Mr. 302 AboWtment«- Kedrngungeu: «bonnementS-Prst! pränumerando: «ierteljährb 3,80 Mr., monatl. 1,10 SH., ivöchentlich 28 Pfg. frei tnS Hau«. Einzelne Nummer s Pfg. Sonntag«- Nunimer mit tlluftrirter Sonntag«» Beilage„Dt- Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- ZeitungZ- Pr-Wltste für 1897 unter fit. 7437. Unter«reuzband für Teutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Mark, für da« übrige Ausland 3 Mark pro Monat. 14. Jahrg. Die Instrtions- Gebühr betragt für die fechsgefpalteno Kolonel- zetle oder deren Raum 40 Pfg., für BereinS- und VersammlungS-Anzetge», sowie Arbeitsmarlt 20 Pfg. Inserat« für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags in der Erpedition abgegeben werden. Tie Erpedition ist an Wochentage» bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis o Uhr vormittags geöffnet. Erschtink kä«ltch»ulier Wonlag». Devliner VolKsblstt. Fernsprecher: Si»t I, fit. 1S08. Telegramm-Adresse: ..SvlialdemoKtal vrrlin". Dentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschtands. Zt-daklion: 8V. 19, M-nty-Straße 2. Die«npMntrttseen Gegenwände nach der Novelle z»r Zivilprozeh-Ordnung. Die Forderung, den Kreis der uupfändbaren Gegenstände auszildehnen und klarer zu stellen, haben wir häufig erhoben. Die sozialdemokratische Fraktion setzte bei Berathnng des Bürgerlichen Gesetzbuches die fast einstimmige An- nahme einer Resolution im Reichstage durch, ivelche die Ver- wirklichung dieser Forderung verlangte. Durch die Bestimmung� der Novelle solle nach den Motiven dieser Resolution eutsproch sein. Die Vorschläge der Novelle sind aber auf halbem Wege stehen geblieben. Welche Gegenstände nach dem Vor schlage der Novelle vom 1. Januar 1S00 ab als nnpfändbar erachtet werden sollen, ergiebt der nachstehende Wortlaut des neuen§ 715 der Zivilprozeß-Ordnung. Die A e n d e r u n g e n egenüber dem bestehenden Rechtsznstand haben wir durch Fettdruck kenntlich gemacht. Vom I. Januar 1900 ab sollen unpfändbar sein: l. Die Kleidungsstücke, die Vellen, die Wäsche, das Haus und itiichengeräth, insbesondere die Heiz- und Kochöfen, soiveil diese Gegenstände für den Bedarf deö Schuldners oder zur Er- Haltung eines angemessenen Hansstaudcs nnenlbchrlich sind; 2. die für den Schuldner, seine Familie und sei» Gesinde ans 2 Wochen erforderlichen Nahrnngs- und Feuernngsmillel oder, soweit diese nicht vorhanden und ihre Beschaffung ans anderein Wege nicht gesichert ist, der zur Beschaffung cr> forderliche Geldbetrag; 3. eine Milchkuh oder nach der Wahl des Schuldners stall einer solchen zivei Ziege» oder zwei Schafe nebst den zum Unterhalt und znr Streu für dieselben ans zwei Wochen erforderlichen Futter- und Strenvorräthen oder, solveit diese nicht vor Händen, dein znr Beschaffung erforderlichen Geldbeträge. wenn die bezeichneten Thiers für die Ernährung des Schuldners, seiner Familie und seines Gesindes unentbehrlich sind; 4. bei Personen, ivelche Landwirthschast betreiben, das zum Wirlhschnftsbetrieb erforderliche Gcräth nnd Bich nebst dem nölhigen Dünger, sowie die landivirthschaftlichen Erzeugnisse, so weit sie zur Fortführung der Wirthschafl bis zu der Zeit er- forderlich sind, zu welcher gleiche und ähnliche Erzeugnisse voraussichtlich gewonnen werden; 5. bei Künstlern, Handwerker», gewerblichen Arbeitern nnd anderen Personen, welche anS Handarbeit oder sonstigen persönlichen Leistungen ihren Erwerb ziehen, sowie bei Heb nmme» die znr persönlichen Fortsetzung der Berufsthätigkcit um entbehrlichen Gegenstände; 6 bei Osstziere», Dcckosfiziere», Beamten, Geistlichen, Lehrern an öffenllichc» ttuterrichlsanstalten, Rechtsanwälten, Notaren nnd Nerzten die zur Verivaltnng deS Dienstes oder Ausübung des Berufs erforderlichen Gegenstände, sowie anständige Zkleidnng; 7 bei Osfiziercn, Militärärzten, Deckofsizieren, Beanitcn, Geistlichen und Lehrern an öffentlichen Unterrichtsanstalten ei» Geldbetrag, ivelcber deni der Pfändung nicht»»tcrivorsenen Theile des Diensteinkoiiiwenz oder der Pension für die Zeit von der Pfändung bis zum nächste» Termine der Gehalts- oder Pensionszahlnng gleichkommt; 8. die zum Betriebe einer Apotheke nneulbehrlichen Geräthe, Gefäste und Maaren; 9. die Bücher, ivelche zum Gebrauche des Schuldners nnd seiner Familie in der Kirche oder Schule oder bei der häuslichen An- dacht bestimmt sind; 10. die in Gebranch genoinmene» HanShaltungS- nnd Geschäftsbücher, die Familienpapiere, sowie die Tranringe, Orden und Ehrenzeichen; II. künstliche Glirdmastc», Brille» und andere wegen -----!' körperlicher Gebrechen nothwendigc Hilfsmittel, soweit diese Gegenstände znm Gebrauche des Schuldners und feiner Fainilie bestimmt sind; 12. die zur nnmittelbarcn Verwendung für die Bestattung bestimmte» Gegenstände. Von erheblicherer Bedentung erscheint nur die Belassnng eines Geldbetrages(Ziffer 2) und die Ausdehnnug der Be- lassung des Handwerkzeugs u. s. iv. auf Schriftsteller und Arbeiter jeder Art. Die anderen durch Fettdruck kenntlich gemachten Abweichungen von dem jetzigen Znstand sind fast nur redaktioneller Natur und haben sich gegenüber einer engherzigen, verkehrten Auslegung des bestehenden Rechts für nothwendig bewiesen. Die kapitalistische Ansleguugs- küustelei hat es hier und da zu wege gebracht, Wäsche nicht als Kleidungsstücke zn erachten, und künstliche Beine, Zahn- gebisse, Brillen«. s. w., ja selbst znr Bestattung bestimmte Särge für pfändbar zn erachten. Daß solcher Inhumanität entgcgcngetrsten werden soll, ist zu billigen. Aber der eingeschlagene Weg ist ein unzulänglicher. Biel nothwendiger als die besondere Aufzählung der kirnst- lichen Gliedmaßen, des Tranrings und dergleichen wäre eine Aufzählung, was als„unentbehrliches" Hausgeräth,„unent- bebrlichc" Kleidungsstücke und Wäsche anzusehen sein soll. Hier entstehen die meisten Zweifel. Ist ein, sind zwei Paar Stiefel„unentbehrlich"? Wieviel Tische, Stühle, Spinden, ja selbst Betten„nnentbehrlich" sind, den Gerichtsvollzieher nach Gutdünken entscheiden zu lassen, gehl nicht an. Will man überhaupt den in der Novelle beibehaltenen Weg kasuistischer Aufzählungen(die Aufzählungen der einzelnen Fälle) bei- behalten, so sei man konsequent nnd bezeichne da, wo es am nothivendigstcn ist, dies genau. Aber der Versuch, ans jedem Mißgriff eines Vollstreckungsbeainten oder eines Ge- richts eine besondere Gesetzesbestimmung abzuleiten nnd durch Detaillirungen ähnliche» Verfehlungen von Beamten vorzu- beugen, muß fehl schlagen. Gerade ans der Fortlassung einer Reihe von Gegenständen, die auch nnpfändbar sein sollen, folgert der beschränkte Blireaukratismns insbesondere da, wo die Hetzpeitsche eines unbarmherzigen Gläubigers in der Ge- stalt der Furcht eines Regresses hinter dem Beamten steht, leicht, daß diese nun pfändbar sein sollen. Es ist leicht, sofort eine Reihe solcher Gegenstände, über die auch in Zukunft hin nnd her gestritten, end- lose Beschwerden geführt, Beschlüsse gefaßt, Aufsätze geschrieben werden würden, namhaft zn machen. Ueber die frage, ob der Trauring heute pfändbar ist, sind dicke olianten zusammengeschrieben. Die Frage ist mit allen mög- lichen Variationen beantwortet. Der preußische Finanzminister hat mit recht— allerdings erst in einer Anweisung vom 22. März 1893— die Unpfändbarkeit für sein Gebiet an- erkannt. Kein Anwalt würde aber niit Zuversicht angeben können, ob jedes Gericht so entscheiden würde. Da giebt es Ansichten, die den Trauring als nur für zwei bestimmte Per- sonen von Werth und deshalb nnpfändbar erachte». Andere er- achten ihn nur bei kirchlich getrauten Eheleuten für nnpfändbar. Wieder andere erachten den Trauring für pfändbar, weil er nur ein geformtes Metall darstelle, das sich versilbern ließe nnd weder als unentbehrliches Hausgeräth noch als unentbehrliches Kleidungsstück betrachtet werden könne. Diese Frage wird nun allerdings voin 1. Januar 1900 ab in klarer Weise zu gunsten der Verpfändbarkeit entschieden. In klarer Weise? Da stößt gleich der Zweifel auf: wie steht es mit dem Trauring der Wittwe? Aehnliche Fund- gruben für juristischen Scharfsinn und kapitalistischen Spür- sinn bieten auch nach dem 1. Januar 1900, wenn die Fassung der Novelle Gesetz wird, die Fragen: ist ein Verlobungsring pfändbar? wie steht es mit einem Zopf? mit einem künst- lichen Zahngebiß, mit einer Zahnfüllung, mit der Lorgnette, mit dem Manuskript eines Schriftstellers, mit Geschäftsbriefen, mit Beweisnrkunden, mit Grabsteinen auf einem Kirchhos? Sind diese Sachen pfändbar? Man glaube nicht, daß solche lustigen Fragen nicht in reicher Fülle erstehen würden, trotzdem offenbar der Entwurf wohl glaubt, alle diese Gegenstände als nnpfändbar mitnnifaßt zu haben. Wir erinnern an folgende Praxis, die hier in Berlin bei sämmtlichen Vollstrccknngsabtheilnngen gehandhabt wurde. Betten sind zweifellos schon heute unpfändbar. Vor dem Gesetz von 1894, das das Retentionsrecht des Vermiethers auf die unpfändbaren Gegenstände auch in Preußen endlich beschränkte, war es gang und gäbe, daß Hausbesitzer den Miether erst in der Art exmittirteu, daß sie ihn und seine Fainilie ans der Wohnung brachten, aber sämmtliche Mobilieu, einschließlich der Betten, zurück- behielten. Dann wurde der Gerichtsvollzieher beauftragt, alle Sachen, einschließlich der Betten, zn pfänden. Bc- schwerden hiergegen waren fruchtlos. Das Gericht dednzirte: die Betten waren nur so lange„unentbehrlich", als der Miether die Betten in seiner Wohnung benutzte; sie sind nicht mehr„nn- entbehrlich", denn der Miether ist ja nicht mehr in der Mieths- wohnung und zeigt dadurch, daß er ohne im Besitz der Betten zu sein noch lebt, daß die Betten für ihn entbehrlich sind. Die Betten wurden für einen Spottpreis verschleudert. Aehnliche Rechtsanschaunngen leben heute noch. Gegen sie schützt die Novelle nicht, kann der kasuistische Weg, selbst wenn die Liste der unpfändbaren Sachen genauer wäre, nicht schützen. Dieser Mangel an Schutz kann aber von den allererheblichsten Folgen sein. Z 289 des Strafgesetzbuchs bedroht mit Ge- sängniß bis zu 3 Jahren ober mit Geldstrafe bis zn 900 M., ia auch mit Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte den Miethcr, der zu Ungunsten des Wirthes seine Sachen fort- nimmt, falls«n den Sachen dem Wirth ein Retentionsrecht zustand. Soll von der zufälligen Entscheidung des Straf- richters, welcher Gegenstand nnentbehrlich war, die Straf- barkeit noch ferner abhängen? Soll noch ferner durch den Mangel hinreichend klarer Bestimmungen Erpressungsversuchen des Vcrmicthers(§ 289 ist das einzige Antrags vergehen, das Ehrverlust zuläßt) Thür und Thor offen bleiben? Es ist all' diesen Uebelständen dadurch zn begegnen, daß statt kasuistischer Aufzählungen allgemeine Bestimmungen über Unpfändbarkeit getroffen werden. Diesen Weg be- schritt mit Erfolg der Cods, als er bestimmie, daß Bücher nnd Instrumente bis znm Werth von 300 Franks nicht gepfändet werden dürfen. Ihn haben eine Reihe amerikanischer Staaten beschritten. Diese setzen fest, daß Gegenstände bis zn einem bestimmten Werth(zwischen 500 bis 1000 Dollars schwankt die Gesetzgebung der verschiedenen Staaten) unpfändbar sind u»d daß die Wahl, welche Gegenstände innerhalb diese? Werthes nnpfändbar sein sollen, dem Schuldner zustehe. Es besteht für Deutsch- land, das im Bürgerlichen Gesetzbuch glücklich den kasuistischen Gesetzgebungsgaug verlassen hat, kein Hinderniß, in ähnlicher Weise vorzugehen. Erscheint als Werthgrenze 500 Dollars (rund 2000 Mark) zu hoch, so wiir�e auch die Normirung einer Werthgrenze von 500 bis 1000 Mark weit besser der Rechtssicherheit dienen und nutzloser Verarmung vorbeugen, als die kasuistische Aufzählung des Unpfändbaren. Vom sozial- politischen Standpunkt erscheint dieser Weg der zutreffendste, znm allermindesten müßten aber die Unklarheiten des§ 715 beseitigt nnd der Kreis der unpfändbaren Gegenstände er- heblich über den Rahmen des Entwnrss hinaus erweitert werden. Daß nur die Bücher als nnpfändbar bc- zeichnet sind, die der Schuldner„in der� Kirche, der Schule oder der häuslichen Andacht" gebraucht, ist bezeichnend für das„Kulturland" Deutschland. Ein weiterer Vorschlag des Entwurfs(Z 715») beruht ans dem anerkenuenswerthe» Bestreben, dem Mißstand entgegen- Ktrpedltiott: SW. 19, Mettty-Stmße 3. zutreten, daß der Anktionserlös häufig, ja, in der Regel in einem auffälligen Mißverhältniß zn dem Werth steht, den die verauktionirten Sachen für den Schuldner haben. Z 715a lautet: „Gegenstände, welche zum gewöhnlichen Hansrathe gehören nnd ini Haushalte des Schuldners gebraucht werden, sollen nicht gepfändet werden, wenn ohne weiteres ersichtlich ist, daß durch deren Verivcrthung nur ein Erlös erzielt werden würde, welcher zn dem Werthe außer allem Verhältnisse steht." So gute Wirkungen diese Vorschrift im Einzelfalle auch haben könnte, so reicht sie bei weitem nicht aus, um das horrende Mißverhältniß zwischen dem Anktionserlös und dem Werth, den die Sachen für den Hanshalt des Schuldners habe», ja auch nur um das Mißverhältniß zwischen dem Auktionserlös und dem Tanschwerty der gepfändeten Gegenstände zu beseitigen.§ 716a läßt dem Belieben, der Willkür viel zn weiten Spielraum. Eine Ergänzung wäre auch hier nöthig. Den Weg hierfür weist die Einführung des„geringsten Gebots" bei der Zwangs- Versteigerung von Grundstücken und die ausländische, z. B. die österreichische Gesetzgebung. Nach ß 217 der österreichischen Exekutionsordnnng dürfen bei Auktionen Angebote nicht be- rücksichtigt werden, die nicht mindestens ein Drittel des Tax- werthes erreichen. Eine ähnliche Bestimmung, allerdings unter Schutz gegen zu niedrige Taxen, durch Uebertragnng der Taxen auf Sachverständige an stelle der interessirten Gerichtsvollzieher, wäre als Ergänzung zum§ 715a erforder- lich, um das nutzlose Verschlendern in jahrelanger Arbeit müh- sam erworbener Habseligkeiten einzuengen. Nicht nur dem Schuldner, nicht nur den Armenverwaltungen, auch dem ver- ständigen und anständigen Gläubiger wäre mit solchen Vorschriften gedient. Auch in seinem Interesse liegt es, daß der Schuldner erwerbsfähig bleibe. Aber freilich— es soll noch heute Shplocks geben, die ans schranken- loser Ansbeuluiig ihres Scheins bestehen und am liebsten die Schuldhaft wieder einführen möchten, wenn es auf Kosten der Allgemeinheit ginge. Jedenfalls aber kann auch ans dem Gebiet der Zivangsvollstrecknng der Reichstag ein gut Stück praktische Svzialreform verrichten. Politische Aebeeficht» Berlin, 27. Dezember. Tie Vorgänge i» Qstasie». Wenn sich die nachfolgende Meldung der„Times" bestätigt, und das ist sehr wahrschein- lich, so zeigt sie wiederum das außerordentliche Anwachsen der russischen Macht am Pikinger Hofe nnd gleichlaufend die Abnahme des e n g l i s ch e n Einflusses. Die„Times" schreiben: „Die chinesische Regierung lehnt« es ab, gemäß dem Vorschlage der Hongkong-Shanghai-Bank die Lickiu- Abgabe der Anfsichl eines sremde» Slnaies zn unterstelle», als Sicherheit für die Aiileih«. Die chinesische Regierung erklärt, daß, wen» die An- leihe ohne diese Bedingung nicht zu beschaffen ist, sofork die Ab- machnngen veiöfsenllicht werden würden für eine russische garanlule 4proze>ilige Anleihe im Betrage von 100 Millionen Tasls, mit einem Emissionspreis von 93 nelto; als Sicherheit iiir diese Anleihe solle Oer Ertrag der Grundsteuer diene», deren Berioalliing jedoch China verbliebe. Hierfür würde China Rnß- land das Monopol auf Eisenbahnen und Minen nördlich der großen Mauer mit einem offenen Hafen als Endpunkt für die Eisenbahn gebe», auch würde Eham dem Punkte seine Zustimmung geben, daß der Nach» folge r des General-Zoll-Jnspektors Sir R. Hart ei» Russe sein solle." Ter Li-kin ist eine Abgabe auf die Maaren, welche im Transit in das Innere des Landes gehen. Nach der Schätzung des englischen Konsuls in Shanghai betrug er im vorigen Jahre fast 13 Mill. Tasls. Für die Unterstellung dieser Abgaben unter englischen Einfluß wäre die Hongkong-Shanghai-Bank bereit.gewesen,„die Anleihe"— was für eine Anleihe ge- meint ist, ist nicht klar, aber China braucht viel Geld— zn übernehmen. Doch China tveist die englische Liebe zurück. Rußland hat den Pekinger Hof am Schnürchen und ist gern bereit, China das Geld zu verschaffen, dessen es bedürftig ist, natürlich nur, tmt es immer mehr in Abhängigkeit zn bringen. Reichlicher Lohn steht ihm iit Aussicht. Besonders würde die Ersetzung des euglischett General- Zoll- Inspektors(Inspection General of customs) durch einen russischen ein bedeutsames Symptom der Machtverschiebungelt in Ost- asien darstellen. Dem General- Zoll- Inspektor unterstehen sämmtliche 20 sremden Zollämter China's. Ueber englische Aktionen liegen einige neue Nachrichten vor, deren Zuverlässigkeit jedoch auch erst ab- zmvarten ist.„Daily Mail" meldet ans Shanghai, daß ani 25. d. M. von der englischen Flotte Mannschaften in C h e m u l p o gelandet wurden, welche die Wiedereinsetzung Browns als englischen Beiraths bei der koreanische« Zollverwaltung durchsetzen sollten. Chcmnlpo ist die Hafenstadt von Söul, der Hanptsladt Koren's. Tie koreanische Zoll- Verwaltung befindet sich wie das koreanische„Kaiserreich" überhaupt gänzlich unter russischem Einfluß. Ob England glaubt, an dieser Stelle einen Keil in die russische Machtsphäre eintreiben zn können? Die„Times" meldet vom 26. d. Mi?., die britische Schaluppe„Phönix" ging gestern in See, um sich mit dem Geschwader zu vereinigen; es wird äußerste G e- h e i m h a l t u n g über die B e iv e g tt n g e n des Geschwaders gewahrt. Wie mau annimmt, soll es nach Talienivan gehen. Tic„Times" bezweifeln dies jedoch. Fremde» seine» Gr»»d ständen die Chinesen ebenso interessant wie den Moral lehren des In Petersburg bcmnht man sich weiter, das russische Vorgehen als recht harmlos zn schildern. Ans amtlicher Quelle soll ein Telegramm der„Magdeburger Zeitung' stammen, wonach Rußland keineswegs beabsichtige, Port Arthur zu behalten. Er beabsichtige nur, einen Vertrag mit China zu schließen, der den russischen Schissen die Ucberwinterung ge- stattet. Sobald der Hafen in Wladiwostok eisfrei geworden sei, wurde die russische Flotte Port Arthur wieder verlassen. Das glaubt natürlich niemand. Nach derselben Quelle richtete China eine P r o t e st n o t e nach London wegen der Ein- fahrt des englischen Kriegsschiffes„Daphne' in den Hafen von Port Arthur, ohne daß es die Crlaubniß der chinesischen Re- gierung halte. Auch die f r a n z ö s i s ch e RegiernngSpresse sieht die Silnatiou sehr optimistisch an und hält jede Verwickelung für ausgeschlossen. Dabei verlautet jedoch, daß der Marineminister einen Kredit von 2 00 Millionen zur Ver» stärkung der Kriegsflotte zu forden beabsichtigt. Eine Antwort auf die deutsche Marinevorlage.