�______ � � � �_ .......— 15. Jahrgang vie Gleichheit Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen Die.Gleichheit» erscheint all- vierzehn Tage einmal. Preis der Nummer 1H Pfennig, durch die Post vierteljährlich ohne Bestellgeld öS Pfennig; unter Kreuzband LS Pfennig. IahreS-Abonnement 2,K0 Mark. Stuttgart den 14. Juni 1905 Zuschriften an die Redaktion der»Gleichheit» find zu richten an Frau Klara Zetkin, Wilhelmshöhe. Post Degerloch bei Stuttgart. Die Expeditton befindet stch in Stuttgart, Furtbach-Straße 12. Jnhalts-Verzeichnis. Die Ergebnisse des Gewerkschaftskongresses zu Köln.— Die Einwände. Bon Julian Borchardt.— Zur Lage der Zigaretten- arbeiterinnen in Dresden. Bon Marie Wackwitz.— Aus der Bewegung: Von der Agitation.— Die Frage der Agitation unter den Arbeiterinnen vor dem Gewerkschaftskongreß.— Politische Rundschau. Von L. I..— Genossenschaftliche Rundschau. Von Simon Katzenstein. Notizenteil: Gewerkschaftliche Arbeiterinnenorganisation.— Sozia- listische Frauenbewegung im Ausland.— Frauenbewegung.— Frauenstimmrecht.— Frauen in öffentlichen Ämtern. Feuilleton: Alle. Von Conrad Ferdmand Meyer.(Gedicht.)— Käthes Federhut. Von Ada Christen.(Schluß.) Die Ergebnisse des Gewerkschaftskongresses zu Köln. Die 213 Vertreter der Gewerkschaften, welche in Köln tagten, haben eine reiche Fülle von Arbeit erledigt, welche im allgemeinen sicher die Entwicklung der Gewerkschaftsbewegung fördern wird. Trotzdem zählt in der Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung die Kölner Woche zu jenen Tagungen, die kaum je ungeteilte Anerkennung finden dürsten. Nicht gleich befriedigend wie das, was der Kongreß auf dem Gebiet spezifisch gewerkschaftlicher Fragen geleistet hat, dünkt uns, wie sehr vielen, sein Ergebnis hillsichtlich von Problemen, die über das unmittelbare Aktionsfeld der Organisationen hinausreichen und der allgemeinen Arbeiterbewegung Aufgaben stellen. Die Verhandlungen und Beschlüsse zu den verschiedenartigen Angelegenheiten rein gewerkschaftlicher Natur, die den Kongreß beschäftigten, spiegeln die kraftvolle äußere Entwicklung und die wachsende Klarheit und Reife wieder, mit der sich diese den Ausbau der Organisation angelegen sein lassen, die Erfolge ihrer Betätigung zu sichern streben. Die unvermeidlichen Grenzstreitigkeiten zwischen Gewerkschaften klangen trotz manchem scharfen Worte von hüben und drüben in einer Beschlußfassung aus, die eine ersprießliche Regelung der Materie in die Wege leitet. Mit der Festlegung von Richtlinien für die Streikunterstützung hat der Kongreß ein ebenso nützliches als nötiges Werk getan. Die Schaffung eines allgemeinen Streikfonds lehnte er ab und forderte dafür, daß die Gewerkschaften das eigene Leistungsvermögen durch angemessene Beiträge steigern. Finanzielle Hilfe der gesamten organisierten Arbeiter soll nur ausnahmsweise bei großen Kämpfen gewährt werden. Die Generalkommission ist unter Zustimmung der Gewerkschaftsvorstände in solchen Fällen zur Vornahme einer allgemeinen Sammlung ermächtigt, hat das Mitbestimmungsrecht in der Leitung und allen taktischen Maßnahmen der Bewegungen und entscheidet über die Verteilung der gesammelten Gelder. Bei der Erörterung der Frage wurde die Leitung im letzten großen Bergarbeiterausstand und die Taktik der übertriebenen Neutralität scharf kritisiert. Unseres Erachtens gelang es ihren Verteidigern nicht, die erhobenen Vorwürfe zu entkräften. Der treffliche Bericht Robert Schmidts über das Zentral-Arbeitersekretariat ist geeignet, den Blick der Arbeitermassen für die schweren Mängel der Sozialgesetzgebung und die Dringlichkeit ihrer Ausgestaltung zu schärfen, ihnen aber auch die Wichtigkeit der Mitarbeit der Organisationen bei der Durchführung und dem Ausbau dieser Gesetzgebung klar zum Bewußtsein zu führen. Die Fragen: Beseitigung des Kost- und Logiszwanges, Ausgestaltung des„Correspon- denzblattes", Agitation unter den ausländischen Arbeitern und Heimarbeiterschutz wurden ohne lange Debatten erledigt. Was der Kongreß zu der letzteren Materie beschloß, wird gewiß die Einbringung eines Antrags der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion beschleunigen, welcher die Forderungen des vorjährigen Heimarbeiterschutzkongresses an die Gesetzgebung formuliert. Die Verhandlungen über die Punkte: Genossenschaften und Gewerkschaften und Agitation unter den Arbeiterinnen werden an anderer Stelle gewürdigt. Ob die Gewerkschaften Arbeitskammern oder Arbeiterkammern fordern sollen, darüber gingen die Meinungen auseinander. Umbreit, der eine Referent zu der Frage, befürwortete die paritätisch aus Arbeitern und Unternehmern zusammengesetzten Arbeitskammern. Er erachtete es für nötig, daß eine Behörde geschaffen wird, die durch ihre Beschlüsse regelnd in die Beziehungen zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern eingreift. Der Korreferent dagegen, Huö, trat für Arbeiterkammern ein. Seiner Ansicht nach müssen die Arbeiter und ihre Interessen vor allem eine amtliche Vertretung erhalten, wie sie die Unternehmer bereits in den Handels-, Gewerbe- und Landwirtschaftskammern besitzen. Diese Ver- tretung würde in der Hauptsache eine begutachtende Behörde sein, neben der das Arbeitsamt zu funktionieren hätte. Der Kongreß entschied sich für Arbeiterkammern und stellte sich damit in Gegensatz zu der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion, die Arbeitskammern fordert. Ein Konflikt zwischen Partei und Gewerkschaften aus Anlaß dieser Entscheidung ist jedoch ausgeschlossen. Die strittige Frage ist eine reine Zweckmäßigkeitsfrage, über welche auch in der Sozialdemokratie die Meinungen auseinandergehen. In Württemberg und Hamburg zum Beispiel fordern die Vertreter der Partei Arbeiterkammern. Eine weit größere Bedeutung kommt dem Ergebnis des Kongresses zu den Punkten General- beziehungsweise Massenstreik und Maifeier zu. In ihnen hat er sich bedauerlicherweise nicht auf der Höhe seiner Aufgabe gezeigt, sondern bekundet, daß die Vertiefung der Gewerkschaftsbewegung ihrer erfreulichen Ausdehnung und Erstarkung noch nicht nachgekommen ist. Was den Generalstreik anbelangt, so nahm der Kongreß mit allen gegen 30 Stimmen eine Resolution an, die dem Referat Bömelburgs entsprechend in ihrem wichtigsten Passus besagt:„Die Taktik für etiva notwendige Kämpfe solcher Art(zur Erzwingung von Reformen oder zur Abwehr von Attentaten gegen Volksrechte) hat sich nach den jeweiligen Verhältnissen zu richten. Der Kongreß hält daher auch alle Versuche, durch die Propagierung des politischen Massenstreiks eine bestimmte Taktik festlegen zu wollen, für verwerflich; er empfiehlt der organisierten Arbeiterschaft, solchen Versuchen energisch entgegenzutreten." In seinem Schlußwort erklärte der Referent, die Resolution solle sich nicht in Gegensatz zu dem einschlägigen Beschluß des Amsterdamer internationalen Sozialisten- kongresscs stellen. Diese Erklärung ist gewiß gut, und wir wollen angesichts ihrer nicht prüfen, ob sich nicht dennoch aus der Fassung des Kölner Beschlusses ein solcher Widerspruch mühelos herauslesen läßt, ja sich geradezu aufdrängt. Bedeutsamer ist, daß das Referat selbst den Geist schroffen Gegensatzes zu der Amsterdamer Resolution atmete, und daß dieser Geist durch die Haltung der übergroßen Mehrzahl der Delegierten recht kräftig hervorgehoben wurde. Allerdings blieb eine energische Opposition dagegen nicht aus, die in den trefflichen Reden Timms, Kloths und ganz besonders v. Elms gipfelte. Allein ihr Hinweis auf die Möglichkeit, ja immer größere Wahrscheinlichkeit von Situationen, die zum Massenstreik drängen, auf die Notwendigkeit, über seine Bedingungen Klarheit zu erlangen: hat sicherlich aus die Arbeitermassen außerhalb des Kongresses überzeugender gewirkt als auf die Delegierten. Freilich, auch das muß betont werden: die Gedankengänge des Referats waren in sich selbst und untereinander voller Widersprüche, die durch das Schlußwort noch verschärft worden sind. Bömelburg drang nicht tief in die aufgerollte Streitfrage ein und schob alles beiseite, was aus geschichtlichen Erfahrungen und theoretischen Untersuchungen über das Wesen des politischen Massenstreiks und seine Durchführung erhellt. Er hielt nicht die Unterschiede fest zwischen den verschiedenen Arten von General- oder Massenstreiks; erfolgreiche politische Massenstreiks schienen ihm unbekannt; die Klärung der vorliegenden Probleme erachtete er offenbar als gleichbedeutend mit der Aufforderung zu kindlicher, gefährlicher Spielerei, als gleichbedeutend mit der Vernachlässigung jeder stetigen, ruhigen Kleinarbeit zur Aufklärung und Organisierung der Massen. Das freche Treiben der Reaktion legt die Frage nahe: was tun,! welche Waffen anwenden im proletarischen Freiheitskampf, wenn die Volksrechte zertrümmert werden? Bömelburg antwortet daraus zuversichtlich, daß das Proletariat auch ohne Wahlrecht und Koalitionsrecht noch lange nicht am Ende seines Lateins sei. Er, der erklärte Pessimist betreffs der Urteilsfähigkeit der Arbeiter, wenn es sich um die bloße Erörterung des Massenstreiks handelt, ist mit unerschütterlichem Optimismus überzeugt, daß sie ohne klärende Diskussion in entscheidungsschwerer Stunde wissen werden, was tun, und wie tun. Seine Ausführungen pendelten alles in allem zwischen Widersprüchen und Selbstverständlichkeiten hin und her. Wir sprechen das offen aus, unbeschadet der hohen persönlichen Achtung und Sympathie, die wir für Bömelburg als einen der besten Vorkämpfer des Proletariats hegen. Gewiß: keine noch so haltlosen Gedankengänge und ungeschickt gefaßten Beschlüsse vermögen den Gang- der Geschichte zu ändern. Momente der historischen Entwicklung, die unter bestimmten Bedingungen mit Natur- wendigkeit aus dem Klassenkampf zwischen Proletariat und Bourgeoisie hervorwachsen, lassen sich nicht nach Einsicht und Belieben ausschalten. So wenig wie der politische Massenstreik in der Retorte eines Kongreß- befchlusses fabriziert werden kann, so wenig läßt er sich verbieten. Jedoch übersehen wir nicht, daß die mehr oder minder verständnisvolle Stellungnahme der Arbeiterorganisationen von beträchtlichem Einfluß auf den Grad der Einsicht, Disziplin, Opferfteudigkeit, kurz der Reise ist, mit welchem das Proletariat in die ihm aufgezwungenen Kämpfe eintritt. So unverantwortlich es wäre, bei jedem Anlaß mit dem Massenstreik zu drohen und ihn im Westentaschenformat inszenieren zu wollen, so verhängnisvoll müßte es wirken, die Proletarier im unklaren darüber zu lassen, daß unter Umständen trotz aller Gefahren und Opfer der Maffenausstand das einzige und äußerste Kampfesmittel sein kann, ja sein muß. Die schamlosen Attentate gegen das Wahlrecht in Hamburg und Lübeck reden eine noch eindringlichere Sprache als die unzweideutigen Drohungen der Manteuffel, Mirbach und anderer Möchtegern-Wahlrechtsräuber. Bereit sein, gerüstet sein, ist alles. Zur Frage der Maifeier drehte sich der Kampf der Meinungen um die Arbeitsruhe am 1. Mai. Robert Schmidt wendete sich inseinem Referat mit großem Nachdruck gegen sie, ihr erstanden jedoch in Glocke, Timm. Bock, Beyer und anderen eifrige und beredte Verteidiger. Heiß prallten die Gegensätze auseinander, und es fiel manche Äußerung, die des erprobten Gewerkschaftsund Parteiführers Bock Ausruf rechtfertigte: das Gefühl der Zusammengehörigkeit zwischen gewerkschaftlicher und politischer Bewegung scheine bei einzelnen Delegierten nicht mehr vorhanden zu sein. Drei Resolutionen standen einander gegenüber. Die des Referenten, der zufolge die Gewerkschaften erklärten, im Prinzip die Feier des 1. Mai durch Arbeitsruhe zu verwerfen, aber an der bisherigen Form der Maifeier nichts zu ändern, solange der Beschluß des letzten internationalen