Str. 20 Die Gleichheit 16. Jahrgang exe Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen esoLEKALERALER @ e Mit den Beilagen: Für unsere Kinder und Frauen- Beilage Die„ Gleichheit" erscheint alle vierzehn Tage einmal. Preis der Nummer 10 Pfennig, durch die Post vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Pfennig; unter Kreuzband 85 Pfennig. Jahres- Abonnement 2,60 Mart. Juhalts- Verzeichnis. genoffen Deutschlands. Von W. K. Stuttgart den 3. Oftober 1906 Zuschriften an die Redaktion der„ Gleichheit sind zu richten an Frau Klara Zetkin( 3undel), Wilhelmshöhe, Poft Degerloch bei Stuttgart. Die Expedition befindet sich in Stuttgart, Furtbach- Straße 12. Wie dringend not es tut, daß die Landarbeite-| lich abweichenden Weg zum Mutterschutz empfahl nur Die Frauentonferenz zu Mannheim. Aus dem Spezialbericht der rinnen und Dienstboten zum Klassenbewußtsein ge- Genoffin Fürth. Sie befürwortete, innerhalb der Krankenbadischen Fabrikinspektorin. II. Von G. H. Über das Stimm- weckt und in Reih und Glied des kämpfenden Prole- versicherung eine besondere Mutterschaftsversicherung ein recht der finnischen Frau. Von Hilja Parffinen. Übersetzt von tariats zum Ringen für eine lichtere Gegenwart, für zurichten, ohne eigenen Verwaltungsapparat, aber mit Adelaide Burjam. Der Furniturenwucher in der Schuhfabri- eine freie Zukunft geführt werden, das erhärteten die eigener Kassenführung und eigens geregelten Beitragsfation. Von a. t. Die Frauen auf dem Trade Unionstongreß. Referate der Genossinnen Zieg und Grünberg durch leistungen, auch seitens der Unternehmer und des Staates. Bon M. Beer- London.- Die Anfänge der proletarischen Frauen ein drückendes Tatsachenmaterial. Sie zeichneten gleich- Der energische Kampf für die von der Frauenkonferenz bewegung in Deutschland. Von Klara Zetkin. Neunter Ver bandstag der Schneider, Schneiderinnen und verwandten Berufs- zeitig die Schwierigkeiten, welche moderne Ausbeutung formulierten Forderungen muß die proletarische Frauenund mittelalterliche Gebundenheit und Rechtlosigkeit zu bewegung als die treue Verfechterin der Interessen der Aus der Bewegung: Die vierte Konferenz sozialistischer Frauen zusammen der Aufklärungs- und Organisationsarbeit der Mütter erweisen, welche die bürgerliche Ordnung dem Mannheim. A. Refolutionen. B. Zur Annahme gelangte An- Genossinnen unter diesen beiden Schichten sozial Ge- Profithunger des Kapitals preisgibt. Die Agitation für träge. Von der Agitation. Von den Organisationen. tretener entgegentürmen. In gründlichster Weise führte die Schwangeren- und Wöchnerinnenfürsorge wird damit Genossenschaftliche Rundschau. Von Simon Katzenstein. Genoffin Zietz durch eine sachlich ebenso wertvolle wie zu einem trefflichen Mittel, unseren Ideen Herz und Notizenteil: Dienstbotenfrage. Gewerkschaftliche Arbeiterinnen- agitatorisch wirksame Arbeit in die Landarbeiterfrage Hirn von Proletarierinnen zu erschließen, die jetzt noch organisation. überhaupt ein. Das verständnisvolle Mitgefühl für die abseits vom Befreiungskampf ihrer Klasse stehen. Feuilleton: Von der Straße. Von Otto Krille.( Gedicht.) Im Lage der„ Haussflavinnen", welches die Ausführungen Drei zur Annahme gelangte Anträge bezeugen, daß Saal. Von Theodor Storm.( Schluß.) Die Lösung. Aus der Genossin Grünberg trug, gelangte auch in den die Genossinnen sich als Mütter wider das namenlose dem Russischen von Dr. Josephsohn. Herbstabend. Bon Otto Debattereden der Genossinnen zu fräftigem Ausdruck. Elend ausgebeuteter, vernachlässigter und mißWie die Landarbeiterinnen, so fönnen auch die Dienst- handelter Kinder empören, daß sie das Ihrige dazu boten überzeugt sein, daß die Genossinnen den Kampf helfen wollen, den proletarischen Kleinen eine gesunde Die Frauenkonferenz zu Mannheim. für die Verteidigung ihrer Interessen energisch aufnehmen törperliche und geistig- ſittliche Entwicklung zu sichern. In einer kurzen Resolution brandmarkte die Konferenz, Krille.( Gedicht.) werden. Mit Spannung haben die Genossinnen überall der Das Referat über das Frauenstimmrecht behandelte daß die Gesetzgebung noch immer nichts zur Bekämpfung Frauenfonferenz entgegengesehen, mit Befriedigung dürfen die Frage vom Standpunkt ihrer prinzipiellen und prak- der fressenden übel der Heimarbeit getan hat, und sie auf ihren Verlauf, ihre Arbeiten zurückblicken. Die tischen Bedeutung für das Proletariat im allgemeinen forderte schleunigste Beratung des entsprechenden Antrags Konferenz hat ein großes und wichtiges Stück Arbeit und für die Proletarierinnen im besonderen. Es mußte der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion. Die eingeleistet, und sie hat es gut geleistet. Daß es ihr mög- daher auch mit aller Schärfe die Grenzlinie ziehen, welche stimmige Wiederwahl unserer erprobten Genoffin Baader lich war, in verhältnismäßig sehr kurzer Zeit die ge- hinsichtlich der politischen Emanzipation des weiblichen als Vertrauensperson der Genossinnen des ganzen Reiches stellten Aufgaben zu bewältigen, ist in erster Linie der Geschlechts die Interessen der proletarischen Frauen von war der beste Ausdruck warmer Anerkennung, den sie außerordentlichen Arbeitsfreudigkeit und Energie der denen der bürgerlichen Damen scheidet, damit aber natur- für ihr treues, rühriges Wirken verdient. Delegierten zu verdanken. Sie haben mit einer Aus- gemäß auch bürgerliche und proletarische Frauenbewegung. Wir wollen nicht verschweigen, daß wir die Debatten dauer und Frische gearbeitet, die beweiskräftig von ihrer Sein Hauptzweck war jedoch die Antwort auf die Frage, über manche Frage erschöpfender gewünscht hätten. Doch begeisterten, selbstlosen Hingabe an das sozialistische welche die Verschärfung des Klaffenkampfes in allen tapis stand der Durchführung dieses Wunsches ein unüber Ideal redet. Will man das richtig werten, so muß man talistischen Ländern aufwirft:" Muß das Proletariat steigliches Hindernis entgangen: die Kürze der Zeit, in bedenken, daß sich unter den tätigen Genossinnen, die unter Führung der Sozialdemokratie in seinem Kampfe welcher das reiche Arbeitsprogramm erledigt werden an der Konferenz teilnahmen, auch nicht eine einzige für die Demokratisierung des Wahlrechts auch die Forde mußte. befand, die, recht vielen tagenden bürgerlichen Damen rung des Frauenwahlrechts mit allem Nachdruck ver- Im Hinblick darauf hat gar manche Genossin gegleich, die Muße einer sorglosen Existenz durch die Arbeit fechten, oder gebieten vielleicht Zweckmäßigkeitsrücksichten, schwiegen, die gern zu der oder jener Materie etwas der Beratungen unterbrochen hätte, weil sie alle durch sie unter Umständen in den Silberschrein zu stellen?" gesagt hätte, und die Rednerinnen haben in punkto den Doppelkampf für ihre Überzeugung und des Lebens Das Referat befürwortete entschieden eine prinzipielle Einhaltung der Redezeit eine Selbstdisziplin geübt, die Notdurft überbürdet sind. Aber noch anderes ließen die Taftit, die es wie jede konsequent prinzipielle Hals im scharfen Gegensatz zu der uns Frauen nachgesagten Verhandlungen hervortreten. Das Verständnis, mit dem tung im letzten Grunde als die praktisch zweckmäßigste Geschwäßigkeit" steht. Immerhin haben unseres Erdie Genossinnen bemüht sind, ihr Arbeitsfeld den Be- Taktik bezeichnete. Genosse Bebel, der unter stürmischem achtens die Verhandlungen unzweideutig die Notwendig dürfnissen der proletarischen Frauenwelt und den Not Beifall das Wort in der Diskussion ergriff, sprach sich feit flargestellt, für die Arbeiten der nächsten Konferenz wendigkeiten des proletarischen Klassenkampfes ent- durchaus in dem gleichen Sinne aus, ebenso Genossin drei Tage in Aussicht zu nehmen, vorausgesetzt, daß sprechend stetig zu erweitern; den Eifer, mit dem sie Mensing- Holland. wie wir sehnlichst wünschen- die fräftige Entwicklung banach streben, ihre Leistungstüchtigkeit durch die Verunserer Bewegung anhält. tiefung ihrer Erkenntnis und den Ausbau ihrer organisatorischen Einrichtungen zu steigern. 〃 Das reichhaltig und gewissenhaft gesammelte Material, auf das Genossin Duncker ihre Forderung der Zum Schluß sei noch kurz einiger besonders erfreu Schwangerschafts- und Wöchnerinnen fürsorge licher Momente gedacht. Neben den alten, unermüdlichen Das ging vor allem aus dem Tätigkeitsbericht unserer stüßte, verdichtete sich zu einer wuchtigen Anflage gegen Vorfämpferinnen der proletarischen Frauenbewegung beVertrauensperson hervor, in dem Genossin Baader ein die Sünden der kapitalistischen Ordnung wider die prole- teiligten sich jüngere Genossinnen mit regem Eifer an anschauliches und lebendiges Bild von dem äußeren tarischen Mütter und Kinder. Die Referentin lehnte die den Arbeiten der Konferenz; wir dürfen von ihrer BeWachsen und Erstarken, wie von der gesunden inneren Gründung einer besonderen Mutterschaftsversicherung ab, tätigung in unseren Reihen das Beste hoffen. Wir Entwicklung der proletarischen Frauenbewegung gab. wie sie von den bürgerlichen Frauenrechtlerinnen gefordert konnten eine größere Zahl ausländischer GesinnungsFrisch und verheißungsvoll wehte aus den mitgeteilten wird. Die durch gründliche Reformen leistungsfähig ge- und Kampfesgenossinnen wie je als Teilnehmerinnen der Einzelheiten der Geist klaren proletarischen Klassen- machte Krankenversicherung soll Trägerin der Mutter- Konferenz begrüßen. Außer den österreichischen und bewußtseins, die Empfindung von der unlösbaren inneren schaftsfürsorge sein, zu deren Durchführung außerdem holländischen Genossinnen hatte der Verband der Einheit des Zieles und der Wege, die zwischen dem all- auch Gemeinde und Staat mitzuhelfen berufen seien. Arbeiterinnenvereine der Schweiz, die italienischen gemeinen Emanzipationsringen des Proletariats und der Unsere Agitation hat dafür zu sorgen, daß die Masse Genossinnen und die russische Sozialdemokratie Berproletarischen Frauenbewegung besteht. Die ausgiebigen der proletarischen Frauen über die Bedeutung der ein- treterinnen zur Frauenkonferenz delegiert; von den finniDebatten vervollständigten den Überblick und den Ein- schlägigen Forderungen aufgeflärt wird. Gleichzeitig muß schen und französischen Genosfinnen waren Sympathiedruck. Da wurden Fortschritte gemeldet, Anregungen sie aber auch darauf hinwirken, daß die weiblichen Mit- fundgebungen eingelaufen. Die Ansprachen der aus gegeben aus Gegenden, in denen noch vor kurzer Zeit glieder der Krankenkassen das ihnen zustehende aktive ländischen Delegierten, die von Herzen tamen und zu es ein Ding der Unmöglichkeit schien, die proletarischen oder passive Wahlrecht ausnüßen, damit die Kranken- Herzen gingen, wurden mit begeisterter Freude aufgeFrauen als Kämpferinnen für ihre Interessen auf den tassen betreffs der Schwangeren- und Wöchnerinnen-| nommen. Plan zu rufen. Auch aus den Reden der Genossinnen, unterstützung bis an die äußerste Grenze dessen gehen, Wie ihnen, so gebührt auch den Mannheimer Ge die von Schwierigkeiten des Wirkens und von langsamen, was die geltende Gesetzgebung zuläßt. Aus ihren prat- nofsinnen Dank, die mit schwesterlicher Herzlichkeit fleinen Erfolgen zu berichten hatten, flang nicht hoff- tischen Erfahrungen von des Lebens Not heraus wurde sich angelegen sein ließen, den Aufenthalt in ihrer Mitte nungslose Müdigkeit, vielmehr unbesiegter Arbeitsdrang. es von allen Diskussionsrednerinnen begrüßt, daß die den Teilnehmerinnen der Konferenz recht angenehm zu Im inneren Zusammenhang mit den Verhandlungen proletarische Frauenbewegung zugunsten der Schwangeren- gestalten. über den Tätigkeitsbericht standen die zwei geschlossenen und Wöchnerinnenfürsorge in die Arbeit eintritt. Auch Die Mannheimer Tagung hat den Genossinnen ein Sigungen, in denen die Genossinnen Mittel und Wege die von der Referentin befürworteten Forderungen fanden vielseitiges und zum Teil schwieriges Arbeitsprogramm erörterten, die beträchtlich vermehrten Aufgaben der in der Hauptsache allgemeine Zustimmung. Genossin für die nächste Zukunft geschaffen. Aus der quantitativen Vertrauensperson für das ganze Deutsche Reich und der Braun vertrat im Gegensatz zu Genossin Dunder die und qualitativen Steigerung ihrer bisherigen Leistungen Vertrauenspersonen verschiedener Bezirke und Orte er- Auffassung, daß an Stelle des Rechts der Schwangeren schöpfen wir die feste Zuversicht, daß sie auch den neuen folgreich zu bewältigen. Der erfteren wird eine Hilfs zur Einstellung der Arbeit acht Wochen vor der Niederkunft Anforderungen ger- cht werden. Aus Werf! fraft zur Seite gestellt, und das Wirken der letteren besser die Pflicht dazu gesetzlich festzulegen sei. Die Konferenz soll, wo nötig, durch materielle Mittel gefördert werden. trat jedoch diesem Standpunft nicht bei. Einen wesent 136 Aus dem Spezialbericht der badischen Fabrikinspektorin. II. In unserem ersten Artikel wiesen wir an der Hand des Berichtes nach, daß die Unternehmer sich schließlich schon aus dem Grunde zur Verbesserung der Lohn- und Arbeitsbedingungen verstehen müssen, um sich die nötige Zahl von Arbeiterinnen zu sichern. Der Bericht beweist aber auch, daß ein weiterer wichtiger Grund für die bessere Bezahlung der Arbeiterinnen spricht. Es ist das die Rücksicht auf die Lebenshaltung der Arbeiterinnen. Die Fabrifinspektion führt zunächst die Budgets von 10 Arbeiterinnen an, die in Karlsruhe arbeiten, aber auf dem Lande in fremden Haushaltungen leben. Als Beipiel sei das Folgende wiedergegeben: Roftgeld pro Woche 6, Mt. -, 60= Zwischenmahlzeiten einschl. Getränke= = Ausgaben für Kleidung im letzten Jahre: 3 Paar Stiefel 3mal Besohlen 1 Rock, 2 Blusen 4 Hemden. 1 Hut • . 1 Schirm • • . · . = 24,- Mt. 6, 20, 8,80= V M V 4, 3,50 5,40= Wolle zu 6 Paar selbstgestrickten Strümpfen Zusammen 71,70 Mt. Die Arbeiterin ist 18 Jahre alt, sie verdient 13,50 Mt. pro Woche und hat in den letzten zwei Jahren 80 M. jespart. Dann folgen die Budgets von 10 Arbeiterinnen, die in ser Stadt in fremdem Haushalt leben. Von diesen haben wir folgendes Beispiel ausgewählt: Bimmer mit Raffee. . • • · . • • . pro Woche 1,80 Mt. 2,35 Ausgaben für Kleidung im letzten Jahre: Mittagessen Abendessen Zwischenmahlzeiten Wäsche.. 1 Kleid. 1 Bluse. 