Nr. 15 Die Gleichheit 15. Jahrgang MONETONEMONEYON Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen LENENLER Die„ Gleichheit" erscheint alle vierzehn Tage einmal. Preis der Nummer 10 Pfennig, durch die Post vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Pfennig; unter Kreuzband 85 Pfennig. Jahres- Abonnement 2,60 Mart. Jnhalts- Verzeichnis. Stuttgart den 26. Juli 1905 Zuschriften an die Redaktion der„ Gleichheit" sind zu richten an Frau Klara Zetkin( 3undel), Wilhelmshöhe, Post Degerloch bei Stuttgart. Die Expedition befindet sich in Stuttgart, Furtbach- Straße 12. " Verbrechen seiner Forteristenz bleibt eine stete und schwere Mögen die büttelseligen bürgerlichen Soldschreiber Für Preisfechter des revolutionären Proletariats. Die Berlänge Drohung und Gefahr für den Befreiungskampf des Pro- nach Knüppel und Ketten für die Umstürzler" schreien, rung der Mittagspause. Von ad. br.- Delegiertenversammlung letariats aller Länder, sumal aber für den der deutschen die ihren Teil an Pflichten und Ruhm der russischen des Schweizerischen Arbeiterinnenverbandes. Von dz.- Jugend Arbeiterklasse. Das aber nicht bloß in dem alten Sinne, Revolution begehren. Das deutsche Proletariat wird und Sozialismus. Von Franz Krüger. Er soll dein Herr sein! sondern in noch umfassenderer Weise, dank der geschicht sich durch seine geschworenen Feinde nicht hindern lassen, Bon Emil Unger. Aus der Bewegung: Von der Agitation.lichen Zusammenhänge, welche die kapitalistische Ent- die bedeutungsreichste weltpolitische Aufgabe des AugenPolitische Rundschau. Von G. L. Gewerkschaftliche Rundschau. wicklung schuf. blicks zu erfüllen. Es ist vom Stamme der stolzen Notizenteil: Kommunale Fürsorge für Säuglinge. Sozialistische Die russische Autokratie läßt die kapitalistische Ordnung Empörer, die drauf und dran sind, eine Geißel der Frauenbewegung im Ausland. Frauenbewegung. Feuilleton: Bergpfalm. Von Richard Dehmel.( Gedicht.) Die für die Befitlosen aus einem Buchthaus zur Hölle wer- Menschheit zu zerbrechen. Es wird durch Taten einEigentumsfanatiker. Von Ludwig Thoma.- Zukunft. Von den. Sie liefert die Proletarier als politisch Rechtlose, stehen für seine russischen Brüder, für die Preisfechter Richard Dehmel.( Gedicht.) das heißt als Wehrlose, Gefnebelte an die ungezügelte, des revolutionären Proletariats. schamloseste fapitalistische Ausbeutung aus. Die, welche im Ringen für die proletarischen Klasseninteressen KampfesFür Preisfechter des revolutionären genoffen der zielflaren Arbeiter aller Länder sein könnten, Proletariats. Die Verlängerung der Mittagspause. schäftigungsdauer empfohlen werden kann. Aber auch da glauben wir, daß sie kaum für alle Arbeiter und Arbeiterinnen anwendbar ist. Bei der heutigen Anspannung der Arbeitskraft erscheint eine ununterbrochene Beschäftigung von vier und mehr Stunden als ein zu starker Anspruch an die körperlichen und geistigen Kräfte der Arbeiterschaft. sein müßten, zwingt sie damit zu der erniedrigenden und So einstimmig alle vernünftigen Sozialpolitiker der Überverhängnisvollen Rolle der Schmutzkonkurrenten. Auf zeugung sind, daß eine Verkürzung der Arbeitszeit aus sozialIn furchtbarer Kraft und Herrlichkeit schreitet in Ruß- dem Proletariat der ganzen Welt lasten die Ketten, mit politischen, gesundheitlichen, allgemein fulturellen und vielen land die Revolution, die„ Befreierin und Rächerin und denen sie die zwiefach Enterbten in ihrer Heimat fesselt. anderen Gründen notwendig ist, so mannigfach sind die AnRichterin" einher, den gewalt'gen Arm ausreckend,„ daß Der zarische Despotismus ist ein Taufpate und einer schaungen über die Unterbrechungen der Arbeitszeit durch er die Welt erlöst". Erlöst von einem der fluchwürdig der vornehmsten Träger der eroberungs- und raublustigen, beitszeit, die nur durch eine ganz furze Mittagspause unterPausen. Es gibt Anhänger der sogenannten englischen Arſten übel, welche je die Völker heimgesucht haben: von gewalttätigen Weltmachtspolitik, welche fremde Völker brochen wird und den Vorteil haben soll, eine möglichst dem verderben- und verbrechenreichen zarischen Despotis zu unterjochen und auszusaugen strebt, welche daheim lange Freizeit nach Schluß der Arbeit zu schaffen. Noch mus. Bald hier bald dort zertrümmern revolutionäre Ham- die besiglosen Massen mit gepanzerter Faust durch Hoch- vor wenigen Jahren galt dieses System vielen als ein merschläge einen Teil seiner Macht, einen Teil seiner schutzzölle und Monopole schamlos auswuchert, durch Ideal, doch haben sich bei dieser Einteilung der Arbeitszeit längst verwirkten Existenz. Bis jetzt haben weder trü- politische Knebelung sicher zu Boden schlägt. Er ist und vielfach und vor allem bei Frauen bedenkliche Erscheinungen gerische Vorspiegelungen ärmlicher und erbärmlicher bleibt kraft seiner barbarischen Wesenheit, die durch der übermüdung und erhebliche Störung des GesundheitsReformen, noch bluttriefende Gewaltmaßregeln gegen die den Kapitalismus auf die Spitze getrieben wird, ein zustandes herausgestellt. Man kann wohl behaupten, daß " Empörer", noch auch die alten reaktionären Gauner- Friedensstörer par excellence. Seine Beutegier steigert die englische Arbeitszeit nur bei einer achtstündigen Be Iniffe, die nationalen und religiösen Gegensätze aufein- die Möglichkeit blutiger Konflikte zwischen den kapitaliander zu hezen, die revolutionäre Flutwelle aufzuhalten, stischen Staaten, läßt die militärischen Opfer an Gut und geschweige denn zu bannen vermocht. Blutgefärbt wälzt Blut der Massen unerträglich anschwellen und treibt dem sie sich unaushaltsam weiter, sie schwillt und schwillt. Weltkrieg entgegen. Eine gesunde Heimatpolitik und Raum ein Tag, an dem die Drahtnachrichten und Be- eine großzügige Weltpolitik, die Gegenwarts- und die richte nicht Bauernunruhen verzeichnen, die von Aus- Zukunftsinteressen des Proletariats haben keinen gefähr- Wenn nun vielfach eine Aufhebung der Pausen und auch brüchen wilder Verzweiflung ob furchtbarster Not zu licheren, tückischeren Feind als den russischen Absolutismus. eine Verkürzung der Mittagspause Anhänger oder wenigstens Kämpfen gegen das" gottgewollte" Regiment„ Väter- Das junge Proletariat des Moskowiterreiches, das ihn feine schroffen Gegner in der gewerkschaftlich organisierten chens" werden; Beschlüsse und Erklärungen der liberalen zu Boden schmettert, ist im umfassendsten Sinne der Arbeiterschaft findet, so erklärt sich dies aus der Tatsache, Semstwoleute, der adeligen Grundbesizer, die himmelhoch Preisfechter der Arbeiterklasse aller Länder. Die frucht daß die fürzeren Pausen in den meisten Betrieben in der jauchzend, zu Tode betrübt zwischen Reformhoffnungen, bare, schöpferische Kraft der Revolution hat fast über Fabrik, ja in den eigentlichen Arbeitsräumen zugebracht werden müssen. Diese Pausen müssen somit in einer unReformforderungen und der Furcht vor den aufgewühl- Nacht seinen Klasseninstinkt zum Klassenbewußtsein reifen angenehmen, Gesichts- und Geruchssinn weiter beunruhigenden, ten Proletarier- und Bauernmassen hin und her schwanken; lassen. Unbeirrt durch Reformkomödien der Autokratie unerfreulichen Umgebung ohne bequeme Sitzgelegenheiten zuRundgebungen der„ Intelligenz", der Träger höherer wie durch ihre Schreckensherrschaft geht es seine Bahn. gebracht werden. Auch dort, wo Wascheinrichtungen und Berufe, die zum großen Teil als Sozialisten oder Sozial- Es ist gleich groß im Kämpfen wie im Leiden, als Held Anstalten zum Erwärmen der Speisen vorhanden sind, sind revolutionäre mit den Arbeitern zusammen Sturm gegen und Märtyrer den Besten aller Zeiten und Völker eben- dieselben meist in zu geringer Zahl für die Arbeiter und den Absolutismus laufen. Dazu in den letzten Wochen bürtig. Zu Hunderttausenden hungert es, hungert wochen- Arbeiterinnen, die davon Gebrauch machen wollen, vorin rasch wachsender Zahl Revolten von Soldaten, die lang, monatelang; zu Tausenden und Zehntausenden füllt gesehen, so daß für die Vorbereitungen zum Genuß der Pausen sich weigern, die verruchte Rolle von Henkersknechten es die Kerker, stirbt im Straßenkampf, durch Standrecht, viel zu viel Zeit verbraucht wird und hierdurch die Bausen ihrer Brüder und Schwestern zu spielen; Meutereien der am Galgen. Und es kämpft weiter, ohne Klagen und ohne an Wert für die Arbeiterschaft verlieren. Für die Mittagspause ergeben sich verschiedene VerhältMarine auf Kriegsschiffen und in den Hafenstädten. Ruhmredigkeit, schlicht, selbstverständlich, erhaben; be- nisse in großen und fleinen Städten und je nach dem UmDer ruhende Bol in der Erscheinungen Flucht, die glückt, wenn die führenden Geister, die Kämpfer in den stand, ob die überwiegende Zahl der Arbeiterinnen und Arstärkste Kraft der Ereignisse bleibt aber die revolutionäre vordersten Reihen heil und wehrtüchtig bleiben; wenn beiter in der Nähe oder weit entfernt von der Arbeitsstätte Aktion der Proletarier, die ohne Unterschied der Natio- die geistigen Waffen der revolutionären Literatur nicht wohnen. Sowohl in großen wie in kleinen Städten nimmt nalität, der Rasse, des Glaubens, Russen, Polen, Juden, mangeln, welche in geheimen Druckereien oder im Aus- infolge der gesteigerten Wohnungspreise die Zahl der ausBetten, Armenier usw., zur Niederzwingung der Bestie des land geschmiedet werden; wenn die konspiratorische Wühl wärts wohnenden Arbeiter und Arbeiterinnen von Jahr zu Despotismus brüderlich zusammenstehen. Der Massen- arbeit nicht versagt, die neue Massen dem Revolutions- Jahr zu. Diese haben ein begreifliches Interesse, daß die streit, der heute in diesem, morgen in jenem Industrie heer eingliedert und die Zusammenhänge aufrecht hält. Mittagspause möglichst kurz ist. Je länger dieselbe ist, desto Jentrum mit vulkanischer Gewalt ausbricht und um sich In brüderlicher Solidarität an die Seite der glor- zwingt die lange Arbeitspause zum Aufenthalt in Gastwirt schwieriger wird es, sie richtig zu verwenden. Im Winter greift, bald die, bald jene Gewerbe ſtillegt, hier abge- reichen Soldaten der Revolution in Rußland zu treten, schaften, zu erhöhten Geldausgaben, zu vermehrtem Alkoholbrochen, dort um so muchtiger einsetzt, sich durch keine ist Pflicht des gesamten internationalen Proletariats. genuß. Es mag wohl sein, daß manche Arbeiter und ArGewalt hintertreiben und unterdrücken läßt: er erschüt Die deutsche Arbeiterklasse wird ihre Erfüllung, zu beiterinnen nach diesen in unbefriedigenden, dumpfen Räumen tert unerträglich die wirtschaftliche Grundlage des sozialen welcher der Parteivorstand der Sozialdemokratie auf- verbrachten Arbeitspausen weniger frisch zur Arbeit zurückLebens, lähmt die selbstherrliche Staatsgewalt und treibt gerufen hat, als Ruhmestat auffassen. Mit aller Hin- tehren. Andererseits ist es selbstverständlich richtig, daß die sie aus den Fugen. In alle Schichten der Bevölkerung gabe, mit aller Kraft, deren sie angesichts großer histo- in der Nähe der Fabrik wohnenden Arbeiter und Arbeiteträgt er die revolutionäre Gärung, er hält die erwachten rischer Aufgaben fähig ist, muß sie die russische Revolu- rinnen eine anderthalbstündige Pause in der Regel einer einrevolutionären Geister lebendig, er peitscht sie vorwärts tion moralisch und materiell unterstützen. Ihr liegt es stündigen Mittagsruhe vorziehen werden. ob, durch mannhaftes Eintreten für die Freiheitskämpfer hältnisse erschwert unzweifelhaft eine einheitliche, alle be= zum Rampfe. Das Proletariat Rußlands hat die geschichtliche Mis im Nachbarreich vom Vaterland die Schmach zu tilgen, friedigende gefeßliche Regelung. Es ist deswegen nicht zu ſion übernommen, vor deren Erfüllung die Bourgeoisie mit welcher es besudelt wurde dank dem Wettkriechen verwundern, daß die weitaus überwiegende Mehrheit der Westeuropas sogar in den Tagen revolutionären Jugend- des offiziellen Deutschlands vor dem Knutenregiment, Berichterstatter für die Enquete über die Arbeitszeit der dranges furzsichtig und feige zurückgeschreckt ist, und die