Kongresses zu Recht bestehe. Des weiteren eine Resolution Glocke, die im Sinne der Parteitagsbeschlüsse gehalten war, und eine solche von Bock, dahingehend, die Generalkommisston möge sich mit dem Parteivorstand in Verbindung setzen, um dem nächsten Parteitag in der Angelegenheit gemeinsame Vorschläge zu unterbreiten. Zur allgemeinen Überraschung wurden sämtliche Resolutionen zurückgezogen. Wir bedauern, daß nicht durch namentliche Abstimmung eine Klärung und Entscheidung der Frage herbeigeführt worden ist. Sie wäre dienlicher gewesen als dieses Jn- der-Schwebe-bleiben, das den unerquicklichen Eindruck der Debatten verstärkt und lebendiger erhält, als ein bestimmter Beschluß. Über den„Ton" der Kölner Debatten mögen sich Zeremonienmeister und Anstandstanten die Haare ausraufen. Was uns schmerzlich berührt, ist die Tatsache, daß der Geist mancher Ausführungen wie die Faust aufs Auge zu dem tiefsten Gehalt der allgemeinen sozialistischen Arbeiterbewegung paßte. Er verriet einen auffallenden Mangel der geschichtlichen Einsicht, aus welcher der proletarische Klassenkampf— der gewerkschaftliche 68 Die Gleichheit Nr. 12 9 wie der politische— Kraft, Richtung und Einheitlichkeit gewinnt. Er ließ ein Abflauen des Idealismus in Erscheinung treten, der im Bunde mit jener Einsicht die höchsten Kampfestugenden des Proletariers zur Entfaltung bringt. Noch sind das Schwinden des theoretischen Sinnes und das Nachlassen des Idealismus— die vor neuen Kampfesmitteln und schweren Kämpfen zurückschrecken lassen— nur sich vordrängende, aber nicht herrschende Tendenzen. Sie erklären sich durch das Einströmen großer, zum Teil noch rückständiger Massen in die Gewerkschaften; durch deren Aufgabe, auf dem Boden der kapitalistischen Ordnung die wirtschaftliche Hebung des Proletariats und innerhalb seiner einzelner Berufsgruppen zu erringen; durch die schier erdrückende Summe der Klein- und Älltagsarbeit, die mit der Lösung dieser Aufgabe verknüpft ist. Sie werden begreiflich durch die Blüte der Gewerkschaften und die entsprechend gestiegenen Verpflichtungen und Verantwortlichkeiten; durch den bedrohlichen Aufmarsch der Scharfmacher auf wirtschaftlichem und politischem Gebiet; durch die sich ausdrängende Erkenntnis von der Unzulänglichkeit der alten Kampfesmittel angesichts bestimmter Erscheinungen; durch den gerechtfertigten Wunsch, nicht verlieren zu wollen, was in mühseliger, opferreicher Arbeit langer Jahre geschaffen und aufgebaut worden ist. Jedoch so verständlich, so bekämpfenswert sind diese Tendenzen. Sie würden schließlich daraufhinauslaufen, im wirffchaftlichen Kampfe um des Lebens willen die Quellen des Lebens selbst zu verschütten. Denn von den Gewerkschaften gilt wie von der Taufe:„Wasser allein tut's freilich nicht, sondern der Geist Gottes, der mit und bei dem Wasser ist." Mit anderen Worten: die Organisation allein tut es nicht, es muß in ihr der klassenbewußte, revolutionäre proletarische Kampfesgeist lebendig sein. Diese Tendenzen würden auch dem mehr als je nötigen Zusammenwirken von Gewerkschaften und Partei, der inneren Einheit der Arbeiterbewegung verderblicher werden als das und jenes scharfe, leidenschaftliche Wort, das in Köln gefallen ist. Sicherlich: die geschichtliche Entwicklung wird in der deutschen Arbeiterbewegung die hervorgehobenen Tendenzen nicht die Oberhand gewinnen lassen, wird gewerkschaftlichen und politischen Klassenkampf mit ehernen Klammern zusammenhalten. Die Versicherungen über die innere Einheit der Sozialdemokratie und der Gewerkschaftsbewegung, die den Kölner Kongreß einleiteten und schloffen, entsprachen nicht bloß den ehrlichen Überzeugungen und Wünschen bewährter Führer, sie waren der Ausdruck historischer Wirklichkeit. Aber vertrauen wir nicht fatalistisch ausschließlich auf die geschichtliche Entwicklung, vergessen wir nicht, daß Wissen und Wollen der Menschen ihrerseits zu Trägern derselben werden. Wirken wir innerhalb der gesamten Arbeiterbewegung — der gewerkschaftlichen wie der politischen— an der Pflege der theoretischen Schulung und der idealistischen Gesinnung. Mehr noch als der Dummheit und den Verbrechen seiner Todfeinde muß das Proletariat seine Erfolge seiner klaren Erkenntnis und seinen Kampfestugenden danken. Die Einwände. Gegen die Lehre vom Wert, die wir in den voraufgegangenen Plaudereien(zuletzt in Nr. 8 der„Gleichheit") dargelegt haben, ist der wichtige Einwand erhoben worden, daß es außer der Arbeit noch etwas anderes Gleichartiges in allen Waren gäbe, nämlich ihre Nützlichkeit, ihren Gebrauchswert. Man könne also mit demselben Rechte sagen, nicht die Arbeit, sondern die Nützlichkeit einer Ware bestimme, wie viel sie wert sei. In der Tat ist eine der unseligen vollständig entgegengesetzte Lehre auf diesem Grundsatz aufgebaut. Sie behauptet, der Wert einer Ware sei um so größer, je nützlicher sie sei. Eine Ansicht, welche durch die Praxis des täglichen Lebens unterstützt zu werden scheint. Je nötiger man eine Ware braucht, desto mehr ist man geneigt, dafür zu zahlen. Der Tauschwert einer Ware scheint davon abzuhängen, wieviel der Käufer bewilligt. Seine Neigung zu bewilligen, wächst aber offenbar mit der Nützlichkeit der Ware, überdies haben wir selbst bereits festgestellt, daß es ohne Gebrauchswert keinen Tauschwert geben kann. Es scheint also, daß der Gebrauchswert doch einen entscheidenden Einfluß ausübt auf die Höhe des Tauschwertes. Indessen haben wir auch bereits nachgewiesen, daß es verkehrt ist, von größerem oder geringerem Gebrauchswert zu reden. Es gibt nicht mehr oder weniger, sondern nur verschiedenen, anders gearteten Gebrauchswert. Im übrigen vergleiche man einmal unter diesem Gesichtspunkt Lebensmittel, Möbel und Diamanten. Wenn man schon von größerem oder geringerem Gebrauchswert reden will, so haben den meisten Gebrauchswert offenbar diejenigen Waren, die uns am nötigsten sind. Also unter den drei genannten Warengattungen die Lebensmittel. Ohne sie können wir nicht leben. Ihr Gebrauchswert ist von den dreien der größte. Aber ihr Tauschwert? Sie sind weit billiger als Möbel. Die Möbel wiederum brauchen wir weit nötiger als Diamanten. Und doch sind sie weit billiger. Die Diamanten endlich können wir überhaupt entbehren. Sie haben entschieden den allergeringsten Gebrauchswert, und doch sind sie ebenso entschieden am allerteuersten.— Endlich aber: wie soll denn der Gebrauchswert die Höhe des Tauschwertes bestimmen, da doch ein und dieselbe Ware für vev schiedene Menschen ganz verschiedenen Gebrauchswert haben kann? Die Sache klärt sich leicht, wenn man sich ins Gedächtnis zurückruft, daß der Gebrauchswert selbst ja ebenfalls von der Arbeit herrührt. Man erinnere sich: jede einzelne Ware hat ihren bestimmten Gebrauchswert daher, daß gerade diese bestimmte Art Arbeit zu ihrer Herstellung verwandt worden ist. Wer da sagt, in allen Waren steckt Gebrauchswert, sagt also im Grunde auch nichts anderes, als daß in allen Waren Arbeit steckt. Er begeht nur den. Fehler, den Gebrauchswert messen zu wollen; er vergißt, daß der Ge brauchswert eine Qualität ist. Qualitäten kann man nicht messen. Was man messen muß, ist die Arbeit selbst. Die Sache kommt darauf hinaus, daß der Gebrauchswert einer Ware die Qualität der Arbeit bedeutet, die zu ihrer Herstellung nötig war, und der Tauschwert die Quantität. In der Werkstatt liegt ein Bündel Bretter. Der Tischler fertigt einen Stuhl daraus. Weil er gerade diese Art Arbeit anwendet, bekommt das Holz gerade diesen Gebrauchswert als Stuhl; weil er eine bestimmte Menge Arbeit anwenden muß, bekommt der Stuhl seinen Tauschwert. Gerade so viel Wert wird dem Holz zugefügt, wie der Tischler Arbeit zufügt. Damit erklärt sich auch der enge Zusammenhang zwischen Gebrauchswert und Tauschwert. Beide sind ja nur die zwei Seiten eines und desselben Dinges, nämlich des Wertes. Hat ein Gegenstand keinen Gebrauchswert, so bedeutet das: von den vielen verschiedenen Sorten Wert, die es gibt, hat er keine einzige; er hat keinen Wert. Folglich kann er auch keinen Tauschwert haben, der ja nur ein bestimmtes Quantum Wert bedeutet. Umgekehrt, wenn ein Gegenstand Gebrauchs wert hat, so hat er Wert und muß natürlich auch ein bestimmtes Quantum davon haben. Aber dieses Quantum wird nicht in jedem Fall angegeben, die Menschen interessieren sich nicht immer dafür. Der Tauschwert ist aber bekanntlich der Ausdruck für ein bestimmtes Quantum Wert. Er wird nur dann gebraucht, wenn die Menschen wissen wollen, wie groß dieses Quantum ist. So kommt es, daß Gegenstände, die Gebrauchswert haben, nicht immer auch Tauschwert haben.* »» « Wert ist Arbeit und Arbeit ist Wert.— Einen anderen Einwand mag mancher gegen diesen Satz erheben. Es gibt Gegenstände, die Wert haben, obgleich keinerlei Arbeit auf sie verwandt worden ist. Zum Beispiel der Grund und Boden. Hiervon reden wir später. Umgekehrt jedoch gibt es auch Gegenstände, und sogar sehr zahlreiche, auf welche viel Arbeit verwandt worden ist, und die doch keinen Wert haben. Der Bau eines Kartenhauses kann viel Kunst und Arbeit erfordern und doch hat es keinen Wert. Ein ungeschickter Schneider mag an einem Rock doppelt solange arbeiten wie ein geschickter, ohne daß darum der Rock höheren Wert hat. Es kann also doch nicht richtig sein, daß die Worte Arbeit und Wert ganz genau dasselbe bedeuten. In der Tat, dem ist auch nicht so. Sonst wäre es ja nicht nötig, zwei Ausdrücke zu haben. In der Tat ist nicht jede Arbeit Wert, sondern nur solche, welche zuanderer Arbeit in Beziehung tritt. Was das bedeutet, wollen wir alsbald sehen. Wo kein Austausch existiert— also zum Beispiel in jenen vergangenen Zeiten, von denen schon wiederholt die Rede war—, brauchte man bekanntlich das Wort Wert nur im Sinne von Gebrauchswert; nur von der Qualität, nicht von der Quantität der Arbeit sprach man. Natürlich wird die Quantität der Arbeit den Leuten damals auch nicht gleichgültig gewesen sein. Gewiß wird es ihnen bei der Anfertigung ihrer eigenen Gebrauchsgegenstände von großer Wichtigkeit gewesen sein, wieviel Arbeit sie für jeden einzelnen aufwenden mußten. Aber das war nur ein individuelles" Interesse. Ein anderer kümmerte sich nicht darum. Man verglich nicht die Menge der Arbeit des einen mit der Menge der Arbeit des anderen; man setzte die Arbeiten verschiedener Personen nicht miteinander in Beziehung. Das tat man erst, nachdem der Austausch zur Rege» geworden. Erst da gewann die Arbeitsmenge, die in jedem Produkt steckt, eine mehr als individuelle, nämlich eine soziale Bedeutung, das * Es wird dem aufmerksamen Leser nicht entgehen, oaß das, was hier von Gebrauchswert gesagt wird, nicht auf alle Gegenstände, die verkauft werden, paßt, nämlich nicht auf die ursprünglichen Rohstoffe. Kohlen, die noch in der Erde Schoß ruhen, haben noch keine menschliche Arbeit in sich und haben doch zweifellos Gebrauchswert. Ebenso Eisen usw. In der Tat, die ursprünglichen Rohstoffe haben ihren Gebrauchswert nicht von irgendeiner Arbeit, sondern von der Natur. Aber dieser natürliche Gebrauchswert wirkt bei der volkswirtschaftlichen Werlbildung nicht mit. Ihn haben alle Gegenstände unterschiedslos, denn aus allen ließe sich vielleicht etwas machen. In der Volkswirtschast zählt aber nur derjenige Wert, der der Arbeit sein Dasein verdankt. Nicht daß die Dinge gebraucht werden können(und nur diese Möglichkeit haben sie von Natur), gibt ihnen Wert, sondern daß sie wirklich gebraucht werden.