Nr. 12 Die Gleichheit 16. Jahrgang eeee Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen eeROLERS Mit den Beilagen: Für unsere Kinder und Frauen- Beilage Die„ Gleichheit" erscheint alle vierzehn Tage einmal. Preis der Nummer 10 Pfennig, durch die Post vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Pfennig; unter Kreuzband 85 Pfennig. Jahres- Abonnement 2,60 Mart. Juhalts- Verzeichnis. -Stuttgart den 13. Juni 1906 es Zuschriften an die Redaktion der„ Gleichheit" find zu richten an Frau Klara Zetkin( Zunded), Wilhelmshöhe, Post Degerloch bei Stuttgart. Die Expedition befindet sich in Stuttgart, Furtbach- Straße 12. Auch einige andere kleinere Industrien haben unter dem Drucke des gegenwärtig herrschenden Mangels an Arbeiterinnen nach dieser Richtung hin den Arbeiterinnen Zugeständnisse gemacht. Im Berichtsjahr lag der Fabrikinspektion eine Arbeitsordnung zur Begutachtung vor, in der die Firma mit 15 verheirateten Arbeiterinnen besondere, von der allgemeinen Anordnung und auch untereinander stark abBerlin S 53, Blücherstraße 49, Hof II. weichende Bestimmungen über die Arbeitszeit vereinbart Mit Parteigruß Ottilie Baader, Die Frauenkonferenz zu Mannheim muß nicht nur Aufruf der Vertrauensperson der Genoffinnen Deutschlands. Aus ein Beweis für die Fortschritte der proletarischen Frauendem Bericht der badischen Fabrikinspektion für das Jahr 1905. I. bewegung werden, sondern auch der Ausgangspunkt Bon g. h.- Henrik Ibsen.- Frauenwahlrecht und Sozialdemo- weiterer großer Erfolge. tratie in Holland. Von H. Roland- Holst. Sechster Verbandstag Vom Kampfe des Deutschen Holzarbeiterverbandes. Von W. K. um das Frauenwahlrecht in England. Von M. Beer- London. Der Kampf um die Rente. Von E. G.( Schluß.)- Aus der Bewegung: Bon der Agitation.- Jahresbericht der Vertrauensperson der Genosfinnen Mannheims. Genossenschaftliche Rundschau. Von Simon Katzenstein. Gewerkschaftliche Rundschau. Notizenteil: Dienstbotenfrage. Konferenz der in Ziegeleien beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen. Von Luise Zietz. Frauenstimmrecht. Gewerkschaftliche Arbeiterinnenorganisation. Aus dem Bericht der badischen Fabrikinspektion für das Jahr 1905. I. Bis jetzt sind die Gewerbeaufsichtsberichte für Bayern, Feuilleton: Der Eisenbahnzug. Von Ferdinand v. Saar.( Gedicht.) Preußen, Bremen und Baden erschienen. Der letztere zeichnet Die alte Isergil. Von Maxim Gorki.( Forts.) Der Ziegelsich auch in diesem Jahre wieder durch seinen gediegenen schlag. Von Ferdinand v. Saar.( Gedicht.) Inhalt aus. Deshalb beginnen wir mit der Besprechung des badischen Berichtes. Genossinnen! über die Notwendigkeit, in diesem Jahre wiederum eine Frauenkonferenz abzuhalten, herrscht unter den tätigen Genofsinnen keine Meinungsverschiedenheit. Jede der bis jetzt stattgefundenen Konferenzen hat fördernd und belebend auf die Frauenbewegung eingewirkt; ganz besonders seit der letzten Konferenz in Bremen 1904 find bedeutende Fortschritte zu verzeichnen. Mit dem Erfolg sind aber auch die Aufgaben für die Agitation mannigfaltiger geworden. Zu Fragen, die uns wiederholt auf Konferenzen beschäftigt haben, gesellen sich neue, die unabweisbar zur Verhandlung kommen müssen. Als Beauftragte der Genossinnen Deutschlands beruft die Unterzeichnete eine Frauenkonferenz nach Mannheim ein, wo der nächste Parteitag stattfinden wird. Die Konferenz soll Sonnabend, den 22. September, morgens 9 Uhr, zusammentreten und nötigenfalls noch Sonntag nachmittag tagen. Als provisorische Tagesordnung schlage ich vor: 1. Bericht der Zentralvertrauensperson; a. Agitation, b. Presse; 2. Frauenstimmrecht; 3. Agitation unter den Landarbeiterinnen; 4. Die Dienstbotenbewegung; Nach demselben waren im Jahre 1905 in den Fabriken und denjenigen Anlagen des Großherzogtums Baden, welche ihnen in bezug auf den gefeßlichen Arbeiterschutz gleichgestellt sind, beschäftigt: Bezeichnung des Industriezweigs 1. Industrie der Nahrungsund Genußmittel 2. Tertilindustrie 3. Metallverarbeitung. 4. Belleidungs- und Reini gungsgewerbe Arbetter über 16 Jahre männl. weibliche Kinder unter 16 Jahren ver= hetrat., ins ins ver= gefamt geſamt mitwet männ- wetboder Itche Itche geschieb. 20 070 22 769 10 006 1 633 2 909 12 717 16 220 20 556 6 693 1767 3 914 6 428 2 267 5. Papierindustrie. 6. Induſtrie der Maschinen, Instrumente u. Apparate 29 977 1 602 7. Industrie der Holz- und Schnitzstoffe 8. Polygraphische Gewerbe. 9. Lederindustrie 10. Industrie d. Steine u.Erden 11. Industrie der forstwirtschaftlichen Nebenprodukte 12. Chemische Industrie.. 13. Bergbau, Hütten- und Salinenwesen 14. Baugewerbe 15. Sonstige Industriezweige 5 328 1 093 2 089 2 612 1 856 1 170 356 661 186 613 292 284 296 hatte. Die normalerweise auf 934 Stunden festgesetzte Arbeitszeit wurde auf 7 bis 9 Stunden verringert. In allen Fällen war der normalerweise auf 6% Uhr festgesetzte Arbeitsbeginn auf eine spätere Stunde, zwischen 7 und 8½ Uhr, verlegt worden. Die Dauer der Mittagspause betrug 11/2 bis 3 Stunden. An Samstagen wurde die so vereinbarte Arbeitszeit noch um eine weitere halbe Stunde verkürzt. Solche Vereinbarungen, bemerkt dazu der Berichterstatter, treffen den Kernpunkt eines wirtschaftlichen Mißstandes. Es sei zu wünschen, daß die Arbeiterschaft solchen Vereinbarungen besondere Aufmerksamkeit zuwende. Jedoch ist es notwendig, daß sich auch diese Arbeiterinnen ihrer Gewerkschaft anschließen, um nicht nur eine zweckmäßige Regelung der Arbeitszeit, sondern auch einen angemessenen Arbeitslohn zu erlangen. Ohne dies bildet die Frauenarbeit ein schweres Hemmnis für die Bestrebungen der Arbeiter auf die Verbesserung ihrer Lohn- und Arbeitsverhältnisse. Das zeigt uns gerade die Zigarrenindustrie mit ihren erschrecklich geringen Löhnen. Auch ist es bezeichnend, daß in diesem Industriezweig trotz des guten Geschäftsganges und der starken Nachfrage nach Arbeitskräften eine Erhöhung der Löhne in der letzten Zeit so gut wie gar nicht eingetreten ist. Begreiflich ist es daher, daß sich die jungen Arbeiter und Arbeiterinnen nach Möglichkeit anderen Industriezweigen zuwenden, in denen sie günstigere Arbeitsverhältnisse finden. Die Zahl der Knaben, die in den Zigarrenfabriken be schäftigt sind, ist von 1587 im Jahre 1898 auf 1816 und die Bahl der Mädchen von 4612 auf 3879 zurückgegangen. 98 950 395 505 Die zweite Stelle bezüglich der Zahl der beschäftigten Arbeiterinnen nimmt die Textilindustrie ein. Auch hier 494 1 550 260 ist die Zahl der Arbeiterinnen erheblich größer als die Zahl der männlichen Arbeiter. überdies 97 beklagen sich die Textilfabrikanten ganz besonders über einen 321 269 178 angeblich sehr großen Mangel an Arbeiterinnen. Trotzdem 254?? denken die Herren gar nicht daran, die Lohn- und Arbeitsverhältnisse zu verbessern. Die Textilindustriellen, heißt es 80 in dem Bericht, zeigen in allen auf die Arbeitszeit bezüg55 182 157 lichen Punkten ein zähes Festhalten an der bisher gewohnten Übung. Ein Entgegenkommen über das gesetzlich zu fordernde Maß hinaus sei selten zu erwarten. 10 912 3 291 5 145 ? 840 795 767 679 1927 411 80 69 3 940 360 ? 21 6 202 690 126 18 8+ 294 ? 80+ 47 47 33 5. Fürsorge für Schwangere und Wöchnerinnen. Als Referentinnen sind Genossinnen in Aussicht geDafür bemühten sich die patriotischen Herren um so nommen, die sich mit den betreffenden Fragen eingehend eifriger, Arbeiterinnen aus Italien herbeizuschaffen. beschäftigt haben: so für Punkt 2, Frauenstimmrecht, In der vorstehenden Tabelle sind die Industriezweige nach Dies gab dem Auswanderungskommissariat der italienischen Genoffin Zetkin; für Punkt 3 Genoffin Zietz; für Punkt 4 der Bahl der beschäftigten Arbeiterinnen über 16 Jahre ge- Regierung Veranlassung, zu prüfen, ob die Arbeitsbedingungen Genossin Grünberg; für Punkt 5 Genossin Duncker. ordnet. An der ersten Stelle steht die Industrie der der italienischen Arbeiterinnen denen der inländischen gleichDas Lokal, in welchem die Frauenkonferenz tagt, Nahrungs- und Genußmittel, deren wichtigste Gruppe die gestellt wären, und insbesondere, ob etwa ein Druck auf die wird später bekannt gegeben. Bigarrenfabrikation ist. Letztere umfaßt 9747 männliche Ar- Löhne der gesamten Arbeiterschaft durch die Einführung Damit die Konferenz gut vorbereitet werden kann, beiter über 16 Jahre und 21 539 Arbeiterinnen über 16 Jahre, fremder Arbeitskräfte zu befürchten sei. Die Fabritinspektion Damit die Konferenz gut vorbereitet werden kann, sowie 1822 Knaben und 2682 Mädchen. Von sämtlichen gab ihr Gutachten dahin ab, daß die Stellung der italienimüssen sich die tätigen Genoffinnen so bald wie möglich Arbeitern der Zigarrenindustrie waren: schen Arbeiterin sich von der der inländischen nicht wesentlich beraten, und etwaige Anträge sind bis spätestens zum unterscheide. Wie steht es aber mit der anderen Frage? 20. Juli an die Unterzeichnete einzusenden. Hierüber spricht sich der Bericht nicht aus. Wenn die Textilindustriellen nicht mehr die Arbeiterinnen zu den bisherigen elenden Löhnen bekommen können, so müssen sie sicher etwas mehr Entgegenkommen gegen die Forderungen der Arbeiter und Arbeiterinnen zeigen, um auf diese Weise wieder zu der nötigen Bahl von Arbeitsfräften zu gelangen. Daher ist in der Tat ,, ein Druck auf die Löhne der gesamten Arbeiterschaft" durch die Einführung der Arbeiterinnen aus Italien zu befürchten. männlich absolut Prozent 10 856 M N 1903 10 500 32,98 31,14 0 1904 10 918 31,40 い 1905 # 11 069 31,87 weiblich absolut Prozent 23 770 23 220 23 847 24 221 28 770 67,02 68,86 68,63 68,60 Mithin steht in dieser Industrie der Zahl der männlichen Arbeiter eine mehr als doppelt so große Zahl von weiblichen Arbeitern gegen große Zahl von weiblichen Arbeitern gegen über. Und im Laufe der Zeit wird offenbar das Mehr an Arbeiterinnen immer größer. Unter den Arbeiterinnen über 16 Jahre waren verheiratet, verwitwet oder geschieden( letztere wurden im Jahre 1905 zum erstenmal mitgezählt): In Orten, in denen ein Zusammenarbeiten mit den Genossen stattgefunden hat, ist es wohl selbstverständlich, daß die Genossinnen sich mit diesen baldigst über die Im Jahre 1902 Wahl einer Delegierten verständigen. Dort, wo die Verhältnisse nicht so günstig liegen, haben die Genofsinnen laut§ 11 Absatz 1 der„ Organisation der sozialdemo kratischen Partei Deutschlands" das Recht, in öffentlicher Frauenversammlung nicht nur eigene Delegierte für die Frauenkonferenz zu wählen, sondern auch für den Parteitag. Wünschenswert ist, daß die Delegierten zur Frauenfonferenz auch zugleich ein Mandat für den Parteitag erhalten. Den vorliegenden Erfahrungen gemäß sollten wie bisher so auch zu dieser Konferenz die Delegierten aus den Reihen der tätigen Genosfinnen gewählt werden. Dort, wo die Bewegung noch ganz jungen Datums ist, und aus diesem Grunde eine Delegierung nicht stattfindet, bleibt es den Genossinnen selbstverständlich unbenommen, Die Zahl der verheirateten, verwitweten oder geschiedenen ihre Wünsche und Anregungen, ganz besonders die AgiWegen der Zahl der beschäftigten Arbeiterinnen ist nur tation betreffend, der Konferenz zu unterbreiten und sie Arbeiterinnen, das heißt derjenigen, die einen Haushalt zu besorgen hatten, ist stärker angewachsen noch das Bekleidungs- und Reinigungsgewerbe hervorzuzu diesem Zwecke der Unterzeichneten mitzuteilen. als die Zahl der unverheirateten Arbeiterinnen. heben. Hier sind die Maßwerkstätten für Frauen- und Um die Kosten der Delegierung decken zu können, sollten Dies ist die Folge davon, daß in den Zigarrenfabriken den Kinderkleidung, sowie die Pußzwerkstätten mit 140 männlichen die Genoffinnen alsbald mit den Sammlungen beginnen. Frauen eine solche Regelung der Arbeitszeit zugestanden Arbeitern und 3047 Arbeiterinnen angeführt. In allen Erfolgte Wahlen von Delegierten sind der Unter- wird, die ihnen die notwendige Zeit für ihre Haushaltungs- übrigen Industriezweigen sehen wir mehr beschäftigte männ zeichneten zu melder Im Jahre 1902 M 1903 • • 8526: 9020 43,6 40,5 Prozent = = A 1904 # 1905 arbeiten läßt. • 9618= 45,6 9746= 45,2 = = Die italienische Regierung schreibt jetzt den Firmen, welche um die Erlaubnis zur Erwerbung italienischer Arbeiterinnen nachsuchen, die Einhaltung gewiffer Lohngrenzen vor. Sie fordert ferner, daß solange Streits bestehen oder in Aussicht sind, für die betreffende Firma keine Anwerbungen gemacht werden dürfen. Sie verlangt schließlich, daß für bestimmte Fälle freie Heimreise garantiert, und daß für das leibliche und sittliche Wohl der Mädchen seitens der Firma in genügender Weise Sorge getragen werde. Aufgabe der beteiligten Gewerkschaften wird es sein, darauf zu achten, daß diese Vorschriften in der Praxis auch wirklich zur Geltung kommen. liche Arbeiter als Arbeiterinnen. 78 Die Gleichheit S!r. 12 Von ganz besonderem Interesse sind die Ausführungen des Berichts über die„Art der Beschäftigung und deren Einfluß auf die Arbeiterinnen". Die Fabrikinspektion hat nämlich den Versuch unternommen, den Einfluß der Be- schäftigung von Arbeiten an solchen Maschinen, welche mit dem Fuß in Bewegung gesetzt werden, auf den weiblichen Organismus an einem bestimmten Beispiel in einem um- grenzten Industriegebiet zu studieren. Als geeignetes Objekt für eine derartige Untersuchung schien sich die Pforzheimer Bijouterieindustrie darzubieten, in der auch jetzt nach allge- meiner Einführung des Motorbetriebes an den Polier- Maschinen noch ständig eine erhebliche Anzahl von Frauen an Fußpressen und ähnlichen Maschinen tätig ist. Die Beamten wurden bei Revisionen wiederholt von Arbeite- rinnen daraus hingewiesen, daß nach Ansicht der Bevölkerung die an Maschinen mit Fußbetrieb beschäftigten Frauen„ihre Kinder nicht austragen könnten", und tatsächlich nimmt der Amtsbezirk Pforzheim hinsichtlich der Fehl- und Frühgeburten einen sehr ungünstigen Platz in der Statistik ein. Daher lag der Gedanke nahe, nach einem Zusammenhang zwischen diesen schlechten sanitären Zuständen und der spezifischen industriellen Frauenarbeit des Gebiets zu suchen. Jedoch ist es nicht gelungen, diese Beziehungen im einzelnen zu ermitteln. Die Psorzheimer Arzte, an welche sich die Fabrik- inspektion wandte, um sie für die Untersuchung zu interessieren und von ihnen brauchbares Material zur Beurteilung der tatsächlichen Verhältnisse zu erlangen, haben vollständig versagt. Nur ein Frauenarzt gab ein allgemein gehaltenes Gutachten ab. Aus demselben und mündlichen Angaben ver- schiedener Ärzte hat die Fabrikinspektion soviel entnommen, daß die auffallend hohe Zahl von Unterleibserkrankungen, Fehlgeburten usw. in der Stadt und dem Amtsbezirk Pforz- heim auf eine Reihe gemeinsam wirkender Umstände zurück- zuführen ist, so daß„in den seltensten Fällen mit Sicherheit eine bestimmte Veranlassung der Krankheitsursache festgestellt werden kann". Eine schädigende Wirkung auf den Organis- mus der Frau bei dauerndem Bedienen von Fußpressen müsse in gleicher Weise angenommen werden, wie bei dem Treiben der Nähmaschinen, für welches krankhaste Störungen in zahlreichen Fällen nachgewiesen seien. Als weitere Ur- fachen werden neben konstitutioneller Veranlagung der lockere, sehr frühzeitig einsetzende Geschlechtsverkehr in der arbeiten- den Bevölkerung genannt, sodann die durch die täglichen Eisenbahnfahrten hervorgerufenen Erschütterungen des Kör- pers zu den Zeiten der Menstruation und Schwangerschaft; schließlich der Umstand, daß die oft weite Entfernungen zwischen Wohnung und Fabrik in Eile über das bergige Terrain springend und laufend zurückgelegt würden, wodurch insbesondere dem keimenden Leben Schädigungen erwüchsen! Möglicherweise wären chronische Edelmetallvergiftungen als Ursache der zahlreichen Aborte junger Frauen zu betrachten. Die Fabrikinspektion kommt daher zu dem Schluß, daß die Arbeiterinnen während der Menstruationsperiode und der Schwangerschaft nach Möglichkeit von der Arbeit an Fußpressen ferngehalten werden müssen. Wie aber, wenn die Fabrikanten eine solche Schonung der Arbeiterinnen