Nr. 20 Die Gleichheit everer Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen es Die„ Gleichheit" erscheint alle vierzehn Tage einmal. Preis der Nummer 10 Pfennig, durch die Poft vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Pfennig; unter Kreuzband 85 Pfennig. Jahres- Abonnement 2,60 Mart. Jena. Juhalts- Verzeichnis. Jugend und Sozialismus. XI. Von Georg Davidsohn. XII. Bon Franziska Kuppe. Woher kommt der Profit? II. Bon Julian Borchardt. Über Schulgesundheitspflege. III. Von Dr. Zadek. Katholische Arbeiterinnenvereine. Von Lea HeidenDeutschmann. Aus der Bewegung: Von der Agitation. Weibliche Delegierte zum sozialdemokratischen Parteitag.- Politische Rundschau. Von G. L. Notizenteil: Soziale Gesetzgebung.- Gewerkschaftliche Arbeiterinnenorganisation.Soziales. Quittung. Feuilleton: Mut. Von Wolfgang Goethe.( Gedicht.) Von Ada Christen. Jena. Irrlichter. Stuttgart den 4. Oktober 1905 15. Jahrgang Zuschriften an die Redaktion der„ Gleichheit" sind zu richten an Frau Klara Zetkin( Zundel), Wilhelmshöhe, Post Degerloch bei Stuttgart. Die Expedition befindet sich in Stuttgart, Furtbach- Straße 12. revolutionär im besten geschichtlichen Sinne des Wortes| Die Wünsche nach größerer Initiative des Parteivorwaren. Eine schlüssige Antwort ergibt sich dann auf standes fanden Berücksichtigung dadurch, daß die Zahl die Fragen, ob die Sozialdemokratie im Banne ihres seiner Mitglieder im Statut nicht festgelegt wurde, sonDogmas" verknöchert oder aus dem Born des lebendigen dern von jedem Parteitag nach den vorliegenden AufLebens neue Erkenntnisse und Kräfte gewinnt, und ob gaben bestimmt werden soll. Für das neue Tätigkeitssie durch ihre steigende Macht und Berantwortlichkeit jahr wurde ein Schriftführer mehr bestellt. Die Bestim nach rechts oder nach links gedrängt wird. mungen, welche die Stellung der Frauen innerhalb der " Eine erschöpfende Erörterung aller Seiten und Tiefen Sozialdemokratie regeln, gelangten unverändert zur Andes Problems konnte natürlich weder in Bebels glänzen- nahme. Wir sind überzeugt, daß unsere Genossinnen dem Referat erfolgender großzügigen Auseinander- allerwärts nicht die lässigsten sein werden, dem neuen segung eines politischen Kämpfers par excellence mit Statut entsprechend mit aller Kraft für den festeren der Situation und ihren Anforderungen noch in Zusammenschluß der Partei zu wirken. den Debatten, deren Höhepunkt, was die revolutionäre Die Berichte des Parteivorstands und der ReichstagsStimmungsgewalt anbelangt, wohl die Rede des Ge- fraktion sowie die an sie anknüpfenden Debatten und Der Parteitag zu Jena hat gehalten, was das deutsche, nossen v. Elm bildete. Jedoch die Aufgabe des Partei- Beschlüsse kündeten frisch pulsierendes Leben, kraftvolle das internationale kämpfende Proletariat von ihm er- tags zu Jena war es auch nicht, die Diskussion des Arbeits- und Kampfesfreudigkeit. Und in der Hauptwartete, erwarten mußte. Er gehört zu den Tagungen, politischen Massenstreits abzuschließen, vielmehr sie in sache befriedigend ward die Frage zum Austrag gebracht, welche in der Geschichte der Sozialdemokratie zählen kräftigen Fluß zu bringen. Er mußte sich damit be- welche nach dem Glauben und Wünschen der bürgerwerden. Von den Flammenzeichen einer ungewöhnlich gnügen, dem kämpfenden Proletariat Deutschlands die tlichen Welt das Kern- und Spektafelstück des Parteitags bedeutsamen historischen Situation umloht, hat er von neue Waffe zu überweisen, die es unter dem Zwange werden mußte: die der Polemiken zwischen verschiedenen dem festen Boden der sozialistischen Auffassung aus das bestimmter Umstände gebrauchen kann und gebrauchen Parteiblättern, an der Spitze die„ Neue Zeit" und die Kampfesfeld des flassenbewußten Proletariats überblickt muß. Nun gilt es, durch gewissenhaftes Studium die Leipziger Volkszeitung" auf der einen Seite, der„ Vorund in flarer Erkenntnis dessen, was ist und was als Waffe zu schärfen, durch unablässige Aufklärungs- und wärts" auf der anderen Seite. Daß die Angelegenheit „ der Geschichte ew'ges Muß" heraufsteigt, die praktischen Organisierungsarbeit die proletarischen Massen für ihren an eine Kommission verwiesen wurde, hat sich als zweckKonsequenzen der Stunde gezogen. Gebrauch zu schulen. Das aber keineswegs in Gegen- mäßig herausgestellt. Sie konnte dadurch sachgemäßer Das wichtigste Ergebnis davon ist die Stellungnahme satz zu den Arbeiten und Kämpfen des Tages, sondern und eingehender behandelt werden, als dies im Plenum zum politischen Massenstreit. Seitdem die Sozialdemo- in innerem organischem Zusammenhang mit ihnen, sie möglich gewesen wäre. Allerdings bezweifeln wir, ob es fratie sich grundsätzlich für den Parlamentarismus als vertiefend und fördernd. Wie immer einzelne Gewerk- eine glückliche Entscheidung war, dem Parteivorstand die eine Kampfeswaffe des Proletariats erklärt hat, ist unseres schaftsführer heute noch den politischen Massenstreit be- Befugnis zuzusprechen, unter Umständen„ vermittelnd" Erachtens feine gleich wichtige Entscheidung gefallen, werten mögen: dieses Studium und diese Arbeit muß einzugreifen, um die mit aller Schärfe gerügten Formen wie sie diese Stellungnahme in sich begreift. Denn so Partei und Gewerkschaften immer inniger zu der einen der Polemik zwischen Parteiorganen in Zukunft zu verwertvoll und richtunggebend auch das Werk mehrerer revolutionären Arbeiterbewegung zusammenschließen. meiden. Was dagegen die beschlossene Resolution betreffs Parteitage für die innere und äußere Entwicklung der In der gleichen Richtung hat der Parteitag sicherlich des sachlichen, prinzipiellen und taktischen Untergrunds Sozialdemokratie gewesen ist: es hat sich im wesentlichen durch seine Behandlung der umstrittenen Maifeier ge- der jüngsten Breßpolemiken erklärt, war betreffs der überdarauf beschränkt, unser Arbeits- und Kampfesfeld scharf wirkt. In Anschluß an Fischers Referat, das wägende weisung kritischer Untersuchungen des Parteiprogramms zu umgrenzen, die Bedingungen für den Gebrauch der Berücksichtigung der nüchternen Wirklichkeit mit dem hin- an die„ Neue Zeit" und der Verpflichtung der Parteibeiden bewährten Methoden des proletarischen Befrei reißenden Feuer des sozialistischen Gedankens vereinte, presse, die prinzipille Aufklärung entsprechend unserem ungstampfes Parlamentarismus und Gewerkschaften- brachten die Debatten eine Auseinandersegung über das Programm im Sinne der Dresdener Resolution zu förzu prüfen und ihre Anwendung auf neuen Gebieten zu Verhältnis zwischen Partei und Gewerkschaften, die wohl dern: das wird sicherlich der gesunden inneren Entwickbeschließen. Der Parteitag zu Jena ist dagegen über in dem und jenem Punkte noch tiefer schürfen konnte, lung der Partei frommen. Es ist geeignet, die theodieses Werk hinausgegangen. Er hat die Methoden des deren klärender und einigender Charakter aber hoch retischen Studien aus der Mißachtung emporzuheben, der Klassenkampfes selbst um eine neue vermehrt, um die des veranschlagt werden muß. Die in dem Wesen und sie in weiten Parteifreisen anheimgefallen sind, dem mopolitischen Massenstreiks. den Aufgaben der Gewerkschaften begründeten Ten- dischen Gerede zu steuern, das jede Auseinandersetzung Damit verabschiedete er nachdrücklich den Glauben, denzen, welche den proletarischen Klassenkampf un- über prinzipielle und taktische Probleme als Akademikerdaß Parlamentarismus und Gewerkschaften die allein- günstig beeinflussen könnten, müssen durch die lebendige spielerei verschreit, das Ansehen und die Verbreitung seligmachenden Mittel des proletarischen Klassentampfes Kraft der sozialistischen Erkenntnis überwunden werden. des wissenschaftlichen Organs der Partei zu heben und seien. Dieser Glaube berief sich vorzüglich, aber irrtüm- Tue deshalb jeder Genosse als Gewerkschafter in dieser durch das alles wie durch die geforderte feste Haltung licherweise, auf Engels' bekannte Vorrede zu den„ Klassen- Hinsicht seine volle Pflicht, um die Form der Organi- der Parteipreffe zur theoretischen Schulung der Genossen fämpfen in Frankreich" und gipfelte in der Überzeugung, ſation mit sozialistischem Geist zu erfüllen, das war der und zur Einheit der Partei beizutragen. das Proletariat müsse auch die schlimmsten Nackenschläge Grundton der Verhandlungen. Und wenn, von dem der Reaktion ohne die äußerste Gegenwehr in der Hoff- Bewußtsein innerer Zusammengehörigkeit durchdrungen, nung über sich ergehen lassen, daß der Menschheit große Parteiorganisationen und Gewerkschaften mit gleichem Gegenstände nicht von der Tagesordnung verschwinden Eifer, gleicher Begeisterung und Hingabe zur Maifeier tönnen". Der Parteitag zu Jena hat entgegen dieser rüsten, so muß diese ihrem Wesensinhalt gemäß zu einer christlichen Sklavenmoral, die sich als politische Klugheit immer weiterfassenden und wirksameren Willenstundgebärdete, die Pflicht des revolutionären Kampfes durch gebung des kämpfenden Proletariats werden. den politischen Massenstreik proklamiert. Er brachte zum Das neue Organisationsstatut, welches die rote Woche" Ausdruck, daß außergewöhnliche Situationen, welche die gab, ist geeignet, an seinem Teil dazu beizutragen, die Todfeinde des Proletariats revolutionär zuspißen, auch Reihen der Partei fest zum Ansturm gegen den Feind mittels außergewöhnlicher Kampfesmethoden durchgefoch- zusammenzuschließen. Nach einem sachlich wertvollen ten und überwunden werden müssen. und eindringenden Referat des Genossen Vollmar und Binnen verhältnismäßig furzer Zeit hat sich die Sozial- sorgfältiger Prüfung der eingegangenen Anträge seitens demokratie dank des Anschauungsunterrichts der Tat- der Kommission ist der vorgelegte, nur unwesentlich ge- Wie vorauszusehen war, ist der erste Teil der Krügerschen sachen der Massenstreits im Ausland, der schamlos änderte Entwurf zur Annahme gelangt. Wohl wird Anregung: die Kinder zwischen 10 und 14 Jahren in den brutalen Reaktion in der Heimat- zu dieser Erkenntnis die Partei durch das neue Statut einheitlicher und Jugendorganisationsplan einzubeziehen, allenthalben auf durchgerungen. Als Parvus 1896, als erster in Deutsch- straffer zusammengefaßt, jedoch in Würdigung des ge- wie die Dinge nun einmal liegen, fällt es schon schwer Widerstand gestoßen. Meines Erachtens mit Recht; denn land, dafern wir nicht sehr irren, den Gedanken erörterte, schichtlich Gewordenen nicht so fest, daß dadurch die wie die Dinge nun einmal liegen, fällt es schon schwer den Umsturz von oben unter Umständen durch den politi- Lebens- und Arbeitsfähigkeit der Landes- und Provinzial- wachsenen heranzukommen, geschweige denn an die der genug, in Preußen- Deutschland an die der Schule Entschen Massenstreik zu bekämpfen, da begegneten seine Aus- verbände gefährdet würde. Die dahin abzielenden Be- Schule noch mit Leib und Seele verschriebene Jugend. Es führungen fühler Nichtbeachtung, ja scharfer Feindseligkeit denken sind unseres Erachtens unbegründet. Abgesehen empfiehlt sich aber nach allen Erfahrungen, einen sonst brauchund billigem Hohn. Unwidersprochen wurde auf dem von den selbständigen Aufgaben, welche das politische baren Vorschlag, wie den des Genossen Krüger, gleich von Parteitag zu Lübeck 1901 als Quintessenz seiner Ge- Leben der Einzelstaaten den Landesorganisationen in vornherein alles Beiwerks zu entkleiden, das ihn auch nur dankengänge verspottet,„ daß man nächstens durch eine reicher Fülle zuweist, werden die geäußerten Be- teilweise zum Scheitern zu bringen vermöchte. große Revolution, durch politische Massenstreits die Ge- fürchtungen schon durch die praktischen Notwendig- Unsere Schul- ,, Disziplin" perfügt über so viele Mittel und walt bekommt und dann in drei Monaten die sozial- feiten hinfällig, unter denen die Verbindung mit der Mittelchen, daß sie ohne weiteres Bestrebungen, die ihr nicht demokratische Gesellschaft fix