— Die folgende Bemerkung wird zwar an dieser Stelle kaum schon verstanden werden, muß aber doch bereits hier gemacht werden: Tauschwert haben die ursprünglichen Rohstoffe nicht. Was für sie gezahlt wird(zum Beispiel für ein noch nicht in Angriff genommene» Kohlenlager), ist nicht ihr eigener Tauschwert, sondern vorweggenommen kapitalisierte Grundrente. Was das bedeutet, wird später klar werdm. ** Individuum bedeutet ein einzelne» Wesen; davon abgeleitet individuell gleich was nur das Einzelwesen betrifft. DaS Gegenteil ist sozial gleich gesellschaftlich. heißt eine Bedeutung auch für andere Leute außer dem Ver fertiger selbst. Und erst da wandte man darauf den Aus druck Wert an. Also nur in einer Gesellschaft, die austauscht, nur in einer Gesellschaft, die Waren produziert, wird die Arbeit Wert genannt; und auch da nicht jede Arbeit, sondern nur solche, die mit der Arbeit anderer in Beziehung tritt. Da gibt es nun Arbeiten, die gar nicht imstande sind, mit anderer Leute Arbeit in Beziehung zu treten. Nämlich die unnützen Arbeiten und diejenigen, die das Maß des Not wendigen überschreiten. Diese sind nicht Wert. Die Arbeit, die in einem Kartenhaus steckt, kann niemals im Vergleich mit anderer Leute Arbeit zählen; ebensowenig die Arbeit, die ein ungeschickter Schneider zur Herstellung eines Rockes zu viel verbraucht. Es gibt also Arbeiten, die nicht Wert sind. Es gibt aber keinen Wert, der nicht Arbeit wäre. Jeder Wert ist Arbeit. Aber nur diejenige Arbeit ist Wert, die zu anderer Arbeit in gesellschaftliche Beziehung tritt. Marx nennt das: die„gesellschaftlich notwendige" Arbeit. Julian Borchardt. Zur Lage der Zigarettenarbeiterinnen in Dresden. In Dresden hat die Profitwut im Bunde mit dem Herrschaftsdünkel der organisierten Unternehmer die Arbeiterinnen von 2S Betrieben der Zigarettenfabrikation in einen Ausstand gehetzt. Die Arbeiterinnen wollen durch denselben nicht bloß eine Verbesserung ihrer äußerst traurigen Arbeitsbedingungen erringen, sie müssen durch ihn ihr Koalitionsrecht schützen, das ihnen entrissen werden soll. In den folgenden Ausführungen wollen wir zeigen, daß nicht„Verhetzung", nicht„purer Übermut" die Arbeiterinnen in eine Lohnbewegung getrieben hat, sondern das zwingende Bedürfnis, nach einer besseren Gestaltung ihrer Existenz zu streben. Die in Dresden von Ausländern(Griechen) eingeführte Zigarettenfabrikation hat sich so rasch entwickelt, wie kaum eine andere Industrie. Ausschlaggebend dafür war vor allem die Einführung der Maschinenarbeit. Je mehr neben die geschüttete Zigarette die Maschinenzigarette trat, um so schneller verdrängte die Zigarette die Pfeife, die früher zur Dresdener Gemütlichkeit gehörte. Die ersten Maschinen lieferten pro Tag 3V 000 Zigaretten, eine für die Zeit kaum glaubliche Zahl, die sich jedoch heute dank weiterer technischer Fortschritte verdoppelt und verdreifacht hat. Die Maschinen waren anfangs so teuer, daß nur größere Kapitalisten sie sich anschaffen konnten. Die kleineren Fabrikanten suchten den Vorteil wettzumachen durch ausgiebigste Verwendung der schlecht entlohnten Heimarbeit, die die Kräfte der Arbeitenden bis zur äußersten Grenze der Leistungsmöglichkeit anspannt. Deshalb trat auch die Heimarbeit in der Form von Hülsenkleben usw. nach Feierabend zu Hause bald neben die Fabrikarbeit. Und zwar ist es ganz besonders Frauenarbeit, die in Fabrik und Heim in der rücksichtslosesten Weise ausgebeutet wird. Die Entlohnung der Zigarettenarbetterinnen ist nicht dem Aufblühen der Industrie entsprechend gesttegen, umgekehrt, sie ist gesunken. Das wurde bereits 1903 einwandsfrei nachgewiesen, und das ist nicht anders geworden. Für flache dünne Zigaretten wurden früher pro Mille 3,50 bis 4 Mk. bezahlt, heute gibt es dafür nur noch 2, SO bis 3 Mk. Die Durchschnittslöhne bettagen für das Tausend 1,80 bis 2,S0Mk., nur wenige bessere Hand- und Gürtelarbeiter verdienen darüber hinaus. Der Arbeitslohn für runde Zigaretten ohne Mundstück geht in sieben Abstufungen von 1,70 bis 2,S0 Mk., für solche mit Mundstück in sechs Abstufungen von 2 bis 3 Mk- pro Mille. Das Herstellen von flachen Zigaretten ohne Mundstück wird in fünf Abstufungen von 2 bis 2,50 Mk. gelohnt. Bei Handarbeit beträgt der Verdienst 1,80, 2, 2,S0, 3 bis 4,50 Mk. Der letztgenannte Satz wird aber nur für ägyptische Gürtelarbeit gezahlt, die ausschließlich von Griechen hergestellt wird. Eine sehr lehrreiche Statistik stellt fest, daß in anderen Städten bessere Löhne gezahlt werden. In Frankfurt zum Beispiel beträgt die Entlohnung der Maschinenarbeit von 3 bis 4 Mk., der flachen Handarbeit von 4 bis 4,50 Mk. Für runde und flache Handarbeit wird in Kirchenlangern von 6 bis zu 7 Mk. gezahlt. Die Löhne gehen in Hannover-Linden von 2,50 bis 3,50 Mk.. in Berlin von 2,50 bis 4,50 Mk. IM Durchschnitt sind in Dresden die Löhne der Zigarettenindustrie um eine Mark niedriger als in anderen Städten. Die Unternehmer an dem Elbestrand säckeln also einen recht fetten Extraprofit ein, der vor allem aus Frauenfleiß und Frauenmühsal herausgewirtschaftet wird. Tausende und aber Tausende Arbeiterinnen sronden dem Kapital in der DresdenerZigaretten- industrie. Ein Herr Walter Dieke hat in dem Organ der vereinigten Tabakfabrikanten die kühne Behauptung gewagt, daß die Dresdener Zigarettenarbeiterinnen von 10 bis 30 Mk- pro Woche verdienten. Das ist genau so wahr, wie daß die Erde viereckig ist. Nur ganz tüchtige Arbeiterinnen können in der Woche fünf, sechs oder in seltenen Fällen sogar sieben Mille Zigaretten schaffen. Das ergibt nach den ermittelten Durchschnittslöhnen einen wöchentlichen Verdienst von 9 bis 12,50 Mk., 10,80 bis 15 Mk. und ausnahmsweise von 12,60 bis 17,50 Mk. Viele Arbeiterinnen aber verdienen unter den Durchschnittslöhnen, bleiben also mit ihrer Wocheneinnahme hinter 9 Mk. und recht weit hinter den 30 Mk. des Herr» Dieke zurück. Es muß in Betracht gezogen werden, daß das Material oft schwerer zu verarbeiten ist als früher. Aber noch eins hat sich gegen früher verschlechtert. Das ist die Arbeitsdauer. Die Arbeiterinnen, die mehr als Nr. 12 Die Gleichheit 69 H. G. H. K. Bettelpfennige verdienen wollen, müssen 12 bis 16 Stunden gewerkschaftlichen Organisation zuführen sollte. Verſamm-| machen die gewerkschaftliche Organisierung der Konfektionsschaffen oder richtiger schuften, denn die Hatz, in der sie lungen fanden statt in Chemniz, Hainichen, Wolken- arbeiterinnen der Herforder Gegend recht nötig. Dies wurde darauf los arbeiten, ist tein Schaffen mehr. In den Fabrik- burg, Glauchau, Limbach, Rußdorf, Hartmannsdorf, auch erkannt, so daß der Schneider- und Schneiderinnenbetrieben beträgt zwar der Arbeitstag nur neun Stunden. Burgstädt, Mühlau, Stollberg, Meerane, Leipzig verband hier Mitglieder gewann. Aber dieser Arbeitstag wird durch Mitgeben von Arbeit( drei Versammlungen), Eilenburg, Mittweida, Witt- Eine Reihe von gewerkschaftlichen und politischen nach Hause um Stunden verlängert. Besonders das Hülsen- gensdorf, Seiznig, Thum, Auerbach, Kirchberg, Versammlungen hielt Genossin Kiesel in letzter Zeit ab. fleben ist als Nachfeierabendarbeit im Schwange. Um 1000 Mylau, Netzschkau, Reichenbach, Crimmitschau, Für den Textilarbeiterverband agitierte sie in CrimmiHülsen zu fleben, braucht eine Arbeiterin anderthalb Stunden. Werdau, Burkhardtsdorf, Schneeberg, Tschorlau, tschau und Zwickau( Sachsen), in Liegniß, Friedland Soll die Arbeit einigermaßen etwas einbringen, so wird sie Eibenstock, Gößniß, Plauen, Callnberg, Lichtenstein, und Freiburg( Schlesien). In Kolberg an der Ostsee bis tief in die Nacht hinein ausgedehnt, so müssen über ihr Olsnig, Falkenstein, Adorf und Pausa. Das Vortrags- wendete sich ihre Versammlung an die Tabatarbeiteralle Rücksichten auf die Gesundheit und die Pflichten der thema lautete:„ Der Kampf um das Recht der Menschenwürde." schaft. Der politischen Aufklärung waren die VersammMutter und Gattin geopfert werden. Wie die eigentlichen Die Versammlungen waren gut, viele von ihnen sogar glänzend lungen in Falkenstein, Reichenbach i. V., Berga an der Heimarbeiterinnen der Zigarettenindustrie, so sind auch die besucht; in Stollberg zum Beispiel waren etwa 1200 Personen Elster, Mügeln, 3schachwiz, Pirna und Glashütte Fabritarbeiterinnen Lohnsklavinnen in der vollen harten Be- anwesend, und Hunderte mußten umkehren, weil der Saal gewidmet. Der Besuch der Versammlungen war ein ziem deutung des Wortes. polizeilich abgesperrt war. Grfreulicherweise stellten fast überall lich guter, in Crimmitschau wurde das Lokal wegen überAls schlimmer übelstand wird von den Arbeiterinnen weiter die Arbeiterinnen ein gutes Teil der Zuhörerschaft. An mehreren füllung polizeilich abgesperrt. überall wurden den Gewerkdie Lehrlingszüchterei empfunden, die ganz bedeutend auf Orten wurde versucht, die Agitation zu vereiteln. So ließ schaften und der Sozialdemokratie neue Mitstreiterinnen gedie Entlohnung wie die übrigen Arbeitsbedingungen drückt. in Mühlau der Gemeindediener die Nachricht verbreiten, wonnen, in Mügeln erfolgte die Wahl einer weiblichen Ohne jede Entlohnung müssen die Lehrmädchen 1000 bis die Versammlung sei verboten worden; diese war jedoch trotz Vertrauensperson. Am 1. Mai sprach Genossin Kiesel 10000 Zigaretten herstellen beziehungsweise 3 bis 6 Wochen dem gut besucht. In Lausigt hatte man durch Saal in Gransee und Neu- Ruppin, zur Schillerfeier in schaffen. Bis sie als perfekte Arbeiterinnen anerkannt werden, abtreiberei die Versammlung zu Wasser gemacht. Trotz des Behdnick. erhalten sie nur die Hälfte des Lohnes, der in einem Betrieb streng gewerkschaftlichen Charakters der Versammlungen Am 14. Mai hielt in Crufsau b. Neusalz a. D. Genossin üblich ist. Kontraktlich sind sie verpflichtet, zwei Jahre in wurden fast überall die Minderjährigen aus den Versamm- Kähler eine prächtig besuchte Versammlung für Arbeiter dem Lehrgeschäft zu arbeiten. Der Fabrikant alias Lehrherr lungen ausgewiesen, im Falle ihres Verbleibens wurde die und Arbeiterinnen ab. In Neusalz selbst glauben die Saalfann vor Ablauf dieser Frist das Verhältnis lösen, da der Auflösung angedroht. In Tschorlau hatte sich der über- inhaber, daß durch Verweigerung ihrer Lokale die moderne betreffende Paragraph des Vertrags dehnbar ist; das Lehr- wachende am Eingang des Versammlungslokals postiert, da- Arbeiterbewegung unterdrückt werden könne. Charakteristisch mädchen muß dagegen ohne Gnade bis zu Ende aushalten, mit kein„ Unberufener" hineinkomme, und verweigerte sogar ist, daß die Hirsch- Dunckerianer die Lokalbesitzer dahinauch wenn es noch so viel Grund zur höchsten Unzufrieden- einer 24jährigen Arbeiterin als einer Minderjährigen den gehend zu beeinflussen suchen, daß die freien Gewerkschaften heit, zum Verlassen des Betriebs hat. Fürsorglich bekommen Eintritt. Daß die Referentin als Frau statt als Fräulein feine bleibende Stätte erhalten. Die zirka 800 Teilnehmer die meisten Lehrmädchen ihren Lehrkontrakt nicht in die bezeichnet worden war, sollte ein Grund sein, die Versamm- der Versammlung lauschten mit gespannter Aufmerksamkeit Hände. Offenbar sollen sie vor der Gefahr bewahrt bleiben, lung überhaupt nicht stattfinden zu lassen, doch wurde dieser den Ausführungen der Referentin, die das zeitgemäße Thema ihn zu studieren und über die Ausbeutung nachzudenken, welcher glorreiche Grund zurückgeschlagen. In Crimmitschau behandelte:„ Karger Lohn und teures Brot". Es sind am er sie überliefert. Da die Lehrlingszüchterei recht einträglich mußte das Referat von einer Pause unterbrochen werden, Drte gegen 4000 organisationsfähige Personen vorhanden, ist, wird sie von den Unternehmern der Zigarettenindustrie damit der überwachende kontrollieren konnte, ob alle Minder- die betreffenden Gewerkschaften werden gut tun, hier mit im großen Maßstab betrieben. Besonders zeichnet sich die jährigen seiner Aufforderung zum Verlassen des Lokals Folge Volldampf zu arbeiten. Fabrik Werner Mexander Müller darin aus, die übrigens geleistet hatten. Wie