— Der deutsche Kreuzer„Kaiserin August«', der am 22. d. M. in Hongkong eintraf, erhielt Befehl, nach Kiao-Tschou weiter zu fahren. Wenn der Kreuzer sein Ziel erreicht hat, wird das dcmsche Geschwader sechs Schiffe mit ungefähr 2200 Mann Besatznng umfassen.— 1'amvn. Der Kaiser hat dem katholischen Bischof Auzer, dem Leiter der Mission in Süd-Shantung, der sich jetzt vorübergehend in Deutschland aufhält, bei der jüngsten Audienz seine Photographie mit eigenhändiger Unterschrift ver« ehrt. Der Unterschrift aber geht, wie die„Münchener Neueste Nachrichten" erzählen, ein lateinisches Wort voraus: Damen. Das heißt deutsch: D e u n o ch! Was der Kaiser damit gemeint hat, weiß mau nicht. Bürgerliche Blätter zerbrechen sich den Kopf, ob diese Widmung sich vielleicht auf die störrische Haltung des Zentrums zur Flottenvorlage beziehe. Noch muthvollere Konjektur«! Politiker konnten das Domon vielleicht ancy in Verbindung bringen mit dem Wort von Koblenz, daß kein Minister, keine Volksvertretung ihn, den Kaiser, von seiner Verantwortlichkeit entlasten könnten. Der Kaiser hat schon viel Unterschristen und Widmungen gemacht, die den Leuten räthselhaft blieben. Unsere Sache war es niemals, aus den» Gebiete der Räthselforschnng Preise er- ringen zu wolle»». Bischof Anzer hat übrigens den Besitz von Kiao-Tschou als sehr vortheilhast geschildert und ferner die Meinung aus> gedrückt, daß die Ermordilng der Missionare nicht in der Feindschaft der Chinesen gegen die christliche Religion, sondern iin Haß gegen die habe; der christlichen Religion sehr ruhig gegenüber. Das ist zutreffend. Das Volk,»velches Kungsntse folgt, kann das Christcnthum sehr kühl an sich heran koinmcn lassen. Dagegen ist es begreiflich, daß es nicht Lust hat, sein Land, seicien Handel, seine Traditionen, seine Lebens gewohnheilen, seine ganze Stamniesbcsonderheit ohne»veitcres preiszugeben. Aber auch hier köirnte man sagen: Damen. Trotzdem benutzen die„christlichen" Völker die Gelegenheit einer nur sehr begreiflichen Auflehnung der Chinesen gegen die Freucdl linge und Störenfriede zu verdoppelten Bemühungen, den- selben ihr Lat»d zu nehmen und ihre Macht zu brechen.— GozialpolitischeS auS dem Marine- Amt. Wir thkilten kürzlich mit, daß auf de»„kaiserlichen Wersten' neu« Arbeits vrdiumgen vorbereitet»verde». Diese Mittheilnngen und unsere dazugcsügte Kritik haben»vir noch eil, wenig zu ergänze». Es besiehe» bei den Werften auch A r b e i t« r a n s s ch ü s s e. Die Aufgaben und die Bedeutung, die diesen in» Ressort des Herrn Tirpitz zugemessen»verde», ergeben sich aus folgenden Darlegungen, die uns ans Kiel iibersandt»verde»,. Es soll zu der allgemeine» Arbeitsordnung noch ein ziveiter Theil, den Berhältnissen der einzelnen Werften angemessen, angefügt»verde». Zn diesem Ziveck hat kürzlich der Werftdirektor der Kieler Werft, Herr v. Ahle- f e l d. einen„Tagesbefehl" erlassen, in»velchem eine„kommissarische Bearbeitung durch berufene Beamte des Nessorts" empfohlen wird; der Entivurf soll bis zum 10. Januar 1898 eingereicht»verde» und in diesen» Znsammenhang heißt es alsdann»vörilich: „lieber die endgiltige Festsetzung des Entwurfs zun, 2. Theii der Arbeitsordnung»verde ich seinerzeit eine besondere Sitz>lng anberaume». Dann soll der Ardeiter-Ausschuß ge» hört»verde»»." Es entspricht ganz der Stellung, welche dies- Körperschaft ein» niuunt, daß man sie„nach der endgiltige» Feststellung" auch noch hören»vill. Bislang ist dieser Ausschuß ja nichts»veiter geivesen, als eine Jasage-Maschine. Daher ist auch nicht zu erivarten, daß der Ausschuß ernsthaft versuchen könnte, diesen famosen Arbeits- ordnungs-Entivurf zu verbessern. Das ist so undenkbar. daß unter de» Werftarbeitern, mit denen übrigens der Ausschuß nicht die geringste geistige Fühlung hat, auch nicht einer daran glaubt. Wie»vürde es auch»vohl dem Ausschuß ergehe»,»venn er es emmal »vagen sollte, selbständig vorzugehen? Ein„eties Beispiel haben»vir ja 1893/94 gehabt. Da hatte in der Torpedoiverkstatt zu Friedrichsort der Arbeitsausschuß dem Direktor Harms gegenüber, der jetzt Vorsteher der Ablheilung für WohlfahrtSeinrichtunge», im Reichs-Marine-Amt ist, verschiedentlich auf seiner Meinung bestanden, und dann, als die Mitglieder sahen, daß sie»»»r Sirohnränner darstellen sollten, hatten sie eine Wiederivahl abgelehnt. Als dann die Neuwahl»viederum Vertreter ergab, die dem Direktor nicht genehm»vare», »vurden außer einer Anzahl tüchtiger Arbeiter, die er als die Ur- beber dieser Wahl ansah, auch der laugjährige Borsitzende, a in T a g e n a ch d e n» s e in An» t abgelaufen»var. gekündigt. obivohl er stets zu zahlreichen Vertranensslellungen, so unter anderem zur Abnahme der alljährlich von der Werkstatt für die hunderte von Arbeitern angekansten Kohlen für den Winterbedarf verivand» ivorden»var. Zi» diese»» Tagesbefehl des Herrn v. Ahlefeld erschien einige Tage später noch eine Fortsetzung,»velche besagt: „Das ReichS-Marine-Amt hat verfügt, daß die Bestimmung „An Sonnabenden und an den Vorabenden zu Festtagen ist die Arbeitszeit eine neunstündige" in der Ver- füguiig vom 19. v. M. lediglich zu dem Passus c, welcher f ü r die Waschanstalten besondere, von der Vorschrift in,§ ö Ziffer 1 der Arbeitsordnung. Theil I, abiveichende Bestimmungen über Arbeitszeit enthält, gehört." Diese Fortsetzung des Tagesbefehles hat ihre Ursache darin, daß die Meinung entstanden»var, die vom Marine-Amt angeordnete neunstündige Arbeilszeit an Sonnabenden und Vorabenden von Fest- lagen solle sür s ä in in t l i ch e Werftarbeiter gelten. Tamil ist es also nichts. Das»väre auch für«ine staatliche »Mnsteranstalt" zu viel!— Im englischen Maschincnbau-Gewerbe»vird es vorläufig zn einem Friedensschluß»och nicht kommen; die jüngste» Vorschläge der i Unteruehnrer sind von de» Arbeiter» mit ü b e r»v ä l t i g e n d e r Majorität v e r»v o r f e»>v o r d en. DieForlsetznngdes Kainpfes »vird nun für die Arbeiter in erhöhtem Maße zur bloßen Geldfrage. Freilvillige Saminlungen allein»verde» nicht mehr hinreichen, die großen Massen der Arbeitslose» zn unterstütze». Da das KanrpfeS- objekl jetzt«in ganz anderes ist, als zu Ansang der Differenzen, da es sich jetzt um das getverkschaslliche Prinzip überhaupt hmidelt, so habe» in der letzten Zeit eine Anzahl Gewerkschaftsführer,»velche mit den, erste» Vorgehen der Vereinigte» Maschinenbauer nicht ganz einverstanden»varen, denselben ihre S»)tt»pathie bekundet. Ans die Anfrage,»vie sie sich zn einer Nationalkouferenz der Geiverkschaften stellen, haben bis jetzt 180 Gewerkschaftskartelle in» zustimmende» Sinne geantivortet. Zivische» dem Londoner Trabes- Council (Geiverkschaflsrath) nnd den» Vorsitzenden des Parlamentari- scheu Koniitees, Mr. Woods, schweben Unterhandlungen bezüglich der Theilnahme des Komitees an der Konferenz: diese soll am nächsten Sonnabend in London zusainmentreten. Mitlleriveile hat eine Konserenz der Leiter der im Maschinenbau- und verivandte» Gewerbe existirende» Geiverkschaften getagt nnd die Situation be- rathe»; die Beschlüsse»verde» geheim gehalten.— Was die Geld- sannnlungen anlangen, so ist erfreillicheriveise»nitzutheile», daß die- selbe» in den letzten Wvchen eher»och gestiegen sind; in der Weihnachtswoche sind in, Bureau der Mafchiuenbauer üb» 10 000 Pfd. Sterl. eingegangen. � Deutsches Reich. — Wieder einmal gehen Gerüchte über«ine Neichskanzler-Krisis, und zivar aus Anlaß des Todes der Fürstin Hohenlohe. Die Nachricht soll nichts als eine der heute so üppig inS Kraut schießenden Kombinationen fein. Bei uns kommen Kanzler- und Ministerkrise» dann, wenn mau es am wenigste» erivartct.— — Zum nächstjährigen preußischen Etat finden sich in den Miquel-ofsiziösen„Berl. polit. Nachr." Mitthiilungen, denen»vir die folgenden eiitnehinei»: Die Einnahme» sind beirächilich höher angesetzt als für das laufende Rechninigsjahr, aber dieses Mehr»vird durch die Steigerung der Ausgaben bis auf einen verhäituißlnäßig geringen Beirag, der 4 Millionen Mark kam» überschreiiel, aufgezehrt. Abgesehen von einer kleineu Verbefferung in den finanziellen Berhältnissen z»»» Reiche liegt die Ursache vielmehr i» dem Steigen der Ueberschüffe soivohl der meisten staatliche» Beiriebsverivailungen niit Ausnahme der Eiseiibahneu, als auch der Steuern und stenerähnlichen Einnahme». Bei de» Belriebsverivaltunge» macht die Domäne»� verivaltnng eine Ausnahine, dagegen dürste bei der Forfl und nainentlich bei der Berg- und Hüttenvenvaltnng«in nicht un- erheblicher Mehrüberschub vorzusehen geivesen sein. Bei den direkte» Sleuern kom»»t der Eiuloimnenstener die Zugrundelegung des Turchschniiis der für Handel und Industrie g»i»stige» Jahre 1805/1897 zu gute. Diese guten Jahre spiegeln sich enlsprechend in den» höheren Ertrage der Steuer von dem Einkommen der Aktie»- und ähnlichen Eriverbsgesellschaften wider. Die Siempel- und Verkehrsabgabe» zeigen das der Be. »vegung des Verkehrs entsprechende Aiüvachsen. Kurzum, der sür allgemeine Siaalszivccke versügbar« Theil der Einnahmen dürste die im laufende» Jahre dafür bereitgestellte Snm»»e nicht unerheblich übertreffe». Auf der andere» Seite kommt in betracht, daß die große» Mehrausgaben sür die Ansbesserung der Gehälter der Beamten und Lehrer ziun»veitaus größeren Theile bereits i» dein Etat des lanfenden Jahres berücksichtigt sind,»vährend die Zinsersparniß insolge der Konvertirung der 4 pCt. Konsols diesen» erst zur Hälfte zu gute gekommen ist, zur anderen Hälfte aber erst in dem nächst jährigen Etat in die Erscheinung tritt. Wenn gleichivohl die dauernde» Ausgaben»»» rund 100 Millionen Mark höher zu beiucssen sein solle», als in» lausenden Jahre, so hängt dies zun» theil mit der Steigerung der Betriebsausgaben bei de» Eiiinahineverivaltnngen, namentlich der E>se»bab»ver>vallu»g, zu»»» theil auch inii h öherenAuswcndtt>»ge»fnr dieErsülln»g derKulturaufgabe» des Staates zusamine». I» dieser Hinsicht konnnen iiainentlich Ans »vendungen zur Hebung des geistigen nnd»virlhschafllichen Niveaus der Bevölkerung in deiracht. So sollen für 1893 u. v. a. er- bebliche Auflvendnngen für die Errichlung einer nenei» Technische» Hochschule gemacht und zur Förderung des geiverblichen Unterrichts »vesens erheblich über eine halbe Million Mark»»ehr in den Etat eingestellt»verde», als i»n lausenden Jahre. Von de» Ans, vn, billigen zur Befriedigung der agrarischen Wünsche»vird ansfälligeriveise in diesem Comnniniqne nichts ge. fprochen. Und doch sollen große Snmine» sür diese Zweck« in Aussicht genommen sei», so soll das Grundkapital der preußische» Zenlralgeiiossenschaftskaffe der„Deutsch«» Tages-Ztg." zufolge ans 20 Millionen erhöht»verde».— — Zur lex A r o n s. Gegenüber der Stellungnahme der linksstehende» Blätter zur lex Arons»nacht nanienilich die„Post' Beschivichligungsversnche. Es handle sich ausschließlich um die Gleich siellmig der Privatdozenlen mit anderen Beamte».„Es handeil sich also»ach der rechilichen Seile nicht darum, ein Ausnahmegesetz für Privatdozenten z» erlassen, sondern die ganz aiiznahmsiveise Ge stalinng der Dlsziplinarverhätinisse der Privat-Dozeiilei», welche unter Umständen einem xrmiegsium odiosum sehr ähnlich sehe», zugunsten derjenigen Einrichtung der Disziplinar- Gerichtsbarkeit zn beseitige»,»velche allgemein sür alle mittelbaren und umnittel- baren Staatsbeamte» in Geilung ist." Thatsächlich sind die Privatdozeuten aber»veder mittelbare noch nnmiltelbare Beamte». Ihre Slelluiig läßt sich nur aus dem Doppelcharakier uiiscrer denlschen Universitäten verstehen. Wir folge» bei uiiseren kurzen AuSsührunge» den Darlegiiiige» Jastroiv's in seiner Broschüre„Die Stellung der Privatdozente»", Berlin 1896. Die Universiläte» erscheinen zivar einerseits als Beilandiheile und Organe der Staatsverwaltung z. B. in» Siaatshanshalts-Elat, bei der staaiiichen Ernennung der Professoren u. s. ,v. Andererseiis aber sind die Universitälen selbständige Korporationen; das zeigi sich z. B in den» eigenen, vom Staaisvermöge» geirennien Univcrstläis- vermögen, in der Befngniß Titel zu verleihen, selbst an das Staats- oberhanpt u. f.»v. Der Staat hat für die Vollständigkeit des Lehr- plans zu sorgen und hat deshalb die nöthige Anzahl von Professor»» zn berufen. Neben diesen Profefforen, deren voller Tilel lautet krokessor ordinariu» p u d 1 i o u s, d. h. ordenllicher öffentlicher Professor, kann jede Fakultät innerhalb der Grenzen ihres Lehrgebieies Privatdozenlen zulassen, deren osfizieller Titel voctor privatim legens, d. h. Privat Vorlesungen haltender Doktor ist. Die Stellung der Privatdozente» ist selbst a» preußischen Uiiiversiiälen nicht überall bis in alle Einzelbeiten die gleiche. »»»»er aber ist es ausschließlich die Faknilät,»velche nach abgelegter rüfung dein Privatdozenlen die Lehrerlanbniß ertheilt. In Berlin »vird erst nach erfolgter Erlaiibnißercheilung durch die Faknilät von dieser dem Minister Mitlheilung gemacht. Der Privatdozent erhält also von» Staat»veder ei» Amt, noch einen Titel, noch gar ei» Gehalt oder eine Rennlneration— er hat infolge dessen auch keinerlei Gclöbniß oder Treueid(Beamleneid) zu leiste». Seine Rechte bestehe» einsach darin, daß er in de» Räumen der Universität Vorlesniigen halten darf, daß diese mit de» übrigen Vorlesungen angekündigt»verde», nnd daß,»venn er bezahlende Zuhörer findet, deren Zahlungen durch die Universitätsqnästur an ihn gelangen— mit einem Abzug von 2 pCt. für die Müheivaliung der'letzlere». Trotz dieser äußerlich sehr bescheidenen Stellung ist das Institut der Privatdozente»» von den Männern der Wissenschast stelS sehr hoch geschätzt ivorden. Und seine Bedeutung liegt»icht einmal i» erster Linie darin, daß die Privaidozenlen einen in bezug aus Lehr- qnalifikation leicht zu beurtheilenden Nachivnchs zur'Auswahl des Professorenersatzes bilde»; viel»vichliger ist es. daß nebe» den staatlich angesielllen Prosessoren freie akadewische Lehrer bestehe». Nu» haben»vir von dieser Freiheit, absolut geuoiumei», keine allzuhohe Meiiiiiiig;»vir erinnern daran, daß unser Genosse Conrad Schmidt in Leipzig nicht zur Habiiitalion als Privatdozent zugelassen»vurde, init der Begründung,„marxistische Wissenfchafc sei keine Wissenschaft", »vährend er kurze Zeil darauf in Zürich die Lehrerlaubniß erhielt. Immerhin kann man Jastroiv zustimmen, wenn er betont:„Andere Staaten haben freie Universitäten. Bei nnS in Deutschland ist das Privatdozententhnm das einzige Mittel, um neu auskommenden Rich- tunge», denen die augenblickliche Regierung abhold ist, eine» Einfluß ans die herainvachseiide Generation zn geivähren. Ist diese Bedeutung schon für politisch harmlose Wissen- schafle» groß, so ist sie unendlich viel größer sür alle Fächer, die mit Staat und Kirche zilsammeiihüngen. gegemvärtig wohl sür kein Fach mehr als für Nalionalökonomi« und Sozial- Politik." Und in der Sitzung des preußische» Abgeordnetenhauses vom 31. Mai l8SS erklärte Virchow:„Die Privaldozenten sind die eigent« liche» Träger der freien Wissenschaft." Unter diesen Umständen scheint es nicht»vnnderbar, iven» die heut allmächtige Klique den Versuch unternimmt, die Privaidozenien der ausschließlichen Disziplin der Fakultäten zu entrücke», um sie gegen alle Vernunft zu Quasibeamten zu stempeln und mehr oder iveniger der Willkür des Ministers aus- zuliefcrn. Wir wiederholen,»vir geben auf die heutige Freiheit der Wissenschaft nicht allzuviel. Immerhin bleibt es ein interessantes Schauspiel zu sehe», ob und»vie»seit die bürgerliche» Parteien in ihrer Zlngst vor der stegreich vordringenden Sozialdemo« kraiie dem reaklionäreu Ansturm»veichen»verde»». Bisher hat kein Mensch den Privaldozenten sür eine Art von Beamten gehalten. Ein Privaldozent nutzt einfach iiach vor fach- männischem Urtheil eriviescner Befähigung«in öffentliches Institut im allgemeinen Jutercsse aus. Vermag man erst einen Privat- dozenten»vegen seiner Thäligkeit zu einer bestimmten politischen Partei aus seiner Thäligkeit zu entfernen, so»st nicht abzusehen, »varüm nia» einem Sozialdemokraien»icht die Benutzung der „königlichen" Museen, der„königlichen" Bibliotheken oder gar des „königlichen" Thiergartens verbieten kann!— — Der Stern von Bethlehem. Zu dem Evangelinm und der Dornenkrone tritt nun auch der S t e r n von B e t h ls« h« m. Die„Berliner Neuesten Nachrichten", das Berliner Organ der schlesischen Kohlenbarone, sind es, die ihn i» einein Weihnachis- arlikel feierlich, iiireu:„Aus dem fernen Strande von Kiao- Tschou erglänzen zun» erste» Male die deutschen Weihnachisbänme. Möge ihr Licht ein Symbol sein, das, wie einst der Stern von Bethlehem den Hirten, unserem Volke zu e»ner große» Eniivickelnng voranleiichtet, deren Schlvelle es soeben über- schreiiet. zugleich ein Symbol der Herrschast christlicher Kultur über die Könige dort im Morgenland." Bekanntlich hat selbst die„Kreuz- Zeitung" die rednerisch- Benutzung christlicher Symbole leise getadelt. Genutzt hat ihre Warnung, die zarten Empfindunge» gläubiger Christen »icht zu streife», offenbar nichts. — DieFahrt nachChina. Das deuische Ch!»a-Gesch>vader ist heute vor Gibraltar angelangt. Nach einer Meldung ans N o in»vird dasselbe in einem süditalienischeu Hasen anlande».