und fertig aufrichtet". Man Bentralleitung sich vollzieht. Eine demokratischere Ge- Es soll hier nicht von den Schikanen gegen die Jugendin den Kram passen, den Garaus zu machen imstande ist. messe daran den Inhalt, das Gepräge, die Stimmung staltung des Vertretungssystems zu den Parteitagen abteilungen der Arbeiterturner die Rede sein, noch von den der Verhandlungen zu Jena über den politischen Massen- unterblieb, weil zunächst die Durchführung des neuen Schwierigkeiten, die man den Jugendbildnern der freistreit, die, wie kaum je Beratungen eines Parteitags, Statuts die rechnerischen Grundlagen dafür liefern muß. religiösen Gemeinden gemacht hat; es sei nur gestattet, eines Mit Genugtuung darf die Sozialdemokratie auf das Werk ihrer letzten Tagung zurückblicken. Es hat im Zeichen des schärfsten Klassenkampfes gestanden, die Partei entschieden einen guten Schritt weiter nach vorwärts, nach links gebracht, und in ihr lebendige Kräfte der revolutionären Erkenntnis und Energie zum Bereitsein aufgerufen. In festgegliederten Reihen, kampfesgerüsteter als je schreitet die Sozialdemokratie der Zukunft, ihren Schlachten und Siegen entgegen. Jugend und Sozialismus. XI. 116 " Die Gleichheit Woher kommt der Profit? II. Nr. 20 Vorfalls zu gedenken, der den meisten Lesern und Leserinnen| leicht zu erfüllenden Pflicht sich eigentlich der Berliner der Gleichheit" unbekannt sein dürfte: Die Ortsgruppe Magiftrat unterziehen müßte, so hat" Fichte" damit zugleich Erfurt des Deutschen Arbeiterabstinentenbundes gründete im einen Teil der Aufgabe gelöst, auf die mit Recht Genossin August 1904 eine Jugendabteilung für Kinder zwischen 10 und Bieg in ihrer Polemik gegen Krügers Artikel hinweist. Angenommen, der durchschnittliche Profit, um den jeder 14 Jahren. Man engagierte eine geeignete Erzieherin, die Wer die Richtigkeit der letzten Ausführungen anerkennt, den Verkäufer seine Ware verteuert, betrage 20 Prozent, so wird. Kinder wurden einmal wöchentlich des Nachmittags von kann der an sich richtige Einwand der Genossin Zieh nicht der Tisch, den der Möbelhändler für 20 Mt. verkauft, nur 4 bis 6 Uhr unterrichtet, es wurden Spiele und Spazier- irre machen: daß in größeren Orten mehrere Heime nötig 16 Mt. wert sein. Was tut nun aber der Möbelhändler mit gänge veranstaltet; die Eltern durften den Zusammenfünften wären. Er ist nämlich sehr richtig und sehr unrichtig. Nötig dem Goldstück, in dem 4 Mt. Profit stecken? Er kauft dafür beiwohnen. Kaum aber hatten die Vorlesungen und kleinen wären mehrere Heime schon, aber für den Anfang würden wieder andere Waren. Zum Beispiel einen Sack Mehl. Vorträge, die gemeinsamen Spaziergänge und Spiele be- wir alle wohl sehr zufrieden sein, wenn in einer deutschen Aber der Mehlhändler muß ja auch seine 20 Prozent Profit gonnen, da fing Schule und Polizei zu schnüffeln an. Die Großstadt erst einmal ein einziges Heim erstände und gediehe. haben, er kann ihm folglich für das Zwanzigmarkstück auch nur Kinder wurden von den Lehrern auf höheren Befehl aus- Nötig wären in Berlin zum Beispiel mehrere Gewerkschafts- einen Sack Mehl geben, der 16 Mt. wert ist. Und was ergehorcht; an diejenigen, die sich zur Mitgliedschaft" be- häuser, und es eristiert bloß eins! Nötig wären mehrere gibt sich als Resultat des ganzen Handels? Für den Tisch, fannten, erging das Verbot, die Veranstaltungen der Jugend- Arbeiterbildungsschulen, und mit Mühe und Not vegetiert der 16 Mt. wert war, hat der Möbelhändler einen Sack abteilung ohne Begleitung der Eltern zu besuchen, Geheim- eine! Nötig wäre an manchen Orten manches in vielen, Mehl bekommen, der ebenfalls 16 Mt. wert ist. Er ist um polizisten fanden sich zu den Belehrungsabenden ein und vielen Exemplaren, und es besteht noch gar nicht, oder keinen Pfennig reicher geworden. Der Profit ist damit nicht begleiteten die Kinder auf ihren Ausflügen! Dazu kamen wenn es vorhanden ist, so sind wir schon heilfroh, es erklärt. Die Sache käme darauf hinaus, daß nicht die Waren unaufhörlich polizeiliche Vorladungen der leitenden Genossen, wenigstens in einem einzigen Exemplar zu besitzen! zu teuer, sondern jedes Goldstück um 20 Prozent zu billig so daß der guten Sache im Handumdrehen der Todesstoß Also seien wir nicht fatholischer als der Papst, bureau- verkauft würde, womit die Tatsache, daß Gold- und Silberversetzt war. Um diese Mitteilungen übrigens voll würdigen fratischer als die Bureaukraten. Als Genosse Rühle mit gruben häufig einen sehr hohen Profit abwerfen, schlecht zu können, muß man wissen, daß in den Jugendtempeln" seinem bekannten Vorschlag zur Hebung der Arbeiterbildung stimmt. der politisch ,, neutralen" Guttempler zurzeit etwa 6000 Kinder fam, da wurde so viel debattiert, theoretisiert, kritisiert, daß organisiert sind, ohne daß seitens der Polizei oder Schul- schließlich wie es scheint die ganze Geschichte einfach behörden Schwierigkeiten oben geschilderter Art gemacht im Sande verlaufen ist. Machen wir doch hier nicht den würden! selben Fehler. Frisch ans Werk! Laßt uns, statt viel zu Wir haben überhaupt mit einer Periode der Reaktion in reden, etwas schaffen so oder so; ist es verbesserungsBildungsfragen zu rechnen; hat man doch ganz kürzlich erst bedürftig, muß es umstürzenden Änderungen unterworfen den traurigen Mut gehabt, aus der moderigen Rumpel- werden, dann wird sich das schon finden, wenn wir uns fammer der Vergangenheit den berüchtigten Artifel 22 der erst nach berüchtigtem Muster aus dem Stadium der„ Erpreußischen Verfassung hervorzukramen, jenen Artikel, der wägung" und der„ Überweisung als Material" zum Stadium da lautet: Unterricht zu erteilen und Unterrichts- der Berücksichtigung" durchgerungen haben. anstalten zu gründen und zu leiten, steht jedem frei, wenn er seine sittliche, wissenschaftliche und technische Befähigung den betreffenden Staatsbehörden nachgewiesen hat." Wer unsere„ betreffenden Staatsbehörden" auch nur einigermaßen kennt, der weiß, daß nach ihrer Ansicht Sozialdemokraten und ähnliche Verbrecher von vornherein nicht die sittliche Befähigung haben, unsere Jugend zu bilden und zu unterrichten. Wir sehen daher, daß bei unseren jämmerlichen Rechtszuständen auch Gründungen ohne Vereinscharakter, also Jugendheime und dergleichen, nicht bestehen können, wenn es den Machthabern beliebt, mit Hilfe einer der unzähligen Schlingen und Fußangeln unserer Gesetze, Erlasse, Verfügungen, Bestimmungen, Verordnungen, Kabinettsordres usw. was sehr wichtig ist den schulpflichtigen Kindern und deren Angehörigen die Teilnahme an den betreffenden Privatinftitutionen zu verbieten oder wenigstens zu verekeln. thin XII. Georg Davidsohn. Es ist ohne weiteres einleuchtend, daß es von der höchsten Wichtigkeit für die Sozialdemokratie ist, eine Antwort auf die Frage zu finden: Wie kann die Jugend für den Sozialis mus gewonnen werden? Aber ist es nicht trotzdem möglich, daß der letzte Käufer, der Konsument, den Profit sämtlicher Verkäufer aufbringt? Gewiß muß jeder Verkäufer auch selbst wieder kaufen, was er für sich braucht, und dabei Profit an andere zahlen. Aber schließlich verkauft er doch viel mehr, als er für seinen eigenen Gebrauch fauft. Seine Bereicherung auf diesem Wege scheint also doch wohl ganz gut erklärlich. Führen wir uns zunächst einmal vor Augen, um was für Beträge es sich da handeln würde. Wie würde sich zum Beispiel für den Konsumenten der Preis eines Baumwollhemdes stellen unter der Annahme, daß der Durchschnittsprofit 10 Prozent betrage, was recht mäßig ist. Zuerst produziert der Baumwollpflanzer in Amerika einen Ballen Baumwolle, der 100 Mt. wert ist, und verkauft ihn an den Spinner für 110 Mt. Dieser setzt durch seine Spinn arbeit der Baumwolle neuen Wert zu. Jedoch wollen wir, um die Rechnung nicht zu erschweren, diesen neuen Wert außer acht lassen. Was der Spinner mit 110 Mt. bezahlt hat und was in Wirklichkeit nur 100 Mt. wert ist, setzt er mit 121 Mt. in Rechnung.( Seine neu geleistete Arbeit berechnet er noch außerdem und zwar ebenfalls mit 10 Prozent Aufschlag.) So muß der Weber, der das Garn kauft, bereits mit 121 Mt. bezahlen und dann seinerseits im Stoff mit 133,10 mt. berechnen, was nur 100 Mt. wert ist! Vom Weber kauft der Hemdenfabrikant und muß, wenn er die fertigen Hemden an den Großhändler verkauft, bereits 146,40 Mt. für den gleichen Wert verlangen. Selbst wenn wir nun annehmen, daß das Publikum seine Hemden vom Großhändler kauft, so würde es 161,05 Mt. zu zahlen haben für etwas, das nur 100 Mt. wert ist! Welch enorme Ver teuerung! Und dabei haben wir viel zu mäßig gerechnet. In Wahrheit schiebt sich zwischen Pflanzer und Spinner, zwischen Spinner und Weber, zwischen Weber und Hemdenfabrikant, zwischen Großhändler und Konsument noch minde stens je ein Zwischenhändler. Meist sind es sogar mehrere. ein Preis von 235,80 Mr. heraus. Ferner ist der Profit von 10 Prozent außerordentlich niedrig. Es gibt Geschäftszweige, in denen er 33 Prozent und mehr beträgt. Das alles sind Tatsachen. Und zieht man sie mit in Rechnung, so täme vielleicht ein Betrag von 400 Mt. heraus, den das Publikum s für einen Gegenwert von nur 100 Mt. zahlen müßte, wenn es alle Profite auf diesem Wege aufbringen sollte. Die Jugendheime, deren Gründung Genosse Krüger fordert, wären gewiß eine schöne Sache, allein meines Erachtens stehen ihrer Verwirklichung große Hindernisse im Wege. Uns fehlen, um nur eines herauszugreifen, die Räumlichkeiten und Mittel, welche konfessionellen und anderen Gründungen ähnlicher Art zur Verfügung stehen. Uns wird nicht die Unterstützung zuteil, die Bestrebungen gewährt wird, welche den Geist unserer Jugend im Banne der Kirche, des Geldsacks und des Militärstaats halten sollen. Alle erforderlichen Mittel müßten wir aus eigener Kraft aufbringen, und das Es wäre schon sehr viel gewonnen, wenn unsere Organi- aus dem schmalen Beutel der Männer und Frauen, welche sationen sich an die Kinder heranmachten da, wo die hoch das Kapital ausbeutet. Ob das möglich ist, dahinter muß wohllöblichen Schul- und sonstigen Behörden„ ,, nig tau seggen" mehr als ein Fragezeichen gesetzt werden. Wie schwer es haben: bei der Maifeier, auf Sommerfesten und ähnlichen halten würde, zumal in den kleinen Orten, Frauen zu finden, Veranstaltungen. Leider liegt hier aber alles im argen. welche sich der Arbeit in den Jugendheimen widmen wollten Wenn das Vergnügungskomitee bei derlei Anlässen jedem und widmen könnten, das ist schon wiederholt hervorgehoben Kinde eine Papiermütze und schärpe oder eine Stocklaterne worden. Man bedenke, wie rückständig vielerorts noch die mit Lassalles, Marr', Engels', Bebels oder Singers meist Frauen sind, und wie wenig hier und da die Genossen recht mäßig getroffenem Konterfei gratis in die Hand drückt danach streben, sie aufzuklären und zur Mitarbeit im Dienste Berücksichtigen wir nur die hier genannten, so kommt schon und am Abend einen Fackelzug veranstaltet; wenn es ein der Bewegung heranzuziehen, ja umgekehrt, wie sie die Frauen Freibillett zum Schaufeln oder Karussellfahren verabfolgt, als minderwertig zurückweisen. Zu der Frage nach der einen„ Bonbonregen" herniederprasseln läßt oder gar für Möglichkeit von Jugendheimen kommen aber auch noch die Aufstellung eines Kasperlestheaters sorgt, dann glaubt es, grundsätzlichen Einwände, welche Genosse Schulz in seinem mehr als seine Pflicht und Schuldigkeit getan zu haben! Artikel dargelegt hat. Hier einzusetzen, das Kinderfest zum wichtigen, liebevoll und sorgfältig vorbereiteten Bestandteil unserer Parteifeste zu machen, das verlohnte sich schon der Mühe, das wäre eine Aufgabe, die es verdiente, eingehend geprüft und studiert zu werden. Gewiß ist das riesig. Aber gleichwohl, wenn man sieht, wie ausgepowert die Massen des Volkes sind und wie viel andererseits tatsächlich im Handel betrogen wird, so mag es immerhin nicht undenkbar