wir bereits früher meldeten, wurde in Aus einer schwarzen Ecke. Unter dieser Spitmarke auch ihrer schlechten Löhne wegen angenagelt zu werden Wolkenburg der Referentin das Wort entzogen und die veröffentlichte die" Gleichheit" vergangenes Jahr einen Beverdient. Versammlung aufgelöst. Unter den beliebten Kniffen und richt über eine Versammlung in Düren. Die Westdeutsche Der Verband der Tabatarbeiter und Arbeiterinnen hat Pfiffen, mit denen sächsische Behörden, natürlich ,, von Rechts Arbeiterzeitung", das Organ der katholischen Arbeitervereine, sich um die Dresdener Zigarettenarbeiterinnen wohl verdient megen", die Aufklärung der Ausgebeuteten zu hindern spie Gift und Galle gegen ihn, und in einer christlichen Vergemacht, indem er sie durch eine aufklärende Agitation zur suchen, verdient die Ausweisung der Minderjährigen aus sammlung wurden die angeblich„ verlogenen" Ausführungen Erkenntnis ihrer Interessen brachte und sich ihrer durch Aus den Gewerkschaftsversammlungen einen besonderen Ehren- der„ Gleichheit" scharf kritisiert, selbstverständlich ohne daß arbeitung eines Lohntarifs annahm. Dieser soll nicht nur zettel. Gerade die sächsische Textilindustrie beutet eine sehr der betreffende Redner, ein Herr Zimmermann, das Blatt den Ausgebeuteten eine etwas menschenwürdigere Gristenz große Zahl junger Mädchen aufs schamloseste aus. Die ge- gelesen hatte. Wir hielten den Raum der„ Gleichheit“ zu sichern, sondern auch der Schmutzkonkurrenz entgegenarbeiten, werkschaftliche Organisation ist für sie unentbehrlich, damit schade, um uns mit dem Pack herumzuschlagen, dessen einwegen der die Dresdener Zigarettenindustrie geradezu be sie ihr Brot, ihre Gesundheit, recht oft auch ihre Sittlichkeit ziger Erfolg war, daß wir noch eine Abonnentin gewannen. rüchtigt ist. Mit Recht haben die Zigarettenarbeiterinnen verteidigen können. Durch die behördliche Praxis aber wird Im Februar sprach Genoffin Plum in Düren über den die gewerkschaftliche Organisation zu ihrem Sachwalter ge- ihnen das Koalitionsrecht geraubt, der gewerkschaftliche Zu Bergarbeiterstreit". Wir bohrten weiter, so daß wir am macht. Darob Räuber und Mörder im Lager der Fabri- sammenschluß unmöglich gemacht. Wie verderblich das ist, 1. Juni vier Leserinnen der„ Gleichheit" hatten. Nun sind fanten! Diese erklären, keine höheren Löhne gewähren zu wurde recht klar zum Bewußtsein geführt durch die Bilder unsere Bemühungen, die Frauen aufzuklären, durch Genossin fönnen, weil die Zigarettenindustrie von der ausländischen tiefster Not, welche in der Diskussion aufgerollt wurden. Gradnauer gefördert worden. Die Versammlung, in der Konkurrenz hart bedrängt werde. Das ist aber eitel Flunkerei. Wir werden von ihnen noch berichten. Damit die Begeiste- fie sprach, war von 100 Personen, darunter 20 Frauen, beWohl hat sich im ersten Halbjahr von 1904 gegen 1903 die Gin- rung für die gewerkschaftliche Organisation unter den Ar sucht. Die Konkurrenz der Frauenarbeit und ihre Beseitifuhr Bigaretten aus dem Auslande um 59000 Kilogramm beiterinnen nicht als Strohfeuer niederbrennt, wurden überall gung" war das Thema, welches die Rednerin in trefflichen im Werte von 968000 Mt. vermehrt. Allein es handelt sich weibliche Vertrauenspersonen aufgestellt, welche in Ausführungen behandelte. Es ist unmöglich, den gedankendabei fast ausschließlich um hochwertige Fabrikate, gegen welche Gemeinschaft mit den organisierten Männern tätig sein und reichen Vortrag in einem kurzen Bericht zusammenzufassen. die deutschen Fabrikanten noch konkurrenzfähig blieben, wenn insbesondere auch Beschwerden der Arbeiterinnen über Miß- Er sollte in seiner volkstümlichen Fassung als billige Broschüre fie auch das Doppelte der jetzigen Löhne zahlten. Außerdem stände in den Arbeitsbedingungen entgegennehmen sollen. erscheinen, welche der Arbeiterinnenbewegung große Dienste wurden von der Türkei und Griechenland allein in den Die Vertrauenspersonen haben ferner darauf hinzuwirken, leisten und die Ideen des Sozialismus vor allem auch unter ersten sechs Monaten des letzten Jahres 355 300 Kilogramm daß die Arbeiterinnen sich durch die Lektüre der„ Gleichheit" Frauen verbreiten würde, denen es nicht möglich ist, große Bigarettentabate mehr eingeführt als im gleichen Zeitraum bilden. Diese hat durch die entfaltete Agitation neue Leserinnen Bücher zu lesen. Der bereits genannte Herr Zimmermann bon 1902. Das spricht nicht für eine ungünstige Entwicklung gewonnen, der Textilarbeiterverband neue Mitkämpfer und polemisierte in der Diskussion recht heftig gegen die Referentin der Industrie. Die Firma Laferme hatte denn auch, laut Mitkämpferinnen, die für alle Enterbten das Recht der und stellte dabei seiner politischen und gewerkschaftlichen Helene Grünberg. Unkenntnis ein geradezu glänzendes Zeugnis aus. Seine Bericht, 1904 einen Reingewinn von 158824 Mt. gegen Menschenwürde erringen wollen. C 7 T von 135474 Mt. im Vorjahr, so daß sie ihren Aktionären " W. K. Ihre Anwesenheit in Köln beim Gewerkschaftskongreß Darlegungen riefen alle, die reden konnten, auf den Plan, 12 Prozent Dividende auszahlte und rund 7500 Mt. an Tantiemen verteilte. Noch besser schnitt die Firma Jasmazki nüßte die Unterzeichnete zur Agitiation an mehreren Orten so daß sich die Diskussion bis nach Mitternacht hinzog. Eine ab. Sie hatte einen Reingewinn von 207803 Mt., errichtete aus. In Köln selbst fand eine öffentliche Versammlung des Vertrauensperson konnte wegen der vorgerückten Zeit nicht in Ronstantinopel, Gavalla, Xanthi, Adrianopel und Samsoun Arbeiterinnenvereins statt, wo sie in Gemeinschaft mit Ge- mehr gewählt werden, jedoch soll dies bei der nächsten GeZweigniederlassungen und meldet, daß sie in den ersten drei nossin Grünberg referierte. Am Tage darauf sprach sie in legenheit geschehen. Acht Abonnenten der„ Gleichheit", das Monaten des laufenden Jahres in Deutschland 25 Millionen Mülheim am Rhein in einer Volksversammlung über das ist zwar kein großer Erfolg, aber für die schwarze Ecke Zigaretten mehr versandt hatte als im ersten Quartal 1904 Thema:" Die Frau im wirtschaftlichen und politischen immerhin ein Anfang, und bei rastloser Arbeit werden wir und trotzdem noch mit Aufträgen überhäuft war. Wir Kampfe". Die Versammlung war sehr stark besucht. Nach auch hier vorwärts kommen. Eine Genossin. In Köln hatte der Arbeiterinnenverein während Baader, als zweite Rednerin des Abends, legte vor allem önnen daher mit voller Berechtigung für das laufende derselben erfolgte die Gründung eines Bildungsvereins des Gewerkschaftskongresses eine öffentliche Versammlung einSeschäftsjahr auf eine gute Dividende hoffen", schließt ihr für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. 47 Mitglieder berufen, die sehr gut besucht war. Genoffin Grünberg ließen sich sofort aufnehmen. Da die Genossen versprachen, sprach in vortrefflichen Ausführungen über:„ Die Frau und Bericht. Unter diesen Umständen beweist es eine das übliche Maß die Frauen mit Rat und Tat zu unterstützen, so ist zu hoffen, die wirtschaftlichen Kämpfe im 19. Jahrhundert". Nach tapitalistischer Profitgier übersteigende Filzigkeit, daß die daß der Verein sich gedeihlich entwickeln wird. Eine Volks meisten Dresdener Zigarettenfabrikanten der Lohnbewegung versammlung fand des weiteren in Dülfen bei M.- Gladbach einem geschichtlichen überblick über die Entwicklung der Der Arbeiterinnen das Rückgrat brechen wollen, indem sie statt. Hier lautete das Thema:" Der Kampf der Arbeiter industriellen Frauenarbeit begründete die Referentin überden Austritt aus dem Verband der Tabatarbeiter fordern. Schaft um Recht und Menschenwürde". Die überaus stark zeugend, daß die Frauen aufgeklärt und organisiert den zur Fahne der Organisation, das heißt nichts anderes, als wachenden Beamten, der die Rednerin aufforderte, nicht vom schloß sie mit den Worten:„ Auf, Genoſſinnen, agitiert und Hoffentlich stehen die Arbeiterinnen so einſichtig und treu besuchte Versammlung erhielt erhöhten Reiz durch den über- Kampf der Männer um die materiellen und idealen Ziele zur Berteidigung ihrer eigenen Interessen, wie sie begeistert Staate und der Gesetzgebung zu sprechen, widrigenfalls er organisiert zum Wohle der gesamten Menschheit." Genossin den Kampf gegen Gewinnsucht und Proßzenhochmut auf Referentin bedeutet, daß er gar nicht das Recht zur Unter den Frauen die Pflicht ans Herz, dem Bildungsverein beiden Kampf gegen Gewinnsucht und Proßzenhochmut auf die Versammlung auflösen würde. Es wurde ihm von der genommen haben. Sie dürfen nicht einen Augenblick verans dem Bildungsverein beiSorge gesalzenes Brot ringen, für Kraft und Zeit, als Menschen Vereinsgesetzes vertiefen, das auch der Beamte beachten müsse. Klein auf in die sozialistische Ideenwelt einführen zu können. gessen, daß sie für ein besseres und weniger mit Tränen der brechung habe; er möge sich in das Studium des preußischen zutreten und sich Wissen anzueignen, um die Kinder von leben zu können. Sie müssen eingedent sein, daß in diesem Der überwachende schien das Berechtigte dieser Belehrung Ihre Ausführungen flangen in einem begeisternden Appell Ringen der Verband die Macht ist, die schützend und stüßend einzusehen, denn er ließ die Versammlung ruhig ihren Forts aus, für ein freies Menschentum aller zu kämpfen. Reicher hinter ihnen steht. Möchten aber auch alle Arbeiter ihre gang nehmen, der ein prächtiger war. In Hannover Beifall lohnte sie. In der Diskussion richtete die Schweize= ePflicht begreifen, den Kampf der Dresdener Zigaretten wurden Berbindungen angeknüpft, damit daselbst eine plan rische Arbeitersekretärin, Genossin Faas, die dem Gewerkarbeiterinnen um Brot und Recht zu unterstützen, indem sie völkerung in Fluß kommt. Die Erkenntnis wächst überall, nofsinnen. Sie betonte den internationalen Charakter der der arbeitenden an die ihren Einfluß aufbieten, daß keine Zigaretten der Firmen schaftskongreß beiwohnte, recht herzliche Worte an die egetauft werden, welche die Koalitionsfreiheit abwürgen wollen, daß Frau und Mann im Kampfe um ein menschenwürdiges modernen Arbeiterbewegung, die Karl Marx' große Losung Die Einigkeit der Arbeiterinnen muß zusammen mit der Dasein treu und fest zusammenstehen müssen. Solidarität der Arbeiterklasse zum Siege führen. 