9. 11 Die Gleichheit NETTONO Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen ee Mit den Beilagen: Für unsere Kinder und Frauen- Beilage Die„ Gleichbett" erscheint alle vierzehn Tage einmal. Preis der Nummer 10 Pfennig, durch die Post viertelfährlich ohne Bestellgeld 55 Pfennig; unter Kreuzband 85 Pfennig. Jahres- Abonnement 2,60 Mart.. 1 bedingungen der Arbeiterinnen. Quittung. Feuilleton: Selbsthilfe. Von Ludwig Pfau.( Gedicht.)- Die alte Isergil. Von Maxim Gorki.( Forts.) Aussperrungsepidemie. Stuttgart den 30. Mai 1906 " 16. Jahrgang Zuschriften an die Redaktion der„ Gleichheit" find zu richten an Frau Klara Zetkin( 3undel), Wilhelmshöhe, Post Degerloch bei Stuttgart. Die Expedition befindet sich in Stuttgart, Furtbach- Straße 12. Juhalts- Verzeichnis. unorganisiert und rechtlos, widerstandsunfähig zu ihren| Das aussperrungswütige Unternehmertum begnügt sich Aussperrungsepidemie. Von J. Reitze. Ehe und Sittlichkeit. III. Füßen sehen. Planmäßig gehen sie zu diesem Zwecke nicht damit, seine große wirtschaftliche Macht gegen die Kinderarbeit und Kinderschutz. Von Käthe Duncker. Der Kampf vor. In den Arbeitgeberorganisationen haben sie sich Arbeiter ins Treffen zu führen, es mobilisiert gegen sie um die Rente. Von E. G.( Forts.) Aus der Bewegung: Bon zu einer gewaltigen Macht zusammengeschlossen, die bei die bürgerliche Presse, die Geistlichkeit, Polizisten und der Agitation. Von den Organisationen. Politische Rund- der bescheidensten Lohnbewegung in Aftion tritt. Streits Juristen, mit einem Wort, seinen ganzen gewaltigen schau. Von G. L. Gewerkschaftliche Rundschau. Notizenteil: Dienstbotenfrage.- Frauenstimmrecht. Arbeits- in einzelnen Betrieben, Kämpfe von geringem Umfange sozialen Einfluß und die starken Machtmittel des Staates. werden durch allgemeine Aussperrungen beantwortet, die Dadurch werden Tausenden und Zehntausenden die Tausende und Zehntausende von Arbeitern und Arbeite Augen dafür geöffnet, daß dieser Staat ein Klassenftaat, rinnen treffen, welche der Bewegung fernstehen, die der Staat der ausbeutenden Kapitalisten ist. niedergezwungen werden soll. Nach welchem Industrie- Nützen wir im Intereffe des proletarischen Befreiungsgebiet man blickt, zeigt sich die gleiche Erscheinung. tampfes die durch die Aussperrungsepidemie der UnterBesonders charakteristische Belege für die Unternehmer- nehmer geschaffene Situation. Die Hunderttausende Das gesamte deutsche Wirtschaftsleben leidet gegen- taktik liefern die Aussperrungspläne der organisierten von Proletariern, die noch abseits von der Arbeiterwärtig unter fortgesetzten Erschütterungen. Der von Metallindustriellen, unter denen sich bekanntlich die be- bewegung dahinleben, deren stumpfsinnige Gleichgültigkeit der Regierung im Bunde mit den bürgerlichen Parteien rüchtigsten Scharfmacher" befinden. Um die Former das Rückgrat der progigen Unternehmer steift, müssen geschaffene Zolltarif zeitigt schon jetzt die schlimmen und Gießer in Hannover, Braunschweig, Dresden, Breslau, aufgeklärt und zu zielsicheren Kämpfern erzogen werden. Folgen, welche die Vertreter der werftätigen Massen, Frankfurt a. M. und Ostfriesland zu Paaren zu treiben, Nicht in letzter Linie gilt es, die Arbeiterinnen aus ihrem die Sozialdemokraten, im Reichstag vorausgesagt haben. drohten die Herren, bei Nichtaufnahme der Arbeit zu Indifferentismus aufzurütteln und der GewerkschaftsIn den Industrien, welche von den Zollerhöhungen be- einem bestimmten Termin bis zu 80 Prozent der deutschen bewegung wie dem politischen Kampfe zuzuführen. Wenn troffen sind, beginnen die Herren Kapitalisten zum Teil ihre Metallarbeiter, zirka 320 000, aussperren zu wollen. Die auch im Laufe der letzten Jahre die weiblichen Mitglieder Betriebe ins Ausland zu verlegen, um ihre hohe Profitrate Kühnemänner gedachten, zwei Fliegen mit einer Klappe zu der Gewerkschaften in erfreulicher Weise zugenommen aufrecht zu erhalten und womöglich noch zu steigern. schlagen: die örtlichen Lohnbewegungen abzuwürgen und haben, so gibt es doch leider noch viel zu viele erwerbsMassenentlassungen von Arbeitern und Arbeiterinnen den herzlich gehaßten Metallarbeiterverband zu zer- tätige Proletarierinnen, die von der fulturfeindlichen sind die Folgen davon. Zu der Arbeitslosigkeit oder trümmern, der sich mit seinen mehr als 300 000 Mit- verdammten Bedürfnislosigkeit" beherrscht, willige Objekte wenigstens Unsicherheit und Unstetigkeit der Beschäftigung gliedern zur größten Gewerkschaft der Erde entwickelt der härtesten Ausbeutung sind und dadurch den Kapitritt eine beträchtliche Preissteigerung der Lebensmittel, hat. Der Arbeitertrugverband hat seither viel Wasser taliften ermöglichen, auch Löhne und Lebenshaltung der sowie so ziemlich aller notwendigen Gebrauchsartikel. Und in seinen Wein schütten und zum Rückzug blasen männlichen Arbeiter herabzudrücken. Da steht denn noch noch stehen wir erst am Anfang der Wirkungen der un- müssen. Die Metallindustriellen dieses und jenes Be- ein unendlich großes Feld der Aufklärungs- und Organi heilvollen Zollpolitik, welche das Brandmal skrupellosester sirks waren nämlich wohl dabei, mit vollen Backen den sierungsarbeit offen. Und nicht minder wichtig ist es, Klassenpolitik der Herrschenden trägt. Die kürzlich im Arbeitern zu drohen; sie schrecken jedoch davor zurück, auch die Proletarierinnen zu belehren und zusammenReichstag beschloffenen neuen Steuern auf Bier, Tabat, durch einen Riesenkampf, avie ihn Deutschland noch nie zuschließen, die nicht einem Broterwerb nachgehen und Fahrkarten, Stempel und Quittungen müssen dle lastende gesehen, sich die Möglichkeit zu beschränken, die günstige lediglich als Hausmütter in der Familie tätig sind. Das Situation noch verschärfen. wirtschaftliche Konjunktur voll auszunuzen. Ihre Klassen. Proletariat kann ihr Verständnis, ihre Opferfreudigkeit Mit zwingender Notwendigkeit wird das deutsche solidarität war nicht stark genug, um ihren Privategoismus und Begeisterung für seine wirtschaftlichen und politischen Proletariat getrieben, sich gegen die verderblichen Folgen zu bändigen. Aber wie auch die Kampfessituation in der Kämpfe nicht entbehren. der Zollpolitik zu wehren. Es muß danach streben, Metallindustrie sich noch entwickeln mag, die geträumte Bemühen wir uns, allen Pflichten gerecht zu werden, die gesteigerten Ausgaben für den Lebensbedarf durch Zerschmetterung des Verbandes wird ein frommer die uns als klassenbewußten Proletariern aus der Situation höhere Einnahmen wett zu machen, das heißt durch Wunsch" der scharfmacherischen Unternehmer bleiben. des Augenblicks erwachsen, so müssen sich die grassierenden bessere Löhne. Allerorten befinden sich daher die Gewerk- Ihr Toben und Wüten gegen ihn trägt umgekehrt zu Massenaussperrungen unfehlbar aus einem Mittel, den schaften, die berufenen Schützer der wirtschaftlichen Ar- seiner Ausdehnung und Stärkung bei und darüber hinaus Vormarsch des Proletariats zu hemmen, in ein Mittel beiterinteressen, im Rampfe für bessere Arbeitsbedingungen. zur Förderung des wirtschaftlichen und politischen Klassen- verwandeln, ihn zu fördern und zu beschleunigen. Sorgen Bei diesem Kampfe handelt es sich in Wirklichkeit nicht darum, kampfes des deutschen Proletariats. wir dafür, daß die Reihen der Kämpfer und KämpfeDas Vorgehen der Metallindustriellen ist ein Schul- rinnen sich mehren, fester schließen und beffer rüsten, mehr, das bereits errungene Terrain zu behaupten. Die beispiel der Aussperrungsepidemie, welche die deutsche daß sie start und klarblickend Schritt für Schritt die Forderungen auf Erhöhung der Löhne stehen kaum im Ver- Kapitalistenklasse ergriffen hat. Mit unübertrefflicher Bahn freilegen, auf der das Proletariat einer freien und hältnis zu der künstlichen Verteuerung der Lebenshaltung Klarheit zeigt es nicht bloß den Metallarbeitern, sondern glücklichen Zukunft entgegenmarschiert. Dank unserer Einder Arbeiterklasse. Das Streben der Gewerkschaften, die den Arbeitern jeglichen Berufs, wessen sie sich von ihren sicht und unserem Willen müssen die Aussperrungen fich Lebenshaltung der Proletarier nicht auf ein niedrigeres Herren und Ausbeutern zu versehen haben, sobald sie erweisen als ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse Niveau herabdrücken zu lassen, ist ein Moment von sich nicht willenlos und wehrlos durch den Goldhunger will und doch das Gute schafft". großer sozialer Bedeutung. Es zeigt, daß die moderne von Kraut- und Schlotjunkern auf eine niedrigere Stufe Arbeiterbewegung eine tatkräftige Förderin der Kultur der Lebenshaltung herabstoßen lassen; sobald sie vielmehr ist. Verschlechterte Lebenshaltung der arbeitenden Massen behaupten wollen, was sie an bescheidener Verbesserung ihrer bedeutet förperliche, geistige und sittliche Degeneration Lage in opferreichen Kämpfen erreicht haben, um von diesem In langer Entwicklung ist in den Perioden der Wildheit ves Volkes. Bei der Rolle, welche das Proletariat in Boden aus weiter nach vorwärts und aufwärts zu drängen. Der Gesellschaft spielt, liegt eine gehobene Lebenshaltung Weder vor dem Hunger noch vor den Kulturbedürfnissen der und Barbarei der Geschlechtsverkehr von der„ regellosen der arbeitenden Massen im Interesse der geschichtlichen Arbeiterklasse machen kapitalistische Ausbeutungsgier und Bermischung" von Mann und Weib über verschiedene Formen Entwicklung; eine förperlich, geistig und sittlich tüchtige Herrschsucht Halt. Sie scheuen sich nicht, durch frivol festen Einzelehe emporgestiegen, mit welcher das Baterrecht Arbeiterklasse ist eine Bürgschaft für die Befreiung, den heraufbeschworene Kämpfe Hunderttausende der bittersten an Stelle des„ Mutterrechtes" trat. As wichtigste treibende Aufstieg der Menschheit. Um hohen Preis geht somit Not zu überliefern und das wirtschaftliche und soziale Kräfte der Wandlungen darf man wohl zweierlei ansprechen. die gegenwärtige gewaltige Streifbewegung, welche die Leben der gesamten Nation den schwersten Erschütterungen zunächst die beobachteten schädlichen Wirkungen der Inzucht, deutschen Arbeiter erfaßt hat. auszusehen. So beleuchten die Aussperrungen scharf, die auf Erweiterung des Kreises der Personen hindrängten, Verbesserungen des Arbeiterloses zu erobern, es gilt vielEhe und Sittlichkeit. III. J. Reize Das Unternehmertum zeigt kein Fünfchen von Ver- wie tief und breit der Klassengegensatz zwischen Arbeitern welche als„ blutsverwandt" nach mütterlicher Abstammung ständnis für die Situation, welche seine politische Ver- und Kapitalisten gähnt, und wie gemeingefährlich die gerechnet von der geschlechtlichen Vereinigung miteinander tretung, die bürgerlichen Parteien, mitgeschaffen haben, Herrschaft der Kapitalistenklasse geworden ist. So predigen ausgeschlossen wurden. Ferner die Art und Weise, wie die Wilden und Barbaren und welche nicht bloß den Junkern die weiten Taschen sie aber auch den Arbeitern ohne Unterschied des Berufs, ihren Lebensunterhalt gewannen und sicherten, mit einem Wort: füllt, sondern auch vielen der reichsten Industrie des Geschlechts, der Konfession in eindringlicher Weise die Entwicklung der Arbeit, ihre steigende Ergiebigkeit und die barone riesigen Vorteil bringt. Jm Bunde mit den die Notwendigkeit des Zusammenschlusses und Kampfes, dadurch bedingten wirtschaftlichen und sozialen Verhältniffe. Staatsgewalten ist es eifrig bemüht, die Bewegung um diese gemeingefährliche Herrschaft beugen und brechen Diese Annahmen können sich auf ethnographische Forschungsmit den brutalften Mitteln niederzukämpfen. Nicht bloß zu können. ergebnisse berufen, wie auf altersgraue Denkmäler der Literatur, deswegen, weil es nicht auf einen Heller seiner fetten Die Aussperrungen lenken zunächst zwingend den Blick die beide uns in das Leben wilder und