dank der feigen, selbstfüchtigen Haltung der Bourgeoisie, Fabritarbeiterinnen sich gegen die allgemeine Verlängerung sie später bewußt verraten hat. Es vollstreckt an dem welche den Kurs der russischen Staatspapiere und In der Mittagspause der Fabrikarbeiterinnen erklärte; nur etwa darischen Despotismus das Todesurteil. dustrieaktien höher wertet als das Erwachen eines großen ein Fünftel der Aufsichtsbeamten äußerte sich im zustimmenDamit ist es zum Preisfechter für das revolutionäre Volkes zur Kultur und Freiheit. Die deutschen Ge- den Sinne. Zu diesen gehörten sehr wenig preußische Proletariat der ganzen Welt, insbesondere aber Europas nossinnen im besonderen dürfen nicht vergessen, daß die Fabrikinspektoren, die Hälfte der bayerischen, ein württem geworden. Der Zarismus ist noch stets der Büttel und russischen Revolutionärinnen ihnen jederzeit voran- die von den beiden Mecklenburg, von Oldenburg und Sachsenbergischer, zwei hessische, zwei elsässische, der von Bremen, Henter aller Freiheitsbewegungen gewesen. Wo die re- geschritten sind als leuchtende Vorbilder von Heldenmut Altenburg. Aber auch einige von diesen wollen die Möglichaftionären Gewalten eines Staates nicht ausreichten, das und Entsagung, als Vorfämpferinnen, die für das volle feit vorbehalten wissen, daß Ausnahmen bewilligt werden vorwärtsdrängende politische Leben der Volksmassen zu Bürgerrecht der Frau die höchsten Bürgertugenden in können, wo die Einführung einer längeren Pause mit übermorden, da trat er als Würger auf den Plan. Das die Wagschale geworfen haben. wiegendem Nachteil für die Arbeiterschaft verbunden wä Die Verschiedenheit der hier in Betracht kommenden Ver 86 Die Gleichheit Nr. 15 Einige andere schränken ihre Empfehlung der Verlängerung der Mittagspause für den Fall ein, daß die tägliche Arbeitszeit der Arbeiterinnen verkürzt wird. Eine Reihe Aufsichtsbeamter will den Zwang zur Festsetzung der anderthalb- stündigen Ruhezeit auf diejenigen Betriebe beschränkt wissen, für deren Arbeiterinnen eine längere Arbeitsunterbrechung nach den vorliegenden tatsächlichen Verhältnissen erwünscht erscheint. Dies soll festgestellt werden durch die Abstimmung der Arbeiter und Arbeiterinnen. Einzelne Aufsichtsbeamte verlangen, daß die Feststellung der Mehrheit in geheimer Abstimmung geschehe. Andere Aufsichtsbeamte wünschen, daß die obere Verwaltungsbehörde die Befugnisse erhalte, für einzelne Betriebe nach Anhörung von Unternehmern und Arbeitern eine anderthalbstündige Pause festzusetzen. Wieder von anderen wird gewünscht, daß die Gewährung längerer Arbeitspausen nur für diejenigen Arbeiterinnen in Betracht kommen soll, die ein eigenes Hauswesen haben. Hier wird von einzelnen auch die Ausdehnung der Pause auf zwei Stunden gewünscht. Der Aufsichtsbeamtc für den Regierungsbezirk Frankfurt a- O. erklärt es für nötig, daß die verheirateten Arbeiterinnen unbeschadet der Länge der Mittagspause stets eine halbe Stunde früher aus der Arbeit entlassen werden. Dagegen wird in einem anderen Bericht eingewandt, daß eine Arbeiterin in der verhältnismäßig kurzen Zeit von anderthalb Stunden unmöglich einen Haushalt ordnungsgemäß bedienen kann. Aus dieser Erwägung wird eine Verlängerung der Arbeitspause für Arbeiterinnen über 16 Jahren von zwei Stunden gewünscht. Vom Standpunkt der Unternehmer wird gegen die Verlängerung der Pause eingewandt, daß die Kosten für die Bereithaltung der Betriebskraft, für die Heizung der Kessel, ferner im Winter die Ausgaben für Beleuchtung und Heizung sich steigern würden. Beachtenswert ist der für die Gesundheit der Arbeiter und Arbeiterinnen nicht gleichgültige Einwand, daß eine Verlängerung der Mittagspause eine längere Arbeitszeit bei künstlicher Beleuchtung herbeiführen müßte, was für die Sehkraft der Beschäftigten, für die Unkosten der Unternehmer und für die Beschaffenheit der Waren nicht gleichgültig ist. Aus diesem Gesichtspunkt heraus verlangen einzelne Berichterstatter, daß die Verkürzung der Arbeitszeit nur für den Sommer und nicht für den Winter in Betracht kommen soll. Andererseits kann man freilich einwenden, daß eine kurze Arbeitspause im Winter die Arbeiterzwingen würde, dieselbe in einer ungeheizten Wohnung oder im Wirtshaus zu verbringen, was man auch nicht gerade für empfehlenswert halten kann. Für die kurze Mittagspause im Winter wird ins Feld geführt, daß einzelne Betriebe, so Ziegeleien und Fabriken zur Herstellung feuerfester Steine, bemüht sind, nur bei Tageslicht zu arbeiten, so daß eine Verlängerung der Pausen zu einer verhältnismäßig starken Verkürzung der Arbeitszeiten im Winter gegenüber der in den anderen Jahreszeiten üblichen führen müßte. Für andere Industrien wird behauptet, daß die Ausnutzung des Tageslichtes von besonderem Werte für das gelieferte Produkt sei. Gegen besondere Bestimmungen über die Pausen für die Fabrikarbeiterinnen wird der nur vom Untcrnehmerstand- punkt begründete Einwand gemacht, daß die Regelung der Frauenarbeit auf die Arbeitsbedingungen des männlichen Personals zurückwirken müsse, daß somit die Einführung einer anderthalbstündigen Pause diese Regelung für die gesamte Arbeiterschaft im Gefolge habe. Im Interesse der Arbeiter wird dies bedauert, weil eine längere Ausdehnung der Mittagsruhe eine entsprechend spätere Beendigung der Nachmittagsschicht zur Folge haben könnte. Die von uns eingangs gemachten allgemeinen Bemerkungen über die Nachteile einer langen Arbeitspause für diejenigen Arbeiterinnen, welche sehr entfernt von der Arbeitsstätte wohnen, finden sich ebenso in den Berichten wie die Vermutung, daß die verlängerten Arbeitspausen Arbeiter und Arbeiterinnen zu gesteigertem und verlängertem Wirtshausbesuch veranlassen mühten. Vielfach wird angenommen, daß die Verlängerung von Mittagspausen zum Wegfall der kurzen Vormittagsund Nachmittagspause führen würde, die die Fabrikinspektoren einmütig als notwendig bezeichnen. Aus den zahlreichen Angaben der Aufsichtsbeamten wollen wir die für Berlin hervorheben.„Eine gesetzlich auf anderthalb Stunden zu erweiternde Mirtagspause kann den meist weit von der Arbeitsstätte, oft in den Vororten wohnenden Arbeiterinnen nicht die gedachten Vorteile bringen, da es ihnen auch dann noch nicht möglich sein würde, mittags zu Hause zu sein und ein noch so bescheidenes warmes Mittagessen dort sorgfältig zu bereiten, zumal von dieser Zeit der Hin- und Hergang noch abgerechnet werden müßte. Außerdem unterbleibt der Heimgang während der Mittagspause oft notgedrungen wegen der Kosten für Hin- und Rückfahrt und sonstiger Umständlichkeiten, von welchen besonders das lästige und zeitraubende Umkleiden in Frage kommt. Um allen diesen Unannehmlichkeiten aus dem Wege zu gehen, ziehen es die Arbeiterinnen vor, mittags überhaupt in der Fabrik oder in deren Nähe zu verbleiben, und nehmen fast allgemein gegen eine Verlängerung der Mittagspause Stellung, die denn doch nur mit einer Verlängerung der'Arbeitszeit am Abend und späteren Heimkehr von der Arbeit gleichbedeutend sein würde." Der Aufsichtsbeamte ist deswegen für eine Einteilung der Arbeitszeit, welche eine möglichste Abkürzung derselben und die Rückkehr der Arbeiterinnen nach Hause zu dauerndem Aufenthalt ermöglicht. Er ist für jede Verkürzung der Pausen, solange gesundheitliche Bedenken nicht im Wege stehen. Ahnlich urteilt der Breslauer Gewerberat. Der Liegnitzer Aufsichtsbeamte teilt mit, daß ein Teil der seiner Aufsicht unterstellten Arbeiterinnen zum Teil in geringer Entfernung von der Arbeitsstätte, zum Teil in weiterer Umgebung wohnt. Dieser Teil ist daraus angewiesen, sein Mittagsbrot in der Fabrik einzunehmen, wozu eine Stunde völlig ausreicht, während das Bestreben begreiflich ist, möglichst früh nach Hause zu kommen. Der Chemnitzer Aufsichtsbeamte stellt fest, daß in neuerer Zeit in Städten und größeren Jndustrieorten das Bestteben sich geltend macht, die Mittagspause auf anderthalb Stunden auszudehnen, er meint aber, daß in vielen Fällen dies den Wünschen der Beschäftigten durchaus nicht entspricht, denn viele Arbeiterinnen benötigen je eine halbe Stunde zum Hin- und Hergehen, so daß ihnen doch nur für Bereitung und Einnahme des Mittagessens eine halbe Stunde zur Verfügung stände. Auch diejenigen Inspektoren, die dem Neichsamt des Innern die Verlängerung der Mittagspausen nahelegen, sind mehr oder weniger zweifelnd zu ihren zustimmenden Schlußergeb- niffen gelangt. So entnehmen wir dem Gntachten der Darmstädter' Assistentin nachstehendes:„Eine Verlängerung der Mittagspause von einer auf anderthalb Stunden möchten wir nur bedingt befürworten, und zwar im Interesse der Arbeiterinnen selbst. In den meisten Fällen würde die Verlängerung der Mittagspause dazu führen, den Schluß der Arbeitszeit hinauszuschieben. Dies ist jedoch durchaus nicht im Interesse der Arbeiterinnen gelegen. Soll die Einführung der anderthalbstündigen Mittagspause den beabsichttgten Zweck erreichen, so müßte ferner bestimmt werden, daß zwischen Beginn und Ende der Arbeitszeit einer Fabrik nur ein Zeitraum von zwölf Stunden zulässig ist. Außerdem ist eine verlängerte Mittagspause nur für solche Arbeiterinnen mit Vorteil verbunden, die am Orte des Betriebs wohnen. Von der anderthalbstündigen Mittagspause sollte in solchen Fabriken Abstand genommen werden können, in denen mehr als die Hälfte der Arbeiterinnen außerhalb des Ortes des Betriebs wohnhaft sind." Von den Berichten, die sich in entschiedenerer Weise für die Verlängerung der Mittagspause aussprechen, führen wir den unterelsässischen an:„Das Bedürfnis einer mehr als einstündigen Mittagspause ist ein dringliches. Nicht nur das Familienintereffe, auch die Gesundheitspflege der einzelnen Arbeiterin fordert sie. In vielen Fällen wird die Mahlzeit zu Hause genommen werden können, wo es jetzt nicht geschieht, in anderen mit größerem Behagen gespeist werden. Der Zusammenhang mit dem Familienleben wird in beiden Fällen gefördert werden. Wo dies nicht möglich ist, da wird mindestens doch die Arbeiterin Zeit gewinnen, Schweiß und Arbeitsschmutz abzuwaschen, ehe sie speist, und sich ausruhen, nachdem sie gespeist hat. Beides ist gesundheitlich notivendig.... Einen stichhaltigen Einwand gegen die anderthalbstündige Pause vermag ich nur in den seltenen Fällen anzuerkennen, wo die von den Arbeiterinnen benutzten Eisenbahnen ihre Zuglage dem heuttgen Arbeitsbeginn und-schluß der Betriebe angepaßt haben und die Betriebe oder die Eisenbahn vorerst nicht in der Lage sind, sich entsprechend neu einzurichten. Aber auch in solchen, wie gesagt, seltenen Fällen wird es erfahrungsgemäß bei gutem Willen gelingen, die notwendigen Änderungen herbeizuführen." Die überwiegende Mehrheit der Unternehmer, ebenso die Unternehmervereinigungen verhalten sich zumeist ablehnend gegen eine Verlängerung der Pausen. Die Wünsche der Arbeiterschaft richten sich nach den örtlichen Verhältnissen; vielfach wird dem früheren Schluß der Arbeit vor der Verlängerung der Arbeitspausen der Vorzug gegeben. Ja in einzelnen Bezirken ist sogar das Bestreben hervorgetreten, auch die einstündige Mittagspause zugunsten einer verlängerten abendlichen Freizeit zu verkürzen. In Berlin ist für 14 Prozent der Arbeiterinnen bei neunstündiger Arbeitszeit die Mittagspause schon auf eine halbe Stunde verringert worden. In den Kreisen der Arbeiterinnen ist nur in wenigen Bezirken(Düffeldorf, Köln a. Rh., Chemnitz, Oldenburg und Bremen) der Wunsch nach Einführung einer längeren Mittagspause rege. Über die Stellung der Arbeiterorganisationen liegen be» dauerlicherweise nur Berichte aus vier Bezirken, zwei rheinpreußischen und zwei sächsischen, vor. Der Aufsichtsbeamte zu Leipzig berichtet, daß die Arbeiterschaft der Verlängerung der Mittagspause teilnahmlos gegenüberstehe, auch die Leipziger Textilarbeiterorganisationen hätten keinen Wunsch nach Verlängerung der Pause vorgettagen. Nach den Be» richten aus Düsseldorf, Aachen und Zittau wird dagegen von den Arbeiterverbänden übereinstimmend