1 1 -1 e 3 Marie Wackwit. Aus der Bewegung. Von der Agitation. Im Auftrag des Textilarbeiter berbandes unternahm Genoffin Grünberg eine Agitationstour durch Sachsen, die insbesondere die Arbeiterinnen der Ottilie Baader. In Herford und Brake fanden vom 5. bis 12. Mai einige öffentliche Versammlungen und Fabrikzusammenkünfte der Arbeiterinnen statt, die in der Kleider- und Wäsche fonfektion beschäftigt sind. Genossin Grünberg behandelte das Thema:„ Wie können die bestehenden Mißstände beseitigt, wie kann die traurige Lage der Arbeiterinnen und Arbeiter verbessert werden" Geradezu standalöse Zustände zu verwirklichen strebe:" Proletarier aller Länder, vereinigt euch". Den internationalen Befreiungskampf der ArbeiterKlasse mitzufämpfen ist Pflicht und Ehre der Frauen. Mit einem begeisterten Hoch auf die proletarische Frauenbewegung schloß Genossin Zeise die Versammlung. Diese hat dem Arbeiterinnenverein neue Mitglieder, der„ Gleichheit" zahlR. Wolf. reiche Leserinnen geworben. Wir marschieren. C 70 versäumt werde. Die Gleichheit Nr. 12 die 6 D [ 11 Zur Frage der Agitation unter den Arbeiterinnen vor richtung der Mittelspersonen zwischen Gewerbeinspektion das wichtige Militärpensionsgesetz, in der Schwebe geblieben und Arbeiterinnen sollte man mehr als bisher pflegen und wären und im Herbst hätten weiterberaten werden können. dem Gewerkschaftskongres. dort, wo solche noch nicht funktionieren, sie aufstellen. Das hätte auch im Interesse der Regierung gelegen, sofern In Verbindung mit dem allgemeinen Tätigkeitsbericht der Was die Resolution anlangt, so bin ich der Meinung, man ihrer Versicherung Glauben schenken darf, daß sie Wert Generalfommission hat der Gewerkschaftskongreß zu Köln über daß der dritte Absatz überflüssig ist. Es sind von den Ge- darauf legt, den Klagen der Militärpensionäre entgegenzu die Frage der Agitation unter den Arbeiterinnen verwerkschaften so viele Versammlungen abgehalten und Agi- kommen. Es hieß auch zunächst, daß sie sich diesen Er handelt. Wir haben bereits früher( Nr. 9) die beiden Re- tationstouren veranstaltet worden, daß nach dieser Richtung wägungen nicht entzogen hätte und vertagen wolle, nach folutionen mitgeteilt, die dazu seitens des Frauenagitations- hin das Menschenmögliche geleistet worden ist. Die Gewerk- dem nur vorher noch die Kameruneisenbahn und einige tomitees und der organisierten Tabakarbeiter von Berlin schaften haben sich so häufig wegen Besorgung von Redne- andere gesetzgeberische Aufgaben erledigt seien. Da plöt eingebracht worden waren und im Mittelpunkt der ein- rinnen an mich gewandt, daß ich in der Frage wohl ein lich wurde am 30. Mai das Haus geschlossen, nachdem schlägigen Debatten standen. Erstere forderte die Veranstaltung Urteil habe. Es ist nicht einzusehen, weswegen von der es vorher schon vom 25. Mai an Pause gemacht hatte. allgemeiner Agitationsversammlungen unter den Arbeite- Generalfommission arrangierte Versammlungen eine höhere Diese Plötzlichkeit war von besonderer Rücksichtslosigkeit rinnen durch die Generalfommission, die Aufstellung weib- agitatorische Wirkung ausüben sollten, als die von den gegenüber denjenigen Abgeordneten, die zum 30. Mai von licher Vertrauenspersonen in allen Organisationen und An- Gewerkschaften einberufenen. Die Aufstellung weiblicher Ver- weither nach Berlin gekommen waren. Im Seniorenkonvent näherung, beziehungsweise Gleichstellung der Beitrags- und trauenspersonen seitens der Gewerkschaften geschieht bereits, hatte Graf Ballestrem sich beeilt, zu erklären, man solle nur Unterstützungssätze der weiblichen und männlichen Mitglieder. sicher ist es aber zweckmäßig, immer wieder auf ihre Not- ja nicht glauben, daß die Gereiztheit die Ursache des plöt Letztere wollte, daß alle organisierten Arbeiter ihre erwerbs- wendigkeit hinzuweisen. Unsere politisch tätigen Frauen, wie lichen Entschlusses gewesen sei. Na ja! Gereiztheit also tätigen Frauen und Töchter der Gewerkschaft zuführen. die sozialdemokratischen weiblichen Vertrauenspersonen haben nicht! Was aber ist die wirkliche Ursache? Der vorgegebene Genosse Legien, der allzeit eifrige Fürsprech der gewert sich stets angelegen sein lassen und als ihre Pflicht betrachtet, Grund, konstitutionelle Bedenken bei den Einzelregierungen schaftlichen Arbeiterinnenorganisation, wies in seiner Bericht die Gewerkschaftsbewegung zu fördern. Sie haben Werk ist durchaus unglaubhaft, da die Verfassung der Bertagung erstattung auf die Wichtigkeit der Agitation unter den weib- stubensizungen und Fabrikbesprechungen in vielen Orten nicht hinderlich im Wege steht und außerdem oft genug lichen Erwerbstätigen hin. Er erklärte, daß das Frauen- abgehalten, in denen in den Gewerkschaften keine Frauen Regierungen selbst für Vertagung sich erwärmt hatten. An agitationskomitee zu Berlin sich mit der Zustimmung der dafür zu finden waren. Sie wirkten mit Erfolg, da unsere fich ist das Rätsel ja auch nicht von großer Wichtigkeit. Die Generalfommission gebildet habe. Auf dem Stuttgarter politisch tätigen Frauen meist gut mit den Gesetzen, den Vorgänge aber, welche sich im Reichstag unmittelbar vor Kongreß sei ein Antrag auf Gründung eines solchen Komitees Bestimmungen der Gewerbeordnung usw. vertraut sind, denn dem Sessionsschluß abgespielt haben, sind äußerst charak nicht einmal genügend unterstützt worden. Das Bedürfnis Anleitung zur Agitation und Material wird von der Zentral- teristisch für unser ganzes parlamentarisches Leben. In der Nummer vom 19. April wurde schon darauf hin nach einer Zentralvermittlungsstelle für Referentinnen sei stelle, der Vertrauensperson der Genossinnen Deutschlands jedoch zu stark gewesen, um es nicht zu berücksichtigen. Die gegeben. Was das gewerkschaftliche Frauenagitationskomitee, gewiesen, daß die preußische Regierung auf ein Kompromis Gründung des Komitees bedeute jedoch keine Absonderung das sich selbst gebildet hat, geleistet hat, das entzieht sich wegen des Berggesezes lossteuern würde, um nur ja der gewerkschaftlichen Frauenbewegung von der allgemeinen meiner Kenntnis, das aber weiß ich, daß die politisch tätigen nicht der verhaßten Sozialdemokratie Gelegenheit zu geben, Gewerkschaftsbewegung. Frauen für die Gewerkschaften eifrig gewirkt haben und das eine Inangriffnahme der Frage im Reichstag zu erzwingen Die Mißgeburt, die da in der Abgeordnetenhauskommission Die Resolution des Frauenagitationskomitees wurde von auch fernerhin tun werden." den Genossinnen Thiede und Zieh warm befürwortet. Auch Genosse Legien polemisierte gegen Cohens Aus- zutage gekommen war, forderte ja förmlich die Arbeiter 3 Genoffin Thiede betonte noch, daß das Komitee nicht allein führungen. In seinem Schlußwort sagte er, daß der Stutt- Hohn und Haß heraus. Die sozialdemokratische Reichstag durch die Vermittlung von Referentinnen, sondern auch durch garter Kongreß keine Sonderbewegung der Frauen, wohl aber fraktion beschloß, in Würdigung der Sachlage sofort die die Sammlung von Material über die Arbeitsbedingungen die Agitation unter den Arbeiterinnen kräftig fördern wollte. Initiative zur reichsgesetzlichen Regelung der Frage zu ers der Arbeiterinnen usw. nützliche Arbeit leistet. Genossin Andererseits wollte das Frauenagitationsfomitee durch seine greifen. Ein auf der Grundlage der Beschlüsse der Berg Tietz bemängelte, daß der Metallarbeiterverband trotz der Resolution Rat und Anregung geben. Und unzulässig sei arbeiter ausgearbeiteter Gesetzentwurf wurde schleunigst ein start gestiegenen Zahl seiner Mitglieder keine weiblichen Be- der Rat nicht, die Beiträge der Frauen zu erhöhen. Im gebracht. Sobald das geschehen war, erschienen auch ein amten angestellt habe, wie dies durch den Beschluß des letzten Jahre 1894 habe die Generalfommission eine Agitation unter Bentrumsantrag gleicher Tendenz und ein Antrag der Gewerkschaftskongresses angeregt worden sei. den Arbeiterinnen durch Versammlungen eingeleitet. Mit Stöckerianer auf der Bildfläche. Am 26. Mai sollten die Gegen ihre Vorwürfe und gegen die Resolution des Frauen- gutem Erfolg. Dagegen habe der Metallarbeiterverband Verhandlungen des Abgeordnetenhauses über die Kommissions agitationskomitees wendete sich Genosse Cohen, Vertreter trotz des großen Anwachsens seines Mitgliederstandes im faffung beginnen. Am 24. Mai wurde im Reichstag seitens der Metallarbeiter. Er bestritt zunächst auf Grund der allgemeinen im Vorjahr über 2000 weibliche Mitglieder ver- der Zentrumspartei im Einvernehmen mit der Sozialdemo Stuttgarter Entscheidung dem Komitee die Existenzberechti- loren. Die Frau sei die beste Agitatorin für die Frau. Und tratie der Geschäftsordnungsantrag gestellt, die sämtlichen gung. Des weiteren erklärte er, die Resolution erhebe bei der großen Bedeutung der Frauenarbeit, die immer Anträge wegen Anderung des Bergrechtes auf die Forderungen, über welche der Kongreß nicht zu beschließen weiter um sich greife, könne man nicht sorgfältig genug Tagesordnung am 25. Mai zu stellen. Ganz abgesehen habe, weil jede Gewerkschaft die betreffenden Angelegenheiten darauf achten, daß in der Organisierung der Frauen nichts von der Notwendigkeit, die schäbigen Pläne der Landtags mehrheit zu durchkreuzen, war ein solches Vorgehen durch die nach den im Beruf vorliegenden Verhältnissen regeln müsse. Schließlich bekämpfte er die Ansicht, daß die Frauen die Reichsverfassung geboten, die ausdrücklich alle gewerblichen besten Agitatorinnen unter den Arbeiterinnen seien. Er sagte Angelegenheiten, also auch die Bergwerksfragen der Kom im wesentlichen:" Unter dem eisernen Druck der wirtschaft petenz des Reiches vorbehält. Eine überwiegende Mehrheit war für den Antrag gesichert, nur die Konservativen, Frei lichen Verhältnisse ist in unserer Berliner Filiale seit Stutt gart die Zahl der weiblichen Mitglieder von 300 auf 3500 tonservativen und Nationalliberalen waren dagegen. Diese gestiegen. Aber die Zeit ist bei uns vorüber, wo ich die realtionäre Sippe erklärte aber, mit allen geschäftsordnungs Frauen für die besten Agitatorinnen unter den Frauen hielt. gemäß zulässigen Mitteln den Antrag kaput machen zu wollen Die Hauptsache ist, daß der Agitator etwas vom Beruf verSie brachten denn auch, ihrer 50, einen Antrag auf nament steht. Ich glaube auch, daß die öffentlichen Versammlungen, liche Abstimmung ein und gingen zur Hälfte vor der Ab stimmung hinaus, so daß sich die Beschlußunfähigkeit des die die Resolution fordert, nur hinausgeworfenes Geld bedeuten dürften. Wenn nüchterne Themen behandelt, wenn Als Delegierte nahmen an den Arbeiten des Kongresses Hauses bei etwa 180 anwesenden Mitgliedern herausstellte Wertstubensizungen abgehalten werden, kommen die Frauen, teil die Genoffinnen Thiede( Buchdruckereihilfsarbeiter), Der Vorgang war deshalb noch besonders interessant, weil wenn ihnen etwa der Lohn gekürzt worden ist. Aber freilich, Gödkrit( Textilarbeiter) und Grünberg( Schneider). Die erst tags vorher sich ein Mitglied dieser Reaktionssippe bitter das ist nach außen hin nicht bemerkbar, das glänzt nicht." Genoffinnen Tieß und Baader wohnten ihm als Gäste darüber beschwerte, daß die Sozialdemokratie bei anderen Cohens Außerung, der Stuttgarter Kongreß habe nur aus mit beratender Stimme bei; erstere als Vertreterin des Gelegenheiten das gleiche Verfahren eingeschlagen hatte. Det Höflichkeit sich für die Anstellung weiblicher Gewerkschafts- Frauenagitationskomitees, letztere als Vertreterin der deutschen Präsident setzte nunmehr die vorher von ihm selbst vorge beamter erklärt, wurde sofort von dem Vorsitzenden Bömel- Genossinnen. Das Ausland hatte ebenfalls zwei weibliche schlagene Tagesordnung an. Am folgenden Tage trat die burg zurückgewiesen. Dieser konstatierte unter lebhafter Gäste entfendet: Genossin Boschek- Wien, delegiert von Beschlußunfähigkeit des Hauses bei der Beratung der Zustimmung, daß betreffender Resolution aus überzeugung der österreichischen Gewerkschaftsvertretung, und Genossin Kameruneisenbahn- Vorlage heraus. Diesmal hatte die zugestimmt worden sei, in der deutschen Gewerkschaftsbewegung Faas- Bern, Arbeitersekretärin der Schweizer Gewerk sozialdemokratische Fraktion die namentliche Abstimmung be nehme man wirklich keine allzu große Rücksicht auf die schaften. In die Generalfommission wurde Genossin Thiede antragt, nicht um durch Fortgehen die Beschlußunfähigkei Frauen. vorgeschlagen, blieb jedoch zu unserem lebhaften Bedauern herbeizuführen, sondern weil wir auf dem Standpunk stehen, daß die Mehrheit wenigstens zur Stelle sein fol Genoffin Baader diente Cohen auf seine Ausfälle gegen mit 40 Stimmen in der Minderheit. die Agitatorinnen und sprach dann über die Agitation unter Wir bedauern, daß auf dem Kongreß eine Reihe der er- wenn sie aus Liebedienerei gegen die Regierung ein solche den Arbeiterinnen überhaupt. Sie sagte:„ Unsere Agita probtesten gewerkschaftlichen Agitatorinnen und Organisato- den Voltsinteressen zuwiderlaufendes Gesetz durchdrücke torinnen tönnen es ruhig mit den männlichen Agitatoren rinnen fehlten. Denn um es herauszusagen: völlig befriedigt will. Es stellte sich nun das eigenartige Ergebnis heraus aufnehmen. Die Genoffinnen haben fleißig agitiert