barbarischer Stämme Profite verzichten will. Es sehnt sich vor allem auch auf die Unentbehrlichkeit und die Bedeutung der Gewerk- und Völker einführen, deren niedrige Kulturstufe den Gang sanach, die Gelegenheit auszunuzen, um den Standpuntt schaft, die ein festes Bollwert gegen die kapitalistische Profit- und die Etappen der Menschheitsentwicklung widerspiegelt. des Herrſeins im Hause mit allem Nachdruck durchzusehen, sucht ist. Sie spielen für die bisher indifferenten Arbeiter- Wie viel Hypothetisches auch immer den Theorien über die Geschichte der Ehe anhaften mag, die sich darauf aufbauen: seine Macht über die Lohnsflaven zu befestigen und zu massen die Rolle von Sammelbecken, von denen aus jene unzweifelhaft weisen ethnographische und literarische Fors erweitern. über die Lohnforderungen hinaus gilt der der Organisation zugeführt werden. Sie wecken aber auch die schungen aus, daß die Monogamie nicht von Ewigkeit ſei, Kampf der Kapitalisten der Arbeiterorganisation, der Erkenntnis von dem Zusammenhang des wirtschaftlichen vielmehr an der Schwelle der Zivilisation als das Er Gewerkschaft, und der gesetzlich gewährten Koalitions- und politischen Lebens und damit von der Notwendigkeit gebnis eines langen Entwicklungsprozesses auftritt, in dem freiheit. Die Herren möchten die ausgebeuteten Masser und Wichtigkeit des politischen Kampfes der Arbeiterklasse. die Stimme der Sittlichkeit, die individuelle Geschlechtsliebe 72 Die Gleichheit Nr. 11 Eine 1874 bis 1875 taum schüchtern gehört wurde und keineswegs das letzte und Form der Männerherrschaft in die monogamische Familie alten auf 10 Stunden täglich festgesetzt, Nacht und Feierentscheidende Wort sprach. Eine soziale Einrichtung aber, und ließ der Frau eine wenigstens äußerlich angesehenere tagsarbeit untersagt. Aber sogar diese dürftigen Beftimdie unter dem Einfluß sich wandelnder gesellschaftlicher Ver- und freiere Stellung, als sie von Sparta abgesehen mungen standen nur auf dem Papier. 1853 tam in Preußen hältnisse geworden ist, die kann auch nun und nimmer dem das klassische Altertum gekannt hatte. Zeitlich fällt die ein neues Gesetz, das die Fabrikarbeit von Kindern unter Wechsel der Zeiten entzogen bleiben. Sie muß sich in dem fruchtbare Einwirkung des germanischen Lebens auf die 12 Jahren verbot und die der 12 bis 14jährigen auf Maße ändern, als der wirtschaftliche Untergrund sich um- Monogamie ungefähr mit der steigenden Ausbreitung und 6 Stunden beschränkte. Auch dieses Gesetz wurde nicht wälzt, aus dem sie herausgewachsen ist und der sie trägt; Herrschaft des Christentums zusammen. Von vielen wird durchgeführt. In dem industriellen Sachsen dachte man erst in dem Maße, als mit dem ökonomischen Sein zusammen dieses daher als die Macht gefeiert, welche die Sklavenbande 1861 an eine gesetzliche Regelung der Kinderarbeit, und zwar das sittliche Bewußtsein der Menschen ebenfalls revolu- des weiblichen Geschlechtes lockerte und es aus der tiefsten sollten Kinder unter 10 Jahren gar nicht, 10 bis 14jährige tioniert wird und seinerseits revolutioniert. Die Geschichte Niedrigkeit, in welche es von der verfallenden antiken Welt bis zu 10 Stunden in Fabriken beschäftigt werden dürfen. zeigt uns denn auch, daß die vaterrechtliche Einzelehe durch gestoßen worden war, zu höherer Würde emporhob. Aber Die Gewerbeordnung, die 1869 für den Norddeutschen aus nicht in starrer Unveränderlichkeit verharrt ist. Die die Erhöhung und Gleichberechtigung, welche die christliche Bund, nach 1871 für die übrigen deutschen Staaten Geltung verschiedenartigen ökonomischen und sozialen Verhältnisse der Religion dem Weibe wie allen sozial Enterbten und Ge- gewann, blieb betreffs der Kinderarbeit bei den preußischen Völker und Zeiten haben an ihr gehämmert und gemodelt. Knechteten brachte, bezog sich auf den inneren Menschen und Bestimmungen von 1853 stehen. Sie verbot noch nicht einIm klassischen Altertum trägt sie andere Züge bei den ließ die soziale Stellung unangetastet. Herren und Sklaven, mal die Fabrikarbeit von Kindern unter 12 Jahren vollGriechen und Römern; ja sogar von Stamm zu Stamm der Männer und Frauen sollten nur vor Gott gleich sein, nicht ständig, sondern gestattete eine nicht regelmäßige" Beersteren, von Epoche zu Epoche ihrer Geschichte, wie die vor dem Staate, nicht in der Gesellschaft. Das Christentum hielt schäftigung derselben. Kinder von 12 bis 14 Jahren durften der lateinischen Völker weist sie unterscheidende Merkmale daher das Weib in der Unterbürtigkeit, die bei den Juden und höchstens 6 Stunden ausgebeutet werden; diese Stunden auf. Aber in der Mannigfaltigkeit und im Wechsel ihres Griechen auf ihm gelastet hatte, und es heiligte sie als gött- fonnten aber nach Belieben über den ganzen Tag verzettelt Gepräges erscheint uns ein wirkendes Gesetz: der über- liche Sagung. Daß in der vaterrechtlichen Monogamie die werden( zwischen 5½½ Uhr morgens und 8 Uhr abends), was wiegend bestimmende Einfluß, den die Gestaltung und Ent- antike Sklaverei der Frau in die mittelalterliche Hörigkeit eine Kontrolle unmöglich machte. Die Nichtbeachtung dieser wicklung des Wirtschaftslebens darauf ausübt. Besonders umgewandelt wurde, darauf hat weit mehr das Mutterrecht Vorschriften war daher allgemein. auffällig zeigt sich das in der Stellung und Würdigung des der alten Germanen als die Ethit des Christentums ent- veranstaltete Enquete enthüllte wieder die unerträglichsten Weibes in der vaterrechtlichen Ghe. Hand in Hand mit der scheidenden Einfluß ausgeübt. Mißstände, namentlich für das Königreich Sachsen. Dennoch sozialen Achtung und Knechtung der Arbeit, mit der Ausdehnung der Sklavenarbeit in Griechenland und Rom geht ein Sinken des Ansehens, welches die Ehefrau genießt. Er flärlich genug. Je mehr und je ausschließlicher die häusliche Produktion an Sklaven übergeht, je geringer mit dem steigenden Reichtum bei den Freien der Anteil wird, den die Ehefrau selbst an ihr nimmt: um so mehr verliert die Gattin auch die Bedeutung und Achtung, die ihr als Vorsteherin und wichtigster Arbeiterin der Hauswirtschaft gezollt wurde. Sie wird schließlich in der Hauptsache nur noch als Geschlechtsapparat für die Erzeugung legitimer Erben gewertet, fie behält nur noch ihren Reiz als Geschlecht" und verliert an allgemein menschlicher Würde. Die Erniedrigung und Unfreiheit des Weibes in der Ehe und Gesellschaft ist von Anfang an aufs engste mit der Erniedrigung und Versflavung der Arbeit verknüpft gewesen. Das tritt in Morgans„ Ürgesellschaft" wie in Lipperts Kulturgeschichte" um nur diese beiden Werke herauszugreifen Erscheinung. scharf in Auf den Respekt des vereinigten Germanen- und Christen- geschah nichts, höchstens daß durch die 1878 erfolgte Gintums vor der Heiligkeit und Unlösbarkeit der Ehe werfen führung einer obligatorischen Fabritinspektion die geschichtliche Tatsachen kennzeichnendes Licht. Nach Laboulaye Kontrolle ein wenig vermehrt wurde. Erst 1891 entschloß zum Beispiel hatte unter den Karolingern der Herr das die Regierung sich endlich, die Fabrikarbeit voltsRecht, die hörige Frau gewaltsam von ihrem Gatten zu schulpflichtiger Kinder gänzlich zu verbieten, trennen, wenn für sie nichts gezahlt oder kein Ersatz gestellt die der Schule entlassenen bis zum vollendeten 14. Jahre worden war. Das Recht ward meistens genügt, nachdem die auf 6, die der 14 bis 16jährigen auf 10 Stunden zu beFrau mehrere Kinder geboren hatte, die zur Hälfte zusammen schränken. mit der Mutter in die Dienstbarkeit des Herrn kamen. Die Heiligkeit der Ehe wurde also„ von Rechts wegen" durch die größere Heiligkeit des Eigentums gebrochen. Und alle Durch tränkung mit christlichem und germanischem Geiste hat der Monogamie im Mittelalter durchaus nicht die Kraft verliehen, das sexuelle Leben zu zügeln und zu verfittlichen. Das bezeugt Burckhardt, der in seiner Kultur der Renaissance" fonstatiert:„ Vor der gewöhnlichen Hurerei scheute sich bekanntlich das Mittelalter überhaupt nicht, bis die Syphilis kam." Dadurch, daß die Kinderarbeit nur für Fabriken verboten war, fand eine Abwanderung der Kinder in anderen Erwerbszweigen statt, vor allem in die Hausindustrie, wo sie weit schlimmerer Ausbeutung preisgegeben sind. Außerdem wurden nach wie vor zahllose Kinder in der Landwirtschaft, in Wertstätten, Steinbrüchen, Ziege= leien, in Gastwirtschaften, zu Gesinde- und Botendiensten verwendet. Auf das Drängen der sozialdemokratischen Fraktion und die zahlreichen Klagen aus Lehrerkreisen hin entschloß sich Als der durchgreifendste Ghereformer ist seither der Prote- die Regierung 1898 dazu, eine Enquete über die Die Zeit des Verfalls der antiken Welt offenbart finnen- stantismus aufgetreten. Er führte die Umwandlung der Kinderarbeit zu veranstalten. Wieder aber vermied fie, fällig, daß die Einzelehe an sich nicht eine unerschütterliche, Ghe aus einem Saframent in eine rein weltliche Handlung ganze Arbeit zu machen, indem sie die in der Landwirtschaft fittliche Potenz ist, welche die geschlechtlichen Beziehungen durch, die wenigstens in der Theorie auf der Freiheit des und im Gesindedienst beschäftigten Kinder von den Erhebungen von Mann und Weib veredelt. Sie vermochte nicht den Vertrags von Mann und Weib beruht. Würdigt man das ausschloß. Die Enquete ergab 532 283 erwerbstätige Kinder. steigenden Schmutzstrom der ungeheuerlichsten sexuellen Un- gesamte historische Milieu, in welchem der Protestantismus Diese Zahl bleibt noch weit hinter der Wirklichkeit zurück, Sittlichkeit einzudämmen, geschweige denn zum Versiegen zu die Ehereform durchsetzte, so erscheint diese unstreitig weit da längst nicht alle Bezirke von der Enquete erfaßt worden bringen; er flutete über die Schwelle des Hauses, die Ehe revolutionärer", als es etwa heutigentags der übergang sind. Dennoch ergab sich, daß von allen volksschulpflichtigen selbst sant zum Tummelplatz der zügellofesten„ Emanzipation von der Zivilehe zu der sogenannten„ freien Ehe" wäre, das Kindern im Reichsdurchschnitt 6 Prozent, in Berlin 18 Prodes Fleisches" herab und wurde zersetzt. heißt zur Ehe als Privatvertrag zwischen Mann und Weib. zent, in Sachsen 22 Prozent, in Koburg- Gotha sogar bis zu Tatsächlich trägt auch die protestantische weltliche und lös- 86 Prozent erwerbstätig waren. bare Ehe die freie Ehe im Keim in ihrem Schoß. Von ihr aus führt eine gerade Linie über die Zivilehe hinweg zu der Ghereform der Zukunft. Das sollten die protestantischen Eiferer für die Vollkommenheit und den ewigen Bestand der heutigen Form der Monogamie bedenken, ehe sie ihren Geifer gegen die Ehereformer verspritzen. der Zukunft umzuschaffen. Mit ihnen und der lichtdurchfluteten Perspektive, die ihr Walten und Weben uns eröffnet, werden wir uns in dem folgenden Schlußartikel beschäftigen. Was für schwere gesundheitliche Schädigungen. die Kinderarbeit im Gefolge hat, zeigte die Enquete deutlich genug. Es waren zahlreiche Kinder in gesundheitsschädlichen Betrieben, teilweise in zu frühem Alter oder auch zu ungeeigneter Tageszeit tätig. Die Arbeitsdauer überstieg oft jedes einigermaßen noch zulässige Maß, und häufig fand die Arbeit in Räumen statt, die jeder Hygiene spotten. Den unheilvollen Folgen für Körperentwicklung und Gesundheit schließen sich auch sittliche Gefahren an. Zu früh werden die Kinder ins Leben hinausgestoßen; schlechtes Beispiel und die verschiedenartigsten Versuchungen wirten auf sie ein. Ehe sie noch die nötige Reife besitzen, sind sie selbständig und der elterlichen Autorität entrückt. So darf uns die Verwahrlosung und hohe Kriminalität der schon als Kinder Erwerbstätigen nicht verwundern. Auch in der geistigen Entwicklung und der Schulbildung müssen die arbeitenden Kinder notwendig zurückbleiben. Ihr Schulbesuch ist unregelmäßig, während der Schulstunden