die Einführung der anderthalbstündigen Ruhezeit erstrebt. Die in Zittau be» stehenden Verbände erklärten, sie würden dabei gerne den Wegfall der Frühstücks- und Vesperpause in Kauf nehmen. Zur Begründung ihres Verlangens führen sie aus, daß eine einmalige längere Arbeitsunterbrechung die Kräfte besser zusammenhält als mehrere kurze Pausen, und daß die vorgeschlagene Regelung einer größeren Anzahl von Arbeitern und Arbeiterinnen die Möglichkeit bieten würde, ihr Mittagessen im Kreise der Familie zu verzehren. Man ersieht hieraus, daß eine einheitliche Feststellung der Wünsche der Arbeiterinnen wegen der sehr verschieden liegenden Verhältnisse nicht möglich ist, sicherlich würde eine Verlängerung der Mittagspause einem Bruchteil der Arbeiterinnen bemerkenswerte Vorteile bringen, aber ein noch größerer Teil derselben dürfte dafür Nachteile mit in Kauf zu nehmen haben. Uns scheint ein früherer Arbeitsschluß am Abend von größerem, allen Arbeiterinnen zugute kommendem Vorteil zu sein. Hierauf scheint sich der Wille der Arbeiterinnen konzentrieren zu sollen. Sollte dies Urteil nicht berechtigt sein, so würde es sich empfehlen, in der „Gleichheit" abweichende Anschauungen anzuführen und zu begründen. Wir empfehlen um so dringender eine Besprechung der hier erörterten Frage, weil die Gutachten der Arbeiterorganisationen in dieser Enquete, wie nur zu oft, zu kurz gekommen sind. Daß für die Gestaltung der Mittagspause noch andere Gesichtspuntte in Betracht kommen als die in vorstehender, gezwungenermaßen kurz geratenen Erörterung, beweisen schon die drei Artikel in den Nummern 17, 18 und 25 der„Gleichheit" vom Jahre 1903, deren Nachlesen wir warm empfehlen möchten. Da die Neugestaltung der Arbeitszeit der Frauen und der Mittagspause den Reichstag beschäfttgen wird, sobald Marine-, Steuer- und ähnliche Fragen ihm Zeit lassen, ist die Klarlegung der Interessen der Arbeiterinnen in der„Gleichheit" dringend nötig. aä. br. Delegiertenversammlung des Schweizerischen Arbeiterinnenverbandes. Die schweizerische Arbeiterinnenbewegung ist noch jung erheblich jünger als die allgemeine sozialdemokratische Arbeiterbewegung in der Schweiz, die sich ja ebenfalls noch in ihren Jugendjahren befindet. Hatte diese viele und schwere Hindernisse zu überwinden, bis sie da anlangen konnte, wo sie heute steht, und harren ihrer auch für die Zukunft noch immer Schwierigkeiten aller Art, so daß auch der kleinste Fortschritt im Kampfe mit feindlichen Gewalten errungen werden muß, so ist die Situatton für die Arbeiterinnen- bewegung keineswegs günstiger. Irren wir nicht, wurden die ersten Arbeiterinnenvereine in der Schweiz in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts gegründet, aber mancher davon ist nach kürzerer oder längerer Lebensdauer wieder zugrunde gegangen. In den neunziger Jahren wurde der Arbeiterinnenverband gegründet, der abwechselnd io Basel, St. Gallen und Zürich seinen Sitz hatte, und desse» Zentralkomitee gegenwärtig in Winterthur ist. Dem Verband sind angegliedert die Arbeiterinnenvereine in Zürich, Basel- Biel, Winterthur, Schaffhausen, Wik und Frauenfeld, der Taglöhnerinnenverein Bern und der Stauffach erinnenv ereio Basel, zusammen neun Sektionen. Ter Arbeiterinnenverei» St. Gallen, der früher die Verbandsleitung besorgte, gehört seltsamerrveise dem Verband nicht an. Zu dem Verbandstag hatten alle Sekttonen, mit Ausnahm« derjenigen in Biel und Frauenfeld, Delegierte gesandt, und zwar insgesamt achtzehn, wozu noch vier Mitglieder dei Zentralkomitees kamen. Das Bundeskomitee des Schweiz� rischen Gewerkschaftsbundes in Bern ließ sich durch sein« Sekretärin, Genossin vr. Faas, vertreten. Das Zentralkomitee berichtete, daß ihm in Wil die Grün' dung einer neuen Sektton gelungen sei, und daß es den Tag' löhnerinnenverein Bern zum Anschluß an den Verband be wegen konnte. Ein vom Zentralkomitee herausgegeben� Maiflugblatt fand in den Sektionen Anklang und gute Vor breitung. In der Agitationskommission für die Revision deschweizerischen Fabrikgeseyes hat der Verband eine Ver tretung, im Bundesvorstand des Schweizerischen Arbeiten bundes ist er durch zwei Genossinnen vertreten. Der jüng? in Ölten abgehaltene schweizerische Arbeitertag beschloß av' Antrag der Vertteterin des Verbandes, auf die Aufnahm« der Wöchnerinnenversicherung in der projektierten schweiz« rischen Krankenversicherung hinzuwirken. Daneben beschäftig«« sich das Zentralkomitee mit der Ausarbeitung neuer Statutes deren Beratung das Hauptgeschäft des Verbandstags bildet« Die Zenttalkassiererin, Frau Zinner, berichtete, daß die Ei» nahmen vom August 1994 bis Ende Juni 1905 6S6,3S Frc� betrugen, die Ausgaben 413,69 Frcs. und daß der Kasfenbestam sich auf 242,75 Frcs. beläuft. Das Verbandsvermögen stell« sich aus 347,25 Frcs., um 129 Frcs. mehr als bei der Übel nähme der Geschäfte. Was das beratene neue Statut anbelangt, so sei erwähM daß der Verband überall, wo Arbeiterinnen und Arbeite« frauen vorhanden sind, Sektionen gründen soll, ohne dadu� jedoch der Gewerkschaftsbewegung entgegenwirken zu wollet« Der Verband selbst ist dem Gewerkschaftsbund angeschloss«" und will daher dafür wirken, daß die Arbeiterinnen in erst«« Linie ihrer Berufsorganisation sich anschließen; es bleib«« dann imnier noch genug Frauen, die für den Arbeiterinn«« verband als Mitglieder gewonnen werden können. Zu dies««« Zwecke sollen Agitationsversammlungen veranstaltet, es soll«« in Mitglieder- und öffentlichen Vereinsversammlungen b« lehrende Vorttäge gehalten werden usw. Pro Mitglied um Monat haben die Sektionen an die Verbandskasse einen Ä«« trag von 19 Rappen(8 Pf.) zu leisten. Die Delegiert«« Versammlung soll jedes Jahr, und zwar jeweilen zu Ost««" abgehalten werden. Zum Schlüsse wurde folgende, von Genossin vr. Faas b« antragte Resolution ohne Diskussion einstimmig angenomm«« „Die am 2. Juli 1995 in Winterthur stattfindende Del« giertenversammlung des Schweizerischen Arbeiterinnenv«« bandes bringt der zuständigen Behörde folgende einstimmt gefaßte Resolutton zur Kenntnis:, Bei Anlaß der kommenden Revision des Fabrikgesetzes st" der Maximalarbeitstag auf zehn Stunden festgesetzt werd«« Es soll für vermehrte Schutzbestimmungen, namentlich a>� für die Arbeiterinnen gesorgt werden, und zu diesem Zw«« sollen die Arbeiterinnen in der Expertenkommission du« weibliche Experten vertteten sein. Es soll danach getraäst werden, daß die gesetzliche Regelung der Arbeitsverhältw« auch auf Kleinbetriebe und namentlich auch auf die H«� arbeit ausgedehnt wird, sei es durch vollständige Umwandln«« des Fabrikgeseyes, sei es durch Ergänzungsgesetze, damit allerärgsten Ausbeutung und namentlich der Kinderarb« wirksam gesteuert werden kann. � Endlich sollen bei der Ausarbeitung eines neuen Krank«« und Unfallversicherungsgesetzes auch die Wöchnerinnen'« begriffen werden."« In inanchen schweizerischen Arbeiterinnenvereinen sp«, leider immer noch der Geist der bürgerlichen Frauenbewegv«« und so lag auch diesem Verbandstag wieder wie seinen V« Nr. 15 Jugend und Sozialismus. dz. Die Gleichheit 87 gängern der Antrag auf Anschluß des Verbandes an den Gruppe für die heranwachsende Jugend im Alter von 14 bis| stimmt ihm zu. Lange Haare und kurzer Verstand. Was hat die Frau in der Politik zu suchen, sie mag sich an schweizerischen Frauenbund vor. Er fand vorläufig dadurch 18 Jahren. seine Erledigung, daß er dem Zentralfomitee zur Prüfung Was zunächst die erstere Gruppe anbetrifft, so müßten den Kochherd scheren!", deklamiert er weiter. Wieder beüberwiesen wurde. Ich hoffe, daß der Antrag recht bald ihre Zusammenfünfte regelmäßig jeden Tag stattfinden, etwa gleitet ihn der frenetische Beifall der bürgerlichen Mehrden Weg in den Papierkorb finden wird, und daß das Zentral- in der Zeit von 3 bis 7 Uhr nachmittags. Besonders aus heit. Und zum Schlusse wirft der bürgerliche Durchschnittsfomitee ihn zum Anlaß nimmt, eifrig an der Aufklärung der einem Grunde noch scheint mir das sehr empfehlenswert: politiker noch ein gewichtiges Argument in die Wagschale. Arbeiterinnen zu arbeiten, um sie mit sozialdemokratischem Da in sehr vielen Arbeiterfamilien leider Vater und Mutter Er beruft sich auf den Ausspruch dieses oder jenes GeGeiste, mit dem Klassenstolz der Proletarierin zu erfüllen und in Arbeit gehen müssen, sind die Kinder sehr häufig ge- lehrten:„ Das Gehirn des Weibes ist kleiner als das des sie zu tüchtigen Gesinnungsgenossinnen und begeisterten Mit- zwungen, sich den Nachmittag über auf der Straße herum- Mannes," ergo: Die Frau ist nicht imstande, dem Manne kämpferinnen in der großen sozialdemokratischen Armee zu zutreiben. Dabei sind sie, besonders im Alter von 10 bis in geistiger Beziehung zu folgen, ihre Auffassungskraft reicht erziehen. Möge die Winterthurer Delegiertenversammlung 14 Jahren, der Verrohung ausgesezt, was nicht nur eine nur bis zur Vorstufe der männlichen Intelligenz, und deszum Ausgangspunkt eines neuen Aufschwunges für den Gefahr für sie selbst und die gesamte Arbeiterklasse ist, halb muß ihre Tätigkeit möglichst auf die häuslichen VerSchweizerischen Arbeiterinnenverband werden! sondern später auch die Sozialdemokratie in ihrer Auf- richtungen beschränkt bleiben. Soweit sie sich auf wirtschaftflärungsarbeit außerordentlich hindert, weil es sehr schwer lichem und geistigem Gebiet betätigt, begnüge sie sich mit fällt, aus verrohten Leuten überzeugte Sozialdemokraten den geringeren Funktionen. Soziale und politische Aufklärung und tüchtige Klassenkämpfer zu machen. Wenn es nun aber und Schulung ist der Proletarierin vom übel, der Besitz ungelingt, durch die Jugendheime wenigstens einen Teil der eingeschränkter Koalitionsfreiheit und des Wahlrechtes erst Jugend vor der Verrohung zu bewahren, so ist damit schon recht. Das Weib diene, gehorche und schweige in der Geallein der Sozialdemokratie in hohem Grade ihre Agitation meinde, denn also ist es gewesen und also muß es bleiben. erleichtert. Die Beschäftigung der Gruppe würde etwa Weil das Weib jahrhundertelang entmündigt war, soll es darin zu bestehen haben, daß den Kindern gute Gedichte auch fürder entmündigt sein; weil es bis jetzt gedankenlos, und Erzählungen, Romane, wissenschaftlich- belehrende Auf- in begreiflichem Stumpfsinn dem öffentlichen Leben gegenfäße usw. vorgelesen werden, respektive daß die Kinder selbst über verharrte, soll es nie am Leben der Allgemeinheit attiv diese vorlesen. Ferner wäre es sehr wichtig, die Kinder teilnehmen. Eine schöne Beweisführung! Andere Einwände darin zu unterweisen, wie sie lesen sollen, um vom Lesen gegen die politische Betätigung der Frau sind ihr ebenbürtig. einen Genuß und einen Nutzen zu haben. Durch Spiele Jm Reichstag zum Beispiel machte vor nicht allzu langer müßte man ihnen nach der geistigen Arbeit auch Pausen Beit ein Abgeordneter der Rechten die Bemerkung:„ Was für Freude und Vergnügen gewähren. Auf diese Weise würde es für einen Eindruck hervorrufen, spräche eine würde es wohl gelingen, die Kinder zu ernstem Nachdenken schwangere Frau von der Rednertribüne herab." Von sozialanzuregen, ihnen Freude an der Beschäftigung mit ernſten demokratischer Seite wurde ihm darauf treffend geantwortet, daß der Gedanke an seine eigene Mutter, die sich einst in Arbeiten, ihnen Freude an edlen Genüssen beizubringen. demselben Zustand befand, ihm jede Anwandlung zum Spotte rauben müßte. Von Franz Krüger, Königsberg i. Pr. Die Frage: Wie gewinnen wir die Jugend für den Sozialismus? gehört zweifellos zu denjenigen Fragen, die für die Sozialdemokratie von der eminentesten Bedeutung sind. Und zwar ist gerade diese Frage so außerordentlich wichtig, weil von ihrer befriedigenden Lösung die Größe des zukünftigen Erfolges der Sozialdemokratie in hohem Maße abhängt. Gelingt es uns, bereits bei der Jugend in geeigneter Weise den Boden vorzubereiten, auf welchem dann der Samen des Sozialismus ausgestreut werden soll, so können wir wohl sagen, daß uns die Zukunft um so schneller