und von den Debatten über die wichtige Materie sind wir nicht. daß zwar die Sozialdemokratie, die Gegnerin des Gese vielen Erfolg aufzuweisen. Frauen, die nichts verstehen, Nicht als ob wir bemängelten, was geredet worden ist, es entwurfs, mit 60 Brozent anwesend war, daß aber di haben allerdings feinen Erfolg, aber erfolglos agitieren auch war gut, von den überflüssigen Wischen des Genossen Mehrheitsparteien so schwach vertreten waren, daß sie nich die Männer, die nichts von den Anforderungen und Arbeits- Cohen abgesehen, die auf einem Arbeiterkongreß durchaus einmal ein beschlußfähiges Haus zuwege brachten. Nunmeh bedingungen eines Berufs verstehen. Jeder gewissenhafte nicht an ihrem Platz sind. Aber unserer Ansicht nach wäre setzte zu allgemeiner überraschung der Präsident überhaup Redner, jede gewissenhafte Rednerin wird sich genau unter es möglich gewesen, die Frage eingehender und tiefer zu be- erst auf den 30. Mai die nächste Sigung an, ließ also dr richten, und ist das geschehen, so zeigt sich, daß das Talent handeln, als das nach dem vorliegenden Berichte geschehen Sizungstage ausfallen, offenbar um dem Abgeordnetenhau der Frauen zur Agitation mindestens nicht geringer als das ist, wenn auch nicht wesentlich neue Momente in die Debatten freien Spielraum zum Kuhhandel wegen des Bergwer gesetzes zu lassen. der Männer ist. Cohen hat darin recht, daß die Gewinnung geworfen werden konnten. der Arbeiterinnen für die Organisation viel schwieriger ist Was die gefaßten Beschlüsse anbelangt, so werden ste Die Entscheidung darüber, ob die preußische Spottgebu als die der Arbeiter. Es ist dies bei der doppelten Be- in der Richtung bereits früher aufgestellter Leitsäge in den Windeln erstickt und die Frage völlig vor den Reich lastung der Frau mit Erwerbs- und Hausarbeit nicht ver- fördernd wirken. Sache der einzelnen Gewerkschaftsverbände tag gebracht werden sollte, lag nun ausschließlich in de wunderlich. Diesem Umstande sollte man mehr als bisher ist es, eine systematische und nachdrückliche Agitation unter Händen des Zentrums, da die Konservativen an de Rechnung tragen. Da die Frau durch die angeführten Gründe den Arbeiterinnen zu betreiben. Sache der gewerkschaftlich Kommissionsfassung unbedingt festhalten wollten. Nach ihre oft beim besten Willen aus Mangel an Zeit oft weder Wert tätigen Frauen ist es, mit Energie und Geschick dafür zu Auftrumpfen im Reichstag hätte man glauben sollen, es s stubenfizungen noch Versammlungen besuchen kann, so soll sorgen, daß die einschlägigen Anregungen der verschiedenen den Zentrumsleuten wirklich ernst mit dem Bergarbeiterschu man die Agitation danach einrichten und die Arbeiterin in Gewerkschaftstongreffe immer mehr aus der Theorie in die damit. Sie lieferten jedoch den vollgültigen Beweis, da ihrer Häuslichkeit aufsuchen. Sorgfältig muß die passende dabei auf die Praxis überführt werden. Daß die einen wie ihre Arbeiterfreundlichkeit eitel Schaumschlägerei ist, nur daz Zeit dazu ausgesucht werden. Die zu verwendende Agita- die anderen Unterstützung der Generalfommission rechnen bestimmt, die katholischen Arbeiter am Gängelbande de torin muß die Verhältnisse genau kennen. Diese Agitation tönnen, haben die Debatten bestätigt. Also vorwärts, an Bentrumspfaffen festzuhalten. Es wurde ein Komprom setzt große Geduld und Klugheit voraus, nicht nach Feier die Arbeit! zusammengemanscht, das den früheren Versicherungen abend, so nebenher fann sie geleistet werden. Man muß daran denken, in den großen Industriezentren mit zahlreicher weiblicher Arbeiterschaft Frauen für dieses Amt fest anzustellen. Es sind zum Beispiel im industriereichen sächsischen Knall und Fall. Noch bis zum Tage vorher war es un Vogtlande nur verhältnismäßig wenige der sehr zahlreichen gewiß geblieben, ob der Reichstag nur, wie früher schon Arbeiterinnen organisiert; dasselbe gilt ebenfalls von anderen öfter, über den Sommer hinüber vertagt, oder ob die Session Gegenden Deutschlands. Die Ausgaben für die Anstellung geschlossen werden sollte. Der praktische Vorteil der Verwürden sich sicher bald bezahlt machen. Auch die Ein- tagung wäre gewesen, daß unerledigte Gefeßentwürfe, wie Für die Resolution der Tabakarbeiter sprach Genosse Riesel, und Genossin Grünberg verbreitete sich über die Schwierigkeit der Frauenagitation, die zum großen Teil durch die verkehrte Erziehung der Mädchen bedingt würde. In der Abstimmung wurde die Resolution der Tabatarbeiter angenommen, ebenso die des Frauenagitationsfomitees, nachdem vorher mit großer Mehrheit die beiden Absätze gestrichen worden waren, welche sich auf die Veranstaltung von Agitationsversammlungen und die Beitragswie Unterstützungssäge bezogen. Politische Rundschau. be P e It t 2 Te m E 6 2 a b 5 b 2 Б 61 f 86 h g g g a 8 Die Reichstagssession ist geschlossen am 30. Mai, de Zentrums direkt zuwider sogar die Suspension der Ar beiterausschüsse festlegt. Die Spottgeburt von Reform wurde unter dem Segen der Regierung und mit Hilfe Zentrums im Abgeordnetenhause angenommen und unterlieg nun zur Beschlußfassung der Erbweisheit des preußische Herrenhauses. bi Dieser neueste Verrat der Arbeiterinteressen durch di Bentrumspartei ist um so schmählicher im Lichte der Reden 6 fo f t f a a 11 n n 8 1 Nr. 12 Die Gleichheit Notizenteil. 71 die von den Herren noch bis in die jüngste Zeit hinein ge- Die Vollwaisenrente erhalten auch die hinterlassenen Kinder vereine, sondern für die gesamte wirtschaftliche Freiheitss halten wurden. So hatte Herr Trimborn, der Abgeordnete der weiblichen Versicherten, wenn der Vater zu deren Unter- bewegung der Arbeiterklasse nicht ausbleiben. In erster für Köln, noch kurz vorher im Abgeordnetenhause gegen die halt nicht herangezogen werden kann. Die Waisenrente Linie zu seiner Durchführung berufen sind die Frauen des Suspension der Arbeiterausschüsse als eine Ungeheuerlichkeit endet mit dem 1. April des Jahres, in dem die Waise das arbeitenden Volkes. Simon Rabenstein. gewettert. Eigentlich fühle er sich gedrungen, in ganz un- 16. Lebensjahr vollendet. Die Witwe wird im Falle der parlamentarischen Ausdrücken loszudonnern.„ Aber ich Wiederverheiratung mit dem dreifachen Jahresbetrage ihrer bezähme mich!" Mit diesen entsagungsvollen Worten Rente abgefunden, während die Waisenrenten weiterlaufen. verschloß der edle Volkstribun seinen gerechten Groll in der wird zum Beispiel ein Arbeiter mit einem Jahresarbeitszottigen Mannesbrust. Und nun? Alles in schönster Drd- verdienst von anfangs 900, zuletzt 1500, im Durchschnitt nung! Zentrum und Regierung ein Herz und eine Seele, und Herr Trimborn war als bezähmter Widerspenstiger bei der Verschacherung der Arbeiterrechte mit dabei. So wird von den bürgerlichen Parteien mit den Arbeiter interessen gespielt. Gewerkschaftliche Arbeiterinnenorganisation. 1200 mit. nach 30jähriger Mitgliedschaft Invalide, so beträgt schaftskartell Nürnberg hat in seiner letzten Sitzung auf VorDie erste deutsche Arbeitersekretärin. Das Gewerks seine Rente 600 Mt. Stirbt er in diesem Alter mit Hinter- schaftskartell Nürnberg hat in seiner letzten Sizung auf Vorlaffung einer Witwe mit drei Kindern unter 15 Jahren, so schlag der Aufsichtsstelle des Arbeiterfekretariats einstimmig erhält erstere 228 Mt.( da die Rente monatlich voraus, beschlossen, Fräulein Helene Grünberg- Berlin als Arauf volle Mark abgerundet, bezahlt wird), jedes der Kinder beitersekretärin anzustellen. Gingelaufen waren sieben Bewerbungen. 48 Mt., alle zusammen 372 Mt. Stirbt auch die Mutter, so erhält jedes Kind jährlich 90 Mt. Eine Anrechnung der Reichs- Invalidenrente erfolgt nicht. Ein sonderbares Zusammentreffen will es, daß in nächster Zeit ein Teil der vom Zentrum genasführten katholischen Bergarbeiter Gelegenheit haben wird, sein Urteil über den Sozialistische Franenbewegung im Ausland. Zentrumsverrat abzugeben. Der Abgeordnete Stözzel, der Die Verwaltung soll zu gleichen Teilen in den Händen Der Schweizerische Arbeiterinnenverband wird an Renommierarbeiter der Zentrumspartei im Reichstag, ist plötz- der Angestellten und der Vereine liegen, von ersteren sollen 25. Juni eine außerordentliche Delegiertenversammlung in lich gestorben. In Essen muß also eine Nachwahl statt fünf Gruppen( Vorstandsmitglieder und dergleichen- Lager- Winterthur abhalten, wo der Zentralvorstand seinen Sitz finden. Wir kamen schon vor zwei Jahren in die Stichwahl, halter Lager- und Bureaugehilfen gelernte unge hat. Außer der Berichterstattung über die Entwicklung und wenn wir auch noch um 10000 Stimmen hinter dem Zen- lernte Arbeiter) gebildet werden und je in gleicher Stärke den Stand des Verbandes beziehungsweise der Arbeiterinnentrumskandidaten zurückblieben. Bei der bevorstehenden Nach- vertreten sein. bewegung wird das Hauptgeschäft die Statutenrevision bilden. wahl muß es sich nun zeigen, wie weit die Vorgänge, die Dieser Entwurf bedeutet einen erheblichen Schritt weiter Wir hoffen, daß etwas recht Gutes geschaffen werden wird. sich an den großen Bergarbeiterstreit angeschlossen haben, auf der von den fortgeschrittenen Konsumvereinen betretenen Wenn es auch in der Hauptsache auf den Geist ankommt, aufklärend auf die katholischen Arbeiter wirkten, die in Bahn einer würdigeren Gestaltung des Arbeitsverhältnisses. der eine Organisation belebt, so ist doch auch das Statut Essen die überwiegende Mehrheit der Wähler ausmachen. Manche Mängel, wie der Ausschluß der jüngeren nicht völlige Nebensache, sonst könnte man darauf ja ganz Aus diesem Grunde ist die Nachwahl in Essen wichtiger als weiblichen Angestellten, der übergroße Anteil der verzichten. Wünschenswert dünkt uns die Aufstellung eines alle die anderen Nachwahlen, in die wir eingetreten find, Verwaltungen und der höheren Angestellten an der Leitung, förmlichen Programms der verfolgten Bestrebungen, so wichtiger als die in Hameln und Kattowiß, wo wir auch werden hoffentlich bei der Beratung auf dem Genossenschafts- daß auf den ersten Blick ins Statut jedermann ersehen kann, nahe vor dem Siege stehen, wichtiger selbst als Fürth, das wir tag abgestellt. Der Zentralverband deutscher Konsumvereine was der Verband will. Die Statuten der meisten Gewerknach der Ungültigkeitserklärung der Wahl von Barbeck wieder wird mit Einführung dieser Versicherung vorbildlich für das schaftsverbände, wie sie in den letzten Jahren gestaltet wurden, zu erobern hoffen. Denn in Essen muß es sich zeigen, ob private Arbeitsverhältnis und dessen gesetzliche Ausgestaltung bieten hierfür geradezu mustergültige Vorlagen. Wir wünschen der Zentrumsturm neue Risse bekommen hat. G. L. auch in dieser Hinsicht. Es muß nur dafür gesorgt werden, der Delegiertenversammlung unserer schweizerischen Genosdaß auch alle ihm angeschlossenen Vereine ihre Pflicht erfüllen, sinnen den besten Erfolg! indem sie der Unterstützungskasse beitreten. Genossenschaftliche Rundschau. Die Stellung der Gewerkschaften zu den GenossenFrauenbewegung. Z. G. Ein Tarifvertrag ist von dem Vorstande des Zentralschaften wurde auf dem Kölner Gewerkschaftskongreß Frauenstudium in Baden. Im Sommersemester wurden verbandes deutscher Konsumvereine und dem Vorstande des behandelt. Genosse v. Elm, der auf beiden Gebieten mit an den beiden badischen Universitäten 83 Studentinnen Handlungsgehilfen- Verbandes( dem die organisierten Gifer und Erfolg tätig ist, legte als Referent die regen Be- immatrikuliert, 49 in Heidelberg und 34 in Freiburg. Verkäuferinnen angehören) als Vorlage für den Genossen- ziehungen zwischen diesen beiden wirtschaftlichen Organi- Als Hörerinnen sind außerdem 86 Damen zugelassen, 44 in schaftstag vereinbart worden. Er regelt nur die Arbeits- fationsformen dar. Er wies hin auf die bisher erzielten