nicht für„möglich" halten? Hier müßte der gesetzliche Arbeiterschutz eingreifen und die Verwendung von Arbeiterinnen zur Arbeit an solchen Maschinen ein für allemal verbieten, und zwar selbstverständlich für alle Jndu- striezweige, die Maschinen mit Fußbetrieb verwenden, für Wäschereien, Betriebe der Papierverarbeitung, Uhrenindu- strie usw._ g. h. Äenrik Ibsen. Als unsere letzte Nummer in den Druck ging, brachte der Telegraph die Nachricht, daß Henrik Ibsen am 23. Mai in Christiania gestorben sei. Fast 78 Jahre alt, ein ver- löschender Greis, der seit Jahren nur noch als Schatten seiner selbst unter uns weilte, denn leben hieß für ihn dich- terisch gestaltend kämpfen, und sein Lebenswerk als Kämpfer und Schöpfer lag abgeschlossen da. Nicht klagend über noch ungeschnittene Ernten des Genius stehen wir daher am Grabe des großen Toten, wohl aber voll tiefer Dankbarkeit und Ehrfurcht ob des Schatzes künstlerischer und sittlicher Werte, die er für die Menschheit in nimmerrastendem, schmerzenreichem Ringen um höchste Künstlerschaft im Dienste der Wahrheit angehäuft hat. Denn das ist es, was Ibsen zu der Höhe künstlerischen Schaffens emporgetragen und ihm die Macht gegeben hat, als ein Bahnbrecher und Führer der literarischen Entwicklung voranzuschreiten und als unver- gleichlicher Erwecker und Erzieher der Menschen lebendig zu bleiben: daß er niemals sein künstlerisches Genie unter den bequemen Grundsatz schwächlicher, feiger, unfreier und käuflicher Geister gebeugt hat: l'art pour I'art, die Kunst für die Kunst, um der Kunst willen. Kein Künstler konnte die Kunst höher würdigen, keiner war tiefer von ihrem Rechte zur restlosen Einforderung der Persönlichkeit durchdrungen als Ibsen, dem Dichten be- deutete:„Gerichtstag halten über das eigene Ich." Er hat ihr gedient mit rückhaltloser, leidenschaftlicher Hingabe, in der sich zwei der charakteristischsten Züge seines Wesens ver- schmolzen: die altheidnische, trotzig-unbeugsame Kraft, die sich um jeden Preis durchsetzen will, und die christliche Selbst- Verleugnung, die alles opfert. Aber gerade iveil Ibsen die Kunst als höchste Lebensäußerung menschheitlicher Entwjck- lung wertete, wies er ihr eine gewaltigere Aufgabe zu als die, lediglich berauschender Genuß zu sein, den Sinnen und der Seele Feste zu bereiten. Die Kunst war ihm vor allem die erhabene Erzieherin, welche die Menschen durch das Morgentor des Schönen in der Erkenntnis Land führen oll. Seine Muse ist daher nickt in weltentrückte Zauber- gärten entflohen, wo alle Blütenträume reifen, sie ist unter den Menschen unserer Tage heimisch mit ihrer schweren fiebernden Sehnsucht und ihren qualvollen Konflikten, sie bleibt mitten im Kämpfesgetümmel der Zeit, auch wenn sie die Stille der Fjorde sucht, über kalt glitzernde Gletscher- höhen schreitet oder das Gewand versunkener Welten trägt. Nicht als sanfte Friedensbotin steht sie da, die Schalmei seliger Harmonien blasend, sie trägt Wehr und Waffen, sie ist eine herbe, reisige Kämpferin. Ibsens Kunst ist Problem- kunst, ist Tendenzkunst im umfassendsten und höchsten Sinne des Wortes. Um was es für sie geht, das sind der„Menschheit große Gegenstände", das ist eine Weltanschauung der Wahrheit, welche die Persönlichkeit zur reifsten Entfaltung und frucht- barsten Wirksamkeit bringt. In diesem Ziele fügt sich Ibsens künstlerisches Lebenswerk, wie vielgestaltig es auch vor uns tritt, in fester Geschlossenheit zum Ringe zusammen. Nach einer Weltanschauung der Wahrheit suchend, hat der nor- wegische Meister sich in Heidentum und Christentum versenkt und kritisch wägend Weltbild gegen Weltbild gestellt. Weder die Philosophie der Antike, noch die Evangelisten und Priester des Nazareners konnten dem eindringlichen Frager eine Ant- wort geben, welche die zehrenden Gluten in seiner Brust löschte. Sein Ringen uni die Wahrheit ist darum nicht weniger ungestüm geblieben. Er schuf Werk auf Werk, um ihr die Wege zu bereiten, indem er die Herrschaft der Lüge zerstörte. Wie einen persönlichen Feind hat er alle Unwahrheit und Heuchelei gehaßt und bekämpft, mochte sie sich als soziale Moral gebärden oder als individuellen Jdealis- mus aufschminken. Er ging ihr in die gesellschaftlichen Be- ziehungeu von Mensch zu Menschen nach, er packte sie in den verborgensten Seelenfalten des einzelnen. Es konnte daher nicht eine blutleere Abstraktion der Lüge sein, gegen die er im Moralpredigerton geeifert hätte. Was er mit der Unerbitt- lichkeit eines wissenschaftlichen Forschers ans Licht zog und richtete, das ist die Lüge in ihren mannigfachen, bestimmten Gestalten, wie sie in der Gegenwart als legitimes Kind der aufstrebenden oder ausreifenden kapitalistischen Ordnung, die Persönlichkeit und ihre Beziehungen zum Nebenmenschen, zur Allgemeinheit verwüstet. Der ruhelose Wahrheitssucher mußte zum schonungslosen Kritiker und Zerstörer am Oberbau der Moral werden, welche die bürgerliche Gesellschaft krönt. Mit robuster Kraft, vom leidenschaftlichen Glauben an seine künstlerische Mission jeden Muskel gestrafft und alle Nerven auf das Eine kon- zentriert, hat Ibsen hier an wichtigen tragenden Pfeilern gerüttelt und prächtig gleißende Ornamente in Trümmer ge- schlagen. Und indem er mit zwingender Gebärde auf die Lüge wies, die dahinter als Gebieterin thront, indem er heiligen Grimmes voll wieder und wieder sein„ecrase? rinfame"— zertretet die Schändliche— in die Welt schrie, hat er Abscheu, Haß, Kampf gegen die geltende verlogene Moral weit über die Kreise der Gemeinde hinaus geweckt, welche Ibsen um seiner mustergültigen Künstlerschaft willen huldigt. Die Frauen aber sind Ibsen ob seines befreienden Zer- störungswerkes zu besonderem Dank verpflichtet. Er ist mehr wie jeder andere ihr Dichter gewesen, der Dichter des Weibes, welches sich aus dem erstickenden Sumpfe einer lügenhaften Existenz erhebt, mit wundgerungenen Händen und blutendem Herzen die alten Tafeln zerschlägt und das Recht seines Menschentums, seiner Persönlichkeit fordert. Wir vergessen nicht, daß es vor allem das Seelendrama der bürger- lichen Frau ist, das Ibsen gestaltet hat. Die Proletarierin hat die größte und entscheidende Schlacht für ihre soziale und menschliche Emanzipation nicht gegen die Helmers und ihre Ehelüge auszufechten, sondern gegen die Kapitalistenklasse und ihre Ordnung. Die ökonomische Entwicklung löst materielle und geistige Kräfte aus, die im Proletariat das Verhältnis der Frau zum Manne und zur Familie revolu- tionieren und damit die Moral des Vorurteils und der Lüge fortfegen, welche die Beziehungen der Geschlechter vergiftet und den Menschen im Weibe tötet. Aber was wirkende objektive Tendenz ist, das setzt sich nur langsam subjektiv durch. Und so sind auch hier der Helmers noch viel zu viele, mit denen die Proletaxierin abrechnen muß, gerade wenn sie als Streiterin im Klassenkampf ihr Menschenrecht erobern will. Davon zu schweigen, daß— welches auch immer die sozialen Verhältnisse seien— die Frau in dornenreichen inneren Konflikten um Klarheit über die Frage ringen wird, welche die Jbsenschen Frauentypen im tiefsten Grunde bewegt: die Frage nach der Grenzlinie zwischen dem Rechte der Selbst- behauptung und der Pflicht der Selbstverleugnung. Als Er- wecker und Mahner wird daher der skandinavische Meister über die bürgerliche Welt und unsere Zeit hinaus auf die Frauen wirken, die empfinden, daß sie frei und gesund ent- ältete Menschen werden müssen, um ganz Weib sein zu können.'Schluß folgt.) Frauenwahlrecht und Sozialdemokratie in Kolland. Das Frauenstimmrecht ist auch in Holland eine grund- sätzliche Forderung der Sozialdemokratte. Unser Programm fordert die Einführung des allgemeinen, gleichen und direkten Wahlrechtes für Männer und Frauen. Es ist aber bekannt- lich nicht dasselbe, eine Forderung grundsätzlich zu vertreten und sie zu einein Punkte der praktischen Politik zu machen. Wie die Haltung unserer Bruderparteien in Schweden, Belgien und Osterreich erweist, können Augenblicksrücksichten verschiedener Art die Sozialdemokratie veranlassen, die Forderung des Frauenstimmrechtes zurückzustellen. Ob dies unter gewissen Umständen wünschenswert sein kann, laffe ich jedoch dahingestellt; ich will bloß auf Wunsch der Redaktion berichten, wie die holländische Sozialdemokratte sich dem Frauenwahlrecht gegenüber verhält. Eine„Vorlage zur Berfassungsrevision", die vor einige, Zeit von unserer Kammerfraktion eingebracht wurde, weicht insofern von unserem Programm ab, als sie das allgemeine Wahlrecht nicht für die Frauen wie für die Männer in de, Verfassung festlegen will* Die diesbezügliche Bestimmung beseitigt zwar mit dem Wort„männliche Einwohner" die gesetzliche Schranke, die dem Frauenstimmrecht in der Ver- fassungimWegesteht, verpflichtetdenGesetzgeberabernicht.das Frauenwahlrecht einzuführen. Die Vorlage bestimmt, daß die Kammer gewählt wird von den volljährigen Niederländern, die nicht durch Gesetz oder gerichtliches Urteil vom Wahlrecht ausgeschlossen sind— daß aber niemand ausgeschlossen sein darf wegen Gründen, die direkt oder indirekt mit dem gesellschaftlichen Wohlstand zusammenhängen. Sie macht also das Frauenwahlrecht möglich, aber sichert nicht seine Einführung gleichzeitig mit der des allgemeinen Wahlrechtes für Männer. Wohl aber sichert sie, daß, wenn das Frauenstimmrecht zustande kommt, es allgemein, das heißt nicht an Zensus oder Kapazität gebunden sein wird, und dies auf Grund der allgemeinen Bestimmung, daß niemand wegen Gründen, die„direkt oder indirett mit dem gesellschaftlichen Wohlstand zusammenhängen", vom Wahl- recht ausgeschlossen sein dürfe. Anders verfährt die zur selben Frage der Verfassungs- revision eingebrachte Vorlage der bürgerlichen Demokraten. Der Unterschied ist charakteristisch. Auch diese Vorlage legt, mit einigen Ausnahmen, das allgemeine Wahlrecht in der Verfassung fest; dazu aber will sie vom Gesetzgeber be- stimmen lassen, welche weiblichen(Anwohner nach den Vor- schriften des Wahlgesetzes das Wahlrecht besitzen sollen. Diese Wendung verpflichtet also den Gesetzgeber, das Frauenstimmrecht einzuführen, aber zugleich schreibt sie vor, daß dies Frauenstimmrecht kein allgemeines, sondern nur ein beschränktes sein soll: sie schafft in der Stunde, da endlich das politische Vorrecht innerhalb des männlichen Geschlechtes beseitigt wird, ein neues Vorrecht innerhalb des weiblichen Geschlechtes.», » Aus dem Inhalt der beiden Gesetzentwürfe ist die Stel- lung beider Parteien zu der Frage des Frauenwahlrechtes klar ersichtlich. Die Sozialdemokratte kämpft für die volle Gleichberechtigung aller Unterdrückten, ebenso der Nationali- täten und Klassen wie des weiblichen Geschlechtes. Sie weiß aber, daß die Klassengegensätze der kapitalistischen Ge- sellschaft ebenso in der Frauen- wie in der Männerwett be- stehen und desto deutlicher in Erscheinung treten werden, je mehr die Frauen am politischen Leben teilnehmen. Sie ivollen in keinem Falle ermöglichen, daß eine privilegierte Minderheit unter den Frauen das Wahlrecht erhält: viel- mehr soll es dem ganzen weiblichen Geschlecht zugute kommen. In der Begründung der Vorlage wird denn auch das all- gemeine Wahlrecht für Frauen aus den bekannten sozialdemokratischen Gründen mit Wärme verteidigt. Unter anderem heißt es darin, daß die Fraktion entschlossen sei, sobald der Versuch gelungen, das gesetzliche Hindernis zur Einführung des Frauenstimmrechtes zu beseitigen, sich bei Feststellung eines neuen Wahlgesetzes angelegen sein zu lassen, die politische Gleichberechtigung der Geschlechter auf der Grundlage des allgemeinen Wahlrechtes durchzusetzen. Die bürgerliche Demokratie dagegen vertritt die Jnter- essen der bürgerlichen Frauenwelt: sie will die politische Unterdrückung und Rechtlosigkeit nur abschaffen für die Frauen der bürgerlichen Klassen, aber vorderhand wenigstens beibehalten für die Proletarierinnen; sie hält in dieser Frage am Klassenstandpunkt der herrschenden Klassen fest. Der Standpunkt der bürgerlichen Demokratte ist selbst- verständlich auch der der Frauenrechtlerinnen des bürger- lichen Feminismus. Auf das Frauenwahlrecht kommt es den Frauenrechtlerinnen vor allein an— ob dieses aber auch allgemein sein wird, das ist ihnen ziemlich gleichgültig. Sie sind zufrieden, wenn sie selbst es nur erhalten, wenn sie selbst nur damit in den Stand gesetzt werden, durch politi- schen Einfluß für ihre Ideale und politischen Forderungen eintreten zu können. Alle bürgerlichen Frauenvereine stehen auf dem gekennzeichneten Standpunkt; in erster Linie kommt dabei der„Verein für Frauenstimmrecht" in Betracht. Er würde auch einer Ausdehnung des heutigen beschränkten Wahlrechtes auf die Frauen, ja sogar der Errichtung einer noch beschränkteren zustimmen. Die Unzuverlässigkeit der bürgerlichen Frauenrechtlerinnen in der Frage der Demokratie hat im Laufe der Zeit zur Lostrennung des„Verein für Frauenstimmrecht" vom „Komitee zur Erkämpfung des allgemeinen Wahlrechtes" geführt. Der„Verein" hat sich nicht gescheut, sich das Recht herauszunehmen, auf eigene Hand für beschränktes Frauen- stimmrech t— also gegen das Ziel des Komitees— zu agitieren. Diese Zwiespältigkeit führte zunächst im Schöße des Vereins selbst zu tiefen Auseinandersetzungen und zum Aus- tritt der demokratischen Elemente. Als dann die General- Versammlung des Komitees 1904 den Verein aufforderte, seinen Standpunkt in der Frage des Frauenwahlrechtes deut- lich auszusprechen, entschloß die Organisation sich im De- zember des vorigen Jahres, aus dem Komitee auszutteten. Das ist jetzt geschehen. Wahrscheinlich wird er sich dem „nichffozialdemokratischen" Komitee anschließen, dessen Grün- dung auf dem letzten Parteitag der bürgerlichen Deinokraten beschlossen worden ist. Mit ihrer Haltung im Wahlrechts- * Dies natürlich aus der Ziveckmäßigkeitsrücksicht, daß das Festlegen des Frauenstimmrechtes in der Verfassung die ganze Ver- sassungsrevision zum Scheitern bringen könnte. Nr. 12 Die Gleichhelt 3,75 4,50 5,25 6, = = 1 = 48,75 P = 58,50 3 # D = 68,25 78, # M 79 kampf bekunden die bürgerlichen Damen nur ihre bürgerliche| ftreits, 249 Abwehrstreits und 46 Aussperrungen. Was die ihre Beiträge entrichtet haben, tann eine Krantenunterstützung Gesinnung. 