gehört. Infolge unserer„ herrlichen" Vereinsrechtszustände ist es ja leider nicht möglich, überall in Deutschland die heranwachsende Jugend zum Zwecke der Aufklärung und Belehrung in Vereinen zusammenzuschließen, es wird dies nur in ver- Auf den ersten Blick wird es vielleicht scheinen, daß die schwindend geringem Umfang und unter großen Schwierig Durchführung meines Planes an dem Mangel an geeigneten Man will die Frau auf ihren Haushalt beschränken, und teiten geschehen können. Da dieser Weg demnach im all- Kräften scheitern müßte. Das ist aber kein so schweres gemeinen nicht gangbar ist, muß man zu anderen Mitteln Hindernis, als es vielleicht den Anschein hat. Denn ich doch raubt die heutige Gesellschaftsordnung einem großen greifen. Da ist das nächstliegende und verhältnismäßig nicht glaube, daß hier eine Gelegenheit gegeben ist, wo die sozial- und wachsenden Teile des weiblichen Geschlechtes jede Mög besonders schwierig durchführbare Mittel die Schaffung einer demokratischen Frauen sich im Interesse der Partei in über- lichkeit, sich ausschließlich in der Häuslichkeit oder auch nur unseren Zwecken entsprechenden Jugendliteratur. Ein Schritt aus wertvoller Weise betätigen können. Ich glaube sicher, überhaupt in ihr zu betätigen. Der Umschwung der wirtin dieser Richtung ist schon getan durch die Herausgabe der daß sich fast überall genügend viel Frauen und Mädchen schaftlichen und sozialen Verhältnisse bedingt es, daß die Kinderbeilage der„ Gleichheit". Diese Kinderbeilage steht info- finden werden, welche die oben stizzierte Tätigkeit als Frau der mittleren und unteren Schichten der Bevölkerung fern wesentlich günstiger als eine besondere Jugendzeitschrift, Leiterinnen solcher Jugendgruppen an den einzelnen Tagen allmählich aus dem Hause verdrängt wird, um statt als Hausfrau und Mutter tätig zu sein, dem Verdienst nachzuweil sie bereits einen festen Leserkreis hat, während die letztere übernehmen. sich einen solchen erst neu erwerben müßte. Hoffentlich wird die Die Tätigkeit der Gruppe II, welche die Jünglinge und gehen.„ Die Frau muß hinaus ins feindliche Leben, muß Kinderbeilage der„ Gleichheit" im Verein mit der übrigen schon jungen Mädchen im Alter von 14 bis 18 Jahren umfaßt, wirken und streben...." heißt es. Ein großer Prozentsatz des bestehenden oder noch zu schaffenden Jugendliteratur uns würde sich darauf zu erstrecken haben, das, was in der weiblichen Geschlechtes muß in unserer Zeit der Hoffnung dem Ziele, das wir uns gesteckt haben, ein gutes Stück näher ersten Gruppe begonnen ist, fortzusetzen. Für diese zweite entsagen, im eigenen Hausstand zu leben und zu weben. Unbringen. Die Jugendliteratur allein setzt uns aber natürlich Gruppe müßte das Jugendheim an allen Abenden etwa von erbittlich reißt sie der Strom des rücksichtslosen, brutalen noch nicht in den Stand, das eingangs angedeutete Ziel zu 7 bis 10 Uhr geöffnet sein. Hier müßten die jugendlichen Kapitalismus hinaus in das wirtschaftliche Leben, zwingt sie, erreichen. Auch die schönste und beste Jugendliteratur wird Personen Gelegenheit zu ernſter und belehrender Lektüre mit den Wogen zu ringen, zu ringen um ihr Brot, um ihre immer nur einen sehr teilweisen Erfolg haben, wenn keine( Lesezimmer) finden. Diese Lektüre muß aber auch auf Existenz. Schon in frühester Jugend beginnt für das Mädchen Gelegenheit für die Jugend besteht, das Gelesene durch Aus politische, volkswirtschaftliche Werke usw. ausgedehnt werden. der besiglosen Klassen der Kampf ums Dasein, und mit jedem sprache zu flären und zu befestigen. Diese Möglichkeit in den Zusammenfünften an den Abenden muß es den Tage verschärft er sich. Not und Sorgen stählen den Willen wäre durch Jugendvereine in ausreichendem Maße gegeben, Besuchern möglich sein, sich Auskünfte und Anleitung dar- und drängen die Frau, zu tun, was sie früher nicht tataber gerade die Gründung von Jugendvereinen ist ja un- über zu holen, was sie lesen sollen, und sich über aufge- zu denken. Der Zwang und die Fähigkeit zu denken steigt, möglich, von ganz verschwindenden Ausnahmen abgesehen. stiegene Zweifel auszusprechen. Zu diesem Zwecke müßten der Gesichtskreis der Frau erweitert sich, und sie lernt beAuch öffentliche Versammlungen für die Jugend können gar an allen Abenden Parteigenossen und-Genossinnen an- greifen, trotz ihrem kleinen Hirn, was ihr not tut zum Leben, nicht in Betracht kommen. Abgesehen von den Schwierig wesend sein, welche die nötige Vorbildung besitzen, um die zur menschenwürdigen Eristenz: neben den Pflichten Rechte, keiten, die das Abhalten solcher Versammlungen bereitet, Leitung dieser Abende, die Erteilung von Auskünften usw. statt der Ketten Waffen! wäre auch der Nutzen ganz minimal. Die Versammlungs- zu übernehmen. In Gruppe II fann man dann auch daran besucher laufen auseinander, was sie soeben gehört haben, gehen, die Besucher mit dem Sozialismus bekannt zu machen, verfliegt bei den meisten wieder bald, und vor allem würde sie zu Sozialdemokraten zu erziehen. Zweifellos scheint es nahezu unmöglich sein, die einzelnen jugendlichen Per mir, daß die aus diesen Jugendheimen hervorgehenden sonen einander persönlich näher zu bringen. Gerade das Sozialdemokraten auf einem höheren geistigen Niveau stehen lettere scheint mir aber in hohem Maße erforderlich. Es werden, als wenn man sich in ihrer Jugend nicht um sie wird dadurch zunächst das Zusammengehörigkeits-, das gekümmert hätte. Das wäre aber ein ganz bedeutender Solidaritätsgefühl zwischen den einzelnen gefördert, und diese Fortschritt; denn dadurch würde nicht nur die Aufklärungserhalten Gelegenheit zur gegenseitigen Aussprache über das, arbeit der Sozialdemokratie ganz beträchtlich erleichtert, sonwas sie in der Jugendliteratur gelesen haben, was ihnen dern es würde uns auch eine Anzahl Mitkämpfer gegeben, darin oder sonst im Leben aufgestoßen ist, sie können sich welche in besonderem Maße zum Klassenkampfe befähigt und Unregungen geben usw. Es muß ihnen aber auch bequeme vorbereitet sind. Gelegenheit geboten werden, sich bei entsprechend vorgebildeten Genossen Aufklärung zu holen über Dinge, die ihnen unflar find, Anregungen und Belehrungen darüber, was sie lesen sollen und dergleichen. geben. Bahn frei für die neue Kämpferin! Auf, du geknechtetes und entrechtetes Weib, ermanne dich, lerne kämpfen um bein Recht, das man dir verweigert. Laß aus deiner gepreßten Kehle sich den Schrei nach Brot, Bildung und Freiheit ringen, offenbare das Weh des Mutterherzens, schleudere der oberen Gesellschaft, jener Heuchlerfippe, welche sich mit ihrer verlogenen Moral und Kultur brüstet, den Fluch des Glends ins Antlig. Vorwärts, du weibliches Proletariat! Die Männer der Arbeit haben dir den Weg geebnet und die Richtung gezeigt, folge ihnen. Folge ihnen auf das gewerkschaftliche und politische Gebiet des Klassenkampfes. Erst wenn auch die Frauen aufgeklärt, geschult und organisiert in kompakten Massen kämpfen, können sie sich ihr Recht, ihr volles Menschentum ertrozen. Die Frau muß mit dem Manne Seite an Seite kämpfen, dann kann sie Gleichberechtigung erringen. Nicht als Rivalin, sondern als Genoffin des Mannes muß sie dastehen. Gleiche Pflichten, gleiche Rechte soll ihre Lofung sein. Sie muß in der modernen Arbeiterbewegung mitkämpfen, um an ihren Errungenschaften teilnehmen zu können. Noch drehen sich die Gedanken viel zu vieler Frauen und Mädchen um nichtige und kleinliche Angelegenheiten, noch schrecken viele davor zurück, auf dem steinigen Pfad des gewerkWenn mein Vorschlag vielleicht auch noch mancher Verbesserungen bedürfen wird, so glaube ich doch, daß er ernsthafter Erwägung wert und geeignet ist, die sozialistische Jugendagitation in die richtigen Bahnen zu leiten. Des Da die Gründung von Jugendorganisationen nicht möglich halb möchte ich auch noch den Wunsch aussprechen, daß die ist, möchte ich vorschlagen," Jugendheime" zu gründen, Parteizeitungen meinen Plan zur Kenntnis ihrer Leser um die oben dargelegten Zwecke zu erreichen. Ich denke bringen möchten, um diesen Gelegenheit zur Diskussion zu mir die Arbeit dieser Jugendheime etwa folgendermaßen: Nachschrift der Redaktion. Der vorstehende Artikel Gin zweckentsprechendes Lokal( Wohnung) wird als Jugendheim eingerichtet. In erster Linie ist ein Lesezimmer not schneidet eine Frage an, deren Grörterung unseres Erachtens wendig, in welchem die bedeutendsten sozialdemokratischen für die Sozialdemokratie immer dringender geboten wird. schaftlichen und politischen Lebens zu wandern. Viele HinderZeitungen und Zeitschriften, sowie möglichst vollständig alle Damit soll feineswegs gesagt sein, daß wir allen Anregungen nisse sind noch zu überwinden, und mit manchem Vorurteil Jugendliteratur ausliegt, welche in unserem Sinne geschrieben unbedingt zustimmen, welche Genosse Krüger formuliert. muß gebrochen werden, ehe die Massen des weiblichen ist und unsere Zwecke fördern kann. Außer der eigentlichen Umgekehrt: so mancherlei haben wir gegen die und jene von Proletariats erwachen. Doch der Anfang ist gemacht, und Jugendliteratur müßten aber auch geeignete geschichtliche ihnen einzuwenden. Wir halten jedoch mit unserer Auf- besonders in letzter Zeit hat die proletarische Frauenbewegung und naturwissenschaftliche Werke, sowie die Werte unserer fassung zurück, damit möglichst viel Spielraum für eine die erfreulichsten Fortschritte zu verzeichnen. Pflicht aller großen Dichter und Denker und der bedeutendsten Schrift Diskussion bleibt, in der zunächst die Ansichten und An- aufgeklärten Proletarier ist es, an der Aufklärung und Orsteller der Neuzeit ausliegen. Auf diese Weise kann das regungen unserer Leserinnen und Leser zum Ausdruck ge- ganisierung des weiblichen Proletariats tatkräftig mitzuwirken. Daß die proletarische Frau als vollgültige Kämpferin Lesebedürfnis der das Heim besuchenden Jugend befriedigt langen sollen. und Genossin dem Manne zur Seite steht, ist eine unerläßwerden. Andererseits gilt es, dafür Sorge zu tragen, daß liche Vorbedingung für Sieg und Erlösung des gesamten das Gelesene bei den Kindern und jungen Leuten wie Mädchen Proletariats. Ist die Frau emporgerüttelt aus ihrem Schlafe, auch einen dauernden Eindruck hinterläßt, daß es seinen Zweck erfüllt, indem es die Jugend allmählich zur Erkennt- Dieser alttestamentarische Bibelspruch von der Stellung aus ihrem mühevollen und freudlosen Dasein, kämpft sie nis der sozialistischen Ideen führt. Dazu ist notwendig, daß der Frau spukt heute noch in dem Kopfe des engherzigen, mit klarer Erkenntnis und glühender Begeisterung für die ihr Gelegenheit zu zwanglosen Zusammenkünften gegeben turzsichtigen und gedankenarmen bürgerlichen Politikers. Mit sozialistische Zukunft, so wird die revolutionäre Arbeiter. wird. Zu diesem Zwecke werden je nach Bedarf ein oder stumpfsinniger Verbohrtheit, sich am alten Zopf festklammernd, bewegung Ausdehnung und Kraft gewinnen. Zu unwidermehrere Zimmer als Aufenthaltsräume gemütlich ausgestattet. steht er dem wirtschaftlichen und sozialen Umschwung der ſtehlicher Macht erstarkt, wird sie Bresche um Bresche in die G3 müssen Unterhaltungs- und Gesellschaftsspiele vorhanden Beit verständnislos und feindselig gegenüber. Die Rechte, kapitalistische Ordnung legen und diese schließlich vollständig sein, und eventuell könnten auch Gßwaren und Getränke( da die er gezwungen dem Arbeiter gewähren mußte, will er zertrümmern. In der sozialistischen Gesellschaft aber, die um die Jugend handelt, selbstverständlich alkohol- der Arbeiterin nicht zuerkennen, weil sie eine Frau iſt. das revolutionäre Proletariat an ihre Stelle setzt, wird die freie) zu möglichst billigen Preisen verabsolgt werden. Wenn die Arbeiterin, die Proletarierin im wirtschaftlichen Sonne der Freiheit und unverkümmerten Menschentums Zum Zwecke der systematischen Arbeit wäre c3 meines und politischen Leben für bessere Zustände kämpft, so ist auch dem Weibe leuchten. In ihr und nur in ihr wird diese Grachtens richtig, zwei Gruppen zu bilden, und zwar eine ihm das ein Greuel.