Heidelberg und 42 in Freiburg. und Anstellungsverhältnisse; ein Gehaltstarif wurde noch Erfolge der Konsumgenossenschaftsbewegung, zu deren weiterer Gleichberechtigung des weiblichen Geschlechtes in nicht festgesetzt. Hoffentlich folgt er bald; er ist vielfach sehr Entfaltung und zu deren Ausbau im Sinne der gewerkschaft- Baden. Kürzlich erreichte der Direktor des Großherzoglich nötig. Nach dem Entwurf soll die Einstellung des Per- lichen Bestrebungen alle organisierten Arbeiter berufen sind. badischen Gymnasiums zu Offenburg, Herr Hofrat Theosonals durch Vermittelung des Arbeitsnachweises des Ver- Auf Grund einer Privatstatistik und der Veröffentlichungen dor Weiland, sein 70. Lebensjahr. Diesen Anlaß benüßten bandes erfolgen, ausnahmsweise können auch gewerkschaftlich des Lagerhalterverbandes stellte er fest, daß in den Konsum- die Professoren und Schüler jener Anstalt, um dem greisen organisierte Vereinsmitglieder direkt angestellt werden. Ent- vereinen im allgemeinen erheblich günstigere Arbeits- Lehrer eine Ovation zu bereiten. Die Feier bestand in einem lassung darf erfolgen: a) wenn das Personal vermindert bedingungen bestehen als in den Privatgeschäften, daß nächtlichen Zug zur Wohnung des Schuldirektors, wobei die werden soll, wobei die zuletzt Angestellten zuerst zu entlassen aber an Orten mit rückständiger Arbeiterbewegung noch die jüngeren Schüler farbige Papierlaternen, die älteren qualfind; b) bei Krankheit von mehr als drei Monaten; e) bei Dividendenſeuche auf Kosten des Personals grassiert. Die mende Fackeln durch die Straßen des Städtchens trugen. Unbrauchbarkeit. Hinsichtlich der Arbeitsbedingungen Gewerkschaften sollten das Genossenschaftswesen ausbauen Auf dem Marktplatze spielte sich dann unter den Klängen soll gelten: Für Kontor- und Lagerangestellte achtstündiger helfen als Machtmittel für das Proletariat auch auf dem des Studentenliedes„ Gaudeamus igitur" das Autodafé ab, Arbeitstag- für Ladenangestellte Achtuhrladenschluß für Gebiete der Produktion und zur Förderung menschenwürdiger eine Aufhäufung der Fackelnreste zu einer imposanten Feuersämtliches Personal: Sonn- und Festtagsruhe, jährlich eine Arbeitsbedingungen. Alle Differenzen sollten durch Schieds- säule. Von der Sekunda aufwärts war den Schülern der Woche Ferien mit Zahlung des Gehalts; Anstellung sämtlicher gerichte der Organisationen erledigt werden. Zutritt zum Festtommers gestattet, welcher nach studentischen Angestellten durch den Verein( fein Zwischenmeistersystem); In der Diskussion, an der die Vertreter der verschiedenen Gebräuchen vor sich ging. Wir erwähnen dieser AußerlichZahlung des Gehalts bei militärischen übungen bis zu sechs Angestelltenkategorien( Lagerhalter, Handelsangestellte, Trans- feiten nur aus Gründen fulturgeschichtlicher Art. Jedenfalls Wochen. Bei der Durchführung sollen die örtlichen Verhält- portarbeiter, Bäcker und andere) und zwei Vertreter des geschah es zum erstenmal in deutschen Landen, daß an dem nisse berücksichtigt, bereits bestehende günstigere Bedingungen Bentralverbandes Deutscher Konsumvereine teilnahmen, pompösen Fackelzug und an dem nachfolgenden Kommers erhalten werden. wurde leider die große gemeinsame Aufgabe der Gewerk- auch das weibliche Geschlecht vertreten war. Wir meinen Die Vorlage für die Errichtung einer Unterstüß- schaften und Genossenschaften nicht genügend hervorgehoben. Damit nicht den schönen Kranz von Mädchen und Frauen ungskasse für die Angestellten und Arbeiter der dem Zen- Schließlich gelangte die durch einige Zusazanträge modifizierte auf den Galerien des Kommerslokals, sondern die Beteilitralverband angehörenden Konsumvereine ist mit ausführlicher Resolution des Referenten gegen wenige Stimmen zur gung der weiblichen Besucher des Gymnasiums am Feſte. Begründung veröffentlicht worden. Sie hat zur Voraus- Annahme. Danach erblickt der Kongreß in der Organisation Ihrer sind zurzeit ein halbes Dutzend, die von der untersten setzung den freiwilligen Anschluß von Konsumvereinen mit des Konsums durch die Genossenschaft ein Mittel zur Er- bis zur obersten Klasse verteilt neben den Schülern auf den ihrem gesamten Personal( bereits 1903 haben 91 Vereine höhung der Lebenshaltung und der genossenschaft- Bänken sizen. Dieser Konzession an das Recht des weiblichen mit 948 Beschäftigten ihre Bereitwilligkeit zum Beitritt er lichen Erziehung des Volkes und hält es im Interesse Geschlechtes verliehen die Veranstalter des Fackelzuges einen klärt), ausgenommen die männlichen Personen unter 21, die des Proletariats für geboten, daß die gewerkschaftlich organi- galanten Ausdruck dadurch, daß sie in dem ersten Galawagen weiblichen aber unter 25 Jahren. Diese Altersgrenze soll sierten Arbeiter und Arbeiterinnen durch ihren Beitritt zu einen Primaner und eine Primanerin als Repräsentanten die nur vorübergehend Beschäftigten ausschließen. Nach den Konsumvereinen und Propagierung der ge- der Schülerschaft vorausfahren ließen. Beim Bankett brachte Ablauf des ersten Jahres sollen auch Personen, die älter nossenschaftlichen Ideen die Genossenschaftsbewegung ein Lehrer der höheren Mädchenschule einen Toast auf die als 50 Jahre oder nicht gesund sind, nicht mehr aufgenommen aufs tatkräftigſte unterstützen. Er verpflichtet namentlich die Gleichberechtigung der Frauen beim Studium aus. werden. Wer der Kasse mindestens fünf Jahre angehört Gewerkschaftsmitglieder, in den Konsumvereinen das Behat, soll beim Ausscheiden aus der die Versicherung begrün- streben zu fördern, auf Grundlage des organisierten Konsums denden Beschäftigung das Recht der freiwilligen Weiterver- zur eigenen Produktion der Bedarfsmittel der großen Eine imposante Demonstration für das Frauenwahlsicherung haben. Der Beitrag soll sechs Prozent des Lohnes Masse der Konsumenten zu schreiten.... Zunächst erachtet oder Gehaltes betragen, wovon der Verein als Arbeitgeber es der Kongreß im Interesse sowohl der Gewerkschaften als recht fand kürzlich in London statt. Sie war von der die Hälfte zahlt; freiwillig weiterversicherte Mitglieder haben der Genossenschaften als nötig, daß ein Freundschafts- Nationalen Frauenstimmrechtsliga in Gemeinschaft mit Abden ganzen Beitrag zu zahlen. gegenseitigkeitsverhältnis zwischen beiden Bewegungen geordneten einberufen worden, die Anhänger der politischen Die Unterstützung, auf die wie bei den Gewerkschaften Platz greift und die Differenzen und unerfreulichen Aus- Gleichberechtigung des weiblichen Geschlechtes sind. 92 Parlamentsmitglieder wohnten der Demonstration bei und 9 von fein einklagbarer Anspruch erwächst, besteht in Invaliden-, einandersetzungen vermieden werden. Alters- und in Hinterbliebenenrente. Invalidenrente Im einzelnen wurden folgende Forderungen an die ihnen traten warm, unter großem Beifall, für das Frauenwird nach fünfjähriger Mitgliedschaft denjenigen Mitgliedern Genossenschaften gestellt: 1. Berücksichtigung der gewerkschaft wahlrecht ein, dessen Gewährung Sir Rolleston als einen bezahlt, deren Erwerbsfähigkeit um 50 Prozent vermindert lichen Arbeitsnachweise. 2. Anerkennung der gewerkschaft- Markstein der Zivilisation bezeichnete. Mr. Bamford Sladk ist. Sie beträgt 20 Prozent, steigt fünf Jahre lang um je lichen Tarife und für die Allgemeinheit der betreffenden fündigte an, daß er demnächst eine neue Bill im Parlament swei, dann weitere 30 Jahre lang um je ein Prozent des Gewerbszweige durchzusetzenden Forderungen. 3. A u 3- einbringen werde, die den Frauen ihre Gleichberechtigung früheren Durchschnittsgehalts, erreicht also einen Höchstsatz schließung der in Strafanstalten oder zu Hungerlöhnen her- mit den Männern sichert. Die Versammlung nahm einvon 60 Prozent. Bei geringerer Verminderung( bis 25 Pro- gestellten Produkten, sowie der Hausindustrie. Unterstützung stimmig die von Sir Rolleston eingebrachte Resolution an. zent) wird ein entsprechender Betrag gefürzt. Gehaltsbeträge der im Einverständnis mit den gewerkschaftlichen Zentral Sie besagt, das Parlament möge Gesetzeskraft dem am über 6000 Mt. kommen nicht in Anrechnung. Nebenverdienste verbänden gegründeten Produktivgenossenschaften ge- 16. März 1904 im Unterhaus mit großer Majorität gefaßten werden, soweit sie mit der Rente zusammen das zugrunde meinnützigen Charakters. 4. Verpflichtung der Lieferanten Beschluß verleihen, daß die Unterbürtigkeit der Frauen betreffs gelegte Ginkommen übersteigen, abgezogen. Altersrente in der Vereine zur Anerkennung der gewerkschaftlichen Lohn- des Parlamentswahlrechts durch die Gesetzgebung beseitigt gleicher Höhe wird nach vollendetem 65. Lebensjahr und und Arbeitsbedingungen. 5. Unterstützung von Boykotts. werde". 20jähriger Wartezeit, nach 40jähriger Wartezeit schon früher, 6. Schiedsgerichtliche Erledigung der Differenzen mit gewährt. Mitglieder, die vor Erlangung der Unterstüßung Angestellten. Frauenstimmrecht. Franen in öffentlichen Ämtern. G. ausscheiden oder deren Grben erhalten vor Ablauf der fünf- Ferner verurteilte der Rongreß entschieden das Be- Frauen als Bibliothekare. Jm Dienste der Stadt Berlin jährigen Wartezeit die von ihnen selbst geleisteten Beiträge un- streben, die Konsumvereine lediglich als Dividenden- find seit dem Beginn des neuen Etatsjahres vier Frauen als verzinst, nach Ablauf der Wartezeit mit Abzug von 25 Prozent institutionen zu betrachten, und verpflichtet die Gewerk- Bibliothekare beschäftigt. Zwei von ihnen sind als Assistentinnen zurück. Als Hinterbliebenenunterstützung im Falle des Ablebens schafter, innerhalb der Konsumvereine für Ansammlung der an der Stadtbibliothek tätig, die zwei anderen funktionieren wird der Witwe eine Rente in Höhe von 3/8 der Invaliden- Mittel zur Eigenproduktion am Orte und( durch die in städtischen Volksbibliotheken. rente, die dem Mitglied zur gleichen Zeit zu zahlen gewesen Großeinkaufsgesellschaft) für das Reich zu wirken. wäre, gewährt, für jedes Kind 3/40 derselben; für Vollwaisen Wird dieser Beschluß nach Gebühr gewürdigt und befolgt, 40, alle zusammen nicht mehr als 3 der Invalidenrente. so wird die segensreiche Wirkung nicht allein für die KonsumAls Gemeindebeamtinnen sollen laut Beschluß der Berliner Stadtverordnetenversammlung die 4 Hilfsarbeite rinnen des Statistischen Amtes angestellt werden. 