915 Angriffstreits anbetrifft, so wurden in 115 Fällen 12790 gewährt werden, wenn durch Vorzeigung eines ärztlichen Wir denken nicht daran, ihnen dies zu verübeln oder es Beschäftigten die Forderungen noch vor der Arbeitseinstellung Attestes die Arbeitsunfähigkeit bescheinigt wird. Diese Unterstützung wird nur als Zuschuß zu der Krankenzu bedauern. Was wir aber in hohem Maße bedauern, ist, bewilligt. Ursache der 249 Abwehrstreits war in 100 Fällen daß es in der eigenen Partei eine Strömung gibt, welche Lohnreduktion, in 40 Fällen Maßregelung von Verbands- unterstützung gewährt, welche das Mitglied aus einer dem die Forderung des Frauenwahlrechtes aus opportunistischen mitgliedern, in 47 Fällen Nichteinhaltung der allgemein üb- Krankenversicherungsgeseh entsprechenden Kasse bezieht. Die Unterstüßung nach§ 43 wird auf die Dauer von Rücksichten zurückstellen will. lichen Lohn- und Arbeitsbedingungen, in 16 Fällen Ver Im November des vorigen Jahres hatten zwei Vertrete- längerung der Arbeitszeit usw. Die 46 Aussperrungen der 18 Wochen gewährt und beträgt innerhalb 12 Monaten vom rinnen des Verein für Frauenstimmrecht" eine Konferenz mit Berichtsperiode wurden verursacht durch Angriffstreits, Streits ersten Unterstützungstag an gerechnet, nach einer Mitglieddem Vorsitzenden und dem Sekretär der sozialdemokratischen anderer Berufe, Lohndifferenzen, Maifeier, Zugehörigkeit zur schaftsdauer von 52 Wochen 3,- Mt. pro Woche bis zu 39,- Mt. Höchstbetrag Rammerfrattion, den Genossen Troelstra und ter Laan. Organisation usw. Bei dieser Gelegenheit äußerte Genosse Troelstra, der Für 41 658 Personen wurde eine Arbeitszeitvertür- 104 parlamentarische Führer unserer Partei, als seine persön- zung von durchschnittlich 2,7 Stunden pro Woche errungen, 156 liche Ansicht: Wenn es jetzt möglich wäre, das Frauenwahl- und für 61 073 Personen eine Rohnerhöhung von durch- 208 recht zu erringen, so würde er dagegen stimmen. Für seine schnittlich 1,72 Mt. pro Kopf und Woche. Das sind be- 260 über die Gewährung von Krantenunterstützung entscheidet Ansicht die in schroffem Widerspruch zu der Begründung" achtenswerte Erfolge, welche gerade die Arbeiterinnen über der sozialdemokratischen Vorlage steht machte er geltend, den Nugen der Organisation belehren sollten, denn für sie im Rahmen dieser Vorschriften die Lokalverwaltung, bei die Mehrheit der Frauen sei heute noch so reaktionär ge- ist jede Stunde Verkürzung der Brotfron und jede Erhöhung Einzelmitgliedern der Verbandsvorstand. Letzterer hat das Recht, gegen die Entscheidungen einer finnt, den Einflüffen der Geistlichkeit so zugänglich, daß es nicht des färglichen Lohnes besonders wertvoll. Der Verband hat wünschenswert wäre, ihnen die politische Gleichberechtigung für die Lohnkämpfe in den zwei Jahren zusammen die riesige Lokalverwaltung Einspruch zu erheben, in welchem Falle den zu verleihen. Diese würde die Frauen zu einer reaktionären Summe von 2260249 Mt. aufgewendet. Die errungenen Betreffenden der Beschwerdeweg an den Ausschuß offen steht. Macht werden lassen, welche der gesellschaftlichen Entwick- Vorteile mußten also teuer genug erfauft werden. Das läßt Krankenhäusern und anderen Heilanstalten oder dritten PerLung, ja sogar dem weiteren Fortschritt der Frauenbewegung erkennen, wie hartnäckig das Ausbeutertum sich der unerläß- sonen steht ein Anspruch auf die Unterstützung nicht zu. Der selbst gefährlich sein würde. lichen Hebung der Lage der Ausgebeuteten widersetzt, und Anspruch auf Krantenunterstützung beginnt am achten Tage Diese Außerung des einflußreichen Führers unserer Partei wie bitter not es tut, daß die Macht einer großen, starken, der Arbeitsunfähigkeit, vom Tage der Meldung an gerechnet. scheint uns in hohem Grade bedenklich. Was er zur Recht- kapitalfräftigen Organisation hinter die Forderungen der Die erhöhten Beiträge sollen vom 1. Juli ds. Js. ab erhoben fertigung seiner Auffassung anführte die unzulängliche Arbeiter und Arbeiterinnen tritt. Angesichts dieses Standes werden. Die Auszahlung der Krantenunterstützung soll mit Entwicklung, die sozialpolitische Unreife und Rückständig der Dinge ist es doppelter Verrat an den Interessen der 1. Juli 1907 beginnen. Der Verbandstag hat eine sehr umfangreiche und tüchtige keit der Frauen, find die gleichen Gründe, welche die Holzarbeiterschaft, daß die christliche und die HirschHerrschenden von jeher vorgebracht haben, wenn es galt, Dundersche Organisation in der gewissenlosesten Weise Arbeit geleistet. Sie wird nicht verfehlen, die Werbetraft die Knechtung von unterdrückten Klassen und Nationen zu gegen den Holzarbeiterverband lügen und heßen. In der der Organisation und ihre Leistungstüchtigkeit im Kampfe rechtfertigen.„ Sie sind nicht reif, über ihr Los zu entscheiden." kampfbewegten Zeit haben sich die Institutionen der Gau- für die Interessen der Arbeiter und Arbeiterinnen zu steigern. - Ja, und glaubt ihr sie denn zur Reife zu erziehen durch vorstände trefflich bewährt. Druck, Rechtlosigkeit und Knechtschaft? Mir scheint es, daß die politische Rückständigkeit des weiblichen Geschlechtes, die es mir nicht einfällt zu leugnen, am schnellsten und sichersten dadurch überwunden wird, daß die Frau das Recht bekommt, am öffentlichen Leben teilzunehmen. Auch in Holland nimmt die Zahl der erwerbstätigen Frauen schneller zu als die Zahl der Bevölkerung,* auch in Holland wächst unausgesetzt die Zahl weiblicher Arbeitskräfte auf allen Gebieten des wirtschaftlichen Lebens so drängt folglich auch bei uns die Entwicklung zur sozialen und politischen Gleichberechtigung des weiblichen Geschlechtes. W. K. Die Einnahmen des Verbandes betrugen 2582 836,54 Mark, die Ausgaben 1619 210,72 Mt. Für die Holz Vom Kampfe um das Frauenwahlrecht arbeiter- Beitung" wurden 172 650,72 Mt. aufgewendet, an in England. Reiseunterstützung sind 161 831,26 Mt., an ArbeitslosenunterAm 19. Mai fand in London eine große Demonstration stüßung 361 062,69 Mr., an Streitunterstützung 1498 177,55 m., an Gemaßregeltenunterstützung 51 955,42 Mt., an Unterstüßung für die Einführung des Frauenwahlrechts statt. Sämtliche in Sterbefällen 52 315 Mt., an Umzugsunterstützung 44 776,44 Frauenorganisationen Englands hatten Delegierte nach der Mark, an Notfallunterstützung 10300 Mt., für Rechtsschutz Hauptstadt entsendet, um den Premierminister Sir Henry 31 459,49 Mt. und für Agitation 183 192,01 Mt. zur Aus- Campbell- Bannermann zu ersuchen, der Entrechtung der zahlung gelangt. Der Verband zählte am Jahresschluß von Frauen ein Ende zu machen. Folgende Organisationen 1905 130 111 Mitglieder. Die Zahl der organisierten waren vertreten: der Allgemeine Verband der FrauenwahlSehr wichtig wäre es, zu wissen, ob die Partei in der Arbeiterinnen ist in der Berichtszeit von 511 auf 1797 rechtsvereine, die Arbeiterfrauen von Lancashire und Cheshire Frage des Frauenwahlrechtes auf demselben Standpunkt gestiegen. Für den Holzarbeiterverband kommen nach den( 90000 Textilarbeiterinnen), die liberale Föderation der steht wie ihr parlamentarischer Führer, und ob sie wie er Aufstellungen der Gewerbeinspektion 13 506 Arbeiterinnen Frauen Schottlands, die Gilde der Frauengenossenschaften, bereit ist, ihr Programm um Augenblicksinteressen halber als organisationsfähig in Betracht, er hat also noch ein die gewerkschaftlich organisierten Arbeiterinnen von Manim Stiche zu lassen. Die Anträge dazu, welche eine Anzahl großes Stück Aufklärungs- und Organisationsarbeit zu leisten. chefter und Salford, der Verband der Tabat- und Zigarettenunserer Parteiorganisationen, darunter vier der Amsterdam- Abgesehen von der unermüdlichen Agitation unter den Ar- arbeiterinnen, der Verband der Buchbinderinnen, die Bergschen Wahlvereine, zum letzten Parteitag einbrachten, be- beiterinnen empfiehlt es sich, die weiblichen Mitglieder zu arbeiterinnen Nordenglands, die Frauen der Universitäten, rechtigen uns zu der Hoffnung, daß dies nicht der Fall ist. allen Verbandsarbeiten heranzuziehen, damit ihr Interesse der Verband der Krankenwärterinnen, der Verband der Diese Anträge sprachen sich alle, mit kleinen Abwechslungen an ihm geweckt und gesteigert wird. In hervorragender munizipalen Arbeiterinnen, die Arbeiterpartei der Fabianin der Fassung, dafür aus, daß den Frauen das Wahlrecht Weise hat sich der Verband an der Heimarbeitausstellung Gesellschaft, die Unabhängige Arbeiterpartei, sowie eine sobald wie möglich zuerkannt werde und zwar aus dem beteiligt, und die von ihm herausgegebene treffliche Broschüre ganze Anzahl lokaler politischer Frauenvereine und Klubs. Grunde, weil die Befreiung des Proletariats zur Voraus- über die Heimarbeit in der Holzindustrie hat das ihrige zur Obwohl die bürgerlichen und proletarischen Frauenorganifegung hat, daß auch das Klassenbewußtsein der Proletarie Aufdeckung des Elends in den betreffenden Branchen bei- fationen zusammen die Demonstration vorbereiteten, so hielten rinnen erwacht ist, das Wahlrecht sich aber als wichtiges getragen. Auch die internationalen Beziehungen hat sie sich während der ganzen Demonftration auseinander, nur Mittel erweisen wird, dies Bewußtsein zu wecken und zu die Organisation gepflegt; sie nahm die Gründung der beim Premierminister waren die Delegierten beider Richschulen. Internationalen Union der Holzarbeiter" in die Hand, tungen zusammen. Es nahmen das Wort: Fräulein Emily Leider kam der zu Ostern abgehaltene Parteitag nicht welcher der Deutsche Holzarbeiterverband angeschlossen ist. Davies, Doktor der Rechte( Verband der Frauenwahlrechtsdazu, sich mit der Frage des Frauenwahlrechtes zu befassen. Die Debatten über den Vorstandsbericht gestalteten sich vereine); Frau Maclaren( liberale Frauen); Frau RollandDie große Auseinandersehung in Fragen der„ Organisation äußerst lebhaft. In verschiedenen Variationen erklang aus Rainy( schottische Frauen); Fräulein Gore- Booth( Frauenund Taktik" nahm zuviel Zeit in Anspruch. Den Delegierten ihnen der Ruf: mehr Agitation, mehr Schulung, Ausbau gewerkschaften); Frau Gasson( Frauengenossenschaften); des sozialdemokratischen Frauenklub eine junge, eifrige und Stärkung des Verbandes. Die Verhandlungen über das Fräulein Pankhurst( Soziale und politische Union- eine Organisation, die mit großem Geschick und ohne jede Eigen- Verbandsorgan brachten flar zum Ausdruck, daß die Nebenorganisation der Arbeiterpartei); Frau Dickenson brödelei sich der schwierigen Arbeit unterzieht, die Arbeite- politische Neutralität der Organisation nicht die Stellung( Lohnarbeiterinnen); Fräulein Mary Bateson( Lehrerinnen, rinnen politisch aufzuklären wurde jedoch auf ihre An- nahme zu politischen Fragen ausschließt, umgekehrt, sie Studentinnen, Schriftstellerinnen usw.). Genossin Pankhurst frage bestimmt zugesagt, daß der nächste Parteitag sich mit wird durch den Zusammenhang des wirtschaftlichen und erklärte dem Premierminister, daß es sozialistische und geder Frage des Frauenwahlrechtes befassen wird. politischen Lebens aufgedrängt. Aber diese Stellungnahme werkschaftliche Frauen gibt, die bereit sind, ihr Leben für Wir sind voller Zuversicht, daß er sie im prinzipiellen muß naturgemäß auf eine Unterstützung der sozialdemo- die Befreiung des weiblichen Geschlechts einzusetzen, da sie Sinne lösen wird, damit die Sozialdemokratie sich auch in fratischen Politik hinauslaufen, weil nur sie allein konsequente die Schmach der Entrechtung nicht länger ertragen können. Der Premierminister war sehr zuvorkommend und dieser Frage als eine Partei erweist, die, großen Zielen zu- Arbeiterpolitik, konsequente Vertretung der proletarischen eilend, bei ihrer Tattit allgemeine und dauernde und nicht Interessen ist. Nahezu einstimmig hatte der Verbandstag erklärte sich im Prinzip mit den Forderungen der Frauen beschränkte und vorübergehende Erfolge ins Auge faßt. Die beschlossen, die auch im Holzarbeiterverband umstrittene Frage einverstanden. Die Entrechtung der Frau läßt sich logisch allgemeine und dauernde Folge aber der Gleichberechtigung der Maifeier als besonderen Punkt der Tagesordnung zu nicht rechtfertigen, erklärte er, Frauen haben seit Jahren in des weiblichen Geschlechtes wird wie die Gleichberechti- behandeln. Der entschiedene, flassenbewußte Geist, von den verschiedensten Amtern der Lokalverwaltung dem Bolte gung jeder unterdrückten Klasse, Nationalität und Rasse welchem die entsprechenden Verhandlungen getragen wurden, mit Auszeichnung gedient. Sie wurden auch in wichtigen Fragen zu Mitgliedern von königlichen Kommissionen erzum Lernen des richtigen Gebrauchs der errungenen Rechte gelangte in der folgenden Resolution zum Ausdruck: führen, zu raschem Aufstieg und zur menschlichen Vervoll- Der Verbandstag steht auf dem Standpunkt, daß die nannt, um dem Parlamente verschiedene gesetzliche Maßkommnung der früher Unterdrückten. Feier des 1. Mai am würdigsten durch Arbeitsruhe gefeiert regeln zu empfehlen. Dann ist es unleugbar, daß der GeLaren, 7. Mai 1906. wird. Er verpflichtet deshalb die Mitglieder des Verbandes, dante des Frauenwahlrechts in den letzten Jahren große gemäß den Beschlüssen des internationalen Kongresses in Fortschritte gemacht hat. Aber die Regierung ist sich über diesem Sinne zu wirken. In denjenigen Betrieben, wo zwei die Zweckmäßigkeit der Ausdehnung des Wahlrechts auf die Drittel organisiert sind und vier Fünftel der Beschäftigten Frauen nicht einig. Ohne diese Einigkeit läßt sich eine so beschließen, die Arbeit ruhen zu lassen, wird den durch Aus- wichtige und tief ins soziale Leben einschneidende Reform sperrung oder Maßregelung Betroffenen nach einjähriger nicht unternehmen. Die Frauen sollen sich daher noch eine Mitgliedschaft die Gemaßregeltenunterstützung( welche in Weile gedulden und ruhig für ihre Ideen arbeiten, aber diesem Falle ausnahmslos die Sätze der Streifunterstützung alles vermeiden, was die ihnen günstige Strömung aufhalten find) von der zweiten Woche an gezahlt. Voraussetzung für oder zurückwerfen könnte; England ist jetzt politisch so rege, den Bezug dieser Unterstützung ist, daß die betreffenden Mit- daß es jede Welle des öffentlichen Lebens start empfindet Der Vorstandsbericht erstreckt sich auf zwei Jahre. glieder sich an den von den örtlichen Organisationen veran- und sich für oder gegen entscheidet. Er spiegelt die gesunde Entwicklung der Organisation wider, stalteten Demonstrationen beteiligen." sowie die Energie und Pflichttreue, mit der sie die Interessen Um den Verband zu kräftigen und seine Mitglieder vor der Arbeiter und Arbeiterinnen vertreten hat. Der Verband Not zu schützen, das heißt kampfestüchtiger zu machen, beließ sich angelegen sein, den besseren Geschäftsgang aus- schloß der Verbandstag unter anderem zwei wichtige Maßzunuzen, um die Arbeitsbedingungen günstiger zu gestalten. regeln: eine Erhöhung der Beiträge und die Ein1904 fanden 829, 1905 940 2ohnbewegungen statt. führung der Krantenunterstüßung. Der VerbandsFür beide Jahre zusammen wurden 955 ohne Arbeits- beitrag soll vom 1. Juli ds. Js. an wöchentlich 50 Pf. für einstellung verlaufene Lohnbewegungen gezählt, 519 AngriffHenriette Roland- Holst. Sechster Verbandstag des Deutschen Holzarbeiterverbandes. In dem neu erbauten Volkshaus zu Köln wurde vom 20. bis 27. Mai der sechste Verbandstag des Deutschen Holzarbeiterverbandes abgehalten. 122 Delegierte aus allen Gauen Deutschlands nahmen an ihm teil. * Die Zunahme der Bevölkerung betrug von 1889 bis 1899 13,16 Prozent, die Zunahme der erwerbstätigen Männer 14,72, der erwerbstätigen Frauen 22,78 Prozent, männliche und 25 Pf. für weibliche Mitglieder betragen. Vom 1. Januar 1907 ab gewährt die Organisation Krantenunterstützung auf Grund folgender Norm: An arbeitsunfähige( erkrankte) Mitglieder, welche minde stens 52 Wochen dem Verband angehören und für diese Zeit Die Rede des Premierministers wurde von den Vertreterinnen der bürgerlichen Frauenorganisationen mit Beifall aufgenommen, dagegen von den Vertreterinnen der proletarischen Organisationen mit Unwillen. Nach der Audienz löste fich die Demonstration in ihre Elemente auf; die bürgerlichen Frauen begaben sich nach einer Halle, wo sie eine von 1500 Personen besuchte Verfammlung abhielten, in der eine Resolution folgenden Inhaltes angenommen wurde:" Die Versammlung dankt dem Premierminister für seine persönliche Sympathie, aber sie gibt ihrem Bedauern und ihrer Enttäuschung darüber Ausdruck, daß troh der Gerechtigkeit ihrer Sache und der von den 80 Die Gleichheit Nr. 12 Frauen gemachten großen Anstrengungen die Regierung nicht imstande ist, den Frauen das Wahlrecht zu geben. Sie fordert deshalb die Frauen auf, auch fernerhin für ihr Recht zu agitieren, und sie bittet die Regierung, dem Parla- mente während der lausenden Session noch einmal die Ge- legenheit zu geben, das Frauenwahlrecht zu diskutierend— Die Proletarierinnen mit ihren zahlreichen Fahnen und unter den Klängen der Musik begaben sich nach dem Tra- falgar Square(lies: Trafalger Squähr), um da zu demon- strieren. Der Trafalgar Square ist einer der schönsten Plätze Londons; er liegt im politischen Mittelpunkt der Stadt,— nur einige Minuten von den Reichsministerien, den großen Parteiklubs und etwa zehn Minuten vom Parlament. In der Mitte des Platzes erhebt sich das Monument Nelsons, dessen viereckiger Sockel den Volksversammlungen zur Tribüne dient; aufdenvier Seiten des Sockels können etwaMOPersonen Platz nehmen; die Zuhörer stehen am Fuße des Monumentes im weiten Bogen zwischen den kleineren Monumenten und den Springbrunnen, wo der Raum groß genug ist, viele Tausende Personen zu umfassen. Dorthin begab sich die Arbeiterinnendemonstration. Die Rednerinnen, die Organisatorinnen und die Preßleute standen auf drei Seiten des Sockels, wo auch die verschiedenen Fahnen aufgestellt waren. Das Wetter war schön, und da in England am Sonnabend die meisten Fabriken, Werk- stätten und die großen Geschäfte schon um 2 Uhr nachmittags schließen, so hatten viele Arbeiterinnen und Ladengehilfinnen die Möglichkeit, an der Demonstration teilzunehmen. Auf der Tribüne befanden sich auch etwa 3V Arbeite- rinnen aus dem Norden Englands, die am Freitag gekommen waren, um an der Demonstration teilnehmen zu können. Es waren Mädchen und Frauen, die in Baumwoll- und Woll- fabriken, im Bergbau, als Kleidermacherinnen usw. beschäftigt sind. Sie waren alle nett gekleidet und sahen recht frisch und aufgeweckt aus. Sie sagten mir, im Norden Englands sei die Frauenbewegung sehr stark, da die Arbeiterinnen überzeugt sind, daß sie nur durch die politische Gleichstellung mit den Männern auch ökonomisch— auf der Lohnliste— zur Gleichstellung gelangen werden. Die Bewegung ist dort eifrig an der Arbeit, der Entrechtung der Frauen ein Ende zu machen. Ihre Selbstachtung gestattet es den Frauen nicht, als minderwertig betrachtet zu werden.