„ Die Frau gehört in das Haus!" Frau ihr eigener Herr sein. Emil Unger, Halensee- Berlin. Gruppe von Kindern von 10 bis 14 Jahren und eine ruft er, und der Chor seiner Brüder in Beschränktheit es fich Er soll dein Herr sein! 88 Die Gleichheit Nr. 15 Aus der Bewegung. Ia R 3 sondern auch, da sie zum großen Teil ihren Wohnsitz auf der Ruhstrat- Affäre zutage getreten, die soeben ihr dem Lande beibehalten, nach demselben wurzeln sie mit all drittes Stadium, den Meineidsprozeß gegen den ihrem Wesen in der bäuerlichen Gedankenwelt. Infolge der Kellner Meyer, durchlaufen hat. Zum Glück war es Bedürfnislosigkeit, zu der sie erzogen sind, und infolge des gelungen, die Sache der Oldenburger Atmosphäre zu ent Umstandes, daß sie sich ihr Gemüse selbst bauen, ihren ziehen. Das Schwurgericht in Bückeburg hat durch Frei Most selbst teltern, ein Häuschen ihr eigen nennen, wenn sprechung Meyers mächtig dazu beigetragen, das Ansehen auch Hypotheken darauf lasten, nehmen sie mit einem niedri- der Schwurgerichte in Deutschland zu heben, die leider in $ 3 gen Lohn vorlieb. Diesen Verhältnissen sowie der den Land- letzter Zeit ihren kapitalistischen Klassencharakter häufig in arbeitern eigenen Schwerfälligkeit ist es geschuldet, daß diese einer dem Volksempfinden widersprechenden Weise betätigt Arbeiter und Arbeiterinnen schwer für die Organisation zu hatten. Wäre Meyer vor ein Kollegium von Berufsrichtern gewinnen sind. Viel Mühe und Ausdauer wird noch müssen zur Aburteilung gekommen, so wäre zu befürchten gewesen, daß auch ihm gegenüber die bureaukratische Gemeinbürg aufgewendet werden, bevor es schneller vorwärts geht. Luise Ziez. schaft zugunsten des Ministers Ruhstrat das richterliche Ur In Bant- Wilhelmshaven hat sich die agitatorische teil getrübt hätte. Es muß sich nun noch zeigen, ob diese Kleinarbeit von Genossin Gotthusen- Hamburg als recht bureaukratische Gemeinbürgschaft auch fernerhin stark genug erfolgreich erwiesen. Sie führte der proletarischen Frauen- ist, besagten Pokerfreund in Amt und Würden zu halten. bewegung neue Mitkämpferinnen zu, stärkte die Begeisterung In Rußland wäre der Mann ja, solange dort noch die und Arbeitsfreudigkeit der bereits im Kampfe stehenden Ge- Trepow und Konsorten regieren, ganz am Plaze. In Deutsch nofsinnen und gewann der„ Gleichheit" eine stattliche Anzahl land sollte uns aber die Ruhstrat- Affäre ein neuer Ansporn sein, mit dem bureaukratischen Regierungssystem gründlich neuer Leserinnen. aufzuräumen. Von der Agitation. Zwecks Agitation für den Fabrikarbeiterverband fanden in Baden und Württemberg eine Reihe von Versammlungen statt, in denen Endesunter zeichnete über die Themen referierte:„ Warum müssen wir Klaffenkämpfer sein?" und" Der Rampf um eine menschenwürdige Existenz". In Pforzheim mit seiner großen Industriearbeiterschaft sind leider noch recht wenig Arbeiter und noch weniger Arbeiterinnen organisiert. Die Versamm lung war nur mäßig besucht, woran allerdings am meisten der Umstand Schuld tragen mochte, daß die dortigen Rollegen nur wenig Zeit zur Agitation gehabt hatten. Eines glänzenden Besuchs erfreute sich die Versammlung in Straßburg i. E., die dem Verbande eine Anzahl neuer Mitglieder brachte. Außerdem wurde Genossin Femle als Vertrauensperson gewählt und zirka 50 Abonnenten für die „ Gleichheit" gewonnen. Die Versammlung in Freiburg i. B. war ebenfalls sehr gut besucht. Frl. Jmle und noch andere Vertreter der christlichen Organisation, die anwesend waren, zogen es vor, troz mehrfacher Aufforderung Die Arbeiterschaft Deutschlands wurde auch noch durch zur Diskussion, zu schweigen. Jedenfalls der„ bessere" Teil ein Ergebnis fapitalistischer Ruchlosigkeit aufgeschreckt. Auf der Tapferkeit. Prächtig besucht war die Versammlung in Politische Rundschau. Schopfheim, während in Rheinfelden die Beteiligung Um zwei Diplomatenkongresse wird die Weltgeschichte dem der 3e che" Borussia" im Ruhrgebiet geriet ein Schacht stark litt unter dem auf Schweizerseite abgehaltenen Schüßen- nächst bereichert werden. Mit der Maroffofrage wird in Brand durch Zertrümmerung einer Petroleumlampe fest. Wir hatten uns hier mit den„ christlichen Brüdern" sich der eine, mit dem Frieden in Ostasien soll sich der über dreißig Bergleute sind dabei verunglückt. Eine größere auseinanderzusehen, die in unerhörter Weise die Rede andere befassen. Daß es zum Maroffofongreß gekommen ist, Bahl konnte noch mit Mühe und Not gerettet werden. G freiheit mißbrauchten, indem ihr Wortführer bis nachts wird von den beamteten Staatsweisen in Deutschland als ist schon sträflich genug, daß die Kohlenmagnaten noch 12 Uhr redete, um uns eine wirksame Entgegnung unmög- ein großer Triumph ihres Wirkens gefeiert. Der neugefürstete nicht einmal elektrisches Licht anstatt der gefährlichen lich zu machen, da um 12% Uhr Polizeistunde ist. Dabei Reichskanzler hat einer offiziösen Freudenbotschaft zufolge Petroleumlampen eingeführt haben. Sie würden an ihren befundete der Herr eine unglaubliche Unwissenheit in bezug Tränen der Rührung vergossen, als er in feierlichster Flotten- riesigen Dividenden ja ein paar Pfennige eingebüßt haben auf unsere Sozialgesetzgebung, sowie in bezug auf die parade an Bord einer kaiserlichen Lustjacht empfangen wurde. Jezt machen selbst bürgerliche Blätter auf eine andere Unter jüngsten Vorkommnisse in der modernen Arbeiterbewegung. Was nun erst, wenn wirklich bei der Konferenz etwas heraus- lassungssünde dieser Großausbeuter aufmerksam:„ Es ist nicht Um so besser verstand er, Genossen in führenden Stellungen, fommen sollte, was den Ehrgeiz unserer maßgebenden Welt- das erstemal, daß, wie diesmal auf Zeche ,, Borussia", ein Holz sowie die Referentin zu verdächtigen. Als wir dem Herrn politiker halbwegs zufriedenstellt? Dann werden solch un- schacht alter Konstruktion einer Grube verhängnisvoll ge in gebührender Weise heimleuchteten, vollführte er mit erhörte Ehrungen sich auf das wohlgescheitelte Haupt des worden ist und eine bedauernswerte Ratastrophe für zahl seinen Freunden einen Lärm, daß es fast unmöglich war, durch- Oberreichsdiplomaten ergießen müssen, daß ihm nichts anderes reiche Arbeiter verursacht hat. So wurden zum Beispiel im zubringen. Echt„ christlich"! Besondere Freude hatten wir übrig bleiben wird, als in Ohnmacht zu fallen, was ein Jahre 1897 auf der Beche Vittoria Matthias" in Essen beim plöglichen Zusammenbruch des Schachtes„ Gustav" ein an dem Besuch der Versammlung in Singen, sowie an sehr schönes Bild abgeben wird. dem Geist, der in derselben herrschte. Auch hier wurden Der gefürstete Erbe des Herrn Godeffroy erntet übrigens Steiger und fünf Arbeiter, welche den während der Kohlen außer Mitgliedern für den Verband Abonnenten für die auch bei dem Marofforummel, wo er nicht gefäet hat. Daß förderung beschädigten Schacht befahren mußten, vollständig ,, Gleichheit" gewonnen, und es erfolgte die Wahl einer Ver- die Geschichte trotz der sattsam bekannten Diplomatenintrigen verschüttet. Dieser Unfall gab dem Königlichen Oberbergamt trauensperson und einer Stellvertreterin. Gut besucht waren eine friedliche Entwicklung genommen hat, ist in erster Linie damals zu einer generellen Verfügung Veranlassung, durch die Versammlungen in Untertürkheim, Stammheim dem energischen Friedenswirken der internationalen Sozial- welche diejenigen Zechen, welche noch alte, nur mit Holz und Zuffenhausen, dagegen wies die in Feuerbach mit demokratie zu danken, insbesondere aber unserem französis ausgekleidete Schächte besaßen, aufgefordert wurden, letztere seiner großen Arbeiterschaft leider nur schwache Beteiligung schen Genossen Jaurès, der den chauvinistischen Umtrieben durch ausgemauerte oder mit eisernen Schachtringen be auf. Hier wie in Cannstatt führte man lebhaft Klage, daß Delcassés mit Erfolg entgegengetreten ist. Da hat nun unser festigte Schächte zu ersehen. Dieser Verfügung nachzukommen, seitens des Kartells so wenig zur Agitation unter den Arbeite- moderner Staatsmann in höchst eigentümlicher Weise seiner haben mehrere Zechen jahrelang unter Angabe allerlei Ent rinnen und den ungelernten Arbeitern getan werde. In Anerkennung über die friedenstiftende Tätigkeit des Sozialis- schuldigungsgründen sich gesträubt. Zu diesen Zechen ge Ravensburg erfreute sich die Versammlung eines sehr guten mus Ausdruck gegeben. Er setzte seinen diplomatischen hört, der Kölner Volkszeitung" zufolge, auch Borussia". Besuchs. Hier hatten wir uns ebenfalls mit den„ Christlichen" Apparat in Bewegung, um durch ein Schreiben an den Bot- Diese Gewerkschaft hat mit dem Abteufen eines auseinanderzusetzen. Zahlreichen Zuspruch hatten auch die Ver- schafter Radolin Jaurès' Rede in Berlin zu hintertreiben. neuen Förderschachtes viel zu spät begonnen, sammlungen in Sulgau und Lauterbach aufzuweisen. Am Allzu hoch haben wir deutschen Sozialdemokraten die politische infolgedessen dieser heute, nachdem seit dem Erlaß jener Ver letzteren Orte wohnte außer anderem bürgerlichen Publikum der Intelligenz des gegenwärtigen Reichskanzlers ja nie ein- fügung acht Jahre verflossen sind, noch immer nicht Schultheiß der Versammlung bei und beteiligte sich an der geschätzt, aber man hatte es in unseren Reihen doch kaum für fertiggestellt worden ist. Diese Verzögerung hat sich Diskussion. Er sang ein Loblieb auf die Referentin und möglich gehalten, daß er in seiner Sozialistenangst zu einem ießt bitter gerächt, denn die entsegliche Ratastrophe ihre Leistungen, aber, so schlußfolgerte er solche Aus- solchen Hilfsmittel verknöchertster Polizeifunst greifen würde. hätte sich nicht ereignen tönnen, wenn das am führungen könne man doch nicht von einer Frau entgegen- Denn das schönste bei der Geschichte ist ja, daß dies Redeverbot Füllort entstandene Feuer an der Schachtzimmerung nehmen. Die Schwaben wollten von der Frauenemanzipation die Sache des Sozialismus außerordentlich mehr fördert, als nicht die reichliche Nahrung hätte finden können." So ruchlos versündigen sich die Profitschlucker am Leben nichts wissen, denn die Frau gehöre ins Haus! Unter eine noch so glänzende Rede von Jaurès das vermocht hätte, lebhaftem Beifall der Versammelten wurde der wohlweise ganz abgesehen von der Schädigung, die den Aussöhnungs- ihrer Arbeiter, und da gibt es immer noch Millionen Ar Herr von uns ad absurdum geführt. Schon eine einzige bestrebungen in Frankreich daraus erwachsen. Zur Vervoll- beiter in Deutschland, die dem kapitalistischen Klüngel ge Frage, deren Beantwortung er uns natürlich schuldig bleiben ständigung dieser sozialistenbekämpferischen Großtat wurde horsamst Gefolgschaft leisten! Einem jeden Indifferenten mußte, hätte eigentlich genügt, das zu bewirken, nämlich die ja auch gleichzeitig in Konstanz den Genossen Adler und sollte man die Borussia"-Geschichte erzählen. Hat er Herz Frage: Wie sollen die 800 bis 1000 Frauen, die im be Todeschini das Reden verboten. Mit Fug und Recht läßt und Kopf auf dem rechten Flecke, dann kommt er zu uns. G.L nachbarten Schramberg in die Uhrenfabriken und Stroh- fich auf die Haupt- und Staatsaktion Bülows ein französisches flechtereien gehen, es anfangen, daheimbleiben zu können, Wort aus der Rüstkammer diplomatischer Moral anwenden: ohne hungern zu müssen? In Reutlingen ward eine„ Es ist schlimmer als ein Verbrechen, es ist eine Dummheit." In den Vereinigten Staaten von Amerika wird Anfang Unter den in letzter Zeit ziemlich zahlreichen gewerkschaft lebhafte Diskussion durch einen Herrn Fischer entfesselt, der gleichzeitig Sekretär der evangelischen Arbeitervereine ist August der Friedenskongreß zusammentreten, der dem lichen Kongressen erheischt der internationale Textil und Mitglied im Deutschen Metallarbeiterverband. Er japanisch- russischen Kriege ein Ende machen soll. So- arbeiterkongreß in Mailand unser besonderes Interesse. stellte an uns die Frage, wie es zu erklären sei, daß weit sich das jetzt überschauen