mangelt die Aufmerksamkeit, und die häuslichen Arbeiten werden gar nicht oder wenigstens nur ungenügend gemacht. Und gegenüber all dem Elend wagten es Regierungsvertreter und bürgerliche Abgeordnete noch, vom erziehLichen Werte der Kinderarbeit zu sprechen! Mit Recht rief ihnen der Genosse Wurm im Reichstag( 23. April 1902) zu: Ist die Kinderarbeit gesund und wirkt sie erzieherisch, warum schicken nicht auch die wohlhabenden Kreise dann ihre Kinder in die Fabriken und Werkstätten?" Mit dem Eintritt des Christentums und der Germanen in die Geschichte erfuhr die Ehe wieder eine Befestigung. Aber wahrlich: weder die göttliche Natur" des Christentums und sein„ spezifisch sittlicher Gehalt", noch die viel befungene germanische Keuschheit" waren ausschlaggebend dafür. Das Christentum hat betreffs der Ehe nichts Neues und Vollkommeneres geschaffen, es sanktionierte lediglich als göttliches Gebot und erhob zum Sakrament, was bereits Wenn gläubige Katholiken den Protestantismus der Zervorhanden war und durch die historischen Verhältnisse bedingt trümmerung der alten Ehefestigkeit und des Heraufbeschwörens wurde, in denen es sich entfaltete. Es übernahm die vater- von Geistern zeihen, die er nicht zu bannen vermag, so haben rechtliche Monogamie von den Griechen, und es proklamierte sie die kirchliche Logik unstreitig für sich, jedoch keineswegs fie mit großer Schärfe, weil es sich in seinem Anfang an damit auch die historische Wahrheit. Wie groß auch immer die Armen wendete, in deren Bereich die Monogamie der Anteil gewesen ist, welcher der Reformation an der immer heimisch gewesen", denn:„ die Armut übt überall Durchführung der größten neuzeitlichen Ehereform zukommt: im letzten Grunde war sie nur Vollstreckerin gesellschaftlicher die Monogamie der Not", erklärt Lippert. Die Geschichte der Germanen des betreffenden Zeit- Faktoren, die ihr Odem und Tatkraft einhauchten und Biele alters bestätigt das. Bei den Edlen und Reichen finden setzten. Sie war wohl die Trägerin, aber nicht die treibende wir in der Regel die Vielweiberei, die Mehrzahl lebte Macht der Umwandlung der Ehe zu einem weltlichen Gedagegen in einer losen Paarungsehe, welche der Monogamie schäft". Die gesellschaftlichen Triebkräfte, denen sie im relisehr nahe kam und schließlich von ihr abgelöst wurde. Die giös- ideologischen Feierkleid diente, sind die nämlichen, die idealisierte Heilighaltung der Ehe" und geschlechtliche in konsequenter Weiterentwicklung heute am Werke sind, die Sittenstrenge" bei den alten Deutschen war also zu einem Verhältnisse und Menschen für die wahrhaft sittliche Ehe Teil ein Reflex der Armut, der geringen Entwicklung der Arbeit, zum anderen Teil aber eine Frucht der Achtung, deren sich das Weib in der Familie und Gesellschaft erfreute. Aus mancherlei Tatsachen, welche die Geschichte verzeichnet hat, darf man schließen, daß damals die Zeiten nicht fern zurücklagen, in denen bei den germanischen Stämmen das MutterEtwas ernster zu nehmen ist der Einwand, daß zahlreiche recht durch das Vaterrecht verdrängt worden war. Und daß die Spuren, welche es in der Stellung und dem Ansehen Die Erwerbsarbeit von Kindern ist eine Erscheinung der Familien wirtschaftlich auf die Mitarbeit ihrer des weiblichen Geschlechtes zurückgelassen hatte, nicht so bald tapitalistischen Wirtschaftsweise, und zwar ihre furchtbarste, Rinder angewiesen sind, wie armselig auch immer die und nicht völlig verlöscht wurden, dafür sorgten ganz andere denn hier treibt das Kapital nicht nur Raubbau an den gezahlten Löhne" sein mögen. So wird mitgeteilt, daß zwingende gesellschaftliche Faktoren, als etwa die deutsche Kräften der Gegenwart, es vernichtet auch noch die Hoff- Kinder von 8 Jahren an in der Tabakindustrie bei täglich Gemütstiefe". Die damalige Entwicklung und Organisation nungen der Zukunft. Schon in der hausindustriellen und 4 bis 6 Stunden 60 bis 75 Pf. pro Woche, das sind zirka des wirtschaftlichen und sozialen Lebens wies der Germanin als der Manufakturperiode sehen wir die Kinderarbeit einen 2 Pf. pro Stunde, verdienen. In der erzgebirgischen SpielArbeitskraft und Gefährtin des Mannes im Kampfe gegen ziemlichen Umfang gewinnen, aber erst die Maschine ließ sie warenindustrie werden von Erwachsenen wie von Kindern die Natur, bei den Wander- und Heerfahrten usw. eine be- sich in ihrer ganzen Furchtbarkeit entfalten. Die Maschine Stunden, verdienste" von 1 bis 6 Pf. erzielt. Das ist eben deutsame Rolle zu. Die auf dem Wert der Arbeit ge- schuf einerseits die Möglichkeit für die vermehrte An- das Furchtbare, daß unter den heutigen Verhältnissen für gründete Würdigung des Weibes hat aber jederzeit seiner wendung von Kinderarbeit, indem sie Muskelkraft entbehr zahlreiche Familien selbst so I che Verdienste überhaupt noch Erniedrigung als Geschlechtswesen und damit auch der Grlich macht, und sie schuf andererseits die Notwendigkeit ins Gewicht fallen! Daß sie gegenüber der ungeheuren niedrigung des Mannes durch sexuelle Zügellosigkeit ent- dazu, indem sie erwachsene Arbeitskräfte verdrängt und mit Schädigung der Volkskraft durch die Kinderarbeit gegengewirkt. Die Monogamie setzte sich allmählich bei den Hilfe dieser überflüssigen die Löhne der übrigen so weit weniger als nichts bedeuten, das muß ja jedem EinGermanen durch, jedoch nicht etwa als höheres sittliches herabdrückt, daß sie nicht mehr für den Unterhalt einer fichtigen flar werden. Sogar der Reichsregierung dämmerte eine Ahnung daPrinzip" oder dank der tief sittlich veranlagten Natur" der Familie ausreichen. Raffe. Mit dem Zusammenbruch der Römerherrschaft und der Die Schilderungen von Engels über die englischen und von aus, und so wurde das Kinderschuhgeses vom Völkervermischung entwickelten sich vielmehr für die deutschen von Thun über die niederrheinischen Industrieverhältnisse 30. März 1903 ins Leben gerufen. Was bringt uns dieses Stämme soziale Verhältnisse, welche manche wesensverwandte entrollen entsetzliche Bilder von Kinderausbeutung. Die Züge mit denen des alten Griechenland aufwiesen und hier Gefeßgebung schritt erst ein, als das übel zu einer wie da zur Herrschaft der vaterrechtlichen Monogamie nationalen Gefahr geworden war, und auch da noch sehr zaghaft und ohne den nötigen Nachdruck. 1839 wurde in führten. Preußen die regelmäßige Arbeit von Kindern unter 9 Jahren in einer Reihe von Betrieben verboten, die der über 9 Jahre Das Germanentum hat jedoch in diese ein neues und wesentliches Element hineingetragen. Es milderte die Kinderarbeit und Kinderschuh. Gesetz? 1. Es verschließt allen Kindern bis zur Beendigung der Schulpflicht etwa 60 Arten von gesundheitsschäd= lichen Betrieben.( So Ziegeleien, Steinbrüche, Kalkbrennereien, Glasindustrie, Spiegelbelegereien, Bleiwarenindustrie, Gerbereien und andere mehr.) Nr. 11 2. Es verschafft allen Kindern Zeit zur Nachtruhe( von 8 Uhr abends bis 8 Uhr früh). 3. Es gibt ihnen den Sonntag wieder oder beschränkt die Arbeit( bei Botendiensten) auf höchstens 2 Stunden vor 1 Uhr nachmittags. 4. Es entfernt alle Kinder aus Tingeltangeln, Variétés und ähnlichen Schaustellungen. 5. Es läßt die Arbeit bei fremden Arbeitgebern erst vom 12. Jahre ab zu und beschränkt sie auf drei( in den Ferien vier) Stunden unter Ausschluß der Zeit vor dem Vormittagsunterricht und unter Sicherung einer zweistündigen Mittagspause und einer Freistunde nach dem Nachmittagsunterricht. Die Arbeitserlaubnis ist an die Lösung einer Arbeitskarte geknüpft. 6. Dagegen erlaubt es die Arbeit eigener Kinder schon Dom 10. Jahre an, wenn sie im Betrieb der Angehörigen, vom 12. Jahre, wenn sie daheim für Dritte beschäftigt werden, und zwar ohne jede Abgrenzung der Dauer. Nur die Bestimmungen über Nachtarbeit, Mittagspause und das Verbot der Arbeit vor dem Vormittagsunterricht haben auch hier Geltung. 7. Das Gesetz untersagt allen Mädchen das Bedienen der Gäfte in Gast- und Schankwirtschaften( mit Ausnahme fleiner Eigenbetriebe in Orten unter 20 000 Einwohnern); Knabenarbeit ist hier vom 12. Jahre ab zu gelassen. 8. Es unterstellt alle gewerblich arbeitenden Kinder der Gewerbeaufsicht. " Die Gleichheit fönnen. 73 herbeiließ, diesen Betrag anzuerkennen und die Rente von Gärten, und die Fabrikwohnungen mußten geräumt werden. 45,20 Mt. pro Monat auf 50,25 Mt. zu erhöhen. Trotzdem errangen die Kämpfenden dank treuem Zusammen Die Wartezeit" auf das ersehnte Urteil des Schieds- halten einen teilweisen Erfolg. In Werdau und Kirch= gerichtes wurde für den Verletzten dadurch verkürzt", daß berg wurde darüber geklagt, daß oft die Meister nicht er von der Berufsgenossenschaft wieder eine Mitteilung be- unterlaffen, in gehäffiger, geschmackloser, ja verleumdefam, fich abermals ihrem Vertrauensarzt vorzustellen. Wieder rischer Weise gegen die Arbeiter und ihre Organisation humpelte Weber zu diesem Arzte, der für die Klagen des vorzugehen. In allen Versammlungen kamen die traurigsten Verletzten nur ein vielsagendes Lächeln hatte. Daß die Arbeitsverhältnisse zur Sprache. Die Ausbeutung steigt und Schmerzen im Innern in der letzten Zeit stärker geworden steigt. Das Einstuhlsystem ist längst verschwunden. Der seien, wollte der Arzt absolut nicht glauben. Ein Heil- Arbeiter, die Arbeiterin müssen heute 2 bis 5 Webstühle verfahren wäre am allerzweckmäßigsten, meinte der strenge oder 2 bis 3 Krempelmaschinen bedienen. Die Löhne für Herr zum Schlusse seiner Untersuchung. Hartmann, davon die hetzende Arbeit schwanten für Männer zwischen 5 und unterrichtet, meinte, daß nun wohl bald ein Schreiben von 22 Mt. pro Woche, für Frauen zwischen 3 und 18 Mr. der Berufsgenossenschaft eintreffen werde, wonach Weber sich 18 Mt. find aber für die Arbeiterin ebenso selten wie 22 Mt. in die bekannte Medico- mechanische Heilanstalt zu W. be- für den Arbeiter. Und trotz all der schreienden Ungerechtiggeben müsse, in welcher die steifen Knochen auf„ elektrischem feit, trotz ihrer Lage gibt es noch Tausende von ZertilproleWege" wieder gelenkig gemacht werden sollten. Während dieser tariern und-proletarierinnen, welche die Bedeutung der OrPflegezeit werde der Familie wieder die frühere Familien- ganisation nicht einsehen. Diese Stumpfsinnigen und Gleichgültigen wachzurütteln und zu tüchtigen Kämpfern für unsere rente gewährt. Das Schreiben tamt. Vergeblich bemühte sich nun Hart- Sache heranzubilden, ist die Pflicht aller, die klassenbewußt mann, einen Arzt aufzutreiben, der den Verletzten vor seinem für die Befreiung des Proletariats arbeiten und kämpfen. Marie Macwiz. Eintritt in die Anstalt gründlich untersucht hätte, um dann Die weitere Ausbreitung der gewerkschaftlichen und poliden eventuellen„ Erfolg" der Kur besser beurteilen zu Die Aufregung und der Ärger übten auf den Gemütszustand tischen Organisation sollten die im April veranstalteten Verwie auf das körperliche Befinden Webers eine schlimme sammlungen fördern, in denen die Unterzeichnete sprach. Wirkung aus. Mehrere Tage mußte er wieder das Bett In Weinböhla, Dresden, Gittersee und Dippoldis. hüten, und mit sorgenvoller Miene packte Mutter Weber die walde wendete sich die Agitation an die Fabrikarbeiter, Habseligkeiten ihres Mannes zusammen. Wie schwer wurde Konditoren, Porzellanarbeiter und Hutmacher. In Sem armen Krüppel der Abschied von dem Heime, und nur den Versammlungen standen gewerkschaftliche Themen zur die Trostesworte Hartmanns richteten ihn einigermaßen auf, Berhandlung. In Crimmitschau fand eine stark besuchte daß die Kur sicher nur zwei bis drei Wochen andauern würde. Frauenversammlung statt, wo nach dem Referat:„ Der Frauenkampf um ihre Menschenrechte" zwei weibliche Vertrauenspersonen mit gleichen Rechten gewählt wurden, um in den Arbeiterinnenkreisen für unsere Bewegung zu wirken. bayerischen Agitationsbezirk statt, und