72 Alle. Von Conrad Ferdinand Meyer. Es sprach der Geist:„ Sieh auf!" Es war im Traume. Ich hob den Blick. In lichtem Wolkenraume Sah ich den Herrn das Brot den Zwölfen brechen Und ahnungsvolle Liebesworte sprechen. Weit über ihre Häupter lud die Erde Er ein mit allumarmender Gebärde. Die Gleichheit Jezt erwischte er mich mit seinem langen Arme wieder| an meinem Rocke, daß es krachte, zog mich zu sich und flüsterte: ,, Einen wirklichen Federhut?" " Ja!.... und noch etwas Heimliches hat sie in der selben Schachtel, was sie gar niemand zeigen tut, nicht einmal mir," lispelte ich noch leiser als er. Nr. 12 91 Ob die Kammer da nicht zu vermieten sei, die Christel hätte so etwas gesagt, er verstände freilich schlecht Deutsch, log er feck. Jch ballte die Hände unter meinem Tische und schrie:„ Unsere Kammer! Meine Mutter hat sie schon bezahlt!" Er lachte wieder und zeigte nur drohend auf seinen " Wart, du Christel!" schrie er plötzlich, nahm aus Hut.... Diese Gebärde erschütterte mich tief, ich schwieg seinem Leinensack ein Rohr, zog es immer länger aus- gedemütigt und zitternd. Mit der Käthe redete er Es sprach der Geiſt:„ Sieh auf!" Gin Linnen schweben einander, schaute hindurch, hielt es dann an mein Auge, noch recht lange, aber er verschwieg doch mein GeSah ich und vielen schon das Mahl gegeben; Da breiteten sich unter tausend Händen Die Tische, doch verdämmerten die Enden In grauem Nebel, drin auf bleichen Stufen Kummergestalten saßen ungerufen. Es sprach der Geist:„ Sieh auf!". Die Luft umblaute Ein unermeßlich Mahl, so weit ich schaute; Da sprangen reich die Brunnen auf des Lebens, Da streckte keine Schale sich vergebens, Da lag das ganze Volk auf vollen Garben, Kein Platz war leer, und keiner durfte darben. Räthes Federhut. Von Ada Christen. ( Schluß.) während er mir das andere zudrückte, richtete noch eine heimnis.... Weile daran herum und sagte endlich:„ Schau!" Ich schaute durch und plumps- da saß ich in demselben Augenblick schon vor Schreck auf der Erde denn als ob ich sie mit der Hand erfassen könnte, so nahe stand die blaue Gans vor mir, und am Stuben fenster saß die Räthe. " Ist das die Fuchskäthe?" fragte der Geselle, als ich mich wieder zusammengerappelt hatte. " Freilich," stammelte ich, ängstlich nach dem Rohre guckend, das in seiner Hand wieder kleiner wurde. „ Und die hat einen Feder-," er machte nur eine Gebärde nach dem Kopfe. " Ja," sagte ich trotzig, denn Käthchens Federhut war mein einziger Stolz. Von jenem Tage ab ging er nun jeden Abend und Morgen an dem Fenster vorbei und sprach meist ein paar Worte mit der Käthe; mir gab er die schönsten Späne, die auf dem Plaze waren, und allmählich kam er auch abends in die große Stube herein. Der alte Di Herr Fuchs mochte ihn wohl leiden, denn er war in seiner Jugend selber Matrose gewesen, und die beiden sprachen so viel von dem großen Wasser, daß ich unter dem Tische nur mehr Schiff" spielte.... Wenn der Engländer aber mit der Käthe sprach, lag ich auf der Lauer, denn ich dachte: einmal sagt er's doch, das von dem Federhut. No Und richtig, eines Abends, als er allein neben der Käthe saß, und sie ihm, wie öfter, von ihrer mühseligen Fe Kinderzeit erzählte, nahm er sie an beiden Händen und frug sie laut: Nun zierte ich mich ein wenig, schlang die Hände unter Zwei Jahre mochte es her sein, daß sie und ich einmeiner Schürze ineinander, zog eine Schulter nach der mal ganz allein daheim waren, und da kramte sie den " Käthe, wer gab Ihnen den Federhut?" anderen auf, schob abwechselnd die linke und die rechte schwarzen Samthut mit der weißen wallenden Feder aus Ich legte mich hinter den Tisch platt auf den Boden S Hüfte vor und schielte ununterbrochen nach dem Leinensack der Schachtel, sah ihn ganz erschrecklich traurig an und leicht hervorkriegen soll mich die Käthe doch nicht, hinüber.... Ich weiß das alles sehr genau, denn es hat sagte mir, daß ich niemand erzählen dürfe, welch schönen mich später viel Mühe gekostet, diese hübschen Bewegungen Hut sie habe; zu meinem Leid verschloß sie ihn aber gar dachte ich und schloß die Augen. Eine Weile war es abzulegen, manche behaupteten sogar, die mit den bald in den Schrank. Ich hatte früher manchmal vor- ganz still in der Stube.... und als ich endlich wieder Schultern sei mir geblieben, besonders wenn ich mich nehme Damen herumfahren sehen, die ebensolche Hüte aufschaute, hatte sie schon den Hut in der Hand und vornehm geben wolle. Aber das Stück Fleisch bekam trugen, da legte ich mir nun an nachdenklichen Abenden sagte mühsam: " Den Hut hab' ich mir selbst gekauft, ich wollte damit ich doch, trotz meines verwilderten Gebarens, und auch unter dem Tische des alten Herrn Fuchs zurecht, ein großes Stück Brot gab mir mein Gönner dazu. daß die Käthe eine geheime vornehme Dame sei, etwa ihm- meinem Schatz-, den ich lieber hatte als meinen mich selber-, recht vornehm ent " Für wen holst du die Späne?" frug er mit einem so wie irgend eine verzauberte Prinzessin, von der sie Großvater und Male wieder hinter seinem Strohhut hervor. mir einmal selber eine Geschichte erzählt hatte. Von gegenfahren, denn er war dieweil sogar Offizier geworden! " Für meine Mutter und für die Maria," erzählte ich dieser Zeit ab sah ich sie immer mit ganz anderen Augen; und wollte mich heiraten, wenn er wiederkäme, aber er Er ist mir geschäftig, der alte Herr Fuchs sagt, ich bin zu sonst ich dachte bald nur noch an den Hut.... und all- kam nicht mehr, gar nicht mehr. nichts gut, das Ding, ich!" mählich übertrug ich diese Federhutwürde und heimliche totgeschossen worden. Da ist die Zeitung, wo es Vornehmheit auf mich selber, und wie ich früher, wenn drin steht da ist sein Bild und seine Briefe- und " Du?" da- ist der ist der Taufschein und der Totenschein D Aber wärmen tut sich der alte Herr Fuchs mich die Buben oben auf dem Hügel prügelten, nach dada „ Ich doch bei unserem Ofen im nächsten Winter wieder, wenn meiner Mutter rief, so schrie ich jetzt immer:" Ich sag's vonvon unserem Kinderl. So, jetzt wissen Sie ich genug Späne gebracht hab', daß wir nicht erfrieren der Käthe, die ist etwas, die hat einen Fe--" den alles, Herr, und jetzt werden Sie mir gewiß nimmer Reft verschluckte ich stets trot meiner tiefsten Entrüstung sagen, daß Sie mich heiraten wollen." Unbestimmt schwebte mir wieder die erschreckliche Todes... der Engländer war also der erste, dem ich dieses art vor, welche meine Mutter so drohend zu schildern wußte, und ich wurde ganz trübselig. „ Ja!.. tun." " Wo bist du daheim, Christel?" ,, Dort unten bei der blauen Gans, wo die Käthe immer bei dem Stubenfenster sitzt." Der Engländer richtete sich schnell auf, rückte seinen Hut in das Genick und rieb sich die Augen. " Das schmucke Mädel mit dem dicken Zopfe über der Stirne, ist das die Käthe?" " Ja, die ist's, denn meine Maria hat die Zöpfe hinten herunterhängen, und meine Mutter hat eine Haube auf." " Wer ist denn der alte Herr Fuchs? Wie kommst du zu den Leuten?" Und dabei hielt er mich an meinem Rocke, als ob ich ihm davonlaufen wollte. G Le be üb ich al or K To ſa Li D Ie ge bi 6 m no a Die Käthe weinte still vor sich hin, und ich heulte B kostbare Geheimnis anvertraute, und dafür rüttelte er laut von meinem Tische hervor, weil sie mir so leid tat. Mit einem Rucke hatte der Engländer alle Knöpfe an mich jetzt an den Armen und schrie wieder: Woher hat sie den Hut?!" seinem Rocke aufgerissen, dann machte er ein paar Schritte fe Woher?.... Als ob ich je darüber nachgedacht hätte. durch die Stube und kehrte rasch wieder zurück zu der D Ich sagte ihm also alles, was ich davon wußte.... Käthe, die feines, buntbebändertes Kinderzeug aus der fü " Dort unten?" frug er und warf den Fuß nach der Ich erzählte ihm, daß die Käthe einmal sechs Wochen Hutschachtel nahm und betrachtete.... Er blieb vor bezeichneten Richtung. lang in dem Walde zu einer Bäuerin ging, die Ziegen ihr stehen, trocknete sich ein über das andere Mal die Ja, ja, dort!" hatte; sie mußte dort Ziegenmilch trinken, sagte meine Stirne ab und schaute immer auf ihren dicken, schwarzen Mutter und alle Leute in der blauen Gans. Der alte 3opf, so, als ob er erwartete, daß sie noch ein Wort Fuchs aber sagte damals, die Käthe dürfe nimmer über spräche; aber sie schwieg, obgleich ihre Hände zitterten seine Schwelle, und meine Mutter solle mir einen Mühl-.... Da bog er sich zu ihr nieder, schob ein paar Härchen stein um den Hals hängen und mich in das tiefste Wasser von ihren Schläfen, streichelte mit beiden Händen ihr id werfen, denn ich sei ein Mädel und käme auch einmal Gesicht und ließ sie dann über ihre Schultern und Arme so weit wie die Käthe... Als aber die Käthe wieder gleiten; nachher nahm er ihre Finger, zählte sie, schaute fam, war sie ganz blaß und mager, und ich hatte mich ihre Hände eine nach der anderen aufmerksam an, flatschte gefürchtet, wie sie vor dem Alten auf die Knie fiel, doch sie mit den Flächen zusammen und warf sie leicht in er spuckte vor ihr auf den Boden hin und gab ihr einen Räthes Schoß zurück, dabei lächelte er wie ein Knabe.... Schlag auf die Wange.... Sie war noch blässer ge- Wohl weil sie gar nicht aufschauen mochte, zupfte und worden, hat die Hände über dem Kopfe zusammen- zerrte er wieder an ihren kurzen Härchen, faßte sie am Viel Kinn und hob den dunklen Kopf an seine Brust, leise geschlagen und sich in einen Winkel gehockt. später hat sie einmal den Hut aus der Schachtel getan, tupfte er mit einem Finger auf ihre feuchte Wange, dann das schöne Kleid, das sie einst von meiner Mutter warf mit raschem Griffe das Kinderzeug und die Papiere gekauft, dann das feine Tuch, das sie von ihrer seligen wieder in die Schachtel, drückte den Deckel darauf und Großmutter geerbt, hat alles angesehen, bitterlich ge- ließ mit einem festen Schlag seine Hand niederfallen, als weint und alles wieder eingesperrt, früher aber hat sie er nicht gleich schließen wollte.... Ein großer Kampf war es, den ich nun mit mir, nach das Heimliche in die Schachtel gelegt und nichts mehr Luft schnappend, ausfämpfte, als ich bei dem verhängnis- herausgenommen. Das ist die Geschichte, die ich damals wußte und noch vollen„ hat sie".... angekommen und nun im Begriffe war, ein stolzes Geheimnis zu verraten. Der„ Engländer" frauser wie jetzt erzählte; der Engländer hörte mir zu, schien mir aber der Würdigste, derjenige, welcher den hohen nickte manchmal mit dem Kopfe.... dann packte er Wert dieser Mitteilung allein zu schäzen wußte..... Ich mich fest an der Schulter und sagte lustig: Es war auch nun alles richtig, und die Käthe wurde schaute mich erst sorgsam auf dem Zimmerplatz um, ob" Komm, wir gehen miteinander zu der armen eine glückliche Frau, trotzdem sie keine Federhüte trug. auch gewiß niemand da sei, dann faßte ich mir ein Herz, Käth'" - So oft ich mich an eine Meine Mutter hatte eine vorzügliche Gelegenheit, sehr nahm den großen schwarzen Kopf des Engländers mit Das war ein Heimweg! beiden Händen und wisperte ihm in das Ohr: Mauer stemmte und nicht mehr weiter wollte, hob er viel zu weinen, und der alte Herr Fuchs faute ein mich in die Luft, und als ich ihn trot meiner innersten Päckchen Feinen" an Räthes Hochzeitstag; ich aber Empörung bat, er möge ja nichts wegen des Feder- bekam aus einem alten Mantel meiner Mutter einen hutes sagen, lachte er, daß es mir eiskalt über den neuen Rock, von dem Engländer ein paar glanzlederne Schuhe, und der Herr Fuchs sagte freundlich: Rücken lief. „ Der Herr Fuchs ist der Käthe ihr Großvater, und wir wohnen bei ihm und tun Handschuhe nähen, und die Käthe auch, aber er schimpft uns doch alleweil, weil meine Mutter noch etwas für die Kammer schuldig ist; na ja, wir haben halt kein Geld. Meine Mutter weint alle Tage und manchmal die Käthe auch, denn die ist gar gut, und dann hat sie..." „ Die Käthe hat einen Federhut!"... Dann ging ich ein paar Schritte zurück, sah mir den Mann an und wartete; ich meinte, er werde jetzt gleich seinen Hut vor mir abziehen, wie vor dem Zimmer meister, aber er tat es nicht. Erst zuckte es in seinem Gesicht, als ob er lachen wollte.... dann sah er mich ungläubig an, sperrte bedenklich den Mund auf und sagte: A- a- h?!"... Heulend, hochrot im Gesicht, mit verschobenem Rocke kam ich daheim an. Er öffnete die Tür und ruckte mich vor sich her in die Stube, wo Käthe am Fenster saß und sich nicht umsah. Erst als ich unter den Tisch froch, schaute sie auf und sah den Engländer unbehilflich Ich verstand den fragenden Blick und das zögernde neben ihr stehen. ah!" und nickte nur feierlich:" Ja!" Was er wolle, frug sie. Langsam erhob die Käthe den Blick zu ihm; er aber füßte sie auf die traurigen Augen, richtete sich hoch auf und sagte dann in demselben Tone, in welchem der alte Herr Fuchs am Sonntag sprach, ehe er in die Kirche ging: „ All rigtht!" 10 ſe ge ib ni hi in It ri D in d m to b „ An dem Tage brauchst du nicht auf den Zimmerplaz zu gehen, nichtsnuzige Christel." Er hat es wirklich nicht mehr erlebt, daß das Ding" b zu etwas anderem gut ist, als Späne heimzutragen. Berantwortlich für die Redaktion: Fr. Klara Zettin( Bundel), Wilhelmshöhe Post Degerloch bet Stuttgart. Druck und Verlag von Baul Singer in Stuttgart. 11 1