läßt, ist aber der Friedenszar Nicht daß er weittragende, für alle Länder bindende Be außer den freien Gewerkschaften Hirsch- Dunckersche und samt der Kamarilla, die seine Vormundschaft führt, noch schlüsse faßte in solchen Beschlußfassungen liegt ja über christliche usw. existieren. Eine merkwürdige Frage just von nicht mürbe genug zur Gewährung der Bedingungen, die haupt nicht die vornehmste Bedeutung internationaler Ar dem Herrn, der dieselbe augenscheinlich auch nur stellte, Japan verlangen muß, um den Frieden sicherzustellen. Der beiterfongresse, wohl aber hat er wertvolle Anregung zu um, anknüpfend an die darauf gegebene Antwort, seine An- großmächtige Hochmut der Petersburger Machthaber bricht gemeinsamer Aktion in den verschiedenen Ländern gegeben, griffe gegen die freien Gewerkschaften zu richten, denen er immer wieder durch. Was ficht es diese Verbrechernaturen um die Forderungen, die aus dem Beruf und der sozialen selbst als Mitglied angehört. Die von ihm falsch wieder an, daß Hunderttausende blühender Menschenleben jetzt schon Lage der Textilarbeiter erwachsen, zu unterstüßen und durch gegebenen Außerungen Legiens und Bömelburgs auf dem geopfert sind. Sie sind bereit, noch mehr Untertanen" zur zuseßen. Gewiß ist das auch schon auf früheren Tagungen letzten Gewerkschaftskongreß mußten ihm dabei als Unter Schlachtbank zu führen, und versuchen zwischendurch die geschehen und hat den Erfolg gezeitigt, daß ein gutes lage dienen. Wie man seine Handlungsweise beurteilte, wachsende Unzufriedenheit des Volkes in Strömen von Blut Stück vorgearbeitet ist. Allein die wiederholte Bekundung wurde diesem merkwürdigen Mitgliede der freien Gewerk zu ersticken. Das wird so lange gehen, bis die Blutwelle der internationalen Solidarität, das Hervorheben der gleichen schaften" von allen Seiten auf das deutlichste gesagt. Je ihnen selbst an den Hals steigt. Der Friedenskongreß macht Interessen und der Meinungsaustausch über die in allen eine Versammlung in Heubach, Schorndorf und Göp den Eindruck einer ebensolchen Komödie wie das Bulyginsche Staaten gleiche Ausbeutung und Unterdrückung der Arbeiter läßt immer wieder von neuem das Gelöbnis aussprechen pingen bildeten den Schluß der Tour. Überall fanden Verfassungswerk. wir, daß ein großes Feld der Beackerung harrt, nicht bloß Die wachsende Ohnmacht der Barenschergen zeigt sich den empfundenen wirtschaftlichen und sozialen übeln au soweit es sich um die gewerkschaftliche und politische Dr darin, daß der„ Knjäs Potemkin" tatsächlich nicht zur den Leib zu rücken, befeuert immer wieder den Mut zum ganisation der Männer und noch viel mehr um die der Strecke gebracht werden konnte durch die ganze Seemacht agitatorischen Wirken. Mit gekräftigten Hoffnungen kehren Frauen handelt, sondern auch soweit es die Verbreitung der des einstmaligen Herrn des Stillen Ozeans, dem auch in die Delegierten in ihre Heimat zurück, um den schwierigen Parteipreffe, darunter vor allem die Verbreitung unserer den europäischen Gewässern der Dreizack aus der schlaffen Kampf mit gestärkter Zuversicht wieder aufzunehmen, ein „ Gleichheit" gilt. Erklärlich genug. Wohl schreitet die In- Faust geglitten ist. Die Rebellen haben ihr Schiff den gedent dessen, daß jenseits der Berge und der Grenzen ihre dustrialisierung Württembergs rüstig fort; wohl erfolgt mehr rumänischen Behörden ausgeliefert, da sie nicht imstande Arbeitsbrüder dem gleichen Ziele zustreben. Im Vordergrund und mehr überall den Flußläufen( Neckar, Fils, Rems usw.) waren, sich Proviant und Rohle zu beschaffen. Die nach der Verhandlungen des Mailänder Kongresses stand eine entlang die Ansiedlung industrieller Unternehmungen, wo haltige Wirkung dieser erfolgreichen Schiffsrebellion werden proletarische Hauptforderung: die Verkürzung der Ar beitszeit, und als Anhang hierzu: die Freigabe bes von die zahlreichen himmelwärts strebenden Fabrikschlote wir bald in dem russischen Chaos zu spüren bekommen. Zeugnis ablegen; wohl strömen infolgedessen immer größere Für uns Deutsche ist die Entwicklung in Rußland noch Sonnabend nachmittag. Die fortgesetzte Erhebung dieser Massen von Arbeitern und Arbeiterinnen zusammen, die, besonders lehrreich dadurch, daß sie den schmählichen Zu Forderung der Textilarbeiter sowohl an die Gesetzgebung der kapitalistischen Ausbeutung unterworfen, prädestiniert sammenbruch des nackten bureaukratischen Regierungssystems der einzelnen Staaten, wie auch durch die Gewerkschaften sein müßten, den Gedanken des Klassenkampfes aufzunehmen aller Welt vor Augen führt. Zur Würdigung unserer an die Unternehmer hat manche Erfolge gezeitigt. In Eng und zu betätigen. Allein abgesehen von wenigen Orten, heimischen Verhältnisse wirkt das sehr aufklärend, da wir land und Frankreich erfreuen sich die Arbeiter wenigstens haben wir es noch nicht mit traditionellen Industriearbeitern gleichfalls ein bureaukratisches Regierungssystem, aber nicht eines zehnstündigen gesetzlichen Arbeitstags. Die Gese zu tun, sondern mit Arbeitern, die bisher in der Landwirt- nackt, sondern verschleiert durch einen parlamentarischen Auf- gebung hat in England den Arbeiterinnen den freien Sonn fchaft tätig waren, mit Söhnen und Töchtern von Klein- put, haben. Wie sehr trotz dieser Verschleierung die Zu- abendnachmittag gesichert, die Arbeiter haben ihn, dan bauern. Nicht nur bis zu ihrem Eintritt in die Fabriken, stände bei uns den russischen ähneln, das ist sinnfällig in der Organisation und des Zusammenhangs zwischen Männer " " Gewerkschaftliche Rundschau. 1. ft ge & di ta de D 31 A g1 a ju 90 S m a P d ge u et et fo I b 31 r δι n es a δ δ 8 2 t 6 t S 0 2 0 1 Nr.lS Die Gleichheit 89 und Frauenarbeit, in der Praxis ebenfalls. In der Schweiz ist man auf dem besten Wege zu der Refdrm. Deutschland freilich, das in der Sozialpolitik allezeit wie der Krähwinkelsche Landsturm„voran" ist, kommt aus den »Erwägungen" und„Erhebungen" nicht heraus, ob der Zehnstundentag ohne„Schädigung der Industrie" gesetzlich festgelegt werden kann. Wie die Situation für das Proletariat ist, fehlt dem Antrag der Franzosen, am l. Mai nächsten Jahres in allen Ländern den Achtstundentag durchzusetzen, jede reale Unterlage. Aus diesen Erwägungen heraus stimmten die Deutschen mit Recht gegen den Antrag in der vorliegendem Form. Zu der Forderung auf Freigabe des Sonnabendnachmittag wurde durchaus treffend bemerkt, daß in dem Maße, als die Sonntagsruhe im Handelsgewerbe immer besser durchgeführt wird, den Arbeitern— wir betonen besonders: den Arbeiterinnen, vor allem, wenn sie Hausfrauen sind— Gelegenheit gegeben werden muß, die notwendigen Einkäufe Sonnabends erledigen zu können. In enger Beziehung zu der Forderung verkürzter Arbeitszeit steht die des Verbots der llberzeitarbeit. Der „Textil-Arbeiter" bemerkt zu ihr sehr treffend:„Die Begrenzung des Arbeitstages bleibt unwirksam, solange dieser ausnahmsweise— und solche Ausnahmen werden sehr oft zur Regel— überschatten werden kann." Bei der Forderung auf Abschaffung des Stücklohnes zeigten sich Meinungsdifferenzen, die besonders zwischen Deutschen und Engländern zum Ausdruck kamen. Die Deutschen verbinden mit der betreffenden Forderung noch den Zweck, das Vordringen in der deutschen Textilindustrie des nichtswürdigsten aller Lohnsysteme englisch-amerikanischer Herkunft, des Prämiensystems, zu verhindern. Die Engländer zeigten dafür kein Verständnis, so daß der„TextU-Arbeiter" ihre Haltung als egoistisch, inkonsequent und konservativ bezeichnet. Ahnliche Vorwürfe werden gegen die Engländer Und Belgier erhoben, die sich bei der Beratung über ein kinheitliches Garnnumerierungssystem der Abstimmung enthielten und somit nicht für das beantragte Metermaß, sondern für das alte Aardmaß votierten, was nicht im Interesse der Arbeiter und Arbeiterinnen liegt. Die Deutschen besonders waren ferner mit der bisherigen Tätigkeit des internationalen Sekretariats nicht zufrieden, das seinen Sitz in England hat. Der Sekretär hat ihrer Ansicht nach Zu wenig Initiative gezeigt und sogar die ihm vom letzten internationalen Kongreß überwiesenen Anträge und Anlegungen nicht ausgeführt. Die Deutschen wünschten deshalb, baß das Sekretariat nach Deutschland verlegt und ein besoldeter Sekretär angestellt würde. Zu dem entsprechenden Beschluß kam es noch nicht, das Sekretariat verblieb weiter in den Händen der Engländer. Wenn es jedoch bis zum uächsten Kongreß keine lebhafte Tätigkeit entfaltet, so wird ls zweifelsohne dem Verlangen der Deutschen gemäß von England verlegt werden. Die hervorgehobenen Meinungsunterschiede sind solcher Art, wie sie mehr oder minder auf allen internationalen Kongressen zutage treten. Sie erklären sich in der Hauptsache durch Unterschiede in den wirtschaft- lichen und politischen Verhältnissen der einzelnen Länder und durch den verschiedenen Grad der Erkenntnis und Schulung des Proletariats in ihnen. Sie vermögen nicht das Gesamtbild zu trüben und den Wert internationaler Arbeiterzusammen- künfte herabzudrücken. Es ist von großer Wichtigkeit, daß den Brbeiterforderungen dadurch verstärkter Nachdruck verliehen wird, daß sie nicht nur von einer fortgeschrittenen Arbeiter- lategorie in einem Staate erhoben werden, sondern inter- Uational, an die Gesetzgeber und Unternehmer aller Kulturländer! Diese geistige Gemeinsamkeit verleiht aber auch den einzelnen Landesorganisationen neue Werbekraft. Möchte das insbesondere für den deutschen Textilarbeiterverband zutreffen, im allgemeinen und für seine weiblichen Mitglieder insbesondere! Mit bewunderungswerter Ausdauer verharren die Berliner Teppichweber bei einer Firma im Ausstand. Ihnen haben sich die für dieselbe arbeitenden Hausweber in den einige Meilen von Berlin entfernten Orten Nowawes und Bernau ungeschlossen. Während nach zwölfwöchigem Streik zwei Berliner Firmen wesentliche Zugeständnisse machten, läßt diese eine Firma ihr Personal jetzt schon in der sechzehnten Bloche ausständig. Bleibt die Haltung der Streikenden nach wie vor so mustergültig wie bisher, so wird es dem Textil- urbeiterverband ein leichtes sein, den Ausstand zu einem rühmlichen Ende zu führen. Der an die deutsche Arbeiterschaft gerichtete Appell auf Fernhallung von Arbeitswilligen ist daher besonders zu beachten, auch von unseren Leserinnen. In Gera versandte eine Kammgarnspinnerei Rundschreiben an Arbeitsnachweise, um Ersatz für 30 Arbeiterinnen � bekommen, die in den Ausstand treten wollten. Die hier dekundete Ängstlichkeit der Firma soll im argen Gegensatz zu den Erfolgen ihres heißen Bemühens gestanden haben. Der Streik der Dresdener Zigarettenarbeiterinnen Hut auch die bekannten üblen Nachklänge, die jeden Streik �gleiten. Die Arbeitgeber halten, wie das immer ihre Brt ist, ihr gegebenes Versprechen nicht. Sie stellen die Ausständigen nicht wieder ein, sondern bevorzugen die Lehrmädchen; den Arbeitswilligen gewähren sie den größten Schutz und übersehen von diesen gegen die Ausständigen Uerübte persönliche Beschimpfungen und Belästigungen. Das Sleiche jst auch von der Firma Josetti in Berlin zu berichten, w vom Streik mitbetroffen wurde. Zahlreich sind die Anlagen gegen ausständige Arbeiterinnen, die die zartbesaitete >-hre der lieben Arbeitswilligen verletzt haben sollen. Da uut nun Rechtsanwalt Or. Oppermann, der mehrfach angeklagte Arbeiter und Arbeiterinnen vertreten hat, jüngst in solchen Prozeß den Anttag gestellt, überhaupt einmal prüfen, ob in den ganzen Prozessen gegen Angeklagte � dem Kampfe der Zigarettenindustrie der Z 1S3 der Gewerbeordnung Anwendung finden könnte. Dieser Kampf sei nicht um günsttgere Lohn- und Arbeitsbedingungen, sondern zur Abwehr einer Aussperrung geführt worden. Die Arbeitgeber hätten den Streik inszeniert, insofern sie alle die, die nicht aus der Organisation austreten wollten, zur Niederlegung der Arbeit zwangen und ihnen sämtlich kündigten. Hier sei also der Druck, etwas gegen ihren(der Arbeiter) Willen zu tun, von den Unternehmern