zwar in Schön. wald, Selb, Rehau, Moschendorf, Oberkotau und Schwarzenbach. Das Thema lautete in allen Versammlungen:" Der Kampf der Arbeiter um Verbefferung ihrer wirtschaftlichen Lage". Leider scheinen die Porzelliner ihre traurige Lage noch gar nicht recht zu begreifen, denn sie stehen ihrem Verband noch ziemlich gleichgültig gegenüber, Nach sechs langen und bangen Wochen kam endlich für auch die Versammlungen hätten weit besser besucht sein Immerhin ist anzuerkennen, daß das Gesetz einen Schritt die Familie Weber die erlösende Postkarte, daß der Vater sollen. In Hof und Rehau gelang es mir, die Frauen vorwärts bedeutet. Es bricht mit dem Prinzip, daß der am folgenden Tage aus der Anstalt entlassen werde. Freudig zu einer Besprechung zusammenzubringen, an der auch die Gesetzgeber vor der Familie Halt machen müsse, und wurde er am Bahnhof abgeholt. Frau Weber bemerkte aber tätigen Genossen teilnahmen. Das Ergebnis war, daß für bahnt so einer späteren Heimarbeiterschutzgesetzgebung den mit Schrecken, welche Veränderung in dem Zustand ihres beide Orte weibliche Vertrauenspersonen gewählt Weg. Und es rüttelt die öffentliche Meinung auf und schärft Mannes vorgegangen war. Dem Zug entstieg ein Schwer- wurden, die für unsere Sache unermüdlich tätig sein werden. den Eltern das Gewissen. Es macht ihnen klar, daß der franker, der übermüdung vorschüßte, um sich gleich zu Bett In Hof wurden gleichzeitig 50 Abonnenten für die„ GleichElternberuf ihnen nicht so sehr Rechte gibt, als vielmehr bringen zu lassen. Daß ein Arzt jetzt dringend nötig war, heit" gewonnen. Am 1. Mai sprach die Unterzeichnete Pflichten auferlegt. Es legt dar, daß Kinder nicht den konstatierte Hartmann, als er den Freund abends besuchte. nachmittags in Schweikershain über:„ Die Arbeiterkämpfe Eltern gehören, sondern der Gesellschaft. Wer die Kosten für Arzt und Medikamente wohl zahlen und der 1. Mai" und abends in Burgstädt. Die ArbeiterAus dem Kinderschutzgesetz erwächst auch uns sozialdemo- würde, meinte Frau Weber, als der Arzt nach beendigter schaft in Schweitershain hat so recht Gelegenheit, die tratischen Frauen eine wichtige Aufgabe. Jeder aufgeklärte Untersuchung des Kranten die Wohnung wieder verlassen Brutalität der Arbeitgeber zu beobachten, denn seit neun Arbeiter, jede denkende Arbeiterin muß es als ein Verbrechen hatte. Tröstend erklärte ihr Hartmann, daß er den Arzt bei Wochen sind die dortigen Stuhlbauer ausgesperrt, weil ihre betrachten, ihre Kinder zur Erwerbsarbeit zu verurteilen, seinem nächsten Besuch fragen werde, ob er in einem Gut- Kollegen im benachbarten Geringswalde eine minimale Lohnwenn nicht die bitterste Not dazu zwingt. Und die Genossen achten feststellen wolle, daß eine Verschlimmerung der Un- forderung gestellt haben. An der Versammlung beteiligten und Genoffinnen haben auch in ihrer Umgebung in dieser fallfolgen eingetreten sei, um dies ordnungsgemäß der Be- sich erfreulicherweise recht viele Frauen. Es geht vorwärts! W. Kähler. Beziehung erziehlich und aufflärend zu wirken. rufsgenossenschaft melden zu können. Die Berufsgenossenschaft müsse dann die Arztkosten usw. übernehmen und die Vollrente zahlen. Der liebenswürdige Arzt, der sich wohl die größte Mühe gab, dem Erkrankten Linderung seiner unfäglichen Schmerzen zu verschaffen, bedauerte" jedoch, das gewünschte Gutachten nicht ausstellen zu können, weil ihm die„ Unfallaften unbekannt seien". Das Gesetz weist drei empfindliche Lücken auf: 1. Es schließt die in Landwirtschaft und Gesindedienst beschäftigten Kinder nicht mit ein; 2. es gewährt den eigenen Kindern( und der Begriff ist sehr weit gefaßt: Stieffinder, Webers Briefe aus der„ vielgerühmten" Anstalt lauteten Geschwister, Neffen und Nichten, ja fogar Zwangserziehungs- nicht günstig, und Hartmann ersah daraus, daß der besorgte zöglinge gehören mit dazu) nur einen sehr ungenügenden Familienvater sicher noch vieles verschwieg, um die Seinen Schuß, und 3. es macht sich durch seinen§ 14, in dem es nicht noch mehr zu ängstigen. Auf die direkte Anfrage Hart Bersammlungen für die Porzellanarbeiter fanden im dem Bundesrat ein weitgehendes Ausnahmerecht zu- manns erhielt er denn auch die Antwort, daß man den billigt, zum Teil wieder illusorisch. Der Bundesrat tann armen Verlegten in der Anstalt als Simulanten betrachte, Ausnahmen von dem Verbot der Beschäftigung von eigenen von früh bis abends an den Apparaten quäle, ohne auf Rindern unter 10 Jahren zulassen, sofern die Kinder mit seine Schmerzen und Beschwerden Rücksicht zu nehmen. Nur besonders leichten und ihrem Alter angemessenen Ar- dem wiederholten Zureden Hartmanns war es zu verdanken, beiten beschäftigt werden. Das sind Kautschukbestimmungen, daß Weber nicht vorzeitig die Kur unterbrach und seine wie die vom Bundesrat bereits bewilligten Ausnahmen Familie dadurch schädigte. bestätigen. IF? Aus der Bewegung. ( Schluß folgt.) Am ersten Osterfeiertag fand in Ellrich a. Harz eine Freilich, eins dürfen wir nicht außer acht laffen: die Kinderarbeit ist nicht hervorgerufen durch die Gewinngier sehr gut besuchte Frauenversammlung statt, in welcher hartherziger Eltern, sie ist vielmehr die Folge der AusGenoffin Lungwig- Dresden über:„ Unsere Waffen im beutung des Menschen durch den Menschen, eine Folge der Klassenkampf" sprach. Die Genofsinnen beschlossen, Dis. heutigen Hungerlöhne, die dem Erwachsenen gezahlt werden. tussionsabende einzuführen, und versprachen, sich eifriger als bisher an allen Arbeiten auf politischem wie auf gewerkUnter den heutigen Verhältnissen ist auch das idealste Kinderschutzgesetz nur ein Pflaster auf einer eiternden Wunde. Die Hartmann mußte deshalb das Schreiben mit der Meldung schaftlichem Gebiet zu beteiligen. Am folgenden Tage hielt Kinderarbeit ist eine Begleiterscheinung der kapitalistischen der Neuerkrankung des Verletzten an die Berufsgenossen- Genoffin Lungwiz in Zorge a. Harz die Festrede auf Wirtschaftsweise und wird nur mit dieser gänzlich verschwinden. schaft ohne ärztliches Attest abgehen lassen und konnte nur einem Familienfest, welches die Genossen des ersten braunschweigischen Wahlkreises veranstaltet hatten. Noch nie Erst wenn jedem Menschen eine menschenwürdige darum bitten, doch den behandelnden Arzt zu befragen. Existenz von der Gesellschaft gewährleistet wird, ist der hatte ein Fest die gleich große Beteiligung aufzuweisen, der große Saal reichte bei weitem nicht aus, und die männlichen Kinderausbeutung wirklich der Boden entzogen. Was nüßt Besucher mußten sich mit einem Stehplatz begnügen. Jn. es, die Kinderarbeit zu verbieten, ohne zugleich die Quelle zu verstopfen, aus der sie fließt, ohne dafür zu sorgen, daß Von der Agitation. Für den Deutschen Textil- Braunschweig dürfen Frauen an politischen Versammlungen die Eltern auch ohne den Erwerb der Kinder ihre Familie arbeiterverband unternahm die Unterzeichnete eine Agi- nicht teilnehmen. Fürsorglich hatte daher die Behörde den gesundheitsgemäß ernähren, beherbergen und kleiden zu tationstour durch das Königreich Sachsen. Den organi- Veranstalter des Festes darauf aufmerksam gemacht, daß sosierten Textilindustriellen bereitete diese Agitation wenig fort die Auflösung erfolgen würde, wenn die Festrede einen wenn die Erwachsenen nicht mehr so endlose Freude; sie machten ihrem ärger darüber in ihrem Organ politischen Charakter annehme, und der überwachende BeArbeitszeiten haben wie heute, ist eine vernünftige Pflege Luft. Dem Textilarbeiterverband aber gereichte sie zu großem amte wies die Vortragende noch besonders auf die Konse= und Erziehung des heranwachsenden Geschlechtes denkbar. Nutzen. Sie trug den Gedanken der Organisation in die quenzen eines solchen„ Verbrechens" hin. Mit großer AufEs ist nicht zum wenigsten aus diesem Grund, daß wir am entlegensten Winkel Sachsens. Versammlungen tagten in merksamkeit lauschten die Anwesenden den Ausführungen, 1. Mai vor allem den Achtstundentag fordern: der Ar- Crimmitschau- Frankenhausen, Crimmitschau ganz besonders die Frauen, die zum erstenmal etwas von beiter, die Arbeiterin sollen wenigstens einige Stunden täg- Gablenz, Werdau, Rochliz, Meerane, Leipzig, den sozialistischen Bestrebungen erfuhren. Als die Rednerin lich ihrer Familie, ihren Kindern wiedergegeben werden. Leipzig- Gautsch, Leipzig- Kl.- 3 schocher, Leipzig- geendet, überhäuften viele Frauen sie mit Fragen und verWas nützt es, die Kinderarbeit zu verbieten, wenn man nicht Mockau, Falkenstein, Auerbach, Treuen, Plauen, sicherten ihr, in Zukunft gemeinsam mit ihren männlichen zugleich dafür sorgt, daß die Kinder daheim überwachung Bausa, Elsterberg, Mylau, Mühltroff, Galln Klaſſengenossen für gleiches Recht kämpfen zu wollen. Der und Sorgfalt genießen, wenn man zugleich erlaubt, daß die berg- Lichtenstein, Freiberg, Oderan, Franken-" Gleichheit" wurden neue Leserinnen gewonnen. Mutter elf Stunden und der Vater noch länger in der berg, Burkhardtsdorf, Thalheim, Geyer, Röhrs- In Kalt bei Köln a. Rh. referierte Genosse Erkes in Fabrik arbeitet? Die armselige Halbheit, zu der jede bürger- dorf, Altchemniz, Chemniz, Oschaz, Gößnit, einer Mitgliederversammlung des sozialdemokratischen Verliche Sozialreform verdammt ist, wird uns hier wieder ein- Kirchberg, Oberhermersdorf, Penig, 3wickau, eins der Humboldtkolonie über: Frauenfrage und Soziamal eindringlich vor Augen geführt. Darum muß jede Leisnig, Chemnih- Altendorf, Lunzenau und lismus". Seine Ausführungen schlossen mit dem Nachweis, Mutter, die ihre Kinder lieb hat, nach Bebels Wort zu einer Bonit. Die beiden Themata, welche behandelt wurden, daß die Proletarierinnen mutige und opferfreudige KampfTodfeindin der bestehenden Gesellschaftsordnung lauteten: 1. Zweck und Nutzen der Arbeiterorganisation gefährtinnen der Männer ihrer Klasse sein müßten. Das werden, solange ein Atemzug in ihr ist. Käthe Dunder. und die Ziele und Bestrebungen der Unternehmerverbände"; Referat wurde von den zahlreich anwesenden Frauen dankbar 2. Die niedrigen Löhne in der Textilindustrie und ihre entgegengenommen; am Schlusse der Versammlung meldeten sich Wirkungen auf das Familienleben". Alle Versammlungen einige neue Leserinnen für die„ Gleichheit". Frau Bacher. waren gut besucht, und oft erwiesen sich die Räumlichkeiten Eine Frauenversammlung tagte Mitte April in ( Fortsegung.) als zu klein, die zuströmenden Arbeiter und Arbeiterinnen 2öbtau. Genossin Wackwitz behandelte das Thema:„ Die Inzwischen mußte sich Weber notgedrungen mit der ver- aufzunehmen. überall wurden dem Verband neue Mitglieder Heimarbeitausstellung in Berlin". Ihre Ausführungen, die türzten Rente von 66% Prozent von 813,34 Mt. gleich gewonnen. In Leipzig kämpften zur Zeit der Versammlung einen anschaulichen Einblick in das trasse Elend der Heim542,24 Mr. pro Jahr oder 45,20 Mt. pro Monat begnügen, 1300 bis 1400 Textilarbeiter und-arbeiterinnen um den arbeiterschaft eröffneten, ernteten vielen Beifall. In der da die Berufsgenossenschaft dem Urteil des Schiedsgerichts Behnstundentag und 10 Prozent Lohnzuschlag. Die Unter- Debatte sprachen einige Genofsinnen im Sinne des Referats. Martha Träger. noch nicht entsprochen hatte, den Jahresverdienst von 1356 Mt. nehmer spielten alle Trümpfe aus, die sie gegen die Proleder Rente zugrunde zu legen. Es bedurfte erst mehrerer tarier in der Hand haben. Sie entzogen zum Beispiel den Mahnungen, bis endlich die Berufsgenossenschaft sich dazu| Arbeitern die Benutzung der Kinderbewahranstalt und der Der Kampf um die Rente. Von E. G. B. L. Von den Organisationen. Mitte Mai wurde in Braunschweig ein Bildungsverein für Frauen und 74 Die Gleichheit 9.11 Mädchen der Arbeiterklasse gegründet, dem sofort eine wir weder mit den Zwecken der Lastenvermehrung, noch auch der Beschwerdeführer eine Verlegung seines