2 Hüte. • Stiefel und Besohlen. Wäsche. • = 0,90 = 2,46 0,50 V M 30,- Mf. • 3, 20, 10, = 11 = 11 Die Gleichheit Nr. 20 zug auf Toilette zu widersprechen". Für Kleidung, Verhältnissen. Trotzdem müssen sie für ihre Töchter bis zu Wäsche, Schirme, Handschuhe und sonstige fleinere Toilette- deren Verheiratung Opfer auf Opfer bringen, damit die gegenstände, welche die Arbeiterin der Großstadt zum Lebens- Unternehmer recht viel Profit einstecken können. bedarf erforderlich erachtet, sowie für Seife, Bäder usw. hat Was aber wird aus den alleinstehenden Arbeitedie Fabrifinspektorin 120 mt. pro Jahr, gleich 2,40 mt. rinnen? Ihr Durchschnittsverdienst beträgt bei den Fabrikwöchentlich angesetzt. Mithin beträgt die gesamte Wochen- arbeiterinnen 11,16 Mr., bei den Konfektionsarbeiterinnen ausgabe der alleinstehenden Arbeiterinnen in der Stadt 11 22,67 Mt. und bei den Verkäuferinnen 23,37 Mt. Wenn bis 11,88 Mt. wenn sie sich so weit einschränken können, wir uns erinnern, daß in den beiden letzten Gruppen ein wie die Fabrikinspektorin angenommen hat. Prozentsatz erheblich besser bezahlter Arbeiterinnen vorhanden Die alleinstehende Ladnerin und Konfektionsarbeiterin hat ist, die den Durchschnittsbetrag start beeinflussen, so erkennen die Wahl, sich in Privatpension zu begeben oder eines der wir aus diesen Zahlen, daß auch von den alleinstehenden beiden Heime aufzusuchen oder endlich ein Zimmer zu mieten Arbeiterinnen aller drei Gruppen eine beträchtliche Zahl mit und sich die Kost in anderer Weise zu beschaffen. Inner- ihrem Arbeitsverdienst unmöglich auskommen kann, zumal halb der Heime stellt sich der Tagessatz für Beföftigung auf wenn noch in der stillen Geschäftszeit ausgesetzt werden 1 Mt. und 1,15 Mt., was einer monatlichen Ausgabe von muß. Außerdem hat manche Arbeiterin nicht nur für sich 30 bezw. 35 Mt. entspricht. Der Preis für das Zimmer selbst, sondern für ihre Kinder zu sorgen. Daher heißt es, alle Kräfte einsehen, um immer mehr schwankt je nach Lage und Größe des Raumes innerhalb weiter Grenzen von 5 Mt. monatlich für eine Mansarde, Arbeiterinnen über ihre Lage aufzuklären und sie als Mitdie mit einer Kameradin zu teilen ist, bis zu 20 bis 30 Mt. fämpferinnen in unserem Kampfe um bessere Arbeits- und G. H. für die besseren Einzelzimmer. Die Ausgaben für Kost und Lebensverhältnisse zu gewinnen. Wohnung können demnach mit 40 Mt. bestritten werden, in der Regel werden 45 bis 55 Mt. dafür verausgabt. In ,, Wie ist es Ihnen möglich gewesen, in so hohem Maße die allgemeine Meinung zu beeinflussen, daß Sie das polis tische Stimmrecht, ja sogar die Wählbarkeit zu dem Parlament erhalten haben?" fragt man uns finnische Frauen. Privatpensionen wird ein monatlicher fester Betrag von 45 Cleber das Stimmrecht der finnischen Frau. bis 50 Mt. verlangt, der sich durch die verhältnismäßig teuere Berechnung aller Nebenausgaben noch wesentlich erhöht. Im Arbeiterinnenheim sind diese Nebenausgaben gering. Sie belaufen sich, wie aus den Büchern der Hausmutter hervorging, auf 1 bis 3 Mt. monatlich für Heizung, Beleuchtung und Bäder. Für die Wäsche sind 3,50 bis 5 Mk. Um diese Frage zu beantworten, müßten wir einen weit in Anrechnung zu bringen. Der geringere Satz wird er- umfassenden historischen Rückblick über unsere Kulturverhältreicht, wenn ein Teil der Wäsche selbst gewaschen oder der nisse geben, aber im Rahmen eines Artikels würde das zu Mutter nach Hause geschickt wird. Ein kleiner Posten für weit führen. Deshalb werde ich nur kurz berichten, daß bei Getränke und die sich auf 1,50 bis 2 Mt. monatlich be- uns die Bewegung für bessere, freie Bildungsmöglichkeit laufenden Kassenbeiträge sind als ständige Ausgaben hinzu- des weiblichen Geschlechtes vor mehr als zehn Jahren ihr zufügen. Es ergibt sich hieraus, daß die Landnerin bezw. Ziel erreicht hat. Bei uns besuchen die Frauen der geKonfektionsarbeiterin bei den denkbar bescheidensten bildeten Klassen dieselben Schulen wie die Männer. Die Ansprüchen an Zimmer und sämtliche Nebenaus Volksschule trägt elementare Bildung unter die unteren gaben für die notwendigsten Bedürfnisse den Betrag von Schichten des Volkes; leider ist aber bis jetzt noch kein all46,50 Mt. pro Monat verbraucht. Wird der eigentlich selbst- gemeiner Schulzwang eingeführt, und die Armut hindert verständliche Anspruch auf ein eigenes und besseres Zimmer ungefähr die Hälfte des Volkes, die Volksschule bis zu Von den Volksschullehrern machen erhoben, etwas weniger ängstlich mit den Nebenausgaben Ende zu besuchen. Von den in gespart, so wächst diese Grundausgabe auf 53,50 bis 63,50 die Frauen mehr als die Hälfte aus. Die Frauen der geMart. Nach den Mitteilungen der gut beobachtenden Haus- bildeten Kreise wenden sich jetzt sehr oft einem Studium zu, mutter des Arbeiterinnenheims sind hierzu etwa 5 Mt. monat- aber nur ein fleiner Teil von ihnen absolviert es. Häufig lich für kleinere Ausgaben, wie Schuhreparaturen, Hand- ist auch die verheiratete Frau der besseren Stände in Schulen, schuhe, kleine Toilettebedürfnisse, Geschenke, Porto und der Banten, im Post- oder Eisenbahndienst( im Bureau) tätig. gleichen hinzuzurechnen. Für den Aufwand an Kleidung und Die Arbeiterfrau wurde ihrerseits durch die Großindustrie an Neuanschaffungen von Wäsche und dergleichen fehlen genaue die Seite des Mannes in dem Kampfe ums Dasein gerissen. Daten. Doch wird hierfür im Hinblick darauf, daß die Diese schon seit Jahrzehnten herrschenden Verhältnisse haben Ladnerin( und ähnlich die Konfektionsarbeiterin) währen des allmählich das Vorurteil gegen den geringeren Verstand" ganzen Tages in einem gut sitzenden, möglichst kleidsamen der Frau gänzlich beseitigt. Man hat eingesehen, daß die Anzuge zu erscheinen hat, daß ferner ihre Bedürfnisse in Frau aus der Idylle des Familienlebens gerissen und in dieser Richtung gerade durch die Umgebung, in der sie sich den Strudel des alltäglichen wirtschaftlichen Kampfes geZu diesen Budgets ist zu bemerken, daß in den länd- befindet, erweitert und angereizt werden, mit einem Posten worfen worden ist. Nach meiner Ansicht hat dies alles die lichen Gemeinden die vom Elternhaus losgelöste Arbeiterin von mindestens 10 bis 15 Mt. zu rechnen sein. Die Fabrik öffentliche Meinung für die politische Gleichberechtigung des meist bei Verwandten Unterkunft findet. Demgemäß ist das inspektorin gelangt daher zu dem Resultat, daß diese Ar- weiblichen Geschlechtes gewonnen. Die Ehemänner haben Rostgeld sehr gering. Es wird auf 4 bis 6 Mt. pro Woche beiterin auch bei Herabdrückung ihrer Ansprüche auf ein ihrerseits erkannt, daß sie ihre Frauen nicht verlieren, wenn angesetzt. Dafür erhält die Arbeiterin Wohnung, Frühstück Mindestmaß mit einer monatlichen Ausgabe von 61,50 Mt. fich ihr Wirkungskreis erweitert, und deshalb sind die in Form von Kaffee und Brot, ein Abendessen, bestehend in zu rechnen hat, daß unter Beibehaltung bescheidener An- Männer nicht davor zurückgescheut, der Frau volle politische Mehlspeisen, Kartoffeln oder Suppe, dann und wann auch sprüche, aber Benutzung eines eigenen Zimmers 65 bis Rechte zuzuerkennen. Fleisch und außerdem je nach Vereinbarung Eßwaren zur 70 mt. verbraucht werden, und daß eine wünschenswerte Betöftigung während den in der Stadt verbrachten Tages- Bewegungsfreiheit erst frühestens bei Verausgabung von stunden. Jedoch ist die Zahl der in fremdem Haushalt 75 Mt. monatlich einsetzt. Die diesen Grenzen entsprechenlebenden Arbeiterinnen sehr gering. Die Annahme der Fabrikinspektorin, daß die ohne jeden Familienzusammen hang dastehende Arbeiterin vom Lande in die Stadt übersiedelt, anstatt von dort aus täglich der städtischen Erwerbsarbeit zuzuwandern, wird wohl den tatsächlichen Verhältnissen entsprechen. 1 Jacke. Wolle zu Strümpfen 8, 15, 2,50 = V 9 Zusammen 88,50 M. Sonntags werden etwa 70 Pf. ausgegeben. Monatlich wird einmal ein Bad zu 40 Pf. genommen. Die Arbeiterin ist 21 Jahre alt, sie verdient 12 Mt. wöchentlich und hat im letzten Jahre nichts gespart. den Wochenverdienste belaufen sich auf 14,80 r., 15,60 bis 16,80 Mt. und 18 Wit. Jedoch müssen wir noch hinzufügen, daß die unteren Sätze schon deshalb in den meisten Fällen nicht ausreichen, weil die Arbeiterinnenheime ein Unterkommen zu den billigen Preisen nur für verhältnismäßig sehr wenige Personen bieten ganz abgesehen davon, daß sich nicht jedes Mädchen mit dem Leben in einem solchen Heim befreunden kann. Wir haben mithin als die Mindestkosten für den Lebensunterhalt einer Fabrikarbeiterin 11 bis 12 Mt., einer Ladnerin und Konfektionsarbeiterin 16 bis 18 Wt. pro Woche. Der Unterschied erscheint uns etwas zu groß. Wir sind überzeugt, daß die Fabrikinspektorin die Unterhaltskosten für die Fabrifarbeiterin zu niedrig eingeschäßt hat. Für die in der Stadt lebende alleinstehende Arbeiterin liegen die Verhältnisse etwas anders infolge des höheren Kostgeldes. Das in runden Summen berechnete und bezahlte Kostgeld beläuft sich in der Woche auf 7 Mt. Dafür wird ein eigenes fleines Zimmer, Frühstück, Mittag- und Abendeffen gewährt. Die Arbeiterin kann daran einige Pfennig ersparen, wenn sie die Sorge für die Beschaffung des Früh stücks und Abendessens selbst übernimmt, wobei aber wahr scheinlich sowohl die Regelmäßigkeit als auch die Beschaffen- Vergleichen wir nun diese für den Unterhalt festgestellten heit der Mahlzeiten eine Einbuße erleidet. Ebenso stellen notwendigen Ausgaben mit dem tatsächlichen Verdienst der sich die Ausgaben etwas niedriger, wenn auf das eigene Arbeiterinnen. Einen Verdienst unter 11 bis 12 mt. pro Zimmer Berzicht geleistet wird. Die Arbeiterinnen teilen Woche haben nicht weniger als 75 Prozent der Fabrifar dann das Zimmer mit einer Schwester, einer Freundin oder beiterinnen. Einen Verdienst unter 16 bis 18 Mt. haben auch mit der alleinstehenden Vermieterin. Die Arbeiterin, 80 Prozent der Konfektionsarbeiterinnen und 50 Prozent der deren Budget oben angeführt ist, hat ein Zimmer zusammen Ladnerinnen. Der Gesamtdurchschnitt des Arbeitslohnes mit ihrer Schwester und muß sogar mit derselben ein Bett stellt sich bei den Fabrifarbeiterinnen auf 10,02 Mt., bei gemeinsam benutzen. den Konfektionsarbeiterinnen auf 11,54 Mt. und bei den An die Grundausgabe von 7 Mt. reihen sich die Beträge Verkäuferinnen auf 16,71 Mt., also in allen drei Grupfür Zwischenmahlzeiten mit 60 bis 90 Pf. in der Woche, pen auf einen geringeren Betrag als die Minimal Versicherungsgeld mit 38 Pf., die sonntäglichen Extra- ausgaben für den Lebensunterhalt. Selbst wenn ausgaben mit 50 bis 70 Pf. und die Wäsche. Die hierfür wir alle Arbeiterinnen unter 18 Jahren außer Betracht angegebenen Beträge schwanken zwischen 40 Pf. und 1,50 Mt. lassen, haben wir einen Durchschnittsverdienst bei den Fawöchentlich. In vielen Fällen wäscht die Arbeiterin selbst britarbeiterinnen von nur 11 t., bei den Konfektionsund erhält die nötige Seife von der Wirtin umsonst oder arbeiterinnen von nur 12,02 Mt., also wiederum in beiden für ein geringes Entgelt geliefert. Sehen wir die Wäsche Gruppen weniger als unbedingt zum Lebensunterhalt geim niedrigsten Falle mit 12 Pf. für Seife, im höheren mit braucht wird. Nur die Verkäuferinnen kommen mit einem dem Durchschnitt von 50 Pf. an, so ergibt sich aus den Durchschnittsverdienst von 19,95 Mt. über jenen Betrag Einzelposten eine wöchentliche Ausgabe von 8,60 bis 9,48 Mt. etwas hinaus. Als einen bedeutungsvollen Faktor für den Umschwung der Meinung möchte ich auch den Anteil der Frauen an den Bestrebungen zur Hebung der Bildung und Kultur nennen. Begabte Frauen sind in Finnland im Laufe der Zeit Vorfämpferinnen für manche wichtige und segensreiche Neuerungen gewesen, so zum Beispiel für die gemeinsamen Schulen für Knaben und Mädchen. Wir haben gute Schriftstellerinnen und sogar solche, die mit ihren Leistungen die Männer übertroffen haben. Ich nenne hier nur die dramatische Dichterin Minna Canth, deren Dramen aus dem Leben der Arbeiter sich einen festen Platz auf der finnischen Bühne erworben haben. In den letzten Jahrzehnten hat sich in Finnland sehr rasch ein vielseitiges Vereinsleben entwickelt. Die Frauen haben sich in großer Anzahl den bürgerlichen Bildungsvereinen, Jugendvereinen, Mäßigkeitsvereinen usw. angeschlossen. In dem Maße, als die Sozialdemokratie immer mehr erstartte, schlossen sich die schon an soziale Tätigkeit gewöhnten Arbeiterfrauen den Arbeitervereinen an. Schon vor zehn Jahren konnte man bei den Proletarierinnen schwache Anfäße wahrnehmen, sich zusammenzuschließen und organisiert am politischen Leben teilzunehmen. Die bürgerlichen Frauen waren ihnen in dieser Hinsicht vorangegangen. Sie hatten sich schon früher in schwedisch- gesinnte und finnisch- gesinnte, in tonservative und liberale usw. geteilt. Die Tätigkeit in den verschiedenen Vereinen hat jedenfalls erzieherisch auf die finnischen Frauen gewirkt und ihnen gleichzeitig Gelegenheit geboten, ihre Leistungsfähigkeit im öffentlichen Leben zu zeigen. Sie lernten öffentlich auftreten und drangen in die Politif" ein. Noch muß erwähnt werden, daß die 1899 inaugurierte Unterdrückungs- und Zwangs politik seitens des russischen Despotismus bedeutend zum politischen Erwachen Finnlands beigetragen hat und damit auch zur Einführung des Frauenstimmrechtes. Der wachsende Gegensatz in der Lage der Proletarierin und der gebildeten Frau öffnete der ersteren immer mehr die Augen für den Gegensatz der Interessen, der in der Frauenwelt wie in der Männerwelt besteht. Beim Kampfe um das Beansprucht die Arbeiterin Licht oder Heizung, so ist dafür Demnach verdienen die allermeisten Arbeite Frauenstimmrecht waren die Frauen daher naturgemäß in ein besonderer Betrag zu entrichten. Meist wird hierfür nur rinnen noch nicht einmal so viel, wie sie zu ihrem Parteien geteilt. Von der Seite der gebildeten Frauen äußerst wenig verausgabt und der freie Abend in der ge- notdürftigsten Lebensunterhalt gebrauchen. Ste wurde er sehr lau geführt. Zuweilen irgend ein Vortrag, heizten und beleuchteten Wohnung der Mietsleute zugebracht. müßten zugrunde gehen, wenn sie nicht an ihren Eltern eine Abhandlung, eine Broschüre. Die Damen versuchten vor Die Ausgaben für Kleidung und Schuhe sind wohl ge- eine Stüße hätten; das heißt wenn nicht ihre Eltern einen allem, die Landtagsabgeordneten für das Frauenstimmrecht eignet, dem oft gehörten Vorwurf der Ver- Teil der Unkosten decken würden. Die Eltern der Arbeite- zu gewinnen. Der Erfolg waren verschiedene entsprechende schwendungssucht der jungen Arbeiterin in be- rinnen leben aber selbst in der Regel in sehr bescheidenen Anträge an den Landtag. In der Hauptsache begnügten sich Die Gleichheit 137 die Frauenrechtlerinnen damit, das Stimmrecht allein für die Fr au ender Bauern- und Bürgert lasse zu fordern. Die Proletarierinnen befolgten eine andere Taktik. Unsere Arbeiterpartei kämpfte für eine durchgreifende Reform des Wahlrechtes und forderte das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht ohne Unterschied des Geschlechtes. Die Partei- genossinnen faßten die Frage des Frauenstimmrechtes nur als einen Teil des sozialdemokratischen Parteiprogramms und des allgemeinen Wahlrechtskampfes mch Sie nahmen daher am politischen Kampfe ihrer Parteigenossen teil, welcher sich gegen das bestehende ungerechte Wahlrecht richtete. Der finnische Landtag bestand bis jetzt aus den Ver- tretern der vier Stände: Adel, Geistlichkeit. Bürgertum und Bauernschaft. Das Wahlrecht im Bürgerstand war an ein ungeheuer hohes Einkommen geknüpft und ivurde nach dessen Größe zugemessen. Manche„Bürger" hatten lv, 2ö ja 60 Stimmen, in drei Städten verliehen sogar riefige Einkünfte eine unbegrenzte Anzahl Stimmen. Kein Wahlrecht besaßen dagegen sehr viele Unbemittelte in Stadt und Land. Bon der bäuerlichen Bevölkerung waren nur die Grundbesitzer wahlberechtigt. Dank dieser Verhältnisse hatte Finnland mit seinen ungefähr ZOOOOOO Einwohnern nur 187000 Wähler. Die bürgerlichen Frauenrechtlerinnen schwiegen zu all den schreienden Ungerechtigkeiten des Wahlrechtes, die auf den Besitz gegründet waren; sie traten nur für das Frauen- stimmrecht unter den geltenden Bedingungen ein, so daß dieses lediglich als Damenwahlrecht eingeführt worden wäre. Die Stellung der sozialistischen Frauen mußte dagegen eine andere sein. Erstens war es unsere Pflicht als Sozialdemokratinnen, gegen alle Mängel und Ungerechtig- leiten der Volksvertretung zu protestieren und zu kämpfen. Zweitens wußten wir, daß wir die Kraft der ganzen sozial- demokratischen Partei für die Forderung des allgemeinen Frauenstimmrechtes gewännen, sofern wir diese Forderung in ihrem geschichtlichen Zusammenhang mit dem allgemeinen Männerwahlrecht und dem großen proletarischen Emanzi- pationskampf erheben würden. Von diesem Standpunkt aus beleuchteten die vom„Bund der Arbeiterinnen" herausgegebenen Schriften und Broschüren das Frauen- stimmrecht. Dieselbe Auffasiung ward auch in den Artikeln des sozialdemokratischen Parteiblatts vertreten. Im Anfang war die Zahl derer nicht groß, die mit uns, von unserem Standpunkt aus, für das Frauenstimmrecht kämpften. Die bürgerlichen