ausgegangen. Deshalb könnten die Streikenden oder Ausgesperrten gar nicht auf Grund des Z 153 der Gewerbeordnung bestraft werden. Das Gericht, unter Vorsitz des Amtsgerichtsrat Or. Kühn, hielt diesen Gesichtspunkt für neu und gab dem Antrage des Verteidigers statt, zur Klärung der von ihm aufgerollten Frage den Vorsitzenden des Arbeitgeberverbandes und den Geschäftsführer der Dresdener organisierten Tabakarbeiter, Uhlig, als sachverständige Zeugen zu laden. Auf den Ausgang der Sache kann man sehr gespannt sein, wir werden darüber berichten. Wird in dem Sinne des Antragstellers entschieden, wäre eine ganze Reihe von Ausgesperrten bereits zu Unrecht verurteilt. Bis zur Erledigung der Frage müssen die noch ausstehenden Prozesse selbstverständlich ruhen. Wie wir nachttäglich erfahren, sind bei der Stellung von Forderungen in der Berliner Kürschnerbranche auch die Arbeiterinnen von ihrer Organisation mit bedacht worden- Es wurde eine Erhöhung des Minimallohns für Gehilfen von 25 auf 27 Mark, für Arbeiterinnen von 14 auf 15 Mark gefordert; außerdem sollen Arbeitsttäste nur vom Arbeitsnachweis der Gehilfenorganisatton verlangt werden. Die Arbeitgeber bewilligten nicht einmal diese doch gewiß recht bescheidenen Forderungen, sondern ließen es auf einen Kampf ankommen, an dem sich 35V Arbeiter und Arbeiterinnen beteiligen. Die Unternehmer geben sich die größte Mühe, Arbeitswillige zu erlangen. Ihr Streben wird schon deshalb erfolglos bleiben, weil nur gelernte und eingearbeitete Arbeitsttäste in dem Gewerbe verwendet werden können, und weil eine gute Organisation vorhanden ist, die auch materiell den Streik lange halten kann. Das Gewerkschaftsorgan der Arbeiter und Arbeiterinnen der Wäschebranche meldet wieder erschreckende Zustände, unter denen die Arbeiterinnen leiden. Dringend verlangen diese einen geregelten Arbeiterschutz, besonders die Festsetzung eines Maximalarbeitstages. Die in dieser Branche hauptsächlich für die Plätterinnen herrschende lange Arbeitszeit von 12 bis 14 Stunden und dazu die äußerst niedrigen Löhne fügen sich zu einem tiefttaurigen Bild sozialen Elends zusammen. Das gleiche gilt von Mitteilungen im Verbandsorgan der in der Hut- und Filzwarenindustrie beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen. Sie dokumentieren ebenfalls besonders die Notwendigkeit einer gesetzlichen Einführung zum mindesten des Zehnstundentags. Nach amtlicher Statistik sind noch 46,7 Prozent Arbeiterinnen dieser Branche mehr als 10 Stunden, 42,7 Prozent 9 bis 10 Stunden und nur 10,6 Prozent weniger als 9 Stunden beschäftigt. Die Arbeitsbedingungen der weiblichen Erwerbstätigen in allen Industrien weisen wieder und wieder darauf hin, wie unendlich viel Arbeit zur Aufklärung und Organisierung der Lohnsklavinnen noch geleistet werden muß, eine Arbeit, an der die geschulten Proletanerinnen selbst eifrigen Anteil nehmen müssen._ G Notizenteil. Kommunale Fürsorge für Säuglinge. Die Pflicht der Gemeinde zur Fürsorge für die Säuglinge wird unter dem Druck der hohen Kindersterblichkeit bei den besitzlosen Klassen allmählich immer mehr erkannt. Das Vorgehen von Berlin in der Richtung dieser Pflichterfüllung findet Nachahmung. Der Magistrat von Breslau hat, wie die„Kommunale Praxis" mitteilt, bei der Stadtverordnetenversammlung die Errichtung einer Milchküche beanttagt, deren einmalige Kosten 6000 Mk. bettagen sollen. Für den Rest des Etatsjahrs — 1. Juli 1905 bis Ende März 1906— werden außerdem 10000 Mk. Betriebskosten gefordert. Die Anstalt soll, wie der Magisttat begründend anführt, ein erster Versuch sein. Sie soll von einer im hygienischen Institut der Universität ausgebildeten Dame geleitet werden und zunächst für die Herstellung von 100 Tagesportionen eingerichtet werden. Sowohl die Milchkühe selbst, als auch der Kuhstall, der die Milch liefert, sollen unter der ständigen Aufsicht des hygienischen Instituts und der Universitätskinderklinik stehen. Die Abgabe der Kindernahrung, die aus Milch und Zusätzen nach ärztlicher Verordnung bestehen wird, soll nur gegen ärztliche Verschreibung geschehen, in der ausdrücklich bescheinigt sein muß, daß„Brustnahrung nicht zu beschaffen" sei. Die tägliche Ausgabe der Kindermilchflaschen wird durch Apotheken erfolgen, die sich zu dieser Mühewaltung freiwillig gemeldet haben. Für die Tagesportion sind Flaschen vorgesehen, die in einem mit Leitungswasser gefüllten Blechgefäß und in einer Kiste mit Holzwolle verpackt abgegeben werden. Der Magiskat hat die Absicht, die neue Einrichtung zunächst für die städtischen Kostkinder zu verwenden und die Erfahrungen abzuwarten. Dann sollen Beschlüsse gefaßt werden, ob die Zahl der Milchkühe vermehrt und die Abgabe der Kindermilch an Private gegen Entgelt eingeführt werden kann. Eine ärztliche Beratungsanstatt mit der Milch- küche zu verbinden, beabsichtigte der Magisttat nicht, dagegen hat der Ausschuß der Stadtverordnetenversammlung dem Plenum empfohlen, den Magistrat um eine dahingehende Erweiterung seines Planes zu ersuchen, daß er eine ärztliche Beratt">as- und Kontrollstelle für arme Säuglinge einrichte. Dieser Äusschußanttag fand im Plenum eine große Mehrheit, so daß die Errichtung der städtischen Milchküche in Breslau in kurzem vor sich gehen kann. Eine Ausdehnung der Milchabgabe an sämtliche arme Säuglinge fand leider auch bei den Stadtverordneten vorläufig keinen Anklang. Sozialistische Frauenbewegung im Ausland. Über die Tätigkeit der österreichischen Genossinnen äußert sich der letzte Bericht des Frauenreichskomitees wie folgt: „Die letzten Jahre hatten immer mehr dargetan, daß eine engere Verbindung der Genossinnen untereinander fehlt, daß in Orten, wo eine verhältnismäßig gute Organisation besteht, nicht das Notwendige getan wird, um die agitatorische Tätigkeit auf die umliegenden Orte auszudehnen. Eine Zusammenkunft der in der Partei und für die Partei tätigen Genossinnen wurde als notwendig empfunden, und so berief das Frauenreichskomitee für den S. November 1903 die zweite sozialdemokratische Frauenkonferenz ein. Die Beratung über die Organisation nahm fast den ganzen Tag in Anspruch und endete mit der Annahme eines Organisationsentwurfes, der die Anzahl der Genossinnen bestimmt, aus der das Frauenreichskomitee zu bestehen hat.(Acht als Mitglieder und zwei als Konttolle.) Das Komitee hat Plenarversammlungen der Wiener Genossinnen einzuberufen. Die Verbindung in der Provinz soll durch Korrespondentinnen aufrecht erhalten werden. In größeren Orten sollen Frauenagitationskomitees eingesetzt werden, welchen obliegt, die Organisation in ihren Bezirken zu fördern. Die Verhandlungen der Konferenz sind von der Wiener Volksbuchhandlung als Broschüre unter dem Titel:„Was fordern die Arbeiterinnen Österreichs?" herausgegeben worden. Von den 5000 gedruckten Exemplaren wurden bis jetzt 3800 verkauft, und es wird nur ganz geringer Anstrengungen bedürfen, um die für die Arbeiterinnen sehr lesenswerte, unterrichtende Broschüre in der Gesamtzahl der Auflage zu verbreiten. Eine Umfrage, welche vom Frauenreichskomitee unternommen wurde, hat ergeben, daß in sonst sehr guten Organisationsorten die Broschüre noch nicht gesehen wurde. Wir hoffen, daß dieser Hinweis dazu beitragen wird, ihren Verttieb zu fördern. Agitationstouren wurden vom Frauenreichskomitee in der Berichtszeit sehr viele unternommen, allerdings nicht im eigenen Wirkungskreis, sondern auf Wunsch von politischen und Gewerkschafts- organisattonen. Die größte Tätigkeit haben die Komiteemitglieder in den Organisationen der Tabakarbeiterinnen, Heimarbeiterinnen und Textilarbeiterinnen entfaltet, also vornehmlich in Berufen, wo die Beschäftigten überwiegend Frauen sind. Auch in den Protestversammlungen gegen die Lasten des Militarismus haben Frauen referiert, ebenso oftmals in Versammlungen streikender Arbeiterinnen. Die„Arbeiterinnen-Zeitung" hat einen erfreulichen Aufschwung genommen; es werden pro Nummer 5300 Exemplare verkauft, womit das Blatt aktiv ist. Noch nicht durchgeführt ist die Bildung von Agitalions- komitees. Nur in Mährisch-Schönberg und im zweiten Wiener Wahlkreis besteht eines. Dort sind die Genossinnen nicht nur Mitglieder in der gewerkschaftlichen Organisation, sie nehmen auch an allen politischen Arbeiten teil. Dasselbe gilt für die meisten anderen Orte, wo nur halbwegs Ansätze einer Organisation vorhanden sind. Die Genossinnen beginnen überall ihre Tätigkeit auszudehnen, um den Organisationen weibliche Mitglieder zuzuführen. Beim EinHeben der Parteisteuer, bei allen Arbeiten, die die Häuserorganisation erfordert, nehmen die Genossinnen hervorragend Anteil. Nur zu klein ist die Zahl der tätigen Genossinnen, was aber nicht an der Lauheit oder Unlust der Frauen liegt, sondern ihre Begründung in der ltberbürdung mit häuslichen und Berufsarbeiten der Proletarierinnen hat. Dennoch berechtigt alles zur Erwartung, daß die nächste Zeit einen Aufschwung auch in der proletarischen Frauenbewegung bringen wird. Wo unter den Frauen die Versuche, sie der Organisation zuzuführen, mißglücken, sind die Ursachen im Daniederliegen der Gesamtorganisation des betreffenden Ortes zu suchen. Jedes Aufblühen und Aufleben der Organisation unter den Männern bringt auch einen Fortschritt der Arbeiterinnenbewegung mit sich, wenn man Wert darauf legt, die Frauen für die Betätigung in der Organisation zu gewinnen." Frauenbewegung. Frauenbewegung in Island. Ein Genoffe, der kürzlich die Insel Island besuchte, schreibt:„In Island gibt es keine proletarische Frauenbewegung, da das industtielle Proletariat noch in der Entstehung begriffen ist. Eine Tuchfabrik(Jdhunn) in Reykjavik beschäftigt einige Arbeiterinnen; dann gibt es eine kleine Anzahl Zigarettenarbeiterinnen, ferner Ladengehilfinnen und Kellnerinnen. Viele Frauen sind bei der Verarbeitung von Fischen beschäftigt. Eine gewerkschaftliche Organisation besteht in Island unter den Frauen ebensowenig wie unter den Männern. Letztere haben lediglich unter den Buchdruckern eine Art Organisation(Gutenberg) mit etwa 25 Mitgliedern. Unter den bürgerlichen Frauen gibt es dagegen eine gewisse, wenn auch natürlich bürgerlich zahme Bewegung, an deren Spitze bisher die jetzt fast achtzigjährige Frau Melstedh in Reykjavik stand. Eine isländische Frauen- zeitung„Kvennabladhidh" erscheint monatlich in der für isländische Verhältnisse(es gibt auf Island kaum im ganzen 40000 Frauen) außerordentlich hohen Auflage von zirka 2000 Exemplaren. Redakteurin ist Frau Briet Admundson, deren Tochter als erste weibliche Studentin das Gymnasium(Lateinschule) in Reykjavik besucht. Die isländischen Frauen über 25 Jahren, sofern sie selbständig und ledig oder Witwen sind, haben das kommunale und kirchliche Wahlrecht." Rosa Wolf. 90 Die Gleichheit Nr. 15 Bergpsalm. Von Richard Dehmel.» Der Sturm hat seine Schlangen losgelassen. In langen Wogen zischen Gras und Rohr Und keucht der See ans Land; die silberblassen Zerwühlten Weiden seufzen laut empor. Empor, empor! Dort, wo die Kiefern sausen, Auf kahler Höhe will ich einsam stehn Und meine ferne Heimat dämmern sehn Und hören, was die dunkeln Wolken brausen. Ihr grauen Pilger über mir: wohin?! O könnt ich mit euch, ziellos, ohne Stocken, Dies dumpfe Sehnen ohne Maß und Sinn Ausschütten in den Sturm wie Nebelflocken! O meine Heimat! Silbern grüßt der Fluß Und glänzt zum Himmel aus dem Blau der Bäume, Und aus dem Zauberwald der Kinderträume Winkt klar der Mutter Blick und Kuß. Was weinst du, Sturm?