religiösen Gefühle erfreulich große Zahl von Genofsinnen beitraten. Jede von mit der Mehrzahl der Einzelsteuern einverstanden sind. heuchelt. Auch eine regelmäßig wiederkehrende übermäßige ihnen brachte die Einsicht mit, daß der Zusammenschluß Insgesamt hat der Reichstag nunmehr die Reichs- Verlängerung der Arbeitszeit wurde tonstatiert. Die Saison und die Aufklärung und Schulung aller Proletarierinnen einnahmen um rund 180 Millionen Mark erhöht, zwar nicht in der Konfektionsbranche dauert oft ein halbes Jahr, und eine unbedingte Notwendigkeit ist, jede von ihnen wird stets so viel, wie die Regierung gefordert hatte, aber doch eine die tägliche Arbeitszeit des Handelshilfspersonals beträgt mit ganzem Herzen für ihre Überzeugung kämpfen. In unverantwortlich hohe Summe, deren schwerster Nachteil dann durchschnittlich 14% Stunden, manchen Tag jedoch teinem anderen Bundesstaat ist die Aufklärungsarbeit so darin besteht, daß die Steuern auf mangelhaft vorbereiteter bis zu 18 Stunden. Die Hausdiener haben unter einer Berdringend notwendig, als gerade in Braunschweig, wo man Grundlage schädlich in die Volkswirtschaft eingreifen. Durch längerung der Arbeitszeit dadurch zu leiden, daß die Expe der Frau jedes öffentliche Vereins- und Versammlungs- die Brausteuererhöhung werden die Bierkonsumenten mehr dition der Postpakete in die späte Abendstunde verlegt wird. recht vorenthält, wo man die Arbeiterin insbesondere für belastet werden, denn die Behauptung der Steuerpatrioten, Auf den Postämtern entsteht in der Folge kurz vor Poftminderen Rechts erklärt als die Damen, sie dafür aber 15 daß die Brauer die Kosten tragen würden, hat sich jetzt schon schluß ein starker Andrang, und die Abfertigung zieht sich bis 18 ftündigen Erwerbsarbeitstagen im öffentlichen Wirt als windig erwiesen, da die Großbrauer die Erhöhung der oft bis 9 Uhr abends hin. Von den vielen deutschen Städten schaftsleben und allen seinen Fährlichkeiten überläßt. Bierpreise beschlossen haben. Noch nachteiliger muß die haben erst 180 den Achtuhrladenschluß eingeführt. Ferner Hoffentlich wird den neuen Kämpferinnen ihre mühevolle 3igarettensteuer wirken, da sie eine große Anzahl von ist die Unfallversicherung nicht auf alle Handelsbetriebe ausArbeit durch gute Erfolge gelohnt. Emma Lippmann. Arbeitern und Arbeiterinnen aus der Arbeit zu bringen gedehnt, bisher sind nur die Betriebe versicherungspflichtig, Jahresbericht der Vertrauensperson des Wahlkreises droht wegen des voraussichtlichen Rückganges im Verbrauch die im Handelsregister eingetragen sind. Die sehr ausge Effen. Die proletarische Frauenbewegung im Wahlkreis der billigen Zigarettenforten. Die Automobilsteuer trifft dehnte Debatte förderte zu den beregten Mißständen ein Effen gewinnt immer mehr an Boden. Neben der Wühl zwar zunächst nur wohlhabende Leute, muß aber schädigend überreiches Material zutage. Die wichtigsten Forderungen arbeit der Genoffinnen haben der Bergarbeiterstreit und die einwirken auf die Entwicklung des Automobilwesens, das der Generalversammlung an die Gesetzgebung sind: neunReichstagsnachwahl ihr gut Teil zur Ausdehnung und Ver- dazu berufen ist, in einer nicht zu fernen Zukunft die Straßen- stündige gesetzliche Arbeitszeit, Achtuhrladen- und Sechzuhrtiefung der Bewegung beigetragen, wenn auch die letztere bahnen und sogar Eisenbahnen in hohem Grade zu ersehen. postschalterschluß, vollständige Sonntagsruhe, Ausdehnung verhinderte, daß im vergangenen Jahre öffentliche Frauen- Außerdem bringt diese Steuer verhältnismäßig wenig ein, der Unfallversicherung auf alle Handelsangestellten, Verbot versammlungen in größerer Zahl stattfanden. Sofort nach knapp 3 Millionen Mark. von Koft und Logis beim Arbeitgeber, Anstellung von dem großen Bergarbeiterstreit berief die Partei fünf Ver- Allerhand Stempel- und Quittungsabgaben er- Handelsinspektoren( analog den Fabrikinspektoren) und oblisammlungen ein, in denen Genoffin Bieb über das Thema: schweren Handel und Verkehr. Ungeheuerlich ist aber ge- gatorischer Fortbildungsunterricht für die jugendlichen Han" Nach dem Streit" referierte. Bei der Reichstagsnachwahl radezu die Fahrkartensteuer, die tatsächlich weiter delshilfsarbeiter und-arbeiterinnen. Ehe die Generalver haben die Genoffinnen nach Kräften mitgearbeitet. Sie ver- nichts ist, als eine Erhöhung der Fahrpreise für Eisenbahnen Sammlung auseinanderging, wurde noch die Mahnung an teilten Flugblätter und Stimmzettel und setzten allein für und Dampfschiffe um jährlich rund 35 Millionen Mart. Die die Delegierten gerichtet, die lokalen Sonderorganisationen 120 Mt. Wahlfondsmarken um. Von günstigstem Einfluß 4. Klasse ist zwar von der Fahrkartensteuer ausgenommen. aufzugeben und für den Zusammenschluß zu einer einheitauf unsere Bewegung waren die Versammlungen, welche die Dafür wird aber die 3. Klasse getroffen, nicht nur die 2. und lichen, starken Organisation zu wirken. Genofsinnen Zieh, Bettin und Luxemburg während der 1. Klasse. Viele Arbeiter, besonders Frauen, dann aber auch Der Generalversammlung des Verbandes der Gaft= Nachwahl im Wahlfreise abhielten. Sie haben vielen Ar- der Mittelstand, find genötigt, auf längeren Strecken, wenn wirtsgehilfen, der erst seit einiger Zeit weibliche Mitbeiterfrauen und Arbeiterinnen die Augen über ihre Klassen- sie schnell fahren wollen, die 3. Klasse zu benutzen. Ge- glieder aufnimmt, wohnten zwei weibliche Delegierte bei, lage geöffnet. Als Delegierte zum Parteitag in Jena schäftsreisende werden besonders unter der Verteuerung zu Vertreterinnen der Münchener Settion. Trotz der recht entsandte die Partei Genoffin Plum. Im Februar d. I. leiden haben. Alle Erwägungen der Vernunft hielten je schwierigen Verhältnisse, unter denen die genannte Organi vermehrte Genoffin Zieh durch mehrere prächtige Referate doch die reaktionäre Mehrheit nicht ab, dieser volksschäd- sation tätig ist, find beachtenswerte Fortschritte erzielt wor die Zahl unserer Anhängerinnen ganz bedeutend, ebenso die lichen Steuer ihre Zustimmung zu geben. Der national den. Eine der vornehmsten Aufgaben, welche dem Verband der Leserinnen der„ Gleichheit". Wir haben einschließlich liberale Herr Büsing beging die Geschmacklosigkeit, eine aus den eigenartigen Verhältnissen des Berufs erwachsen Essen- West, in welchem Genoffin Plum seit vorigem patriotische Kriegervereinsrede zur Verherrlichung der fis- ist, heißt: Bekämpfung der Stellenvermittlung. Die StellenJahre als Vertrauensperson die Agitation unter den Frauen talischen Verkehrsfeindlichkeit zu halten, und auch der vermittlung ist einer der widerlichsten Ausbeutungszweige betreibt, jetzt zirka 750 Abonnentinnen, davon entfallen auf preußische Finanzminister Herr v. Rheinbaben brachte der kapitalistischen Ordnung. Die weiblichen Angestellten im Effen allein 600. Die Kassenverhältnisse sind ebenfalls recht es fertig, pathetisch auf der Brust zu trommeln mit der Gastwirtsgewerbe haben wohl noch mehr unter ihr zu leiden befriedigend. Die Einnahmen betrugen im ganzen 845,70 Mt., Versicherung, das„ Gewissen" gebiete der Regierung, den Ausgaben 703,21 Mt. Dem Essener Preßfonds wurden 50 Mt. Verkehr in so sinnloser Weise zu belasten. und dem Agitationsfonds der Genossinnen 25 Mt. überwiesen, eine bedürftige Genossin erhielt 10 Mr. Mit Genugtuung und Freude können wir auf das vergangene Jahr zurück blicken. Arbeiten wir in der gleichen treuen Weise weiter, damit wir im nächsten Jahre noch größere Fortschritte Wilhelmine Deuper. melden können. Politische Rundschau. Der reaktionäre Mehrheitsblock des Reichstags hat eine neue Voltsplünderung im großen Maßstab beschlossen: die sogenannte Reichsfinanzreform. Um das Maß voll zu machen, nahm dann noch die Mehr heit unter Zustimmung der Regierung eine Resolution an, in der die Aufhebung des Ortsportos von 5 Pf. für Briefe und 2 Pf. für Postkarten gefordert wird. Befürwortet wurde diese vom Haß gegen die Städte eingegebene Maßregel hauptsächlich von einem Vertreter der Nationalliberalen Partei, dem weinerlichen Herrn Patig. Die Aufgabe der Sozialdemokratie wird es nunmehr sein, auch diesen neuesten Streich der Reaktion zur Aufklärung des Voltes auszunutzen. G. L. Gewerkschaftliche Rundschau. als die männlichen. Wie aus dem Bericht des Verbandsvorsitzenden hervorging, hat der Verband in den letzten zwei Jahren 3372 dauernde und 128574 Aushilfsstellen kostenlos vermittelt. Nach den ortsüblichen Gebühren hätte für diese Stellen mindestens die Summe von 87 176 Mt. an die gewerbsmäßigen Stellenvermittler gezahlt werden müssen. Der Verband bringt das strupellose Verfahren dieser Vampire der armen Arbeitslosen auch zur Anzeige der Behörden. Wie berichtet wurde, zahlen aber die Stellenvermittler mit großer Gemütsruhe die niedrigen Polizeistrafen und setzen nach wie vor ihre gesezwidrigen Machenschaften fort. Eine ganze Anzahl Kollegen trat allein des Arbeitsnachweises wegen dem Verband bei. Auch auf dieser Generalversammlung wurde über mangelnden Arbeiterschutz lebhaft Klage geführt. Anstatt dem chronischen Defizit des Reiches durch AbDie Hoffnung des Grafen Posadowsky, daß die Gastwirte striche an den übertriebenen Ausgaben für Heer und Marine Während der Osterzeit und kurz darauf fanden zahlreiche den Bundesratsverordnungen zum Schuße der Angestellten ein Ende zu machen, sucht die Reichsregierung ständig die Aus- Generalversammlungen von Gewerkschaften statt, die mit der Zeit mehr Verständnis entgegenbringen würden, gaben für diese unproduktiven Zwecke zu erhöhen und hat ohne Unterschied einen rustigen Fortschritt des gewerkschaft hatte sich als trügerisch erwiesen. Es muß deshalb auf die dazu auch die bereitwillige Zustimmung des Reichstags ge- lichen Lebens bekundeten. In dieser Zeit des Aussperrungs- Durchführung dieser Bundesratsverordnungen aufmerksam funden. Nunmehr hieß es natürlich: Schafft Geld! Die fiebers der Unternehmer muß es jeden Arbeiter mit großer geachtet und rücksichtslos gegen die Verstöße dagegen Vorlage der Regierung plante durch allerhand indirekte Genugtuung und froher Zuversicht erfüllen, daß die Mit vorgegangen werden. In Köln find allein in den letzten Steuern eine Summe von etwa 230 Millionen Mart zu- gliederzahl der Zentralverbände rapid gewachsen ist. zwei Jahren über 100 Bestrafungen dieserhalb erfolgt. Besammenzuscharren, um das Loch im Reichssäckel zu stopfen Es tagten: die Glaser, Sattler, Bergolder, bauerlicherweise greift in der letzten Zeit in der Rechtund für Heer und Marine noch etliche Mehrausgaben durch- Stuffateure, das technische Bühnenpersonal, die sprechung immer mehr die Auffassung Play, daß auf Bahnführen zu können. Der Reichsschatzsekretär, Herr v. Stengel, Textilarbeiter, Handelshilfsarbeiter, Gastwirts- hofwirtschaften die Gewerbeordnung keine Anwendung finde, hatte teils weinerlich, teils feierlich erklärt: Abhandeln lasse gehilfen und Wäschearbeiter. Die Vergolder, die und daß in der Folge auch die Bundesratsbestimmungen fich die Regierung nichts, nur Verschiebungen im einzelnen auch mit viel Frauenarbeit zu rechnen haben, vollzogen teine Geltung für sie haben. Der Verband soll sich mit fönnten allenfalls zugestanden werden. Dann wurden die ihren Anschluß an den Holzarbeiterverband. Die großem Eifer der Agitation widmen, besonders auch unter Stengel Pläne im Reichstag zerpflückt, in der Steuerkommis- Glaser lehnten den Anschluß ab, obgleich unter ihnen den weiblichen Angestellten, wie dem Küchen- und Hilfspersonal. fion gesiebt und für eine Anzahl abgelehnter Entwürfe des ziemlich viel Stimmung dafür vorhanden zu sein scheint. Die Anstellung eines besoldeten Bezirksleiters für RheinHerrn v. Stengel, wie die Tabatsteuererhöhung, bästelten die Die Stuffateure erklärten sich gegen ihren Anschluß an land- Westfalen wird