— — An die Adresse des„Werft- und H a f e n b o t e". „In eigener Sache" beiiielt sich ein Arlikel in dem vom Reichs- Marine-Amt protegirien Blaiie für die Werstarbeiier. der sich mit den» vom„Borivärts" i» Nummer 291 veröffonllichien Schreiben des Reichs-Marine-Amles an die kaiserl. Werst zn Kiel, llnd dsi» kritische» Aenßerungen des„Vorivärts" daz»», befaßt. Anknüpfend au die Mitlheiinng des Koutre-Adnnrals Bnchsel i» der Reichstags- sitzl»»g vom 15. Dezember, der auf die Bemerkungen Bebcl's z» der Sache sagte, daß der„Vorwärts" einen»vichtige» Satz»veggelaffen habe, sagt das Blatt, daß der„Vorivärts" das„Empfehlungs- schreiben"„arg verstüiliinelt" i» die Hände bekomme» habe, und meint wörtlich: „Aber Bebel, den wir für einen ehrlichen überzengnngslreuen Mann hallen, so gut»vie die Leiinng deS„Vorwärts" wurden ge- länfcht. In dem Schreibe», das der bekannte freu,»bliche Wind dem„Vorwärls" ans de» RedaklionStisch»vehie,»var ei» bedenk- sanier Satz unterschlagen. Der Satz nämlich, in dem der Staats- sekreiär bei der Verbreitung unseres Blattes jede„nnznläsfige Beeinflussung" verbietet. Und das ist einsach nnschön. Ehrliche Lenle, die zn ihrem Werk nichts anderes treibt, als die Liebe zum deutschen Volke und der Wunsch, daß alle, alle sich in erster Reihe als Angehörige der nämliche» Nation fühlen mögen, soliie man offen und ehrlich bekämpfen nnd nicht durch Hinlerlhüren." Wir Iheilten in Nr. 295 mit, daß das Schriflsiück so wie es veröffentlicht i st. unter den Meistern nnd Werk- f»ihrer» der Werst zirkulirt hat, und fügte»»vörilich Hinz«:„Hat der von» Kontre-Adniiral Bnchsel angegeben« Passus»u> Original der Verfügung des ReichS-Marine- Amles gestanden, dann hat eben die Kieler Werslbehörde den gerade nach Herrn Bnchsel so»vichligen Passus den Meistern und Werkführern nicht mitgelheill." Man dar»»vohl erivarten, daß der„Werst- und Hafenbote" de» von ihn» ausgesprochenen Grundsätzen für den politischen Kampf auch selbst nachlebe»»vill und deshalb mittheilt, daß es die kaiserl. Werft selbst»var, die das Schreibe» so„arg versininmelt" zirkulire» ließ. Vielleicht kniipit sie daran anch einige Erörterungen über die Frage,»veshaib ivohi die Wersiverwaliimg de» Satz fortließ, der die„unzulässige Bceinflnssnng" beim Abonnentensuche» verbietet. — Die Zahl der römisch-katholischen Ordens- Niederlassungen nnd der Mitglieder solcher Ocden hat seit einer Reihe von Jahren stark zugcnomuie» und zwar nicht allein der absolute» Zahl»ach. sondern anch unter Berücksichtigung der gleich- zeilig eingelreienen Zunahm« der gesammle»»»vie der römisch« lalholische» Bevöilernng. Zu Ende der Jahre 1386, 1890 und 1896»varen in Preuße»: Zins 100 000 Personen der Ordens« OrdenS- Niederlassungen Mitglieder Gesa>» mi- röinisch-kathol. bevöilernng Bevölkerung entfiel«»» römisch-katholische OrdenSmilglieder 25,3 74.4 37,4 100,4 54,0 156,1. ist in zehn Jahren de»»- 1386... 746 7248 1890... 1027 11217 1896... 1 399 17393 Die Zahl der Ordensiiiederlaffmigen nach fast auf das Doppell« gestiegen, wählend die Mitgliederzahk noch in weit stärkerem Veihäliiiib gestiegen ist. Es handelt sich bei diesem Orden nun freilich nicht ausschließlich um religiöse Gesellschasien, soiidern sie beschäftigen sich vielfach mit Krankenpflege, Unterricht, Erziehung, serner auch mit der Leitung der katholischen Jungsranen-, Gesellen- und Arbeitervereine. Es scheint uns aber kein gesunder Geist und keine erstrebenswerlhe Enüvictlung zu sein, wenn derartige Funklionen immer mehr in die Hände religiöser Körperschasle» über- gehen. Freilich ist der neuerdings in boben Reglern», gckreisen immer mehr gepflegte Geist der Muckerei in starkem Maaße dazu angethan, eine so»»»gesunde Eniivickelnng zu sörder».— — Die Kon k»irren z der fremden Schiffe in der deutschen K n st e n s ch i f f s a h r l soll,»vie die Küstenschifffahrt treibenden kleineren Rheder in neuerer Zeit immer»vieder betonen, außerordentlich drückend und sür die deutsche Schifffahrt schiver schädigend geivorde» sei». Die„Siat. Korr." hat es unternommen, »u prüfen, inwieiveit diese Klagen berechligt sind. Zur Küsten- schiffsahrt im Denlschen Reich sind zugelassen die Schiffe Echivedens, Norivegeus, Dänemarks, Großbritanniens, der Niederlande, Belgiens, Jialicns nnd Brasiliens. Die„Etat. Korr." kommt z» dem Endergebniß, daß sich die ans de» Knsteiischifffahrt treibenden Kreisen und seitens der kleinen Rhederei geführte Klage, daß sie durch eine» Wetikampf der zur Kiisienfrachisahrt im Deutschen Reiche zugelassene» Flaggen in ihren» Geiverbe schiver geschädig» würden, im allgemeinen nicht bestätigt. Zur Zeit beeinträchtige» die aus deutsche»» in preußischen Häfe» in» Küfteuverkehre angekommene» Fahrzeuge fremder Nationakilät»veder durch«ine übermäßige Anzahl,»och duich eine besonders starke Traglähigkeil oder durch ein vortheilhasteres Bcladiingsverhäliniß die deuische» an der preußischen Ost- oder Nordsecküste empsindlich. Noch iveniger kau» von einer Ver- drängung unserer Küstenfahrer in der eigenen Heiinath die Rede sein.— — Chronik der Eisenbahnunfälle. Der Echafsiier Jürgens von der Entin-Lübeckcr Bah», der inOiteiidorf ans den >» Fahrt befindlichen Zug springen»voll»«, glitt hierbei aus nnd»vnrde überfahre». Er»var sofort eu»e Leiche, der Kops»var buchstäblich zermalmt. Aus Aachen wird amilich gemeldet: Am 26. abends kurz nach 10 Uhr stieß der von Neuß kommende Personenzug 98 aus Slaliou Herzogeuralh bei der Einfahrt infolge UebersahreiiS des Halie- »gnals auf ein« zurücksetzend« Wagenabiheilnng des Güter- jilgeS 1147 auf. Anscheinend nicht erheblich verletzt»vurde» Zng- und Lokomotivführer deS Personenzuges, sowie Lokoiiiolivsührer, Heizer mib ein Hilssbreuiser des Güterzuges. Reisende wurden nicht verletzt. D>>rch den alsbuld erschienene» Bahnnrzt wnrde den Verletzieu die erforderliche Hilfe z» lheil. Der Materialschaden ist nicht nnbeirächllich. Mit de» SlnfrSuinungS- arbeiten wurde alZbald begonnen, so daß nach Verlauf von zwei Stunden das eine Geleise wieder fahrbar war. Das andere Geleise wird heule wieder fahrbar sein. Die Reisenden des ver- »»glückte» Personenzuges wurden mit etwa 4S Minute» Verspätung mittels eines bereiigcslellten HilsszugeS nach Aachen weiter besördert. Der um II Uhr 37 Minuten auf Bahnhof Aachen- Rh. fällige Berliner Schnellzug erlilt hierdurch eine Verspätung von über drei Stunden. Die Untersuchung ist bereits eingeleitet. AnZ Boppard wird der.Voss. Ztg." am 27. Dezember tele« zraphirt: Heute früh kurz vor 7 Uhr fließen zwei Güterzüge un- »litielbar vor der hiesigen Station znsamme»,»»dein einer dem «»der» in die Flanke fuhr. Die Maschinen und zwei Wagen sind entgleist. Der Materialschaden ist groß, verletzt ist niemand.— Ei» von Bergneustadt nach Siegburg fahrender Personenzug entgleiste vor der Station Ründeroth, glücklicherweise blieben die Wagen au dein hohen Damm stehen. Einige Personen sind leicht verletzt.— — Ueber das Befinden des Fürsten Bismarck wurden in der letzte» Zeit stark widersprechende Nachrichten ver- breitet. In seinen„Hamburger Nachrichten" läßt er nun selbst mit- theilen, daß er weder schlafe»,»och Besuche empfangen oder Briefe beantworte» kau».— — Ueber des S o z i a l i st e n fr e f s e rs Hans Blum »noralische Qualifikation erfährt man näheres aus dem Bericht für das letzte Geschäftsjahr der A n iv a l t s k a in m e r für das Königreich Sachsen. Dort sind die Gründe für den Ans- schlug Bluut's ans der Nnwallschaft einzeln angeführt. So hat derselbe in 17 Fällen 354 Mark zu viel Gebühren erhoben. I» einem andere» Falle hat er einen Ueber- schnß von 275 Mark nicht herausgezahlt, und darüber wissentlich falsch« Angaben gemacht. In verschiedene» anderen Prozessen hat er unsanbere Manipulationen mit unwahren Behaiiptunge» zu vertuschen versucht, und dadurch andere Berufs- genossen gänzlich unbegründet verdächtigt. Bei einer Rechnung hat er die Einnahme um 266 M. zu niedrig angegeben, außerdem»och zit viel Gebühren aufgesetzt. Der geschädigten Partei(einer Frau) schuldet er jetzt noch 40(1 M. In einigen Fällen hat er unverhältnißmäßig hohe» Vorschuß ver- langt, dann sich obendrein um die Sache nicht ge- kümmert und, um das zu bemänteln, unwahre Angaben über de» Stand und Verlauf der Sache gemacht. In einem anderen Falle wieder hat er Vorschuß verlaugt, den Prozeß aber überhaupt nicht angestrengt; nach 12 Jahren kam die Geschichte erst heraus. Das sind so die krassesten Fälle. Außerdem hat ihm sei» Verhalten, ehe es zum Ausschluß kam, viel« Rügen und Mißbillignnge» seitens der Anwaltskammer eingetragen. Bei der Strafaiisinessting hat man berücksichtigt, daß das Verhallen des Angeklagten den That- bestand der Unterschlagung erfülle, daß das Motiv Eigennutz gewesen, und daß die von ihm a m meisten Geschädigte eine arme Partei war. Taiizig, 25. Dez. Der Vorsitzende des polnische» Wahlkomitees für den Kreis Putzig macht bekannt, daß die verschiedenen in Aus- ficht genommenen polnischen Wählerversammlungen im Kreise Putzig vorläufig nicht stattfinden können, weil den Polen in all' den de- treffenden Orten deS Kreises die Säle veriveigert werde». Was die betreffenden Wirthe selbstverständlich samint und sonders aus freien Stücken, ohne irgend eine Beeinflussung thn»! Wir habe» es, sagt nun selbst die„Köln. Volksztg.", mit der Bersannnlungsfreihett doch schon herrlich weit gebracht.— Apenrade, 26. Dezember. Der stellvertretende Land- r a't h deS Kreises Apenrade hat eine Bekanntmachung veröffentlicht, nach der sämmtliche Gemeindevorsteher bei AnSfendung der üblichen Laufzettel sich der deutschen Sprache in de» Gemeinden zu bedienen haben. Durchgehends sind derartige Bekannt- machungen bisher in dänischer Sprache erfolgt. Auch dürfen künftig keine Feuerversicherungspolicen in dänischer Sprache an die Orts- behörden resp. Ortsvorsteher eingesandt werden.— •—„Grober Unfug." In Sachsen wird das Austragen von Flugblättern häufig als Verstoß gegen§ 360, II deS Strafgesetzbuchs bestraft. Natürlich sind es stets Sozial- demokraten, die solche Strafen erleiden. Nicht in alle» Richter- kreisen scheint diese Auslegepraxis, die das Oberlandgericht gebilligt hat, Beifall zu finden. So wird uns aus Bautzen berichtet: „Zwei hiestge Parteigenoffen trugen am 2b. April ein Mai- Flugblatt aus. Sie wurde,» deshalb vor den Elrafrichter gezogen. Schöffengericht und Landgericht sprachen sie aber frei, weil sie bei der Bertheilnng der Flugblätter i» der anständigsten Weise, ohne„aufdringlich" zu fein, verfahre» waren. Der Staatsanwalt legte gegen das Urtheil der Strafkammer Revision beim Oberlandgericht ein. Von diesem wurde die Sache denn auch zurückverwiesen. Bei der nunmehr stattgefundenen noch- malige» Verhandlung hat dasselbe Gericht, welches vorher frei- gesprochen hat. herausgefunden, daß die beiden Uebelthäter doch „groben Unsttg' begange» haben. Sie wurden deshalb jeder zu 15 M. Geldstraf« vernrtheilt." Es wird höchste Zelt, daß die Gesetzgebung der seltsamen Aus- legung sächsischer Richter hinsichtlich des Groben Unfugs-Paragraphen ernstlich entgegentritt.— — Ein Offizier-Brief. Die Frankfurter.Volksstimme" theilt folgendes an ehemalige Angehörige einer Kompagnie des Jnfanterie-Regimenls Nr. 97 gerichtetes, hektographirtes, aber eigen- händig unterschriebenes Schreiben mit: „Saarburg, den IS. 12. 1SS7. Lieber....... Wie Sie sich erinnern. ist Ende vorigen JahreS. als Sie noch bei der Kompagnie standen, ein anonymer Brief, d.h. ei» Brief, der nicht unterschrieben war, mit allerlei Verleumbnugen. Verdächtigungen und Ueoertreibungen über mich und die Zustände in der Kompagnie an de» Herrn Brigade-Koinmandeur geschrieben worden. Ein gleicher Brief ist auch in diesem Jahr geschrieben worden, in dem auch von übertriebenen Löhnungsabzügen die Rede ist. Sie stehe» jetzt nicht mehr bei der Kompagnie, haben also nichts zu fürchten, wen» Sie den gemeinen Menschen, der sich dafür rächen will, daß er von mir zur Zucht und Ordnung erzogen resp. gezwungen ward, anzeige». Ich bitte Sie also: l. Theilen Sie mir unter Benutzung der anliegenden Brief- nmrke mit, wenn Sie irgend welchen Verdacht gegen de» Thäter haben, oder 2. Wen» Sie gehört haben, daß jemand damit gedroht hat, er wolle einen anonymen Brief schreiben, oder 3. Ob Sie vielleicht gegen einen Zivilisten aus Saarburg hier Verdacht hegen, oe» Brief geschrieben zu haben. Den» es ist ja klar, daß der Schreiber ei» außerhalb der Kompagnie stehender Mensch ist, der Veranlasser ist jedenfalls aber in der Kompagnie selbst zu suche». Mein Verdacht lenkt sich sowohl gegen die Unteroffiziere, wie gegen die Mannschafte». Ich gebe demjenigen, welcher mir de» Schreiber resp. de» Beranlaner zu den anonyme» Briefe» angiebt, hundert Mark. Mit Gruß und herzlichstem Dank im voraus Ihr ehemaliger Hauptmann. Lebser." Nicht mit unrecht wirft die„Volksstimme" die Frage auf, ob nicht ein bürgerlicher Angeschuldigter, der solche Briefe schreibt, wegen Kollusionsgefahr Bekanntschaft mit der Untersuchungshast machen würde. Besonders bemerkenswerth ist aber in dem Briese des HanpmannS die Versicherung, daß die ehemaligen Soldaten, da sie jetzt nicht mehr bei der Kompagnie stehen, nichts mehr zu fürchten habe». Soll dadurch einmal ans berufenem Munde die von militärischer Seile so oft bestrittene Behauptung bestätigt werden. daß die Soldaten, so lange sie im Dienstverhällniß stehen, sehr viel zu fürchten haben, wenn sie alles, was sie wissen, sagen wollten?—. Aus Hesse», 23. Dezember.(Eig. Ber.) Eine Vermehrung der F a b r i k a u f s i ch t s- A e m t e r ist in dem soeben den Land- ständen zugegangene» Nachtrag zu dem Hauptvoranschlag für die Finauzperiode 1897/1900 vorgesehen. Damit hat die hessische Re- gierung der vom Abg. Ulrich in dem Finanzausschuß gegebenen Anregung Folge geleistet. Zur Zeit bat Hesse» nur zwei Fabrik- inspektionen. Der Aufsichtsbezirk der einen erstreckt sich auf die Provinz Starkenburg. Sie hat ihren Sitz in Darmstadt. Der ihr seither unterstellte Offen bacher Jndustriebezirk soll nunmehr eine selbständige Fabrikinspektio» erhalten. Eine Vermehrung des Beamtenpersonals ist jedoch dabei nicht vorgesehen. Die neue Stelle soll durch einen der seitherigen Assistenten der Darmstädter Inspektion besetzt werden. Der Nachlragsetat sieht darum nur ein« Mehrersorderniß von SSV M. an Gehalt vor; außerdem au Diäten 500 M. und an Bureaukosten 400 M.. zusammen also 1780 M. für die geplante Neuordnung. Das Beamtenpersonal der drei Fabrik- Aufsichtiämter würde sich sonach folgender- maße» vertheilen: Für de» Mainzer Bezirk ein Inspektor, ein Assistent und eine der im Hauptvorauschlag vorgesehenen Assisten- tinnen; für den D a r m st ä d t e r und den Offen bacher Be« zirk nur je ei» Inspektor und zusammen eine Assistentin. Die Besetzung der beide» letztere» Bezirke erscheint als durchaus unzu- länglich. Die Anstellung zwei weiterer Assistenten und einer dritten Aisistenlin ist nothwendig, wenn die Aemter auch nur einigermaßen ihrer wichtigen Funktion gerecht werden solle». Des weiteren muß aber auch dieTheilung desMainzer Aufsichtsbezirks, der dieProvinzen Rheinhessen und Oberhessen umfaßt, gefordert werden. Oberhessen mit dem Gießener Juduftriebezirk bietet hinlänglich Arbeit für«in viertes selbständiges Jnspektionsamt. Wen» für die Förderung der landwirthschaftlichensBodenmelioration vier Knlturinspektioneniam Platze sind, ist es nicht unbillig, mindestens ebenso viele Fabrik- inspektionen zu fordern. Für die Kulturinspektions-Aemter sind an Gehältern, Remunerationen. Reise- und Bureaukosten im neuen Budget ausgeworfen: 79 300 M. während für die FabrikanfsichtS- Aemter nur 29 250 M. vorgesehen sind. Der Schutz der Industrie- arbeiterschast ist nicht weniger wichtig als die Hebung der Land- wirthschaft; also mehr Personal und mehr Geld her für, eine auS- giebigere Fabrikaussicht!— — Eine Schiffsdemonstration am Bodensee mit Gewinnung einer Kohlenstation am südlichen Ufer desselben soll in all-deutschen Kreisen nun erwogen werden. Anlaß zu diesem weiteren Schritt in Ausführung des weltpolitischen Programmes giebt die folgende Notiz, die wir in verschiedenen Schweizer Blätter gefunden haben: Ei» Studirender a»S Breslau, namens Schindler, hat sich durch Vermittlung deS deutschen Konsulates in Zürich bei der deutschen Gesandtschaft in Bern über die Züricher Polizei be- schwert. Der Verhaftung eines Deutschen zusehend, sei er fest- genommen und für eine Nacht eingesteckt worden, obwohl er die Legitimationskarte vorgewiesen. Ueberdies sei er von der Polizei mißhandelt worden. — Chronik der MajestätS b e l ei d i g u n g S-Proz esse. Wegen Majestätsbeleidigung wurde der Handarbeiter Jnngmann ans Altendorf in geheimer Sitzung des Chemnitzer Landgerichts zu drei Monaten Gefängniß vernrtheilt. Wege» Kaiserbeleidigung wurde der Wirker Karl Müller von Apolda zu drei Monaten Gefängniß vernrtheilt. Müller war schwer angetrunken in das Restaurant zur„Zentralhalle" gekonunen und hatte sich mit dem HilfSpostillon A. Schäfer in einen Wortwechsel eingelassen, in dessen Verlaus die zur Bestrafung hinreichende Antwort fiel. Schäfer veranlaßte die Anzeige und Müller wnrde verurtheilt, trotzdem er lebhaft bedauerte, nicht die Absicht gehabt zu habe», den Kaiser be- leidigen zu wollen, sich überhaupt infolge seines Znstandes aus nichts mehr besinnen könne. Die Braunschweiger Strafkammer verhandelte am 24. d. M. gegen den Dieustkuecht Neddermeyer aus Watenstedt(Kreis Wolfen- büttel), der angeschuldigt war, einem Arbeiter gegenüber abfällig über den Kaiser und die Kaiserin gesprochen zu haben. Da die Be- leidiguug geringfügig war und der Angeklagte sich noch im jugend- lichen Alter befindet, erkannte der Gerichtshof auf die geringste zu- lässige Strafe von zwei Monaten F e st u n g s h a s l.