— Erwähnenswert ist auch die aus zwei Arbeiterinnen bestandene französische Delegation, die die Pariser Frauenbewegung(Feininistinnen) vertrat. Sie trugen eine rote Fahne mit einer französischen Inschrift. Als Rednerinnen traten meistens Frauen auf: Pankhurst, Billington, Kenny, Lawrence, Montefiore und andere minder bekannte Genossinnen. In Trafalgar Square überwog das sozialistische Element; die Reden waren durchaus sozialistisch. Die Zuhörer, mindestens 8000 Frauen, Mädchen und Männer, bestanden zum größten Teil aus Arbeiterinnen und Arbeitern, jedoch befanden sich auch— nach Zeitungsberichten— mehrere Lords darunter. Keir Hardie sprach dreimal: von jeder Seite des Sockels; ebenso Genossin Kenny, eine Textil- arbeiterin von hervorragendem Rednertalent. Die Versamm- lung dauerte von 2 bis 6 Uhr. Am Sonntag hielten die aus der Provinz gekommenen Arbeiterinnen eine Versammlung im Hyde Park ab. Das Wetter war regnerisch, aber der Regen konnte den En- thusiasmus der Frauen nicht abkühlen. Folgende Resolution wurde da angenommen und der Regierung übersandt:„An- gesichts des drückenden ökonomischen Bedürfnisses der Frauen nach dem Wahlrecht, protestieren wir mit aller uns zu Ge- böte stehenden Kraft gegen die Gleichgültigkeit und die Saumseligkeit der Regierung in dieser Frage. Wir ver- langen die sofortige Einbringung einer Vorlage, die die Gleichstellung der beiden Geschlechter verwirklicht." Im ganzen konnte man sich des Eindrucks nicht er- wehren, daß es sich um eine sehr ernste Sache handelt. Die ganze Demonstration hatte nichts Künstliches, nichts Thea- tralisches an sich. Sie zeigte, daß die Frauen entschlossen sind, ihre Forderung um jeden Preis durchzusetzen. Ein merkwürdiger Zufall wollte es, daß diese Demon- stration am 100. Geburtstage John Stuart Mills stattfand, der ein großer Denker und einer der bedeutendsten Vorkämpfer für die Gleichberechtigung des weiblichen Geschlechtes gewesen ist. Am 20. Mai 1837 hielt er im englischen Parlament eine berühmte Rede für das Frauenwahlrecht, und im Jahre 1869 veröffentlichte er ein Buch:„Die Hörigkeit der Frau", das noch heute zu den Hauptwerken der Literatur zugunsten des Frauenwahlrechtes gehört. Einige Redner der Demon- stration verfehlten es nicht, Mills zu gedenken. M. Beer-London. Der Kampf um die Rente. Von E. G. iSchluß., Das eintreffende Urteil des Schiedsgerichtes trat voll- ständig den Behauptungen der Berufsgenossenschaft bei und erachtete den Kläger nur zu 66-/z Prozent erwerbsbeschränkt, da er fähig sei, leichtere Arbeit zu verrichten. Verschweigen konnte man leider dem Verletzten diese niederschmetternde Entscheidung nicht, weil Rekurs dagegen innerhalb Monats- frist vom Tage der Zustellung an bei den» Reichsversiche- rungsamt zu Berlin eingelegt werden mußte. Der als Ein- schreibebrief an das Reichsversicherungsamt abgegangene, von Hartmaun verfaßte Rekurs wies ausdrückltch auf den jetzigen verschlimmerten Zustand des Verletzten hin. Kaum war er jedoch abgegangen, so kain schon wieder eine neue Hiobspost! Die Berufsgenossenschaft teilte dem Verletzten zur„Aufmunterung" mit, daß er nach„erfolgreicher Kur" als bedeutend gebessert aus der Heilanstalt enrlaffen morden sei, so daß der Grad seiner heutigen Erwerbsbeschränkung gar nur noch— 80 Prozent betrage. Von der neugemeldeten Erkrankung Webers war in dem Schreiben gar keine Rede. „Gibt es noch eine Gerechtigkeit?" schrie der Schwerkranke ein über das andere Mal auf. Seine Kräfte ließen von Tag zu Tag nach. Der Arzt konnte dem Fieber keinen Ein- halt mehr gebieten. In dieser Zeit traf der zweite Bescheid ein, der die öv Prozent Rente bestätigte. Zähneknirschend legte Hartmann gegen ihn Berufung ein. Endlich hatte auch die Berufsgenoffenschaft die Eingabe des Verletzten über seine Neuerkrankung soweit„verarbeitet", daß sie ihn aufforderte, sich unverzüglich ihrem Vertrauens- arzt in dessen Sprechstunde vorzustellen!!! Erschrocken widerriet außer Hartmann auch der Hausarzt den Gang in die Sprechstunde. Deutlich sah er, daß die Vorstellung ein Ding der Unmöglichkeit war. Weber konnte der Aufforderung des Kreisarztes, der Karte auf Karte sandte, keine Folge mehr leisten. Er starb in der Nacht, nachdem ihm die Berufsgenossenschaft drohend geschrieben hatte, daß ihm die Rente entzogen werde, wenn er sich dem Arzte nicht bald vorstelle. Der arme Verletzte hatte endlich ausgelitten. Nachdem Hartmann die Familie Webers einigermaßen getröstet hatte, meldete er der Berufsgenoffenschaft den Todesfall. Die Meldung mußte von der Witwe unterschrieben werden. Auf Hartmanns Geheiß hatte diese auch auf dem Standesamt eine Sterbeurkunde zu verlangen, die unentgeltlich verabfolgt werden mußte. Dieses Dokument war der Meldung vom Ableben des Verletzten beizufügen. Einem Kollegen gegen- über, der den„Fall Weber" mit großem Interesse verfolgt hatte, meinte Hartmaun bitter, man muß die Sterbeurkunde schon deshalb einsenden, daß die Herren glauben, daß Weber wirklich tot sei! Bevor die Überreste des Verletzten zu Grabe getragen wurden, bat Hartmann den Hausarzt noch, doch im Interesse der Familie genau die Todesursache feststellen zu wollen. Von der Berufsgenossenschaft könne ja leicht bestritten wer- den, daß der Tod eine Folge des Unfalls sei, so daß die Hinterbliebenenrente verringert werde. Auf wiederholtes Zureden entschloß sich deshalb auch Frau Weber, in die Leichenöffnung zu willigen. Der zugezogene Spezialarzt konstatierte seinerseits ebenfalls, daß der Tod durch eine Ver- schlimmerung der Unfallfolgen verursacht worden sei. Dem Schiedsgericht und dem Reichsversicherungsamt teilte Hart- mann das Ableben des Verletzten mit. Lange schon ruhte Weber in seinem Grabe, und noch immer nicht hatte die Berufsgenossenschaft den Hinterbliebenen die so notwendige Rente ausgezahlt. Die auf der Post an- gewiesene Rente konnte Frau Weber nicht erheben, weil diese ja für den Verletzten selbst bestimmt war. Endlich kam der Bescheid, daß die Witwe erst noch eine Heirats- Urkunde einzureichen habe, bevor die Familienrente festgesetzt werden könne. Das Reichsversicherungsamt entschied in- zwischen, daß der Rekurs des Verletzten abzuweisen sei, weil eine höhere Erwerbsbeschränkung nicht nachgewiesen worden wäre. Das Schiedsgericht nahm jedoch wenigstens von dem eingetretenen Tode Webers insofern Notiz, als es dem be- handelnden Arzte die Frage vorlegte, wann die Verschlim- merung eingetreten sei. Auf Grund des Gutachtens erklärte sich dann die Berufsgenossenschaft großmütig bereit, der Familie für die letzten Tage die Vollrente freiwillig zu zahlen. Dadurch war die Berufung erledigt. Nur durch den Tod konnte der„Beweis" erbracht werden, daß Weber kein Simulant war, wofür ihn die Berufsgenossenschaft und die Gerichte hielten, meinte Hartmann zu seinen Kollegen. Nach geraumer Zeit traf endlich der Bescheid der Be- rufsgenoffenschaft auf die letzte Eingabe ein. Hartmann er- klärte der Witwe Weber das Schreiben dahin, daß ihr an Sterbegeld der 18. Teil des Jahresverdienstes ihres ver- storbenen Ehemannes, gleich 90 Mk.> ausgezahlt werde. Die Rente für sie und ihre Kinder betrage 60 Prozent dieses Lohnes, wie ihr ja schon während der Pflege des Verstorbenen in der Heilanstalt ausgezahlt worden sei. Sie beziehe also monatlich zusammen 67,83 Mk. Rente vom Tage des Todes- falls an. Die Kinder würden die Rente erhalten, bis sie das 15. Lebensjahr erreicht hätten; da nun vier Kinder vor- handen wären, so würde der gleiche Betrag an Rente auch weitergezahlt, nachdem die beiden ältesten Kinder 15 Jahre alt geworden seien. Für jedes Kind würden nämlich 20 Pro- zent des Jahresverdienstes, zusammen jedoch nur 60 Prozent gezahlt. Frau Weber erhalte die Rente von 20 Prozent bis zu ihrem Tode oder ihrer Wiederverheiratung. Im Falle der Wiederverheiratung stehen ihr nach geschlossener Ehe 60 Prozent des Jahresverdienstes, in diesem Falle 813 Mk. als Abfindung zu. Die Berufsgenossenschaft hätte natürlich nichts dagegen, wenn die noch junge Witwe wieder heiraten werde, denn dadurch würde sie den„Fall Weber" bald los. Aus der Bewegung. Von der Agitation. Im Auftrag des Agitationskomitees für Hessen-Nassau sprach die Unterzeichnete in Versammlungen in der Provinz sowie im Großherzog- tum Hessen. Eine stark besuchte Versammlung in Hom- bürg v. d. Höhe bildete den Anfang der Tour. Die Beteiligung der Frauen daran hätte eine bessere sein können, doch gelang es, unserer„Gleichheit" in etwa zwei Dutzend Exemplaren Eingang zu verschaffen; dazu kommt noch ein guter Erfolg für die Partei und die Verbreitung der„Bolls- stimme". Die Versammlung in Launsbach(Wahlkreis Wetzlar war glänzend besucht; aus allen Orten der Um- ge waren Männer und Frauen in großer Zahl herbei- gee. namentlich die letzteren waren sehr stark vertreten. Nachdcm in dieser Versammlung unsere„Gleichheit" von einer Anzahl Familien abonniert ward, wird Genossin Vauth-Wetzlar gemeinsam mit den Genossen und Ge- nossinnen des Ortes für eine weitere Verbreitung Sorge tragen. In Langendiebach bei Hanau hatten die Ge- nossen eine Maifestversammlung arrangiert, in welcher der Bürgermeister sich berufen fühlte, der Referentin vor- zuschreiben, was sie nicht sagen dürfe. Wir machten dem Herrn jedoch klar, daß das nicht seines Amtes sei. Eine Genossin war bereit, den Posten der Vertrauensperson zu übernehmen, und zirka 30 Abonnenten der„Gleichheit" meldeten sich. Der 1. Mai brachte uns nach Frank- furt a. M. Die Morgenversammlung im Gallussaal war ebenso überfüllt wie die in den übrigen Lokalen. Ungemein angenehm empfand man die praktische Agitationsarbeit, welche von unseren Genossinnen geleistet ward. Mitte Mai fand in Frankfurt a. M. eine zweite Versammlung im Gewerkschaftshaus statt zur Agitation unter den Frauen. Anläßlich der Reichstagsnachwahl im Wahlkreis Darm- st a d t referierte die Unterzeichnete in Mörfelden und Weiterstadt. Glänzend besucht und von gutem, greif- barem Erfolg war die Versammlung in Kelkh ei m, wo sich eine recht intelligente Genossin für den Posten der Ver- trauensperson fand. In der überfüllten Versammlung in Griesheim referierte zum zweiten Punkte, über den Frauenbildungsverein, Genossin Schulze-Frankfurt, die auch einen guten Erfolg für den Verein erzielte. Sössen- heim und Biebrich hatten Maiversammlungen. Im letzteren Orte haben wir einen jungen aufblühenden Frauen- verein, um dessen Weiterentwicklung unsere dortige Ver- trauensperson sich lebhaft bemüht. In die Versamm- lung zu Sossenheim waren die Beamten mit der Weisung gekommen, daß die Frauen sich ins Segment setzen müßten. Wir kritisierten scharf das ungerechtfertigte Vorgehen der Behörde und riefen die Frauen zum Protest dagegen auf, den sie zunächst bekunden möchten durch einmütiges Abonne- ment auf die„Gleichheit". Wir hatten die Genugtuung, daß mehr als 60 Frauen der Aufforderung folgten, und daß eine von Soden anwesende Genossin sich fteiwillig erbot, dort mit der Agitatton unter den Frauen zu beginnen. Ein paar herrliche Versammlungen tagten im Westerwald, und zwar in Höhr und in Wirges. In Höhr, wo eine alte keramische Industrie, die der„Kannenbäcker", sich in jüngster Zeit mehr und mehr zur Großindustrie entwickelt(worüber wir später berichten werden), waren Saal, Gaststube und Garten von dichtgedrängten Menschen besetzt. Im Garten fanden sich auch viele Frauen, im Saale nicht eine einzige- Mit 40 Aufnahmen für die Partei und 22 Abonnenten für die„Volksstimme" faßten wir hier festen Fuß mit unserer Bewegung. In Wirges haben wir durch die Glasarbeiter bereits eine sehr gute Bewegung. Infolge des Schicht- Wechsels in der Glasindustrie konnte leider nur die eine Hälfte der Arbeiter der Versammlung beiwohnen, dafür waren aber die Frauen um so zahlreicher erschienen, so daß der weite Saal dicht besetzt war. Während ihrer Essens- pause von 9 bis 10 Uhr kamen dann auch die Nachtschichller auf ein halbes Stündchen zur Versammlung gesprungen. Zwei Frauen wurden für den Posten der Vertrauens- person gewähll, die„Gleichheit" erhielt 100 neue Lese- rinnen. Die Versaminlung in Aschaffenburg hätte besser besucht sein können. Immerhin wurden 13 Parteimitglieder und einige Gleichheitsabonnenten gewonnen, vor allem aber unserer wackeren Vetrauensperson, Genossin Eugler, der Mut neu gestärkt. Prächtig besucht, zum Teil überfüllt waren die Versammlungen in Wiesbaden, Dotzheim, Vilbel, Oberhöchstadt und Gießen. An allen Orten wurden der Partei neue Mitglieder, der„Vollsstimme" so- wie der„Gleichheit" Abonnenten geworben, so der letzteren in Gießen 50, in Wiesbaden 27, in Vilbel mehr als 30, in Oberhöchstadt ebensoviel. Fast überall ward vor allem durch die Wahl einer weiblichen Vertrauensperson der Grund- stein für eine planmäßige Agitation unter den Frauen ge- legt. Besondere Freude bereitete es, daß an kleinen, oft weltentlegenen Orten sich bereits eine lebhafte Bewegung zeigt, sich gute, zum Teil schon recht starke Parteiorgani- sationen gebildet haben. Es geht eben unaufhaltsam vor- wärts, mit der Allgemeinbewcgung wie auch mit der Frauen- bewegung. Die fast 500 Abonnenten, welche die„Gleichheit" bei dieser Tour gewonnen hat, illustrieren das aufs neue. Luise Zietz. In den Tabakfabriken Schlesiens und Posens werden ungezählte Massen von Arbeiterinnen beschäftigt. Um sie ihrer Organisatton einzureihen, berief der Tabak- arbeite r verband in den folgenden Orten Versamm- lungenein: Görlitz, Hayna», Goldberg, Greiffen- berg, Liegnitz, Sprottau, Breslau, Striegau, Jauer, Oppeln, Wansen, Brieg, Ohlau, Neumarkt, Rawitsch, Posen, Birnbaum, Schwerin, Schönlanke und Bromberg. Auf der Tagesordnung stand:„Die Arbeiterin als Hausfrau und Lohnstlavin" und „Die wirtschafttichen Kämpfe der letzten Zeit". Die Be- teiligung an den Versammlungen war groß, trotz der Gegen- agitation der„Christlichen", die sich alle Mühe gegeben hatten, die Arbeiterinnen vom Besuch der Versammlungen zurückzuhalten oder die Saalinhaber zu bestimmen, in letzter Stunde ihre Lokale zurückzuziehen. In Oppeln zum Beispiel hatten die Christlichen in den Arbeitssälen erzählt, daß acht Tage nach der„sozialdemokratischen" Veranstaltung eine Ver- sammlung des Christlichen Tabakarbeiterverbanves stattfinden solle, in welcher eine Referentin aus Berlin die Wahrheit sagen werde. Nichtsdestoweniger waren viele Arbeiterinnen in unserer Versamnilung. Mit ihnen hatten sich auch einige Arbeitgeber eingestellt, welche die Verwaltung des Verbandes besonders eingeladen hatte. Bei einem derselben, einem Herrn Häurich. mackte sich die Wirkung eines durch- " Nr. 12 " Die Gleichheit Genossenschaftliche Rundschau. 