sicherlich der Agitation förderlich sein. Steuersucher des Zentrums und der Nationalliberalen aller- den Maurerverband. Gegen die beantragte Beitragserhöhung wendeten sich die hand neue, womöglich noch absurdere und volksschädlichere Unsere Leserinnen dürften jedoch vor allem die Verhand- weiblichen Delegierten mit dem Hinweis auf die geringe Entwürfe zusammen, wie die Ansichtspostkartensteuer, die lungen der Verbände interessieren, für welche die Frauen- Entlohnung des weiblichen Personals in Gastwirtsbetrieben. zuerst angenommen, dann aber wegen gänzlicher Unbrauch- arbeit und damit die Organisierung der Arbeiterinnen eine Gine Beitragserhöhung, so meinten sie, werde auch die barkeit schon in der Kommission eingesargt wurde. große Rolle spielt. Wir berichten über sie daher ein- junge Filiale der Münchener Kellnerinnen schädigen. Die Der Standpunkt unserer Partei allen diesen Plänen gehender, mit Ausnahme der Generalversammlung des Generalversammlung beschloß daraufhin, die Beiträge nur gegenüber war der, daß wir im Prinzip die Berechtigung zu Textilarbeiterverbandes, die schon in Nr. 10 behandelt für die männlichen Mitglieder zu erhöhen, die künftig statt einer Abgabenvermehrung überhaupt bestritten, aber die worden ist. 30 40 Pf. die Woche zahlen sollen. Um das weibliche BüfettRegierung und Mehrheit darauf verwiesen, wenn sie wirt- Die Handelshilfsarbeiter und-arbeiterinnen, die und Hilfspersonal sowie die Köchinnen für die Organisation lich eine Finanzreform( nicht bloß eine Ginnahmeerhöhung) in Berlin tagten, beschäftigten sich vorwiegend mit sozial zu gewinnen, fönnen in größeren Orten besondere Branchenwollten, so müßten sie mit dem System der indirekten Reichs- politischen Fragen, mit Forderungen auf Ausdehnung des sektionen gebildet werden. Den Mitgliedern derselben steht steuern brechen und zu dem System der direkten Besteue- Arbeiterschutzes und der Arbeiterversicherung. Außer zwei trotz des um 10 Pf. niedrigeren Wochenbeitrags die gleiche rung, vor allem durch Einführung einer Reichseinkommen- Berliner Arbeitersekretären und dem Vorsitzenden der General Unterstützung zu wie den männlichen Mitgliedern. Möchten steuer übergehen. Dafür waren aber die reaktionären Parteien kommission waren die Genossen Pfannkuch und Molken- diese Maßnahmen dem Verband recht viele weibliche Ansamt der Regierung nicht zu haben. Es blieb bei der indi- buhr bei den Verhandlungen anwesend, letzterer ein unbe- gestellte zuführen. Sie bedürfen dringend einer Verbesse retten Besteuerung, die aus den Verbrauchsartikeln des strittener Sachkenner auf sozialpolitischem Gebiete. über die rung ihrer überaus traurigen Lage durch die Macht der Volkes wie aus den Verkehrsmitteln Einnahmen zu schaffen Arbeitsverhältnisse der Hilfsarbeiter und ihre Forderungen Organisation. strebt unter schwerer Schädigung der breiten Massen des hielt der Vorsitzende des Verbandes ein Referat, in dem er An der Generalversammlung des Verbandes der Volfes und der Beeinträchtigung von Handel und Industrie. Durch reichliches Zahlen- und Tatsachenmaterial die unend- Wäsche- und Krawattenarbeiter und arbeiteNur zwei der vorgeschlagenen Steuern konnten die Zu- lich vielen Mißstände im Gewerbe nachwies. Der Beirat rinnen zu Berlin nahmen 20 Delegierte teil. Der Verstimmung der Sozialdemokraten finden: die Erbschaftssteuer für Arbeiterstatistik wurde anläßlich einer Beratung über band ist eine der jüngsten deutschen Organisationen, die und die Tantiemensteuer, weil beide direkte Steuern sind und die Verhältnisse des Handelspersonals auf die Verhältnisse namentlich in letzter Zeit sich kräftig gerührt und ausgedehnt die Wohlhabenden treffen, nicht die Armen. Die Tantiemen- des Hilfspersonals aufmerksam gemacht. In der Folge ver- hat. Seit der letzten Generalversammlung ist die Zahl ihrer steuer, die von den Tantiemen der Aufsichtsräte von Aktien- suchte er, durch Umfrage bei 19 Verbandsfilialen und 12 Mitglieder von 1000 auf 6500 gestiegen. 93 Prozent dagesellschaften eine Abgabe erhebt, fand unsere Zustimmung, Lokalvereinen ein Bild von den Arbeitsverhältnissen der von, also etwa 6045 find Arbeiterinnen. Der Ausbreitung nachdem unsere Forderung, eine allgemeine Erhöhung der Handelshilfsarbeiter zu gewinnen. Dabei wurden Tatsachen der Organisation steht noch ein sehr großes Feld offen, beErbschaftssteuer, die umfassender gewirkt haben würde, von zutage gefördert, welche für die Durchführung der sozialen stehen doch jetzt erst 12 Filialen gegen 5 vor 2 Jahren. Die der Mehrheit abgelehnt worden war. Die Zustimmung zu Gesetzgebung und ihre Mängel recht belastend sind. So wird über begreiflicherweise finanziell noch nicht gut fundierte Gewerkbestimmten Steuern in der Einzelberatung hielt die sozial- vielfache übertretungen der Sonntagsruhe geklagt. Hinter ver- schaft wurde durch große Streits start in Anspruch gedemokratische Fraktion natürlich nicht ab, in der Schluß- schlossenen Türen und verhangenen Fenstern muß das Personal nommen, wie unseren Leserinnen erinnerlich sein wird. Der abstimmung gegen die gesamte Finanzreform zu stimmen, da arbeiten, und die Bolizei schreitet erst dann dagegen ein, wenn Streit in Berlin, an dem zirka 8000 Personen beteiligt Nr. 11 Die Gleichheit 75 Der Kampf mm die Zuerkennung des pofitifchen waren, toftete allein rund 55000 Mt., der in Bielefeld, wo Klagen über miserable Schlafräume und grobe Mißhandetwa 1000 Personen in Betracht tamen, annähernd 29 000 Mt. Lungen seitens der Herrschaften laut, ganz besonders aber Wahlrechts an das weibliche Geschlecht in Schweben Auch in einigen Wertstubenstreits war der Verband engagiert. auch über unsittliche Zumutungen, deren sich die gnädigen geht weiter. Die Wahlrechtsreform ist bekanntlich für dieses Da ist es denn kein Wunder, daß dieser ein Darlehen von Herren" und Herren Söhne" nicht entblöden, welche Jahr gescheitert. Aber beide Kammern des schwedischen 59 000 Mt. aufnehmen mußte. Um die Organisation finanziell meinen, mit der Arbeitssflavin auch die Lustsklavin gekauft Reichstags haben auf Vorschlag des Verfassungsausschusses zu kräftigen, wurde eine Erhöhung des Wochenbeitrags von zu haben. Alles in allem bekräftigte die Diskussion, wie den Beschluß gefaßt, die Regierung aufzufordern, dte Frage 25 auf 40 Pf. für männliche und von 15 auf 20 Pf. für dringend nötig die dienenden Mädchen des festen Zusam- der Einführung des politischen Frauenwahlrechts zu prüfen. weibliche Mitglieder beschlossen; als Aquivalent dafür wurden menschlusses bedürfen, um ihre Rechte als Menschen wahren In der Ersten Kammer wurde der Vorschlag mit 69 gegen 60, in der Zweiten mit 127 gegen 100 Stimmen angenommen. Der die Unterstützungen etwas heraufgesetzt. An den Verhand- zu können. lungen über die Heimarbeit im Beruf beteiligte sich auch Die beschlossene Organisation bildet eine Filiale des Antrag ist bereits in den beiden vorausgehenden Jahren die Vertreterin des Frauenagitationskomitees, Genoffin Nürnberger Dienstbotenvereins und gewährt die gleichen von dem Abgeordneten Lindhagen, Bürgermeister von Ihrer. Mit der Anstellung eines Kassierers und eines Be- Vorteile wie er. Davon ist nicht an letzter Stelle die Er- Stockholm, eingebracht, aber von beiden Kammern abgelehnt zirksleiters für den Bezirk Bielefeld hat der Verband agita- richtung eines kostenlosen Stellennachweises zu nennen, worden. Wer da meint, die Frauenrechtsgegner hätten torische Kräfte disponibel gemacht, die gewiß seine Aus- welcher die Mädchen der schamlosen Ausbeutung durch die plötzlich den Weg nach Damaskus gefunden, der irrt jedoch. dehnung und Stärkung fördern werden. Die Verwirklichung gewerbsmäßigen Verdingerinnen entzieht. Der Stellen Ginem Teil der Reaktionäre, zumal in der Ersten Rammer, dieser Hoffnung liegt im Interesse der vielen Zehntausende nachweis befindet sich Frauenplay 6, Ein ist die Zustimmung zu dem Antrag nicht von geschichtlicher In den provisorischen Einsicht und Gerechtigkeitsgefühl diftiert worden. Die Wäschearbeiterinnen, denen die Organisation Schutz und gang Mazaristraße. Schirm sein soll. Angesichts des überwiegens der weiblichen Ausschuß des Vereins wurden gewählt Frau Timm, Herren beabsichtigen vielmehr, durch die Erörterung der Mitglieder im Verband dünft uns jedoch eins auffällig: daß Frau Stiegler und Frau Schmidt. Weit über Frage die allgemeine Wahlrechtsreform hinauszuschieben. nicht eine einzige Frau in die Leitung berufen worden ist. 200 Besucherinnen erklärten ihren Beitritt zum Verein. Des weiteren ist es ihre Absicht, die WahlrechtsEs scheint dies dafür zu sprechen, daß die Mehrzahl der Innerhalb vier Wochen soll in einem größeren Lokal eine reform dadurch abzuschwächen, daß sie dem allgemeinen weiblichen Mitglieder zurzeit noch einen mehr passiven als weitere Versammlung abgehalten werden. Hoffentlich laffen Männerwahlrecht ein Damenwahlrecht ankoppeln, das Am wirksamsten aktiven Anteil an dem Leben ihrer Gewerkschaft nimmt. sich die Dienstmädchen in München weder durch Einschüch- durch einen Zensus beschränkt ist." Unseres Erachtens sollten die organisierten Wäschearbeite- terungsversuche der Herrschaften noch durch die faulen Wige lassen sich unseres Erachtens beide Spekulationen au rinnen sich an jeder Art Arbeit in der Organisation und für der bürgerlichen Presse davon abhalten, sich zu organisieren nichte machen, wenn unter Führung der Sozialdemokratie die Organisation so rührig beteiligen, daß es sich als ganz und in ihren Kreisen recht rührig für den Verein neue Mit- die arbeitenden Massen für die Zuerkennung des allnatürlich ergäbe, daß auch Frauen in die Verbandsleitung glieder zu werben. Je mehr die Organisation sich ausdehnt gemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts an gewählt würden. Nicht etwa nur, weil das ihr Recht ist, und erstarkt, um so erfolgreicher wird sie für ein lichteres beide Geschlechter kräftig Sturm laufen. das auf ihrer Pflichterfüllung beruht, sondern vor allem, Dasein der Dienstmädchen eintreten können. weil wir uns davon den größten Nugen für den Verband selbst und für die Organisierung der Arbeiterinnen versprechen. Notizenteil. Dienstbotenfrage. Als eine Sklavenordnung muß die Arbeitsordnung gebrandmarkt werden, die Frau Ingenieur Hafe in Nürnberg #ihrem Mädchen beim Dienstantritt eingehändigt hat. Sie ist nicht bloß eine Illustration des schreienden Dienstbotenelends, sondern ein kulturhistorisches Denkmal von unserer Zeiten Schande, von der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen. Die Arbeitsordnung lautet: Frauenstimmrecht. Ob die Einführung des allgemeinen Frauenwahl: rechtes in Schweden von der sozialdemokratischen Partei gefordert werden soll, darüber wird eventuell ein außer ordentlicher Parteitag entscheiden, über dessen Stattfinden eine Urabstimmung vorgenommen wird. In der Arbeiterkommune Stockholm ist die Abstimmung bereits beendet. Nur 1148 Mitglieder beteiligten sich daran, 113 stimmten für den außerordentlichen Parteitag, 1030 dagegen. Arbeitsbedingungen der Arbeiterinnen. Die Gründung einer Dienstbotenorganisation in ,, 5.80 Aufstehen, Waschen, Haarmachen, Ankleiden, Bett- Unserer Meinung nach sezen die herrschenden Klaffen in München ist beschlossen worden. Das Übermaß der Aus- machen. 5.45 Milch für die Kleinen machen. 6.00 Die allen Ländern der Forderung des Proletariats auf Demonußung und unwürdigen Behandlung, welche die Mehrzahl Milch geben sowie das Kind besorgen, Zimmer fäubern, fratisierung des Wahlrechtes den zähesten und erbittertsten der Dienstmädchen auch hier erfährt, hat das Bedürfnis lüften usw. 6.30 Kaffee bereiten, Brot abnehmen usw. 6.45 Widerstand entgegen, ohne Unterschied, ob die Sozialdemonach einer Verbesserung ihres traurigen Loses wachgerufen. Kaffee auf den Tisch stellen, Post holen usw. 7.00 Kaffee traten bei ihrer Wahlrechtskampagne auch das FrauenwahlUnd allmählich ist auf Grund des empfundenen Bedürfnisses trinken, Schlafzimmer richten. 