erscheinen, daß der Profit auf diesem Wege entsteht. Fassen wir deshalb das kaufende Publikum ins Auge, um zu sehen, ob es solche Profite auf bringen kann. Aber lassen wir alles beiseite und nehmen wir an, daß Jugendheime und Jugendorganisationen geschaffen werden. Was können sie leisten, wenn die Frau, die Mutter nicht für den Sozialismus gewonnen ist, und wenn sie in Un verstand und Feindseligkeit vernichtet, was in das Herz, den Ist nach allem der Widerspruch gegen den ersten Teil der Geist der Jugend gepflanzt werden soll? Meiner Ansicht Krügerschen Ausführungen begreiflich und erübrigt es sich nach kann die Jugend nur für den Sozialismus erzogen infolgedessen, auf deren Details näher einzugehen, so muß werden, wenn auch die breiten Massen der Frauen für ihn es wundernehmen, daß sich gegen den zweiten Teil, der von und durch ihn erzogen worden sind. Niemand übt im allWoher bekommt das Publikum selbst das Geld, womit es der schulentwachsenen Jugend handelt, einige der Ein- gemeinen einen so starten Einfluß auf das Kind aus, als die wände gemacht werden konnten, die in Nr. 16 der„ Gleich- Mutter. Was sie ihm lehrt, und vor allem was sie ihm tauft? Da unterscheiden sich deutlich drei Gruppen: erstens heit" erhoben worden sind. Genosse Dr. Frank will die vorlebt, das wirkt meist lebendig in ihm nach, das ist eine die Leute, die selbst Verkäufer sind. Diese können hier Agitation unter der Jugend in die Hand von Vertrauens- Macht, die seinem Empfinden und Denken die Richtung nicht in Betracht kommen; denn wir haben schon gesehen, personen gelegt wissen, die in allen Bundesstaaten, in denen gibt. Unausrottbar wird das sozialistische Ideal in unserer daß sie viel weniger kaufen als verkaufen. Ihr Einkommen Polizeiverbote nicht zu befürchten sind, Jugendorganisationen Jugend einwurzeln, wenn die Mutter es ist, die es von ist es ja gerade, dessen Herkunft erklärt werden soll. Das zu gründen" hätten. Sehr gut! Aber wie wird's in den frühester Jugend an in den zarten Seelen hegt und pflegt. fann natürlich nicht geschehen durch ihr Einkommen selbst. Bundesstaaten, in denen Polizeiverbote doch zu befürchten, Die Aufklärung der Proletarierinen ist daher ein erster und Zweitens solche, die von ihrer Arbeit leben, und drittens ja mit tödlicher Sicherheit zu erwarten sind? Da bleibt unerläßlich notwendiger Schritt, wollen wir, daß ein Ge- solche, die arbeitsloses Einkommen haben. Der Kürze wegen s wohl alles beim alten? Das wäre traurig, doppelt traurig, schlecht von Kämpfern für den Sozialismus heranwächst. wollen wir die zweite Gruppe Arbeiter und die dritte d weil ja im allgemeinen die Landesteile, in denen sich der Jeder, der sich für die Jugendfrage ernstlich interessiert, hat Rentiers nennen, bemerken aber ausdrücklich, daß zu den Verwirklichung des Projektes, die Jugend für unsere Ideen die Pflicht, sie mit aller Kraft zu fördern. Das sollten sich Arbeitern in diesem Falle alle gehören, die für ihre Arbeit bezahlt werden, also auch die Lehrer, Ärzte, Beamten usw., und zu den Rentiers alle, die ein Einkommen ohne Gegen leistung genießen, ob es nun aus Renten, Zinsen, Dividenden, Staatspapieren oder sonstwoher stamme. zu gewinnen, die schwersten Hindernisse in den Weg stellen, eben gerade diejenigen sein werden, in denen unsere Propaganda sowieso schon unter den schlimmsten und wider wärtigsten Schikanen der vereinigten Reaktionsmächte zu leiden hat. vor allem die Genossen gesagt sein lassen ihre Zahl schrumpft ja erfreulicherweise immer mehr zusammen, welche die gleichberechtigte Mitarbeit der Frauen in der Bewegung mit mißtrauischen oder scheelen Blicken ansehen, und für welche die Praxis der sozialistischen Auffassung noch Betrachten wir zuerst die Rentiers. Herr Schulze lebt „ Der Plan des Genossen Krüger ist nur an einzelnen immer vor der Schwelle ihres Heims Halt macht. Wenn von den Zinsen seines Kapitals. Er hat sein Vermögen in großen Parteiorten durchführbar." Allerdings! Aber das die Genossen überall mit voller Energie und Freudigkeit die das Geschäft des Herrn Müller gesteckt, um das er sich Er ist zufrieden, wenn ihm Herr versteht sich ja von selbst. Wir haben es eben mit einem Bestrebungen unterstützen, die Frauen zur Erkenntnis ihrer weiter nicht fümmert. Experiment zu tun, das natürlich nicht von den fleinsten Pflichten und Rechte innerhalb der sozialistischen Bewegung Müller alle Jahre seine Zinsen zahlt. Woher jedoch nimmt und schwächsten, sondern von den großen und starten Organi- zu erwecken, sie mit dem Wissen auszurüsten, das Kraft und Müller die Summen, die er jährlich an Schulze als Zinsen fationen gewagt werden muß. Glückt's, so mögen die anderen Begeisterung für unsere Kämpfe gibt, dann helfen sie eine zahlt? Aus seinem Profit. Würde er mit eigenem Gelde auch die fleineren daraus lernen; scheitert's, so haben breite und unzerstörbare Grundlage schaffen für die sozia- arbeiten und nicht nötig haben, Zinsen zu zahlen, so würde starte Vereinigungen kaum einen Schaden, während schwache listische überzeugung des heranwachsenden Geschlechtes. sein Profit um so größer sein. Genau so steht es mit allen durch Mißglücken solcher Versuche leicht selber zugrunde Lassen sich unsere Genossen nicht durch Kleinliche Bedenken Renten, Zinsen, Dividenden usw. Sie werden gezahlt aus gehen könnten. Der große Berliner Arbeiterturnverein und altersgraue Vorurteile von dieser Unterstüßung zurück- dem Profit der Händler und Fabrikanten. Sie sind ein " Fichte" hat das bekannte Experiment: Tausende von halten, lassen sich unsere Genossinnen nicht beirren und ent- Teil des Profits, nichts weiter, und können demnach dessen Kindern zum Spiele unter sorgfältiger fachmännischer Auf- mutigen, wenn ihre Arbeit Schwierigkeiten begegnen! Legen Ursprung nicht erklären. Es mag schon sein, daß Schulze, ficht zu vereinigen, in glücklichster Weise durchgeführt. Was wir alle Hand ans Wert. Wer die Frauen hat, hat die nachdem er seine Zinsen bekommen, von Müller zum Beis spiel einen Pelz kauft und dabei um das Drei- bis Vierfache b ihm möglich war, fonnte ein beliebiger Provinzialverein Jugend und damit die Zukunft. selbst beim besten Willen natürlich nicht leisten. Und wenn überteuert wird. Aber dann holt sich Müller durch die Gaunerei nur einen Teil dessen zurück, was er selbst zuvor s es" Fichte" gelungen ist, zu zeigen, welcher dankbaren und Franziska Kuppe, Mühlburg b. Karlsruhe. D Nr. 20 Die Gleichheit 117 an Schulze gegeben. Damit Schulze überhaupt etwas kriegen kann, muß der Profit bei Müller schon da sein. Und das gilt für sämtliche Rentiers. Sie könnten keinen Pfennig Renten, Zinsen usw. kriegen, wenn nicht vorher die Händler und Fabrikanten ihren Profit schon gemacht hätten. Wie steht es mit den Arbeitern? Sie sind es, die durch ihre Arbeit allen Wert schaffen. Aber er ist nicht ihr Eigentum, sie bekommen nur ihren Lohn.(Die Lehrer, Beamten, Arzte usw. ebensogut wie die Fabrikarbeiter.) Wenn sie mit dem Lohn kaufen, was sie brauchen, so werden sie oft überteuert, das ist unbestreitbar. Unbestreitbar ist auch, daß manch einzelner Kaufmann von solcher Übervorteilung einzelner Arbeiter ausschließlich existieren mag. Aber fassen wir nicht einzelne Personen, sondern die gesamte Arbeiterklasse ins Auge, so sind drei Fälle möglich: entweder der gesamte Lohn, den sie erhält, ist genau ebenso groß wie der Wert der Waren, oder er ist größer, oder endlich kleiner. Ist er genau ebenso groß, so können die Arbeiter offenbar für die Waren nur genau so viel zahlen, wie sie wert sind, und nicht einen Pfennig mehr. Ist er größer, so ist der überschießende Betrag arbeitsloses Einkommen, und es gilt für ihn dasselbe, wie für die Renten und Zinsen: er kann nur aus dem Profit der Händler und Fabrikanten genommen sein, nicht aber dessen Ursprung erklären. Endlich, wenn er kleiner ist(und das ist er in Wirklichkeit), so ist es ganz undenkbar, daß die Arbeiter in ihrer Gesamtheit mehr bezahlen, als die Waren überhaupt wert sind. Sie haben es ja gar nicht. Man sieht also, die Annahme, daß die Waren nicht zu ihren Werten, sondern teurer verkauft werden, bringt uns keinen Schritt weiter. Gewiß kann es uns nicht einfallen, das häufige Vorkommen dieser Tatsache zu bestreiten. Aber die Entstehung des Profits hat damit nichts zu tun. Er entsteht offenbar auch dann, wenn die Waren reell zu ihren Werten verkauft werden. Und wir werden zu der Schlußfolgerung gedrängt, daß der Profit überhaupt nicht im Handel entsteht. Aus der Übervorteilung im Handel kann er jedenfalls nicht erklärt werden. Noch ein Ausweg scheint möglich. Auch im Handel wird gesellschaftlich notwendige Arbeit verrichtet, die Wert schafft. Die Tätigkeit des Kaufmanns kann nicht entbehrt werden. Es muß jemand sein, der dafür sorgt, daß in Amerika zur rechten Zeit so viel Baumwolle gepflanzt und geerntet wird, wie die englischen Spinnereien brauchen; es muß sich jemand darum kümmern, daß alle Lebensmittel in genügender Menge hergestellt und auch verteilt und an die Stellen geschafft werden, wo jeder einzelne Konsument sein viertel oder halbes Pfund, je nach Bedarf, holen kann. Wer da glaubt, der ganze Kaufmannstand sei überflüssig, der irrt sich ganz gewaltig. Richtig ist nur, daß es heute viel zu viel Kaufleute gibt, und daß in diesem Beruf eine enorme Menge Arbeit unnütz verschwendet wird. Aber ein gewisses Quantum kaufmännischer Arbeit ist notwendig und schafft Wert. Sollte nicht dies der Wert sein, der den Profit ausmacht? Auch das ist nicht der Fall. Diese notwendige Arbeit wird zumeist gar nicht von denen geleistet, die den Profit einstecken, sondern von Angestellten. Und auch wo der Besitzer selbst den Betrieb leitet, richtet sich die Größe seines Profits nicht nach der Menge notwendiger Arbeit, die er leistet, sondern nach ganz anderen Gründen. Man stelle sich iwei vollkommen gleiche Geschäfte vor, deren jedes 1000«) Mark jährlich abwirft. Das eine wird vom Besitzer geleitet. das andere als Äktienunternehmen von einem Direktor, der 20000 Mark Gehalt bekommt. Will man nun selbst annehmen, daß die Arbeit der kaufmännischen Leitung jährlich einen Wert von 20000 Mark schaffe, so bleiben immer noch 80000 Mark übrig, und die sind erst der Profit. Es bleibt also nichts anderes übrig, wir müssen zugestehen, daß der Prosit im Handel überhaupt nicht entsteht, und Müssen ihn anderswo suchen. Julian Borchardt. Äber Schulgesundheitspflege. Von vr. Zadel. III. Durch die größere Betonung gesundheitlicher Forderungen sind die Pädagogen gezwungen worden, auf inanche Einrichtung im Schulplan zu verzichten, ohne welche sie sich diesen früher kaum hätten denken können, zum Beispiel auf das Setzen der Schüler nach ihren Leistungen. Es mag vom erzieherischen Standpunkt aus gewiß wünschenswert sein, im Wechseln des Platzes, im Aufrücken und Überspringen der Vordermänner— bei der schnellen Frage- deantwortung, beim Kopfrechnen, bei schriftlichen Klassen- a'rbeiten usw.