Frauen wunderten sich, warum wir in die Frage des Frauenstimmrechtes etwas hineintrügen, was „nicht dazu gehöre". Die sozialistischen Frauen nahmen ihrer ttberzeugung gemäß regen Anteil an den Demonstrationen für Einführung des gleichen Wahlrechtes und des Ein- kammersystems. Die agitierenden Genossen fingen bald an, im sozialdemokratischen Wahlrechtskampf wie bei der Agitation für die Sozialdemokratie im allgemeinen auch ihrerseits für das Frauenstimmrecht einzutreten. Unter der Leitung des Bundes der proletarischen Frauen wurde eine planmäßige Agitation im ganzen Lande betrieben, das man zu diesem Zwecke in elf Frauenwahlrechtskreise einteilte. Fast überall, wo es nur einigermaßen möglich war, gründeten die Genossinnen Orts- vereine, welche für die Wahlrechtsreform wirken sollten. Bald begannen die Frauen, besonders aber die jüngeren unter ihnen, eifrig für ihr politisches Recht zu kämpfen. Um unseren Forderungen mehr Nachdruck zu geben, veranstalteten wir Frauenmeetings und gegen Ende des vorigen Jahres, wie wir bereits berichteten, eine große Frauendemonstration ini ganzen Lande. Auf diese Weise zeigten wir, daß Zehn. taufende Frauen des arbeitenden Volkes vollkommen klar über daS sind, was ihnen damals noch fehlte: das allgemeine Wahlrecht als Waffe, um im Klassenkampf ihre schwere materielle Lage zu verbessern und ihre volle Befreiung vom Joche des Kapitals zu erringen. Denn eine schutzlose Kindheit und ein schutzloses Alter, dazwischen ein durch Arbeits- losigkeit und Hungerlohn verschärfter ununterbrochener Kampf ums Dasein— das ist auch bei uns wie in allen kapitali- stischen Ländern das Los der Proletarierinnen. Ist das nicht Grundes genug, damit sie kräftig für die Hebung der Klassen- läge und für die Emanzipation des Proletariats kämpfen! Der Massenstreik im vorigen Jahre brachte frischen, kräftigen Wind in unser politisches Leben. Der Landtag trat zusammen. Er hat eine gründliche Verfassungsreform be- schlössen: das Einkammersystem, den Proporz, das all- gemeine, gleiche und direkte Wahlrecht für alle 24jährigen Staatsangehörigen ohne Unterschied des Geschlechtes. Das Wahlrecht unterliegt einigen Beschränkungen. Als wichtigste heben wir hervor, daß kein Wahlrecht diejenigen besitzen, die nicht die Staatsabgaben bezahlt haben, diejenigen, welche Armenunterstüyung erhalten, und die Militärpersonen. Die Reform wurde vom russischen Zar bestätigt und erhält am 1. Oktober 1906 Gesetzeskraft. Infolge der verschiedenen Be- schränkungen bleibt immerhin noch ein Teil des Volkes— aller- dings der kleinere Teil— ohne Wahlrecht. Dazu kommt, daß auch außerdem der neuen Verfassung noch manche Mängel anhaften. Die Sozialdemokraten und die Proletarierinnen mit ihnen sind daher der Überzeugung, daß die Verfassungs- und Wahlrechtsfrage durch die jetzige Reform noch nicht definitiv gelöst ist, und sie fordern ihre Lösung im Sinne vollkommenen Volksrechtes. „Was werden die finnischen Genossinnen nun tun, wenn sie das Wahlrecht ausüben? Wie werden die ver- schiedenen Klassen und Gruppen der Frauen in Finnland handeln?" So fragen gewiß die deutschen Genossinnen. Die bürgerlichen Frauenrechtlerinnen haben in verschiedenen Teilen des Landes Wahlrechtskomitees gebildet; sie arbeiten »och immer„im Namen aller Frauen und zum Besten aller Frauen", wie es ihre Artikel erklären. Sie versuchen einen allgemeinen Frauenstimmrechtsverband zu gründen, ja sie haben sogar die Frage von der Bildung einer besonderen politischen Frauenpartei aufgeworfen. Die Sozialdemokratinnen haben sich in keiner Weise dem Vorgehen der bürgerlichen Frauen angeschlossen, die von diesen befürwortete besondere Frauenaktion weisen sie zurück. Mit den bürgerlichen Frauenrechtlerinnen zu paktieren und eine besondere Frauenpartei zu bilden, das käme einem Aufgeben des Klassenkampfes gleich, das hieße in die gleiche Schwäche und Unklarheit der Erkenntnis ver- fallen, an der die bürgerlichen Frauenrechtlerinnen leiden. Die verschiedene Klassenlage der Proletarierinnen und der bürgerlichen Frauen bedingt verschiedene Klasseninteressen, bedingt die Klassengegensätze, die eine unüberbrückbare Kluft in der Frauenwelt wie in der Männerwelt schaffen. Die proletarischen Frauen müssen mit den proletarischen Männern zusammen gegen die kapitalistische Ordnung kämpfen. Jetzt, wo wir das Wahlrecht als Waffe haben, ist so gut wie früher unser Platz in der Sozialdemokratie. Von dieser Überzeugung durchdrungen, werden wir unter der roten Fahne des internationalen Sozialismus unseren Kampf fort- setzen. Wir glauben fest daran, daß es uns gelingen wird, mittels des richtigen Gebrauchs unseres Wahlrechtes das harte Schicksal der Proletarierinnen etwas zu erleichtern. Wir sind davon überzeugt, daß es uns treffliche Dienste als Mittel zu dem Zwecke leisten wird, die Köpfe zu revolutio- nieren. Die Genossinnen werden dafür tätig sein, daß die Stimmen der finnischen Proletarierinnen für die von der sozialdemokratischen Partei aufgestellten Kandidaten abgegeben werden, sowohl für die Männer wie für die Frauen. Ihr Sieg ist unser Sieg. Wir hoffen, daß bald etliche Genossinnen von der Tribüne des finnischen Parlaments für die Sache der Freiheit und Gerechtigkeit kämpfen werden. Wir sind überzeugt, daß der Sieg, den wir in Finnland errungen haben, unsere Jdeengenossinnen im Anstände anspornen wird, mit der größten Begeisterung weiter für die Rechte der Unterdrückten zu kämpfen. Möge recht bald zum Besten der Proletarierinnen und des gesamten Proletariats die Frage des Frauenstimmrechtes auch in den anderen Länder» Europas gelöst werden! Hilja Parssinen. übersetzt von Adelaide Burjam. P. S. Während diese Zeilen geschrieben werden, schlagen die Wogen der russischen Revolution höher und stürmischer als}e gegen die Ufer Finnlands. Die Auflösung der Duma bedeutete die offene Kriegserklärung der Regierung gegen das Volk. Wir h ffen zuversichtlich, daß der Kampf mit dem Siege des Volkes endet. Möge mit dem Siege der russischen Revolution, der in hervorragendem ÄRaße der Sieg des russischen Proletariats ist, für die Unterdrückten in allen Ländern die Morgenröte der Freiheit empordämmern. Dieselbe. Der Furniturenwucher in der Schuh- fabrikation. Wie sehr der Wucher mit Furniturenlieferung noch immer im Schwung ist, und wie schlau die Herren Fabrikanten den Buchstaben des Gesetzes zu umgehen wissen, beweist uns eine kleine Schrift, die von Joh. Simon auf Grund der statistischen Erhebungen des Zentralverbandes der Schuhmacher Deutsch- lands herausgegeben und bearbeitet worden ist. Die Ver- öffentlichung ist ein wertvoller Beitrag zur Beleuchtung der Lage der Arbeiter und Arbeiterinnen. Sie läßt sinnenfällig erkennen, daß zur Mehrung des Profits das Unternehmer- tum sich nicht an niedriger Entlohnung der Arbeitskräfte genügen läßt, sondern noch allerlei Praktiken hat, auf Neben- und Schleichwegen den knappen Verdienst zu kürzen. Schon im Jahre 1890 sahen sich die Fabrikanten gelegent- lich der großen Schuhmacheraussperrung im Rhein-"und Maingau durch die allgemeine Einpörung ihrer„Hände" gezwungen, die wucherischen Preise für die von ihnen an die Arbeiter gelieferten Schuhfurnituren herabzusetzen. Seit dieser Zeit ist die Organisation der Schuhmacher in einem fort- währenden Kampfe begriffen, um die Beseitigung des krassen Mißstandes durchzusetzen, den der Furniturenwucher darstellt; um die Gesetzgebung zu veranlassen, endlich klare, unzwei- deutige Bestimmungen festzulegen, welche den Arbeitgeber zwingen, die zur Fertigstellung der Arbeit notwendigen Furnituren frei zu liefern. Der bis jetzt in Betracht kommende Paragraph bestimmt: „daß den Arbeitern Werkzeuge und Stoffe zu den ihnen übertragenen Arbeiten für den Betrag der durchschnittlichen Selbstkosten unter Anrechnung bei der Lohnzahlung ver- abfolgt werden kann— zu einem höheren Preise ist die Ver- abfolgung von Werkzeugen und Stoffen für die Akkord- arbeiter zulässig, wenn derselbe den ortsüblichen nicht über- steigt und im voraus vereinbart wird".— Aber!— der Be- griff des ortsüblichen Preises ist ein sehr dehnbarer; der Selbstkostenpreis des Fabrikanten läßt sich von feiten der Arbeiter gar nicht feststellen, da die Herren Unternehmer gewiß nicht gewillt sind, sich in die Bücher und Falluren hineinschauen zu lassen; endlich aber wird der Arbeiter viel- fach gar nicht erst eingestellt, der, dem Gesetz folgend,„vor- her" den Preis für Furnituren„vereinbaren" würde. Die Preise werden also ganz einseitig vom Unternehmer an- gesetzt. Nur w» die Organisation eine sehr starke ist, war es bis jetzt möglich, die Preise der Furnituren wenigstens einiger- maßen in Einklang mit den Selbstkosten des Unternehmers zu bringen. Die unorganisierten Arbeiter und Arbeiterinnen sind dagegen schutzlos dem Bestreben der Unternehmer preis- gegeben, soviel als möglich aus dem Furniturenwucher her- auszuschlagen. In dem Bericht der württembergischen Fabrikinspektion für 1904 ist zum Beispiel oerzeichnet, daß ein Fabrikant des Donaukreises allein an einer bestimmten Sorte„Taks"(Aufzwickstifte) bei der Lieferung an feine Ar- beiter 18 Prozent zu„verdienen" verstand. Als in München im März 1905 durch eine Lohnbewegung der Arbeiter die Freigabe der Furnituren für die Maschinenarbeiter durch- gesetzt und für die Stepperinnen und Zwicker die Lieferung der Furnituren zum Selbstlostenpreis erzielt wurde, zeigte sich, daß der Unterschied zwischen dem Selbstkostenpreis und dem ftüher angerechneten Preis 88 bis 50 Prozent und 70 Prozent betrug! Aber die Fabrikanten wollten diesen„glatten Verdienst" nicht fuhren lassen. Sie trafen mit den Lieferanten der Taks ein Abkommen, wonach diese den Preis ihrer Ware um 50 bis 60 Prozent höher fakturieren mußten, als er tatsächlich war. Die Sache wurde wie folgt ver- rechnet: der Lieferant gewährte eine Umsatzprämie von 40 Prozent, einen Rabatt von 15 Prozent, einen Extrarabatt von 10 Prozent, ein Kassenskonto von 2 Prozent bei Bar- Zahlung. Dank dieser Abmachung konnte der großmütige Schuhsabrikant seinem Personal die Taks allerdings noch unter dem nominellen Fakturenpreis liefern, während es ihm seine„kaufmännische Routine" ermöglichte, an den Arbeitern als Konsumenten beinahe 100 Prozent zu verdienen. So werden der Gesetzgebung seitens des Unternehmertums Nasen gedreht. � Auf eine äußerst bemerkenswerte Tatsache weist das Schristchen besonders hin. Gerade dort, wo von den Ar- beitern die höchsten Preise für Furnituren bezahlt werden müssen, sind die Löhne die denkbar schlechtesten. In einer Weißenfelser Schuhfabrik zum Beispiel, die mit den sehr diffizilen Knopfbefestigungsmaschinen arbeilet, kommt es vor, daß Arbeiterinnen nach Abzug ihrer Furniturenrechnung den „reichlichen" Lohn von 3 bis 6 Mk. für eine Woche nach Hause tragen. In einem Falle im Jahre 1902 mußte eine Arbeiterin bei einem Bruttoverdienst von 26,54 Alk. noch 46 Pf. aus ihrer Tasche darauflegen, um die Furnituren- rechnung von 27 Mk. zu begleichen, die sie für das ver- arbeitete Material erhielt. Der hervorgehobene Zusammenhang zwischen niedriger Entlohnung und gesteigertem Furniturenwucher verdient be- sondere Beachtung. Er zeigt, daß in jeder Form die Aus- beutung der Arbeiter und Arbeiterinnen dort wächst, wo das Profitbegehren der Kapitalisten nicht durch die Macht der Gewerkschaftsorganisation gezügelt wird. Wo diese stark genug ist, bessere Entlohnung abzutrotzen, da vermag sie auch dem Furniturenwucher entgegenzuwirken. Die Broschüre des Genossen Simon enthält zur be- handelten Frage wie über die Lohnverhältnisse in der Schuh- industrie überhaupt wertvolles und beweiskräftiges Material. Es wird unseren Genossinnen bei ihrer gerverkschaftlichen Arbeit treffliche Dienste leisten, und zwar nicht bloß im Kampfe gegen den Furniturenwucher, bei welchem sie den Schuhmacheroerband mit allen Kräften zu unterslützen haben, sondern bei ihren Bestrebungen zur gewerkschaftlichen Or- ganisierung und politischen Aufklärung überhaupt. Tat- fachen ivie die, welche die Broschüre über die Entlohnung und Auswucherung der Arbeiterinnen enthält, reden ganze Bände von der Llolwendigkeit der Gewerkschaftsorganisation. Und nicht von ihr allein. Sie erweisen auch handgreiflich, daß der gewerkschaftliche und der politische Kamps der Ar- beiterklasse ergänzend zu einander treten müssen, damit die Lage der Ausgebeuteten gehoben wird. Zur Selbsthilfe der organisierten Berufsgenoffen muß der soziale Schutz durch die Gesetzgebung treten, den das politisch organisierte Prole- tariat dem Kapitalistenstaat abzwingt. Hinein in die Ge- werkschaft, hinein in die Sozialdemokratie, das ist die Mah- nung, welche der dringliche Kamps gegen den Furnituren- wucher den Arbeitern und Arbeiterinnen zuruft. a. t. Die Frauen auf dem Trade Llnionskongreß. Vom 4. bis zum 10. September tagte in Liverpool der 89. Jahreskongreß der britischen Trade Unions(lies: Treed Junjens— Gewerkschaften). Unter den 491 Delegierten, die über anderthalb Millionen gewerkschaftlich organisierter Ar- beiter vertraten, waren nur vier Frauen. Die meisten Unions sind gemischt: sie nehmen sowohl männliche wie weibliche Arbeiter auf. Im ganzen gibt es in England etwa 120000 organisierte Frauen, davon sind 80000 in der Textil- und Wollindustrie beschäftigt. Die übrigen verteilen sich auf Post-, Telegraphen- und Telephonbeamte, auf Ladenpersonal und Bergbau. In der Regel sind die bestbezahllen Arbeite- rinnen organisiert, sie sind die Intelligenz der weiblichen Arbeiterschaft. Die schlecht bezahlten Arbeilerinnen sind schiver zu organisieren; die mit großer Mühe vollzogenen Organi- alionen dauern bei ihnen nicht lange. Gewöhnlich hängen sie an einer starke Persönlichkeit, die eine große Anziehungs- kraft auf die armen Arbeilerinnen ausübt. Zieht sich diese Persönlichkeit zurück, dann zerfällt auch die Organisation. So geschah es mit den Zündhölzchenarbeiterinnen und Wäsche- rinnen. Dagegen macht zum Beispiel die Organisation der verhältnismäßig gutbezahlten und gebildeten Telephonmädchen große Fortschritte. Die größte gewerkschaftliche Frauenorganisation ist die nt 31 Jahren bestehende Women's Trade Union League(lies: Wimmens Treed Jun'en Lieg— Bund der weiblichen Gewerkschaften). Sie zählt 75000 Arbeiterinnen. Sie ist indes nur eine Generalkommission der weib- lichen Gewerkschaften. Sie ist von Frauen geleitet. Sie hat ihren Sitz in London(Club Union Buildings, Elerkenwell Road, London L. C.) und gibt Flugblätter und eine Vierteljahrsschrift heraus. Ihre Ausgabe ist, die Ar- beiterinnen zu organisieren, ihnen b»' Streiks und Aus- 138 Die Gleichheit " Nr. 20 sperrungen zu helfen, ihnen in Arbeiterschutzfragen Rechts- ermangeln der Ruhe, die Schätze von Material zu sammeln der Arbeit von Wöchnerinnen sechs Wochen nach der Nieder beistand zu leisten, die speziellen übel der Frauenarbeit vor und zu sichten, die ihre Kästen und ihre Erinnerungen bergen. funft. Ihrer Entscheidung war eine tatsachenreiche, packende die Öffentlichkeit zu bringen, um die Regierung zum Ein- Alle aber, die einen zusammenfassenden geschichtlichen über- Schilderung vom Lose der arbeitenden Frau in der Textil greifen zu veranlassen, und auf Lücken in den Arbeiterschuß- blick über die Entwicklung der proletarischen Frauenbewegung industrie vorausgegangen. Der diese Schilderung vor die gesetzen hinzuweisen. geben wollten, haben darauf verzichtet, ihren ersten Anfängen Delegierten gebracht, war der Tuchmacher Motteler aus Im Anschluß an den Liverpooler Trade Unionskongreß auf Grund eines selbständigen, weitfassenden Quellenstudiums Crimmitschau, welcher mit leidenschaftlichem