— Oesterreich. — Die Feiertage sind nicht ganz ruhig verlaufen. In Krakau kam es zu Znsammenstößen von Studenten mit unsere» Parteigenossen, in O l»> ü tz platzte«ine dem Anscheine in der Wirkung nach ganz ungefährliche Bombe, in Prag ließ man bereits um II Uhr die Wirthshäuser sperren und verstärkt« den Palrouillendienst. Von dem mit den nationalen Polen und Czechen bisher am engsten verbundenen Führer der dentsche» katholischen Volkspartei, dem Abgeordnete» Dr. Ebenboch, ist eine Kundgebung erschienen, in denen er die slavischen Parteiführer vor allznstarker Betonung des panslaviftischen Stand- Punktes warnt. Die nationale Bewegung greift nun auch in die bisher ftockklerikalen Alpenländer über und deshalb sucht nun Herr Ebenhoch, wie vor ihn» schon verschiedene tyroler klerikale Ab- geordnete, einzulenken.— Ungarn. Budapest, 26. Dezember. Die von der U n a b h ä n g i g k e i t s- parte» für heute Nachmittag einberufene Versammlung, ivelche als Kundgebung gegen die P r o v i s o r i u>» s v o r l a g e zu gunste» des selbständigen Zollgebietes geplant war, verlief vollkommen ergebniß- los. In dem Versammlungslokale hatten sich Sozialdemo- traten in überwiegender Mehrheit eingefunden, welche die anwesenden Unabhängigen mit den Rufen:„Es lebe die Sozial- demokratie! Gerechtigkeit und Brot!" überschrien. Der Ab- geordnete Franz Kossuth wurde mit de» Rufe» ein- pfangen:„Nieder mit dem größten öffentliche» Ausbeuter!" Es entstand großer Tumult, doch kam es nicht zu Tbätlichkeite». Unter diese» Umständen erklärte die Leitung der Unavdängigkeiis- Partei, daß die Versammlung nicht abgehalten werden könne, woraus die Versainmelte» auseinanderginge». Gestern und heute fand hier ein Kongreß der nngari- scheu Feldarbeiter statt; es gelangten verschiedene Beschluß- antrüge zur Annahme, nuter anderem ein Antrag, daß die Arbeits- dauer vorläufig aus 12 Stunden festgesetzt iverde, ferner solche betr. Abschaffung der Durchschnittsarbeit. Bezahlung der Ueberstuiideil und Baarbczahluug jeder Arbeit. Die Berhaudlungen des Kongresses iverde» morgen forlgesetzt.— Schweiz. — Die V o l k S a b st i»>»> il» g über die Eisenbahnverstaat- lichungs-Vorlage dürfte am 20. Februar ISSS stallfinden, da 30 000 Schweizer Bürger dies« Abstimmung fordern.— Frankreich. Paris, 23. Dezember.(Eig. Ber.) Der Regierung ist nnn auch in diesem Jahre nicht geliingen. die rechtzeitige Bewilligung des Budgets(bis zum 31. Dezember) zu stände zu bringen. Mit der ihr eigeiithümliche» Gewissenhaftigkeit wälzt sie die Schuld auf die Opposilion ab, welche in Ausübung ihrer Pflicht daS Schlendrian» Budget der Regierung n»d der regiernngSfrenndliche» Budget- Koinmission durch demokratiscbe Anträge zu verbessern ge- sucht und vielfach auch verbessert hat. Zugleich aber setzte die um die Rechtzeitigkeit des Budgetvotnins so besorgte Re- giermig gegen die Stimmen der Opposition daS Votum von zwei provisorische» Zwöfteln durch, trotzdem bei Ber- knrzung der Weihiiachisferien ei» einziges Zwölftel genügt hälte. Der Wunsch der Regierung»ach längeren Ferien wird init recht in Zusanimenbaug mit der Affäre Dreyfus-Esterhazy gebracht. Der militärische Klüngel hat alles Juteresse daran, die Affäre in Ab- Wesenheit der uniiiittelbaren Parlainentskontrolle erledige« zu lassen. Andererseits macht eine Verfchleppmig der Budgetberaihung bis zum Schluß der Legislatur die Berathung mancher jahrelang harrende» Reform unmöglich. Der Senat hat die O k t r o i- R e f o r m in der vo» der Kammer votirte» Fassung angenommen. Das ist die einzige Leistung der grundsätzlich in reaktionärem Interesse faulenzenden Körperschaft im Laufe der Herbstsession. Und doch harren der Entscheidung deS Senats das Haftpflichtgesetz seit zwei Monate» und die deino- kratische Reform der Erbschaftssteuer seit zwei Jahre». Das Lyon er Kriegsgericht hat wieder einmal die Schön« heiten der Militärjustiz offenbart. Ei» sozialistischer Journalist, Quay-Cendre, halte in seinem Blatte drei Offiziere wegen brutaler Soldatenmißhaiidlungeu getadelt. Die drei Vertreter der „Osfiziersehre" antworteten mit einem feigen Ueberfall des wehr- losen Journalisten. Und das Kriegsgericht sprach die Raufbolde, trotz der erdrückenden Zeugenaussage», frei.— — Die Vorbereitungen zu den Wahlen, die schon daS ganze politische Leben beherrsche». habe» auch die letzte ParlamentSsitzung vor dem Weihnachtsfest beschäftigt. In Frankreich wurde, was im Deutschen Reiche blos Gegenstand sozialdemokratischer Jniatiativauträge ist, vor jeder Wahl e»t- sprechend der Bevölkerungsverschiebimg die Zahl der Wahlkreise neu bestimmt. Während das gegenwärtige Parlament aus 581 Ab- geordneten besteht, wird das künftige blos aus 578 bestehen. Merkwürdigerweise haben die Städte Verluste, das platte Land Gewinne an Abgeordnetensitzen zu verzeichnen. Speziell Aron- disseinenls mit starker sozialistischer Bevölkerung wie Paris, Lille, Lyon, Marseille u. a. werden in ihrer Vertreterzahl gekürzt. Ein bische» Falschheil scheint auch dabei zu sei».— Valence a. Rhone, 25. Dezember. Auf einem Bankett, welches heute hier stattfand, hielt Löon Bourgeois«ine Rede, in welcher er der Regierung vorwarf, sie habe sich mit den Reaktionäre», Klerikalen und Monarchisten verbunden, und in der er ausführte, die wahre» Republikaner müßten vor dieser Berbindung. die nicht allein der Regierung, sondern dem Vaterlande selbst verhängnißvoll iverden könnte, anf der Hut sein. Am Schlüsse seiner Siede führte Bourgeois als nothwendige Reforme» an Arbeiter-Gesetz- gebung, Einkommensteuer und Revision der Ver« s a s s u n g.— Belgien. Brüssel, 26. Dezember. Der gestern hier stattgehabte Arbeiter- Kongreß der Liberale», an welchem 57 Gesellschaften theilnnhnien, erklärte sich für die Annahme des anliklerikalen und demokratischen Programms. Viel Arbeiter dürften an diesem„liberalen Arbeiler-Kongreß" nicht cheilgenommen haben.— England. London. 25. Dezember. Die„Morning Post" meldet auS New-Jork: Da>na» glaubt, daß die U n z n s r i e d e» h e i t s- Bewegung in Kanada ans die Sliininiing in I» d i e n Einfluß ausgeübt hat, ordnete die kanadische Regierung auf Ersuchen der großbritannisctien Regierung die Konfiskation aller Mannskripte init anfreizendei» Inhalt an. Auf diese Weise ist die Erörterung der Frage der Annexion durch die Vereinigten Staaten sowie der Frage einer Handels- Union mit den Vereinigten Staaten ver- hindert.— — Der angebliche Zaren-Attentäter Burtscheiv' AuS London ivird der„Polit. Corr." geschrieben: Burtscheiv ist keinesivegs beschuldigt, selbst ei» Attentat gegen den Zaren vor- bereitet zu haben, sonder» die Anklage lautet, er habe verschiedene Personen dazu«rninthigt und aufgefordert, Angriffe gegen das Leben des Zare» zu unlernehnieii. Dabei wird nicht auf eine besondere That hingewiese», fondern der Uinstaud angcsiihrl, daß die von Burtscheiv unter dem Titel„Narodovojetz"(Wille des Volkes) heraus» gegebenen FIngschrisle» heimlich»ach Rußland eingeführt und dort verbreitet wurden, womit also die Aufforderung zu Attentaten begangen sei. Es wird indessen anerkannt, daß die Schriften ivcder de» Sozialismus»och den Anarchismus predigen, vielmehr nur eine scharfe»nd aiifreizeude Kritik an de» RegierungS- hanbliinge» des Zaren üben. In allen eingeweibte» Kreisen wird daher die Freisprechung B u r t s ch e>v' s als sicher voraus- gesagt, da die englischen Gesetze eine Bestrafung derartiger Thätigkeit nicht zulassen und der ganze Prozeß nur ein- geleilet wurde, um dem Zare» den guten Wille» der englischen Regierungskreise z» zeige».— lieber die Person Burtschew's ist»ur noch zu sagen, daß derselbe 34 Jahre alt ist n»d aus el»er kleinen Stadt des östliche» Gonverneineuts Kasan sta»n»t. Er kam in» Aller von 20 Jahren»ach Petersburg, um Rechlswissenschaft zu studireu; doch»ölbigte ih» Geldmangel, daS Studium»ach zwei Jahren zu niilerbreche» und i» seiner Heimath eine Hanslehrer- stelle anzunehnie». Da wurde er plötzlich im Jahre 1885 unter der Aiischuldigiing, ein geheimer Sendbote des sreigeistigen und revolulionäre» Schriftstellers Lopati» zu sein, verhaftet, ivoraus man ib» zwei Jahre lang in einem entsetzlichen Kerker der Stadt Kasan hielt und dann ohne jeden Prozeß»ach Sibirien schaff!«. Schon ei» halbes Jahr später war er aus Sibirien«ulflohe»»nd traf im Winter 1887/83 in Genf ein, wo er sich an der Zeitschrift„Frei-Rnßland"(Swoboduaya Ruffya) beiheiligte. Seit 1892 lebte er ii»n»le> brachen in London, wo er besonders das i» kulturgeschichtlicher Hinsicht als werthvoll anerkannte Werk„Ei» Jabrhunderl politische» Lebens i» Rußland" verfaßte. Tasselbe fand auch große Verbreitung in den gebildeten Kreisen Rußlands, n»d gerade ivegen der darin enthalienen ein- gehenden Schilderungen der in de» Hof-»nd Regiernngskreise» herrschenden Korruption ist man in Petersburg gegen Burtscheiv auf das höchste erbitten.— — Das Schiedsgericht in der venezolanischen Angelegenheit. Ans Ansuche» der Regierungen von England und Venezuela hat der Zar, wie der„Regiernngsbote"»leldet, den Professor Gehcimralh vo» Martens als Vorsitzenden des Schieds- geeichtes in dem Grenzstreite zlvische» den genannten Staaten be- slätigt. Das Gericht soll in Paris tagen.— Italic«. Rom, 26. Dezember. Wie verlautet, hat der zur Untersuchung der Angelegenheit Crispi eingesetzte Ansschnß der Depnlirten- kannner Crispi ersucht, am 5. Jaunar im Ausschüsse zu er- cheine».— Rom, 26. Dezember. Zur Marokko-Frage. Da sich bisher die marokkauische Regierung geiveigert bat, die von Italien zur AnSIöiuiig der Gefangenen a» die Risspirale» gezahlten Geld- betrüge zurückzuerstatten, so beabsichtigt die italienische Regierung, ein U l t i m a t u in an den Sultan vo» Maroklo zu richten. Darin oll im Weigerungsfälle die Besetzung des Hafen Platzes des Bacoya-Gebietes an der Riffküste angedroht werden.— Tpanic». Madrid, 25. Dezember. Einer Erklärung deS Jnsnrgenten- 'ührerö Maxiino Womez zufolge sei Oberst Rniz alS Spion und nicht als Parlainentär in das Jnsiirgentenlager gekomme» und des- halb gehängt worden. Man hätte bei Rniz große Geldsmiunen ge- rinden, die er zu Bestechungen verwenden wollte.— Madrid, 25. Dezember. Eine Depesche ans New-Aork meldet. anf Kuba sei wieder eine aus de» Vereiniglen Staaten kommende Flibustier-Expedilion gelandet. Das Madrider Blatt„Jmparrial" sagt, daß insolg« der letzte» Note General Woodfords die Nothwendigkeit für Spanien seine Flotte z» ver», ehren, uin«inen eventuellen Konflikt mit den Ver- einigte» Staate» ruhig entgegensehen zu können, ernstlich ins Auge gefaßt iverden müsse.— A»S H a v a» a wird telegraphirt: Eine Anzahl Personen ver- sammelten sich gester» vor dem Hause des Blattes„Diario de la Marina" und riefe»:„Nieder mit der Antouomie!" Kavallerie zer» streute die Mauifestaule». Der Kundgebung wird keiuerlei Be» deutung beigemessen. Dagegen scheinen sich die Nachrichten von der Wiederherstellung deS Friedens aus den Philippinen zu bestätigen.— Griechenland. Athen, 25. Dezember. Die Rechtfertigungsbroschüre der Etbnike Hetairia ist erschiene». Sie erklärt, die ersten Gründer der Gesellschaft seien Offiziere gewesen. Der Zweck der Eihncke Helairia war die Dereinignng aller Hellenen in demselben nationalen Bunde, und zu diesem Zwecke hätte sie sich ihre Gesinnungsgenosse» in allen Kreise» des Hcllenisnius gesucht. Die Broschüre veröffentlicht eine lange Unterredung, die ein abgesandtes Mitglied mit Delyannis hatte; in dieser habe der Ministerpräsident nicht nur seine Zustimmung zur Bildung von Jrregnlären-Banden gegeben, sondern habe deren Ausmarsch mit Ungeduld erwartet. Ein in die Broschüre aufgenommenes Protokoll des Minister- raths konstatirt, daß die Minister in der Sitzung vom 12. März 1S97 beschlossen, der Elhnike Hetairia ans den Militär- Magazinen öOOOOO Patronen zu liefern, ivelche thatsächlich dem Vertreter der Hetairia in Thessalien übergeben wurden. Zwei Offiziere der regulären Armee, MylonnaiS mid Kapsalopnlo, wurden nach persönlicher Genehmigung Dehiannis' durch den Kriegsminister zur Ethnika Hetairia abgeordnet, um ihre Schaaren zu befehligen. Die Broschüre nennt die Namen von etwa 30 Ossizieren, welche im Kriege gefallen, die alle Mitglieder der Hetairia waren. Tie Broschüre schließt mit einer Berechnung der Finauzgebahrung der Hetairia. ivelche insgesammt eine Summe von 1 200 000 Drachmen zu ihrer Ver- sügung hatte.— Athen, 2->1»»!>«»>»«>. Das Nechk dev �andlunAsgohilfen vom 1, Januav 1898 ab. EZ iuar wohl einer der glücklichsle» Gedanle» der sozial- demokratischen Mitglieder, die der Kommission z»r Berathuna des Handelsgesetzbuches ii» Vorjahre angekörlen: den Abschnitt VI, der oas Recht der Handlungsgehilfen und Lehrlinge regelt, schon vom I. Januar 1898 ab in Geltung treten zu lassen, während das ganze Handelsgesetzbuch, wie das Bürgerliche Gesetzbuch erst 1990 wirksam wird. Anfangs erregte der Vorschlag Befremden, weil er in keiner der Interessenten- Petitionen und-Eingaben angeregt ivar und so jedermann überraschend kam. In der zweiten Lesung betonte selbst die Regierung bereits, daß die juristisch- technischen Bedenken gegen die vorzeitige In- krastsetzuug eines Theilcs eines einheitlichen, umfang- reicheren Gesetzgebnngswerkes in diesem Falle nicht unüberwindlich seien. In der bürgerlichen Presse wird jetzt vielfach die Frage auf- geworfen, ob früher geschlossene und nach dem früheren Recht zulässige, nach dem Januar I89S noch iveiterlaufende Arbeits- Verträge zwischen Unternehmern und Gehilfen(oder Lehrlingen) Ausnahme n von den Arbeiterschutzvorschriflen des Abschnittes VI schaffen können. Auch die„V o s s i s ch e Zeitung" bestreitet das. Sie hebt mit vollem Recht hervor: Es ist ein allgemein anerkannter rechtlicher Grundsah, daß. wenn sich auch ein Gesetz eine rückwirkende Kraft nicht aus- drücklich beilegt, diese Wirkung doch ans dem Inhalt des neuen Gesetzes abgeleitet werde» kann. Dabei ist natürlich ein be- solideres Gewicht ans die Gründe zu legen, die den Gesetzgeber zum Erlaß des Gesetzes bestimmt habe». Und wenn diese Gründe vorwiegend öffentlich rechtlicher Natur sind, wenn der Gesetzgeber aus dringenden Rücksichten ans das Gemeinwohl eine Vorschrift getroffen hat, so wird man in der Regel nicht sehlgehen, wenn man annimmt, daß der Gesetzgeber auch die bestehenden Rechtsverhältnisse dem neue» Recht hat unterwerfen»vollen. So verhält es sich aber bei der Neuregelung des Rechts der Handlnngsgehilfen und Lehrlinge. Unverkennbar hat den Gesetzgeber hierbei die Absicht geleitet, aus Gründen des Gemeinwohls die Lage der Gehilfen und Lehrlinge zu verbessern und in ihrem Interesse die bestehende Vertrags f r e i h e i t wesentlich einzuschränken. Gerade der Umstand, daß in deni neuen Recht ans diesem Gebiete vielfach z w i n g e» d e s Recht geschaffen und die Freiheit der Parteien, ab> weichende Vorschriften zu treffen, gänzlich beseitigt worden ist, dü> sle sich der Schluß ergeben, daß diese neue Vorschriften auch auf die am I. Januar». I. bestehende» Verträge zur Anwendung kominen und daß solche A b ni a ch u n g e n n i ch t i g s i n d, die dem neue n Recht widersprechen. Die Hanptvortheile der neuen gesetzlichen Regelung lasse» sich wohl in solgendenr skizziren: Gegen eine ungebührliche Verzögerung der GebaltS- zahlung sind die Gehilfen dadurch geschützt, daß die Zahlung an» Schlüsse jedes Monats erfolgen muß, inid nur eine frühere, nicht eine spätere Zahlung durch Vereinbarung erfolgen kann. Das alle Handelsgesetzbuch sah zwar bestinnnte Kündignngs f r i st e n als Regel vor, ließ aber ihre Abänderung durch freie Vereinbarung schrankenlos z». Das Kapital hat sich so mehr und mehr von jeder Fessel befreit, der Angestellte konnte jeden Augen- blick ohne Umstände und Kosten auf die Straße gesetzt werden. Jetzt gilt die Vestinnnnng, daß die Auflösung des Dienst- Verhältnisses durch Kündigung vertragsmäßig nicht für einen anderen Zeitpunkt als für das Ende eines Kalender- Monats gestaltet werden kann; die Kündiaungssrist muß für beide Theile gleich sein, sie darf nicht weniger als einen Monat betragen. Unter diese Grenzen darf kein Bertrag den Gehilfen herabdrücken. Liegt kein besonderer Vertrag vor, so gilt der K 66: Das Diensiverhältniß zwischen dem Prinzipal und dem Handlungsgehilfen kann, wenn es snr unbestimmte Zeit ein- gegangen ist, von jedem Theile für den Schluß eines Kalender- viertelzahres unter Einhaltung einer Kündigungsfrist von sechs Wochen gekündigt werden. Wird der Handlungsgehilfe durch unverschuldetes Un- glück an der Leistung der Dienste verhindert, so behält er seinen Anspruch auf Gehalt und Unterhalt, jedoch nicht über die Datier von sechs Wochen hinaus. Der Handlungsgehilfe ist nicht verpflichtet, sich den Betrag an- rechnen zu lassen, der ihm für die Zeit der Verhindernng ans einer Kranken- oder Unfall Versicherung zukonnnt. Eine Vereinbarung, welche dieser Vorschrift zuwiderläuft, ist nichtig. Weiter ist der Prinzipal verpflichtet, die Geschäftsräume und die für den Geschäftsbetrieb bestimmten Vorrichtungen und Geräth- schasten so einzurichten und zn unterhalten, auch den Geschäftsbetrieb und die Arbeitszeit so zu regeln, daß der Handlungsgehilfe Nloutenkbildev aus der BerUuerArbeitergeschichtedes Jahres 1897. I. An Verfolgungen aller Art hat es in Berlin auch in diesem Jahre nicht gefehlt, doch haben auch die härtesten Schläge in keiner Weise vermocht, den Vormarsch anszuhalten. sie haben vielmehr nur dazu beigetragen, die Herzen der Arbeiter für die Ziele der Arbeiter» bewegnug noch mehr z» begeistern und zu entflannnen. An der Jahresivende angelangt, erscheint es angebracht, die Berliner Arbeitergeschichte in kurzen Momeutbildern den Genossen noch einmal vorzuführen. Das Jahr 1397 sehte gleich mit einem für die Arbeiterschaft nicht unwichtigen Ereigniß ein: Vom 1. Januar ab erschien das einzige hiesige Arbeiterorgan— abgesehen von der Fachpresse— der .Vorwärts, Berliner Bolksblall" in erheblich verbesserter Form. Der 4. brachte das erhebende Schauspiel der Aussperrung von 35 Fensterputzern seitens des Fensterreinigungs- Jnstitnts der Berliner Glaser-Jnnnng. Die Venvegene» hallen die Kühnheit gehabt, Bezahlung für am Nenjahrstage geleistete Arbeit zu vcr- langen. Am 7. behandelte Liebknecht in einer Volksversammlung in Charlottenbnrg den H a s e n a r b e i t e r st r e i k i» Hamburg. Das erste Opfer des§ lö3 der Gewcrbe-Ordnung wurde am 8. Schriftsetzer Mendt. Aus Berufung des Staatsanwalts wurde der- selbe von der Strafkammer wegen Ehrverletzung, begangen im Streik in der Bartel'sche» Buchdruckerei in Nen-Weißensee, zn einer Woche Gesangniß verurtheilt. Der 19. war der 29jährige Gedenktag der Wahl der ersten Sozialdemokraten für Berlin in den Reichstag. Die damals Ge- wählten waren Fritzsche(4. Wahlkreis) und Hasenclever(6. Wahl- kreis). Der§ 153 der Gcwerbe-Ordnung forderte an, 12. ein weiteres Opker. In zweiter Instanz wurde Zimmermann Robert Schütze mit 8 Wochen Gefängniß belegt. Ani 15. fand die Eröffnung der Lesehalle der Arbeiter-BildungS- schule statt. Gegen eine Verschlechterung der Bäckereiverordnung proteftirte» die Bäcker am 18. bei Keller. Wege» Beleidigung des Reichstags- Restanrateurs Hoflieferant Friedrich Schulze durch die Presse wurde am 19. Redakteur Zeiske gegen eine Gefährdung seiner Gesilndheit, soweit die Natur des Betriebes es gestaltet, geschützt und die Aufrechterhallung der guten Sitten und des An st and es gesichert ist.