— Hinab, Erinnerungen! Dort pulst im Dunst der Weltstadt zitternd Herz! Es grollt ein Schrei von Millionen Zungen Nach Glück und Frieden: Wurm, was will dein Schmerz! Nicht sickert einsam mehr von Brust zu Brüsten Wie einst die Sehnsucht, als ein stiller Quell; Heut stöhnl ein Volk nach Klarheit, wild und gell, Und du schwelgst noch in Wehmutslüsten? Siehst du den Qualm mit dicken Fäusten dröhn Dort überm Wald der Schlote und der Essen? Auf deine Reinheitsträume fällt der Hohn Der Arbeit; fühl's: sie ringt, von Schmutz zerfressen. Du hast mit deiner Sehnsucht bloß gebuhlt, In trüber Glut dich selber nur genossen; Schütte die Kraft aus, die dir zugeflossen, Und du wirst frei vom Druck der Schuld! Und blutig glüht es um die zackigen Türme, Ein Dornenkranz umflammt die Stirn der Stadt, Ein goldner Fächer scheucht die Wolkenstürme, Hernieder strahlt ein Sonnenpalmenblatt. O Herz der Weltstadt, Millionenstimme, Die gell nach Brot vor Seelenhunger schreit: Still quillt wie Heilandsblut durch diese Zeit, Die Liebe quillt aus deinem Grimme! Den Kelch des Schweißes seh' ich geistverklärt, Das Kreuz der Mühsal blütenlaubumflattert! Was lachst du, Sturm?!— Im Rohr der Nebel gärt, Die Kiefer knarrt und ächzt, mein Mantel knattert: Empor aus deinem Rausch! Mitleid, glüh ab! Laß dir die Kraft nicht von Gefühlen beugen! Hinab! laß deine Sehnsucht Taten zeugen! Empor, Gehirn! Hinab, Herz! Auf! hinab! Die Eigentumssanatiker" Von Ludwig Thoma. Kraglfing liegt zwischen Huglfing und Zeidelhaching. Wenn in Berlin oder in Wien ein großes Ereignis geschieht, so erfährt es der Gouverneur in Sidney um zwei Tage früher als der Bürgermeister in Kraglfing, obwohl es diesen gerade so interessiert, denn er ist ein scharfer Politiker. Das macht: Kraglfing liegt fünfthalbe Stund entfernt von der nächsten Poststation, und wenn es recht stürmt oder der Botenseppl den Reißmatthias kriegt, dann ist der diplomatische Verkehr aus und gar. So weit ab von der Welt liegt das Dörsel, daß die Schulkinder im nächsten Bezirksamt alle miteinander wissen, wo Honkong oder Peking liegt, aber keines weiß, wo etwan Kraglfing auf der Landkarte zu finden ist. Wenn nicht der Geschäftsreisende alle halbe Jahr einmal den Kramerlenz aufsuchen tät, dann käm wohl nie ein fremdes Gesicht in das Dorf. Denn als Luftkurort ist es noch nicht entdeckt, und ein Bad ist es vorläufig auch noch nicht. Da ist es schon eine rechte Freud und eine schöne Abwechslung in der abgeschiedenen Gegend, wenn eine Gerichtskommission herauskommt. Man kann sagen, was man will: eine Predigt ist und bleibt eine Predigt. Und je schärfer als sie ist, desto schöner ist sie; es läßt sich hernach beim Unterwirt ein vernünftiger Disputat darüber führen, besonders wenn einer den Pfarrer so gut nachmachen kann wie der Schlaunzentoni. ... Aber ein Prozeß! Das ist schon noch viel etwas Schöneres! Wenn so ein Advokat recht habisch ist und ein gutes Maulwerk hat, wenn er keinem Recht läßt, nicht einmal Gnaden dem Herrn Landrichter, und das * Die gedanken- und formenschöncn Gedichte von Dehme! in unserer heutigen Nummer sind dem Bändchen entnommen:„Ausgewählte Gedichte von Richard Dchmel, nach dem Inhalt geordnet." Berlin, Schuster so Löfflcr. Unsere Leserinnen sollten nicht verabsäumen, es ihrem Hausschatz an guten Büchern einzuverleiben. ** Mit gütiger Erlaubnis de» Versagers entnommen aus„Agri- cola", Baucrngeschichtcn von Ludwig Thoma, mit Zeichnungen von Adolf Hölzel und Bruno Paul. München, Verlag Albert Langen. Siebe Nr. 5 der„Gleichheit" Hinterste vorn und das Vorderste hint daher bringt, alle Wörter so schön setzt und lateinisch red't, daß nian meint, es geht hellicht nicht anders, er muß recht kriegen, das ist schon feiner als wie ein Theater. Und dann kommt der andere! Jetzt ist die ganze Geschicht verdreht, jetzt schaut es sich wieder anders an; alles ist nichts, was der andere gesagt hat, und hat er zwei lateinische Sprüche! aufsagen können, weiß der gleich drei, und grad spöttisch macht er sich über den andern, daß man's mit Händen greifen kann, wie er unrecht gehabt hat— bis der andere wieder selber an die Reih kommt und sein Gesangl anfangt. So geht es hinum und herum, bis dem armen Bauernmenschen das Trumm aus- und der Prozeß im Kopf herumgeht wie ein Karussell, daß er nicht mehr weiß, hott oder wißt, gewinnt er jetzt oder verspielt er. Darum also, wie gesagt, es steht nichts auf über einen Prozeß; und wenn es nicht gottlob sowieso alle Winter in Kraglfing einen geben tät, müßt der Unterwirt für seine Gäst ein übriges tun und einen anfangen. Für Heuer ist schon gesorgt, denn der Ranftlmoser hat den Scheiblhuber eingeklagt. Der Ranftlmoser hat auf dem Guggenbichl einen Acker; gleich daneben hat der Scheiblhuber einen. Zwischen den zwei Ackern ist ein Rain, daß jeder beim Umpflügen wenden kann. Der Rain ist alle Jahre kleiner worden; einmal pflügt der Ranftlmoser ein kleines Zipferl weg, das andere Mal der Scheiblhuber, so daß ein rechtschaffener Bauernttittling schier keinen Platz mehr gehabt hat. Da ist der Ranftlmoser herangegangen, hat in den Rain einen Pflock eingeschlagen und einen Ausspruch getan, daß der Scheiblhuber um keinen Zoll weiter mehr gegen ihn pflügen darf. Der Scheiblhuber meint, so mir nichts dir nichts laßt er sich kein„March"(Feldmarke) hinsetzen, reißt den Pflock heraus und pflügt justament mit Fleiß gleich wieder ein paar Zoll von dem Rain weg. Jetzt geht es natürlich nicht mehr anders, jetzt muß advokatisch geklagt werden. Und wer das nicht glaubt, der soll nur nach Kraglfing gehen und bei den Bauern anfragen, ob nur ein einziger da ist, der anders sagt. Also steht der Ranftlmoser an einem schönen Frühlingstag in der Früh um vier Uhr aus, legt das schöne Gewand an und marschiert mit seinen nagelneuen Glanzstiefeln in den taufrischen Morgen hinaus. Die Sternlein stehen noch am Himmel, und der Mond schaut silbern über den Zeidelhachinger Forst herüber; die Vogerl aber, ivelche schon das Singen anheben, und ein feiner, roter Streifen im Osten deuten den nahen Morgen an. Der Ranftlmoser freilich sieht und hört von dem nichts, er ist in Gedanken versunken und knarzt mit seinen neuen Stiefeln tapfer fürbaß. Bloß am Guggenbichl steht er eine kleine Weile füll und lacht so recht fein pfiffig.„Wart Lump, dir reib' ich's ein." Indem stoßt er auf einen mentisch großen Stein, und weil die Bründelwiesen vom Scheiblhuber gerade so schön bei der Hand liegt, schmeißt er ihn hinein. Dann geht er wieder weiter, einen Schritt vor den andern, stundenlang. Die Sonne ist schon heroben und steigt alleweil höher und höher. Bald links, bald rechts taucht ein Kirchturm auf, und der Morgenwind tragt die Glockentöne herüber, die zur Frühmesse einladen. Der Ranftlmoser achtet es nicht. In den Wiesen stehen die Bauernlcut und rufen den Landsmann an. Der Ranftlmoser hat keine Zeit zum Antwortgeben. Nicht einmal zum Einkehren, wenn ihn auch der Oberwirt in Zeidel- fing noch so schön einladet. Hilst nichts; unterwegs ißt er im Gehen das Stückel Brot, was ihm die Bäurin mitgegeben hat; und so steht er richtig Schlag elf Uhr an der Kanzleitüre beim Herrn Advokaten. „Ah, der Ranftlmoser! Freut mich, wieder einmal das Vergnügen zu haben. Was führt Sie so weit her?" Und jetzt erzählt er sein Leid dem Herrn, der ihm freundlich zuhört. Was der Scheiblhuber überHaupts für ein schlechter Kerl ist, der niemals kein Ruh nicht gibt, und wie er es ihm schon so oft gemacht hat, wie er in seinen Grund hineinpflügt und wie er zu guter Letzt das March herausgerissen hat. Muß er sich das gefallen lasten? Und gibt es kein Recht gar nicht mehr? Das muß er wissen, da hat er einen festen Bestand daraus, und wenn es noch so viel kosten tät. Der Advokat schüttelte bedächtig den Kopf und meint, es sei so eine Sache. Jedenfalls kommt es auf den Augenschein an,— aber umsonst fahrt man nicht nach Kraglfing hinaus, so schön es auch dort ist. Zunächst gehört einmal ein Vorschuß her, so einhundert Mark, bis die Maschin im Gehen ist. Hundert Mark? Die zahlt der Ranftlmoser gern. Er zieht aus irgend einer Gegend seiner ledernen Umhüllung ein rotes Schneuztüchel und breitet es auf den Schreibtisch hin. Dann knöpfelt er bedächtig die Zipfel auf und zieht das untere Ende eines baumwollenen Strumpfes hcrfür. Vierunddreißig harte Taler zählt er auf, einen nach dem andern, und keiner reut ihn; die zwei Mark, welche er herauskriegt, steckt er in die Gilet- leiblwestentasche. „Ranftlmoser," sagt der Advokat, und klopft ihm auf die Schulter,„Ranftlmoser, jetzt hat's was. Das gibt eine Klage auf Besitzstörung, wegen tarbatione xossessioms, wenn wir's nicht gleich gar mit dem mteräietuw unäs vi anpacken." Da zieht's dem Ranftlmoser das Maul auseinander, daß ihm beinahe die Ohrwaschel hineinfallen vor lauter Vergnügen.„Ist nicht leicht scharf genug," meint er, „Herr Advikat, ist nicht leicht scharf genug für den Scheiblhuber. Reiben Sie's ihm nur recht lateinisch hin! Und jetzt adjes, Herr Dokta!" Damit geht er, und eine solche Freude herrscht in seinem Herzen, daß die Leute auf der Straße es ihm über das Gesicht ansehen und ihm nachblicken. Das ist einmal ein fideler Bauer! Der hat gewiß ein gutes Geschäft gemacht! Beim Pschorrbräu überlegt sich's der Ranftlmoser, ob er nicht hineingehen und sich eine Maß kaufen soll. Aber— sparen muß der Mensch, denkt er, und geht daran vorbei. Er holt sich in einem Schweinmetzgerladen einen halben Kranz geselchte Würscht und geht wieder tapfer fürbaß auf Kraglfing zu. Unterwegs säbelt er die Geräucherten zusammen und hält verständige Zwiesprach mit sich selbst: wie er vor das Gericht hinstehen wird, wie er den Scheiblhuber ärgern wird. Auf den Abend um acht Uhr ist er wieder daheim, und wenn sich die Kraglfinger auf eine Physiognomie verstehen, dann haben sie merken können, daß es beim Ranftlmoser was hat.„Bäurin," sagt der noch, als er steinmüd im Bett liegt,„Bäurin, dem Scheiblhuber Hab'! ich was ins Wachse! gedruckt. Ich werd' mir's übersinnen, ob ich die Geschicht nicht am End gar noch kriminalisch mach'." Die mehreren Sachen haben zivei Seiten, und hinter I sich schaut es oft anders aus als vorn. Umgekehrt ist auch gefahren, und zum Raufen gehören allemal zwei, einer, der hinhaut, und einer, der herhaut. Beim Prozessieren ist es gerade so, und darum wollen wir schauen, was etwa der Scheiblhuber zu der freundlichen Uber- raschung sagt. Er sitzt auf der Bank vor dem Haus, raucht ein Pfeifel und sinniert. Es fallt ihm ein, wie er den Bräumeister von Dachau voriges Jahr mit der Gersten geschlenkt(angeführt) hat, und den Veiteles in Aichach mit der Kuh, die gleich drei gesetzliche Fehler gehabt hat, und alle sind zu spät entdeckt worden. Da j erhellt ein wohlwollendes Lächeln seine hatten Züge, wie j die Romanschreiber sagen, und heitere Zufriedenheit� glänzt in seinen Augen. Es ist ein recht friedsames Bild. Er schaut an dem Birnbaum hinauf und gibt acht, was der Starl für Spitzbubereien macht, wie er so schlau von dem Astl herunterschaut und dann einen recht lauten Pfiff tut, gerade als wollt er den Scheiblhuber erschrecken oder die Katz, die alleweil zu ihm hinausblinzelt. Indem biegt gerade der Bttefbot beim Schmied um die Ecke herum! er wird schon wieder ein Schreiben an den Bürgermeister haben, eine amtliche Zustellung, denn die Privatbriefe besorgt der Botenseppl und tragt gewiß nicht schwer daran_(Schluß folgt.) Zukunft. Von Richard Dehmel. Du reiche Frau, du edle Frau, Mit deiner Hoffnung unterm Herzen, Du möchtest jubeln und erschrickst; Ich sehe dich in deinen Schmerzen, Wie du beim Schein der Ambrakerzen Die seidne Wiegendecke stickst. Du zählst die Fäden, silbergrau Und schwarz und blutrot, und dir schweben Viel tausend Hände vor, die weben, Viel tausend graue Mutterhände, Die weben, weben ohne Ende; Ich seh' dich, wie du grausig nickst Und dunkel durch dein Zimmer blickst. Und tausend Kinder siehst du stehen, Die still an einem Stricke drehen, Früh alt vor Hunger und Gebrest, Und siehst die Väter sich erheben, Alle, die häßlich müssen leben, Damit es Schönheit könne geben, Sie stürmen dein geschmücktes Nest: Madam, dies blutige Garn, wer spann es?! Da würdest du in Todeswchen Entzückt sein, könntest du dich sehen, Wie sich zum mörderischen Fest Die schmutzige Faust des Arbcitsmannes Um deine weiße Kehle preßt. «c�antraorlUch für dl« RedaMo»: Fr. Mar» Zclltn(Zundel), ZSllh«!'»»� Post Tcgerloch bct Stuttgart. Druck und Berlag von Paul Singer in Sttittgart.