81 Mit allen zechten Tages bemerkbar. Trotz mehrmaliger Ermahnung und es ist eine Freude, zu beobachten, wie eifrig sie die soziades Vorsitzenden frakeelte er während des Vortrags so un- liftischen Ideen erfassen. Und so schwer die Ostfriesen für anständig, daß sich einige Arbeitgeber seiner schämten und Neues zu gewinnen sind, so unerschütterlich halten sie an dem Das Königreich Sachsen weist, entsprechend seiner sozialen den Saal verließen. In Schönlante, Sprottau, fest, was sie als recht erkannt haben. Den Genossinnen von Entwicklung, auch die ausgedehnteste und intensivste EntOhlau und Bromberg hatten die„ Christlichen" alle Emden und Norden ein herzliches Glückauf zu ihrer jungen wicklung des Konsumvereinswesens auf. Der Bericht des Hebel in Bewegung gesetzt, dem Deutschen Tabatarbeiter- Bewegung. Berta Gotthusen. Verbandes sächsischer Konsumvereine über die verband die Versammlungen zu verderben. In Sprottau In der Zeit vom 13. bis 18. Mai fanden in Bürgel, Entwicklung im Jahre 1905/06 zeigt den Verband wieder in und Ohlau wurde ihnen gründlich die Wahrheit gesagt. Vinzela, Jena, Gera, Altenburg und Eisenberg führender Stellung unter den deutschen Landesverbänden. Die Versammlung für Bromberg mußte ausfallen, da Frauenversammlungen statt, in welchen Genossin Weyl über Die Zahl der angeschlossenen Vereine stieg von 143 im Vorfeine einzige Tabatarbeiterin anwesend war, dagegen er" Die Frau als Staatsbürgerin und Hausfrau" und" Die jahr auf 155, von denen 151 zur Statistik berichteten, davon schienen zwei Vertreter der Fabrikanten, mit denen Genosse Frau und der Sozialismus" sprach. Die Versammlungen in 145 Konsumvereine mit 222 600 Mitgliedern. Da es sich daStössel tüchtig abrechnete. übrigens fällt an dem Fiasko Vinzela, Altenburg und Eisenberg erfreuten sich eines bei zumeist um Familienhäupter handelt, ist über ein Fünfte! der Versammlung auch den Genossen und Genofsinnen vorzüglichen Besuchs, während die anderen mäßigeren Zu- der fächsischen Bevölkerung genossenschaftlich organisiert. Brombergs ein Teil der Schuld zu, da diese erst einen Tag spruch hatten, was wohl zum Teil auf das sehr schlechte Nach der von 123 Vereinen aufgenommenen Berufsstatistik vorher mit der Agitation begonnen hatten. Zur Versamm Wetter zurückzuführen sein mag. Die Vorträge wurden mit der Mitglieder waren rund 74 Prozent gewerbliche, 2 Prolung selbst waren von den organisierten Genofsinnen nur großem Interesse aufgenommen. Auch durch diese Versamm- zent landwirtschaftliche Lohnarbeiter, 4 Prozent Staatsdrei erschienen. Das ist um so bedauerlicher, als gerade in lungen werden uns neue begeisterte Anhänger und Mit- und Gemeindebeamte und andere, 7 Prozent selbständige Bromberg mit aller Kraft für die Organisierung der Tabak streiter erwachsen sein. K. W. Gewerbetreibende, 1/2 Prozent Landwirte, 11% Prozent arbeiterinnen gewirkt werden müßte. In den Tabatfabriken Um die proletarischen Frauen über den Wert der Dr- Witwen und sonstige Berufslose. Da auch in den übrigen werden die männlichen Arbeitskräfte immer mehr durch weib- ganiſation aufzuklären und sie für einen festen Zusammen- Gruppen das proletarische Element überwiegen dürfte, so liche verdrängt. Um die Arbeiter auszuschalten, gibt man schluß zu gewinnen, wurde kürzlich in Ronsdorf eine sehen wir die Konsumentenorganisation als wirtschaftliche sogar den Arbeiterinnen bessere Arbeit und höhere Löhne öffentliche Versammlung abgehalten, in welcher Genosfin Organisation der Arbeiterschaft eine Tatsache, die das als ihnen. Diese Erscheinung muß zum Nachdenken und zur Plum- Essen das Thema behandelte:„ Warum müssen sich vielfach rücksichtslose und direkt ungerechte Vorgehen staatOrganisation treiben. Marie Wackwig. die Frauen organisieren?" Als zweiter Punkt der Tages- licher und kommunaler, im Dienste kapitalistischer und„ MittelVom 13. bis 22. Mai unternahm Genoffin Baader ordnung wurde die eventuelle Gründung eines Frauen- stands" interessen stehender Behörden gegen die KonsumBerlin auf Veranlassung der Vertrauensperson für Kiel vereins erörtert. Genoffin Seiffert Elberfeld nahm genossenschaften hinreichend erklärt. und Gaarden eine Agitationstour im vierten schleswig- dazu das Wort. Sie sprach sich in übereinstimmung mit Trotzdem ist der Fortschritt unverkennbar. Die Mitholsteinischen Wahlkreis. Sie sprach in den Orten der Referentin für eine lose Organisation aus. Die Ver- gliederzunahme betrug rund 10900= 5 Prozent des vorNortorf, Neumünster, Gaarden, Kiel, Winter sammelten erklärten sich durch Abstimmung mit dem Vor- jährigen Bestandes. Der Umsatz stieg von 57 056 400 auf bet, Preez, Rendsburg und Kopperpahl über das schlag einverstanden und wählten die Genossinnen 2u3-61 804 900 Mt., das ist um 8% Prozent. Auf ein Mitglied Thema:„ Die Frau im politischen Kampfe der Gegenwart." brint und Wilke provisorisch in den Vorstand. Die Ver- entfiel ein Umsatz von 269 Mt. Der Reinüberschuß betief In Ellerbek mußte die Versammlung ausfallen, da der sammlung, in der Agitationsnummern der„ Gleichheit" fich auf 7013 000 Mt., wovon 6460 200 mt. als RückVertrauensmann leider die Anmeldung versäumt hatte. Die verteilt wurden, führte derselben 13 neue Leserinnen zu, vergütung an die Mitglieder verteilt wurden: durchVersammlungen zeitigten, wenn auch einige hätten besser be so daß unsere Frauenzeitung in Ronsdorf insgesamt 53 Abon- schnittlich 29 Mt. Den eigenen Vereinsfonds wurden 270000 sucht sein können, ein zufriedenstellendes Resultat; so wurden nentinnen zählt, welche seit Ende März gewonnen worden Mark überwiesen, zu gemeinnüßigen Zwecken 102 400 mt. durch die trefflichen Ausführungen der Genoffin Baader in sind. Sehr zu bedauern war angesichts der wichtigen Tages verwandt. Nortorf 8, in Gaarden 56, in Kiel 78, in Winter- ordnung der schwache Besuch der Versammlung von seiten Beschäftigt wurden in der Warenverteilung 1752 weibbet 17, in Preez 12, in Rendsburg 12, in Kopper der Frauen. Das Vorurteil gegen die politische Betätigung liche und 955 männliche Personen, in der eigenen Produktion pahl 34 und in Ellerbek durch besondere Agitation des weiblichen Geschlechtes hält immer noch viele Arbeite- 350 und 235, zusammen 2089, wozu noch 63( 35 männliche, 30 Abonnenten auf die„ Gleichheit" gewonnen. In Winter- rinnen von den Versammlungen fern. Den Bemühungen der 28 weibliche) in Produktiv- und ähnlichen Genossenschaften, bet und Eller bet wurde je eine Rommission von aufgeklärten Genofsinnen gelingt es hoffentlich, in dieser Be- 11( 7 männliche, 4 weibliche) im Volkshaus Chemnitz Bedrei Frauen gebildet, welche die Agitation unter den ziehung recht bald Wandel zu schaffen. S. schäftigte kommen. In der Schneidereigenossenschaft Frauen betreiben sollen. Wenn man bedenkt, daß einesteils In Schmiedeberg referierte Ende April Genossin in Dresden arbeiteten 17 männliche, 25 weibliche Personen. die proletarische Frauenbewegung im Wahlkreis noch sehr Wack wig in einer Volksversammlung über das Thema: In der Hauptsache entfiel die Produktion auf Bäckerei( 20) jung ist es ist erst ein Jahr her, daß Genoffin 3ieß Die wirtschaftlichen Kämpfe der letzten Zeit, und welche und Schlächterei( 10). Die Bäckereien haben fast alle durch ihre Agitation sie in Fluß brachte, und daß andern Folgen zeitigen sie für die Familien?" Ihre Ausführungen achtstündige Arbeitsschicht, völlige Freigabe der drei hohen teils aber feine Industrie vorhanden ist, in der Frauen be- fanden die lebhafte Zustimmung der Versammelten. In der Feste, alljährlichen Urlaub von einer Woche mit fortlaufendem schäftigt werden, so kann man mit unseren Fortschritten zu Debatte forderte Genossin Brückner die in großer Zahl Lohne, Badegelegenheit usw. eingeführt und den mit dem frieden sein. Ein guter Maßstab für die Entwicklung unserer erschienenen Frauen auf, der Organisation beizutreten und Bäckerverband vereinbarten Tarif anerkannt. proletarischen Frauenbewegung ist die Abonnentenzahl der die" Gleichheit" zu lesen. Ihre Worte fielen bei 10 Frauen anderen im Betrieb beschäftigten Personen sollen ähnliche Gleichheit". Sie beträgt in Gaarden annähernd 350, in auf fruchtbaren Boden. Ida Albrecht. Vereinbarungen getroffen werden, nur kann den in der WarenRiel etwa 300, das ist innerhalb eines Jahres ein ganz Jahresbericht der Vertrauensperson der Genoffinnen verteilung Beschäftigten die achtstündige Arbeitszeit vorläufig hübscher Erfolg. Hoffen wir, daß wir 1906 ebenso vorwärts Mannheims. Die proletarische Frauenbewegung Mann- nicht gewährt werden. Für etwaige Differenzen sind zum tommen. Th. Niendorf. heims, die im April 1905 einsetzte, kann dant rührigster Teil Arbeiterausschüsse und Schiedsgerichte geschaffen worden. Der Vorsitzende des ersten hannoverschen Wahlkreises be- Arbeit der Genofsinnen auf ein Jahr der erfolgreichsten Wenn auch die Verhältnisse der Beschäftigten in manchem traute die Unterzeichnete damit, in Ostfriesland, wo bisher Tätigkeit zurückblicken. Der sozialdemokratische Frauen- gebeffert werden könnten, so sind sie doch gegen die Privattrotz wiederholter Agitation unter den Frauen kein greifbarer verein, welcher mit 120 Mitgliedern gegründet wurde, zählt betriebe weit voraus", bemerkt zutreffend der Bericht, der Erfolg erzielt worden war, zu Emden, Norden und Leer deren jetzt 450. Die Genossinnen sind freudig für ihre Dr- auch die Unterstützungstasse warm und hoffentlich auch mit in gewerkschaftlichen und politischen Versammlungen über ganisation tätig, ohne Mühe und Opfer zu scheuen; sie lassen Erfolg empfiehlt. den Zweck und Nußen der gewerkschaftlichen und politischen feine Gelegenheit ungenützt vorübergehen, welche die junge Er weist weiter eine Bilanz auf, die sich auf 27232900 Organisation auch für die Frauen" zu referieren. In Emden Frauenbewegung fördern kann. In Versammlungen, bei Mark beläuft und eine Erhöhung der Attiva um 2286 200 ML Die Geschäftsguthaben der Mitglieder betrugen waren die Behörden schon mehrmals gegen die Beteiligung unterhaltenden und festlichen Veranstaltungen, durch Haus- ergibt. der Frauen an Versammlungen eingeschritten, und da die agitation suchen sie ihr neue Anhängerinnen zu werben. Ein 5851 100 Mt., Reserve- und sonstige eigene Fonds 2526 800 Metall- und Hafenarbeiter in der Folge nicht mit der Stamm von Genofsinnen läßt sich besonders angelegen sein, Mart, Spareinlagen, Hausanteile der Mitglieder usw. Anwesenheit weiblicher Zuhörer für ihre Versammlungen die Mitglieder im Wochenbett und bei Krankheiten liebevoll 3 625 500 Mt. So stellen die Konsumvereine nach etwas rechneten, mußte die Referentin das Thema ihres Vortrags zu pflegen und ihnen in Fällen der Not persönlich wie über zwanzigjähriger, bewußt gepflegter Entwicklung bereits ändern. Zur Versammlung der Hafenarbeiter tamen aber materiell helfend zur Seite zu stehen. Durch ihr aufopferndes einen ansehnlichen Machtfaktor des arbeitenden Volkes dar. trotz allem Frauen in größerer Anzahl, welche von der Refe- Wirken gewinnen sie auch die rückständigsten Frauen für Möge er immer weiter und wirksamer entfaltet, möge die rentin auf die für den nächsten Tag anberaumte Frauen- unsere Jdeale. Zur guten Entwicklung der Mannheimer genossenschaftliche Idee in ihrer Reinheit immer mehr, von versammlung hingewiesen wurden. Der Behörde von Emden proletarischen Frauenbewegung haben sie ganz erheblich bei- anhaftenden Schlacken kapitalistischer überlieferung befreit, gefiel es jedoch, die Versammlung zu verbieten, und zwar getragen, und es gebührt ihnen Anerkennung und Dank. ausgebildet werden: ein Mittel zur wirtschaftlichen Hebung, nur deshalb, weil der Vorsitzende des sozialdemokratischen Außer zwölf Mitgliederversammlungen haben im Laufe des Erziehung und Befreiung der Vollsmasse, ein Vorbild für Wahlvereins sie angemeldet hatte. In einer daraufhin sofort Jahres zwei öffentliche Frauenversammlungen stattgefunden, die ganze deutsche Arbeiterschaft! Der Rat von Dresden einberufenen Boltsversammlung konnte schließlich das Thema in welchen Genoffin Kähler und Genosse Borchardt refe- hat das Verbot der Zugehörig feit zu Konsumvereinen wieder ungehindert erörtert werden. Mit der Leitung der weiteren rierten. Der schriftlichen Agitation diente die Gleichheit", aus der städtischen Arbeitsordnung entfernt. Der Geschäftsbericht der GroßeinkaufsgesellAgitation unter den Proletarierinnen wurde Genossin die das obligatorische Organ des sozialdemokratischen FrauenSchüning betraut, die reges Interesse und Energie für ihr vereins ist. Sie hat den Genossinnen Anregungen und schaft für 1905 weist eine gesunde Weiterentwicklung dieser Amt mitbringt. 25 Versammlungsbesucherinnen abonnierten Kenntnisse gebracht und ihnen stets durch das Beispiel der geschäftlichen Zentrale der deutschen Konsumvereine auf. sich auf die„ Gleichheit". Wenn die Genossen mit Rat und tätigen Schwestern in den anderen Orten aufs neue den Die Zahl der angeschlossenen Vereine stieg von 348 auf 386, Tat den Genofsinnen zur Seite stehen und sie an ihren Mut und die Kraft zum Kampfe gestärkt. Der Entwicklung die der kaufenden von 1366 auf 1395. Der Umsatz stieg Kämpfen teilnehmen lassen, so wird die proletarische Frauen- der Bewegung entsprechend waren die Kassenverhältnisse der von 33 929 400 mt. auf 38 780 200 mt, das ist um 14,3 Prozent. bewegung in Emden bald rüftig vorwärts schreiten. Für Organisation sehr gute. Den Einnahmen von 1163,27 Mt. Das laufende Jahr weist bereits eine erheblich stärkere Zudie Volksversammlung in Norden war intensiv vorgearbeitet standen 952,53 Mt. Ausgaben gegenüber. Tellersammlungen nahme auf: im ersten Vierteljahr einen Umsatz von rund worden, Genossin Forkel wurde als Vertrauensperson ge- zugunsten erkrankter Genofsinnen ergaben 56 Mt. Am 1. April 10 027 000 mt. gegen 8 181 000 mt. i. V.( mehr 22% Prowählt. Die Referentin machte ebenso wie in Emden die dieses Jahres hat sich die sozialdemokratische Frauenorgani- zent). Eine starte Entwicklung weist der Umsatz in ManuFrauen auf ihre Pflicht aufmerksam, alle bürgerlichen Klatsch- sation Mannheims dem sozialdemokratischen Verein ange- faktur- und Schuhwaren auf, der die Höhe von 2540 000 Mt. blätter aus ihren Wohnungen zu verbannen und nur die schlossen, an den auch ihre Kasse und ihre Verwaltung über- erreichte. Von genossenschaftlichen Organisationen Parteipreffe zu lesen. Der„ Gleichheit" wurden 25 Abon- gegangen sind. Eine gut besuchte Versammlung erteilte wurden Waren für 852 900 mt. bezogen( i. V. 639 650 Mt.), nentinnen zugeführt. In Leer, wo die Metallarbeiter noch Genoffin Hoffmann als Vertrauensperson und Kassiererin wozu noch der Umsatz der Verlagsanstalt des Zentralimmer im Kampfe um ihr Koalitionsrecht stehen, war durch Decharge und übertrug ihr für das neue Jahr wiederum verbandes in Höhe von rund 250 000 Mt. tommt. Am ein Mißverständnis statt einer Volksversammlung eine Mit den Posten als Vertrauensperson. Als Schriftführerinnen höchsten war der Bezug von der Tabakarbeitergliederversammlung des Metallarbeiterverbandes einberufen wurden die Genoffinnen Blase und Schüt gewählt. Wie genossenschaft mit 298 300 Mt., von deren Geschäftsworden. Aber nicht lange mehr, und die Proletarierinnen bisher werden die organisierten Proletarierinnen Mannheims von Leer werden dem Beispiel ihrer Schwestern von Emden weiter ihre Pflicht erfüllen. Sie beherzigen des Dichters Worte: und Norden folgen. Der Protenhochmut der Fabrikanten hat ihnen über ihre Interessen und ihre Pflichten die Augen geöffnet. Neben der Aussperrung hat eine Sturmflut viele Arbeiterfamilien schwer geschädigt, und hätte nicht die Dr ganisation hinter ihnen gestanden, so wären sie der bittersten Not ausgesetzt gewesen. Wenn dieser Bericht erscheint, wird der Kampf wahrscheinlich entschieden sein, und zwar hoffent lich nicht zuungunsten der Arbeiter. Durch seine Heraufbeschwörung haben die Fabrikanten, wenn auch ungewollt, fehr viel zu Aufrüttelung der Proletarierinnen beigetragen, Wo oft die Männer feige sünd'gen Durch Zagen an dem Geist der Zeit, Erhebt euch, Frauen, ihr Unmünd'gen, Ein Wort der Freiheit zu verkünd'gen, Tragt rote Fahnen in den Streit! Verlaßt der Stuben enge Feier, In die Geschichte tretet ein, Habt ihr Gesang so schlagt die Leier, " Und habt ihr Schönheit wählt euch Freier, Doch seien es Freie, die euch frein. Stephanie Hoffmann. anteilen die G.