein) führen den Kampf ungeschwächt fort, und Arbeiter und Arbeiterinnen halten treu zur Fahne. 3000 Personen waren anfangs ausständig; 23 kleinere Betriebe mit etwa S00 Arbeitern und Arbeiterinnen haben den Tarif unterschristlich anerkannt. Ein paar Großunternehmer, welche die Leitung des Fabrikantenvereins in Händen haben, kehren jedoch nach wie vor den Protzen heraus und lehnen auch die Bemühungen des Einigungsamtes ab. Sie haben eine große Anzahl Ausständige— man spricht von 1000— auf die schwarze Liste gesetzt. Beide Arbeiterorganisationen stehen finanziell gut und können, wenn die Ausständigen zuverlässig bleiben, den Kampf siegreich durchführen. Im Textilgewerbe sind wieder eine stattliche Reihe lokaler Ausstände zu verzeichnen, von denen wir nur die bedeutendsten kurz erwähnen können. Ein Ausstand in Chemnitz mußte um deswegen als aussichtslos aufgegeben werden, weil sich die Arbeiterinnen vom Chef durch allerhand Versprechungen bereden ließen, sich nicht mit den Ausständigen solidarisch zu erklären. Mit vollem Erfolg endete dagegen nach siebenwöchiger Dauer ein Streik in Kassel; die Firma erkannte den Lohntarif an. Denselben Ausgang nahm nach dreitägiger Dauer ein Ausstand in Linden, der die Entlassung eines Werkführers und die Wiedereinstellung eines Webers und seiner Frau als Erfolg hatte. Das einmütige Handeln von sechs Kurbelstickern und drei Arbeiterinnen in einer Berliner Fabrik hatte als Ergebnis, daß, nachdem die Arbeit am Morgen eingestellt worden, der Arbeitgeber am Abend Lohnerhöhungen von 15 bis 20 Prozent bewilligte, denn ein Versuch, Ersatzkräfte zu bekommen, war mißglückt. In Gera, Springe und Eilenburg bestehen Differenzen, an denen Arbeilerinnen besonders beteiligt sind, und die sehr viel Aussicht auf Erfolg haben. In Berliner Teppichfabriken ist eine Bewegung im Gange, die als Forderungen stellt: neunstündige Arbeitszeit, für Arbeiter und Arbeiterinnen 15 Prozent Lohnerhöhung, Bezahlung aller Nebenarbeiten mit 4V Pfennig pro Stunde und Anerkennung eines Arbeiterausschusses.— Von einem empörenden Vorgang wird aus Mülhausen i. E. berichtet. In einer dortigen Fabrik mußten sich 100 Frauen und Mädchen beim Verlassen der Arbeit einer Leibesvisitation seitens der Pförtnerin vor den Augen des Herrn Fabrikanten unterwerfen. Die Frauen„mußten" die Röcke aufheben, ihre Hosen wurden betastet usw. Dumm genug, daß die Arbeiterinnen sich fügten, zumal ihrer so viele waren! Dem Herrn Unternehmer hätte die einzig gebührende Antwort nicht erspart bleiben sollen, wir wetten, er würde sich dann solcher Unverschämtheiten nicht zum zweitenmal erdreisten. Die Arbeiterinnen des Glühlampenwerks von Siemens Se Halske in Berlin, die sich schon kürzlich sehr tapfer zeigten, haben neuerdings nach dreitägigem Streike durch den Arbeiterausschuß eine Vereinbarung mit der Betriebs- leitung erzielt, die sie völlig befriedigt. Wie der Streik in einer Fischkonservenfabrik zu Harburg ausging, über den wir in Nr. 5 berichteten, ist uns nicht bekannt. Ein großer Ausstand war in München zu verzeichnen, woselbst sich der Fabrikarbeiterverband der Gummiarbeiter und-Arbeiterinnen einer Firma annahm und für deren gesundheitsschädigende und schwere Arbeit Lohnerhöhungen verlangte. Die Direktion verstand sich anfangs nur zu einem mehr wie bescheidenen Zugeständnis, und so beschloß die Fabrikversammlung, auf den Forderungen zu bestehen. Zirka 1000 Arbeiter und Arbeiterinnen traten in den Kampf, der mit vollem Erfolge endete. Die Direktion hat sich verpflichtet, die geforderten Löhne zu zahlen, sie hat die Organisation anerkannt und mit ihr einen Vertrag auf ein Jahr abgeschlossen. Unter den inZeitungsexpeditionen