Eifer im Sinne hielt diese Liga ihre Jahreskonferenz ab. Es waren nachzugehen. Sie begnügten sich damit, bereits aufbereitetes der Internationale wirkte. Der hart empfundene Druck weib500 Frauen und Männer anwesend. Den Jahresbericht Material zu verarbeiten oder auch wohl es einfach zu über- licher Konkurrenz zeitigte auf dem Kongreß zu Eisenach, gab die Sekretärin, Genossin Macarthur, ab. Sie sagte: nehmen. Solches Material, das wertvoll und dabei leicht 1869, den Antrag, die Abschaffung der Frauenarbeit in das Seit der letzten Konferenz schlossen sich zehn Frauen- nußbar war, lag aber nur über die Bestrebungen zur Or- Programm der soeben gegründeten sozialdemokratischen Partei gewerkschaften der Liga an. Unsere Organisatorinnen grün- ganiſierung der Proletarierinnen vor, die in Berlin ihren aufzunehmen. Der Antrag fand keine Majorität. Ihm deten in verschiedenen Industriebezirken einen neuen Verband Ausgangs- und Mittelpunkt hatten. Es ist besonders ent- wurden die Folgen entgegengehalten, welche das Arbeitsder weiblichen Arbeiter, die verschiedenen Industrien an- halten in den drei Broschüren:„ Die zwanzigjährige Arbeite- verbot für die zum Erwerb gezwungenen Frauen haben gehören und bis jetzt unorganisiert waren; es wurden Zweig- rinnenbewegung Berlins und ihre Ergebnisse", von Adeline müsse. Die verhängnisvolle Konkurrenz sei zu bekämpfen gewerkschaften gebildet in London, Edinburg, Preston, Pais- Berger, Berlin 1889; Die Organisation der Arbeiterinnen durch gesetzliche Einschränkung der kapitalistischen Ausley und Halstead. Insgesamt wurden im Berichtsjahr Deutschlands", von Emma Jhrer, Berlin 1893, und„ Die beutungsmacht, durch Erweckung der Proletarierinnen zum 18000 Arbeiterinnen dem Gewerkschaftswesen gewonnen; Arbeiterinnen im Klassenkampf", ebenfalls von Genoffin Ihrer Klassenbewußtsein und ihre Organisierung mit den Arbeitern 11000 schlossen sich der Liga an, 7000 den anderen gewerk verfaßt, in Hamburg 1898 erschienen. zusammen. Die Delegierten, welche diesem Standpunkt ges schaftlichen Organisationen. Der Allgemeine Verband der So ist es gekommen, daß die Anfänge der proletarischen mäß abstimmten, waren erfüllt vom Wesen der Internationale Telephonistinnen, der im Jahre 1904 gegründet wurde, nahm Frauenbewegung in Berlin als die Anfänge der proletarischen und zum Teil Führer von Organisationen, die sich zu ihren im Berichtsjahr um 3000 Mitglieder zu. Er errang sich Frauenbewegung in Deutschland überhaupt dargestellt worden Grundsätzen bekannten. Der„ Volksstaat" von 1870 spiegelt wichtige Konzessionen: in iverpool wurde die Arbeitszeit sind. Und auch das, was darüber in dem und jenem Werke noch den Kampf der Meinungen und das überwiegen der um 12 Stunden wöchentlich herabgesetzt, und in London über die Frauenfrage gegeben worden ist, kann nicht An- geklärten geschichtlichen Auffassung wider. In Nr. 23 von wurde der Lohn für Sonntagsarbeit erhöht. Die Aussperrung spruch auf Vollständigkeit erheben. In feinem historischen 19. März wird zum Beispiel der Standpunkt der Interder Jutearbeiterinnen in Schottland führte zu einer Stärkung Rückblick auf die Entwicklung der proletarischen Frauen- nationale in der Frage mit allem Nachdruck vertreten. Verder Organisation, die jetzt 4000 Mitglieder zählt. In Edin bewegung aber steht verzeichnet, daß schon Ende der sechziger fasser der Einsendung war Robert Seidel, ein sehr rühriges burg streiften die Reisetaschenarbeiterinnen acht Wochen hin- Jahre, vor allem in Sachsen, kräftige Bestrebungen eingesetzt Mitglied der Internationalen Gewerksgenossenschaft der durch und siegten. Sie schlossen sich dem Verband der weib- haben, die Proletarierinnen der Organisation der Arbeiter- Manufaktur-, Fabrik- und Handarbeiter und ein überzeugter lichen Arbeiter an. Ahnliche Ereignisse sind aus Aberdeen klasse und ihren Kämpfen einzugliedern. Und kräftige Be- Vorkämpfer für die Gleichberechtigung des weiblichen Geund Paisley zu melden. In Belfast streiften 12000 Webe- strebungen nicht bloß, sondern recht erfolgreiche obendrein. schlechtes. rinnen und errangen eine Lohnerhöhung von 10 Prozent. An dokumentarischen Nachweisen dafür fehlt es nicht, wenn Die Bestrebungen selbst, die skizzierte Auffassung zur Praxis In allen diesen Konflikten wurden die leitenden Mitglieder diese auch weder reichlich noch geschwätig sind, sich vielmehr zu verdichten und die Frauen der werktätigen Massen mit unserer Liga entweder von den lokalen Gewerkschaftskartellen spärlich und in geradezu nackter Tatsächlichkeit in einem weit den Männern gemeinsam behufs Wahrung der proletarischen oder von den Streifenden selbst auf den Kampfplatz tele- schichtigen Quellenmaterial verstreut finden. Klasseninteressen zu einer organisierten Macht zusammengraphisch berufen. In mehreren gewerblichen Konflikten in Die ersten Anläufe, die Frauen als Mitträgerinnen der zufassen, verlaufen genau in den Furchen, welche die InterLondon konnten unsere leitenden Mitglieder auf Antrag der Arbeiterbewegung zu gewinnen, sind zweifelsohne auf den nationale in der deutschen Arbeiterbewegung gepflügt hat. betroffenen Arbeiterinnen ausgleichend eingreifen, und der Klärenden und treibenden Einfluß der Internationale Ihr hauptsächliches Wirkungsfeld sind die Zentren der niederAusgleich fiel durchweg zugunsten der Arbeiterinnen aus. zurückzuführen. Diese war der echte Sprößling des Kom- erzgebirgischen Textilindustrie, ihre vornehmste Trägerin ist die Aber am schlimmsten steht es mit den schlecht bezahlten Heim- munisten bundes, dessen Manifest aus der revolutio- Internationale Gewerksgenossenschaft der Manu arbeiterinnen. Jeder Organisationsversuch scheitert. Da nierten Lage der Frau, die belastet mit allen Greueln der faktur, Fabrik- und Handarbeiter, mit dem Sitz in fann nur der gefeßliche Arbeiterschutz helfen. Erst wenn die kapitalistischen Ausbeutung in Erscheinung trat, die kühn- Crimmitschau. Heimarbeiterinnen eine bessere Lebenshaltung mit Hilfe der logische Schlußfolgerung zog, es gelte die Stellung der Gesetzgebung erhalten, tann an die gewerkschaftliche Organi- Weiber als Produktionsinstrumente aufzu heben". Mit anderen Worten: Nicht die moderne industrielle fation geschritten werden." Der Bericht wurde mit Beifall aufgenommen. Nach einer längeren Debatte, an der sich mehrere Arbeiterabgeordnete beteiligten und den Leistungen der Liga großes Lob zollten, stellte Fräulein Zuckwell folgenden Antrag: ,, Da die niedrigen Löhne der Heimarbeiter eine ständige Bedrohung der organisierten Arbeiter und zum Teil für die Arbeitslosigkeit verantwortlich sind, so fordert diese Konferenz die Regierung auf, die Einbringung einer Gesetzesvorlage, die einen Mindestlohn für Heimarbeiter festseßt, zu erleichtern." Der Antrag wurde nach längerer Debatte einstimmig angenommen. Auch die Sozialisten stimmten dafür, jedoch mit dem Vorbehalt, daß die ganze Heimarbeit abzuschaffen sei, da sie den förperlichen und geistigen Ruin breiter Arbeiters schichten bedeute. M. Beer- London. Die Anfänge der proletarischen Frauenbewegung in Deutschland.* ( Fortsetzung folgt.) Neunter Verbandstag der Schneider, Schneiderinnen und verwandten Berufsgenossen Deutschlands. Frauenarbeit müsse aufgehoben werden, wohl aber ihre heutige Form, die Lohnfflaverei, welche die Arbeiterin in das lebendige Anhängsel der toten Maschine verwandelt, Der neunte Verbandstag der Schneider tagte vom 13. bis welche den Fortschritt unlöslich verquickt mit Argut, VerKnechtung und Schmach für die Frau, mit wirtschaftlicher 18. August in Berlin. Unter den 79 Delegierten befand sich Schädigung für die Arbeiter, mit der Zerrüttung des prole- nicht eine einzige weibliche. Es ist dies besonders bedauer: tarifchen Familienlebens, mit dem physischen und moralischen lich im Hinblick auf die vielen Zehntausende Arbeiterinnen Verfall des heranwachsenden Geschlechtes. Aufhebung der des Schneider- und Konfektionsgewerbes, die für die DrLohnsflaverei durch den gemeinsamen, festgeschlossenen Kampf ganiſation gewonnen werden sollen. Ihre jammervolle Lage, aller, welche durch die gleichen sozialen Ursachen und Ver- insbesondere als Heimarbeiterinnen, erschwert die Agitation knüpfungen der Ausbeutung und Unfreiheit überantwortet ungemein. Es wäre sicher von Nuzen, wenn die bereits werden, das war das Mittel zur Lösung der Frauenfrage", organisierten Schneiderinnen usw. durch die Heranziehung zu auf welches das„ Kommunistische Manifeft" hinwies. An alle Ausgebeuteten, ohne Unterschied des Geschlechtes, richtete sich sein gewaltiger Sammelruf:„ Proletarier aller Länder, vereinigt euch!" Zur Begründung ihres Antrags sagte Fräulein Tuckwell:„ Die größte Schwierigkeit, gegen die wir in unseren Organisationsarbeiten zu kämpfen haben, ist die Masse von jeglicher Verbandstätigkeit in ihrem Vertrauen zu der OrElend, die auf den Frauen der Heimarbeit lastet. Stellen ganiſation gestärkt und in der praktischen Arbeit für diese Sie sich eine Frau vor, die Tag und Nacht für acht oder immer besser geschult würden. Der Bericht des Vorstandes umfaßt zwei Jahre. Es haben in dieser Zeit stattzehn Pfennig die Stunde arbeitet in einer Stube, die ihr In der Internationale lebte und webte die gleiche Auf- gefunden: 30 Angriff, 48 Abwehrstreits, 18 Aussperrungen als Werkstätte, als Schlafzimmer, als Rüche, als Krankenzimmer und als Totenkammer dient. Die Kinder arbeiten fassung; die Internationale bekannte sich unumwunden zu und 23 friedlich verlaufene Lohnbewegungen. Davon endeten mit, die Schwachsinnigen, die Verkrüppelten, die Alten dem Grundsatz: Gleiche Rechte für jedermann, der seine 16 Angriff, 42 Abwehrstreits und sämtliche Aussperrungen alle nehmen sie teil an dem Kampfe um die nackte Existenz. Pflicht tut.... Keine Rechte ohne Pflichten, keine Pflichten mit einem vollen Erfolg der Arbeiter, 13 Angriff- und 4 AbKann man solche Leute organisieren? Die weiblichen Ge- ohne Rechte." Und sie setzte ihre Einsicht in die Tat um. wehrstreits mit teilweisem Erfolg, 1 Angriff- und 2 Abwerbeinspektoren erklärten, daß diese Arbeitsform eine nie Schon in der Konferenz zu London, 1865, dann auf dem wehrstreiks waren fruchtlos. Die Kosten für sämtliche Lohnversiegende Quelle der Arbeitslosigkeit ist. In den meisten Kongreß zu Genf, 1866, beschäftigte sich die Internationale bewegungen und Streifs beliefen sich auf zirka 287 000 mt. dieser Häuser, die wir besuchten, hörten wir, daß die Frauen mit dem Problem der Frauenarbeit. Die von ihren geistig Dafür wurden Verkürzung der Arbeitszeit und Erhöhung frank waren, frank infolge von überarbeit. Da kann der führenden Elementen vertretene Erkenntnis der sozialen Zu- der Löhne errungen. Der Verband hatte am Schlusse der Trade Unionismus nicht helfen. Erst muß das Schutzgesetz sammenhänge schlug das sentimental- bombastisch aufgeputzte Geschäftsperiode 33 342 Mitglieder, darunter 3312 weibdie Lebenshaltung dieser Leute heben, ehe sie imftande sind, fleinbürgerliche Anfinnen zurück, das Verbot der Frauen- liche. Die Einnahmen betrugen in den zwei Jahren den Gedanken der Organisation zu erfassen und festzuhalten. arbeit, den Kampf gegen die Frauenarbeit zur Losung zu 803 868,96 Mt. Der Verband verausgabte insgesamt Das einzige Mittel ist hier die Festsetzung eines Minimal- erheben. Die Internationale forderte statt dessen wirksamen 782 278,35 Mt., darunter für Agitation 50 594,22 Mt., für lohnes." gefeßlichen Schutz der arbeitenden Frau gegen die kapitalistische Krankenunterstützung 77 071 Mt., für Streitunterstüßung im Ausbeutung( Verbot der Wöchnerinnenarbeit, der Nacht- eigenen Beruf 278 792 Mt. Am 1. Juli d. J. verfügte er arbeit usw.), dessen Eckstein der achtstündige Normalarbeits- über ein Vermögen von 107 929 Mt. In der Debatte über den Vorstandsbericht wurde empfohlen, tag für alle Erwachsenen sein sollte. Bei ihrer Agitation wie bei ihrer Unterstützung der wirtschaftlichen Kämpfe des möglichst im ganzen Reiche Gauleiter anzustellen. Bei BeProletariats hielt sie es mit dem Bibelspruch: Hier ist nicht handlung des Punktes Presse tam eine scharfe Mißbilligung Mann, nicht Weib"; sie kannte nur Lohnsflaven des Kapitals, gegen die Haltung des Verbandsorgans zum„ Vorwärtsihre Reihen standen allen ohne Unterschied des Geschlechtes fonflikt" wie zur Maifeier und zum Massenstreit zum Ausoffen. Nach dem Kongreß zu Lausanne, 1867, schlossen bruck. Angenommen wurde ein Antrag Leipzig dahingehend, fich die Frauen des Schuhmacherverbandes in daß die Fachzeitung" zur Maidemonstration Artikel in England ihr an, 1869 die Ovalistinnen( Seiden- befürwortendem und anfeuerndem Sinne zu bringen hat. zwirnerinnen) von Lyon. In ihrem Generalrat saß seit Bei Erörterung der„ Tattit bei 2ohnkämpfen in Wir haben noch keine Geschichte der proletarischen Frauen- der Gründung bis zum Kongreß von Brüssel, 1868, eine den letzten beiden Jahren" beanspruchten die Ausbewegung unseres Landes. Insbesondere dürftig und un- Frau, Mrs. Harriet. Law, die nach dem Zeugnis unserer sperrungen und der Generalstreit das Hauptinteresse. Die vollständig ist, was wir über die ersten Anfäße der Be- unvergessenen Eleonore Mary rührig für die gewerkschaft- Tariffommission brachte ein einheitliches Schema zur strebungen wissen, den Klasseninstinkt der Proletarierin zum liche Organisierung der Arbeiterinnen in England tätig war. Abschließung von Tarifverträgen in Vorschlag und fand da flaren Selaffenbewußtsein zu läutern und sie als gleichver- Der Geist der Internationale, der mit glänzender Schärfe mit die Zustimmung der Delegierten. pflichtete und gleichberechtigte Mitstreiterin dem allgemeinen unterschied zwischen der fruchtbaren, schöpferischen, geschichtproletarischen Emanzipationskampf zuzuführen. Von manchen lichen Tendenz der industriellen Frauenarbeit und der abder Frauen, die vor langen Jahren die mühselige und opfer- stoßenden, not- und fluchbeladenen Form, in welcher sie sich reiche Arbeit der ersten Aufklärungs- und Organisations in der. kapitalistischen Ordnung durchsetzt, dieser Geist, der arbeit unter dem weiblichen Proletariat geleistet haben, gelten in den Tiefen geschichtlichen Webens die treibenden Kräfte die Worte:„ gestorben, verdorben, zerstreut". Die wichtigen der sozialen Erscheinungen bloßschürfte: er hat in den AnAufschlüsse, die sie über die Kindheitsgeschichte der proletarischen fängen des Zusammenschlusses der deutschen Arbeiter als Frauenbewegung geben könnten, haben sie mit ins Grab Klasse die Haltung gegenüber der Frauenarbeit geprägt und oder in die Weite genommen. Andere frühere Trägerinnen auf die gebieterische Notwendigkeit hingezeigt, auch die Proleunserer Bewegung stehen noch heute mitten im Kampfe und tarierin zum Klassenkampf zu rufen. Die Arbeiterbildungsvereine beschäftigten sich auf * Aus dem„ Neue Welt- Kalender" für 1906. Hamburg, Verlag| ihrer Tagung zu Gera, 1867, mit der Frage der Frauenvon Auer& Co. Nachdruck des Artikels nur mit Erlaubnis der arbeit und forderten in übereinstimmung mit Beschlüssen der Verfasserin gestattet. Internationale das Verbot der Nachtarbeit der Frauen und Bon Klara Zetkin. Zur wirtschaftlichen Lage der Arbeiter und Arbeiterinnen in der Damentonfettion und Damenschneiderei" gelangte nach gründlicher Diskussion eine Resolution zur Annahme, welche die folgenden Forderungen enthält: 1. Einführung und Unterhaltung von Betriebswerkstätten, derart, daß die beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen in unmittelbarem Arbeitsverhältnis zu dem wirklichen Unternehmer stehen. 2. Verkürzung der täglichen Arbeitszeit auf 9 Stunden. 3. Einführung von Wochen- respektive Zeitlöhnen. 