-E.-G. den weitaus größten Teil besitzt. In nicht ferner Zeit wird diese Genossenschaft, die heute über 250 Arbeiter beschäftigt, ein Produktivbetrieb der G.-E.-G. sein, deren Produktion sich bis jetzt auf die Kaffeerösterei ( Umsatz 812000 Kilogramm) beschränkt. Die vor zwei Jahren beschlossene Erhöhung des Stammtapitals von 500 000 auf 750 000 Mt. konnte nach Volleinzahlung dieses Betrags Ende Mai 1905 ins Handelsregister eingetragen werden. Jetzt wird eine weitere Erhöhung auf 1000 000 Mt. beantragt, außerdem von dem Reinüberschuß von 238 600( 200 340) Mt. eine Zuweisung von 133 820 Mt. an die eigenen Fonds, die dadurch auf 82 Die Gleichheit Nr. 12 380 200 Mt. steigen würden. So bietet alles das Bild einer| sation als den berufenen Vertreter der Organisierten ge-[ letteren sehr zahlreich vertreten. Während des Referats der ebenso lebhaften wie träftig fundamentierten Entwicklung. schlagen wird. Besonders erfreulich ist der Umstand, daß die Unterzeichneten über„ Dienstbotenbewegung und Stellenvers Im Konsumverein Ludwigshafen haben die seit Arbeiterinnen ausnahmslos feststehen und allen Lockrufen mittlung" machten sie sich durch Zwischenrufe bemerklich, die Jahren bestehenden Differenzen zwischen dem gewerkschaft der Unternehmer gegenüber taube Ohren zeigen. deutlich ihre Wut über die Ausführungen verrieten. Wie lichen und dem bürgerlichen Element der Mitgliedschaft durch Die Tabakindustrie ist nun vom nimmersatten Reichs- die Kampfhähne saßen die Vermittlerinnen da und schüchterten Neuwahl einer vollständig dem Kreise der fortgeschrittenen fistus doch noch mit der Steuerschraube bedacht worden. durch ihr Auftreten die Mädchen derart eift, daß diese nicht Arbeiterschaft angehörenden Verwaltung eine radikale Lösung Die Banderolensteuer für die Zigaretten ist so gut wie sicher wagten, in der Diskussion das Wort zu ergreifen. Freilich: gefunden. Der Verein, der unter der veralteten Zeitung unter Dach und Fach, obgleich die dritte Lesung des ent- auch keine der Stellenvermittlerinnen meldete sich zum Wort. bisher einen Stillstand der Entwicklung aufwies, dürfte nun- sprechenden Entwurfs im Reichstag noch aussteht. Durch Sie tobten ihre Wut in lauten Zwiegesprächen und Zurufen mehr eine kraftvolle Aufwärtsbewegung nach dem Muster die Steuer wird natürlich die Zigarettenfabrikation sehr ge- aus, zerrissen die Flugblätter und erflärten unumwunden, der benachbarten Arbeiterkonsumvereine erleben. schädigt, und da in dieser zahlreiche Arbeiterinnen beschäftigt daß sie sich rächen würden. Die Mädchen hatten unterdes Der Verband der belgischen Konsumvereine erzielte in sind, werden viele Proletarierinnen arbeits- und brotlos, Mittel und Wege gefunden, trotz ihres Schweigens ihre Zuseiner Zentralstelle im Jahre 1905 einen Umsatz von 1492000 für andere verschlechtern sich die Erwerbsverhältnisse. Aber stimmung zu den Ausführungen der Referentin und der Mart, gegen 1303 000 mt. im Jahre 1904. Davon entfielen was fragt der Staat des Ausbeutertums nach dem Elend, Gründung einer Organisation zu bekunden. Sie hatten 629 000 Mt. auf Erzeugnisse der Produktivgenossenschaften. das er über die Ausgebeuteten bringt. Er braucht Steuern, fleißig die Aufnahmescheine in die Organisation ausgefüllt Das Anteiltapital beträgt 61000 Mt. Dem Verband sind und seinem Wesen nach holt er diese nicht aus den feuer- und baten, den Stellenvermittlerinnen ja nicht die Namen 93 Vereine angeschlossen. sicheren Geldschränken, sondern aus dem mageren Beutelchen derjenigen zu nennen, die sich dem Verein angeschlossen Auf der Weltausstellung in Mailand ist eine be- des armen Mannes. hatten. Als die Vorsitzende verkünden konnte, daß sich 50 sondere Abteilung für genossenschaftlichen Geschäftsbetrieb Die Lokalorganisierten können nicht die gleiche er- Dienstmädchen der Organisation angeschlossen hätten, brach eingerichtet, auf der die englischen, französischen, schweize- freuliche Entwicklung vermelden, welche die Verbandstage der ein wahres Wutgeheul der edlen Damen los. Welch großen rischen und belgischen Konsumvereine vertreten sind. zentralisierten Gewerkschaften dargetan haben. Auf ihrem letzten Druck die Anwesenheit dieser Freundinnen" der DienstEin zweites Retonvaleszentenheim, an der See Kongreß, der kürzlich stattfand, mußte fonstatiert werden, daß mädchen auf diese ausgeübt hat, wird durch eine Tatsache gelegen, haben die englischen Konsumvereine eröffnet. In die Mitgliederzahl rückwärts geht. Und das ist erklärlich genug. beleuchtet. Ein ungeheurer Jubel ertönte, als am Schlusse England gibt es bekanntlich keine gesetzliche Kranken- oder In einer Zeit, wo das Ausbeutertum sich immer fester zu der Versammlung bekanntgegeben wurde, daß zur nächsten Invalidenversicherung, weshalb auch dieses Feld der Selbst- sammenschließt und gestützt auf seine Arbeitertrugverbände Bersammlung der Dienstmädchen, Haustagelöhnerinnen usw. hilfe verblieben ist, die natürlich in die Kreise der Be- sich immer progiger gebärdet, muß in der Klasse der Aus- die Stellenvermittlerinnen keinen Zutritt haben sollen. Diese dürftigsten niemals eindringt. Erst das planmäßige 3u gebeuteten klarer als je der selbstmörderische Charakter jeder Versammlung findet am 8. Juli statt. Der kostenlose Stellensammenwirken von organisierter Selbsthilfe Sonderbündelei in Erscheinung treten. Schlimm genug, daß nachweis des Dienstbotenvereins Nürnberg, Tucherstraße 36, und staatlicher Einwirkung vermag den schlimmsten die Christlichen und Hirsch- Dunckerschen Gewerkschafts- steht auch den Mädchen von Fürth zur Verfügung. Nach Wirkungen der kapitalistischen Entwicklung die Spize ab- organisationen Zwiespalt und oft genug Berrat in das wirt Schluß der Versammlung schütteten die Mädchen ihr Herz zubrechen. schaftlich kämpfende Proletariat tragen. Die auf dem Boden über das Elend ihrer Lage und die Verschlechterung derDie glänzende Entwicklung des Genossenschaftswesens in des Klassentampfes stehenden Arbeiter müssen jede Sonder- felben durch die Stellenvermittlerinnen aus. Den Stellen Großbritannien wird durch die folgenden Angaben bündelei vermeiden. Angesichts der Zeichen der Zeit, die vermittlerinnen, so erklärten sie, ist daran gelegen, daß unsere illustriert. Die englische Großeinkaufsvereinigung allein zum Zwecke höchster Kraftentfaltung auf Einheit, auf Ben Lage so troftlos miserabel bleibt, wie sie ist. Je öfter die hat im Jahre 1905 für mehr als 420 Millionen Mark Waren tralisation der gewerkschaftlichen Organisationen hindrängen, trasfesten Mißstände uns zwingen, unsere Stelle zu wechseln, umgesetzt. Sie betreibt eine eigene Bant, die über 2000 follten sich die Lokalorganisierten endlich zum Anschluß an um so mehr verdienen sie ja. Herzlos schicken sie uns zu Millionen Mark umgesetzt hat, und folgende Produktiv- die Zentralverbände entschließen, zu dem ihnen seinerzeit Herrschaften, von denen sie wissen, daß sie die Mädchen betriebe: 2 Großmühlen, Biskuitfabrit, Specfiederei, Ron- auch der sozialdemokratische Parteivorstand dringend ge- schlagen, halb verhungern und womöglich 25 Stunden serven, Tabat, Seifenfabrit, 2 Buchdruckereien, 2 Tisch- raten hat. lereien, eine Reihe Fabriken von Bürsten, Drogen, Wäsche, Kleidungsstücken, Strumpfwaren, 2 Flanellwebereien und 3 Tuchfabriken, 3 Schuhfabriken mit einer Erzeugung von über 2 Millionen Paar. Dazu gewaltige Lagerräume, Seeschiffe, Landgüter usw. Verhältnismäßig noch günstiger steht Die Nürnberger Dienstbotenorganisation hielt am den Schlußsah vernahmen, der ihnen vorschreibt, sich nachts die seit 1868 existierende schottische G.-E.-G., die für 27. Mai eine Versammlung ab, in welcher Dr. Adolf Braun mehr als 140 Millionen Mark Waren absetzte. Beide zu über Deutsche und amerikanische Dienstbotenverhältnisse" sammen setzen jetzt also nahe an 600 Millionen Mark jähr- referierte. An der Hand reichen Materials lieferte er den lich um. Seit 1864 betrug ihr Umsatz mehr als 7/2 Milliarden Beweis, daß die amerikanischen Dienstboten weit besser geMart. Sie haben die Lebenshaltung der englischen Volts- stellt sind als die deutschen. Für das ausgezeichnete Referat, massen in dieser Zeit sicher um mehr als 1500 Millionen auf das wir noch zurückkommen, dankten die Mädchen durch Mart verbessert, wozu die vielen indirekten Vorteile lebhaften Beifall. Die Diskussion verlief sehr stürmisch. Ein günstiger Arbeitsverhältnisse, Vermeidung der Schwiharbeit, Dienstmädchen forderte nämlich auf, dem Verein nicht beizu gesteigerte Wirtschaftlichkeit und Voltsbildung und anderes noch hinzukommen. Was ließe sich erst in Deutschland durch planvolles Zusammenwirten aller Zweige der Arbeiterbewegung schaffen. Simon Kagenstein. Gewerkschaftliche Rundschau. " Notizenteil. Dienstbotenfrage. #am Tage arbeiten lassen möchten. Betreffs ihrer Arbeitszeit seien sie zum Teil noch schlechter daran, als das Mädchen der Nürnberger Ingenieursfrau, deren Arbeitsordnung wir in Nr. 11 mitteilten. Diese Arbeitsordnung war in der Versammlung vorgelesen worden, und als die Mädchen mit dem lieben Gott zu unterhalten und zu geloben, am nächsten Tage noch alles besser zu machen, ertönte helles Lachen. Viele der Versammlungsbesucherinnen riefen:„ Das ist für uns vorbei, wir sehen nicht mehr rückwärts, sondern nur vorwärts." Wie verlautet, haben die Stellenvermitt lerinnen eine Versammlung abgehalten und beschlossen, die Unterzeichnete zu verklagen. Sie könnten nichts tun, was uns angenehmer wäre, als die Durchführung dieses Beschlusses. Geschieht das, so wird gerichtsnotorisch" werden, was gegenwärtig noch zu oft von Leichtgläubigen oder Böswilligen als sozialdemokratische Verdächtigungen und Hezzereien" hingestellt wird. Der jungen Dienstbotenbewegung tönnte es nur förderlich sein, wenn die breiteste Offentlichkeit durch Gerichtsverhandlungen über die schmutzigen Praktiken recht vieler Stellenvermittlerinnen informiert würde. Helene Grünberg. treten. Die bestehenden Mißstände würden auch ohne Organisation von den Herrschaften bereitwillig abgeändert, die Mäd| chen brauchten nur darum zu bitten. Diese Ausführungen riefen eine solche Entrüstung hervor, daß die Rednerin nicht zu Ende sprechen konnte. Die Mädchen riefen:„ Das hat man ihr gut einstudiert, wer weiß, wie lange sie daran lernen mußte. Aber es nutzt nichts. Nicht eine jede versteht es, sich so einzunisten", und wir wollen das auch nicht mitmachen. Nun Die Maifeier, die bekanntlich in diesem Jahre eine stärkere gehen wir erst recht zum Verein!" In der Pause, die zum Fort mit der Gefindeordnung. Diese Forderung beBeteiligung aufwies denn je zuvor, gab einigen Unternehmern Ausfüllen der Aufnahmescheine diente, setzten die Mädchen gründete kürzlich Genoffe Stadthagen in einer Verabermals Anlaß, ihren Standpunkt des„ Herrseins im Hause" ihre Worte in die Tat um. Die Kassiererin, Frau Mertel, fammlung, über die wir bereits berichteten. Der erste Teil dadurch zu markieren, daß sie die Arbeiter auf einige Tage teilte der Versammlung eine Tatsache mit, welche ebenso seines Vortrags behandelte die Entstehung der Gesindeaussperrten. Die Buchbindereibesitzer benutzten jedoch wie die eingepautte Rede zeigt, daß recht viele Herr- ordnungen im historischen Zusammenhang. Genosse Stadtden Moment, um den Arbeitern und Arbeiterinnen den schaften die junge Organisation der Dienstmädchen hassen hagen kennzeichnete darin die Gesinderechtsverhältnisse als Tarif zu kündigen. Daß die Maifeier nur zum Vorwand und fürchten. Einige Mädchen, die dem Verein beigetreten Ruinen, von den Machthabern herübergerettet aus längst ihres Borgehens diente, erhellt daraus, daß die Unternehmer waren, hatten bald nach ihrer Anmeldung ihre Stellungen verflossener Zeit, aufgebaut auf dem Zwangsgesindedienst schon Wochen vorher auf eine Anfrage der Arbeiterorgani- gewechselt, ohne die Verwaltung davon zu benachrichtigen. und der Hörigkeit, wie sie namentlich seit dem 17. Jahrsation bezüglich der im August bevorstehenden Tarifrevision Da ihnen jedoch noch die Mitgliedskarten zugestellt werden hundert sich herausbildeten. Von den preußischen Gesinde erklärten, der Tarif müsse ohne jede Änderung auf weitere mußten, so wandte sich die Kassiererin an die Herrschaften ordnungen datiert die älteste, die heute noch gilt, aus dem fünf Jahre festgelegt werden. Seit Jahren aber sind die mit der Bitte um Angabe der neuen Adressen. Aber jede Jahre 1732. Es ist die des ehemaligen Herzogtums LauenArbeiter und Arbeiterinnen schon daran, den seit 1900 Auskunft wurde ihr verweigert! Die weitere Diskussion warf burg. In Preußen gibt es 19 Gesindeordnungen, die begeltenden Tarif einer sehr notwendigen Revision zu unter- ein grelles Licht auf die Zustände, unter denen die zugehe- züglich der Unterwerfung und der Rechtlosigkeit des Geziehen. Die Unternehmer haben es nie recht ernst mit der rinnen, Buzfrauen und besonders die Frauen zu leiden haben, findes sowie der Bevorrechtung der Herrschaft ziemlich gleich Tarifdurchführung gemeint. Der Beschluß der Berliner welche abends und in der Hälfte der Nacht auf den Aborten find. Im größten Teile Preußens gilt noch heute die GeBahlstelle des Buchbinderverbandes, den 1. Mai durch Ar- der Restaurants usw. beschäftigt sind. Die Abortfrau zum Bei- findeordnung vom 8. November 1810. So auch für Berlin, beitsruhe zu begehen, bot ihnen die längst ersehnte und ge- spiel, die im„ Bürstenkeller" angestellt ist, muß am Tage Tische wo ihr nach der letzten Zählung 85 900 weibliche Dienstsuchte Gelegenheit, sich des lästigen Tarifs entledigen zu scheuern und sonstige Arbeiten verrichten, ohne dafür einen boten unterstehen. Sie enthält, wie Stadthagen weiter auswollen. Die Berliner Unternehmer verlangten nach der Heller zu bekommen. Abends und nachts darf sie dann zur führte, beinahe wörtlich dieselben Vertragsbestimmungen, „ Strafaussperrung" bedingungslose Aufnahme der Arbeit, Belohnung ihre zerschlagenen Glieder im Abortraum aus unter denen vorher das hörige Gesinde zu leiden hatte. die Ausgesperrten dagegen verlangten Wiedereinstellung der ruhen. Diese standalösen Zustände, die nach Abhilfe schreien, Tatsächlich sind auch danach die Arbeitslasten und Pflichten Ausgesperrten an ihre alten Pläge. Das Ansinnen der können nur durch ein einmütiges Zusammentreten aller be- ohne Zeitfrage. Zu jeder Zeit, auch nachts muß das GeLeipziger Prinzipale an ihr Personal, die Berliner Arbeit seitigt werden, welche unter ihnen seufzen. Der Ver- finde" mit Ehrerbietung und Achtung" die Befehle„ der zu machen, wurde abgelehnt, weil die Arbeiter und Arbeite- sammlung wurde mitgeteilt, daß eine Enquete über die Herrschaft" ausführen. 