beschäftigten Frauen in Berlin soll eine nachhaltige Agitation für den Beitritt zur Gewerkschaft bettieben werden. In einer Versammlung, die zu diesem Zwecke einberufen worden, äußerte ein Genosse die Ansicht, daß das in Parteiexpeditionen angestellte Personal sich nicht zu organisieren brauche, da seine Wünsche doch sicher Berücksichtigung erfahren. Diese Meinung wurde jedoch mit Recht entschieden bekämpft. Die in Parteiexpeditionen beschäftigten Frauen, so wurde besonders betont, müssen gerade bei der Organisierung mit leuchtendem Beispiel vorangehen. Der Schneiderverband entfaltet in Berlin eine rege Agitation unter den Arbeiterinnen der Konfektion. In Flugblättern wird an die gewerkschaftlich und politisch organisierten Arbeiter appelliert, ihre Frauen und Töchter zum Eintritt in den Verband anzuhalten und sie nicht als Gelegenheitsarbeiterinnen zu wahren Jammerlöhnen für die Konfektionäre arbeiten zu lassen. Auf 40000 wird für Berlin die Zahl der in der Konfektion beschäftigten Arbeiterinnen geschätzt. Der Schneiderverband hat bekanntlich sehr wenig weibliche Mitglieder. Eine lebhafte, frische Agitatton unter den Arbeiterinnen des Gewerbes tut also bitter not, zumal die Arbeitsverhältnisse in der Konfektion bekanntlich himmelschreiende sind. Hoffentlich hören wir von größeren Erfolgen!° Notizenteil. Gewerkschaftliche Arbeiterinnenorganisation. Zur kräftigen Agitation unter den Arbeiterinnen der Holzindustrie fordert der Vorstand des Holzarbeiterverbandes alle Zahlstellenverivaltungen auf. Er empfiehlt, daß jede Zahlstelle ein Mitglied der Lokalverwaltung mit der besonderen Aufgabe bettaut, die Agitation zur Gewinnung der Arbeiterinnen zu leiten. Die Anregung ist zu begrüßen und wird um so reichere Früchte tragen, wenn die Beauftragten der Zahlstellen in planmäßiger Weise gewerkschaftlich tüchtig geschulte Arbeiterinnen zur Kleinagitation unter ihren Berufsgenossinnen heranziehen, beziehungsweise wenn sie sich bemühen, ihre weiblichen Mitglieder in den Werkstubenversammlungen usw. für die agitawrische und organisatorische Mitarbeit zu erziehen. Die weiblichen Mitglieder des Holzarbeiterverbandes ihrerseits müssen die Zahlstellen bei Durchführung der Anregung energisch unterstützen. Jede dem Verband angeschlossene Arbeiterin sollte sich als seine Agitatorin fühlen und ihre ganze Kraft aufbieten, ihm die Frauen und Mädchen zuzuführen, welche mit ihr zusammen arbeiten, entbehren und leiden. Wirken die Beauf- ttagten der Organisation und die weiblichen Mitglieder mit praktischem Sinn und treuer Ausdauer zusammen, so wird der seit Jahren stagnierende weibliche Mitgliederstand des Holzarbeiterverbandes wachsen. Zunahme der Zahl der organisierten Arbeiterinnen der Holzindustrie besagt aber Zunahme der Möglichkeit, bessere Arbeitsbedingungen zu erringen. Arbeiterinnen der Holzindusttie, ihr nehmt eure eigensten Interessen wahr, wenn ihr die Bemühungen des Verbandsvorstandes unterstützt, die in der Holzindustrie frondenden Frauen und Mädchen zu Schutz und Trutz zusammenzuschließen! Die Heranbildung weiblicher Agitatoren wurde auf der Konferenz der Textilarbeiter und-Arbeiterinnen von Rheinland(rechtsrheinisch), Westfalen und Hessen befürwortet, die in Barmen tagte. Der Delegierte Kastrop trat im Aufttag seiner Mandatgeber von Bielefeld dafür ein, daß der Gauvorstand in Verbindung mit dem Verbandsvorstand sich mit der Frage befasse. Der Wunsch ist begreiflich. In Rheinland und Westfalen hat sich die proletarische Frauenbewegung viel später zu entwickeln begonnen als in anderen Teilen Deutschlands. Nur langsam wachsen geschulte weibliche Kräfte für die Mitarbeit in der modernen Arbeiterbewegung