— Ist der Handlungsgehilse in die häusliche Gemeinschaft aufgenommen, so hat der Prinzipal in Ansehung des Wohn- und Schlafraumes, der Verpflegung sowie der Arbeits- und Erholnngszeit diejenigen Einrichtungen und Anordnungen zu treffen, ivelche mit Rücksicht auf die Gesundheit, die Sittlichkeit und die Religio» der Handlungsgehilfen erforderlich sind.— Die dem Prinzipal hiernach obliegende» Verpflichtungen können nicht im voraus durch Vertrag aufgehoben oder beschränkt iverde». Die Koiikurrenzklausel ganz zu beseitigen, gelang der sozial- demokratischen Fraktion nicht. Ihr Antrag in der Kommission ging zunächst dahin: Eine Vereinbarung zwischen dem Prinzipal und dem Handlnngsgehilfen, durch welche dieser für die Zeit nach der Beendi- gnng des Dienstverhältnisses in seiner gewerblichen Thätigkeit beschränkt ivird, ist» i ch t i g. Für de» Fall der Ablehnung dieser Bestimmung sollte ei» Schutz gegen die maßlose Fortkoiumenserschiverung wenigstens i» folgender Weise gesichert werden: Eine Beschränkung darf sich höchstens auf eine Zeitdauer von einem Jahre, vom Tage des Austritts a» gerechnet, erstrecken. Es darf nur der Eintritt in ei» Geschäft gleicher Art(Branche) oder die Begründung eines Geschäfts gleicher Art(Branche) inner- halb einer Entfernung von einem Kilometer von der Betriebsstätte des vertragschließenden Geschäslsinhabers aus versagt werden. Eine Konventionalstrafe darf die Hälfte des Jahresgehalts des vertragschließende» Handlungsgehilfen nicht übersteige». Für die Dauer der Beschränkung ist dem Handlinigsgehilsen die Hälfte seines bisherigen Gehalts weiter zn zahlen. Eine Vereinbarung, die diesen Vorschriften zuwiderläuft, ist nichtig. Man wird zugeben müsse», daß sich auf diesem Gebiete vielfach unversöhnliche Interessen gegenüberstehen. Sind doch oft gerade die kleinen Geschäftsleute Anhänger der Konkurrenzklausel, iveil sie in beständiger Angst lebe», ein abgehender Koniinis könne sich sofort als Konkurrent neben sie setzen und die mühsam herangezogene Kund- schaft ohne Mühe zn sich herüberziehe», weil er in die Bezugsquellen und die sonstigen Geschäftsverhältnisse des allen Kanfnianns Einblick geivonne» hat. Jndeß sind die denkbaren Fälle eines wirklich häßlichen unlauteren Wettbewerbs in Wirklichkeil selten; dagegen waren für die Gehilfen die immer härter werdende» Konkurrenz- klansel» geradezu zn einer Kalamität geivorden. Hier stand sich eben Interesse gegen Interesse, und es ivar Pflicht der Sozialdemokratie, sich rückhaltlos auf die Seile der Lohnarbeit zn stellen. Der Reichs- tag, wie vorher auch die Regierung, suchte natürlich nm des Kapitals willen eine Mittellinie zu finden. Mancher Wunsch der Handlnngs- gehilfen ist so unerfüllt geblieben, immerhin ist ei» dicker Strich durch die meiste» der üblichen Wncherverlräge gemacht worden. Die tz§ 74 und 75 lauten jetzt: ß 74. Eine Vereinbarung zivische» dem Prinzipal n»d dem Hand- lungsgehilsen, durch welche dieser für die Zeit nach der Beendi- gung des Dienstverhältnisses in seiner gewerblichen Thätigkeit be- schränkt wird, ist für de» Handlungsgehilfen nur insoweit verbind- lich, als die Beschränknng»ach Zeit, Ort und Gegenstand nicht die Grenzen überschreitet, durch welche eine unbillige Er- s ch w e r u n g des Fortkounnens des Handlungsgehilfen aus- geschlossen wird. Die Beschränkung kann nicht auf einen Zeitraum von mehr als drei Jahren von der Beeiidigung des Dienstverhältnisses an erstreckt iverde». Die Vereinbarung ist nichtig, wenn der Handlungsgehilfe zur Zeit des Abschlusses minderjährig ist. 8 75. Giebt der Prinzipal durch vertragswidriges Verhalten dem Handlnngsgehilfen Grund das Dienflverhältniß aufzulösen, so kann er aus einer Vereinbarung der im§ 74 bezeichneten Art Ansprüche nicht geltend machen. Das Gleiche gilt, wen» der Prinzipal das Dienstverhältniß kündigt, es sei de»», daß für die Kündigung ein erheblicher Anlaß vorliegt, den er nicht verschuldet hat, oder daß während der Dauer der Beschränkung dem Handlungsgehilse» das zuletzt von ihm bezogene Gehalt fort- gezahlt ivird. Hat der Handlungsgehilfe für de» Fall, daß er die in der Vereinbarung übernommene Verpflichtnng nicht erfüllt, eine Strafe versprochen, so kann der Prinzipal nur die verivirkte Strafe ver- langen; der Zluspruch auf Erfüllnug oder auf Ersatz eines iveitere» Schadens ist ausgelchlosseu. Die Vorschriften des Bürgerliche» Gesetzbuches über die Herabsetzung einer uuverhällnißmäßig hohen Verlragsstrafe bleibe» unberührt. Vereiiibarungen, welche diesen Vorschriste» zuwiderlausen sind nichiig. Die letzten Paragraphen können offenbar auch noch für bereits vom„Gastivirlhsgehilfen" mit 599 M. Geldstrafe oder 50 Tage» Gefängniß belegt. Am 29. begann der Kursus für Gesetzesknnde, den die städtische» Behörden auf Antrag Sladlhagen eingerichtet. Der Monat Februar führte sich mit einem Bcleiduugsprozeß gegen die Genossen Patt. Naßivey und Näther ein, ivelcher am 3. zur Verhandlung gelangte und mit Verurlheilnng der Ucbelthäter zn 39, 12 und 29 M. Geldstrafe endete. Dem Jahreslage des große» Konfektionsarbeiter- Streiks galten die am 9. stattgehabte» fünf großen Schneider-Versammlnngen. Am 19. gelciteien die Genossen des 6. Wahlkreises Heinrich Endrikatis zn Grabe niid bereiteten ihm auf dem Todteuncker der freireligiösen Gemeinde eine bleibende Ruhestäite. Am 12. hatten sich die Geuossen Bmiczkiwicz und Morawski wegen Beleidigung von Polizeibeamten vor Gericht zu verant- ivorlen ilud wurde dies« Frevelthat mit 159 M. bezw. 399 M. Geld- sträfe geahndet. Vom 15—17. tagte der Kongreß der Bau-, Erd» und gewerb- lichen Hilfsarbeiter in Berlin. Am 18. wurden in der Revisionsinstanz die Genossen Aenster- gerling zn 8 Tagen Gefängniß, Gerlach und Hcißner zn je 19 M. Geldstrafe wegen Vergehens gegen das VereinSgesetz verurtheilt. Der Monat März trat bereits i» das Zeichen der Reichstags- wählen. Am 7. wurde Genosse Sladlhagen von einer Volks- versammliing in Lichtenberg als Reichstags- Kandidat für Nieder- Barnim aufgestellt. Wege» Vergehen gegen tz 153 der Gewerbe- Ordnung wurden nm 19. die Metallschleifer Diener und Schmidt mit 1 Monat bezw. 1 Woche Gefängniß belegt. Genosse Elze dagegen am 12. ivegen Beleidigung»ines Kauf- manns mit 39 M. Geldstrafe. Weiler erfolgte am 12. die Neugründung des Verein?»Freie Volksbühne". Ein ercignißreicher Tag war der 13. Derselbe begann mit der Anssperrnng der Arbeiter in hiesigen Schnhsabrike» seitens des Fabrikantenvereins. Sodann folgten einige gerichtliche Dramen. Es ivnrde in der Revisionsinstanz Genosse Hulh wegen Bürger- meisterbeleidiguiig mit I Woche Gefängniß bestraft. Redakteur Jacobey(Vorwärts) erhielt 4 Woche» Hast wegen Beleidigung der Breslauer Staatsanwaltschafl. Abends veranstaltete der Leseklub Karl Marx für diesen«ine Gedachtnißfeier. Der 15. brachte eine Verurtheilung des Genossen Retzera» in der Revisionsinstanz ,» zwei Monaten Gefängniß wegen Gen- gelöste„Dienst"verhältnisse wichtig sei». Wer am 31. Dezember 1897 ans einem Geschäfte scheidet, aber sich durch eine Konkurrenzklausel vertragsmäßig aiif lange Jahre verpflichtete, in kein konkurrirendes Geschäft einzutreten, ist nunmehr nur bis zum 31. Dezember 1999 gebunden. Auch die Besiinimung des ß 64(Zahlung des Gehalts spätestens zum Schlüsse jeden Monats), Z 75(Schadensersatzpflicht für den Fall unberechtigter Enllnffnng oder berechtigten Austritts) und die Bestiinmnngen über Handlnngslehrlinge(ZZ 76—82) treten mit dem 1. Januar 1893 für alle Handelsverträge in kraft. Die bürgerliche Presse fordert ihre Leser aus,»bei Zeilen ihre Verträge zn revidiren und mit dem neuen Recht in Nebcreinstimmung zu bringen, damit ihnen nicht nach dem Inkrafttreten des neuen Gesetzbuches unliebsame Ueberraschungen bereitet iverde»." Auch die Gehilfe» werden gut Ihn», sich über ihre» neuen Rechtszustand recht eingehend zn inforiniren und sich gegen Nebcrriimpelungen und Gegen- schachzüge der Unternehmer auf den für die Verlragsfreiheit»och offengelässenen Gebieten möglichst vorzusehen und zu sichern. Tokales� Achinug, 1. Wahlkreis! Am Mittwoch, abends 8 Uhr, findet in den„Arminhalle»", Kommandantenstr. 29, eine Wahlvereins-Ver- sammluug statt. In dieser Versammlung wird die Disknssion zwischen dem Genosse» A n g n st T ä t e r o iv und dem National- Soziale» Herr» Michalski fortgesetzt. Es ist eines jeden Partei- genösse» Pflicht, i» dieser Versammlung zu erscheinen.(S. Annonce.) _ Der V o r st a n d. Slnö der Praxis der städtische» Ariueiisiflege. Die letzte Bezirksversamniluug des ArmeuamIS XII(Moabit) hat sich mit dem „ E x i st e n z m i n i in u in" beschäftigt. Der nionatliche Geldbedarf zur Beschaffung des zum Lebensunterhalt Unentbehrlichen ist bei erivcrbsunfähigen alleinstehenden Personen(die keinerlei Einkünfte haben und auch nicht bei Verivnndtc» wohnen) für Franen auf 18—29 M., für Männer auf nur wenig mehr, bei erwerbsunfähigen Ehepaaren aber auf 39 M. bemessen worden. Stur bei besonderer Pflegebcdürfligkcit oder sonst besondere» Verhältnissen soll Ueber- schreilung dieser Sätze gestattet sei».. Alters- und Jnvaliditäts- rente», Pensionen u. s. w. solle», wie bisher, nicht voll auf das „Existenzminimum" angerechnet werden, sondern es soll, damit die Empsänger von de» durch ihre Beiträge erworbenen Rechten eine» Vorthcil habe», auch hier„ein mäßiges Hinausgeheu über die Sätze des zum Lebensunterhalt unbedingt Erforderliche»" zn- lässig sei». Bei Feststellung dieses„Existenzminiinums" hat man sich eines eigenthümlichen Verfahrens bedient. Man hat. wie aus dem im„Gemeindeblatt" veröffentlichten Versauimlungsprolokoll zu ersehen ist, sich darauf gestützt, daß gegen- ivärtig unter den erwerbsunfähigen Zlluioseiiempfängern von den iveiblicheu rund 19 pCl. 13—21 M., 2 pCt. über 21 M., von den uiännlichen 16 pCt. 18—21 M., 5 pCt. über 21 M. pro Monat er- halten. Man scheint also einfach von der entschieden unzutreffenden Annahme ausgegangen zu sein, daß die Unterstützungssätze, iveil sie bisher üblich gewesen sind, nun auch ivirklich ausreichend geivcsen seien; wenigstens wird in dem Protokoll nicht gesagt, daß auch d i e Frage von neuem erörtert worden ist, ivas denn das zum Lebens- unterhalt Unentbehrliche sei, und ob das tlfalsächlich für 29 M. bei einer beziehungsiveise 39 M. bei z>vei Person«» zn beschaffen sei.— Wie diese so festgestellte» Grundsätze vom Arnienamt bei Genehmigung einer Reihe von Armenkominissions- Beschlüssen angewendet wurden. das möge durch folgende Beispiele beleuchtet werden. Für zivei Willwen von 85 und 73 Jahre» ivnrde wegen hoher Mielhe das monatliche Almosen von 29 auf 23 M. erhöht. Die eine bekommt von der Kirche noch 12 M. pro Halbjahr, zahlt aber pro Monat 15 M. Miethe, behält also für Nahrung, Kleidung, Heizung Zc. inonatlich 19 M. Die andere bezahlt 14 M. Miethe, »ehält also nur 9 M. E'ner 74jährigen Wittwe wurden gleichfalls 23 statt 29 M. beivilligt, iveil sie besonderer Pflege bedarf; sie be- hält bei 9 M. Miethe 14 M. übrig. Von gleicher Dürftigkeit waren die Unterstütznilge» mehrerer Ehepaare, die zum theil schon hoch in den siebziger» siehe». Z. B. erhielt ein 73jähriger Arbeiter niil 63jäkriger Frau»eben 13.65 M. Rente 15 M. Almosen, bleiben nach Abzug von 11.25 M. Miethe noch 17,49 M. für„das zum Lebensunterhalt unbedingt Erforderliche". Familie» mit enverbs- unsähigein Ernährer wurden verhäliuißinäßig noch dürftiger unter- stützt. Ein 69jähriger Arbeiter mit 38jährjger Frau und 4 Kindern erhielt 19 M. Almosen»eben 11,95 M. Rente; bleiben nach Ab« zug von 15 M. Miethe»och 6,95 M. pro Monat. Ein 42jähriger Arbeiter mit Frau und 5 Kindern, deren jüngstes 3 Monate alt ist, erhielt»eben 11,39 M. Invalidenrente 15 M. Almosen,„mit Rücksicht auf die niedrige Lebenshalluug der Familie". Die Miethe beträgt 12 M., wovon 19 M. durch Schlafbursche» eingebracht werde»; außerdem verdicul die Frau. Auf„die»ngehenerlichen Zustände der Wohnung" soll die Polizei ausinerksain gemacht ivcrdcn. darmenbeleidigung, begangen in der Gemeindevertretung zu Rix- darf. An demselben Tage wurde Redakteur Dierl(Roland.„Vorw.") wegen Beleidigung des Herr» Dr. Hans Bliim zu 159 M. Geldstrafe verurtheilt. Der 13. März wurde wieder in großartiger Weise begangen durch Kranzniederlegung im Friedrichshain und Abhaltung zahl- reicher Volksversammlungen. Diesem Volksfeste folgte am 22. die d>i»astisch>i»ilitärische Zenlenarseier, welche für die Arbeiterscbast einen unfreiwilligen, theilweise unbezahlten Feiertag bedeutete. Wegen Aufreizung wurde am 27. Genosse Waychta vor Gericht gestellt. Das Urtheil lautete auf 1 Monat Gefängniß. Wege» Beleidigung des Aintsvorslehers von Steglitz wurden an deinselben Tage die Geuossen Mohr, Schwericke tt»d Bachman» in eine Geldstrafe von je 29 M gcnouimen. Am 28. erfüllten die Genossen des 6. Wahlkreises die letzte Ehrenpflicht gegen Reymund Schlüter, demselbe» zahlreich das Grab- geleil gebend. Der Monat März schloß würdig init der am 39. erfolgten Ver- nrlheilung des Redakteurs Jacobey(„Vorwärts") zu 59 M. Geld- strafe ivegen Uebertrelung des Preßgesetzes ab. Der Monat April stand»» allgemeinen unter dem Zeichen der Kongresse. Ein bedeutsames Eingaugsereigniß war die am 4. staltgehabte Bestattung des SHeichstags-Abgeordnete» Karl Schnitze(Königsberg) ans dem Friedhofe der Freireligiösen Gemeinde. Weiler trat an diesem Tage der Provinzialtag der Zimmerer der Provinz Brandenburg in den Arinin-Hallen znsaiinne». Ferner fand an demselben Tage die Gründung eines Bildungsvereins für Frauen und Mädchen in Rixvorf stall. Der Prozeß Koschemann und Gen. nahm am 6. seinen Anfang. Aufsehen erregle am 7. die nach vorgenommener Haussuchung er- folgte Bcrhaftnng einer Reihe bekannter Genossen des 4. und 6. Wahl- kreises in Angelegenheit eines Liederbuches. Während der Osterfeiertage am 13. und 19. tagte die 6. General- versaininlnng des Verbandes der in Holzbearbeitnngs-Fabriken und auf Holzplätzen beschäftigten Arbeiter. Am 19. hielt die dritte Provinzial-Konferenz der Holzarbeiter Brandenburgs in Rixdorf ihre Tagung ab. Vom 19. bis 29. tagte bei Bnske die ziveite Provinzial-Konferenz der Maurer der Provinz Brandenburg. Der 22. brachte dein Genosse» Eduard Waychte, Redakteur der „Gazeta Robotnitza" 1 Monat Gefängniß wegen Beleidigung durch die Presse ei». Dc>- Protokoll sagt. eZ„evscheine �veiselliafl", ob ia diese» FSllen die Unlerhaltmig geailge. das Exlstenzminimmil sei auf 50—55 M. 3» schätze». Auch wo aliineulaliousfähige itiuder sind, muß oft»och Almosen gezahlt werde». Vo» de» Absetzungen der bisherigen Nuler- slutzuug ist besouders iuleressaut ei» Fall, wo einer Wittwe»nt 2L0 M. JahreSpeufiou, deren Tochter als Tclephonisti» täglich 3 M. bat ii»d deren Cohn, ein Prediger, gleichfalls uulersltitzt, das bis« tzerigc Monalsalinosen von 15 M. entzöge» wurde. Auch ci» Jnbiläitm. Ai» 3. Januar 1893 werde» es»wanzig Jagre, daß Hosprediger Stöcker zuerst in einer sozialdemokratischen Persammlnua in Berlin gesprochen hat. Das Häuflein der Christlich- Sozialen will diesen Tag festlich begehe». Das wird eine merk- würdige Feier werde». Herr Stöcker war ausgezogen,»in die Berliner Arbeiter von der Sozialdemokratie znrnckznrnfe». Trotz feiner Eisenslirn wird er selbst nicht zu behaupten wage», daß er »nr de» geringsten Erfolg mit seinen Lockrufe» gehabt hat. Er ist jetzt ein völlig abzcwirthschaftelcr Mann. Seit ihm die Sonne der Hofannst nicht mehr lächelt, ist mit scine», Einfluß auch die Zahl seiner Anhänger rapid gesunken. Ei» Theil ist zu de»»vnservativen. er» Theil zu den Anlisemiten, ein dritter und zwar der bessere Theil z» den Nalionalsoziale» n bergegangen. Seine Vorsannnlnngen flnd schlecht besucht und sein Blatt, das„Volk-, hält sich n»r durch die Zuschüsse des Millionärs, der dahinter steht. Zliich in den Kreisen der evangelischen Geistlichen ist sein Anhang znsannnengcschinolzen. Die preußische Generalsynode hat ihn nicht wieder in den General- synodalvorsiand gewählt. Das vorige Mal halte ihn seine eigene kirchenpolitische Gruppe, die positive Union, schon bei der Wahl schnöde in Stich gelassen. Diesmal ist er gar nicht erst rvieder aufgestellt worden. Kurz, er ist„fertig", und wenn das Jnbilänm am 3. Januar deS nächsten JahreS überhaupt einen Sinn hätte, dann müßte es eine politische T o d t e n>» e s s e sein. Stöcker hat von der Sozialdemokratie esse» ivollen und ist daran gestorben. Anderen Leute», die mit geringerem Verstände, aber noch unbändigerem Wortschwall gegen nnS losziehen, wird es ebenso kläglich ergehen. Famose HanSordnung. Unter dieser Spitzmarke wird einem hiesigen Blatte ans Barmen berichtet, daß die dortigen Hausbesitzer in ihren Mielhsvertrag«ine Bestimmung anfgenonnnen haben, die de» Miethern direkt verbietet. Fremde oder andere Personen, welche nicht zu ihre», Haushalt gehören, in die Wohnung aufzunehmen; demnach darf kein Miether irgend welchen Besuch von auswärtige» Freunden über Nacht beherberge». Die Bestiminnug ist durchaus nicht neu, fondern findet fich mit der einzigen Aenderung, daß dazu die s ch r i f t l i ch e Genehmigung des Vermiethers erforderlich ist, fast in allen Berliner Miethsverträgen, ferner auch in dem Miethsvertrag des Schöneberger Hansdesitzervereins, der 1892 unter der Leitung des freisinnigen NeichZtagS- und LandtagSkandidaten Gustav Müller herausgegeben wurde. Neu in dem Banner Vertrag ist die Bestimmung, daß die Mielher abends zu ordentlicher Zeit sich im Hause einfinden sollen. Diese Forde- rnng ist aber auch erklärlich, wenn man daran denkt, welche hohe Anschauung der Vorsitzende des HanSbefitzervcreinS in Barme», Herr Bornefeld, von der Bedeutung des Hauses hat. Im Jahre 1839 auf dem Hausbesitzer-Verbandstage i» Dresden hielt er eine lange Vorlesung darüber, daß dein Menschen die Wohnung nöthiger fei als das Esten, Trinke» und Kleidung; er zitirte die Rede Ciceros xro ckomo und leitete daraus den Grundsatz her, daß es die erste Pflicht des Mensche» sei, seinem Hanswirthe die Miethe zu bezahlen, und wenn er darüber auch verhungern sollte. Uebrigens haben die Hansbesitzer- vereine in Barmen und Elberfeld bei der Ersatzwahl für den verstorbenen LandtagSabgeordneten Dr. Graf eine» eigenen Kandidaten, den Vorsitzenden des Elberfeldcr Vereins, Eickworlh, aufgestellt. Diese Kandidatur segelte ebenfalls wie die dcs Hansbcsitzervereins-Vorsitzende» Gustav Müller in Schöneberg unter freisinniger Flagge. Dafi ungehörige Sistirnngcu nicht nur in Berlin sondern auch in anderen Städten Preußen-Deutschlands vorkomme», haben wir wiederholt nachgewiesen. Ueber eine neue Polizeithat wird jetzt ans Frankfurt a. M. folgendes berichtet- Ein junger Ingenieur, der am 9. Dezember ans Frankfurt am Main abends.»ach Darnistadt zurückkehre» wollte, wurde ans Veranlassung eines Herrn»nd zweier Damen verhaftet, weil sie in ihm denjenigen wiedererkennen wollten, der am II. November, 2. und 6. Dezember die Damen insultirt und ihre Kleider verunreinigt halte. Der junge Mann hatte erst am Tage vorher die Stelle als Ingenieur in Frankfurt angetreten»nd sich bis dahin in Darmstadt aufgehalten. Er belhenerte bei der Verhaftung seine Unschuld und erbot sich, sofort durch Zeugen sein Alibi a» de» drei Tagen»achzuweisen. Vergeblich, er wurde nach dem Polizei- gefängniß gebracht. Erst am folgenden Tage, so berichtet der„Darmst. Tägl. Anz.