7.30 Badzimmer richten. 8.00 recht fordern oder nicht. Durch diese Situation werden alle die Erkenntnis gekommen, daß der Zusammenschluß in einer H.-K. Zimmer richten, Abort säubern usw. 8.30 Sonstige taktischen Rechenexempel gegenstandslos, welche die Forde Organisation ein unentbehrliches Mittel ist, das Menschen- Säuberungen vornehmen. 9.00 In der Küche vorrichten und rung des Frauenwahlrechtes als ein besonderes Hindernis für recht der Dienstmädchen den Herrschaften gegenüber zur eventuell Gänge besorgen; bis Mittag am Herd schaffen den proletarischen Wahlrechtstampf in Betracht ziehen. Nicht Geltung zu bringen. Das wurde durch den überaus großen und aufpassen, daß nichts anbrennt, die Gedanken beisammen die größere und geringere Bescheidenheit" der sozialdemokra Besuch und durch den Verlauf der Dienstbotenversammlung haben, daß alles richtig gewürzt ist usw. 12.00 Tisch decken. tischen Forderungen sichert ihren Sieg, sondern lediglich die bezeugt, welche am 6. Mai in München getagt hat. Die 12.30 Tisch abdecken, essen, abwaschen, Küche sauber machen. Macht, welche das Proletariat hinter dieselben setzt. Der Mitglieder des Bildungsvereins für Frauen und Mädchen 2.00 Kaffee auf den Tisch setzen. 2.30 mit allen Küchen- Beschluß des Amsterdamer internationalen Sozialistenhatten sich die vorbereitende Agitation eifrig angelegen sein arbeiten fertig sein, Gänge besorgen, Zimmer reinigen, tongresses, das Frauenftimmrecht betreffend, müßte deshalb laffen. Mehrere Tage lang hatten sie die Dienstmädchen Kleinen warten. 6.00 Abendessen herrichten. 7.00 Tisch auch für unsere schwedische Bruderpartei bindend sein. auf die Versammlung durch Handzettel aufmerksam gemacht, decken, Bier holen usw. 7.30 abdecken, aufräumen, Schuhe, die sie in den Herrschaftsvierteln von Wohnung zu Woh- Kleider usw. puzen. 9 bis 10 Uhr mit allen Arbeiten fertig nung trugen. Am Samstag setzten sie ihre Agitation auf sein und überlegen, was morgen früh zu tun ist, sowie vorEin nener Vers zum Lied vom Arbeiterinnenglück dem Viktualienmarkt fort. Jedem Mädchen, das zum Ein- nehmen, morgen alles besser zu machen. Zu Bette gehen H. G. in Fürth. Scharfe Kritik fordern die Zustände in der kauf ging, wurde ein Zettel in die Hand gedrückt, wodurch und mit dem lieben Gott unterhalten." Rheinisch- Westfälischen Sprengstoffabrit Nürnberg, die Entrüstung gar mancher" Gnädigen" erregt wurde. Betrieb Stadeln, vormals H. Üttendörfer in Fürth Dank der Arbeit unserer Genossinnen ging es auf dem heraus. Die Vorschriften der Arbeiterschutzgesetzgebung werden Markt bald so„ rebellisch" zu, daß, der Aufforderung einiger Die Einführung des Frauenwahlrechts in Rußland hier überhaupt nicht beachtet. In hygienischer Beziehung bleibt ,, Damen" entsprechend, die Zettelverteilerinnen weggewiesen wurden. Die Voragitation ist nicht vergebens gewesen. wird mit mehr oder weniger Nachdruck von allen politischen alles zu wünschen übrig, Gesundheit und Leben der ArbeiteDer Zubrang zu der Versammlung, die Sonntagnachmittags Parteien gefordert, die eine Neugestaltung des Staatslebens rinnen sind aufs höchste gefährdet. Die Firma fann fich stattfand, war ein ungewöhnlich großer. Bald waren die erstreben. Die Sozialdemokraten und Sozialrevo- rühmen, eine„ Musterbadeanstalt" zu befizen. Sie soll für beiden oberen Räume des Restaurants Dall'Armi von Dienst- lutionäre sind von Anfang an Verfechter der vollen 400 Personen genügen; wie das bei vier Zellen möglich sein mädchen überfüllt. Später Ankommende mußten sich im politischen Gleichheit der Geschlechter gewesen. Der Kongreß soll, ist rätselhaft. Zwei Zellen sind für die Männer, die Hausgang oder auf der Treppe postieren, und viele wurden der konstitutionell- demokratischen Partei( der Ka- beiden anderen für die Frauen bestimmt, und zwar gehen gezwungen, wegen Plazmangel wieder umzukehren. Der detten) zu Petersburg hat betreffend die Tätigkeit in der die vier Personen zu gleicher Zeit baden. Für die jugendVortrag unserer Genoffin Grünberg über die Dienstboten Reichsduma eine Resolution angenommen, welche sich für lichen Arbeiter und Arbeiterinnen gibt es nur einen gebewegung und ihre Ziele wurde mit dem lebhaftesten Bei- das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht ohne Unterschied meinsamen Umkleideraum. Dem Unternehmertum ift fall aufgenommen. Was die Rednerin über die maßlose des Geschlechts ausspricht, und das für die nationale Ver- die Sittlichkeit wie die Gesundheit der Proletarierinnen Ausnutzung der Zeit und der Kräfte der Dienstmädchen tretung sowohl, wie für die lokale Selbstverwaltung. 3war Hetuba. Es kennt nur ein höchstes Gebot: so viel Profit als ausführte; über ihre oft ausgesucht schifanöse Behandlung tamen auf dem Kongreß auch Gegner des Frauenstimm- nur möglich aus den Lohnstlaven herauszupressen. und Mißhandlung durch die„ Gnädigen"; über die unzuläng- rechts zum Wort, doch sie blieben in der Minderheit. In liche Entlohnung und Kost; über die menschenunwürdigen den Debatten der Duma über die Adresse an den zaren Wohnungs- und Schlafräume; über vielerlei andere wurde wiederholt volles politisches Bürgerrecht für das Bei der Unterzeichneten gingen vom 17. März bis 30. April Mißstände noch, welche die Eristenz vergällen: das alles weibliche Geschlecht gefordert. Ein Mitglied der Duma, wurde von den Anwesenden durch lebhafte Zustimmungs- 3abolotny, erklärte, im Namen von Millionen Bauern für den Agitationsfonds der Genossinnen ein: aus Reutrufe unterstrichen. Sie bekundeten, daß die Leiden, welche zu sprechen, welche zweifellos für die Verleihung politischer lingen durch Frau Schradin 10 mt.; Berlin am 18. März Genossin Grünberg schilderte, den Versammlungsbesuche Rechte an die Frauen seien, die mit 70 Millionen die Hälfte gesammelt. 23,75 Mt., von zwei Genossinnen 2 Mt.; aus rinnen nur zu gut aus der eigenen traurigen Erfahrung der russischen Bevölkerung ausmachen. Rechne man ihnen Essen durch Genoffin Deuper 25 M.; Weida i. Thür. bekannt waren. Begeisterte Zustimmung begrüßte die Auf die Zahl der Männer hinzu, welche für das Frauenrecht durch Genossin Rohland 5 Mt.; Karlsruhe von Genossin forderung der Referentin, die Mädchen sollten sich zu einer eintreten, so ergäbe sich eine ungeheure Mehrzahl zugunsten Dz. 10 Mt.; Mülheim a. Ruhr durch Genoffin Grunfesten Organisation zusammenschließen, welche den Kampf der Aufhebung der Dienstbarkeit der Frau. Ein Bauern- wald 8,30 M.; Linden a. Ruhr durch Genoffin Blasius für die Besserung ihres Loses mit aller Energie führen könne. tongreß, der im vorigen Jahre tagte, hat sich gleichfalls 19,75 Mt.; Koblenz durch Genossin Kemmer 10 m.; Die Diskussion bestätigte, daß das allgemeine Dienst für Buerkennung des Stimmrechts an das weibliche Ge- Köln- Ehrenfeld, Köln- Stadt durch Genoffin Pütz je botenelend Zug um Zug auch in dem gemütlichen" schlecht erklärt. Die liberalen und revolutionären Bauern- 20 Mt., 40 Mt.; Flensburg durch Genoffin Meyer München zu finden ist. Ein Mädchen ist für 81/2 Monate abgeordneten der Duma wenden der Frage fortgesetzt ihre 25 Mt.; Ottensen durch Genossin Wartenberg 15 Mt., Arbeit und Plage mit insgesamt 30 Mt. entlohnt worden, Aufmerksamkeit zu. Sie sandten kürzlich eine Deputation von Frau Nig 1,50 Mt.; Lurup durch Genoffin Großund beim Verlassen des Dienstes mußte es der noblen Herr an den Petersburger Frauenklub mit dem Ersuchen, ihnen mann 2,35 M.; Waltershausen durch Genossin Bach schaft die erhaltenen Trinkgelder sowie das tägliche Biergeld einen Vortrag über die Gleichberechtigung des weiblichen 11,38 Mt.; Schleswig durch Genoffin Wegner 3,41 M.; herauszahlen. Mehrere Mädchen schilderten, wie sie den Geschlechts zu halten. Die Schriftstellerin Ljubow Gure Gelsenkirchen durch Genoffin Hunold 35 Mr.; Leipzig Sonntag heiligen" müssen. Bei einer Herrschaft war das witsch wurde mit anderen Klubmitgliedern zu dem Zwecke durch Genossin Frenzel 23,50 M.; Gallnberg- SichtenMädchen gezwungen, an den meisten Sonntagen von 6 Uhr in das Lokal der Bauernabgeordneten gesandt. Bei ihrem stein durch Genoffin Held 15 Mt.; Lennep durch Genoffin morgens bis 12 Uhr nachts zu arbeiten. Bei einer anderen Erscheinen wurden die Damen mit stürmischem Beifall Stecher 13 M.; Eving durch Genoffin Herberholz wurde das Mädchen während des Sonntagspazierganges der empfangen. Der Vortrag von Fräulein Gurewitsch machte 5 wt., durch Genossin Prasun 8,80 Mr.; Mühlhausen Herrschaft in die Wohnung gesperrt und mußte von früh offensichtlich einen tiefen Eindruck auf die andächtig in Thüringen, darunter 50 mt. gesammelt auf dem Kommers 9 bis 3 Uhr nachmittags bügeln. Von Stockprügeln auf lauschende Versammlung. Der Beifall wollte kein Ende zu Ehren der Delegierten des Textilarbeiterverden Magen, mit denen„ Gnädige" ihre Mädchen bedenken, nehmen, und die bäuerlichen Abgeordneten versprachen, bandes, 56 Mt.; Schönlante durch Genossin Lent 9,10 wurden kraffe Fälle erzählt. Ein Mädchen klagte darüber, nachdrücklich für das Frauenwahlrecht eintreten zu wollen, Mart; Hamburg durch Genoffin Zieh 50 mt.; Mühldaß es an den Ausgangssonntagen, sowie an den drei sobald in der Duma ein entsprechender Antrag gestellt berg a. E. durch Genossin Krüger 5 Mt.; Velbert, überWeihnachtsfeiertagen fein Abendessen bekomme. Ein anderes werde. Ein Aufruf zugunsten der politischen Gleich- schuß vom Vertrieb der„ Gleichheit", durch Genossin Noebel muß sein Mittagessen, das die Herrschaft aus dem Wirts- berechtigung des weiblichen Geschlechts trägt die Unter- 40 wt. Summa 472,84 Mr. haus holen läßt, mit dem Hund und der Kate teilen. Aus schriften der bedeutendsten Männer der intellektuellen und der Mitte der Versammlung heraus wurden erschütternde politischen Kreise. Quittung. H. G. Dantend quittiert: Ottilie Baader, Berlin S 53, Blücherstr. 49, Hof II. 76 Selbsthilfe. Von Ludwig Pfa«. Wenn nichts mehr Hilst, wenn gar nichts mehr Errettet und versängt, Hat uns der Herr die blanke Wehr Als Rechtsbrief umgehängt. Er gab der Rose ihren Dorn Und Galle jedem Blut, Er gab dem Mann den heil'gen Zorn Und die gerechte Wut. Wohlan! daS Spiel ist nicht zu End'. Ihr Schergen groß und klein! Verlöschet erst am Firmament Den Sonn- und Mondenschein; Blast aus am Himmel Stern um Stern— Solang das Licht noch wacht, Wird's immer wieder Tag, ihr Herrn, Auch nach der schönsten Nacht. Laßt sehn, ob ihr im Wetter dann Vor unserm Zorn besteht— Den Dorn für euch! wenn's wieder an Ein Rosenbrechen geht. Mit stahlne» Federn schreiben wir Den Freibrief, daß euch's graut, Mit roter Tint', statt auf Papier, Aus eure Eselshaut. Die alte Isergil. Von Maxim Gorki.