heran. Auf der anderen Seite aber stehen viele Zehntausende Textilarbeiterinnen der Gewerkschastsorganisatton noch völlig gleichgültig, ja ablehnend gegenüber. Die jederzeit disponiblen agitatorischen und organisatorischen Kräfte reichen nicht aus, das weite Feld zu bestellen. Wie die Dinge liegen, müßten die Zahlstellen des Textilarbeiterverbandes— wie anderer Organisationen, für welche die Frauenarbeit von Wichtigkeit ist— sich angelegen sein lassen, durch Heranziehung organisierter Frauen zu den Werkstubensitzungen, zur Verwaltungsarbeit usw. gewerkschaftliche Agitatorinnen und Organisatorinnen heranzubilden. Ferner schiene es uns empfehlenswert, daß für das so bedeutende Gebiet der rheinisch-westfälischen Textilindustrie eine gewerkschaftlich tüchtig geschulte Frau als Gewerkschaftsbeamtin angestellt und mit der Leitung der Agitation unter den Arbeiterinnen bekaut würde. Die Notwendigkeit reger Agitation unter den Arbeiterinnen des Schneidergcwerbcs wurde auf der Konferenz des Id.Agitationsbezirkes des Schneiderverbandes eingehend nachgewiesen. Die Konferenz tagte in Berlin. Besonders war es Genossin Grünberg-Berlin, die in überzeugender Weise begründete, daß es unerläßlich sei, der Organisierung der Arbeiterinnen die höchste Aufmerksamkeit zuzuwenden. Ihre Ausführungen wurden von mehreren Delegierten unterstützt und ergänzt. Wiederholt wurde betont, daß es Pflicht aller organisierten Arbeiter sei, ihre erwerbstätigen Frauen und Töchter der Gewerkschaft zuzuführen._ Weibliche Fabrikinspektoren. Die weibliche Gewerbeaufsicht war im preußischen Abgeordnetenhaus Gegenstand der Verhandlung. Der Freisinnige Hirsch trat für die Anstellung weiterer weiblicher Gewerbeinspektoren und für die Hinzuziehung von Assistenten aus der Arbeiterklasse ein. Die Regierung verhielt sich diesen Wünschen gegenüber ablehnend. Obgleich seit Jahren Assistentinnen der Gewerbeaufsicht ihres Amtes walten, weiß sie noch immer nicht, ob der„Versuch" mit der Verwendung von Frauen geglückt ist. Ein besonderer Erfolg der Neuerung habe sich nicht gezeigt. Gewissenhaft, wie der Herr sie in seinem Zorn geschaffen, kann sie sich daher nicht entschließen, auf dem eingeschlagenen Wege weiter fortzuschreiten. Angehörige der Arbeiterklasse will die Regierung erst recht nicht bei der Gewerbeaufsicht verwenden. Einmal weil diese keine Autorität bei den Arbeitgebern besäßen— als ob der Staat ihnen diese Autorität nicht leich- tiglich verleihen könnte!—, dann aber weil ihr Wirken nur der Sozialdemokratte fruchten würde. Ahnliche Erklärungen waren schon in der Budgetkommission des Abgeordnetenhauses gefallen, als dieses über die Gewerbeinspektion verhandelte. Sie würden merkwürdig anmuten, wenn sie nicht im preußischen Geldsacksparlament und von feiten der scharfmacherfrommen preußischen Regierung gefallen wären. In diesem Parlament aber und im Munde dieser Regierung sind sie nur natürlich. Dornen können keine Feigen und Disteln keine Trauben tragen. Die Anstellung von Fabrikinspektorinncn fordert in ihrem Programm die Arbeiterinnensektion des Bundes ungarischer Frauenvereine. Das Verlangen wird damit begründet, daß die Arbeiterinnen durch gesetzliche Maßregeln ungenügend geschützt seien. Für die Anstellung von Mrs. Florenee Kellcy als staatlicher Fabrikinspcktorin in Neuyork ist eine lebhafte Agitation im Gange. Florenee Kelley hat sich als Fabrik- inspektorin von Illinois die größten Verdienste für den Ausbau und die Durchführung der Arbeiterschutzgesetzgebung erworben. In Anerkennung desselben wurde sie von dem zur politischen Macht gelangten republikanischen Kapitalistenklüngel aus ihrem Amte vertrieben. Sittlichkeitsfrage. Ein