— ein Mittel zu besitzen, den Ehrgeiz der Ander zu wecken, eine größere Schnelligkeit im Denken, eine verstärkte Arbeitsintensität zu erzielen und damit vorbildlich A wirken für den Konkurrenzkampf im späteren Leben der Menschen. Diese Vorteile lassen sich jedoch auch auf anderem Mege erreichen und müssen auf anderem Wege erreicht werden, da gewichtige Gründe der Gesundheitspflege gegen diese althergebrachte Einrichtung sprechen. Zunächst gibt es wohl in jeder Klasse Kinder, die vom Lehrer sorgfältiger be- vbachtet werden müssen als andere, und die deshalb zweck- wäßig in seiner Nähe sitzen; weiter solche, die infolge von Schwerhörigkeit, Kurzsichtigkeit und anderen Dehlern auf die erste Bank gehören, um nicht beim Unterricht zurückzubleiben. Vor allem aber haben wir es bei den Schülern einer Klasse immer mit verschieden großen Andern zu tun, für welche unmöglich ein und dieselbe Schuldank paßt, die vielmehr nach ihrer Größe gesetzt werden süssen, damit ihre Beine den Fußboden berühren und Ge- Wndheitsschädigungen infolge schlechter Haltung: Verkrümmungen der Wirbelsäule, Einschlafen der Beine, Kurzsichtigkeit usw. vermieden werden. In jeder Klasse müssen deshalb mindestens drei verschiedene Bankgrößen existieren für besonders kleine, besonders große und mittelgroße Schüler. Damit ist aber das Setzen der Kinder nach ihren Leistungen unvereinbar. Tie Schulbankfrage selbst ist eine überaus wichtige, kommen doch außer der verschiedenen Körpergröße der Schüler noch andere gesundheitliche Gesichtspunkte in Betracht: die Kinder müssen bequem und aufrecht sitzen, das Kreuz unterstützt durch die Rückenlehne; sie müssen die Möglichkeit haben, schnell aufstehen zu können, wenn sie gefragt werden, ohne daß die Tischplatte sie daran hindert; sie müssen beim Schreiben beide Arme auf die Tischplatte auflegen können und die Augen in einer Mindestentfernung von 30 Zentimeter vom Lesebuch und Schreibheft halten. Zumeist finden wir in unseren Volksschulen Bänke, die allen Forderungen der Gesundheitspflege hohnsprechen, sogar Bänke mit einer positiven Distanz, das ist Abstand, zwischen Hinterer Tischkante und vorderem Bankrand, und daraus ergeben sich schwere körperliche Schädigungen, insbesondere die namentlich bei Mädchen so häufigen Verkrümmungen der Wirbelsäule und die besonders auf den höheren Schulen so verbreitete Kurz- sichtigkeit. Außerdem ist zumeist die Überwachung der Körperhaltung der Kinder, insbesondere beim Schreiben, durch die Lehrer in der Schule, durch die Mutter im Hause eine ganz ungenügende. Ellbogen und Tischplatte sollen in einer Höhe liegen, durch Auflegen auch des linken Armes beim Schreiben der Erhöhung der rechten Schulter und damit der Schiefstellung der Wirbelsäule entgegengearbeitet werden; beim Lesen ist der Rücken anzulehnen, der Kopf aufrecht, das Buch schräg zu halten, respektive durch ein Lesepult oder untergelegte Bücher zu unterstützen, auf Einhaltung der Mindestentfernung zwischen Auge und Heft oder Lesebuch und auf gutes Tageslicht, am besten von links einfallend, zu achten. Daneben ist, besonders nach längerem Sitzen, aus ausgiebige Bewegung in freier Luft, auf Freiübungen und Bewegungsspiele Wert zu legen, um die Schäden der einseitigen Körperhaltung wieder auszugleichen. Es ist kein Zufall, wenn wir die Nückgratsverkrümmungen so viel häufiger bei Mädchen als bei Knaben finden. Während letztere ihre freie Zeit fast ständig in der Luft zubringen, durch Turnen, Schwimmen, Wettkämpfe und-laufen, Wanderungen und Sport aller Art für die allseitige Kräftigung ihrer Muskeln, für die Geradhaltung des Rumpfes, für Vertiefung der Atmung und Beschleunigung des Blutumlaufes sorgen, wachsen unsere Mädchen, dank einem nur schwer auszurottenden Vorurteil, als Zimmerpflanzen auf, bleichsüchtig und nervös, mit schwachen Knochen und schwachen Muskeln; bringen ihre schulfreie Zeit mit Handarbeiten und anderen sitzenden Beschäftigungen zu, womöglich noch eingeschnürt in ein entsetzliches Schnürleibchen mit Stahl- und Fischbeinstangen, das jede vertiefte Atmung erschwert, Magen, Leber und den knöchernen Brustkorb zusammenpreßt und verbildet. Dadurch wird ebenso die gesunde Entwicklung der Brust gehindert wie die Tätigkeit der langen Rückenmuskeln beeinträchtigt, deren Aufgabe es gerade ist, die Wirbelsäule aufrecht zu erhalten und Abweichungen vom normalen Bau des Skeletts zu verhüten. Kommt dazu noch die solch schwächlichen Schulmädchen mit Vorliebe zugemutete Aufgabe, kleinere Geschwister auf dem Arme zu tragen, wozu fast stets nur der linke gebraucht wird, so gibt eben die einseitig belastete Seite mehr und mehr nach, es kommt zum Tiefstand der linken, zum Hochstand der rechten Schulter, und die Mißbildung, die Rückgratsverkrümmung ist fertig. Wie in schulhygienischer Hinsicht überhaupt, so auch besonders mit Bezug auf diese unnatürliche und unvernünftige Benachteiligung des weiblichen Geschlechtes lassen sich in letzter Zeit Anfänge einer Besserung benierken. Turnen und Turnspiele kommen mehr und mehr auch bei Schulmädchen in Aufnahme, die Bestrebungen nach Reform der weiblichen Kleidung, insbesondere Abschaffung des Korsetts, nach Gleichstellung mit dem Mann in Erlernung des Schwimmens, Radfahrens usw. gewinnen mehr und mehr an Boden. Aufgabe des Hauses muß es sein, mit dem althergebrachten Schlendrian zu brechen und den Schulmädchen die nämliche Freiheit der Bewegung und körperliche Übung zu verschaffen wie den Schulknaben; insbesondere ist das Sitzen, Handarbeiten, Kindertragen— je nach der körperlichen Beschaffenheit— entweder ganz abzuschaffen oder auf ein so geringes Maß zu beschränken, daß die durch den Unterricht etwa geschaffenen Schädigungen des wachsenden Körpers in der schulfreien Zeit jedenfalls nicht noch weiter verstärkt werden. Katholische Arbeiterinnenvereine. Ihr Frauen, herbei zur Hochhaltung, zur Verteidigung der christlichen Weltanschauung!, so klingt es im Zentrum. — Unbemerkt begann schon seit Jahren, was uns die letztvergangene Zeit deutlicher zeigte, und was der Straßburger Kongreß endgültig zu offenem Ausdruck brachte: eine veränderte Stellungnahme der katholischen Kirche, des Zentrums zur vielgeschmähten Frauenfrage. Zwar hat gerade das Zentrum niemals die einflußreichen Kräfte der Frauen unterschätzt, es hat sie stets sehr klug zu benutzen verstanden, Macht und Einfluß innerhalb der Familie und damit innerhalb der Gesellschaft, des Staates sich zu sichern. Die gläubige katholische Frau, die regelmäßig zur Kirche und zum Beichtstuhl pilgert, ist eine absolut zuverlässige Stütze für die Machtstellung der katholischen Kirche, will sagen der Zentrumspartei. Aber die Verhältnisse, welche die kapitalistische Produktionsweise schafft, haben die Frauen aus dem Frieden der häuslichen vier Wände herausgerijseu und sie mitten hineingeschleudert in den brutalen Kampf ums Dasein, in das Erwerbs- und Produktionsleben. Die grausame Wirklichkeit der Erwerbsnotwendigkeit zwingt allmählich mit ihrer unerbittlichen Logik auch die Frauen, ihre Augen vom überirdischen Jenseits abzuwenden und sie um so ausschl-eßlicher für das mühevolle Diesseits zu gebrauchen. Bekümmerten Herzens mußte die Zentrumspartei erfahren, daß unter dem ehernen Zwange der wirtschaftlichen, der sozialen Verhältnisse ihre treuen Anhänger, die christlichen Gewerkschaften, sich schon erkühnten, andere Wege zu wünschen, als sie den seelsorgerischen Politikern geboten dünkten; daß sie sogar vor einer Berührung mit den„sozialdemokratischen" Gewerkschaften durch die Macht des Glaubens nicht mehr gefeit schienen. Das Zentrum mußte mehr erleben. Sozialdemokratische Agitatoren und Agitatorinnen trugen Aufklärung, Bildung, Begehren auch in die Reihen der proletarischen Frauen, der Arbeiterinnen. Und sie hatten guten Erfolg. Der Ausbreitung der sozialistischen Ideen unter den Frauen des Volkes möchten die klugen Herren gerne vorbauen, und in durchaus richtiger Würdigung der Verhältnisse entschließen sie sich, der Frauenbewegung nach Tun- lichkeit entgegenzukommen. Sie wollen die sich in der Welt des Katholizismus regenden Frauenkräfte in die Bahnen des kirchlichen Jnteressendienstes lenken und mit ihrer Hilfe die Proletarierinnen, die Arbeiterinnen des katholischen Deutschlands der Kirche, dem Einfluß des Zentrums erhalten. Die Kirche kennt ihre suggestive Macht auf die Frauen und hat sie in den letzten Jahren mehrfach mit dem glücklichsten Erfolge erprobt an Persönlichkeiten, die mit heißem Ernste in den vordersten Reihen kämpften. Die neuen Arbeiten von Elisabeth Gnauck-Kühne zum Beispiel haben dieklar ersichtliche Tendenz, der Kirche zu dienen. Besonders gilt das von ihrer letzten Broschüre:„Zur Einführung in die Arbeiterinnenfrage", durch welche sie die Frauen der gebildeten Kreise dafür interessieren will, sich mit den Arbeiterinnen zu beschäftigen, sie in Organisationen zu sammeln und sie darin unter dem Einfluß der katholischen Kirche zu halten. Im Anschluß an diese Arbeit schrieb der Generalsekretär des Verbandes der katholischen Arbeitervereine der Erzdiözese Köln, Or. Otto Müller, eine Broschüre, in der er allen Arbeitern und Arbeiterinnen auf diesem Gebiet, den Geistlichen, Lehrerinnen, Klosterfrauen, insbesondere auch den Damen der besser situierten Stände, ein praktisches Handbuch bei der Entfaltung ihrer Wirksamkeit bieten will. Lehp- reich und interessant ist, wie das Normalstatut der katholischen Arbeiterinnenvereine nach dem Herzen des Zentrums beschaffen ist. Alle katholischen Arbeiterinnenvereine müssen von einem geistlichen Herrn geleitet sein, der seine Bereins- tätigkeit als eine Ergänzung der Seelsorge zu betrachten hat. Die Damen der Bourgeoisie sind nur die vollziehenden Helferinnen am Werke. Im Mittelpunkt eines jeden Vereins steht immer und überall die„Pflege wahrer Religiosität", die durch gemeinsame Beteiligung an kirchlichen Veranstaltungen und Feierlichkeiten, gemeinsame Kommunion, gemeinsame Veranstaltung von Exerzitien, religiöse Vorträge, religiöse Literatur usw. aufs beste gefördert werden muff. Schaffung von Wohlfahrtseinrichtungen, Sparkassen, Heimen, Hospizen und Gründung von hauswirtschaftlichen Kursen sind als weitere Mittel gedacht, die Arbeiterinnen an ihre Vereine zu fesseln. Die Gründung einer Bibliothek, die Verbreitung einer katholischen Arbeiterinnen-Zeitung wird zur Pflicht gemacht; für die Unterhaltung ist zu sorgen durch Veranstaltung von Deklamationen, theatralischen und gesanglichen Aufführungen. Daneben soll die geistige und fachliche Bildung durch soziale, allgemein bildende Vorträge, vor allem durch Belehrung über die sozialistischen Irrtümer und die Bestrebungen der christlichen Sozialreform gefördert werden. Sehr viel Zeit dürfte indes dafür den Vereinen neben allen kirchlichen, religiösen Pflichten und neben den hauswirtschaftlichen Kursen nicht übrig bleiben, besonders wenn die Unterhaltung zur Belebung des gemeinschaftlichen Sinnes nicht allzusehr vernachlässigt wird. Um den Geist der seelsorgerischen Bestrebungen zur Organisation der Arbeiterinnen zu charakterisieren, genügt es, die Bücher aufzuzählen, die der Verfasser der Broschüre für die„Hausbibliothek der Arbeiterin" vorschlägt:„Das Neue Testament" 1,20 Mk.;„Handpostille" i Mk.;„Das Leben der Heiligen" 1,60 Mk.;„Modernes(apologetisches) Abc", zwei Bändchen ä 60 Pf.;„Katholischer Volkskalechismus" 4,70 Mk.; „Schönheit der katholischen Kirche" 1,25 Mk.;„Erklärung des heiligen Meßopfers" 1,50 Mk.; Thomas v. Kempen,„Vier Bücher von der Nachfolge Christi", von 50 Pf. bis 2 Mk. und höher;„Pilethea", ebenso erhältlich;„Wegweiser zum häuslichen Glück für Mädchen" 75 Pf.; Klein,„Deutschlands Geschichte" 3 Mk.; Hitze,„Was jedermann bezüglich der Invalidenversicherung wissen muß" 25 Pf.;„Gesundheitspflege im täglichen Leben" 1 Mk. Ich habe mich mit peinlicher Genauigkeit an die angegebene Reihenfolge gehalten. Man sieht aus dieser Aufstellung deutlich, daß die Konservierung der Religiosität die Hauptsache, und daß sie— nicht eben wohlfeil ist. Nach einer Aufstellung von vr. Liese(im Handbuch für Mädchenschutz 1904) gab es vor einem Jahre SS katholische Arbeiterinnenvereine mit ungefähr 70000 Mitgliedern, die in Süddeutschland respektive Bayern ansehnliche Verbreitung gesunden haben, zum überwiegenden Teil aber den Rheinlanden angehören. Die Dunkelmänner sind eifrig an der Arbeit, die arbeitenden Frauen, unsere Schwestern, unsere Arbeitsgenossiunen festzuhalten, festzuschmieden in der Kirche Nacht, sie durch die Sorge um das Heil ihrer Seele abwendig zu machen von der Beteiligung an dem Kampfe ihrer Brüder zur Er- 118 Die Gleichheit Nr. 20 A. W. oberung einer gerechten, einer sozialistischen Gesellschafts- die Arbeiter noch immer nicht Lokalitäten