24 Stunden im Tage tann die Kraft rinnen diese Arbeit mit Recht als schimpfliche Streitbrecher- Nürnberger Dienstbotenverhältnisse aufgenommen werden des Gesindes in Anspruch genommen werden. Vervollständigt wird das Gefindeunrecht durch das Gesetz arbeit betrachten; das Gleiche geschah neuerdings auch in wird. Die Mädchen sollten in ihrem eigenen Interesse die Stuttgart. Ausgesperrt sind von den drei Zentren des Fragebogen, welche zu diesem Zwecke ausgegeben werden, über die Einführung von Gesindedienstbüchern und durch das Buchbinderverbandes rund 4000 Personen, darunter über schnell und genau ausfüllen. Am 17. Juni findet eine Mit- Gesetz vom 24. April 1854, betreffend die Verlegung der die Hälfte Arbeiterinnen. Die Unternehmer rechneten gliederversammlung der Organisation im Martin- Behaim" Dienstpflichten des Gesindes und der ländlichen Arbeiter. wohl damit, daß die jetzige Zeit, die sonst für die Buch- statt, am 15. Juli ein Sommervergnügen mit Ball im„ Becken- Dies Gesez bedroht hartnäckigen Ungehorsam oder Widerbinderei nicht zur flotten Saison gehört, ein längeres Aus- garten"( Anfang nachmittags 4 Uhr) und am 5. August ein spenstigkeit des Gesindes mit Strafe; Vertragsverlegungen halten ihrerseits möglich machen würde. Die Rechnung gemeinsamer Ausflug nach Reichelsdorf. Die Filiale in der Herrschaft aber sind straffrei! Mit Gefängnisstrafe bis stimmt aber nicht ganz. Ausnahmsweise soll schon jetzt das Fürth hält am 8. Juli eine allgemeine Dienstbotenversamm zu einem Jahre ist neben ländlichen Arbeitern und SchiffsGeschäftsleben ein beschleunigtes Tempo zeigen, und viele lung in der„ Union" ab. Die Vorsitzende machte am Schlusse tnechten das Gesinde bedroht, welches die Arbeitgeber oder eilige Aufträge bleiben infolge der Aussperrung liegen. bekannt, daß der Verein jetzt bereits 350 Mitglieder habe, die Obrigkeit zu gewissen Handlungen oder Zugeständnissen Außerdem und nicht zum mindesten unterschätzen die Unter- und feuerte die Anwesenden zur unermüdlichen Agitation an, dadurch zu bestimmen sucht, daß es die Einstellung der Arnehmer die Solidarität der Arbeiterschaft und ihre Einsicht damit die Organisation immer mehr in den Stand gesetzt beit oder die Verhinderung derselben bei einzelnen oder in die kapitalistischen Machinationen. Die Arbeiter und werde, die Interessen aller Dienenden Nürnbergs mit Erfolg| mehreren Arbeitgebern verabredet oder zu einer solchen Arbeiterinnen des Buchbindergewerbes erkennen klar, daß vertreten zu können. Helene Grünberg. Verabredung auffordert. Danach schon ist ein Kampf im ihr Rampf in der gegenwärtigen Situation nicht nur der Abwehr der schmählichen Zumutung gilt, Streitarbeit zu machen, daß vielmehr tatsächlich schon die Hauptschlacht um einen günstigeren Tarif und die Anerkennung der Organis " " Die Dienstbotenbewegung in Fürth hat nicht bloß die Sinne des gewerkschaftlichen Kampfes für die Dienenden Mädchen, Waschfrauen usw. mobil gemacht, sondern auch ausgeschlossen. Das Vereinigungsrecht ist ihnen zwar nicht die Stellenvermittlerinnen. In der Versammlung, in welcher genommen, besteht aber tatsächlich nicht, da ja nach der Gedie Gründung des Dienstbotenvereins erfolgte, waren die findeordnung Dienende zu gehorchen haben, wenn die Herr " Nr. 12 Die Gleichheit 83 schaft ihnen den Ausgang verbietet. Die zwangsweise| richtung wetterdichter, heizbarer Eß- und Ankleideräume;| Einkommen steuerpflichtig, die mindestens 3200 Mt.( 160 Pfund Zurückführung in das Dienstverhältnis, die durch das Reichs- 5. die Unternehmer oder verantwortlichen Leiter sind ver- Sterling) jährlich betragen. Genossin Montefiores Einrecht, die Zivilprozeßordnung, auch für das Gesinde beseitigt pflichtet, den auf Ziegeleien beschäftigten Personen gutes tommen geht über dieses Mindestmaß hinaus und ist deshalb ist, wird immer noch mit Billigung des Ministers des Innern Trinkwasser zur Verfügung zu halten; 6. für den Lohn der steuerpflichtig. Nach der englischen Verfassung müssen Steuerund der Verwaltungsgerichte gehandhabt. Die sklavenähn- auf Biegeleien beschäftigten Personen ist der Besitzer oder zahlung und parlamentarische Vertretung Hand in Hand gehen: wer Steuern zahlt, soll auch an der Gesetzgebung liche Unterwerfung der Dienstboten unter die Herrschaften Pächter der Ziegelei haftbar. geht so weit, daß diese vielfach bestraft worden sind, weil Der Gauleiter des Fabritarbeiterverbandes für Magde- teilnehmen. Im Englischen heißt dies furz:" No taxation fie rechtswidrige, unanständige, ihre Würde und ihre Ehre, burg, Genosse Großmann, der in seinem Referat ein über- without representation." In der englischen Revolution des auch ihre weibliche Ehre angreifende Zumutungen nicht mit aus ergreifendes Bild des gegenwärtigen Zieglerelendes ent- 16. Jahrhunderts und im Unabhängigkeitskampf der AmeriEhrerbietung und Bescheidenheit"(§ 76 der Gesindeordnung) rollte, wurde in seinen Ausführungen wirksam unterstützt faner gegen ihr Mutterland zu Ende des 18. Jahrhunderts entgegengenommen haben. Ausdrücke wie Saumensch, lieder von den aus allen Gauen Deutschlands entsandten Dele- spielte dieser Gedanke eine große Rolle, so daß er in Engliche Dirne usw. sind schon als liebenswürdige Kofenamen gierten. Als zunächst auf das dringendste zu erstrebende land schon der Schuljugend bekannt ist. Da die Frauen von betrachtet worden, die nicht zum Verlassen des Dienstes be- Verbesserungen wurden erklärt: 1. Eine den wachsenden Be- der Gesetzgebung ausgeschlossen sind, so sollen sie auch keine rechtigen. Für das Gesinde kennt die Gesindeordnung nur dürfnissen und den gesteigerten Lebensmittelpreisen sowie der Steuern zahlen. Entweder oder. Haben die Frauen sieben Gründe zum Verlassen des Dienstes ohne Kündi- Arbeitsleistung entsprechende Aufbesserung der Löhne; 2. eine staatliche Pflichten, so sollen sie auch Rechte haben. Sind fie gung, dagegen gewährt sie der Herrschaft neunzehn Verkürzung der Arbeitszeit auf höchstens zehn Stunden täg- rechtlos, so entledigen sie sich aller Pflichten gegenüber dem Gründe zur plötzlichen Entlassung. Und soweit das Ge- lich; 3. wöchentliche Lohnzahlung und Aufrechnung der Staate. Als Genossin Montefiore vor einigen Wochen den finde in Betracht kommt, ist zwischen Recht haben und Recht Akkordlöhne; eine höchstens 14 Tage betragende Kündigungs- Steuerzettel erhalten hatte, schrieb sie an die Steuerbehörde friegen noch ein gewaltiger Unterschied. frist; 4. Beseitigung des Kost- und Logiswesens beim Arbeit im Sinne der soeben entwickelten Grundsätze und erklärte, geber; 5. Verbesserung der sanitären Einrichtungen; 5. größeren teine Steuern zahlen zu wollen. Schutz gegen Erkrankungs- und Unfallgefahr. mb. Schlimmer noch als der Wortlaut der Bestimmungen ist Unsere Genossin wohnt in einer der schönsten Gegenden die Auslegung durch die Gerichte, und dornenvoll ist in fast allen Fällen der Rechtsweg. Der Redner bewies dies durch Als Organisation, in der sich die Ziegler sammeln sollen, von West- London( Hammersmith) in der nächsten Nähe des geradezu haarsträubende Beispiele. Ein Gefeß, das derartige empfahl Genosse Knoll- Berlin in seinem Referat zu der Hauses von William Morris. Nach Absendung ihrer KriegsEntscheidungen zuläßt, ist eine Schmach für das ganze Volt, Frage den Fabrikarbeiterverband. Die Konferenz be- erklärung an den Staat ließ sie ihre Vorratskammern mit ein unsittliches Gesetz, weil es Freiheit und Sittlichkeit grob schloß, den Vorstand desselben aufzufordern, auf seinem Proviant füllen und verbarrikadierte das Eingangstor. Vor verletzt. Freilich, dem Klüngel, der in Preußen regiert, mag nächsten Verbandstag die Anstellung eines mit den Ziegler zwei Wochen erschien der Gerichtsvollzieher, mußte aber es ja passen, wenn durch Schläge und Beleidigungen den verhältnissen vertrauten Kollegen zu befürworten, dessen Auf- draußen bleiben. Er erscheint Tag für Tag, um die PfänDienenden die Menschenwürde ausgetrieben wird und wenn gabe es sein soll, gemeinsam mit einer aus Zieglern ge- dung vorzunehmen, ohne indes Einlaß zu finden. Gleichsie arbeiten in ungemessener Arbeitszeit und mit übermensch bildeten Kommission die Agitation zu betreiben, gleichzeitig erscheinen aber auch unsere Genossinnen aus allen licher Anstrengung. zeitig Material zu sammeln über die Arbeits- und Gristenz- Teilen Londons und halten vor dem Hause Versammlungen Das Züchtigungsrecht ist dem Wortlaut des Gesetzes nach bedingungen der Ziegler und Verbesserungen ihrer Lage ab, das Thema ist selbstverständlich das Frauenwahlrecht. durch das Einführungsgesetz zum Bürgerlichen Gesetzbuch anzubahnen. Die Konferenz und die Durchführung der dort Die Presse bringt regelmäßig Situationsberichte, die das aufgehoben worden. Trotzdem wird es in der Praxis straf- gefaßten Beschlüsse werden hoffentlich zum Zusammenschluß ihrige dazu beitragen, die Frauen Englands zur Propaganda los weiter geübt, weil ein preußischer Minister den Fort- der Ziegler in einer leistungsfähigen Organisation beitragen. zu wecken. bestand der Gesindeordnungen proflamierte, welche das Es wäre damit ein rüstiger Schritt vorwärts getan zur Züchtigungsrecht in sich begreifen. Unzweifelhaft aber haben Milderung des grausen Elends, das zu einem gut Teil Dienstboten unter Berufung auf das Bürgerliche Gesetzbuch Frauen- und Kinderelend ist, es wäre damit die Tüchtigkeit das Recht, sich gegen Herrschaften zur Wehre zu setzen, die großer proletarischer Schichten für den Klassenkampf zur Besie schlagen wollen. Gegen die ungerechten Bedingungen seitigung der Ausbeutung erhöht. Luise Zieh. für die Lösung des Dienstverhältnisses, wie sie die Gesindeordnung festlegt, könnten die Dienstboten sich einigermaßen schützen durch schriftliche Verträge, die jene Bedingungen ausschlössen und andere an ihre Stelle setten. Nach dieser Zur Frage des Frauenwahlrechtes in Österreich Richtung muß kräftig agitiert werden. Eine lebhafte Agi- führte Genosse Dr. Adler im Parlament folgendes aus: tation zur Beseitigung der Gesindeordnung und für die Wir begrüßen die Regierungsvorlage als eine Vorlage, die Gleichstellung des Gesindes mit den gewerblichen Arbeitern im großen die Erfüllung des Rechtes des Volkes bringt, muß einsetzen, aber nicht nur bezüglich des Arbeitsverhält- obwohl wir in der Wahlreform des Ministeriums durchaus nisses, sondern auch mit bezug auf die sozialpolitischen Er- nicht ein ideales, unserem Programm entsprechendes Werk rungenschaften, so die Krankenversicherung, die Unfallver- sehen. Die Forderungen des Volkes werden damit lange sicherung, die Gerichtsbarkeit in Streitigkeiten aus dem Ge- nicht erfüllt, und wir können durchaus nicht sagen, hier ist findeverhältnis. Nach einem Hinweis auf den ungeheuren voll gewährt, was das Recht des Volkes ist und das ProProzentsaz von Dienstboten unter den Prostituierten, der sich gramm unserer Partei. Wir verlangen das gleiche Wahl aus deren wirtschaftlicher und geistiger Not erklärt, und nach recht für jeden Staatsbürger ohne Unterschied des Geschlechts einer scharfen Kritik der Heuchelei, welche die bürgerliche vom 20. Lebensjahr an. Sie werden mir einwenden, wir Gesellschaft beherrscht, schloß der Referent: Gegen Unzucht, werden erst mit dem 24. Lebensjahr mündig. Aber, meine gegen Unrecht, gegen Unsittlichkeit und gegen Heuchelei tritt Herren, die arbeitende Masse des Volkes, die wird früher auf, wer eintritt für die Beseitigung des Gesindeunrechtes. mündig, und sie stirbt früher. Darum: Fort mit der Gefindeordnung! Unter dem weiblichen Dienstpersonal St. Petersburgs macht sich gegenwärtig eine Bewegung zugunsten einer Verbesserung ihrer Lage bemerkbar. Die Forderungen, welche bereits im November des verflossenen Jahres ausgearbeitet, aber noch nicht geltend gemacht worden sind, sollen nun be tannt gegeben werden. Falls die Herrschaften auf die Forderungen nicht eingehen, beabsichtigen die Mädchen, den Dienst zu quittieren. Es ist nicht das erste Mal, daß im Verlauf der russischen Revolution die Dienstmädchen den Versuch machen, eine Hebung ihrer Lage herbeizuführen. Als die große Streitwelle durch Rußland flutete, schlossen sich in Warschau und anderen Städten auch die Dienstmädchen dem Ausstand an. Konferenz der in Ziegeleien beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen. " Frauenstimmrecht. Ich wende mich jetzt einem zweiten Mangel zu. Wir verlangen hier nicht und werden darauf verzichten, es zu beantragen, daß den Frauen das Wahlrecht gegeben werde. Wir werden darauf verzichten, weil wir wissen, daß es in diesem Parlament aussichtslos ist; weil wir wissen, daß wir diesen Kampf um das Wahlrecht der Männer nur erschweren würden, wenn wir heute diese Forderung aufstellten. Aber Sie werden mir zugeben, meine Herren, daß, wenn wir auch heute darüber hinweggehen müssen, das nicht ein Zeichen der politischen Einsicht dieses Parlaments, sondern ein Zeichen der Rückständigkeit dieses Landes ist. In anderen Ländern ist die Frage des Frauenwahlrechtes längst spruchreif, in manchen ist sie gelöst worden, und in vielen Ländern wird sie demnächst gelöst werden. Aber selbstverständlich ist für uns, daß das allgemeine Wahlrecht so lange nicht erreicht ist, solange der Hälfte der Bürger und die Frauen sind Bürger, die ebenso Lasten tragen und schwerere Lasten als die Männer nicht ihr Recht gegeben ist." Eine der schlimmsten Domänen kapitalistischer Ausbeutung treffen wir in der Ziegelindustrie. Endlos lange Arbeits- Die volle politische Gleichberechtigung des weiblichen tage, Sonntagsarbeit, ein jammervoller Lohn, Frauen- und Geschlechtes in Rußland durch die Duma wird in einem Kinderarbeit, Beschäftigung fremdländischer Wanderarbeiter, Antrag gefordert, der von 111 Mitgliedern dieser Körperüberaus traurige, jeder Beschreibung spottende Wohnungs- schaft unterzeichnet ist. Eine allgemeine Reform der Ververhältnisse, ein sehr ausgebautes Trucksystem trifft man hier waltung soll auf folgender Grundlage erfolgen: Alle Staatsan. Was Wunder, daß bei den so unmenschlich aus- angehörige beider Geschlechter sind vor dem Gesetz gleich; gebeuteten Lohnstlaven der Organisationsgedanke sehr schwer alle Unterscheidungen nach Gesellschaftsklassen, Nationalität, Fuß faßt. Nach dem letzten Bericht der Ziegeleiberufs- Religion und Geschlecht sind abzuschaffen. genossenschaft sind 284 207 Arbeiter und Arbeiterinnen in der deutschen Ziegelindustrie beschäftigt. Organisiert davon sind leider nur 6000, und zwar 4500 im Fabritarbeiterverband, die übrigen zum Teil bei den Töpfern, Bau- und Transport arbeitern. Für volles Bürgerrecht der Frauen haben sich neuerlich russische Bauern aus dem Gouvernement Samara erklärt. Sie sendeten ihrem Deputierten Schuwalow eine Weisung, in welcher sie ihn auffordern, in der Duma für Preßfreiheit, Vereins- und Versammlungsfreiheit, Meinungsfreiheit und Wahlrecht ohne Unterschied des Glaubens und Geschlechtes einzutreten. Um den Organisationsgedanken unter den Zieglern zu wecken und zu beleben, fand an den Pfingsttagen in Magdeburg eine Konferenz statt. Der Vorsitzende des Fabrik- Die Einführung des Frauenwahlrechtes in Finnland arbeiterverbandes, Genosse Brey, referierte über den Schutz ist beschlossene Sache. Die finnisch- russische Prüfungskommission der Ziegler durch Gesetzgebung und Organisation. Nach dem hat die entsprechende Bestimmung in dem Senatsvorschlag eingehenden Referat und der sich anschließenden Diskussion zur Reform des Landtags gutgeheißen und der Landtag hat wurden in einer Resolution folgende Mindestforderungen an ihm zugestimmt. Finnland ist das erste Land in Europa, in die Gesetzgebung erhoben: 1. Die Einführung des zehn- welchem das weibliche Geschlecht zur aktiven Anteilnahme an stündigen Arbeitstags für alle erwachsenen Personen und der Gesetzgebung auf Grund eines allgemeinen gleichen WahlFreigabe des Sonnabendnachmittags; 2. Verbot und Be- rechtes zugelassen wird. Gewerkschaftliche Arbeiterinnenorganisation. Zahl der gewerkschaftlich organisierten Arbeiterinnen in Österreich. In Österreich zählte man nach dem Rechenschaftsbericht der Gewerkschaftskommission im Jahre 1904 13055 Arbeiterinnen, welche in Berufsgewerkschaften organisiert waren, dazu noch 1360, welche allgemeinen Gewerkschaften oder Arbeiterbildungsvereinen angehörten. Die Zahl der gewerkschaftlich organisierten Arbeiterinnen betrug also insgesamt 14415. Jm Jahre 1892 gehörten den, Berufsgewerkschaften nur 2216 Arbeiterinnen an, den allgemeinen Gewerkschaften und Arbeiterbildungsvereinen 2047 Arbeiterinnen. 