(Fortsetzung.) „Sie versammelten sich also," erzählte die Alte weiter, „und begannen über eine Strafe zu beraten, die streng genug wäre für die begangene Ruchlosigkeit. Es wurde der Vorschlag gemacht, daß der Mörder von vier Rossen zerrissen werden sollte— doch war ihnen das noch zu wenig. Dann überlegten sie, ob nicht jeder von ihnen einen Pfeil aus ihn abschießen sollte— aber auch dies schien ihnen nicht Sühne genug. Dann dachten sie daran, ihn zu verbrennen— allein der Rauch des Scheiter- Haufens hätte sie verhindert, seine Qualen zu sehen. Mancher Vorschlag wurde noch gemacht, doch fanden sie nichts, das allen genügt hätte und von allen gebilligt worden wäre. Seine Mutter lag vor ihnen aus den Knien— schweigend, ohne Tränen oder Worte zu finden, um Gnade für den Frevler zu erflehen. Endlich, nach langem Hin- und Herreden, sprach einer von den Weisen des Stammes:„Laßt uns doch einmal fragen, weshalb er das Schreckliche getan hat!" Sie fragten ihn, und er sagte:„Bindet mich erst los — eher mag ich nicht sprechen!" Sie taten, wie er begehrte, und nun erklärte er: „Ich habe sie getötet, weil sie mir nicht willfahrte, als ich ihrer begehrte." „Aber welches Recht hattest du, ihrer zu begehren? War sie denn dein eigen?" „Mein eigen? Wessen ich begehre, und was ich darum mir nehme, das ist mein eigen!" Sie redeten noch mancherlei mit ihm, und ersahen aus seinen Antworten nur, daß er sich für den Ersten hielt auf dieser Welt und außer und neben sich gar nichts gelten ließ. Unheimlich ward ihnen zu Mute, als sie begriffen hatten, zu welcher trostlosen Einsamkeit und Verlaffenheit dieser Hochsahrende Jüngling sich selbst ver- urteilt hatte. Und da sie nun wieder daran gingen, über sein Schicksal zu beraten, sprach jener Weise zu ihnen: „Ich weiß eine Strafe für ihn: eine furchtbare Strafe, wie ihr sie grausamer in hundert Jahren nicht ersinnen könntet. In seinem eigenen Herzen ruht schon seine Strafe. Gebt ihn frei und überlaßt ihn sich selbst— nicht härter könnt ihr ihn strafen." Und wie er also sprach, geschah etwas Gewaltiges: ein Blitz fuhr unter gellendem Donnerschlag vom wölken- losen Himmel nieder. So hatten die himmlischen Mächte das Wort des Weisen bekräftigt, und alle beugten sich und gingen auseinander. Der Jüngling aber, den sie jetzt Larra, das heißt der Ausgestoßene, Verworfene, nannten, lachte hinter ihnen her. Er war nun frei, wie sein Vater, der Adler, es gewesen war. Und er lebte, obschon er doch ein Mensch war, ganz nach dessen Art: er fiel in die Hürden und Zelte des Stammes ein und raubte Lämmer, Mädchen und was ihm sonst gefiel. Er ward ein echter, rechter Räuber, gewandt, listig, stark, grausam und ging den Menschen aus dem Wege. Viele, viele Jahre trieb er es so— bis er doch endlich dessen inne ward, daß auch vom Menschen etwas in ihm lebte, und daß es dem Menschen nicht gegeben ist, ewig in frostig kalter, hochmutsvoller Einsamkeit zu weilen. So ging er eines Tages wieder in der Menschen Nähe. Als sie den Feind in ihm erkannten, stürzten sie auf ihn zu, um ihn zu töten. Da er aber keine Miene machte, sich zu verteidigen, besannen sie sich aus das Urteil, das "ber ihn gefällt war, und sie riefen: Die Gleichheit „Rührt ihn nicht an— er will sterben!" Und sie ließen ab von ihm und verlachten ihn. Er aber erbebte, als er ihr Lachen vernahm. Er fühlte, daß sie erraten hatten, was in seinem Innersten vorging, daß sie ihm den Ekel vor sich selbst am Gesicht ablasen. Um sie zur Gegenwehr zu reizen, nahm er Steine auf und warf sie nach ihnen— sie aber wichen seinen Würfen aus und vergalten ihm nicht mit Gleichem. Da zog er seinen Dolch aus der Scheide und stach nach seiner eigenen Brust— doch der Stahl zersprang, als wär' er auf harten Stein gestoßen. Nun stürzte er zu Boden und schlug lange mit dem Schädel gegen die Erde-- allein die Erde wich ihm aus, nur tiefe Löcher schlug seine Stirn hinein. „Er kann nicht sterben!" riefen frohlockend jene, die seine Qualen beobachteten. Und sie gingen von dannen und überließen ihn sich selbst. Mit dem Antlitz nach oben lag er da und sah hoch am Himmel, gleich schwarzen Punkten, die mächtigen Adler fliegen. Und so viel Gram und Bitterkeit lag in seinen Augen, daß man der ganzen Menschheit damit alle Lebensfreude hätte vergiften können. Er, der Stolze, Einsame, Freie wünschte sich nichts sehnlicher als den Tod. Ihn suchte er hinfort überall, wo er stand und ging-- und wie ein Schatten, siehst du, ist er schon geworden bei diesem ewigen Suchen. Menschliches Fühlen, menschliches Lieben, menschliches Handeln ist ihm un- verständlich geblieben— und auch menschliches Sterben ist ihm versagt.— So ward Larra, der Sohn des Adlers, besttaft für seinen ruchlosen Hochmut!" *» ♦ Die Alte stieß einen Seufzer aus und schwieg. Ihr Kopf sank aus die Brust hinab und wackelte mehrmals ganz sonderbar hin und her. Ich schaute sie an— der Schlaf hatte sie offenbar überwältigt. Den Schluß ihrer Erzählung hatte sie mit erhobener, fast drohender Sttmme vorgetragen, aus der jedoch zugleich etwas wie die Angst des Sklaven hervorklang. Am User sangen sie— ein gar seltsames Lied. Zuerst sang eine Altstimme zwei, drei Noten, dann ertönte eine zweite Stimme, die das Lied von vorn begann, während die erste ihr vorauseilte— dann fiel die dritte, vierte, fünfte in derselben Ordnung ein. Und plötzlich stimmte der Chor der männlichen Sänger das gleiche Lied an. Es ergab sich ein wundersam origineller Zusammen- klang. Jede der weiblichen Stimmen tönte für sich, und sie alle erschienen gleichsam wie verschiedenfarbige Bäch- lein, die irgend woher aus der Höhe hüpfend und rauschend von Stufe zu Stufe niederstürzten und in dem tiefen, breitfließenden Strom der männlichen Stimmen unter- tauchten, aus dem sie dann wieder einer nach dem andern emporstiegen, rein, gekräftigt, zur Höhe aufstrebend. Auch die Melodie war originell: die Männer sangen ohne Vibration, und die mächtigen Akkorde ihrer Stimmen tönten dumpf, wie wenn sie irgend eine traurige Mär berichteten, während die Stimmen der Frauen einander gleichsam zu überhasten und den Männern zuvorzukommen suchten, wobei sie munter und lebhaft, mit vielen lachenden Trillern, gleich Schellen klirrten. Das Rauschen der Wogen ward übertönt von dem herrlichen Sange... II. „Hast du schon mal irgendwo so singen hören?" ftagte Jsergil, den Kopf aufhebend und mit ihrem zahn- losen Munde lächelnd. „Nein— solchen Gesang Hab' ich noch nie gehört," sagte ich flüsternd. „Aha! Und wirst ihn auch nie wieder hören! Wir lieben den Gesang. Und wie schön wir alle sind! Nur schöne Menschen, die das Leben lieben, verstehen gut zu singen. O, wir lieben das Leben! Sieh doch jene da: den ganzen Tag haben sie gearbeitet, vom frühen Morgen bis zum späten Abend— und nun, da der Mond auf- gegangen ist, singen sie! Diejenigen, die nicht zu leben verstehen, legen sich nach vollbrachtem Tagewerk schlafen— die aber, denen das Leben lieb und teuer ist— die singen!" „Aber die Gesundheit..." warf ich ein. „Gesundheit haben wir reichlich genug zum Leben. Die Gesundheit ist wie das Geld— will man von dem etwas haben, muß man es ausgeben. Würdest du's nicht so halten, wenn du Geld hättest? Weißt du, was ich getrieben Hab', da ich jung war? Ich habe von Sonnen- aufgang bis Sonnenuntergang Teppiche gewebt, fast ohne mich vom Fleck zu rühren. Ich war lebendig wie ein Sonnenstrahl und mußte unbeweglich dasitzen wie ein Stein. Ich saß und saß, bis mir die Knochen im Leibe krachten. Wenn aber die Nacht kam, eilte ich zu jenem, den ich liebte, um mit ihm Küsse zu tauschen. Neun Werst weit lief ich, um ihn zu sehen— und wieder neun Werst zurück... Ihtd so lief ich drei Monate lang, so lange währte unsere Liebe, jede Nacht zu ihm hin. Nun, siehst du, und's Blut hat gereicht— schau, wie alt ich geworden bin! Und wie sehr ich geliebt Hab'! Wie viel Küsse ich empfangen und gegeben Hab'!"... Nr. 11 Ich sah ihr ins Gesicht. Ihre schwarzen Augen blieben trüb, die Erinnerung vermochte ihnen keinen Glanz mehr zu geben. Der Mond beleuchtete hell ihr dunkles, runzeliges Gesicht, und ich sah die trockenen, aufgesprungenen Lippen, die hinter das spitz vorstchende, mit grauen Haaren bedeckte Kinn zurückwichen, und die eingeschrumpfte Nase, die wie der Schnabel einer Eule sich abwärts bog. Die Stelle der Wangen nahmen schwarze Höhlen ein, und in einer von diesen lag eine Strähne aschgrauen Haars, die sich unter dem um ihren Kopf gewundenen roten Lappen hervorgedrängt hatte. Die Haut in ihrem Gesicht, wie an Hals und Händen, war ganz dünn und von zahllosen Runzeln durchfurcht; bei jeder Bewegung, die die alte Jsergil machte, mußte ich fürchten, daß diese dünne, spröde Haut platzen und in Stücken abfallen, und daß dann das nackte Skelett mit den trüb flackernden schwarzen Augen vor mir dastehen würde. „Erzähl' mir doch, wie du geliebt hast," bat ich sie. Und sie begann wieder mit ihrer knirschenden Stimme zu erzählen: „Ich lebte mit memer Mutter in der Nähe von Falmi, dicht am Ufer des Bprlat; und ich war fünfzehn Jahre alt, da er in einem Boote vor unserem Häuschen anlegte. Er war schlank und gelenkig, mit schwarzem Schnurrbart, und heiter von Gemüt. Er saß in seinem Boote und rief uns mit heller Stimme durchs Fenster zu:„Heda, habt ihr einen Schluck Wein und ettvas zu essen für mich?" Ich schaute durchs Gezweige der Eschen zum Fenster hinaus und sehe: der Fluß ist ganz in blaues Mondlicht getaucht, und er steht da in weißem Hemd mit dem breiten Gürtel, dessen Enden ihm an der Seite flattern, mit einem Fuß im Boote und mit dem andern am Ufer. Und er schaukelt sich hin und her und singt vor sich hin. Wie er mich erblickte, spricht er:„Ei, sieh doch, was für ein hübsches Mädchen hier wohnt!... Das wüßt' ich ja gar nicht!" Als ob er sonst schon alle Schönen ge- kannt hätte! Ich gab ihm Wein und gekochtes Schweine- fleisch... und vier Tage später gab ich ihm schon mich selber... Wir schaukelten uns zur Nachtzeit im Boote auf dem Flusse— er kam und pfiff leise wie eine Ziesel- maus, und ich schlüpfte gleich einem Fisch durchs Fenster, zu ihm hinaus auf den Fluß. Und dann trieben wir mit der Flut... Er war ein Fischer vom Pruth, und wie die Mutter alles erfuhr und mich schlug, suchte er mich zu überreden, daß ich mit ihm auf und davon gehen sollte, nach der Dobrudscha, und noch weiter, nach der Donaumündung. Aber er gefiel mir damals nicht mehr... er sang nur immer und küßte mich, nichts weiter. Langweilig war das schon. Damals zog eine Bande von Huzulen* in jener Gegend umher, und es waren schmucke Jungen darunter. Die führten ein frohes Leben! Manch eine wartet und wartet auf ihren wackren Karpathenburschen, denkt, er sitze längst im Gefängnis oder sei irgendwo in einer Prügelei erschlagen— und mit einem Male ist er da, mit zwei, drei Genossen, als wär' er vom Himmel gefallen. Reiche Geschenke bringt er heim— leicht genug hat er sie erworben— und schmaust mit ihr, und rühmt sich ihrer vor den Genossen. Ihr aber gefällt das wohl.' Einst bat ich nun eine Freundin, die auch einen Huzulen hatte, mir die Burschen zu zeigen... Wie hieß sie doch gleich? Hab's vergessen... Mes vergess' ich jetzt. Sieben Jahrzehnte sind seit jener Zeit vergangen, da vergißt man alles... Sie machte mich also mit einem der wackeren Burschen bekannt. Schön war er... rot, ganz rot, Bart sowie Haupthaar. Ein richtiger Feuerkops... Und er war bisweilen so schwermüttg und so sanft— und dann brüllte und tobte er wieder wie ein Tier. Einmal schlug er mich ins Gesicht... da sprang ich ihm wie eine Katze auf die Brust und biß mich mit den Zähnen in seiner Backe fest... Seit jener Zeit war ein Grübchen in seiner Backe, und er liebte es, wenn ich ihn dahin küßte..." „Und was ist aus dem Fischer geworden?" ftagte ich. „Aus dem Fischer?— Ach, der... Erst wollt' er mit ihnen anbinden, mit den Huzulen— und mir setzt' er gehörig zu, wollt' mich ins Wasser werfen. Dann aber tröstete er sich, schaffte sich'ne andere an und schloß sich den Huzulen an... Sie wurden beide zusammen gehängt— der Fischer und mein Huzule. Den Huzulen nannten sie„Kreuzschnabel", wegen seines roten Kopfes. Ich ging hin und sah zu, wie sie gehängt wurden. In der Dobrudscha war's. Der Fischer war ganz bleich und weinte, wie er zum Galgen ging, der Huzule aber rauchte ruhig seine Pfeife. Die Pfeife im Munde, die Hände in den Taschen, ein Schnurrbartende auf der Schulter und das andere auf die Brust herabhängend— so schritt er daher. Wie er mich sah, nahm er die Pfeife aus dem Munde und rief:„Leb' wohl!..."(Forts, folgt.) * Ruthenischer Volksstamm in der Bukowina. Veranlwortltch für dte NcdaMon i Fr.KlaraZetktnfZundey.WllhelmStzöh« Post Degerloch bei Stuttgart. Druck und Berlag von Paul Singer in Stuttgart.