*, wurde er einem Lkriminalkommissar vorgeführt, dein er wiederum auss bestimmteste versicherte, daß ein Jrrthum vorliege. Er bat, ihn doch an seine Elten, schreiben zn lasse», die bezeugen würden, daß seine Angabe» ans Wahrheit be- ruhten. Ins Gesängniß zurückgeführt, war«S ihm nicht möglich, die Erlau bniß zum Schreiben z u erlangen, statt dessen wnrde er photographirt, nach der neuen Methode gemessen, und es wurde ei» Abdruck seiner Hände genommen— er also wie«in Verbrecher dehandelt! Am Sonnlag früh wurde er. m i t e i n e r K e t t e an einen anderen Gefangenen gefesselt, von dem Polizeigefängniß nach dem Gcrichtsgebände transportirt und dem Untersuchungsrichter vorgeführt, ivelcher ihn nach einem Verhör von wenige» Minuten und einer telephonischen Ansrage bei dem de- treffenden Etablissement in Freiheit sehte. Der Polizeibericht hatte schon am Sonnabend gemeldet: Fest- genommen wnrde gestern ein durch Karte der Technische» Hochschule in Darmstadt legilimirter Ingenieur, welcher hiesige Damen auf öffentlicher Straße wiederholt unanständig belästigt und ihre Kleider verunreinigt hat." Der empörende Vorfall weist»och einige Einzel- heiten ans, die erwähnt werde» müssen: Von Freitag Abend bis Sonntag früh erhielt der Verhaftete drei Stücke Brot und einen Teller Linsensuppe. Dafür wurden ihm bei der Freilassung 1,60 M. abgefordert. Aber es ivnrde ihm nicht gesagt, daß er sich für sei» Geld selbst Eßwaaren beschaffen dürfte. Ferner: Die von dem Ber- hafteten als Zeugen genannten Personen, angesehene Bürger, wohnten in der nächsten Nähe des Nevierbnreans! Es giebt immer noch idealistisch gesinnte Seelen im deutschen Bürgerthum, die sich der Hoffnung hingeben, daß die Polizei bei uns zu Lande sich zu der zivilen Form, welche der englischen Polizei eigen, entwickeln könnte. Ob dieser Glaube nicht endlich einmal durch die jahraus, jahrein wiederkehrenden Klagelieder wankend ge- macht wird? Radfahrerkarten. Da? konigk. Polizeipräsidium tbctlt niit: Die für die Jahre 1396 und 1897 gelösten Fahrkarten für Radfahrer (Z 10 der Polizeiverordnnng vom 23. März 1393) behalten auch für das Jahr 1393 bis aus weiteres G i l t t g k e i t. Einer Neu- aiisstellnng bedarf es daher nicht. Staubfreie Müllabfuhr. Unter Bezugnahine auf Z 1°° des Straßenpolizei• Reglements in der Fassung der Polizeiverordnnng vom 30. Januar 1895 bringt das Polizeipräsidium mit Zustimmung des Magistrats zur öffentlichen Kenntuiß:„Vom I. Mai nächsten Jahres ab werden nur diejenige» Müllabfuhr- System« zugelassen werde», die, als den polizeilichen Anforderungen genügend, öffentllch bekannt gegeben worden flnd. Als solche sind, wie unter Bezugnahine auf die Bekanntmachung vom 2. März d. I. bemerkt wird, zur Zeit zu bezeichnen: I. System Kinsbruner D. R. P 79 862 und 87 233, D. R. G. M. 45 575; 2. System Geduld U.Komp. D.pi.P. 79 275; 3. das sogenannte Wechselkastensystem; hierzu tritt 4. System Eger D. R. P. Kl. 31 S. 8796.' Die städtische Sparkasse wird, da der 2. Januar auf einen Sonntag fällt, beim diesmaligen Vierteljahrsschluß vier Tage ge- schlössen bleiben. Am 30. und 31. d. M. zur Durchsicht der Kasse am 1. und 2. nächsten Monats wegen der daraus folgenden Feiertage. Ter Fall Mittenzweig-Knorr. welcher, wie bekannt, mit der Vernrlheilung des Redakteurs Knorr zu der schweren Strafe Ivo» drei Monaten Gesängniß geendet hat. soll in weiterer Folge den Ehrenrath der Berlin- Brandenbnrgischen Aerztekammer demnächst beschäftigen. Tie Handhabe dazu soll in der UrlheilS- begriindnng gegen Knorr zu suchen sein, worin ausdrücklich gesagt war. daß nach der Ueberzeugnng des Gerichts Dr. Miltenzweig in zwei Fällen inkorrekt gehandelt habe. Tie Fcrnsprcch-Vcrbiudnng mit Bünde in Westfalen ist er- öffnet. Die Gebühr für ein gewöhnliche» Gespräch bis zur Dauer vo» 3 Minuten beträgt 1 M. Taö Medizinische WaarenhauS in Berlin hat nach der „Siiddenlschen Apotheker- Zeitung" auch in diesem Jahre mit einem Verlust vo» 56 326 M. gearbeitet, nachdem das Aklienkapitak bereits von eingezahlte» 250 900 M. ans die Hälfte herabgesetzt worden ist Einer der hervorragendsten Vertreter des Sluttgarler Verlagsbnchhanbels. der Geheime Kommerzienralh Wilhelm Spemann, wird seine Wirksamkeit»ach Berlin verlege». Derselbe ist anS der großen Verlngsgesellschaft„Union" ausgeschieden, um sich seinem Berliner Geschäft, welches bisher sein Sohn leitet, ausschließlich z» widmen. Die Shsvcstcrnacht. Amtlich wird bekannt gegeben: Von verschiedene» Seilen wird mit Recht darüber Klage geführt, daß i» der Eylveiiernacht vielfack durch Schießen, Johle», Hntantreibe» und dergleichen grober Unfug verübt wird. Deshalb wird beim Herannahen deS JahresschlnfseS vom Polizeipräsidenten Veranlassung genommen, das Publikum vor der Verübnng derartige» Unfugs dringend zu ivarne» und»och besonders darauf anfmerk- fam gemacht, daß die vo» den Aussichtsbeamten eingereichten Anzeigen über etwaige Uebertretungen nicht im Weg« der vorläufige» Slraffestsetznng erledigt, sondern der köuigl. Anitsanwallschnft zur iveileren Verfolgung übermittelt werden. In der letzten Sylvester- nacht wurden polizeilich festgenommen wegen Verübnng groben Un« sngs 156 Personen, wegen anderiveiter Bergehungen, wie Wider- stand, Trunkenheit, Schlägerei. Beiteln, Beleidigung:c. 74 Personen. zusammen 230 Personen. Von diese» ivnrde gegen 146 Pesonen ans Straf« erkannt und zwar bei 6 jugendlichen Personen ans Verweis, in 91 Fällen ans Geldstrafen bis zn 30 M., in 33 Fällen ans Freiheitsstrafen von zwei Tagen bis zn vier Wochen. Mangels genügenden Beweises wurden sieben Personen freigesprochen. Tie Bestraften waren in weitans nberwiegender Zahl Gewerbetreibende, darunter einige Schüler und Lehrlinge, außerdem sechs Studenten und zwei weibliche Personen. An der ZirkuSkassc. Zn skandalösen Rnftrilten kam es am l. WeihnachlStage vor der Nasse des Zirkus Busch. Wie üblich hatten die Billelhänbler sich vormitiags zur Zeit der Kassenöffnnng so zahlreich eingestellt, daß dem übrigen Publikum das Nachsehen blieb. Das freche Auftreten der Händler führte zn lebhaften Aenßernngen des Mißfallens und der Lärm wnrde schließlich so stark, daß verschiedene Schutzleute Ordnung zn stiflen suchten. Ob es wirklich nicht möglich ist, den Billethandel lahm zu legen? Eine anfregendo Beschecrnng. Der in der Landsberger- straße 27 wohnend« Sargfabrikaut Kaiser hatte rniS Anlaß des Wcihiiachtsfestes seine nächsten Verwandten wie alljährlich in seiner Wohnung vereinigt, um die gomeinschastliche Bescheernng zu ver- anstalten. Statt deS Weihnachtsbaumes brannte eine an der Decke befestigte große Pyramide, die durch 60 Kerzen beleuchtet war. Plötzlich, als der Bescheernngsakt so ziemlich beendet war, fing die Pyramide Fener und das niederstürzend« Gestell setzte sofort die mit Geschenken deladcne große Tasel in Flammen. Inner- halb weniger Sekunden trat eine derartige Berqnalmnng der gesainmien Wohnräume ein, daß die Älnwesenden flüchte» ninßtcn. Da bcinertle man, daß der greise Vater des Hansherrn wie auch ein 8jähriges Mädchen fehlten. Der alte Herr befand sich, wie durch Zuruf sestgestelll ivnrde, noch in der Wohnung; als man ihn davon verftändigle, daß noch ein Kind vermißt wurde, eilte der Greis in das in Flammen stebende Zimmer und fand hier die Kleine, welche an der Tasel stand und die Lieste ihrer Geschenke zn bergen suchte. Es gelang Herrn Kaiser senior, dem bei der Rettung Bart- und Kopshaare angesengt wurde», mit dem Mädchen in«i» Hinlerziinmer z» flüchte», da die Treppe bereits total verqualmt war. Der Fischermeister Wahl, ein Gast des K.'schen Hauses, suchte nun- mehr vom Seitenflügel aus iu die Wobnuag zu gelange», was auch nach Zertrnminernng einer Vcrbindnngslhür glückte. Er konnle das Kind und de» Greis, die dem Ersticke» nahe waren, in Sicherheit bringen. Als eben das Retlnngswerl vollendet, traf die allarmirte Feuerwehr ein, welche de» Brand mit einer Schlauchleitung löschte. Der in der Wohnung angerichtete Brandschade» ist trotzdem sehr groß, da außer den gesammlen Geschenken auch die Möbel venuchlet worden sind. Ter Haudluiigöachilfe Walter Buchow, der in voriger Woche seine Geliebte, die 16 läbng« Martha Rnmpl erschösse» und sich dann selbst durch Slevolverschnsse zn tödten versucht hat, ist seinen Ver- letznngen im Krankenhanse erlegen. TaS Heiligste, waS der Deutsche kennt, preist flch im„Ber- liner Tagedl." Nr. 643, 6. Beilage folgeiidermaßen an: Mlariags. 100 000 M. Demj., der die Heiralh einer jg. Gräfin mit reich. isr. Kavalier z» stände bringt. Beb. Jahresreveniien von 40 000 M., Sporlsman, womöglich»obilitirt. Korresp. direkt. Berufsvcri». nusgeschl. Znschrislen erb. u»l.„Kismet 888" Ann.- Exped. Wiltenbergplatz 3. Ruch ein WcihiiachtSbild an? dem deutschen Pvlizeistaat. Ans Furcht vor der'Ausweisung hat der 27 Jahre alte'Arbeiter Friedrich Koblenz ans der Anllamerstr. 26 seinem Leben ei» Ende gemacht. Koblenz wurde vor 15 Jabre» ans Berlin ansgewiese», hielt sich abwechselnd in Spandau und Berlin ans und war seit 13 Jahren verheiraihet. Den größte» Theil der ganzen Zeit brachte er seitdem unangemeldet bei seiner Frau zu. Am Dienstag hatte er das Unglück, beim Abbruch des allen Mehlhanscs am Canlianplatz vo» der Mauer zn fallen. Nicht schwer verletzt, ivnrde er vo» einem Schntzman» i» die Wohnung seiner Fra» gebracht. Aus diese Weise erfuhr die Polizei seine» heimlichen'Ansenthalt in Berlin, und da zweimal Beamte in ber Wohnung Nachfrage hielten, so sürchtete Koblenz, baß man ihn wieder ausweise» werde. Als seine Frau am erste» Feierlag nachmittags«livas vom Hansboden holen wollte, fand sie dort ihren Mann als Leiche an einem Halen hängen. Nuzilchtlge NcnjahrSkavtc» sind dieser Tage bei verschiedenen Händlern polizeilich beschlagnahmt worden. Sclbstmordvcrsncki cineö Knaben. Am ersten Weihnachtstage versuchte sich ein»»glücklicher Knabe, der I3jährige Karl P. ans der Plantagenstr. 13 an der Bodenthnrklinke dieses Hanfes zn er- hängen. Ei» Herr S. schnitt das Kind ab iiub brachte es durch künstliche Alhmung wieder ins Leben. Der Knabe soll von seiner StiesmuUer entlausen sein und acht Tage lang nnter Hunger und Kälte gelitten haben. Hoffentlich nimmt die Behörde sich des Falles an und sorgt für geeignet« Unterbringung des bemilleidenswerthen Geschöpfes. Tie Personen, welche dem Auftritt beiwohnten, der am Weih- nachtsabend uin 7 Uhr am Landsbergerplatz zur Sistirnng eines Mannes führte, werden gebelen, Thaerstr. 22 bei Bildhauer Schwandt ihr« Adreffe abzugeben. Iu überraschend kühner Weise hat eine Nntersuchnngs- gefangene noch kurz vor dem Weihnachlsfeste ihre Flucht ans dem Moabiter Unlersuchniigsgefäiigniffe bewerkstelligt. Am frühen Morgen des Freitags bemerkte eine Aufseherin, daß die Insassin einer Zelle verschwunden war. Auf sofort erstattete Meldung wnrde nicht allein das ganze Gesängniß, sondern auch das Gerichlsgebände vom Keller bis zum Dachboden hinauf durchsucht. Von der Flüchtigen war jedoch keine Spur zu finden. Nur der Weg war erkennbar, welchen sie genommen hatte. An den eisernen Traillen deS Zellenfensters hing ein Streifen Bettlaken herab. Da die Zelle aber im vierten Stockwerke liegt, so muß dieses Nolhseil ebenso lang gewesen fein. Noch schwieriger und gefahrvoller dürfte der Weg durch das Fenster gewesen sein. Letzteres ist stark vergittert. Die Traillen stehen acht Zoll weit auseinander. DaS Fenster selbst ist in feinem unteren Theile nicht zu öffnen. Nur an der oberen Seit« befindet sich eine Klappe, welche stch nach innen zn öffnen läßt, aber doch nur in- soweit, daß der Rahmen etwa in einem spitzen Winkel von 20 Grad von dem senkrecht stehenden Fenster abueigt. Auf diese Fenster- klappe hat die Flüchtige klettern müssen, bevor sie an die Traillen herankonnte. Ans diesen Absatz zu gelangen, muß«in Kunststück gewesen sein, da eine Zertrümmernng der Scheibe das ganze Hans alarmiren mnßle. W e die Ftnchtige durch die enge» Traillen gelangt ist, bleibt selbst den erfahrenste» Gesängnißbeainten räthselhaft. Zertreten! Ueber einen noch nicht ausgeklärten Vorgang be« richtet eine Lokal- Korrespondenz: Unmittelbar vor der Beerdigung von der Staalsanwallschaft beschlagnahmt worden ist am Freilag Vormittag die Leiche der 13 Jahre alten Kellnerin Else Großpietsch aus der Jnvalidenstr. 143. Das Mädchen kam im Oktober ver- gangenen Jahre? ans Breslau nach Berlin und fand hier Stellung alz Hansmädchen bei einer Herrschaft t» der Schlegelstraße. Hier blieb eS biS zum Juni dieses Jahres und verfsel dann einem traurige» Geschick. Eine Fran P. versah das Mädchen mit etwas Geld und Kleidung und brachte es als Kellnerin tu die Wirlhschaft von FnchS in der Kronenstraße. Fran P. behauptet, die SlellnngZlose in hernnlergelommenein Zu- stände aus der Straße getroffen zu haben und will sich ihrer un- eigennützig angenommen haben. Was eS damit auf sich bat, wird eine nähere Unlersuchung wohl noch klarstellen. In der Wirlhschaft von FnchS lernte daS Mädchen einen Kavallerie-Lieutenant v. R. kenneu. Das Verhältniß blieb nicht ohne Folgen. Am vergangenen Dienstag erhielten die Eltern der Großpietsch in Breslau von der Frau P., bei der noch mehr Mädchen wohnen, die Draht- Nachricht, daß ihr Kind gestorben fei. Die Leute kamen nach Berlin und fanden die Leiche ihrer Tochter bereils in der Halle des St. Golgalba-Friedhofes an der Barfnsstraße. Für die Beerdigung hatte der Offizier gesorgt. Der Vater des Mädchens gerieth nun aber mit Frau P. wegen beS NachlaffeS in Streit. Die Frau ver- langte außer dem baren Gelbe und den versetzten Werthsachen der Verstorbenen von den Eltern noch 100 M. für Verpflegung der Tochter. Dabei wnrde allerhand gesprochen, und Herr Großpietsch gewann die Ueberzengung, daß bei dem Todesfall nicht alles in Ordnung sei. Er ging zu dem Arzt«, der seine Tochter behandelt hatte, und theille diesem seine Vermnthnng mit, daß von Fran P. oder vo» einem der bei ihr wohnenden Mädchen unerlaubte Handlungen zur Beseitigung der Folgen des Liebesverhältnisses vor- genommen worden seien Der Arzt setzte daraufhin die Polizei und diese die Slaatsanwaltschafl in Kenntuiß. Am Donnerstag, spät abends noch ivnrde» die Großpielsch'schen Eheleute zur Vernehmung nach dem Polizeipräsidium beschieden»nd die Folge war, daß die Staatsanwallschafl am Freitag Bormittag die Leiche»nr gerichts- ärztlichen Oeffnnng beschlagnahmte. Als der Osfizier gegen 1l Uhr zur Beerdigung kam, war die Leiche eben von der Halle nach dem Schanhause übergeführt worden. Vcrhängniffvoll« Billardpartie. Am Abend deS ersien Feiertages spielte in einem ResUuraut in der Ehausfeestraße der erst 19 Jahre alle Gnrtlergehilse Engen Rordmann ans Potsdam, welcher hier in Berlin in Stellung ist, mit seinen Freunden Billard, als ihm plötzlich ein Ball, welcher durch«inen nngeschicklen Stoß eines der Mitspieler aussprang, so gegen daS recht« GlaS feiner Brille flog, daß ein Glassplilter in den Angapfel drang und diesen zerschnitt. Ein schnell zur Stelle geholter Arzt konnte nur die Nerven, welche beide Angen verbinden, abschließen, so daß wenigstens Hoffnung auf Erhaltniig deS linken Auges vorhanden ist. Der Bedanernswerlhe ivnrde sodann mittels Taxameters in die Augenklinik gebracht. WdhuachtSrnhe war diesmal der Berliner Feuerwehr nicht gegönnt, da die Zahl der Alarimriliigen ungewöhnlich hoch war. Am Heiligabend wnrde sie zehnmal, im Lause des ersten Festtages elsmal und am zweiten Festtage nennmal in Anspruch genoinmeu. Christbamnbrände wurden in diesem Jahre nicht gemeldet, auch war die Zahl der Gardinenbrände«ine geringe. Dagegen kamen ver- hältmßinKßig viele Fußboden- und Balkenlagebrände vor, die ans starke Inanspruchnahme der Koch- und Bralöfen zurückzuführen sind. Ans dem Taiizbodc» hat sich in der Nacht zum zweilen Feierlag der 20jährige Kürschner Norbert Rolle. Kronenstraße 26 wohnhaft, ersckoffen. Er hall« in den Gralweil'sche» Bierhallen bis 4 Uhr getanzt und sich bann ans die Herrentoilette begeben, ivo er seinem Lebe» durch eine» Revolverschuß»in Ende machte. Liebes' lnmmcr hat ihn in den Tod getrieben. „Vergnügte" Feiertage! Am zweiten Feiertage abends um 9 Uhr ging die 20 Jahre alle Elsa Opitz, die Tochter einer Pensionalsinhaberin Unter den Linden Nr. 70, mit ihren deiten Brüder» und dem Bräutigam vo» ihrer Schwester in das Konzert- lokal„Elysinm" in der Tanbenstraße 84. Hier geriethen die jungen Männer in vorgerückter Stunde mit Bekannten am Nebentisck in Streit, den die Kellner zn schlichten suchten. Wie in der Regel kamen die Friedensstifter auch diesmal schlecht weg. Die beiden Opitz machten von ihrer Boxerknnst so ausgedehnten Gebrauch, daß gestern zwei Kellner arbeilsnnfähig waren n»d zwei andere nnd der Pförtner mit blauen Auge» ihre» Amtes waltete». Am schlimmsten aber erging eS Fräulein Opitz. Ob sie bei der Schlägerei etwas abbekommen batte, weiß ma» nicht; »nr soviel steht fest, daß man sie. nachdem sie vorher einen Schrei- krampf gehabt halte, als der Tumult z» Ende war nnd die Polizei erschien, im Hansflur mit gebrochen-m Schädel ans einer steinernen Treppe liegend fand. Sie halte die Besinnung verloren»nd wnrde vo» der nächste» Unfallstation nach'Anlegung eincs NolhverdandeS in«in Krankenhans gebracht. Trübe Weihnachten hatte der Kaufmann Isidor Nenmann ans der Franscckfftr. 