4. Überstunden und Sonntagsarbeit sollen nur in ganz dringenden Fällen zulässig sein und müssen dann mit entsprechendem Aufschlag bezahlt werden. Nr. 20 5. Sämtliche Arbeitsgeräte und Furnituren sind vom Arbeitgeber zu liefern. Zur Überwachung der Einhaltung dieser Forderungen verlangte der Verbandstag die Einsetzung örtlicher Kommis fionen und zur Regelung des Arbeitsverhältnisses einen einheitlichen Arbeitsvertrag. Begrüßenswert ist folgender vom Verbandstag akzeptierter Antrag: „ Um die Agitation unter den Arbeiterinnen aller Zweige unseres Berufs erfolgreicher betreiben zu können, beauftragt der Verbandstag den Vorstand, die Mitgliedschaften anzuweisen, ihm geeignete Kolleginnen vorzuschlagen, die zu Agitatorinnen herangebildet werden können. Der Vorstand wird ermächtigt, befähigten Kollegen und Kolleginnen die Mittel zur Teilnahme an den von der Generalfommission eingerichteten Unterrichtskursen zur Verfügung zu stellen." Zum Heimarbeiterschutz nahm der Verbandstag Stellung in einer Resolution, die die bestehenden Bestim mungen der Gewerbeordnung, des Kinderschutzgesetzes und die demgemäß vom Bundesrat erlassenen Verordnungen für gänzlich unzureichend erklärt und von der Gesetzgebung die fofortige Schaffung eines durchgreifenden Heimarbeiterschuhes fordert. Der Verbandstag nahm nach der Berichterstattung über den Kölner Gewerkschaftstongreß zwei Resolu tionen an, nach welchen er im Gegensatz zu diesem den 1. Mai mehr als bisher durch Arbeitsruhe gefeiert sehen will und den Kollegen die Diskussion über die Frage des Massenstreits empfiehlt. Im übrigen erklärte er sich mit den Beschlüssen des Kongresses einverstanden. Die Gleichheit 139 Die Frage des Frauenstimmrechtes gewinnt mit der Ver- Das materielle und moralische Elend der Dienenden wird schärfung des Klassenkampfes erhöhte Bedeutung. Auf seiten wesentlich dadurch verschärft, daß sie nicht unter dem gleichen der herrschenden reaktionären Klassen wächst die Tendenz, Rechte wie die gewerblichen Arbeiter stehen, nicht Anspruch durch die Einführung eines beschränkten Frauenwahlrechtes auf die sozialen Institutionen haben, die deren Schuh die politische Macht des Besitzes zu stärken. Auf seiten dienen, sondern einem mittelalterlichen Ausnahmerecht unterdes Proletariats steigt die Notwendigkeit, die Köpfe zu worfen sind. Die 1339 316 Dienstboten, welche die Berufsrevolutionieren und seine erwachsenen Glieder ohne Unter- zählung von 1895 im Deutschen Reiche ermittelt hat, sind schied des Geschlechtes wohlgerüstet in die Kampfesfront zu durch die Gesindeordnungen gefnebelt und ermangeln der stellen. Der Kampf für das allgemeine Frauenstimmrecht Koalitionsfreiheit, mittels deren die gewerblichen Arbeiter ist das zweckmäßigste Mittel, die Situation im Interesse des und Arbeiterinnen für eine Verbesserung ihrer Lage kämpfen. proletarischen Befreiungskampfes zu nutzen. Die vierte Konferenz der sozialistischen Frauen DeutschDiesen Gesichtspunkten entsprechend erklärt die vierte lands ist der Auffassung, daß die dringend nötige gründliche Konferenz sozialistischer Frauen zu Mannheim: Reform der Dienstbotenverhältnisse nur das Wert der or,, Bei den Kämpfen, welche das Proletariat für die Erganisierten und kämpfenden Arbeiterklasse sein wird, in deren oberung des allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Reihen die Dienstboten selbst mit für die Verbesserung ihres Wahlrechtes in Staat und Gemeinde führt, muß das Loses kämpfen müssen. Frauenwahlrecht gefordert und in der Agitation grund- Als wichtigste Grundlage dieser Reform und als unerläßsätzlich festgehalten und mit allem Nachdruck vertreten liche Voraussetzung dafür, daß die Dienstboten selbst an der werden. Hebung ihrer Lage mitwirken, erachtet die Konferenz die Aufhebung aller gesetzlichen Ausnahmebestimmungen für das Gesinde und ihre volle rechtliche Gleichstellung mit den gewerblichen Arbeitern. Sie fordert daher: Die Frauenkonferenz erklärt es des weiteren als Pflicht der Genofsinnen, sich mit aller Energie an den politischen Wahlrechtsfämpfen zu beteiligen und ihnen die Massen der Proletarierinnen als Mitstreiterinnen zuzuführen, aber andererseits auch mit der nämlichen Energie dafür zu wirken, daß in diesen Kämpfen die Forderung des Frauen wahlrechtes allgemein mit dem gebührenden Nachdruck vertreten wird." 2. Landarbeiterinnenfrage. 1. Abschaffung der Gesindeordnungen und Gesindedienstbücher und Aufhebung der Verpflichtung, mit ansteckenden Krankheiten behaftete Hausangehörige zu pflegen. 2. Unterstellung der Dienenden unter die Gewerbeordnung, Ausdehnung aller Versicherungsgesetze auf sie, Gewährung eines gefeßlich gesicherten vollen Koalitionsrechtes. 3. Sinngemäße Anwendung der Bestimmungen über ArDem Antrag der Statutenberatungskommission In Anerkennung des Grundsatzes, daß die Befreiung der beitszeit und Arbeitsdauer, Sonntags- und Nachtarbeit usw. gemäß wurde die vom Verbandsvorstand geforderte Gin- Arbeiterklasse aus den Fesseln des Kapitalismus nur das auf die Dienenden; im besonderen und zunächst als Mindestführung eines Staffelbeitrags abgelehnt und der Wochen- Werk der Arbeiter selbst sein muß, wird es zur zwingenden maß an gesetzlichem Schuze, Einführung eines geseglich gebeitrag der männlichen Mitglieder auf 35 Pf., der der weib- Notwendigkeit, neben dem Proletariat der Industrie auch regelten Arbeitstags, eines vollen freien Sonntagnachmit lichen auf 15 Pf. festgesetzt. Den weiblichen Mitgliedern das der Agrikultur dem Heer der Klassenflämpfer ein- tags alle 8 Tage, und alle 14 Tage einen vollen freien wird künftig auf Antrag die„ Gleichheit" unentgeltlich ge- zureihen. Die Tatsache, daß das Landproletariat in recht- Tag. Für außergewöhnliche Arbeiten sind Hilfskräfte anliefert und der Vorstand um ein besordetes und zwei un- licher, sozialer, ökonomischer und daraus folgernd im Durch besoldete Mitglieder vermehrt. schnitt auch in intellektueller Hinsicht tief unter dem Proletariat der Industrie steht, bedingt, daß die Agitation unter und für die Landarbeiterschaft einen doppelten Charakter tragen muß. Die Agitation unter den Arbeiterinnen des Schneidergewerbes, welche nach den Beschlüssen des Verbandstages energisch in Angriff genommen werden soll, muß tatkräftige Unterstützung von seiten der Genofsinnen finden. Aus der Bewegung. W. K. Die vierte Konferenz sozialistischer Frauen zu Mannheim. A. Resolutionen. 1. Frauenstimmrecht. Sie muß erstens sein ein wuchtiger Kampf um die Gleichstellung der Landarbeiterschaft mit der Arbeiterschaft der Industrie in juristischer und sozialpolitischer Beziehung sowie in punkto Bildungsmöglichkeit. Wir fordern daher für die Landarbeiter: 1. Beseitigung der Gesindeordnungen und ländlichen Ausnahmegesetze. 2. Rechtliche Gleichstellung der Landarbeiter und des Gefindes mit der Industriearbeiterschaft. 5. Ausgestaltung der Volksschulen auf dem Lande im Sinne des sozialdemokratischen Programms und Schulzwang für Elementarschule bis zu 14 Jahren. 6. Obligatorischer Fortbildungsunterricht für Knaben und Mädchen. 7. Unterstellung der Landarbeiterschaft und des Gesindes unter sämtliche Arbeiterversicherungsgesetze. Die Forderung des Frauenwahlrechtes ist das Ergebnis 3. Arbeiterschutz durch Reichsgesetz für die Landarbeiter der durch die kapitalistische Produktionsweise gezeitigten wirtschaft und das Gesinde, vor allem ein volles, gesichertes schaftlichen und sozialen Umwälzungen, insbesondere aber Koalitionsrecht. der Revolutionierung der Arbeit, der Stellung und des Be- 4. Verbot der Kindererwerbsarbeit in der Landwirtschaft wußtseins der Frau. Sie ist ihrem Wesen nach eine Konse- und bei häuslichen Diensten bis zum 14. Lebensjahr. quenz des bürgerlich- demokratischen Prinzips, welches die Beseitigung aller sozialen Unterschiede heischt, die nicht auf dem Besitz beruhen, und auf dem Gebiet des privaten wie des öffentlichen Lebens die volle juristische Gleichberechtis gung aller Großjährigen als Recht der Persönlichkeit profla-| miert. Das Frauenwahlrecht ist daher von Anfang an von einzelnen Denkern in Verbindung mit allen Kämpfen gefordert worden, in denen die Bourgeoisie für die Demokrati- 8. Errichtung von landwirtschaftlichen Gewerbegerichten. fierung politischer Rechte eingetreten ist, als für eine Vor- 9. Feststellung der im Interesse der Gesundheit und Sittaussetzung ihrer politischen Emanzipation und Herrschaft als lichkeit unerläßlichen Bedingungen für die Landarbeiter Klasse. Die treibende und tragende Kraft als Massenfordes wohnungen sowie eine energische Wohnungspolizei. rung hat es jedoch erst durch die steigende Erwerbstätigkeit Die Agitation muß zweitens sein eine planmäßige, des weiblichen Geschlechtes erhalten, vor allem aber durch energische, unermüdliche Aufklärungsarbeit unter der Landdie Einbeziehung der Proletarierinnen in die moderne arbeiterschaft selbst, damit diese den Organisationen der ArIndustrie. Das Frauenwahlrecht ist das Vorrecht der wirt- beiterklasse zugeführt, Solidarität übend, den Segen der schaftlichen Emanzipation der Frau vom Haushalt und ihrer Solidarität kennen lernen. Damit sie, für heute sich eine ökonomischen Unabhängigkeit von der Familie auf Grund ihrer Berufsarbeit. Prinzipiell bedeutet das aktive und passive Wahlrecht für das weibliche Geschlecht in seiner Gesamtheit die soziale Mündigkeitserklärung; praktisch bedeutet es das Mittel, politische Macht zu erlangen, um die gesetzlichen und sozialen Schranken zu beseitigen, welche die Lebensentwicklung und Lebensbetätigung des Weibes hemmen. Aber die in der Frauenwelt ebenso wie in der Männerwelt wirksamen Klassengegensätze bedingen, daß der Wert und der Hauptzweck des Wahlrechtes für die Frauen der verschiedenen Klassen verschieden ist. Der Wert des Wahlrechtes als soziales Kampfmittel steht in umgekehrtem Verhältnis zu der Größe des Besitzes und der durch ihn verliehenen sozialen Macht. Sein Hauptzweck ist je nach der Klassenlage die volle rechtliche Gleichstellung des Geschlechtes oder aber die soziale Emanzipation des Proletariats durch die Eroberung der politischen Macht zum Zwecke der Aufhebung der Klassenherr schaft und der Herbeiführung der sozialistischen Gesellschaft, die allein die volle menschliche Emanzipation des Weibes verbürgt. hellere Gegenwart erringend, gleichzeitig fampffähiger werden, um über die Erringung von Gegenwartsforderungen hinaus sich am Emanzipationskampf der Arbeiter zu beteiligen. Diese Agitationsarbeit ist nach Ansicht der Konferenz nicht nur Sache der Genossinnen, sondern der Gesamtarbeiter bewegung. Die Konferenz verpflichtet daher die Genofsinnen, bei dieser Agitationsarbeit überall nach besten Kräften mit Hand anzulegen, ferner solche Agitation anzuregen und gegebenenfalls selbst zu inszenieren. Die Konferenz empfiehlt des ferneren ein eingehendes Studium der einschlägigen Verhältnisse zum Zwecke der wirkfameren Durchführung der Agitations- und Organisationsarbeit unter dem Landproletariat. 3. Dienstbotenbewegung. Das angeblich„ patriarchalische" Verhältnis zwischen den Dienstboten und den Dienstherrschaften ist heutzutage zu einem Deckmantel und einer Quelle schlimmster Mißstände geworden, unter denen die Dienenden weit über das Maß der gewerb lichen Arbeiter hinaus leiden. Das traurige Los derselben erhellt nicht bloß aus den zahllosen Klagen und Beschwerden, Den Klassengegensätzen innerhalb des weiblichen Ge- welche in die Offentlichkeit bringen, sondern es ist auch durch schlechtes zufolge tritt die bürgerliche Frauenbewegung nicht Gerichtsverhandlungen einwandsfrei festgestellt worden, daß einheitlich geschlossen und mit höchster Kraftentfaltung für im allgemeinen den Dienstboten weber die kulturgemäße das allgemeine Frauenwahlrecht. Die Proletarierinnen Lebenshaltung, noch die gerechte soziale Würdigung zuteil sind deshalb für die Eroberung ihres vollen Bürgerrechtes wird, auf die sie kraft ihrer Arbeitsleistungen einen Anspruch auf ihre eigene Kraft angewiesen und auf die ihrer Klasse. haben. zustellen. 4. Gesetzliche Vorschriften, gesunde, den hygienischen Verhältnissen entsprechende Schlafräume, welche von innen verschließbar sein müssen, und ständige Kontrolle derselben durch die Behörden. 5. Einführung des obligatorischen Fortbildungsschulunterrichtes auch für die Dienenden bis zum 18. Lebensjahr. 6. Abschaffung der privaten Stellenvermittlungsbureaus und Einführung von paritätischen Stellennachweisen. Die Konferenz spricht des weiteren ihre überzeugung aus, daß die Interessen der Dienenden nicht in dem nötigen Umfang und nicht mit der erforderlichen Energie von Organi fationen vertreten werden können, welche Dienstboten und Dienstherrschaften als Mitglieder in der Annahme umschließen, daß eine Harmonie der Interessen zwischen beiden besteht. Auch die Arbeits- und Existenzverhältnisse der Dienenden werden wie die aller Lohnarbeiter von dem Klassengegensatz zwischen Ausbeutern und Ausgebeuteten beherrscht. Daraus ergibt sich, daß sich die Dienstboten in Organisationen zusammenschließen müssen, welche den freien Gewerkschaften gleich auf dem Boden des Klaffengegensatzes und Klassenkampfes stehen und nur die Interessen der Dienenden vertreten. Die Konferenz erachtet es für die Pflicht der Genofsinnen, die Dienstboten über ihre Lage aufzuklären, in Organisationen der letzteren Art zusammenzuschließen und für die oben bezeichneten Reformen mit allem Nachdruck einzutreten, damit die Hunderttausende dienender Töchter des werftätigen Volkes zu einer kulturwürdigen Lebenshaltung gelangen und zu tätigen Mitkämpferinnen werden. 4. Schwangeren- und Wöchnerinnenschun. Je mehr die Teilnahme der Frau am Berufsleben wächst, desto dringender wird die Frage: Wie vereinigt sich die Frauenerwerbsarbeit mit der Mutterschaft? Besonders die proletarische Frau und ihre Kinder leiden schwer durch diese Doppelbelastung; Unterleibserkrankungen, Erschwerung der Schwangerschaften und Entbindungen, Fehl- und Frühgeburten, frühe Sterblichkeit, Schwächlichkeit und Siechtum der Kinder haben häufig ihre Ursache in den ungünstigen Einflüssen der Frauenarbeit. Der Weg einer Einschränkung( Halbtagsschicht) oder gar eines Verbots der Arbeit verheirateter Frauen ist für uns nicht gangbar. Die Arbeiterfrauen greifen nicht zum Vergnügen zur Lohnarbeit, sondern aus wirtschaftlicher Not, und eine Erschwerung oder ein Verbot der Arbeit außer dem Hause würde die Frau nur noch viel mehr in die ungeschützten Gebiete der Heimarbeit treiben. Ferner aber würden die unehelichen Mütter und Kinder, die den genannten Gefahren ohnehin schon in erhöhtem Grade ausgesetzt sind, ohne Schutz bleiben. Und schließlich find wir überhaupt nicht für eine solche Ginschränkung der Frauenarbeit, weil wir in der letzteren den einzigen Beg zur Frauenbefreiung sehen. Für uns kommt nur in Frage: nicht daran hindert, gesunde Mütter gesunder Kinder zu 1. Die Frauenarbeit so zu gestalten, daß fie die Frauen werden, und 2. Einrichtungen zu schaffen, die den Frauen die Last der Mutterschaft erleichtern. Zu 1 fordern wir: Die proletischen Bedürfnisse seines Emanzipationskampfes Ms schreiendste Mißstände ihrer Lage treten in Er- 1. Einführung des Achtstundentags für alle Arbeiterinnen zusammen mit historischer Einsicht und Gerechtigkeitssinn er scheinung: fast völlige persönliche Abhängigkeit von der über 18 Jahre( des Sechsstundentags für die 14 bis heben das Proletariat zum konsequentesten Vorfämpfer für Dienstherrschaft; schrankenlose Ausnutzung ihrer Kraft und 18 jährigen), der durch eine stufenweise Herabsehung der die volle politische Gleichberechtigung des weiblichen Ge- Beit, oft ungenügende Ernährung; eine allen Anforderungen täglichen Arbeitszeit auf 10 bezw. 9 Stunden für eine kurze, schlechtes. Die Sozialdemokratie, die politische Kampfes der Hygiene und nicht selten auch der Sittlichkeit hohn- gesetzlich bestimmte übergangszeit vorbereitet werden kann. organisation des klassenbewußten Proletariats, tritt daher sprechende Behausung; Lohnschädigungen; schwere sittliche Denn jede einseitige Arbeit ist gesundheitsschädlich, wenn sie prinzipiell wie praktisch für das Frauenwahlrecht ein. Gefahren usw. usw. zu lange dauert. 