erhalten, in denen| nossin Fahrenwald in trefflicher Weise über„ Die Fleischordnung, die schon auf Erden ein menschenwürdiges Dasein sie sich im Dienste ihrer Interessen versammeln können? Der not". Die Versammelten erklärten sich durch lebhaften Beisichert. Diesen Bestrebungen gegenüber wollen wir uns ver- starke Besuch der Versammlung in Marienberg und die fall und in einer Resolution mit ihren Ausführungen eindoppelt, verzehnfacht bemühen, wollen wir in unverbrüch- Zähigkeit, mit welcher die Versammelten der Ungunst der verstanden. Als stellvertretende Vertrauensperson wurde licher Treue zusammenhalten, wollen wir uns neu geloben, Witterung Trotz boten, beweist, wie groß das Bedürfnis Genossin Schönfelder gewählt, der man auch das Mandat nicht zu ermüden, nimmer aufzuhören im Kampfe für unser nach Aufklärung in den Massen ist, und wie wenig es sich zur Frauenkonferenz in Glückstadt übertrug. In der Evangelium, für den Sozialismus. Schon sehen wir unsere durch die bösartigen, kleinlichen Schikanen der Saalverweige- zweiten Versammlung hielt Frau Ruben einen Vortrag über tapferen Genossinnen gerade in der Hochburg des Zentrums, rung ersticken läßt. Sehr gut war die Versammlung besucht, Volksschule und Erziehung", der unsere einschlägigen Fordeim Rheinland und in Westfalen, in den vordersten Reihen welche im Auftrag des Fabritarbeiterverbandes in rungen entwickelte und mit allgemeiner Befriedigung aufstehen, noch gering an Zahl, aber treu und zäh bei der Ar- Rippien stattfand. Ihr wohnten auch besonders viel Frauen genommen wurde. Genossin Wartenberg erstattete Bericht beit. Mit der Zeit werden ihrer viele sein, die in den katho- bei. Das Gleiche fann von der Mitgliederversammlung berichtet von der Wahlkreiskonferenz. Als Kreisvertrauensperson wurde lischen Gegenden Deutschlands mit ihnen arbeiten und werden, welche die Zahlstelle Dresden des Sattler- Genossin Wartenberg gewählt. Als Komitee für die kämpfen, die sich den Kämpferinnen für die sozialistische Ge- verbandes abhielt. Das in allen genannten Orten be- Wahlen einer Delegierten zum Parteitag in Jena wurden sellschaftsordnung in allen deutschen und außerdeutschen handelte Thema:„ Die wirtschaftlichen Kämpfe und Aus- Genosse Eilken und die Genossinnen Lund, Hermanns Landen anschließen. Auch im„ Kampfe um die Arbeiterin" sperrungen" gab Gelegenheit, eingehend die Notwendigkeit und Ramm gewählt. wird sich erfüllen, was der Dichter Lenau sang:„ Das Licht der gewerkschaftlichen Organisation für die Ausgebeuteten In Köln- Poll hat mit einer Volksversammlung, in der vom Himmel läßt sich nicht versprengen, noch läßt der darzulegen. Mit der politischen Mißwirtschaft, welche die Genoffin 3ieß über Zentrum und Arbeiter" sprach, nun Sonnenaufgang sich verhängen mit Purpurmänteln oder Klassenherrschaft der Besitzenden schafft, befaßte sich eine Ver- auch die systematische Agitation unter den Frauen eingesetzt. dunklen Kutten." Unser muß die Arbeit sein, unser der Sieg! sammlung in Gelenau. Ihre Tagesordnung lautete:„ Wirt: Diese wohnten recht zahlreich der Versammlung bei und Lea Heiden- Deutschmann. schaftspolitik und Fleischnot". Ihr wohnten auch Vieh- und folgten den Ausführungen der Rednerin mit großer AufFleischhändler bei. Nach einer sehr lebhaften Debatte, die merksamkeit. In der regen Diskussion ergriff Genossin allgemeine Zustimmung zu den Ausführungen der Referentin Bacher- Kalt das Wort und ermahnte die Frauen, sich Aus der Bewegung. brachte, ward eine Resolution angenommen, welche die so- durch Lesen und Versammlungsbesuch aufzuklären und in fortige Öffnung der Grenzen für die Vieheinfuhr forderte. Reih und Glied der Sozialdemokratie zu treten. Um die Von der Agitation. Vom 16. bis 31. August fanden in Bemerkt muß werden, daß in Gelenau, wie fast überall im Agitation unter den Proletarierinnen stetig zu betreiben, Baden in Rintheim, Söllingen, Niefern, Brözingen, Erzgebirge, ständige Fleischnot für das arbeitende Volt wurde die Aufstellung einer weiblichen Vertrauensperson Mühlburg, Forchheim, Freiburg, Rüppurr, Bulach, herrscht. Bei Schundlöhnen von 4 bis 10 mt. pro Woche, beschlossen und die Unterzeichnete mit diesem Amte betraut. Baden- Baden, Mörsch, Ettlingen, Huchenfeld, Eu- im günstigsten Falle von 12 bis 15 Mt., kann das nicht Die„ Gleichheit" fand 16 Abonnenten und die Genossen tingen, Ersingen und Aue öffentliche Versammlungen wundernehmen. Wie schrecklich nun aber die Teuerungs- gewannen Mitglieder für den sozialdemokratischen Verein statt, in denen Genossin Wartenberg- Ottensen über das preise die Lebensbedingungen gestalten, das läßt sich leicht und Leser für die„ Rheinische Zeitung". Der kleine Stamm Thema sprach: Was hat die Frau von der Sozialdemokratie vorstellen. Die Unterernährung, der Hunger kommen in der tätiger Genossinnen wird sich bemühen, den erfolgreichen zu erwarten?" In Baden haben die Frauen das Recht, Mit- erschreckend großen Zahl der Erkrankungen zum Ausdruck, Anfang zu pflegen, so daß hoffentlich bald Fortschritte zu Frau Klein. glieder der politischen Organisationen zu sein, doch haben welche die Krankenkassen im Erzgebirge verzeichnen. Das melden sind. sich bis jetzt nur wenige den sozialdemokratischen Vereinen trifft besonders auch für Schönheide zu, einem bekannten Aus einer schwarzen Ecke. In Düren und Umgegend angeschlossen. Das erklärt sich vor allem aus zwei Ursachen. Size der Bürstenindustrie. Hier bedient sich das Unter- beginnen allmählich die Frauen, sich den Schlaf aus den Seitens der Genossen ist bisher herzlich wenig geschehen, nehmertum besonders der Heimarbeit, um fette Profite aus Augen zu reiben, in dem sie zu halten die Herren Zentrums die Frauen politisch aufzuklären und zu organisieren. Die den Armen herauszupressen. Die prächtigen Villen der kapläne bestrebt sind. Das zeigte der glänzende Verlauf Geistlichkeit übt in Baden noch einen ganz bedeutenden Ein- Kapitalisten zeigen den Erfolg. Vom Arbeiterelend aber er der sehr gut besuchten Versammlungen in Düren und fluß aus, und zwar gerade auf das weibliche Geschlecht. zählen die Wochenverdienste, die von 12 Mt. bis zu 6 Mt. Merzenich, wo Genoffin Zieß über„ SoldatenmißhandEs ist deshalb erfreulich, daß auch in Baden endlich eine finken. Auch wenn Mann, Frau und Kinder fieberhaft zu- lungen und Bluturteile" sprach. Die Gegner hatten ihr systematische Agitation zur Aufklärung der proletarischen sammenarbeiten, reicht es mit Sorgen und Entbehrungen möglichstes getan, mit den kleinlichsten Mitteln die VerFrauen in Fluß zu kommen beginnt, und daß die Prole- nur aus der Hand in den Mund. In Neuheide war sammlungen zu vereiteln. In der" Dürener Zeitung" zum tarierinnen selbst ihr wachsendes Bedürfnis nach Anteil die Versammlung glänzend besucht; viele Männer und Beispiel blieb die bezahlte Versammlungsanzeige für die nahme am öffentlichen Leben bekunden. In allen Versamm Frauen hatten einen Weg von zwei Stunden nicht ge- Stadt mit der Begründung aus, es sei Beschwerde darüber lungen waren 20 bis 60 Frauen anwesend, in Mörsch sogar scheut, um zum erstenmal eine Frau sprechen zu hören. geführt worden, daß Frau Ziez die Religion bekämpfe. Die 135, und viele Zuhörerinnen folgten hinter den Fenstern und Was lehren uns die wirtschaftlichen Kämpfe?" lautete Annonce für Merzenich wurde zwar angenommen, jedoch Türen mit gespanntester Aufmerksamkeit dem Vortrag. Dieser das Thema des Vortrags. überfüllt war die Versamm ohne Angabe der Referentin und des Themas. Der Pfarrer zeigte den Frauen des Volkes die Ausbeutung und Unter- lung zu Großenhain, welche vom Gewerkschaftskartell in Derichsweiler erklärte seinen Getreuen: Jetzt geht das drückung, welche die Arbeiterklasse durch den Kapitalismus einberufen worden war. Sie hörte ein Referat über:" Die Weib auch schon auf das platte Land. In Düren ist ihr erfährt. Er wies sie auf ihre Pflicht hin, zu lernen, dem wirtschaftlichen Kämpfe und Aussperrungen der letzten niemand entgegengetreten, aber in Merzenich wird ihr ein Manne im wirtschaftlichen und politischen Kampfe eine treue Beit". Genosse Reichstagsabgeordneter Nitschke geißelte fatholischer Arbeiter heimleuchten." Wir wünschen, der fromme Gefährtin zu sein, die Kinder im Sinne des Sozialismus zu darauf des weiteren die schäbigen Praktiken, mit denen das Herr hätte gehört, wie dämlich sein geliebter Bruder in erziehen und selbst- unberührt von dem Philistergeschwäß, Großenhainer Tageblatt" die politische und gewerkschaft Chrifto auftrat, und wie gründlich ihn das Weib" abtat. daß die Frau sich um Politik nicht zu fümmern habe liche Arbeiterbewegung bekämpft. Bei dem sehr erfolgreichen Jn beiden Versammlungen lauschten die anwesenden Frauen furchtlos und treu im proletarischen Befreiungskampf ihre Sommerfest des sozialdemokratischen Vereins 3sch o pau mit Interesse dem Vortrag. Jn Düren wurde Frau Heusgen volle Schuldigkeit zu tun. Man konnte den Frauen an den hielt die Unterzeichnete die Festrede, welche mit großem Bei als Vertrauensperson, Frau Offermann als Stellvertreterin Augen ablesen, daß die Ausführungen der Referentin ver- fall aufgenommen wurde. Als Frucht der betriebenen Agi- gewählt. In unserer schwarzen Ecke des Rheinlandes ist es standen wurden und auf guten Boden fielen. Die Agitation tation ist zu verzeichnen ein Wachsen des Mitgliederstandes besonders wichtig, daß die proletarische Frauenbewegung in brachte den Wahlvereinen neue Mitglieder, dem Volks- der betreffenden Gewerkschaften und der sozialdemokratischen Fluß kommt und Licht in die Köpfe der Proletarierinnen freund" und der„ Gleichheit" Abonnenten, und zwar letzterer Partei und die Verbreitung unserer Presse. Hoffentlich halten bringt. Wer hier praktisch für die Sozialdemokratie arbeitet, 118. Auch die Gewerkschaften gewannen durch sie neue Mit- die neu gewonnenen Kämpfer und Kämpferinnen, was sie der weiß auch, welch großen Einfluß das Zentrum durch streiter, insbesondere der Fabrikarbeiterverband, dem in begeisterter Stimmung gelobt haben, damit die Bataillone Vermittlung der Frauen auf die Arbeiter ausübt. Hier in Forchheim 23, in Mörsch 99 Mitglieder beitraten. Hier der Arbeiterklasse vergrößernd, die ihres Zieles und ihres können wir nur vorwärts kommen, wenn wir auch die Frauen hatte Arbeitersekretär Willi- Karlsruhe besonders die Miß- Sieges sicher in festgeschlossenen Reihen vorwärts marschieren. für den Sozialismus gewinnen. Und dazu bedarf es vieler stände erörtert, unter denen die vielen Frauen und Mädchen Marie Wackwik. und geduldiger Arbeit. Erscheint doch noch den meisten leiden, die in Karlsruhe in den Zumpensortieranstalten Am 6. September wurde in Chemniß eine öffentliche Frauen die Zugehörigkeit ihres Mannes zur Sozialdemokratie und in der Patronenfabrik beschäftigt sind. Das in beiden Frauenversammlung abgehalten, die von etwa 500 Frauen oder zur Gewerkschaft als ein Verbrechen, neben dem Trinken, Orten erzielte Resultat ist um so begrüßenswerter, als der und einigen Dutzend Männern besucht war. Dieselbe hörte Spielen und andere Lafter verblassen. Da haben denn Verband bisher in der ganzen Gegend, auch in Karlsruhe einen Vortrag der Unterzeichneten über:„ Die Fleischnot und die Vertrauenspersonen der Genossinnen ein großes und nicht, eine Zahlstelle besaß. Da die sozialdemokratische Agi- die Frauen" und gestaltete sich zu einem wuchtigen Protest schwieriges Arbeitsfeld vor sich, bei dessen Bestellung fie tat tation sich in den meisten Orten zum erstenmal an die Frauen gegen die durch Sperrung der Grenzen und Erschwerung der fräftige Unterstüßung finden müssen. Daß Geduld und Be wendete, sah man vorläufig noch von der Aufstellung weib- Einfuhr von Schlachtvieh künstlich erzeugte Fleischteuerung geisterung im Bunde mit flarer Erkenntnis auch in unserer licher Vertrauenspersonen ab. Sie soll im Frühjahr ge- und Aushungerung des Volkes. An der Diskussion beteiligten schwarzen Ecke zum Siege führen, daran zweifeln wir nicht.