internationales Abkommen zur Bekämpfnng deS Mädchenhandels ist in Paris am 18. Mai 1904 von den Regierungen Deutschlands, Dänemarks, Frantteichs, Großbritanniens, Italiens, Schwedens und Norwegens, Rußlands, der Schweiz und Spaniens unterzeichnet worden. Kürzlich wurde es vom Reichskanzler dem Reichstag zur Kenntnisnahme vorgelegt. Nachstehend die vereinbarten Verwaltungsmaßregeln: „Jede der vertragschließenden Regierungen verpflichtet sich, eine Behörde zu errichten oder zu bestellen, der es obliegt, alle Nachrichten über Anwerbung von Frauen und Mädchen zu Zwecken der Unzucht im Auslande an einer Stelle zu sammeln; diese Behörde soll das Recht haben, mit der in jedem der anderen verttagschließenden Staaten errichteten gleichartigen Verwaltung unmittelbar zu verkehren. Jede der Regierungen verpflichtet sich, Überwachung ausüben zu lassen, um, insbesondere auf den Bahnhöfen, in den Einschiffungshäfen und während der Fahrt, die Begleiter von Frauen und Mädchen, welche der Unzucht zugeführt werden sollen, ausfindig zu machen. Zu diesem Zwecke sollen an die Beamten oder alle sonst dazu berufenen Personen Weisungen erlassen werden, um innerhalb der gesetzlichen Grenzen alle Nachrichten zu beschaffen, die geeignet sind, auf die Spur eines verbrecherischen Geschäftstreibens zu führen. Die Ankunft von Personen, welche offenbar Veranstalter, Gehilfen oder Opfer eines solchen Geschäftstreibens zu sein scheinen, soll gegebenenfalls den Behörden des Bestimmungsortes, den beteiligten diplomatischen oder konsularischen Agenten oder jeder sonst zuständigen Behörde gemeldet werden. Die Regierungen verpflichten sich, gegebenenfalls innerhalb der gesetzlichen Grenzen die Aussagen der Frauen und Mädchen fremder Staatsangehörigkeit, die sich der Unzucht hingeben, aufnehmen zu lassen, um ihre Identität und ihren Personenstand festzustellen und zu ermitteln, wer sie zum Verlassen ihrer Heimat bestimmt hat. Die eingezogenen Nachrichten sollen den Behörden des Heimatlandes der besagten Frauen und Mädchen behufs ihrer etwaigen Heimschaffung mitgeteilt werden. Die Regierungen verpflichten sich, innerhalb der gesetzlichen Grenzen und soweit es geschehen kann, die Opfer eines verbrecherischen Geschäftstreibens, wenn sie von Mitteln entblößt sind, öffentlichen oder privaten Unterstützungsanstalten oder Privatpersonen, welche die erforderlichen Sicherheiten bieten, im Hinblick auf etwaige Heimschaffung vorläufig anzuvertrauen. Die Regierungen verpflichten sich auch, innerhalb der gesetzlichen Grenzen nach Möglichkeit diejenigen unter diesen Frauen und Mädchen nach ihrem Heimatland zurückzusenden, welche ihre Heimschaffung nachsuchen oder welche von Personen, unter deren Gewalt sie stehen, beansprucht werden sollten. Falls die heimzuschaffende Frauensperson(Frau oder Mädchen) die Kosten ihrer Beförderung nicht selbst zurückerstatten kann und weder Ehemann, Eltern noch Vormund hat, die für sie zahlen würden, so sollen die Kosten der Heimschaffung dem Lande, auf desfen Gebiet sie sich aufhält, bis zu der Grenze oder dem Einschiffungshafen, die in der Richtung nach dem Heimatlande die nächsten sind, zur Last fallen und im übrigen das Heimatland belasten. Die verttagschließenden Regierungen verpflichten sich, innerhalb der gesetzlichen Grenzen nach Möglichkeit eine Überwachung der Bureaus und Agenturen auszuüben, die sich damit befassen, Frauen und Mädchen Stellen im Ausland zu vermitteln." Das Abkommen ist die Frucht der rührigen Agitation, welche seit Jahren von Sittlichkeitsvereinen und bürgerlichen Frauenrechtlerinnen gegen den scheußliche» Mädchenhandel entfaltet worden ist. Im großen ganzen eine papierene