40 Die Gleichheit Nr. 20 ll. Verbot der Beschäftigung von Frauen mit solchen Ar- b iten, die ihrer ganzen Beschaffenheit nach die Gesundheil on Mutter und Kind ganz besonders schädigen. Wir denken hier vor allem an Arbeiten, die Vergiftungs- gefahren mit sich bringen, an Industriezweige, in denen !iei. Quecksilber, Phosphor, Schwefelkohlenstoff und sonstige 'liste verwendet werden; ferner an Heben und Tragen schwerer Gegenstände und andere speziell den weiblichen Organismus und die Gesundheit der Nachkommenschaft ge- ihrdende Arbeiten. III. Verbot solcher Arbeitsmethoden, die den iveiblichen Organismus gefährden, vor allen, Ersetzung der Maschinen nt Fußbetrieb(Pressen, Heftmaschinen, Näh- und Stick- Maschinen) durch solche mit mechanischer Kraft. Wo diese Forderung zu einer Begünstigung der Heimarbeit führen könnte, wie zum Beispiel in der Konfektionsindustrie, muh dem durch Errichtung von Belriebswerkslälten vorgebeugt werden. Zu 2 fordern wir: Von der Arbeitsschutzgesetzgebung: I. DaS Recht der kündigungslosen Einstellung der Arbeit acht Wochen vor der Niederkunft. II. Ausdehnung des Arbeitsverbots für Wöchnerinnen auf acht Wochen, wenn das Kind lebt— auf sechs Wochen nach Fehl- und Totgeburten, oder falls das Kind innerhalb dieser Frist stirbt. Von der Krankenversicherung: I. Obligatorische Gewährung einer Schwangerenunter- stützung(die das Krankenversicherungsgesetz bis jetzt in das freie Ermessen der Kaste stellt) im Fall der durch die Schwanger- schaft verursachten Erwerbslosigkeit auf die Dauer von acht Wochen. ll. Freie Gewährung der Hebammendienste und freie ärztliche Behandlung der Schwangerschaftsbeschwerden. III. Ausdehnung der Wöchnerinnenunterstützung von sechs auf acht Wochen, falls das Kind lebt, und wenn die Mutter fähig und willens ist, ihr Kind selbst zu stillen, auf die Dauer von mindestens dreizehn Wochen; Ausdehnung der Krankenkontrolle auf die Zeit von der achten Woche ab. IV. Erhöhung des Pflegegeldes an Schwangere, Wöchne- rinnen und Stillende für die Dauer der Schutzfrist auf die volle Höhe des durchschnittlichen Tagesverdienstes. V. Obligatorische Ausdehnung der unter I bis III ange- führten Bestimmungen auf die Frauen der Kassenmitglieder. VI. Ausdehnung der Krankenversicherungspflicht auf alle lohnarbeitenden Frauen, auch die landwirtschaftlichen Ar- beiterinnen, Heimarbeiterinnen und Dienstboten sowie über- Haupt auf alle Frauen, deren jährliches Familieneinkommen 3000 Mk. nicht übersteigt. Von der Gemeinde: Errichtung von Entbindungsanstalten, Schwangeren-, Böchnerinnen- und Säuglingsheimen, Organisation der Löchnerinnenhauspflege, Beschaffung guter keimfreier Kinder- nilch sowie Gewährung von Stillprämien, solange diese Periode noch nicht in die Unterstüyungssrist einbezogen ist. Vom Staate: Gewährung von Zuschüffen sowohl an die Krankenkasten, als auch an die Gemeinde, damit diese den genannten Mutterschutzforderungen gerecht werden können. Aufklärung der Frauen über die richtige Erfüllung ihrer Mutterpflichten durch Aufnahme der Säuglingspflege in den Schulplan der obligatorischen Fortbildungsschulen. Ber- teilung von Merkblättern mit Regeln für die Pflege und Ernährung des Säuglings und die Pflege der Wöchnerin seitens der Standesbeamten. S. Heimarbeit. Angesichts des vielseitigen und tieffressenden llbels der Heimarbeit, das seit vielen Jahren durch wissenschaftliche Forschungen wie Erfahrungstatsachen erwiesen und in diesem Jahre durch die Heimarbeitausstellung zu Berlin aufs neue bestätigt wurde: erklärt es die vierte Konferenz sozialisttscher Frauen zu Mannheim als eine grobe Pflicht- Vergessenheit, daß die gesetzgebenden Gewalten noch nicht einen energischen systematischen Kampf gegen das Heim- arbeiterelend aufgenommen. Sie fordert vom Reichstage eine schleunige Beratung und Beschlußfassung über den An- trag der sozialdemokratischen Fraktion, den Heimarbeiter- schütz betreffend, der die wichtigsten Forderungen enthält, welche die Vertreter der Heimarbeiter und Heimarbeiterinnen selbst in Gemeinschaft mit dem gewerkschaftlich und politisch organisierten Fabrikproletariat und einsichtigen Sozialpoli- ttkern erheben. B. Zur Annahme gelangte Anträge. 1. Kinderfürsorgr. A. Die Frauen-Konferenz lenkt die Aufmerksamkeit der Genosten und der Genossinnen auf die erschreckend hohe Zahl von Fällen entsetzlicher Mißhandlung, Verwahrlosung und Ausbeutung von Kindern durch die eigenen Eltern, Pfleger oder Erzieher. Sie fordert alle Parteiangehörigen und alle Arbeiterorganisationen auf, solchen Unmenschlich- ketten aufs kräftigste entgegenzutreten und durch die Organe der Arbeiterschaft(Arbeiterpresse, Gewerkschaften, Kranken- lasten usw.) auf deren Verhütung planmäßig hinzuarbeiten. Die Konferenz protestiert ferner gegen die heute Herr- schende Ausgestaltung der Zwangserziehung, die das verwahrlost« Kind der planmäßigen Vermuckerung und oft der schmählichsten Ausbeutung überliefert. Sie fordert eine wirkliche Fürsorgeerziehung, die eine wahrhafte Zu- flucht für mißhandelte Kinder schaffen und diese, dem kind- lichen Wesen gemäß, zur Selbständigkeit heranbilden soll. Die Konserenz erwartet von den Arbeiterverlretern in allen öffentlichen Körperschaften, daß sie ständig und planmäßig den Kampf führen auch für diesen Schutz der Kinder gegen Verwahrlosung und Mißhandlung. B. In Erwägung: daß die Erwerbsarbeit der Kinder unbedingt zu verwerfen ist, daß aber der körper- lichen Arbeit als solcher ein hoher erzieherischer Wert innewohnt, macht es die Konferenz sozialdemokratischer Frauen den Vertrauenspersonen der industriell entwickelten Orte zur Pflicht: 1. An die Gememdeoertreter Anträge zu stellen um Schaffung von Krippen und Kindergärten und erforderlichen- falls solche im Geiste moderner sozialer Pädagogik geleitete Einrichtungen selbst ins Leben zu rufen oder zu unterstützen; 2. darüber zu wachen, daß nicht in öffentlichen oder privaten Wohltätigkeits-, Erziehungs- oder Fürsorgeanstalten unter dem Vorwand pädagogischer Zwecke von schulpflichtigen Kindern gewerbliche Arbeit ge- leistet wird; 3. nach Kräften dafür einzutreten, daß ein obligato- rischer und unentgeltlicher Handfertigkeitsunter- richt in allen Volksschulen eingeführt wird. Die Anträge 1 und 4 zum Punkt Agitation werden durch die Debatte für erledigt erklärt, 3 wird abgelehnt, 2 zur Behandlung in der geschlossenen Sitzung zurückgestellt. Was die Antrüge zum Puntte Presse anbelangt, so erklärte sich die Konferenz gegen 6, 7 und 8, die übrigen überwies sie der Vertrauensperson beziehungsweise dem Verlag der „Gleichheit'' zur Berücksichtigung. Die Anträge zur Dienst- boten frage werden zurückgezogen, weil sie durch die De- batte beziehungsweise die giesolution ihre Erledigung ge- funden hatten. 2. Jugendbewegung. Die Frauenkonferenz beschließt, dem Parteitag folgende Resolution zu unterbreiten:„Der Parteitag begrüßt mit Freuden die aus der Jugend herausgewachsenen Bestre- bungen, die darauf hinauslaufen, die Arbeiterjugend in Organisationen zusammenzufassen, die die wirtschaftlichen Interessen der Jugend wahrnehmen, das Solidaritätsgefühl in den jungen Herzen wecken und fördern und die Auf. klärung und Weiterbildung im Sinne der modernen Ar- beiterbewegung betreiben. Der Parteitag sagt den Jugendorganisationen seine vollste Unterstützung zu." Von der Ngitation. In Mülheim a. Rh. fand An- fang September eine öffentliche Versammlung statt, in welcher Genossin Jeetze-Rixdorf über das Thema„Moderne Welt- anschauung und unsere Schule" referierte. Die Referentin legte unter anderem den Frauen ans Herz, sich der Erziehung der Kinder mit der größten Sorgfalt zu widmen und sie zu geistig und sittlich hochstehenden Menschen zu erziehen. Sie empfahl die Lektüre der Arbeiterpresse sowie der übrigen sozialistischen Literatur und fand mit ihren Ausführungen großen Beifall. Nach dem Referat erstattete Genossin Hauer den Halbjahresbericht. Nach ihm fanden vier öffentliche Ver- sammlungen statt; in drei von ihnen wurde ein politisches, in einer ein wissenschaftliches Thema behandelt. Die„Gleich- heit" hatte am Schlüsse des Quartals 19ö Leserinnen gegen 130 im vorigen Quartal. Die Einnahmen betrugen b11,71 Mk., die Ausgaben 339,55 Mk. Die Versammlung gewährte der Vertrauensperson 2 Prozent Mankogeld und wählte sie ein- stimmig wieder. Einer schon früher gegebenen Anregung des Genossen Erkes-Köln folgend, faßten die Versammelten einen Beschtuß, der demnächst stattfindenden Generalversamm- lung der Konsumgenossenschaft„Hoffnung" eine Genossin als Aufsichtsratsnntglied in Vorschlag zu bringen. Für die „Gleichheit" wurden neue Leserinnen gewonnen. K. Schumacher. Mitte September referierte in einer Volksversammlung zu Eving bei Dortmund Genossin Plum über:„Die politische und wirtschaftliche Lage der Arbeiter". Der Referentin wurde das Mandat der Evinger wie der Dortmunder Genossinnen zur Frauenkonferenz und zum Parteitag in Mannheim über- tragen. Frau Balte. Von den Organisationen. Eine Frauenabteilung des Arbeiterbildungsvereins zu Halle a. S. wurde in einer Besprechung gegründet, die Ende August stattfand. Nach einem Vortrag des Genoffen Thiele über„Die Kultur- bewegungen der Jahrhunderte", in welchem insbesondere die Bedeutung der Frauen in diesen Bewegungen hervorgehoben wurde, erklärten 50 Genossinnen ihren Beitritt zu der neuen Frauenabteilung des betreffenden Vereins. Ausklärende Vor- träge und Diskussionen sollen der Weiterbildung der Prole- tarierinnen. dienen. Hoffentlich entwickelt sich die junge Organisation kräftig. Frau Sachse. In Erlangen wurde im September ein Bildungs- verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse ins Leben gerufen. Schon seit längerer Zeit bestand dort eine lose Vereinigung von Proletarierinnen, die aber nur die Geselligkeit pflegte. Aus ihrer Mitte wurde der Wunsch zur Gründung einer Organisation laut, die sich mit ernsten Fragen befasse. Die Konstituierung des Vereins erfolgte in einer Versammlung, in welcher der Vorsitzende des Erlanger Gewerkschaftskartells ein Referat über„Die Aufgaben der modernen Frau" hielt. Bisher haben sich der Organisation, die die„Gleichheit" obligatorisch einführte, 50 Genossinnen angeschlossen. Die Frauen gehen mit Ernst und Eifer an die Arbeit. Besonders ist es ihnen darum zu tun, die Ge- nassen von der nützlichen Wirksamkeit des neuen Vereins zu überzeugen und sie für ihre Bestrebungen zu gewinnen. In einer kürzlich stattgefundenen Versammlung wurde neben anderem der in Nummer 18 der„Gleichheit" veröffentlichte Bericht Genossin Baaders gelesen und in einer nächsten wird ein Vortrag über Simultanschulen gehalten werden. Mögen die Bemühungen der Genossinnen von Erlangen mit Erfolg gekrönt sein. Marg. Hüttner. Mit welchen Verleumdungen die bürgerlichen Gegner die sozialdemokratische Frauenbewegung lächerlich zu mache» suchen, zeigt neuerlich ein Vorfall, der sich kürzlich in Essen abspielte. Dort starb unsere verdiente Genossin Kragenink. Die Genossinnen und Genossen gaben ihr das letzte Geleit und wollten einen Kranz mit roter Schleife auf ihr Grab niederlegen. Der in Essen sattsam bekannte Pastor Marschall, welcher die Grabrede halten sollte, nahm an der roten Schleife Anstoß und forderte ihre Entfernung. Kaum waren die Genossinnen dem Ersuchen nachgekommen, als der Pastor den Kranz ergriff und in die Leichenhalle trug. Die Genossinnen stellten ihn darob zur Rede und machten ihm klar, daß der Kranz ihr Eigentum sei. Pastor Marschall brachte darauf den Kranz wieder zurück. Nachdem der Geist- liche seine Grabrcve beendet hatte, die richtiger gesagt ein politischer Vortrag war, legte Genossin Deuper den Kranz mit den Worten nieder:„Im Namen der sozialdemokratischen Frauenbewegung lege ich diesen Kranz nieder. In demselben Sinne, wie du, teure Genossin, gekämpft hast, wollen auch wir weiter kämpfen." Die bürgerliche Presse benutzte diesen Vorgang, um die schäbigsten Verleumdungen gegen die Ge- nossen und Genossinnen in die Welt zu setzen. Drei bürger- liche Blätter Essens, der„Generalanzeiger", die„Neuesten Nachrichten" und der„Rheinisch-Westsälische Anzeiger" brachten folgendes Eingesandt: „Eine widerliche Szene spielte sich am vergangenen Sonn- tag auf dem evangelischen Teil des Kommunalfriedboss in Essen-West ab. Es wurde die Frau eines Arbeiters be- graben; sie soll sich bei Wahlen besonders agitatorisch hervorgetan haben. Als der amtierende Geistliche im Ornat erschien, pflanzten sich drei.Genossinnen' mit einem mäch- ttgen Kranze mit roter Schleife hinter dem Sarge auf, was polizeilich strengstens verboten ist. Der Geistliche entfernte darauf die Schleife von dem Kranze und stellte den Kranz dann neben dem Sarge auf. Das erregte natürlich großen Unwillen der Genossen, die geschmückt mit roten Krawatten und Nelken in großer Schar dem Zuge gefolgt waren, und man konnte wenig schmeichelhafte Worte für den Geistlichen auS dem Gefolge hören. Dicht bei dem Sarge stand ein Genosse, den Hut auf dem Kopfe, die Zigarre im Munde und sah dem Geistlichen frech ins Gesicht. Eigentlich hätte der Geistliche in Anbetracht der ganzen Situation die kirch- liche Beerdigung unterlassen sollen, aber im Mitgefühl mit den drei armen Kindern, die hefttg schluchzend am Sarge standen, fühlte er sich bewogen zu bleiben und wies die Kinder hin auf den Vater, der die Vöglein unter dem Himmel nährt und die Lilien im Felde kleidet. Auch während dieser Rede fielen wieder gemeine Worte, die der Geistliche richtig bewertete und ignorierte. Der Geistliche geleitete nun den Sarg von der Halle zum Grabe, nahm die Einsegnung vor und nachdem er mit den Kindern noch tröstliche Worte ge- wechselt, verließ er die Grabstätte, um eine zweite Beerdigung vorzunehmen. Inzwischen schwang sich eine Genossin auf den Grabhügel und den Kranz mit der Schleife hinabwerfend schrie sie in die Menge: ,Jm Namen der Genossinnen der völkerbefreienden Sozialdemokratie widme ich dir diesen Kranz, auf Nimmerwiedersehen!' Hierauf brach die Volks- menge, die umherstand, in schallendes Gelächter aus, was einesteils in Anbetracht der Heiligkeit des Ortes zu bedauern war, aber zur Genüge zeigte, wie die Volksmenge von solchem sozialdemokratischen Treiben denkt; man hält es für ein kin- disches, albernes Schauspiel und belacht es. Die evangelische Gemeindevertretung wird aber dafür sorgen, daß derartige sozialdemokratische.Hamburgcreien' in Zukunft nicht mehr vorkommen werden." Genossin Deuper sandte an sämtliche drei Zeitungen eine Berichtigung mit einer wahrheitsgetreuen Schilderung des Borfalls. Sie brandmarkte es als eine Unwahrheit, daß während der Rede des Geistlichen gemeine Worte gefallen wären, und stellte fest, daß es der Geistliche selbst gewesen, der das Gelächter anstimmte. Zwei der betreffenden Blätter nahmen die Berichtigung auf, allerdings nur gekürzt, da die letzten Sätze angeblich Beleidigungen enthalten sollten. Das amtliche Kreisblatt, der Essener„Generalanzeiger", brachte die Erwiderung nicht, obgleich die Vertrauensperson darob mit dem Redakteur des Blattes