1903 zählten die Berufsgewerkschaften 9519 weibliche Mitglieder, die allgemeinen Gewerkschaften und Arbeiterbildungsvereine 2544. In den ersteren hat also die Zahl der Arbeiterinnen im Jahre 1904 um 3536 zugenommen, in den letzteren ist sie um 1184 gesunken. Insgesamt ist die Zahl der organisierten Arbeiterinnen 1904 um 2852 gestiegen. Nach dem Rechenschaftsbericht der Gewerkschaftskommission für das Jahr 1905, für das einzelne Angaben noch nicht vorliegen, sind im letzten Jahre mindestens 60000 Personen der Organifation beigetreten, darunter erfreulich viele weibliche Arbeiter. Besonders die Bauhilfsarbeiterinnen, Tertilarbeite rinnen und Fabritarbeiterinnen haben in erhöhtem Maße die Notwendigkeit der gewerkschaftlichen Organisation begriffen. Der Zuwachs um mindestens 700 Mitglieder, den die Gewerkschaft der Tabatarbeiter und-arbeiterinnen erfahren hat, kommt hauptsächlich auf Rechnung der Arbeiterinnen. Der Verein der Heimarbeiterinnen zählt über 1000 Mitglieder. Die unermüdliche Tätigkeit unserer Genossinnen wird dafür Sorge tragen, daß auch fernerhin der Gedanke der gewerkschaftlichen Organisation immer größere Massen der Arbeiterinnen gewinnt. Über die Agitation unter den Arbeiterinnen in Nürnberg äußert sich der elfte Jahresbericht des Arbeitersekretariats für 1905 wie folgt:" Die richtige Erkenntnis der Nürnberger Arbeiterschaft, im Sekretariat eine weibliche Straft anzustellen, um die Agitation unter den Arbeiterinnen intensiver zu gestalten, wurde und mußte von allen Seiten auf das freudigste begrüßt werden. Wie durchaus notwendig die Agitation unter den Arbeiterinnen noch ist, davon können die Gewerkschaftsleiter in jeder Stadt und allen Ortschaften mit weiblicher Arbeitskraft ein Lied singen. Auch hier in Nürnberg ist noch ein gutes Stück Arbeit zu leisten, wenn die Leiter der Organi fationen sagen wollen, unsere Arbeiterinnen sind zum überaus großen Teil organisiert und wissen auch den Wert und Nutzen einer Organisation zu würdigen. Zurzeit sieht es in dieser Beziehung noch sehr trübe in Nürnberg aus. Von zirka 22000 organisationsfähigen Arbeiterinnen in Nürnberg waren am 31. Dezember 1904 nur 1589 organisiert, deren Bahl bis zum 31. Dezember 1905 auf 2582 gestiegen ist, das ist eine Zunahme von 998 organisierten Arbeiterinnen. Von der Art der Agitation, wie sie seit Juli d. J. betrieben wurde, läßt sich berichten, daß mit einer großen allgemeinen Arbeiter und Arbeiterinnenversammlung eingesetzt wurde, welche einen außerordentlich guten Besuch aufzuweisen hatte. Es folgten dann die vielen Fabrik, Geschäfts- und Werkstättenversammlungen der Metall-, Holz, Schuh- und Textilarbeiter und-arbeiterinnen, der Tapezierer, Schneider und Schneiderinnen, Gastwirtsgehilfen, Kellnerinnen, Handlungsgehilfen und-gehilfinnen. Auch die Mühlenarbeiter und die städtischen Arbeiter arrangierten Versammlungen mit Frauen, um letztere mit dem Gedanken der strafung der überarbeit, mit Ausnahme der Arbeit an Brenn- Vom Kampfe um das Frauenwahlrecht in England. Organisation vertraut zu machen." Die angeführten Zahlen öfen; 3. weibliche Personen dürfen sechs Wochen vor und Genossin Dora Montefiore, eine der sozialistischen bestätigen, was den Leserinnen der„ Gleichheit" aus Berichten nach der Entbindung auf Ziegeleien nicht beschäftigt werden; Borkämpferinnen des Frauenwahlrechtes in England, hat zur bekannt ist: daß die erste Arbeiterfekretärin in Deutschland, 4. allgemein gültige Vorschriften über Lage, Luftraum und Steuerverweigerung gegriffen, um auf diese Aufsehen Genoffin Grünberg, mit Eifer und Verständnis sich ihrer Beschaffenheit der Släume, welche auf Ziegeleien beschäftigten erregende Weise gegen die Rechtlosigkeit des weiblichen Ge- Aufgabe widmet, und daß sich bereits recht anerkennensPersonen als Wohnungen angewiesen werden, und über Er- schlechtes zu protestieren. In England sind nur diejenigen werte Erfolge ihrer Tätigkeit zeigen. 84 Der Eisenbahnzug. Bon Ferdinand v. Saar. Bon des Dampfs Gewölt umflogen, Brauft heran der lange Zug, Jmmer mächt'ger fortgezogen, Gradhin, dann in weitem Bug. Abgeteilt nach Wagenklassen, Müde von der Reise Qual, Schaun die Menschen stumpf, gelassen Durch die Fenster, eng und schmal. Aber frei auf der Maschine, Lentend sie mit sichrer Hand, Blickt der Führer, ernster Miene, Drohend fast ins grüne Land: Lange Jahre, lange Jahre, Wettertrozend, farg gelohnt, Hab' ich, daß das Bolt hier fahre, Stumm des Mammons Macht gefront. Daß ein jeder mag erreichen Seine Ziele nah und fern, Spornt' ich diese Eisenweichen Jch der Diener, ihr die Herrn. Doch vielleicht erfüllt schon morgen, Morgen fich die große Zeit, Die da enden wird die Sorgen Einer schnöden Dienstbarkeit; Wo nicht mehr um dürft'ge Groschen Willig findet sich ein Knecht, Und des Darbens Pein erloschen In des Allgenusses Recht. Und so fahrt nur hin, geborgen Noch in ahnungsloser Ruh'-: Lent' ich euch von heut auf morgen Doch schon meinen Zielen zu!" Die alte Jsergil. Von Maxim Gorki. ( Fortsetzung.) Die Gleichheit " " Nr. 12 Halt ein!... Was ist aus dem jungen Türken mir herab, und es war mir angenehm, ihr Klimpern auf geworden?" dem Boden zu hörenden Ban" aber hab' ich trotzAus dem jungen Türken? Der ist gestorben, der dem zum Teufel gejagt. Er hatte ein so rohes, dickes gute Junge. An der Sehnsucht nach dem Vaterhaus Gesicht, und sein Bauch war wie ein großes Kissen. Wie starb er, oder an der Liebe... Wie ein haltloses junges ein sattes Schwein schaute er drein. Hab' ihn fortgejagt Bäumchen, das zuviel Sonne hat, ging er ein... Ich obschon er mir sagte, daß er all seine Ländereien, seh' ihn noch, wie er dalag, durchsichtig und farblos wie seine Häuser und Pferde verkauft habe, um mich mit eine Eisscholle, und immer noch brannte die Liebe in Gold zu überschütten. Jch aber liebte damals einen anderen Ban" ihm... Immer wieder bat er, daß ich mich zu ihm neigen und ihn füffen möchte... Ich liebte ihn und einen tapferen Menschen mit einem Gesichte, das kreuz weiß, daß ich ihn sehr viel füßte... Zuletzt wurde er und quer von den Säbeln der Türken zerhauen war, ganz, ganz schwach und bewegte sich kaum noch. Er gegen die er kurz vorher auf seiten der Griechen gefochten lag da und bat mich, wie der Bettler um ein Almosen, hatte. Das war ein Mann!... Was gingen ihn die daß ich mich neben ihn legen und ihn wärmen möchte. Griechen an, da er ein Pole war? Und doch ging er Tat ich's, dann loderte er auf und glühte nur so... und fämpfte mit ihnen Schulter an Schulter gegen ihre Einmal erwachte ich und fühlte: ganz kalt ist er schon... Feinde. Feinde. Er wurde schwer verwundet, ein Auge ward gestorben ist er!... Ich weinte viel um ihn... Wer ihm ausgestochen, zwei Finger an der linken Hand wurden weiß, vielleicht hab' ich ihn getötet! Noch einmal so alt ihm abgehackt... Was hatte er, der Pole, dort bei den wie er war ich damals schon. Und so kräftig und saftig war Griechen zu suchen? Er liebte die ritterlichen Taten ich... und er was war er?... Ein Kind!" das war's. Wer die liebt, findet auch immer GelegenSie seufzte tief auf und bekreuzigte sich dreimal, wäh- heit, sie zu vollbringen. Überall im Leben, glaub mir's, rend ihre trockenen Lippen etwas flüsterten. Zum ersten ist Raum für fühne Taten. Wer die Gelegenheit nicht mal sah ich das von ihr. findet, ist entweder zu träg oder zu faul zu solchen Taten. " Nun also," half ich ihr ein, als ich sah, daß sie Oder er begreift den Sinn des Lebens nicht denn schwieg. Du bist dann nach Polen gegangen. wenn die Menschen diesen begriffen, würde jeder wünschen, So ift's... mit jenem fleinen Polen. Er war ein einen Schatten seiner Taten im Leben zurückzulassen. lächerliches Kerlchen, und schlecht dazu. Wenn er ver- Und dann würde das Leben die Menschen nicht so spurliebt war, troch er schmeichelnd, wie ein Kater, um mich los verschlingen... O, dieser Zerhackte war ein verherum, und von seinen Lippen floß heißer Honig; wenn wegener Mensch! Er hätte nicht gezögert, bis ans Ende er meiner aber nicht bedurfte, peitschte er mich mit bos- der Welt zu gehen, um eine tapfere Tat zu vollhaften Worten, wie mit einer Knute. " bringen. Ganz gewiß haben ihn die Eurigen zur Zeit des Aufstands getötet. Und warum zogt ihr eigentlich gegen die Ungarn los? Was?... Ach, schweig du lieber..." Während sie mir Schweigen gebot, schwieg auch sie selbst still. Dann, als sie eine Weile vor sich hingebrütet, fuhr sie fort: „ Auch einen Ungarn hab' ich mal gekannt. Er veres war im Winter und erst ließ mich eines Tages Einmal gingen wir am Ufer des Flusses, da sagte er mir ein hochmütiges, tief verlegendes Wort. D, wie mich die Wut da packte! Gleich siedendem Bech zischte ich auf. Ich hob ihn empor wie ein Kind denn er war ganz flein- und drückte ihm die Hüften zusammen, daß er ganz bleich wurde. Und dann gab ich ihm einen Stoß und warf ihn vom Ufer hinab in den Fluß. Er ,, Ein ganzes Jahr lang hab' ich ihn betrauert. Sie schrie in einem fort lächerlich war's, wie er schrie. waren schon im Begriff gewesen, nach ihren Karpathen Ich sah von oben her zu, er aber zappelte im Wasser, im Frühjahr, als der Schnee weggeschmolzen war, fand heimzukehren. Da lud ein Rumäne sie zu Gaste, um arbeitete mit Händen und Füßen. Ich ging dann fort man ihn auf dem Felde, mit durchschossenem Kopfe. und bin ihm nie mehr begegnet. Hatte überhaupt Ja, so geht's, ihren Abschied zu feiern, und bei ihm wurden sie abnicht weniger Menschen, als die Pest, gefaßt. Nur die zwei wurden lebendig gefangen, einige| Glück darin: nie wieder kamen mir jene in den Weg, richtet die Liebe zugrunde; nicht weniger, wenn man sie blieben. tot, die anderen flohen... Dem Rumänen aber die ich einmal geliebt hatte. Nicht angenehm sind alle zusammenzählen wollte... zahlten sie gründlich heim: sein Hof, seine Mühle, sein solche Begegnungen- ganz, wie wenn man Verstorbenen Getreide alles wurde verbrannt. Ein Bettler blieb er." begegnet..." " Das hast du getan?" fragte ich aufs Geratewohl. ,, Viele Freunde hatten die Huzulen außer mir die haben ihnen wohl eine Totenfeier ausgerichtet..." * * * * * * Wovon erzählt' ich doch? Ach, von Polen... Ja, dort hab' ich mein letztes Spiel gespielt. Einen Schlach tschitzen lernte ich dort kennen... Schön war er, wie ein Die Alte schwieg und schöpfte tief Atem. Ich suchte Teufel, und ich war damals nicht mehr jung.. er fam mir die Männer vorzustellen, die sie aus dem Reiche mich teuer zu stehen. Er war hochmütig und von den der Schatten heraufbeschworen hatte. Da war der feurige Weibern verwöhnt, und so glaubte er mein Herz im Das Lied am Meeresufer war bereits verstummt, Rotkopf, der schnurrbärtige Huzule: er schreitet in den Sturm zu erobern, ich aber ergab mich ihm nicht so und das Rauschen der Mogen gab jetzt die Begleitung Tod, entschlossen, start in aller Gemütsruhe seine leicht. Nie war ich jemandes Sklavin gewesen. Mit ab zu den wilden Herzensgeschichten der Alten. Leises Pfeife rauchend. Er hatte ohne Zweifel falte, blaue dem Juden war ich längst auseinander, ein schweres Geflüster und verhaltenes Lachen drang ab und zu vom Augen, die alles fest und scharf erfaßten... Da war Abstandsgeld hatt' ich ihm gegeben... Jch lebte bereits Strande zu uns herüber. Immer weicher, milder ward neben ihm der schwarzbärtige Fischer vom Pruth: er in Krakau, hatte alles Gold, Pferde, Diener... Er die Nacht, immer voller flutete das bläuliche Licht des weint, er will nicht sterben; sein Gesicht ist bleich vor kam zu mir, der stolze Dämon, und wollte, ich sollt' Mondes über die Erde hin; das Klatschen und Rollen Todesangst, das Feuer der Augen ist erloschen, der von mich selbst ihm an den Hals werfen. So lagen wir der Wogen aber ward immer lauter vernehmbar, denn Tränen durchfeuchtete Schnurrbart hängt über die ver- lange miteinander im Streit, und ich glaube, ich ward ein Wind hatte sich erhoben und blies immer stärker. zerrten Lippen herab... Da war der alte, ehrwürdige sogar häßlich davon. Endlich hatt' ich ihn so weit: er Türke, ohne Zweifel ein Fatalist und Despot, und neben lag vor mir auf den Knien. Kaum aber war er ans ,, Dann hab' ich auch einen Türken geliebt. In seinem ihm sein Sohn, ein blasser, zarter Sproß des Oftens, Ziel gekommen, als er mich auch schon wieder laufen Harem war ich, in Sfutari. Eine ganze Woche lebte ich von Küssen vergiftet. Da war endlich der eitle fleine ließ... Ja, ich war alt geworden, das begriff ich daund es fehlte mir nichts... Aber langweilig war's Pole, galant und grausam, schönrednerisch und ver- mals!... Ach, war das bitter für mich wie bitter!... da, lauter Weiber und Weiber... Acht Stück hatte er hungert... Und alle waren sie nur bleiche Schatten, Ich liebte ihn ja, diesen Teufel... er aber lachte mich ihrer... Den ganzen Tag essen und schlafen sie und und jene, die sie einstmals gefüßt, sigt neben mir und aus, wenn er mich traf der Schurke! Auch vor anschwatzen albernes Zeug... Oder sie schimpfen sich lebt wenn auch ausgetrocknet von der Zeit, fleisch- dern machte er mich zum Gespött, ich wußt' es. Aber gegenseitig aus, gackern wie die Hühner... Er war und blutlos, mit einem Herzen ohne Wünsche und Augen ich war schon glücklich, wenn ich ihn nur sah, nur in nicht mehr jung, dieser Türke. Grau war er schon ohne Feuer... selbst fast ein Schatten... der Nähe wußte. Und wie er dann fortging, um gegen beinahe, und sehr vornehm, sehr reich. Seine Augen euch Russen zu kämpfen, da war mir gar schrecklich zuwaren schwarz... und so durchdringend, bis in die Seele. Und sergil fuhr fort in ihrer Erzählung: mute. Ich sucht' es zu überwinden, doch gelang's mir nicht, " In Polen erging's mir schlecht. Dort leben falte, und so beschloß ich, ihm zu folgen."( Forts. folgt.) hinab schauten sie. Er war sehr fromm und betete viel. Ich hatte ihn in Bukarest gesehen... Er schritt Lügnerische Menschen. Ich verstand ihre Schlangensprache über den Marktplaß, wie ein Zar, und schaute so ernst, nicht. Alle zischen sie so... was zischen sie nur? Gott so feierlich drein. Ich lächelte ihm zu. An demselben hat ihnen diese Schlangensprache gegeben, weil sie so Abend packten sie mich auf der Straße und brachten falsch sind. Ich irrte damals umher, ohne Ziel und mich zu ihm. Er handelte mit Palmen- und Zypreſsenholz Bweck, und sah, wie sie sich anschickten, gegen euch Russen und war nach Bukarest gekommen, um Einkäufe zu machen. einen Aufstand anzuzetteln. " Willst du zu mir kommen?" fragte er. " D, warum nicht? Ich will..." da Schön, so tomm!" * * * Schließlich kam ich in die Stadt Bochnia. Ein Jude kaufte mich damals nicht für sich, sondern um mit mir Handel zu treiben. Ich war damit einverstanden um zu leben, muß man doch irgend was tun. Ich ein ganz braunes hatte nichts gelernt und mußte dafür mit meinem Leibe zahlen. Ich dachte mir etwas Geld zu machen und meine Ketten um jeden Preis zu zerreißen, um wieder heimzufehren an den Byrlat. Und ich fuhr hin. Sehr reich war er, dieser Türke, und auch einen Sohn hatte er Der Ziegelschlag. Bon Ferdinand v. Saar. Weit gedehnte, öde Strecken, Schmutzig gelbe Wassertümpel; Einsam ragt der Schlot des Ofens über morsche Bretterschuppen. Fahle Menschen, wie gefnetet Aus dem fahlen Lehm des Bodens, Drin sie wühlen, treiben lautlos Jahr um Jahr hier ödes Handwerk. Füllen und entleeren Truhen, Mischen, treten, streichen, schlichten, So des Backsteins ewig gleiche Form verdrossen wiederholend. Bürschchen, und so gelenkig... sechzehn Jahre zählte er. Mit ihm bin ich dem Alten ausgerückt... nach Bulgarien, nach Lom- Balanta... Dort stieß mir eine Bulgarin einen Dolch in die Brust... wegen ihres Bräuti- So lebte ich nun dort, und die reichen polnischen Herren kamen zu mir und hielten mit mir manchen herrgams oder Gatten, ich weiß es nicht mehr. Ich lag nun lange trant in einem Frauenkloster. lichen Schmaus. Teuer genug kam sie meine Gesellschaft Ein Mädchen pflegte mich da, eine Polin... Und zu zu stehen! Gestritten und geschlagen haben sie sich um der fam aus einem anderen Kloster- bei Arzer- Balanta, meinetwillen. Einer von ihnen umwarb mich besonders so viel ich mich erinnere- ihr Bruder, ein Mönchlein... heiß und erfann einst folgendes Stücklein: er kam zu das wand sich immer wie ein Wurm vor mir... Und mir, und ein Diener folgte ihm, mit einem Beutel in als ich gesund geworden war, gingen wir beide zusammen der Hand. Den nahm nun der„ Pan" und schüttete ihn Berantwortlich für die Rebattton: Fr. Mara Bettin( Bundel), Wilhelmshöhe fort... nach seinem Polenlande. über meinem Kopfe aus. Die Goldmünzen rollten an Träge ziehn vorbei die Stunden; Aufgelöst in Staub und Hize, Oder rings in Rot zerfließend, Scheint die Welt auch hier zu Ende. Poft Degerloch bet Stuttgart. Druckt und Berlag von Baul Singer in Stuttgart.