Frucht. Die festgelegten Verwaltungsmaßregeln mögen in einzelnen Fällen grauenhafte Schmach, entsetzliches Unrecht verhindern. Sie sind ohnmächtig, den Mädchenhandel im allgemeinen zu beseitigen. Er bleibt die unabwehrbare Begleiterscheinung der Prostitution, des Bordellwesens, wie die Prostitution die unvermeidliche Begleiterscheinung der bürgerlichen Ordnung bleibt. Wir werden das in der Folge eingehend nachweisen. Frauenbewegung. Eine Ärztin beim Siechenhaus am Sandhof in Frankfurt a. M. ist kürzlich angestellt worden. Es ist Fräulein vr. Kehr, welche bereits längere Zeit als Volontärin an der Anstalt tätig war. Zur Beachtung! Alle auf die Agitation unter den proletarischen Frauen bezüglichen Briefe und Sendungen sind zu richten an: Ottilie Baader Verttauensperson der Genossinnen Deutschland? Berlin L. SZ, Blücherstraße 49, Hof ll. 42 Der Mensch. Von Maxim Gorki. Deutsch von M. Feofanoff. II. Sieh! er ist müde, er wankt und stöhnt; das erschreckte Herz sucht nach dem Glauben und sehnt sich nach zarten Liebkosungen der Liebe. Die Gleichheit zu schaffen auf den unzerstörbaren, von dem Gedanken geschmiedeten Stützen der Freiheit, der Schönheit und der Achtung vor den Menschen. Ein unbarmherziger Feind der schmachvollen Armut der menschlichen Wünsche will ich, daß jeder Mensch ein Mensch werde. Sinnlos, schmachvoll und widerlich ist dies ganze Leben, Und die drei Vögel, die die Schwäche geboren- Trost in dem die übermäßig harte Sklavenarbeit des einen losigkeit, Verzweiflung, Gram, drei schwarze, häßliche darauf hinausgeht, daß die anderen sich an Brot und Bögel, flattern drohend über seine Seele, und alle Geistesreichtümern übersättigen. Verflucht seien alle Vorsingen sie ihm ein düsteres Lied, daß er ein geringes, urteile, alle Voreingenommenheiten und Gewohnheiten, friechendes Tier, daß sein Bewußtsein beschränkt, sein die das Gehirn des Menschen gleich einem flebrigen Gedanke machtlos und der heilige Stolz lächerlich sei, Spinngewebe umgarnt haben! Sie lassen nicht leben und daß er sterben werde, was er auch tun möge. fie vergewaltigen die Menschen. Ich werde sie zerstören. Sein gemartertes Herz zittert bei diesem lügenhaften und Meine Waffe ist der Gedanke und der feste Glaube bösen Liede, die Stacheln des Zweifels stechen sein Hirn, an die Freiheit des Gedankens, an seine Unsterblichkeit und in den Augen glänzt eine Träne der Kränkung... und das ewige Wachsen seiner erschaffenden Kraft Und wenn der Stolz sich in ihm nicht empört, dann unversiegender Quell meiner Kraft! jagt der Schrecken des Todes den Menschen gebieterisch in das Gefängnis des Glaubens, die Liebe zieht ihn mit siegesbewußtem Lächeln in ihre Arme und verbirgt hinter den lauten Versprechungen von Glück die traurige Ohnmacht sich zu befreien und den habgierigen Despotismus des Instinkts. Im Bunde mit der Lüge singt ihm die zaghafte Hoffnung von den Freuden der Ruhe, singt vom stillen Glücke des inneren Friedens und lullt mit weichen, schönen Worten den schlummernden Geist ein, stößt ihn in den Sumpf des süßen Nichtstuns und in die Krallen der Langeweile, ihrer Tochter. Und unter den Eingebungen von kurzsichtigen Gefühlen sättigt er eilends sein Gehirn und sein Herz mit dem angenehmen Gifte jener zynischen Lüge, die unverhohlen lehrt, daß es für den Menschen nur den einen Weg gibt -den zum Viehstalle der ruhigen Selbstzufriedenheit. Aber der Gedanke ist stolz, und der Mensch ist ihm teuer. Er beginnt den bösen Kampf mit der Lüge, und das Feld des Kampfes ist das Herz des Menschen. Wie ein Feind verfolgt er ihn, wie ein Wurm bohrt er sich in sein Gehirn, wie eine trockene Hige verwüstet er die Brust, und wie ein Henter martert