einen harten Strauß aus- focht. Der Herr erklärte,„die Sache sei ihm zu ekelhaft". Mögen die Arbeiter und Arbeiterinnen aus diesem Ereignis die richtige Lehre ziehen und in Massen der Kirche, wie der bürgerlichen Presse, den Rücken kehren, die beide der modernen Arbeiterbewegung mit dem wütendsten Haß gegenüberstehen und bei jeder Gelegenheit die Interessen der Proletarier mit Füßen treten. V/. D. Zum ersten Male nahmen weibliche Delegiert« an dem Parteitag der pommerschen Sozialdemokraten«eil, der am 2. und 3. September in Gradow-Stetlin tagte. Da die Organisationsbestimmungen der Genossinnen die selbständige Wahl von Delegierten unmöglich machen, so ersuchten die Stettiner und Stralsunder Genossinnen die zu- ständigen Wahlvereine, den Frauen je einen der Sitze ab- zutreten, die ihnen aus dem Parteitag zustehen. Der Bitte wurde willfahren und als Delegierte die Vertrauensperson der Stralsunder Genossinnen sowie die Unterzeichnete ge- wählt. Die regste Debatte drehte sich um die Frage des Massenstreiks. Bei der Beratung über das neue Organi- sationsstatut für die Provinz Pommern wurde auch über einen Ergänzungsantrag der Unterzeichneten zu Z 7 Absatz d verhandelt. Dieser Paragraph regell die Zahl der Delegierten zum Parteitag und bestimmt, daß jeder Wahlkreis außer seinem Vorsitzenden zwei Genossen zu wühlen hat. Die Wahlkreise sind außerdem berechtigt, auf je 200 Mitglieder einen Delegierten zu entsenden. Der eingebrachte Antrag er- Mr. 20 Die Gleichheit 141 H. G. mächtigt die Wahlkreise, auch je eine Vertreterin des weiblichen| Berliner Arbeitern die Konsumvereinssache verekeln konnten. die späte Nacht im Sklavenjoch, und selbst dann finde Proletariats zu delegieren. Mit dem entsprechenden Zusatz ver Heute aber ist das alles überwunden. Die mächtigen Dr- ihrer Verpflichtungen den Herrschaften gegenüber noch nicht sehen, wurde der Paragraph nach längerer Diskussion afzep- ganisationen sind geschaffen und haben schon für mancherlei ledig. Niedrige Entlohnung geht bei ihnen Hand in Hand tiert. Die proletarischen Frauen Pommerns haben nunmehr sozialpolitische und Bildungsaufgaben ihre Kraft eingesetzt, mit schlechter Beköstigung und einer Behandlung, die nur das Recht, sich auf dem Parteitag durch selbstgewählte Dele und von liberalen oder anarchistischen Tendenzen ist in den zu oft aller Menschlichkeit Hohn spricht. Die Mädchen gierte vertreten zu lassen. Ein zweiter Antrag der Unter- heutigen Berliner Arbeiterkonsumvereinen keine Rede. So werden als Menschen zweiter Güte angesehen; besonders zeichneten fand nach interessanter Debatte gleichfalls die ist die Zeit gekommen, einen Teil der agitatorischen und charakteristisch hierfür ist die nicht selten gebräuchliche AnZustimmung des Parteitags. Er macht es den Genossen zur organisatorischen Kraft, die auf anderen Gebieten die Ber- sprache Du". Ihre vollständige Abhängigkeit von der Pflicht, ihre Frauen zur moralischen und materiellen Unter- liner Arbeiterbewegung angesammelt hat, nun mit ganzer Willkür der Herrschaften tritt am frassesten in dem Zeugnisstüßung der proletarischen Frauenbewegung heranzuziehen, Energie den Konsumvereinen zuzuwenden, machtvolle ge- unwesen zutage. Gegen diese entwürdigenden Zustände damit diese der Rolle mehr und mehr gewachsen sein wer- noffenschaftliche Gebilde neben die politischen und die gewerk- müffen die Dienenden, zusammengeschlossen in starken den, welche ihnen im Befreiungskampf der Arbeit zufällt. Ein schaftlichen Organisationen zu stellen. Dazu aber kommen neue Organisationen, den Kampf aufnehmen. begeisterndes Schlußwort des Vorsitzenden, mit neuem Mute Ursachen besonderer Art. Die Heimarbeitausstellungen, die ein für das Gedeihen unserer gerechten Sache zu kämpfen, schloß so furchtbares Elend zutage gefördert haben, die Enthüllungen Gewerkschaftliche Arbeiterinnenorganisation.. die Tagung. Berta Horn. über die traurige Lage der Bäcker, Fleischer usw. lenken mit Die Zahl der Delegierten zur Franenkonferenz war Notwendigkeit das Interesse auf die neben den politischen und Ein Streik organisierter Handweber und Handtrotz der ungünstigen Lage Mannheims für unsere Genossinnen den gewerkschaftlichen Mitteln anwendbare genossenschaftliche weberinnen wurde kürzlich in Österreich mit Erfolg durchaus dem Norden und Often eine über Erwarten große. Aftion, als Unterlage der Eigenproduktion behufs Schaffung gekämp't. Die Heimarbeit mit all ihrem Glend ist auch in 50 Delegierte mit 54 Mandaten nahmen an ihr teil, menschenwürdiger Arbeitsverhältnisse. Und die in unseren großen Territorien Osterreichs daheim. In Nordmähren, während zur Bremer Konferenz nur 32 Delegierte mit Tagen mit so erdrückender Gewalt einsetzende Lebensmittel- Schlesien und Nordböhmen sind die meisten und besten Arbeiter 33 Mandaten gezählt wurden. Unter den Delegierten be- verteuerung zeigt, daß ein ergänzendes Mittel notwendig ist, in der Hausweberei beschäftigt. Mehr und mehr werden sie fanden sich 10 Genossen. Nicht bloß die alten sicheren um dem politischen Kampfe gegen Brot-, Fleisch- und Kohlen sich über ihre Lage flar und schließen sich der Organisation Zentren der proletarischen Frauenbewegung wie Berlin, wucher, der unter den obwaltenden Machtverhältnissen nur an. An dem Streik waren beteiligt 42 Unternehmer und Hamburg, Dresden, Leipzig, Altona, Frank- allzu langsamen Erfolg verspricht, um den gewerkschaftlichen 2000 Arbeiter und Arbeiterinnen, die in den verschiedensten furt a. M., Köln, Essen, Elberfeld, Augsburg, Aktionen, deren schwer errungene Erfolge allzuoft durch Ver- Ortschaften in der Umgebung von Mähr. Schönberg Düsseldorf, Nieder- Barnim und Teltow- Beesteuerung der Lebensnotdurft wieder zunichte gemacht werden, wohnen. Die Fabrikanten gehörten zum Teil der Sektion fow hatten Delegierte entsendet. Es waren vielmehr auch das Hilfsmittel der genossenschaftlichen Selbsthilfe an die der österreichischen Industriellen an, zum Teil- hauptsächlich Drte vertreten, in denen die planmäßige Arbeit unserer Ge- Seite zu stellen. Ist es für sich allein ein schwaches Pal- Die Union der Textilarbeiter, welche für die Organidie Inhaber kleinerer Firmen der Webergenossenschaft. nossinnen noch jungen Datums, jedoch bereits recht erfolg- liatiomittel, so wird es mit den beiden im Bunde und vom reich ist. Der Zuwachs verteilt sich so ziemlich auf alle rechten Geiste getrieben ein treffliches, unerfetzliches und un- sierung der Hausweberschaft in Betracht kommt, traf schon Gegenden des Reiches. Königsberg und Danzig, überwindliches Werkzeug zur Verbesserung der Lebenslage seit Frühjahr dieses Jahres die Vorkehrungen für den AusBromberg und Stettin hatten Delegierte entfendet, der breiten Massen, zur wirtschaftlichen und moralischen heit über die einzelnen Verdienste zu erlangen. Schon im stand. Sie trug unablässig Material zusammen, um KlarRegensburg, Lechhausen, Nürnberg, Kiel, Selbsterstehung des Volkes. Schleswig- Holstein aus dem 1., 2. und 6. Wahlkreis, Das hat die Berliner Gewerkschaftskommission vorigen Jahre einmal waren die damals noch schlecht organiStraßburg, Gelsenkirchen und Dortmund, Gera, denn auch erkannt. Nachdem bereits vor nahezu drei Jahren fierten Hausweber mit Forderungen an die Fabrikanten Altenburg und Jena- Weimar, Mannheim, Wit- eine äußerlich wirkungsvolle, aber die Tragweite entbehrende herangetreten. Von vielen Unternehmern wurden fie gar tenberg, Erfurt, Magdeburg, Kaiserslautern, Rundgebung der gewerkschaftlichen Vertrauensmänner erfolgt einer Antwort gewürdigt, andere erklärten, wem es nicht Koblenz usw. Die Delegationen laffen erkennen, daß war, hat sie nun einen Schritt zu erfolgreicher praktischer recht wäre, der solle die Arbeit stehen lassen. Als ihnen unsere Bewegung fast in allen Teilen Deutschlands festen Arbeit getan. Eine gemeinsame Besprechung von Vertretern jedoch in diesem Jahre im Auguſt die Forderungen der Fuß zu fassen beginnt. In Vertretung des Parteivor- aller Richtungen der sozialen Aktion hat nicht allein die An- Arbeiter überreicht wurden, vergaßen sie vor der vorzüglich standes nahm Genosse Moltenbuhr an der Konferenz nahme einer warmen Sympathieerklärung für die Konsum organisierten Masse ihren Herrenstandpunkt und willigten teil; der Landesvorstand der badischen Organisation vereine, sondern vor allem die Einsetzung einer gemeinsamen bie Lohnerhöhungen auf eine Weise vorzunehmen, die ihnen in Verhandlungen ein. Im Anfang versuchten zwar viele, hatte Genossen Eichhorn delegiert. Genossin Popp- gewerkschaftlich- genossenschaftlichen Kommiffo billig als möglich zu stehen kam. Daraufhin wurde bei Wien vertrat die österreichischen Genossinnen; Ge- fion behufs Betreibung einer nachhaltigen Agitation zum bem rücksichtslosesten Fabrikanten ein partieller Streit geso billig als möglich zu stehen kam. Daraufhin wurde bei noffin Faas- Bern den Schweizerischen Arbeiterinnen Ergebnis gehabt. Und die politischen Vertrauensmänner, führt. Nach acht Tagen ließen alle Weber die Arbeit stehen verband; Genossin Balabanoff- Lugano die italieni- die aus taktischen Erwägungen nicht glaubten mittun zu und kamen drei Stunden weit nach Schönberg, um ihren schen Genossinnen und die russische Sozialdemokratie; follen, haben doch ihre Sympathie für die Genossenschafts- Ausbeutern die Niederlegung der Arbeit mitzuteilen. Der die Genofsinnen Wibaut und Mensing waren die Dele- fache ausgesprochen und den Parteigenossen den gierten der holländischen Genossinnen. Beitritt zu den Konsumvereinen empfohlen. Bezirkshauptmann anberaumte nun Verhandlungen, bei denen Damit ist der Stein im Rollen. Möge der Zeitpunkt für die Uneinigkeit der Unternehmer große Schwierigkeiten bedie Schaffung einer Genossenschaftsbewegung großen Stiles reitete. Die großen Fabrikanten, welche eigene Bleichen, in Berlin nun genutzt werden! Vornehmlich der Arbeiter- Spinnereien und ein größeres Renommee im Handel befizen, frauen Sache ist es nun, mit aller Kraft bas begonnene auch fast ausschließlich nur die besten Waren erzeugen, hatten Werk zu fördern und nicht aus kleinlichen Sondergründen ihre tatkräftige Unterstützung einer Sache zu versagen, die für ihrer Klasse Befreiung ins Werk gesetzt worden ist. Der Worte sind genug gewechselt. Nun vorwärts! Genossenschaftliche Rundschau. Simon Kagenstein. Notizenteil. Dienstbotenfrage. Im Verlag von J. H. W. Die Nachf. in Stuttgart Die Kinderarbeit und ihre Bekämpfung. Das Berliner Konsumvereinswesen ist seit vielen Jahren das Schmerzenskind der deutschen Genossenschaftsimmer etwas höhere Löhne als die fleineren gezahlt, was bewegung. Während in Sachsen und Mitteldeutschland seit allerdings auch durch eine größere Schußzahl in Zentimeter Jahrzehnten ein kräftiges Leben pulsiert, in den letzten der Ware wieder wettgemacht wird. Die großen Unternehmer Jahren an der Wasserkante und am Rhein Mustergültiges verlangten, daß die Spannung zwischen ihren und den Löhnen geschaffen wurde und auch in Süddeutschland zu alterprobten Der kleinen Unternehmer aufhören solle, die kleinen wollten Konsumgenossenschaften in rascher Folge neue, gesunde Gediese aufrecht erhalten. Endlich einigte man sich dahin, daß bilde zuwachsen, sehen wir in Berlin seit einer Reihe von die großen Firmen um 5 Heller pro Stück( gleich 4 GarnJahren ein wenig erfolgreiches Mühen. Mit mehr Eifer strähne) bei den Minimallöhnen mehr zahlen als die kleinen und Hingebung, mit ernsterer Vertiefung und OpferwilligFirmen. Bei einzelnen Firmen macht der Mehrverdienst des feit ist nirgends gearbeitet worden als von einem kleinen Der Berliner ,, Verein für die Intereffen der Haus- einzelnen Arbeiters 25 bis 30 Gulden jährlich aus. Die LohnStreise begeisterter Genossenschafter in Berlin die Er- angestellten" wurde bis vor kurzem von bürgerlicher Seite erhöhungen betragen 4 bis 18 Prozent. Außerdem wurden folge aber, absolut nicht unbeträchtlich, stehen doch in geleitet. In der Juninummer des Vereinsorgans veröffent- noch verschiedene Kleinere Bugeständnisse erlangt. Doch liegt feinem Verhältnis zu den aufgewendeten Mühen, zu der lichte die erste Vorsitzende der Organisation, Frau Deutsch, der Haupterfolg in den festgesetzten Minimallöhnen, die der Masse der Arbeiterschaft und zur Bedeutung der poli- einen Artikel, der sich mit der von den Genossinnen Berlins steten Lohndrückerei ein Ende setzen. Der erfolgreiche Kampf tischen und gewerkschaftlichen Arbeiterbewegung Berlins. im April abgehaltenen öffentlichen Dienstbotenversammlung hat gezeigt, daß die Heimarbeiter am besten iun, wenn sie Die Ursachen dieser betrübenden Zurückgebliebenheit der befaßte, in welcher Genosse Stadthagen referiert hatte. ihrer eigenen Kraft vertrauen und sich in starken OrganiReichshauptstadt sind oft genug erörtert worden. Mate- Frau Deutsch gab in der betreffenden Arbeit ihrer Meinung fationen zusammenschließen. Emmy Freundlich. riell ist es hauptsächlich die in jeder Großstadt be- dahin Ausdruck, daß die Sozialdemokratie nicht die berufene stehende Schwierigkeit der Konkurrenz mit fapitalſtarten, Vertreterin der Dienstmädcheninteressen sei. Die Dienst ist soeben erschienen: jedes Lockmittel der Reklame anwendenden Privat- botenbewegung müsse sich politisch neutral halten, sie dürfe geschäften. Und in Berlin kommt dazu ein besonderer, in nicht zu einer Parteisache gestempelt werden. Des Artikels feiner anderen Stadt in ähnlichem Maße ausgebildeter übel- wegen traten tiefgehende Meinungsverschiedenheiten innerstand: das zu einem sozialen übel großen Stils ausgewachsene halb der Leitung der Organisation zutage. Es zeigte sich, Unwesen der Rabattsparvereine, die durch scheinbaren Vor- daß die Mehrheit des Vorstandes gerade die Sozialdemoteil Käufermassen den Kleinhändlern zuführen, um sie durch fratie als die einzige politische Partei erachtet, welche mit unreelle Geschäftsgebarung aller Art um so stärker auszu Ernst und Konsequenz die Interessen der Dienenden verbeuten. Aber die Konkurrenzschwierigkeiten bestehen auch an tritt. Frau Deutsch legte deshalb ihr Amt als erste Voranderen Orten, und Weltstädte wie Wien und Hamburg be- fitzende nieder. Zur Leitung des Vereinsorgans wurde In einer furzen historischen Einleitung bespricht die Verweisen, daß auch in großen Verhältnissen Bedeutendes für Genoffin Baar berufen und eine Breßkommission eingesetzt, fafferin die Kinderarbeit als Begleiterscheinung der kapitadie genossenschaftliche Entwicklung geleistet werden kann. welcher die Vereinsmitglieder Fräulein Arndt, Fräulein liftischen Wirtschaftsweise und anschließend daran die KinderUnd die intelligente Bevölkerung, zumal die klassenbewußte Göttel und Fräulein Repke angehören. Seitdem der schuzgesetzgebung in Deutschland bis 1891, die Erhebungen Arbeiterschaft Berlins wäre auch über die Scheingewinne Wechsel in der Leitung erfolgt ist, treten mehr und mehr von 1898 und endlich das Kinderschutzgesetz von 1983. In des„ Rabatts" unschwer aufzuklären, wenn nur die nötige die Herrschaften aus dem Verein aus, die bis dahin ihm einem Schlußkapitel wird der bisherige Erfolg des KinderAgitation in hinlänglich großem Stile betrieben würde. Und als Mitglieder angehörten. So vollzieht sich die Entwick schußgefeges beurteilt und ein vortrefflicher Ausblick auf hier fehlte es bisher. Es ist nicht möglich, daß einzelne auf lung in der Richtung zu einer Organisation, die entschieden Kinderarbeit und Kindererziehung, wie beides sein sollte, die Dauer leisten, was zu leisten die Sache der Gesamtheit auf dem Boden des Klassenkampfes steht und mit aller gegeben. Im Anhang findet die Leserin das Gesetz selbst ist. Die Genossenschaftssache