+++ schehen, wo eine zweite Agitationstour stattfinden wird. fich mehrere Frauen in vortrefflicher Weise. Es folgte ein In Elberfeld fand kürzlich eine von den Genossinnen Zweifellos werden dann geeignete Persönlichkeiten für das furzes Referat über den Parteitag in Jena". Nach einer einberufene Protestversammlung gegen die Fleischnot statt, Amt vorhanden sein. Im allgemeinen trifft für die Ver- Auseinandersetzung mit einigen Genossen wurde mit großer in welcher Genossin Zieh ein ausgezeichnetes Referat hielt. hältnisse der badischen Gegenden, in denen agitiert wurde, Mehrheit Genossin Wagner als Delegierte für den Partei Die Versammlung war sehr gut besucht, und zwar fast nur das zu, was Genossin Ziet in Nr. 15 der„ Gleichheit" über tag gewählt. 18 Frauen erklärten ihren Beitritt in den von Frauen, der großen Mehrzahl nach Indifferenten, die Württemberg schrieb. In den meisten Orten lebte die Be- sozialdemokratischen Verein; außerdem wurden 24 Leserinnen sich bisher weder um die sozialistische Bewegung noch um völkerung noch vor 20 bis 30 Jahren von der Landwirt- für die„ Gleichheit" gewonnen. das öffentliche Leben überhaupt gekümmert hatten. Mit schaft, heute gehen fast sämtliche Männer und jungen Leute Auch die am 7. September abgehaltene Volksversammlung welcher Spannung und Begeisterung gerade diese Frauen beider Geschlechter in die größeren Städte als Industrie- in Gallenberg- Lichtenstein, in der die Unterzeichnete an den Lippen der Rednerin hingen, das muß man gesehen arbeiter, die landwirtschaftlichen Arbeiten werden in der über„ Die Fleischnot und das Proletariat" sprach, gestaltete haben. Man versteht dann, wie erfolgreich es ist, unsere Hauptsache von den Frauen besorgt, und auch diese strömen sich zu einem flammenden Protest gegen die Aushungerung Agitation gerade an Fragen anzuknüpfen, welche jeweilig mehr und mehr der gewerblichen Tätigkeit zu. Unter diesen des Volkes zugunsten einer Kleinen Anzahl Mächtiger. Die von besonderem Interesse für das Leben der Proletarierinnen Bedingungen wird es großer Mühe und Ausdauer bedürfen, Versammlung war von mehr als 300 Personen besucht, sind. Da wird Licht in die Köpfe gebracht und Begeisterung damit die politische und gewerkschaftliche Organisation feste darunter wohl 200 Frauen. Die„ Gleichheit" fand 8 neue für unsere Ziele entflammt. Bedauerlicherweise waren die Wurzeln schlägt. Die Genossen der Gegend werden jedoch Leserinnen. Ottilie Baader. Frauen vieler Genossen der Versammlung ferngeblieben, wie alle Kräfte anspannen, um durch die begonnene Aufklärungs- In Magdeburg fand Ende August eine öffentliche sie sich auch dem Frauenverein fernhalten. Wir meinen, und Organisierungsarbeit die Frauen wie Männer der werk- Frauenversammlung statt, in welcher Genosse Wittmaad daß manche unserer politisch und gewerkschaftlich organisierten tätigen Massen für die sozialistischen Jdeale in den Kampf über„ Die Stellung der Frauen zu dem Entwurf des neuen Arbeiter sich mehr als bisher angelegen sein lassen sollten, zu führen. Alma Wartenberg. Organisationsstatuts" referierte. Unter Hinweis auf die ihre Frauen dem sozialistischen Ideal zuzuführen und in ihnen Um die Aufklärung und den Zusammenschluß der Prole- Notwendigkeit der Mitarbeit der proletarischen Frauen an das Streben zu erwecken, sich das Wissen und die Schulung tarierinnen zu fördern, war die Unterzeichnete in letzter Zeit allen Aufgaben der politischen und gewerkschaftlichen Dr der Männer anzueignen, um mit ihnen zusammen für die im Auftrag gewerkschaftlicher und politischer Organisationen ganisation und Agitation wurde die Wahl einer Delegierten Befreiung des Proletariats fämpfen zu können. Die Frau agitatorisch tätig. Der Holzarbeiterverband hatte mehrere zum Parteitag in Jena beschlossen und die Unterzeichnete soll den kämpfenden Mann nicht verständnislos bewundern, Versammlungen im oberen Erzgebirge einberufen, in Eppen- mit diesem Amte betraut. Nachdem die Versammlung noch sie muß, von der gleichen Erkenntnis wie er beseelt, als dorf, Freiberg, Marienberg und Neuhausen. Außer den Tätigkeits- und Kassenbericht über das erste Halbjahr, geistig Ebenbürtige an seiner Seite arbeiten und streiten.in Freiberg fanden sie auf freiem Felde statt und waren Januar- Juli, entgegengenommen hatte, wurde sie mit der Die Versammlung brachte unserem Frauenverein zwanzig insgesamt glänzend besucht. In Marienberg goß es in Aufforderung geschlossen, unermüdlich für die Ausbreitung neue Mitglieder und der„ Gleichheit" ebensoviel neue Lese Strömen, so daß die fünf- bis sechshundert Versammelten und Vertiefung der sozialistischen Ideen tätig zu sein. rinnen. Mit Genugtuung dürfen wir auf sie zurückblicken. Marie Chmielewski. Frau Vogt. bis auf die Haut durchnäßt waren. Ist es nicht ein beredtes Zeugnis, wie scharf in Sachsen die Klassenscheidung Zwei gut besuchte öffentliche Frauenversammlungen fanden Weibliche Delegierte zum sozialdemokratischen Parteis and der Klassenkampf ist, daß in vielen industriellen Gegenden im August in Ottensen statt. In der ersten sprach Ge- tag. Die Fortschritte der proletarischen Frauenbewegung " " Nr. 20 Politische Rundschau. Die Gleichheit Notizenteil. Soziale Gesetzgebung. Soziales. 119 sind dadurch zum Ausdruck gekommen, daß an dem Partei- Der österreichisch- ungarische Doppelstaat kann aus den tag zu Jena mehr Genossinnen teilgenommen haben, als an inneren Wirren nicht herauskommen, da das ganze Staatsirgend einer früheren Tagung der Sozialdemokratie. 17 Frauen gebilde ein ungesundes Verlegenheitsprodukt ist, fein natürwohnten ihm bei: die Genossinnen Baader, Stock und licher Organismus. Verhältnismäßig stetig war noch immer Wulff( Berlin), Baumann( Altona), Chmielewski die Entwicklung der ungarischen Reichshälfte. Unter streng Die gesetzliche Einführung des Zehnstundentags im ( Magdeburg), Frenzel( Leipzig), Hoffmann( Mann- parlamentarischen Formen übte dort die magyarische Adels- Kanton Zürich ist von dem Kantonsrat mit 149 gegen 14 heim), Jäger( Teltow- Charlottenburg), Kähler( Biele- taste im Bündnis mit der großen Bourgeoisie die Herrschaft Stimmen beschlossen worden. Es ist das zum großen Teil feld), Luxemburg( Posen und Bromberg), Mirus( Frank aus über die an Zahl den Magyaren überlegenen fremd- mit das Verdienst der Energie und Ausdauer, mit der die furt a. M.), Neumann( Niederbarnim), Plum( Essen- sprachigen Völker nicht nur, sondern auch über die große sozialdemokratischen Abgeordneten für die Reform gekämpft West), Wagner( Chemnitz), Wartenberg( 6. schleswig- Masse der Magyaren selbst, da ein hoher Zensus das Wahl- haben, um die eine zweitägige Redeschlacht tobte. Genosse holsteinscher Wahlkreis), Ziet( 1. Hamburger Wahlkreis) recht in die Hände einer kleinen Minderheit von Wählern Greulich hob vor allem hervor, daß die heutige intensive und Bettin, als Mitglied der Kontrollkommission. Ge- legt. Die Arbeiter in Stadt und Land sind nahezu völlig Arbeitsweise dringend eine Verkürzung des Arbeitstags noffin Zietz gehörte als Schriftführerin dem Bureau an. entrechtet. Die Adelsfraktion arbeitete seit Jahren auf die heische. Die hygienische Seite der Frage wurde vor allem In allen Kommissionen haben Genossinnen fleißig mitgearbeitet. Loslösung Ungarns von Österreich hin. Sie wollte im Heer von Genossen Dr. Grismann beleuchtet. Von bürgerGenossin Baader war Mitglied der Mandatprüfungs- wesen wie in der Wirtschaftspolitik das Magyarentum völlig licher Seite traten besonders Regierungsrat Dr. 20cher, tommission und wurde später in die Fünfzehnerkommission selbständig machen. Schließlich spitzte sich dies Bestreben zu der liberale Fabrikant Frey- Nägeli und der landwirtzur Behandlung der Preßfehden gewählt; die Genoffinnen einem Konflikt um die Kommandofprache in den ungarischen schaftliche Vertreter Boßhardt für den Zehnstundentag ein. Bieg und Zetkin saßen in der Kommission zur Beratung Regimentern zu. Die Kommandoworte, etwa 90 an der Bahl, Dr. Locher erklärte, daß die Verkürzung der Arbeitszeit ohne des Parteistatuts. sollten in den ungarischen Heeresteilen magyarisch lauten, Schädigung des Kleingewerbes durchgeführt werden könne. Genossinnen griffen zu den verschiedensten Materien in die nicht deutsch wie bisher im ganzen Heere. Diese an sich Im ersten eidgenössischen Fabritinspektionsbezirk, zu dem der Debatten ein. Bei der Generaldebatte über das Organi höchst belanglose Forderung verschaffte bei den letzten Neu- Kanton Zürich gehört, haben bereits 69,6 Prozent der Fabriksationsstatut verteidigte Genoffin Bieß die Bestim- wahlen der Unabhängigkeitspartei unter der Führung arbeiter eine fürzere Arbeitszeit als elf Stunden täglich. mungen über die Stellung der Frauen in der Partei. Ge- Kossuths, des Sohnes des bekannten achtundvierziger Dr. Locher konstatierte ausdrücklich, daß die seinerzeit an die nossin Frenzel sprach zu dem Tätigkeitsbericht des Diktators, die ausschlaggebende Stellung im Parlament. Verkürzung der Arbeitszeit geknüpften Befürchtungen gegenParteivorstandes und betonte die Notwendigkeit, die Die Wiener Hofburg wollte jedoch nicht nachgeben. Ein Ge- standslos geblieben seien. Wie lange werden sich in DeutschFrauen des Proletariats als geschulte und organisierte Mit- schäftsministerium Fejervary wurde beauftragt, einen Aus- land die bürgerlichen Gesetzgeber noch besinnen, ehe sie sich streiterinnen der Sozialdemokratie zuzuführen. Die Debatten gleich mit den koalierten Oppositionsparteien zu erzielen. zu der gleichen bescheidenen Reform wenigstens für die Arüber die Maifeier veranlaßten die Genossinnen 3ieg und Im Verlauf der Auseinandersetzungen erklärte sich nun plötz- beiterinnen entschließen? Luxemburg zu trefflichen Ausführungen über den Wert lich das Ministerium Fejervary für die Ausdehnung des theoretischer Erkenntnis. Zum politischen Massen Wahlrechtes, der Minister Kristoffy offenbarte sich sogar als streik sprachen die Genossinnen Luxemburg, Bettin Anhänger des allgemeinen gleichen und direkten Wahlrechtes, Gewerkschaftliche Arbeiterinnenorganisation. und Zietz und beleuchteten verschiedene Seiten des um wie es von der ungarländischen Sozialdemokratie gefordert strittenen Problems. Anträge auf Herausgabe einer Jugend- wurde. Damit wurde die Opposition, die als Vertreterin Bur Förderung der gewerkschaftlichen Organisation schrift, beziehungsweise Nachdruck der Kinderbeilage der des„ Volkes" auftrat, gezwungen, auch ihrerseits Farbe zu der in der Bürsten- und Pinselindustrie beschäftigten Gleichheit" gaben den Genossinnen Baumann, 3ettin, bekennen. Wären die Kossuth und Konsorten wirkliche Staats- Arbeiter und Arbeiterinnen hat der Deutsche HolzPlum, Jäger und Wagner Gelegenheit, darauf hinzu- männer, wären sie wirklich, wie sie vorgeben, Wortführer arbeiterverband ein kleines Schriftchen veröffentlicht. Der weisen, wie wichtig die Erziehung der Jugend zum Sozialis- des ungarischen Volkes, sie hätten den imperialistischen Schach- Mahnruf" gibt mittels zuverlässiger Zahlen über Arbeitsmus, wie dringend daher eine gründliche Erörterung der zug Fejervarys durchkreuzt, indem sie ihrerseits sich rückhalt- zeit, Lohn usw. ein Bild von der Lage der Arbeiterschaft des Jugendfrage sei. Ganz besonders eindringlich wurde dabei los auf den Boden des allgemeinen Wahlrechtes stellten. Gewerbes, das jede denkende Arbeiterin zum Anschluß an die Bedeutung sozialistisch erzogener Mütter für die Er- In ihrer ganzen nichtigen Erbärmlichkeit als Vertreter den Verband treiben müßte. Wir machen unsere Genossinnen ziehung der Jugend im Geiſte unserer Weltanschauung her- einer ausbeutenden Adels- und Bourgeoisfraktion zeigten auf die vortreffliche Agitationsbroschüre aufmerksam, die vorgehoben. Nicht bloß der Eifer und