33. N. besuchte am erste» Feierlag mit seiner f ainilie das Olympia- Theater. Ans dem L�eimweg gerieih vor ein Grundstück Schönhauser Allee 18t der zivölfjährige Sohn Gerhard nnter die Räder eines Pfcrdebahnwagens. Dem Knaben wnrde» beide Beine dicht am Nnmpse abgejahren, der Tod trat datd darauf ein. Durch einen Sturz von seinem ArbeitSwagen ist Montag Nachmittag an der Ecke der Oranienburger- und Großen Hamburger- straße der 46 Jahre alte Fuhrman» Eduard Dichting ans der. Schwcdenstraße Nr. 13 schwer vernnglückt. Der Mann erlitt einen Schädelbruch und wurde besinniiiigslos von ri»em Schutzmmi» nach der Charilec gebracht. Fcncrbcricht. Sonntag früh 11/, Uhr brannte Brunnen« straße 161 der Fnßbodt» unter der Kochmaschine. Nachmittags 5 Uhr erfolgte Alarm nach B« r g», a u» st r. 100. Gardine». Möbel lind Wäsche fiele» hier den Flammen»nm Opfer. Bald daraus mußte die Wehr nach G r ü» st r. 36 ausrücke», wo ebenfalls ein Ziminerbrand abzulöschen war. Abends 10 Uhr brach L o t h r i n g« r st r. 43 ein Brand ans, ber eine vollständige Ziminer- einrichtnng vernichtete. Montag Nachmittag 3 Uhr»»ißt« die Wehr nach der Stettiner Bahn ausrücken, wo ein Mann- schastsschuppen in Flammen stand. Ein Rohr dämpste de» Brand. Orgel-Konzert. Frau Marie Komati», Fräulein Ameline Rehbcin, ber Tellist Herr Heinrich Beyer und Herr Rod. Schwiesselmann wirken mit beim Dicnel'schen Orgelvortrag in der Marienkirche am Mittwoch, den 2«. Dezember,»üttags 12 Uhr. Herr Dienet spielt seine WeihnachtS-sonate nnd Bach's WeihnachtS-ShUiphonie. Der Eintritt ist frei. Ans de» Nachbarorteu. Im WirthShauS„Hnudckehle" im Grunewald sprach am Freitag Freiherr v. Hammersteiii, der Minister für Landwirihschaft nnd Forsten vor. Er besichtigte eingehend die Anlag«»nd soll,>v>e eine Lokallorrespondenz wissen will, berechnet habe», daß eine Pacht von etwa 20 000 M. ein höchftznlässtges Gebot wäre, daS eine», tüchtigen Gastwirth auch ein auskömmliches Bestehen geivädren würde. Um aber keinem der a» den kürzlich erfolgten Bietnngm Bclheillgle» zu nahe z» treten, habe der Minister da? erste Pachtangebot feinem ganzen Umfange nach für nichtig erklärt n»d zum 1V. Januar 1898«inen neuen Pachttermin in Potsdam angeordnet. Sozwlo Vechkspflege. Tachliche und örtliche ltiiznständiglcit des Berliner Ge- tvcrbegeri6its wandte der Fabrikant e>» p n e r aus Hainburg gegen ew« Klage ei», die der Lithograph Weber gegen ihn an- gestrengt hatte. Weber hatte für den Hamburger Unternehmer die lithographische Ausführung von mehreren Bildern übernommen und forderte nun als Restbetrag dafür 200 M., die ,u zahlen Kempner aus bestimmten Gründen ablehnte. Die Kammer VIII des Gewerbe- gerichts stellte fest, daß Weber nicht ständig für den Be- klagten arbeitete, sondern nur von diesem einen Auftrag übernommen halte. Weber ist für eine Reihe anderer Geschäfte in derselben Weise thätig. Wenn er Bestellungen erhält, führt er sie ans. gleichgiltig, wer der Besteller ist. Der Gerichtshof ließ die Frage nach der örtlichen Zuständigkeit unerörtert und wies den Kläger schon wegen fachlicher U n z u st ä n d i g k e i t ab. Er sei nicht Heimarbeiter im Linne des Gesetzes, sondern müsse als selbständiger Gewerbetreibender angesehen werden. Es handle sich um Werkverdingnngen im Sinne des Landrechts. Nicht UM eine dauernde Thätigkeit für bcstinnnle Unlenuhmer. Gevichks „Sie sind wohl verrückt?" Diese etwas indiskrete Frage enthält nach Ansicht des Schöffengerichtes in Bonn nichts Be- leidigendes. Ein dortiger Ackerknecht hatte ans der Straße wieder- holt laut mit der Peitsche geknallt und an eine» ihm dies unter- sagenden Polizeibeamten die neugierige Frage gerichtet:„Sie sind wohl verrückt?" Es rvurde deshalb gegen den Fragesteller Anklage wegen Beamtenbeleidigung erhoben, doch schloß sich das ab- nrtheilende Schöffengericht der Ansicht deS Bertheidigers an, daß es sich hier um eine landlänsige Redensart handele, bei der eine de- leidigende Absicht nicht anzunehmen sei und sprach infolge dessen den Angeklagten frei. Ob andere Gerichte auch so urthelle» ivürde», dürste indessen eine andere Frage sei». Grabmals- Inschriften vor Gericht. Es dürste noch er- innerlich sein, daß im Sommer 1896 eine Grabmals- Angelegenheit Aufsehen erregte. Auf dem evangelische» Friedhof zu Reinsdorf bei Wittenberg hatte der Buchbinder Karl Winkler seinen Eltern einen Denkstein setzen lassen, dessen Inschrift bei den Kirchenbehörden Anstoß erregte. Es wurde die Entfernung folgender Sprüche ver- langt:„Homo troimm deus est"(Der Mensch ist den» Mensche» Gott);»Auch die Götter sterben", und endlich ans einem längeren Satze„... daß Du im Tode Deine letzte menschliche Bestimmnng erfüllst". Alle Beschiverden gegen diese Anordnung blieben erfolglos; als Winkler sich beharrlich rveigerte, dem Verlangen von Kirche und Staat nachzukonimen, entfernte»ran gewaltsam die in rother Farbe hergestellten Denksprüche. Winkler richtet« darauf an den Gemeinde- Kirchenrath von Reinsdorf die Anfrage, ob verschiedene von ihm angesnhrte Bibelstellen, die von Heuchlern und Pharisäer» handeln, ebenfalls alß nnchristlich entfernt würden? Der Gemeinde Kirchenrath verstand diesen Wink mit dem Zaunpfahl und stellte Strafantrag gegen Winller. In der vor einige» Tagen zu Wittenberg staltgefundene» Gerichtsverhandlung wurde WmlUr zu 100 Mark Geldstrafe vernrtheilt. Hat sich für dcu Fall nicht vollstiindigcr MiethSzahlniig der Miether der Exmission unterworfen n»d bei Ueberseudung des Miethszinses durch die Post die Beifügung des Bestellgeldes unter- lassen, so hat Vermiether keinen Anspruch ans Räumung, sondern nur auf Ersatz des Bestellgeldes." So hat nach de»„Bl. s. Rechtspfl." ei» Amtsgericht zu Berlin entschieden. Ob noch die Mir her vorher vom Kläger besonders aufgefordert worden sind, das Bestellgeld mit zu übersenden, ist niierheblich. Von der Post erhielt der Kläger immer de» vollen Miethsbetrag ausbezahlt, und er konnte jederzeit gegen die Beklagten einen Anspruch aus Ersatz des Bestellgeldes. das die Post vom Kläger erhob, geltend»lachen. Ans dem Fehlen deS Bestellgeldes aber den Exmissionsprozeh herzuleiten, erscheint chikanös. Vevrmmnltmgen. Eine Wander-Versa»»»l»ilg der Bildhauer fand am zweiten Feiertage in Berlin statt. Eingeladen waren dazu die Kollege» aus den Provinzen Brandenburg, Pommer», Posen und Preußen. Slns verschiedenen Städte» dieses Bezirks hatte» sich Delegirte eingefunden, während aus anderen Städten, die keine Delegirlen entsandt hatte», Eitualionsberichte eingelaufen waren. Aus den sd>riflliche» und mündlichen Berichten, deren Vortrag den ersten Punkt der Tages- ordnung bildete, sei nachstehend das ivesentlichste hervorgehoben: In Brandenburg a. H. arbeiten 4 organisirl« und 2 nichtorganistrte Gehilfe», bei wöchentlich 60stündiger Arbeitszeit werden durchschnittlich 18— 24M. Loh» von guten Arbeiter» verdient. I» Bernau existiren 3 Prinzipale, die zusammen 11 Gehilsen, die alle organisirl sind, und 17 Lehrlinge beschäftigen. Die Gehilfen verdienen bei 60 stündiger Arbeitszeit durchschnittlich 16—18 M. Wochcnlohn. In K o t t b u s arbeitet»nr ein organiflrter Bildhauer neben 4 nicht- organisirte» Kollegen, welche nur 10—12 M. pro Woche verdienen. In D r i e s e n, wo nur Massenartikel angefertigt werde». ver- dienen die Bildhauer im Lohn 20—30, im Akkord 13—13 Pf. pro Stunde. I» F i n st e r w a l d e beträgt die Arbeitszeit 60 Stunden, der durchschnittliche Akkordverdienst 19,S0 M. die Woche. In Frankfurt a. O. sind 4 Prinzipale ansässig, von denen 3 zusammen 7 Lehrlinge, und zeilweise je 1 Gehilfen be- fchästigen, welche bei OOstiiiidiger Arbeitszeit 20 M. Wochen lohn erhallen. Außerdem sind im Orte 4 Fabriken, in denen 10 Lehrlinge und 14 Gehilfen beschäftigt sind. Letztere verdienen die Woche 20 M. bei 60stündiger Arbeitszeit. In Guben arbeiten in einer Möbelfabrik 2 Bildhauer, einer derselben hat seit 20 Jahren dieselbe Stelle inne, er verdient die Woche nur 17 M sei» Kollege 18 M. In L a n d s b e r g a. W. befchäsligen zwei Prinzipale 2 Gehilfen, während in 6 Fabriken 22 Gehilsen. 23 Lehr- linge und 10 angelernte Arbeiter uiit Bildhauerarbeileu beschäftigt werden. 9 Gehilfen sind im Zentralverein organisirt, einige ge hören dem Hirsch-Dnncker'schen Gewerkverein an. Der Wochen- lohn belänst sich auf durchschnittlich 16 M. bei 60sti>ndiger Arbeitszeit. Besonders eingehend wurde die Holzbearbcitnngs fabrik von Bendix Söhne besprochen, deren Lohn- und Arbeits Verhältnisse als ungewöhnlich schlechte bezeichnet wurden. Es sollen die Bildhauer dieser Fabrik 12— 14 M. die Woche verdienen, wäh- rend die Aktionäre im vergangenen Geschäftsjahr 9 pCt. Dividende erhielten. In Luckenwalde erzielen die Bildhauer einer Fabrik im Akkord bei großer Anstrengung 21 M. Wochenverdienst in 60> ftündigcr Arbeitszeit. In Lübbe» arbeitet mir ein Gehilfe, dw selbe verdient in OOstiindiger Arbeitszeit 13— 14 M. In Lübbenau ist eine Fabrik, welche drei Bildhauer beschäftigt, die täglich 11 Stunden arbeilen und 18—21 M. Wochenlohn verdienen. Unter den gleichen Verhältniffen arbeitet ein Gehilfe bei einem Kleinmeister In Potsdam arbeiten 9 Gehilfen, davon sind 3 organisirt. Die Arbeitszeit beträgt öl. auch 34 Stuiiden, der Lohn 24—28 M. In Rathenow ist 1 Gehilse bei einem Kleinmeister beschäftigt; er verdient in 43 stündiger'Arbeitszeit 17,30 M. Eine Möbelfabrik be- schäftigt 6 Bildhauer, welche früher einen Wochenlohn von 21 M. erhielten, der jedoch durch eine im September stattgehabte Lohn bewegiing auf 24 M. erhöht wurde. Die Arbeitszeit beträgt 36 Stunden. In Trebbin arbeiten bei 3 Kleinnieistern 7 Gehilfen, von denen 3 organisirt sind. Die Gehilfen ver- dienen bei sechzigstündiger Arbeitszeit durchschnittlich 20 Mark Von anderer Seite wurde als höchster Diirchschiiittsverdienst 13-16 M. angegeben. I» Wittenberge sind 3 Fabriken. wo die Bildhauer in 33- respektive 60stü»diger Arbeits- zeit einen Akkordverdienst von 13 M. erzielen. Ein Kleinmeister zahlt seinem Gehilfen 10 M. Lobn bei freier Station. In Stendal arbeiten bei Kleinineistern 2 Gehilfen z» 22 M. Wochenlohn, in einer Tischlerei wird theils in Lohn theilS in Akkord gearbeitet. Alle diese Miltheilnngen beziehen sich ans Holzbildhauer. Ueber Steinbildhauer wurde anS den genannten Städten nichts Bemerkens- werthes berichtet. Eine eingehende Behandlung erfuhren die Ver- hältnisse in Berlin. Seitens der Holzbildhauer wurde berichtet, daß von den etwa 1100 Gehilfen dieser Branche mehr als 600 dein Zentralverein der Bildhauer, ein kleiner Theil dem Holz- arbeiter-Verband, sowie dem Hirsch-Dnncker'schen Gewerkverein angehören. 8/5 der Kollegen arbeilen im Lohn, im Akkord. Im allgemeinen herrscht die 31stündige Arbeitszeit, in manchen Werk- stätten wird jedoch 32, auch 34, in einem Falle sogar 60 Stunden gearbeitet. Andererseits ist die Arbeitszeit in verschiedenen Werk- stätten kürzer als 31 Stunden und geht in einzelnen Fällen bis altf 48 Stunden herab. Ueberstnnden konimen nur verhältnißinäßig selten vor und werden meist mit dem geforderten Ausschlag bezahlt. Der Wochenlohn beträgt für gute Arbeiter 30 bis höchstens 36 M., für inittlere Kräfte 24—27 M. Vg der Kollegen arbeiten noch unter dem Minimallohn von 21 M. Die Diskussioiisredner betonten unter anderem, daß der Vortheil, den die Berliner durch ihre im Verhältniß zu den Provinzstädten höheren Löhne haben, rückgängig gemacht werde durch eine sehr weil gehende Ausnutzung der Arbeits- krast der Gehilfen. Es folgte hieraus der Bericht über die Branche der Modelleure, anS dem zu entiiehmen ist, daß der unter den Mo- delleirren herrschende Kttnstlerdünkel ein großes Hinderniß der gewerk- schaftlichen Organisation sei, dennoch seien etwa die Hälfte der Ber- liner Modelleure organisirt, nämlich 140. Die Arbeitszeit beträgt meistens si'/s resp. 9 Stunden, in einigen Fällen 10 Stunden, doch kommt auch ver- einzelt ein« 8 resp. 7�/, slündige Arbeitszeit vor. Der Lohn soll in derRegel durchschnittlich 30 M. betragen, doch kommen sowohl höhere, wie auch wesentlich niedrigere Löhne vor. Da es sich hier vorwiegend um Bauarbeiten handelt, so haben die Modelleure mit einer regel- mäßig wiederkehrenden längeren Arbeitslosigkeit zu rechnen. Ueber die Arbeiter der Kleiiimodell-Branche, die meistens Hausindustrie ist, lieb sich nichts ermitteln. Betreffs der Steinbildhauer wurde be- richtet, daß deren Verhältnisse seit dem letzten Streik zurück- gegangen sind, und zwar, weil die Arbeitsgelegenheit bedeutend geringer geworden ist. Während im vorigen Jahre in Berlin 186 Steinbildhauer beschäftigt waren, ar- beiten gegenwärtig hier nur 99, von denen 33 organisirt und 66 nicht organisirt sind. Früher sei das Verhältniß umgekehrt gewesen. Die Arbeitszeit beträgt 43, mitunter auch 42 Stunden. Es wird fast nur in Lohn gearbeitet. Der Wochenlohn beträgt in den meisten Fallen 42, auch 43 M.. seltener kommen Löhne von 48 M., vereinzelt 31 M. vor, andererseits wird aber auch wesentlich billiger, und zwar in einigen Fällen zu 39, 36, bis hinunter zu 30 M. gearbeitet. Da in der Diskussion über diesen Punkt behauptet wurde, daß die Einführnng der Lohn- an stelle der früher üblichen Akkordarbeit den Steinbildhaueru Schaden gebracht Hab«, so entstand eine lebhafte Aussprache über die Frage, ob Lohn- oder Akkordarbeit vorzuziehen sei. Die ineisteu Redner plädirlen für Lohnarbeit. Hieraus erstattete der Delegirte ans Stettin seinen Bericht, aus dem hervorgeht, daß in der Holzbranche eine 34- bis 60 stündige Arbeitszeit herrscht. Bei den Kleinineistern werden durch schnittlich 17,30 M. in Akkord, 22 M. in Lohn verdient. In den Fabriken erzielen die Gehilfen in Akkord 21 M., in Lohn 23,30 M. Von 26 Gehilfen sind 16 organisirt. Die Steinbildhauer verdienen durchschnittlich 27 M. Wochenlohn. In An kl am sind 2 Gedilsen, beide organisirt, sie haben eine Arbeitszeit von 63 Stunden und verdienen in Akkord 19 M. Aehnlich sind die Verhältnisse in Stargard und G r e i f e n h a g e u. In Stolp sind in 3 Möbelfabriken 19 Gehilfen beschäftigt, von denen 7 organisirt sind. Sie arbeiten in der Woche 60 Stunden und haben einen Jahrcsverdienst von 700 bis 800 M. Fast ebenso sind die Verhältnisse in Köslin. I» S ch ö n l a n k e(Posen) arbeiten in einer Fabrik für Bildhauer arbeiten 10 Gehilfen, die bei KOstiindigcr Arbeitszeit 15 M. verdienen; ferner wurde miigelheilt, daß in dieser Fabrik eine unge- heure Ansnntzung der Lehrlinge an der Tagesordnung sei. In Schneidemühl arbeitet nur 1 Bildhauer für 16 M Wochenlohn. In Da n z ig verdienen die Gehilfen bei den Kleinmeistern 20 M. in Lohn, 22,50 M. in Akkord bei 37— 60 stündiger Arbeitszeit. In drei Fabriken wird 41, 44, 47, in vier anderen Fabriken 60 Stunden gearbeitet und 21 M. in Lohn, 24 M. in Akkorv verdient. Stein bildhauer werden nur vorübergehend in Danzig beschäftigt, die Modelleure in der Siuckbranche verdienen durchschnittlich 27 M. bei 34—60 Stunden in der Woche. In P r.