er den Menschen, indem er ohne Erbarmen sein Herz mit der stark machenden Kälte der Sehnsucht nach der ernsten Wahrheit, nach der großen Wahrheit des Lebens zusammenpreßt, die, wenn sie auch langsam wächst, doch deutlich durch den Nebel der Irrtümer, wie eine vom Gedanken geborene Feuerblume sichtbar ist. Wenn aber der Mensch mit dem Gifte der Lüge unheilbar vergiftet ist und schon fest glaubt, daß es auf Erden kein höheres Glück gibt, als ein voller Magen und eine volle Seele, daß es keine höheren Genüsse gibt, als Sättigung, Ruhe und die kleinen Bequemlichkeiten des Lebens dann senkt der Gedanke traurig seine Flügel denn die triumphierenden Sinne halten ihn gefangen. Er schlummert- und überläßt den Menschen der Gewalt seines Herzens. - ein Der Gedanke ist mir ein ewiger und einzig nie trügender Leuchtturm im Nebel des Lebens, ein Feuer im Dunkel seiner schmachvollen Verirrungen; ich sehe- er brennt immer heller, immer tiefer beleuchtet er die Abgründe der Geheimnisse, und ich gehe in den Strahlen der Unsterblichfeit ihm nach immer! höher! und vorwärts! Für den Gedanken gibt es feine unzerstörbaren Festen und keine unantastbaren Heiligtümer weder auf Erden, noch im Himmel. Alles wird durch ihn erschaffen, und das gibt ihm das heilige, gute Recht, alles zu zerstören, was die Freiheit seines Gedeihens hindern könnte. Ich gebe ruhig zu, daß Vorurteile die Trümmer alter Wahrheiten sind, und daß die Wolken von Irrtümern, die heute über dem Leben schweben, alle aus der Asche alter Weisheiten erschaffen sind, die die Flamme desselben Gedankens, der sie einst ins Leben gerufen, verbrannt hat. Und ich sehe ein, daß nicht die siegen, die die Früchte des Sieges an sich nehmen, sondern nur die, die auf dem Felde des Kampfes bleiben... Den Sinn des Lebens sehe ich in dem Schaffen, und das Schaffen ist sich selbst genug und ist unbeschränkt! Ich gehe, um möglichst heller die Flammen anzuzünden, um möglichst tiefer das Dunkel des Lebens zu erleuchten. Und mein Untergang ist mein Lohn. Anderen Lohn brauche ich nicht. Ich sehe: die Macht ist schmachvoll und langweilig; der Reichtum schwer und dumm, und der Ruhm ein Vorurteil der Menschen, das entstanden ist aus dem Unverständnis der Menschen, sich selbst zu schätzen, und ihrer sklavischen Gewohnheit, sich zu erniedrigen. Zweifel! ihr seid nur Funken des Gedankens, nichts weiter. Sich selbst an sich versuchend gebärt er euch von dem überflusse der Kräfte und nährt euch mit seiner Kraft! Es naht der Tag. In meiner Bruft werden sich mein Gefühlsleben und meine unsterblichen Gedanken zu einer großen Flamme vereinen; mit dieser Flamme werde ich aus der Seele alles Dunkle, Grausame und Böse ausbrennen, und ich werde den Göttern gleichen, die mein Gedanke erschafft hat und noch schafft. Und gleich einer verpesteten Wolfe senkt sich von allen „ Alles im Menschen, alles für den Menschen!" Sieh! von neuem, majestätisch und frei, den stolzen Seiten die faule Alltäglichkeit die Tochter der gemeinen Langeweile auf den Menschen nieder und umhüllt mit Kopf hoch erhoben, schreitet er langsam, jedoch mit festen beißendem, grauem Rauche sein Gehirn, sein Herz und seine Schritten über die Asche alter Vorurteile, allein im grauen Augen! Und der Mensch verliert sich selbst, seine Schwäche Nebel der Irrtümer. Hinter ihm der Staub der Vermacht ihn zu einem Tiere ohne Stolz und ohne Gedanken. gangenheit und vor ihm eine Menge Rätsel, die kalt Wenn aber dann die Empörung in ihm auflodert, feiner harren. Sie sind zahllos wie die Sterne in den dann weckt sie den Gedanken auf, und von neuem schreitet grundlosen Tiefen des Himmels, und für den Menschen er weiter, allein durch die