Ernst, mit dem sich sie sich aber, indem sie zwar dem allgemeinen Wahlrecht ihnen bei ihrem Wirken gute Dienste leisten kann, und deren die jüngeren Genossinnen an den Debatten beteiligten, auch platonische Anerkennung zollten, aber erklärten, in der gegen Verbreitung unter den Bürstenarbeiterinnen sie sich angelegen das, was sie sagten, bekundete das erfolgreiche Wirken unserer wärtigen Situation sei dessen Verwirklichung nicht zeitgemäß. sein lassen müssen. proletarischen Frauenbewegung. Nun lag es in der Hand des Kaisers oder vielmehr des ,, Königs von Ungarn", durch Festhalten an der Einführung des allgemeinen Wahlrechtes der herrschenden Adelskaste einen schweren Schlag zu versehen. Da zeigte sich aber wieder Kostenlose Stellenvermittlung für weibliches Hand: Einen neuen Fortschritt hat unsere Bewegung zu verzeichnen. einmal die traditionelle politische Unfähigkeit der Habsburger. personal. Am 21. September eröffnete die Stadt CharDie Nach wahl in Essen ist überaus günstig für die Sozial- Irgendwelche unkontrollierbare Einflüsse der Erzherzogs- lottenburg ihre zweite to stenlose Stellenvermitt demokratie ausgefallen. Unsere Partei hat rund 6000 Stimmen clique und des österreichischen Adels hintertrieben aus Angst lung für weibliches Hauspersonal als Zweigstelle gewonnen, die Gesamtstimmenzahl der übrigen Parteien ist vor der Nachwirkung des ungarischen Beispiels auf die cis- des städtischen Arbeitsnachweises. Es werden Stellen nachungefähr die nämliche geblieben. Der Fortschritt ist deshalb leithanische Reichshälfte die Verwirklichung der Wahlrechts- gewiesen nicht nur für Köchinnen, Hausmädchen, Mädchen so bemerkenswert, weil er das Ergebnis eines hizigen Wahl- reformpläne. In der Angst vor Erweiterung der Volksrechte für alles, Kochmamsells, Kammerjungfern, Kinderfrauen und tampfes war, der selbst eine größere Wählerzahl als 1903 fanden sich das Haus Habsburg und der magyarische Volks- Kindermädchen, sondern auch für Erzieherinnen, Kinderauf die Beine brachte. Die abgegebenen Stimmen vermehrten tribun" Kossuth zusammen. Fejervary und Kristoffy wurden gärtnerinnen, Kinderpflegerinnen, Wirtschafterinnen und fich von 80504 auf 86020, also um 5516, während die Zahl desavouiert und reichten ihre Demission ein. Die Situation Stüßen der Hausfrau. Die Geschäftsstelle, welche werkder sozialdemokratischen Stimmen von 22773 auf 28728, entwickelte sich so, daß nunmehr auf Kosten des ungarischen täglich von 9 bis 12 und von 3 bis 7 Uhr geöffnet ist, bealso um 5955 in die Höhe ging. Alle Schlußfolgerungen, Volkes eine Verständigung zwischen Franz Josef und Kossuth findet sich am Wittenbergplak 4( Ecke Bayreutherstraße), die aus dem ungünstigen Ausfall anderer Nachwahlen ge- stattfinden konnte. Durch die feige Verleugnung der Wahl an einem der Hauptverkehrspunkte von Berlin W, dessen zogen wurden, sind damit zuschanden geworden. Es bestätigt rechtsreform hatten aber Kossuth und Konsorten aller Welt größter Teil zum Gemeindebezirk Charlottenburg gehört. sich durch den verschiedenen Ausfall der Nachwahlen lediglich offenbart, daß sie auf die Gesamtheit der ungarischen Völker Die Räume, im Erdgeschoß des genannten Hauses befindder alte Erfahrungssaß, daß die Sozialdemokratie nur in sich keineswegs würden verlassen können. Das gab wieder lich, sind zweckentsprechend eingerichtet und freundlich ausZeiten hoher Erregung, nur bei politischer Hochflut ihre der Hofburg den Mut, diese falschen Biedermänner zu gestattet. Man betritt zunächst das Anmeldezimmer, an ganze Kraft entfaltet. So war es 1903, als die Bollkämpfe brüstieren. Als Kossuth mit vier anderen Oppositions- welches sich zwei Warteräume, für Stellunggeber und Steldas gesamte Volt in Erregung gebracht hatten, so war es führern in Wien erschien, um sich mit der Hofburg über die lungsuchende getrennt, sowie ein Garderoberaum anschließen. vorübergehend bei der Nachwahl in Calbe- Aschersleben, als Teilung der Regierungsbeute zu verständigen, wurden sie Durch die Einrichtung besonderer kleinerer Besprechungsdas Aufflammen der russischen Revolution auch in Deutsch von Franz Josef in fünf Minuten abgefertigt. Er stellte zimmer ist die Möglichkeit geboten, daß die Unterhandlungen land einwirkte auf die Volksstimmung, so ist es wieder in ihnen ein Ultimatum, dessen Kern die Aufrechterhaltung der zwischen Dienstherrschaften und Stellungsuchenden an Ort Essen, wo der große Bergarbeiterstreit in der Erregung der österreichisch- ungarischen Armeeeinheit und die Verwerfung und Stelle und ungestört stattfinden können.- Um dem Gemüter nachzittert. Besonders bemerkenswert ist auch noch, der magyarischen Kommandofsprache für Ungarn ist. In wartenden Publikum einen geeigneten Zeitvertreib zu bieten, daß der Wahlkampf in Essen ganz prinzipiell als Klassen- Ungarn hat dadurch in den bürgerlichen Kreisen die Oppo- sind Zeitschriften ausgelegt, außerdem ist eine kleine Bibliokampf des revolutionären Proletariats geführt wurde; sosition sich bis zur Revolutionsdrohung gesteigert. Los von thek mit ausgewählter Unterhaltungslektüre vorhanden. wohl in den Versammlungen geschah das wie in der Presse, Osterreich!" ist die magyarische Parole geworden. Die Schwäche Auch eine kleine Hausapotheke ist vorgesehen, um bei leichten in der Arbeiter- Zeitung" in Dortmund, zu deren Ver- dieser magyarischen Selbständigkeitsbewegung liegt darin, Unwohlseinsfällen erste Hilfe leisten zu können. Das Unterbreitungsbezirk Essen gehört. Daß die prinzipielle Agitation daß sie durch Ablehnung der Wahlrechtserweiterung die nehmen hat Fernsprechanschluß und ist mit der elektrischen immer die wirkungsvollere Propaganda bewirkt, hat sich in breite Masse des Volkes vor den Kopf gestoßen hat. Straßen, sowie der Untergrundbahn leicht erreichbar. Essen ebenso gezeigt wie in dem württembergischen Land- Für die Entwicklung der ungarischen Sozialdemotagswahlkreis Eẞlingen, wo ein voller Sieg erfochten wurde fratie ist diese Situation indes außerordentlich günstig. über ein Bündnis sämtlicher übrigen Parteien. Es gilt nun, Hätte die Hofburg politischen Weitblick genug besessen, sich in der Stichwahl, die mit der Zentrumspartei auszufechten das Programm Kristoffys zu eigen zu machen, so wären die Im Auguſt gingen für den Agitationsfonds der Genossinnen ist, abermals die Aufklärung in die Reihen der noch ab- Sozialdemokraten in Ungarn in eine Zwickmühle geraten, bei der Unterzeichneten ein: Von den Genossen des Kreises seits von uns stehenden Proletarier hineinzutragen, um neue ähnlich wie Lassalle zu Zeiten Bismarcks. Sie wären als Teltow Beeskow 100 mt., Ungenannt 50 Pf., Truppen für das Emanzipationsheer des Proletariats zu Bundesgenossen der absolutistischen Hofburg im Gegensatz zu Bremen durch Genossin Bosse 63,65 Mt., Kiel durch gewinnen und womöglich dem Zentrum auch diesen Wahlkreis der ungarischen liberalen Opposition erschienen. Dadurch, Genossin Niendorf 20 Mt., Görlitz durch Genossin daß beide konkurrenten um die Regierungsgewalt die Er- Borrmann 40 Mt., Neumünster durch Genoffin Car= Erfreulich ist der Effener Wahlausfall auch deshalb, weil weiterung der Volksrechte verleugnet haben, ist es jedermann stens 15 Mt., Lemsdorf b. Magdeburg durch Genossen er zeigt, daß die von verschiedenen Seiten ausgehenden Be- flar gemacht, daß allein bei den Sozialdemokraten auch in Roch 3,45 Mt., Hattingen durch Genossin Bechstein mühungen, den Arbeitern eine Beteiligung bei den Wahlen Ungarn der wahre demokratische Gedanke, die aufrichtige 11 Mt., Spandau durch die Genossinnen Hanert und zu verleiden, dort völlig wirkungslos geblieben sind. Wir Vertretung der Volksrechte zu finden ist. Unsere ungarischen Rieger 10 Mt., Magdeburg durch Genossin Chmie= dürfen hoffen, daß besonders der Parteitag in Jena Genossen haben sich der Situation auch gewachsen gezeigt. lewati 10 mt., Rostock durch Genoffin Rant 25 Mt., überall in Deutschland die überzeugung gefestigt hat, daß Bei Eröffnung des ungarischen Parlaments demonstrierten Sozialdemokratische Frauen von Gera durch Genossin Sozialdemokratie und Gewerkschaften zusammengehören und in Budapest 40000 Proletarier für das allgemeine, gleiche Weiser 5 Mt., Berliner Genofsinnen durch Genossin dem gemeinsamen großen Ziele in gegenseitiger Unterstützung und direkte Wahlrecht. Bei beharrlicher Propaganda im Bauschte 100 mt. Summa: 403,60 Mr. zustreben müssen, ohne doch ihre volle Selbständigkeit dabei Laufe der bevorstehenden inneren parlamentarischen und aufzugeben. sonstigen Kämpfe in Ungarn muß es unseren Genossen geWenn es noch notwendig wäre, dem deutschen Proletariat lingen, die Beachtung dieser Forderung zu erzwingen. Aus es flar zu machen, welcher Wert dem allgemeinen Reichs- der Welt schaffen läßt sie sich nicht mehr in dem vielsprachigen tagswahlrecht als Mittel des politischen Klassenkampfes bei- Ungarn. Haben die ungarischen Sozialdemokraten aber das zumessen ist, so brauchte man nur auf unsere Nachbarländer Wahlrecht errungen, dann eröffnet sich auch für sie die Ara hinzuweisen, wo das Proletariat in aufopferungsvolle Kämpfe der parlamentarischen Rämpfe wie in den Ländern des westeingetreten ist, um sich ein Wahlrecht zu erobern, das wir lichen Euronas. zu entreißen. schon haben. Besonders beachtenswert ist, was sich jetzt in Ungarn abspielt. G. L. Quittung. Dantend quittiert: Ottilie Baader, Berlin S 53, Blücherstr. 49, Hof II, Vertrauensperson der sozialdemokratischen Frauen Deutschlands. Druckfehlerberichtigung. In dem Artikel von Dr. Zadek: über Schulgesundheitspflege. II." in Nr. 19 muß es auf Seite 110, Absatz 2, in der vierten Zeile statt„ ein Jdealist" heißen ein Dualist". 120 Die Gleichheit Nr. 20 Mut. Von Wolfgang Goethe. Sorglos über die Fläche weg, Wo vom kühnsten Wager die Bahn Dir nicht vorgegraben du siehst, Mache dir selber Bahn! Stille, Liebchen, mein Herz! Kracht's gleich, bricht's doch nicht! Bricht's gleich, bricht's nicht mit dir! Irrlichter. Von Ada Christen. Er kam aus der Schenke und wollte in sein Haus hinein. Erst läutete er, doch die Klingel gab keinen Ton. Da meinte er, der Draht sei entzwei gerissen, und trommelte mit seinen starken Fäusten an das Tor. Als sich aber auch dann nichts rührte, schob und hob er die schweren Torflügel und würde sie gewiß aus den Angeln gehoben haben, wenn sich nicht in dem Hause gegenüber ein Fenster geöffnet hätte. Eine frische Mädchenstimme rief mitleidsvoll herab, er möge die müden Bürgersleute zur nachtschlafenden Zeit in ihrer Ruhe lassen, das Tor, an dem er poltere, werde ihm niemand öffnen, denn das Haus sei nicht mehr das seine. Immer mehr unsichtbare Federchen schnellte er fort, den Kopf zurück und schaute zu den Scheiben des vorund immer mehr besann er sich darauf, daß er in den springenden ausgewölbten Fensters empor.... In der letzten Monden so manches Schreiben des hohen Gerichts Stube, die hinter dem Fenster lag, war einst seine Wiege samt dem großen roten Siegel darauf uneröffnet in den gestanden und die seines Vaters und Großvaters und Ofen geworfen hatte... Lachend dachte er daran, wie noch weiter zurück. Durch die kleinen Vorsprungscheiben oft der wunderliche alte Gerichtsdiener ihm die feier hatte er als Bube immer Papierstückchen niederflattern lichsten Mitteilungen machte, die immer darauf hinaus- lassen, daß sie wie Schneeflocken die Gasse entlang wirbelten, liefen, daß die Milde der Gläubiger erschöpft sei, und und noch vor neun Tagen, als er das letzte Mal da daß die Schuldhaft, sowie der gerichtliche Verkauf seiner oben daheim war, hatte er dem Polen, der unten auf ganzen Habe das Ende des lockeren Studiolebens sein einem Wägelchen saß und wartend emporsah, durch dieselbe Scheibe einen Krug Wasser über sein sentimentales Gesicht gegossen. werde. Jetzt wußte der Krauskopf genau, daß er bei solchen Vorträgen eingeschlafen war, oder daß er