nach allen Kräften zu fördern, Energie nur für die Interessen der Dienstboten eintritt. und ein Verzeichnis derjenigen Wertstätten, in deren Betrieb durch den Nachdruck der Masse über die Schwierigkeiten Die Verhältnisse der amerikanischen Dienstboten Rinder nicht beschäftigt werden dürfen. Schließlich ist auch hinwegzuhelfen, durch das Feuer großzügiger Aftion die Be- find, wie Genosse Adolf Braun in einer Versammlung der die Bekanntmachung hinzugefügt betreffend Ausnahmen von denken und Selbsttäuschungen eines turzsichtigen Egoismus Nürnberger Dienstbotenorganisation ausführte, in jeder dem Verbot der Beschäftigung eigener Kinder unter 10 Jahren. zu überwinden: das ist die Aufgabe der gesamten Berliner Beziehung besser als die der deutschen. Der Arbeitstag der Das Büchlein sollte in keinem Arbeiterhaushalt fehlen; Arbeiterbewegung. Diese aber hat bisher auf diesem Gebiet amerikanischen Dienstmädchen währt 12 Stunden, der der jede Mutter muß Kenntnis haben von dem derzeitigen Stand völlig versagt. australischen sogar nur 8 Stunden. Ihre Entlohnung kann der Kinderschutzgesezgebung in Deutschland. Wir wollen über die Vergangenheit nicht rechten. Es mit derjenigen der Dienenden in Deutschland überhaupt Der Preis der Broschüre ist auf 40 Pf. festgesetzt. mag sein, daß der Auf- und Ausbau jener glänzenden polis nicht verglichen werden; Wochenlöhne von 15 Mt. usw. Für die Abonnenten der„ Gleichheit", die sich zum gemeintischen und gewerkschaftlichen Organisation, in der heute sind keine große Seltenheit. In Amerika wird es keinem samen Bezug vereinigen, ist ein wesentlich niedrigerer EinBerlin ohne gleichen dasteht, lange Zeit alle verfügbaren Mädchen einfallen, einem Mann die Stiefel zu putzen oder taufspreis festgesetzt. Kräfte in Anspruch genommen hat. Es mag auch sein, daß die Kleider zu bürsten. Auch schwere Arbeiten brauchen die liberalen Schlagworte von der„ Selbsthilfe" von ehedem, sie nicht zu verrichten, der Fortschritt der Technik hat sie anarchistische Phantastereien von der weltumstürzenden Macht ihnen abgenommen. Ihre deutschen Schwestern haben keine der genossenschaftlichen Organisation in späteren Jahren den geregelte Arbeitszeit; sie stehen vom frühen Moraen bis in Von Käte Duncker. Bestellungen nehmen entgegen alle Vertrauenspersonen, Ottilie Baader, Berlin S 53, Blücher- Straße 49, Hof II und die Expedition der„ Gleichheit" in Stuttgart, FurtbachStraße 12. 142 Von der Straße. Von Otto Krille. E3 treibt der Tag dahin mit lautem Haften, Das Leben wogt wie Meeresflut vorbei, Und um des Daseins Freuden, Leiden, Lasten Entbrennt der Kampf mit dumpfem Zornesschrei. Ein Siegen hier und dort ein Unterliegen. Es schwankt das Glück im wild entfachten Streit, Und mitten drein, in all das tolle Kriegen Zum steten Kehraus fegt der Sturm der Zeit. Im Saal. Von Theodor Storm. ( Schluß.) Dann," sagte die Großmutter, gab es ein Braut paar, und die kleine Barbara wurde deine Großmutter, wie sie hier unter euch sitzt und die alten Geschichten erzählt. So weit war's aber noch nicht. Erst gab es eine Hochzeit, und dazu ließ dein Urgroßvater den Saal bauen. Mit dem Garten und den Blumen war's nun wohl vorbei; es hatte aber nicht not, er befam bald lebendige Blumen zur Unterhaltung in seinen MittagsStunden. Als der Saal fertig war, wurde die Hochzeit gehalten. Es war eine lustige Hochzeit, und die Gäfte prachen noch lange nachher davon.- Thr, die ihr hier igt, und die ihr jetzt allenthalben dabei sein müßt, ihr maret freilich nicht dabei; aber eure Väter und Großväter, eure Mütter und Großmütter, und das waren auch Leute, die ein Wort mitzusprechen wußten. Es war bamals freilich noch eine stille, bescheidene Zeit; wir vollten noch nicht alles besser wissen als die Majestäten und ihre Minister; und wer seine Nase in die Politik steckte, den hießen wir einen Kannegießer, und war's ein Schuster, so ließ man die Stiefeln bei seinem Nachbar machen. Die Dienstmädchen hießen noch alle Trine und Stine, und jeder trug den Rock nach seinem Stande. Jetzt tragt ihr sogar Schnurrbärte wie Junker und Kavaliere. Was wollt ihr denn? Wollt ihr alle mit regieren?" " Ja, Großmutter," sagte der Enkel. Und der Adel und die hohen Herrschaften, die doch dazu geboren find, was soll aus denen werden?" --Adel" sagte die junge Mutter und sah mit stolzen, liebevollen Augen zu ihrem Mann hinauf. Der lächelte und sagte:„ Streichen, Großmutter; oder wir werden alle Freiherrn, ganz Deutschland mit Mann und Maus. Sonst seh' ich keinen Rat." Die Gleichheit | Nr. 20 nachmittags der Großvater wieder die kleine chinesische Stadt herum und dann nach Hause... Ja und Treppe herab, vielleicht" ist's noch trüber, noch häßlicher als hier. Nehmen wir einmal an, ich hätte diesen Tag angenehm verlebt schön! aber was weiter? Immer dieselben grauen Wände immer derselbe Wachtdienst, immer dieselben Gratulations briefe... Die Großmutter lächelte:„ Du bist ein Phantast," sagte sie; dein Großvater war es auch." " Die Lösung. Aus dem Russischen von Dr. Josephsohn. Newyrafimow blieb mitten in der Wachtstube steher und dachte nach. Das Verlangen nach einem neuen, besseren Leben war derart übermächtig in ihm, daß s Gnädiger Herr, Vater und Wohltäter!" schrieb der ihm das Herz zusammenpreßte. Er empfand den leiden Subalternbeamte Newyrafimow, möge Gott Ihnen verschaftlichen Wunsch, sich auf der Straße zu zeigen, in der gönnen, noch viele Male das heilige Osterfest in Gesundheit fröhlichen Menge unterzutauchen, gemeinsam mit den und Glück zu feiern! Und auch Ihrer Familie wün...." anderen dieses Fest zu feiern, um deffentwillen alle die Die Lampe, in der das Petroleum zur Neige ging, Glocken läuteten und die Equipagen rasselten... Ihn blakte und verbreitete einen üblen Geruch. Auf dem Tisch verlangte nach dem, was er irgendwann einmal in seiner neben der schreibenden Hand Newyrafimows lief aufgeregt Kindheit gekannt hatte: Familienkreis, festliche Gesichter, ein verirrter ,, Schwabe" hin und her. Zwei Zimmer von Verwandte, ein weißes Tischtuch, Licht, angenehme der Wachtstube entfernt reinigte der Portier Paramon seine Wärme... Er erinnerte sich des Wagens, in welchem Galastiefel schon zum drittenmal und mit solcher Energie, damals eine Dame vorübergefahren war, des Paletots, daß das Geräusch der Wichsbürsten durch alle Zimmer in welchem der Exekutor einherstolzierte, der goldenen zu hören war. Rette, welche die Brust des Sekretärs schmückte... Er Was könnte ich dem Halunken noch mehr schreiben?" erinnerte sich des warmen Bettes, des Stanislausordens überlegte Newyrafimow, die Augen zur rauchgeschwärzten seines Vaters, der neuen Stiefel, der Schuluniform ohne Decke erhebend. durchgestoßene Ellbogen.... Er erinnerte sich daran, weil er alles das jetzt nicht hatte.... " An der Decke sah er einen dunklen Kreis- den Schatten des Lampenschirms, etwas niedriger die staubige Stuffa tur, noch niedriger die Wände, welche einstmals mit blauer Farbe gestrichen gewesen sein mochten. Und das Wachtzimmer erschien ihm so öde, daß er nicht nur sich selbst, sondern sogar den Schwaben auf dem Tisch bemitleidete... Ich size meine Zeit ab und gehe nach Hause, aber der muß seine ganze Insektenlebenszeit hier verbringen, dachte er, sich dehnend... Langweilig! Ob ich mir viel leicht die Stiefel puze? Sich noch einmal dehnend, ging Newyrafimow langsam in die Portiersloge. Paramon putte nicht mehr. In der einen Hand die Bürste haltend, mit der anderen sich bekreuzigend, stand er an dem geöffneten Luftfenster und horchte.... " Da! Man läutet!" flüsterte er Newyrafimom zu, ihn mit ſtarren, weitgeöffneten Augen anblickend.„ Man läutet!" Newyrafimom näherte das Ohr dem Luftfensterchen und horchte. Durch das Luftloch drang zusammen mit dem frischen Frühlingsduft das Osterläuten ins Zimmer. Das Dröhnen der Glocken mischte sich mit dem Rollen der Equipagen, und aus dem Tonchaos hob sich nur der rasche Tenorton der nächstgelegenen Kirchen ab. 200 " Wieviel Volf!" seufzte Newyrafimow, auf die Straße hinunterblickend, wo an den brennenden Laternen eiligst Die Großmutter erwiderte nichts darauf; sie sagte menschliche Schatten vorüberhuschten. Alle gehen sie zur nur:„ Auf meiner Hochzeit wurde nichts von Staats- Frühmesse.... Unsere haben jetzt sicherlich ein Gläschen geschichten geredet; die Unterhaltung ging ihren ebenen getrunken und treiben sich in der Stadt herum; nur ich Tritt, und wir waren ebenso vergnügt dabei als ihr in allein habe das Pech, an solch einem Tage hier fizen zu euren neumodischen Gesellschaften. Bei Tische wurden müssen! Und jedes Jahr passiert mir das!" spaßhafte Rätsel aufgegeben und Leberreime gemacht," Wer zwingt Sie denn dazu? Sie haben doch heute beim Dessert wurde gesungen, Gesundheit, Herr Nachbar, feinen Dienst? Heute hat doch Saftuzow... Die einen das Gläschen ist leer und alle die anderen hübschen gehen spazieren, andere tun Dienst, wenn sie's nicht Lieder, die nun vergessen sind; dein Großvater mit seiner brauchen. Habsucht!" hellen Tenorstimme war immer herauszuhören. Die" Habsucht? Hat sich was- Habsucht! Zwei Rubel Menschen waren damals noch höflicher gegeneinander; Geld und eine Halsbinde als Zugabe!... Not, aber das Disputieren und Schreien galt in einer feinen Ge- nicht Habsucht!... Wie schön wär's jetzt, mit den anderen sellschaft für sehr unziemlich. Nun, das ist alles anders zur Frühmesse zu gehen und dann zum erstenmal nach geworden; aber dein Großvater war ein sanfter, fried- den Fasten Fleischspeisen zu genießen!... Ein Gläschen licher Mann. Er ist schon lange nicht mehr auf dieser trinken, etwas nachessen und dann... Man sitzt am Welt; er ist mir weit vorausgegangen; es wird wohl Tisch, man ißt das geweihte Osterbrot... Da zischt der Zeit, daß ich nachkomme." Samowar, und neben dir sitt irgend eine Freundin.. Du hast ein Gläschen getrunken und faßt sie unters Rinn... Du fühlst dich als Mensch... Ach!... Ein verlorenes Leben!... Sieh nur den Schelm, der dort in der Equipage vorüberfährt! Aber unsereins muß hier fißen und..." S " Jedem das Seine, Jwan Danilitsch! Wenn Gott will, werden Sie sich in die Höhe dienen und auch mal Equipage fahren..." " Ich? Nein, Bruder, nie im Leben! Ich komme nicht weiter als bis zum Titularrat, und wenn ich gleich plate!... Ich bin ungebildet..." Die Großmutter schwieg einen Augenblick, und es sprach niemand. Nur ihre Hände fühlte sie ergriffen; fie wollten sie alle noch behalten. Ein friedliches Lächeln glitt über das alte liebe Geficht; dann sah sie auf ihren Enfel und sagte:„ Hier im Saal stand auch seine Leiche; du warst damals erst sechs Jahre alt und standest am Sarg zu weinen. Dein Vater war ein strenger, rücksichtsLoser Mann., Heule nicht, Junge, sagte er und hob dich auf den Arm., Sieh her, so sieht ein braver Mann aus, wenn er gestorben ist. Dann wischte er sich heimlich selbst eine Träne vom Gesicht. Er hatte immer eine„ Unser Chef ist auch ungebildet, und doch..." große Berehrung für deinen Großvater gehabt. Jetzt" Ja, aber bevor der Chef so weit fam, hat er auch find sie alle hinüber; und heute habe ich hier im Hunderttausende unterschlagen.... Und dann seine HalSaal meine Urenfelin aus der Taufe gehoben, und ihr tung, Bruder! Die ist ganz anders als meine.... Mit habt ihr den Namen eurer alten Großmutter gegeben. meiner Haltung kommt man nicht weit.... Mit einem dann lebe, und willst Möge der liebe Gott sie ebenso glücklich und zufrieden Wort: troftlos!... Willst du zu meinen Tagen fommen lassen!" du nicht häng' dich auf!" Newyrafimom trat vom Luftfenster fort und ging schwermütig im Zimmer auf und ab. Das Dröhnen der Glocken wurde stärker und stärker. Man brauchte nicht mehr am Fenster zu stehen, um es zu hören. Und je vernehmlicher die Glocken flangen, je lauter die Equipagen collten, desto dunkler schienen die dunklen Wände, die rauchgeschwärzte Stuffatur, desto stärker blafte die Lampe. Die junge Mutter fiel vor der Großmutter auf die Knie und füßte ihre feinen Hände. Der Entel sagte:„ Großmutter, wir wollen den alten Saal ganz umreißen und wieder einen Biergarten pflanzen; die fleine Barbara ist auch wieder da. Die Frauen sagen ja, sie ist dein Ebenbild; sie soll wieder in der Schaufel figen, und die Sonne soll wieder auf goldene Kinderlocken scheinen; vielleicht kommt dann auch eines SommerAus engen Gassen." Berlin 1904, Jobann Saffenbach. Ob ich vielleicht vom Wachtdienst fortlaufe? überlegte Newyrafimow. Aber was kommt dabei Gescheites heraus? 1... Ich laufe fort, treibe mich ein paar Stunden m oer Vielleicht etwas stehlen? überlegte er. Stehlen ist nicht schwer, aber sich nicht erwischen lassen, das ist schwierig.... Man sagt, Diebe pflegen mit dem Gestohlenen nach Amerika zu gehen, aber der Teufel weiß, wo dieses Amerifa ist! Selbst zum Stehlen muß man Bildung haben! Das Geläute verstummte. Man hörte nur noch das gedämpfte Geräusch der Wagen und das Husten Paramons, aber die Traurigkeit und der Groll Newyrafimows wurden immer stärfer, unerträglicher.... In der Wachtstube schlug die Uhr halb eins. Vielleicht irgend jemand denunzieren? Proschfin denun zierte, und von da an ging's mit ihm bergauf.... Newyrafimow setzte sich auf seinen Stuhl und grübelte. Die Lampe, in der das Petroleum ausgebrannt war, qualmte unerträglich und drohte zu erlöschen. Der verirrte Schwabe rannte immer noch auf dem Tisch hin und her und fand keinen Schlupfwinkel.... Denunzieren schön! Aber wie stellt man das an? Das muß mit allen möglichen Schikanen, mit Schlauheit gemacht werden, wie Proschfin es tat.... Aber wie fann ich das? Ich mache das gewiß so, daß man mich hinterher dafür bestraft.... Ach! der Teufel hole mich ganz und gar!... Sich den Kopf darüber zerbrechend, wie er aus dieser trostlosen Lage herauskommen könnte, legte Newyrafimow die Ellbogen auf den angefangenen Brief. Der Brief war an einen Vorgesetzten gerichtet, den er von ganzer Seele verabscheute und haßte, von welchem er aber schon zehn Jahre die Beförderung aus der 16 Rubel- Stelle in die 18 Rubel- Stelle zu erlangen trachtete.... Ah... du läufft hier herum, Teufel," rief er und schlug geärgert mit der flachen Hand nach dem Schwaben, auf den unglücklicherweise gerade seine Blicke fielen. Pfui, wie ekelhaft!" " Der Schwabe fiel auf den Rücken und zappelte verzweifelt mit den Beinen. Newyrafimom ergriff ihn an einem Bein und warf ihn in den Lampenzylinder.... In der Lampe brannte er hell auf und zerplatte... Und Newyrafimow wurde es leichter zu Mute.... Serbstabend. Bon Otto Krille. Horch, wie der Wind in den Bäumen rauscht! Trüb nur flacfert das Straßenlicht, Und zwischen den schwankenden Zweigen lauscht Der Tod mit blühendem Jünglingsgesicht. Gute Nacht! Dein Atem geht heiß, deine Stirne glüht? Bang erzittert des Herzens Schlag. Der Sommer verweltt und die Jugend verblüht, Und die Zukunft ein trüber Wintertag. Zerbrochen der Sehnsucht Bogen und Pfeil Und das flingende Schwert der jungen Kraft. Ein stilles Dulden das letzte Heil In der Notdurft Fessel und drückender Haft. Wie des welken. Laubes müder Duft Mir schanerweckend die Seele streift, Aus toter Wünsche zerfallener Gruft Ein letztes Verlangen das Herz ergreift: Einen Halm von dem Samen, den wir streun! Einen Erntetag in der Jahre Flucht, Gleich dem sorglosen Knaben sich zu erfreun, Der im Waldgras die reifen Eicheln sucht. Und wird's uns nicht, sei still und fest! Es hegt, bringst du auch sonst nichts heim, Verstürmter Gluten Aschenrest Wohl einer Winterblume Keim. Berantwortlich für die Redaktion: Fr. Klara Zetkin( Bundel), Wilhelmshöhe Post Degerloch bei Stuttgart. Drud und Berlag von Baul Ginger in Stuttgart.