- S t a r g a r d verdient der einzige dort arbeiiende Bildhauer in 60 stündiger Arbeits zeit 13 Mark. In Doberan(Mecklenburg) besteht ein Atelier für christliche Kunst. Die daielbst deschäfligten Bildhauer arbeiten wöchentlich 66 Stunden für den Lohn von 18 M. Diese Firma hat auch für Berliner Kirchen Arbeiten ge- liefert zu einem Preise, für den kein Berliner Geschäft dieselben ausführen konnte. Der Inhaber der Doberaner Firma ist für seine Verdienste um die kirchliche Kunst von der Kaiserin mit einer Buseiinadel ausgezeichnet worden. In Schwerin verdienen die Holzbildhauer bei 34— 37slüudiger Arbeitszeit 21 M in Lohn, 20—23 M. in Akkord. In einem Geschäft, welches Holz-, Stein- und Gipsbildhaner beschäftigt, werden 19 M Lohn gezahlt. Damit ist die Berichterstattung erledigt. Hieianf beleuchtete Dupont in einem kurzen Vortrage die Auf gaben der inoderiien gewerkschaftlichen Organisation. Er trat zum Schluß dafür ein. daß namentlich in den kleinen Städten, wo die elendesten Verhältnisse herrschen, eine lebhaft« Agitation für die Gewerkschaft entfaltet werden iniiffe. Nach längerer Debatte wurde dem Zentralverein der Bildhauer empsohlen, in allen Städte», wo Kollegen ständig beschäftigt sind, BertrauenSmäniier einzusetzen, und die Verwaltungsstelle Berlin beauftragt, eine AgitationSkoMmisston für die Provinzen zu bilden. Die nächste Wanderverfammlung soll in Stellin abgehalten werden. In einer öffentlichen Schuhmacher-Bcrsaminluug, die am Montag im Fceupalast abgehallen wurde, hielt Genosse Auer einen beifällig aufgenommenen Vortrag, in welchem er ausführte: Das Streben der Arbeiter nach gewerkschaftlicher Vereinigung sei eine nothwendige Folge der gegenwärtigen wirthschastlichen Verhält nisse. Die Arbeitskraft der Arbeiter sei zur Maare geworden, deren Preis sich nach Angebot und Nachfrage regelt. Wenn der Unter nehmer«in Interesse daran habe, den Preis der Arbeitskraft niög lichst niedrig zu halten, so liege es natürlich im Interesse der Arbeiter, möglichst hohe Löhne und günstige Arbeits- bedingnngen zu erzielen. Da nun der Unteruehmer dem Arbeiter gegenüber, der durch den Hunger gezwungen wird sein« Arbeitskraft zu verkaufen, stets im Vorlheil ist. so liege es im Interesse der Arbeiter, sich zu vereinigen, um so das zu erreichen, was dem Einzelnen nicht möglich ist: dem Druck des Unternehmers auf den Lohn de» Gegendruck entgegenzusetzen. Weil also da? Koalitiousbestreben der Arbeiter nicht die Folge einer Agitation, sondern das Produkt der wirthschastlichen Verhältnisse sei, so werde es auch weder der staatlichen Gewalt, noch der Brutalität der Unternehmer gelingen, dieses Streben aus der Welt zu schaffen. Das Verhältniß zwischen Arbeiter und Unternehmer beruhe auf dem Arbeitsvertrag. somit fei der Einwand, den die Uliteriiehmer gegen das Streben nach Vereinigung der Arbeiter machen: sie wollen Herren im eigenen Hause sein, nur bedingt zutreffend. Zwar habe der Fabrikant ein uueingeschräiiktes Recht, mit seinen Rohprodukten, Maschinen und Gebäuden zu machen was er will, sein Herrenrecht finde aber eine natürliche Grenze an den Bestiiiimungen des Arbeitsvertrages. Auf die Gestaltung des Arbeitsvertrages eiiizuwirken, habe der Arbeiter das größte Interesse, ilnd, weil der Einzelne dies Interesse nicht gelingend wahren könne, so sind die Arbeiter natürlich bestrebt, sich zu vereinigen. Der Redner erinnerte daran, daß während des Sozialistengesetzes auch die Gewerk schaften unterdrückt wurden, er wies serner darauf hin. daß auch gegenwärtig sowohl seitens der Behörden wie der Unternehmer der gewerkschaftliche Kampf der Arbeiter zu hemmen gesucht wird. Redner betonte zum Schluß die Nothwendigkeit gewerkschaftlicher Organisation. Selbstverständlich sollen die Arbeiter nicht erst dann in eine Lohnbewegung eintreten, wenn ihre Verhältnisse äußerst elende sind. Wie der geschäftskundige Kausmann die Situation des Waarenmarktes ausuntze, so müßten auch die Arbeiter, wenn die Lage deS ArbeitsmarkteS eS gestatte, für«in« Aufbeffernng ihrer Lohn« und Arbeitsverhältnisse eintreten. Keineswegs dürfe man aber denken, daß zu bestimmter Zeit unter allen Umständen gestreikt werde» müsse. Die gewerkschaftliche Organisation sei nothwendig ohne Rücksicht darauf, ob eine Lohn- bewegung bevorstehe oder nicht. Gut organisirten Arbeitern gegenüber würden die Unternehmer eher zu Ziigeständiiisseii bereit sein. wie schlecht organisirten gegenüber. In der Gewerkschaft müsse neben der sozialdemokratischen auch eine andere politische Aiischauung, falls eine solche vorhanden ist, geduldet werden. Die Gewerkschaft habe nur die Aufgabe, die Berufsinteressen wahrzunehmen, aber nicht Politik zu treiben. Man brauche iunerhalb der Gewerkschaft nicht rücksichtslos gegen andere politische Anschauungen zu sein, denn die Arbeiter, welche heute noch der Sozialdemokratie fernstehen, würden doch schließlich zu dieser Partei kommen, als der einzigen, welche die Interessen der Arbeiter konsequent vertritt.— Die Diskussion befaßte sich weniger mit dem Inhalt des Vortrages, als vielmehr mit einer Arbeitsordnung, welche der Verein der Berliner Schuh- fabrikanten jetzt erlassen hat. Die Fabrikordnung, welche der erste Redner N o a ck besprach, enthält sehr rigorose Bestimmungen und verlangt unter anderm auch, daß die Arbeiter beim Verlassen der Fabrik sich ein« körperliche Visitation gefallen lassen müssen. Wie der Redner bemerkte, haben einige Fabriken ihr Personal vor Weihnachten entlassen, um die gesetzlich vorgeschriebene Zustimmung der Arbeiter zur Fabrikordnung, zu umgehen und die- selbe nach Neujahr, wenn die Arbeit wieder beginnt, einfach zur Unterschrift vorzulegen. Die nachfolgenden Redner König, Hildebrandt, Will n er und andere bezeichneten die Fabrik- ordnung als liiianiiehmbar und für die Arbeiter entwürdigend. Es scheine, als wollten die Fabrikanten die Arbeiter zum Streik provo- zireu, man solle den Kampf aufnehmen und das brutale Vorgehen der Unternehmer zurückweisen. H a m m a ch e r hielt die Erbitterung gegen die Fabrikordn nug für durchaus berechtigt.meinte aber, man solle sich nicht vom Gefühl hinreißen lassen, sondern erst abwarten, wie sich die Uuternehnier nach dem durch die heutige Versammliing ans- gesprochenen Protest verhalten werden. Genosse Auer führte in seinem Schlußwort aus, er wolle sich nicht in die inneren Angelegen- heilen der Gewerkschaft mischen, er rathe aber den Betheiligten, keine übereilten Beschlüsse zu fassen, sondern erst abzuwarten, ob ihnen die Fabrikordnung nicht— wie es die Geiverbe-Ordnung vor- schreibt— zur Zustimmung vorgelegt werde, um dann den Versuch zu machen, daß die Bestimmungen, welche den Arbeitern nicht gefallen, daraus entfernt werden. Wenn es wahr sei, daß die Unlernehiner zur Zeit den Streik wünsche», dann liege doch für sie gegenwärtig die Situation für den Kamps günstig. DaS sei ein Fingerzeig für die Arbeiter, de» Kampf— weil zur Zeit nicht aus- sichtsvoll— nicht anfzuiiehmen. Wenn die Schuhmacher auch ent- schloffen wären, den Kampf, wenn nöthig, aufzunehmen, so handeln sie doch klüger, erst eine friedliche Vereinbarung zu versuchen, in welchem Falle ihnen die moralische und auch die materielle Unter- stützung»in so sicherer sei.— Es ivurde zu diesem Punkt folgende Resolution angenommen: Die Versammlung erklärt die von dem Verein der Berliner Schuhfabrikauleu de» Arbeitern vor- gelegte Fabrikordnung für unauuchmbar, da dieselbe bei rigoroser Handhabung das Koalitionsrecht illusorisch macht und einen Bruch des vor dem Gewerbcgerichl von den Fabrikanten gegebenen Ver- sprechens: die Vereinigung der Arbeiter nicht zu beeinträchtigen, darstellt. Sollte die Fabrikordnung nicht zurückgezogen werden, so sind die belheiligten Arbeiter bereit, eher den Kampf anfzunehmen, als diese Fabrikordnung zu iinterschreibcii.— Einem Kollegen, der nächstens aus dem Gesängniß, wo er eine im Interesse der Be- ivegung erlittene Strafe verbüßt, entlassen wird, bewilligte die Ber- sainmlung eine Unterstützung von 100 M. Reinickendorf. Der Arbeiter-Bild nugsverein„Zu- kunft" hielt am Sonnlag, den 19. Dezember, in Böttcher's See- park seine regelmäßige Vereinsversammlnng ab. Herr Dr. Woll« beim sprach über das Thema:„Naturerkeuntniß und Weit« forlschritt". Von einer Diskussion nahm die Versammlung Abstand. Da sonst nichts Wichtige- vorlag, wurde die Versammlung früh- zeitig geschloffen. In der nächsten Versammlung, die am 16. Januar stattfindet, wird Genosse Dr. Weyl über„Hypnotis- mus" sprechen. A, b»i»ev. K>Ib»»o«l'ch»>e. JnselNr. 10, v. 2 Tr. Die Bibliothek ist geöstiiel MtllwvchS, ToimerbaftS und Freitag», abends vo» s— o Uhr. mit Ausnahme der Borabende am ersten WethnachlS- Feiertage und de! NcujahrStageS. Wiederbeginn der u n t e r r i ch l s l u r s e in R e d e- u e b u n g am Montag, den iv. Januar. Tr<5 o»r. Schmidt: t» N a t t o n a l ö t o n o m i e(Tie wirth. ichastlichc Siuwlckelung: E ahbctrieb und Handmert: Kartellwesen. ArbeitSwarkt und Arbeitsnachweis: die Aufgabe» der Bewerlschafte») am Mittwoch, den >2. Januar, Schriftsteller Richard Calwer: in Geschichte iHellaS nnd Roint am Freitag, den I«. Januar, Tr. A. Berthold.— BUtgliedSbeitrag monatltch Iis Pf.,«urius(10 Abende) I M. pro Fach. Th-ilnehmsr werden auf- aenomme» t» der Schule und i» folgenden Stelle»: Golifr. Schulz, Admlral- snaste eoa: Meul, Barniinstr.«2: Schiller, Rosenlhalerstr. 07: Eleinert, Müller- suahe rz, u. In den SoniilagS-Bersammiungen.«orstheudcr: Paul Mürke tr., SV. Mantenffelstr. 12«, Kund der gefellige» Arbeit«, verrl»« Sei l!»» und der Zlmgegend. Bor- sthender P. Senl, TrcSdenerstr. I07/ios. Alle gufchrifte», de» BeretnStalender beireffend, sind an(v Bendix, Alexandrinenstrabe loa, zu richten. Arbeiter. Pa»ch«rd»»d Kerlln»»»d der zlingegend. Aenderungen im BereinSlalcuder find zu richien an Hermann B r a u n f ch w e t g, Dresdener- strahe so. 2. Hof. Arbeiter Sängerbund Berlins und Nnigegend. Borsthender Ad. Nenniann, Brunncnfir. wo. Alle A-icherungen im Vereinstalender sind zu richien a» Friedrich tt o r t u m» Manieuffelstr. 60, v. 2 Tr. Briefkasten der Expedition. Alter Abonnent i» I. K o»i m. A r b.- B i l d u n g s v e r e t n. Tottenham Comb Nvad, London Vf., Totteuham Street 49. WllterniigSiibct ficht vom 27. Dezember>1407, 8 Nhr inorgenS. Wetter-Proguose fit r Dirnstag, 28. Dezember>807. EtivaS wärmer, vielfach heiler, zeitweise wolkig, bei ziemlich frischen südwestlichen Winden, keine oder unerhebliche Niederschläge. Berliner W e t t e r b n r e a n. Arbettwaltt. Tllliitil-Krllgeil- v. MM.- Arbeiteniineiiwerden sos. bei dauernder und s-hr lohnender Beschäftigimg an- genomuicu. 9/18 Emil Riese, Leipzigerstr. 72. Grundirer, tüchtige, welche auch Eisen machen können, werden bei gutem Verdienst verlangt 124793) Köpnickerstr. 109». Nahmetttischler, In verkröpstc Nahmen geübt, flndct bei höh. Verdienst dauernde Beschäftigmig Köplllckerstr. 109a. Krot- Uerkimferinnen werden bei gutem Lohn n. Prodi» sion für dauernd angestellt 24v0b Tresckowstr. SL. Norkisli-rsv verlangt Kottbuser Damm 100. 24L5b Aur den J»l»nlt der Jnserntc iiberiiiittmt die Nedaktio» dem Publikiinl gegenüber keinerlei Beranlwortnng._ Thrsttov. Dienstag, den 28. Dczemver. Opernhaus.(Zavallsria rusiicana. Bajazzi. Ansang?'/- Uhr Schanspielhans. Der Gewissens- wurm. Anfang 7V» Uhr. Neues Opern- Dhcätcr(Kroll). Nachm.: Wallcnstew's Lager. DcntschcS. Die Weber. Anfang 7>/2 Uhr. Berliner. In Behandlung. Anfang 7V- Uhr. Nachm. 3 Uhr: Dornröschen. Lessing. Bartcl Turaser. Anfang "Vi Uhr. Goethe. Das Haus des Majors. Aufaug 7Vz Uhr. Unter de» Linden. Die Prinzessin von Trapczunt. Anfang 71/2 Uhr. Renes. Die Logenbrüder. Anfang 7>/z Uhr. Tthiller. Die wilde Jagd. Anfang 7 Uhr. Residenz. Sein Trick. Anfang ?-/- Uhr. Thalia. Das Opferlamm. Anfang 7l/2 Uhr. Central. Berliner Fahrte». Anfang 7-/- Uhr. Luisen. Fröhliche Weihnacht! An- fang 3 Uhr. Belle-AlUance. Das Glas Wasser oder: Ursachen und Wirkungen. Allfang 8 Uhr. Ostend. Leben und Lieben. Anfang 8 Uhr. Friedrich. WilvelnisiiidiischeS. Agrippina. Anfang 8 Uhr. Rlexanderplah. Die Verführerin. Anfang 8 Uhr. Urania. Tanvenstraste 48—4». Naturkundl. Ausstellung v. 10 Uhr vormittags ab. Abends 3 Uhr Wisscuschaftl. Theater. Jnvalidenstrafte S7/VS. Täglich (ausser Sonntags und Mittwochs) abends 8 Uhr: Wisseuschnstliche Vorträge. Nnicrica». Spezialitäten. Anfang 8 Uhr. Rcichshalle». Spezialitäten. An- fang 71/2 Uhr. Apollo. Spezialiläten. Ans. 7-/2 Uhr. Aecn-Palast. Spezialitäten. Passage- Panoptikum. Wiener Tanz- und Operettcn-Gescllschaft. Schillov�TlivAtov (Wallncr-Thcatcr). Dienstag, abends 8 Uhr: Die wilde Jagd. Mittivoch, abends 8 Uhr: Die wilde Jagd. Donnerstag, abends 8 Uhr: Die wilde Jagd. Freitag, Anfang 7 Uhr: Zum 1. Male: Der Stegistrator auf Reise». Ostend-Theater. Gr. Frnukfnrlersir.lZL. Dir. E.Weih. Leben und Lieben. Volksstück mit Gesang in fünf Alien von O. Klein. Musik von G. Wando. Ans. 8 Uhr. Im Tunnel von 7 Uhr ab: — Frei-Konzert.- Mittwoch, Donnerstag, Freitag, Sonn- abend, Sonntag Abend: I- v d v 1» iinE Lieben. Sonnabend Nachmittag, halbe Preise: Der Berschwendcr. Aufang 3 Uhr. Lnisen- Theater 34. Reichenbergerstrahe 34. Abends 8 Uhr: Mhliche Welhnacht. Weihuachtsstück mit Mllsik in 5 Bildern von 8. Ottomeyer. Musik von Fritz Krause. Morgen: Dieselbe Borstellnng. Direkte Verbindung mit dem Theater: Elcktr. Bahn: Dönhoffplatz— Reichen- bcrgcrstraße in 10 Minuten. Ceiitral-Tlieater Alte Jakobsir. 30. Direktion Iticlinrtl SclinUx. Dienstag, den 28. Dezember 1897: Itlnlll Tlionias a. G. Znin 114, Male: Berliner Fahrten. BnrleSke Auösiattnugsposse mit Gesang und Tanz in ll Bildern von Julius Frennd und Wilhclnt Mannstädt. Musik von Jul. Einüdshvfcr. Ansaug 1/2S Uhr. Morgen und die folgenden Tage: Berliner Fahrten-. V«ZJk«- Theatei* Ii» Wcll-Itciiitanrniit 07. D r e S d c n e r-S t r a H e 07. Mit vollen Segeln. Lebensbild in 3 AbtH. von H. Schulz. STene bipezlalitilten. Die kleinste Conto rstonistin der Welt DM-l-ittle Elsa.'9@ Am zweiten Feiertag, mittags 12 Uhr: Brasse Matinee. Im vorderen Saale: 7�'olep Sänger Alois Ebner. Wllfrtllrt* Sonntags 6 Uhr. ZUIIillilj. Wochentags 7-/i Uhr. V.«osek'L Theater Ilriiiincn-Mlrasso 10. Heute, Dienstag, de» 28. Dezember: Sien! Sien! Berliner Kinder. Original-Posse mit Gesang in 4 Akten von Salingrs. Musik von Th. Hauptner. Nach der Vorstellung: T a n z k r ä» z ch e«. Mittwoch: Ida« lb'»i''»tl»an«. ?a88M'?anoplieum. Wimv Tanz- und Operetten- Gesellschaft. Zum Schluss: Illnstrirtes Quodlibet in 12 lebenden Bildern. & Castan's Panopticnui. Friedriolistr. 165. Indiscli- hiiidusta- nlsclio Gaukler — und— S c Ii lange n- ItoKchwörcr. Das BÄREN WEIB. N Haehr'sTheater Ornnicn-Strasso 84. Täglich!-9® Tlieater- n.!8pczlnlitäten- Vorstcllnng. Neu! Am Weihnachtsabend. Neu! Ein militärischer Don Juan. Beinbold lange, l liätbe leonardl, der beste Humorist bildschöne der Jetztzeit. I Kostiim-Soubrcttc Brothers Therras, die bcrühmtcsteu Ketten- Turner. Unfana. Wochentags 3 Uhr. ittitsiiltsi. Sonntags 6 Uhr. Preise wie gewöhnlich. »eivhshallsii- Theater. Leipzigerstrasse 77. Das Riesen- Honstre- Programm! 3C Kunstkräfte ersten Ranges. 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ISolossy Kli'alfy's „C«sastaiitlii.oi>eI" An Sonn- und Iseiertagen 'tS■ ?>( S Vorstellungen, ,____ nachmittags 4 Uhr, * abends 8 Uhr. V Alcazar V a r i e t e- T h e n t e r I. Ranges. DrcSdencrstrasse 52/53(Ciiy-Passage) Annenslrasse 42/43. Direktion st! t ch a r d Winkl er. Vornehmster Familien- Aufenthalt. Neu! Ulottc ülatroscn: Neu! Grosse AnsstattungS-Operette in 1 Akt von Ed. Linder. Neu! Vorher: Meu! Am Weihnachtsabend. Charakterh. in 1 Alt von G. Höppner. Rosen aus dein igttden. Grosse AnsstattungS-Posse mit Gesang und Tanz in 1 Akt von W. Gericke. Anftrete» siimmtlicher Kunst- Spezialitäten. Ans. 6 Uhr, Kasscn-Eröffnnng 5 Uhr. Entree 39 Pf. stieservirt. Platz 59 Pf. Feen-Palast ÄL Bnrgstr. 22. Dir.: Wlnhlcr& UrObel. SHP- Wiederholung der mit grossem Beifall auf- genommenen WeihnachtS- Borstellungen. Gala-Fest-Prograinm. Neues Personal. 59 Künstler. Franyols Cabaret, Gebr. SUhlsdorf, Carreton-Trlo, Victoria u. s. w. 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Römer; Georg Rösser, William SchUff, Geschw. Meinhold und das Unikum von Improvisatoren-Wettstreit zwischen Dr. Guido Steinitzu. William SchUff. Auf. präz. 8 Uhr. Gew. Preise. Vorzugskarten gelten. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Donnerstag, 39. Dezember: Grosse Jubiläums-Vorstellung zur 199. und letztmaligen Aufführung von Ein Abend im Wintergarten und Im Atelier. Sylvester- Abend:-WL Grosse öffontl. Generalprobe von Familie Kochsalz. Tragikomödie von Anton und Donat Hermfeld. SV Sylvester-Abend-WlL Zum 1. Male: Knobeies& Kllebar. Charakterstudie von Anton u. Donat Hermfeld. ZWO- Sylvester-Abend"Vß Improvisatoren- u. Humoristen- Wettstreit zwischen Stelnitz, SchUff und Gebrüder Hermfeld. Weitere 1 Sylvester-Ueberrasohungen siehe Preitags-Inserat. Clrcns Busch (Bahnhof Börse). Dienstag, den 28. Dezember. abends 7�2 Uhr: Sport-Abend. Moderne Reitcrspiele. Austreten des renommirten Reitkünstlcrs A. Wells. Aigir, ostpr. 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Filiale Berlin D(Moabit). Mittwoch, de» SO. Dezember, abends 8 Uhr, im Lokale des Herrn Röhes, Stromstraste 28: Mitglieder- V ersammlang;. Tag es-Ordnung: I. Neuwahl der Ortsverwaltung und Beitragsammler. 2. Festsetzuiig der Zahlstellen. gM" Mitgliedsbuch legitimirt."faß Die Mitglieder werden ersucht, zahlreich und pünktlich zu erscheinen. 183/12 I. A.: Sparfeld. WerlM KmilKtn und SterdrKilffe mv. 27. Sonntag, 2. Januar 1808, vormittags 40'/z Uhr, im Kasfenlokal Lindenstraste Nr. 410 bei A. Schwede. General- Vevs5nnttilnng. Tages-Ordnung: 1. Jahresbericht pro 1897. 2. Wahl eines Vorstehers. 3. Wahl dreier Vorsteher-Stellvertreter. 4. Wahl der Koutrullkommissioii. 5. Geschäftliches Das Mitgliedsbuch legitimirt. Vor Beginn der Versammlung werden Beiträge von männlichen Mitgliedern entgegengenommen. 2489b Der Vorstand. Franz Müller's„Central-Feslsäle" UÄ™) Alte.Takobstrassc 3S, empsiehlt Stile von 199— 899 Personell. Sonntag, den 0./4., S7./S., Sonnabend, den 4L./3., S0./3. noch frei! 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Dezember, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Mlmersdorscr Kirchhofes aus statt. Um rege Betheiligung ersucht Der Porstand. Dodes-Anzeige. Allen Bekannten die betrü- bende Nachricht, dass am Sonn- abend, den 25. d. Mts., mein inniggeliebter Mann, der «Renixtitt Heinr. Deininger{ tut 54. Lebensjahre seiner schwe- «it Krankheit erlegen ist. Die trauernde Wit,>oe und Kinder. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 39. d. Mts., nachm. 2 Uhr, von der Leichen- Halle des Neuen Luisenstädtischen 1 j Friedhofes, Britz.Ehauss aus statt Für die Bethciliguug und Kranz- spende bei der Beerdigung unseres Mannes und Vaters, belongers den Herren Kollegen der Fabrik des Herrn Herbst sagen wir unfern herzlichen Dank. Marie Nai» nebst Tochter. Kranzbinderei n. lllnmen- bnndlnng von 3952J-' Kobert Meyer, Mo. 2. Mnrio.«iiienstr. Mo. 2. Widmungs-Kränze, Guirlanden, Ball- stränsschen, BonqnetS w. werden sehr geschmackvoll und preiswerth geliefert. Denge vor der lloth! Msjeiii. 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