Dornhecken seiner Fehler, allein gibt es fein Ende des Wegs. inmitten der brennenden Funken seiner Zweifel, allein inmitten der Trümmer alter Wahrheiten! Majestätisch, stolz und frei, schaut er mutig in die Augen der Wahrheit und spricht zu seinen Zweifeln: Ihr lügt, wenn ihr sagt, daß ich schwach, daß mein Bewußtsein beschränkt sei! Es wächst. Ich weiß es sehe es fühle es es wächst in mir! Ich merke das Wachstum meines Bewußtseins an der Stärke meiner Qualen und weiß, wenn es nicht mehr wachsen würde, daß ich dann weniger zu leiden hätte als früher. Aber mit jedem Schritte wünsche ich immer Größeres, fühle ich immer mehr, sehe ich immer mehr und tiefer, und dieses rasche Wachstum meiner Wünsche ist das mächtige Anwachsen meines Bewußtseins! Jetzt ist es in mir gleich einem Funken- aber, was hat das zu sagen? Denn Funken sind auch die Mütter von Riesenflammen. In Zukunft werde ich die Riesenfackel in der Dunkelheit der Welt sein! Ich bin berufen, die ganze Welt zu er leuchten, das Dunkel ihrer geheimen Rätsel zu zerstreuen, die Harmonie zwischen mir und der Welt zu finden und wenn ich das ganze düstere Chaos dieser gequälten Welt beleuchtet habe den ganzen bösen Schmutz von ihr in das Grab der Vergangenheit wegzufegen. Ich bin berufen, die Knoten aller Irrtümer und Fehler zu lösen, die die erschreckten Menschen zu einem blutigen und widerlichen Knäuel von Tieren, die sich gegenseitig auffressen, zusammengeschnürt haben! So schreitet der rastlose Mensch vorwärts! höher! immer vorwärts! und immer höher! Lied eines Sklaven. Von Swatopluk Cech.* Und ob sie dich auch lästern und dich schelten, Du bist, o Freiheit, unsrer Hoffnung Hort; Du wehst wie Feuerhauch durch alle Welten Und lebst in aller Herzen Sehnsucht fort; Dein Festchoral tönt wie von einer hehren, Von einer em'gen Glocke früh und spät; Des Morgens bist du unser erst Begehren, Des Abends bist du unser lett Gebet. Wenn uns das Meer in weite Fernen ladet, Der Sturmwind trozig uns das Haar zerwühlt, Wenn er die Stirne uns, die müde, badet Und ach! ihr allzu heißes Sinnen fühlt, Wenn stolz der Adler sich vor uns erhebet Und schwingenmächtig durch die Bläue steu'rt, Dann ballt sich uns die Faust, die Lippe bebet, Weil dein Gedanke, Freiheit, uns befeu❜rt. D, wie aus einer halbvergeßnen Märe So reizend tönst du her aus ferner Zeit, Als ob dein Tönen nur ein Echo wäre, Das täuschend rauscht von Zeit zu Ewigkeit. Aus„ Lieder eines Gtlaven". Stuttgart, Verlag J. H. W. Diez Neues ste enthält wahre Perlen traftvoller, freiheitssehnsüchtiger Poeste. Ich bin berufen, alles Alte, alles Enge und Schmutzige nachf. Wir empfehlen unseren Leserinnen diese Gedichtſammlung dringend. umzustürzen, zu zerstören und zu zertreten und Nr. 7 ร Und doch! Ein Lügner ist, dem Trug verbindet, Wer sagt, daß Freiheit nur ein Märchen sei; Denn Wahrheit ist's, was die Geschichte fündet: Schon lang ist's her, doch unser Volt war frei. Du bist es, Freiheit, die dem Kind gewesen Ein Lichtgebild mit goldnem Stirnenband, So oft Geschichte ihm der Ahn gelesen; In dir der Jüngling die Geliebte fand Dein hehres Bild, es führte ihn durchs Leben Dich sah er steigen aus der Zeiten Schoß; Für dich das Schwert einst glorreich zu erheben, Das war sein Traum ein Traum, erhaben groß. Dem Mann jedoch, dem unterjochten Manne, Bist du ein lichter Stern ob dunklem Tal, Ein Stern in seinem finstern Sklavenbanne, Sein heimlich Sinnen, seine füße Dual. Wie das gelobte Land sieht er dich winken Aus einem fernen sanften Morgenrot Und ach! ein zweiter Moses, dich versinken, Wenn hoffnungslos das Auge schließt der Tod. Db, Freiheit, deinen Namen, den erlauchten, Die Seichtheit schmähte, allem