oft ruhig weitergelesen hatte, ohne auf den Alten mehr hinzuhören, Vorsprungfenster da oben nisteten... als auf das Gezwitscher der Schwalben, die unter dem „ Oh!" „ Wenn das die Alten wüßten," sagte er bei sich selber und schaute auf das Haus gegenüber. Es war so wohnlich da oben, so heimlich, der Franz hielt die Stuben immer sauber, die freundlichen Bilder von Vater und Mutter hingen da, und überall standen Schränke und steifbeinige Stühle und tausend Dinge, die Einmal waren fremde flotte Burschenschaften schon er kannte, solange er überhaupt denken konnte. drei Tage bei ihm zu Besuch; als nun auch damals der Wie er jetzt so hinaufsah, mochte ein Wölfchen über ehrwürdige Bote des Gerichts kam, sangen sie ihm das den Mond ziehen... durch die kleinen Scheiben schauten Gaudeamus so lange vor, bis er halb taub davonlief, ohne zwei gute alte Gesichter nieder... die Mutter mit der auch nur ein Wort seines Auftrags verkündet zu haben. breiten Faltennachthaube, der Vater mit der weißen Ein andermal wurde dem würdevollen Abgesandten eine Bipfelmütze, sie harrten oben seiner, und er konnte nicht Antwort für das Gericht in ganz sonderbaren Hexametern hinauf.... mitgegeben, der Pole", ein verbummelter alter Student, der sich auf den Dichter hinausspielte, raffte sich aus Der Student ließ den Kopf in die Hände fallen, rieb seiner elegischen Weise auf und schrieb sie... Und das sich die Augen und schaute dann wieder empor... letzte Mal Freilich, freilich! das bestaubte Fensterkissen ist es, das „ Holla! würdiges altes Haus," unterbrach Friedel so seltsame Falten hat... die beiden alten Leute, die Der Nachtschwärmer hatte sich, als er die Worte von laut auflachend seinen Gedankengang; denn das letzte Mal, einst da droben wohnten, hatten ihm ja das Haus hinterdrüben vernahm, rasch umgewendet und frug jetzt mit vor etwa vierzehn Tagen, betraf ihn der Gerichtsbote lassen, sie liegen längst friedlich nebeneinander auf dem lachendem Staunen, wieso das Haus nicht sein wäre, dabei, wie er seinen ersten Liebesbrief schrieb. Der Alte Kirchhof und wissen nichts von der Torheit und Schwachwarum, ob die da droben ihn für betrunken hielte? fam damals mit der ganzen wuchtigen Würde seiner heit ihres einzigen Kindes. Das lautlose Schweigen oben machte ihn noch lustiger, Stellung und redete milde- eindringlich wie immer die er klappte mit der Fußspitze auf das Pflaster und pfiff lange Zeit, der Student aber fümmerte sich nicht um harrend ein Lied... als er aber zwei Stimmen droben den väterlichen Ton, nicht um die wohlmeinenden Worte," Was der mit dem Hause tun wird! Hat doch ohneflüstern hörte und dennoch keine Antwort kam, stellte er er schrieb so eifrig, daß er dem rastlosen Redner mit der dies das schöne Gebäude drüben, war nichts als der sich mitten in die Gasse und rief drohend- hastig zu dem linken Hand ein volles Deckelglas hinreichte. Ohne auf Kutscher meines Vaters, hat unten im Stall geschlafen, dunklen Fenster hinauf: „ He!-In Dreiteufelsnamen, ich will wissen, warum zusehen brachte er ihn so zum Schweigen, denn der Gerichts- noch vor zwanzig Jahren, dann die alte Bäckerin gebote nahm es, nickte freundlich, blies den Bierschaum heiratet ist Meister geworden, Hausherr, und heute ein wenig beiseite, blinzelte mit einem Auge durch... Herr meines Hauses, wenn das die Alten wüßten!".. seufzte tief auf... und stellte das leere Glas auf das Die alte Kaze schob sich durch die ausgetretene Schwelle, Fenstergesimse. Im Vorbeigehen hielt er hinter dem rieb sich an seinen Füßen und schnurrte laut,- er jah Rücken des Studenten mit bedauernder Miene still, denn und hörte sie nicht, nur ein Frösteln lief ihm durch die auch Friedel seufzte, zog an seiner feingebogenen Naje Glieder, als sein Blick durch die lange leere Gasse irrte.... Dem luftigen Studenten gab es einen Ruck, er spreizte ein über das andere Mal, zauste mit den Zähnen an Noch einmal faßte er die schwere Torklinke an, schüttelte die Beine auseinander, hielt sich mit beiden Händen auf der Federfahne, während er in die blaue Luft hinaus- sie, wie man die Hand eines lieben Freundes zum Abden Knotenstock gestützt, warf den Oberkörper weit vor starrte, schrieb schnell ein paar Worte und schnalzte dann schied schüttelt, schwenkte grüßend seinen Hut hinauf, und stieß den blonden frausen Kopf in die Höhe, um dem beſtaubten Fenstertissen zu, und dann ging er hastig ein paar Schritte rechts... blieb stehen... wandte sich um... ging langsam ein paar Schritte links... blieb wieder stehen... sah scheu zu dem Hause des Bäckers hinüber... drehte seinen Ziegenhainer in der Faust gleich Bringen Sie mir sehr viel Tabak, freilich müssen einem Klopffechter und sprang dann mit einem Sage, Sie mir noch borgen, bis ich Doktor bin. Und dann, wie in einen Abgrund, aus dem weißen Mondlicht hinüber liebe Lore, fragen Sie sich einmal, ob ich Ihnen nicht in den schwarzen Schatten.... Gilig, ohne sich noch einlieber wäre, als Ihr alter franker Mann? Was meinen mal umzuwenden, schritt er dahin, immer knapp an die Sie? Sie gefallen mir besser als alle Frauenzimmer, die ich kenne, und ich bin ein guter Kerl und werde jetzt bald Doktor und dann mein Haus nicht mein Haus sein soll?!" Und wieder zischelte es droben, und dann gröhlte eine „ Weil ich als der Meistbietende es gestern erstanden „ Weil ich als der Meistbietende es gestern erstanden habe!" fette brutale Männerstimme: den Sprecher zu sehen. Jetzt regte sich's wieder in dem wegwerfend mit der Zunge, kurz, der alte Mann ersah, den Sprecher zu sehen. Jetzt regte sich's wieder in dem daß es Friedel mit irgend einer Arbeit, die ihm nicht undurchdringlichen Dunkel oben, die Mädchenstimme flüsterte etwas Abwehrendes, dann gleich darauf erwiderte recht gelingen wollte, zu tun hatte. Er schaute dem Studenten ein wenig über die Schulter und las: der Mann laut, pustend und prozig: „ Ei was da, ich habe die Baracke ehrlich bezahlt, mein ist mein!... War ja acht Tage versiegelt, hätt' sich melden sollen, wenn er vielleicht das Geld gehabt hätt'!"... Das Fenster flirrte, und die Männerstimme gröhlte weiter:„ Und daß Sie es nur wissen, den Franz, den alten Faulpelz, hat das Gericht gleich davongejagt!" " Den Franz! meinen alten Diener?!" brüllte der Student, daß es in der lautlosen Gasse widerhallte. Liebe Lore! " Werden halt gedacht haben, der Herr Student braucht So weit hatte der Alte gelesen, als sein mühsam unter in seinem neuen Haus, das vielleicht im Mond liegt, drücktes schüttelndes Lachen ihn verriet... Ein unvorher teinen Diener!... Fenster zu, Hanne! könnt' jeder Lump gesehener Nasenstüber war der Anfang dessen, was nun da unten Lärm schlagen und könnten unsere Nachtruhe folgte, über das Ende dachte der Gerichtsbote auf der opfern. Wünsch' gute Nacht!... He... he... e... hee!" untersten Treppenstufe nach, wo er sich und seine Würde Die atemlose Rede schloß mit einem kollernden Lachen, überrascht zusammenlas. dazwischen klang nur ein unwillig verweisendes„ Bater!"" Es war eine Roheit von mir, der Mann hat es in dann flog das Fenster zu, und es war still in der Gasse. seiner unleidigen Art doch immer gut gemeint mit mir... Der Mann unten trat noch ein paar Schritte näher, Wer weiß, wie es gefommen wäre, wenn ich die Wische es war ihm, als sehe er die weißen Stoffe eines Frauen- gelesen hätte, statt sie zu verbrennen..." nachtgewandes noch einmal aus dem Dunkel auftauchen, er riß darum rasch seinen weichen Filz herab, verbeugte sich spöttisch- achtungsvoll und schrie hinauf: Mauern gedrängt, immer auf jener Seite, wo das Dunkel seine Gestalt und sein gesenktes Haupt verbarg.. Fast am Ende der Gasse, in einem niederen Hause, schlug eine Nachtigall; er blieb betroffen stehen und lauschte, doch nur ein paar Pulsschläge lang, dann schritt er wieder hastig aus und ging ruhelos durch Gassen und Gäßchen, über Straßen und Pläge, vorbei an hohen stillen Kirchen und dürftigen öden Häusern. Je weiter er hinaus kam aus den regelmäßigen Straßen, desto seltener und kleiner wurden die Hütten, bald lagen nur Holzbauten, umgeben von langen schmalen Pflanzengärten, auf seinem Wege. Er wußte nicht, daß die letzten Häuser der Stadt weit hinter ihm waren.... Als er weglos mitten durch hohe Felder irrte, teilten und schlossen sich die gelben Ahren Die schwere Menge Studentenstreiche und Leichtfertig wogen rauschend vor und hinter ihm.... Er schaute feiten huschten durch seinen Kopf. Hoch oben an dem nicht rechts noch links, nur als eine fühle Luftwelle an friedlichen Himmel stand der Mond und schaute noch sein Gesicht flog, erhob er das Haupt und suchte den immer in das blühende junge Gesicht.... Drüben hinter Mond, der längst untergegangen war. Ein paar ver dem dunklen Fenster tauchte wieder der weiße Schatten bleichende Sterne zuckten noch am dunkelgrauen Himmel; Der weiße Schatten verschwand, und der Student ging auf und verschwand, als der Student hinüberspähte. Ob es wurde falt und öde ringsum, doch er ging weiter, auf seinen Stock gestützt zurück zu seinem Hause. Nun das die Hanne war, die zuvor herabrief? dachte er und durch hohes, fnisterndes Gras, durch raschelnde Büsche sah er auch, daß an dem Tore noch die Stücke der ge- erinnerte sich liebevoll des kleinen Mädels, mit dem er und junges Gehölz, wie ein wundes Tier brach er durch richtlichen Zuschrift flatterten, welche acht Tage lang dort heimlich- trotz dem strengen Verbot seines Vaters das Gestrüpp, immer tiefer hinein, immer weiter, bis angeheftet war, weil der Gerichtsbote ihn nie daheim noch wie er ein halberwachsener Junge war, gespielt in den feierlich rauschenden Wald.... Als er sich dort traf... Auch an dem Schlüsselloch klebten noch die Reste hatte. Jezt hatte er nur manchmal ein großes schönes auf den Boden warf und seine brennende Stirn in die des Gerichtssiegels... Der blonde Bursche lächelte weniger Mädel drüben am Fenster gesehen und schier nicht glauben feuchte Erde preßte, da wurde es plötzlich teilnahmvoll lustig und sicher, aber er lehnte sich, als ob er noch auf können, daß es dieselbe Hanne sei, aber sie war es doch... lebendig in den flüsternden Blättern, ein dünner Morgen irgend etwas warten müßte, an das Tor des Hauses, Auch das Bild der braunen Lore, der schönen Tabat- wind zog wie ein Seufzer durch die Zweige, das dunkle welches einmal sein Haus war... hausiererin, flog leicht hin durch sein kindisches Herz. Er Grau, das über den Bäumen hing, wurde heller und " Gute Nacht, mein verehrter Herr Zunft- und Bäckermeister Brand!" Der Mond stieg allmählich höher und höher, schied lachte, weil damals ihr feines Gesicht dunkelrot geworden, heller, zuletzt schwebten nur noch farblose Nebelflocken in die Gasse mitten durch in zwei scharf getrennte Teile und weil sie die brennenden Augen senkte, als er ihr den den höchsten Wipfeln... durch die feuchten Aste rieselte schaute schnurgerade in das frohe rotwangige Gesicht des Brief gab. Wenn sie ihn auch dann vom Kopfe bis zu lebendiges rosenrotes Licht, es schwamm über den nassen jungen Studenten. Friedel kümmerte sich nicht um den den Füßen mit einem Blicke abmaß, so hatte sie doch Boden und glitt über den fröstelnden, schweratmenden Mond, nicht um die ruhigen Sterne, er fuhr mit der den Brief eilig in ihre Kleidertasche geschoben, damit es Mann.... Hand durch seine langen krausen Haare, schnellte nach- niemand sähe von den anderen Studenten, welche da denklich mit dem Daumen und Mittelfinger ein Federchen von seinem Schlapphut, und dabei suchte er sich klar zu Friedel stemmte seine mächtig breiten Schultern fester Berantwortlich für die Redaktion: Fr. Klara Zetkin( Bundel), Wilhelmshöhe machen, wie das alles so unerwartet gekommen sei... an das alte Haus, als ob er es stützen wollte, er bog waren.... ( Fortsetzung folgt.) Post Degerloch bei Stuttgart. Druck und Verlag von Paul Singer in Stuttgart.