Edlen taub, Ob schnöder Selbstsucht Jünger ihn mißbrauchten Und fühllos niedertraten in den Staub, Ob dunkler Knechtschaft dunkle Partisane Zum Schlagwort ihres Truges ihn erwählt Und ihn geschrieben auf des Luges Fahne Du bist es doch, auf die die Zukunft zählt. Dich wahren wir im tiefsten Herzensgrunde Wir wissen wohl, wie teuer du uns bist; Daß du uns fehlst, das lehrt uns Stund' um Stunde Die Hand, die plündernd nimmt, was unser ist. Uns, die zermartert wir von tausend Streichen, Vom Dorn gestochen, der so bitter sticht, Uns leuchtet lodernd durch das Herz dein Zeichen In unsrer Seele schallt es: Freiheit, Licht! Mascha. Gedicht in Prosa von Jwan Turgenjeff. Ms ich in Petersburg lebte viele Jahre sind seit dem verflossen, ließ ich mich, so oft ich einen Miets futscher nahm, mit demselben stets in ein Gespräch ein. Namentlich unterhielt ich mich gern mit den Nachts tutschern, armen Bauern aus der Umgegend von Peters burg, welche in der Hoffnung auf einen bescheidenen Ver dienst mit ihren kleinen ockerbestrichenen Schlitten und ihren armseligen Rößlein nach der Hauptstadt kommen. Da fuhr ich wieder einmal mit einem solchen Kutscher... Es war ein Bursch von zwanzig Jahren, hochgewachsen, von kräftigem, stattlichem Aussehen. Er hatte blaue Augen und rote Wangen. In geringelten Büscheln drang das blonde Haar unter der tief in die Stirn herabgezogenen geflickten Müze hervor... Und wie hatte er nur diesen zerriffenen kleinen Kittel auf diese Riesenschultern bekommen! Allein das hübsche, bartlose Gesicht des Kutschers er schien mir finster und traurig. Ich knüpfte ein Gespräch mit ihm an. Auch aus seiner Stimme hörte ich tiefe Traurigkeit heraus. " Was fehlt dir, Freund?" fragte ich.„ Warum bist du so niedergeschlagen? Drückt dich vielleicht irgend ein Leid?" Der Bursch antwortete nicht sogleich." Ja, Herr, ja," erwiderte er endlich. Und zwar ein Leid, wie es nicht schlimmer werden kann. Meine Frau ist gestorben." Und du hattest sie sehr lieb diese deine Frau?" Der Bursch wandte sich nicht nach mir um; er neigte nur ein wenig den Kopf. „ Ja, Herr, ich liebte sie. Acht Monate sind schon ver floffen... aber vergessen kann ich sie nicht. Beständig nagt's mir am Herzen... Und was brauchte sie zu sterben? Sie war so jung, so gesund!... Da an einem einzigen Tage rafft die Cholera sie hin." " Und war sie auch gut?" " Ach, Herr!" entgegnete der Armste mit einem schweren Seufzer, wie herzlich lebten wir miteinander! Und sie ist ohne mich gestorben. Als ich hier erfuhr, sie sei schon beerdigt, eilt' ich sofort nach Hause, in mein Heimatsdorf. Als ich ankam, war schon Mitternacht vorbei. Ich trete in die Hütte, bleibe mitten in der Stube stehen und sage leise: Mascha, he Mascha! Nur das Heimchen zirpt... Da fang' ich an zu weinen, setze mich auf die Erde und schlage mit der Hand auf den Boden... O, du unersätt licher Schoß der Erde!... Du hast sie verschlungen... verschlinge nun auch mich!... Ach, Mascha!" " Mascha!" fügte er plötzlich in gedämpftem Ton hinzu. Und ohne die Zügel aus den Händen zu lassen, wischte er sich mit dem Handschuh die Tränen aus den Augen, schüttelte sie ab, zuckte die Achseln und sprach kein Wort mehr. Als ich aus dem Schlitten stieg, gab ich ihm ein kleines Trinkgeld. Er machte mir eine tiefe Verbeugung, nahm mit beiden Händen die Müze ab und fuhr dann langsam weiter über die gleichmäßige Schneefläche der einsamen Straße, über welcher der graue Nebel des Januarfrostes hing. Verantwortlich für die Redaktion: Fr. Klara Bettin( Bundel), Wilhelmshöhe Post Degerloch bei Stuttgart. Druck und Verlag von Paul Singer in Stuttgart. G 3 N b f b 2 9 b 2 23 It b f a 6 e a n ร 11 S a a 11 S 2 t